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-
Sachsen hat Zukunft
-
Nachhaltigkeitsstrategie
für den Freistaat Sachsen
Nachhaltigkeitsstrategie Freistaat Sachsen

Nachhaltigkeitsstrategie Freistaat Sachsen
1
Inhaltsverzeichnis
I.
Einleitung ........................................................................................................ 2
II.
Handlungsfelder, Nachhaltigkeitsziele und Indikatoren ............................. 4
II.1
Bildung nachhaltig gestalten ............................................................................. 4
II.2
Nachhaltige Finanzpolitik .................................................................................. 7
II.3
Klima schützen, Energie effizient nutzen, Versorgung sichern ......................... 8
II.4
Natürliche Lebensgrundlagen schonen ............................................................. 9
II.5
Städte und ländlichen Raum gemeinsam in die Zukunft führen ...................... 11
II.6
Wirtschaftswachstum und Innovation eine Richtung geben ............................ 14
II.7
Fachkräftepotenziale sichern und nutzen ........................................................ 16
II.8
Gesundheit und Lebensqualität erhalten ......................................................... 17
III.
Nachhaltige Entwicklung und Zukunftsgestaltung selbst in die Hand
nehmen - Kommunale Selbstverantwortung und Bürgerengagement .....20
Indikatorenverzeichnis ................................................................................................22
Literaturverzeichnis .....................................................................................................24
Abkürzungsverzeichnis ...............................................................................................24

Nachhaltigkeitsstrategie Freistaat Sachsen
2
I.
Einleitung
Im Jahr 2013 begeht der Freistaat Sachsen das 300-jährige Jubiläum der
Nachhaltigkeit. Der sächsische Oberberghauptmann Hannß Carl von Carlowitz schrieb
1713 mit der „SYLVICULTURA OECONOMICA, Oder Haußwirthliche Nachricht und
Naturmäßige Anweisung Zur Wilden Baum-Zucht … “ das erste geschlossene Werk
über die Forstwirtschaft und hat dabei den Begriff der Nachhaltigkeit eingeführt und
somit Zukunftsverantwortung eingefordert.
Holz wurde damals in großen Mengen für Erzbergbau und Silberverhüttung verbraucht,
was zur Zerstörung der erzgebirgischen Wälder führte. Das wiederum gefährdete den
Silberbergbau, eine wichtige Grundlage des sächsischen Staatshaushaltes. Mit der
forstlichen Nachhaltigkeit wollte er sicherstellen, „daß es eine continuirliche beständige
und nachhaltende Nutzung gebe“. Das heißt, dass mindestens so viel Holz nachwächst,
wie dem Wald zur Nutzung entnommen wurde. Aber Nachhaltigkeit führte Carlowitz
damals aus rein ökonomischer Notwendigkeit ein, ökologische Überlegungen waren
seiner Zeit fremd. Die ldee der Nachhaltigkeit ist also nicht neu, selbst der Begriff ist es
nicht.
Diesem Erbe von Carlowitz und der daraus abgeleiteten Verantwortung für kommende
Generationen fühlt sich der Freistaat Sachsen verpflichtet.
In dieser Tradition hat die Staatsregierung sich bereits bei der Neugründung des
Landes nach der friedlichen Revolution für eine nachhaltige, zukunftsorientierte
Entwicklung entschieden.
Wir beginnen nicht bei Null. Bereits im Waldgesetz für den Freistaat Sachsen von 1992
werden alle Waldbesitzer zu Nachhaltigkeit in der Waldbewirtschaftung verpflichtet.
Die
Bildungs-
und
Finanzpolitik,
die
Sanierung
von
Umweltschäden,
der
Hochwasserschutz oder der Stadtumbau sind weitere gute Beispiele hierfür.
Dennoch bleibt vieles zu tun. Die großen Herausforderungen für den Freistaat Sachsen
werden vor allem durch die demografische Entwicklung, die weiterhin steigenden
Anforderungen an die Bildung und Ausbildung, durch die Globalisierung und ihre
Wirkung
auf
Gesellschaft
und
Wirtschaft
sowie
durch
die
erforderlichen
Strukturanpassungen infolge knapper werdender Finanzmittel bestimmt. Daneben
verlangen auch Fragen wie der Klimawandel, die Energiesicherheit und der stete
Artenschwund nach Antworten.
Die zeitliche Perspektive der sächsischen Strategie ist in Anlehnung an die nationale
Nachhaltigkeitsstrategie „Perspektiven für Deutschland - Unsere Strategie für eine
nachhaltige Entwicklung“ aus dem Jahr 2002 und an der Nachhaltigkeitsstrategie der
EU auf das Jahr 2020 ausgerichtet. Dennoch ist die Entwicklung zur Nachhaltigkeit ein
Zukunftsprogramm mit unbegrenzter Laufzeit, das stets Grundlage der Politikgestaltung
sein sollte.

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3
Das Leitbild Nachhaltige Entwicklung
Nachhaltige Entwicklung ist eine
Entwicklung, die den Bedürfnissen der
heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen
zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu
wählen.“ (Weltkommission für Umwelt und Entwicklung 1987)
Gesetzlich verankert ist die Leitvorstellung einer nachhaltigen Raumentwicklung im
Raumordnungsgesetz sowie im Sächsischen Landesplanungsgesetz. Die Sächsische
Staatsregierung
orientierte
sich
dementsprechend
bereits
mit
dem
Landesentwicklungsplan 1994 ebenso wie mit dessen aktuellster Fortschreibung 2012
an diesem Leitbild.
Dadurch und durch die Aktivitäten der Lokalen Agenden 21 wird auch durch die
kommunale Ebene das Leitbild der Nachhaltigkeit umgesetzt und mit Leben erfüllt.
Auch wurde das Leitbild der Nachhaltigkeit als Grundlage der Landespolitik in den
Koalitionsvertrag zwischen CDU und FDP über die Bildung der Staatsregierung für die
5. Legislaturperiode aufgenommen.
Nachhaltige Entwicklung ist ein Leitbild für die beständige Suche nach dem Ausgleich
zwischen ökologischen, ökonomischen und sozialen Interessen und Bedürfnissen. Die
Verwirklichung dieses Leitbildes erfordert verantwortungsbewusstes und auf die Zukunft
gerichtetes Handeln aller gesellschaftlichen Ebenen.
Anliegen der Nachhaltigkeitsstrategie
Obwohl Nachhaltigkeit in vielen Handlungsfeldern der sächsischen Politik bereits
Eingang gefunden hat, bedarf es einer noch konsequenteren Vernetzung der Ansätze in
den verschiedenen Fach-politiken.
Die Staatsregierung ist sich dessen bewusst und legt mit der Nachhaltigkeitsstrategie
ein alle Fachpolitiken verknüpfendes Zukunftsprogramm für ein kohärentes und
abgestimmtes gesamtpolitisches Handeln vor.
Hierbei werden Handlungsfelder mit besonderer Zukunftsrelevanz für Sachsen
betrachtet. Weitgehend unberücksichtigt bleiben solche Handlungsbereiche, die für die
Staatsregierung als bundes- oder europaweit geregelte Pflichtaufgaben heute und
künftig kaum Gestaltungsmöglichkeiten bieten. Die Handlungsfelder stellen keine
abschließende
Auswahl
dar.
Die
Handlungsfelder
werden
jeweils
mit
Nachhaltigkeitszielen und Nachhaltigkeitsindikatoren, die den erreichten Fortschritt
messbar machen, untersetzt.
Die Nachhaltigkeitsstrategie soll von der Sächsischen Staatsregierung unter
Einbeziehung gesellschaftlich relevanter Akteure durch konkrete Aktionen umgesetzt
werden.
Sie soll jedoch auch Verantwortlichen und Akteuren aus allen Gesellschaftsbereichen
sowie interessierten Bürgerinnen und Bürgern Orientierung geben. Ihr kommt somit
sowohl eine Steuerungs- als auch eine Informationsfunktion zu.

