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www.bmel.de
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Ausgewählte Ergebnisse der dritten Bundeswaldinventur
Der Wald in Deutschland

Deutschland
35.720.780 Landesfläche
11.419.124 Waldfläche
= 32 %
Alle Flächenangaben in Hektar
Die Waldverteilung in Deutschland
1
Baden-Württemberg
3
.
575
.
14
8
1.371.847
= 38 %
Wald
Hessen
2.111.480
894.180
= 42 %
Saarland
256.977
102.634
= 40 %
Rheinland-Pfalz
1.985.406
839.796
= 42 %
Nordrhein-Westfalen
3.409.772
909.511
= 27 %
Niedersachsen
4
.
7
6
9
.
9
42
1.204.591
= 25 %
Schleswig-Holstein
1.579.957
173.412
= 11 %
Bayern
7.055.019
2.605.563
= 37 %
Thüringen
1.617.250
549.088
= 34 %
Sachsen
1.842.002
533.206
= 29 %
Sachsen-Anhalt
2.045.029
532.481
= 26 %
Berlin & Brandenburg
3.037.573
1.130.847
= 37 %
Mecklenburg-Vorpommern
2.319.318
558.123
= 24 %
Hamburg & Bremen
115.907
13.846
= 12 %
Bayern
Sachsen
Brandenburg & Berlin
Thüringen
Hamburg & Bremen
Mecklenburg-Vorpommern
Sachsen-Anhalt
Schleswig-Holstein
Baden-Württemberg
Saarland
Hessen
Rheinlandpfalz
Nordrhein-Westfahlen
Niedersachsen

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vorwort
1
Liebe Bürgerinnen und Bürger,
der Wald besitzt viele Talente. Er ist Heimat für Tiere und Pflanzen, ein wichtiger
Klimaschützer und Hort biologischer Vielfalt. Zudem ist er für uns ein wichtiger
Rohstofflieferant. Wir benötigen Holz zum Haus- und Möbelbau, zur Energiegewinnung
und für das Papier, auf dem diese Broschüre gedruckt ist. Der Wald ist aber auch ein
Ort, der uns zur Ruhe kommen lässt, der uns Rückzugsmöglichkeiten und Erholung in
einer hektischen, schnelllebigen Welt bietet. Der Wald ist daher für unser aller Leben
unverzichtbar.
Deutschland ist mit 11,4 Millionen Hektar zu einem Drittel bewaldet. Die dritte Bundeswaldinventur (BWI) liefert
erfreuliche Nachrichten: Unsere Waldfläche ist konstant geblieben. Es wächst mehr Holz nach, als wir nutzen.
Zudem haben wir mehr davon als jedes andere Land der Europäischen Union. Der Vorrat im Wald ist trotz hoher
Nutzung auf 3,7 Milliarden Kubikmeter angestiegen. 90 Milliarden alte und junge Fichten, Kiefern, Buchen, Eichen
und seltenere Baumarten prägen das Gesicht des deutschen Waldes. Der Anteil der Laubbäume ist gestiegen.
Die Wälder sind vielfältiger und naturnäher strukturiert. Wir finden mehr Totholz – eine wichtige Grundlage für
Biodiversität.
Der gute Zustand des Waldes ist das Ergebnis waldbaulichen Handelns vieler Waldeigentümer und Förster und das
Ergebnis einer Waldpolitik, die auf Balance und Nachhaltigkeit setzt und Verantwortung auf viele Schultern verteilt:
Etwa die Hälfte des deutschen Waldes ist in privaten Händen. Ein Fünftel besitzen Gemeinden, Städte und andere
öffentliche Körperschaften. Ein Drittel gehört den Ländern und dem Bund. Die Bundeswaldinventur zeigt aber auch
Handlungsbedarf auf. Ein Beispiel ist die Fichte: Die BWI bestätigt für die Fichte als wichtigem Rohstofflieferanten
der Holzwirtschaft einen Rückgang. Wir müssen nun also darüber sprechen, wie viel Fichtenwald wir brauchen und
welche Alternativen zur Fichte sich angesichts des Klimawandels bieten.
Der Wald soll bestmöglich genutzt werden, ohne ihn zu überfordern. Damit das gelingt, hat die Bundesregierung die
Waldstrategie 2020 entwickelt. Ziel ist es, die vielfältigen Ansprüche an den Wald zu formulieren und aufeinander
abzustimmen. Nur so kann es gelingen, auch zukünftigen Generationen die Chance auf einen intakten Wald zu
erhalten. Daher gilt für mich der Grundsatz „Unser Wald – nutzen und bewahren“.
Diese Broschüre soll Verständnis schaffen – für Wald, Waldeigentümer und Förster. Bürgerinnen und Bürger erhalten
hiermit die Möglichkeit, die Funktionen des Waldes kennen und seinen Wert schätzen zu lernen. In diesem Sinne soll
die Broschüre einen Beitrag zu einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung leisten.
Ihr
Christian Schmidt MdB
Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft

2
inhalt
Vorwort 1
Waldland Deutschland –
Waldfläche konstant
3
Wald – überwiegend in privater Hand
9
Unterschiedlicher
Waldreichtum der Länder
10
Lebensraum Wald –
mehr biologische Vielfalt im Wald
11
Fichte, Kiefer, Buche, Eiche – häufigste Baumarten
12
Waldschäden führten zum Umdenken – Klimawandel
bringt neue Herausforderungen
15
Mehr älterer Wald
16
Laubbaumanteil gestiegen
17
Wald vielfältiger aufgebaut
19
Naturnähe der Baumarten-Zusammensetzung −
etwas verbessert
22
Totholz – mehr als vor zehn Jahren
23
Besonders geschützte Biotope −
fünf Prozent der Waldfläche
26
Invasive Pflanzen im Wald –
derzeit von geringer Bedeutung
26
Biotopbäume – Trittsteine für die biologische Vielfalt 27
Erhaltungszustand großflächiger
FFH-Waldlebensraumtypen
28
Rohstoffquelle Wald –
Holzvorrat auf Rekordniveau
29
Vorrat weiter angestiegen
30
Vorratsanstieg vor allem bei dicken Bäumen
31
Sonderfall Fichte – Vorrat abgenommen
33
Holzzuwachs auf hohem Niveau
33
Holznutzung auf hohem Niveau
34
Zuwachs größer als Nutzung
36
Holznutzung zunehmend eingeschränkt
oder ausgesetzt
38
Klimaschützer Wald –
weiterhin Kohlenstoffsenke
39
Vermessung des Waldes
43
Trotz Inventur geöffnet – das Inventurverfahren
44
Bundeswaldinventur – etablierte Informationsbasis
48
Fachbegriffe 49
Verzeichnis der Abbildungen
52
Impressum
52
Bundeswaldinventur und Waldentwicklungs-
und Holzaufkommensmodellierung im Internet

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Inhalt
3
Ein Drittel der Landesfläche Deutschlands ist bewaldet. Das sind 11,4 Mio. Hektar. Die Verantwortung
für den Wald verteilt sich auf viele Schultern. Die Hälfte des deutschen Waldes ist Privateigentum.
Waldland Deutschland –
Waldfläche konstant

4
waldland deutschland – waldfläche konstant
Raubbau am Wald – Nein danke!
Der Wald in Deutschland ist heute so wichtig wie eh und je:
Er reinigt unsere Luft, produziert den lebenswichtigen Sauerstoff,
sorgt für unser Trinkwasser und ist Heimat für viele Tier- und
Pflanzenarten. Im dicht besiedelten Deutschland bietet er Raum
für Erholung und Naturerleben. Nicht zuletzt liefert der Wald den
bedeutendsten nachwachsenden Rohstoff: Holz. Er leistet damit
einen wesentlichen Beitrag zur Beschäftigung und Wertschöp-
fung im ländlichen Raum.
Die Tatsache, dass Deutschland heute noch zu einem Drittel
bewaldet ist und wir unseren Wald nutzen und genießen können,
ist keine Selbstverständlichkeit. Das zeigt sowohl der Blick auf
andere Länder oder Erdteile als auch der Blick zurück in unsere
eigene (Wald-)Geschichte.
Hüter des Waldes – das Bundeswaldgesetz
Das Bundeswaldgesetz hat in den letzten Jahrzehnten maßgeb-
lich dazu beigetragen, den Wald zu bewahren. Zusammen mit
den Waldgesetzen der Länder regelt es seit 1975 den Umgang mit
dem Wald. Die Zahlen der Bundeswaldinventur belegen, dass
diese Gesetze den Wald wirksam vor unsachgerechter Behand-
lung, Übernutzung, Raubbau und Flächenverlust bewahren.
Nachhaltige Forstwirtschaft bewahrt den Wald
Die deutsche Forstwirtschaft verjüngt, pflegt und bewirtschaftet
den Wald und stellt seine vielfältigen Funktionen für die Gesell-
schaft nachhaltig bereit. Sie kann auf über 300 Jahre Erfahrung
im nachhaltigen Umgang mit der Ressource Wald zurückbli-
cken. Während sich die Nachhaltigkeit in den Anfängen auf die
Holzversorgung bezog, entwickelte die Forstwirtschaft dieses
Prinzip – unterstützt durch Wissenschaft und Forschung – weiter.
Ziel ist, die vielfältigen ökonomischen, ökologischen und sozialen
Leistungen des Waldes zum Nutzen gegenwärtiger und zukünfti-
ger Generationen dauerhaft und optimal sicherzustellen.
Deutschland ist ein dicht besiedeltes Land. Über 80 Mio.
Menschen leben auf 35,7 Mio. Hektar. Seit Jahrhunderten
bewohnt und bewirtschaftet der Mensch Deutschland
intensiv. 13 % der Landfläche nutzt er für Siedlung und
Verkehr. Auf 52 % der Fläche wird Landwirtschaft
betrieben. Die Landwirtschaft ist damit die größte
Flächennutzung in Deutschland. Danach folgen der
Wald bzw. die Forstwirtschaft mit 32 %.
In den letzten Jahrzehnten sind die Ansprüche an
Lebensstandard und Konsum sowie an die Erhaltung der
Umwelt gestiegen. Dies führt zu wachsender Konkurrenz
zwischen verschiedenen Landnutzungsformen. Es ist ein
Erfolg des Bundeswaldgesetzes, dass der Wald nach wie
vor ein Drittel der Landfläche einnimmt und dass sein
Bestand gesichert ist.
Die Waldfläche hat sich zwischen 2002 und 2012 nur
wenig verändert. Einem Waldverlust von 58.000 Hektar
stehen 108.000 Hektar neuer Wald gegenüber. In der
Summe hat die Waldfläche um 0,4 % oder 50.000 Hektar
zugenommen.

image
waldland deutschland – waldfläche konstant
5
Dank 300 Jahren Erfahrung im nachhaltigen Umgang mit der Ressource Wald
können wir diesen heute noch nutzen und genießen.
Waldfläche – historische Entwicklung
Seit der Ausbreitung des Ackerbaus vor etwa 7.000 Jahren beein-
flusst der Mensch zunehmend die Wälder. Die starke Nutzung der
Wälder im Mittelalter und vor der industriellen Revolution führte
Anfang des 19. Jahrhunderts zu einem Tiefstand der Bewaldung.
Kahle und wüste Flächen prägten damals die Landschaft.
Gleichzeitig stieg der Holzbedarf für die Energiegewinnung, den
Bergbau, die Eisenverhüttung und die Bauwirtschaft. Zur Abwehr
der drohenden Holznot formulierten Hannß Carl von Carlowitz
und andere Forstleute im 18. Jahrhundert die Grundsätze der
nachhaltigen Forst- und Waldwirtschaft. Im Zuge von Wald- und
Landreformen, die die Nutzung vieler Wälder neu gestalteten,
begannen die Forstleute aufzuforsten. Der Nutzungsdruck auf die
Wälder ließ erst nach, als neue Energiequellen wie Kohle an Be-
deutung gewannen und Holz nicht mehr der zentrale Brennstoff
für alle Wirtschaftszweige war.
Allmählich erholten sich die Wälder und die Waldfläche nahm
wieder zu. Der letzte große Aderlass an der Substanz des Waldes
erfolgte im und nach dem Zweiten Weltkrieg. Kriegszerstörun-
gen, Reparationshiebe und großer Holzbedarf zum Wiederauf-
bau forderten ihren Tribut. Borkenkäfermassenvermehrungen
zwangen zu weiteren Hieben. So entstanden große Kahlflächen.
Der Wiederaufbau der Wälder ist eine bedeutende Kulturleistung.
Sie war so prägend, dass sie sich damals auf der Rückseite der
50-Pfennig-Münze in Form einer eine Eiche pflanzenden Frau
niedergeschlagen hat.

image
6
waldland deutschland – waldfläche konstant
Die Bundeswaldinventur hat 11,4 Mio. Hektar Wald
erfasst. Über 98 % davon sind begehbar. Auf diesen
Flächen haben die Inventurtrupps Daten erhoben.
Mit insgesamt rund 10,9 Mio. Hektar ist der sog. „Holz-
boden“ die größte Flächenkategorie (95 %). Die meisten
Ergebnisse der Bundeswaldinventur beziehen sich auf
den Holzboden. Auf den „Nichtholzboden“ entfallen die
restlichen knapp 328.000 Hektar oder 3 % der Wald fläche.
Er erfüllt wichtige Funktionen für den Forstbetrieb (z. B.
als Holzlagerplätze), für die Erholung (z. B. Waldwege)
und als Lebensraum für licht- und wärmebedürftige
Tier- und Pflanzenarten. Die vielfältigen Leis tungen des
Waldes gehen von seiner ganzen Fläche aus.
Wald: Was ist das eigentlich?
Botanisch betrachtet ist Wald eine von Bäumen geprägte Vegeta-
tion, deren Fläche so groß ist, dass sich ein Waldklima entwickeln
kann. Das unterscheidet den Wald zum Beispiel von Baumalleen,
Parkanlagen oder Baumschulen.
Rechtlich betrachtet ist Wald jede mit Forstpflanzen bestockte
Grundfläche (§ 2 Bundeswaldgesetz). Förster bezeichnen diese
Fläche traditionell als „Holzboden“. Hierzu zählen auch Waldflä-
chen, auf denen vorübergehend keine Bäume stehen (Lücken und
Blößen).
Zum Wald zählen zudem dauerhaft baumfreie Flächen wie Wald-
wege, Holzlagerplätze, Waldeinteilungs- und Sicherungsstreifen
sowie weitere mit dem Wald verbundene und ihm dienende
Flächen. Diese Flächen werden als „Nichtholzboden“ bezeichnet.
Die Bundeswaldinventur orientiert sich an der gesetzlichen Wald-
definition. Im Sinne einer klaren und einheitlichen Abgrenzung
gilt ergänzend, dass eine Fläche erst als Wald erfasst wird, wenn
sie mindestens 0,1 Hektar groß und 10 m breit ist (siehe Fachbe-
griffe: Wald).
„Brotbaum“ der deutschen Forstwirtschaft, so wird die Fichte
auch genannt. Sie wächst vergleichsweise schnell und verfügt über
vorzügliche Holzeigenschaften.

