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PRAXISPOOL
GANZTAGSANGEBOTE
Praxisbeispiel Qualitätsmerkmal
»Gestaltung der Zeitstruktur«
Impulse und Anregungen zur Umsetzung
des Qualitätsrahmens Ganztagsangebote
Blockunterricht und offener Beginn an
der Oberschule Heinrich Zille in Radeburg

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Blockunterricht und offener Beginn
Seit Beginn der 2000er ist der Schultag an der Heinrich-Zille-Oberschule neu getaktet: 90 – 30 – 90
lautet die Erfolgsformel, die inzwischen so stark verinnerlicht wurde, dass GTA-Koordinatorin Frau
Wittke sich kaum noch an die Zeit vor dem Blockunterricht erinnern kann. Seither gliedert sich der
Schultag in vier 90-Minuten-Blöcke mit jeweils einer halben Stunde Pause dazwischen.
Vor dem ersten Block, der um 08:10 Uhr beginnt, bietet die Schule für ihre rund 220 Fahrschülerinnen
und Fahrschüler in der 0. Stunde den sogenannten »Start in den Tag« an. Jeden Tag ab 07:10 Uhr
ist die Betreuung der früher eintreffenden Schülerinnen und Schüler durch eine auf Honorarbasis
beschäftigte Lehramtsstudentin in den Räumen des Schulklubs sichergestellt. Bis zum Einlassklingeln
um 07:55 Uhr haben die Kinder und Jugendlichen hier die Möglichkeit, die Zeit frei zu nutzen; vom
Musikhören, über das Nutzen der Beschäftigungsmöglichkeiten im Schulklub bis hin zum Erledigen
von Hausaufgaben ist hier »alles erlaubt«, so Frau Klotsche, die Schulklubkoordinatorin.
Parallel zum »Start in den Tag« beginnt für einige Klassen einmal in der Woche bereits der Unter-
richt. In dieser Zeitschiene liegen vor allem die einstündig unterrichteten Fächer, aber auch die
abschlussrelevanten zweiten Fremdsprachen.
Pausengestaltung im Laufe des Schultags
Das Schulgelände verfügt über drei Pausenhöfe, die nicht nur von Lehrkräften, sondern auch von der
Schüleraufsicht unterstützend beaufsichtigt werden. Wer an der Schüleraufsicht teilnehmen möchte,
kann sich ab Klasse 8 in den entsprechenden Kurs einwählen, der Teil des Ganztagsangebots ist.
Nach dem ersten Unterrichtsblock, der um 09:40 Uhr endet, gibt es eine halbstündige Frühstücks-
pause, die zwar vornehmlich draußen verbracht werden soll, in der den Schülerinnen und Schülern
an drei Tagen die Woche jedoch auch die Schulbibliothek zur Nutzung offensteht. Auf einem der
Höfe haben die Kinder und Jugendlichen zudem die Möglichkeit, sich während der bewegten Pause
an diversen Spiel- und Sportgeräten auszuprobieren. Die Schülerfirma, ein weiteres Wahlangebot
im Rahmen des Ganztags, sorgt außerdem für die Verpflegung mit gesunden Pausensnacks, die
während der ersten und zweiten Pause gekauft werden können.
ZEITSTRUKTUR
In Radeburg hat man den 45-Minuten-Rhythmus schon lange hinter sich gelassen
Im Rahmen von GTA bereiten die Zillebäcker in der großen Schulküche allerlei Köstlichkeiten zu. Von Klasse 5 bis 10
ist hier jede und jeder willkommen.
Im Schulklub »Zillebunker« können die Schülerinnen und Schüler kreativ werden und entspannen
Eine Zeitstruktur mit
viel Raum für Flexibilität
ÜBERBLICK
Schule:
Oberschule Heinrich Zille
Schulträger:
Stadt Radeburg
Schulleitung:
Herr Michael Ufert
Herr Volker Gerlach
GTA-Koordination:
Frau Silke Große
Frau Silvia Wittke
Herr Frank Feuker
Herr Andreas Bäßler
Ganztagsschulform:
teilweise gebunden
Schülerzahl:
390 Schüler/-innen (2,5-zügig)
Personal:
29 Lehrkräfte (festangestellt)
1
Gastlehrer
1
Referendar
1
Schulsozialarbeiterin
1
Inklusionsassistentin
1
Praxisberaterin
1
Schulklubbetreuerin
KONTAKT
Anschrift:
Schulstraße 4
01471 Radeburg
Telefon:
035208 33427
E-Mail:
Zilleschule.Radeburg
@t-online.de
Homepage:
www.zilleschule.radeburg.de

