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SÄCHSISCHES
STAATSARCHIV
Sächsisches Archivblatt
Heft 1 / 2018

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Sächsisches Archivblatt Heft 1-2018 | 1
Jahresbericht Sächsisches Staatsarchiv 2017
Jahresbericht Sächsisches Staatsarchiv 2017
Die Digitalisierung hat die Erwartungen von
Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit an die
Archive bisher nicht grundsätzlich verän-
dert. Auch in der modernen Informations-
gesellschaft haben Archive die Aufgabe, eine
vertrauenswürdige Überlieferung zu sichern
und authentisches Archivgut zugänglich
zu machen. Die Art und Weise, wie sie ihre
Dienstleistungen anbieten und wie ihre Kun-
den diese Angebote nutzen, ist heute jedoch
einem stetigen und unaufhaltsamen Wandel
unterworfen.
Spagat zwischen „klassischen“
und neuen Kernaufgaben
Der Einsatz der Informations- und Kom-
munikationstechnologie hat ähnlich wie in
vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen
die internen Abläufe in Archiven vereinfacht,
beschleunigt und den Ressourcenbedarf re-
duziert. Gleichzeitig trägt die Digitalisierung
jedoch in anderen Aufgabengebieten dazu bei,
dass sich der Mittelbedarf regelmäßig erhöht,
dass die Anforderungen an das Fachpersonal
kontinuierlich wachsen und erhebliche Folge-
kosten entstehen, die derzeit noch nicht genau
beziffert werden können. Auf diese Schwer-
punktverschiebungen müssen Archive flexibel
reagieren können.
Der Spagat zwischen den „klassischen“, weit-
gehend unveränderten Aufgaben einerseits
und den neuen, sich schnell wandelnden He-
rausforderungen andererseits, ist für Archive
dabei besonders groß. Es ist nach wie vor
ihre Aufgabe, jahrhundertealtes Kulturgut im
Original zu erhalten und bereitzustellen. Das
Sächsische Staatsarchiv zählte 2017 u. a. rund
107 000 m Akten, ca. 60 000 Urkunden, mehr
als 741 000 Karten und Pläne, etwa 15 000
Lauffilme und Videos sowie über 2 Mio. Fotos
zu seinem Bestand, der bis in das Jahr 948
zurückreicht. Dieses analoge Archivgut wird bis
auf Weiteres anwachsen, da die Behörden und
Gerichte angesichts der z. T. langen Aufbewah-
rungsfristen und der insgesamt zögerlichen
Einführung der elektronischen Akte auch in
den nächsten Jahrzehnten noch Papierunter-
lagen abgeben werden.
Gleichzeitig sind Archive dafür zuständig,
die in den Behörden und Gerichten anfal-
lenden elektronischen Akten und die Daten
aus komplexen Fachverfahren zu archivieren.
Das Staatsarchiv hat inzwischen 2,5 Terabyte
oder 692 elektronische Archivalieneinheiten
übernommen, die z. B. aus elektronischen Re-
gistern, aus Geoinformationssystemen oder
von Websites des Freistaates stammen. Auch
dieses elektronische Archivgut ist dauerhaft zu
erhalten, zu erschließen und für die Benutzung
zugänglich zu machen.
Darüber hinaus erwarten Politik, Gesellschaft
und Wissenschaft eine möglichst umfassende
digitale Präsentation des analogen Archiv-
gutes. Im Freistaat Sachsen gehört die Be-
reitstellung von archivischen Erschließungs-
informationen und von digitalen Kopien der
originalen Quellen zur Digitalisierungsstrategie
„Sachsen Digital“. Der Sächsische Landtag hat
deutlich signalisiert, welche Bedeutung er die-
ser Aufgabe beimisst und dem Staatsarchiv
im Doppelhaushalt 2017/18 je 560.000 Euro
für die Digitalisierung von Archivgut bereit-
gestellt. Das Staatsarchiv hat diese Chance
ergriffen und mit der Erstellung von 17,4 Mio.
Digitalisaten innerhalb nur eines Jahres 3,2 %
seines Bestandes digitalisiert. Wie im Folgen-
den noch zu zeigen sein wird, ist es damit dem
in der Digitalisierungsstrategie formulierten
Ziel, mittelfristig 5 % seines Archivgutes online
verfügbar zu machen, einen großen Schritt
näher gekommen.
