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Kurzfassung MaP 304 „Bergwiesen um Rohrbach und Hennebachtal“
1. GEBIETSCHARAKTERISTIK
Das etwa 56,3 ha große FFH-Gebiet 304 liegt im Vogtlandkreis in den Gemarkungen der
Gemeinden Bad Brambach und Markneukirchen. Naturräumlich ist das SCI dem südöst-
lichsten Teil des Vogtlandes im unmittelbaren Grenzbereich zum Fichtelgebirge und zur
Südabdachung des Erzgebirges zuzuordnen.
Das aus zwei Teilen bestehende Gebiet umfasst zum einen das Bachtälchen des Henne-
baches, wobei auch die zwei Seitentälchen des Pfarrbaches und ein weiteres namenslo-
ses Tälchen mit einbezogen wurden, auf einer Fläche von 26,7 ha. Zum anderen umfasst
es einen Komplex von Offenlandflächen in der Ortslage Rohrbach auf 29,6 ha Fläche.
Im Gebiet sind Gesteinsschichten aus dem mittleren bis höheren Kambrium vertreten: Es
kommen die überwiegend zur Rohrbacher Folge gehörenden Muskovitglimmerschiefer bis
Muskovitphyllit, häufig mit Quarzitschiefer und Quarziten vor. Im Bereich des Offenlandes
der Teilfläche Rohrbach stehen überwiegend Pseudogleye an. Teilweise kommen auch
Braunerden vor. Am oberen Lauf des Hennebaches überwiegen Stagnogleye. Die Auen-
böden sind überwiegend grundwasserbeeinflusst. Die Entwässerung des Gebietes erfolgt
im Wesentlichen durch den Hennebach, der auf tschechischem Gebiet in den Fleißen-
bach mündet und damit zur Eger (Ohre) entwässert. Das Untersuchungsgebiet liegt in
einer Höhenlage zwischen 515 und 640 m über NN und gehört zum Bereich des Deut-
schen Mittelgebirgsklimas.
Der Hauptanteil des SCI wird von Wirtschaftsgrünland eingenommen (fast 82 %), ca. 1 %
ist als Niedermoor bzw. Sumpf ausgewiesen. Nur knapp 9 % der Fläche sind bewaldet.
Den größten Teil davon bilden Nadelholzforsten (4 % der Gesamtfläche). Mischwälder
unterschiedlicher Art, Aufforstungen und Waldrandbereiche nehmen den größten Teil der
übrigen Waldfläche ein, Laubwald ist nur in sehr geringem Umfang vertreten. Fast 7 %
der Fläche werden zum Siedlungsbereich gerechnet.
Innerhalb des SCI befindet sich kein bestehendes Naturschutzgebiet. Die Teilfläche Hen-
nebach ist jedoch Teil eines geplanten Naturschutzgebietes. Das SCI liegt vollständig
innerhalb des Landschaftsschutzgebietes „Oberes Vogtland“ und innerhalb des Naturpar-
kes „Erzgebirge-Vogtland“. Ein FND („Landwüster Grenzwiesen“) ist rechtsverbindlich
festgesetzt.
Ein Großteil des Waldes ist Landes- oder Privatwald (39,5 bzw. 38,1 %). Der Anteil des
Kirchenwaldes (12,3 %) ist mit weniger als 1 ha, ebenso wie die Fläche des Treuhand-
restwaldes (10,1 %), gering.

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2.
ERFASSUNG UND BEWERTUNG
2.1. LEBENSRAUMTYPEN NACH ANHANG I DER FFH-RICHTLINIE
Im Zuge der Ersterfassung zum Gebiet wurden sieben Lebensraumtypen (LRT) mit einer
Gesamtfläche von 25,13 ha kartiert (vgl. Tabelle 1). Zudem wurden für die LRT Flachland-
Mähwiesen, Berg-Mähwiesen und Übergangs- und Schwingrasenmoore Entwicklungsflä-
chen von insgesamt 6,55 ha erfasst.