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Nach dem zweiten Unterrichtsblock, schließt sich um 11:40 Uhr die nächste 30-minütige Pause
an, in der auch der Schulklub wieder geöffnet ist. Eine Betreuerin der Jugendarbeit Coswig stellt
hier täglich von 11:30 Uhr bis 15:30 Uhr die Betreuung sicher und unterstützt die Schülerfirma. Im
»Zillebunker«, wie der Schulklub genannt wird, können die Schülerinnen und Schüler entspannen
beim »Quatschen, Tischkicker spielen und anderen Angeboten«, erklärt Frau Klotsche. Auch kann
gelegentlicher Unterrichtsausfall dank des Schulklubs gut abgefedert werden.
Aufgrund der steigenden Nachfrage bei der Schulspeisung, die mit einer Verbesserung des An-
gebots vor zwei Jahren einherging, findet das Mittagessen gestaffelt statt. In der zweiten Pause
(11:40 – 12:10 Uhr) sind in der Regel nur die Klassenstufen 5 und 6 im Speisesaal, wohingegen
die höheren Klassenstufen erst in der dritten Pause (13:40 – 14:10 Uhr) essen gehen. Wie auch an
vielen anderen Stellen, zeigt sich das Kollegium der Heinrich-Zille-Oberschule hier jedoch flexibel
und schülerorientiert: Schülerinnen und Schüler, die vor oder nach ihrer regulären Mittagspause
Sportunterricht und somit erfahrungsgemäß weniger Zeit zum Mittagessen haben, dürfen auch zur
jeweils anderen Essenszeit an der Schulspeisung teilnehmen.
BEGINN
ENDE
0. Stunde
07:10 Uhr
07:55 Uhr
parallel: »Start in den Tag«
Einlasspause
1. Block
08:10 Uhr
09:40 Uhr
Frühstückspause
2. Block
10:10 Uhr
11:40 Uhr
Mittagspause 5-6
3. Block
12:10 Uhr
13:40 Uhr
montags: Wahlbereiche (WB)
Mittagspause 7-10
4. Block
14:10 Uhr
15:40 Uhr
Hausaufgabenbetreuung/ WB
In der Schulbibliothek erwartet die Schülerinnen und Schüler eine anregende Lernumgebung.
Unterricht, GTA-Wahlbereiche und Hausaufgabenbetreuung
In den ersten drei Blöcken wird grundsätzlich regulärer Unterricht erteilt. Lediglich der dritte Block
am Montag stellt eine Ausnahme dar, da in diesem Zeitfenster ein Großteil der im Rahmen des
Ganztags angebotenen Wahlbereiche stattfindet. Einige weitere Kurse werden über die Woche ver-
teilt im vierten Block, parallel zur Hausaufgabenbetreuung, angeboten. Grund dafür ist, dass die
Kurse teilweise von externen Angebotsleitern und Angebotsleiterinnen durchgeführt werden, die
montags nicht eingesetzt werden können. Jeder Schüler und jede Schülerin darf an einem der ins-
gesamt
33 Wahlbereiche
teilnehmen und dadurch Verantwortung für seine Schule übernehmen.
Weitere Kurse sind nach Interesse möglich. Wer am Montag im dritten Block ‚Leerlauf‘ hat, da sein
Wahlbereich an einem anderen Tag stattfindet, kann die Zeit im Schulklub verbringen, wo sowohl
Freizeitangebote genutzt als auch Schulaufgaben erledigt werden können.
Im vierten Block schließt sich an vier Tagen die Hausaufgabenbetreuung als offenes Angebot an.
Diese wird von Lehrerinnen und Lehrern der Schule, ehemaligen Lehrkräften und außerschulischen
Partnern betreut. Zentrale Anlaufstelle für die Hausaufgabenbetreuung ist die Schulbibliothek, in
der den Schülerinnen und Schülern vier Medienarbeitsplätze inklusive Drucker zur Verfügung ste-
hen. Zusätzlich ist das ‚Internetcafé‘ geöffnet, in dem ein Informatiklehrer Ansprechpartner ist.
Außerdem sind die Klassenräume des kompletten Gebäudes geöffnet, sodass die Kinder und Ju-
gendlichen sich hier zum Arbeiten zurückziehen können.
HISTORIE UND
ENTWICKLUNG
seit 1992
Ganztagsgedanke an der Schule verankert
2006/07
Umstellung auf 90-minütigen Block-
unterricht mit 30-minütigen Pausen
MATERIAL
Leitbilder
GTA-Konzeption
Übersicht zur Gestaltung
der Zeitstruktur