Die Grundfinanzierung muss
gewährleistet sein
Die „klassischen“ ebenso wie die neuen Aufga-
ben können jedoch nur erfüllt werden, wenn
Archiven die erforderliche Grundfinanzierung
zur Verfügung steht. Sie sind also nicht nur mit
dem benötigten Fachpersonal und den zur Er-
ledigung ihrer Fachaufgaben im engeren Sinne
erforderlichen Sachmitteln auszustatten. Um
z. B. die Digitalisierung der Bestände weiter vo-
rantreiben zu können, müssen alle involvierten
Sachgebiete eines Archivs von der Personal-
verwaltung über die Vergabestelle bis hin zur
Informations- und Kommunikationstechnik
adäquat ausgestattet sein, um die Vergaben
an externe Dienstleister durchführen und die
Sicherung und Präsentation der Digitalisate
dauerhaft gewährleisten zu können.
Der Wissenschaftsrat als wichtigstes wissen-
schaftspolitisches Beratungsgremium in
Deutschland hat daher in seinen Empfehlun-
gen zur Weiterentwicklung der wissenschaft-
lichen Informationsinfrastrukturen an Bund
und Länder von 2012 nicht nur darauf hinge-
wiesen, „dass die Gewährleistung des Zugangs
zu den für die wissenschaftliche Arbeit und
das Studium (sowie die Bildung insgesamt)
erforderlichen Daten, Informationen und
Wissensbeständen eine öffentliche Aufgabe
ist und bleibt“. Er macht auch deutlich, dass
die Grundfinanzierung der Informationsinfra-
strukturen, zu denen er auch die Archive zählt,
sicherzustellen ist.
Die Grundfinanzierung des Staatsarchivs mit
Sachmitteln war im Berichtsjahr gewährleistet.
Die personelle Ausstattung ist jedoch an allen
fünf Standorten weiterhin rückläufig, obwohl
die „Kommission zur umfassenden Evaluation
Innenminister Markus Ulbig und Dr. Peter Wiegand (v. r. n. l.) bei der Eröffnung der Reformationsausstellung im
Hauptstaatsarchiv Dresden (Foto Pascal Ziehm)
Seite
1
Jahresbericht Sächsisches Staatsarchiv 2017
Andrea Wettmann
10
Aus den Beständen
Das Familienarchiv Speck von Sternburg im Staatsarchiv Leipzig
Birgit Richter
12
Die Staatsanwaltschaft beim Landgericht Bautzen (1879 bis 1952)
Anja Moschke
15
Forstakten – wichtige Quellen für den Vermessungstechniker, Teil 2
Gunter Biele
18
Filme des DEWAG-Werbefilmstudios im Sächsischen Staatsarchiv
Stefan Gööck/Volker Petzold
22
Meldungen/Berichte
Das neue Kulturgutschutzgesetz
Silke Birk
25
Restituierte Gutsarchive und „neue“ Familienarchive im Staatsfilialarchiv Bautzen – eine vorläufige Bilanz
Anja Moschke/Peter Wiegand
28
Notfallverbund Freiberg gegründet
Peter Hoheisel
29
Ein Blick in den Rückspiegel – Die Lutherdekade im Sächsischen Staatsarchiv
Peter Wiegand
32
Rezension
Kurfürst August von Sachsen. Ein nachreformatorischer »Friedensfürst« zwischen Territorium und Reich
Jens Kunze
Inhalt

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Sächsisches Archivblatt Heft 1-2018 | 2
Sächsisches Archivblatt Heft 1-2018 | 3
Jahresbericht Sächsisches Staatsarchiv 2017
Jahresbericht Sächsisches Staatsarchiv 2017
der Aufgaben, Personal- und Sachausstat-
tung“ des Freistaates bereits in ihrem 2016
veröffentlichten Abschlussbericht festgestellt
hatte, dass das Staatsarchiv einen weiteren
Personalabbau nicht leisten kann.
Die Aufrechterhaltung des laufenden Betrie-
bes an allen fünf Standorten besaß daher im
Staatsarchiv auch 2017 oberste Priorität. Nur
wenig Spielraum blieb vor diesem Hintergrund
hingegen für die Erreichung der bereits 2016
definierten strategischen Ziele.
„Wir erhöhen kontinuierlich
die Zahl der Digitalisate“
Der große Fortschritt in der Digitalisierung
konnte 2017 nur erreicht werden, weil alle
zuständigen Sachgebiete des Staatsarchivs
andere Pflichtaufgaben vorübergehend zu-
rückstellten und ihre Kapazitäten so weit wie
möglich auf die Umsetzung dieses politischen
Schwerpunktprogramms konzentrierten. Ins-
gesamt wurden ca. 3 464 m des Aktenbestan-
des sowie audiovisuelle Medien im Umfang
von ca. 1 000 Stunden Video und 940 Stunden
Audio digitalisiert. Gegenüber der ursprüngli-
chen Jahresplanung bedeutete dies eine Stei-
gerung um 400 %. Sobald im Freistaat auch die
dringend benötigte technische Infrastruktur
zur Verfügung steht, können ca. 13,5 Mio. Digi-
talisate, die rechtlich frei zugänglich sind, von
jedermann kostenfrei im Internet oder in den
Lesesälen des Staatsarchivs genutzt werden.
