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Leben und Lernen auf der Reise
Handreichung zum Schultagebuch
und zu Fragen der schulischen Bildung
der Kinder beruflich Reisender

Impressum
Diese Handreichung wurde im Auftrag der Ständigen Konferenz der Kultusminister der
Länder der Bundesrepublik Deutschland erarbeitet. Sie ist in allen Ländern bei der jeweiligen
Schulbehörde/über das jeweilige Kultusministerium erhältlich.
Sie kann außerdem von der Web-Site
‚www.schule-unterwegs.de’
heruntergeladen werden.
Alle Seiten dürfen für schulische Zwecke kopiert und verwendet werden.
Arbeitsgruppe:
Marianne Franz
, Baden-Württemberg
Karin Olesch
, Bayern
Anne Knauf
, Brandenburg
Birgid Oertel
, Hessen
Martin L. Treichel
, Nordrhein-Westfalen (Leitung)
Matthias Andrae
, Schleswig Holstein
Annette Schwer
, Schule für Circuskinder in Nordrhein-Westfalen
Helga Sinner
, Schule im Circus e.V.
„Leben und Lernen auf der Reise“
Handreichung zum Schultagebuch und zu Fragen der schulischen Bildung
der Kinder beruflich Reisender
Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder
in der Bundesrepublik Deutschland
Berliner Büro
10117 Berlin
Markgrafenstraße 37
Berlin 2004

- 3 -
Inhaltsverzeichnis
Seite
VORWORT ................................................................................................................. 4
1.
Leben und Lernen auf der Reise – eine Herausforderung für Kinder, Eltern und
Lehrkräfte ................................................................................................................................. 5
2. Das Konzept „Lernen auf der Reise“ ............................................................................. 6
3.
Die Stammschule .............................................................................................................. 8
3.1
Bedeutung und Aufgaben ........................................................................................... 8
3.2
Der Klassenlehrer/die Klassenlehrerin an der Stammschule ..................................... 8
3.3
Aufgaben der Schulleitung an der Stammschule ....................................................... 9
4.
Das Schultagebuch für Kinder von beruflich Reisenden ........................................... 10
4.1
Aufgaben und Handhabung des Schultagebuchs ..................................................... 10
4.2
Zu den einzelnen Elementen des Schultagebuchs .................................................... 10
4.3
Schultagebuch und Datenschutzfragen .................................................................... 12
5.
Die Lernpläne ................................................................................................................. 12
5.1
Zur Arbeit mit den Lernplänen ................................................................................. 12
5.2
Lernplanbeispiel ....................................................................................................... 14
5.3
Die Lernbausteine – Erläuterungen -........................................................................ 15
6.
Die Stützpunktschule ..................................................................................................... 16
6.1
Bedeutung und Aufgaben ......................................................................................... 16
6.2
Die Betreuungslehrkräfte an den Stützpunktschulen ............................................... 16
6.3
Aufgaben der Schulleitung an der Stützpunktschule ............................................... 17
7.
Die Bereichslehrkräfte ................................................................................................... 18
8.
Zeugnisse/ Leistungsbewertung .................................................................................... 18
9.
Von A bis Z – Lexikon ................................................................................................. 20
Anhang
Anhang 1:
Schultagebuch für Kinder von berufliche Reisenden
S 1
Anhang 2:
Lernbausteine
B 1
Anhang 3:
Weitere Dokumentationshilfen

- 4 -
Vorwort
Sehr geehrte Damen und Herren,
wir legen Ihnen mit dieser Handreichung eine Schülergruppe ans Herz, die Sie aufgrund ihres
Reiseverhaltens kaum wirklich kennen lernen können und mit der Sie doch im Unterricht um-
gehen müssen. Das ist für beide Seiten eine große Herausforderung.
Die vorliegende Handreichung soll sowohl einen Einblick in die Lebenswelt der Kinder be-
ruflich Reisender geben, – das sind vor allem Kinder aus Schaustellerfamilien, von Circusan-
gehörigen, von ambulanten Händlern und von Puppenspielern - , als auch bei der schulischen
Bildung der reisenden Kinder unterstützen und damit die Unterrichtssituation für die reisen-
den Schülerinnen und Schüler wie auch für Lehrerinnen und Lehrer erleichtern und verbes-
sern.
Einen wichtigen Schwerpunkt der Handreichung bildet das neue bundesweit vereinheitlichte
Schultagebuch für reisende Kinder als Kopiervorlage. Damit sind künftig alle Schulen in der
Lage, jedem reisenden Kind kostengünstig und zeitnah ein Schultagebuch zur Verfügung zu
stellen.
Die Entwicklung der Handreichung steht in engem Zusammenhang mit der Überarbeitung des
Schultagebuchs. Einige an Lehrkräfte gerichtete Bestandteile des Schultagebuchs wurden z.B.
in die Handreichung verlagert. Der Umgang von Schulen mit dem Schultagebuch ist eingebet-
tet in das Konzept „Lernen auf der Reise“, dessen Elemente miteinander vernetzt sind und
erfordert deren Kenntnis. Deshalb erläutert diese Handreichung nicht nur das Schultagebuch
sondern auch seine Verflechtung mit den weiteren Elementen des Konzepts.
Das Konzept "Lernen auf der Reise“ basiert auf der Berücksichtigung der Lebensumstände
der reisenden Berufsgruppen und muss auch die Veränderungen der Lebensumstände und des
Reiseverhaltens einbeziehen und sich mit verändern. Aus diesem Grunde wird diese Handrei-
chung nicht als geschlossene Broschüre vorgelegt, sondern als immer wieder zu ergänzende
und zu aktualisierende Loseblattsammlung.
Die Handreichung beginnt mit einem länderübergreifenden Teil. Im Anhang finden Sie
das Schultagebuch für Kinder von beruflich Reisenden (Anhang 1),
die Lernbausteine (Anhang 2) und
weitere Dokumentationshilfen (Anhang 3).
Dem Anlagenteil kann sich ein landesspezifischer Teil anschließen, in dem die Länder die
Möglichkeit haben, Konzepte und Angebote des Landes sowie der Regionen darzustellen und
Regelungen beizufügen.
Die Kultusministerkonferenz der Länder hat durch die Genehmigung des Schultagebuchs und
die Auftragserteilung für die Erstellung dieser Handreichung deutlich gemacht, dass die
Schul- und Bildungsfragen auch von Minderheiten ihre Aufmerksamkeit finden. Mit dem
neuen vereinheitlichten Schultagebuch und dieser Handreichung soll versucht werden, den
Schülerinnen und Schülern „von der Reise“ das Leben und Lernen in wechselnden Schulen zu
erleichtern und ihnen mehr Chancen auf eine gleichwertige Bildung zu ermöglichen.
In diesem Sinne vertrauen wir ganz besonders auf Sie, die Lehrerinnen und Lehrer an den
Stamm- und Stützpunktschulen, die diese Kinder besuchen.
Die Redaktion

- 5 -
1.
Leben und Lernen auf der Reise – eine Herausforderung für Kinder,
Eltern und Lehrkräfte
Das Leben von Kindern beruflich Reisender ist geprägt von häufigem Ortswechsel und meis-
tens auch von der Einbindung der Kinder in den Arbeitszusammenhang des Familienunter-
nehmens. Insbesondere Kinder in kleineren Familienunternehmen werden als mitarbeitende
Familienangehörige, als Artisten, bei der Gestaltung des Programms, zum Auf- und Abbau,
zum Karten- oder Warenverkauf, zur Versorgung der Tiere benötigt. Die Familie bildet
gleichzeitig eine Wirtschafts- und Erwerbseinheit, in der die Kinder schon relativ früh in den
Arbeitsprozess einbezogen werden.
Damit verbunden sind ständige Schulwechsel, Wechsel von Lehrkräften, Mitschülerinnen und
Mitschülern, Konfrontation mit unterschiedlichen pädagogischen Konzepten, Unterrichtsme-
thoden und Unterrichtsinhalten sowie einer Vielfalt von Schulbüchern. Hinzu kommt eine
erhebliche Verkürzung der zur Verfügung stehenden Unterrichtszeit durch die Reisetage (Ab-
bau, Umsetzen und Aufbau am nächsten Standort). Das bedeutet für die reisenden Kinder:
Sie haben weder einen vertrauten Klassenraum noch einen Stammplatz.
Sie haben weder stabile Schüler-Lehrer-Beziehungen noch feste Schulfreundinnen oder
Schulfreunde.
Sie erfahren nicht immer ermutigende Hilfe und Förderung.
Kontinuierliches Lernen ist kaum möglich.
Aufeinander abgestimmte Lernprozesse sind ihnen weitgehend fremd.
Sie kennen weder Ausflüge noch Klassenfahrten.
Ihnen stehen pro Kernfach und Schuljahr nur ca. 60 Unterrichtsstunden zur Verfügung.
Schulischer Alltag für diese Kinder bedeutet somit häufig, dass sie keine zusätzliche Förde-
rung erhalten und nicht einmal ihr normaler Regelunterricht sichergestellt ist. Die Gründe
hierfür liegen in der Sache selbst: Ihre Mobilität ist die Ursache dafür, dass sie aus dem
Schulsystem herausfallen, und sie verhindert gleichzeitig, dass ihre Lernsituation erkannt
wird: Bevor die Lehrerinnen und Lehrer an den unterwegs besuchten Schulen den Lernstand
der Kinder erkannt haben, müssen diese die Schule bereits wieder verlassen. Reisende Kinder
erfahren somit Schule häufig als Ort der Ausgrenzung, des Misslingens und Versagens. Dies
kann dazu führen, dass diese Kinder die Schule nicht mehr besuchen wollen.
Auf der anderen Seite besitzen reisende Kinder hohe Kompetenzen. Seit frühester Kindheit
übernehmen sie in den Familienunternehmen zuverlässig und verantwortlich „ihre“ Bereiche.
Auftritte, Tierversorgung, Kartenverkauf, Reklame, Süßwarenverkauf, Auf - und Abbauarbei-
ten, Kinderbetreuung, Ton und Lichttechnik, Wagenreparaturen und vieles mehr erledigen sie
mit Liebe und Hingabe für „ihr“ Familienunternehmen. Was im Bereich der Schlüsselqualifi-
kationen in der Regelschule manchmal mühsam eingeübt werden muss, beherrschen diese
Kinder ganz selbstverständlich. Ihr „alltags- und -anwendungsbezogenes“ Wissen ist wesent-
lich größer als das gleichaltriger Mitschülerinnen und Mitschüler in der Regelschule.
Etwa 10 000 Kinder wechseln so in Deutschland in jeder Woche die Schule, weil ihre Eltern
als beruflich Reisende unterwegs sind. Jedes dieser Kinder besucht oft über dreißig verschie-
dene Schulen pro Jahr. Wie für alle Kinder und Jugendlichen besteht auch für reisende Kinder
Schulpflicht, und wie alle Kinder und Jugendlichen haben sie ein Recht auf Erziehung und