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4
II. Handlungsfelder, Nachhaltigkeitsziele und Indikatoren
Um die nachhaltige Entwicklung in Sachsen zu fördern, sollen sich die politischen
Handlungsfelder an den Grundsätzen der nachhaltigen Entwicklung orientieren.
Im Ergebnis eines umfassenden Beteiligungsprozesses wurden die nachfolgenden
Handlungsfelder ausgewählt. Die darin formulierten Nachhaltigkeitsziele sollen durch
die Ressorts der sächsischen Staatsregierung mittels konkreter Maßnahmen und
Projekte umgesetzt werden.
II.1 Bildung nachhaltig gestalten
Ausgangssituation
Bildung ist der wichtigste „Rohstoff“ der Gesellschaft. Die Fähigkeit, die sich im Leben
bietenden Chancen zu nutzen, dem Leben einen Sinn zu geben, ist nur auf der
Grundlage einer guten Bildung gegeben. Sie ist auch die Basis, die zum Engagement
im Beruf und für die Fortentwicklung der Bürgergesellschaft befähigt.
Grundsatz sächsischer Bildungspolitik ist es, allen Menschen Bildungschancen zu
eröffnen, die es ihnen ermöglichen, sich Wissen und Werte anzueignen sowie
Verhaltensweisen und Lebensstile zu erlernen, die für eine lebenswerte Zukunft und
positive
gesellschaftliche
Weiterentwicklung
erforderlich
sind.
Dies
ist
ein
gesamtgesellschaftlicher
Auftrag
und für
jeden
Einzelnen
eine
lebenslange
Herausforderung.
Schulische Bildung legt solide Wissensgrundlagen für ein lebenslanges Lernen. Damit
sind die heute Lernenden auch morgen in der Lage, ihr Wissen zu erweitern und flexibel
auf Neues zu reagieren. Wenn wir unseren Wohlstand, unsere wirtschaftlichen und
sozialen Errungenschaften auf dem gewohnten Niveau halten und ausbauen wollen,
brauchen wir gut ausgebildeten Nachwuchs.
Das Fundament sächsischer Bildungspolitik, wie es auch im „Leitbild für
Schulentwicklung“
formuliert
ist,
bildet
die
Trias
aus
Wissenserwerb,
Kompetenzentwicklung und Werteorientierung. Diesen Grundsätzen sind auch die
Lehrpläne aller Schularten verpflichtet. Sie sind die Leitlinien für Bildung und Erziehung
an sächsischen Schulen.
Eine wesentliche Voraussetzung für gelingende Erziehung ist die Partnerschaft
zwischen Elternhaus und Schule. Die Verantwortung für Bildung und Erziehung liegt
zunächst einmal bei den Eltern. Dieser Prozess wird von Kindertageseinrichtungen
unterstützt, begleitet und um Bildungsangebote wirkungsvoll ergänzt.
Mit dem sächsischen Bildungsplan der Kitas werden Eltern in ihrer Erziehung
unterstützt. Kinder werden dort bereits früh an Nachhaltigkeitsthemen wie den
respektvollen Umgang mit Mitmenschen und fremden Kulturen, den sparsamen
Umgang mit natürlichen Ressourcen wie Wasser und Energie, das Verständnis für den
Schutz, aber auch nachhaltiger Nutzung von Tieren und Pflanzen usw. herangeführt.
Auch die Förderung von Lebenskompetenz sowie die Stärkung sozialer Kompetenzen

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wie der Umgang mit Konflikten sind Gegenstand nachhaltiger Bildung in Kitas und
Vorschuleinrichtungen. Damit alle Kinder möglichst die gleichen Chancen haben, muss
der Staat für Chancengerechtigkeit sorgen. Die Vernetzung von Grundschulen und
Kindertagesstätten (Kitas) ermöglicht schon im Vorschulalter mit den Kindern zu
arbeiten und sie spielerisch auf die Schulzeit vorzubereiten. Die individuelle Förderung
wird nach der Schuleingangsphase nahtlos fortgesetzt. Jedes Kind in Sachsen soll
seine Fähigkeiten, Stärken und Talente bestmöglich entwickeln können. Das
sächsische Motto „Jeder zählt“ ist Auftrag und Anspruch zugleich.
Mit einem bundesweit ausgezeichneten Betreuungsangebot bietet Sachsen beste
Voraussetzungen als Bildungsstandort. Das beginnt im Kita-Bereich, wird weitergeführt
mit einem bedarfsgerechten Schulnetz und einem hohen Anteil an Schulen mit
Ganztagsangeboten. Diese bieten insbesondere mehr Fördermöglichkeiten für Schüler
mit Bildungsdefiziten und für solche mit besonderen Begabungen. Im Schulgesetz ist
eine erhöhte Eigenverantwortlichkeit aller an Schule Beteiligten garantiert. Schule kann
nur gelingen, wenn viele an ihr partizipieren und sich für qualitätssteigernde Prozesse
einsetzen. Schule, Wirtschaft und Hochschule sind Partner, deren Zusammenarbeit auf
Augenhöhe für eine verbesserte Berufs- und Studienorientierung der Schüler und die
erforderliche Praxisnähe unabdingbar ist. Dies entspricht auch dem Grundgedanken,
Schule qualitativ durch eine intensive Vernetzung mit ihrem Umfeld zu entwickeln.
Darüber hinaus wird die Mittelschule zur Oberschule bis zum Schuljahr 2013/2014
konsequent weiterentwickelt, um die Chancengleichheit und Durchlässigkeit zwischen
den Schularten zu erhöhen.
Vorgänge und Entwicklungen in Umwelt und Gesellschaft zu verstehen und für
nachhaltige Entwicklungen der Gesellschaft und den Schutz der Umwelt einzutreten,
sind in den sächsischen Lehrplänen aller Schularten und im Leitbild für
Schulentwicklung verankert. Die Themenbereiche werden auch im fächerverbindenden
und fachübergreifenden Unterricht behandelt. Durch spezifische Fortbildungsangebote
werden Lehrer aller Schularten auf die Vermittlung der komplexen Thematik
Nachhaltige Entwicklung“ vorbereitet.
Die Schülerzahlen an Sachsens öffentlichen Schulen werden in den Jahren bis 2020
leicht steigen. Nach der aktuellen Prognose des Statistischen Landesamtes wird die
Gesamtschülerzahl im Schuljahr 2012/2013 bei ca. 375.000 liegen. Bis zum Schuljahr
2020/2021 wird die Gesamtschülerzahl an öffentlichen Schulen auf ca. 394.000
ansteigen.
Zugleich
werden
zahlreiche
Lehrkräfte
vor
allem
wegen
Erreichens
des
Renteneintrittsalters bzw. wegen des Wechsels aus der Altersteilzeit in die vorgezogene
Rente aus dem Dienst ausscheiden. Bis Mitte des Jahrzehnts werden jährlich etwa 500
Stellen frei. Danach setzt die eigentliche Verrentungswelle ein, durch die dann rund
1.600 Lehrer jährlich aus dem Schuldienst ausscheiden. Bis zum Jahr 2030 gehen rund
drei Viertel aller Lehrer, die derzeit im Freistaat unterrichten, in den Ruhestand. Ein
Großteil der ausscheidenden Lehrkräfte wird dabei durch Neueinstellungen zu ersetzen
sein.
Der Aspekt „Nachhaltige Entwicklung“ ist integraler Bestandteil der sächsischen
Hochschulentwicklungsplanung. Durch die Einheit von Forschung und Lehre wird

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6
gewährleistet, dass Ergebnisse von Forschungsvorhaben, die diesem Aspekt
schwerpunktmäßig zuzuordnen sind, unmittelbar in allen relevanten Studiengängen
Eingang finden.
Um möglichst alle Menschen in Sachsen zu erreichen, finden Beiträge zur
nachhaltigen Entwicklung“ auch Eingang in die außerschulischen Bildungsangebote
von freien, öffentlichen und privaten Trägern. Beispiele hierfür sind Projekte im Rahmen
der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung (2005-2014)“, Angebote der
Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt (LaNU), der waldpädagogischen
Einrichtungen
des
Staatsbetriebes
Sachsenforst,
der
Jugendarbeit
und
Jugendverbandsarbeit, der Museen, Sammlungen und Gedenkstätten oder der Theater.
Entscheidende Beiträge zur Bewusstseinsbildung für alle Altersgruppen leisten darüber
hinaus auch Volkshochschulen, berufliche Akademien, die vielfältigen Angebote der
lokalen Agenda 21-Initiativen und der Nichtregierungsorganisationen.
Nachhaltigkeitsziele
Herausbildung und Stärkung von Bewusstsein für:
x
interdisziplinäres und vorausschauendes Denken und Agieren
x
Verantwortung für die Gemeinschaft
x
Weltoffenheit und neue Perspektiven
x
Achtung des Lebens und der Lebensumwelt
x
schonende und nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen
x
ideelle Leitbilder und Werte wie Heimat und regionale Identität sowie damit
verbunden Tradition, Kunst, Kultur- und Naturerbe
Herausbildung und Stärkung des sozialen Engagements sowie der Bereitschaft zur
Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung, insbesondere bei jungen Menschen
Verbesserung der Ausbildungsfähigkeit von Jugendlichen
Förderung des Nachholens beruflicher Qualifikationen und von Berufsabschlüssen
Reduzierung des Anteils von Schülerinnen und Schülern, die die Schule ohne
Abschluss verlassen
Stärkung Sachsens als Kultur-, Bildungs-, Forschungs-, Wissenschafts- und
Technologiestandort
Verbesserung des Wissenschafts- und Kulturaustauschs und internationaler
Bildungskooperationen im schulischen Bereich