waldland deutschland – waldfläche konstant
7
2
Waldkategorien
Blöße
40.852 ha
Holzboden
10.887.990 ha
Begehbarer Wald
11.215.375 ha
Nicht-
holzboden
327.385 ha
Bestockter Holzboden
10.847.138 ha
Wald
11.419.124 ha
Nicht-
begehbare
Fläche
203.749 ha
Hektar = ha
Waldkategorien
Begehbarer Wald
11.215.375 Hektar
Holzboden
10.887.990 Hektar
Bestockter Holzboden
10.847.138 Hektar
Wald
11.419.124 Hektar
Nicht-
begehbare
Fläche
203.749 Hektar
Nichtholzboden
327.385 Hektar
Blöße
40.852 Hektar
Begehbarer Wald:
Hier haben die Inventurtrupps Daten erhoben.
Nichtbegehbare Fläche:
Nicht begehbar, zum Beispiel wegen Betretungsverbotes oder
gefährlicher Geländebedingungen
Holzboden:
Dauernd zur Holzerzeugung bestimmte Fläche.
Dazu gehören auch Gräben, Leitungstrassen, zeitweilig unbestockte Flächen (Blößen) sowie
Wege und Schneisen unter 5 m Breite, auch Flächen wie z. B. in Nationalparken.
Nichtholzboden:
Nicht zur Holzerzeugung bestimmte Teile des Waldes, zum Beispiel
Waldwege und Schneisen ab 5 m Breite, und Holzlagerplätze
Bestockter Holzboden:
Holzboden, auf dem Bäume wachsen
Blöße:
Holzboden, auf dem vorübergehend keine Bäume stehen

image
8
waldland deutschland – waldfläche konstant

9
Von den 11,4 Mio. Hektar Wald in Deutschland sind
48 % Privatwald. 29 % des Waldes sind im Eigentum der
Länder, 19 % im Eigentum von Körperschaften und 4 %
im Eigentum des Bundes.
Dabei bestehen erhebliche regionale Unterschiede. Der
Anteil des Privatwaldes reicht von 24 % in Hessen bis
67 % in Nordrhein-Westfalen. Er überwiegt häufig in den
dünner besiedelten ländlichen Regionen. Der Staatswald-
anteil liegt zwischen 17 % in Nordrhein-Westfalen und
50 % in Mecklenburg-Vorpommern. Den größten Teil
des heutigen Staatswaldes bilden ehemals landes-
herrliche Wälder und säkularisierter Klosterbesitz. Der
Körperschaftswald hat in Rheinland-Pfalz einen Anteil
von 46 %, in Brandenburg etwa 7 %, in Niedersachen
und Sachsen-Anhalt rund 9 %. In dicht besiedelten
Großstadtregionen ist sein Anteil häufig besonders hoch.
Der Privatwald in Deutschland ist überwiegend klein
strukturiert und zersplittert. Rund die Hälfte der Privat-
waldfläche teilen sich Betriebe mit weniger als 20
Hektar. Nur 13 % des Privatwaldes gehören zu Betrieben
mit einer Größe über 1.000 Hektar. Die Eigentumsstruk-
turen haben sich historisch und regional unterschiedlich
entwickelt. Die Klein- und Kleinstwaldflächen in
Privatbesitz sind vielfach im Zuge der historischen
bäuerlichen Besiedelung oder durch Erbteilung, Teilung
der Allmende oder Aufforstung landwirtschaftlicher
Flächen entstanden. Die Zahl der körperschaftlichen und
privaten Waldeigentümer in Deutschland wird auf
2 Mio. geschätzt
1
.
Aufgrund der in der Summe großen Fläche der Klein-
und Kleinstprivatwaldeigentümer ist deren forstfachli-
che Beratung und Betreuung ein wichtiges Feld der
Forstpolitik. Die Eigentümer kleiner Waldflächen sind
oftmals wegen räumlicher Distanzen, urbaner Lebens-
weise oder ihrer beruflicher Tätigkeiten kaum noch mit
Erfordernissen einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung
vertraut. Zudem sind die finanziellen Erträge aus der
Waldbewirtschaftung an den Gesamteinkünften des
Eigentümers oftmals vernachlässigbar klein. Neben den
Fragen zur Nutzung des nachwachsenden Rohstoffes
Holz sind es u. a. Aspekte der Waldpflege, der Anpassung
an den Klimawandel, der Abwehr biotischer Schäden,
aber auch des Waldnaturschutzes und der Biodiversität,
die mit Blick auf die gesellschaftlichen Leistungen des
Waldes in Zukunft eine besondere Aufmerksamkeit und
Unterstützung des Kleinprivatwaldes durch Bund und
Länder erfordern.
Aus der Vielfalt der Waldeigentümer folgen unterschied-
liche Zielstellungen der Waldbehandlung. Daher unter-
scheiden sich die Wälder in einigen Kenngrößen wie der
Baumarten-Zusammensetzung, dem Holzvorrat oder
der Nutzung.
Wald – überwiegend in privater Hand
waldland deutschland – waldfläche konstant
Ist das Betreten von Privatwald gestattet?
Ja, aber … Grundsätzlich darf man Privatgelände nur mit der
Zustimmung des Eigentümers betreten. Das gilt für Wohnungen,
Hausgärten, Firmengelände, Privatwege oder landwirtschaftliche
Flächen gleichermaßen. Ausnahmen gibt es für den Wald (§ 14
Bundeswaldgesetz). Danach darf in Deutschland jeder den Wald
zur Erholung betreten, sofern diese Flächen nicht aus besonderen
Gründen gesperrt sind (z. B. Holzeinschlag, Kulturfläche). Das
Betreten geschieht auf eigene Gefahr. Wer im Wald andere Ziele
verfolgt (z. B. gewerbliches Sammeln von Pilzen), benötigt hierzu
die Zustimmung des Waldeigentümers. Die Waldeigentümer
müssen das Betreten zum Zwecke der Erholung dulden. Wald und
Waldeigentümer freuen sich, wenn sich im Gegenzug der Wald-
besucher wie ein Gast verhält.
1
Nach Angaben der „AGDW – Die Waldeigentümer“

10
waldland deutschland – waldfläche konstant
Eigentumsgröße im Privatwald
über 50 – 100 Hektar
6 %
über 20 – 50 Hektar
10 %
über 100 – 200 Hektar
6 %
über 200 – 500 Hektar
8 %
über 500 – 1000 Hektar
6 %
über 1000 Hektar
13 %
Treuhandwald
2 %
Staatswald Bund
403.464 Hektar
4 %
Körperschaftswald
2.220.445 Hektar
19 %
Waldfläche nach Eigentumsart
3
Staatswald Land
3.309.537 Hektar
29 %
Privatwald
5.485.679 Hektar
48 %
bis 20 Hektar
50 %
Basis: Gesamter Wald 11.419.124 Hektar
}
Knapp ein Drittel der Landfläche Deutschlands (32 %) ist
bewaldet. Wald findet sich besonders dort, wo der
Standort wegen des Klimas, der Bodenbeschaffenheit
oder der Geländebedingungen für Ackerbau oder
Siedlungen wenig geeignet war. Einen überdurchschnitt-
lichen Waldanteil bezogen auf die Landfläche haben
Rheinland-Pfalz (42 %) und Hessen (42 %), gefolgt vom
Saarland (40 %), von Baden-Württemberg (38 %), Bayern
(37 %), Brandenburg mit Berlin (37 %) und Thüringen
(34 %). Demgegenüber erreichen die restlichen Länder
Bewaldungsanteile von 29 % (Sachsen) bis 11 % (Schles-
wig-Holstein) (s. Abb. im Innendeckel).
Unterschiedlicher Waldreichtum der Länder
Statistische Sicherheit
Die Bundeswaldinventur ist die nationale Nachhaltigkeitskont-
rolle für die Waldbewirtschaftung. Sie leuchtet großflächige und
bedeutende Entwicklungen aus.
Seltene Ereignisse sind mit hohen statistischen Fehlern behaftet.
Der Nutzer dieser Daten muss mit Interpretationen vorsichtig
sein. Dies gilt für seltene Baumarten wie die Tanne, kleine regio-
nale Einheiten wie z. B. das Saarland oder kleine Auswertungs-
einheiten wie z. B. den Staatswald des Bundes.

image
11
Der deutsche Wald ist vielfältig und bietet Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten. Fichte, Kiefer,
Buche und Eiche sind die häufigsten Baumarten in Deutschland. Laubbäume, Mischwälder und die
Struktur im Kronenraum haben zugenommen. Der Wald enthält rund 93 Mio. Bäume mit ökologisch
bedeutsamen Baummerkmalen, 224 Mio. m³ Totholz und besonders geschützte Biotope auf 5 % der
Waldfläche.
Lebensraum Wald –
mehr biologische Vielfalt im Wald

12
lebensraum wald – mehr biologische vielfalt im wald
Vielfältige Wälder können mehr: Sie bieten das größte
Potenzial, um die an sie gestellten Anforderungen zu
erfüllen. Der Wald erbringt für die Gesellschaft unter-
schiedlichste Leistungen. Er trägt zum Schutz von Klima,
Wasser und Boden bei, ist Lebensraum für Tiere und
Pflanzen, bietet Raum für Erholung und Naturerleben
und liefert den bedeutendsten nachwachsenden Roh-
stoff Holz. Nachhaltige Forstwirtschaft in Deutschland
handelt nach dem Leitbild der Multifunktionalität und
sichert die Leistungen des Waldes.
Forstpolitisches Ziel sind standortgerechte, strukturrei-
che Mischwälder. Sie werden den gegenwärtigen Anfor-
derungen und künftigen Herausforderungen am besten
gerecht. Mischwälder bieten bessere Voraussetzungen,
sich an Umweltveränderungen anzupassen und wald-
bauliche Risiken wie Sturm, Schaderreger und Baum-
krankheiten auszugleichen. Mischwälder sind vorteilhaft
für den Waldboden und die Grundwasserspende. Neben
ästhetisch ansprechenden Waldbildern bieten sie
mannigfaltige Lebensräume und damit eine Vorausset-
zung für eine artenreiche Fauna und Flora. Vielfalt im
Wald beginnt beim Waldeigentum. Die Vielfalt der
Waldeigentümer, ihrer Zielsetzungen, Bewirtschaftungs-
praktiken und Betriebsgrößen spiegelt sich in der
Vielfalt unserer Wälder wider.
Gegenwärtig prägen Fichten, Kiefern, Buchen und
Eichen auf insgesamt 73 % des Holzbodens das Gesicht
unserer Wälder. Die Baumarten haben unterschiedliche
regionale Schwerpunkte. Die Fichte findet sich beson-
ders vom Alpenvorland bis in die Hochlagen Süd- und
Südwestdeutschlands und in den Mittelgebirgen
Nordostbayerns bis in den Thüringer Wald und das
Erzgebirge, zudem in Hunsrück, Eifel, Taunus, Wester-
wald, Rothaargebirge und Harz. Die Kiefer zieht sich v. a.
im nordostdeutschen Tiefland von Niedersachsen bis
nach Brandenburg und Sachsen. Weitere Schwerpunkte
liegen zudem im Pfälzer Wald, in der Rhein-Main-Nie-
derung und im Oberpfälzer Becken- und Hügelland. Die
Buche kommt schwerpunktmäßig in den Mittelgebirgen
von der Schwäbisch-Fränkischen Alb über Pfälzerwald,
Eifel, Odenwald und Spessart bis zum Solling vor. Die
Eiche findet man besonders im Pfälzer Wald, dem
Spessart und den warmen Tieflagen Deutschlands.
In der Bundeswaldinventur wurden 51 Baumarten bzw.
Baumartengruppen erhoben. 11 Baumarten nehmen
ca. 90 % des Holzbodens ein. Das sind neben den schon
genannten Baumarten Gemeine Fichte, Gemeine Kiefer,
Rotbuche, Traubeneiche und Stieleiche des Weiteren die
Baumarten Gemeine Birke, Gemeine Esche, Schwarzerle,
Europäische Lärche, Douglasie und Bergahorn. Die
übrigen 40 Baumarten teilen sich die restlichen 10 % des
Holzbodens. Trotz ihrer geringen Flächenverbreitung
leisten sie wichtige Beiträge für Vielfalt, Stabilität,
Bodenpflege und Holzerzeugung. Sie füllen ökologische
Nischen aus wie die Zirbelkiefer im Gebirge. Ihr Holz
wird gesucht für Spezialverwendungen wie z. B. Esche
für Werkzeugstiele, Linde für Bildhauerei oder Vogelkir-
sche für Möbel.
Fichte, Kiefer, Buche, Eiche –
häufigste Baumarten

lebensraum wald – mehr biologische vielfalt im wald
13
Anteil E iche Traktecke
bis 1/3
über 1/3 bis 2/3
über 2/3
Waldtrakt (ohne Ei)
Anteil B uche (Traktecke)
bis 1/3
über 1/3 bis 2/3
über 2/3
Waldtrakt (ohne Fi)
Anteil K iefer Traktecke
bis 1/3
über 1/3 bis 2/3
über 2/3
Waldtrakt (ohne Ki)
Anteil Fichte Traktecke
bis 1/3
über 1/3 bis 2/3
über 2/3
Waldtrakt (ohne Fi)
Kiefer
Eiche
Fichte
Buche
Verbreitung von Fichte, Kiefer, Buche und Eiche in Deutschland
4
Anteil am Trakt
bis 1/3
über 1/3 bis 2/3
über 2/3
Waldtrakt mit anderen Baumarten