- 6 -
Bildung. Ihre besonderen Lebensbedingungen und individuellen Lernvoraussetzungen sind
dabei zu berücksichtigen. Das Hauptproblem des Schulbesuchs auf der Reise war und ist für
sie die Diskontinuität der Lernprozesse.
Netzwerk Deutschland
Seit 1989 unterstützen die Länder zunehmend diese Kinder und Jugendlichen. Wegen der
länderübergreifenden und grenzüberschreitenden Reisetätigkeit der Erziehungsberechtigten
kooperieren sie untereinander, ggf. auch mit Schulverwaltungen anderer Staaten der Europäi-
schen Union. Insbesondere die Kirchen haben durch ihr Engagement mitgeholfen, die schuli-
sche Situation reisender Kinder und Jugendlicher zu verbessern.
Inzwischen gibt es in Deutschland in allen
Kultusministerien
beauftragte Verantwortliche
für die Schulfragen der Kinder beruflich Reisender und in den meisten Ländern auch Verant-
wortlichkeiten auf der Ebene der Schulverwaltungen/Schulämter mit Unterstützung einzelner
Landesinstitute
.
Hinzu kommen Mitwirkungsmöglichkeiten von
Erziehungsberechtigten
und
Verbänden
.
Die schulischen Aufgaben werden von Stammschulen, Stützpunktschulen und – in den meis-
ten Ländern – von Bereichslehrkräften (mobile Lehrkräfte in festgelegten Regionen) über-
nommen.
2.
Das Konzept „Lernen auf der Reise“
1. Um Überschaubarkeit und Kontinuität der Lernprozesse reisender Kinder zu ermöglichen,
haben die Länder das
Schultagebuch
entwickelt (Anhang 1). In ihm werden die behandel-
ten Unterrichtsinhalte und die Schulbesuchstage dokumentiert. Jedes Schultagebuch ent-
hält
individuelle Lernpläne
für die Fächer Deutsch, Mathematik und für die erste
Fremdsprache. Das Schultagebuch ist ein zentrales Kommunikations- und Dokumentati-
onsinstrument, das für reisende Kinder zur Verfügung steht. Seine Verwendung ist in al-
len Ländern verpflichtend.
2. Um Verantwortlichkeit und Zuständigkeit zu gewährleisten, haben die Länder für die rei-
senden Kinder
Stammschulen
und
Stützpunktschulen
benannt.
Stammschulen sind die Schulen, die die Schülerakte des Kindes/des Jugendlichen führen;
Stützpunktschulen sind die Schulen, die während der Reise besucht werden.
Für viele Kinder von Circusangehörigen ist allerdings die Festlegung von Stammschulen
problematisch, da diese Familien über keinen dauerhaften Winterstandort verfügen, an
den sie regelmäßig zurückkehren.
Stammschulen und Stützpunktschulen werden in einigen Ländern in ihrer Arbeit zusätz-
lich unterstützt durch
-
Lehrerfortbildungsmaßnahmen, um die wichtigsten Elemente des Schulkonzepts be-
kannt zu machen, insbesondere den Umgang mit dem Schultagebuch
-
verstärkte aktuelle Information der Kollegien durch Informationsdienste/Projektbriefe
und die Web-Seite
‚www.schule-unterwegs.de’
-
Herausgabe von Handreichungen
-
den Einsatz von Bereichslehrkräften.

- 7 -
3. Die Kinder beruflich Reisender bekommen an ihrer Stammschule eine
Klassenlehre-
rin/Tutorin bzw. einen Klassenlehrer/Tutor
fest zugeordnet, die/der ihre Schullaufbahn
begleitet und auch während der Reisesaison Ansprechpartner/-in für das Kind und die Er-
ziehungsberechtigten ist.
4. Jedes Kind bekommt von der Stammschule
eigene Schulbücher
und
Lernmaterialien
(entsprechend den jeweiligen Lernmittelgesetzen) mit auf die Reise.
5. In den Ländern Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-
Westfalen, Thüringen, Bremen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein sind
Bereichs-
lehrkräfte
beauftragt, die in festgelegten Regionen die Begleitung der Kinder überneh-
men, Förderunterricht erteilen und Hausaufgabenbetreuung übernehmen.
6. Schließlich haben einzelne Länder stationäre "
Betreuungslehrkräfte
" mit der Unterstüt-
zung reisender Kinder beauftragt, z.B. in Brandenburg an den Stammschulen, in Nord-
rhein-Westfalen an den Stützpunktschulen. Künftig sollte möglichst an jeder Stützpunkt-
schule eine Lehrkraft die Aufgabe einer „Betreuungslehrkraft für reisende Kinder“ über-
nehmen.
Die Sorge für die Bildung der reisenden Kinder gilt nicht nur für diejenigen Kinder, die im
eigenen Land ihren Hauptwohnsitz haben, sondern für alle reisenden Kinder, gerade auch für
die durchreisenden.
Schule für Circuskinder Nordrhein-Westfalen
Neben den Schaustellerkindern sind es vor allem die Circuskinder, die der besonderen Für-
sorge bedürfen. Bundesweit gibt es etwa 400 Circusse mit ca. 1500 Kindern. Es handelt sich
dabei überwiegend um kleine Familiencircusse, in denen die Kinder in den Arbeitsalltag eng
eingebunden sind.
Auf Anregung des Kultusministeriums NRW erklärte sich die Evangelische Kirche im Rhein-
land 1994 bereit, die „Schule für Circuskinder NRW“ zu installieren. Heute werden in "mobi-
len Klassenzimmern" über 130 Circuskinder aus 23 Circussen in NRW schulisch vor Ort, d.h.
am Circusplatz, versorgt. Vier Tage in der Woche unterrichten Lehrkräfte mindestens sechs
Kinder aus einem oder zwei Circusunternehmen. Ein weiterer Schultag soll künftig durch die
Einführung
elektronischen Lernens
über Satellit möglich werden. Die erfolgreiche Arbeit
der Schule für Circuskinder basiert auf einem binnendifferenzierten Unterricht, in dem unter
Berücksichtigung des Eingebundenseins in das Familienunternehmen jedes Kind in seinem
individuellen Lernprofil nach seinen individuellen Möglichkeiten arbeitet. Nach bereits vier
Jahren wurden die ersten Schulabschlüsse des Sekundarbereichs I an Circuskinder vergeben.

- 8 -
3.
Die Stammschule
3.1
Bedeutung und Aufgaben
Eine Stammschule ist die Schule, an der die Kinder während der reisefreien Zeit über einen
längeren Zeitraum verweilen. In der Regel ist dies eine Schule am Winterstandort oder am
Hauptwohnsitz beruflich Reisender.
Verweilen Kinder beruflich reisender Eltern im Winter nicht längere Zeit an einem Ort oder
haben sie aus anderen Gründen keine Stammschule, wendet sich die Schulleitung der Stütz-
punktschule zwecks Klärung der Zugehörigkeit des Kindes zu einer Stammschule an die zu-
ständige Bereichslehrkraft. In den Ländern, in denen es keine Bereichslehrkräfte gibt, wendet
sich die Schulleitung an die zuständige Schulaufsichtsbehörde (Schulamt).
Die Stammschulen bzw. ihre Lehrkräfte haben in Verantwortung des Schulleiters/der Schul-
leiterin folgende Aufgaben:
Sie führen die Schülerdatei.
Sie führen die Kinder in der Schulstatistik.
Sie statten die Schülerin/ den Schüler mit den erforderlichen Schulbüchern, weiteren
Lernmaterialien und dem Schultagebuch aus.
Sie bieten zielgerichtete Fördermaßnahmen an.
Sie erstellen individuelle Lernpläne für die Fächer Deutsch, Mathematik und die
Fremdsprache/n, geben sie als Bestandteil des Schultagebuchs mit auf die Reise und
erstellen ggf. einen Förderplan.
Sie füllen das Schultagebuch aus, übergeben es der Schülerin/ dem Schüler und bera-
ten die Eltern vor Beginn der Reisesaison.
Sie halten während der Reisezeit Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern, den Er-
ziehungsberechtigten, den Stützpunktschulen und Bereichslehrkräften.
Sie erstellen Zeugnisse, beraten über die weitere Schullaufbahn und entscheiden über
Abschlüsse, ggf. in Abstimmung mit den Bereichslehrkräften.
Bei einem Wechsel der Stammschule setzt sich die neue Schule mit der bisherigen
Stammschule in Verbindung.
3.2
Der Klassenlehrer/die Klassenlehrerin an der Stammschule
Wichtigste Ansprechperson in der Stammschule ist für das reisende Kind die Klassenlehre-
rin/der Klassenlehrer. An sie/ ihn kann sich das Kind bzw. können sich die Eltern auch wäh-
rend der Reisezeit in allen schulischen Fragen wenden. Die Klassenlehrerin/der Klassenlehrer
setzt sich bei Schwierigkeiten mit der Stützpunktschule in Verbindung. Weitere Aufgaben:
Sie/er bereitet rechtzeitig vor Beginn der Reisesaison die Unterlagen – insbesondere
das Schultagebuch - für die Schülerin/den Schüler vor.
Sie/er koordiniert die Erstellung der Lernpläne für die Reisezeit in Kooperation mit
den Fach- und ggf. Bereichslehrkräften, erstellt einen Förderplan.
Sie/er beschreibt im Schultagebuch die Lernausgangslage der Schülerin/des Schülers.
Sie/er wertet die rücklaufenden Berichte der Stützpunktschulen aus (siehe Dokumenta-
tionshilfe im Anhang).
Sie/er übernimmt in Kooperation mit der Bereichslehrkraft alle notwendigen Aufga-
ben, die die Stammschule erfüllen muss.
Die Klassenlehrkräfte halten auch während der Reisezeit Kontakt zu den Schülerinnen und
Schülern und den Eltern (z.B. Einladungen zu Klassenfahrten und Wandertagen, Patenschaf-
ten, Briefwechsel, E-Mails, Besuche).