Tabelle 1: Lebensraumtypen im SCI 304
Lebensraumtyp (LRT)
Anzahl der
Einzelflä-
chen
Fläche
[ha]
Flächenan-
teil im SCI
4030 Trockene Heiden
2 0,17 0,3 %
6230*
Artenreiche Borstgrasrasen
4
0,51
0,9 %
6430
Feuchte Hochstaudenfluren
3
0,22
0,4 %
6510 Flachland-Mähwiesen
21 22,30 39,6 %
6520 Berg-Mähwiesen
5 1,05 1,9 %
7140
Übergangs- und Schwingrasenmoore
10
0,65
1,2 %
91E0*
Erlen-Eschen- und Weichholzauenwälder
1
0,23
0,4 %
gesamt: 46 25,13 44,6 %
* prioritärer Lebensraumtyp
Der LRT 4030 (Trockene Heiden) wurde auf zwei Flächen erfasst, deren Gesamtgröße
0,17 ha beträgt. Sie gehören zum Subtyp Bergheiden. Die größere Fläche liegt in Rohr-
bach. Sie wird neben dem Heidekraut (
Calluna vulgaris
) vor allem durch Heidel- und Prei-
selbeere (
Vaccinium myrtillus
und
V. vitis-idaea
) sowie durch Arten der Borstgrasrasen
gekennzeichnet. Als floristische Besonderheiten kommen Zwergbuchs (
Polygala chamae-
buxus
) und Arnika (
Arnica montana
) vor. Die zweite sehr kleine Fläche wird von der Prei-
selbeere dominiert. Als floristische Besonderheit kommt das Quendel-Kreuzblümchen
(
Polygala serpyllifolia
) vor. Beide Bestände können der nährstoffempfindlichen Bergheide
(Vaccinio-Callunetum) angeschlossen werden. Für beide Flächen wurden keine Vorbe-
lastungen festgestellt. Der Lebensraumtyp stellt aufgrund der floristischen und faunisti-
schen Besonderheiten ein hochwertiges Habitat dar.

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Der LRT 6230* (Artenreiche Borstgrasrasen) wurde viermal mit einer Fläche von insge-
samt 0,51 ha erfasst. Zwei Flächen liegen am Pfarrbach, eine am Hennebach und eine
bei Rohrbach. Nur ein Bestand kann mit dem Gemeinen Kreuzblümchen (
Polygala vulga-
ris
) dem Kreuzblümchen-Borstgras-Magerrasen (Polygalo-Nardetum) zugeordnet werden
Die anderen Bestände können nur als kennartenarmer Harzlabkraut-Borstgras-Magerra-
sen (Galium saxatile-Nardus stricta-Gesellschaft) charakterisiert werden. In den Bestän-
den überwiegen Magerkeitszeiger. Vorbelastungen wurden kaum festgestellt. Jede Ein-
zelfläche dieses prioritären Lebensraumtyps ist landesweit bedeutsam. Da die artenrei-
chen Borstgrasrasen zu den letzten Zeugnissen des mageren Extensivgrünlandes ver-
gangener Landnutzungsweisen gehören, sind sie naturschutzfachlich und kulturhistorisch
äußerst wertvoll. Der Lebensraumtyp stellt aufgrund der faunistischen und floristischen
Besonderheiten ein hochwertiges Habitat dar.
Der LRT 6430 (Feuchte Hochstaudenfluren) wurden dreimal mit einer Fläche von insge-
samt 0,22 ha erfasst. Die Flächen gehören zu den Ufer-Hochstaudenfluren tieferer Lagen.
Zwei Flächen liegen am Hennebach und eine in den Pfarrwiesen. Die Bestände gehören
zum Rauhhaarkälberkropf-Gesellschaft (Geranio sylvatici-Chaerophyllertum hirsuti, in
dem der Rauhhaar-Kälberkropf (
Chaerophyllum hirsutum
) dominiert. Es wurden keine
Vorbelastungen festgestellt. Die erfassten Bestände liegen im regionstypischen Durch-
schnitt.
