5. Strategisches Ziel: Digitalisierung der Verwaltung
und öffentlicher Institutionen vorantreiben

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Digitalisierung der Verwaltung und öffentlicher Institutionen vorantreiben
5. Strategisches Ziel: Digitalisierung der Verwaltung
und öffentlicher Institutionen vorantreiben
Anspruch an Verwaltung und öffentliche Institutionen sind
bürgernahe, leistungsfähige, aber auch wirtschaftliche
Strukturen. Der Freistaat Sachsen wird die Potenziale der
IT umfassend nutzen, sowohl zur Steigerung der Effizienz
innerhalb der Verwaltung und öffentlicher Institutionen als
auch zur Verbesserung des Services für Bürgerinnen und
Bürger sowie Unternehmen. IT ist heute unverzichtbares
Arbeitsmittel und kritische Infrastruktur für die Funktions-
fähigkeit der Behörden. Im Freistaat Sachsen wurde bereits
eine leistungsfähige IT-Infrastruktur aufgebaut und zahl-
reiche IT-Verfahren eingeführt. Das erreichte Niveau wird
gesichert, weiterentwickelt und erhöht.
Eine zusätzliche Herausforderung erwächst aus dem po-
litischen Anspruch einer weiteren Öffnung des Staates
gegenüber Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen
(„Open Government“). Die hier gewünschte Erhöhung von
Transparenz, Erweiterung von Teilhabe und Intensivierung
von Zusammenarbeit zur Stärkung der Gemeinschaft kann
durch den Einsatz der IT wirksam gefördert werden. Daraus
ergeben sich neue Anforderungen an die IT des Freistaates.
Ebenso bringt der technische Fortschritt neue Anforderun-
gen, aber auch neue Möglichkeiten mit sich. Die Durch-
dringung vieler Lebensbereiche mit digitalen Technologien
stärkt die Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger, auch
mit der Verwaltung und öffentlichen Institutionen elektro-
nisch kommunizieren zu können. Für die Unternehmen ist
dies schon heute ein wichtiger Aspekt der Standortattrak-
tivität. Zugleich können Verwaltung und öffentliche Insti-
tutionen die Durchgängigkeit der elektronischen Bearbei-
tung auf die Interaktion mit den Bürgerinnen und Bürgern
sowie den Unternehmen ausdehnen. Dabei ist die Verbind-
lichkeit der elektronischen Kommunikation ebenso sicher-
zustellen wie Zugänge für diejenigen, die IT nicht nutzen
können oder wollen.
Alles in allem kann IT ein wesentliches Instrument für Ver-
waltung und öffentliche Institutionen sein, um die an sie
gestellten Anforderungen zu erfüllen und ihre Tätigkeit
kundenfreundlicher, effizienter und verlässlicher auszuge-
stalten. Dieses Potenzial wird der Freistaat Sachsen konse-
quent nutzen. Dafür sind teilweise erhebliche Investitionen
nötig. Der Bedarf an Ressourcen für IT wird perspektivisch
steigen. Um für diesen Weg eine klare Richtung zu haben,
wurde der Masterplan „Digitale Verwaltung Sachsen“ erar-
beitet. Er ist der verbindende und verbindliche Leitfaden im
Prozess der Stärkung und des Ausbaus der elektronischen
Verwaltung in Sachsen und wurde in enger Abstimmung
mit allen Ressorts, den kommunalen Landesverbänden und
weiteren Akteuren aus dem kommunalen Raum erarbeitet.
Leitprinzip ist dabei eine konsequente Ausrichtung auf die
Nutzer, also die Bürgerinnen und Bürger, aber auch Unter-
nehmen, sonstige Organisationen sowie die Beschäftigten
in den Behörden selbst. In diesem Sinne sind beide Seiten
– die Außen- und die Innenperspektive – in den Blick zu
nehmen. Der Masterplan bildet damit auch den grundle-
genden sächsischen Fahrplan für die Umsetzung des On-
linezugangsgesetzes (OZG) des Bundes. Dieses verpflichtet
alle Bundesländer, alle geeigneten Verwaltungsleistungen
bis zum 31. Dezember 2022 elektronisch anzubieten.
