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A b s c h l u s s b e r i c h t
der Arbeitsgruppe
„Freiwillige Feuerwehren
Sachsen 2020“
Der Arbeitsgruppe „Freiwillige Feuerwehren Sachsen 2020“ gehörten Vertreter des
Sächsischen Staatsministeriums des Innern, des Sächsischen Städte- und Gemeindetages e. V.,
des Sächsischen Landkreistages e. V., des Landesfeuerwehrverbandes Sachsen e. V.,
der Landesfeuerwehr- und Katastrophenschutzschule Sachsen und des Fraunhofer Instituts für
Verkehrs- und Infrastruktursysteme (IVI) an.

2

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3
Lieber Leser,
der flächendeckende Brandschutz im Freistaat Sachsen wird zu
einem großen Teil durch Freiwillige Feuerwehren gewährleistet. Die
Kameradinnen und Kameraden verdienen für ihren dabei geleiste-
ten ehrenamtlichen Dienst unsere volle Anerkennung, tragen sie
doch uneigennützig und manchmal sogar unter Einsatz von Leib
und Leben dazu bei, dass wir in Sachsen sicher leben können.
Die Mitgliederentwicklung bei den Freiwilligen Feuerwehren Sach-
sens ist rückläufig. Die Ursachen dafür sind vielfältig: bspw. der
demografische Wandel, veränderte Bedingungen auf dem Arbeits-
markt sowie die sinkende Bereitschaft, sich in der Freizeit ehren-
amtlich engagieren zu wollen. In manchen Gemeinden im Freistaat
ist es dadurch zunehmend schwierig, die Einsatzbereitschaft der
Freiwilligen Feuerwehr - vor allem tagsüber - aufrecht zu erhalten.
Die Arbeitsgruppe "Freiwillige Feuerwehren Sachsen 2020" hat sich im Jahr 2011 die Aufga-
be gestellt, auf Landesebene strategische Vorschläge zum Umgang mit dieser Herausforde-
rung zu erarbeiten. Bundesweit einmalig war ihre Zusammensetzung.
Ihr gehörten nicht nur Vertreter des Staatsministeriums des Innern, sondern auch der kom-
munalen Spitzenverbände und des Landesfeuerwehrverbands an. Praktiker der unterschied-
lichen Ebenen brachten ihren feuerwehrtechnischen Sachverstand ein. Das Fraunhofer Insti-
tut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme begleitete das Vorhaben wissenschaftlich. Außer-
dem wurden die Arbeitsergebnisse regionaler Initiativen in die Betrachtung einbezogen.
Wie wichtig die Auseinandersetzung mit den von der Arbeitsgruppe angesprochenen The-
men ist, wird deutlich, wenn man bedenkt, dass die Einschätzung der gegenwärtigen Lage
der Freiwilligen Feuerwehren in der Bevölkerung mit der Wirklichkeit in deutlichem Wider-
spruch stehen. So glaubt weniger als die Hälfte der Befragten bei einer Bevölkerungsumfra-
ge in Sachsen, dass die Mitgliederzahlen sinken, fast 20% waren sogar der Meinung, dass
sie steigen.
Nun hat die Arbeitsgruppe ihre Arbeit beendet und diesen Abschlussbericht vorgelegt. Ich
freue mich, dass damit ein konstruktiver Beitrag zur Fortentwicklung des Brandschutzes im
Freistaat Sachsen geleistet wurde, der in den Feuerwehrkreisen sicher auf große Resonanz
stoßen wird.
Ich möchte an dieser Stelle allen Mitarbeitern der Arbeitsgruppe für die geleistete Arbeit
nochmals danken.
Besonders freut mich, dass die Arbeitsgruppe das Modell „Freiwillige Feuerwehr“ weiterhin
als zukunftsfähig an sieht. Das ist auch meine feste Überzeugung. Das Modell „Freiwillige
Feuerwehr“ zu erhalten, ist eine gemeinsame Aufgabe von Feuerwehren, Gemeinden, Krei-
sen und Freistaat. Dazu hat die Arbeitsgruppe konkrete Handlungsempfehlungen an alle
Beteiligten erarbeitet.
Als sächsischer Innenminister bin ich für die Sicherheit der Sachsen verantwortlich. Ich wer-
de mich dafür einsetzen, dass die den Freistaat betreffenden Empfehlungen konsequent
umgesetzt werden. Wir haben in den vergangenen Jahren im Brandschutz gemeinsam viel
erreicht. Um diesen Weg weiter gehen zu können, bitte ich weiterhin um Ihre Unterstützung.
Mit freundlichen Grüßen
Markus Ulbig

4
Inhaltsverzeichnis
I.
Einleitung
................................................................................................................10
1.
Zusammensetzung und Auftrag der Arbeitsgruppe ....................................................10
2.
Vorgehensweise der Arbeitsgruppe ...........................................................................13
a)
Definition der Einsatzbereitschaft ...........................................................................13
b)
Analyse des Ist-Standes anhand von Referenzregionen ........................................14
c)
Untersuchung der Motivation für eine Feuerwehrmitgliedschaft .............................14
d)
Einbeziehung regionaler Initiativen .........................................................................15
e)
Zusammentragung und Bewertung der Lösungsansätze ........................................17
II.
Bemessungsgrundlagen für die Einsatzbereitschaft
...........................................17
1.
Ausgangslage ............................................................................................................17
a) Das allgemeine Risiko (Modell „Kritischer Wohnungsbrand“) .................................18
b)
Die besonderen Risiken .........................................................................................19
c)
Schutzzielfestlegung ..............................................................................................19
d)
Eintreffzeit ..............................................................................................................19
e)
Mindesteinsatzstärke ..............................................................................................20
f)
Erreichungsgrad .....................................................................................................20
g) Grundausstattung ...................................................................................................21
2.
Entwicklung neuer Bemessungskriterien ...................................................................21
a)
Tatsächliche Verfügbarkeit auch zu ungünstigen Zeiten .........................................21
b)
Stärke der ersten taktischen Einheit .......................................................................22
c)
Keine Berücksichtigung von Gemeindegrenzen .....................................................23
3.
Erstellung einer Erfassungs- und Analysesoftware ....................................................23
4.
Probelauf ...................................................................................................................30
5.
Anwendung in den Referenzregionen ........................................................................30
III.
Optimierung der Brandschutzbedarfsplanung
.....................................................31
1.
Aktuelle und realistische Planung ..............................................................................31
2.
Standortanalyse .........................................................................................................32
3.
Verteilung der Einsatzmittel .......................................................................................33
4.
Einbeziehung der Nachwuchsentwicklung .................................................................33
5.
Einbeziehung der Entwicklung der Funktionsstellen ..................................................34
6.
Regionalisierte Planung .............................................................................................34
7.
Berücksichtigung der Zusammenarbeit mit Berufs- und Werkfeuerwehren ................35
IV.
Konzentration der Feuerwehren auf ihre Kernaufgaben
......................................36
1.
Ölspurbeseitigung ......................................................................................................37
2.
Tragehilfe beim Krankentransport ..............................................................................37
3.
Türnotöffnungen und Baumfällungen .........................................................................38
4.
Verwaltungsaufgaben ................................................................................................38
5.
Feuerwehrstatistik ......................................................................................................39

5
V.
Verstärkung der interkommunalen Zusammenarbeit
...........................................40
1.
Lösch- und Hilfeleistungsvereinbarungen ..................................................................41
2.
Gemeinsame Feuerwehr ...........................................................................................41
3.
Gemeinsam genutzte Feuerwehrhäuser ....................................................................41
4.
Grenzüberschreitende Zusammenarbeit ....................................................................42
VI.
Optimierung der Einsatzdurchführung durch eine Feuerwehr-App
....................43
VII.
Optimierung der Ausbildung in den Freiwilligen Feuerwehren
..........................43
1.
Ausbildung an der Landesfeuerwehr- und Katastrophenschutzschule .......................44
2.
Auslagerung von Lehrgängen ....................................................................................47
3.
Fahrsicherheitstraining ...............................................................................................47
4.
Einheitliche Lehrunterlagen .......................................................................................48
a)
Truppmann-/Truppführerausbildung .......................................................................48
b)
CSA-Träger ............................................................................................................49
d)
Sprechfunker ..........................................................................................................49
e)
Maschinisten ..........................................................................................................50
VIII.
Nachwuchsgewinnung
...........................................................................................50
1.
Brandschutzerziehung in Schulen ..............................................................................50
2.
Förderung der Jugendfeuerwehr ................................................................................51
3.
Kinder in der Feuerwehr ............................................................................................52
IX.
Motivation für das Engagement in der Freiwilligen Feuerwehr – Hinweise für die
Mitgliedergewinnung und Mitgliederpflege
...........................................................53
1.
Ergebnisse der Bevölkerungsumfrage .......................................................................54
2.
Ergebnisse der Umfrage unter den Feuerwehrangehörigen .......................................54
3.
Schlussfolgerungen ...................................................................................................56
X.
Verhältnis zwischen Gemeinde und Feuerwehr
...................................................58
XI.
Würdigung des Ehrenamts in der Freiwilligen Feuerwehr
..................................59
XII.
Freistellung und Erstattung der Lohnfortzahlungskosten
..................................61
1.
Rechtlicher Rahmen ..................................................................................................61
2.
Praktische Umsetzung ...............................................................................................62
XIII.
Unfallversicherungsschutz für Feuerwehrangehörige
.........................................63
1.
Ausgangslage ............................................................................................................63
2.
Verbesserungsvorschläge .........................................................................................63
XIV.
Weitere Lösungsansätze
........................................................................................64
1.
Einrichtung eines Einsatzdienstes an der Landesfeuerwehr- und
Katastrophenschutzschule ........................................................................................64
2.
Doppelmitgliedschaft .................................................................................................66
3.
Einstellung von Feuerwehrangehörigen in den öffentlichen Dienst ............................66
XV.
Finanzierungsfragen
...............................................................................................67
1.
Kostenersatz für Feuerwehreinsätze ..........................................................................67
2.
Einrichtung eines FAG-Fonds zur Förderung der Einsatzbereitschaft ........................68
3.
Wiedereinführung der Feuerwehrabgabe ...................................................................69

6
XVI.
Alternativmodelle
....................................................................................................69
1.
Pflichtfeuerwehren .....................................................................................................69
2.
Stützpunktfeuerwehren ..............................................................................................70
3.
Hauptamtliche Unterstützungseinheiten .....................................................................71
XVII. Zusammenfassung
.................................................................................................72
1.
Empfehlungen an die Feuerwehren ...........................................................................72
2.
Empfehlungen an die Gemeinden ..............................................................................74
3.
Empfehlungen an die Landkreise ...............................................................................75
4.
Empfehlungen an den Freistaat .................................................................................76
5.
Ebenenübergreifende Empfehlungen .........................................................................78

7
A n l a g e n :
1. Verzeichnis der Mitglieder der Arbeitsgruppe
2. Feuerwehrstatistik 2013 (Bogen A)
3. Mitgliederentwicklung
4. Feuerwehrförderung im Freistaat Sachsen 2013
5. Vorstellung der Anwendung der Erfassungs- und Analysesoftware in der Referenzregion
Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
6. Projektskizze der TU Freiberg zur Feuerwehr-App „iRescue“
7. Praxisbeispiel zur interkommunalen Zusammenarbeit (Vereinbarung zwischen den Städ-
ten/Gemeinden Hoyerswerda, Bernsdorf, Lauta, Wittichenau, Elsterheide, Lohsa, Spree-
tal und Oßling)
8. Praxisbeispiel zur Kooperation mit Werkfeuerwehren (Vereinbarung zwischen der Werk-
feuerwehr Vattenfall, der Stadt Hoyerswerda sowie den Gemeinden Elsterheide und
Spreetal)
9. Praxisbeispiel zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit (Vereinbarung des Erzge-
birgskreies und des Landkreises Mittelsachsen mit dem Feuerwehrrettungskorps Ústi
nad Labem)
10. Praxisbeispiel zur Öffentlichkeitsarbeit (Ausschreibung 2. Werdauer Blaulichttag)
11. Hinweise zum wirtschaftlich verantwortungsvollen Umgang mit Personalressourcen (er-
arbeitet von der Initiative „Keiner kommt – Feuerwehren in Not“ aus Bad Lausick)

8
A b k ü r z u n g s v e r z e i c h n i s :
Abs.
Absatz
AG
Arbeitsgruppe
AGBF
Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren
AG KBM
Arbeitsgemeinschaft der Kreisbrandmeister Sachsen
ASGT
Atemschutzgeräteträger
BF
Berufsfeuerwehr
BRK-Behörde
Brandschutz-, Rettungsdienst- und Katastrophenschutz-
behörde
BVerfGG
Bundesverfassungsgerichtsgesetz
CSA
Chemikalienschutzanzug
DGUV
Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung
FF
Freiwillige Feuerwehr
FwDV
Feuerwehrdienstvorschrift
GG
Grundgesetz
GTA
Ganztagsangebot
IMK
Innenministerkonferenz
IRLS
Integrierte Regionalleitstellen
JF
Jugendfeuerwehr
KMK
Kultusministerkonferenz
LF
Löschgruppenfahrzeug
LFS
Landesfeuerwehr- und Katastrophenschutzschule
LFV
Landesfeuerwehrverband Sachsen e. V.
RLFw
Richtlinie
Feuerwehrförderung
(des
Sächsischen
Staatsministeriums des Innern)
SächsBRKG
Sächsisches Gesetz über den Brandschutz, Rettungs-
dienst und Katastrophenschutz
SächsFAG
Sächsisches Finanzausgleichsgesetz
SächsGemO
Sächsische Gemeindeordnung
SächsFwVO
Sächsische Feuerwehrverordnung
SBI
Sächsisches Bildungsinstitut
SGB VII
Siebtes Buch des Sozialgesetzbuches (Gesetzliche Un-
fallversicherung)
SSG
Sächsischer Städte- und Gemeindetag e. V.
SLKT
Sächsischer Landkreistag e. V.
SMI
Sächsisches Staatsministerium des Innern
SMK
Sächsisches Staatsministerium für Kultus

9
TSF
Tragkraftspritzenfahrzeug
TSF-W
Tragkraftspritzenfahrzeug - Wasser
TSF-W/Z
Tragkraftspritzenfahrzeug - Wasser mit Zusatzlöschein-
richtung
u. a.
unter anderem
u. U.
unter Umständen
vgl.
vergleiche
VwV
Verwaltungsvorschrift
WPflG
Wehrpflichtgesetz
z. B.
zum Beispiel

10
I. Einleitung
1. Zusammensetzung und Auftrag der Arbeitsgruppe
Die Feuerwehren sind flächendeckend ein wesentlicher Bestandteil der Sicherheitsarchitek-
tur Deutschlands. Sie wirken bei der Erfüllung der Brandschutzaufgaben der Gemeinde mit
und leisten bei der Bekämpfung von Katastrophen, im Rahmen des Rettungsdienstes und
bei der Beseitigung von Umweltgefahren technische Hilfe.
Die Freiwilligen Feuerwehren werden vom Ehrenamt getragen. Sie besitzen eine gemein-
schaftsbildende und gemeinschaftsfördernde Kraft, die – bis hinein in die Jugendarbeit –
auch für das soziale und kulturelle Miteinander in den Städten und Gemeinden unentbehrlich
ist.
Für die Gemeinden stellt die Sicherung der Einsatzbereitschaft der Feuerwehr zur Absiche-
rung des flächendeckenden Brandschutzes allerdings vor allem tagsüber eine erhebliche
Herausforderung dar. Die Zahl der aktiven Mitglieder in den Freiwilligen Feuerwehren nahm
in den vergangenen Jahren kontinuierlich ab, wenn auch im Jahr 2013 erstmals eine gewis-
se Stabilisierung erreicht werden konnte. Die Jugendfeuerwehren können seit 2008 wieder
einen Mitgliederanstieg verzeichnen. Dieser schlägt sich jedoch derzeit noch nicht im erfor-
derlichen Maße in der Zahl der Übertritte in die aktive Abteilung nieder.
Konkret stellt sich die Mitgliederentwicklung der Freiwilligen Feuerwehr im Freistaat Sachsen
wie folgt dar:
Jahr
2008
2009
2010
2011
2012
2013
FF (aktive Mitglieder)
47.123 46.135 45.920 45.164 43.782 44.010
JF
9.994
10.530 10.831 11.195 11.540 11.898
Übertritte JF in FF
970
851
701
722
635
778
Quelle: Feuerwehrstatistik (Stichtag: 31. Dezember des jeweiligen Jahres)
Diese Entwicklung führt im Zusammenwirken mit anderen Faktoren vor allem tagsüber (6:00
bis 18:00 Uhr) zu einer verringerten Präsenz von Feuerwehrmitgliedern im Einsatzbereich
ihrer Wehr. Die Ursachen dafür sind vielfältig; insbesondere sind hier zu nennen:
- Demografische Entwicklung:
Insbesondere im ländlichen Raum sind die Einwohnerzahlen stark gesunken und
werden dies nach Prognosen des Statistischen Landesamtes auch weiterhin in er-

11
heblichem Maße tun. Die sinkende Zahl der Übertritte von der JF in den aktiven Feu-
erwehrdienst hängt auch mit den geburtenschwachen Jahrgängen der Jahre 1990 ff.
zusammen.
- Gesteigerte Mobilität der Bevölkerung:
Unter den Bedingungen eines veränderten Arbeitsmarktes haben heute mehr Men-
schen als früher ihren Arbeitsplatz nicht am Wohnort, sondern in z. T. erheblicher
Entfernung davon. Außerdem verlassen zahlreiche junge Menschen ihren Heimatort,
um auswärts zu studieren oder sich ausbilden zu lassen, und kehren dann nicht mehr
zurück.
- Aussetzung der Wehrpflicht:
Aufgrund des Wehrrechtsänderungsgesetzes 2011 wurde die Wehrpflicht in der Bun-
desrepublik Deutschland mit Wirkung zum 1. Juli 2011 ausgesetzt. Dadurch ist auch
die Möglichkeit, die Ableistung des Wehrdienstes durch eine mehrjährige Verpflich-
tung für den Katastrophenschutz zu ersetzen (§ 13a WPflG), obsolet geworden.
Wehrpflichtige, die von dieser Option Gebrauch machten, wurden oftmals gleichzeitig
auch Mitglieder einer Freiwilligen Feuerwehr. Mit der Aussetzung der Wehrpflicht ist
diese Motivation weggefallen.
- Trend zu Ganztagsschulen:
Sachsen verfügt über ein fast flächendeckendes Angebot an Ganztagsangeboten.
Laut KMK-Statistik nutzen etwa 70 Prozent der Schüler diese Angebote am Nachmit-
tag. Diese bildungspolitisch begrüßenswerte Entwicklung führt jedoch dazu, dass die
freie Zeit nach der Schule knapper wird. Dies kann zu Lasten der Bereitschaft eines
Engagements in der Jugendfeuerwehr gehen, was sich dann wiederum langfristig auf
die Einsatzbereitschaft der Freiwilligen Feuerwehr auswirkt.
- Gesellschaftlicher Wandel:
Die Bereitschaft von Bürgern, sich nicht nur punktuell, sondern dauerhaft ehrenamt-
lich zu engagieren, geht zurück. Mit diesem Problem haben neben anderen Institutio-
nen (z. B. Parteien, Kirchen, Gewerkschaften) auch die Freiwilligen Feuerwehr zu
kämpfen. Zudem steht heute ein breites Freizeitangebot in starker Konkurrenz zum
Feuerwehrdienst.
- Atmosphärische Ursachen:
In manchen Gemeinden bzw. ihren Feuerwehren besteht Unzufriedenheit mit einzel-
nen Führungspersonen, verfestigten Strukturen und ähnlichem. Diese internen Prob-

12
leme mindern die Attraktivität der Freiwilligen Feuerwehr für neue Mitglieder und ha-
ben mitunter sogar zu Austritten aktiver Mitglieder geführt.
Das Problem der (Tages-) Einsatzbereitschaft der Feuerwehren wird seit längerer Zeit inten-
siv in Fachkreisen, aber auch zunehmend in der Öffentlichkeit diskutiert. Im Freistaat Sach-
sen haben sich lokale Initiativen mit dem Ziel gebildet, die Einsatzbereitschaft durch die Ge-
winnung neuer Mitglieder und die Förderung von Doppelmitgliedschaften zu verbessern.
Dies entband aber nicht von der Notwendigkeit, nach Anhaltspunkten zu suchen, die geeig-
net sein können, dem Problem landesweit wirksam begegnen zu können.
Am 15. Dezember 2011 wurde deshalb die Arbeitsgruppe „Freiwillige Feuerwehren Sachsen
2020“ gebildet, um auf Landesebene strategische Vorschläge zur Verbesserung der Ein-
satzbereitschaft zu erarbeiten. Darin haben sich Vertreter aller am Feuerwehrwesen beteilig-
ten Ebenen zusammengefunden:
-
Gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 1 des Sächsischen Gesetzes über den Brandschutz, Ret-
tungsdienst und Katastrophenschutz (SächsBRKG) ist in jeder Gemeinde eine den
örtlichen Verhältnissen entsprechende leistungsfähige Feuerwehr aufzustellen. Es
handelt sich hierbei um eine weisungsfreie Pflichtaufgabe, § 5 Abs. 1 Satz 1
SächsBRKG. Die Interessen der Gemeinden werden auf Landesebene durch den
Sächsischen Städte- und Gemeindetag vertreten.
-
Den Landkreisen obliegt im Brandschutz die Rechtsaufsicht über die Gemeinden.
Zudem sind sie selbst Aufgabenträger für den überörtlichen Brandschutz und haben
die Gemeinden bei der Erfüllung ihrer Aufgaben im örtlichen Brandschutz zu bera-
ten und zu unterstützen (§ 7 Abs. 1 SächsBRKG). Sie sind außerdem Bewilligungs-
behörde für Zuwendungsanträge kreisangehöriger Gemeinden im Rahmen der Feu-
erwehrförderung (§ 19 Nr. 1 SächsFwVO). Der Sächsische Landkreistag vertritt als
Spitzenverband die Interessen der Landkreise.
-
Aufgabe des Staatsministeriums des Innern als oberste Brandschutz-, Rettungs-
dienst- und Katastrophenschutzbehörde ist es, die Gemeinden bei der Schaffung at-
traktiver Rahmenbedingungen für ein Engagement in der Freiwilligen Feuerwehr zu
beraten, sie im Rahmen der Möglichkeiten des Freistaats zu unterstützen und auf
die Beseitigung etwaiger rechtliche Hemmnisse hinzuwirken.

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13
-
Der Landesfeuerwehr- und Katastrophenschutzschule obliegt die Aus- und Fortbil-
dung der Angehörigen der Feuerwehren und der Bediensteten der Aufgabenträger,
die mit Brandschutzaufgaben betraut sind (§ 10 Abs. 1 Satz 2 SächsBRKG).
-
Der Landesfeuerwehrverband Sachsen e. V. vertritt die Interessen der Angehörigen
der sächsischen Feuerwehr.
-
Das Fraunhofer Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI entwickelt an-
wendungsbezogene Forschungsbeiträge zu verkehrstechnischen Fragestellungen
und bietet hierzu Beratungs- und Analysedienstleistungen an. Daneben werden
Grundlagenstudien erarbeitet, verkehrstechnische Entwicklungen durchgeführt und
neue Verkehrs- und Fahrzeugtechnologien in Pilotanwendungen erprobt.
Die Namen der Mitglieder der Arbeitsgruppe sind der Anlage 1 zu entnehmen.
Ziel der Arbeitsgruppe war es, die
vorhandenen Probleme gemein-
sam zu analysieren und strategi-
sche Vorschläge zur Sicherung
bzw. Verbesserung der Einsatz-
bereitschaft auf Landesebene zu
erarbeiten. Ideen und Handlungs-
ansätze lokaler Initiativen sollten
dabei in die Betrachtung einbezo-
gen werden.
2. Vorgehensweise der Arbeitsgruppe
Die Arbeitsgruppe hat insgesamt 15 Sitzungen durchgeführt. Darüber hinaus wurden Vor-
Ort-Termine wahrgenommen und weitere Maßnahmen (z. B. Umfragen und Beratungen)
durchgeführt.
a) Definition der Einsatzbereitschaft
Zu Beginn erörterte die Arbeitsgruppe die in Sachsen geltenden Bemessungsgrundlagen für
die Einsatzbereitschaft der Freiwilligen Feuerwehren. Dabei wurde festgestellt, dass eine
Bewertung auf Basis der Doppelbesetzung aller Funktionen nicht immer zielführend er-
scheint. Um eine realistische Einschätzung der Tageseinsatzbereitschaft durchführen zu
können, mussten neue Kriterien entwickelt werden (siehe Seite 21 ff.).

