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SÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM DES INNERN
01095 Dresden
lt. Verteiler
Erlass zur Abgrenzung zwischen Kinder- und Jugendfeuerwehren im
Freistaat Sachsen
Mit der am 1. April 2015 in Kraft getretenen Änderung des SGB VII wurde
der gesetzliche Versicherungsschutz in § 2 Abs. 1 Nr. 12 um den Personen-
kreis erweitert, der an satzungsmäßigen Veranstaltungen, die der Nach-
wuchsförderung dienen, teilnimmt.
Damit besteht für Kinderfeuerwehren, die als
andere Abteilung
nach § 18
Abs. 5 SächsBRKG in der Freiwilligen Feuerwehr gebildet werden, nunmehr
gesetzlicher Versicherungsschutz.
Zur Abgrenzung der Kinderfeuerwehren von den Jugendfeuerwehren sind
nachfolgende Grundsätze zu beachten:
1. Kinderfeuerwehr
1.1 Einrichtung der Kinderfeuerwehr
Freiwilligen Feuerwehren können Kinderfeuerwehren als „andere Abteilung”
i.S. des § 18 Abs. 5 SächsBRKG bilden. Die Entscheidung über die Einrich-
tung einer Kinderfeuerwehr trifft die örtliche Brandschutzbehörde durch Sat-
zungsbeschluss. Mit der Bildung einer Kinderfeuerwehr sind die erforderli-
che Gefährdungsbeurteilung nach § 5 des Arbeitsschutzgesetzes und die
notwendigen Schutzmaßnahmen anzupassen.
In die Kinderfeuerwehren sollen zur Vorbereitung auf eine Aufnahme in die
Jugendfeuerwehr Kinder aufgenommen werden, die mindestens das fünfte
Lebensjahr vollendet haben.
Kinderfeuerwehren werden von der Jugendfeuerwehr Sachsen (JF Sach-
sen) im Landesfeuerwehrverband Sachsen e.V. statistisch erfasst, ihre
Gründung ist der JF Sachsen anzuzeigen. Die Übernahme in die Jugend-
feuerwehr soll ab dem vollendeten achten Lebensjahr gewährleistet sein
und spätestens mit Vollendung des zehnten Lebensjahres erfolgen.
1.2 Qualifikation von Betreuerinnen und Betreuern der Kinderfeuerwehr
Die Leitung der Kinderfeuerwehr soll durch Personen erfolgen, die pädago-
gisch geschult sind oder fachlich besonders für den Umgang mit Kindern
qualifiziert sind; die Zugehörigkeit zur Einsatzabteilung ist nicht erforderlich.
Für Leiterinnen und Leiter (Kinderfeuerwehrwart) sowie Betreuer in einer
Ihr/-e Ansprechpartner/-in
Daniela Dietel-Kohlmann
Durchwahl
Telefon +49 351 564-3378
Telefax +49 351 564-3379
daniela.dietel-kohlmann@
smi.sachsen.de*
Aktenzeichen
(bitte bei Antwort angeben)
37-1510/77
Dresden,
2. Oktober 2015
Hausanschrift:
Sächsisches Staatsministerium
des Innern
Wilhelm-Buck-Str. 2
01097 Dresden
www.smi.sachsen.de
Verkehrsanbindung:
Zu erreichen mit den Straßen-
bahnlinien 3, 6, 7, 8, 13
Besucherparkplätze:
Bitte beim Empfang Wilhelm-
Buck-Str. 2 oder 4 melden.
*Kein Zugang für verschlüsselte
elektronische Dokumente.

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Kinderfeuerwehr wird die Teilnahme an dem von der JF Sachsen angebotenen Semi-
nar für Kinderbetreuer und an einer Ausbildung als Jugendleiterin oder Jugendleiter
empfohlen.
Betreuer, die nicht der Freiwilligen Feuerwehr angehören, müssen von der Gemeinde
für die Tätigkeit in der Kinderfeuerwehr schriftlich beauftragt werden. In der Beauftra-
gung ist festzulegen, welche konkreten Aufgaben dem Betreuer in der Kinderfeuerwehr
übertragen werden.
