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Hier ist
Tempo drin.
SONDERBEILAGE
Was die Lausitz
voranbringen soll
Seite 3
Die Ministerpräsidenten
im Interview: Mit Mut und
Ideen die Zukunft anpacken
Seite 4
Alles für die Fans
der Füchse
Seite 7
STRUKTURENTWICKLUNG
IM LAUSITZER REVIER
#001 - MÄRZ 2019
KOSTENFREI
FOTO: LAUSITZER FÜCHSE/THOMAS HEIDE

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2
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Strukturentwicklung im Lausitzer Revier
EDITORIAL
LIEBE LAUSITZERINNEN
UND LAUSITZER,
heute halten Sie die neue Re-
vierzeitung W.I.R. in den Hän-
den – eine Zeitung, mit der
wir Sie während der Struktur-
entwicklung regelmäßig über
Neuigkeiten, Fortschritte und
Macher aus der Lausitz infor-
mieren möchten. W.I.R. steht
dabei sowohl für gemeinsame
Entwicklung, wie auch für die
„Wirtschftsregion Lausitz“, dem
Herausgeber von W.I.R.
In der ersten Ausgabe stehen
Menschen im Mittelpunkt - mit
Ideen für die Zukunft in ihrer
alten oder neuen Heimat Lau-
sitz. Die Ministerpräsidenten
Michael Kretschmer und Diet-
mar Woidke haben wir gefragt,
welche Auswirkungen der Be-
richt der Kommission „Wachs-
tum, Beschäftigung und Struk-
turwandel" haben wird.
Und schließlich geht es um Sie,
liebe Leserinnen und Leser.
Sie können die Zukunft der Lau-
sitz mitgestalten und aktiv an ei-
nem neuen Leitbild mitwirken.
Sie haben ein großartiges Pro-
jekt, über das wir berichten sol-
len? Sie kennen einen Macher,
der mit neuen Ideen die Lausitz
voranbringt? Schreiben Sie uns
an info@wirtschaftsregion-
lausitz.de.
Wir freuen uns über Ihre Ideen.
Die W.I.R.-Redaktion
HOYERSWERDA
Neuer Betrieb für
Autobatteriemontage
Ab Februar 2019 montiert die
Firma Leadec in Hoyerswerda
Bauteile für Batterien, die in
Elektrofahrzeugen zum Einsatz
kommen. Auf 8.300 m² entste-
hen bis zu 80 Arbeitsplätze im
Zukunftsmarkt E-Mobilität.
In Hoyerswerda werden Mon-
tage, Qualitätsprüfung, Lager,
Logistik, Verwaltung und Pro-
duktionsplanung angesiedelt.
2020 rechnet Leadec mit einer
jährlichen Montage-Leistung
von 300.000 Teilen.
www.leadec-services.com
E
ine ganze Menge Miss-
verständnisse über die
Lausitz sind im Umlauf.
Manchen fällt bei diesem Na-
men der einzigartige Spreewald
ein oder die Stadt Görlitz an der
Neiße – tatsächlich zum einen
eine der außergewöhnlichsten
Landschaften Europas und zum
anderen eine wunderschöne,
anziehende Stadt. Andere brin-
gen mit der Lausitz ausschließ-
lich Braunkohle und Tagebaue,
Kraftwerke und rauchende
Schlote in Verbindung. Und
wiederum andere halten die
Region für eine zwar traditions-
reiche, aber leider auch wenig
zukunftsträchtige Energie- und
Industrielandschaft am südöst-
lichen Rand von Deutschland.
Region in Bewegung
Klischees zu bedienen wird
dem nicht gerecht. Denn die
Wirklichkeit sieht inzwischen
weitaus bunter aus. Die Lausitz
heute, das ist eine vielfältige Re-
gion in Bewegung, gelegen mit-
ten im neuen Europa zwischen
den dynamischen Großräumen
Berlin und Dresden, Leipzig
und Breslau. Hier finden sich
wunderschöne Naturlandschaf-
ten ebenso wie moderne Unter-
nehmen, lebendige Städte eben-
so wie zauberhafte Dörfer. Und
Menschen voller Ideen und
Tatendrang, die fest an die Kraft
ihrer Lausitzer Heimat auch
unter veränderten Bedingungen
glauben. Industriell geprägt seit
Generationen ist diese Region.
Zupackend, produktiv und
fleißig sind die Menschen hier.
Jahrzehntelang war die Lausitz
eine führende Textilregion, die
Elektro- und Maschinenindus-
trie war hier zu Hause.
Aus dem Boden der Lausitz
wurde die Energie geholt, die
vier Jahrzehnte lang die DDR
am Laufen hielt. Und aus der
Lausitzer Braunkohle stammt
auch heute noch jede zehn-
te Kilowattstunde Strom, die
Deutschland verbraucht.
Auf dieses Erbe und diese Leis-
tung ihrer Industrie- und Ener-
gieregion sind die Menschen in
der Lausitz stolz. Zu Recht. Der
herausragende Film „Gunder-
mann“ von Andreas Dresen, ge-
dreht in Sachsen und Branden-
burg, zeigt es in seiner ganzen
Vielschichtigkeit. Mit genauso
viel Stolz können die Lausitzer
auf den beeindruckenden Weg
zurückblicken, den sie seit dem
Ende der DDR zurückgelegt ha-
ben. Denn dieser Weg war hart
und steinig. Noch 1989 waren
etwa 80.000 Menschen direkt
in der Lausitzer Braunkohle-
wirtschaft beschäftigt, tausende
in der Textil- und Glasindustrie.
Dann folgte innerhalb kürzes-
ter Zeit der brutale Absturz.
Die schweren Erschütterungen
und Rückschläge der neunzi-
ger Jahre haben die Menschen
in der Region mit viel eigener
Kraft bewältigt. Sie haben den
Blick nach vorne gerichtet und
tatkräftig angepackt. Heute
hängen in der brandenburgi-
schen und sächsischen Lausitz
noch etwa 8.000 Arbeitsplätze
unmittelbar von der Braun-
kohleverstromung ab – und
erwirtschaften jedes Jahr rund
1,3 Milliarden Euro. Das ist das
Rückgrat der Lausitz.
Arbeit im Wandel
Weitere 16.000 Arbeitsplätze in
der gesamten Lausitz werden
indirekt durch die Braunkohle
gesichert. In die Wertschöp-
fungsketten der LEAG, die ihre
Konzernzentrale in Cottbus hat,
sind zahlreiche Unternehmen
als Zulieferer oder Dienstleister
eingebunden. Und die Beschäf-
tigten der Energiewirtschaft
tragen mit ihrem Einkommen
wesentlich zum Wohlstand in
der Region bei. Mit ihrer Arbeit
prägen die Beschäftigten der
Braunkohlewirtschaft die Lau-
sitz bis heute. Doch genauso
verdient um ihre Region ma-
chen sich die vielen Menschen,
die nicht (oder nicht mehr) in
der Kohlewirtschaft tätig sind.