14
lebensraum wald – mehr biologische vielfalt im wald
Die selteneren Laubbaumarten werden zu den Sammel-
gruppen „andere Laubbäume mit hoher Lebensdauer
(ALH)“ und „andere Laubbäume mit niedriger Lebens-
dauer (ALN)“ zusammengefasst. Das sind Baumarten wie
die Hainbuche, die nur selten obere Kronenschichten
beherrschen. Andere Baumarten (z. B. Speierling und
Elsbeere) können sich gegen schattenertragende Baum-
arten wie Buche und Fichte nur auf trocken-warmen
Standorten behaupten. Standort und baumartspezifische
Konkurrenzkraft bewirken so eine natürliche Differen-
zierung der Baumarten-Zusammensetzung. Zusätzlich
macht der Wildverbiss den Jungwüchsen insbesondere
der seltenen Baumarten zu schaffen.
Eine weitere Gestaltungskraft im Wald ist der Mensch:
Sein waldbauliches Handeln bestimmt wesentlich
darüber, welche Baumarten im Wirtschaftswald vor-
kommen. Dabei zeugen die heutigen Wälder sowohl von
den aktuellen als insbesondere auch von den Gegeben-
heiten, den gesellschaftlichen Bedürfnissen und den
waldbaulichen Entscheidungen unserer Vorväter. In den
vergangenen Jahrhunderten war oft Ödland aufzufors-
ten, um die Wälder wieder herzustellen und die Holz-
nachfrage zu decken. So hat die eigentlich im Bergland
heimische Fichte eine weite Verbreitung gefunden – auf
ärmeren Standorten die Kiefer.
Expeditionen brachten fremdländische Baumarten nach
Europa. Im Vergleich zu unseren heimischen Baumarten
spielen diese eingeführten Baumarten im Wald in
Deutschland eine untergeordnete Rolle. Fremdländische
Waldbaumarten wie Douglasie, Japanlärche, Roteiche,
Robinie, Sitkafichte, Schwarzkiefer, Weymouthkiefer,
Küstentanne und andere haben zusammen einen
Flächenanteil von knapp 5 %. Der Anbau dieser Baumar-
ten eröffnet zusätzliche waldbauliche Alternativen zu
der durch die Eiszeiten stark verminderten Zahl mittel-
europäischer Baumarten. Dieser Aspekt gewinnt ange-
sichts der Klimaänderung an Bedeutung. Am weitesten
verbreitet, gleichwohl anteilmäßig immer noch gering,
ist die Douglasie mit rund 218.000 Hektar oder 2 %,
gefolgt von Japanlärche (ca. 83.000 Hektar oder 0,8 %)
und Roteiche (ca. 55.000 Hektar oder 0,5 %).
Baumartenfläche der Buche oder
Buchenbestockungstyp
Für die Ermittlung der Baumartenflächen wird Mischwald nach
den Flächenanteilen der einzelnen Baumarten in „rechnerische
Reinbestände“ aufgeteilt. So enthält zum Beispiel die angegebene
Buchenfläche nicht nur die reinen Buchenwälder, sondern auch
den Buchenanteil in den Mischwäldern. Der Typ „Buchenbesto-
ckungstyp“ hingegen enthält alle Wälder, in denen die Buche
häufigste Baumart ist – einschließlich der dort beigemischten
Flächen anderer Baumarten. Deshalb unterscheidet sich die
Buchenfläche mit 1,68 Mio. Hektar von der Fläche des „Buchen-
bestockungstyps“ mit 1,80 Mio. Hektar.

lebensraum wald – mehr biologische vielfalt im wald
15
5
Basis: Holzboden 10.887.990
Hektar, rechnerischer Reinbestand
Fläche der Baumartengruppen
Alle Nadelbäume
5.900.253 Hektar
Fichte 2.763.219 Hektar
Tanne 182.757 Hektar
Douglasie 217.604 Hektar
Kiefer 2.429.623 Hektar
Lärche 307.050 Hektar
Lücke und Blöße 260.477 Hektar
Alle Laubbäume
4.727.260 Hektar
Eiche 1.129.706 Hektar
Buche 1.680.072 Hektar
ALH 769.578 Hektar
ALN 1.147.904 Hektar
Die Bundeswaldinventur hat die Bäume im deutschen Wald zu 51 Baumarten oder Baumartengruppen
zusammengefasst erhoben. Für die Auswertung wurden sie zu neun Baumartengruppen zusammenge-
fasst: Eiche, Buche, andere Laubbäume mit hoher Lebensdauer (ALH), andere Laubbäume mit niedriger
Lebensdauer (ALN), Fichte, Tanne, Douglasie, Kiefer, Lärche.
Andere Laubbäume mit hoher Lebensdauer (ALH): Ahorn, Esche, Kastanie, Linde, Mehlbeere, Speierling,
Robinie, Ulme
Andere Laubbäume mit niedriger Lebensdauer (ALN): Birke, Elsbeere, Erle, Pappel, Traubenkirsche,
Vogelbeere, Vogelkirsche, Weide, Wildobst
Die durch Luftverschmutzung verursachten Waldschä-
den hatten in den 1980er-Jahren zu einem Umdenken
bei der Baumartenwahl geführt und insbesondere der
Fichte und der Tanne weniger Perspektive gegeben.
Zwischenzeitlich haben sich die Luftqualität und damit
auch die Zukunftsaussichten der Tanne wieder verbes-
sert. Die Tanne wird daher wieder vermehrt als waldbau-
liche Option und zur Risikostreuung angebaut. Parallel
hierzu hat die Waldökosystemforschung die große
Bedeutung der Laubbäume für die Waldböden gezeigt.
Laubbäume sind daher ein zentrales Element im natur-
nahen Waldbau. Dagegen bringen weiträumig auftreten-
de Krankheiten nun manche Baumart in Bedrängnis.
Betroffen sind schon seit Jahrzehnten Ulmen sowie seit
einigen Jahren Eschen. Daher suchen Wissenschaftler
und Förster nach Baumarten, die sich an den Klimawan-
del anpassen oder die unter den zu erwartenden Bedin-
gungen gedeihen, viel Kohlendioxid aus der Atmosphäre
binden und artenreiche Ökosysteme bilden.
Waldschäden führten zum Umdenken –
Klimawandel bringt neue Herausforderungen

16
lebensraum wald – mehr biologische vielfalt im wald
Es gibt immer mehr Waldfläche mit alten Bäumen.
Der Wald ist im Durchschnitt heute 77 Jahre alt und
gegenüber 2002 damit viereinhalb Jahre älter. Im
Durchschnitt am ältesten sind Eichen mit 102, Buchen
mit 100 und Tannen mit 96 Jahren. Die Douglasie ist
mit im Mittel 45 Jahren die „jüngste“ Baumart.
Knapp ein Viertel des Waldes (24 %) ist älter als 100 Jahre,
14 % sogar älter als 120 Jahre. Die Fläche der Altbestände
über 100 Jahre ist gegenüber 2002 um 393.000 Hektar
gestiegen.
Die Altersstruktur des Waldes in Deutschland ist durch
die umfangreichen Wiederaufforstungen nach dem
Zweiten Weltkrieg geprägt. Nie wieder mussten in
Deutschland so viele Waldflächen neu aufgeforstet
werden wie in den 1950er- und 1960er-Jahren. Diese sind
jetzt zwischen 40 und 60 Jahre alt.
Es gibt immer mehr dicke Bäume im Wald. Diese dicken,
alten Bäume können in besonderem Maße zur biologi-
schen Vielfalt beitragen, denn sie verfügen häufiger als
junge Bäume über besondere Mikrohabitate wie z. B.
Grobborke, Kronentotholz oder Spechthöhlen. Viele
seltene Arten sind darauf angewiesen. Zudem sind alte
Bäume ein attraktiver Blickfang für Waldbesucher.
Für die Forst- und Holzwirtschaft stellen dicke Bäume
zunehmend eine Herausforderungen dar. Moderne
Säge- und Profilspanerwerke haben sich auf die Verar-
beitung von kleinen und mittelstarken Baumstämmen
konzentriert. Sie können aus diesen Stämmen qualitativ
hochwertige Holzwerkstoffe beinahe beliebiger Dimen-
sion erzeugen. Dicke Bäume werden daher immer
weniger nachgefragt.
Bleiben dicke Bäume bis zum Zerfall im Wald, erhöhen
sich entlang von Straßen, Parkplätzen und Wanderwe-
gen im Wald Haftungsrisiken aus der Verkehrssiche-
rungspflicht und Gefahren für die Arbeit im Wald.
Zudem können sich aus den gesetzlichen Vorgaben zum
Schutz seltener Arten an solchen Bäumen u. U. Ein-
schränkungen für die Bewirtschaftung ergeben.
Mehr älterer Wald
6
Laubbäume
Nadelbäume
1 – 20
21 – 40
41 – 60
61 – 80
81 – 100
101 – 120
121 – 140
141 – 160
> 160
Hektar
Jahre
Hektar
Alterspyramide des Waldes
Basis: Rechnerischer Reinbestand
270.155
316.076
383.136
460.319
532.531
720.382
754.798
673.709
616.157
450.677
957.284
1.473.360
990.281
856.662
628.982
310.083
152.910
80.014
2002
2012

image
lebensraum wald – mehr biologische vielfalt im wald
17
In Deutschlands Wäldern gibt es wieder mehr Laubbäu-
me. Aktuell haben sie einen Anteil von 43 % des Holzbo-
dens. Damit ist der Anteil der Laubbäume gegenüber
2002 um rund 7 % (ca. 315.000 Hektar) gestiegen und der
Anteil der Nadelbäume um ca. 4 % (267.000 Hektar)
gesunken. Die Differenz von rund 48.000 Hektar ent-
spricht der Waldflächenzunahme.
Der heutige Wald ist ein Erbe der Vergangenheit.
Von Natur aus würden Laubbäume das Erscheinungs -
bild der Wälder in Deutschland bestimmen. Dass die
heutigen Wälder von Nadelbäumen, vor allem Fichten
und Kiefern, geprägt werden, ist ein Ergebnis unserer
Geschichte.
Vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert wurden viele
Wälder übernutzt oder kahlgeschlagen (siehe Infokasten
Waldfläche – historische Entwicklung auf Seite 5).
So waren in den vergangenen Jahrhunderten häufig
Ödland oder große Kahlflächen aufzuforsten. Auf
solchen Flächen herrschen waldfeindliche Bedingungen:
Ohne den Schutz alter Bäume sind die kleinen Bäume
dem Einfluss von Sonne, Wind und Frost ungeschützt
ausgesetzt und müssen sich gleichzeitig gegen eine rasch
wachsende Konkurrenzvegetation wie Gräsern, Adler-
farn oder Brombeeren durchsetzen. Mäuse, Pilze,
Insekten und der Verbiss durch Wildtiere setzen den
kleinen Bäumen zusätzlich zu.
Laubbaumanteil gestiegen
Die Bundeswaldinventur-Ergebnisse zeigen mehr Laubbäume und mehr Mischwälder.
Der Anteil der Laubbäume ist seit 2002 um rund 7 % gestiegen. Die Entwicklung weg
von Nadelbaumreinbeständen hin zu standortgerechten, strukturreichen Mischwäldern
soll den Auswirkungen des Klimawandels vorbeugen.

image
18
7
Basis: Rechnerischer Reinbestand
ALH = andere Laubbäume mit hoher Lebensdauer, ALN = andere Laubbäume mit niedriger Lebensdauer
Veränderung der Waldfläche nach Baumartengruppen
2002
2012
Eiche
Fichte
Tanne
Douglasie
Kiefer
Lärche
Buche
ALH
ALN
307.050 Hektar
2.429.623 Hektar
217.604 Hektar
182.757 Hektar
2.763.219 Hektar
1.147.904 Hektar
769.578 Hektar
1.680.072 Hektar
1.129.706 Hektar
lebensraum wald – mehr biologische vielfalt im wald
Nur wenige Baumarten, darunter Fichte und Kiefer,
kommen mit den Bedingungen auf einer Kahlfläche gut
zurecht. Zur raschen Wiederbewaldung bot sich zu Fichte
und Kiefer kaum eine Alternative. Nur von diesen
Baumarten war das Vermehrungsgut in ausreichender
Menge verfügbar. Zudem wachsen Fichte und Kiefer
rasch und ihr Holz ist wegen der ausgezeichneten
Eigenschaften gesucht. Daher fanden Fichten und
Kiefern eine weite Verbreitung in Deutschland. So ist der
heutige Wald zu einem erheblichen Teil das Ergebnis der
waldbaulichen Überlegungen und Möglichkeiten unserer
Vorväter.
Laubbäume haben auf vielen Standorten Vorteile für den
Waldboden, für die Grundwassernachlieferung, für die
Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten sowie für die Stabili-
tät und Anpassungsfähigkeit der Waldbestände z. B.
gegen Schaderreger, Sturm und Klimaänderung.
Der Umbau von Nadelbaumreinbeständen – wie sie in
großem Umfang zuletzt nach dem Zweiten Weltkrieg
entstanden sind – hin zu standortgerechten Laub- und
Laubmischbeständen ist daher ein Ziel der Forstpolitik
des Bundes und der Länder. Er ist Bestandteil der Wald-
baurichtlinien vieler Landesforsten und wird im Nicht-
staatswald seit Jahrzehnten mit erheblichen Mitteln
gefördert. Der Wald soll damit für die zu erwartenden
Belastungen durch den Klimawandel besser aufgestellt
werden (siehe Kapitel „Klimaschützer Wald – weiterhin
Kohlenstoffsenke“).
Der Wald ist nach wie vor eine wichtige Rohstoffquelle.

19
Wichtige Merkmale für die Strukturvielfalt eines Waldes
sind seine horizontale und vertikale Struktur, d. h. seine
Baumartenmischung und die Schichtung im Kronen-
raum. Ein Wald, in dem verschiedene Baumarten
nebeneinander und die Kronenräume mehrerer Baum-
schichten übereinander stehen, bietet vielfältige Lebens-
räume für Tiere und Pflanzen. Er kann zudem durch die
Strukturvielfalt besser auf Umwelteinflüsse reagieren.
Wesentliches Element der horizontalen Struktur des
Waldes ist die Baumartenmischung. Mischwälder prägen
mit 76 % Flächenanteil den deutschen Wald. Relativ
wenig gemischt sind Kiefernwald mit 57 % oder Fichten-
wald mit 71 % Flächenanteil mit Mischung. Alle anderen
Bestockungstypen sind stärker gemischt. Die Baumar-
tenmischung hat sich in den letzten 10 Jahren ein wenig
verstärkt. Die Fläche der Mischbestockungen ist um 5 %
gestiegen.
Die Naturverjüngung ist mit 85 % Flächenanteil an der
Jungbestockung die überwiegende Verjüngungsart im
deutschen Wald. Pflanzungen machen nur 13 % aus. Sie
finden sich vor allem in Douglasien-Bestockungen (73 %
der Douglasien-Bestockungen) und in Eichen-Besto-
ckungen (44 % der Eichen-Bestockungen). Die restliche
Fläche (Saat, Stockausschlag, nicht zuzuordnen) sum-
miert sich auf gerade mal 2 %.
Wald vielfältiger aufgebaut
Was ist ein Mischwald?
Der Begriff „Mischwald“ ist weder im allgemeinen noch im forst-
fachlichen Sprachgebrauch einheitlich bestimmt. Die Bundes-
wald inventur definiert Mischwald wie folgt: Es kommen Bäume
aus mindestens zwei botanischen Gattungen vor, wobei jede
mindestens 10 % Flächenanteil hat. Somit sind auch
Buchenwald mit Eiche oder Fichtenwald mit Tanne Mischwald.
Mischungen botanischer Arten derselben Gattung wie zum
Bei spiel von Stieleiche und Traubeneiche sind hingegen kein
Mischwald. Bei der Unterscheidung nach Laubwald und Nadel-
wald gilt Laubwald als gemischt bei einer 10%igen Nadelbaum-
Beimischung bzw. umgekehrt.
Bund und Länder haben bereits beträchtliche Investitio-
nen getätigt, um den hier dokumentierten Waldumbau
herbeizuführen. Mittlerweile betreiben seit mehreren
Jahrzehnten viele Waldeigentümer eine naturnahe
Forstwirtschaft. Durch gezielte Pflege bauen sie stabile
und ökologisch wertvolle Mischbestände mit einem
hohen Anteil zum Standort passender heimischer
Baumarten auf.
Die Ergebnisse der Bundeswaldinventur belegen den
Erfolg dieser Maßnahmen: Im Zeitraum von 2002 bis
2012 nahm die Fichtenfläche um 242.000 Hektar (-8 %)
ab und die Buchenfläche um 102.000 Hektar (6 %) zu.
Bereits zwischen 1987 und 2002 hatte die Fichtenfläche
in den alten Bundesländern um 219.000 Hektar (-8 %)
ab- und die Buchenfläche um 151.000 Hektar (12 %)
zugenommen. Diese Entwicklung wurde durch Sturmer-
eignisse und Trockenjahre zusätzlich verstärkt.
Neben der Buche haben die Waldeigentümer auch den
Flächenanteil der anderen Laubbaumarten ausgeweitet.
Bei den Nadelbäumen haben nur die Douglasie um ca.
35.000 Hektar oder 19 % und die Tanne um knapp 19.000
Hektar oder 11 % geringfügig zugelegt, die Kiefer hat
dagegen um ca. 85.000 Hektar oder 3 % abgenommen.
Besonders in den jüngeren Altersklassen fällt der
Rückgang der Kiefer auf.
Wälder sind langlebige Ökosysteme und entwickeln sich
über Jahrzehnte und Jahrhunderte. Dementsprechend
lang sind die forstlichen Planungs- und Produktionszeit-
räume. Daher liegt es in der Natur des Waldes, dass
Fichten und Kiefern – trotz der Entwicklung hin zu
mehr Laubbäumen – vorerst die beiden dominierenden
Baumarten bleiben.
lebensraum wald – mehr biologische vielfalt im wald