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7
Nachhaltigkeitsindikatoren
Leitindikator: Quote der Bürger mit berufsqualifizierender Ausbildung
Quote der Schulabgänger ohne Schulabschluss [%]
Quote von Jugendlichen mit qualifizierendem Berufsabschluss [%]
Anzahl von internationalen Hochschulpartnerschaften an sächsischen Hochschulen
[n]
Anzahl der Kooperationsvereinbarungen (als Maßstab des Vernetzungsgrades)
zwischen den Akteuren formaler und non-formaler Bildung [n]
II.2 Nachhaltige Finanzpolitik
Ausgangssituation
Noch immer besteht in Sachsen Aufbau- und Investitionsbedarf (Infrastruktur,
Unternehmen). Der Investitionsanteil an den sächsischen Haushaltsausgaben liegt
weiterhin an der Spitze der deutschen Länder. Damit leistet der Freistaat seinen
Beitrag, den Nachholbedarf in den Bereichen Infrastruktur und Wirtschaftsförderung zu
schließen und die unterdurchschnittlichen Einnahmen der Kommunen auszugleichen.
Zudem
hat
der
Freistaat
künftig
in
wachsendem
Maße
gesetzliche
Versorgungsansprüche zu erfüllen (Pensionen). Zur Vorsorge gegen daraus
entstehende Belastungen hat der Freistaat den so genannten Generationenfonds
gegründet, aus dem die Versorgungsleistungen an Beamte und Richter geleistet
werden.
Die Situation der sächsischen Staatsfinanzen ist sehr solide. Die Pro-Kopf-
Verschuldung liegt mit 2.839 Euro je Einwohner gegenwärtig (2011) an zweitniedrigster
Stelle aller deutschen Länder. Seit 2006 werden keine neuen Kredite mehr
aufgenommen, sondern jährlich Schulden getilgt, um die Pro-Kopf-Verschuldung
angesichts zurückgehender Bevölkerung konstant zu halten. Auch die kommunalen
Finanzen sind stabil. Die sächsischen Kommunen haben insgesamt in den
vergangenen Jahren Überschüsse erwirtschaftet und Kreditschulden abbauen können.
Dazu beigetragen haben auch die transparenten Verteilungsregeln und die finanzielle
Unterstützung durch den Freistaat.
Gleichzeitig verringern sich wichtige Einnahmen zum Beispiel aufgrund der
Bevölkerungsentwicklung oder des Rückgangs von Solidarpakt- und EU-Mitteln zum
Teil deutlich. Dieser absehbare Rückgang dürfte real nicht durch steigende
Steuereinnahmen kompensiert werden können. Verschuldung schränkt mittel- und
langfristig die politischen Spielräume ein und führt bei sinkenden Bevölkerungszahlen
zu überdurchschnittlichen Belastungen insbesondere künftiger Generationen.

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Nachhaltigkeitsziele
keine Aufnahme neuer Kredite
Tilgung des Schuldenstandes entsprechend der Bevölkerungsentwicklung (konstante
Pro-Kopf-Verschuldung)
Aufnahme einer Schuldenbremse in die Sächsische Verfassung
Stärkung der langfristigen Wachstumskräfte durch Auf- und Ausbau der
(wirtschaftsnahen) Infrastruktur
Beibehaltung der gleichmäßigen Teilhabe des Landes und der Kommunen an der
Entwicklung der Steuereinnahmen
angemessene Vorsorge für implizite Schulden (insb. Pensionszahlungen)
zweckgerechte Verwendung der Solidarpaktmittel
Nachhaltigkeitsindikatoren
Leitindikator: Schuldenstand des Freistaates Sachsen
Schuldenstand pro Einwohner [€]
Investitionen pro Einwohner [€]
Nettokreditaufnahme [€]
Deckung der impliziten Verpflichtungen (Pensionen) durch Generationenfonds [%]
II.3 Klima schützen, Energie effizient nutzen, Versorgung sichern
Ausgangssituation
Der durch menschliche Einflüsse verstärkte Klimawandel mit den zu erwartenden
Klimafolgen erfordert Gegenstrategien und Anpassungen. Die Strategien des
Klimaschutzes und der Anpassung an den Klimawandel müssen auf verschiedenen
regionalen Handlungsebenen gleichzeitig ansetzen. Sie dienen vielfach auch der
Ressourcenschonung und damit der Nachhaltigkeit in mehrfacher Hinsicht.
Bei allen Aktivitäten zur Erhöhung der Energieeffizienz und zum Klimaschutz, ist die
Frage der langfristigen Energieversorgungssicherheit und der Bezahlbarkeit zu
berücksichtigen. Es zeichnet sich ab, dass der weltweit steigende Energiebedarf zu
heute kaum absehbaren Problemen und Konflikten führen kann. Strategien und
Maßnahmen, die langfristig eine höhere Unabhängigkeit von Energieimport sichern und
zu einem geringeren Verbrauch führen, bieten daher Chancen für eine nachhaltige
Entwicklung in Sachsen. Ein ausgewogener und dynamischer Energiemix aus
klassischen und erneuerbaren Primärenergieträgern stellt dafür die Grundlage dar.
Auch
der
Landesentwicklungsplan
2012
wurde
hinsichtlich
raumordnerisch
beeinflussbarer
Vermeidungs-,
Minderungs-
und
Anpassungsstrategien
zum

Nachhaltigkeitsstrategie Freistaat Sachsen
9
Klimawandel und vor dem Hintergrund sich veränderter Rahmenbedingungen und
neuer Aspekte fortgeschrieben.
Nachhaltigkeitsziele
Verringerung der Emissionen von Treibhausgasen (THG) in Sachsen, insbesondere
von Kohlendioxid (CO
2
) durch:
x
Effizienzsteigerung bei konventionellen Energieerzeugungsanlagen
(z.
B.
Implementierung neuester Vergasungstechnologien in Kraftwerke)
x
Entwicklung von Technologien zur CO
2
-freien Braunkohlenutzung
x
Ausbau der dezentralen Energieerzeugung insbesondere auch mit Kraft-Wärme-
Kopplung
x
Erhöhung der Energieeffizienz (Gebäude, Gewerbe und Industrie, Verkehr,
Geräte)
x
Verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien (zentral, dezentral und Einzellösungen,
Strom- und Wärmebereitstellung, Verkehr)
Erhalt bzw. Verbesserung der THG-Senkenfunktion und THG-Speicher-funktion von
Ökosystemen (insbesondere der Wälder und Moore)
Erhöhung des Waldflächenanteils auf 30 % der Landesfläche
Entwicklung und Umsetzung von fachgebietsspezifischen Klimaanpassungsstrategien
Nachhaltigkeitsindikatoren
Leitindikator: Anzahl der Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen
energiebedingte Kohlendioxid-Emissionen in Sachsen [Mio. t/a]
Energieproduktivität
in
Sachsen
(Quotient
aus
Bruttoinlandsprodukt
und
Primärenergieverbrauch) [Mio. €/PJ]
Anteil erneuerbarer Energie am Bruttostromverbrauch in Sachsen [%]
Waldflächenanteil in Sachsen [%]
II.4 Natürliche Lebensgrundlagen schonen
Ausgangssituation
Der Schutz und die nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen ist eine zentrale
Aufgabe für den Freistaat Sachsen.
Seit Beginn der 90er Jahre konnten die Umweltbelastungen deutlich reduziert werden.
Die Wassergüte unserer Fließgewässer hat sich erheblich verbessert, die Waldfläche
nimmt langsam aber stetig zu und auch die Luftqualität hat sich in wichtigen Parametern
verbessert.