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14
b) Analyse des Ist-Standes anhand von Referenzregionen
In einem weiteren Schritt verständigte sich die Arbeitsgruppe darauf, den Ist-Stand der Ein-
satzbereitschaft zu erheben und zu analysieren. Dazu wurde durch das Fraunhofer-Institut
für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI eine Erfassungs- und Analysesoftware bereitge-
stellt, welche die von der Arbeitsgruppe zugrunde gelegten Parameter berücksichtigt (siehe
Seite 23 ff.).
Für eine detaillierte und tiefergehende Betrachtung wurden zwei „Referenzregionen“ ausge-
wählt. Als solche fungierten der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (unter Einbe-
ziehung definierter Bereiche der Nachbarlandkreise) sowie die Region Hoyers-
werda/Weißwasser (Teile der Landkreise Görlitz und Bautzen):
Nach einem Probelauf wurde die vom Fraunhofer-Institut entwickelte Erfassungs- und Analy-
sesoftware in den Referenzregionen angewandt (siehe Seite 30 ff.).
c) Untersuchung der Motivation für eine Feuerwehrmitgliedschaft
Ferner war es der Arbeitsgruppe ein wichtiges Anliegen, die Motivation für eine Mitglied-
schaft in der Freiwilligen Feuerwehr näher zu betrachten. Zu diesem Zweck wurden in Ko-
operation mit dem Institut für Kommunikationswissenschaft an der Technischen Universität

15
Dresden zwei sachsenweite Umfragen durchgeführt: zum einen eine telefonische Bevölke-
rungsumfrage, zum anderen eine Umfrage unter den Feuerwehrangehörigen. Ziel war es,
Hinweise für eine mögliche Kommunikationsstrategie der Freiwilligen Feuerwehr in Sachsen
zu geben (siehe Seite 53 ff.). Dabei standen folgende Fragen im Vordergrund:
-
Wie gestaltet sich das derzeitige bürgerschaftliche Engagement in der sächsischen
Bevölkerung?
-
Wie gestaltet sich das derzeitige Image der Freiwilligen Feuerwehren in Sachsen?
-
Wie gestaltet sich das Zusammengehörigkeitsgefühl (Commitment) der Mitglieder der
Freiwilligen Feuerwehren in Sachsen?
d) Einbeziehung regionaler Initiativen
Im weiteren Verlauf erörterte die Arbeitsgruppe unter besonderer Berücksichtigung der Refe-
renzregionen Lösungsansätze zur Optimierung der (Tages-) Einsatzbereitschaft (siehe Seite
30 ff.). Sie bezog dabei Ergebnisse und Vorschläge regionaler Initiativen in ihre Überlegun-
gen ein:
-
Vertreter der Arbeitsgruppe begleiteten die Initiative zur Gründung einer Tagesein-
satzgruppe in den Gemeinden Krauschwitz und Weißkeißel (Landkreis Görlitz), die
seit dem 1. Januar 2014 einsatzbereit ist.
-
Zwischen den Städten/Gemeinden Hoyerswerda, Bernsdorf, Lauta, Wittichenau, Els-
terheide, Lohsa, Spreetal und Oßling wurde am 28. August 2013 in Hoyerswerda in
Anwesenheit von Vertretern der Arbeitsgruppe eine Vereinbarung zur gegenseitigen
Unterstützung in der Brandbekämpfung und der Gefahrenabwehr bei besonderen
Schadensereignissen geschlossen. Daneben wurde eine ähnliche Vereinbarung zwi-
schen der Stadt Hoyerswerda, den Gemeinden Spreetal und Elsterheide mit der
Werkfeuerwehr Vattenfall geschlossen.
-
Ein Schwerpunkt der 2012 in Bad Lausick gegründeten Initiative „Keiner kommt. Feu-
erwehren in Not“ liegt darin, gemeinsam mit Unternehmen Potentiale zur Verbesse-
rung der Beschäftigungsmöglichkeiten von Feuerwehrangehörigen sowie der Ein-
satzbereitschaft der Freiwilligen Feuerwehren zu nutzen. Dabei soll insbesondere die
Möglichkeit der Doppelmitgliedschaft besser genutzt werden können. Am 10. Oktober
2013 fand in Bad Lausick eine Gesprächsrunde zur Verbesserung der Personalstärke
der Feuerwehren im Landkreis Leipzig statt, an der auch Vertreter der Arbeitsgruppe
„Freiwillige Feuerwehren Sachsen 2020“ teilnahmen.
Die Teilnehmer regten unter

16
anderem an, die Freiwilligen Feuerwehr nur zur Erfüllung ihrer originären Aufgaben
einzusetzen, Unternehmern die gesetzlichen Regelungen über die Freistellung von
ehrenamtlichen Feuerwehrangehörigen und die Möglichkeit der Lohnkostenerstattung
stärker zu vermitteln sowie Anreize für Unternehmen zu schaffen, verstärkt Feuer-
wehrangehörige zu beschäftigen.
- Der Regionale Planungsverband Oberes Elbtal/Osterzgebirge hat im Rahmen des
Forschungsprogramms „Modellvorhaben der Raumordnung“ (MORO) Anpassungs-
strategien u. a. für den Brandschutz erarbeitet, die dem demografischen Wandel
Rechnung tragen. Am 4. Februar 2014 haben Vertreter des MORO die Arbeitsergeb-
nisse innerhalb der AG präsentiert. Demnach ist bei ca. 80% der Bevölkerung der ört-
liche Brandschutz auch langfristig (2025 ff.) nachhaltig gesichert. Die MORO-
Vertreter plädierten insbesondere für eine regionalisierte Brandschutzbedarfsplanung,
eine Optimierung des Rendezvous-Prinzips, eine Konzentration auf die notwendigen
Standorte und Standorte mit hoher personeller Absicherung, die Optimierung der Ei-
genvorsorge sowie eine stärkere Sensibilisierung der Öffentlichkeit.
- Vor dem Hintergrund struktureller Veränderungen in der Feuerwehr Weißwasser
wurde 2011 das Projekt „Zukunft Brandschutz" gestartet, um die Entwicklung der Ein-
satzbereitschaft der Freiwilligen Feuerwehr Weißwasser einschließlich ihrer regiona-
len Bezüge zu analysieren und Strategien für Gegenmaßnahmen entwickeln zu kön-
nen. Seit 2011 wurden ein Symposium und drei Regionalkonferenzen durchgeführt,
an denen Vertreter der Arbeitsgruppe „Freiwillige Feuerwehren Sachsen 2020“ – z. T.
als Referenten – teilgenommen haben. Mit seinen im Februar 2013 vorgelegten Vor-
schlägen hat der Weißwasseraner Arbeitskreis umfangreiche Lösungsansätze zu-
sammengetragen, diese einer eigenen Prüfung und Bewertung unterzogen und im
Ergebnis Forderungen und Vorschläge formuliert. Zu einem Großteil richten sich die
Forderungen an die Feuerwehren oder die Kommunen. Zum Teil entsprechen einzel-
ne Vorschläge der geltenden Rechtslage oder befinden sich in der Umsetzung. In ei-
ner Besprechung im SMI am 30. Mai 2013 wurde der Bericht des Arbeitskreises mit
dessen Mitgliedern konstruktiv und eingehend erörtert.
- Darüber hinaus erfolgte eine breite Information über die Tätigkeit der Arbeitsgruppe.
Die AG-Mitglieder stellten den aktuellen Stand im Rahmen von diversen Veranstal-
tungen vor, wie zum Beispiel beim Diskussionsforum „Zukunft Feuerwehr – Feuer-
wehr 2020“ am 15. April 2013 im Vogtlandkreis.

17
e) Zusammentragung und Bewertung der Lösungsansätze
Die Ansätze zur Verbesserung der Einsatzbereitschaft der Freiwilligen Feuerwehr, die die
Arbeitsgruppe aufgrund eigener Erfahrung ihrer Mitglieder, durch die Umfragen und durch
die regionalen Initiativen gewonnen hat, hat sie zusammengetragen, intensiv beraten und
sich zu ihnen positioniert. Der vorliegende Abschlussbericht fasst die Diskussionsergebnisse
zusammen und gibt konkrete Handlungsempfehlungen an die Beteiligten (siehe Seite 72 ff.).
II.
Bemessungsgrundlagen für die Einsatzbereitschaft
1. Ausgangslage
Gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 1 SächsBRKG hat die Gemeinde eine leistungsfähige Feuerwehr vor-
zuhalten. Zu betrachten ist daher die Leistungsfähigkeit der Gemeindefeuerwehr, also der
Gesamtheit aller Ortsfeuerwehren einer Gemeinde. Es ist nicht zwingend erforderlich, dass
jeder Feuerwehrstandort isoliert betrachtet einsatzbereit ist.
Bemessungsgrundlage für die Einsatzbereitschaft einer Feuerwehr ist bundesweit in der Re-
gel die so genannte Doppelbesetzung aller Funktionen. Im Freistaat Sachsen ist dies in § 2
SächsFwVO geregelt.
Zur Ermittlung der erforderlichen Ausrüstung stellt die örtliche Brandschutzbehörde einen
Brandschutzbedarfsplan auf (§ 1 Abs. 1 SächsFwVO). Entsprechend der Empfehlung des
SMI zum Brandschutzbedarfsplan soll die Gemeinde nach allgemein gültigen Regeln und
unter Beachtung der Besonderheiten des Gemeindegebietes die Ausstattung und die Leis-
tungsfähigkeit ihrer Feuerwehr bewerten und die daraus erforderlichen Maßnahmen veran-
lassen.
In einem ersten Schritt ist von der Gemeinde festzulegen, welche und in welchem Umfang
ihre Aufgaben im Brandschutz von der Feuerwehr erledigt werden sollen (Pflichtaufgaben
nach § 16 Abs. 1 und 2 und § 22 Abs. 2 des SächsBRKG, Gemeinde kann auch weitere
Aufgaben übertragen). In einer Beschreibung des Gemeindegebietes sind die charakteristi-
schen Angaben der Gemeinde, die für einen Feuerwehreinsatz relevant sein können, aufzu-
führen (u. a. geographische Lage, topographische Gegebenheiten, Verkehrsinfrastruktur,
Angaben über die Einwohner, gewerbliche Schwerpunkte und Industriebauten, insbesondere
Betriebe und Anlagen mit erhöhtem Brandrisiko, und Angaben zur Löschwasserversorgung
im Gemeindegebiet).

18
Die Angaben über die Gemeinde sind einer Gefährdungsbetrachtung zu unterziehen. Neben
dem allgemeinen Risiko, welches mit der Grundausstattung der Feuerwehr abgedeckt ist,
sind die besonderen Risiken in der Gemeinde zu ermitteln, bei deren Eintritt ein Feuerwehr-
einsatz notwendig werden kann.
Damit die Gemeinde die Anforderungen an ihre Feuerwehr definieren kann, sind zunächst
Schutzziele festzulegen. Nach allgemein anerkannten Maßstäben bezüglich der Mindestein-
satzstärke sowie der Zeit, in der Einheiten der Gefahrenabwehr an der Einsatzstelle tätig
werden, entscheidet die Gemeinde im Rahmen ihrer Selbstverwaltung, bei welchem Anteil
an bemessungsrelevanten Einsätzen diese Kriterien erfüllt sein sollen.
Aus der Schutzzielfestlegung ergeben sich die erforderlichen Standorte von Feuerwehrhäu-
sern mit Grundausstattung. Durch Betrachtung der besonderen Risiken in der Gemeinde
wird die ggf. notwendige zusätzliche Ausrüstung ermittelt. Daneben werden von der Ausstat-
tung eines Standortes neben der Personalstärke auch die fachlichen Anforderungen an das
Personal abgeleitet.
Den Anforderungen an die Feuerwehr ist dann der Ist-Zustand gegenüberzustellen. Im Er-
gebnis dieses Vergleiches sind die Maßnahmen der Gemeinde herauszuarbeiten, die erfor-
derlich sind, um eine leistungsfähige Feuerwehr im Sinne der festgelegten Schutzziele zu
unterhalten.
Zur Gefährdungsbetrachtung im Einzelnen:
a) Das allgemeine Risiko (Modell „Kritischer Wohnungsbrand“)
Das allgemeine Risiko geht von der vorhandenen Wohnbebauung aus und wird durch das
Modell „Kritischer Wohnungsbrand“ beschrieben. Da die Qualitätskriterien für die Brandbe-
kämpfung auch für die technische Hilfeleistung hinreichend sind, können sich diese Betrach-
tungen auf dieses Modell beschränken, das wie folgt charakterisiert wird:
Es kommt zu einem Brand im 2. oder 3. Obergeschoss eines mehrgeschossigen
Wohnhauses.
Es besteht die Tendenz, dass der Brand sich weiter ausbreitet.
Der Treppenraum als erster Rettungsweg ist bereits verraucht.
In der Brandwohnung befindet sich noch eine Person.
Die rechtzeitige Alarmierung der Feuerwehr ist erfolgt.

19
Anhand der im Feuerwehreinsatz zu besetzenden notwendigen Funktionen zur Beherr-
schung des kritischen Wohnungsbrandes und der maximal möglichen Aufenthaltsdauer für
Menschen in einem verrauchten Raum ergeben sich die Anforderungen an die Feuerwehr
hinsichtlich des Eintreffens an der Einsatzstelle und der Funktionsstärke. Mit der Umsetzung
der Schutzziele für den kritischen Wohnungsbrand ist der Grundschutz abgesichert.
b) Die besonderen Risiken
Das besondere Risiko einer Gemeinde ergibt sich aus den Gegebenheiten, die nicht vom
allgemeinen Risiko (mit der Ausrüstung für den Grundschutz) abgedeckt sind. Zur Bestim-
mung besonderer Risiken in der Gemeinde sind verschiedene Bereiche zu untersuchen
(z. B. Besonderheiten der Bebauung, kulturhistorisch wertvolle Gebäude, soziale Einrichtun-
gen, große Menschenansammlungen, Industrie- und Gewerbeansiedelungen, Freizeit- und
Fremdenverkehrseinrichtungen, u. a.). Aus dieser Untersuchung ist die Zusatzausrüstung
der Gemeinde abzuleiten, z. B. Drehleiter, Rüstwagen, Gerätewagen-Gefahrgut, Tanklösch-
fahrzeug.
c) Schutzzielfestlegung
Für den Feuerwehreinsatz sind maßgebend:
die Zeit, in der Einheiten zur Gefahrenabwehr an der Einsatzstelle eintreffen (Ein-
treffzeit),
in welcher Stärke diese Einheiten benötigt werden (Mindesteinsatzstärke),
in welchem Umfang das Schutzziel erfüllt werden soll (Erreichungsgrad).
Folgende Prioritätensetzung ist zu berücksichtigen:
1. Menschen retten
2. Tiere, Sachwerte und Umwelt schützen
3. die Ausbreitung des Schadens verhindern
d) Eintreffzeit
Bei der Bemessung der Mindesteinsatzstärke ist zu beachten, dass mit den zuerst eintref-
fenden Kräften in jedem Fall die Menschenrettung ermöglicht werden muss. Die Erträglich-

image
20
keitsgrenze des Menschen für Kohlenmonoxid liegt bei 13 Minuten und die Reanimations-
grenze bei 17 Minuten
1
.
Unter Anrechnung der Zeit vom Brandausbruch bis zur Meldung des Brandes an die Leitstel-
le und der Dispositionszeit des Einsatzes in der Leitstelle (insgesamt 4 Minuten) verbleiben
der Feuerwehr für das Ausrücken und die Fahrt zur Einsatzstelle somit 9 Minuten.
Inwieweit die üblichen Ausrückezeiten von 1 Minute für Berufsfeuerwehren/hauptamtlichen
Kräften der Freiwilligen Feuerwehren und 5 Minuten für Freiwillige Feuerwehren angesetzt
werden oder eine Verkürzung/Erhöhung der Ausrückezeit gegeben ist, ist im Einzelfall von
der Gemeinde festzulegen und zu begründen.
Somit stehen den ersten Kräften der Freiwilligen Feuerwehren 4 Minuten und den Berufsfeu-
erwehren/hauptamtliche Kräfte der Freiwilligen Feuerwehren 8 Minuten Fahrzeit zur Verfü-
gung. Die darüber hinaus erforderlichen 6 Einsatzkräfte müssen nach weiteren 5 Minuten
Fahrtzeit an der Einsatzstelle eintreffen.
e) Mindesteinsatzstärke
Zur Absicherung der Arbeiten an der Einsatzstelle sollen zuerst 9 Einsatzkräfte nach weite-
ren 5 Minuten weitere 6 Einsatzkräfte eintreffen:
f)
Erreichungsgrad
Die bemessungsrelevanten Kriterien sollten bei 90 % der Einsätze im Gemeindegebiet er-
reicht werden. Jede Gemeinde hat diese Schutzziele eigenständig zu definieren und somit
1
Vgl. ORBIT-Studie
Grundlagenuntersuchung für die Entwicklung verbesserter Feuerwehrfahrzeuge
zur Optimierung der Leistungsfähigkeit bei der Brandbekämpfung und anderer Einsätze“, 1978
.

21
über das Schutzniveau zu entscheiden. Sinkt der Erreichungsgrad unter 80 %, kann nicht
mehr von einer leistungsfähigen Feuerwehr nach § 6 SächsBRKG ausgegangen werden.
g) Grundausstattung
Die Grundausstattung je Einsatzbereich besteht aus dem kleinsten Löschgruppenfahrzeug.
Nur bei der Ausstattung mit diesem Fahrzeug ist auf Grund der mitgeführten Leitern die Per-
sonenrettung bei Ereignissen des zu Grunde gelegten kritischen Wohnungsbrandes möglich.
Der Einsatz kleinerer Einsatzfahrzeuge (z. B. TSF, TSF-W, TSF-W/Z, Mannschaftstransport-
fahrzeug) ist im Rendezvousverfahren möglich, soweit die vorhandene Bebauung keine
Schiebleiter erforderlich macht. Der Einsatz der weiteren 6 erforderlichen Einsatzkräfte kann
mit einem weiteren TSF abgesichert werden. Inwieweit hierzu Trupp- oder Staffelfahrzeuge,
die auf Grund der besonderen Risiken in der Gemeinde als Zusatzausrüstung erforderlich
sind, zur Anwendung kommen können, obliegt der Entscheidung der Gemeinde.
2. Entwicklung neuer Bemessungskriterien
Eine Bewertung der Einsatzbereitschaft auf Basis einer Doppelbesetzung aller Funktionen
erscheint nach Auffassung der Arbeitsgruppe nicht immer zielführend. Denn auch wenn eine
Doppelbesetzung vorhanden ist, kann insbesondere eine Tageseinsatzbereitschaft oftmals
nicht sichergestellt werden. Um eine realistische Einschätzung der Tageseinsatzbereitschaft
durchführen zu können, müssen neue Kriterien entwickelt werden.
a) Tatsächliche Verfügbarkeit auch zu ungünstigen Zeiten
Die Einsatzbereitschaft der Freiwilligen Feuerwehr kann sich nicht an der formellen Mitglied-
schaft von hinreichend qualifizierten Einsatzkräften orientieren, sondern muss sich an deren
tatsächlicher Verfügbarkeit – auch zu ungünstigen Zeiten – messen lassen. Die allgemeinen
Schutzziele gemäß dem Modell „Kritischer Wohnungsbrand“ werden hierbei nicht in Frage
gestellt.
Ausgangspunkt der Betrachtung der Einsatzbereitschaft durch die Arbeitsgruppe war
deshalb die tatsächliche Verfügbarkeit der Einsatzkräfte wochentags zwischen 6:00
Uhr und 18:00 Uhr.

22
b) Stärke der ersten taktischen Einheit
Ferner hat sich die Arbeitsgruppe der Frage gestellt, welche Stärke der taktischen Einheit
erforderlich ist, damit eine Feuerwehr wirksam Hilfe leisten kann.
Die kleinste taktische Einheit, die selbständig an einer Einsatzstelle tätig werden kann, ver-
fügt mindestens über die Stärke einer Staffel im Sinne der FwDV 3. Eine Staffel im Sinne
dieser Vorschrift besteht aus einem Staffelführer (mit der Qualifikation Gruppenführer), ei-
nem Maschinisten und vier Einsatzkräften, die ASGT sein müssen. Auch die meisten Berufs-
feuerwehren verfolgen den Ansatz, mit einer Mindeststärke einer Staffel auszurücken, um als
erste Einheit vor Ort wirksam Hilfe leisten zu können. Auch das Land Hessen geht in seiner
Feuerwehr-Organisationsverordnung davon aus, dass mit dem Wirksamwerden einer Einheit
in der Stärke einer Staffel die dortige Regelhilfsfrist eingehalten wird
2
.
Die Arbeitsgruppe hat sich deshalb darauf verständigt, ihrer Betrachtung der Einsatzbereit-
schaft folgende Kriterien zugrunde zu legen:
Die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr einer Gemeinde ist nach Auffassung der Ar-
beitsgruppe in der Regel gegeben, wenn – auch zu ungünstigen Zeiten (wochentags
zwischen 6 und 18 Uhr) – gewährleistet ist, dass innerhalb von neun Minuten nach der
Alarmierung eine Staffel (Staffelführer, Maschinist und vier Atemschutzgeräteträger)
an der Einsatzstelle eintrifft.
Zur Erfüllung der Schutzziele gemäß Brandschutzbedarfsplanung müssen neben der
Staffel noch mindestens drei weitere Einsatzkräfte im selben Zeitraum eintreffen und
binnen weiteren fünf Minuten sechs zusätzliche Einsatzkräfte folgen.
Dabei kommt es nicht darauf an,
-
ob diese Einsatzkräfte mit einem Einsatzfahrzeug oder mehreren Einsatzfahrzeugen
die Einsatzstelle erreichen und
-
ob die Einsatzfahrzeuge von einem oder mehreren Standorten bzw. Ortsfeuerwehren
kommen.
2
Vgl. § 4 Abs. 3 Satz 1 Feuerwehr-Organisationsverordnung des Landes Hessen.