image
20
Basis: Hauptbestockung
Mischung
Laubbeimischung
34 %
Ohne
Beimischung
24 %
Nadelbeimischung
13 %
Basis: Bestockter Holzboden
Bestockungsaufbau
Zweischichtig
6.213.432 Hektar
57,3 %
Einschichtig
3.465.967 Hektar
32 %
Mehrschichtig
oder plenterartig
1.167.040 Hektar
10,8 %
Alle Arten von Bestockungsaufbau:
10.846.440
Laub-und Nadel-
beimischung
29 %
8
Zweischichtig
57 %
Einschichtig
32 %
Mehrschichtig
oder plenterartig
11 %
Basis: Bestockter Holzboden
Schichtung des Kronenraums
lebensraum wald – mehr biologische vielfalt im wald
Die vertikale Struktur des Waldes wird durch die Schich-
tigkeit beschrieben. 68 % der Wälder sind zwei- oder
mehrschichtig aufgebaut. Das sind 28 % mehr als im Jahr
2002. Auf ca. ¼ des Holzbodens findet sich Jungbesto-
ckung. Sie ist damit ein wichtiges Element der vertikalen
Struktur des Waldes.
Insgesamt gibt es außerdem rund 30 Mio. Überhälter.
Das sind besonders alte Bäume, die eine zweite Um-
triebszeit im Wald verbleiben und deren Krone deswe-
gen häufig über die anderen hinausragt. Sie sind wichtige
Elemente für die Waldstruktur und die biologische
Vielfalt. Im Durchschnitt sind es 3 Stück je Hektar.
Am häufigsten ist ein zwei- und mehrschichtiger Aufbau
bei Tannen- (84 %), Buchen- (80 %), Eichen- (78 %) und
Eschenwäldern (78 %). Seltener ist ein zwei- und mehr-
schichtiger Aufbau bei Douglasien- (53 %) und Fichten-
wäldern (58 %).
Die größte Strukturvielfalt bieten Wälder, in denen
Bäume unterschiedlicher Art und Größe gemeinsam
vorkommen. Das sind häufig Buchenwälder oder
Eichenwälder. Auch in den seltenen Tannenwäldern
kommen oft Strukturen mit mehreren Baumarten und
Schichten im Kronenraum vor. Seltener sind gemischte
und geschichtete Strukturen in Fichten- und Kiefern-
wäldern.
Eine intakte, vielfältige Natur kann künftige Generationen
mit Ökosystemleistungen wie nachwachsenden Rohstoffen,
sauberer Luft oder Trinkwasser versorgen.

21
Anteil zwei-/mehrschichtig
0,5
0,5
0,6
0,7
0,8
0,9
1,0
Anteil Mischbestockung
Basis: Bestockter Holzboden
ALH = andere Laubbäume mit hoher Lebensdauer, ALN = andere Laubbäume mit niedriger Lebensdauer
Strukturvielfalt der Wälder
0,6
0,7
0,8
0,9
1,0
Kiefer
Buche
Eiche
Fichte
Erle
Douglasie
Birke
Esche
Tanne
ALN
Lärche
ALH
Einschichtiger oder mehrschichtiger Wald
Die Schichtung beschreibt den vertikalen Aufbau des Waldes.
Eine Schicht bilden alle Bäume, die einen gemeinsamen Kro-
nenraum haben und mindestens 10 % Deckungsgrad aufweisen.
Als zweischichtig gelten somit Wälder, die übereinander zwei
Kronenräume haben, die sich nicht berühren. Das kann zum
Beispiel Jungwuchs unter dem Schirm eines Altholzes sein.
Waldbaulich besonders anspruchsvoll und strukturell vielfältig ist
der Plenterwald. Er ist immer mehrschichtig. Allerdings erfordert
er besondere standörtliche Voraussetzungen und Baumartenmi-
schungen und kommt in Deutschland nur in vernachlässigbaren
Flächenanteilen vor.
lebensraum wald – mehr biologische vielfalt im wald

22
Wachstum und Vitalität eines Waldes werden von der
Konkurrenz der Bäume untereinander geprägt. Am
vitalsten sind die Bäume auf den Standorten, die ihre
artspezifischen Bedürfnisse nach Wasser, Nährelemen-
ten, Licht, Wärme etc. optimal erfüllen. Andere Baumar-
ten können sich auf solchen Standorten ohne menschli-
che Unterstützung kaum durchsetzen. So führt die
natürliche Selektion zu einer typischen Baumarten-
Zusammensetzung, der sog. „heutigen potenziellen
natürlichen Vegetation“. Das ist die Vegetation, die sich
bei den gegenwärtigen Standortbedingungen ohne den
Einfluss des Menschen am Ende aller Entwicklungsstadi-
en einstellen würde.
Werden Bäume auf für sie weniger geeignete Standorte
gepflanzt, so leidet darunter ihre Vitalität und sie werden
anfällig gegen Schaderreger, Trockenheit, Stürme und
andere Stressfaktoren. Die Reaktionsfähigkeit solcher
Waldbestände auf zusätzliche oder neue Stressfaktoren,
wie z. B. Luftverunreinigungen oder Klimaänderung, ist
herabgesetzt, ihre Stabilität beeinträchtigt.
Der Parameter „Naturnähe der Baumarten-Zusammen-
setzung“ beschreibt, inwieweit die Baumarten-Zusam-
mensetzung unseres Waldes der heutigen potenziellen
natürlichen Vegetation entspricht. Dies ist ein Weiser für
die Forstpolitik und die naturnahe Waldbewirtschaftung.
Der Wald ist Teil der vom Menschen geprägten Kultur-
landschaft. Von Natur aus ist Deutschland ein Buchen-
land. Auf der heutigen Waldfläche würden Buchenwäl-
der 75 % und Eichenwälder 17 % einnehmen. Wo von
Natur aus Buchenwälder wachsen würden, stehen heute
zu 21 % Buchenwälder; 34 % sind Fichtenwälder und
17 % sind Kiefernwälder. Auf der Fläche der natürlichen
Eichenwald-Gesellschaften wachsen heute nur 14 %
Eichenwälder, 55 % sind Kiefernwälder.
Die Naturnähe der Baumarten-Zusammensetzung in der
Hauptbestockung hat sich im Vergleich zur letzten
Inventur wenig verändert. Es gibt etwas weniger kultur-
bestimmte und dafür etwas mehr naturnahe Wälder.
15 % der Wälder haben eine sehr naturnahe und weitere
21 % eine naturnahe Zusammensetzung der Baumarten.
Besonders hoch ist der Anteil dieser beiden Naturnähe-
Stufen bei den Buchenwäldern (84 %) und den Tannen-
wäldern (68 %). Besonders gering ist er bei den Kiefern-
wäldern mit 15 %.
Die Investitionen in den naturnahen Waldumbau zeigen
sich jedoch bei der Jungbestockung (Bäume bis 4 m
Höhe): Hier beträgt der Anteil der sehr naturnahen und
naturnahen Baumarten-Zusammensetzung rund 51 %.
Kulturbetont sind nur 5 % und kulturbestimmt 13 % der
Jungbestockung.
Hohe Anteile haben naturnahe und sehr naturnahe
Baumarten-Zusammensetzungen im Landeswald (43 %)
und im Körperschaftswald (41 %). Der Waldumbau ist
hier am weitesten vorangeschritten.
Naturnähe der Baumarten-Zusammensetzung −
etwas verbessert
Wie wird die Naturnähe erfasst?
Der Naturnähe-Begriff der Bundeswaldinventur bezieht sich aus-
schließlich auf die Baumarten des Waldes. Für die Naturnähe-Ein-
schätzung vergleicht man die aktuell vorkommenden Baumarten
mit denen der natürlichen Waldgesellschaft (das ist die heutige
potenziell natürliche Vegetation: Das ist die Vegetation, die sich
bei den gegenwärtigen Standortbedingungen ohne den Einfluss
des Menschen entwickeln würde.).
Einteilung der Naturnähe
Die Bundeswaldinventur nutzt eine fünfstufige Skala, um die
Naturnähe zu beschreiben. Je weiter sich die vorhandene Baum-
arten-Zusammensetzung von der, die sich natürlich einstellen
würde, entfernt, umso geringer wird die Naturnähe eingestuft.
lebensraum wald – mehr biologische vielfalt im wald

image
23
Hauptbestockung
Hauptbestockung
15 %
21 %
41 %
16 %
7 %
Jungbestockung
Jungbestockung
25 %
26 %
31 %
5 %
13 %
Sehr naturnah
Naturnah
Bedingt naturnah
Kulturbetont
Kulturbestimmt
10
Naturnähe der Hauptbestockung bzw. der Jungbestockung
Basis: Bestockter Holzboden
lebensraum wald – mehr biologische vielfalt im wald
2
Kroiher, Franz; Oehmichen, Katja (2010): Das Potenzial der Totholzakkumulation im deutschen Wald.
Schweizerische Zeitschrift für Forstwesen = Journal forestier suisse, Band 161, Heft 5, Seiten 171-180
Totholz gehört zum natürlichen Kreislauf im Wald.
Es entsteht, wenn Bäume absterben und sich ihr Holz
zersetzt. Viele, insbesondere seltene Arten sind auf
diesen Lebensraum spezialisiert. Pilze, Flechten, Insekten
und Vögel leben vom oder am Totholz und finden hier
Nahrung, Unterschlupf und Brutgelegenheit. Totholz ist
somit ein wichtiger Faktor für die biologische Vielfalt.
Im deutschen Wald gibt es durchschnittlich 20,6 m
3
Totholz pro Hektar, insgesamt 224 Mio. m³. Damit hat
der Totholzvorrat 6 % des lebenden Holzvorrates
erreicht. Fast die Hälfte (49 %) ist liegendes Totholz,
23 % sind stehendes Totholz und 28 % sind Wurzelstö-
cke. Das sind 18 % mehr totes Holz als vor 10 Jahren.
Die Zu nahme ist bei stehenden Bruchstücken von
Nadelbäumen besonders groß.
Totholz verrottet. Es braucht eine stete Nachlieferung,
um Totholz für die auf Totholz spezialisierten Arten zu
erhalten. Früher wurde das meiste Totholz entnommen
und für die Versorgung der Bevölkerung mit Brennholz
genutzt. Heute strebt die nachhaltige Waldbewirtschaf-
tung einen angemessenen Totholzanteil zum Schutz der
biologischen Vielfalt aktiv an.
Jährlich ist etwa 1 m
3
Holz notwendig, um einen Tot-
holzvorrat von 20 m
3
pro Hektar dauerhaft zu erhalten
2
.
Das entspricht einem Nutzungsverzicht von etwa einem
Zehntel des jährlichen Zuwachses.
Etwa die Hälfte des Totholzvorrats befindet sich im
Stadium der fortgeschrittenen Zersetzung oder ist stark
vermodert. Fast die Hälfte (47 %) sind dicke Totholzstü-
cke mit mindestens 30 cm Durchmesser in der Mitte.
Totholz – mehr als vor zehn Jahren
Viele in Deutschland vorkommende Käferarten sind an Totholz
verschiedener Zerfallsstadien gebunden.

image
image
24
11
0
2002
11,6
Totholzdefinition der BWI 2002
Erweiterung der Totholzdefinition bei BWI 2012
20,6
2012
5
10
Totholzvorrat (m
3
/Hektar)
15
20
Basis: Holzboden
Totholzvorrat und seine Veränderung
+
-
13,7
6,9
lebensraum wald – mehr biologische vielfalt im wald
Waldkauz in abgestorbener Buche
Totholz ist für die biologische Vielfalt von besonderer Bedeutung,
bietet es doch Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten. Förster
achten verstärkt darauf, dass die Lebensgemeinschaften von Totholz
im Wirtschaftswald solche Lebensräume finden.

image
25
12
Basis: Holzboden
Zersetzungsgrad
Totholzvorrat (m³/Hektar)
Unzersetzt
Beginnende
Zersetzung
Stark vermodert
1,5
0,1
Fortgeschrittene
Zersetzung
Wurzelstock
Liegendes Totholz
Stehendes Totholz
Totholzvorrat nach Zersetzungsgrad
0,7
1,9
1,7
0,9
3,3
2,5
4,1
1,2
1,9
0,9
lebensraum wald – mehr biologische vielfalt im wald
Pilze sind darauf angewiesen, totes Holz zu besiedeln oder zu zersetzen:
Nur so können sie überleben und sich weiter fortpflanzen.