Nachhaltigkeitsstrategie Freistaat Sachsen
10
Allerdings ist eine umfassende, weiter zunehmende Lärmbelastung unserer
Lebensumwelt zu beobachten, die selbst vor entlegenen Tourismusgebieten nicht halt
macht. Ebenso sind eine Abnahme der natürlichen Vielfalt, die sich z. B. in immer
längeren Roten Listen gefährdeter heimischer Tier- und Pflanzenarten zeigt, und eine
stetig steigende Bodenversiegelung festzustellen.
Böden erfüllen zentrale Funktionen im Naturhaushalt, u. a. als Wasser- und
Nährstoffspeicher und als Lebensgrundlage für Mensch, Tier und Pflanze. Unbelastete
Böden sind eine wichtige Grundlage für den Trinkwasserschutz. Mit ihrer natürlichen
Speicherfunktion können sie Überschwemmungen durch Hochwasser vermindern und
für die Erneuerung der Grundwasservorräte sorgen. Nachhaltige Bodenbewirtschaftung
schützt Böden vor Erosion und erhält die natürlichen physikalischen, chemischen und
biologischen Bodeneigenschaften. Nur so kann die Leistungsfähigkeit der Böden für die
landwirtschaftliche und forstliche Nutzung auch für die Zukunft gesichert werden.
Die Erhaltung und Mehrung des Waldes besitzt eine herausgehobene Bedeutung bei
der Sicherung der Lebensgrundlagen. Der seit über 20 Jahren in Sachsen praktizierte
Waldumbau,
die
naturnahe
Waldbewirtschaftung
und
das
Wiedereinbringungsprogramm
der
Weißtanne
sind
wesentliche
Beiträge
der
Forstwirtschaft zur Verbesserung der Biodiversität.
Der Biodiversität kommt eine bedeutende Zeigerfunktion für die Qualität der
Lebensumwelt zu, auch für die des Menschen. Der heute weltweit zu beobachtende
und sich beschleunigende Artenschwund ist auf einen ganzen Komplex von
Einwirkungen auf die Ökosysteme zurückzuführen und weist nicht zuletzt auf die
globale Gefährdung des menschlichen Lebensraumes hin. Durch vorsorgenden
Naturschutz,
wie
z.
B.
eine
konsequente
Umsetzung
des
Europäischen
Schutzgebietssystems
Natura
2000
und
Unterstützung
der
ökologischen
Landwirtschaft, sorgt die Staatsregierung für den Erhalt der Biodiversität und
gleichzeitig für den Erhalt einer lebenswerten und vielfältigen Heimat für die
Bürgerinnen und Bürger.
Nachhaltigkeitsziele
Flächenneuinanspruchnahme in Sachsen bis zum Jahr 2020 auf unter 2 ha/Tag
reduzieren
Reduzierung
der
Bodenerosion
durch
angepasste
Bodenbearbeitung,
Flächennutzung und -bewirtschaftung
Verminderung des Eintrags von Nähr- und Schadstoffen in Gewässer, um die
Funktion der Gewässer, insbesondere als Trinkwasserressource, nach Menge und
Beschaffenheit dauerhaft zu sichern
Vollständige Durchsetzung des Standes der Technik in der Abwasserentsorgung bis
2015
langfristige Sicherung und Erhöhung der Vielfalt an Lebensräumen, an Arten und
ihrer genetischen Ausstattung
Sicherung der Funktion für den Biotopverbund auf 10 % der Landesfläche bis 2020

Nachhaltigkeitsstrategie Freistaat Sachsen
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Nachhaltigkeitsindikatoren
Leitindikator: Biodiversität als Indikator eines leistungsfähigen Naturhaushaltes
und einer lebenswerten Umwelt
tägliche Neuinanspruchnahme an Siedlungs- und Verkehrsfläche in Sachsen [ha/d]
flächenmäßiger
Anwendungsumfang
erosions-
und
stoffaustragsmindernder
Bewirtschaftungsverfahren in der Landwirtschaft [ha]
Anteil Abwasserbehandlung nach Stand der Technik [%]
Erhaltungszustand der Natura 2000-Schutzgüter entsprechend der Berichtspflicht
nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie
II.5 Städte und ländlichen Raum gemeinsam in die Zukunft führen
Ausgangssituation
Der ländliche Raum Sachsens mit seinen Teilräumen ist durch Vielfalt und
eigenständige Entwicklungspotenziale gekennzeichnet. Er ist Wirtschaftsraum und
überwiegender Regenerationsraum unserer Lebensgrundlagen. Gleichzeitig stehen die
ländlichen Räume mit urbanen Räumen in enger Verflechtung. Diese funktionalen
Beziehungen müssen in den regionalen Entwicklungsprozessen berücksichtigt werden.
Stadt und Land erfordern jeweils spezielle eigene Entwicklungsimpulse, bedingen sich
funktional und ergänzen einander. Städte und Stadtkerne haben regionale und
überregionale Versorgungsfunktionen für das weitere Umland.
Eine besondere Bedeutung bei der gemeinsamen Zukunftsgestaltung der Städte und
der ländlichen Räume kommt deshalb der Ausgestaltung der Stadt-Umland-
Beziehungen zu. Tragfähige Kooperationen der Städte auch mit ihrem Umland führen
zum einen zur Stärkung der Zentralen Orte und den von ihnen zu erfüllenden
Versorgungsfunktionen, zum anderen profitieren die Städte und ihr Umland von den
jeweiligen
spezifischen
Kompetenzen
und
Potenzialen
des
anderen.
Die
fachübergreifende Raumordnung wie auch die Fachplanungen verfolgen daher zur
Stärkung der nachhaltigen Raumentwicklung das Ziel einer effizienten und integrierten
Entwicklung von Stadt und Land, die sich an den jeweiligen spezifischen teilräumlichen
Bedingungen und Bedarfen orientiert. Der Region als Umsetzungsebene kommt dabei
eine besondere Bedeutung zu.
Seit Ende der 90er Jahre werden die ländlichen Räume durch Entwicklungen
beeinflusst, die durch Bevölkerungsrückgang, eine alternde Gesellschaft, Abwanderung
junger Menschen und eine hohe Zahl einkommensschwacher Haushalte geprägt sind.
Die Anpassung an die demografische Entwicklung ist daher auch ein bedeutendes
Thema in den Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzepten.
Damit verbunden ist ein tendenziell rückläufiger Bedarf an Versorgungsinfrastruktur.
Auch für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zeichnen sich dadurch
spezifische Anforderungen ab. Als Bindeglied zwischen Stadt und Land muss der

Nachhaltigkeitsstrategie Freistaat Sachsen
12
ÖPNV attraktiv und effizient gestaltet werden – nicht zuletzt auch um angesichts
knapper werdender Mittel Spielräume für ein bedarfsgerechtes Angebot zu erhalten.
Dabei können kompakte Siedlungsstrukturen durch die Verkürzung weiter Transport-
und Fahrwege als ein Beitrag für eine nachhaltige Raumentwicklung dienen und
unnötiger Zersiedelung und Flächenzerschneidung entgegen wirken.
Im Bereich der Regionalentwicklung, der Integrierten Ländlichen Entwicklung und der
Stadtentwicklung können Gebietskörperschaften und Regionen auf der Grundlage
interkommunaler
Kooperation
ihre
Potenziale
optimal
ausschöpfen
und
Entwicklungsmaßnahmen regional abstimmen, um möglichst nachhaltige Effekte zu
erreichen.
Dabei
werden
alle
relevanten
Akteure
am
Findungs-
und
Entscheidungsprozess beteiligt. Diese interkommunale Zusammenarbeit führt zu
nachhaltigen Entwicklungsprozessen, die im regionalen Konsens angestoßen werden
und finanziell tragfähig sind.
Die Stadtentwicklung wurde im Jahr 2000 entsprechend der eingetretenen
Demografieeffekte neu justiert. Die Städte sollten ihre Entwicklung unter dem
Vorzeichen
sinkender
Bevölkerungszahlen
neu
überdenken.
Integrierte
Stadtentwicklungskonzepte
sind
seither Grundlage der
Stadtentwicklung
und
Städtebauförderung.
Die Vitalität der Städte und Dörfer wird auch maßgeblich von deren kulturellem Leben
geprägt. Kulturelle Lebendigkeit entsteht durch bürgerschaftliches Engagement einer
sowohl traditionsbewussten als auch für neue Einflüsse aufgeschlossenen Bevölkerung.
Der Erhalt und die Entwicklung von öffentlich finanzierten kulturellen Einrichtungen
müssen fortlaufend überprüft werden und mit der Vermittlung kultureller Bildung Hand in
Hand gehen.
Dabei ist zu beachten, dass auch der Tourismus eine wichtige Komponente
nachhaltiger Entwicklung in Stadt und Land bilden kann. Die Symbiose von Tourismus,
Gastronomie und regionaler Ernährungswirtschaft sichert ortsgebundene Arbeitsplätze.
Nachhaltigkeitsziele
Stabilisierung, Weiterentwicklung und Profilbildung des ländlichen Raumes als
attraktiver Lebens- und Wirtschaftsraum
finanzielle
Vorsorge
auf
der
jeweiligen
Ebene
treffen
für
erforderliche
Ersatzinvestitionen
sowie
für
Anpassungsmaßnahmen
in
der
öffentlichen
Daseinsvorsorge (technische und soziale Infrastruktur) an den tatsächlichen Bedarf
Stärkung des wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Austauschs zwischen Stadt
und Land
bedarfsgerechtes Vorhalten von kommunalen Einrichtungen und Angeboten
einschließlich
der effizienten, attraktiven und bedarfsgerechten Gestaltung des
Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV)
Sicherstellung der Tragfähigkeit öffentlicher Einrichtungen
Verbesserung der Telekommunikationsinfrastruktur (z. B. Breitband) auch im
ländlichen Raum