23
c) Keine Berücksichtigung von Gemeindegrenzen
Gemäß § 14 Abs. 1 Satz 1 SächsBRKG haben Gemeinden mit ihrer Feuerwehr auf Anforde-
rung überörtliche Hilfe zu leisten, soweit ihr Einsatz nicht im eigenen Zuständigkeitsbereich
dringend erforderlich ist.
Deshalb wurden von der Arbeitsgruppe bei der Betrachtung, ob die beim Modell „Kri-
tischer Wohnungsbrand“ zugrunde gelegten 15 Funktionen innerhalb des Zeitinter-
valls erreicht werden können, keine Gemeindegrenzen berücksichtigt, sondern nur auf
die Einhaltung des Zeitintervalls und die erforderlichen Funktionen abgestellt.
Diese Bemessungsgrundlagen dienen lediglich zur Beurteilung der Einsatzbereit-
schaft der Gemeindefeuerwehr. Sie ersetzen nicht die Festlegungen der Brandschutz-
bedarfsplanung in Hinblick auf die benötigten Einsatzkräfte, Standorte und Son-
derausrüstung. Daher sind ggf. weitere Anstrengungen der Gemeinde notwendig, um
die Festlegungen ihrer individuellen Brandschutzbedarfsplanung zu erfüllen.
3. Erstellung einer Erfassungs- und Analysesoftware
Eine der wesentlichen Voraussetzungen für die Erstellung tragfähiger Konzepte für die Zu-
kunft stellt die systematische Erfassung der aktuellen Einsatzbereitschaft der Feuerwehren
dar, wobei der Aufwand für die Feuerwehren so gering wie möglich gehalten werden soll.
Die konventionelle Vorgehensweise der jährlichen Abfrage mittels Zusendung von Formula-
ren und Excel-Tabellen wird vom überwiegenden Teil der Nutzer mittlerweile als sehr um-
ständlich und als nicht mehr zeitgemäß empfunden.

image
24
Derzeit verwendetes Arbeitsblatt zur Erfassung von Daten zur Einsatzbereitschaft
Aus diesem Grund hat das Fraunhofer Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI
eine Online-Plattform zur Erfassung und Analyse der Einsatzbereitschaft entwickelt sowie
bereitgestellt. In dieser Plattform wurden die in der Arbeitsgruppe festgelegten Parameter
eingearbeitet, die eine realistische Bewertung des Ist-Zustandes ermöglichen. Diese Platt-
form hat wesentliche Vorteile gegenüber der konventionellen Erfassung mittels (Excel-) Da-
teien:
-
Einfache Möglichkeit für laufende Aktualisierung der Daten (und nicht nur auf Anfor-
derung z. B. einmal im Jahr),
-
Der Erfassungsaufwand wird wesentlich reduziert, indem die Werte der letzten Erfas-
sung bereitgestellt werden und nur evtl. Änderungen eingetragen werden,
-
Das Versenden von Dateien und Formblättern sowie deren Zusammenführung ent-
fällt.
Diese Plattform wurde innerhalb der Arbeitsgruppe und mit externen Fachexperten diskutiert,
kontinuierlich ergänzt und weiterentwickelt. Die Online-Plattform des Fraunhofer IVI ermög-
licht die Erfassung folgender relevanter Informationen:
-
Feuerwehrstandorte:
-
Name
-
Typ
-
Adresse
-
Lage in der Karte

25
-
Einsatzkräfte:
-
gesamt (m/w)
-
Soll zur Erfüllung der Einsatzbereitschaft
-
ASGT
-
Alters- und Ehrenabteilung (m/w)
-
JF (m/w)
-
Einsatzbereitschaft (wochentags 6:00 - 18:00 Uhr, wochentags 18:00 - 6:00 Uhr, Wo-
chenende/Feiertag)
-
Selbsteinschätzung
-
Anzahl Einsatzkräfte gesamt
-
optional ASGT
-
Maschinisten
-
Gruppenführer
-
Fahrzeuge (optional):
-
Typ
-
Baujahr
-
Funkkenner
-
Einsätze (optional):
-
pro Jahr insgesamt
-
Anzahl der Einsätze mit Menschenrettung
Die Plattform ermöglicht den Export der erhobenen Daten zu Feuerwehrstandorten, Ge-
meinden, Fahrzeugen in gängige Formate, so dass diese neben der Plattform bei Bedarf in
verschiedenen Programmen (wie z. B. Microsoft Office u. a.) visualisiert, weiterverarbeitet
und analysiert werden können. Die Gliederung erfolgt in vier Ebenen:
- Landkreis/Kreisfreie Stadt
- Inspektionsbereich
- Gemeinde
- Feuerwehrstandort
Dementsprechend werden auch die Zugangsberechtigungen erteilt. In der Erfassungs- und
Analyseplattform wird das Erfassungs- bzw. Aktualisierungsdatum protokolliert.

image
image
26
Liste der Gemeinden, gegliedert nach Inspektionsbereichen
Feuerwehrstandorte in einer Gemeinde

image
27
Daten eines Feuerwehrstandortes
Die Einsatzbereitschaft der Gemeinden und der einzelnen Feuerwehrstandorte wird sowohl
tabellarisch als auch grafisch – in Form einer digitalen Karte – dargestellt. In der Kartendar-
stellung können verschiedene Analysefilter und -kriterien, welche in der Arbeitsgruppe defi-
niert wurden, eingestellt und miteinander kombiniert werden. Dazu gehören:
Einsatzbereitschaft der Feuerwehrstandorte entsprechend der eingegebenen
Selbst-
einschätzung
, differenziert nach
- wochentags 6:00 bis 18:00 Uhr
- wochentags 18:00 - 6:00 Uhr
- Wochenende und Feiertage
Einsatzbereitschaft der Feuerwehrstandorte entsprechend definierter Kriterien, wel-
che sich aus dem
Quotienten Ist/Soll-Stärke
ergeben, differenziert nach
-
wochentags 6:00 bis 18:00 Uhr
-
wochentags 18:00 - 6:00 Uhr
-
Wochenende und Feiertage
Hier werden vier Stufen unterschieden (sehr gut, ausreichend, mangelhaft und unzu-
reichend).

image
28
Inspektionsbereiche (für die Darstellung)
Typ des Standorts (Trupp, Staffel, Gruppe, Zug, Erweiterter Zug)
Ausrückezeit (minimal und maximal), differenziert nach
-
wochentags 6:00 - 18:00 Uhr
-
wochentags 18:00 - 6:00 Uhr
-
Wochenende und Feiertage
verfügbare Einsatzkräfte (minimal und maximal), differenziert nach
-
Wochentags 6:00 - 18:00 Uhr
-
wochentags 18:00 - 6:00 Uhr
-
Wochenende und Feiertage
verfügbare Fahrzeugtypen, Ausrüstung und Alter der Fahrzeuge
Übersicht über die Einsatzbereitschaft der Feuerwehrstandorte
(grün = einsatzbereit; rot = nicht einsatzbereit)
Auf der Grundlage der erfassten Daten über die Feuerwehreinsatzbereitschaft wurden im
nächsten Schritt die Erfüllung der Schutzziele sowie bestehende Risiken bewertet. Dies er-

29
folgt mit für diesen Zweck entwickelten wissenschaftlichen Verfahren und Algorithmen, wel-
che im System MobiKat
3
implementiert wurden.
Wesentliche Analyse- und Bewertungsfunktionen sind:
Ermittlung der erreichten Fläche, Adressen, Einwohner und besondere Objekte in-
nerhalb der Eintreffzeit,
Qualitative Bewertung der Erfüllung der Schutzziele: innerhalb der Eintreffzeit er-
reichbare Fläche, Adressen, Einwohner und besondere Objekte vordefinierter Zeitin-
tervalle (z.B. wieviel Prozent der Fläche werden innerhalb der ersten (bzw. zweiten,
dritten usw.) Minute mit welchen Kräften und Mitteln erreicht?))
Bewertung von Maßnahmen und Varianten zur Verbesserung des aktuellen Zustan-
des,
Berücksichtigung der ersten und zweiten Eintreffzeit gemäß den o. g. Vorgaben,
Ermittlung optimaler Ausrückereihenfolgen für besondere Objekte,
gemeindeübergreifende Hilfeleistung.
Bei der Entwicklung wurde Wert darauf gelegt, lokale Besonderheiten und Erfahrungen zu
berücksichtigen. Zu diesem Zweck wurde eine Reihe von Parametern, welche zur Analyse
der Erfüllung der Schutzziele benötigt werden, definiert und implementiert. Dazu gehören
unter anderem folgende Parameter:
Eintreffzeit und -reihenfolge der Einsatzkräfte von Freiwilligen Feuerwehren im Feu-
erwehrhaus und – davon abgeleitet – Ermittlung von Ausrückezeiten der einzelnen
Fahrzeuge,
benutzerdefinierte Geschwindigkeitsprofile für die Feuerwehrfahrzeuge anhand von
Straßenklassen (Bundesstraße, Staatsstraße, Gemeindestraße innerorts und außer-
orts sowie Autobahn),
Zuweisung von maximalen Geschwindigkeiten für einzelne Straßen und/oder Gebiete
(z. B. Wohngebiete, Stadtteile) – generell und/oder tageszeit- und tagesartabhängig.
Je nach gewünschtem Detaillierungsgrad der Ergebnisse können Geschwindigkeiten, welche
mit MobiKat-Ortungsgeräten in Einsatz- oder Testfahrten erfasst wurden, einzelnen Straßen
oder Gebieten zugeordnet und bei den Analysen berücksichtigt werden.
3
MobiKat ist ein System zur Vorsorge und Bewältigung von Großschadenslagen sowie der alltägli-
chen Gefahrenabwehr. Es stellt eine integrierte Datenbasis für Krisen- und Verkehrsmanagement
sowie effektive Werkzeuge zur Entscheidungsunterstützung und Gewinnung von Live-Informationen
zur Verfügung. Die Entwicklung erfolgt durch das Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktur-
systeme gemeinsam mit dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sowie tschechischen
Kooperationspartnern.

30
Darüber hinaus wurden Methoden entwickelt, um bestehende und künftige Standortkonzepte
zu bewerten und zu vergleichen (z. B. beim Bau neuer Feuerwehrstandorte oder der Dislo-
zierung von Kräften und Mitteln).
4. Probelauf
Zur Erprobung und Verifizierung der entwickelten Plattform wurde im Landkreis Sächsische
Schweiz-Osterzgebirge ein Probelauf durchgeführt. Die Gemeinden waren dabei gebeten
worden, reale Ist-Zahlen zu verfügbaren Einsatzkräften zu unterschiedlichen Tageszeiten,
darunter zu ASGT sowie zu vorhandenen Fahrzeugen einzutragen bzw. vorhandene Daten
zu verifizieren. Ebenso wurden die Gemeinden aufgefordert einzuschätzen, ob sie ihre Ge-
meindefeuerwehr insgesamt als einsatzbereit betrachten. Der Probelauf stieß auf ein großes
Interesse der Feuerwehrangehörigen, die aktiv daran teilnahmen und sowohl mündlich als
auch in Form von E-Mails ein Feedback abgaben.
Im Ergebnis war festzustellen, dass die anhand der Parameter vorhandene Einsatzbereit-
schaft der Freiwilligen Feuerwehren nicht immer deckungsgleich mit der von den Gemeinden
erbetenen subjektiven Selbsteinschätzung ist. Das entwickelte und implementierte Konzept
hat bei den Anwendern eine hohe Akzeptanz gefunden und wurde positiv bewertet. Es wur-
den weitestgehend korrekte und nachvollziehbare Daten eingegeben. Einige Hinweise und
Vorschläge, vor allem bezüglich der Gestaltung der Bedienoberfläche und des Layouts, wur-
den schrittweise eingearbeitet. Die Plattform wird im Vergleich zu der Vorgehensweise mit-
tels (Excel-) Dateien und Papierformularen präferiert. Besonders positiv wurden die ver-
schiedenen Analysekriterien und die Darstellung der Ergebnisse in der digitalen Karte aufge-
nommen. Es wurden auch Ideen für weitere Funktionen eingebracht.
5. Anwendung in den Referenzregionen
Die von der Arbeitsgruppe entwickelten Bemessungsgrundlagen für die Einsatzbereitschaft
der Feuerwehren wurden daraufhin unter Verwendung der vom Fraunhofer IVI erstellten Er-
fassungs- und Analysesoftware auf die Referenzregionen angewandt.
In beiden Referenzregionen wurden die Daten über die Einsatzbereitschaft erfasst und als
Grundlage für die Analyse der Erfüllung von Schutzzielen sowie zur Aufdeckung bestehen-
der Defizite angewendet. Exemplarisch wird in Anlage 5 das Ergebnis der Anwendung im
Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge vorgestellt.

31
Die durchgeführten Analysen haben gezeigt, dass
-
stets eine aktuelle und fundierte flächendeckende Aussage zur Einsatzbereitschaft
der Feuerwehren – auch über Gemeindegrenzen hinweg – möglich ist,
-
diese Methodik als Grundlage für strategische Entscheidungen und zur Abstimmung
von Investitionskonzepten genutzt werden kann,
-
eine Modifizierung und regionale Anpassung des Analyseverfahrens sowie Erfassung
weiterer Bewertungskriterien problemlos möglich ist.
Die Arbeitsgruppe empfiehlt den Gemeinden, eine Erfassungs- und Analysesoftware
wie die vom Fraunhofer-Institut zur Verfügung gestellte zu nutzen, um eine hinrei-
chend präzise Analyse des Ist-Zustandes ihres Gemeindegebietes zu erlangen. Damit
können Planungen mit dem Ziel optimiert werden, Bereiche zu identifizieren, denen im
Rahmen der Sicherung des Brandschutzes verstärkt Aufmerksamkeit gewidmet wer-
den sollte.
Die wissenschaftlich-praktischen Verfahren erlauben unter Zugrundelegung der in der Ar-
beitsgruppe gemeinsam festgelegten Kriterien eine erste hinreichend präzise Analyse des
Ist-Zustandes innerhalb eines Kreisgebietes, aber auch eine Detailanalyse des Gemeinde-
gebietes oder von Teilen von diesen. So ist z. B. unter dem Gesichtspunkt des möglichst
flächendeckenden Schutzes der Bevölkerung eine fundierte Entscheidungsunterstützung zur
Standortbestimmung im Vorfeld der Errichtung von Feuerwehrhäusern möglich.
III.
Optimierung der Brandschutzbedarfsplanung
Die Arbeitsgruppe sieht Optimierungspotential im Bereich der Brandschutzbedarfsplanung.
1. Aktuelle und realistische Planung
Grundlegende Voraussetzung für die Gewährleistung des flächendeckenden Brandschutzes
ist eine den tatsächlichen Gegebenheiten entsprechende Brandschutzbedarfsplanung. Eine
fehlerhafte Planung kann zu einer Selbsttäuschung der Gemeinde führen und die Einsatzbe-
reitschaft gefährden.

32
Der Arbeitsgruppe ist von regionalen Akteuren oftmals vorgetragen worden, dass die Anga-
ben in den Brandschutzbedarfsplänen mitunter veraltet, fehlerhaft oder unvollständig sind.
Dies wurde auch bei Vor-Ort-Terminen gegenüber Mitgliedern der Arbeitsgruppe bestätigt.
Die Arbeitsgruppe weist auf die Notwendigkeit hin, dass die Kommunen bei der Erstel-
lung oder Überarbeitung der Brandschutzbedarfspläne realistische Annahmen, vor
allem bezüglich der Personalstärke, zugrunde legen und bei Unsicherheiten das
Fachwissen der unteren BRK-Behörden in Anspruch nehmen.
Die Angaben in den Brandschutzbedarfsplänen sollten von den Gemeinden kritisch hinter-
fragt werden. Dies betrifft nicht nur die zahlenmäßig vorhandenen Einsatzkräfte oder Ein-
satzmittel, die zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort eintreffen müssen. Viel-
mehr sollten auch die Angaben zu konkreten Funktionsstellen, wie z.B. Maschinisten, ASGT
oder Gruppenführer, überprüft werden.
Bei fehlenden, aber notwendigen Funktionen sollten der Kreisbrandmeister oder die
zuständigen Stellvertreter den sich ergebenden Ausbildungsbedarf bei der Vergabe
von Lehrgangsplätzen vorrangig berücksichtigen – ggf. auch unter Zurückstellung
von Ausbildungswünschen von Feuerwehren mit ausreichend qualifiziertem Personal.
2. Standortanalyse
Zur Bestimmung erforderlicher Standorte sollten die vorhandenen Standorte der Feuerwehr-
häuser mit den dazugehörenden Einsatzbereichen und das Einsatzgeschehen analysiert
werden. Die Größe der Einsatzbereiche ergibt sich aus der zur Verfügung stehenden Fahr-
zeit der Feuerwehr zur Einsatzstelle. Die sich daraus ergebenden Entfernungen bilden die
Grenzen der Einsatzbereiche des jeweiligen Standortes des Feuerwehrhauses.
Gibt es nur eine geringe Überschneidung der Einsatzbereiche oder gar nicht abgedeckte
Einsatzbereiche, sollten zur Sicherstellung des Brandschutzes neue Standorte oder eine
Verlegung von Standorten angestrebt werden. Dabei sind besondere Risiken des Eintritts
von Ereignissen, die den Einsatz der Feuerwehr in einem Gebiet erforderlich machen kön-
nen, zu berücksichtigen.

33
Die Arbeitsgruppe empfiehlt den Gemeinden, eine Standortanalyse bei der Erstellung
und Fortschreibung des Brandschutzbedarfsplanes durchzuführen. Spätestens wenn
ein Feuerwehrstandort neu errichtet oder ein alter Standort mit erheblichem Aufwand
um- oder ausgebaut werden soll, ist eine Standortanalyse notwendig.
3. Verteilung der Einsatzmittel
Die Einsatzmittel, insbesondere Fahrzeuge der Feuerwehr stehen im Eigentum der Gemein-
de, nicht einzelner Ortsfeuerwehren. Die zuständigen Organe der Gemeinde können darüber
eigenverantwortlich verfügen. Sie haben dabei darauf zu achten, dass die zur Verfügung
stehenden Einsatzmittel auf die verschiedenen Standorte optimal verteilt sind. So ist es z. B.
feuerwehrfachlich nicht vertretbar, wenn Einsatzfahrzeuge mit hohem Einsatzwert Ortsfeu-
erwehren zugeordnet werden, die sich an den Wochentagen tagsüber vom Einsatzdienst
abgemeldet haben.
Die Verteilung der Einsatzmittel innerhalb der Gemeinde sollte auf die Einsatzbereit-
schaft bzw. Personalstärke der jeweiligen Ortsfeuerwehr abgestimmt werden.
Wenn z. B. an einem Gruppenstandort die Gruppenstärke oder die Besetzung notwendiger
Funktionen nicht gesichert ist, sollte im Zuge der Brandschutzbedarfsplanung eine Anpas-
sung der dort stationierten Technik an die realen Gegebenheiten geprüft werden.
4. Einbeziehung der Nachwuchsentwicklung
Zur nachhaltigen Sicherung der Einsatzbereitschaft der Freiwilligen Feuerwehr ist es sinn-
voll, die Brandschutzbedarfsplanung langfristiger anzulegen.
Die Arbeitsgruppe empfiehlt, die Nachwuchsentwicklung in die Planung einzubezie-
hen. Dazu zählt die Analyse der Mitgliederstatistik der Jugendfeuerwehr (einschließ-
lich einer prognostischen Betrachtung) und der Zahl der Übertritte in die aktive Abtei-
lung der Feuerwehr.

34
Dadurch kann zum einen die Wertigkeit der Nachwuchsgewinnung verdeutlicht werden. Zum
anderen ergeben sich daraus Anhaltspunkte für die prognostische Entwicklung der Mitglie-
derzahlen in den aktiven Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehren.
5. Einbeziehung der Entwicklung der Funktionsstellen
Die Besetzung der Funktionsstellen ist ein weiterer wichtiger Ansatzpunkt zur Optimierung
der Brandschutzbedarfsplanung. Dabei sollten nicht nur die einsatztaktischen Führungsfunk-
tionen (Gruppenführer, Zugführer, Verbandsführer) betrachtet werden, sondern auch die
Wehrleitung und die Truppführer mit Sonderfunktionen (Gerätewart, Atemschutzgerätewart,
Sicherheitsbeauftragter, Jugendfeuerwehrwart).
Die Arbeitsgruppe empfiehlt den Gemeinden, die Entwicklung der Funktionsstellen in
die Brandschutzbedarfsplanung aufzunehmen.
Zum einen wird eine gewisse Vorlaufzeit zur Qualifizierung des Personals benötigt, zum an-
deren müssen die Bewerber persönlich und fachlich für ihr Amt geeignet sein. Um dies zu
gewährleisten, sollte sich die Gemeinde im Zuge der Aufstellung des Brandschutzbedarfs-
planes prognostisch mit der Besetzung der Funktionsstellen auseinandersetzen.
Die Inhaber der Funktionsstellen werden in der Regel auf die Dauer von fünf Jahren gewählt.
Es sollte daher – ohne der Wahlentscheidung vorzugreifen – eine Betrachtung für die nächs-
ten zehn Jahre vorgenommen werden, um geeignete Personen zu finden und auch dahinge-
hend zu qualifizieren. Zudem würde diese prognostische Betrachtung eine bessere Bedarfs-
ermittlung für die Lehrgangsplanung der LFS ermöglichen.
6. Regionalisierte Planung
Angesichts der demografischen Entwicklung in den kommenden Jahren wird eine stärkere
gemeindeübergreifende Zusammenarbeit – gerade im ländlichen Raum – notwendig sein,
um die Einsatzbereitschaft zu sichern.
Ein mancherorts noch zu beobachtendes „Kirchturmdenken“ kann nicht aufrechterhalten
werden, wenn die Einsatzbereitschaft nachhaltig gewährleistet werden soll.

35
Bei der Brandschutzbedarfsplanung sollten von der Gemeinde nicht nur die eigenen
Kräfte und Mittel, sondern auch die der Feuerwehren benachbarter Kommunen einbe-
zogen werden.
Durch eine solche regionalisierte Planung können die Fahrzeiten und Erreichbarkeiten der
Feuerwehren im Zuge des überörtlichen Einsatzes mit ihren Verfügbarkeiten von den Ge-
meinden gegenseitig betrachtet und berücksichtigt werden. Spezialtechnik, die nicht in jeder
Gemeinde vorgehalten werden muss, kann besser koordiniert und aufeinander abgestimmt
werden. Zudem können dabei bestehende Lücken bei der Abdeckung der Einsatzbereit-
schaft aufgedeckt werden.
Es kann auch eine Standortanalyse für Gerätehäuser zwischen mehreren Gemeinden zu-
sammen durchgeführt werden, um den bestmöglichen Standort zu gewährleisten. Um solche
Standorte identifizieren zu können, steht den Gemeinden und Landkreisen z. B. mit der vom
Fraunhofer Institut entwickelten Software ein geeignetes Hilfsmittel zur Seite.
7. Berücksichtigung der Zusammenarbeit mit Berufs- und Werkfeuerwehren
Im Rahmen der interkommunalen Zusammenarbeit kommt insbesondere eine Berücksichti-
gung der BF und der FF mit hauptamtlichen Kräften in Betracht.
Gemäß § 1 Abs. 2 SächsFwVO kann außerdem die Ausrüstung einer Werkfeuerwehr auf die
Ausrüstung der Gemeindefeuerwehr angerechnet werden, wenn zwischen dem Träger der
Werkfeuerwehr und der Gemeinde eine Vereinbarung zur gegenseitigen Hilfeleistung abge-
schlossen worden ist. In der Praxis ist die Zusammenarbeit zwischen den Freiwilligen Feu-
erwehren sowie den Werkfeuerwehren unterschiedlich stark ausgeprägt. So bestehen ver-
schiedentlich bereits langjährige Kooperationsvereinbarungen. Dennoch sieht die Arbeits-
gruppe hier noch Ausbaupotential. Wenngleich Werkfeuerwehren oder betriebliche Lösch-
gruppen mehrheitlich nur wochentags in der Zeit von 6:00 Uhr bis 18:00 Uhr einsatzbereit
sind, kann deren vertraglich gesicherte Verfügbarkeit insbesondere zur Absicherung der Ta-
geseinsatzbereitschaft von Bedeutung sein.
Da die hauptamtlichen Kräfte in Sachsen – ganzgleich ob öffentliche oder private Feuerwehr
– über den Abschluss BIII (Gruppenführer BF) verfügen, in dem auch die Ausbildung zum
Maschinisten, zur Einsatzkraft technische Hilfeleistung und ABC, zum Ausbilder Trupp-
mann/Truppführer und zum Sprechfunker enthalten sind, können diese in allen Einsatzlagen
sowie bei der Ausbildung an den Standorten unterstützen.