Der LRT 6510 wurde auf 21 Flächen kartiert. Die Flachland-Mähwiesen stellen mit 22,30
ha den LRT mit der größten Fläche im Gebiet dar. Sie kommen auf beiden Teilflächen
vor, haben ihren Schwerpunkt jedoch in Rohrbach. Die Flachland-Mähwiesen sind im Ge-
biet einerseits durch magere Bestände und andererseits durch den Übergangsbereich von
den Tieflagen zu den Berglagen gekennzeichnet. Magerkeitszeiger sind häufig. Zu den
nährstoffempfindlichen Magerwiesen zählt auf fünf Einzelflächen die Rotschwingel-Rot-
straußgras-Frischwiese (Festuca rubra-Agrostis capillaris-Arrhenatherethalia-Gesell-
schaft) mit hohen Anteilen von Untergräsern und niedrigwüchsigen Kräutern, die gleich-
zeitig Magerkeitszeiger sind. Mit Ausnahme eines siedlungsnahen mageren Bestandes
sind diese Magerwiesen alle siedlungsfern im Hennebachtal zu finden. Die Submontane
Goldhafer-Frischwiese (Poa pratensis-Trisetum flavescens-Gesellschaft) auf 16 Einzelflä-
chen wird ebenfalls durch Magerkeitszeiger gekennzeichnet, enthält aber mehr Arten, die
auf vergleichsweise bessere Nährstoffversorgung im Boden hinweisen. Neun Bestände
sind arm an Obergräsern und als mager anzusprechen. Typisch ausgebildete Bestände
mit weniger Magerkeitszeigern und deutlicherer Obergrasdominanz kommen auf sieben
Einzelflächen vor. Floristische Besonderheiten sind Arnika (
Arnica montana),
Frühlings-
Segge (
Carex caryophyllea
), Geflecktes Knabenkraut (
Dactylorhiza maculata
, Breitblättri-
ges Knabenkraut (
Dactylorhiza majalis)
, Geöhrtes Habichtskraut (
Hieracium lactucella
),
Hain-Hahnenfuß (
Ranunculus nemorosus
), Weiße Waldhyazinthe (
Platanthera bifolia)
und Quendel-Kreuzblümchen (
Polygala serpyllifolia
). Es wurden keine erheblichen Vorbe-
lastungen festgestellt. Der Lebensraumtyp ist ein hochwertiges Habitat für faunistische
und floristische Besonderheiten. Die erfassten Flachland-Mähwiesen sind typisch für den

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floristischen Übergangsbereich von den Flachland- zu den Bergwiesen. Sie sind natur-
schutzfachlich und kulturhistorisch sehr wertvoll. Damit liegen die Bestände quantitativ
und qualitativ über dem landesweiten Durchschnitt für submontane Flachland-Mähwiesen.
Der LRT 6520 (Berg-Mähwiesen) wurde auf fünf Flächen mit einer Gesamtgröße von 1,05
ha erfasst. Berg-Mähwiesen kommen nur in Rohrbach vor. Auf vier Einzelflächen gehören
die Bestände zur nährstoffempfindlichen, kennartenarmen Rotschwingel-Bärwurz-Mager-
wiese (Festuca rubra-Meum athamanticum-Gesellschaft), auf der Fläche sogar zur Borst-
gras-Ausbildung. Neben der Bärwurz (
Meum athamanticum
) kommen noch einige weitere
Bergwiesenarten (
Phytheuma nigrum, Cirsium heterophyllum, Lathyrus linifolious, Poten-
tilla erecta, Ranunculus nemorosus
) sowie verschiedene Magerkeitszeiger vor. Eine flo-
ristische Besonderheit ist der Hain-Hahnenfuß (
Ranunculus nemorosus
). Als Vorbelas-
tung wurde auf drei Flächen eine beginnende Verbrachung festgestellt. Faunistische und
floristische Besonderheiten kennzeichnen den Lebensraumtyp. Die erfassten Bestände
liegen jedoch quantitativ und qualitativ unter dem landesweiten Durchschnitt (sehr kleine
Einzelflächen, floristisch relativ arm).