- 9 -
3.3
Aufgaben der Schulleitung an der Stammschule
Aufgaben der Schulleitung an der Stammschule
CHECKLISTE
Aufgaben
Bearbeitungsstand
Datum
erledigt
Die Stammschule nimmt die Aufgabe der schulischen Ver-
sorgung reisender Kinder und Jugendlicher in ihr Schulpro-
gramm auf.
Behandlung des Themas "Reisende Kinder an unserer Schu-
le" in der Lehrerkonferenz
Einrichtung der Schülerdatei
Der/die Klassenlehrer/-in ist über seine/ihre Aufgaben infor-
miert und darauf vorbereitet.
Stundenplangestaltung:
Einbeziehen des Kindes in den Förderunterricht
Einrichtung eines individuellen Förderangebotes (soweit
vorhanden anhand des Förderplans)
Abfrage über den Stand der Vorbereitung für den Schulbe-
such während der kommenden Reisesaison
Hinweis: Die Liste kann von der Schule entsprechend der aktuellen Gegebenheiten weiter ergänzt
werden.

- 10 -
4.
Das Schultagebuch für Kinder von beruflich Reisenden
4.1
Aufgaben und Handhabung des Schultagebuchs
Das Schultagebuch ist ein besonders wichtiges Instrument zur Unterstützung des Schulbe-
suchs reisender Kinder und Jugendlicher (Anhang 1). Es wird von der Stammschule angelegt
und den reisenden Schülerinnen und Schülern in der Regel bei der Einschulung ausgehändigt.
Bei Verlust sind die Eltern verpflichtet, Ersatz zu beschaffen.
Es dient dem unverzichtbaren Informationsaustausch zwischen Stammschule, Stützpunkt-
schulen und Bereichslehrkräften; es gibt Erziehungsberechtigten und Lehrkräften Infor-
mationen und Hinweise zum Lernprozess des reisenden Kindes.
Das Schultagebuch dokumentiert die
Lernausgangslage
bei der Abreise von der Stamm-
schule sowie die jeweils behandelten Unterrichtsinhalte und den Lernstand des Kindes
während der Reise, so dass die Stützpunktschulen Hinweise über Gelerntes sowie über
noch zu Übendes bekommen.
Es enthält einen
Schulbesuchskalender
.
Zur Absicherung eines kontinuierlichen Lernprozesses in den Fächern Deutsch, Fremd-
sprache und Mathematik enthält das Schultagebuch
individuelle Lernpläne
für das ein-
zelne Kind.
Das Schultagebuch ist eine wichtige Grundlage zur Leistungsbewertung und zur Zeugniser-
stellung. Die Lehrkräfte an den Stützpunktschulen sind gehalten, aussagekräftige Hinweise
zur Leistungsbewertung zu geben - ggf. mit Unterstützung der Bereichslehrkräfte, damit die
Stammschule ein Zeugnis schreiben kann.
Zusammen mit dem Schultagebuch und den darin enthaltenen Lernplänen gibt die Stamm-
schule dem Kind den Lernplänen zugeordnete Lernmaterialien mit auf die Reise.
4.2
Zu den einzelnen Elementen des Schultagebuchs
Zu Seite 2: Legitimationsvermerk
Der Legitimationsvermerk (Beschluss der Kultusministerkonferenz) weist nach, dass die Nut-
zung des Schultagebuchs, insbesondere die Ausfüllpflicht der Schulen, in allen Ländern ver-
bindlich ist.
Zu Seite 4: Informationen für die Stützpunktschulen
Dieses dem Schultagebuch beigefügte Schreiben an die Stützpunktschulen beschreibt die
wichtigsten Aufgaben der Schule und die notwendigen Schritte bei der Aufnahme eines rei-
senden Kindes an der Stützpunktschule.
Zu Seite 5: "Das bin ich“
Diese Seite soll gemeinsam von den Eltern, von der Schülerin/dem Schüler und der Klassen-
lehrerin bzw. dem Klassenlehrer der Stammschule ausgefüllt werden.

- 11 -
Zu Seite 6: Lernausgangslage - Bericht der Stammschule / Winterschule
Die Stammschule beschreibt zum Abreisetermin die Lernausgangslage des Kindes in den ein-
zelnen Fächern, bezogen auf die Vorgaben der Lehrpläne.
Sie gibt den Stützpunktschulen Hinweise, welche Bereiche noch besonders geübt werden sol-
len. Diese Seite sollte mit den Eltern und dem Kind vor der Abreise durchgesprochen werden.
Zu Seite 8: Schulbesuchskalender
Der Schulbesuchskalender soll den Lehrkräften auf der Reise sowie den Klassenlehrern/-
innen an der Stammschule einen Überblick über den zeitlichen Umfang des Schulbesuchs der
reisenden Kinder ermöglichen. Diese Übersicht ist bei der Würdigung der Leistungen des
Kindes zu berücksichtigen.
Zu Seite 9: Lernstandsbericht der Stützpunktschulen
Jede Stützpunktschule vermerkt vor der Weiterreise des Kindes die bearbeiteten Inhalte sowie
Aussagen zur Lernleistung im Formular „Lernstandsbericht“. Insbesondere die noch zu üben-
den Elemente sollen hier eingetragen und mit den Eltern besprochen werden.
Zu Seite 11: Individuelle Lernpläne für die Fächer Deutsch, Fremdsprache und Mathe-
matik
Die Stammschule gibt dem reisenden Kind individuelle Lernpläne mit auf die Reise, anhand
derer das Kind möglichst selbstständig lernen kann. Die Arbeit anhand der Lernpläne der Fä-
cher Deutsch, Fremdsprache und Mathematik hat Vorrang vor dem Mitlernen in der Klasse.
Es ist sinnvoll, die Lernpläne kursartig als eine Abfolge und Kombination von Inhalten,
Lernmaterialien und Aufgabenstellungen aufzubauen.
Die Lernpläne sollen so angelegt sein, dass Lehrerinnen und Lehrer von Stützpunktschulen
sich rasch ein Bild über die vorgesehenen Inhalte machen können.
Den Lernplänen liegen die ebenfalls im Schultagebuch enthaltenen Lernbausteine sowie die
Lernausgangslage des reisenden Kindes zum Termin seiner Abreise zugrunde. Die Lernpläne
sollen durch Angaben zum Förderbedarf/Förderplan ergänzt werden.
Bei der Erstellung der Lernpläne werden die dem Kind während der Reise voraussichtlich zur
Verfügung stehenden Lernzeiten berücksichtigt; dies sind oft nur drei bis vier Schultage pro
Woche.
Die Stammschule kann die Erfüllung der Lernpläne durch Formen von Fernbetreuung beglei-
ten und unterstützen.

- 12 -
4.3
Schultagebuch und Datenschutzfragen
Das Schultagebuch für reisende Kinder stellt das zentrale Informations- und Kommunikati-
onsinstrument für Eltern, Kind und Lehrkräfte zur Förderung und Dokumentation der Schul-
laufbahn dar. Das Tagebuch muss wegen der Reisesituation nicht nur die Funktion des Ge-
sprächs zwischen den Lehrkräften, sondern auch die Aufgaben eines Klassenbuchs im Hin-
blick auf die bearbeiteten Unterrichtsinhalte übernehmen.
Wegen der Reisetage der Kinder und der differierenden Ferientermine ist es wichtig, die
Fehlzeiten reisender Kinder zu ihrem eigenen Schutz im Schultagebuch zu vermerken.
Da das Tagebuch nur von den Eltern, den Kindern selbst und von Lehrkräften, die der Ver-
schwiegenheitspflicht unterliegen, eingesehen werden kann, bestehen datenschutzrechtliche
Bedenken weder im Hinblick auf die Eintragungen der Fehlzeiten noch bezüglich der Doku-
mentation von Lernleistungen. Es ist bislang auf andere Weise nicht sicherzustellen, dass die-
se Informationen den Beteiligten, insbesondere den Lehrkräften zur Erfüllung ihres Bildungs-
und Erziehungsauftrags, sachgerecht übermittelt werden können.
Die dauerhafte Schülerdatei mit den Lerndaten des Kindes führt die Stammschule.
Das Versenden von personenbezogenen Daten im E-Mailverkehr ist nur unter Einhaltung von
datenrechtlichen Bestimmungen zulässig.
5.
Die Lernpläne
5.1
Zur Arbeit mit den Lernplänen
Die Kinder arbeiten auf der Reise in den Fächern Deutsch, Mathematik und Fremdsprache
anhand ihrer individuellen Lernpläne, die sie im Schultagebuch mit sich führen. Dieses indi-
viduelle, binnendifferenzierte Lernen anhand der Lernpläne hat Vorrang vor dem Mitlernen in
der Klasse. Nur auf diese Weise ist es möglich, den Lernprozess in diesen Fächern kontinuier-
lich aufbauend zu gestalten. Darauf sind die Kinder dringend angewiesen. Der besondere in-
dividuelle Förderbedarf soll in die Lernpläne eingearbeitet bzw. als gesonderter Förderplan
beigefügt werden.
Es ist
Aufgabe der Stammschule
, vor der Abreise des reisenden Kindes seine individuellen
Lernpläne für die Fächer Deutsch, Mathematik und Fremdsprache zu erstellen und sie ihm auf
die Reise mitzugeben.
Das Lernen anhand der Pläne ist in der Regel
Einzelarbeit
. (Es wäre Zufall, wenn ein Kind
beim Besuch einer Stützpunktschule nahtlos in den laufenden Unterricht dieser Fächer inte-
griert werden könnte.) Umso wichtiger ist, dass das Kind bei seiner Einzelarbeit Unterstüt-
zung und Ermutigung durch die Lehrerinnen und Lehrer der Stützpunktschule erfährt.
In den anderen Fächern sollte das Kind auch im Sinne sozialen Lernens in den Unterricht der
Klasse / Lerngruppe integriert werden.