36
Größere Berufs- bzw. Freiwillige Feuerwehren mit hauptamtlichen Kräften sowie Werkfeuer-
wehren könnten gemeindeübergreifend zum Einsatz gelangen.
Ein weiterer Ansatzpunkt sind die Standorte von Berufsfeuerwehren bzw. Freiwilligen
Feuerwehren mit hauptamtlichen Kräften sowie von Werkfeuerwehren. Diese könnten
– auch gemeindeübergreifend – stärker in die Brandschutzbedarfsplanung einbezogen
werden.
Als Praxisbeispiel für die Kooperation zwischen Gemeinden und betrieblichen Feuerwehren
ist in Anlage 8 die Vereinbarung zwischen der Werkfeuerwehr Vattenfall, der Stadt Hoyers-
werda sowie den Gemeinden Elsterheide und Spreetal beigefügt.
IV.
Konzentration der Feuerwehren auf ihre Kernaufgaben
Die Arbeitsgruppe hat festgestellt, dass insbesondere in Gemeinden, in denen die Einsatzbe-
reitschaft beeinträchtigt ist, oft noch freiwillige Aufgaben von den Feuerwehren wahrgenom-
men werden.
Gemäß § 16 Abs. 2 SächsBRKG haben die Feuerwehren bei der Brandbekämpfung und bei
der technischen Hilfe die erforderlichen Maßnahmen zur Gefahrenabwehr insoweit zu tref-
fen, als es zur Bekämpfung der Gefahr oder Verhinderung weiterer unmittelbar drohender
Gefahren notwendig ist (sog. Pflichtaufgaben). Andere Aufgaben (sog. freiwillige Aufgaben)
dürfen die Feuerwehren nur ausführen, wenn ihre Einsatzbereitschaft dadurch nicht beein-
trächtigt wird.
Die Arbeitsgruppe empfiehlt den Gemeinden und ihren Feuerwehren, sich – entspre-
chend der gesetzlichen Regelung – vorrangig auf die Erfüllung ihrer Pflichtaufgaben
zu konzentrieren. Nur wenn die Einsatzbereitschaft es zulässt, dürfen freiwillige Auf-
gaben wahrgenommen werden.
Insbesondere weist die Arbeitsgruppe auf Folgendes hin:

37
1. Ölspurbeseitigung
In zahlreichen Fällen wird Feuerwehr zur Beseitigung von Ölspuren – z. B. nach technischen
Defekten an Fahrzeugen – eingesetzt. Dies gehört jedoch nicht immer zu den Pflichtaufga-
ben der Feuerwehr gemäß § 16 Abs. 2 Satz 1 SächsBRKG.
Zwar umfasst die technische Hilfe auch die Hilfeleistung für Menschen und die Umwelt bei
öffentlichen Notständen durch Unglücksfälle (§ 2 Abs. 1 Satz 2 SächsBRKG). Ein öffentlicher
Notstand liegt jedoch gemäß § 2 Abs. 1 Satz 3 SächsBRKG nur bei einem Ereignis vor, bei
dem Gefahren für Leib und Leben von Menschen und in erheblichem Maß für die Umwelt
drohen, die nicht allein durch polizeiliche Maßnahmen beseitigt oder verhindert werden kön-
nen.
Ob diese Voraussetzungen erfüllt sind, muss im konkreten Einzelfall beurteilt werden. Groß-
flächige Ölspuren können für andere Verkehrsteilnehmer eine Gefahr für Leib und Leben
bewirken. Nicht gebundenes Mineralöl kann das Trinkwasser und den Boden verunreinigen.
In diesen Fällen stellt die Ölspurbeseitigung eine Pflichtaufgabe der Feuerwehr dar. Wenn
jedoch derartige Gefahren angesichts der konkreten Umstände nicht drohen (z. B. weil die
Mengen gering sind oder eine Sicherung der Gefahrenstelle durch private Unternehmen ge-
nau so schnell erreicht werden kann), bedarf es grundsätzlich keines Einsatzes der Feuer-
wehr. Die Beseitigung bloßer Verunreinigungen – ohne Hinzutreten der beschriebenen Ge-
fahrenlage – ist nach dem SächsBRKG eine freiwillige Aufgabe, die von der Feuerwehr nur
zu erfüllen ist, wenn dadurch ihre Einsatzbereitschaft nicht gefährdet wird.
In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass nach Straßenrecht der Verursacher
die Ölspur ohne Aufforderung unverzüglich zu beseitigen hat (§ 17 Abs. 1 Sächsisches Stra-
ßengesetz). Kommt der Verursacher dieser gesetzlichen Verpflichtung nicht nach, so kann
der Träger der Straßenbaulast – in Ortsdurchfahrten die Gemeinde – die Verunreinigung auf
Kosten des Verursachers beseitigen. Dabei ist keineswegs vorschnell davon auszugehen,
dass dies stets durch die Feuerwehr erfolgen muss. In den meisten Fällen wird die Beauftra-
gung eines privaten Unternehmens ausreichen.
2. Tragehilfe beim Krankentransport
Mitunter werden Einsatzkräfte der Feuerwehr durch den Rettungsdienst als Tragehilfe z. B.
für adipöse Patienten angefordert, obwohl kein Notfall vorliegt. Eine solche Unterstützungs-
leistung zählt in aller Regel nicht zu den Pflichtaufgaben der Feuerwehr i. S. v. § 16 Abs. 2
Satz 1 SächsBRKG, sondern ist originäre Aufgabe des Rettungsdienstes, der neben der
Notfallrettung auch den Krankentransport umfasst (§ 2 Abs. 2 SächsBRKG). Demzufolge hat

38
primär der zuständige Träger des Rettungsdienstes die notwendigen personellen und orga-
nisatorischen Vorkehrungen zu treffen, um auch bei adipösen Patienten seinen Aufgaben
vollumfänglich gerecht werden zu können.
Eine Verpflichtung der Feuerwehr zu technischer Hilfeleistung kommt nur ausnahmsweise in
Betracht, wenn ein öffentlicher Notstand oder ein Unglücksfall i. S. v. § 2 Abs. 2 Satz 3 und 4
SächsBRKG vorliegen. In beiden Fällen muss es sich um größere Schadensereignisse han-
deln, bei denen erhebliche Gefahren für Leib und Leben drohen.
3. Türnotöffnungen und Baumfällungen
Auch Türnotöffnungen stellen in der Regel freiwillige Aufgaben dar. Die Feuerwehr ist kein
„öffentlicher Schlüsseldienst“. Eine Türöffnung gehört nur dann zu ihren Pflichtaufgaben,
wenn nach den Umständen des Einzelfalls anzunehmen ist, dass Leben und Gesundheit von
Menschen in der Wohnung gefährdet sind, und wenn diese Maßnahme nicht ebenso schnell
durch andere, z. B. ein privates Unternehmen, durchgeführt werden kann.
Ähnlich verhält es sich meist, wenn die Feuerwehr zu Baumfällungen gerufen wird. Nur bei
Vorliegen einer Gefahr, die nicht rechtzeitig im Auftrag der Gemeinde durch ein Gartenbau-
unternehmen abzuwehren ist, erscheint eine Alarmierung der Feuerwehr vertretbar.
Die Gemeinden sollten zur Beseitigung von Ölspuren, für Türnotöffnungen sowie
Baumfällungen vorrangig geeignete Dritte beauftragen (z. B. private Unternehmen
oder den Bauhof). Auf die Feuerwehr sollte nur dann zurückgegriffen werden, wenn
eine Gefahr besteht, die nicht rechtzeitig von diesen Dritten abgewehrt werden kann.
Die Landkreise und kreisfreien Städte sollten den von ihnen getragenen IRLS die dar-
gestellte Rechtslage verdeutlichen. Auch der Polizeivollzugsdienst sollte durch das
SMI entsprechend informiert werden.
4. Verwaltungsaufgaben
Die (ehrenamtlich tätigen) Wehrleiter sind nach § 17 Abs. 3 SächsBRKG für die Leistungsfä-
higkeit und die ordnungsgemäße Dienstdurchführung ihrer Feuerwehr verantwortlich und
sollen in feuerwehr- und brandschutztechnischen Angelegenheiten beraten. Verwaltungsauf-

39
gaben sind demgegenüber von der Gemeindeverwaltung zu erledigen. Dies gilt auch für den
Erlass von Kostenersatzbescheiden nach § 69 SächsBRKG.
Aus den Reihen der Feuerwehren wurde angeregt, das Amt des Gemeindewehrleiters mit
dem des Sachbearbeiters Brandschutz der Gemeindeverwaltung zusammenzulegen.
Dadurch würde das Ehrenamt in der Feuerwehr von Verwaltungsaufgaben entlastet. Zu-
gleich könnten Synergieeffekte genutzt werden.
Dieser Vorschlag ist derzeit wegen der gesetzlichen Ausgestaltung der Wehrleiterfunktion als
Wahlamt nur bedingt umsetzbar. Das SächsBRKG lässt zwar bereits jetzt die Bestellung
eines Mitarbeiters der Gemeinde zum Gemeindewehrleiter zu. Problematisch ist dann aller-
dings der Fall einer gescheiterten Wiederwahl.
Ehrenamtliche Gemeindewehrleiter sollten nur in unvermeidlichem Maße mit Verwal-
tungsaufgaben belastet werden. Durch Änderung des SächsBRKG sollte den Gemein-
den die Möglichkeit eröffnet werden, einen Gemeindewehrleiter hauptamtlich zu be-
stellen; in diesem Fall sollten die Vorschriften über Wahl und Wiederwahl keine An-
wendung finden.
5. Feuerwehrstatistik
Die Erhebung von statistischen Daten über das Feuerwehrwesen im Freistaat Sachsen er-
folgt auf der Grundlage der VwV Feuerwehrstatistik des SMI.
Diese Verwaltungsvorschrift sieht eine relativ umfangreiche und detaillierte Datenerhebung
nicht nur zur Personalstärke, sondern auch zum Einsatzgeschehen und zum Technikbestand
vor, ohne dass all diese Daten für die Erfüllung der Aufgaben der BRK-Behörden benötigt
werden.
Außerdem wird die Statistik derzeit noch händisch mit Excel-Tabellen erhoben. Einige Daten
müssen mehrfach (für die Feuerwehrstatistik und für andere Zwecke, z. B. für die Leitstellen)
erhoben werden. Dies verursacht einen erheblichen Aufwand für die ehrenamtlichen Ange-
hörigen der Freiwilligen Feuerwehren. Zudem gibt es keinen zentralen Datenbestand.

40
Die Arbeitsgruppe empfiehlt, den Umfang der im Rahmen der Feuerwehrstatistik zu
erhebenden Daten auf das für die Aufgabenerfüllung der BRK-Behörden notwendige
Maß zu reduzieren und die Erfassung mit Hilfe einer webbasierten Plattform vorzu-
nehmen. Diese Plattform sollte auch Schnittstellen zu den ILRS vorsehen, um unnöti-
ge Mehrfacherfassungen und Fehlerquellen zu vermeiden.
Zur Umsetzung dieses Vorschlags ist bereits eine Arbeitsgruppe aus Vertretern des LFV, der
AGBF Sachsen und der AG KBM unter Leitung der LFS gebildet worden. Zunächst soll eine
Übersicht über notwendige Parameter, welche für die Datenerfassung in Abhängigkeit der
unterschiedlichen Anwender und Adressaten benötigt werden, erarbeitet werden, um an-
schließend ein webbasiertes Erfassungssystem zu planen. Dieses System soll für alle Nutzer
verständlich und anwenderfreundlich sein und die Datenbasis für alle Ebenen und An-
sprechpartner bilden. Die Eingabe der Daten soll auf allen Ebenen möglich sein und nur
noch an einer Stelle erfolgen. Die Prüfung der Daten soll durch eine „autorisierte Stelle“ in
der unteren BRK-Behörde erfolgen. Zu den IRLS soll eine Schnittstelle geschaffen werden.
V.
Verstärkung der interkommunalen Zusammenarbeit
Vor allem kleinere Gemeinden im ländlichen Raum sind vom Mitgliederrückgang in den
Freiwilligen Feuerwehren besonders betroffen, weil einige der oben dargestellten Ursachen
(z. B. demografische Entwicklung, höhere Mobilität der Bevölkerung) in ihrer Region beson-
ders ausgeprägt sind. In einer solchen Situation kommt einer intensiveren Zusammenarbeit
der Gemeinden große Bedeutung zu, um den flächendeckenden Brandschutz sicherzustel-
len.
Nach Ziff. IV Nr. 1 RLFw müssen Beschaffungen auch unter Berücksichtigung der
Ausrüstung benachbarter Feuerwehren notwendig sein, wenn sie mit Mitteln der Feu-
erwehrförderung unterstützt werden sollen. Darauf sollte künftig noch stärker Wert
gelegt werden.
Die Arbeitsgruppe hat sich mit mehreren möglichen Varianten der Zusammenarbeit ausei-
nandergesetzt:

41
1. Lösch- und Hilfeleistungsvereinbarungen
Gemäß § 14 Abs. 1 SächsBRKG sind Gemeinden auf Anforderung verpflichtet, einander mit
ihrer Feuerwehr Hilfe zu leisten, soweit ihr Einsatz im eigenen Zuständigkeitsbereich nicht
dringend erforderlich ist. Diese gesetzliche Regelung ist allerdings eher auf vorübergehende
Engpässe zugeschnitten. Um die Gewährleistung des Brandschutzes durch überörtlichen
Einsatz in einem bestimmten Gebiet auf eine dauerhafte Grundlage zu stellen, können zwi-
schen den Gemeinden Lösch- und Hilfeleistungsvereinbarungen getroffen werden. Als Bei-
spiel wird auf die zwischen den Städten/Gemeinden Hoyerswerda, Bernsdorf, Lauta, Wit-
tichenau, Elsterheide, Lohsa, Spreetal und Oßling geschlossene Vereinbarung verwiesen,
die der Anlage 7 zu entnehmen ist. Die Brandschutzbedarfsplanung bleibt bei solchen Ver-
trägen unberührt.
Lösch- und Hilfeleistungsvereinbarungen sind nach Auffassung der Arbeitsgruppe ein
geeignetes Instrument, um einen wirksamen Brandschutz auch über Gemeindegren-
zen hinweg sicherzustellen.
2. Gemeinsame Feuerwehr
Die Arbeitsgruppe hat weiterhin geprüft, ob die Bildung einer gemeinsamen Feuerwehr für
mehrere Gemeinden sinnvoll ist.
Eine solche Lösung, die ohnehin eine Änderung des SächsBRKG voraussetzen würde, ist
aus Sicht der Arbeitsgruppe aber nicht zweckmäßig. Um Konflikten zwischen den beteiligten
Gemeinden vorzubeugen, bedarf es einer klaren Zuordnung von Gebäuden, Fahrzeugen
und Geräten zu einem bestimmten Rechtsträger. Wenn mehrere Gemeinden eine gemein-
same Struktureinheit bilden wollen, steht es ihnen – bereits jetzt – frei, einen Zweckverband
zu gründen oder andere Formen der kommunalen Zusammenarbeit wahrzunehmen (z. B.
Bildung einer kommunalen Arbeitsgemeinschaft).
3. Gemeinsam genutzte Feuerwehrhäuser
Für einen unterstützenswerten Ansatz hält die Arbeitsgruppe die Errichtung eines gemein-
samen Feuerwehrhauses, wie dies von der Stadt Stolpen und der Gemeinde Dürrröhrsdorf-
Dittersbach geplant wird: Dabei bleiben die Feuerwehren beider Kommunen rechtlich und
organisatorisch selbständig. Das Gebiet, auf dem der Gebäudestandort liegt, wird die Stadt
Hohnstein sein. Der Gemeinde Dürrröhrsdorf-Dittersbach und der Stadt Stolpen wird es je-

42
doch auf vertraglicher Grundlage ermöglicht, das Gerätehaus für ihre Feuerwehren auf dem
Gebiet der Stadt Hohnstein zu errichten, um einen optimalen Standort zu gewährleisten. Die
Aufteilung der Finanzierung des kommunalen Eigenanteils, an den Baukosten und an den
Unterhaltungskosten des Gebäudes wird von den beteiligen Gemeinden ebenfalls vertraglich
geregelt.
Dieses Modell ist geeignet, den persönlichen Kontakt und das Zusammengehörigkeitsgefühl
zwischen den Angehörigen beider Feuerwehren in besonderer Weise zu fördern. Die Ge-
währleistung des Brandschutzes in beiden Gemeinden wird dadurch zu einem gemeinsamen
Anliegen.
Die Arbeitsgruppe empfiehlt, bei Bedarf Standorte, die sich aufgrund ihrer Lage
und/oder aufgrund der dort vorhandenen Einsatztechnik und/oder aufgrund der dort
vorhandenen Einsatzbereitschaft dafür eignen, gemeindeübergreifend zu nutzen.
Um einen starken Anreiz für dieses Modell zu schaffen, sollte dafür im Rahmen der Feuer-
wehrförderung ein erhöhter Fördersatz ermöglicht werden. Eine dahingehende Änderung der
RLFw befindet sich im Geschäftsgang.
4. Grenzüberschreitende Zusammenarbeit
Auch grenzüberschreitende Vereinbarungen können ein zweckmäßiges Mittel zur Verbesse-
rung der Einsatzbereitschaft sein, um die Sicherstellung des Brandschutzes im grenznahen
Bereich zu unterstützen. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Bereich des Brand-
schutzes erfolgt seit Jahren auf kommunaler Ebene zwischen den Landkreisen und den Ge-
meinden untereinander. Hierzu wurden kommunale Vereinbarungen zur gegenseitigen Un-
terstützung bei der Brandbekämpfung und bei der technischen Hilfe geschlossen, die auf
einem von der Landesdirektion Sachsen zur Verfügung gestellten Muster beruhen (siehe
Anlage 9). Darin sind auch Kosten-, Haftungs- und Versicherungsfragen geregelt.
Die Arbeitsgruppe empfiehlt den Gemeinden, die interkommunale Zusammenarbeit in
geeigneten Fällen zu verstärken, insbesondere durch den Abschluss von Lösch- und
Hilfeleistungsvereinbarungen sowie die Errichtung gemeinsam genutzter Feuerwehr-
standorte. Den Landkreisen wird empfohlen, in ihrer Eigenschaft als Bewilligungsbe-
hörde die interkommunale Zusammenarbeit im Rahmen der Feuerwehrförderung zu
forcieren.

image
43
VI.
Optimierung der Einsatzdurchführung durch eine
Feuerwehr-App
Die Arbeitsgruppe hat ein Modellprojekt initiiert, um durch Nutzung neuer Technologien die
Durchführung von Einsätzen der Freiwilligen Feuerwehren zu verbessern. Im Rahmen die-
ses Modellprojektes arbeiten das SMI und das Institut für Informatik der TU Bergakademie
Freiberg zusammen. Das Projekt wird vom SMI mit rund 82.000 Euro finanziell unterstützt.
Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung durch Staatsminister Markus Ulbig
und den Kanzler der TU Freiberg, Dr. Andreas Handschuh, am 19. Dezember 2013
Wesentlicher Inhalt des Projekts ist die anwendungsfähige Weiterentwicklung einer derzeit
als Prototyp bestehenden Feuerwehr-Applikation. Diese Feuerwehr-App („iRescue“) soll es
den Feuerwehren ermöglichen, die taktische Einsatzabwicklung zu erleichtern und zur Erhö-
hung der Sicherheit der Einsatzkräfte beizutragen. So sollen künftig Informationen über das
Hydrantennetz am Einsatzort digital abgerufen werden können, Warntafeln an Gefahrgut-
transportern per Scan ausgewertet werden, Rettungskarten von Pkw-Modellen angesehen
werden und die ASGT der Einsatzkräfte überwacht werden. Daneben ist vorgesehen, den
Umgang mit der App in den Lehrbetrieb der LFS zu integrieren.
Eine Projektskizze ist als Anlage 6 beigefügt.
VII. Optimierung der Ausbildung in den
Freiwilligen Feuerwehren
Das Fundament jedes einzelnen Feuerwehreinsatzes besteht aus gut ausgebildeten Ein-
satzkräften. Der Aus- und Fortbildung wird künftig noch höhere Bedeutung zugemessen

image
44
werden müssen. Dies betrifft die Standortausbildung auf Gemeindeebene, die Kreisausbil-
dung sowie die an der LFS angebotenen Lehrgänge.
1. Ausbildung an der Landesfeuerwehr- und Katastrophenschutzschule
In der Vergangenheit wurde neben der unzureichenden Gesamtkapazität der LFS insbeson-
dere der nicht zu deckende Bedarf an Führungslehrgängen bemängelt. Durch die Erhöhung
der Arbeitszeit der Lehrkräfte, die Umstrukturieren an der LFS, die Vergrößerung der Lehr-
gruppen, die Veränderung der Anmeldefristen und andere organisatorische Maßnahmen
konnten im Jahr 2013 erstmals über 4.000 Lehrgangsteilnehmer eine Aus- bzw. Fortbildung
an der LFS absolvieren.
Neben einer möglichst hohen Zahl an Lehrgangsplätzen soll eine interessante und zeitge-
mäße Ausbildung erreicht werden. Dabei hat die Ausbildung an der LFS nicht nur den An-
spruch, Wissen zu vermitteln. Ziel der Ausbildung soll es auch sein, dem Lehrgangsteilneh-
men zu ermöglichen, neue Aspekte kennen zu lernen. Damit will die LFS auch zur Motivation
der Feuerwehrangehörigen beitragen.
Neben den Anpassungen bei bestehenden Lehrgängen wurden in den letzten zwei Jahren
mehrere neue Lehrgänge und Fortbildungsangebote in das Programm der LFS aufgenom-
men. Dazu zählen unter anderem das Fahrsicherheitstraining, der Ausbilder für den Geräte-
satz Absturzsicherung, der Beauftragte Atemschutz, die Einsatznachsorge, der Sonderlehr-
gang Technische Hilfeleistung und die Fachtagung Technische Hilfeleistung.

45
Um die bestehenden Lehrgänge zu aktualisieren, wurden dort neue Inhalte und Ausbil-
dungsmethoden eingeführt. So findet die Ausbildung heute zum größten Teil mit einem virtu-
ellen Planspiel statt. Neben der Wissensvermittlung sollen insbesondere die Führungskräfte
auch auf gesellschaftliche Veränderungen vorbereitet und Lösungsstrategien gemeinsam
entwickelt werden. Dazu fließen die Themen „Kommunikation in der Feuerwehr“ und „Extre-
mismus“ in die Führungsausbildung mit ein.
Ausgehend vom derzeitigen Planungsstand wird es möglich sein, auch im Jahr 2014 die
gleiche Anzahl an Lehrgangsplätzen wie im vergangenen Jahr bereit zu stellen. Mit dem im
vergangenen Jahr begonnenen Erweiterungsbau wird die Ausbildungskapazität zukünftig
weiter gesteigert. Die Zahl der Internatsplätze steigt um 32 Plätze auf dann insgesamt 157.
Zusätzliche Lehrräume sind ebenfalls vorgesehen. Neben der Erweiterung des Internates
wurden vier Stellen für zusätzliche Lehrkräfte geschaffen.
Gleichwohl übersteigt der von den Kommunen gemeldete Bedarf die Ausbildungskapazität
der Schule noch deutlich, wobei starke regionale Unterschiede festzustellen sind.
Eine weitere Kapazitätssteigerung ist nicht realistisch. Vor diesem Hintergrund ist kritisch zu
hinterfragen, ob das bestehende System der Bedarfsermittlung künftig noch optimiert werden
kann. Eine zielgenaue Vergabe der zur Verfügung stehenden Lehrgangsplätze ist Aufgabe
aller Beteiligten. Steuerungsdefizite können zu Lasten der Einsatzbereitschaft der Feuerweh-
ren gehen.
Die Bedarfsmeldung einer Gemeinde muss sich aufgrund eines Vergleichs zwischen dem
Brandschutzbedarfsplan und der tatsächlichen Personalsituation rechtfertigen lassen. Den
Landkreisen kommt bei der Bedarfsermittlung eine Beratungs- und Koordinierungsfunktion
zu. Es ist ihre Aufgabe, die von den Gemeinden übermittelten Bedarfszahlen anhand des
Brandschutzbedarfsplans auf ihre Angemessenheit zu prüfen und entsprechende Prioritäten
bei der Zuteilung der Lehrgangsplätze zu setzen.
Gegenwärtig werden einem Landkreis umso mehr Lehrgangsplätze zugeteilt, je mehr Bedarf
seine Gemeinden angemeldet haben. Diese Methode motiviert dazu, der Schule unabhängig
von tatsächlichen Erfordernissen einen möglichst dringenden Bedarf zu melden. Erforderlich
ist jedoch ein System, das Anreize bietet, mit den vorhandenen Ressourcen realistisch um-
zugehen.
Fragen wirft schließlich auch die erhebliche Diskrepanz zwischen der Zahl aufgrund der
kommunalen Bedarfsanmeldung bereitgestellten und der Zahl der tatsächlich genutzten

46
Lehrgangsplätze auf, die teilweise auf kurzfristige Absagen der Teilnehmer zurückzuführen
sind.
Diese Fragen bedürfen einer tieferen Betrachtung unter Einbeziehung aller Beteiligten. Hier-
für bietet der Lehrgangsbeirat der LFS, in dem die kommunalen Spitzenverbände ebenso
vertreten sind wie der LFV, eine geeignete Plattform.
Die Arbeitsgruppe begrüßt die Steigerung der Ausbildungsplatzkapazität der Landes-
feuerwehr- und Katastrophenschutzschule. Die Umgestaltung des Lehrplanangebots
trägt durch eine zeitgemäße und interessante Ausbildung zur Motivation der Feuer-
wehrangehörigen bei.
Die Bedarfsmeldung einer Gemeinde muss sich aufgrund eines Soll/Ist-Vergleichs
zwischen dem Brandschutzbedarfsplan (unter Berücksichtigung der Nachwuchsent-
wicklung bei den Funktionsstellen) und der tatsächlichen Personalsituation rechtferti-
gen lassen. Den Landkreisen kommt bei der Bedarfsermittlung eine Beratungs- und
Koordinierungsfunktion zu. Es ist ihre Aufgabe, die von den Gemeinden übermittelten
Bedarfszahlen anhand des Brandschutzbedarfsplans auf ihre Angemessenheit zu prü-
fen und entsprechende Prioritäten bei der Zuteilung der Lehrgangsplätze zu setzen.
Zur Verringerung des manuellen Erfassungs- und Prüfungsaufwands – sowohl auf Seiten der
entsendenden Kommunen als auch auf Seiten der LFS – beabsichtigt die Schule, die An-
meldung zur Teilnahme an Aus- und Fortbildungsmaßnahmen auf ein elektronisches Verfah-
ren umzustellen, das auch eine Abfrage der Lehrgangsvoraussetzungen enthält. Dadurch
erhalten die Kommunen zugleich einen verbesserten Überblick über die jeweiligen Qualifika-
tionen der Angehörigen ihrer Feuerwehren. Derzeit wird die datenschutzrechtliche Unbe-
denklichkeit dieses Verfahrens geprüft.
Die Arbeitsgruppe empfiehlt, die Anmeldung zu Aus- und Fortbildungsmaßnahmen an
der LFS auf ein elektronisches Verfahren umzustellen, sofern dies datenschutzrecht-
lich zulässig ist.