Übergangs- und Schwingrasenmoore, der LRT 7140, wurde zehnmal mit einer Fläche von
insgesamt 0,65 ha erfasst. Sie kommen auf beiden Teilflächen vor. Drei Bestände können
der nährstoffempfindlichen Sumpfblutauge-Fieberklee-Gesellschaft (Potentilla palustris-
Menyanthes trifoliata-Scheuchzerio-Caricetea fuscae-Gesellschaft) zugeordnet werden,
die zu den Übergangsmooren mit Gesellschaften der Übergangsmoore gehört. Drei wei-
tere Bestände gehören zur nährstoffempfindlichen Schnabelseggen-Übergangsmoor-Ge-
sellschaft (Carex rostrata-Caricion lasiocarpae-Gesellschaft). Die namengebende Schna-
bel-Segge wird von weiteren lebensraumtypischen Arten wie Grau-Segge (
Carex canes-
cens
)
,
Wiesen-Segge (
C. nigra
)
,
Sumpf-Straußgras (
Agrostis canina
), Schmalblättriges
Wollgras (
Eriophorum angustifolium
)
,
Sumpfblutauge (
Potentilla palustris
)
,
Sumpf-Veil-
chen (
Viola palustris
) und Torfmoosen sowie von Feuchtwiesenarten begleitet. Auf vier
Einzelflächen wurde der nährstoffempfindliche Acidophytische Braunseggen-Sumpf, Aus-
bildung von Gewöhnlicher Moosbeere und Rundblättrigem Sonnentau erfasst, der zu den
Übergangsmooren mit Gesellschaften der Niedermoore gehört. Die typisch ausgebildeten
Bestände dieser Gesellschaft sind nur wenige Quadratmeter groß, leicht aufgewölbt und
durch ausgeprägte Torfmoospolster gekennzeichnet, auf denen die Moosbeere und der
Rundblättrige Sonnentau siedeln. Floristische Besonderheiten sind Breitblättriges Kna-
benkraut (
Dactylorhiza majalis)
, Rundblättriger Sonnentau (
Drosera rotundifolia
), Fieber-
klee (
Menyanthes trifoliata
) und Moosbeere (
Vaccinium oxycoccus
). Als Vorbelastungen
wurden auf vier Flächen vor allem Verbrachung und Störungszeiger festgestellt. Der Bio-
toptyp ist aufgrund der floristischen Besonderheiten von großer Bedeutung. Die erfassten
Bestände liegen etwa im regionstypischen Durchschnitt.
Der LRT 92E0* (Erlen-Eschen- und Weichholzauenwälder) wurde auf einer Fläche von
0,23 ha erfasst. Es handelt sich um den Subtyp Schwarzerlenwald und Traubenkirschen-
Erlen-Eschenwald, der im SCI vom Hainmieren-Schwarzerlen-Bachwald (Stellario nemo-

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rum-Alnetum glutinosae) repräsentiert wird. Im Seitentälchen des Hennebachtales hat
sich unter den Erlen, die vermutlich in der ersten Generation aufgeforstet sind, ein Be-
stand mit Wald-Engelwurz (
Angelica sylvestris
), Sumpf-Dotterblume (
Caltha palustris
),
Rauhhaar-Kälberkropf (
Chaerophyllum hirsutum
), Rasen-Schmiele (
Deschampsia cespi-
tos
), Teich-Schachtelhalm (
Equisetum fluviatile
), Großes Mädesüß (
Filipendula ulmaria
),
Sumpf-Vergißmeinicht (
Myosotis nemorosa
), Wald-Simse (
Scirpus sylvatica
) u. a. einge-
stellt. Sumpfblutauge (
Potentilla palustris
) und Graue Segge (
Carex canescens
) verwei-
sen stellenweise auf mesophilen Bodennährstoffhaushalt. Die Erlen sind einheitlich im
Stangenholzalter und offensichtlich in ihrer Vitalität leicht beeinflusst (schwache Vorbe-
lastung). Auch dieser Lebensraumtyp verfügt über faunistische und floristische Besonder-
heiten. Der erfasste Bestand liegt unter dem landesweiten Durchschnitt (relativ junges
Bestandesalter).