Um in kurzer Zeit eine möglichst große Anzahl
an Digitalisaten erzeugen zu können, erwies
sich die Beschränkung auf solche Bestände
als besonders effektiv, die im Rahmen der
Bundessicherungsverfilmung bzw. der Schutz-
verfilmung aus Mitteln des Freistaats bereits
mikroverfilmt worden waren. Damit ist zum
einen sichergestellt, dass besonders häufig
nachgefragte Archivalien von überregionaler
Bedeutung digitalisiert werden, die gleichzeitig
einen repräsentativen Querschnitt des Archiv-
gutes in zeitlicher, regionaler und sachlicher
Hinsicht darstellen. Zum anderen ermöglichte
die Konzentration auf Mikrofilme und Makro-
fiches eine bestandsschonende und effizien-
te Herstellung von Digitalisaten, da nicht auf
die Originale zurückgegriffen werden musste
und die Mikrofilme durch externe Dienstleis-
ter äußerst kostengünstig digitalisiert werden
konnten.
Das Staatsarchiv profitierte dabei von den
Erfahrungen aus dem 2013 bis 2015 durch-
geführten Produktivpiloten der Deutschen
Forschungsgemeinschaft (DFG) zur „Digitali-
sierung von archivalischen Quellen“, in dem es
das Teilprojekt zur Digitalisierung von Mikro-
formen analogen Archivgutes übernommen
hatte. Ausgehend von den Ergebnissen dieses
Projekts hat die DFG 2017 die Digitalisierung
von archivalischen Quellen deutschlandweit
ausgeschrieben, um die Zugänglichkeit für
die Forschung deutlich zu verbessern und die
Voraussetzungen für eine zentrale Zusammen-
führung von Archivgut im Archivportal-D und
der Deutschen Digitalen Bibliothek (DDB) zu
erreichen. Das Staatsarchiv hat sich an dieser
Ausschreibung beteiligt und für die Jahre 2018
bis 2020 eine Förderung in Höhe von 157.000
Euro erhalten.
„Bei der Bereitstellung des
Archivgutes setzen wir verstärkt
auf moderne Technologien“
Das Staatsarchiv ist – wie alle öffentlichen
Archive – einerseits Teil der wissenschaftlichen
Informationsinfrastrukturen und andererseits
als „Gedächtnis der Verwaltung“ eine Behörde,
die entsprechend der E-Government-Strategie
des Freistaates Sachsen ihre Dienstleistungen
bürgernah und modern anbieten möchte.
Nachdem die Website des Staatsarchivs
bereits 2016 grundsätzlich neu und benut-
zerfreundlicher gestaltet worden war, lag im
Berichtsjahr der Fokus auf der Erzeugung der
Digitalisate und auf dem Aufbau der techni-
schen Infrastruktur zu deren Bereitstellung.
Dennoch konnte auch das Internet-Angebot
in kleinen Schritten kontinuierlich verbessert
und ausgebaut werden. Mit der Einführung
der sogenannten De-Mail besteht nun z. B. die
Möglichkeit, mit dem Staatsarchiv auch per
E-Mail vertraulich und verbindlich elektro-
nische Nachrichten auszutauschen. Dieser
Dienst, der die Schriftform ersetzt, wird von
Benutzern allerdings bisher noch nicht nach-
gefragt. Auf reges Interesse stößt hingegen
die ebenfalls neu eingerichtete Panorama-
tour durch das Hauptstaatsarchiv. Auf einem
virtuellen Rundgang können sowohl der öf-
fentliche Bereich als auch die nicht zugäng-
lichen Magazine und Werkstätten erkundet
werden. Das Angebot soll schrittweise auf
die anderen vier Standorte des Staatsarchivs
erweitert werden.
Für 2017 war auch die Präsentation der Er-
schließungsinformationen des Staatsarchivs
im bereits 2014 eingerichteten Archivportal-D
fest eingeplant. Die Präsenz in diesem für die
deutschen Archive wegweisenden Online-In-
formationssystem, das einen spartenspezifi-
schen, strukturierten Zugang zu den Daten der
Deutschen Digitalen Bibliothek (DDB) anbietet,
besitzt für das Staatsarchiv große Bedeutung.
Ingest gearbeitet wird, besteht jedoch die Aus-
sicht, dass die Daten des Staatsarchivs 2018
eingespielt werden können.