Längst hat sich die Region ge-
öffnet für Wandel, Entwicklung
und Erneuerung. Schon jetzt
ist sie auf dem besten Weg,
ihr wirtschaftliches Funda-
ment zu verbreitern. Hundert-
tausende Lausitzerinnen und
Lausitzer haben in den vergan-
genen Jahrzehnten neue Wege
suchen müssen – und in den
allermeisten Fällen trotz vieler
Rückschläge auch gefunden.
Unzählige haben neues Wissen
erworben, neue Erfahrungen
gesammelt, neues Selbstbe-
wusstsein gewonnen.
Neue Lebensperspektiven
Und nicht wenige, die ihre Lau-
sitzer Heimat in den schwieri-
gen neunziger Jahren auf der
Suche nach Arbeit und besseren
Lebensperspektiven verließen,
kehren inzwischen hierher zu-
rück. Wieder andere finden
als Zuzügler von außen in der
Lausitz ihre neue Heimat. Alle
zusammen tragen sie dazu bei,
dass sich in der Region zuneh-
mend innovative Branchen,
neue Berufe und Sichtweisen
etablieren können. So wird die
Lausitz nach und nach noch le-
benswerter, noch dynamischer
und internationaler.
Auf den Erfahrungen aus dem
Strukturwandel kann die Re-
gion aufbauen. Daran anknüp-
fend werden die Lausitzerinnen
und Lausitzer gemeinsam ihre
Heimat aus einer traditions-
reichen Energieregion zu einer
starken Zukunftsregion gestal-
ten.
Die Lausitz ist mehr als ein geografischer Begriff. Die Region
verbindet vielseitig reizvolle Landschaften, eine historisch
gewachsene Kultur, eine sich wandelnde Industrie und
Menschen, die auf ihre Heimat stolz sind.
TEXT: TOBIAS DÜRR, FOTO: RAINER WEISFLOG
FOTO: TMB TOURISMUS-MARKETING BRANDENBURG GMBH
Die Lausitz,
Brandenburg und
Sachsen im Internet:
www.brandenburg.de
www.sachsen.de
www.lausitz-brandenburg.de
https://lsnq.de/Lausitz
Unsere Lausitz
Tagebau Welzow
Kahnfahren im Spreewald

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Christine Herntier
Bürgermeisterin der Stadt
Spremberg und Mitglied
der Kommission
„Die Lausitz hat im anstehen-
den Strukturwandel die größ-
ten Herausforderungen zu be-
wältigen. Bundesregierung und
Parlament sind dazu aufgerufen,
die Vorschläge der Kommis-
sion schnell in einem Gesetz-
gebungsverfahren festzuschrei-
ben. Wenn dies geschieht, kann
für das Lausitzer Revier viel
erreicht werden. Die Schaffung
von Industriearbeitsplätzen mit
einer Wertschöpfung mindes-
tens so hoch wie aus der Kohle-
und Energiewirtschaft stehen
dabei an erster Stelle.“
Dawid Statnik
Vorsitzender der
Domowina, Bund Lau-
sitzer Sorben e. V.
„Wichtig ist nun, eine Struk-
turpolitik zu betreiben, die die
Lausitz nicht abhängt, sondern
mit guten, langfristigen Maß-
nahmen nach vorne bringt.
Dahingehend hoffen wir, dass
die Bundespolitik die Vorschlä-
ge der Kommission aufgreift
und umgehend in die benötig-
ten Rechtsrahmen überleitet.“
Strukturentwicklung im Lausitzer Revier
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3
Was die Lausitz voranbringen soll
Straße und
Schiene
+
gute Anbindung der Lausitz
an die urbanen Räume
Berlin, Dresden, Leipzig,
Breslau
+
ICE-Verbindung von
Berlin – Cottbus –
Weißwasser – Görlitz
mit
Verlängerung nach Polen
+
Zweigleisiger Ausbau der
Bahnverbindung Cottbus –
Lübbenau mit deutlicher
Verbesserung für Verbin-
dung zum BER und nach
Berlin
+
Elektrifizierung der Bahn-
strecke Cottbus – Forst und
Cottbus – Görlitz
+
Elektrifizierung der Strecke
Dresden – Görlitz
inklusive
der Verbindung nach
Kamenz und Zwickau
+
Taktverdichtung auf wichti-
gen Verbindungen
+
Sechsspuriger Ausbau A 13
und A 4
+
„Milau“: Straßenverbindung
Mitteldeutschland – Lausitz
+
Neubau bzw. Ausbau zahl-
reicher Bundes- und Landes-
straßen
(B 178n,
B 156,
B 96, B 97)
+
Neues Großterminal in
Schwarzheide für den kom-
binierten Verkehr Schiene
und Straße
Digitales
+
Ausbau Breitband mit
Modellgebieten für den
5G-Standard
+
Bessere medizinische Ver-
sorgung durch Telemedizin
+
Testfeld autonomes Fahren
auf dem Lausitzring
Wirtschaft und
Arbeitsplätze
+
Sonderförderbedingungen
der EU für Kohleregionen
im Strukturwandel anstre-
ben
+
Aufbau einer Fabrik zur Pro-
duktion von Batteriezellen
+
Ausweisung und Bau bzw.
Erweiterung von Gewerbe-
gebieten (z. B. Schwarze
Pumpe, Schwarzheide/
Schipkau, Guben)
+
Unterstützung von Existenz-
gründern
Bildung und
Forschung
+
Forschungseinrichtung
für Energieeffizienz
und Speichertechnologie
in Cottbus und Görlitz
+
Deutsches Zentrum
für Schienenverkehrs-
forschung
+
Deutsch-Polnisches
Forschungszentrum für
digitale Zukunftsprojekte
in Görlitz (Center for
Advanced Systems
Understanding, CASUS)
Kultur und
Tourismus
+
Kulturplan Lausitz
+
Entwicklung Lausitzer
Seenland
+
Zahlreiche touristische
Projekte, wie z. B. Radwege
+
Belebung und Bewahrung
der sorbischen Kultur und
Sprache
Was bedeuten die Vorschläge der Kommission „Wachstum, Strukturwandel und
Beschäftigung“ für die Lausitz? Von den 40 Milliarden Euro über 20 Jahre aus
dem Bundeshaushalt für die Strukturentwicklung der drei Braunkohlereviere sollen
bis zu 18 Milliarden Euro in die Lausitz fließen. Die Länder Brandenburg und
Sachsen haben durchgesetzt, dass zahlreiche Projekte in den Kommissionsbericht
aufgenommen wurden – jetzt muss die Bundesregierung die nötigen gesetzlichen
Grundlagen für die Realisierung schaffen. Zu den vorgeschlagenen Projekten
gehören u. a.:
Michael Vassiliadis
Vorsitzender der
Gewerkschaft IG BCE und
Mitglied der Kommission
„Auf unsere Mitglieder und
alle anderen Beschäftigten in
den betroffenen Unternehmen
kommt ein großer Wandel zu.
Dass da auch Ängste eine Rolle
spielen, ist menschlich.
Trotzdem bin ich zufrieden.