- 13 -
Verantwortlich für die Erstellung der Lernpläne ist die Klassenlehrerin/der Klassenlehrer der
Stammschule; sie/er koordiniert die Lernplanerstellung. Die Formulierung des jeweiligen
Fachlernplans obliegt der Fachlehrerin/dem Fachlehrer.
Grundlagen für die Lernplanerstellung sind die
Lernbausteine
, die schulinternen Currricula
sowie die individuellen Lernvoraussetzungen des Kindes (Lernausgangslage, Leistungsfähig-
keit, räumliche und zeitliche Lernmöglichkeiten).
Die Lernpläne sollten
kursartig aufgebaut
sein, sodass in möglichst großem Umfang
selbst-
ständiges Lernen
möglich wird. Die einzelnen Lernplanabschnitte sollten dem Kind auch
eine zeitliche Orientierung für die Erledigung der Aufgaben geben.
Die Lernpläne sollen sich auf von der Schule festgelegte, dem Kind mitgegebene Lern- und
Übungsmaterialien (Schulbücher, Arbeitshefte etc.) beziehen.
Die Lernpläne werden mit Erziehungsberechtigten und Schüler/Schülerin besprochen.
Mit der Klassenlehrerin/dem Klassenlehrer sollen auch Rückmeldemöglichkeiten während der
Reise zum Stand der Arbeit an den Lernplänen vereinbart werden.

- 14 -
5.2
Lernplanbeispiel
Individueller Lernplan für die Reise
Erstellung durch die Stammschule in Absprache mit der Bereichslehrkraft
Für: ................................................ Mai/Juni 2004
Bausteine Mathematik
Bezeichnung der Bausteine/
Konkretisierung der Inhalt
Lernmaterialien
Lernziel
erreicht
Geringer Ü-
bungsbedarf
Großer Ü-
bungsbedarf
Lernbaustein 1.4
Große Zahlen und ihre Bedeutung im Umfeld der
Kinder
- Besucher- und Zuschauerzahlen
- Entfernungen
- Stückzahlen (Eintrittskarten, Sitzge-
legenheiten, Gläser....) vergleichen und
bewerten
große Zahlen lesen, schreiben und ordnen
Visualisierung am Zahlenstrahl
Buch S. 88
Aufg.....
Zahlenstrahl
Zahlenkärtchen
PC Lernprogramm
Lernbaustein 1.4
Addition/Subtraktion - Vertiefen
Kopfrechenstrategien entwickeln, anwenden und
festigen
Lösungswege erläutern
Geldbeträge addieren und subtrahieren
Einführung der schriftlichen Addition mit mehr-
stelligen Summanden
Schülerinnen/Schüler erfinden Aufgaben aus
ihrem Umfeld, tragen sie vor und bewerten die
Lösungswege
Buch S. 89, Aufg.x ,
Buch S. 90, Aufg.x ,
Buch S. 91, Aufg. X
Buch S. 92 Aufg.x
Eintrittskarten
Spielgeld
Zahlenketten
PC Lernprogramm
Lernbaustein 1.4
Multiplikation - Vertiefen
Wiederholen und Festigen des kleinen 1x1
Herleiten des großen 1x1
Halbschriftliche und schriftliche Rechenverfahren
herleiten, anwenden und festigen
Anwendungsaufgaben aus der Erfahrungswelt der
Kinder; Erstellen einer Aufgabenkartei
Buch S. 92
1x1 Tafel
PC Lernprogramm
1x1 Olympiade
Spiele z. B. Trio
Lernbaustein 1.4
Division - Einführung
Umkehrungen des kleinen 1x1
Zahlzerlegungen; Strategien finden fürs Kopf-
rechnen
schriftliches Rechenverfahren mit einstelligem
(zweistelligem) Divisor
Anwendungsaufgaben (z.B. Durchschnitt der
Zuschauerzahlen bei mehreren Veranstaltungen)
Buch S. 94, Aufg.x
Buch S. 94, Aufg.x
Buch S. 94 Aufg. X
Buch S. 94 Aufg.
PC Software

- 15 -
5.3
Die Lernbausteine – Erläuterungen -
Lernbausteine stellen Orientierungshilfen für die Gestaltung der Lernprozesse reisender Kin-
der und Jugendlicher dar. Sie basieren auf den in der KMK vereinbarten Bildungsstandards
für die Fächer Deutsch, Mathematik und erste Fremdsprache für den Primarbereich, den
Hauptschulabschluss und den mittleren Bildungsabschluss (Jahrgänge 1 - 10).
Zur Zeit (1. Juli 2004) liegen die KMK-Bildungsstandards noch nicht vollständig vor.
Die Lernbausteine sind eine wichtige Grundlage für die Unterrichtsplanung der Lehrerinnen
und Lehrer.
Auf einer mittleren Planungsebene nehmen die Lernbausteine die durch die Bildungsstan-
dards definierten Kompetenzen auf, die kumulativ erworben werden müssen Sie können auch
die Verständigung der Lehrerkollegien über Rahmenbedingungen, Anforderungen und Lern-
wege anregen sowie einen förderdiagnostischen, differenzierten Blick auf Stärken und
Schwächen der Schülerinnen und Schüler ermöglichen. Insbesondere dort, wo die besondere
Situation der Zielgruppe dies erfordert, können methodische und materialbezogene Anregun-
gen hinzugezogen werden.
Auf der Basis der Lernbausteine entwickeln die Lehrkräfte der Stammschulen (Winterschu-
len) für die Schülerinnen und Schüler individuelle Lernpläne für die Fächer Deutsch, Mathe-
matik und 1. Fremdsprache, die jedes reisende Kind, jeder reisende Jugendliche von seiner
Klassenlehrerin/seinem Klassenlehrer der Stammschule bei der Abreise erhält.
Dabei passen die Lehrkräfte Umfang und Bearbeitungstiefe der den Lernplänen zugrunde zu
legenden Lernbausteine den zeitlichen Restriktionen an, denen reisende Kinder unterworfen
sind. Insofern spiegeln Lernbausteine die in den Standards definierten Kompetenzen vor dem
Hintergrund der Lern- und Sozialisationsbedingungen reisender Kinder.
Lernbausteine sind darauf ausgerichtet, die Erweiterung der Personal-, Sozial- und Metho-
denkompetenz der Kinder und Jugendlichen ebenso zu fördern wie die fachlichen Kompeten-
zen.
Da die Kompetenzbereiche innerhalb der Fächer miteinander verknüpft sind, werden die
Lernbausteine in der Regel nicht linear in die Lernpläne umgesetzt, auch wenn den hier vor-
gelegten Bausteinübersichten eine aufbauende Struktur (1.-4. bzw. 6. Schuljahr sowie 5. bzw.
7. –10. Schuljahr) zugrunde liegt.
Die Intensität und Dauer der Bearbeitung eines Lernbausteins wird durch den Lernplan, den
Lernstand und das Leistungsvermögen des Kindes bestimmt. Deshalb sind Lernbausteine
nicht an Klassenstufen gebunden. Für jede Schülerin und jeden Schüler kann unabhängig von
einer Schulklassenzugehörigkeit entsprechend ihres/seines Lernstandes ein individuelles
Lernprogramm zusammengestellt werden.
Lernbausteine beinhalten fächerübergreifende und fächerverbindende Aspekte. Sie sind au-
ßerdem eine bedeutsame Grundlage für die Leistungsüberprüfung und -bewertung.

- 16 -
6.
Die Stützpunktschule
6.1
Bedeutung und Aufgaben
Stützpunktschulen sind die Schulen, die die Schülerinnen und Schüler während der Reisezeit
besuchen. Sie liegen in der Regel in der Nähe des Festplatzes bzw. Wohnstandortes der rei-
senden Familie und stellen sich in besonderer Weise auf die Betreuung von Kindern beruflich
Reisender ein. An den Stützpunktschulen werden die Schülerinnen und Schüler während ihres
Aufenthaltes in Abstimmung mit den Bereichslehrkräften unterrichtet und gefördert. Hier vor
allem nehmen sie ihr Recht auf Bildung wahr und erfüllen ihre Schulpflicht. Von daher ist ein
Informationsaustausch zwischen Stützpunktschulen und Stammschule insbesondere über die
Lernfortschritte der Kinder erforderlich, der durch das Schultagebuch erleichtert wird.
6.2
Die Betreuungslehrkräfte an den Stützpunktschulen
In einigen Ländern wird an jeder Stützpunktschule eine "Betreuungslehrkraft für reisende
Kinder" benannt.
Die Betreuungslehrkraft
ist für Schulleitung, Lehrkräfte und Eltern Ansprechpartner in Angelegenheiten der schu-
lischen Bildung reisender Kinder;
bereitet schon im Vorfeld eines Volksfestes/ eines Circusgastspiels oder einer ähnlichen
Veranstaltung den Schulbesuch der reisenden Kinder vor;
besucht nach Möglichkeit am Tag der Anreise – zusammen mit der Bereichslehrkraft – die
Eltern auf dem Wohnplatz und bietet Unterstützung beim Schulbesuch an;
begrüßt die reisenden Kinder bei der Ankunft an der Schule;
koordiniert in Absprache mit der Schulleitung die Zuweisung der Kinder zu Lerngruppen ,
Fördergruppen und Klassen;
überprüft die Eintragungen im Schultagebuch auf Vollständigkeit;
ist wichtigste Ansprechpartnerin der reisenden Kinder und der Eltern in der Stützpunkt-
schule;
informiert zusammen mit der Schulleitung das Kollegium einmal jährlich über den Auf-
gabenbereich;
sammelt Informationen zu diesem Aufgabenbereich.