26
lebensraum wald – mehr biologische vielfalt im wald
Zusätzlich zu den ausgewiesenen und meistens durch
Beschilderung gekennzeichneten Schutzgebieten (zum
Beispiel Naturschutzgebiete) werden bestimmte Biotope
überall, wo sie vorkommen, durch Bundesnaturschutz-
gesetz, Landesnaturschutzgesetze oder Landeswaldge-
setze geschützt. Wegen ihrer besonderen Bedeutung als
Biotope sind Handlungen, die zu einer Zerstörung oder
einer sonstigen erheblichen Beeinträchtigung führen
können, verboten (§ 30 Bundesnaturschutzgesetz).
Eine forstliche Bewirtschaftung solcher Biotope ist
i. d. R. zulässig, kann im Einzelfall aber besonderen
Einschränkungen unterliegen.
Auf rund 593.000 Hektar, also 5 % der Waldfläche,
befinden sich diese besonders geschützten Biotope.
Das sind in den meisten Fällen (77 %) Bruch-, Sumpf-
oder Auenwälder sowie andere Feuchtbiotope.
Besonders geschützte Biotope –
fünf Prozent der Waldfläche
Erstmals erfasste die Inventur einige eingeschleppte
krautige Pflanzenarten, die möglicherweise invasiv
auftreten könnten. Nur das aus dem östlichen Sibirien
und der Mongolei stammende Kleinblütige Springkraut
(Impatiens parviflora)
wurde in nennenswertem Umfang
festgestellt. Es ist auf 3 % der Waldfläche mit mindestens
10 % Deckungsgrad vorhanden. Am häufigsten ist die Art
in Mecklenburg-Vorpommern. Dort tritt sie auf knapp
9 % der Waldfläche auf. Ausgedehnte Vorkommen
wachsen in den Wäldern Deutschlands vor allem an
Standorten, die für andere Arten keine guten Lebensbe-
dingungen bieten, etwa weil sie zu dunkel sind oder zu
hohe Laubstreuauflagen haben.
Die Bundeswaldinventur erfasste folgende weitere
Arten: Riesen-Bärenklau
(Heracleum mantegazzianum)
,
Riesenknöterich
(Fallopia japanica, F. sachaliniensis)
,
Drüsiges Springkraut
(Impatiens glandulifera)
, Kermes-
beere
(Phytolacca americana)
. Diese kommen im Wald
nahezu nicht vor.
Während invasive krautige Pflanzenarten im Wald
flächenmäßig ohne Bedeutung sind, ist eine invasive
Gehölzart erwähnenswert: Die Spätblühende Trauben-
kirsche
(Prunus serotina)
. Sie nimmt in der Jungbesto-
ckung rund 104.000 Hektar ein. Sie kann die Verjüngung
heimischer Waldbaumarten behindern. Sie selbst ist aber
in der Wuchskraft unseren Waldbäumen unterlegen und
verharrt im Unterstand: Nur auf knapp 11.000 Hektar
bildet sie den Hauptbestand, das ist ca. 0,1 % der gesam-
ten Waldfläche.
Invasive Pflanzen im Wald –
derzeit von geringer Bedeutung

image
lebensraum wald – mehr biologische vielfalt im wald
27
Im Wald gibt es über 90 Mrd. Bäume, jeder einzelne ein
Teil des Ökosystems Wald. Ein wichtiges Element der
biologischen Vielfalt im Wald sind Bäume mit besonde-
ren, ökologisch bedeutsamen Baummerkmalen. Hierzu
zählen u. a. Bäume mit Specht- und Bruthöhlen, Horst-
bäume, markierte Biotopbäume sowie Bäume mit
Kronentotholz und sonstigen besonderen Habitatmerk-
malen. Manche der Merkmale können gleichzeitig am
selben Baum aufgenommen worden sein.
Bäume mit ökologisch bedeutsamen Merkmalen weist
die Bundeswaldinventur im Mittel 9 Stück auf einen
Hektar nach. Im ganzen deutschen Wald sind das 93 Mio.
Bäume. Laubbäume sind mit einem Anteil von 60 %
überproportional vertreten.
Die Bundeswaldinventur hat rund 22 Mio. Specht- oder
Höhlenbäume, 741.000 Horstbäume und 1 Mio. markier-
ter Biotopbäume ermittelt. Specht- und Höhlenbäume
sind zu 80 % Laubbäume und mit im Mittel 1,9 m³ pro
Baum überdurchschnittlich massereich. Die Horstbäume
sind mit durchschnittlich 1,7 m³ pro Baum nur geringfü-
gig kleiner, aber mit 54 % auch bei den Nadelbäumen zu
finden. Markierte Biotopbäume weisen eine mittlere
Holzmasse von 3,4 m³ pro Baum auf. Das sind richtig
dicke und alte Bäume mit einem hohen Wert für die
biologische Vielfalt. Die Forstwirtschaft integriert solche
Bäume in den Wirtschaftswald. Frisch abgestorben sind
31 Mio. Bäume. Das sind viele junge und dünne Bäume,
die im Konkurrenzkampf ihren Nachbarn unterlegen
sind.
Biotopbäume – Trittsteine für
die biologische Vielfalt
Junger Buntspecht in Baumhöhle

28
lebensraum wald – mehr biologische vielfalt im wald
Wälder sind innerhalb unserer Kulturlandschaft i. d. R.
die am wenigsten beeinträchtigten Naturräume.
Sie beherbergen einen erheblichen Anteil der heimi-
schen Flora und Fauna. Rund 17 % des deutschen Waldes
sind daher Schutzgebiete nach der europäischen Richtli-
nie 92/43/EWG Fauna-Flora-Habitat (FFH-Richtlinie)
und damit Teil des europäischen Schutzgebietsnetz-
werks „Natura 2000“. Diese sogenannten „FFH-Gebiete“
dienen dem Schutz bestimmter Tier- und Pflanzenarten
und deren Lebensräumen.
Nach Art. 11 der FFH-Richtlinie müssen die Mitglied-
staaten den Erhaltungszustand der Lebensraumtypen
regelmäßig erheben. Hierzu wurden bei der Bundes-
waldinventur 2012 erstmalig Parameter zu spezifischen
Strukturen und Funktionen von Waldlebensraumtypen
deutschlandweit einheitlich erfasst und bewertet.
Die Bundeswaldinventur zählt für Deutschland 19
Waldlebensraumtypen auf. Die drei in Deutschland
großflächig vorkommenden Waldlebensraumtypen
Hainsimsen-Buchenwald (9110), Waldmeister-Buchen-
wald (9130) und Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald
(9170) werden von der Bundeswaldinventur repräsenta-
tiv erfasst. Auf sie entfallen rund 83 % der gesamten
Fläche aller Waldlebensraumtypen in Deutschland.
Auf die übrigen 16 Waldlebensraumtypen entfallen die
restlichen 17 % der Fläche. Eine repräsentative Erfassung
dieser Waldlebensraumtypen ist aufgrund geringer
Stichprobenumfänge im Rahmen der Bundeswaldinven-
tur nicht möglich. Die Länder haben den Erhaltungszu-
stand dieser Waldlebensraumtypen daher mit anderen
Verfahren erhoben. Die Ergebnisse sind im nationalen
FFH-Bericht der Bundesrepublik Deutschland 2013
zusammengefasst
3
.
Erhaltungszustand großflächiger
FFH-Waldlebensraumtypen
3
Siehe:
www.bfn.de/0316_nat-bericht_2013-komplett.html

image
29
Holznutzung in Deutschlands Wäldern ist nachhaltig. In allen Waldeigentumsarten wurde weniger
Holz genutzt als nachgewachsen ist. Mit einem Holzvorrat von 3,7 Mrd. m
3
oder 336 m
3
pro Hektar nimmt
Deutschland eine Spitzenposition im Vergleich mit anderen Ländern Europas ein.
Rohstoffquelle Wald –
Holzvorrat auf Rekordniveau

30
rohstoffquelle wald – holzvorrat auf rekordniveau
1000 m³
Basis: Holzboden, alle Bestandesschichten
ALH = andere Laubbäume mit hoher Lebensdauer, ALN = andere Laubbäume mit niedriger Lebensdauer
Holzvorrat nach Baumartengruppe
Eiche:
361.231
Fichte:
1.206.199
Buche:
635.257
ALH:
204.369
Alle Laubbäume:
1.420.570
Alle Nadelbäume:
2.242.402
Douglasie:
72.731
Tanne:
93.434
Alle Baumarten:
3.662.972
Kiefer:
767.814
Lärche:
102.224
ALN:
219.712
4
Seintsch, B. (2013): Cluster Forst und Holz nach neuer Wirtschaftszweigklassifikation.
Thünen Working Paper
5
Der Wald liefert Holz und schafft Arbeitsplätze. In
Deutschland sind mehr als 1,1 Mio. Menschen im Cluster
Forst und Holz beschäftigt
4
. Zudem gewinnt Holz als
nachwachsender Rohstoff in Zeiten des Klimawandels
und der Verteuerung fossiler Energieträger zunehmend
an Bedeutung.
Vorrat weiter angestiegen
Der Holzvorrat hat eine Höhe erreicht wie seit Jahrhun-
derten nicht mehr. Innerhalb von zehn Jahren ist er
um 7 % weiter angestiegen. Mit einem Vorrat von 336 m
3
pro Hektar liegt Deutschland nach der Schweiz und
Österreich an der Spitze der europäischen Länder. Mit
3,7 Mrd. m
3
Gesamtvorrat steht im deutschen Wald mehr
Holz als in jedem anderen Land der Europäischen Union.
An dieser Vorratsanreicherung sind alle Eigentumsarten
beteiligt. Die größten Hektarvorräte befinden sich mit
352 m
3
pro Hektar im Privatwald.
Die Nutzungsintensität im Privatwald im Durchschnitt
aller Größenklassen war im letzten Jahrzehnt genauso
hoch wie im Landeswald und übertrifft sie in einigen
Ländern. Hohe Vorräte sind ein großes Potenzial. Mit der
Vorratshöhe steigt allerdings auch das Risiko abiotischer
und biotischer Schäden und damit einhergehender
Wertverluste z. B. durch Sturmschäden.
Mit Ausnahme der Fichte sind die Vorräte der einze l-
nen Baumarten angestiegen – bei der Kiefer um 8 %
(55 Mio. m³), bei der Buche um 10 % (58 Mio. m³) und
bei Eiche um 16 % (50 Mio. m³). Die größte relative
Vorratszunahme verzeichnet die Douglasie mit 47 %.
Bei geringer Fläche hat der Douglasien-Vorrat um
24 Mio. m
3
zugenommen. Der Grund für diese hohe
Vorratszunahme liegt in der Produktivität der Baumart
und dem hohen Anteil wuchskräftiger junger Wald-
bestände, die erst in kommenden Jahrzehnten ihr
Erntealter erreichen.

rohstoffquelle wald – holzvorrat auf rekordniveau
31
13
27.258
40.589
57.784
50.077
9.963
23.742
11.639
Eiche
Buche
ALH
ALN
Douglasie
Kiefer
Lärche
Fichte
1.000
Tanne
-48.595
Basis: Holzboden, alle Bestandesschichten
ALH = andere Laubbäume mit hoher Lebensdauer, ALN = andere Laubbäume mit niedriger Lebensdauer
54.969
Veränderung des Holzvorrates nach Baumartengruppen
Der Holzvorrat hat zugenommen. Es gibt heute in den
Wäldern mehr dicke und weniger dünne Bäume als vor
zehn Jahren. Unter 30 cm Brusthöhendurchmesser hat
der Holzvorrat abgenommen. Fast der gesamte Vorrats-
anstieg findet bei den dicken Bäumen ab 50 cm Brusthö-
hendurchmesser statt. Inzwischen stecken 23 % des
gesamten Holzvorrates in den Bäumen mit einem
Brusthöhendurchmesser ab 50 cm. Besonders hoch ist
dieser Anteil an Starkholz bei Tanne (48 %), Eiche (42 %)
und Buche (38 %).
Damit setzt sich ein bereits bei der Bundeswaldinventur
2002 festgestellter Trend fort. Hält dieser Trend an, ist bei
der Altersstruktur der Wälder zu erwarten, dass das
Starkholz in den nächsten Jahren überproportional
zunehmen wird. Diese Entwicklung ist eine Herausfor-
derung, denn im Starkholzbereich sind die Verarbei-
tungskapazitäten infolge der Spezialisierung der Holz-
wirtschaft auf schwache und mittlere Dimensionen
deutlich zurückgegangen. Es zeichnet sich ab, dass beim
Starkholz Angebot und Nachfrage aus der Holzwirt-
schaft zunehmend auseinander laufen. Ob diese Holz-
sortimente künftig möglicherweise verstärkt energetisch
oder durch neue Technologien stofflich genutzt werden
bzw. sich Starkholz noch mehr im Wald anreichert, ist
derzeit offen.
Realität jedoch ist, dass für die Forstbetriebe mit zuneh-
mendem Baumalter die Gefahren bei der Holzernte (z. B.
durch Kronentotholz), das Risiko einer Holzentwertung
durch Pilze und Insekten sowie die Wahrscheinlichkeit
artenschutzrechtlicher Einschränkungen steigen. Eine
Entwicklung, an deren Ende viele dieser dicken Bäume
bis zum Zerfall im Wald verbleiben, kann einerseits die
biologische Vielfalt der Wälder fördern, reduziert jedoch
andererseits die verfügbare Rohholzmenge und das
Potenzial, das Treibhausgas Kohlendioxid langfristig in
Holzprodukten zu binden.
Eine Waldpolitik, die sich nach dem Grundsatz Nutzen
und Bewahren ausrichtet, muss im steten Dialog zwi-
schen Waldeigentum, Naturschutz, Holzwirtschaft und
Gesellschaft die Balance zwischen den Leistungen und
Anforderungen des Waldes austarieren. Erkenntnisse aus
Forschung und Entwicklung liefern hierzu wichtige
Grundlagen.
Vorratsanstieg vor allem bei dicken Bäumen