Nachhaltigkeitsstrategie Freistaat Sachsen
13
Sicherung und Stärkung der Erholungs- und ökologischen Ausgleichsfunktionen des
ländlichen Raums
Erhaltung und Entwicklung eines ausreichenden Angebotes von ruhigen und
attraktiven Erholungsräumen innerhalb und im Umfeld der Städte und im ländlichen
Raum
Herstellung
nachhaltiger
städtebaulicher
Strukturen
in
von
erheblichen
städtebaulichen
Funktionsverlusten
betroffenen
Gebieten
infolge
von
Bevölkerungsrückgang und Arbeitsplatzabbau
(gekennzeichnet z. B. durch
Gebäudeleerstand oder Brachflächen)
Innenentwicklung vor Außenentwicklung (Vermeidung von Perforation)
Stärkung der Innenstädte und Ortskerne in ihrer Funktion als Wohn-, Arbeits- und
Versorgungsstandort
Klima-
und
ressourcenbewusste
energetische
Sanierung
von
bestehenden
Wohngebäuden, Errichtung energieeffizienter Neubauten
Planen und Gestalten der städtischen und ländlichen Entwicklung auf der Grundlage
integrierter (gesamtstädtischer sowie teilräumlicher) Handlungskonzepte unter
besonderer Berücksichtigung von fachlichen Klima- und Naturschutz-, Energie- und
Verkehrskonzepten
Revitalisierung und Nachnutzung von Brachflächen durch die Beseitigung von
Belastungen
und
Entwicklungshemmnissen
zur
Senkung
der
Flächenneuinanspruchnahme
Erhaltung kulturhistorisch wertvoller Stadt- und Ortskerne mit ihrer Bausubstanz und
nachhaltige Ertüchtigung von Baudenkmalen für eine neue Nutzung
Steigerung
der
Attraktivität
der
grenzüberschreitenden
Region
Sachsen-
Niederschlesien-Nordböhmen als Lebensraum, Wirtschaftsstandort, Kultur- und
Tourismusregion
Nachhaltigkeitsindikatoren
Leitindikator: Bevölkerungsentwicklung im Freistaat Sachsen
Bevölkerungsentwicklung und Altersstruktur im ländlichen Raum und in den
Verdichtungsräumen (Raumkategorien entspr. LEP, jeweils absolut und Anteil an der
Gesamtzahl der Bevölkerung in Sachsen sowie Unterschiede zur durchschnittlichen
sächsischen Altersstruktur) [n] und [%]
Anzahl geschaffener Arbeitsplätze außerhalb der landwirtschaftlichen Urproduktion im
ländlichen Raum [n]
Lebenszufriedenheit der Menschen in Stadt und Land skaliert abgebildet anhand
repräsentativer Umfragen
Auslastung
im
Öffentlichen
Personennahverkehr
[Personenkilometer/
Streckenkilometer und Jahr]

Nachhaltigkeitsstrategie Freistaat Sachsen
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II.6 Wirtschaftswachstum und Innovation eine Richtung geben
Ausgangssituation
Eine wettbewerbsfähige Wirtschaft sichert die Zukunftsfähigkeit unseres Landes und die
Attraktivität unserer Heimat. Sachsens Unternehmenslandschaft ist nach wie vor eher
von kleineren und mittleren Unternehmen geprägt. Diese Struktur schränkt die
Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit der sächsischen Wirtschaft ein. Kooperationen
sind das wahrscheinlich am besten geeignete Mittel, diesen Nachteil zu überwinden.
Der Bedarf an innovativen Prozessen und Produkten ergibt sich aus dem schneller
werdenden technischen Fortschritt und der Globalisierung. Sachsens wirtschaftliche
Basis besteht zu einem Gutteil aus (exportierender) Industrie sowie industrienahen
Dienstleistungen. Ein gegenüber den anderen ostdeutschen Ländern deutlich höherer
Exportanteil verdeutlicht dies. Daher muss die sächsische Wirtschaft gerade angesichts
einer stärkeren weltwirtschaftlichen Verflechtung im internationalen Vergleich
technologisch wettbewerbsfähig sein. Wachsender Innovationsbedarf ergibt sich zudem
aus der tendenziell zunehmenden Ressourcenknappheit. Entscheidend ist die schnelle
Umsetzung von Forschungsergebnissen in industrielle Produktion.
Eine Wirtschafts- und Innovationspolitik ist aber nur dann nachhaltig, wenn sie
langfristig wirtschaftliches Wachstum und eine selbst tragende wirtschaftliche
Entwicklung ermöglicht. Zur Steigerung der Innovationseffizienz und dem besseren
Einsatz der Fördermittel wird deswegen derzeit eine Innovationsstrategie des
Freistaates Sachsen erarbeitet.
Die Staatsregierung betreibt eine zielgerichtete Ansiedlungspolitik, bei der auch die
Nachhaltigkeit der Ansiedlungsprojekte berücksichtigt wird. Nur Investoren mit über
Fördermittel hinausgehendem Interesse am Standort schaffen nachhaltig Arbeitsplätze
und nur eine hohe Lebensqualität vermag Spitzenkräfte langfristig zu binden. Auch in
den vielen kleinen Unternehmen sieht die Staatsregierung einen wichtigen
Wirtschaftsfaktor.
Ein wichtiger Standortfaktor ist eine effiziente Verwaltung, die einen zügigen Vollzug der
durch die Politik vorgegebenen Rechtsgrundlagen gewährleistet. Dazu setzt die
Staatsregierung im Rahmen einer umfassenden Staatsmodernisierung auch auf
Bürokratieabbau.
Sachsens Regionen sind wirtschaftlich unterschiedlich stark. Es gilt daher, neben den
Großstadtregionen auch kleinstädtische und ländliche Regionen zu stärken.
Neben der Setzung des entsprechenden Rahmens durch die öffentliche Hand kommt
es natürlich auf die Initiative der Wirtschaft an. Dies liegt auch in ihrem unmittelbaren
Eigeninteresse. So machen langfristig steigende Rohstoffpreise nachhaltiges
Wirtschaften für den Einzelnen attraktiv. Marktliche und ergänzend staatliche
Anreizwirkungen entfachen die Kreativität von Unternehmern und Ingenieuren und
führen zu nachhaltigen Lösungen. Auf diesem Weg wird die Industrie ihr Potenzial von
10 bis 20 % Energieersparnis erreichen können.

Nachhaltigkeitsstrategie Freistaat Sachsen
15
Mit der Umsetzung freiwilliger Leistungen für den Umweltschutz im Rahmen ihrer
Teilnahme an der Umweltallianz Sachsen stellen Unternehmen ihr ökologisches
Engagement unter Beweis.
Nachhaltigkeitsziele
Erreichung selbst tragender wirtschaftlicher Entwicklung mit hoher Beschäftigung,
auch als Grundlage, demografische Trends umzukehren
konsequente
Ausrichtung
auf
neue
Technologien
und
Unterstützung
der
Herausbildung zukunftsfähiger Wirtschaftsstrukturen
Schwerpunktsetzung bei der Infrastrukturentwicklung auf diejenigen Bereiche, die
besondere Beiträge für mehr Wachstum und Beschäftigung leisten
Anteil FuE-Aufwendungen am BIP: 3 %
Erhöhung der Rohstoffproduktivität
Sicherung der Verfügbarkeit von Rohstoffen, Rohstoffstrategie der Staatsregierung
umsetzen
Verbesserung der stofflichen Nutzung der einheimischen Braunkohle
Schaffen
attraktiver
Arbeitsbedingungen
und
Karrieremöglichkeiten
für
Hochqualifizierte
Unterstützung von Unternehmensgründungen
Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe
Ausbau der Initiative Elektromobilität zu einem technologischen Vorreiter moderner
Verkehrs- und Fahrzeugtechnologien
Stärkung des kooperativen Umweltschutzes mit der Zielrichtung nachhaltigen
Wirtschaftens, z. B. durch die Umweltallianz Sachsen
Nachhaltigkeitsindikatoren
Leitindikator: Innovatorenquote (Anteil der Unternehmen, die Produkt- oder
Prozessinnovationen eingeführt haben)
Anzahl der Arbeitsplätze [n]
Anzahl der Unternehmen [n]
Anzahl der Forschung und Entwicklung betreibenden Unternehmen [n]
Index Rohstoffproduktivität [Euro/t (Rohstoffverbrauch)