- 17 -
6.3
Aufgaben der Schulleitung an der Stützpunktschule
Aufgaben der Schulleitung an der Stützpunktschule
CHECKLISTE
Voraussichtlich nächster Schulbesuchstermin (Volksfest, Jahrmarkt usw.):...........................................
Aufgaben
Bearbeitungsstand
Datum
erledigt
1.
Aufnahme der schulischen Betreuung reisender Kinder und Ju-
gendlicher ins Schulprogramm
2.
Benennung eines Betreuungslehrers/einer Betreuungslehrerin
für reisende Kinder
3.
Kontinuierliche Information der Lehrkräfte der Schule über die
Aufgabenstellung einer Stützpunktschule
4.
Begrüßung der reisenden Kinder/ Jugendlichen in der Schule
5.
Aufnahme der Kinder/ Jugendlichen in altersadäquaten Klassen
6.
Bei Bedarf Ausstattung der Kinder mit Schultagebuch, Schul-
büchern oder anderen Unterrichtsmaterialien
7.
Ermöglichen von Förderunterricht durch
-
Einbeziehen in ein bestehendes Angebot oder
-
zusätzliche bzw. ersetzende Maßnahmen
8.
Ggf. Vereinbarung mit dem Schulträger bezüglich eines zusätz-
lichen Betreuungsangebotes für die Kinder und Jugendlichen
9.
Überprüfung der Eintragungen der Lehrkräfte seiner/ihrer Schu-
le in das Schultagebuch (Lernstandsberichte, Lernpläne, Schul-
besuchskalender)
10. Absenden einer Kopie der Lernstandsberichtsseite an die
Stammschule
11. Dokumentation des jeweiligen Schulbesuchs im Schulordner
„Reisende Kinder“
12. Kontakt zum Ordnungsamt/zur Platz vergebenden Stelle:
-
Vereinbarung über wechselseitige Information
-
Zuleitung der Elterninformation bzw. der Elternbriefe

- 18 -
7.
Die Bereichslehrkräfte
In den Ländern Baden-Württemberg, Bayern, Bremen, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-
Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen sind Bereichslehr-
kräfte für die Betreuung und Beratung der Kinder beruflich Reisender beauftragt.
In ihren jeweiligen Regionen bzw. Bereichen übernehmen sie zusätzlich zur Koordination und
Organisation des Schulbesuchs der Schülerinnen und Schüler folgende Aufgaben:
Sie stellen mit den in ihrer Region reisenden Familien Kontakt her.
Sie unterstützen den regelmäßigen Schulbesuch der Schülerinnen und Schüler wäh-
rend der Reisezeit.
Sie beraten Eltern und Schüler/Schülerinnen, insbesondere in Fragen der Schullauf-
bahn.
Sie unterrichten Schüler und Schülerinnen von reisenden Familien.
Sie informieren und beraten Stützpunktschulen.
Sie koordinieren die schulische Förderung und Betreuung in Zusammenarbeit mit den
Stamm- und Stützpunktschulen.
Sie unterstützen die Stamm- und Stützpunktschulen bei der Erstellung von Lern- und
Förderplänen.
Sie kooperieren bei ihrer Arbeit mit den Kindern mit den Bereichslehrern anderer Re-
gionen und ggf. Bundesländer.
Eine aktuelle Zusammenstellung der Bereichslehrkräfte der Länder ist im Internet unter
www.schule-unterwegs.de
zu finden.
8.
Zeugnisse/ Leistungsbewertung
Die Beurteilung von Leistungen reisender Kinder verlangt ein hohes Maß an Sensibilität und
Verantwortung von allen am Bildungsprozess Beteiligten. Sie soll nicht vorrangig Defizite
aufzeigen, sondern muss in Zeugnissen gerade auch Stärken und Kompetenzen bescheinigen,
wenn sie Perspektiven zur Motivation und Ermutigung für reisende Kinder eröffnen will.
Die Basis von Leistungsmessung und -bewertung kann nur das Gelehrte und Gelernte sein, d.
h., dass bei Erstellung der individuellen Lernpläne flexible Möglichkeiten der Lernkontrolle
gezielt eingeplant werden. Nur so sind die kindgerechte Fortschreibung des Lernplans und
eine gezielte Förderung möglich.
Die Formen der Lern- und Leistungskontrolle müssen so angelegt sein, dass sie ein hohes
Maß an Selbstkontrolle, Selbstständigkeit und damit auch Selbstverantwortung beinhalten.
Um dieses Ziel zu erreichen, sind für die Schüler und Schülerinnen mit den Lernplänen nach-
vollziehbare Zeitplanungen und Zielvereinbarungen zu formulieren. Eine Möglichkeit sind
z.B. Lernprogramme (auch elektronische) mit Selbstkontrolle, die den individuellen Lern-
stand und das Lerntempo berücksichtigen.
Die Dokumentation solcher Lernkontrollen bietet sich in Form eines Portfolios an; sie ermög-
licht zu den festgelegten Zeitpunkten der Zeugnisausgabe eine Leistungsbeschreibung und -
bewertung sowohl in Verbalgutachten als auch in Ziffernnoten.

- 19 -
Zeugnisse haben vor allem die Funktion, die Fortschritte des Kindes zu dokumentieren, zum
Lernen zu ermutigen und die Motivation der Kinder zu stärken. Dies legt die Kombination
von Wortgutachten und Ziffernnoten bei der Erstellung von Zeugnissen nahe. Auch reisende
Kinder haben ein Recht auf Würdigung ihrer während des Schuljahres erbrachten Leistungen
in Form von Zeugnissen. Das Winterzeugnis hat aufgrund des längeren Beobachtungszeit-
raumes an der Stammschule ein größeres pädagogisches Gewicht. Zum Zeugnis sollten er-
gänzende Hinweise für den weiteren Lernprozess auf der Reise mitgegeben werden. Es hat
sich auch bewährt, nach dem Aufenthalt an der Stammschule im Winter ein Zeugnis und im
Sommer einen Halbjahresbericht/ eine Halbjahresinformation zu erstellen.
Aufgrund der generellen Verantwortung der Stammschule für die Schullaufbahn des reisen-
den Kindes ist diese auch für die Erstellung der Zeugnisse verantwortlich. Grundlage dafür
sind die im Schultagebuch formulierten Beurteilungen der Lehrkräfte aller von dem Kind be-
suchten Schulen und die im individuellen Lernplan des Kindes vorgenommenen Eintragungen
der am Lern- und Entwicklungsprozess des Kindes Beteiligten. Es ist sinnvoll, die Bereichs-
lehrkraft in die Beratungen einzubeziehen.
Die Stammschule entscheidet und vermerkt auf dem Zeugnis, in welcher Jahrgangsstufe das
Kind auf der Reise unter Berücksichtigung des individuellen Lernplans unterrichtet werden
soll.
Bei Kindern, denen reisebedingt eine so geringe Unterrichtsteilnahme bescheinigt wurde, dass
eine Zeugnisausstellung zum üblichen Zeugnisausgabetermin nicht erfolgen kann, empfiehlt
sich, das Zeugnis erst kurz vor Reisebeginn auszustellen; damit erhöht man den Beobach-
tungszeitraum.
Auch reisende Kinder können und sollen Schulabschlüsse erreichen. Die Abschlüsse werden
von den Stammschulen vergeben. Möglich ist auch das Ablegen von externen Prüfungen
(Nichtschülerprüfungen, Fremdenprüfungen). Eine Projektprüfung zum Schulabschluss bietet
besonders für reisende Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, neben Fachkompetenzen
auch personale und methodische Sachkompetenz zu zeigen.

- 20 -
9.
Von A bis Z – Lexikon
Adressen
Alle wichtigen Adressen (Ministerien, Schulämter, Schulen, Bereichslehrkräfte, Verbände,
Kirchen...) finden Sie in der bundesweiten Adressenbroschüre „Schule unterwegs“. Man kann
die aktuellste Fassung aus dem Internet herunterladen
(www.schule-unterwegs.de)
Ansprechpartner
Ansprechpartner für das reisende Kind ist vor allem die Stammschule und dort die Klassen-
lehrerin oder der Klassenlehrer in Zusammenarbeit mit der jeweiligen Bereichslehrkraft. Die
Klassenlehrkräfte halten auch während der Reise Kontakt zu den reisenden Kindern und ihren
Eltern. Erforderlich ist eigentlich, dass jede Lehrkraft, die mit einem reisenden Kind in Kon-
takt kommt, auch als Ansprechpartner zur Verfügung steht. Während der Reisezeit überneh-
men Bereichslehrkräfte in Zusammenarbeit mit den Betreuungslehrkräften an den Stützpunkt-
schulen diese Funktion für durchreisende Kinder. Vor allem dann, wenn sie feststellen, dass
diese (noch) keine Anbindung an eine Stammschule haben, ist Handlungsbedarf gegeben.
Aufnahme
Reisende Kinder haben einen Anspruch auf Aufnahme in die Schule. Dies gilt insbesondere
auch für während der Saison aufgesuchte Schulen. Bei der Aufnahme sieht die Schulleiterin
oder der Schulleiter der Stützpunktschule das Schultagebuch ein und entscheidet entsprechend
den dort enthaltenen Angaben, ggf. in Zusammenarbeit mit der zuständigen Bereichslehrkraft,
in welche Klasse das reisende Kind kommt.
Ausland
Manche Familien reisen während der Saison durch mehrere Länder der Bundesrepublik
Deutschland und auch im europäischen Ausland. Schulwechsel für die Kinder beruflich Rei-
sender können daher auch beinhalten, dass der Unterricht in einer fremden Sprache stattfindet.
Die schulische Betreuung wird dadurch erleichtert, dass die von der Stammschule mit dem
Schultagebuch mitgegebenen individuellen Lernpläne und Materialien ein hohes Maß an
Selbstständigkeit, Selbstkontrolle und damit auch Selbstverantwortung ermöglichen. Bei ge-
planten Auslandsaufenthalten der reisenden Kinder ist zur Vorbereitung die Kontaktaufnahme
mit der Stammschule oder der Bereichslehrkraft geboten.
BeKoSch
Das Angebot BeKoSch (Entwicklung beruflicher Kompetenzen für Schausteller und Circus-
angehörige) beinhaltet Angebote für Block- und Fernunterricht im kaufmännischen, gewerb-
lich-technischen und allgemein bildenden Bereich, durch die Zertifikate für das Berufsschul-
abschlusszeugnis, den Hauptschulabschluss und die erbrachten Teilleistungen erworben wer-
den können. Solche Kompaktkurse werden bisher an vier Standorten, und zwar in Nidda
(Hessen), Schönebeck (Sachsen-Anhalt), Neumünster (Schleswig-Holstein) und Herne (Nord-
rhein-Westfalen) angeboten. Informationen über
http://www.schule-unterwegs.de
Bereichslehrkräfte
In den Ländern Baden-Württemberg, Bayern, Bremen, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-
Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen sind Bereichslehr-
kräfte beauftragt, die in ihren jeweiligen Regionen bzw. Bereichen die Begleitung der Kinder
übernehmen, Hausaufgabenbetreuung und Förderunterricht anbieten und die Eltern sowie
auch Stamm- und Stützpunktschulen beraten. Sie kooperieren bei ihrer Arbeit mit den Be-