Wir haben für unsere Leute eine
Menge erreicht. Das Sicher-
heitsnetz, das wir gespannt
haben, ist engmaschig. Kein
Beschäftigter in der Kohle-
industrie muss wegen der poli-
tischen Entscheidung für den
Ausstieg finanzielle Härten
fürchten.“
Dana Dubil
Regionsgeschäftsführerin
der Gewerkschaft DGB
in Ostsachsen
„Auch wenn die empfohlenen
Schritte des Kohleausstiegs har-
te Einschnitte für die Beschäftig-
ten und die Regionen bedeuten,
so ist doch der gefundene Kom-
promiss ein planbarer, geordne-
ter und finanziell untersetzter
Prozess, in den die Sozialpartner
miteinbezogen werden.
Wir sind uns unserer Verant-
wortung bewusst und werden
aktiv die Lausitz mitgestalten.“
ICONS: WWW.PIXELBUDDHA.NET
Stanislaw Tillich
Co-Vorsitzender der
Kommission
„In der Arbeit der Kommission
war es nicht einfach, wirtschaf-
liche Vernunft, naturwissen-
schaftlichen Sachverstand und
politische Zielvorstellungen
miteinander in Einklang zu
bringen. Häufig lagen die Vor-
stellungen sehr weit ausein-
ander. Manchmal drohte eine
Einigung an ideologischen Ma-
ximalforderungen zu scheitern.
Dennoch halte ich das Ergebnis
für gut, weil es der Lausitz und
ihren Menschen hilft, den anste-
henden Strukturwandel recht-
zeitig anzugehen.“
Matthias Platzeck
Co-Vorsitzender der
Kommission
„Wir hatten eine harte Nuss zu
knacken. Das Ergebnis nach
den Besuchen in den Revieren,
Anhörungen, heftigen Diskus-
sionen und vielen Sitzungen
kann sich sehen lassen. Es ist
ein gesellschaftlicher Konsens
gelungen, der weit über das The-
ma „Kohleausstieg“ hinausgeht.
Ich bin allen, die konstruktiv
mitgewirkt haben, sehr dank-
bar. Das gilt für die 28 Kom-
missionsmitglieder ebenso wie
für die vielen anderen, die mit
gutem Zukunftsblick ausge-
zeichnete Ideen mitgebracht
haben. Dazu gehören auch
Dietmar Woidke und Michael
Kretschmer, die entschieden,
aber immer kompromissbereit,
für ihre Lausitz und die Men-
schen dort gekämpft haben.“
Ende Januar hat die Kommission
„Wachstum,
Strukturwandel
und Beschäftigung“ (WSB)
einen Ausstiegsfahrplan für die
Kohleverstromung vorgelegt.
Dazu Meinungen aus der
Kommission und der Region.

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4
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Strukturentwicklung im Lausitzer Revier
Herr Kretschmer, Herr
Woidke, Sie beide sind gebür-
tige Lausitzer, der eine aus
Görlitz, der andere aus Forst.
Was macht die Region für Sie
aus?
Woidke:
Uns verbindet ein
Fluss: Die Neiße, die ja beide
Städte prägt. Mit dem Blick auf
das Wasser bin ich aufgewach-
sen. Damals eine schier unüber-
windbare Grenze nach Polen,
heute verbindendes Glied.
Das ist für mich fast symbolisch.
Die ganze Region, die Lau-
sitz, hat zueinander gefunden.
Sie ist für mich schlicht Heimat
mit ihren Menschen, mit ihrer
Landschaft, ihren Orten und
auch mit ihren Herausforde-
rungen, die wir aber gemeinsam
angehen können. Es ist schön,
hier zu leben.
Kretschmer:
Die Lausitz ist
meine Heimat. Sie bedeutet mir
sehr viel. In der Lausitz gibt es
eine besondere Form des Zu-
sammenhalts. Darum schmerzt
es auch so, wenn junge Men-
schen die Region verlassen.
Jungen Familien in der Lausitz
eine sichere Zukunft zu geben,
ist deshalb eines der wichtigsten
Ziele für uns.
In den überregionalen Me-
dien wird die Lausitz als Dreck-
schleuder-Region wahrgenom-
men. Ärgert Sie das?
W.:
Allerdings. Das macht mich
richtig wütend. Erstens stimmt
es nicht und zweitens beleidigt
es die Menschen hier, von de-
nen Tausende täglich in die Ta-
gebaue oder Kraftwerke gehen,
um Energie für Deutschland zu
produzieren. Darauf können sie
stolz sein. Ohne die Lausitzer
Kohle wäre es in Deutschland –
sinnbildlich – „dunkler“.
K.:
Jeder der die Lausitz kennt,
kennt die zupackende Art der
Menschen hier, die in den ver-
gangenen Jahrzehnten heraus-
ragendes geleistet haben. Sie ha-
ben die Energieversorgung des
ganzen Landes gesichert und
nach der friedlichen Revolution
eine beispiellose Strukturent-
wicklung bewältigt. Modernste
Kraftwerke wurden für eine
hocheffiziente und umwelt-
freundliche Energieversorgung
in der Lausitz gebaut. Diese
Leistungen der Lausitzerinnen
und Lausitzer müssen aner-
kannt werden.
Gehen die Lichter aus, wenn
2038 das letzte Kohlekraftwerk
vom Netz geht? So schlägt es
ja die „Kohle-Kommission“ -
wie sie auch genannt wird - vor.
K.:
Wir haben immer – gemein-
sam mit den Unternehmen und
den Gewerkschaften – darauf
hingewiesen, wie wichtig die
Versorgungssicherheit ist. Die
Braunkohle sichert die Strom-
versorgung auch in Zeiten, wenn
es dunkel ist und kein Wind
weht. Für die erneuerbaren
Energien gibt es bisher noch viel
zu wenig Speicherkapazitäten
und Stromleitungen. Auch zum
Thema bezahlbare Strompreise
hat die Kommission Vorschläge
gemacht. Das ist mir sehr wich-
tig, denn die Energiewende darf
nicht auf dem Rücken der Ver-
braucher ausgetragen werden.
W.:
Sie hat Überprüfungszeit-
räume festgelegt, so genannte
Meilensteine in 2023, 2026 und
2029. Wenn es bis dahin nicht
gelingt, die Stromversorgung
absehbar auch nach 2038 zu
akzeptablen Preisen zu sichern
und es nicht gelungen sein sollte,
zugleich neue Arbeitsplätze zu
schaffen, kann die Kohleverstro-
mung verlängert werden. Wie
Michael sagt: Grundbedingung
ist, dass wir bei Stromtransport
und -speicherung kräftig voran-
kommen. Sie sind der Schlüssel
zur Energiewende. Ansonsten
können wir das vergessen.
Sie beide haben die Arbeit
der Kommission von Beginn an
intensiv begleitet: Sind Sie mit
dem Ergebnis der Kommission
zufrieden?