47
2. Auslagerung von Lehrgängen
Neben der Erhöhung von Ausbildungsplätzen an der LFS wurde der Ansatz erprobt, durch
Auslagerung von Lehrgängen das Ausbildungsangebot zu erhöhen. So wurde bereits im
Jahr 2011 ein Brandmeister-Einführungslehrgang von der LFS an die BF Dresden ausgela-
gert, um mehr Ausbildungsplätze für die Freiwilligen Feuerwehren an der LFS anbieten zu
können. Darüber hinaus führte die BF Hoyerswerda in Zusammenarbeit mit dem SMI bereits
im Jahr 2011 und 2013 einen Gruppenführerlehrgang sowie einen ABC-Basislehrgang in der
Referenzregion und im Gebiet des Landkreises Bautzen durch. Die Zusammenarbeit wird
fortgesetzt; auch 2014 wurde zusätzlich zum Lehrangebot der LFS ein Gruppenführerlehr-
gang von der BF Hoyerswerda durchgeführt.
Im Ergebnis ist festzustellen, dass die Auslagerung von Lehrgängen bei Bedarf ein geeigne-
tes Mittel sein kann, um Kapazitätsengpässe kurzfristig zu überbrücken. Jedoch war eben-
falls festzustellen, dass die externen Lehrgänge nicht im vollen Umfang ausgelastet waren.
Ein externer Gruppenführerlehrgang musste abgesagt werden, da nicht genügend Lehr-
gangsteilnehmer in dem betreffenden Landkreis angemeldet wurden.
Externe Lehrgänge sollten auch künftig durchgeführt werden, wenn ein Bedarf dafür
besteht und eine Auslastung sichergestellt werden kann.
3. Fahrsicherheitstraining
Mit der Änderung der Fahrerlaubnis-Verordnung zum 1. Mai 2014 wurde das Mindestalter für
das Fahren von Fahrzeugen der Führerscheinklasse C auf 18 Jahre (früher: 21 Jahre) und
das der Klasse D auf 21 Jahre (früher: 24 Jahre) abgesenkt. Dies führt dazu, dass Nach-
wuchsfeuerwehrleute bereits mit 18 Jahren u. a. das Löschgruppenfahrzeug „LF 20“ mit
mind. 1.600 l Wassertank bzw. das Hubrettungsfahrzeug Drehleiter „DLA(K) 23-12“, das eine
Rettungshöhe von 23 Metern erreicht, fahren dürfen.
Das Fahren eines Feuerwehrfahrzeuges unter Einsatzbedingungen stellt an die Maschinis-
ten hohe Anforderungen. Eine ausführliche praktische Fahrausbildung, wie bei einer Berufs-
feuerwehr, ist bei den Freiwilligen Feuerwehren meist nicht möglich. Neben regelmäßigen
Übungsfahrten, Geschicklichkeitsfahren mit langsamem Tempo, Schulungen zu Sonder- und
Wegerechten oder Verkehrsteilnehmerschulungen ist das Fahrsicherheitstraining eine Mög-
lichkeit, um vertrauter mit dem Feuerwehrfahrzeug zu werden.

image
48
Auf Anregung der Arbeitsgruppe hat das SMI in Zusammenarbeit mit der LFS daher erstmals
2013 Fahrsicherheitstrainings für die Freiwilligen Feuerwehren angeboten. Neben zwei Ter-
minen auf dem DEKRA-Testgelände in Klettwitz (Lausitzring) fand eine Veranstaltung auf
dem Sachsenring statt. Diese Ausbildungsmaßnahme wurde von den Freiwilligen Feuerweh-
ren positiv angenommen. Durch das SMI wurde sie im April 2014 auf eine weitere Übungs-
strecke (ADAC Fahrsicherheitszentrum Leipzig-Halle) ausgeweitet.
Die Arbeitsgruppe hält die Durchführung von Fahrsicherheitstrainings – vor allem für
jüngere Feuerwehrangehörige – für eine geeignete Maßnahme zur Unfallverhütung
und empfiehlt deren Fortsetzung.
4. Einheitliche Lehrunterlagen
Für die auf Gemeinde- und die auf Landkreisebene durchgeführten Ausbildungen gab es
bislang im Freistaat Sachsen keine einheitlichen Ausbildungsunterlagen. Das SMI wurde
gebeten, hier Abhilfe zu schaffen.
a) Truppmann-/Truppführerausbildung
Zur Unterstützung der Feuerwehren im
Freistaat Sachsen wurde daher ein Auto-
renteam mit der Erstellung landeseinheit-
licher
Ausbildungsunterlagen
für
die
Truppmann- und Truppführerausbildung
beauftragt.
Die Unterlagen, die bei der Truppausbil-
dung
unterrichtsbegleitend
eingesetzt
werden und eine landesweit einheitliche
Truppausbildung
ermöglichen,
wurden
den Gemeinden, Landkreisen und Ange-
hörigen der Freiwilligen Feuerwehren kos-
tenfrei zur Verfügung gestellt.
Neben Druckexemplaren für die Erstaus-
gabe von Truppmann Teil 1 besteht seit

49
dem 19. Januar 2013 die Möglichkeit des Downloads der Module Truppmann Teil 1, Trupp-
mann Teil 2 und Truppführer von der Internetseite der Landesfeuerwehr- und Katastrophen-
schutzschule.
Die positive Resonanz aus der Nutzung der Lehrunterlagen für die Truppmann- und Trupp-
führerausbildung bestärkte das SMI in seiner Absicht, weitere landeseinheitliche Lehrunter-
lagen zur Unterstützung der gemeindeübergreifenden Ausbildung zur Verfügung zu stellen.
Bedarf wurde für die Ausbildung der Träger von Chemikalienschutzanzügen, Atemschutzge-
räteträger, Maschinisten und Sprechfunker gesehen.
b) CSA-Träger
Die Ausbildung der Träger von gasdichten Chemikalienschutzanzügen erfolgt in Sachsen
durch die Lehrgänge „ABC-Basis“ und „ABC-Technik“ an der LFS. Ziel der Ausbildung ist die
Befähigung zur Handhabung der Sonderausrüstung einschließlich der Schutzkleidung. Um
den Interessierten die Vorbereitung auf dieses Spezialthema zu erleichtern und die Weiter-
bildung der Feuerwehrangehörigen ordnungsgemäß durchführen zu können, wurde eine
Arbeitsgruppe beauftragt, Lehrunterlagen für die Aus- und Fortbildung von CSA-Trägern zu
erstellen. Diese Unterlagen wurden erstmalig zur 17. Atemschutzfachtagung am 20. Februar
2014 an der LFS vorgestellt und Elemente daraus vorgeführt.
c) Atemschutzgeräteträger
Die Ausbildung zum ASGT in der Feuerwehr ist sehr komplex. Die Vorbereitung, Durchfüh-
rung oder auch Nachbereitung von Einsätzen muss ständig trainiert werden, um die ver-
schiedensten Einsatzaufgaben lösen zu können. Dies erfordert eine ständig aktuelle Aus-
und Fortbildung. Aus diesem Grund werden auch für diesen Bereich Ausbildungsunterlagen
mit den Themen Bedeutung und Verantwortung im Atemschutzeinsatz, Atmung, Atemgifte,
Gerätekunde, Einsatzgrundsätze und Unfallverhütung erarbeitet. Ein Zwischenstand kann
auf der Internetseite
www.atemschutzlexikon.de
abgerufen werden. Die fertigen Unterlagen
sollen im 3. Quartal 2014 bereitstehen. Ab 2015 sollen alle Unterlagen zur Ausbildung zum
ASGT auch als e-Learning-Programm nutzbar sein.
d) Sprechfunker
Mit der Einführung des Digitalfunks für die Behörden und Organisationen mit Sicherheitsauf-
gaben (BOS) ist die bestehende Ausbildung für den Sprechfunkdienst in den Feuerwehren
anzupassen. Um eine flächendeckende und landeseinheitliche Ausbildung zu gewährleisten
wurde die LFS beauftragt, in Zusammenarbeit mit dem Schulungs- und Referenzzentrum der

50
Polizei in Dommitzsch Lehrunterlagen zu erstellen. Nach Fertigstellung werden diese Lehr-
unterlagen auf der Internetseite der LFS zum Download bereitgestellt.
e) Maschinisten
Seit August 2013 erarbeitet die Landesfeuerwehr- und Katastrophenschutzschule Sachsen
auf Basis von Lehrunterlagen für die Kreisausbildung Maschinisten der Niedersächsischen
Akademie für Brand- und Katastrophenschutz Lehrunterlagen für die gemeindeübergreifende
Ausbildung der Maschinisten in Sachsen.
Die Unterlagen werden an die sächsischen Bedingungen angepasst und praktische Übungs-
anleitungen sowie Arbeitsblätter für den Lehrgangsteilnehmer und den Ausbilder erstellt.
Nach Fertigstellung werden diese Unterlagen ebenfalls auf der Internetseite der LFS zur Ver-
fügung gestellt.
Einheitliche Lehrunterlagen tragen nach Auffassung der Arbeitsgruppe nicht nur zur
Erhöhung der Ausbildungsqualität bei, sondern minimieren auch den Aufwand der
ehrenamtlichen Ausbilder der Freiwilligen Feuerwehren. Die Arbeitsgruppe spricht
sich dafür aus, die vorhandenen Angebote auf CSA-Träger, Atemschutzgeräteträger,
Sprechfunker und Maschinisten auszuweiten.
VIII. Nachwuchsgewinnung
Zur nachhaltigen Sicherung der Einsatzbereitschaft der Freiwilligen Feuerwehren kommt der
Nachwuchsgewinnung große Bedeutung zu. Daher gewinnt die Arbeit mit den Kindern und
Jugendlichen für die Feuerwehr immer mehr an Bedeutung.
1. Brandschutzerziehung in Schulen
Das SMK erklärte sich auf Anfrage des SMI bereit, Anknüpfungspunkte und Spielräume auf-
zuzeigen, um das Anliegen der Brandschutzerziehung stärker in den Fokus zu rücken und
die vorhandenen Lehrplaninhalte zu Brandschutzthemen in Eigenverantwortung der Schule
besser umzusetzen. Aus einer vom SBI im Februar 2014 vorgelegten Lehrplananalyse wur-
de deutlich, dass es bereits jetzt zahlreiche Anknüpfungspunkte für die Brandschutzerzie-
hung in den Lehrplänen aller Schularten gibt. Ziel sollte es daher sein, diese bereits vorhan-

51
denen brandschutzbezogenen Lehrplaninhalte besser zu kommunizieren und Handreichun-
gen für ihre Umsetzung in die Unterrichtspraxis zu geben.
Die Arbeitsgruppe empfiehlt die Erstellung einer Broschüre, die als Handreichung für
die sächsischen Schulen dienen soll, um die vorhandenen Lehrplaninhalte zu Brand-
schutzthemen in Eigenverantwortung der Schule besser umsetzen zu können.
Die Broschüre sollte an alle Schulen und Feuerwehren im Freistaat Sachsen verteilt werden.
Zur Umsetzung dieser Empfehlung ist bereits eine Arbeitsgruppe aus Vertretern des SMI,
des SMK, des SBI und des LFV gebildet worden.
Darüber hinaus sollten auch Möglichkeiten der weitergehenden Vertiefung der Brandschut-
zerziehung im Rahmen der Zusammenarbeit von Schule und Feuerwehr aufgezeigt werden,
die in Eigenverantwortung der Schule möglich sind. Dabei kommt insbesondere die Nutzung
von Ganztagsangeboten in Betracht. Über den Inhalt dieser Angebote entscheidet der Schul-
träger, also in der Regel die Gemeinde, die zugleich Träger der Feuerwehr ist. Er erhält dafür
pauschalierte Zuweisungen des Freistaats nach der Sächsischen GTA-Verordnung. Das
Zuweisungsverfahren ist seit dem Schuljahr 2013/2014 erheblich vereinfacht worden.
Den Kommunen wird empfohlen, ihre Doppelfunktion als Schulträger und Träger der
Feuerwehr stärker zu nutzen.
Die Gemeinden sollten insbesondere darauf hinwirken, dass die Zuweisungen nach der
Sächsischen GTA-Verordnung für Ganztagsangebote zur Brandschutzerziehung eingesetzt
werden. Außerdem könnte sie sich z. B. gegenüber den Schulleitern dafür einsetzen, dass
den Jugendfeuerwehren die Möglichkeit eingeräumt wird, ihre Arbeit in Elternabenden an
Grundschulen vorzustellen.
2. Förderung der Jugendfeuerwehr
Die meisten Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren werden bereits in jungen Jahren über
die JF für ein ehrenamtliches Engagement im Brandschutz gewonnen. Wenn auch nicht alle
Angehörigen der Jugendfeuerwehren in den aktiven Dienst überwechseln, so bleibt die Ju-
gendfeuerwehr dennoch die wichtigste Quelle für die Mitgliedergewinnung der Freiwilligen

52
Feuerwehren. Ziel sollte es daher sein, durch eine Steigerung der Mitgliederzahl der JF mehr
Nachwuchs für die Freiwilligen Feuerwehren zu generieren.
Der Freistaat unterstützt die Arbeit der Jugendfeuerwehr durch zweckgebundene Zuweisun-
gen an den LFV in Höhe von derzeit 400.000 Euro jährlich. Damit werden u. a. Ausbildungs-
lager, Wettbewerbe sowie Bekleidung und Ausrüstung bezuschusst. Durch eine Erhöhung
dieses Haushaltsansatzes könnte mit relativ geringem Ressourceneinsatz eine vergleichs-
weise starke Wirkung erzielt werden.
Darüber hinaus wäre die Gewährung einer pauschalierten Zuwendung an die Gemeinden
zur Förderung der Arbeit ihrer Jugendfeuerwehren ein geeignetes Mittel, um die Attraktivität
des Dienstes in der JF zu steigern und den Feuerwehrnachwuchs zu sichern. Entsprechende
Förderprogramme bestehen bereits in Thüringen und Sachsen-Anhalt. Dort erhalten die
Kommunen für jedes Mitglied der JF auf Antrag 20 Euro.
Die Arbeitsgruppe empfiehlt dem Freistaat, die Mittel, die der LFV zur Förderung der
Jugendfeuerwehren erhält, zu erhöhen. Des Weiteren sollten die Gemeinden vom
Freistaat bei der Deckung des Grundbedarfs an Schutzkleidung, Ausbildungsmateria-
lien etc. durch einen Pauschalbetrag pro JF-Mitglied unterstützt werden.
3. Kinder in der Feuerwehr
Die Arbeitsgruppe hat außerdem den Vorschlag diskutiert, das Eintrittsalter für die Jugend-
feuerwehr weiter (von derzeit acht auf sechs Jahre) abzusenken. Zur Umsetzung dieses
Vorschlags müsste § 18 Abs. 5 Satz 2 SächsBRKG geändert werden. Entsprechende Anlie-
gen sind in der Vergangenheit mehrfach an das SMI herangetragen worden.
Von den Befürwortern dieses Vorschlags wird vorgetragen, dass sich die Jugendfeuerweh-
ren in Konkurrenz zu anderen Freizeitvereinen befinden. Diese Vereine (beispielsweise
Sportvereine) haben die Möglichkeit, ihre Mitglieder bereits zu einem früheren Zeitpunkt zu
binden, was dazu führen kann, dass mit acht Jahren nur noch wenige zur Jugendfeuerwehr
kommen.
Eine Absenkung des Eintrittsalters unter acht Jahre ist fachlich nicht unumstritten. Eine sinn-
volle Ausbildung ist in den ersten Schuljahren meist nicht möglich.

53
Rechtlich gesehen können Kinder unter acht Jahre zwar derzeit – aufgrund § 18 Abs. 5 Satz
2 SächsBRKG – im Regelfall nicht in die Jugendfeuerwehr aufgenommen werden. Jedoch
steht es den Gemeinden, die dies wünschen, frei, in ihren Feuerwehren eine Kinderfeuer-
wehr als „andere Abteilung“ im Sinne von § 18 Abs. 5 Satz 1 SächsBRKG zu bilden. Diese
Abteilung ist dann allerdings nicht Teil der Jugendfeuerwehr.
In diesem Zusammenhang ist zu beachten, dass die Kinder gemäß § 2 Abs. 1 SGB VII nur
bei Ausbildungsveranstaltungen gesetzlich unfallversichert sind. Bei Kinderfeuerwehren ste-
hen dagegen eher Freizeitaktivitäten im Vordergrund, sodass aus Gründen der Rechtssi-
cherheit der Abschluss einer entsprechenden Zusatzversicherung erforderlich ist.
Die Arbeitsgruppe empfiehlt dem Freistaat, beim Eintrittsalter der Jugendfeuerwehr an
der im SächsBRKG vorgesehenen Altersgrenze von acht Jahren festzuhalten. Wenn
es die einzelne Feuerwehr wünscht und leisten kann, können Kinderfeuerwehren als
„andere Abteilung“ gebildet werden, ohne dass es einer Änderung des SächsBRKG
bedarf. Das SMI wird gebeten, diese Rechtslage den Kommunen in geeigneter Weise
darzustellen und zu prüfen, ob die Kosten einer Zusatzversicherung für gemischte
Tätigkeiten vom Staatshaushalt getragen werden können.
IX.
Motivation für das Engagement in der Freiwilligen Feuerwehr –
Hinweise für die Mitgliedergewinnung und Mitgliederpflege
Die Arbeitsgruppe hat sich ferner mit der Frage auseinandergesetzt, wie die Bevölkerung
von „außen“ die Freiwillige Feuerwehr sieht und welche Gründe möglicherweise einem eh-
renamtlichen Engagement in der Feuerwehr entgegenstehen. Außerdem war es der Arbeits-
gruppe ein wichtiges Anliegen, die Sicht der Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehren zu
hinterfragen und die Meinungen aus den Reihen der Feuerwehr in die Tätigkeit der Arbeits-
gruppe mit einzubeziehen.
Zu diesem Zweck wurde in Kooperation mit dem Institut für Kommunikationswissenschaft an
der Technischen Universität Dresden und mit Unterstützung der Kreisfeuerwehrverbände
eine empirische Untersuchung durchgeführt, die zugleich Grundlage der Bachelorarbeit von
Michela Pucci und Louisa Rudow war
4
.
4
Vgl. Pucci/Rudow, Sächsische Feuerwehren in Not – Eine empirische Untersuchung zur gegenwärti-
gen Lage der Freiwilligen Feuerwehr und dem bürgerschaftlichen Engagement in der sächsischen
Bevölkerung, 2013.

54
1. Ergebnisse der Bevölkerungsumfrage
Im Wege einer Telefonumfrage in der Bevölkerung wurde das bürgerschaftliche Engage-
ment der sächsischen Bevölkerung und das Außenimage der Feuerwehr analysiert, um dar-
aus Schlussfolgerungen für die externe Motivation ziehen zu können.
In einer 14-tägigen Feldphase wurden 510 zufällig ausgewählte Probanden über 18 Jahre
aus dem ländlichen Raum Sachsens befragt.
Bemerkenswert war dabei zunächst die Einschätzung der gegenwärtigen Lage der Freiwilli-
gen Feuerwehr, die mit der Wirklichkeit in deutlichem Widerspruch steht: Weniger als die
Hälfte der Befragten (47%) glaubt, dass die Mitgliederzahlen sinken werden. 15,7 % glau-
ben sogar, dass sie steigen. Die Personalprobleme der Feuerwehr und die damit verbunde-
nen Auswirkungen auf den flächendeckenden Brandschutz werden also vom überwiegen-
den Teil der Bevölkerung nur sehr eingeschränkt wahrgenommen.
Die Feuerwehren verfügen über ein gutes Außenimage, d. h. sie genießen unter der Bevöl-
kerung ein hohes Ansehen. Allerdings wurde festgestellt, dass beim bürgerschaftlichen En-
gagement die Selbstentfaltung der Menschen eine große Rolle spielt. Die Feuerwehr wird
hingegen mit gemeinwohlorientierten Motiven in Verbindung gebracht. Dadurch wird leicht
assoziiert, dass eine Selbstentfaltung nicht erwünscht sei. Dies kann potentielle Interessen-
ten abschrecken.
25,9% der Nicht-Engagierten haben nach eigenen Angaben noch nicht darüber nachge-
dacht, ein ehrenamtliches Engagement zu übernehmen. Dieser relativ hohe Anteil stellt eine
potentielle Zielgruppe für die Mitgliederwerbung der Feuerwehren dar, die durch das positive
Außenimage begünstigt wird. Dabei sollte gezielt kommuniziert werden, dass sich bei einem
Engagement in der Freiwilligen Feuerwehr Selbstentfaltung und Gemeinwohlorientierung
nicht ausschließen, sondern sinnvoll ergänzen.
2. Ergebnisse der Umfrage unter den Feuerwehrangehörigen
Um das Binnenimage der Freiwilligen Feuerwehr und den Zusammenhalt innerhalb und zwi-
schen den Wehren näher beurteilen zu können und Handlungsbedarf auf dem Gebiet der
internen Motivation zu identifizieren, wurde eine E-Mail-Befragung unter Angehörigen der
Freiwilligen Feuerwehr durchgeführt. Dabei wurden 329 Probanden aus den Reihen der
Freiwilligen Feuerwehren in Sachsen mit Hilfe eines vorgefertigten Bogens befragt.