- 21 -
reichslehrkräften anderer Regionen und auch Länder. Eine aktuelle Zusammenstellung der
Bereichslehrkräfte finden Sie unter
http://www.schule-unterwegs.de.
BERiD
BERiD (Verband zur Förderung der schulischen Bildung und Erziehung von Kindern der An-
gehörigen reisender Berufsgruppen in Deutschland e.V.) verfolgt den Zweck, die Rahmenbe-
dingungen für die schulische Bildung und Erziehung von Kindern der Angehörigen reisender
Berufsgruppen in Deutschland zu verbessern. Er will vordringlich erreichen, dass die zustän-
digen Institutionen die rechtlichen, pädagogischen, sozialen, wirtschaftlichen und steuerlichen
Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Kinder beruflich Reisender eine schulische Bildung
und Erziehung empfangen können, die der anderer Kinder in der Gesellschaft gleichwertig ist.
Die Mitglieder sind in der Regel Vereine, Organisationen und andere Einrichtungen, die für
zumindest eine der reisenden Berufsgruppen tätig sind.
(www.berid.de;
e-mail: in-
fo@berid.de)
Berufsbildende Angebote
(siehe BeKoSch)
Berufsschulpflicht
Die Berufsschulpflicht gilt ebenso wie die Schulpflicht auch für die Kinder beruflich Reisen-
der; örtliche Angebote sind allerdings aufgrund der Reise kaum wahrnehmbar. Die Klassen-
lehrerinnen oder Klassenlehrer der Stammschulen sind gebeten, berufsschulpflichtig werden-
de reisende Jugendliche und ihre Eltern über die vorhandenen speziell für beruflich Reisende
geschaffenen Angebote zu informieren und nach Möglichkeit bei der Anmeldung zu unter-
stützen. Auch Bereichslehrkräfte und ggf. Betreuungslehrkräfte an den Stützpunktschulen
beraten Eltern entsprechend. (Siehe BeKoSch).
Betreuungslehrkräfte
Dies ist die Bezeichnung für die Lehrkräfte, die an den Stützpunktschulen für die Betreuung
der Kinder beruflich Reisender benannt worden sind. In Brandenburg werden die Ansprech-
partner an den Stammschulen so genannt.
Betriebspraktika
Sofern von den Stammschulen Betriebspraktika angeboten werden, sollten die beruflich rei-
senden Familien mit der Möglichkeit der Teilnahme vertraut gemacht werden. Da die reisen-
den Jugendlichen der achten, neunten und zehnten Klassen aufgrund ihrer Lebensumstände
die von den Schulen angebotenen Termine der Praktika häufig nicht wahrnehmen können,
sind Schulen und Bereichslehrkräfte gehalten, sie bei der Beschaffung eines Praktikumplatzes
auch zu einem anderen Termin am Ort der Stammschule oder in dem Ort, an dem sich der
reisende Jugendliche gerade aufhält, zu unterstützen und während des Praktikums entspre-
chend zu betreuen. Auch ein Praktikum in einem anderen Schaustellerbetrieb oder Circusun-
ternehmen ist möglich.
Circus- und Schaustellerseelsorge
Die Evangelische und die Katholische Kirche haben sich in Deutschland seit Jahrzehnten für
eine Verbesserung der sozialen und schulischen Situation der Kinder beruflich Reisender ein-
gesetzt. Insbesondere haben sie Pfarrer mit entsprechenden Betreuungsaufgaben bereitgestellt.
Familie
Die Sozialisation der reisenden Kinder findet in einem Umfeld statt, das sich wesentlich von
dem nicht reisender Kinder unterscheidet. Die Tatsache, dass die Familie gleichzeitig Er-
werbsgemeinschaft und Lebensgemeinschaft ist, bedingt starke familiäre Bindungen, aus de-

- 22 -
nen die Kinder psychische, emotionale und soziale Stabilität beziehen. Aufgrund ihrer Mobili-
tät sind für die Reisenden engere Beziehungen zur „stationären“ Gesellschaft oft nur schwer
möglich. Die Unterbringung der Kinder z. B. im Internat wird von den Familien häufig abge-
lehnt, da die Trennung von den Eltern und dem Schausteller- bzw. Circusmilieu Probleme mit
sich bringen würde.
Ferien:
(s. Jahresurlaub)
Fernlernen
(s. ODL/Fernlernen)
Förderunterricht
Fördermaßnahmen sind heute an allen Schulen erforderlich und üblich. Für Kinder auf der
Reise ist der Förderunterricht an den Stützpunktschulen von besonderer Bedeutung. Hier soll-
ten die reisenden Kinder unbedingt in Fördermaßnahmen der Klasse einbezogen werden, oder
es sollten in Absprache mit der Bereichslehrkraft je nach Bedarf für die Dauer ihres Aufent-
haltes besondere Fördermaßnahmen eingerichtet werden. Die individuellen Lernpläne im
Schultagebuch und die Eintragungen zum Lernstand geben hierfür Hinweise. Dabei sollte die
Einbindung der Kinder in den Arbeitszusammenhang der Familien berücksichtigt werden.
Damit die Fördermaßnahmen wahrgenommen werden können, sollten sie zeitlich nicht (z. B.
mit der Nachmittagsvorstellung bei Circusunternehmen) kollidieren. Der Förderunterricht ist
auch eine zentrale Aufgabe der Stammschule, um die von der Reise kommenden Kinder an
den Lernstand der Klasse heranzuführen. Die Kinder Reisender sind nicht Gäste sondern or-
dentliche Schüler der Stammschule mit denselben Rechten und Pflichten wie alle anderen,
auch dem Recht auf Förderung. Die Möglichkeit der Feststellung eines sonderpädagogischen
Förderbedarfs sollte vor dem Hintergrund geprüft werden, ob der festgestellte Förderbedarf
möglicherweise systembedingt ist, d.h. ursächlich mit dem Reiseverhalten zu tun hat, und ob
das Reiseverhalten der Eltern sonderpädagogische Förderung überhaupt realisierbar erschei-
nen lässt. Die Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs kann dazu führen, dass für
das Kind mit der Festlegung des Förderortes "Sonderschule/Förderschule" auf der Reise über-
haupt keine Schule mehr erreichbar ist.
GCD
Die GCD (Gesellschaft der Circusfreunde e.V.) bezweckt die Förderung und Erhaltung der
Circus- Varieté- und Artistenkunst in all ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen
(www.circusfreunde-gcd.de).
Sie gibt die monatlich erscheinende ‚Circuszeitung’ heraus
(www.circus-verlag.de)
und unterhält örtliche Zusammenschlüsse von Mitgliedern (Sektio-
nen), die Veranstaltungen im Sinne der Satzung durchführen und Kontakte zu Circusunter-
nehmen pflegen. Sie unterhält außerdem einen Informationsdienst über Circusgastspiele
(www.circus-gastspiele.de
oder 05158/ 626).
Hausaufgaben
Hausaufgaben machen nur dann Sinn, wenn sie selbstständig erledigt werden können und
wenn ihre Kontrolle gewährleistet werden kann, was bei Kurzaufenthalten oft nicht möglich
ist. Sinnvoll ist deshalb die Entwicklung von Aufgaben, die Selbstkontrolle ermöglichen, oder
auch von Langzeitaufgaben(z. B. Reisetagebuch, Fotodokumentation, eine Interviewreihe)
durch die Stammschule oder eine Stützpunktschule, an der die Verweildauer länger ist.
Hausaufgabenbetreuung
Die Wohnsituation von Kindern auf der Reise (Wohnwagen auf dem Festplatz während der
Dauer des Circusgastspiels bzw. der Kirmes) sowie die Tatsache, dass reisebedingt Unter-
richtstage entfallen, legen nahe, den reisenden Kindern an den Stützpunktschulen - wenn

- 23 -
möglich - Silentien bzw. Hausaufgabenbetreuung anzubieten, um notwendige Hilfestellungen
und eine störungsfreie Arbeitsumgebung zu gewährleisten.
Internet
Alle wichtigen Informationen zu Fragen der schulischen und beruflichen Bildung reisender
Kinder und Jugendlicher sind im Internet auf über 500 Dateien unter der Adresse
„www.schule-unterwegs.de“
zu finden.
Jahresurlaub
Beruflich reisende Familien haben hohe Tagesarbeitszeiten und müssen auch an Wochenen-
den und Feiertagen ihren Geschäften nachgehen. Die Winterpause ist für sie häufig auch die
einzige Zeit für den Jahresurlaub, der oft im Anschluss an die Weihnachtsfeiertage genommen
wird. Während der Reisesaison können sie - und damit auch ihre Kinder - nun einmal keinen
Urlaub machen. Generelle Regelungen zu Fragen des Familienurlaubs liegen in den Ländern
schon in Anbetracht der unterschiedlichen Länge der Weihnachtsferien nicht vor. Falls der
geplante Urlaub Schulzeiten berührt, sollten die Stammschulen den eingeschränkten Ur-
laubsmöglichkeiten für beruflich Reisende möglichst verständnisvoll begegnen und ggf. den
Familien im Rahmen von Einzelfallberatung Empfehlungen im Hinblick auf Zeitpunkt und
Dauer des Urlaubs geben.
Klassenlehrerin/ Klassenlehrer
Die Klassenlehrerin/ der Klassenlehrer der Stammschule muss sich für das reisende Kind
auch während der Saison verantwortlich fühlen; insbesondere soll durch ihre oder seine Un-
terstützung der Kontakt zu dem Kind und den Eltern aufrecht erhalten bleiben. Dies wird um
so eher möglich sein, je stabiler das Vertrauensverhältnis zwischen der Familie und der Klas-
senlehrerin/ dem Klassenlehrer ist.
Kontrolle
Kontrolle des Schultagebuchs beinhaltet insbesondere, die in ihm enthaltenen Informationen
für den Unterricht zu nutzen und der jeweils nachfolgenden Schule (und der Stammschule)
Informationen zu übermitteln. Kontrolle der Arbeit mit reisenden Kindern bedeutet vor allem
zu überprüfen, ob und inwieweit der Schulbesuch auf der Reise inhaltlich, d.h. in seinen Hil-
festellungen für die reisenden Kinder verbessert werden kann. Kontrolle lediglich der Schul-
pflicht wird dem Anliegen, die schulische Situation reisender Kinder zu verbessern, ange-
sichts seiner spezifischen pädagogischen Herausforderungen nicht gerecht.
Lehrbücher und Lernmaterialien
Die reisenden Schülerinnen und Schüler arbeiten in den Fächern Deutsch, Mathematik und
Fremdsprache während der Reisezeit mit den Lehrbüchern und Materialien, die sie zusammen
mit dem Schultagebuch in den darin enthaltenen individuellen Lernplänen bei sich führen und
an der Stammschule erhalten haben. In den sonstigen Fächern ist es in der Regel sinnvoller,
sie in den jeweiligen Unterricht der Stützpunktschule einzubeziehen und nach den dort ver-
wendeten Materialien arbeiten zu lassen.
Leistungsbewertung
siehe Zeugnisse
Lernbausteine
Für die Fächer Deutsch, Mathematik und Fremdsprache enthält das Schultagebuch zwischen
den Ländern abgestimmte Lernbausteine, auf deren Grundlage die Stammschule die individu-
ellen Lernpläne für das jeweilige Kind entwickelt. Die Lernbausteine orientieren sich an den
KMK-vereinbarten Bildungsstandards.