W.:
Das ist ein gutes Ergebnis
für die Lausitz, den Klimaschutz
und die Energiesicherheit. Ich
finde den Namen der Kom-
mission „Wachstum, Struktur-
wandel und Beschäftigung“ be-
FOTO: HAMBURGER RIEGER GMBH
FOTO: WOLFGANG KUMM/DPA
Die Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (Sachsen) und Dietmar Woidke (Brandenburg) im Dialog
370 Mio.-Euro-Investition und neue Arbeitsplätze: Ausbau der
Papierfabrik Hamburger Rieger in Schwarze Pumpe
Mit Mut und Ideen die
Zukunft anpacken
Dietmar Woidke und Michael Kretschmer, die Ministerpräsidenten von Brandenburg
und Sachsen, setzen sich seit langem gemeinsam für eine zukunftsfähige
Strukturentwicklung in der Lausitz ein. Ländergrenzen spielen dabei keine Rolle.
Es geht um die gemeinsame Region. W.I.R. in der Lausitz traf die beiden Politiker am
Rande der Bundesratssitzung am 15. Februar in Berlin zum Interview.

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Strukturentwicklung im Lausitzer Revier
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5
zeichnend und sehr gut gewählt:
Genau um diese drei Punkte
geht es nämlich. Und dafür hat
sie sehr gute Grundlagen ge-
schaffen. Das war aber erst das
Vorspiel. Jetzt geht es in die
Hauptrunde, denn die Empfeh-
lungen müssen zügig politisch
umgesetzt werden. Dazu gehört
ein Maßnahmengesetz mit einer
Finanzierungsgrundlage für die
zahlreichen Projekte in den
Braunkohleregionen.
K.:
Natürlich ist der Abschluss-
bericht der Kommission in ers-
ter Linie eine Chance für die
Lausitz. Er gibt Möglichkeiten,
die wir als Länder allein nicht
gehabt hätten. Wir rechnen
mit bis zu 18 Milliarden Euro
Bundesmittel für die Struktur-
entwicklung in der Lausitz.
Das ist eine gewaltige Sum-
me, aus der wir jetzt etwas
Gutes machen wollen. Ich
bin froh, dass die Bundes-
regierung rund 1.000 Be-
hördenarbeitsplätze für
die Lausitz zugesagt hat.
Das kann in der Verwal-
tung sein, aber z. B. auch in
der Bundeswehr. Das sind
wichtige Anker in der Re-
gion. Arbeitsplätze in Grö-
ßenordnungen kann aber
nur die Wirtschaft schaffen.
Dafür braucht sie eine gut
ausgebaute Infrastruktur
einschließlich schnellen
Internets. Und das wird
kommen.
Wird der Kompromiss hal-
ten oder ist das eine brüchige
Vereinbarung?
K.:
Das Ergebnis ist ein hart
errungener Kompromiss zwi-
schen unterschiedlichen ge-
sellschaftlichen Gruppen. Wie
jeder Kompromiss enthält auch
dieser schmerzhafte Punkte. Wir
beide
haben – gemeinsam
mit
unserem Kollegen Rainer Hase-
loff in Sachsen-Anhalt – um eine
längere Laufzeit unserer moder-
nen Kraftwerke gekämpft. Das
haben wir auch ein gutes Stück
weit erreicht. Die Umweltseite
wollte wesentlich früher ausstei-
gen. 2038 ist ein Kompromiss,
auf den sich alle verständigt
haben. Im Interesse der Unter-
nehmen und der Menschen in
den Revieren sollten sich daran
alle halten. Sie müssen wissen,
womit sie planen können. Und
auch im Interesse einer geord-
neten Energiewende, die man
nicht von heute auf morgen vom
Zaun brechen kann. Ich forde-
re darum von der Umweltseite,
dass sie zu der Vereinbarung
steht und sie nicht nachträg-
lich in Frage stellt. Dazu gehört
auch, dass das Enddatum 2038
nicht durch eine Verschärfung
von Umweltstandards zu Las-
ten der Braunkohle ausgehebelt
wird.
W.:
Ein Punkt, der mir für
unser Land wichtig ist: Hier
wurde in kurzer Zeit ein guter
Kompromiss mit Beteiligten
der Industriegewerkschaft IG
BCE bis Greenpeace gefunden,
der die Gesellschaft befrieden
kann. Das ist auch ein Erfolg
unserer Demokratie. Darauf
kann man stolz sein! Und dafür
gilt auch mein ausdrücklicher
Dank der Kommission mit
ihren vier Vorsitzenden, dar-
unter unsere beiden Vorgänger
Matthias Platzeck und Stanislaw
Tillich. Dank aber auch an die
kommunalen Vertreter mit der
Spremberger Bürgermeisterin
Christine Herntier an der Spit-
ze für die „Lausitzrunde“. Umso
schlimmer, dass es noch ein paar
selbstgefällige und überhebliche
Quertreiber gibt, die das mit
schlagzeilenträchtigen Aktionen
blockieren wollen. Damit scha-
den sie sogar ihrem eigenen
Thema, dem Klimakampf.
Die Kommission wollte
eigentlich bereits Ende 2018 fer-
tig sein. Wie kam es zu der Ver-
längerung bis zum 26. Januar
2019?
K.:
Wir haben gemerkt, dass
sich die Diskussion in der Kom-
mission nur noch um das Aus-
stiegsdatum drehte. Die Belange
der Menschen in den Revieren
und die Strukturentwicklung
kamen zu kurz. Der Auftrag der
Kommission war damit nicht er-
füllt. Deshalb haben wir von der
Bundeskanzlerin gefordert, dass
die Kommission ihren eigent-
lichen Auftrag ernst nimmt und
Zukunftsperspektiven für die
Menschen in den Revieren ent-
wickelt. Das ist dann auf den
letzten Metern und in harten
Verhandlungen auch gelungen.
W.:
Diese zweimonatige Nach-
spielzeit war anstrengend, aber
entscheidend. Ich bin froh, dass
wir drei ostdeutschen Minister-
präsidenten unsere klare Ansage
Mitte November durchsetzen
konnten. Unseren denkwür-
digen Brandbrief haben wir in
Hoyerswerda verfasst. Er hat
bei der Kanzlerin gezündet. Das
zeigt mal wieder: Man muss
kämpfen. Man kriegt nicht alles,
aber kann Schlimmes verhin-
dern.
Wie geht es jetzt weiter? 40
Milliarden über zwanzig Jahre
für die Strukturentwicklung in
den Braunkohlerevieren, davon
18 Milliarden allein für die Lau-
sitz. Was passiert mit dem Geld?
W.:
Wir müssen vorankommen
bei Planungen und Bau. Da
brauchen wir Tempo, zum Bei-
spiel für den Bau des dringend
erfoderlichen zweiten Bahnglei-
ses Cottbus – Lübbenau. Sonst
hilft das viele Geld nichts; es
darf nicht nach Gießkannen-
prinzip und wahllos ausgegeben
werden. Wir brauchen klare
Prioritäten für Schiene, Straße,
Wirtschaft, Wissenschaft, For-
schung und Kultur. Und es
muss langfristig wirken. Die
IBA Fürst-Pückler-Land 2000 –
2010 hat gezeigt, was machbar
ist. Aber vor allem brauchen wir
gut bezahlte Industriearbeits-
plätze. Dafür ist die Lausitz be-
reits auf dem richtigen Weg. Es
hat sich gelohnt, dafür zu kämp-
fen.