Akzeptanz wird der Aufwand für den Einsatz der IT dann
finden, wenn geeignete Wege beschritten werden, um die
Bereitstellung der Leistungen der IT noch wirtschaftlicher
zu gestalten. Kosten sind zu sparen, indem die Auslas-
tung der IT erhöht wird. Dabei kommt dem Einsatz von
Virtualisierungstechnik, der Zentralisierung von Betriebs-
standorten und einem leistungsfähigen Kommunikations-
netzwerk eine hohe Bedeutung zu. Darüber hinaus müssen
die Einsparpotenziale genutzt werden, die sich durch die
Intensivierung der Kooperation zwischen Fachbereichen
innerhalb und außerhalb des Freistaates Sachsen bei sog.
„shared services“ bieten.

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Digitalisierung der Verwaltung und öffentlicher Institutionen vorantreiben
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Schwerpunktbetrachtung: Ausgewählte digitale
Angebote der Staatsverwaltung
Amt24 als zentrales Online-Service-Portal der
sächsischen Verwaltungen für Bürgerinnen und
Bürger sowie Unternehmen
Online-Bürgerbeteiligungen über das Beteiligungs-
portal Sachsen
Geoportal Sachsenatlas als Online-Instrument zur
Recherche und Nutzung von Geoinformationen
staatlicher und kommunaler Behörden
ROHSA-Suchmaschine zur Recherche nach Roh-
stoffdaten für Sachsen
Aktuelle Informationen zu Aktivitäten im Rahmen
von „Sachsen Digital“ über den Auftritt in sozialen
Netzwerken
Operative Ziele (Auswahl aus dem Masterplan
„Digitale Verwaltung Sachsen“)
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Neben „Sachsen Digital“ und dem Masterplan „Digitale Verwaltung Sachsen“ tragen die folgenden strategischen Ansätze der Sächsischen Staatsregierung
zur Erreichung der operativen Ziele bei:
- SMK-Konzeption Medienbildung und Digitalisierung in der Schule
- Rohstoffstrategie für Sachsen – Rohstoffwirtschaft – eine Chance für den Freistaat Sachsen
Alle Verwaltungsdienstleistungen des Freistaates
Sachsen und der sächsischen Kommunen bis zum
31. Dezember 2022 online verfügbar machen
Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmen bis
2020 verschiedene elektronische Zugangswege zur
verschlüsselten und rechtssicheren Kommunikation
mit Behörden bereitstellen
Bis 2020 bei allen geeigneten Vorhaben (insbeson-
dere Planung und Rechtssetzung) eine Online-Be-
teiligung durchführen
Alle Verwaltungsverfahren innerhalb der Verwal-
tung bis 2025 durchgängig elektronisch gestalten
Das sächsische Open Data-Portal bis 2020 in
Betrieb nehmen und bis 2021 Befüllung mit offen-
en, maschinenlesbaren Datenformaten sowie Meta-
daten
Den Staatsbetrieb Sächsische Informatik Dienste
zum zentralen IT-Dienstleister des Freistaates
Sachsen entwickeln

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Digitalisierung der Verwaltung und öffentlicher Institutionen vorantreiben
5.1. Handlungsfeld: Öffnung des Staates und der Verwaltung
zu Bürgern und Unternehmen mit IT unterstützen
Die Öffnung des Staates gegenüber Bürgerinnen und Bür-
ger sowie Unternehmen (Open Government) beinhaltet die
Transparenz von und die Beteiligung an Entscheidungen
von Regierung und Verwaltung. Anspruch ist eine weitge-
hende und beständige inhaltliche Öffnung politischer so-
wie administrativer Prozesse und Inhalte gegenüber Bür-
gerinnen und Bürgern, Unternehmen, Wissenschaft sowie
weiteren gesellschaftlichen Gruppen. Das gesellschaftliche
Bedürfnis nach einem neuen Stellenwert von Offenheit
und Kooperation der Verwaltung zeichnet sich deutlich ab.
Diese Erwartungshaltung wird durch die niedrigen Beteili-
gungshürden insbesondere der sozialen Medien verstärkt.
Dieser Erwartungshaltung stellt sich der Freistaat Sachsen.
Sie richtet sich auf alle drei Teilaspekte von Open Govern-
ment: Transparenz, Teilhabe und Zusammenarbeit.
Die technische Dimension ist weder alleiniger noch be-
deutendster Erfolgsfaktor für die weitere Öffnung von Re-
gierung und Verwaltung. Ebenso wichtig ist ein Verände-
rungsmanagement, das auf organisatorisch und rechtlich
förderliche Rahmenbedingungen abzielt. Nicht zuletzt wird
das Sächsische E-Government-Gesetz, das auch Regelun-
gen für veröffentlichte Verwaltungsdaten trifft, hierfür
weiterentwickelt.