Der Kinderfeuerwehrwart muss im Besitz der bundeseinheitlichen Card für Jugendleiter
(Juleica) sein. Diese ist Grundlage für den speziellen Lehrgang der JF Sachsen.
Auf die Verpflichtung des Trägers der öffentlichen Jugendhilfe (§ 72a SGB VIII), sich
von der persönlichen Eignung der in der Kinder- und Jugendhilfe eingesetzten Betreuer
durch Vorlage eines Führungszeugnisses nach § 30a BZRG zu überzeugen, wird hin-
gewiesen.
Die Gesamtverantwortung des Gemeindewehrleiters bleibt unberührt.
1.3 Tätigkeit in der Kinderfeuerwehr
Eine feuerwehrtechnische Ausbildung von Angehörigen der Kinderfeuerwehr findet
nicht statt. Die Kinder sind - unter besonderer Berücksichtigung ihres körperlichen und
geistigen Entwicklungsstandes und ihrer Leistungsfähigkeit - spielerisch und sportlich
zu beschäftigen. Die Brandschutzerziehung soll gefördert werden.
1.4 Besondere Grundsätze für Tätigkeiten in der Kinderfeuerwehr
1.4.1 Bei Erläuterung von Einrichtungen und Geräten ist ein ausreichender Sicher-
heitsabstand einzuhalten. Handlungen, bei denen Kinder durch gesundheitsgefährden-
de Einflüsse (z. B. Wärme, Kälte, Nässe, Druck, Lasten) gefährdet werden können,
sind zu unterlassen.
1.4.2 Tätigkeiten mit Wasserabgabe aus Feuerlöschschläuchen sind nicht zulässig
(ausgenommen von den Kindern betätigte Kübelspritzen mit D-Strahlrohr).
1.4.3 Praktische feuerwehrtechnische Übungen sind nicht zulässig.
1.4.4 Bei der Mitnahme von Kindern in Fahrzeugen ist besonders auf die Einhaltung
von § 21 StVO zu achten.
2. Jugendfeuerwehr
2.1 Einrichtungen der Jugendfeuerwehr
In den Freiwilligen Feuerwehren können Jugendfeuerwehren nach § 18 Abs. 5 Sächs-
BRKG gebildet werden. Die Entscheidung über die Einrichtung einer Jugendfeuerwehr
trifft die örtliche Brandschutzbehörde durch Satzungsbeschluss. Jugendfeuerwehren
werden von der JF Sachsen statistisch erfasst; ihre Gründung ist der JF Sachsen an-
zuzeigen.
Mitglied einer Jugendfeuerwehr kann nach § 18 Abs. 5 Satz 2 SächsBRKG in der Re-
gel sein, wer das achte Lebensjahr vollendet hat. Die Übernahme in den aktiven Dienst
der Freiwilligen Feuerwehr soll ab vollendetem 16. Lebensjahr gewährleistet sein und
bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres erfolgen.

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2.2 Qualifikationen der Jugendfeuerwehrwarte
Die Jugendfeuerwehr wird von dem Jugendfeuerwehrwart geleitet. Die Aus- und Fort-
bildung der Jugendfeuerwehrwarte erfolgt nach der Richtlinie der JF zur Durchführung
der Aus- und Fortbildung von Jugendfeuerwehrwarten (Ausbildungsrichtlinie der JF
Sachsen).
Jugendfeuerwehrwarte sowie deren Stellvertreter sollen die Voraussetzungen für die
Ausstellung der bundeseinheitlichen Card für Jugendleiterinnen und Jugendleiter (Ju-
leica) erfüllen. Die Teilnahme an Fortbildungslehrgängen der JF Sachsen wird für alle
zur Ausbildung und Betreuung in der Jugendfeuerwehr dauerhaft eingesetzten Feuer-
wehrangehörigen empfohlen.