K.:
Wir haben jetzt die einmali-
ge Chance, Dinge voranzubrin-
gen, von denen wir bisher nicht
einmal träumen konnten. Viele
Projekte, über die schon lange
gesprochen wurde, können jetzt
umgesetzt werden. Dabei denke
ich vor allem an die Verkehrs-
infrastruktur: Die Elektrifizie-
rung vieler Bahnstrecken, be-
sonders die von Dresden nach
Görlitz. Eine ICE-Verbindung
von Berlin über Cottbus, Weiß-
wasser, Görlitz bis nach Polen.
Die Vollendung der B 178n
oder die „Milau“, eine Straßen-
verbindung zwischen dem
Mitteldeutschen und dem
Lausitzer Revier. Wenn die
Lausitz von Dresden oder
Berlin besser erreichbar ist,
dann wird sie auch für jun-
ge Familien zum Wohnen
attraktiv. Wir müssen auch
auf Forschung und Ent-
wicklung setzen und auf
neue Technologien – der
5G-Mobilfunkstandard ist
ein Beispiel. Das wichtigste
ist aber: Wir brauchen von
Anfang an den Mut und
die Bereitschaft der Bürger
vor Ort, den Wandel aktiv
mitzugestalten. Dafür wird
es ein Bürger-Beteiligungs-
verfahren geben, dass die
Zukunftswerkstatt Lausitz
organisiert und ab sofort einen
Ideenwettbewerb – den sächsi-
schen „Mitmach-Fonds“.
Zum Abschluss und ganz
knapp: Lausitz 2040?
W.:
Europäische Modellregion
für Klimaschutz und nachhalti-
ges Wachstum. Mit gut bezahl-
ten Arbeitsplätzen in Industrie
und Energie. Und ach, dann
werde ich achtzig Jahre alt sein
und mich hoffentlich weiterhin
freuen können über die schöne
Neiße vor der Haustüre. Und
Michael kommt bestimmt zu
Besuch?
K.:
Na klar! Die Lausitz hat eine
große Chance, die wir gemein-
sam und ohne Rücksicht auf
Landesgrenzen nutzen können.
Und der ICE Berlin – Görlitz –
Breslau wird bis dahin stündlich
diese Grenze flugs überschrei-
ten…
Ideen für die
Lausitz von
morgen
Die Zukunftswerkstatt
Lausitz
FOTO: SÄCHSISCHE STAATSKANZLEI
Bergarbeiter-Demo am 11. Oktober 2018 in Weißwasser
Solarpark und Biogasanlage
in Brieske
COTTBUS
Kompetenzzentrum
Klimaschutz
Das Bundesumweltministerium
wird 2019 mit dem Aufbau eines
Kompetenzzentrums Klima-
schutz in energieintensiven In-
dustrien (KEI) beginnen. Dafür
sind im Bundeshaushalt 2019
insgesamt zwei Millionen Euro
vorgesehen. Erste Gespräche
mit der Landesregierung Bran-
denburg sowie der Brandenbur-
gischen Technischen Universi-
tät Cottbus-Senftenberg (BTU)
haben stattgefunden.
FOTO: R. WEISFLOG
Mit der Zukunftswerkstatt
Lausitz wird erstmals der
Fokus auf eine länderüber-
greifende Entwicklung der
Lausitz in Brandenburg und
Sachsen gelegt. Mit ihr sollen
die unterschiedlichen Inte-
ressen und Ausgangslagen
aus Wirtschaft, Wissenschaft,
Kultur, Politik und Zivilge-
sellschaft zusammengeführt
und nachhaltige Strategien
für die Strukturentwicklung
gefunden werden.
Die Zukunftswerkstatt ist
ein Projekt der Wirtschafts-
region Lausitz GmbH.
Sie ist die interkommunale
Wirtschaftsfördergesellschaft
der Brandenburger und
Sächsischen Landkreise der
Lausitz.
www.zw-lausitz.de

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6
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A
ls Dienstleister der
Energiewirtschaft ist
KSC unbestritten ein
Branchen-Schwergewicht in
Ostdeutschland. Mit großem
Erfahrungsschatz halten die gut
200 festangestellten Mitarbeiter
auch die Lausitzer Braunkoh-
lekraftwerke in Schuss. Damit
leistet die Kraftwerks-Service
Cottbus Anlagenbau GmbH
(KSC) einen Beitrag für eine
zuverlässige Stromversorgung.
Zugleich aber steht das in Peitz
ansässige Unternehmen mit
seinem Leistungsspektrum im
Zentrum der voranschreiten-
den Strukturentwicklung. Und
deshalb hat KSC-Chef Michael
Stein mit der Neuorientierung
längst begonnen. Ihm muss kei-
ner erzählen, wie wichtig es ist,
das eigene Geschäftsfeld stetig
zu erweitern. Als Ausgründung
des heute unter LEAG firmieren-
den Kraftwerksbetreibers hing
sein Umsatz 1996 vollständig an
der ostdeutschen Braunkohle.
Heute liegt der Anteil nur noch
bei etwa einem Drittel.
Jetzt spielen Aufträge und
Projekte für Blockheizkraft-
werke, thermische Abfallbe-
handlungsanlagen oder der
Rohrleitungsbau in dezentralen
Industrieanlagen eine immer
größere Rolle. Und für die be-
stehende Strukturentwick-
lung arbeitet Michael Stein
mit seinem Team und der Wis-
Schweißarbeiten an Baugruppen für den Schienenfahrzeugbau
KSC: Kraftwerks-Schwergewicht
mit Leichtbau-Ambitionen
senschaft an der Entwicklung
moderner Energieerzeugungs-
anlagen. Zudem baut das Unter-
nehmen seit einiger Zeit ein
Standbein im Schienenfahr-
zeugbau auf. „In dem Bereich
erarbeiten wir zunehmend eige-
ne Komponenten.“, betont der
Firmenchef. Ein Schlüsselbe-
griff dabei sei der Leichtbau. In
einem Konsortium mit der BTU
Cottbus-Senftenberg habe KSC
gerade einen neuartigen Leicht-
bau-Container entwickelt. Der
Prototyp wurde 2018 auf der
Innotrans vorgestellt.
Damit gehört KSC zu den
Unternehmen, die dazu beitra-
gen, dass die Lausitz eine
Energie- und Industrieregion
bleibt. Stein: „Natürlich kann
nicht alles sofort die Kohle
und deren Verstromung ablö-
sen. Aber mit Ideenreichtum
und der notwendigen Unter-
stützung ist der Wandel mach-
bar. Vor allem weil wir hier in
der Region richtig gute Fach-
kräfte haben.“
Auch andere Projekte unter-
streichen, dass KSC, mit seinen
drei Hauptstandorten Peitz,
Hagenwerder und Lippendorf,
auf dem Weg ist. Stets geht es
darum, vorhandenes Know-
how weiterzuentwickeln und
neue Anwendungen zu ermög-
lichen. Eines ist dem Unter-
nehmenschef dabei besonders
wichtig: „Die entsprechende
Qualifizierung unserer Leute“.
www.ksc-anlagenbau.de
Wer kann sich bewerben?