5.2. Handlungsfeld: Elektronische Kommunikation mit Verwaltung
und öffentlichen Institutionen etablieren
Die neuen technischen Möglichkeiten, die Bürgerinnen und
Bürger und Unternehmen für die Kommunikation unterei-
nander schätzen, werden auch für die Kommunikation mit
der Verwaltung und öffentlichen Institutionen erwartet.
Informationen zu Abläufen, Kosten, benötigten Dokumen-
ten und zuständigen Behörden müssen im Internet leicht
zu finden und verständlich sein. Online-Angebote sollen
auch auf mobilen Endgeräten funktionieren. Mitteilungen
und Dokumente sollen rund um die Uhr, einfach und sicher
elektronisch übermittelt werden können. Die Verwaltung
und öffentliche Institutionen können die Effizienz der eige-
nen Prozesse steigern, wenn die elektronische Bearbeitung
von Aufgaben auf die Interaktion mit den Bürgerinnen und
Bürgern und Unternehmen ausgedehnt wird. Nicht zuletzt
sind elektronische Kommunikationswege auch im Kontext
des demografischen Wandels zu betrachten. Traditionelle
Standorte der Verwaltung und von öffentlichen Institutio-
nen sollen deswegen durch moderne Kommunikationswe-
ge ergänzt und gegebenenfalls in Teilen abgelöst werden.
Insgesamt will der Freistaat Sachsen die Bürgernähe
durch das Angebot, mit moderner, mittlerweile als selbst-
verständlich empfundener IT kommunizieren zu können,
stärken, die erstrebte Durchgängigkeit der elektronischen
Bearbeitung von Aufgaben auf die Interaktion mit Bür-
gerinnen und Bürgern sowie Unternehmen ausdehnen
und die Erreichbarkeit der Verwaltung und öffentlicher
Institutionen auch dort gewährleisten, wo eine physische
Präsenz vor Ort nicht oder nur eingeschränkt möglich ist.
Gleichzeitig ist die elektronische Kommunikation mit der
Verwaltung und öffentlichen Institutionen weder für alle
Bürgerinnen und Bürger und Unternehmen noch für jedes
Anliegen geeignet. Dem persönlichen Besuch „auf dem
Amt“ und dem telefonischen Kontakt kommen nicht we-
niger Bedeutung zu als der elektronischen Kommunikation.
Der Freistaat Sachsen will IT daher auch zur Verbesserung
herkömmlicher Kommunikationswege einsetzen.

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5.3. Handlungsfeld: Den Einsatz von IT bei der Erledigung von Ver-
waltungstätigkeiten weiter vorantreiben und wirtschaftlich gestalten
Bereits heute wird IT umfänglich für die Bearbeitung von
Aufgaben in Verwaltung und öffentlichen Institutionen
des Freistaates Sachsen eingesetzt. Gleichzeitig gehören
die manuelle Eingabe von Daten, das Ausdrucken von Do-
kumenten und die papiergebundene Aktenarbeit noch im-
mer zum Arbeitsalltag der Mitarbeiterinnen und Mitarbei-
ter. Auch das händische Übertragen von Daten aus einem
IT-Verfahren in ein anderes beansprucht nennenswerte
Zeitanteile. Sind mehrere Behörden beteiligt, wird die An-
zahl an Medienbrüchen und manuellen Tätigkeiten mitun-
ter vervielfacht. Strategischer Anspruch des Freistaates
Sachsen ist, dass Verwaltung und öffentliche Institutio-
nen Abläufe durchgängig medienbruchfrei elektronisch
bearbeiten und dafür auch untereinander effizient Daten
austauschen können. Für einfache und komplexe, seltene
und häufige Aufgaben gilt gleichermaßen: Soll die IT ihre
maßgebliche Rolle für die Modernisierung erfüllen, müssen
Medienbrüche und unnötige manuelle Tätigkeiten vermie-
den werden. Der Freistaat Sachsen wird daher die Informa-
tionslage durch zeit- und ortsunabhängige Verfügbarkeit
von Informationen und Schriftgut, insbesondere unabhän-
gig von der Arbeitszeit oder Anwesenheit von Mitarbeite-
rinnen und Mitarbeitern verbessern, den Datenaustausch
zwischen Behörden durch die Nutzung eines einheitlichen
IT-Verfahrens oder durch standardisierte Schnittstellen er-
leichtern und die Effizienz, insbesondere durch die Vermei-
dung von Druckkosten, die Reduzierung von Transportzei-
ten und die Verringerung von Rechercheaufwand, erhöhen.