Nachhaltigkeitsstrategie Freistaat Sachsen
16
II.7 Fachkräftepotenziale sichern und nutzen
Ausgangssituation
Die sächsische Wirtschaft stützt sich insbesondere auf qualifizierte Facharbeiter,
Ingenieure und Wissenschaftler, die qualitativ hochwertige Produkte, Innovationen und
Dienstleistungen
hervorbringen.
Um
wirtschaftliche
Tätigkeit
und
die
Rahmenbedingungen hierfür erhalten und weiter entwickeln zu können, werden gut
ausgebildete Fachkräfte benötigt. Dazu gehören Facharbeiter ebenso wie Meister,
Techniker und Akademiker.
Bereits heute zeichnet sich jedoch ein wachsender Fachkräftebedarf ab. Bereits ab
2014 werden voraussichtlich mehr Personen in den Ruhestand eintreten, als Jüngere
eine Berufstätigkeit aufnehmen werden.
Das Erwerbspersonenpotenzial in Sachsen wird in den nächsten Jahrzehnten deutlich
sinken. Die Staatsregierung hat auf diese Herausforderungen bereits reagiert und eine
Fachkräftestrategie vorgelegt.
Es kommt also darauf an, dass Wirtschaft und Staat entsprechend aus- und fortbilden
sowie für ein attraktives Umfeld sorgen. Die in der Regel mobilen Fachkräfte müssen
zum einen überhaupt verfügbar sein und zum anderen nach Sachsen kommen und in
Sachsen bleiben. Dies bedeutet, Fachkräfte nach erfolgter Ausbildung in Sachsen zu
halten, aus Sachsen abgewanderte Leistungsträger zurückzugewinnen und zusätzlich
ausländische Fachkräfte nach Sachsen zu holen.
Dies bedeutet auch, die Berufswünsche mit der Nachfrage in Einklang zu bringen und
möglichst allen Menschen, die erwerbstätig sein wollen, Erwerbstätigkeit auch
tatsächlich zu ermöglichen. Bei jenen, die in Erwerbstätigkeit sind, muss ein
besonderes Augenmerk auf den Erhalt ihrer gesundheitlichen Arbeitsfähigkeit auch im
Alter gerichtet werden.
Die zweite Ausrichtung der Arbeitsmarktpolitik betrifft geringer qualifizierte Arbeitskräfte
sowie Langzeitarbeitslose oder ältere Arbeitslose. Sie sollen durch gezielte Aus- und
Weiterbildung bessere Voraussetzungen für Arbeit und damit eigene Einkommen
erhalten. Auch die Wirtschaft muss sich ihrer Verantwortung verstärkt stellen.
Schließlich
dürften
ohne
bessere
Qualifizierung
gerade
gering
qualifizierte
Erwerbspersonen auch künftig stärker von Arbeitslosigkeit bedroht sein. Gute Bildung
von klein auf sowie Qualifizierung auch von älteren Arbeitnehmern sind dabei
Schlüsselfaktoren und die beste vorbeugende Sozialpolitik. Sachsen hat hierfür
grundsätzlich gute Voraussetzungen.
In der längeren und effektiven Beschäftigung älterer Arbeitnehmer liegt großes
Potenzial. Zwar ist die Erwerbsquote älterer Arbeitnehmer in den letzten Jahren deutlich
gestiegen. Für den Übergang vom Erwerbsleben in den Ruhestand sind flexible und
individuelle Lösungen nötig. Die Ausweitung der Lebensarbeitszeit stellt z. B. höhere
Anforderungen an den Gesundheits- und Arbeitsschutz und erfordert neue Modelle des
Übergangs in den Ruhestand. Die gesundheitliche Arbeitsfähigkeit muss daher
allgemein und bei besonders belastenden Berufen speziell gestärkt werden.

Nachhaltigkeitsstrategie Freistaat Sachsen
17
Nachhaltigkeitsziele
Erhaltung der Beschäftigungsfähigkeit von Langzeitarbeitslosen
Förderung der Zuwanderung von qualifizierten Fachkräften aus dem Ausland
Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie
Stärkung der betrieblichen Gesundheitsförderung
Erhöhung der Weiterbildungsquote bei Berufstätigen
Nachhaltigkeitsindikatoren
Leitindikator: Nichtbesetzungsquote für Fachkräfte
Arbeitslosenquote [%]
Anzahl des Zuzugs von qualifizierten ausländischen Fachkräften [n]
Frauen- bzw. Müttererwerbsquote [%]
Erwerbsquote älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer [%]
II.8 Gesundheit und Lebensqualität erhalten
Ausgangssituation
Gesellschaftliche Verhältnisse, Umwelteinflüsse und individuelles Verhalten wirken sich
auf die Gesundheit und die damit verbundene Lebensqualität der Menschen aus.
Unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit ergeben sich derzeit folgende drei
Schwerpunkte: Sicherstellen des gesunden Aufwachsens von Kindern, Deckung des
medizinischen und pflegerischen Versorgungsbedarfs der Gesamtbevölkerung und
Anpassen der Bedingungen für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben insbesondere
von älteren Menschen und Menschen mit Behinderungen.
Ausgehend von den Ergebnissen der jährlichen Einschulungsuntersuchungen ist
festzustellen, dass seit einigen Jahren die Daten für Sprachauffälligkeiten, Übergewicht
sowie Auffälligkeiten bei der Grob- und Feinmotorik ansteigen bzw. auf (relativ) hohem
Niveau verharren. Eine weitere Herausforderung stellt die Zunahme von psychischen
Erkrankungen und Verhaltensstörungen insbesondere bei Kindern und Jugendlichen
dar. Der Freistaat Sachsen widmet sich daher intensiv der Erarbeitung und Umsetzung
präventiver Maßnahmen, dem Gesundheitsschutz und der gesundheitlichen Aufklärung,
um Kindern und Jugendlichen eine gute Grundlage für ihr gesamtes Leben zu schaffen.
Die Lebenserwartung der Menschen als ein Indikator zur Einschätzung der
gesundheitlichen Rahmenbedingungen
steigt seit mehr als 15 Jahren in Sachsen
kontinuierlich an.
Grundsätzlich ist nicht auszuschließen, dass eine längere Lebenszeit mit einer
besseren Gesundheit und mehr Vitalität verbunden ist. So wird gezielt darauf
hingewirkt, dass ältere Menschen möglichst lange zu Hause wohnen und

Nachhaltigkeitsstrategie Freistaat Sachsen
18
selbstbestimmt leben können; insbesondere auch im ländlichen Raum. Um dies zu
ermöglichen,
werden
verschiedene
innovative
Ideen
entwickelt
und
deren
Umsetzbarkeit geprüft (z. B. Ambient Assisted Living – umgebungs-unterstütztes
Leben).
Dennoch ist zu berücksichtigen, dass mit zunehmendem Alter das Risiko, an einer
chronischen Erkrankung zu leiden sowie die Wahrscheinlichkeit der Multimorbidität, d.
h. gleichzeitiges Vorliegen mehrerer behandlungsbedürftiger Krankheiten wächst. Auch
das Risiko von Pflegebedürftigkeit sowie einer Behinderung nehmen mit höherem
Lebensalter zu.
Daher wird sich - obwohl Sachsens Einwohnerzahl insgesamt rückläufig ist - der
medizinische und pflegerische Versorgungsbedarf voraussichtlich erhöhen. Zugleich
wird die Zahl der Erwerbsfähigen im Freistaat Sachsen bis 2030 beträchtlich
abnehmen. Der Bedarf an gut qualifiziertem medizinischem und pflegerischem
Fachpersonal wird voraussichtlich zunehmen.
Aus dieser Gesamtschau der gegenwärtigen Situation ergeben sich besondere
Anforderungen für die Bedarfsplanung in der medizinischen und pflegerischen
Versorgung. Hier gilt es insbesondere Anpassungen im Hinblick auf die demografische
Entwicklung vorzunehmen - dazu zählen beispielsweise Faktoren wie Mobilität und
Barrierefreiheit. Die Einführung eines Demografiefaktors bei der Bedarfsplanung für die
ambulante Versorgung durch den Bund, ist ein Beitrag zur Lösung der bestehenden
Probleme. Auf Landesebene wurde ein ganzes Bündel von Maßnahmen zur
medizinischen Versorgung entwickelt, bspw. durch Stärkung und qualitative
Verbesserung des Faches Allgemeinmedizin im Studium sowie verschiedene
Fördermöglichkeiten im Rahmen des Medizinstudiums.
Ein wesentliches Erfordernis ist und bleibt darüber hinaus der Grundsatz der
vorsorgeorientierten Gestaltung der Lebensverhältnisse. Dies geschieht nicht nur durch
eine gesundheitsverträgliche, sondern durch eine ausdrücklich gesundheitsförderliche
Planung, auch im kommunalen Bereich. Hierbei soll die Gelegenheit zur Umsetzung
des Aktionsprogramms Umwelt und Gesundheit der Bundesregierung (APUG) ergriffen
werden.
Gesundheitsbeeinträchtigungen durch Umwelteinflüsse wie z. B. Lärm oder
Luftschadstoffe, kann bereits durch frühzeitige Beteiligung der Gesundheitsbehörden an
Planungs- und Genehmigungsverfahren wirksam entgegen getreten werden. Als
Ansatzpunkt bietet sich hierfür die Prüfung des Schutzgutes Mensch und der
menschlichen Gesundheit (Gesundheitsverträglichkeitsprüfung
im Rahmen der
Umweltverträglichkeitsprüfung) an, welche gleichzeitig als Schnittstelle zur Öffentlichkeit
eine Aufklärungsfunktion übernimmt. Während der Grundstein für die weitreichende
Beteiligung der Gesundheitsbehörden bereits gelegt ist, besteht hinsichtlich einer
intensiven und effizienten Umsetzung noch erhebliches Entwicklungspotenzial.