Der Wettbewerb richtet sich an:
Bürgerinnen und Bürger mit
ständigem Hauptwohnsitz
in den Landkreisen Görlitz
oder Bautzen
Wissenschaftliche
Einrichtungen
Verbände, Kammern,
Vereine, Stiftungen
Soziale Träger
Schulen
Kommunale Einrichtungen
Voraussetzung für die Teilnah-
me ist, dass die Projekte inner-
halb der beiden Landkreise
Görlitz und Bautzen umgesetzt
werden.
Was wird prämiert?
In vier Kategorien werden Prei-
se vergeben. Die Gewinner kön-
nen damit ihre eingereichten
Projekte verwirklichen.
ReWIR-Preis:
Von Lausitzern für Lausitzer
Alle Ideen, die zur Stärkung des
gesellschaftlichen Zusammen-
halts beitragen – aus den Berei-
chen Sport, Kultur oder anderer
Freizeitaktivitäten – können
in
dieser Kategorie eingereicht
werden. Auch zivilgesellschaft-
liche Themen wie zum Beispiel
die Nachbarschaftshilfe sind
willkommen.
Zukunft MINT-Preis:
Unsere Kinder – die zukünfti-
gen Gestalter der Reviere
Dieser Preis richtet sich an
alle Projekte und Maßnah-
men, welche zu einer positiven
Einstellung von jungen Men-
schen, Eltern oder Lehrkräf-
ten zu MINT-Fächern – also
Mathematik und den Naturwis-
senschaften – beitragen.
Initiativen an Schulen, in Kin-
dergärten oder in Freizeitein-
richtungen können sich für die
finanzielle Unterstützung ihrer
Ideen, egal ob Sachkosten oder
die Aufwandsentschädigung für
die Betreuung einer Schüler-AG
bewerben.
Mobilitäts-Preis:
Die Lausitz bewegt sich!
Mobil zu sein, ist die Voraus-
setzung für die Teilhabe am öf-
fentlichen Leben. In ländlichen
Regionen wie der Lausitz ist das
oft eine Herausforderung. Vor
allem die sogenannte letzte Mei-
le muss oft durch bürgerschaft-
liches Engagement abgesichert
werden. Hier setzt die Katego-
rie „Die Lausitz bewegt sich!“
an. Ideen für Projekte wie zum
Beispiel Carsharing oder über-
dachte und abschließbare Fahr-
radstationen können beim Mit-
machfond-Fonds eingereicht
werden.
Łužica/Lausitz:
Žiwa dwurěčnosć /
Lebendige Zweisprachigkeit
Die sorbische Volksgruppe ist
ein wichtiger, identitätsstiften-
der Bestandteil der Lausitz,
insbesondere aufgrund der sor-
bischen Sprache und Kultur. Es
werden Ansätze prämiert, die
der Anwendung der sorbischen
Sprache und der Stärkung der
sorbischen Identität dienen.
Wie und wann kann sich
beworben werden?
Die Bewerbung für den Mit-
mach-Fonds erfolgt über ein
Onlineformular, das auf der
Homepage der WR.Lausitz
heruntergeladen werden kann.
Bewerbungen können in der
Zeit vom 15. März bis zum
15. April 2019 eingereicht wer-
den. Die Preisträger werden am
15. Mai 2019 bekannt gegeben.
Eine feierliche Preisverleihung
erfolgt am 15. Juni 2019.
www.mitmachfonds-sachsen.de
www.wirtschaftsregion-lausitz.de
Strukturentwicklung im Lausitzer Revier
Mach die Lausitz zu
Deinem Projekt
Ideenwettbewerb für die Lausitz gestartet. Wer hat die
besten Ideen, um die Region voranzubringen? Darum
heißt es Mitmachen beim sächsischen Mitmach-Fonds
Lausitzer Revier. Start des Wettbewerbs am 15. März.
Mit neuen Ideen stellt sich der Kraftwerks-Service
Cottbus Anlagenbau den Veränderungen im Lausitzer
Revier.
FOTO: KSC
TEXT: MARKUS FÜLLER, FOTO: KSC
Vorbereitung einer Schweißnaht

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Strukturentwicklung im Lausitzer Revier
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7
D
er Lebensweg des
38-jährigen Heiko Rau-
hut ist nicht so der
allernormalste, wie er selbst
feststellt. „Aber ideal geeignet,
um anderen zu zeigen, dass es
sich lohnt, immer wieder aufzu-
stehen. Und dass es sich in der
Lausitz echt gut leben lässt.“
Was das Fanherz
begeistert
Weißwasser ist Füchseheimat.
Schon immer. Im Fanshop zeigt
uns Heiko die vielen bunten
Dinge, die das Herz eines Eis-
hockeyfans höher schlagen
lassen. Schals natürlich, Käp-
pis aller Art, Shirts und Jacken,
Pucks und Schoner, Lätzchen
für die Kleinsten und für die
Größeren sogar ein eigens gela-
belter Rotwein. Im Schmuck-
kästchen mit zwei edlen
Gläsern, natürlich aus Lausitzer
Produktion. Wir sind ja in der
Glasmacherstadt. Wer kauft
denn das alles? „Die Fans,
die Anhänger, die treuen Beglei-
ter, ohne die ein Sportclub wie
die Lausitzer Füchse nicht exis-
tieren könnte“, beteuert Rauhut.
Gar nicht so wenig Geld lassen
sie da, um ihre Zugehörigkeit
auszudrücken und die Mann-
schaft zu unterstützen. 60 Euro
kostet ein Originaltrikot. 90 ein
Kapuzenpulli. „Ich hab das De-
sign dafür gemacht, in Abstim-
mung mit unserem Vermark-
tungspartner.“, sagt Rauhut. Da
klingt Stolz aus der Stimme.
Der Traum von der
Profi-Karriere
Im November 2017 wurde
der Fanshop unmittelbar ne-
ben dem Fuchsbau eröffnet.
Heiko Rauhut leitet ihn als
Angestellter des Vereins von
Anfang an. Der Weg dahin war
kurvig. Als Knirps steht er
schon auf den Schlittschuhen,
spielt beim damaligen Verein
Dynamo Weißwasser, träumt
wie seine Kumpels von einer
Profi-Karriere.
Mit 17 Jahren endet der
Traum. Massive Knieschäden.
„Nach fünf schweren Opera-
tionen bin ich als 21-jähriger an
Krücken gegangen und in ein
tiefes dunkles Loch gefallen.“,
erinnert sich Rauhut.
Nach einem Jahr rappelt er sich
auf. „Ich hab’ ganz vorsichtig
wieder mit Sport angefangen.