Der im vergangenen Jahr erkennbare Trend,
dass das verbesserte Onlineangebot zu einer
Reduktion der schriftlichen Anfragen und der
Direktbenutzung im Lesesaal führt, hat sich
allerdings nicht bestätigt. Vielmehr haben die
schriftlichen Auskünfte gegenüber dem Vorjahr
um 6 % zugenommen und die Anzahl des vom
Magazindienst vorgelegten Archiv- und Biblio-
theksguts ist um 10 % gestiegen. Die Zahl der
Benutzertage, also die Zahl der Tage, an denen
Benutzer das Archiv aufgesucht haben, hat sich
mit 12 639 auf hohem Niveau stabilisiert, wäh-
rend die zuletzt rückläufige absolute Anzahl der
Benutzer wieder leicht angestiegen ist.
Der Einsatz moderner Technologien ist jedoch
nicht auf die Präsentation des Archivgutes
beschränkt. Angesichts der abnehmenden
Personalressourcen kommt auch der tech-
nischen Unterstützung interner Abläufe eine
große Bedeutung zu. Das Staatsarchiv hält
daher nicht nur seine Erschließungsinforma-
tionen in einer Datenbank vor, sondern hat
2013 auch mit der Einführung einer modernen
IT-gestützten Magazin- und Benutzerverwal-
tung begonnen, die auch eine elektronische
Bestellung der Archivalien durch Benutzer im
Lesesaal ermöglicht. Das zunächst im Staats-
archiv Chemnitz pilotierte Vorhaben wird nun
schrittweise auf die anderen Standorte ausge-
weitet. Im Berichtsjahr ist die Einführung im
Bergarchiv Freiberg mit maßgeblicher Unter-
stützung des Sachgebiets Informations- und
Kommunikationstechnik fast zum Abschluss
gekommen.
Darüber hinaus hat eine interne Arbeitsgrup-
pe des Staatsarchivs das Aufgabengebiet der
schriftlichen Anfragenbearbeitung kritisch
untersucht. Dabei stand zwar nicht der Ein-
satz moderner Technologien, sondern die
Anpassung der Aufgabenerledigung an die
Personalsituation sowie eine einheitliche Qua-
lität und Form der Anfragenbeantwortung im
Mittelpunkt. Dennoch konnten Empfehlungen
für einige organisatorische und technische
Maßnahmen entwickelt werden, mit denen der
Arbeitsablauf künftig vereinfacht werden soll.
Der Aufbau der technischen Infrastruktur ist
im Berichtsjahr hingegen noch nicht gelungen.
In Eigenleistung sowie in Zusammenarbeit mit
der Sächsischen Staatskanzlei, dem Sächsi-
schen Staatsministerium des Innern und dem
Staatsbetrieb Sächsische Informatikdienste
sollen 2018 die Voraussetzungen für einen
reibungslosen Arbeitsablauf geschaffen wer-
den, um die großen Datenmengen langfristig
sichern, in der archivinternen Datenbank ver-
walten und im Internet performant benutzbar
machen zu können.
Es hat sich daher nicht nur an der Entwicklung
beteiligt, sondern in einem Positionspapier
gemeinsam mit den übrigen staatlichen und
kommunalen Archiven Deutschlands auch
öffentlich seinen Willen erklärt, dieses Portal
als zentrales Nachweissystem zu nutzen und
seine Daten dort grundsätzlich frei bereitzu-
stellen, zu vernetzen und zu bündeln. Auch
bei diesem Digitalisierungsvorhaben treffen
allerdings enorme Datenmengen auf eine
offensichtlich unterdimensionierte techni-
sche Infrastruktur, so dass der Ausbau für
alle Archive nur sehr stockend verläuft. Da
intensiv an der Etablierung einer dezentralen
Datenaufbereitung und der Verbesserung des
Eine große Bedeutung kommt dabei auch der
Einführung der elektronischen Vorgangsbe-
arbeitung und Aktenführung zu, mit der das
Staatsarchiv, unterstützt vom Sächsischen
Staatsministerium des Innern, im Berichtsjahr
begonnen hat. Bis Mai 2018 soll die elektroni-
sche Akte an allen fünf Standorten des Staats-
archivs eingeführt sein, um eine weitgehend
medienbruchfreie, einheitliche und rechts-
konforme Schriftgutverwaltung zu ermögli-
chen. Auch dieses Modernisierungsvorhaben
stellt für eine relativ kleine Behörde wie das
Staatsarchiv einen enormen Kraftakt dar. Zwar
kann es auf Vorarbeiten anderer Behörden
zurückgreifen, dennoch müssen bei laufen-
dem Betrieb und ohne zusätzliches Personal
die technischen Voraussetzungen geschaffen,
organisatorische Anpassungen durchgeführt
und sämtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbei-
ter geschult werden.