55
In der Befragung hat sich herausgestellt, dass das Binnenimage zwar insgesamt positiv,
aber schlechter als das Außenimage ist.
83,3% der Befragten sind durch einen persönlichen Kontakt zur Freiwilligen Feuerwehr ge-
kommen. Dies zeigt, wie wichtig es ist, dass Feuerwehrangehörige selbst in ihrem unmittel-
baren Umfeld Interessenten ansprechen und werben. Zugleich wird aber auch deutlich, dass
die Öffentlichkeitsarbeit der Feuerwehren derzeit noch ausbaufähig ist oder jedenfalls nicht
ausreichend wahrgenommen wird.
Die innere Bindung an die eigene Wehr ist im Allgemeinen sehr stark. Das Zugehörigkeits-
gefühl zur Gemeinschaft aller Freiwilligen Feuerwehren in Sachsen ist auch eher hoch, aber
nicht so hoch, wie bei eigener Wehr. Demgegenüber ist die Verbundenheit mit anderen
Wehren eher gering. Eine gemeindeübergreifende Identität der Feuerwehr im Ganzen wird
also von den Angehörigen kaum wahrgenommen. Vielmehr wird vor allem die eigene Orts-
oder Gemeindefeuerwehr gesehen.
Die Zusammenarbeit innerhalb der eigenen Wehr ist nach Einschätzung der Probanden e-
her positiv (92,2%). Bemängelt wurden jedoch im Einzelfall:
-
„alt gegen jung“, „alter Trott“
-
„Die älteren Kameraden für neue Prinzipien zu gewinnen, gestaltet sich sehr schwie-
rig“
-
„Die Mannschaft muss über anliegende Aufgaben nicht informiert sein. Führung will
alles alleine entscheiden.“
-
„Ausbildung erfolgt nach Gutdünken, nicht nach Dienstvorschrift, und ist damit unqua-
lifiziert.“
Die Zusammenarbeit zwischen den Wehren untereinander ist nach den Einschätzungen
auch eher positiv (85,5%). Allerdings wird sie von immerhin 13% als „eher schlecht“ einge-
schätzt (das sind doppelt so viele negative Einschätzungen wie bei der Zusammenarbeit
innerhalb der Wehr). Als Gründe für schlechte Zusammenarbeit zwischen Wehren werden
angegeben:
-
„Bevorzugung von einzelnen Ortswehren“
-
„Die kleineren Wehren schätzen die engagiertere Wehr der Gemeinde als hochnäsig
ein und verzichten lieber auf Zusammenarbeit.“
-
„Größere Wehren denken, sie sind was Besseres; sie denken, die kleineren sind
nicht in der Lage zu leiten.“
-
„Keine klaren Konzepte für die Zusammenarbeit“

image
56
3. Schlussfolgerungen
Die Arbeitsgruppe zieht aus den Umfragen folgende Schlussfolgerungen, die bei der Mitglie-
dergewinnung und Mitgliederpflege in den Feuerwehren beachtet werden sollten:
Es ist erforderlich, durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit das Problembewusstsein der
Bevölkerung hinsichtlich der Mitgliederlage der Freiwilligen Feuerwehren zu schärfen.
Der beste Werbeträger ist dabei der Feuerwehrmann bzw. die Feuerwehrfrau selbst.
Die Mitglieder, insbesondere die Führungskräfte der Feuerwehrwehren, sollten poten-
tielle Interessenten aktiv suchen und dabei schwerpunktmäßig auf ihr persönliches
Umfeld zugehen. Öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen können das Wissen der
Bevölkerung über Strukturen und Aufgaben der Feuerwehr verbessern, ihre kommu-
nalpolitische Lobby stärken und zur Mitgliederwerbung beitragen.
Als öffentlichkeitswirksame Veranstaltung kommt z. B. die Durchführung von Tagen der offe-
nen Tür oder von „Blaulichttagen“ in Betracht. Die Ausschreibung der Stadt Werdau für einen
solchen „Blaulichttag“ ist als Anlage 10 beigefügt.
Werbekampagnen können
eine persönliche Anspra-
che nicht ersetzen, aber
sie können bei potentiellen
Feuerwehrmitgliedern In-
teresse wecken und posi-
tive Rahmenbedingungen
für die Mitgliederwerbung
schaffen. Das SMI hat im
Sommer 2013 einen neu-
en Videoclip zur Kampag-
ne „Helden gesucht“ er-
stellen lassen, der erstmalig im Werbeprogramm der Filmnächte 2013 in Dresden und
Chemnitz ausgestrahlt wurde.
Als weitere Unterstützung im Vorschul- und Grundschulbereich hat das SMI in Zusammen-
arbeit mit dem LFV Sachsen im vergangenen Jahr ein neues Bastel- und Brandschutzerzie-
hungsheft sowie einen Bastelbogen herausgegeben. Die Hefte können kostenfrei zur Unter-

57
stützung der Brandschutzerziehung über den Broschürenversand der Staatsregierung ange-
fordert werden. Der Bastelbogen wurde über den LFV an alle Kreisfeuerwehrverbände ver-
teilt.
Die Arbeitsgruppe empfiehlt, Werbekampagnen dauerhaft durch die Feuerwehren und
Jugendfeuerwehren selbst zu führen. Das SMI sollte dafür auch weiterhin anspre-
chende und zeitgemäße Werbemittel zentral zur Verfügung stellen. Der neue Videoclip
„Helden gesucht“ sollte landesweit in den Kinos gezeigt werden.
Für die Zufriedenheit der Feuerwehrangehörigen und damit für die Mitgliederpflege ist es von
erheblicher Bedeutung, dass – wie in der FwDV 100 vorgesehen – ein kooperativer Füh-
rungsstil gepflegt wird. Dieser Stil bezieht die Feuerwehrangehörigen in die Entscheidungen
ein, erlaubt kritische Diskussionen und stärkt dadurch deren Motivation.
Der Wehrleitung kommt eine wichtige Koordinierungs- und Vermittlungsfunktion zu.
Ein kooperativer Führungsstil wird nur dort erfolgreich gepflegt, wo die Wehrleitung
auf Ideen und Hinweise anderer reagiert. Dies gilt besonders im Verhältnis zwischen
den Generationen. Die einzelnen Organe der Feuerwehr bieten vielfältige Möglichkei-
ten, eine Vielzahl von Feuerwehrmitgliedern in die Entscheidungsfindungen einzubin-
den. Dadurch kann atmosphärischen Störungen vorgebeugt werden.
Vor dem Hintergrund des Mitgliederrückgangs in den Freiwilligen Feuerwehren muss
die Notwendigkeit einer (auch gemeindeübergreifenden) Zusammenarbeit den Ange-
hörigen der Feuerwehren kommunikativ näher gebracht werden, um den flächende-
ckenden Brandschutz auch künftig gewährleisten zu können. Dazu empfiehlt es sich,
durch gemeinsame Dienste, Übungen u. ä. einen engeren Kontakt zwischen den Weh-
ren herzustellen und das Zusammengehörigkeitsgefühl zu steigern. Dies entspricht
den eigenen Wünschen der Mitglieder.

58
X.
Verhältnis zwischen Gemeinde und Feuerwehr
Bei den kommunalen Entscheidungsträgern (Bürgermeister, Gemeinderäte, leitende Be-
dienstete der Gemeindeverwaltungen) muss die kommunale Pflichtaufgabe Brandschutz bei
der kommunalpolitischen Prioritätensetzung mancherorts ein noch stärkeres Gewicht erhal-
ten, das dem Stellenwert des Brandschutzes hinreichend gerecht wird. So werden die Frei-
willigen Feuerwehren mitunter mit anderen Vereinen der Gemeinde verglichen, ohne die
besonderen, gemeinwohlorientierten Aufgaben der Feuerwehr angemessen zu berücksichti-
gen.
Es ist Aufgabe aller Beteiligten, daran mitzuwirken, den Einwohnern der Gemeinde
die Bedeutung der Freiwilligen Feuerwehr als eine für die Aufrechterhaltung der öf-
fentlichen Sicherheit erforderliche Einrichtung der Gemeinde bewusst zu machen.
Die Arbeitsgruppe empfiehlt dazu insbesondere die Einladung von Abgeordneten,
Bürgermeistern und Gemeinderäten zu den Jahreshauptversammlungen der Feuer-
wehren. Umgekehrt sollten Vertreter der Feuerwehren zu allen öffentlichen Veranstal-
tungen ihrer Gemeinde eingeladen werden und daran erkennbar – d. h. in Uniform –
teilnehmen.
Die Gemeinden sollten sich gezielt gegenüber ihren Beschäftigten für eine Mitglied-
schaft in der Freiwilligen Feuerwehr einsetzen.
Zu Beratungen des Gemeinderats zu Angelegenheiten der Feuerwehr und des Brand-
schutzes ist der Gemeindewehrleiter zu hören (§ 13 Abs. 8 Satz 2 der Empfehlung des
Sächsischen Staatsministeriums des Innern für eine Musterfeuerwehrsatzung). Min-
destens einmal jährlich sollte der Gemeindewehrleiter in öffentlicher Sitzung des Ge-
meinderates über den Stand des örtlichen Brandschutzes berichten.
Die Information der Einwohner über die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehr sollte von
der Gemeinde in geeigneter Weise – z. B. über das kommunale Amtsblatt – unterstützt
werden.

image
59
XI.
Würdigung des Ehrenamts in der
Freiwilligen Feuerwehr
Ehrenamtliche Arbeit braucht und verdient Anerkennung. Dies ist eine gemeinsame Aufgabe
aller Ebenen.
Für die Würdigung des Ehrenamtes in der Freiwilligen Feuerwehr gibt es vielfältige Formen,
deren Vor- und Nachteile abgewogen werden müssen. Die Mitgliedschaft in der Freiwilligen
Feuerwehr kann und sollte nicht allein – auch nicht in erster Linie – finanziell gewürdigt wer-
den. Die Wertschätzung, die den Feuerwehrangehörigen entgegengebracht wird, kann auch
– u. U. sogar besser – auf ideelle Weise ausgesprochen werden. Die Kameradinnen und
Kameraden wissen es zu schätzen, wenn der Bürgermeister oder Gemeinderäte an ihren
Veranstaltungen teilnehmen und dadurch zum Ausdruck bringen, dass sie der Pflichtaufgabe
Brandschutz einen hohen Stellenwert beimessen.
Zahlreiche Gemeinden gewähren ihren Wehrleitern und anderen Führungskräften eine Auf-
wandsentschädigung. Darüber hinaus zahlen manche Kommunen den Angehörigen ihrer
Feuerwehr einen Pauschalbetrag pro Stunde oder Einsatz.
Einige Gemeinden und Landkreise (z. B. Nordsachsen und Leipzig) veranstalten jährlich eine
Dankveranstaltung für alle ehrenamtlichen Kräfte aus Brandschutz, Rettungsdienst und Ka-
tastrophenschutz oder laden sie und ihre Familien zu Empfängen ein. Ein weiterer Anreiz für
die Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr kann z. B. auch darin bestehen, dass die
Gemeinde den Erwerb eines Lkw-Führerscheins für Maschinisten finanziert.
Landesfeuerwehrball 2013 im Ballhaus „Watzke“ in Dresden

60
Das SMI richtet traditionell alle zwei Jahre den Landesfeuerwehrball aus. Zudem wurde vom
Freistaat als staatliche Anerkennung für den langjährigen aktiven, ehrenamtlichen Dienst in
der Freiwilligen Feuerwehr, für besondere Verdienste um die Entwicklung des Brandschut-
zes sowie für besonders mutiges und entschlossenes Verhalten im Einsatz das Feuerwehr-
Ehrenzeichen gestiftet.
Ergänzend dazu hat der Freistaat im Jahr 2011 Jubiläumszuwendungen aus Anlass einer
aktiven ehrenamtlichen Tätigkeit eingeführt, die neben den Angehörigen der Freiwilligen
Feuerwehren auch die ehrenamtlichen Helfer im Katastrophenschutz und Rettungsdienst
erhalten. Bislang wurden ausgezeichnet:
Dienstjubiläum
10 Jahre
25 Jahre
40 Jahre
Mittel
2011
1.305
856
537
ca. 430.000 €
2012
1.653
972
630
ca. 550.000 €
2013
1.641
862
604
ca. 520.000 €
Gesamt
4.599
2.690
1.771
ca. 1.500.000 €
Zur weiteren Stärkung der Attraktivität des Ehrenamts im Bevölkerungsschutz schlägt die
Arbeitsgruppe vor, dass junge Menschen, die sich für mindestens vier Jahre für den ehren-
amtlichen Dienst in den landeseigenen Katastrophenschutzeinheiten verpflichten, für die
Dauer eines Jahres über das 21. bzw. 25. Lebensjahr hinaus bei der Zahlung des Kinder-
gelds berücksichtigt wird. Damit wird ein Anreiz zur Mitwirkung im Katastrophenschutz wie-
derhergestellt, der durch die Aussetzung der Wehrpflicht weggefallen ist. Zur Umsetzung
dieses Vorschlags bedarf es einer Änderung des Bundeskindergeldgesetzes.
Die Arbeitsgruppe hält eine angemessene Würdigung für erforderlich, um das Ehren-
amt in der Freiwilligen Feuerwehr attraktiv zu halten und dadurch den Brandschutz im
Freistaat Sachsen flächendeckend gewährleisten zu können. Diese Würdigung kann
durch finanzielle Leistungen, aber auch auf andere Weise ausgedrückt werden. Ent-
scheidend ist nicht die Form der Würdigung. Vielmehr kommt es darauf an, dass dem
Feuerwehrkameraden überzeugend vermittelt wird, dass sein persönliches Engage-
ment von der Gesellschaft wertgeschätzt wird.

61
Ein sich auch auf den Brandschutz positiv auswirkender Anreiz für die Mitgliedschaft
in den Katastrophenschutzeinheiten könnte geschaffen werden, wenn bei mindestens
vierjähriger Verpflichtung das Kindergeld ein Jahr länger gezahlt wird. Dem SMI wird
empfohlen, diesen Vorschlag mit den anderen Ländern in der IMK abzustimmen und
zum Gegenstand einer Bundesratsinitiative zu machen.
XII. Freistellung und Erstattung der
Lohnfortzahlungskosten
Für die Einsatzbereitschaft der Freiwilligen Feuerwehren ist es von entscheidender Bedeu-
tung, dass ihre Mitglieder für die Dauer des Einsatzes von ihren Arbeitgebern unter Fortzah-
lung ihrer Bezüge freigestellt werden. Dies ist nur dann zumutbar, wenn der Arbeitgeber ei-
nen angemessenen Ausgleich erhält.
1. Rechtlicher Rahmen
Die ehrenamtlich tätigen Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehren sind gemäß § 61 Abs. 1
Satz 1 SächsBRKG verpflichtet, an Einsätzen, Übungen sowie Aus- und Fortbildungen der
Freiwilligen Feuerwehr teilzunehmen. Um diese Verpflichtung erfüllen zu können, ordnet
§ 61 Abs. 3 SächsBRKG gegenüber dem Arbeitgeber ihre Freistellung von der Arbeitsleis-
tung für den dafür notwendigen Zeitraum an.
Den ehrenamtlich tätigen Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehren dürfen aus dem Dienst
in der Freiwilligen Feuerwehr keine Nachteile in ihrem Arbeitsverhältnis erwachsen. Insbe-
sondere ist eine Kündigung oder Entlassung sowie jede sonstige berufliche Benachteiligung
aus diesem Grunde unzulässig (§ 61 Abs. 2 SächsBRKG).
Der Arbeitgeber ist verpflichtet, dem Feuerwehrangehörigen während der Freistellung das
vereinbarte Arbeitsentgelt fortzuzahlen. Die ihm dadurch entstehenden Kosten werden ihm
auf Antrag von der Gemeinde, deren Feuerwehr der Arbeitnehmer angehört, erstattet (§ 62
Abs. 1 SächsBRKG).
Die Arbeitsgruppe hält die rechtlichen Rahmenbedingungen für ausreichend, um die
Einsatzbereitschaft der Freiwilligen Feuerwehren sicherzustellen.

62
2. Praktische Umsetzung
Der Arbeitsgruppe ist im Laufe ihrer Tätigkeit bekannt geworden, dass es bei der praktischen
Umsetzung der §§ 61, 62 SächsBRKG oftmals Schwierigkeiten gibt.
Nicht allen Arbeitgebern sind ihre gesetzlichen Freistellungspflichten bekannt. Die Bereit-
schaft zur Freistellung ist insbesondere bei Einsätzen außerhalb der Brandbekämpfung nicht
stark ausgeprägt. Der Feuerwehrangehörige muss in Einzelfällen – trotz § 61 Abs. 2
SächsBRKG – berufliche Nachteile befürchten, wenn er seinen Freistellungsanspruch gel-
tend macht. Bei Arbeitgebern wiederum bestehen manchmal Unsicherheiten bei der Gel-
tendmachung ihres Erstattungsanspruchs gemäß § 62 Abs. 1 SächsBRKG.
Die Arbeitsgruppe empfiehlt dem SMI, über die Gemeinden und ihre Feuerwehren in
einem Schreiben an die Arbeitgeber der Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehren für
die Beschäftigung von Feuerwehrangehörigen zu danken und zugleich auf die gesetz-
lichen Freistellungspflichten hinzuweisen. Außerdem sollte auf den Anspruch auf Er-
stattung der Lohnfortzahlungskosten aufmerksam gemacht werden. Damit die Arbeit-
geber diesen Anspruch schnell und unbürokratisch geltend machen können, sollte
dem Schreiben ein mit dem Sächsischen Städte- und Gemeindetag abgestimmter
Muster-Erstattungsantrag beigefügt werden.
Die Akzeptanz der Freistellungspflichten bei den Arbeitgebern setzt allerdings auch voraus,
dass die Feuerwehren mit ihren Personalressourcen verantwortungsbewusst umgehen und
Einsatzkräfte nur dann in Anspruch nehmen, wenn sie nach Lage der Dinge tatsächlich be-
nötigt werden. Dies gilt für jede Phase des Einsatzes – bei der Alarmierung, bei der Einsatz-
durchführung und bei Nacharbeiten. Die Initiative „Keiner kommt – Feuerwehren in Not“ aus
Bad Lausick hat dazu Hinweise an die Feuerwehren (Anlage 11) erarbeitet, die beachtet
werden sollten.
Durch einen wirtschaftlich verantwortungsbewussten Umgang mit Personalressour-
cen können die Feuerwehren einen Beitrag zur Akzeptanz der Freistellungsregelungen
bei den Arbeitgebern leisten.

63
XIII. Unfallversicherungsschutz für Feuerwehrangehörige
Eine angemessene Absicherung der Feuerwehrangehörigen bei einem Dienstunfall ist nicht
nur ein Gebot der Personalfürsorge, sondern auch eine Voraussetzung dafür, dass sich Bür-
ger in ausreichender Zahl bereiterklären, die mit einer Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feu-
erwehr verbundenen Gefahren für Leib und Leben auf sich zu nehmen.
1. Ausgangslage
In manchen Feuerwehren besteht die Sorge, dass bei Dienstunfällen oft kein Unfallversiche-
rungsschutz gewährt werde. Dies kann Interessenten von einer Mitgliedschaft abhalten und
der Einsatzbereitschaft der Freiwilligen Feuerwehren schaden. Ein Blick in die Zahlen zeigt,
dass für den ganz überwiegenden Teil der angezeigten Unfälle ein Versicherungsfall aner-
kannt wurde:
Jahr
Angezeigte Unfälle
Ablehnungen
gesamt
mangels versicherter
Tätigkeit
mangels Zusammen-
hang Unfall/Schaden
2011
739
23
2
21
2012
821
26
7
19
2013
769
9
1
8
Quelle: Unfallkasse Sachsen
Der Anteil der abgelehnten Versicherungsanträge beläuft sich auf ca. 1-3 % der angezeigten
Unfälle. Ein grundlegendes Problem besteht damit nicht.
2. Verbesserungsvorschläge
Dennoch sind spektakuläre, medienwirksame Einzelfälle von Ablehnungen psychologisch
geeignet, sich negativ auf das Image des Feuerwehrdienstes auszuwirken. Dies sollte zum
Anlass genommen werden, zu prüfen, ob das bestehende System der Unfallversicherung für
Feuerwehrangehörige punktuell noch weiter optimiert werden kann. In diesem Zusammen-
hang weist die Arbeitsgruppe auf Folgendes hin:
a) Freiwillige zusätzliche Leistungen
Der Freistaat gewährt den ehrenamtlichen Angehörigen der Feuerwehr bzw. ihren Hinter-
bliebenen bei Dienstunfällen (im Sinne des SGB VII) zusätzliche Leistungen nach Maßgabe

64
der VwV-Zusatzleistungen vom 21. Juni 2000. Die Höhe der zusätzlichen Leistungen ist seit
dem Inkrafttreten dieser Verwaltungsvorschrift nicht der Preisentwicklung angepasst worden.
Hier sollte eine Überarbeitung erfolgen.
b) Berücksichtigung von Vorschäden
Der Großteil der Ablehnungen erfolgt – wie aus der obigen Tabelle ersichtlich – mangels
eines nachweislichen Zusammenhangs zwischen dem Dienstunfall und dem Gesundheits-
schaden (Kausalität). Dabei spielt oft eine Rolle, dass aufgrund bereits vor dem Unfall vor-
handener Gesundheitsschäden (sog. Vorschäden) nicht eindeutig geklärt werden kann, ob
der verschlechterte Gesundheitszustand ausschließlich auf den Unfall zurückzuführen ist.
Die DGUV hat auf Initiative des Deutschen Feuerwehrverbands eine „Musterrichtlinie für
Unterstützungsleistungen im Zusammenhang mit dem Dienst in Feuerwehren“ erarbeitet. Mit
dieser Richtlinie wird den Ländern empfohlen, separate Entschädigungsfonds zu bilden, die
bei Gesundheitsschäden eintreten, wenn keine Entschädigungsansprüche nach dem Siebten
Buch des Sozialgesetzbuches (Unfallversicherung) bestehen. Diese Musterrichtlinie sollte
auch im Freistaat Sachsen umgesetzt werden.
Die Arbeitsgruppe empfiehlt dem Freistaat, einen Entschädigungsfonds nach der
„Musterrichtlinie der DGUV für Unterstützungsleistungen im Zusammenhang mit dem
Dienst in Feuerwehren“ einzurichten. Die VwV-Zusatzleistungen sollte der Preisent-
wicklung angepasst werden.
XIV. Weitere Lösungsansätze
Über die genannten Lösungsansätze hinaus hat die Arbeitsgruppe folgende Punkte erörtert,
die sich direkt oder mittelbar auf die Einsatzbereitschaft der Feuerwehren auswirken:
1. Einrichtung eines Einsatzdienstes an der Landesfeuerwehr- und Katastrophen-
schutzschule
Der Freistaat Sachsen unterhält gemäß § 10 Abs. 1 SächsBRKG eine Landesfeuerwehr- und
Katastrophenschutzschule. Dieser Aus- und Fortbildungseinrichtung obliegt insbesondere
die Aus- und Fortbildung der Angehörigen der Feuerwehren.

image
65
Landesfeuerwehr- und Katastrophenschutzschule Sachsen in Elsterheide OT Nardt
An der Schule steht wochentags befähigtes Personal und feuerwehrtechnisches Gerät zur
Verfügung. Ein Großteil der Lehrgangsteilnehmer verfügt bereits vor dem Besuch der LFS
über eine Ausbildung zum Truppführer.
Bei einer erheblichen Gefährdung von Personen oder Sachwerten könnte grundsätzlich Hilfe
geleistet werden. Die Aufgaben eines Gruppenführers oder auch Maschinisten könnten
durch eine Lehrkraft ausgefüllt werden. Zudem ist im Bestand der LFS diverse Spezialtech-
nik, wie zum Beispiel ein Gerätewagen Gefahrgut, Erkundungskraftwagen, Drehleiter oder
Rüstwagen, sowie entsprechend ausgebildetes Fachpersonal für diese Technik vorhanden.
Die Schule hat ihren Sitz in der Gemeinde Elsterheide, Ortsteil Nardt (Landkreis Bautzen).
Da es in dieser Region Schwierigkeiten bei der Sicherung der Tageseinsatzbereitschaft gibt,
bietet es sich an, die personellen und sachlichen Ressourcen der Schule zu nutzen und die
LFS während der Ausbildungszeiten in die Alarmierbarkeit durch die Integrierte Regionalleit-
stelle Hoyerswerda einzubinden. Dafür fehlt gegenwärtig jedoch eine tragfähige rechtliche
Grundlage.
Die Arbeitsgruppe empfiehlt, in Anlehnung an § 14 Abs. 1 SächsBRKG eine gesetzli-
che Regelung zu schaffen, um an der LFS einen Einsatzdienst einzurichten und
dadurch das dort vorhandene Potential an Personal und Technik für den Brandschutz
in der Region Hoyerswerda zu nutzen.

66
2. Doppelmitgliedschaft
Mit der am 15. September 2012 in Kraft getretenen Änderung des SächsBRKG wurde die
Zulässigkeit der Doppelmitgliedschaft in zwei Freiwilligen Feuerwehren ausdrücklich im Ge-
setz (§ 18 Abs. 2 SächsBRKG) festgeschrieben. Somit ist es für ein Feuerwehrmitglied mög-
lich, sowohl am Wohnort als auch am Arbeitsort einer Feuerwehr anzugehören. Diese Rege-
lung trägt der gestiegenen Mobilität der Bevölkerung Rechnung. Sie eröffnet den Feuerweh-
ren zusätzliche Mitgliederpotentiale.
Die Arbeitsgruppe empfiehlt den Feuerwehren, die Möglichkeit der Doppelmitglied-
schaft intensiv zu nutzen und zu prüfen, ob unter den Mitarbeitern ortsansässiger Un-
ternehmen neue Mitglieder geworben werden können. Dabei kommen vor allem Ar-
beitnehmer in Betracht, die an ihrem auswärtigen Wohnort bereits einer Feuerwehr
angehören.
3. Einstellung von Feuerwehrangehörigen in den öffentlichen Dienst
Zur Verbesserung der Einsatzbereitschaft wird oftmals die verstärkte Einstellung von Feuer-
wehrangehörigen in den öffentlichen Dienst gefordert. Die Umsetzung dieser Forderung ist
problematisch, weil der öffentliche Arbeitgeber deutlich engeren Bindungen unterliegt als ein
privater. Personalentscheidungen im öffentlichen Dienst dürfen gemäß Art. 33 Abs. 2 GG
ausschließlich nach den Kriterien Eignung, Befähigung und Leistung getroffen werden.
Eignung erfasst insbesondere Persönlichkeit und charakterliche Eigenschaften, die für ein
bestimmtes Amt von Bedeutung sind. Befähigung umfasst die Fähigkeiten, Kenntnisse, Fer-
tigkeiten und sonstigen Eigenschaften, die für die dienstliche Verwendung wesentlich sind.
Die fachliche Leistung ist insbesondere nach den Arbeitsergebnissen, der praktischen Ar-
beitsweise, dem Arbeitsverhalten und ggf. nach dem Führungsverhalten zu beurteilen.
Vor diesem Hintergrund ist wie folgt zu differenzieren:
-
Bei unmittelbar "brandschutzrelevanten" Dienstposten (z. B. Sachbearbeiter Brand-
schutz einer Kommune) kann die Mitgliedschaft in einer Freiwilligen Feuerwehr eine
Eigenschaft sein, die für die dienstliche Verwendung wesentlich ist. Sie kann daher
als Einstellungsvoraussetzung gefordert werden.