32
14
rohstoffquelle wald – holzvorrat auf rekordniveau
Brusthöhendurchmesser (BHD) in cm
Veränderung des Holzvorrates nach Durchmesser
100 % = Jahr 2002
106,6
152,4 %
149,9 %
145,7 %
118,1 %
124,8 %
136,8 %
104,5 %
91,8 %
85,1 %
7,0 – 9,9
81,7%
10 – 19,9
20 – 29,9
30 – 39,9
40 – 49,9
50 – 59,9
60 – 69,9
70 – 79,9
80 – 89,9
ab 90
Alle BHD Stufen
Basis: Holzboden, alle Bestandesschichten
Fichte quo vadis?
Das Holz der Fichte findet aufgrund seiner guten technischen
Eigenschaften insbesondere im Bausektor breite Verwendung.
Aufgrund der herausragenden Öko- und CO
²
-Bilanz des nach-
wachsenden Baustoffs Holz erfreut sich das Bauen mit Holz bei
Bauplanern und Bauherren wachsender Beliebtheit. Denn der im
Holz gebundene Kohlenstoff wird über Jahrzehnte gebunden.
Gleichzeitig kann Holz Materialien auf Basis endlicher, fossiler
Ressourcen ersetzen und leistet damit einen wichtigen Beitrag
zum Schutz des Klimas. Allerdings ist die Fichte vom Klimawandel
selbst betroffen.
Ausgehend von den großen Sturmkatastrophen der frühen 90er
Jahre des letzten Jahrhunderts, bei dem großflächig Fichten-
wälder verwüstet wurden, setzte mit gezielter Förderung von
Bund und Ländern die Umwandlung nicht standortgerechter
Fichtenreinbestände in stabilere und naturnähere Mischbestände
oder Laubwälder ein. Im Ergebnis hat die Fichte in Deutschland
an Fläche, aber auch an Holzvorrat deutlich abgenommen. Durch
den Klimawandel könnte sich dieser Trend – in regional unter-
schiedlicher Ausprägung – weiter fortsetzen. Denn unter den
Haupt baum arten in Deutschland gilt die Fichte als besonders
anfällig.
Die Folgen sind eine Herausforderung: Noch ist die Fichte
maßgebliche Grundlage für die Wertschöpfung in der Forst- und
Holzwirtschaft. Bei einem Anteil von nur 25 % der Waldfläche und
33 % des Vorrats trug sie in der letzten Dekade mit 52 % über-
proportional zum Holzaufkommen bei. Geht die Fichte weiter
zurück, droht damit eine wichtige Säule in der Wertschöpfung
der Forst- und Holzwirtschaft und den nachgelagerten Bereichen
wegzubrechen. Denn unsere Laubbaumarten sind in ihren tech-
nologischen Eigenschaften nicht mit der Fichte vergleichbar und
Massenprodukte im Baubereich bislang kaum konkurrenzfähig
und verfügbar.
Wo die Fichte in ihrer Existenz gefährdet ist, stellt sich die Frage
der Alternativen. Küstentanne oder Douglasie, die sich als ein-
geführte Baumarten mancherorts bereits seit über 100 Jahren in
den heimischen Wäldern bewährt haben, sind in den technischen
Eigenschaften mit der Fichte vergleichbar. Von ihnen wird erwar-
tet, dass sie die Klimaänderungen besser vertragen. Im geeigne-
ten Mix mit heimischen Baumarten können sie einen Beitrag zur
nachhaltigen Zukunftssicherung unserer Wälder leisten.

image
rohstoffquelle wald – holzvorrat auf rekordniveau
33
Die Fichte ist die einzige Baumart, bei der der Vorrat
abgenommen hat, und zwar um 4 %. Gleichzeitig hat die
Fichtenfläche abgenommen. Dies entspricht der wald-
baulichen und forstpolitischen Zielsetzung der letzten
Jahre. Sie wurde beschleunigt durch Stürme und Käfer-
massenvermehrung. Besonders stark nahm der Fichten-
vorrat in Nordrhein-Westfalen ab, wo der Orkan Kyrill
im Januar 2007 rund 15,7 Mio. Festmeter, zumeist
Fichtenreinbestände, auf einer Fläche von etwa 50.000
Hektar geworfen oder gebrochen hat
5
.
Sonderfall Fichte – Vorrat abgenommen
Der Holzzuwachs ist mit 11,2 m
3
je Hektar und Jahr oder
121,6 Mio. m³ pro Jahr weiterhin auf einem hohen
Niveau. Allerdings hat sich die in den 1990er Jahren
beobachtete Beschleunigung des Wachstums
6
nicht
fortgesetzt. Von den weit verbreiteten Baumarten wächst
die Fichte mit 15,3 m
3
pro Jahr und Hektar am schnells-
ten. Mit 10,3 m
3
pro Jahr und Hektar folgt die Buche.
Den größten Zuwachs haben jedoch Douglasien mit
18,9 m
3
pro Jahr und Hektar und Tannen mit 16,3 m
3
pro
Jahr und Hektar. Diese machen zusammen aber kaum
4 % der Waldfläche aus.
Das Wachstum eines Baumes ist abhängig von den
Standortsbedingungen und hat einen nach Baumart
typischen Altersverlauf. Es gibt rasch wachsende und
langsam wachsende Baumarten. Deshalb bestimmen die
Altersstruktur und die Baumarten-Zusammensetzung
des Waldes den durchschnittlichen Holzzuwachs. Der
gegenwärtig hohe Zuwachs ist somit auch ein Ergebnis
der vielen heute etwa 60-jährigen Nachkriegsauffors-
tungen mit Nadelbäumen in den 1950er Jahren. Diese
Wälder sind derzeit in ihrem produktivsten Alter.
Holzzuwachs auf hohem Niveau
Vor allem im Sauerland und Siegerland veränderte der verheerende
Sturm „Kyrill“ das Waldgefüge. Der Schaden im Wald Nordrhein-
Westfalens belief sich auf mehr als 1,5 Mrd. Euro
7
.
5
Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen vom 13.01.2012
6
Spiecker, H., Mielikäinen, K., Köhl, M., Skovsgaard, J.P. (Eds.): Growth Trends in European Forests-Studies from 12 Countries. Springer, 1996
7
Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein Westfalen
www.umwelt.nrw.de/naturschutz/pdf/hintergrundinformationen_kyrill.pdf

image
15
34
rohstoffquelle wald – holzvorrat auf rekordniveau
Zuwachs (m³/Hektar*a)
8,3
10,3
6,4
8,9
Basis: Holzboden, nur Hauptbestand incl. Plenterwald, rechnerischer Reinbestand
ALH = andere Laubbäume mit hoher Lebensdauer, ALN = andere Laubbäume mit niedriger Lebensdauer
Lärche
Kiefer
Douglasie
Tanne
Fichte
Alle Laubbäume
ALN
ALH
Buche
Eiche
Alle Nadelbäume
Alle Baumarten
8,7
15,3
16,3
18,9
9,5
10,7
12,8
10,8
Baumartengruppe
Zuwachs des Vorrates nach Baumartengruppe
Im Zeitraum von 2002 bis 2012 sind in Deutschland
durchschnittlich 76 Mio. m
3
Rohholz (Erntefestmeter
ohne Rinde) pro Jahr genutzt worden. Insbesondere die
Privatwaldeigentümer konnten ihren Holzeinschlag
steigern und nutzten den Wald durchschnittlich mit
derselben Intensität wie staatliche Forstbetriebe den
Landeswald. Im Landeswald ist der Holzeinschlag
unverändert bei 98 % des Zuwachses.
Holznutzung auf hohem Niveau
Stockausschlagwald, früher weit verbreitet, spielt im Wald
fast keine Rolle mehr.

rohstoffquelle wald – holzvorrat auf rekordniveau
35
16
Vorratsaufbau
im Wald
15,3
Ernteverluste
und Rinde
22,8
Totholz verbleibt
im Wald
7,8
Abgang aus
lebendem Bestand
106,3
Theoretische
Nutzung
75,7
Erntefestmeter Efm
Vorratsfestmeter Vfm
Basis: Holzboden
Zuwachs und Nutzung
Mio. m
3
/Jahr
Zuwachs
121,6
Vor allem im Kleinprivatwald bis 20 Hektar Größe,
also immerhin auf der Hälfte der Privatwaldfläche
Deutschlands, wird weniger intensiv genutzt als in den
übrigen
Gr
ößen
klassen.
Di
e
ander
en
Pri
v
atw
älder
werden inten siver genutzt als der Landeswald.
Der Holzeinschlag wurde durch verschiedene Ereignisse
in der Inventurperiode beeinflusst: Der Orkan Kyrill hat
im Januar 2007 mit 37 Mio. m
3
fast einen halben Jahres-
einschlag außerplanmäßig zu Fall gebracht
8
. Durch die
Finanz- und Wirtschaftskrise sind in 2008 und 2009
bedeutende internationale Märkte weggebrochen und
ist die Holznachfrage insbesondere im Bausektor
spürbar zurückgegangen. Gleichzeitig erlebte die
Verwendung von Holz für energetische Zwecke eine
Renaissance. Bis zum Jahr 2012 stiegen die Holzpreise
kontinuierlich an und der Energieholzmarkt blieb auf
hohem Niveau. Die Holzverwendung zu steigern und
damit die Vorzüge des nachwachsenden Rohstoffes Holz
vermehrt zu nutzen und fossile Ressourcen einzusparen,
entspricht der Zielsetzung der im Jahr 2004 von der
Bundesregierung initiierten „Charta für Holz“.
8
Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage, 9. Juli 2007, Drucksache 16/6030

36
18
rohstoffquelle wald – holzvorrat auf rekordniveau
Vorratsbilanz
1.000
500
Vorrat 2002
+ Zuwachs
- Abgang
= Vorrat 2012
0
2.000
1.500
3.000
2.500
4.000
3.500
5.000
Mio. (m³) Vfm
4.500
3.436
1.252
1.091
3.663
Basis: Alle Bestandesschichten
Der Holzvorrat ist weiter angestiegen. Es wurde weniger
Holz genutzt als nachgewachsen ist. Holznutzung und
natürliches Absterben von Bäumen erreichen insgesamt
87 % des Zuwachses. Die restlichen 13 % gehen in den
Vorratsaufbau. Bei den meisten Baumarten beträgt
dieses Verhältnis zwischen 55 % und 80 %. Bei der Fichte
liegen Holznutzung und natürliches Absterben dagegen
um 15 % über dem Zuwachs. Ihr Vorrat wurde damit
reduziert. Dies ist u. a. eine Folge der forstpolitischen
Zielsetzung und der waldbaulichen Erfordernisse
(Bodenpflege und Klimaänderung).
Grundsätzlich darf man vom Zuwachs nicht unmittelbar
auf die Nutzungsmöglichkeiten schließen. Diese ergeben
sich vor allem aus der gegenwärtigen Alters- und
Durchmesserstruktur und den vorgesehenen Zieldurch-
messern oder den angestrebten Erntealtern. Deswegen
ist es bei der gegenwärtigen Alters- und Durchmesser-
struktur des Waldes schlüssig, dass nicht der gesamte
Holzzuwachs genutzt wird.
Zukünftige Nutzungsmöglichkeiten werden aufbauend
auf den Daten der Bundeswaldinventur mit einem
Waldentwicklungs- und Holzaufkommensmodell
ermittelt.
Zuwachs größer als Nutzung

image
rohstoffquelle wald – holzvorrat auf rekordniveau
37
Eigentumsgrößenklasse in Hektar
Basis: Holzboden, alle Bestandesschichten
Nutzung nach Eigentumsgrößenklassen im Privatwald
(m³/Hektar*a) Erntefestmeter
Privatwald gesamt
7,0
bis 20
über 20 – 50
über 50 – 100
9,2
über 1000
8,7
über 100 – 200
7,3
über 200 – 500
6,7
über 500 – 1000
7,9
7,8
6,1
17
Der Wald liefert Holz und schafft Arbeitsplätze. In Deutschland sind mehr als 1,1 Mio. Menschen
im Cluster Forst und Holz beschäftigt. Zudem gewinnt Holz als nachwachsender Rohstoff in Zeiten
des Klimawandels und Verteuerung fossiler Energieträger zunehmend an Bedeutung.

19
38
rohstoffquelle wald – holzvorrat auf rekordniveau
Ursachen von Nutzungseinschränkungen
36 %
28 %
5 %
2 %
25 %
5 %
Naturschutz
Naturschutz und Gelände-
eigenschaften gleichzeitig
G
e
l
ä
n
deei
g
e
ns
c
h
a
f
t
e
n
,
Nassstandort
G
e
l
ä
n
deei
g
e
ns
c
h
a
f
t
e
n
u
n
d
Schutzwald gleichzeitig
Schutzwald
Sonstiges, insbesondere
Schutzfläche in Eigenbindung
Basis: 450.000 Hektar Holzboden, auf dem eine Holznutzung nicht erlaubt
oder nicht zu erwarten ist
Die Bundeswaldinventur stellt die Datengrundlage für
die Schätzung des künftigen Rohholzpotenzials und der
Waldentwicklung bereit. Dazu werden der Zuwachs und
die Nutzung der kommenden Jahrzehnte modelliert.
Für eine realitätsnahe Schätzung ist nach Waldflächen
zu differenzieren, auf denen die Holznutzung uneinge-
schränkt möglich, teilweise eingeschränkt oder völlig
ausgesetzt ist.
Derzeit ist die Holznutzung auf 91 % der Waldfläche
grundsätzlich uneingeschränkt möglich. Doch nicht
überall wird Holz tatsächlich genutzt. Auf 4 % des
bestockten Holzbodens (ca. 450.000 Hektar) ist die
Holznutzung aus unterschiedlichen Gründen nicht
erlaubt oder nicht zu erwarten. Vom Staatswald des
Bundes und der Länder ist auf 7 % der Fläche mit keiner
Holznutzung zu rechnen, im Körperschaftswald und im
Privatwald betrifft das knapp 3 % der Fläche.
Auf weiteren 5 % ist die Nutzung nur zu einem Teil zu
erwarten. Insgesamt wird zunehmend auf Holznutzung
verzichtet.
Gründe für Nutzungseinschränkungen können ungün-
stige Geländeeigenschaften, Nassstandorte oder unzu-
reichende Erschließung sein. Außerdem gehören unter
Naturschutz stehende Flächen oder durch Gesetze
besonders geschützte Biotope, Schutz- und Erholungs-
wald sowie Naturwaldreservate zu den Ursachen für
Nutzungseinschränkungen. Zum Teil entscheidet sich
der Eigentümer für die Einstellung der Nutzung, indem
er sie zu Bannwald oder Naturwaldreservat erklärt.
Solche Wälder sind hier unter Schutzflächen in Eigen-
bindung ausgewiesen. Gründe für Nutzungseinschrän-
kungen überlappen sich teilweise.
Holznutzung zunehmend eingeschränkt
oder ausgesetzt

image
rohstoffquelle wald – holzvorrat auf rekordniveau
39
Der Wald hat eine herausragende Bedeutung für den Klimaschutz. Er leistet als Lieferant des nach-
wachsenden Rohstoffes Holz einen Beitrag zur Energiewende. Zudem bindet er Kohlendioxid
und ist damit eine natürliche Kohlenstoffsenke. Allein im deutschen Wald wird die Atmosphäre jährlich
um rund 52 Mio. Tonnen Kohlendioxid entlastet.
Klimaschützer Wald –
weiterhin Kohlenstoffsenke