Von 46 LRT-Flächen befinden sich 44 im günstigen Erhaltungszustand (96), so dass nur
für 2 Flächen ein generelles Defizit zu verzeichnen ist.
Tabelle 2: Erhaltungszustand der Lebensraumtypen im SCI 304
Erhaltungszustand
A B C
Lebensraumtyp (LRT)
Anzahl
Fläche
[ha]
Anzahl
Fläche
[ha]
Anzahl
Fläche
[ha]
4030 Trockene Heiden 1 0,16 1 0,01 - -
6230* Artenreiche Borstgrasra-
sen
- - 4 0,51 - -
6430 Feuchte Hochstaudenflu-
ren
- - 3 0,22 - -
6510 Flachland-Mähwiesen 2 1,57 19 20,73 - -
6520 Berg-Mähwiesen - - 5 1,05 - -
7140
Übergangs- und Schwing-
rasenmoore
- - 8 0,63 2 0,03
91E0* Erlen-Eschen- und
Weichholzaue
- - 1 0,23 - -
* prioritärer Lebensraumtyp

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Da das SCI aus zwei Teilflächen besteht, die nicht unmittelbar aneinander grenzen, ist die
Kohärenz formal gesehen zwischen diesen leicht eingeschränkt. In der sehr langge-
streckten Teilfläche Hennebach ist die Kohärenz schlechter als in der kompakten Teilflä-
che Rohrbach. Andererseits ist das SCI durch einen sehr hohen Flächenanteil von Offen-
land-LRT und weiteren wertvollen Offenland-Biotopen in gutem Pflegezustand gekenn-
zeichnet. Diese Vielfalt und Vielzahl der Einzelflächen in ausreichender Dichte und Qua-
lität mit guten Kohärenzbedingungen garantiert langfristig den Wert der jeweiligen Le-
bensraumtypen als Grundlage für die Sicherung der Artenvielfalt innerhalb des SCI.
Eine Kohärenz innerhalb des SCI ist in Bezug auf den LRT 4030 nicht gegeben, da die
beiden kartierten Flächen isoliert sind. Ebenso sind die Teilflächen der LRT 6520, 7140
und 91E0* mäßig bis stark voneinander isoliert. In den LRT 6230* und 6430 ist die Kohä-
renz aufgrund der Entfernungen zwischen den einzelnen Flächen stark eingeschränkt.
Lediglich bei den Einzelflächen des LRT 6510 ist die Kohärenz jeweils in den beiden Teil-
gebieten als gut zu beurteilen.
In der näheren Umgebung des FFH-Gebietes 304 liegen zwei weitere FFH-Gebiete mit
teilweise recht ähnlichem LRT-Bestand: Rauerbach- und Haarbachtal (080E) und Berg-
wiesen um Klingenthal (294E). Da diese FFH-Gebiete durch großflächige, geschlossene
Wälder von einander getrennt sind, dürfte die Kohärenz der Offenland-LRT zwischen die-
sen Gebieten mehr oder weniger eingeschränkt sein.
2.2. ARTEN NACH ANHANG II DER FFH-RICHTLINIE
Aus dem Gebiet sind keine Nachweise von Arten des Anhangs II der FFH-Richtlinie be-
kannt.
3. MAßNAHMEN
3.1. MAßNAHMEN AUF GEBIETSEBENE
Folgende Maßnahmen auf Gebietsebene sind notwendig, um das SCI mit seinen Lebens-
raumtypen (darunter zwei prioritäre), zu erhalten:
Vermeidung weiterer Verbuschung der offenen, schmalen Talauen zur Erhaltung der
Offenland-Kohärenz
Pflege der Offenlandbiotope, die nicht als LRT erfasst wurden, zur Erhaltung der Of-
fenland-Kohärenz (z.B. Nasswiesenpflege).