- 24 -
Lernkontinuität
Eine erfolgreiche Schullaufbahn setzt dauerhaften und regelmäßigen Schulbesuch voraus und
ist um so eher dann zu verwirklichen, wenn ein Kind langfristig an einer Schule verweilt.
Jährlich mehr als 30 Schulwechsel mit ständigem Wechsel von Lehrkräften, Methoden, Un-
terrichtsmaterialien, Mitschülerinnen und Mitschülern verhindern Kontinuität, die eine uner-
lässliche Voraussetzung für erfolgreiche Lernprozesse ist. Das mit der Schulpflicht einherge-
hende Recht auf angemessene schulische Betreuung ist für reisende Kinder nur dann zu ge-
währleisten, wenn die schulischen Angebote die tatsächliche Lebens- und Berufssituation der
reisenden Familien berücksichtigen. Solange eine kontinuierliche personelle Begleitung beim
Lernen nicht möglich ist, kann nur durch konsequente und kontinuierliche Nutzung des Schul-
tagebuchs und der in ihm enthaltenen individuellen Lernpläne diesem Mangel entgegenge-
wirkt werden. Dazu ist eine enge Zusammenarbeit zwischen den reisenden Familien und den
Bereichslehrkräften sowie den Stützpunkt- und Stammschulen zwingend erforderlich.
Lernpläne
Um den Lehrkräften der Stützpunktschulen Hilfestellung zu geben, entwickeln die Stamm-
schulen für die Fächer Deutsch, Mathematik und Fremdsprache auf der Basis der zwischen
den Ländern abgestimmten Lernbausteine als Bestandteil des Schultagebuchs individuelle
Lernpläne, die über den bereits erreichten Lernstand, aber auch über noch zu Übendes infor-
mieren. Sie sind auf die verkürzte Unterrichtszeit der reisenden Kinder abgestimmt (s. auch
5.1 "Zur Arbeit mit den Lernplänen").
ODL/ Fernlernen
ODL (Open and Distance Learning) bzw. Fernlernen beinhaltet die Möglichkeit, den Mangel
an dauerhaften Bezugspersonen während der Reise durch besonders engen Kontakt mit den
Lehrkräften der Stammschule soweit als möglich auszugleichen und unabhängig von Stun-
denplänen und Schulgebäuden zusätzliche Lernzeit zu gewinnen. Dabei ist die Vorbereitung
des Materials für die Reise durch die Lehrkräfte der Stammschule ebenso wichtig wie die
enge Zusammenarbeit zwischen Stützpunktschulen und Stammschule während der Reise,
damit die Fernbetreuung der reisenden Kinder optimal verläuft. Anhand des vor der Reise an
der Stammschule durch die Betreuungslehrkraft (Klassenlehrerin bzw. Klassenlehrer) in Ko-
operation mit den Fachlehrkräften vorbereiteten individuellen Lernplans und des darauf abge-
stimmten Lernmaterials wird während der Reise an den Stützpunktschulen Parallelität des
Lernens mit der Stammschulklasse angestrebt. Dies setzt regelmäßige Lernerfolgsrückmel-
dungen (Lernstandsberichte) voraus, aufgrund derer Klassenlehrerin/der Klassenlehrer Kor-
rekturen oder Ergänzungen zum Lernplan vornehmen kann. Nach der Reise unterstützen sie
die Sicherung des Anschlusses an das Lernen in der eigenen Stammschulklasse.
Der Einbezug der neuen Medien und des elektronischen Lernens erweitert die Möglichkeiten
des Fernlernens. Deshalb sollen Stammschulen und Bereichslehrkräfte reisende Kinder zu-
nehmend im Umgang mit Computer und den damit verbundenen Lernmöglichkeiten vertraut
machen. So ist für die nächsten Jahre vorstellbar, durch elektronische Fernbetreuung (Lerntu-
torien, virtuelles Klassenzimmer, Chat rooms) neue Formen des Unterrichts für reisende Kin-
der anzubieten.
Reise, Reiseverhalten
Reise ist weder gleichzusetzen mit „Verreisen“ noch mit „Nichtsesshaftigkeit“. „Auf der Rei-
se“ sein heißt, während der wärmeren Monate des Jahres, der Saison, beruflich unterwegs
sein. Berufsbedingt ergeben sich für die Menschen „von der Reise“ zwei Jahreszeiten: die
Saison und die Winterpause. Die europäische Öffnung, wachsender Konkurrenzdruck, wär-
mere Winter wie auch das Problem, dass es schwer ist, Winterquartiere zu finden, bedingen,

- 25 -
dass die Winterpause immer kürzer wird und manche Unternehmen sogar dazu übergehen, im
Winter weitgehend durchzureisen und während der Sommerferien zu pausieren.
Reisetage
Reisetage sind die Tage, die für Abbau, Umsetzen und Aufbau gebraucht werden, wenn das
Unternehmen von einem zum nächsten Ort wechselt. An diesen Tagen ist für die reisenden
Kinder und Jugendlichen der Schulbesuch nicht oder nur eingeschränkt möglich, und vor al-
lem ist an Reisetagen Nachsicht bei der Stellung von Hausaufgaben geboten: Wann sollen sie
gemacht werden, und wer wird sie überprüfen?
Schülerunfallversicherung
Schülerinnen und Schüler allgemeinbildender und beruflicher Schulen genießen gesetzlichen
Unfallversicherungsschutz (Sozialgesetzbuch – SGB- VII; RVO § 539, Abs.1, Nr 14 b)). Dies
betrifft auch Schülerinnen und Schüler, die auf der Reise wechselnde Schulen besuchen. Der
Unfallversicherungsschutz erstreckt sich auf alle Tätigkeiten innerhalb des rechtlichen und
organisatorischen Verantwortungsbereichs der Schule sowie auf den Schulweg. Die Unfall-
meldung muss an der Schule erfolgen, an welcher der Unfall geschehen ist.
Schulanfänger
Vor allem für Schulanfänger, die das Lesen und Schreiben auf der Reise lernen müssen, be-
deuten der unvermeidbare ständige Schulwechsel sowie die durch die Reisetage verkürzte
Lernzeit eine erhebliche Belastung. Kommen unterschiedliche Lehrwerke und methodische
Zugänge hinzu, sind die Kinder zwangsläufig überfordert. Es ist deshalb unabdingbar, inhalt-
lich und methodisch auf Lernkontinuität zu achten und auf den Lernplänen, dem Lehrwerk
und den Materialien, mit denen das Kind durch seine Stammschule ausgestattet ist, aufzubau-
en. Stellt sich bei der Ersteinschulung eines Kindes an einer Stützpunktschule (d.h. während
der Reise) heraus, dass keine Materialien vorliegen und noch keine Stammschule existiert,
stattet diese Schule das Kind mit dem Schultagebuch aus. Sie und die zuständige Bereichs-
lehrkraft bzw. (in Ländern, in denen es keine Bereichslehrkräfte gibt) das Schulamt entschei-
den über die Übernahme der Stammschulfunktion und über die weitere Ausstattung des Kin-
des (siehe auch: Stammschule für Circuskinder).
Schulbesuchskalender
Der Schulbesuchskalender im Schultagebuch soll den Lehrkräften auf der Reise sowie an der
Stammschule einen Überblick über den zeitlichen Umfang des Schulbesuchs der reisenden
Kinder ermöglichen. Diese Übersicht ist bei der Würdigung der Leistungen des Kindes zu
berücksichtigen. Sie gibt außerdem der Stammschule Aufschluss darüber, in welchem Maße
reisebedingte Kürzungen der Unterrichtszeit nach Möglichkeit durch Fördermaßnahmen aus-
geglichen werden sollten.
Schule für Circuskinder in NRW
Für die
Kinder von Circusangehörigen
gibt es in Nordrhein-Westfalen seit 1994 eine eigene
Schule mit Schulmobilen und reisenden Lehrkräften. Die Lehrerinnen und Lehrer der Schule
für Circuskinder in NRW, die von der Evangelischen Kirche im Rheinland getragen wird,
kommen zu den Kindern von Familiencircussen, um ihnen auf dem Circusplatz Unterricht zu
erteilen. Nähere Informationen finden Sie hier:
http://www.schulefuercircuskinder-nrw.de.
Schule im Circus e.V.
Der gemeinnützige Verein bezweckt die Förderung der Bildung und Erziehung der Kinder
von Circusangehörigen, ggf. auch als Träger geeigneter Einrichtungen. Er arbeitet mit ande-
ren Organisationen ähnlicher Zielsetzung, mit der Circus- und Schaustellerseelsorge und