40
klimaschützer wald – weiterhin kohlenstoffsenke
Der Klimawandel ist eine der bedeutendsten aktuellen
Herausforderungen für die Forstwirtschaft. Für Wald
und Forstwirtschaft problematisch ist die Geschwindig-
keit des Klimawandels. Bäume sind langlebig und
ortsfest, und Waldbestände sind in ihrer Lebensspanne
sehr unterschiedlichen Umwelt- und Wachstumsbedin-
gungen ausgesetzt. Können sich Wälder an Umweltände-
rungen nicht anpassen, wird der einzelne Baum ge-
schwächt, darüber hinaus aber auch das gesamte
Waldökosystem gestört. Durch den Klimawandel
bekommen Waldbäume, die heute noch gut an die
Klimabedingungen ihres Standortes angepasst sind,
zukünftig möglicherweise zunehmende Probleme mit
den sich häufenden Witterungsextremen oder mit einer
schleichenden Änderung des Standorts.
Forstwirtschaft wird durch den Klimawandel risikorei-
cher. Sie muss diese zukünftigen Veränderungen der
Wuchsbedingungen berücksichtigen, ohne dass sie weiß,
wo und in welchem Umfang sich welche Veränderungen
vollziehen werden. Ein wichtiger Ansatz zur Stabilisie-
rung und Vitalisierung der Bestände und zur Erhaltung
der Waldfunktionen ist die Baumartenmischung.
Die Vielfalt von Mischwäldern soll das Risiko streuen.
Der großangelegte und kostenintensive Waldumbau
dient dazu, die Wälder und damit ihre Kohlenstoff-
Senkenfunktion zu erhalten
Bäume brauchen zum Wachstum das Treibhausgas
Kohlendioxid (CO
2
) und binden es dadurch im Holz.
Wälder sind somit eine Kohlenstoff-Senke, wenn der
Zuwachs die Nutzung übersteigt. Und sie sind ein
Kohlenstoffspeicher. Sie können global dazu beitragen,
den CO
2
-Gehalt der Atmosphäre zu vermindern.
Die Bundeswaldinventur liefert die Datenbasis zur
Schätzung der Kohlenstoffvorräte für lebende Biomasse
oberhalb und im Boden und für Totholz für die Beob-
achtungsperiode 2002 bis 2012.
1.169 Mio. Tonnen Kohlenstoff sind gegenwärtig in
lebenden Bäumen und in Totholz gebunden. Das sind
rund 150 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar in der ober-
und unterirdischen Biomasse (ohne Streuauflage und
Mineralboden).
Die Bodenzustandserhebung im Wald gibt für die
Streuauflage und den Mineralboden einen Vorrat von
weiteren 850 Mio. Tonnen Kohlenstoff an. Der Wald in
Deutschland wirkt derzeit als Senke und entlastet die
Atmosphäre jährlich um rund 52 Mio. Tonnen Kohlen-
dioxid
9
. Er mindert die Emissionen um ca. 6 %.
9
Dunger, K. et al. (2014): Nationaler Inventarbericht Deutschland 2014, Kap. 7.2
Wälder. Umweltbundesamt, Nr. 24/2014
Wälder binden CO
2
In die Kohlenstoffbilanz-Rechnung gehen zusätzlich zu den
Kohlenstoffvorräten der lebenden Biomasse und des Totholzes,
der mit der Bundeswaldinventur ermittelt wird, der Boden und
abgestorbenes Pflanzenmaterial ein. Hierzu leistet die Bodenzu-
standserhebung im Wald ihren Beitrag. Die gesamte Speicher-
leistung des Waldes wird schließlich aus diesen sogenannten
Kohlenstoff-Pools ermittelt.
Zudem sind Holzprodukte ein Kohlenstoffspeicher. Sie verlängern
die Speicherung des Kohlenstoffs, der bereits in den Bäumen ge-
bunden war, über ihre Nutzungsdauer bis zu der abschließenden
energetischen Nutzung oder dem biologischen Abbau des Ab-
fallholzes. Über die Speicherwirkung hinaus tragen Holzprodukte
durch Substitutionseffekte (Ersatz energieintensiverer fossiler
Rohstoffe und Energieträger) zur Reduktion von Treibhausgas-
emissionen in der Größenordnung von jährlich 105 Mio. Tonnen
CO
2
-Äquivalenten bei.
Ob der Wald als Kohlenstoff-Senke wirkt, hängt von seiner
Speicherleistung ab. Eine Kohlenstoffsenke ist er, wenn er mehr
Kohlendioxid aufnimmt als er abgibt. Je mehr CO
2
in Form von
Kohlenstoff dauerhaft gespeichert ist, desto weniger wird die
Atmosphäre belastet. Verliert der Wald hingegen mehr CO
2
als er
aufnimmt, dann ist er eine Kohlenstoffquelle.
Veränderungen der Waldfläche, das Wachstum der Bäume und
die Bewirtschaftung der Wälder beeinflussen seine Speicherleis-
tung. Deutschland hat sich mit der Unterzeichnung der Klima-
rahmenkonvention und dem Kyoto-Protokoll dazu verpflichtet,
jährlich über diese Veränderungen zu berichten.
Mit dem Beschluss zur Einrichtung des Waldklimafonds unter-
streicht die Bundesregierung die Bedeutung unserer Waldöko-
systeme sowie die positiven Effekte einer nachhaltigen Waldbe-
wirtschaftung und Holzverwendung für den Schutz des Klimas.
Durch die Förderung aus dem Waldklimafonds soll das CO
2
-
Minderungs-, Energie- und Substitutionspotenzial von Wald und
Holz weiter optimiert sowie die notwen digen Maßnahmen zur
Anpassung der deutschen Wälder an den Klimawandel unter-
stützt werden.
Nähere Informationen unter
www.waldklimafonds.de

image
klimaschützer wald – weiterhin kohlenstoffsenke
41

42
Kohlenstoffvorrat im Wald
1
Daten der Bundeswaldinventuren 1987, für die neuen Länder ergänzt aus dem Datenspeicher Wald, 2002 und 2012
2
Bodenzustandserhebung im Wald
123
1990
2012*
595
203
11
748
156
659
191
20
993
Obere 30 cm des
Mineralbodens
2
Streuaufl age
2
Totholz
1
Oberirdische Biomasse
1
Unterirdische Biomasse
1
in Mio. Tonnen
* Für den Boden auf
das Jahr 2012 hochgerechnet,
für den Bestand gemessen
CO
2
20
klimaschützer wald – weiterhin kohlenstoffsenke
Quelle: Wellbrock, N. et al. (2014): Wälder in Deutschland speichern Kohlenstoff. AFZ-Der Wald, 18/2014 (geändert)

image
vermessung des waldes
43
In Deutschlands Wäldern wachsen 90 Mrd. Bäume, davon rund 7,6 Mrd. Bäume über 7 cm Brust-
höhendurchmesser – zu viele, um jeden einzeln zu vermessen. Wissenschaftler arbeiten deshalb mit
einer Stichprobe. Sie erfassen einen kleinen, doch repräsentativen Teil des Waldes und leiten daraus
Informationen über den deutschen Wald ab.
Vermessung
des Waldes

44
vermessung des waldes
In den Jahren 2011/2012 wurde zum dritten Mal die
Bundeswaldinventur durchgeführt. Frühere Inventuren
haben 1986-1988 und 2001/2002 stattgefunden. Die
Bundeswaldinventur ist ein gesetzlicher Auftrag gemäß
Bundeswaldgesetz § 41a. Sie ist alle zehn Jahre zu
wiederholen.
Für die dritte Bundeswaldinventur haben 60 Inventur-
trupps in ganz Deutschland rund 420.000 Bäume an
etwa 60.000 Stichprobenpunkten vermessen und viele
weitere Gelände-, Bestandes- und Baummerkmale
erfasst. Doch bevor Inventurtrupps im Wald Daten
erheben, beantworten Wissenschaftler viele methodi-
sche Fragen. Wie verteilt man die Stichproben über den
Wald? Welche und wie viele Merkmale von Bäumen
muss man im Gelände aufnehmen? Welche Verfahren
sind effizient und kostengünstig? Wie sichert man die
Qualität der Daten? Welche Schätzverfahren liefern
statistisch abgesicherte Ergebnisse?
Das Inventurverfahren entwickeln Wissenschaftler des
Thünen-Instituts für Waldökosysteme und Experten der
Länder ständig weiter. Extra geschultes Fachpersonal
führt die Datenerhebung im Wald durch.
Stichprobe mit Konzept
Die Bundeswaldinventur ist eine terrestrische Stichpro-
be mit permanenten Probepunkten. Inventurtrupps
erfassen im Wald an immer denselben Probepunkten
Daten. Dies geschieht in allen Ländern und in allen
Eigentumsarten nach einem einheitlichen Verfahren alle
10 Jahre.
Damit ein repräsentatives Bild des deutschen Waldes
entsteht, haben die Gründer der Bundeswaldinventur
schon in den 1980er Jahren ein Stichprobennetz im
vier-mal-vier-Kilometer-Raster über das ganze Land
gelegt, das bei jeder Inventur wieder verwendet wird.
An seinen Knotenpunkten befinden sich die Stichpro-
ben. Einige Länder haben das Stichprobennetz zusätzlich
verdichtet.
Jede Stichprobe, auch Trakt genannt, ist ein Quadrat mit
einer Seitenlänge von 150 m. Jeweils an den Ecken, den
Stichprobenpunkten, erheben Inventurtrupps die Daten.
4 km
2,83 km
2 km
Stichprobe (Trakt): Die Ecken sind
die Stichprobenpunkte. An ihnen
werden Merkmale aufgenommen.
Anordnung der Stichproben im
Gelände bei unterschiedlichen
Stichprobendichten
Die Länder haben das Stichproben-
netz unterschiedlich verdichtet.
Basisnetz
, 4 km × 4 km
Doppelte Dichte
, 2,83 km × 2,83 km
Vierfache Dichte
, 2 km × 2 km
a
c
b
a. Basisnetz
b. Doppelte
Dichte
c. Vierfache
Dichte
Trakt 150 m × 150 m
mit 4 Traktecken
21
Stichprobennetz in Deutschland
Trotz Inventur geöffnet –
das Inventurverfahren

vermessung des waldes
45
Traktecke
Winkelzählprobe mit Zählfaktor 1 oder 2
für Bäume ab 4 m Höhe
Probekreis mit Radius r = 5 m
für Totholz
Probekreis mit Radius r = 10 m
für Bäume
bis 4 m Höhe, Sträucher und Bodenvegetation
Probekreis mit Radius r = 25 m
für Geländemerkmale und Waldränder
Winkelzählprobe mit Zählfaktor 4
für Bäume
ab 7 cm Brusthöhendurchmesser (BHD)
Probekreis mit Radius r = 1 m
für Bäume
von 20 cm bis 50 cm Höhe
(bei weniger als 4 Bäumen: Radius r = 2 m)
Probekreis mit Radius r = 2 m
für Bäume
ab 50 cm und mit einem BHD kleiner als 7 cm
22
Aufnahmen am Stichprobenpunkt

image
46
vermessung des waldes
Außenaufnahmen vorbereiten
Zu jedem Stichprobenpunkt stellen die Länder vorab
Informationen zusammen, die im Gelände nicht erkenn-
bar sind. Mittels Waldverteilungskarten, Luftbildern,
Katasterkarten, Auskünften der lokalen Forstbehörden
und weiteren forstlichen Informationsgrundlagen
ermitteln sie Merkmale wie die Eigentumsart, die Größe
des Körperschafts- und Privatwaldes, Einschränkungen
der Holznutzung etwa aufgrund von Naturschutzgebie-
ten oder das Vorkommen von Schalenwild.
Mit Laptop und Baumhöhenmesser
im Wald unterwegs
Der Stichprobenpunkt ist mit einem Metallstab unsicht-
bar markiert. Bei der Lokalisierung des Stichproben-
punktes helfen Satellitennavigation, Karte, Kompass,
Entfernungsmessungen und Metalldetektor, um den
Punkt nach zehn Jahren wiederzufinden.
Ausgestattet mit Feldcomputern und Messgeräten
erfassen die Inventurtrupps an jedem Stichprobenpunkt
nach einem einheitlichen Verfahren über 150 Merkmale.
Dazu gehören zum Beispiel die Baumart, Baumhöhe und
Durchmesser von ausgewählten Stichprobebäumen
sowie Art und Menge an Totholz.
Qualitätssicherung der Daten
Mit der Qualität der Daten steht und fällt die Aussage-
kraft einer Inventur. Die Qualitätskontrolle beginnt
daher bereits bei der Erfassung der Daten im Wald. Sie
orientiert sich an einem dreistufigen Kontrollsystem:
a) Kontrolle bei der Dateneingabe: Die Inventurtrupps
nehmen die Daten mit mobilen Feldcomputern auf.
Plausibilitätsprüfungen in der Erhebungs-Software
laufen bereits im Wald ab und machen auf mögliche
Datenfehler aufmerksam. So können die Inventurmitar-
beiter bereits vor Ort die erfassten Daten durch ein
erneutes Messen eines Wertes korrigieren oder vergesse-
ne Werte erheben und nachtragen.
b) Kontrolle der Datenerhebung: Die Landesinventurlei-
tung kontrolliert an mindestens 5 % der Stichproben-
punkte die Datenerhebung im Gelände, indem sie
Bäume und Merkmale im Gelände unabhängig vom
Trupp aufnimmt.
c) Plausibilitätsprüfungen: Die Daten in der Aufnahme-
datenbank werden in die zentrale Datenbank übernom-
men. Durch Prüfläufe mit Fehlerprotokollen kontrollie-
ren die Inventurleitungen von Bund und Land die
Qualität der erfassten Daten. Die Landesinventurlei-
tungen korrigieren Fehler entweder selbst, falls möglich,
oder fordern die jeweiligen Inventurtrupps zur Korrek-
tur auf.
Mit Bitterlich-Relaskop und Ultraschall-Entfernungsmessgerät werden
die Stichproben-Bäume der Winkelzählprobe ermittelt.

image
image
vermessung des waldes
47
Daten auswerten
Wissenschaftler des Thünen-Instituts für Waldökosyste-
me werten die Einzeldaten mit der Unterstützung von
Länderexperten aus.
Vor der Analyse strukturieren sie die Daten für die
Hochrechnung um und führen zahlreiche vorbereitende
Rechnungen durch. Ein Beispiel: Gemessen wird der
Durchmesser eines jeden Probebaumes. Ausgewertet
wird später sein Volumen, um den Holzvorrat zu
errechnen.
Wenn die Datenbasis erstellt und geprüft ist, folgen
Hochrechnungen. Zum einen für Zustandsgrößen wie
der Waldfläche und zum anderen für Veränderungen,
die die Entwicklung des Waldes seit 2002 aufzeigen.
Die gesamte Auswertung der Daten erfordert umfang-
reiche Analysen, Interpretationen, Abstimmungen und
ebenfalls Prüfungen.
Vergleichbarkeit der Ergebnisse
Zwischen der zweiten und dritten Bundeswaldinventur
liegen zehn Jahre. Die Vergleichbarkeit ihrer Ergebnisse
ist eines der wichtigsten Kriterien bei der Gestaltung des
Inventurdesigns. Jedoch muss das Inventurverfahren
immer wieder angepasst werden. Technischer Fort-
schritt, neue wissenschaftliche Erkenntnisse und neue
Fragestellungen müssen berücksichtigt werden. Unter-
schiede zu den früher publizierten Ergebnissen können
entstehen, wo neue statistische Schätzverfahren ange-
wandt wurden. Deshalb werten die Wissenschaftler die
Daten der Inventur von 2002 mit den aktuellen Metho-
den neu aus, damit die Ergebnisse mit der Bundes-
waldinventur 2012 verglichen und Veränderungen
korrekt geschätzt werden können.
Der Stichprobenumfang der Bundeswaldinventur ist
repräsentativ und liefert zuverlässige Aussagen für den
gesamten deutschen Wald und die meisten Länder.
Ist die Region zu klein oder die Fragestellung zu detail-
liert, dann leidet die Repräsentativität der Stichprobe,
so dass Aussagen für kleinräumige Fragestellungen nicht
zuverlässig zu beantworten sind.
Feldcomputer helfen beim Wiederauffinden der Stichproben,
bei der Datenerfassung und bei der Qualitätskontrolle der Daten.
An einigen Bäumen wird die Höhe wie hier mit einem
Ultraschall-Messgerät gemessen, um die Baumform und damit
das Baumvolumen genau bestimmen zu können.