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3.2. MAßNAHMEN IN BEZUG AUF LEBENSRAUMTYPEN NACH ANHANG I
Für alle Lebensraumtypen wurden Behandlungsgrundsätze aufgestellt, die dazu dienen
sollen, den günstigen Erhaltungszustand der jeweiligen LRT zu gewährleisten. Die Einzel-
flächenplanung geht i. d. R. nur noch auf flächenspezifische Maßnahmen ein, ohne die
sich der Erhaltungszustand in den nächsten ca. 30 Jahren zu verschlechtern droht. Für
alle LRT, außer dem der Erlen-Eschen- und Weichholzauenwälder, wurden flächenspezi-
fische Maßnahmen aufgeführt (s. Tabelle 3).
Die Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen für die Lebensraumtyp- und Lebensraum-
typ-Entwicklungsflächen sind im Offenland vor allem an eine regelmäßige Mahd gebun-
den. Je nach Lebensraumtyp, Erhaltungszustand und Ausprägung einer Fläche kann auf
den Flachland- und Berg-Mähwiesen eine einschürige oder zweischürige Nutzung vorge-
sehen sein, wobei an Stelle der zweiten Mahd auch eine Beweidung, vorzugsweise durch
Schafe, durchgeführt werden kann. Borstgrasrasen werden in der Regel in eine ein- oder
zweischürige Mahd einbezogen. Übergangs- und Schwingrasenmoore sind durch Mahd,
je nach Fläche jährlich oder in mehrjährigem Abstand, in einigen Fällen auch durch re-
gelmäßige Entbuschung zu pflegen. Auf den beiden Heideflächen muss Verbuschung
entfernt und / oder Konkurrenzpflanzen durch Mahd zurückgedrängt werden. Auf der ein-
zigen Fläche eines Wald-Lebensraumtyps sind - außer der Beachtung der Behandlungs-
grundsätze - derzeit keine Maßnahmen erforderlich.

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Tabelle 3: Erhaltungsmaßnahmen im SCI 304
Maßnahme-Beschreibung
Flächengröße
[ha]
Maßnahmeziel
LRT / Habitat
Verbuschung auslichten
0,9
Sicherung des günstigen Erhaltungszustandes, Erhalt der
Artenvielfalt
Trockene Heiden (4030), Artenreiche
Borstgrasrasen (6230*), Feuchte
Hochstaudenfluren (6430)
Ein- oder zweischürige Mahd; Mahd
mit Abräumen,
22,30
Erhaltung und Sicherung des günstigen Erhaltungszu-
standes, Erhalt der Artenvielfalt
Flachland-Mähwiesen (6510)
Ein- oder zweischürige Mahd
1,05
Erhaltung und Sicherung des günstigen Erhaltungszu-
standes, Erhalt der Artenvielfalt
Berg-Mähwiesen (6520)
Mahd mit Abräumen
0,65
Erhaltung und Sicherung des günstigen Erhaltungszu-
standes, Erhalt der Artenvielfalt
Übergangs- und Schwingrasenmoore
(7140)
Verzicht auf Düngung
0,17
Sicherung des günstigen Erhaltungszustandes, Erhalt der
Artenvielfalt
Trockene Heiden (4030)
*prioritärer Lebensraumtyp

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4. FAZIT
Alle Maßnahmen, die auf dem Wege der Biotoppflege durch Pflegeverbände und -vereine
umgesetzt werden oder werden sollen, werden als umsetzbar gewertet. Damit sind mehr
als vier Fünftel der Maßnahmen (49 Maßnahmen, das entspricht 83,0 %) im Rahmen der
landwirtschaftlichen Nutzung bzw. durch Biotoppflege uneingeschränkt umsetzbar. Vier
weitere Maßnahmen wurden nur als teilweise umsetzbar bewertet. Sie betreffen in der
Regel sehr große Flächen, für die nicht sämtliche Nutzer bekannt sind.