Isteinnahme (T
) (ohne Fördermittel)
2016
2017
insgesamt
100,60
90,70
Istausgabe (T
)
insgesamt
7.246,70
7.672,10
* Personal
6.261,30
6.345,20
* Benutzung (einschl. Digitalisierung)
137,70
538,50
* Schutz- und Ergänzungsverfilmung
183,30
80,70
* Konservierung und Restaurierung
338,20
409,20
* Archivierung von audiovisuellen Medien
17,20
20,10
* Datenverarbeitung
147,70
123,50
* Druck von Publikationen
15,20
11,60
* Sicherungsverfilmung (Bundesmittel)
146,10
143,30
Personal (in VZÄ) *
2006
2016 **
2017
in
Prozent
insgesamt
127,88
106,12
100,85
-21,1
* Archiv
70,56
55,44
51,45
-27,1
* Bibliothek
1,50
1,50
1,50
0,0
* Verwaltung
14,63
15,36
13,48
-7,9
* Magazin
20,44
13,80
15,30
-25,1
* technische Werkstätten
15,75
15,03
14,13
-10,3
* Sonstige (IuK u. AVM)
5,00
5,00
5,00
0,0
Einnahmen und Ausgaben 2016 und 2017 im Vergleich
* Personal-Ist am 31.12.2017 (Stellen im Personalsoll A, ohne Auszubildende,
Anwärter und Referendare; Vollzeitäquivalente)
** Personalbedarf laut Personalkommission
Benutzertage
Lesesaal Bergarchiv Freiberg (Foto Bertram Kober)

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Jahresbericht Sächsisches Staatsarchiv 2017
Jahresbericht Sächsisches Staatsarchiv 2017
„Alle Findmittel werden
elektronisch erfasst“
Die zeitgemäße Nutzung von Archivgut hängt
ganz wesentlich von der digitalen Verfügbar-
keit der Erschließungsinformationen ab. Im
Staatsarchiv waren 2017 98 % des Archiv-
gutes so erschlossen, dass sie den Benutzern
zugänglich gemacht werden konnten. Die Er-
schließungsrückstände sind jedoch nach wie
vor signifikant, und nur ca. 34 % der Bestände
können nach archivfachlichen Grundsätzen als
„voll erschlossen“ klassifiziert werden. Dieser
Zustand führt nicht nur zu Mehraufwänden
bei der Bereitstellung von Archivgut in den
Lesesälen, da von Benutzern nicht selten
Archivalien bestellt werden, die nicht ihren
Erwartungen entsprechen. Auch die Digitali-
sierung setzt eine fachgerechte Erschließung
des Archivgutes zwingend voraus.
von elektronischen Registraturdaten aus den
Behörden und Gerichten ist sichergestellt, dass
zu den meisten Neuzugängen wenigstens rudi-
mentäre Angaben vorliegen. Für die eigentlich
notwendige archivfachliche Bearbeitung feh-
len allerdings die Ressourcen. Im Wesentlichen
konzentriert sich das eigene Personal auf
komplexere Erschließungsvorhaben, die eine
archivarische Fachausbildung voraussetzen.
Allerdings muss diese fachliche Daueraufgabe
aufgrund drängenderer Tagesaufgaben immer
wieder ausgesetzt oder ganz zurückgestellt
werden. Die Retrokonversion konventioneller
Findmittel erfolgt hingegen schon seit Jahren
ganz überwiegend durch externe Dienstleister
und temporär beschäftigte Hilfskräfte. Für die
Digitalisierung seiner analogen Findmittel hat
das Staatsarchiv seit 2008 Fördermittel der
DFG in Höhe von 700 000 Euro eingeworben
und zusätzlich eigene Mittel in erheblichem
Umfang eingesetzt.
Die Erschließungsrückstände konnten aus
den genannten Gründen auch im Berichts-
jahr wiederum nur sehr langsam abgebaut
werden. Inzwischen sind dennoch mehr als
67 % des Gesamtbestandes in der Archiv-
datenbank elektronisch erfasst, und über 40 %
der Archivalien sind online recherchierbar. Da-
rüber hinaus ist nun auch die umfangreiche,
rund 203 000 Medieneinheiten umfassende
Bibliothek des Staatsarchivs im Internet prä-
sent. Über den Südwestdeutschen Bibliotheks-
verbund waren 2017 etwa zwei Drittel des
Bestandes zu ermitteln. Personenbezogenes
Archivgut, das den archivgesetzlichen Schutz-
fristen unterliegt, kann derzeit noch nicht on-
line zur Verfügung gestellt werden. Für diesen
Zweck muss in Zukunft ein „virtueller Lesesaal“
geschaffen werden, zu dem das Staatsarchiv
derzeit jedoch nur konzeptionelle Vorüberle-
gungen anstellen kann.