67
-
Bei sonstigen Dienstposten darf eine Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr
nicht als zwingende Einstellungsvoraussetzung verlangt werden. Sie kann aber als
Indikator für Sozialkompetenz im Rahmen der persönlichen Eignung positiv gewürdigt
werden. Allerdings kann Sozialkompetenz auch auf andere Weise erworben werden,
sodass es stets auf einen Eignungsvergleich im Einzelfall ankommt; generelle Aus-
sagen sind insoweit nicht möglich.
Unabhängig davon sollten sich die öffentlichen Verwaltungen gezielt für ein Engagement
ihrer Mitarbeiter in den örtlichen Feuerwehren einsetzen. Dabei sei insbesondere auf die
Vorbildfunktion von Vorgesetzten hingewiesen.
Die Arbeitsgruppe empfiehlt den öffentlichen Verwaltungen, bei Einstellungsentschei-
dungen eine Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr im Rahmen der rechtlichen
Möglichkeiten zu berücksichtigen.
XV. Finanzierungsfragen
Die zur Sicherung der Einsatzbereitschaft der Feuerwehr notwendigen Ausgaben sind
grundsätzlich aus Steuern und allgemeinen Schlüsselzuweisungen der Gemeinden zu finan-
zieren. Die Arbeitsgruppe hat sich jedoch auch mit der Frage auseinandergesetzt, ob spezi-
elle Finanzierungsinstrumente entwickelt oder verbessert werden können, um die Kosten der
kommunalen Einrichtung Feuerwehr umfassender decken zu können.
1. Kostenersatz für Feuerwehreinsätze
Gemäß § 69 SächsBRKG können die Gemeinden unter bestimmten Voraussetzungen Er-
satz für die Kosten des Einsatzes ihrer Feuerwehr verlangen. Die geltende Fassung der Vor-
schrift lässt allerdings nicht mit hinreichender Klarheit erkennen, ob die Gemeinden ihre Kos-
tenersatzansprüche pauschalieren, welche Faktoren sie in die Kalkulation einbeziehen und
wie sie die kalkulierten Kosten umlegen dürfen. Insbesondere stellt sich die Frage, ob ein-
satzunabhängige Fixkosten (sog. Vorhaltekosten) ersatzfähig sind und ob eine Umlage nach
Jahreseinsatzstunden zulässig ist. Aus anderen Bundesländern liegt – zur dortigen Rechts-
lage – verwaltungsgerichtliche Rechtsprechung vor, wonach Vorhaltekosten überhaupt nicht
angesetzt oder allenfalls nach dem Verhältnis der Jahresstunden (24 x 365 = 8.760) auf die
Kostenersatzpflichtigen umgelegt werden dürfen.

68
Für die Arbeitsgruppe ist es nachvollziehbar, dass die Kommunen bestrebt sind, einen mög-
lichst umfassenden Kostenersatz zu erlangen, insbesondere vor dem Hintergrund, dass Ziel
der Kostenerstattungsregelung des § 69 Abs. 2 und 3 SächsBRKG auch ist, die Gemeinden
in die Lage zu versetzen, die Unterhaltung und Ausstattung ihrer Feuerwehr finanziell abzu-
sichern.
Die Arbeitsgruppe regt an, § 69 SächsBRKG zu ändern. Die Ansprüche der Gemeinden
sollten in Anlehnung an das Benutzungsgebührenrecht des Sächsischen Kommunal-
abgabengesetzes wie Gegenleistungen für die Inanspruchnahme der kommunalen
Einrichtung Feuerwehr ausgestaltet werden. Die Arbeitsgruppe spricht sich ferner da-
für aus, dass Vorhaltekosten grundsätzlich in die Kostenkalkulation einbezogen und
auf der Basis der Jahreseinsatzstunden umgelegt werden können.
2. Einrichtung eines FAG-Fonds zur Förderung der Einsatzbereitschaft
Die Arbeitsgruppe hat erwogen, ob ein Teil der Finanzausgleichsumlage gemäß § 25a
SächsFAG in einen Fonds zur „Förderung der Einsatzbereitschaft der Freiwilligen Feuerweh-
ren“ eingebracht und mit diesem Fonds der Abschluss von Zweckvereinbarungen zur Siche-
rung der Tageseinsatzbereitschaft gefördert werden sollte. Im Ergebnis der Diskussion wur-
de von diesem Ansatz jedoch Abstand genommen.
Die investive Förderung des kommunalen Brandschutzes erfolgt bereits jetzt zum Großteil
über Mittel im FAG. Das Umlageaufkommen nach § 25a SächsFAG kommt nach geltendem
Recht allen Gemeinden, die Schlüsselzuweisungen erhalten, zugute. Die vorgeschlagene
Finanzierung des Fonds aus dem Umlageaufkommen würde zu Lasten derer gehen, die die
Tageseinsatzbereitschaft ihrer Feuerwehr gewährleisten und daher nicht zur Inanspruch-
nahme von Mitteln aus dem Fonds berechtigt sind. Gemeinden, die eine leistungsfähige
Feuerwehr aus eigener Kraft sicherstellen, würden dadurch im Vergleich zur bisherigen
Rechtslage benachteiligt. Dies könnte Fehlanreize verursachen. Zudem erscheint ein Rück-
griff auf die Umlage in sich unstimmig, weil auch die abundanten Gemeinden, die diese Um-
lage aufbringen, Träger einer Feuerwehr sind und daher selbst potentiell anspruchsberech-
tigt sind, wenn die Einsatzbereitschaft ihrer Feuerwehr nicht gesichert ist.
Die Arbeitsgruppe hält die Einführung eines FAG-Fonds zur Förderung der Einsatzbe-
reitschaft der Feuerwehren nicht für zielführend.

69
3. Wiedereinführung der Feuerwehrabgabe
Aufgrund § 21 des Sächsischen Brandschutzgesetzes vom 2. Juli 1991 konnte die Gemein-
de von feuerwehrdienstpflichtigen Einwohnern der Gemeinde, die keinen aktiven Feuer-
wehrdienst leisten oder 25 Jahre geleistet haben, eine Feuerwehrabgabe in Höhe von bis zu
200 DM pro Jahr erheben. Ähnliche Regelungen existierten in Baden-Württemberg, Bayern
und Thüringen.
Mit Beschluss vom 24. Januar 1995 (Az.: 1 BvL 18/93 u.a.) hat das Bundesverfassungsge-
richt die Vorschriften über die Feuerwehrabgabe in Baden-Württemberg und Bayern für nich-
tig erklärt. In der Folge wurde die Feuerwehrabgabe auch in Sachsen abgeschafft.
Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts hat Gesetzeskraft. Sie bindet gemäß § 31
Abs. 1 BVerfGG alle Verfassungsorgane des Bundes und der Länder. Der Freistaat Sachsen
ist an einer Wiedereinführung der Feuerwehrabgabe gehindert, solange sich der Sachver-
halt, der dem Beschluss zugrunde lag, nicht wesentlich geändert hat.
Die AG sieht rechtlich keine Möglichkeit, eine Feuerwehrabgabe wieder einzuführen.
XVI. Alternativmodelle
Die Arbeitsgruppe hat schließlich Alternativmodelle zur Freiwilligen Feuerwehr geprüft.
1. Pflichtfeuerwehren
§ 20 SächsBRKG ermöglicht die zwangsweise Heranziehung von feuerwehrdienstpflichtigen
Einwohnern zum Feuerwehrdienst, wenn eine FF nicht zustande kommt oder ihre Mindest-
stärke nicht sichergestellt werden kann. Die Vorschrift ist mit dem Grundgesetz vereinbar,
bedarf aber verfassungskonformer Auslegung, um dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit
gerecht zu werden. Die zwangsweise Heranziehung zum Feuerwehrdienst ist demnach nur
als ultima ratio zulässig, wenn ein wirksamer Brandschutz auf andere Art und Weise nicht
mehr sichergestellt werden kann. Vorhandene Optimierungsmöglichkeiten einschließlich
Formen der interkommunalen Zusammenarbeit sind vorrangig zu nutzen.

70
Die Gemeinden sind bei Vorliegen der rechtlichen Voraussetzungen verpflichtet, von ihren
Befugnissen nach § 20 Abs. 1 SächsBRKG Gebrauch zu machen. Die zum Dienst heranzu-
ziehenden Feuerwehrdienstpflichtigen haben sie ermessensfehlerfrei auszuwählen.
§ 20 SächsBRKG stellt eine Notlösung dar, die naturgemäß nicht optimal ist. Die Bildung
einer Pflichtfeuerwehr sollte aus rechtlichen und praktischen Gründen nur dann in Betracht
gezogen werden kann, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft oder mit hoher Wahr-
scheinlichkeit nicht erfolgversprechend sind.
Die Arbeitsgruppe hält am Leitbild der Freiwilligen Feuerwehren fest. Die Bildung ei-
ner Pflichtfeuerwehr kann allenfalls das letzte Mittel zur Aufrechterhaltung des Brand-
schutzes sein.
2. Stützpunktfeuerwehren
Der Begriff „Stützpunktfeuerwehr“ wird in der öffentlichen und fachlichen Diskussion oftmals
mit unterschiedlichem Bedeutungsinhalt verwendet. Die Arbeitsgruppe versteht darunter eine
taktische Feuerwehreinheit in (mindestens) Zugstärke,
-
die mit allen notwendigen Funktionen (in Doppelbesetzung) und mit den erforderli-
chen Einsatzmitteln ausgestattet ist, und
-
die in der Regel durch hauptamtliche Kräfte die Einsatzbereitschaft an 24 Stunden
eines jeden Tages absichert, und
-
die planmäßig auch für den überörtlichen Einsatz vorgesehen ist.
Die Bildung einer Stützpunktfeuerwehr (in diesem Sinne) hat zur Folge, dass die Sicherstel-
lung des Brandschutzes auf ein Ober- oder Mittelzentrum „hochgezont“ wird. Durch diese
Lockerung des lokalen Bezugs wird perspektivisch der Charakter des Brandschutzes als
Angelegenheit der örtlichen Gemeinschaft unterlaufen.
Hinzu kommt, dass auch leistungsfähige Freiwillige Feuerwehren im Einzugsbereich einer
Stützpunktfeuerwehr weniger benötigt werden und zu „Feuerwehren 2. Klasse“ herabzusin-
ken drohen. Dies mindert die Attraktivität der Freiwilligen Feuerwehren und verschärft
dadurch weiter das Problem. Mittel- und langfristig droht die Gefahr, dass die ehrenamtlichen
Strukturen in irreversibler Weise geschädigt werden. Dies würde nicht nur den Brandschutz
beeinträchtigen; auch die soziale Funktion der Freiwilligen Feuerwehren würde entfallen.

71
Schließlich würde die konsequente Umsetzung des Stützpunktfeuerwehrmodells immense
Personalkosten mit sich bringen und dadurch die Gemeinden völlig überfordern. Selbst bei
einer Anteilsfinanzierung durch den Freistaat – die systemwidrig wäre, da der Brandschutz
eine kommunale Aufgabe darstellt – hätten die Kommunen einen erheblichen Eigenanteil zu
schultern.
Die Arbeitsgruppe spricht sich gegen die Einführung des Stützpunktfeuerwehrmodells
(im Sinne der obigen Definition) in Sachsen aus, weil es dem Leitbild des Brandschut-
zes auf ehrenamtlicher Grundlage und seinem Charakter als kommunale Aufgabe wi-
derspricht.
3. Hauptamtliche Unterstützungseinheiten
Im Unterschied zu einer Stützpunktfeuerwehr hilft eine hauptamtliche Unterstützungseinheit
den Freiwilligen Feuerwehren der Region insbesondere bei der Sicherstellung der Tagesein-
satzbereitschaft aus, ohne sie zu ersetzen. Vorrang hat die Aufgabenerledigung durch die
örtliche FF.
Die Bildung einer solchen Unterstützungseinheit (auch mit hauptamtlichen Kräften) ist bereits
nach geltendem Recht durch Abschluss von Vereinbarungen der beteiligten Kommunen zu-
lässig, muss aber vom Willen aller Beteiligten getragen werden. Anderenfalls ist auch hier
eine Schädigung des ehrenamtlichen Engagements zu befürchten.
Weitergehender Regelungsbedarf ist nicht erkennbar. Die Kosten sind von den Aufgabenträ-
gern zu tragen, da es sich um kommunales Personal zur Wahrnehmung einer kommunalen
Aufgabe handelt.
Die Arbeitsgruppe stellt fest, dass die Bildung hauptamtlicher Unterstützungseinhei-
ten zulässig ist. Es wird empfohlen, in diesem Fall darauf zu achten, dass die Brand-
schutzaufgaben vorrangig durch die örtliche Freiwillige Feuerwehr erledigt werden
und die Unterstützungseinheit nur subsidiär tätig wird.

72
XVII. Zusammenfassung
Die Arbeitsgruppe sieht das Modell „Freiwillige Feuerwehr“ auch weiterhin als zukunftsfähig
an. Bei einer konsequenten Umsetzung des Stützpunktfeuerwehrmodells würden die Freiwil-
ligen Feuerwehren zu einer „Feuerwehr 2. Klasse“ degradiert und dadurch die Mitgliederge-
winnung tendenziell noch erschwert. Außerdem ist fraglich, wie mit diesem Modell langfristig
der Charakter des örtlichen Brandschutzes als kommunale Aufgabe gewahrt werden kann.
Hauptamtliche Unterstützungseinheiten, die insbesondere am Tage neben den Freiwilligen
Feuerwehren den Brandschutz gewährleisten, können im Einzelfall sinnvoll sein, wenn sie
vom gemeinsamen Willen aller Beteiligten getragen werden. Sie können bereits nach gelten-
dem Recht durch Abschluss von Zweckvereinbarungen der beteiligten Kommunen gebilde-
ten werden. Die Bildung von Pflichtfeuerwehren kann allenfalls das letzte Mittel zur Aufrecht-
erhaltung des Brandschutzes darstellen.
Die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr einer Gemeinde ist nach Auffassung der Arbeitsgrup-
pe in der Regel gegeben, wenn – auch zu ungünstigen Zeiten (wochentags zwischen 6 und
18 Uhr) – gewährleistet ist, dass innerhalb von neun Minuten nach der Alarmierung eine
Staffel (Staffelführer, Maschinist und vier Atemschutzgeräteträger) an der Einsatzstelle ein-
trifft.
Zur Erfüllung der Schutzziele gemäß Brandschutzbedarfsplanung müssen neben der Staffel
noch mindestens drei weitere Einsatzkräfte im selben Zeitraum eintreffen und binnen weite-
ren fünf Minuten sechs zusätzliche Einsatzkräfte einschließlich der notwendigen Einsatzmit-
tel folgen.
Ausgehend von den Erhebungen in den Referenzregionen geht die Arbeitsgruppe davon
aus, dass derzeit dank der Freiwilligen Feuerwehren der Brandschutz im überwiegenden Teil
des Freistaates Sachsen gewährleistet ist. Um die Einsatzbereitschaft nachhaltig zu sichern,
bedarf es jedoch kontinuierlicher Anstrengungen von allen Beteiligten: Feuerwehren, Ge-
meinden, Landkreisen und Freistaat. Die Arbeitsgruppe hat dazu Handlungsempfehlungen
erarbeitet, die sich wie folgt zusammenfassen lassen:
1. Empfehlungen an die Feuerwehren
Die Arbeitsgruppe empfiehlt den Feuerwehren, sich vorrangig auf die Erfüllung ihrer Pflicht-
aufgaben gemäß § 16 Abs. 2 Satz 1 SächsBRKG zu konzentrieren. Nur wenn die Einsatzbe-
reitschaft es zulässt, dürfen freiwillige Aufgaben wahrgenommen werden. Insbesondere bei

73
Ölspurbeseitigungen, Türnotöffnungen und Baumfällungen sollten vorrangig Dritte beauftragt
werden, bevor die Feuerwehr alarmiert wird.
Die Mitgliederwerbung und Mitgliederpflege ist eine Aufgabe, die – ungeachtet der notwendi-
gen Unterstützung durch Gemeinde, Landkreis und Freistaat – in erster Linie nur von den
Feuerwehren selbst geleistet werden kann. Es ist erforderlich, durch gezielte Öffentlichkeits-
arbeit das Problembewusstsein der Bevölkerung hinsichtlich der Mitgliederlage der Freiwilli-
gen Feuerwehren zu schärfen. Der beste Werbeträger ist dabei der Feuerwehrmann bzw.
die Feuerwehrfrau selbst. Die Mitglieder, insbesondere die Führungskräfte der Feuerwehren,
sollten potentielle Interessenten aktiv suchen und dabei schwerpunktmäßig auf ihr persönli-
ches Umfeld (Kollegen- und Bekanntenkreis) zugehen.
Öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen wie Tage der offenen Tür oder „Blaulichttage“ kön-
nen das Wissen der Bevölkerung über Strukturen und Aufgaben der Feuerwehr verbessern,
ihre kommunalpolitische Lobby stärken und zur Mitgliederwerbung beitragen. Weiterhin soll-
ten die Feuerwehren ihre Tätigkeit in Elternabenden von Schulen vorstellen und sich für
Ganztagsangebote öffnen.
Die Arbeitsgruppe empfiehlt den Feuerwehren, die Möglichkeit der Doppelmitgliedschaft in-
tensiv zu nutzen und zu prüfen, ob unter den Mitarbeitern ortsansässiger Unternehmen neue
Mitglieder geworben werden können. Dabei kommen vor allem Arbeitnehmer in Betracht, die
an ihrem auswärtigen Wohnort bereits einer Feuerwehr angehören. Der LFV wird gebeten,
zu prüfen, inwieweit hier der Informationsfluss gewährleistet werden kann.
Durch einen wirtschaftlich verantwortungsbewussten Umgang mit Personalressourcen kön-
nen die Feuerwehren einen Beitrag zur Akzeptanz der Freistellungsregelungen bei den Ar-
beitgebern leisten.
Vor dem Hintergrund des Mitgliederrückgangs in den Freiwilligen Feuerwehren muss die
Notwendigkeit einer (auch gemeindeübergreifenden) Zusammenarbeit den Angehörigen der
Feuerwehren kommunikativ näher gebracht werden, um den flächendeckenden Brandschutz
auch künftig gewährleisten zu können. Dazu empfiehlt es sich, durch gemeinsame Dienste,
Übungen u. ä. einen engeren Kontakt zwischen den Wehren herstellen und das Zusammen-
gehörigkeitsgefühl zu steigern.
Besondere Bedeutung für die Mitgliederpflege hat die angemessene Wahrnehmung der Ko-
ordinierungs- und Vermittlungsaufgabe durch die Wehrleitung. Ein kooperativer Führungsstil
wird nur dort erfolgreich gepflegt, wo die Wehrleitung auf Ideen und Hinweise anderer rea-

74
giert. Dies gilt besonders im Verhältnis zwischen den Generationen. Die einzelnen Organe
der Feuerwehr bieten vielfältige Möglichkeiten, eine Vielzahl von Feuerwehrmitgliedern in die
Entscheidungsfindungen einzubinden.
Um dazu beizutragen, dass den Entscheidungsträgern der Gemeinde die Bedeutung der
Freiwilligen Feuerwehr als eine für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit wichtige
Einrichtung bewusster wird, empfiehlt sich insbesondere die Einladung von Abgeordneten,
Bürgermeistern und Gemeinderäten zu den Jahreshauptversammlungen der Feuerwehren.
Umgekehrt sollten Vertreter der Feuerwehren zu allen öffentlichen Veranstaltungen eingela-
den werden und daran erkennbar – d. h. in Uniform – teilnehmen.
Gerüchte, wonach bei Dienstunfällen oftmals kein Unfallversicherungsschutz gewährt werde,
treffen nicht zu. Solchen Gerüchten sollte von den Feuerwehren aktiv entgegengetreten wer-
den, weil sie geeignet sind, Interessenten von einer Mitgliedschaft abzuhalten und damit der
Einsatzbereitschaft der Freiwilligen Feuerwehren zu schaden.
2. Empfehlungen an die Gemeinden
Die Arbeitsgruppe empfiehlt den Gemeinden, eine Erfassungs- und Analysesoftware wie die
vom Fraunhofer IVI zur Verfügung gestellte zu nutzen, um eine hinreichend präzise Analyse
des Ist-Zustandes ihres Gemeindegebietes zu erlangen. Damit können Planungen mit dem
Ziel optimiert werden, Bereiche zu identifizieren, denen im Rahmen der Sicherung des
Brandschutzes verstärkt Aufmerksamkeit gewidmet werden sollte.
Bei der Erstellung oder Überarbeitung der Brandschutzbedarfspläne sollten die Kommunen
realistische Annahmen, vor allem bezüglich der Personalstärke, zugrunde legen und bei Un-
sicherheiten das Fachwissen der unteren BRK-Behörden in Anspruch nehmen. Spätestens
wenn ein neues Feuerwehrgebäude errichtet oder ein vorhandenes Gebäude mit erhebli-
chem Aufwand um- oder ausgebaut werden soll, sollte eine Standortanalyse durchgeführt
werden, um zu prüfen, ob der Standort den Erfordernissen der Einsatzbereitschaft genügt.
Die Verteilung der Einsatzmittel innerhalb der Gemeinde sollte auf die Einsatzbereitschaft
bzw. Personalstärke der jeweiligen Ortsfeuerwehr abgestimmt werden.
In den Brandschutzbedarfsplan sollten die Nachwuchsentwicklung sowie die Entwicklung bei
den Funktionsstellen einbezogen werden. Die Arbeitsgruppe empfiehlt außerdem eine „regi-
onalisierte Brandschutzbedarfsplanung“, bei der von der Gemeinde nicht nur die eigenen
Kräfte und Mittel, sondern auch die der Feuerwehren benachbarter Kommunen berücksich-

75
tigt werden. Auch die Standorte von Berufsfeuerwehren bzw. Freiwilligen Feuerwehren mit
hauptamtlichen Kräften sowie von Werkfeuerwehren könnten – auch gemeindeübergreifend
– stärker in die Brandschutzbedarfsplanung einbezogen werden.
Die Arbeitsgruppe empfiehlt den Gemeinden, die interkommunale Zusammenarbeit in geeig-
neten Fällen zu verstärken. Standorte, die sich aufgrund ihrer Lage und/oder aufgrund der
dort vorhandenen Einsatztechnik und/oder aufgrund der dort vorhandenen Einsatzbereit-
schaft dafür eignen, sollten gemeindeübergreifend genutzt werden. Lösch- und Hilfeleis-
tungsvereinbarungen sind ein weiteres geeignetes Instrument, um einen wirksamen Brand-
schutz auch über Gemeindegrenzen hinweg sicherzustellen.
Die Gemeinden sollten gezielt auf ein Engagement ihrer Verwaltungsmitarbeiter in den örtli-
chen Feuerwehren hinwirken. Ihnen kommt als Arbeitgeber eine besondere Vorbildfunktion
für andere ortsansässige Unternehmen zu.
Ferner wird den Kommunen empfohlen, ihre Doppelfunktion als Schulträger und Träger der
Feuerwehr stärker für die Brandschutzerziehung und die Gewinnung von Feuerwehrnach-
wuchs zu nutzen.
Zu Beratungen des Gemeinderats über feuerwehrrelevante Themen sollte der Gemeinde-
wehrleiter – bei Bedarf auch andere Mitglieder des Gemeindefeuerwehrausschusses – als
sachkundige Einwohner (§ 44 Abs. 1 SächsGemO) hinzugezogen werden. Mindestens ein-
mal jährlich sollte der Gemeindewehrleiter eingeladen werden, in öffentlicher Sitzung des
Gemeinderates über den Stand des örtlichen Brandschutzes zu berichten.
Die Information der Bürger über die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehr sollte von der Gemein-
de in geeigneter Weise – z. B. über das kommunale Amtsblatt – unterstützt werden.
Die Anmeldung des Bedarfs an Lehrgängen der LFS muss sich aufgrund eines Vergleichs
zwischen dem Brandschutzbedarfsplan der Gemeinde und der tatsächlichen Personalsituati-
on rechtfertigen lassen.
3. Empfehlungen an die Landkreise
Die Landkreise werden gebeten, gegenüber den kreisangehörigen Gemeinden im Rahmen
der fachlichen Beratung auf die Umsetzung der oben genannten Empfehlungen zur Optimie-
rung der Brandschutzbedarfsplanung hinzuwirken.