Nachhaltigkeitsstrategie Freistaat Sachsen
19
Nachhaltigkeitsziele
Erhaltung
der
flächendeckenden
medizinischen
Grundversorgung
in
allen
sächsischen Teilräumen
stärkere Verzahnung von Umwelt- und Gesundheitsschutz (APUG) auch auf der
kommunalen Planungsebene durch die umfassendere und frühzeitige Einbeziehung
der Gesundheitsbehörden in Planungs- und Genehmigungsverfahren auch im
kommunalen Bereich
Sicherung des gesunden Aufwachsens von Kindern insbesondere hinsichtlich der
Förderung ihrer gesundheitlichen Chancengerechtigkeit in allen sächsischen
Teilräumen als kontinuierliche Querschnittsaufgabe
Erzielung einer gesunden und ernährungsphysiologisch ausgewogenen Ernährung
der sächsischen Bevölkerung, (insbesondere der Kinder und Jugendlichen)
regionale und bedarfsorientierte Beratung, Behandlung und Betreuung von Kindern,
Jugendlichen und Familien, die von psychischen Entwicklungsauffälligkeiten und
Erkrankungen bedroht oder betroffen sind
Schaffung eines besseren Bewusstseins für Gesundheitsrisiken einschließlich der
Gefahren von Abhängigkeitserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen als Teil der
allgemeinen Lebenskompetenzförderung
Schaffung von Bedingungen, die es älteren Menschen ermöglichen, so lange wie
möglich in ihrem häuslichen Umfeld zu verbleiben
Berücksichtigung umfassender Barrierefreiheit als generellem Gestaltungsprinzip bei
Planung
und
Schaffung
baulicher,
technischer
Verkehrs-
und
Kommunikationseinrichtungen
Nachhaltigkeitsindikatoren
Leitindikator: Lebenserwartung
Beteiligungsrate der Gesundheitsbehörden am kommunalen Planungsgeschehen [%]
Anteil
von
Kindern und
Jugendlichen
mit
gesundheitlichen
Auffälligkeiten
(Übergewicht/Adipositas, motorische und sprachliche Auffälligkeiten) [%]
Anteil der Kinder und Jugendlichen mit psychischen Auffälligkeiten einschließlich des
Anteils jugendlicher Konsumenten von legalen und illegalen Drogen [%]

Nachhaltigkeitsstrategie Freistaat Sachsen
20
III. Nachhaltige Entwicklung und Zukunftsgestaltung selbst in die
Hand
nehmen
-
Kommunale
Selbstverantwortung
und
Bürgerengagement
Die herausragende Rolle der Kommunen im Prozess der nachhaltigen Entwicklung wird
im Kapitel 28 des Abschlussdokumentes (Agenda 21) der UN-Konferenz für Umwelt
und Entwicklung von Rio de Janeiro im Jahr 1992 betont:
„Kommunen errichten, verwalten und unterhalten die wirtschaftliche, soziale und
ökologische Infrastruktur, überwachen den Planungsablauf, entscheiden über die
kommunale Umweltpolitik und kommunale Umweltvorschriften und wirken außerdem an
der Umsetzung der nationalen und regionalen Umweltpolitik mit. Als Politik- und
Verwaltungsebene, die den Bürgern am nächsten ist, spielen sie eine entscheidende
Rolle bei der Informierung und Mobilisierung der Öffentlichkeit und ihrer Sensibilisierung
für eine nachhaltige umweltverträgliche Entwicklung“.
Seit dem Jahr 1996 gibt es in Sachsen kommunale Agenda21-Prozesse, die sich
verschiedenen Themen der nachhaltigen Entwicklung widmen. Die Begleitung und
Koordination dieser kommunalen Initiativen erfolgt seit 1998 durch die Akademie der
LaNU.
Das Potenzial im kommunalen Bereich weiter zu aktivieren ist eine bundesweite
Aufgabe.
Auch in Sachsen soll die Nachhaltigkeitspolitik durch die Stabilisierung und Stärkung
regionaler und kommunaler Entwicklungsstrategien wie der kommunalen Agenda21-
Prozesse,
der
integrierten
Stadtentwicklungskonzepte,
der
regionalen
Entwicklungskonzepte (REK) und des ILE-Prozesses mit regionalen Projekten weiter
entwickelt werden. Ziel ist z. B. dabei die deutliche Erhöhung der Zahl der Kommunen
bzw. Regionen mit eigenem aktivem Agenda21-Prozess.
Die Bürger sollen für den Nachhaltigkeitsprozess sensibilisiert und zur aktiven
Beteiligung ermuntert werden.
Hierzu soll auch die Koordinierung der Agenda 21-Kommunen durch die LaNU
intensiviert werden, um die zum großen Teil ehrenamtlichen Akteure künftig
organisatorisch und inhaltlich besser zu unterstützen.
Die lokalen Agenda 21-Initiativen sehen vor allem folgende Schwerpunkte ihrer Arbeit:
Bereitstellung von umfassenden Informationsangeboten zum Nachhaltigkeitsprinzip
und Motivierung zur Umsetzung durch die Agenda21-Büros und örtliche
Nachhaltigkeitsinitiativen
Beratung der Kommunen bei der nachhaltigen Regionalentwicklung durch
Agenda21-Büros und örtliche Nachhaltigkeitsinitiativen unter besonderer Beachtung
der
Vernetzung
der
Städte
mit
ihrem
ländlichen
Umfeld
sowie
des
Entwicklungsbedarfs der ländlichen Räume
Sicherung einer nachhaltigen Mobilität für alle sozialen Schichten, Beratung durch
Agenda21-Büros und örtliche Nachhaltigkeitsinitiativen