„Wir konzentrieren uns auf die
Überlieferung der wichtigsten
anbietungspflichtigen Stellen“
Schon im vergangenen Jahr hatte sich das
Staatsarchiv entschieden, auch im Bereich
der Überlieferungsbildung neue Wege zu
gehen. Die große Menge der Unterlagen,
die mit abnehmendem Personal zu bewer-
ten sind, die vielfach unzureichende Qualität
der Schriftgutverwaltung in den Behörden
und die Einführung der elektronischen Akte
machen ein zwischen den Abteilungen noch
stärker abgestimmtes Vorgehen erforderlich,
um den Prozess vorausschauend und effizient
steuern zu können. Eine interne Arbeitsgruppe
hatte daher Kriterien für die Priorisierung der
Behörden und Gerichte entwickelt, die im Be-
richtsjahr erstmals umgesetzt wurden und nun
regelmäßig überprüft und weiterentwickelt
werden sollen.
Ein wesentlicher Schwerpunkt lag dabei nicht
erst seit diesem Jahr darauf, Bewertungsmo-
delle für massenhaft gleichförmige Unterlagen
zu entwickeln, deren Aussonderung und Archi-
vierung bei den Behörden ebenso wie beim
Staatsarchiv besonders große Arbeitsaufwän-
de verursachen. Mit dem Bewertungsmodell
für Unterlagen der Agenturen für Arbeit
konnte 2017 z. B. ein Verfahren entwickelt
werden, mit dem eine aussagekräftige, auf
das Wesentliche beschränkte Überlieferung
gesichert wird und gleichzeitig der Ressour-
ceneinsatz auf beiden Seiten möglichst gering
gehalten werden kann. Darüber hinaus wurde
mit der abteilungsübergreifenden Erarbeitung
eines Bewertungsmodells für die Landesdi-
rektion Sachsen begonnen, in der aufgrund
ihres breiten Aufgabenspektrums an ihren
drei Standorten ebenfalls große Mengen an
Schriftgut anfallen.
Im Ergebnis wurden dem Staatsarchiv, das für
207 Stellen des Freistaates und 23 Stellen des
Bundes zuständig ist, von 131 dieser Stellen
mehr als 20 km Unterlagen angeboten. Dies
bedeutet bei der Anzahl der anbietenden Stel-
len einen Rückgang um 22 %, bei den angebo-
tenen Unterlagen eine Abnahme von fast 10 %.
Der Anteil der archivwürdigen, in das Staatsar-
chiv übernommenen Unterlagen sank ebenfalls
geringfügig auf 1,5 %. Da auch das Aussonde-
rungsverhalten der Behörden und Gerichte von
den dort zur Verfügung stehenden Kapazitäten
abhängt, kann aus diesen Zahlen allerdings
noch kein Trend abgelesen werden. Ob die im
Vorjahr erarbeiteten Priorisierungskriterien den
gewünschten Effekt erzielen, kann erst nach
einem größeren zeitlichen Abstand und einer
gründlichen Evaluation festgestellt werden.
Mit welch großen zeitlichen Verzögerungen
sich gesellschaftliche Entwicklungen auf
die Archive auswirken, zeigt das Beispiel der
Übernahme von Unterlagen der volkseige-
nen Betriebe der DDR. Nachdem die Auf-
bewahrungsfristen für Unterlagen der von
der Treuhandanstalt bzw. Bundesanstalt für
vereinigungsbedingte Sonderaufgaben (BvS)
liquidierten Betriebe abgelaufen waren, hat
das Staatsarchiv im Berichtsjahr mit der Über-
nahme des archivwürdigen Teils im Gesamt-
umfang von fast 3 km begonnen. Um diese
große, zeitlich befristete Aufgabe erfüllen, die
Unterlagen revidieren und fachgerecht ein-
lagern zu können, wurden dem Staatsarchiv
insgesamt sieben Hilfskräfte zur Verfügung
gestellt. Eine genauere Erschließung ist mit
dem vorhandenen Stammpersonal jedoch
nicht möglich, so dass die Unterlagen bis auf
Weiteres nur eingeschränkt benutzbar sein
werden. Nach Abschluss der Übernahme wird
sich der Umfang des Wirtschaftsarchivgutes,
für das das Staatsarchiv nach den Bestimmun-
gen des Sächsischen Archivgesetzes zuständig
ist, auf ca. 27 km belaufen. Das Staatsarchiv
kann damit als eines der größten, wenn nicht
als das größte Wirtschaftsarchiv Deutschlands
gelten.