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Egal ob fünfte Klasse oder Abschlussjahrgang: Die Hausaufgabenbetreuung ist ein Angebot, das sich an alle Schüler-
innen und Schüler gleichermaßen richtet und gerne angenommen wird.
Singen macht Spaß! Das beweist die zahlreiche Teilnahme am Chor. Dass das Angebot im Schuljahr 2020 mit viel
Abstand und bei offenem Fenster stattfinden muss, stört hier scheinbar niemanden.
Darstellung des Namensgebers Heinrich Zille vor dem
Schulgebäude
Parallel zur Hausaufgabenbetreuung finden vereinzelt weitere GTA oder gar Unterricht statt. In der
Regel hat jeder Schüler und jede Schülerin einmal pro Woche im vierten Block Unterricht.
Zusammen mit dem vierten Block endet um 15:40 Uhr auch offiziell die Hausaufgabenbetreuung.
Aber auch in diesem Punkt zeigen die Lehrerinnen und Lehrer der Heinrich-Zille-Schule eine situ-
ationsangemessene Flexibilität: »Bis 15:45 Uhr normalerweise, aber meistens sind wir bis 16 Uhr
da, manchmal etwas länger, wenn z.B. Märchen zu schreiben sind oder an den Gedichtbänden
gearbeitet wird, da unterstützen wir die Schüler auch gern ein bisschen länger«, erklärt Frau Witt-
ke augenzwinkernd. Außerdem wird somit gewährleistet, dass auch diejenigen Schülerinnen und
Schüler, deren Bus nachmittags als letzter abfährt, bis zum Schluss betreut werden.
Motivation und pädagogische Absicht
Blockunterricht ermöglicht ein stressfreieres und intensiveres Arbeiten, wodurch mehr echte Lern-
zeit gewonnen wird, da die Schülerinnen und Schüler sich nur noch auf zwei bis drei Fächer pro Tag
konzentrieren. Frau Wittke erinnert sich noch an die Umstellung auf den Blockunterricht: »Meine
Schüler waren sehr glücklich darüber […], weil die Tasche nicht mehr so schwer war. Und ihnen hat
es auch wirklich gut gefallen, das Arbeiten über 90 Minuten.«
Auch das Kollegium hat sich inzwischen gut auf den Blockunterricht eingestellt und möchte nicht
mehr zum 45-Minuten-Takt zurück. Mit dem »Start in den Tag« und der Hausaufgabenbetreuung
hat die Schule zudem eine gute Möglichkeit gefunden, um den Schulalltag für ihre vielen Fahrschü-
lerinnen und Fahrschüler angenehm zu gestalten.

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GTA für GTA: Mit ihren fertigen Backwaren beliefern die Zillebäcker die Schülerfirma, welche diese an ihrem Imbiss in
der Pause zum Verkauf anbietet.
Stand:
Juli 2020
Herausforderungen und Lösungswege
Einstündige Fächer:
Manche Kolleginnen und Kollegen bemängeln, dass sie die Klassen nur im
14-Tages-Rhythmus sehen, was besonders gravierend ist, wenn Feiertage dazwischenkommen.
Durch die Nutzung der 0. Stunde sehen auch Lehrkräfte mit einstündigen Fächern ihre
Schülerinnen und Schüler wöchentlich. Zudem ist man stets um Ausgleich bei der Planung
bemüht.
Busfahrtzeiten:
Da rund die Hälfte der Schülerinnen und Schüler aus umliegenden Ortschaften
kommt, wurden die Unterrichtszeiten an die Fahrpläne angepasst; ein offener Beginn und ein
offenes Ende stellen die Betreuung der Fahrschülerinnen und Fahrschüler sicher.
Einwahl in Wahlkurse und Zuteilung:
Bislang findet beides noch analog statt und ist
dadurch sehr zeitaufwändig. Dieser Vorgang soll zukünftig mithilfe eines digitalen Tools pro-
fessionalisiert werden.
Erfolgsfaktoren
Flexibilität:
Trotz fester Unterrichts- und Pausenzeiten hat sich das Kollegium ein gesundes
Maß an Flexibilität bewahrt. Ob es den Tausch von Stunden, die Nutzung der Schulspeisung
zu einer anderen Pausenzeit oder das offene Ende der Hausaufgabenbetreuung betrifft: Wo
Schwierigkeiten erkannt werden, wird entsprechend reagiert.
Schülerinnen und Schüler einbinden:
Die Schülerinnen und Schüler sind aktiv in die Gestaltung
des Schulalltags eingebunden und ihnen wird Verantwortung übertragen, was sich auch in
einigen Wahlbereichen widerspiegelt (z.B. Schülerfirma, Schüleraufsicht).
Kontinuierliche Qualitätsprüfung und -entwicklung:
Das Kollegium ist stets um
Verbesserungen bemüht und prüft auch langjährige Systeme kritisch. Derzeit wird eine stärkere
Verzahnung der einzelnen Wahlbereiche untereinander angestrebt.
Fazit
»Im Nachhinein muss ich sagen, das ist das Beste, was wir machen konnten […] Es gibt niemanden,
der sagt: ‚Das ist kein gutes System‘.« (Frau Wittke zum Blockunterricht)

Herausgeber:
Sächsisches Staatsministerium für Kultus
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Fotos:
Sächsisches Staatsministerium für Kultus
Gestaltung:
Hi Agentur e.K.
Druck:
Digitaldruckerei Schleppers GmbH
Redaktionsschluss:
November 2020
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