76
In ihrer Eigenschaft als Bewilligungsbehörde für Feuerwehrfördermittel haben die Landkreise
nach der RLFw eine Prioritätenliste aufzustellen. Die Priorisierung ist aufgrund einer feuer-
wehrfachlichen Bewertung der Dringlichkeit des beantragten Vorhabens vorzunehmen. Vor-
haben von Gemeinden, in denen die Einsatzbereitschaft gefährdet ist, sollte dabei unter Be-
rücksichtigung der Umstände des Einzelfalls in der Regel eine hohe Priorität eingeräumt
werden.
Ferner wird den Landkreisen empfohlen, die interkommunale Zusammenarbeit im Rahmen
der Feuerwehrförderung zu forcieren. Beschaffungen sind nur förderfähig, wenn sie auch
unter Berücksichtigung der Ausrüstung benachbarter Feuerwehren notwendig sind (Ziff. IV
Nr. 1 RLFw). Darauf sollte künftig noch stärker Wert gelegt werden.
Bei der Ermittlung des Lehrgangsbedarfs an der LFS kommt den Landkreisen eine Bera-
tungs- und Koordinierungsfunktion zu. Es ist ihre Aufgabe, die von den Gemeinden übermit-
telten Bedarfszahlen anhand des jeweiligen Brandschutzbedarfsplans auf ihre Angemessen-
heit zu prüfen.
Sind in einer Gemeinde notwendige Funktionsstellen unbesetzt oder werden sie in naher
Zukunft frei, ohne dass ausgebildete Nachfolger zur Verfügung stehen, sollten der Kreis-
brandmeister oder die zuständigen Stellvertreter den sich ergebenden Ausbildungsbedarf bei
der Vergabe von Lehrgangsplätzen vorrangig berücksichtigen – ggf. auch unter Zurückstel-
lung von Ausbildungswünschen von Feuerwehren mit ausreichend qualifiziertem Personal.
4. Empfehlungen an den Freistaat
Die investive Feuerwehrförderung schafft angemessene Rahmenbedingungen, stärkt die
Attraktivität des Ehrenamts und wirkt sich dadurch positiv auf die Einsatzbereitschaft der
Freiwilligen Feuerwehren aus. Sie sollte auf hohem Niveau fortgeführt werden. Um einen
starken Anreiz für die interkommunale Zusammenarbeit zu schaffen, sollte dafür im Rahmen
der RLFw ein erhöhter Fördersatz ermöglicht werden.
Die Jugendfeuerwehren sind das wichtigste Potential für die Nachwuchsgewinnung der
Freiwilligen Feuerwehren. Deshalb sollten die Mittel, die der LFV zur Förderung der Jugend-
feuerwehren erhält, erhöht werden. Des Weiteren sollten die Gemeinden vom Freistaat bei
der Deckung des Grundbedarfs an Schutzkleidung, Ausbildungsmaterialien etc. durch einen
Pauschalbetrag pro JF-Mitglied unterstützt werden.

77
Die Arbeitsgruppe empfiehlt die Erstellung einer Broschüre, die als Handreichung für die
sächsischen Schulen dienen soll, um die vorhandenen Lehrplaninhalte zu Brandschutzthe-
men in Eigenverantwortung der Schule besser umzusetzen. Die Broschüre sollte an alle
Schulen und Feuerwehren im Freistaat Sachsen verteilt werden.
An der Altersgrenze von acht Jahren für den Eintritt in die Jugendfeuerwehr sollte festgehal-
ten werden. Das SMI wird gebeten, die bereits bestehenden Möglichkeiten zur Bildung von
Kinderfeuerwehren den Kommunen in geeigneter Weise darzustellen. Außerdem wird das
SMI gebeten, zu prüfen, ob die Kosten einer Zusatzversicherung für Kinderfeuerwehren vom
Staatshaushalt getragen werden können.
Die Arbeitsgruppe empfiehlt dem SMI, in einem Schreiben an die Arbeitgeber der Angehöri-
gen der Freiwilligen Feuerwehren für die Beschäftigung von Feuerwehrleuten zu danken und
zugleich auf die gesetzlichen Freistellungspflichten hinzuweisen. Außerdem sollte auf den
Anspruch auf Erstattung der Lohnfortzahlungskosten aufmerksam gemacht werden. Damit
die Arbeitgeber diesen Anspruch schnell und unbürokratisch geltend machen können, sollte
dem Schreiben ein mit dem Sächsischen Städte- und Gemeindetag abgestimmter Muster-
Erstattungsantrag beigefügt werden.
Um dem z. T. erheblichen Verwaltungsaufwand Rechnung zu tragen, sollte den Kommunen
durch Änderung des SächsBRKG die Möglichkeit eingeräumt werden, einen Gemeindewehr-
leiter hauptamtlich zu bestellen; in diesem Fall sollten die Vorschriften über Wahl und Wie-
derwahl keine Anwendung finden.
Zur Entlastung der ehrenamtlichen Feuerwehrangehörigen empfiehlt die Arbeitsgruppe, den
Umfang der im Rahmen der Feuerwehrstatistik zu erhebenden Daten auf das für die Aufga-
benerfüllung der BRK-Behörden notwendige Maß zu reduzieren und die Erfassung mit Hilfe
einer webbasierten Plattform vorzunehmen. Diese Plattform sollte auch Schnittstellen zu den
Leitstellen vorsehen, um unnötige Mehrfacherfassungen zu vermeiden.
In Anlehnung an § 14 Abs. 1 SächsBRKG sollte eine gesetzliche Regelung geschaffen wer-
den, um an der LFS einen Einsatzdienst einzurichten.
Die Arbeitsgruppe regt an, durch Änderung des § 69 SächsBRKG eine umfassendere De-
ckung der Kosten von Feuerwehreinsätzen zu ermöglichen. In Anlehnung an das Benut-
zungsgebührenrecht des Sächsischen Kommunalabgabengesetzes sollten die Ansprüche
der Gemeinden wie Gegenleistungen für die Inanspruchnahme der kommunalen Einrichtung
Feuerwehr ausgestaltet werden. Die Arbeitsgruppe spricht sich ferner dafür aus, dass Vor-

78
haltekosten grundsätzlich in die Kostenkalkulation einbezogen und auf der Basis der Jahres-
einsatzstunden umgelegt werden können.
Das SMI sollte auch weiterhin geeignete Werbemittel zentral zur Verfügung stellen, die von
den Feuerwehren für ihre Mitgliederwerbung genutzt werden können. Der neue Videoclip
„Helden gesucht“ sollte landesweit in den Kinos gezeigt werden.
Die Arbeitsgruppe begrüßt die Steigerung der Ausbildungsplatzkapazität der Landes-
feuerwehr- und Katastrophenschutzschule. Externe Lehrgänge sollten auch künftig durchge-
führt werden, wenn ein Bedarf dafür besteht und ihre Auslastung sichergestellt werden kann.
Die Arbeitsgruppe empfiehlt, die Anmeldung zu Aus- und Fortbildungsmaßnahmen an der
Schule auf ein elektronisches Verfahren umzustellen, sofern dies datenschutzrechtlich zu-
lässig ist.
Einheitliche Lehrunterlagen tragen nicht nur zur Erhöhung der Ausbildungsqualität bei, son-
dern minimieren auch den Aufwand der ehrenamtlichen Ausbilder und entlasten damit die
Freiwilligen Feuerwehren. Die Arbeitsgruppe spricht sich dafür aus, die vorhandenen Ange-
bote auf CSA-Träger, Atemschutzgeräteträger, Sprechfunker und Maschinisten auszuweiten.
Um den Unfallversicherungsschutz für Angehörige der Freiwilligen Feuerwehr noch weiter zu
verbessern, empfiehlt die Arbeitsgruppe dem Freistaat, einen Entschädigungsfonds nach der
Musterrichtlinie der DGUV für Unterstützungsleistungen im Zusammenhang mit dem Dienst
in Feuerwehren einzurichten. Die VwV-Zusatzleistungen sollte der Preisentwicklung ange-
passt werden.
Im Zuge einer Novellierung der SächsFwVO sollten die Empfehlungen der Arbeitsgruppe zur
Optimierung der Brandschutzbedarfsplanung eingearbeitet werden. Sie sollten auch bei
Lehrgängen an der LFS vermittelt werden.
5. Ebenenübergreifende Empfehlungen
Die Arbeitsgruppe hält eine angemessene Würdigung für erforderlich, um das Ehrenamt in
der Freiwilligen Feuerwehr attraktiv zu halten und dadurch den Brandschutz im Freistaat
Sachsen flächendeckend gewährleisten zu können. Diese Würdigung kann durch finanzielle
Leistungen, aber auch auf andere Weise ausgedrückt werden. Entscheidend ist nicht die
Form der Würdigung. Vielmehr kommt es darauf an, dass dem Feuerwehrkameraden über-
zeugend das Gefühl vermittelt wird, dass sein persönliches Engagement von der Gesell-
schaft wertgeschätzt wird.

79
Die Arbeitsgruppe empfiehlt den öffentlichen Verwaltungen, bei Einstellungsentscheidungen
eine Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten
zu berücksichtigen.
Ein sich auch auf den Brandschutz positiv auswirkender Anreiz für die Mitgliedschaft in den
Katastrophenschutzeinheiten könnte geschaffen werden, wenn bei mindestens vierjähriger
Verpflichtung das Kindergeld ein Jahr länger gezahlt wird. Zur Umsetzung dieses Vorschlags
bedarf es einer Änderung des Bundeskindergeldgesetzes. Dem SMI wird empfohlen, diesen
Vorschlag mit den anderen Ländern in der IMK abzustimmen und zum Gegenstand einer
Bundesratsinitiative zu machen.

80

81
A n l a g e n

82

Anlage 1
Mitglieder der Arbeitsgruppe
„Freiwillige Feuerwehren Sachsen 2020“
Für das Sächsische Staatsministerium des Innern:
-
Klaus Permesang, Referatsleiter Brandschutz, Rettungsdienst, Katastrophenschutz
-
Thomas Starke, Referent Brandschutz
-
Daniela Dietel-Kohlmann, Sachbearbeiterin Brandschutz
-
Ehrenfried Krause, Sachbearbeiter Brandschutz
Für die Landesfeuerwehr- und Katastrophenschutzschule Sachsen:
-
René Kraus, Leiter der LFS und Landesbranddirektor
-
Danny Lohse, Ausbilder im Fachbereich Technik der LFS, stellvertretender
Ortswehrleiter
Für den Sächsischen Städte- und Gemeindetag e. V.:
-
Kathrin Seubert, Referentin der Geschäftsstelle u. a. für BRK-Angelegenheiten
-
Frank Schöning, Bürgermeister der Gemeinde Kreischa, Zugführer FF
Für den Sächsischen Landkreistag e. V.:
-
Veronika Lowke, Referentin der Geschäftsstelle u. a. für BRK-Angelegenheiten
-
Karsten Neumann, Kreisbrandmeister des Landkreises Sächsische Schweiz-
Osterzgebirge
Für den Landesfeuerwehrverband Sachsen e. V.:
-
Karl-Heinz Filusch, stellvertretender LFV-Vorsitzender, Sachgebietsleiter Brand- und
Katastrophenschutz bei der Stadt Mittweida
Für das Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI:
-
Dr.-Ing. Kamen Danowski, Abteilungsleiter Strategie und Optimierung
-
Patrick Brausewetter, Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Jahresstatistik 2013
Landesdirektion Sachsen
(Stichtag: 31. Dezember des Jahres)
Anlage 2
Freistaat Sachsen
Landesdirektion Sachsen
Landkreis(e)
10
Kreisfreie Stadt(Städte)
3
Städte / Gemeinde(n)
438
Ortsteil(e)
Einwohnerzahl
4.047.170
Ortsklasse
Berufs-
feuerwehr
Freiwillige
Feuerwehr
Jugend-
feuerwehr
anerkannte
Werkfeuerwehr
Betriebs-
feuerwehr
Organisation und Aufgaben - Ausbildung
Gemeindefeuerwehr(en) / Fw gesamt
8
438
0
11
16
Anzahl Ortsfeuerwehr(en)
1.799
974
Feuerwehrhäuser / -Wachen (gesamt)
18
1.865
12
15
davon mit ständiger Besetzung
18
4
9
9
Rettungsdienst
4
0
2
0
und Krankentransport
5
0
1
0
Notarztwagen-Betrieb(
NEF
)
5
0
0
0
Strahlenschutz
2
9
0
0
(örtl. und überörtl.)
7
15
1
0
3
6
0
0
6
1
0
1
Musiktreibende Züge in der Feuerwehr
0
48
0
0
Mitglieder
Aktive Mitglieder (gesamt)
1.694
44.010
11.898
660
284
davon G 26 Untersuchung
1.514
16.826
559
84
- Hauptberufliche Aktive (gesamt)
1.694
124
284
37
Höherer Dienst (A13 - B)
16
0
0
0
Gehobener Dienst (A9 - A13)
170
11
22
0
Mittlerer Dienst (A7 - A9)
1.455
82
177
0
Technische Angestellte
52
24
6
1
Lohnempfänger
1
7
79
36
weibliche Aktive
30
3.797
2.734
18
0
Musiker (nur aktive FM/JFM)
0
837
19
0
0
Mitglieder (ehem. Aktive)
90
21.318
i. d. Alters- und Ehrenabteilungen
0
0
davon weiblich
8
4.003
Im Feuerwehrdienst:
0
33
0
0
0
- verunglückte / verletzte Aktive
103
226
13
18
0
- tödlich verunglückte Aktive
0
0
0
0
0
Ausbildungsstand aktive Mitglieder
davon
Truppmann
25.797
374
171
Truppführer
23.286
457
126
Atemschutzgeräteträger
19.051
547
103
Sprechfunker
31.781
600
129
Maschinisten
411
14.807
355
50
Gruppenführer
505
8.226
136
39
Zugführer
3.072
44
22
Leiter FF
2.622
24
11
Führer von Einheiten (größer Zug)
1.037
14
2
Gerätewarte
171
2.110
49
9
Atemschutzgerätewart
182
1.249
57
6
EMKS
2
)
574
17.768
259
20
Kreisausbilder
davon Maschinisten
179
242
13
2
Truppmann / Truppführer
286
535
98
2
Sprechfunker
283
309
43
0
Atemschutzgeräteträger
59
197
9
1
EMKS
2
)
22
175
0
0
Jugendfeuerwehrwarte
2
114
4
2
Ausbildungsstunden
davon laufende Ausbildung
197.219
1.734.992
190.715
32.544
4.078
Kreisausbildung
19.723
225.318
318
326
an der Landesfeuerwehrschule
46.289
137.697
8.669
506
oder gleichwertiger Einrichtung
0
0
Tauchdienst / Höhenrettung
(örtl. und überörtl.)
Feuerwehren mit
zusätzl. Aufgaben:
in Anzahl der Aktiven
enthalten
hauptber.
Aktive

image
image
Anlage 3

Über 60 Millionen für den Brandschutz
in Sachsen 2013:
Investitionsförderung*
21.300
Förderung Einführung BOS-Digitalfunk
211
Unterhaltungskosten LFS
3.800
Ausbau der LFS**
4.000
Förderung LFV und JF
453
Jubiläumszuwendungen / Feuerwehr-Ehrenzeichen
509
Fluthilfe Feuerwehr
21.719
Ersatzneubauten von Fw-Gebäuden**
10.000
Landesfeuerwehrball
25
zusätzliche Unfallversicherungsleistungen
16
Landesanteil DIN/Brandschutzforschung
31
Öffentlichkeitsarbeit
20
Erstellung Fw-App
82
Gesamtbetrag
62.166
Verwendung
Betrag in Tsd. EUR
* Zusätzlich wurden in der Förderperiode 2007 bis 2013 EFRE-Mittel in Höhe
von 14,585 Mio. EUR aus den Programmen zur Förderung der
grenzübergreifenden Zusammenarbeit zwischen dem Freistaat Sachsen
und Polen sowie der Tschechischen Republik bewilligt.
** Mittelbereitstellung
Anlage 4

image
image
Anlage 5
1
Vorstellung der Anwendung der Erfassungs- und Analysesoftware
in der Referenzregion Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
In der Referenzregion Sächsische Schweiz-Osterzgebirge wurde eine landkreisweite
Analyse zur Einhaltung der Eintreffzeiten und damit zur Abdeckung von Fläche und
Bevölkerung durchgeführt. Dabei wurden auch regionale Defizite untersucht.
Ausgewählte Analyseergebnisse sind auf den folgenden Grafiken dargestellt:
Darstellung der Bereiche, die von allen Feuerwehrstandorten innerhalb einer Eintreffzeit
von neun Minuten nach der Alarmierung erreicht werden können.
- unabhängig von der Anzahl der tatsächlich verfügbaren Einsatzkräfte und Einsatzmittel –
Standort
Erreichbare Bereiche innerhalb einer Eintreffzeit von neun Minuten nach der
Alarmierung

image
image
image
2
Darstellung der Bereiche, die von allen Feuerwehrstandorten innerhalb einer Eintreffzeit
von neun Minuten nach der Alarmierung erreicht werden können.
- ausgenommen sind Standorte, die sich selbst als nicht tageseinsatzbereit einschätzen -
(wochentags 6:00 – 18:00 Uhr)
Standort einsatzbereit
Standort nach Selbsteinschätzung nicht einsatzbereit
Erreichbare Bereiche innerhalb einer Eintreffzeit von neun Minuten nach der
Alarmierung

image
image
image
image
3
Darstellung der Bereiche, die von allen Feuerwehrstandorten innerhalb einer Eintreffzeit
von neun Minuten nach der Alarmierung erreicht werden können.
- ausgenommen sind Standorte, die sich selbst als nicht tageseinsatzbereit einschätzen oder bei denen
weniger als 33 % der Ausrücke-Stärke anhand des Standort-Typs (nach Selbsteinschätzung)
tatsächlich verfügbar sind-
(wochentags 6:00 – 18:00 Uhr)
Standort einsatzbereit
Standort nach Selbsteinschätzung nicht einsatzbereit
Standorte bei denen weniger als 33% der Ausrücke-Stärke anhand des Standort-
Typs (nach Selbsteinschätzung) tatsächlich verfügbar sind
Erreichbare Bereiche innerhalb einer Eintreffzeit von neun Minuten nach der
Alarmierung

image
4
Für Gebiete mit bestehenden Defiziten in der Erfüllung einer Eintreffzeit von neun Minuten
wurde bei den Analysen geprüft, ob die beim kritischen Wohnungsbrand zugrunde gelegten
15 Funktionen innerhalb des Zeitintervalls erreicht werden können. Dabei wurden keine
Gemeindegebietsgrenzen berücksichtigt. Im Folgenden werden einige ausgewählte
Ergebnisse dargestellt:
Standortmodell Variante 1 nach Selbsteinschätzung
(
grün:
Darstellung der Bereiche, die von allen Feuerwehrstandorten innerhalb einer Eintreffzeit
von neun Minuten nach der Alarmierung erreicht werden können und nach weiteren 4 Minuten sich mind. 15 Funktionen an der
Einsatzstelle befinden. /
orange:
unzureichender Erfüllungsgrad)

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Standortmodell Variante 2
(
grün:
Darstellung der Bereiche, die von allen Feuerwehrstandorten innerhalb einer Eintreffzeit
von neun Minuten nach der Alarmierung erreicht werden können und nach weiteren 4 Minuten sich mind. 15 Funktionen an der
Einsatzstelle befinden. /
orange:
unzureichender Erfüllungsgrad)
Ausgehend aus der begrenzten Leistungsfähigkeit der lokalen Feuerwehren wurden
Analysen mit veränderten Bemessungsgrundlagen durchgeführt. Dabei wurde die
Überlegung zugrunde gelegt, dass die kleinste taktische Einheit, die selbständig an einer
Einsatzstelle tätig werden kann, mindestens über die Stärke einer Staffel im Sinne der FwDV
3 verfügen muss. Dabei kommt es nicht darauf an, ob diese Einsatzkräfte mit einem
Einsatzfahrzeug oder mehreren Einsatzfahrzeugen die Einsatzstelle erreichen und ob die
Einsatzfahrzeuge von einem oder mehreren Standorten kommen.

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Analyse mit geänderter Bemessungsgrundlage
(
grün:
Darstellung der Bereiche, die von allen Feuerwehrstandorten innerhalb einer Eintreffzeit
von neun Minuten nach der Alarmierung erreicht werden können und nach weiteren 4 Minuten sich mind. 15 Funktionen an der
Einsatzstelle befinden. /
orange:
unzureichender Erfüllungsgrad)
Darüber hinaus wurden für Gebiete mit bestehenden Defiziten auch gemeindeübergreifende
Brandschutzkonzepte untersucht und verschiedene Varianten analysiert.
Anwendungsbeispiel in der Referenzregion zur Ermittlung eines optimalen Standortes
für eines neues Gerätehaus für drei Feuerwehrstandorte (Angestrebtes Projekt 2013)
Eine Anwendung betraf die Entwicklung von Varianten für die Standorte Hohburkersdorf,
Stürza und Heeselicht im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, bei denen es aktuell
keine ausreichende Abdeckung gibt. Ausgehend von der Einsatzbereitschaft der
Einsatzkräfte (insgesamt bzw. ASGT) zu verschiedenen Tageszeiten und Ausrückezeiten
sowie der verfügbaren Fahrzeuge unter Betrachtung der Fahrtgeschwindigkeit wurde die
Abdeckung der Fläche und der Bevölkerung innerhalb einer Eintreffzeit von neun Minuten
ausgewertet. Dabei wurden verschiedene Analysekriterien zugrunde gelegt:

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1. Abdeckung von jedem einzelnen Standort
Standort
Einsatzkräfte
wochentags
6:00 - 18:00
Einsatzkräfte
wochentags
18:00 - 6:00
Einsatzkräfte
Wochenende
und Feiertage
Ausrückezeit
Fahrzeuge
Hohburkersdorf
3/0
5/0
5/0
5 Minuten
1 KLF
Stürza
6/2
9/4
9/4
5 Minuten
1 LF 16
Heeselicht
4/2
6/4
6/4
8 Minuten
1 KLF
2. Gesamtabdeckung des Gebietes
„6 / 2“ bedeutet: sechs Einsatzkräfte, davon zwei ASGT

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3. Qualität der Abdeckung (welche Fahrzeuge mit wie vielen Einsatzkräften (insbesondere:
mit wie vielen ASGT) erreichen welche einzelnen Bereiche?)
Der von jeweils einem Standort erreichbare Bereich innerhalb einer Eintreffzeit von
neun Minuten
Der von den Standorten Stürza und Hohburkersdorf erreichbare Bereich innerhalb
einer Eintreffzeit von neun Minuten nach der Alarmierung (vorausgesetzt gleichzeitige
Alarmierung ist erfolgt)
Der von den Standorten Heeselicht, Stürza und Hohburkersdorf erreichbare Bereich
innerhalb einer Eintreffzeit von neun Minuten nach der Alarmierung (vorausgesetzt
gleichzeitige Alarmierung ist erfolgt)

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4. Abdeckung aus einem potentiellen neuen Standort
Erreichbarer Bereich des geplanten Standortes innerhalb einer Eintreffzeit
von neun Minuten nach der Alarmierung

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5. Überdeckung der Ausrückebereiche mit denen aus benachbarten Standorten
Erreichbarer Bereich eines Standortes innerhalb einer Eintreffzeit von neun Minuten
nach der Alarmierung
Erreichbarer Bereich mehrerer Standorte innerhalb einer Eintreffzeit von neun
Minuten nach der Alarmierung (vorausgesetzt gleichzeitige Alarmierung ist erfolgt)

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iRescue
Apps und Dienste für Einsatzkräfte
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K. Froitzheim, F. Gommlich, G. Heyne
Anlage 6

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TU-Freiberg/Informatik
TU Bergakademie Freiberg
Institut für Informatik
Lehrstuhl Internet Multimedia
-
Apps in Forschung und Lehre
-
Studentisches Informationssystem myTU
-
Projekt ASiST
-
Robotik und Fernsteuerung

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iRescue/Entstehung
Frank Gommlich
-
Freiwillige Feuerwehr
-
Anforderungen
-
Entwurf mit J. Heichen
-
Atemschutz, Rettungskarten
Bachelorarbeit Chr. Seidel
-
Hydrantenkarte
-
Gefahrguttafeln
Entwicklung mit Bordmitteln

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iRescue/heute
PKW-Rettungskarten
-
einige aus dem Internet geladen
-
keine Rechte für öffentliche Verteilung
Zeitüberwachung Atemschutz
Gefahrguttafeln
-
optische Erkennung oder manuelle Eingabe
-
Stoffname und ERI-Cards
Hydrantenkarte
-
Open Street Map als Basis
-
Hydranten in OSM von Freiwilligen eingepflegt (ca. 65.000)

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iRescue/Erweiterungen
Hydrantenplan
-
Routing
-
Wasserförderung
PKW-Rettungskarten
-
komplette Datenbank
-
Kennzeichen scannen
-
Fahrzeugtyp aus Anfrage KBA-ZFZR
Lagemanagement, …
Dokumentation
Portierung Android
bei externem Interesse

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iRescue
Kompetenz IfI
-
Apps seit 2008
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Awareness
Prototyp iRescue
-
Auch andere Apps zum Thema
iRescue zum “Produkt” entwickeln
-
Weiterentwicklung
-
Datenbasis und Rechte
-
Feldtest
-
Projekt

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Anlage 7

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Anlage 8

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Anlage 9

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