Mich an die Trainingsgrundsät-
ze von früher erinnert. Dass man
nach Niederlagen immer wieder
aufstehen muss.“ Die Kraft der
positiven Gedanken richtet ihn
auf. Er fährt Rennrad, spielt
Hallenfußball und Tennis.
Und er sieht wieder Licht am
Ende des Tunnels. Eine Aus-
bildung zum Bürokaufmann
schließt er erfolgreich ab.
Er kämpft sich durch ver-
schiedene Jobs bis er während
eines Urlaubs bei Freunden in
Baden-Württemberg eine Chan-
ce beim Schopf fasst. Ein Super-
markt soll eröffnet werden.
Er bewirbt sich, bekommt so-
fort eine Zusage. Und zieht um
in den Südwesten. „Ich wollte
mein Leben neu ordnen.“
Ticket zurück in die
Heimat
Was folgt, ist der Aufstieg vom
Regaleinräumer bis zum stell-
vertretenden Standortleiter.
Was bleibt, ist das Heimweh.
Jeden Urlaub nutzt er, um Mut-
ter, Schwester, Freunde und
den geliebten Eishockeyver-
ein zu besuchen. 2014 vertraut
ihm die Supermarkt-Führung
eine eigene Filiale mit 22 Mit-
arbeitern an. „Das war so ein
wahnsinniger Lernprozess.“,
bilanziert Rauhut. Arbeit, Geld,
Lebensstandard, alles stimmt.
Nur die Familie fehlt. Er stellt
einen internen Versetzungs-
antrag und hat Glück. Eine
Filialleiterposition in Groß-
räschen ist frei. Aus 600 Kilo-
metern bis nach Hause werden
50. Dann war da die Annonce.
Die Lausitzer Füchse suchen
einen Leiter für den Fanshop.
Seine Lausitzer Füchse. Hei-
ko Rauhut überlegt nur kurz.
Am 2. November 2017 steht
er reichlich aufgeregt zum
ersten Mal hinter dem schi-
cken Tresen. Ab sofort ist er
verantwortlich für den Ver-
kauf von Sport- und Fanarti-
keln, organisiert Autogramm-
stunden mit den Spielern,
kümmert sich darum, dass
Ausrüstungen signiert werden,
betreut Social-Media-Kanäle,
macht dafür permanent Fotos
und kleine Filme. Kurz: er sorgt
für Fannähe.
Wie fühlt es sich an, wieder in
der Heimat zu sein? „Unglaub-
lich schön. Ich hab’ sofort wie-
der ganz enge Freundschaften
geschlossen. Die Leute, die hier-
geblieben sind, freuen sich tie-
risch, wenn einer zurückkommt.
Vom Angebot her vermisse ich
nix. Ich hab’ mein Fitti, meine
Cafés, ich geh in Konzerte, fahre
mal nach Dresden und ganz oft
an die Seen hier in der Gegend.
Ich bin wieder in der Region,
die mich zu dem gemacht hat,
was ich bin.“
www.lausitzer-fuechse.de
I
m idyllischen Hornow bei
Spremberg produziert seit
1992 die Confiserie Felicitas
frische Pralinen, ausgefallene
Schokoladenfiguren, Tafelscho-
koladen und individuelle Scho-
ko-Grußkarten. Und fast alles
nach wie vor in Handarbeit.
Aufwändig und besonders sind
die Zeichnungen mit Schoko-
lade auf Schokolade: Porträts,
Landschaften, Logos, Schrift-
züge.
Felicitas ist eine belgisch-
brandenburgische Erfolgs-
geschichte: Als die Belgier
Goedele Matthyssen und Peter
Bienstman vor über 25 Jahren
in der Lausitz ankamen, fehl-
te ihnen die gute Schokolade
von daheim. Zuerst wurde in
einer alten LPG-Küche produ-
ziert und direkt aus der Büro-
tür heraus verkauft. Der Erfolg
machte schnell Erweiterungen
notwendig. Seit 2014 gibt es
sogar ein Besucherzentrum, das
„SchokoLadenLand“ mit Mit-
mach-Schauwerkstatt. Und auf
Messen, zum Beispiel der „Grü-
nen Woche“, ist Felicitas bester
Botschafter für die Lausitz.
Das belgische Paar mit der gro-
ßen Liebe zur Lausitz hat vie-
len Menschen Arbeit gegeben:
Neben Konditoren arbeiten
auch ehemalige Erzieherinnen,
Glasschleifer oder Rinder-
züchter in der Produktion. Sie
kommen aus der Region und
fanden nach einer intensiven
Chocolatier-Ausbildung zu
ihrem Zweit-Beruf. Warum ge-
rade Hornow? „Warum eigent-
lich nicht? Schokolade macht
glücklich – egal, an welchem
Ort man sie genießt“, erklärt
Goedele Matthyssen lachend.
Und fügt hinzu: „In der Lausitz
habe ich meine Heimat gefun-
den. Ich mag das Land, ich mag
die Menschen.“ Sozial engagiert
ist sie auch, zum Beispiel als
Botschafterin der von der frü-
heren Sozialministerin Regine
Hildebrandt begründeten Bran-
denburger Stiftung „Hilfe für
Familien in Not“
www.schokoladenland.de
Alles für die Fans der Füchse
Aus dem Revier kommt nicht nur Energie aus schwarzer
Kohle, sondern auch schwarze Schokolade.
Schokoladenland Lausitz
Goedele Matthyssen, Chefin von Felicitas:
Statt Weihnachtsmännern werden derzeit Osterhasen produziert.
Heiko Rauhut betreibt den Fanshop der Lausitzer Füchse.
TEXT: AXEL KRÜGER, FOTO: PAUL GLASER
TEXT: TOBIAS DÜRR, FOTO: ANDREAS FRANKE
Rückkehrer Heiko Rauhut betreibt für Eishockeyfreunde aus
Brandenburg und Sachsen einen Shop in der alten Heimat.
FOTO: T. HEIDE
Füchsespieler auf schnellem Eis

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8
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Strukturentwicklung im Lausitzer Revier
Leitbild als Orientierung
für künftige Entscheidun-
gen
Für die Entwicklung der Lausitz
gibt es schon jetzt viele Ideen,
Projekte, Initiativen und Netz-
werke. Nun gilt es, gemeinsam
für die Lausitz ein Leitbild zu
entwickeln. Es soll auf die Stär-
ken und Chancen der Lausitz
bauen, gleichzeitig die Unter-
schiedlichkeit der Gesamtre-
gion anerkennen und aufgreifen
– und von den Menschen in der
Region mitgetragen werden.
Den Rahmen dafür werden die
Themen und Sichtweisen der
Lausitzer genauso wie Ergeb-
nisse wissenschaftlicher Stu-
dien und die Empfehlungen der
Strukturkommission setzen.
So soll das Leitbild auch Leit-
schnur für künftige Entschei-
dungen, Investitionen und kon-
krete Maßnahmen sein. Dabei
wird das Leitbild nicht ein in
Stein gemeißeltes Papier sein,
sondern in den nächsten Jahren
immer wieder überprüft und bei
Bedarf angepasst werden.