Mit der Übernahme des Archivs des Sächsi-
schen Landtages ist dem Staatsarchiv darüber
hinaus auch eine neue Aufgabe übertragen
worden. Seit der Wiedergründung des Frei-
staates hatte die Legislative ihr Archivgut in
eigener Zuständigkeit verwaltet. Mit dem Ziel,
eine langfristig tragfähige, der Bedeutung sei-
ner Überlieferung gerecht werdende Lösung
zu finden, entschied sich der Landtag dann
dafür, die Zuständigkeit für die vorhandenen
und zukünftig entstehenden Unterlagen voll-
ständig an das Staatsarchiv zu übergeben. Auf
der Grundlage eines am 24. Mai 2017 unter-
zeichneten Vertrages kann das Landtagsarchiv
2018 wieder mit dem Archivgut seiner Vorgän-
gerinstitutionen bis 1952, das sich bereits im
Staatsarchiv befindet, zusammengeführt und
für die Benutzung bereitgestellt werden. Die
Sächsisches Archivblatt Heft 1-2018 | 4
Sächsisches Archivblatt Heft 1-2018 | 5
Das Staatsarchiv steht daher kontinuierlich vor
der Aufgabe, die jährlichen Zuwächse von 300
bis 500 m zu erschließen, analoge Findmittel in
die zentrale archivische Datenbank zu übertra-
gen und die Erschließungsrückstände schritt-
weise zu reduzieren. Durch die Nachnutzung
Benutzung von Bibliotheksgut (Foto Bertram Jungnickel)
Zur Bewertung angebotene
Unterlagen (in km)
Justizminister Sebastian Gemkow informiert sich über die Aufgaben des Staatsarchivs
(Foto Petra Zöge)
Bearbeitung der ersten BvS-Übernahmen im Staatsarchiv Leipzig (v. l. n. r. Michele Krabbes, Dr. Thoralf Handke, Claudia Rossin) (Foto Thekla Kluttig)
Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler und Innenminister Markus Ulbig bei der sym-
bolischen Einlagerung im Magazin des Hauptstaatsarchivs (Foto Sylvia Reinhardt)
ca. 5,5 Mio. Archivalien
3,7 Mio. in
Datenbank
ca. 2,4 Mio.
online

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Jahresbericht Sächsisches Staatsarchiv 2017
Jahresbericht Sächsisches Staatsarchiv 2017
dem Staatsarchiv entstehenden personellen
Mehrbelastungen werden durch die Übertra-
gung einer Archivarsstelle der Laufbahngruppe
2.1 kompensiert.
„Die Überlieferung der elektronischen
Unterlagen wird aktiv ausgeweitet“
Inzwischen arbeiten alle Behörden des Frei-
staates mit elektronischen Akten oder Fach-
verfahren, nicht selten haben sie allerdings die
rechtzeitige und rechtskonforme Anbietung
der z. T. auch personenbezogenen Daten an
das Staatsarchiv nicht im Blick. Es gehört daher
zu den strategischen Zielen des Staatsarchivs,
noch aktiver als bisher auf die Behörden und
Gerichte zuzugehen, um das Verfahren der
Anbietung, Bewertung und Übernahme elekt-
ronischer Unterlagen im Vorfeld abzustimmen.
Im Berichtsjahr wurde mit der Arbeit an einem
„Kataster potentiell archivwürdiger Fachver-
fahren“ begonnen, das künftig als Übersicht
und Steuerungsinstrument dienen wird.
Eine der größten Übernahmen stellte 2017 die
Archivierung von Orthophotos des Staatsbe-
triebs Geobasisinformation und Vermessung
Sachsen (GeoSN) dar. Auf der Grundlage der
„Leitlinien zur bundesweit einheitlichen Ar-
chivierung von Geobasisdaten“, an denen das
Staatsarchiv mitgearbeitet hatte, konnten die
im Jahr 2005 flächendeckend für das gesamte
sächsische Territorium digital aufgenomme-
nen und aufbereiteten Luftbilddaten mit den
zugehörigen Metadaten zur dauerhaften Auf-
bewahrung in das elektronische Staatsarchiv
übernommen werden. Darüber hinaus wurden
zwei Datenabzüge der Website des Freistaates
erstellt, die künftig durch halbjährliche Web-
crawls ergänzt werden sollen. In Vorbereitung
befinden sich außerdem die Übernahmen aus
dem Personalverwaltungssystem des Innen-
ministeriums sowie von zwei Fachverfahren
der Staatlichen Studienakademie sowie des
Landesarbeits- und des Landessozialgerichts.