Nicht umsetzbar sind lediglich drei Entwicklungsmaßnahmen: Auf drei großen, landwirt-
schaftlich genutzten Flächen wurde mit dem Ziel der Strukturverbesserung die Durchfüh-
rung der Mahd in Form einer Staffel- oder Rotationsmahd vorgeschlagen, die vom betref-
fenden Nutzer aus betriebswirtschaftlichen Gründen nicht durchgeführt werden kann.
Insgesamt drei Maßnahmen müssen bisher als nicht abgestimmt bewertet werden. Dabei
handelt es sich um Maßnahmen im Offenland.
Im Bereich des Landeswaldes ist nur eine Forstfläche von einer Maßnahme betroffen. Es
handelt sich dabei um ein Übergangs- und Schwingrasenmoor (LRT 7140) im Zulaufbe-
reich eines ungenutzten Teiches. Hier sollte eine naturschutzgerechte Teichsanierung
möglich bleiben.
Eine Weiterführung der bisherigen vertraglichen Vereinbarungen mit dem landwirtschaftli-
chen Hauptnutzer auf der Grundlage von Förderprogrammen des Freistaates Sachsen
wäre wünschenswert, eine geringfügige Erweiterung der Förderfläche wäre dabei möglich
(Einbeziehung weiterer Flächen des Hauptnutzers und / oder Einbeziehung weiterer Nut-
zer von kleineren Flächenanteilen). Ebenfalls wurden bisher umfangreiche Biotoppflege-
maßnahmen über Förderprogramme finanziert, die Fortsetzung einer naturschutzkonfor-
men Pflege sowie eine geringfügige Erweiterung auf bisher nicht einbezogene Flächen
sollte angestrebt werden.
Für den Talbereich des Hennebaches und seiner Zuflüsse sowie eine an das FND „Land-
wüster Grenzwiesen“ angrenzende Waldfläche ist eine Unterschutzstellung als NSG ge-
plant. Kern dieser Fläche ist die Teilfläche 1 des FFH-Gebietes. Darin sind das bisherige
FND „Landwüster Grenzwiesen“ sowie das bereits lange vor der NSG-Planung vorge-
schlagene FND „Wastlwiese“ enthalten.
Das Gebiet dient damit auch der Erhaltung und Pflege einer Reihe gefährdeter Pflanzen-
gesellschaften sowie seltener gefährdeter oder stark gefährdeter Pflanzenarten (z.B. Ge-
flecktes Knabenkraut -
Dactylorhiza maculata
, Rundblättriger Sonnentau -
Drosera rotun-
difolia
, Fieberklee -
Menyanthes trifoliata
, Teufels-Abbiss -
Succisa pratensis
, Arnika -
Arnica montana
, Wacholder -
Juniperus communis
). Einige Fundorte des vom Aussterben
bedrohten Zwergbuchses (
Polygala chamaebuxus
) befinden sich ebenfalls in diesen Of-

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fenlandbereichen. Das Gebiet stellt ein wichtiges Element der Vernetzung der noch be-
stehenden Standorte dieser Arten im Oberen Vogtland dar.
Über die Arten des Grünlandes hinaus soll das Gebiet vor allem dem Schutz und der
langfristigen Erhaltung von weiteren Standorten des vom Aussterben bedrohten Zwerg-
buchses (
Polygala chamaebuxus
) sowie eines ebenfalls vom Aussterben bedrohten
Flachbärlapps (
Diphasiastrum zeilleri
) und der stark gefährdeten Schneeheide (
Erica car-
nea
) mit Vorkommen außerhalb des FFH-Gebietes dienen.
5. QUELLE
Der Managementplan für das Gebiet Nr. 304 wurde im Original vom Planungsbüro für
Ökologie, Naturschutz, Landschaftspflege und Umweltwerbung in Freital (2007) erstellt
und kann bei Interesse beim Regierungspräsidium Chemnitz, Umweltfachbereich - Au-
ßenstelle Plauen oder beim Sächsischen Landesamt für Umwelt und Geologie eingese-
hen werden.
ANHANG
Karte 1: Übersichtskarte Lebensraumtypen und Arten