Mit breit angelegtem
Beteiligungsprozess zum
Leitbild
Die Entwicklung der Lausitz
betrifft alle, die hier leben und
arbeiten. Deshalb sollen sie
aktiv in die Entwicklung einge-
bunden werden – sind sie doch
Experten für ihre Heimat. Über
die kommenden Monate wird
es dazu eine Vielzahl an An-
geboten geben, bei denen die
Lausitzerinnen und Lausitzer
ihre Ideen und Vorstellungen
einbringen können.
Mit kleinen und großen Veran-
staltungen, mit Aktionsständen
vor Ort wird das Team der Zu-
kunftswerkstatt in der Region
unterwegs sein, um mit den
Lausitzern ins Gespräch zu
kommen, um mit Initiativen,
Experten und Fachakteuren zu
diskutieren. Unterstützt wird
die Zukunftswerkstatt Lausitz
hierbei durch die IFOK GmbH.
Parallel wird es auf der Web-
site der Zukunftswerkstatt auch
Online-Beteiligungsangebote
geben.
Das Team der Zukunftswerk-
statt wird anfangs vor allem Fra-
gen stellen und zuhören:
Was macht für die Lausitzer
ihre Heimat aus, wie nehmen
sie die Lausitz wahr?
Welche Sorgen bewegen die
Lausitzer, was liegt ihnen be-
sonders am Herzen?
Wie stellen sie sich das Le-
ben in der Lausitz vor und
welche Vorstellungen haben
sie dazu, wie ihre Kinder und
Enkel hier in Zukunft leben?
Welche Ideen tragen die Lau-
sitzer mit sich und was müss-
te aus ihrer Sicht passieren,
um diese Wirklichkeit wer-
den zu lassen?
Machen Sie mit!
Sie möchten wissen, wann und
wie Sie sich konkret einbrin-
gen können? Sie sind bereits in
der Lausitz aktiv und möchten
sicherstellen, dass sie eingebun-
den werden? Vielleicht wollen
Sie das Vorhaben auch aktiv
unterstützen? Oder Sie haben
Vorschläge, wie wir möglichst
viele Lausitzerinnen und Lausit-
zer erreichen oder wo und wie
Veranstaltungen verteilt über
die ganze Lausitz stattfinden
könnten?
Schreiben Sie uns. Sie erreichen
uns unter:
zukunft@wirtschaftsregion-lausitz.de
www.zw-lausitz.de
Ein Leitbild für
die Lausitz
S
chwarze Pumpe zählt
zu den größten Indus-
triearealen in den ost-
deutschen Bundesländern. Auf
dem 720 Hektar großen Gelän-
de, das sich auf brandenburgi-
schem und sächsischem Gebiet
befindet, sind rund 120 Unter-
nehmen mit mehr als 4.300
Beschäftigten angesiedelt.
Die Palette reicht von Betrie-
ben der Energieerzeugung über
den Stahlbau bis zur Papier-
herstellung. Zudem sind Bau-
stofffirmen, Logistiker, Unter-
nehmen der Kunststoff- und
Chemieindustrie, der Elektro-
technik sowie Firmen weiterer
Branchen im Industriepark
ansässig. Unternehmen am
Standort sind unter anderem
die Hamburger Rieger AG, die
aktuell den Bau einer zweiten
Papiermaschine vorbereitet,
die LEAG, Siemens, der An-
lagenbauer Actemium BEA,
Knauf Deutsche Gipswerke,
das Verpackungsunternehmen
Dunapack Spremberg, Veolia
Umweltservice Ost sowie eine
Vielzahl von Dienstleistern.
Die Entwicklung von Schwarze
Pumpe ist eine echte Erfolgs-
geschichte. Seit 1990 hat sich
der Industriepark von einem
Energie- und Kohleveredlungs-
standort zu einem hochmoder-
nen Standort für verschiedene
Industrien gewandelt. Dazu
haben die Landesregierungen
Brandenburgs und Sachsens
einen erheblichen Beitrag ge-
leistet. Allein Brandenburg hat
den Standort und die Ertüchti-
gung der Infrastruktur bislang
mit fast 57 Millionen Euro un-
terstützt. Aktuell stehen weitere
40,2 Millionen Euro zur Ver-
fügung. Auf sächsischer Seite
fließen bis 2021 rund 62,3 Mio.
Euro in den Industriepark. Die
Finanzierung teilen sich Bund
und Land hälftig. Von 2018 bis
2021 planen die Länder Sach-
sen und Brandenburg insge-
samt 100 Millionen Euro in den
Gesamtstandort zu investieren.
Diese Maßnahmen tragen maß-
geblich dazu bei, die Perspekti-
ven des Industrieparks und der
dort ansässigen Unternehmen
langfristig zu sichern.
www.industriepark.info
Das Areal steht beispielhaft für eine gute Kooperation
zwischen Brandenburg und Sachsen.
Industriepark Schwarze Pumpe:
Leuchtturm für Sachsen und
Brandenburg
TEXT: TOBIAS DÜRR, FOTO: R. WEISFLOG
Katja Müller
Projektmanagerin Leitbild
und Bürgerbeteiligung,
Zukunftswerkstatt Lausitz
» Oft werde ich gefragt, was diese Lausitz eigentlich ist. Meine Antwort:
Weil das bisher keiner so richtig sagen kann, stellt die Zukunftswerkstatt den
Lausitzerinnen und Lausitzern die Fragen: Welche Stärken und Potenziale hat
die Lausitz? Wie sehen sich die Lausitzer selbst, wie wollen sie wahrgenommen
werden? Gemeinsam mit der Lausitzer Bevölkerung, der Wirtschaft,
den Kommunen und der Politik will die Zukunftswerkstatt Lausitz die unter-
schiedlichen Interessen, Ausgangslagen, Identitäten und Vorstellungen in
einer gemeinsamen Vorstellung über die Region vereinen. «
Der Industriepark Schwarze Pumpe beheimatet eine Vielzahl von Unternehmen.
IMPRESSUM
Herausgeber:
WR.Lausitz
Wirtschaftsregion Lausitz GmbH
Am Turm 14
03046 Cottbus
Telefon: +49 355 28890402
E-Mail: info@wirtschaftsregion-
lausitz.de
Geschäftsführer: Torsten K. Bork
Mit Unterstützung der Staatskanzlei
Brandenburg und der Sächsischen
Staatskanzlei
Redaktion:
V.i.S.d.P. Torsten K. Bork
Florian Engels, Brandenburg
Stephan Gößl, Sachsen
Jeannine Schadel, Unternehmens-
kommunikation WR.Lausitz
Frank Müller, Zukunftswerkstatt
WR.Lausitz
Layout und Produktion:
chairlines medienagentur
www.chairlines.de
Stand:
Februar 2019
Änderungen und Irrtümer vorbehalten.
Auflage:
530.000 Exemplare
Gefördert aus Mitteln des Bundes, des
Freistaates Sachsen und des Landes
Brandenburg im Rahmen der Ge-
meinschaftsaufgabe „Verbesserung der
regionalen Wirtschaftsinfrastruktur“.