- 26 -
Schulministerien und der Schule für Circuskinder in NRW zusammen und steht als An-
sprechpartner für Eltern, Lehrkräfte und Behörden zur Verfügung. Er berät und hilft Unter-
nehmen bei der Lehrersuche, fördert Projekte und veranstaltet bundesweite Lehrerfortbildun-
gen zum Thema
(www.schule-im-circus.de).
Schulpflicht
Kinder beruflich Reisender unterliegen, wie alle anderen Kinder in Deutschland auch, der
allgemeinen Schulpflicht und der Berufsschulpflicht. Die entsprechenden Regelungen in den
Ländern sind unterschiedlich. Die Erfüllung der Schulpflicht dient primär den Interessen des
einzelnen Kindes bzw. Jugendlichen. Beruhen Probleme bei der Erfüllung der Schulpflicht
auf Umständen, die weder von dem Kind bzw. Jugendlichen noch von seinen Eltern zu vertre-
ten sind, kommen Zwangsmaßnahmen nicht in Frage. Dies gilt insbesondere dann, wenn es
auf die besondere berufliche Situation der Eltern (z.B. Reisende) zurückzuführen ist. Die
diesbezüglichen schulrechtlichen Bestimmungen gehen auf die besondere Lebenssituation
von Reisenden nicht ein, bieten aber bei einer an den Interessen des Kindes ausgerichteten
Auslegung genügend Freiräume für Schulaufsicht, Schulen und Lehrkräfte, um durch geeig-
nete schulische Maßnahmen die besondere Situation der Reisenden zu berücksichtigen.
Schultagebuch
Das Schultagebuch ist Grundlage für den unverzichtbaren Informationsaustausch zwischen
Stammschule, Stützpunktschulen, Bereichslehrkräften und Eltern; es gibt Informationen und
Hinweise zum Lernprozess des reisenden Kindes oder Jugendlichen. Jedes Schultagebuch
enthält von der Stammschule erstellte individuelle Lernpläne für die Fächer Deutsch, Mathe-
matik und Fremdsprache. In ihm werden die behandelten Inhalte und die Schulbesuchstage
dokumentiert. Seine Verwendung ist in allen Ländern verpflichtend.
Stammschule
Die Stammschule ist die Schule, an der die Kinder reisender Familien während der reisefreien
Zeit über einen längeren Zeitraum verweilen. In der Regel ist dies eine Schule am Haupt-
wohnsitz oder am Winterstandort der beruflich reisenden Familie. Sie führt die Schülerakte,
bereitet mit dem Kind und den Eltern die schulischen Aufgaben für die Reisesaison vor, hilft
bei Lernschwierigkeiten, stellt Lernmaterial und
Schultagebuch
bereit
und stellt die Zeugnisse
aus. Der Klassenlehrerin oder dem Klassenlehrer kommt hierbei besondere Bedeutung zu.
Beim Übergang von der Grundschule in die Sekundarbereich I berät die abgebende Schule
die Eltern hinsichtlich der Schulform.
Stammschule für Circuskinder
Für viele Circuskinder ist die Festlegung von Stammschulen wegen der von Jahr zu Jahr
wechselnden Winterquartiere ungeklärt. Wenn eine Schule bei der Aufnahme eines Kindes
während der Reise oder zu Beginn der Winterpause feststellt, dass keine Materialien vorliegen
und noch keine Anbindung an eine Stammschule existiert, muss sie sofort reagieren. Sie stat-
tet das Kind mit dem Schultagebuch aus. Sofern sie nicht als Schule am Winterquartier auto-
matisch Stammschule wird, entscheiden sie und die zuständige Bereichslehrkraft bzw. (in
Ländern, in denen es keine Bereichslehrkräfte gibt) das Schulamt über die Übernahme der
Stammschulfunktion.
-
Folgende Alternativen
sind dabei denkbar:
-
Übernahme der Stammschulaufgaben durch die
Schule einer Bereichslehrkraft
.
Durch die Anwesenheit der Bereichslehrkraft ist diese Schule mit dem Thema "Schule
für reisende Kinder" besonders vertraut. Die Schulleitung unterstützt die Bereichslehr-
kraft entsprechend.

- 27 -
-
Übernahme der Stammschulaufgaben durch die
Stützpunktschule (Grundschule),
die das Kind erstmalig beschult
. Ein gewichtiges Problem kann sein, dass das rei-
sende Kind diese Schule nie wieder anreist. Erforderlich ist die Bereitschaft von Eltern
und Schule, in ständigem Kontakt zu bleiben.
-
eine engagierte
Stützpunktschule in der Sekundarbereich I
übernimmt die Aufga-
ben. Die Anmerkungen zu 2. gelten analog.
-
die
Schule für Circuskinder in NRW
(private Ersatzschule) übernimmt Stammschul-
funktion; die Schule entscheidet über die Aufnahme des Kindes gemäß ihren Aufnah-
mekriterien, soweit Platzkapazitäten frei sind und das Kind sich mindestens die Hälfte
des Jahres in NRW aufhält. Gfs. übernimmt die Schule für Circuskinder NRW das
Führen der Schülerakte auch von Circuskindern, die sonst keine Stammschule haben.
Die Entscheidung über das Angebot einer der o.a. Stammschulkonstruktionen für ein Circus-
kind sollte für den jeweiligen Einzelfall aufgrund der individuellen Rahmenbedingungen ge-
funden werden.
Stützpunktschulen
Stützpunktschulen sind Schulen, die während der Reise besucht werden und in der Regel in
der Nähe von Festplätzen liegen. Sie stellen sich in besonderer Weise auf die Betreuung von
Kindern beruflich Reisender ein. Sie beziehen die Kinder in Fördermaßnahmen ein bzw. or-
ganisieren zusätzliche Förderangebote. Zwischen Stammschule und Stützpunktschule ist ein
Informationsaustausch insbesondere über die Lernfortschritte der Kinder erforderlich, der
durch das Schultagebuch erleichtert wird
.
Einmal jährlich sollte in jeder Stützpunktschule das
Thema "Reisende Kinder" in einer Lehrerkonferenz angesprochen werden. Als besonders
hilfreich hat sich dabei das Video "Lernen auf der Reise" erwiesen, das insbesondere den
Umgang mit dem Schultagbuch erläutert. Sollte es an den Kreisbildstellen bzw. Schulämtern
nicht vorrätig sein, sollte die Behörde gebeten werden, es zu beschaffen.
Unterrichtsthema ‚Circus oder Kirmes’
Insbesondere an Stützpunktschulen sollte man vermeiden, den Schulbesuch von reisenden
Kindern zum Anlass zu nehmen, das
Thema ‚Circus oder Kirmes’
spontan „mal eben auf-
zugreifen“. Das Einbeziehen dieser Kinder gelingt dadurch nicht besser. Für die Kinder von
der Reise ist diese an vielen Schulen geübte Praxis allerdings bestenfalls lästig; vor allem aber
machen sie keine Lernfortschritte. Die ohnehin knappe Unterrichtszeit wird vertan. Zu emp-
fehlen sind Unterrichtseinheiten an der Stammschule, die geeignet sind, das gegenseitige Ver-
ständnis zwischen reisenden und nicht reisenden Kindern zu erhöhen.
Urlaub
Siehe Jahresurlaub
Verbände
Insbesondere Schausteller sind in Berufsverbänden organisiert. Die Verbände können Infor-
mationen erteilen oder Gesprächspartner vor Ort vermitteln. Die Dachverbände sind:
Deutscher Schaustellerbund (DSB e.V.), Levetzowstr. 23 B, 10555 Berlin, Tel.: 030-3980530,
sowie der Bund deutscher Schausteller und Marktkaufleute (BSM e.V), Adenauerallee 48,
53113 Bonn, Tel.: 0228-224026.
Winterpause
Winterpause ist die Zeit von längstens Mitte Oktober bis Mitte März, in der die Unternehmen
nicht reisen, sondern sich im Winterquartier auf die neue Reisesaison vorbereiten, ihr Material
überholen etc. Dies ist demzufolge auch die Zeit, in der nicht verdient wird. In den letzten

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Jahren hat sich gezeigt, dass die Saison spürbar länger geworden ist, d. h. die Winterpause
sich verkürzt hat. Weihnachtscircus, Weihnachtsmärkte und Winterkirmes werden häufiger.
Winterquartier
Winterquartier ist die Bezeichnung für den Winterstandort des Unternehmens bzw. der Fami-
lie. Während Schausteller in aller Regel feste Winterquartiere (d.h. auch feste Anschriften)
haben und damit auch die Kinder jährlich an die gleiche Stammschule zurückkehren, kommt
es im Bereich des Familiencircus häufiger vor, dass die Circusse dort überwintern, wo sie im
Spätherbst die Saison beenden. Viele Familienunternehmen besitzen keine eigenen Winter-
quartiere und müssen sich jährlich neu orientieren. Damit kann erforderlich werden, dass in
jedem Winter eine neue Schule die Aufgaben der Stammschule übernimmt. Um dies ange-
messen tun zu können, ist die Auswertung des Schultagebuches und die Kontaktaufnahme zur
letzten Stammschule wichtig.
Zeugnisse, Leistungsbewertung
Aufgrund der generellen Verantwortung der Stammschule für die Schullaufbahn des reisen-
den Kindes ist sie auch für die Erstellung der Zeugnisse verantwortlich. Grundlage hierfür
sind die im Schultagebuch formulierten Beurteilungen der Lehrkräfte aller von dem Kind be-
suchten Schulen und die im individuellen Lernplan des Kindes vorgenommenen Eintragungen
der am Lern- und Entwicklungsprozess des Kindes Beteiligten. Es ist sinnvoll, die Bereichs-
lehrkraft in die Beratungen einzubeziehen. Der Grundsatz, dass die Leistungsbewertung für
das Kind hilfreich und ermutigend sein soll, legt eine Kombination von Wortgutachten und
Ziffernoten nahe.
Zusammenarbeit mit den Eltern
Während der Reisezeit, verbunden mit mindestens wöchentlichem Schulwechsel, kann sich
kaum Kontakt zwischen Eltern und einzelnen Schulen aufbauen. Zusammenarbeit zwischen
Lehrkräften und Eltern ist aber sinnvoll und vor allem während der Winterpause auch zu ver-
wirklichen. Kontakte sollten von der Schule, den Lehrerinnen und Lehrern ausgehen. Eine
wichtige Rolle spielt hier die Bereichslehrkraft als Bezugsperson zwischen verschiedenen
Schulen und Familie. Wenn die Familien spüren, dass man sie ernst nimmt, gehen sie auf Ge-
sprächsangebote ein. Sie erwarten allerdings Verständnis für ihre besondere Situation und ihr
daraus resultierendes Anderssein. Erforderlich ist, dass ,die' Schule sie in ihrem Anderssein
als Gleichberechtigte akzeptiert. Das beinhaltet als erstes Verständnis für die Tatsache, dass
die reisende Lebensweise nicht gleichbedeutend ist mit mangelnder Anpassungsfähigkeit an
das (stationäre) Schulsystem.
Zuständigkeit
In Anbetracht des häufigen Wechsels des Lernorts und auch der Tatsache, dass manche rei-
sende Kinder wechselnde Winterschulen besuchen, ist erforderlich, dass sich jede – auch noch
so kurz besuchte – Schule für die pädagogische Betreuung und Schullaufbahn der reisenden
Kinder verantwortlich fühlt. Die Sorge und Verantwortung für die Bildung der reisenden Kin-
der gilt nicht nur für Kinder, die im eigenen Bundesland ihren Hauptwohnsitz haben, sondern
für alle reisenden Kinder, gerade und insbesondere auch für die durchreisenden. Dies erfor-
dert zwingend enge Zusammenarbeit und Vernetzung aller am Bildungsprozess Beteiligten
auch über Ländergrenzen hinweg.