image
48
vermessung des waldes
Bundeswaldinventur –
etablierte Informationsbasis
Die Ergebnisse der Bundeswaldinventur spielen sowohl
auf internationaler, auf nationaler und auf Ebene der
Länder eine bedeutende Rolle. Aussagen für kleinere
Bezugseinheiten sind dagegen kaum möglich: Die Zahl
der Stichproben ist dann für statistisch belastbare
Auswertungen häufig zu klein. Für Bund und Länder ist
die Inventur eine zentrale Informationsquelle für die
Waldpolitik. Mit ihren Daten werden forstliche Interes-
sen in der Europäischen Union (z. B. bei Klimaverhand-
lungen) vertreten und der Wirtschaft Planungsgrundla-
gen z. B. für die Entwicklung und Errichtung von
Verarbeitungskapazitäten gegeben. Außerdem sind die
Daten fester Bestandteil von internationalen Berichten,
wie sie beispielsweise das Kyoto-Protokoll und die
Klimarahmenkonvention fordern.
Gemeinschaftswerk von Bund
und Ländern
Die Bundeswaldinventur ist ein von Bund und Ländern
gemeinsam getragenes Projekt. Das Bundesministerium
für Ernährung und Landwirtschaft klärt den Informati-
onsbedarf mit den Ländern und den Interessenverbän-
den. Es gleicht ihn mit den bei Bund und Ländern
vorhandenen Ressourcen für die Inventur ab. Es hat das
Thünen-Institut für Waldökosysteme mit der Bundesin-
venturleitung beauftragt. Das Thünen-Institut für
Waldökosysteme entwickelt die Aufnahme- und Erhe-
bungsmethodik und das Datenmanagement, schult die
Inventurtrupps und wertet die Ergebnisse aus.
Die Länder erfassen die Daten. Sie setzen für die dritte
Bundeswaldinventur rund 60 Aufnahmetrupps ein, die
eigens in der Erhebungsmethodik und in der Anwen-
dung der Erhebungs-Software geschult wurden.
Bund und Länder arbeiten bei der Entwicklung des
Inventurverfahrens eng zusammen. Ihre intensive
Zusammenarbeit und ihr regelmäßiger Austausch
sichern die einheitliche Klärung von Verfahrensfragen
sowie die Qualität der Daten und Ergebnisse.
Am 16. September 2014 informierte sich Bundesminister
Christian Schmidt anlässlich eines Waldbegangs im Revier Spechthausen
der Landeswaldoberförsterei Chorin über das Inventurverfahren der
Bundeswaldinventur, aktuelle Fragen der Waldpolitik und die
Waldforschung am Thünen-Institut in Eberswalde.

49
Altbestockung
Bäume über 4 m Höhe, die durch die Winkelzählprobe mit Zählfaktor 1 oder 2 unabhängig von
Bestandesgrenzen erfasst werden
Bestand
Bewirtschaftungseinheit des Waldes; Waldteil, der sich hinsichtlich Alter und Baumart wesentlich von seiner
Umgebung abhebt. Er ist für einen längeren Zeitraum die kleinste Einheit des waldbaulichen Handelns.
Bestockter Holzboden
Holzboden, auf dem Bäume wachsen
Bestockung
Die Bestockung beschreibt den Waldort unabhängig von Bestandesgrenzen. Es wird nach Altbestockung,
Hauptbestockung oder Jungbestockung unterschieden.
Blöße
Holzboden, auf dem vorübergehend keine Bäume stehen
Brusthöhendurchmesser
Der Durchmesser eines Baumes in 1,3 m Höhe
Derbholz
Oberirdische Holzmasse mit einem Durchmesser von über 7 cm mit Rinde.
Bäume unter 7 cm Brusthöhendurchmesser sind kein Derbholz
Eigentumsarten
Die Eigentumsarten werden differenziert nach Staatswald (Bund oder Land), Körperschaftswald und Privatwald
(einschließlich Treuhandwald).
Erntefestmeter (Efm)
Holzmaß in m
3
. Es entspricht einem Vorratsfestmeter abzüglich ca. 10 % Rindenverluste
und ca. 10 % Verluste bei der Holzernte.
Festmeter
Ein Festmeter Holz entspricht 1 m³ massivem Holz, d. h. ohne Zwischenräume in der Schichtung.
Hauptbestand
Bestandesschicht, auf der das wirtschaftliche Hauptgewicht liegt. Wenn der Deckungsgrad der obersten Bestandes-
schicht mindestens 5/10 beträgt, ist diese stets Hauptbestand. Auswertungen des Hauptbestands schließen den
Plenterwald ein.
Hauptbestockung
Teil der Bestockung, auf der das wirtschaftliche Hauptgewicht liegt. Wenn der Deckungsgrad der Bäume über 4 m
Höhe mindestens 5/10 beträgt, bilden diese stets die Hauptbestockung (siehe auch Altbestockung, Jungbestockung).
Hektar (ha)
Flächenmaß, 10.000 m²
Fachbegriffe
fachbegriffe

50
fachbegriffe
Holzboden
Dauernd zur Holzerzeugung bestimmte Fläche. Dazu gehören auch Gräben, Leitungstrassen, zeitweilig unbestockte
Flächen (Blößen) sowie Wege und Schneisen unter 5 m Breite, auch Flächen wie z. B. in Nationalparken.
Jungbestockung
Im 10-m-Probekreis vorhandene Bäume mit einer Höhe von 0,2 m bis 4m
Körperschaftswald
Wald im Alleineigentum von Städten und Gemeinden, Gemeindeverbänden, Zweckverbänden sowie sonstigen
Körperschaften, Anstalten und Stiftungen des öffentlichen Rechts
Lücke
Durch das Stichprobenverfahren werden hier keine Bäume erfasst, obwohl die Stichprobe auf bestocktem
Holzboden liegt.
Naturnähe der Baumarten-Zusammensetzung
Der Vergleich der aktuellen Bestockung mit der natürlichen Waldgesellschaft gibt Auskunft über die Naturnähe
der Baumarten-Zusammensetzung. „Außereuropäische Baumarten“ bezeichnet die vom Menschen neuzeitlich
eingeführten, ursprünglich außereuropäisch verbreiteten Baumarten, auch wenn sie nach ihrer Einbürgerung
Bestandteil der natürlichen Waldgesellschaft geworden sind (zu den Kriterien: siehe Abbildung oben).
Nichtholzboden
Nicht zur Holzproduktion bestimmte Teile des Waldes, zum Beispiel Waldwege und Schneisen ab 5 m Breite,
und Holzlagerplätze
Kriterien für die Naturnähe der Baumarten-Zusammensetzung (UND-Verknüpfung)
Naturnähe-Stufe
Anteil der Baumarten der
natürlichen Waldgesellschaft
(Haupt-, Neben-, Pionier-
baumarten zusammen)
Anteil der Haupt-
baumarten der natürlichen
Waldgesellschaft
Vollständigkeit der Haupt-
baumarten der natürlichen
Waldgesellschaft
Anteil der außer-
europäischen Baumarten
Kulturbestimmt
Kulturbetont
Bedingt naturnah
Naturnah
Sehr naturnah
< 0,25
≥ 0,25 und < 0,5
≥ 0,5 und < 0,75
≥ 0,75 und < 0,9
≥ 0,9
< 0,1
≥ 0,1 und < 0,5
≥ 0,5
< 1,0
= 1,0
> 0,3
> 0,1 und ≤ 0,3
≤ 0,1

fachbegriffe
51
Rechnerischer Reinbestand
Der Hauptbestand einschließlich Plenterwald wird rechnerisch in Flächen einer Altersklasse und einer Baumart
aufgeteilt.
Schichtung, einschichtiger oder mehrschichtiger Wald
Die Schichtung beschreibt den vertikalen Aufbau des Waldes. Eine Schicht bilden alle Bäume, die einen gemeinsamen
Kronenraum haben und mindestens 10 % Deckungsgrad aufweisen. Als zweischichtig gelten somit Wälder, die
übereinander zwei Kronenräume haben, die sich nicht berühren. Das kann zum Beispiel Jungwuchs unter dem
Schirm eines Altholzes sein. Waldbaulich besonders anspruchsvoll und strukturell vielfältig ist der Plenterwald. Er ist
immer mehrschichtig. Allerdings erfordert er besondere standörtliche Voraussetzungen und Baumartenmischungen
und kommt in Deutschland nur in vernachlässigbaren Flächenanteilen vor.
Vorratsfestmeter (Vfm)
Maßeinheit für den stehenden Vorrat. Angabe in m³ (Derbholz)
Wald
10
Die Walddefinition der Bundeswaldinventur lehnt sich an die des Bundeswaldgesetzes an: Wald im Sinne der BWI ist,
unabhängig von den Angaben im Kataster oder ähnlichen Verzeichnissen, jede mit Forstpflanzen bestockte Grundflä-
che. Als Wald gelten auch kahl geschlagene oder verlichtete Grundflächen, Waldwege, Waldeinteilungs- und Siche-
rungsstreifen, Waldblößen und Lichtungen, Waldwiesen, Wildäsungsplätze, Holzlagerplätze, im Wald gelegene
Leitungsschneisen, weitere mit dem Wald verbundene und ihm dienende Flächen einschließlich Flächen mit Erho-
lungseinrichtungen, zugewachsene Heiden und Moore, zugewachsene ehemalige Weiden, Almflächen und Hutungen
sowie Latschen- und Grünerlenflächen. Heiden, Moore, Weiden, Almflächen und Hutungen gelten als zugewachsen,
wenn die natürlich aufgekommene Bestockung ein durchschnittliches Alter von fünf Jahren erreicht hat und wenn
mindestens 50 % der Fläche bestockt sind. In der Flur oder im bebauten Gebiet gelegene bestockte Flächen unter
1.000 m
2
, Gehölzstreifen unter 10 m Breite und Weihnachtsbaum- und Schmuckreisigkulturen sowie zum Wohnbe-
reich gehörende Parkanlagen sind nicht Wald im Sinne der BWI. Wasserläufe bis 5 m Breite unterbrechen nicht den
Zusammenhang einer Waldfläche.
10
Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: Aufnahmeanweisung für die dritte Bundeswaldinventur (2011-2012).
2. geänderte Auflage, Mai 2011

52
verzeichnis der infografiken
Impressum
Herausgeber
Bundesministerium
für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)
Wilhelmstraße 54, 10117 Berlin
Auswertung und Text
Bundesministerium
für Ernährung und Landwirtschaft
Referat 535: Friedrich Schmitz
Thünen-Institut für Waldökosysteme
Dr. Heino Polley, Petra Hennig, Franz Kroiher,
Alexander Marks, Dr. Thomas Riedel,
Ursula Schmidt, Frank Schwitzgebel,
Thomas Stauber
Gestaltung
neues handeln GmbH, Berlin
Bildnachweis
Titel, S. 3, 5, 8, 11, 17, 29, 39, 43, 53:
Reinhold Schönemund,
S. 1: BMEL/CHLietzmann,
S. 6: Ulrich Mohr,
S. 18, 20, 23, 34, 37: Klaus M. Weber,
S. 24 links: Landesforsten Rheinland-Pfalz /
Richard Hansen, S. 24 rechts, 25: Bayerische
Staatsforsten / Bert Heinzelmeier,
S. 27: Landesforsten Rheinland-Pfalz /
Konrad Funk, S. 33: laif / Jens Meier,
S. 41: Franz Kroiher,
S. 46, 47, 48: Christina Waitkus
Druck
LASERLINE Digitales Druckzentrum
Bucec & Co. Berlin KG
Auflage
8.000 Exemplare
Stand
Oktober 2014
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Diese und weitere Publikationen können
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Internet:
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Fax: 01805-77 80 94
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Schriftlich: Publikationsversand
der Bundesregierung
Postfach 48 10 09, 18132 Rostock
Diese Broschüre wird im Rahmen der Öffent-
lichkeitsarbeit des BMEL kostenlos heraus-
gegeben. Sie darf nicht im Rahmen von Wahl-
werbung politischer Parteien oder Gruppen
eingesetzt werden.
Weitere Informationen finden Sie
im Internet unter
www.bmel.de
Verzeichnis der Abbildungen
Die Waldverteilung in Deutschland
Waldkategorien
7
Waldfläche nach Eigentumsart
10
Verbreitung von Fichte, Kiefer, Buche und Eiche
in Deutschland
13
Fläche der Baumartengruppen
15
Alterspyramide des Waldes
16
Veränderung der Waldfläche nach
Baumartengruppen
18
Schichtung des Kronenraums
20
Mischung
20
Strukturvielfalt der Wälder
21
Naturnähe der Hauptbestockung bzw.
der Jungbestockung
23
Totholzvorrat und seine Veränderung
24
Totholzvorrat nach Zersetzungsgrad
25
Holzvorrat nach Baumartengruppe
30
Veränderung des Holzvorrates nach
Baumartengruppen
31
Veränderung des Holzvorrates nach Durchmesser
32
Zuwachs des Vorrates nach Baumartengruppe
34
Zuwachs und Nutzung
35
Vorratsbilanz
36
Nutzung nach Eigentumsgrößenklassen im Privatwald
37
Ursachen von Nutzungseinschränkungen
38
Kohlenstoffvorrat im Wald
42
Stichprobennetz in Deutschland
44
Aufnahmen am Stichprobenpunkt
45
Kriterien für die Naturnähe der Baumarten-
Zusammensetzung (UND-Verknüpfung)
50

image
53

Bundeswaldinventur und Waldentwicklungs- und Holzaufkommensmodellierung
im Internet
www.bundeswaldinventur.de
Hier finden Sie den Bericht und ausgewählte Ergebnisse der dritten Bundeswaldinventur.
Damit verlinkt ist die Ergebnisdatenbank der Bundeswaldinventur unter der Internetadresse
https://bwi.info
Hier können Sie auf alle Ergebnisse der dritten Bundeswaldinventur zugreifen und
selber Tabellen, Grafiken und Karten erstellen. Die Ergebnisse der Waldentwicklungs-
und Holzaufkommensmodellierung folgen voraussichtlich im Jahr 2015.