Auf die Verpflichtung des Trägers der öffentlichen Jugendhilfe (§ 72a SGB VIII), sich
von der persönlichen Eignung der in der Kinder- und Jugendhilfe eingesetzten Betreue-
rinnen und Betreuer durch Vorlage eines Führungszeugnisses nach § 30a BZRG zu
überzeugen, wird hingewiesen.
Die Gesamtverantwortung des Gemeindewehrleiters bleibt unberührt.
2.3 Ausbildung in der Jugendfeuerwehr
Die Ausbildung in der Jugendfeuerwehr soll zu 50% allgemeine Jugendarbeit und 50%
feuerwehrtechnische Ausbildung beinhalten. Die feuerwehrtechnische Ausbildung von
Mitgliedern der Jugendfeuerwehr darf nur unter Beachtung der Unfallverhütungsvor-
schriften, der für die Feuerwehren eingeführten Ausbildungsanleitungen und unter be-
sonderer Berücksichtigung der persönlichen Leistungsfähigkeit der Mitglieder der Ju-
gendfeuerwehr erfolgen. Die Mitglieder der Jugendfeuerwehr sind für die praktische
feuerwehrtechnische Ausbildung und für Übungen mit Schutzkleidung entsprechend
der Bekleidungsordnung der Deutschen Jugendfeuerwehr auszurüsten. Übungen sind
als Grundübungen zu gestalten; Einsatzübungen mit ernstfallmäßigem Charakter sind
verboten.
2.4 Besondere Grundsätze für die Ausbildung in der Jugendfeuerwehr
2.4.1 Bei Erläuterung von Einrichtungen und Geräten ist ein ausreichender Sicher-
heitsabstand einzuhalten.
2.4.2 Bei Ausbildungsmaßnahmen und Übungen mit Wasser ist sicherzustellen, dass
eine direkte fachliche Aufsicht erfolgt und ein sofortiges Eingreifen durch qualifizierte
Feuerwehrmitglieder, die mindestens die Truppführerausbildung abgeschlossen haben,
gewährleistet ist. Außerdem ist der Wasserdruck durch ein Druckbegrenzungsventil
unmittelbar vor dem Verteiler auf höchstens drei bar zu begrenzen. Die Nutzung einer
Schnellangriffsvorrichtung ist nicht zulässig.
2.4.3 Die Verwendung von Atemschutzgeräten und besonderer Schutzausrüstungen
(z.B. CSA, Strahlen- und Hitzeschutzanzüge usw.), der Einsatz von BOS-
Sprechfunkgeräten im 4-m-Band bzw. im TMO-Betrieb, die Nutzung von Alarmierungs-
geräten und Alarmeinrichtungen im Straßenverkehr (Sondersignalanlagen) sowie die
Verwendung von Hilfeleistungsgerät (z.B. Motorsäge, hydraulisches Rettungsgerät,
Mehrzweckzug usw.) sind verboten.

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2.4.4 Praktische feuerwehrtechnische Ausbildungsmaßnahmen sind nur im Rahmen
der Jugendfeuerwehr und ohne Zeitdruck durchzuführen. Die Zusammenarbeit mehre-
rer Jugendfeuerwehren - auch ortsfeuerwehrübergreifend - ist grundsätzlich zulässig.
Die Durchführung von Großübungen mit ernstfallartigem Charakter (z.B. Einsatz- oder
Alarmübungen) ist mit dem Ausbildungsauftrag der Jugendfeuerwehr nicht zu vereinba-
ren und daher verboten. Bei der Mitnahme von Kindern in Fahrzeugen ist besonders
auf die Einhaltung von § 21 StVO zu achten.
2.4.5 Bei Vorbereitung und Abnahme der Leistungsspange und bei Wettbewerben ent-
sprechend den einschlägigen Bestimmungen der Deutschen Jugendfeuerwehr oder der
JF Sachsen ist die Leistungsfähigkeit der Mitglieder der Jugendfeuerwehr in besonde-
rem Maß zu berücksichtigen.
Klaus Permesang
Referatsleiter Brandschutz,
Rettungsdienst, Katastrophenschutz