Nachhaltigkeitsstrategie Freistaat Sachsen
21
Schaffung neuer Akteurskonstellationen und Vernetzung der Bereiche Umwelt,
Wirtschaft, Bildung und Soziales durch die Agenda21-Büros und örtliche
Nachhaltigkeitsinitiativen
Förderung des nachhaltigen Wirtschaftens und der eigenen Arbeit als materielle
Lebensgrundlage; regionale Kreisläufe nutzen und weitere schaffen sowie
Kombimodelle (Erwerbsarbeit, Freizeitökonomie), alternativ-ökonomische Modelle
und
integrativ-ökologische
Kulturlandbewirtschaftung
einbeziehen
(Beispiel:
Stadtteilgenossenschaft Sonnenberg eG, Chemnitz).
Schaffung
eines
Rahmens
für
die
Qualifizierung
des
bürgerschaftlichen
Engagements sowie die Beteiligung der zivilgesellschaftlichen Akteure durch
Agenda21-Büros und örtliche Nachhaltigkeitsinitiativen.
Regionale Entwicklungsstrategien unter dem Dach der Integrierten Ländlichen
Entwicklung bieten die Chance zur optimalen Einbindung zivilgesellschaftlichen
Engagements.
Die entscheidende Grundlage hierfür ist eine auf Nachhaltigkeit ausgerichtete
Finanzpolitik der Städte und Gemeinden, damit die kommunale Handlungsfähigkeit
auch zukünftig im Hinblick auf nachfolgende Generationen gewährleistet wird. Hierzu
sollen langfristig folgende Ziele erreicht werden:
periodengerechter Ersatz der verbrauchten finanziellen Ressourcen
kommunale Haushalte sowie ggf. Schulden und Zinsmanagement effizient gestalten
Schuldenabbau bei den Kommunen und den Zweckverbänden forcieren und deren
Konsolidierung unterstützen. Die Verschuldung in den Eigengesellschaften ist durch
die Kommunen als Anteilseigner im Interesse einer stetigen Aufgabenerfüllung
sorgfältig zu überwachen. Es wird in diesem Zusammenhang auf die Ausführungen
des SRH in seinem Jahresbericht 2012, Bd. II, S. 6, verwiesen.
bedarfsgerechtes Vorhalten von kommunalen Einrichtungen und Angeboten, damit
eine sozialverträgliche Gebührengestaltung auch bei geringerer Inanspruchnahme
möglich ist
angemessene
finanzielle
Vorsorge
für
künftig
erforderlich
werdende
Ersatzinvestitionen sowie für Anpassungs- und Rückbaumaßnahmen im Bereich der
öffentlichen Daseinsvorsorge an den tatsächlichen Bedarf (Wasser, Abwasser,
Abfall)
angesichts
allgemein
geringerer
Auslastung
unter
gleichzeitiger
Berücksichtigung der Ressourcenschonung und der Bevölkerungsentwicklung

Nachhaltigkeitsstrategie Freistaat Sachsen
22
Indikatorenverzeichnis
Bildung nachhaltig gestalten
Leitindikator: Quote der Bürger mit berufsqualifizierender Ausbildung
Anzahl der Kooperationsvereinbarungen (als Maßstab des Vernetzungsgrades)
zwischen den Akteuren formaler und non-formaler Bildung [n]
Quote der Schulabgänger ohne Schulabschluss [%]
Quote von Jugendlichen mit qualifizierendem Berufsabschluss [%]
Anzahl von internationalen Hochschulpartnerschaften an sächsischen Hochschulen
[n]
Nachhaltige Finanzpolitik betreiben
Leitindikator: Schuldenstand des Freistaates Sachsen
Schuldenstand pro Einwohner [€]
Investitionen pro Einwohner [€]
Nettokreditaufnahme [€]
Deckung der impliziten Verpflichtungen (Pensionen) durch Generationenfonds [%]
Klima schützen, Energie nachhaltig nutzen, Versorgung sichern
Leitindikator: Anzahl der Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen
energiebedingte Kohlendioxid-Emissionen in Sachsen [Mio. t/a]
Energieproduktivität
in
Sachsen
(Quotient
aus
Bruttoinlandsprodukt
und
Primärenergieverbrauch) [Mio. €/PJ]
Anteil erneuerbarer Energie am Bruttostromverbrauch in Sachsen [%]
Waldflächenanteil in Sachsen [%]
Natürliche Lebensgrundlagen schonen
Leitindikator: Biodiversität als Indikator eines leistungsfähigen Naturhaushaltes und
einer lebenswerten Umwelt
tägliche Neuinanspruchnahme an Siedlungs- und Verkehrsfläche in Sachsen [ha/d]
flächenmäßiger
Anwendungsumfang
erosions-
und
stoffaustragsmindernder
Bewirtschaftungsverfahren in der Landwirtschaft [ha]
Anteil Abwasserbehandlung nach Stand der Technik [%]
Erhaltungszustand der Natura 2000-Schutzgüter entsprechend der Berichtspflicht
nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie

Nachhaltigkeitsstrategie Freistaat Sachsen
23
Städte und ländlichen Raum gemeinsam in die Zukunft führen
Leitindikator: Bevölkerungsentwicklung im Freistaat Sachsen
Bevölkerungsentwicklung und Altersstruktur im ländlichen Raum und in den
Verdichtungsräumen (Raumkategorien entspr. LEP, jeweils absolut und Anteil an der
Gesamtzahl der Bevölkerung in Sachsen sowie Unterschiede zur durchschnittlichen
sächsischen Altersstruktur) [n] und [%]
Anzahl geschaffener Arbeitsplätze außerhalb der landwirtschaftlichen Urproduktion
(Diversifizierung) im ländlichen Raum [n]
Lebenszufriedenheit der Menschen in Stadt und Land skaliert abgebildet anhand
repräsentativer Umfragen
Auslastung
im
Öffentlichen
Personennahverkehr
[Personenkilometer/
Streckenkilometer und Jahr]
Wirtschaftswachstum und Innovation eine Richtung geben
Leitindikator: Innovatorenquote
(Anteil
der
Unternehmen,
die
Produkt-
oder
Prozessinnovationen eingeführt haben)
Anzahl der Arbeitsplätze [n]
Anzahl der Unternehmen [n]
Anzahl der Forschung und Entwicklung betreibenden Unternehmen [n]
Index Rohstoffproduktivität [Euro/t] (Rohstoffverbrauch)
Gesundheit und Lebensqualität erhalten
Leitindikator: Lebenserwartung
Beteiligungsrate der Gesundheitsbehörden am kommunalen Planungsgeschehen [%]
Anteil von Kindern und Jugendlichen mit gesundheitlichen Auffälligkeiten
(Übergewicht/Adipositas, motorische und sprachliche Auffälligkeiten) [%]
Anteil der Kinder und Jugendlichen mit psychischen Auffälligkeiten einschließlich des
Anteils jugendlicher Anteils jugendlicher Konsumenten von legalen und illegalen
Drogen [%]
Fachkräfte und Arbeitsfähigkeit für die Zukunft sichern
Leitindikator: Nichtbesetzungsquote für Fachkräfte
Arbeitslosenquote [%]
Anzahl des Zuzugs von qualifizierten ausländischen Fachkräften [n]
Frauen- bzw. Müttererwerbsquote [%]
Erwerbsquote älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer [%]

Nachhaltigkeitsstrategie Freistaat Sachsen
24
Literaturverzeichnis
1. Bundesregierung (2002): Nachhaltigkeitsstrategie für Deutschland „Perspektiven für
Deutschland“
2. Bundesregierung (2004): Fortschrittsbericht 2004 zur Nachhaltigkeitsstrategie für
Deutschland „Perspektiven für Deutschland“
3. Bundesregierung
(2008):
Fortschrittsbericht
2008
zur
nationalen
Nachhaltigkeitsstrategie: „Für ein nachhaltiges Deutschland“
4. Europäische Kommission (2001): Nachhaltige Entwicklung in Europa für eine
bessere Welt: Strategie der Europäischen Union für die nachhaltige Entwicklung
5. Freistaat Sachsen (2012): Landesentwicklungsplan Sachsen (in Fortschreibung
befindlich)
6. Freistaat
Sachsen
(2010):
Den
demografischen
Wandel
gestalten.
Handlungskonzept
7. Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (2008): Umweltgutachten 2008 -
Nachhaltigkeits- und Umweltstrategien in der Europäischen Union und in
Deutschland
8. Vereinte Nationen (2005): UN-Dekade „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung
2005 – 2014
9. Vertrag
zwischen
der
Christlich
Demokratischen
Union
Deutschlands,
Landesverband Sachsen und der Freien Demokratischen Partei Deutschlands,
Landesverband Sachsen über die Bildung der Staatsregierung für die 5.
Legislaturperiode des Sächsischen Landtages
Abkürzungsverzeichnis
APUG
Aktionsprogramm Umwelt und Gesundheit
ELER
Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen
Raums
EU
Europäische Union
FFH
Flora Fauna Habitat
FuE
Forschung und Entwicklung
ÖPNV
Öffentlicher Personennahverkehr
REK
Regionales Entwicklungskonzept
THG
Treibhausgas
ILE
Integrierte Ländliche Entwicklung
Kita
Kindertageseinrichtung
LaNU
Akademie der Sächsischen Landesstiftung für Natur und Umwelt

Nachhaltigkeitsstrategie Freistaat Sachsen
25
LEP
Landesentwicklungsplan Sachsen
UNCED
United Nations Conference for Environment and Deployment (UN-
Konferenz für Umwelt und Entwicklung)
UN
United Nations (Vereinte Nationen)
Ansprechpartner:
Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft
Abteilung 2: Grundsatzfragen, ländliche Entwicklung
Referat 22: Grundsatzfragen, Internationale Zusammenarbeit, EU
Stand: 25.01.2013
E-Mail:
info@smul.sachsen.de
Telefon: 0351 564-6814
www.smul.sachsen.de