Angesichts der schnellen Veränderungen in
diesem Arbeitsgebiet hat sich das Staatsarchiv
auch 2017 am internationalen fachlichen Aus-
tausch beteiligt. Wie schon in den Vorjahren
wirkte es an der Tagung des Arbeitskreises
„Archivierung von Unterlagen aus digitalen
Systemen“ in Basel mit und diskutierte ver-
schiedenste Fachfragen mit einer Delegation
des Verbandes ungarischer Archivarinnen
und Archivare, die das Staatsarchiv auf einer
mehrtägigen Deutschlandreise besuchte. Im
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Sächsisches Archivblatt Heft 1-2018 | 7
Rahmen seines archivgesetzlichen Beratungs-
auftrages unterstützte das Staatsarchiv darü-
ber hinaus die kommunalen Spitzenverbände
Sachsens beim Aufbau eines elektronischen
Kommunalarchivs. Außerdem stellte es den
Obmann im DIN-Normenausschuss Informa-
tion und Dokumentation 15 „Schriftgutver-
waltung und Langzeitverfügbarkeit digitaler
Informationsobjekte“ und brachte seine Exper-
tise in die Nestor-Arbeitsgruppe „Elektronische
Akte“ ein.
„Das Archivgut wird komplett
fachgerecht verpackt“
Die fachgerechte Verpackung von Archivgut
in geeignetes und entsprechend normiertes
Verpackungsmaterial stellt die einfachste
und wirkungsvollste Maßnahme zur präven-
tiven Konservierung von Archivgut dar. Dabei
schützt zunächst eine Innenverpackung, also
eine Mappe oder ein Umschlag, die einzel-
ne Archivalieneinheit, während eine stabile
Außenverpackung oder Archivbox in der Regel
mehrere Archivalieneinheiten umfasst. Diese
Verpackungen schützen das Archivgut vor äu-
ßeren Einflüssen, also z. B. vor Schwankungen
der Temperatur und Luftfeuchte, schädlicher
Lichteinwirkung oder vor mechanischen Be-
schädigungen beim Bewegen des Archivgutes,
und unterstützen außerdem die internen Ar-
beitsabläufe, also z. B. durch eindeutige Be-
schriftungen das Ausheben und Rücklagern
von Archivgut.
Das Staatsarchiv hat in den letzten Jahren
die Standardisierung bei Typen und Formaten
von Verpackungsmaterialien so weit voran-
getrieben, dass der Beschaffungsvorgang
weitestgehend optimiert ist und die jährlich
zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel von
rund 100 000 Euro besonders wirtschaftlich
genutzt werden können. Die eigentlichen Ver-
packungsmaßnahmen werden im Staatsarchiv
ebenso wie die meist vorangehende technische
Bearbeitung schon seit Jahren von Hilfskräften
durchgeführt. Im Berichtsjahr waren es vor
allem Menschen mit Behinderung, die im Um-
fang von 13,4 sogenannten Vollzeitäquiva-
lenten (VZÄ) unter fachlicher Anleitung einen
wichtigen Beitrag zur Erhaltung des Kultur-
gutes geleistet haben.
Diese Maßnahmen betreffen sowohl bereits in
den Magazinen des Staatsarchivs verwahrte
Bestände, die bisher nicht oder nicht archiv-
fachlich angemessen verpackt werden konn-
ten, als auch Neuzugänge, insofern sie nicht
Elektronisches Archivgut
(Anzahl Archivinformationspakte – AIP)
Andreas Klenner (GeoSN) und Dr. Nils Brübach (StA)
bei der symbolischen Übergabe von Orthofotos (Foto
Sylvia Reinhardt)
Veikko Thiele bei der Anlieferung von Verpackungsmaterial im Staatsarchiv Chemnitz (Foto Mark Frost)
Henry Zimmermann bei der Aushebung von fachgerecht verpacktem Archivgut im Bergarchiv Freiberg
(Foto Bertram Kober)
Hochwassergeschädigte Akte mit massiver Schlammauflage (Foto Barbara Kunze)
bereits von den abgebenden Stellen in Archiv-
kartons angeliefert werden. Die Verpackung
und technische Bearbeitung von Archivgut
bleibt also eine langfristige Aufgabe, die sich
perspektivisch jedoch rückläufig entwickeln
wird.
„Wir konzentrieren die Bestandserhaltung
auf die Bestände mit hoher Priorität“
Zu den „klassischen“ Daueraufgaben eines
Archivs gehört auch im Zeitalter der Digita-
lisierung die Erhaltung der in den Magazi-
nen verwahrten Originale. Durch präventive
Maßnahmen der Bestandserhaltung wie den
Archivbau oder die Verpackung kann weit-
gehend verhindert werden, dass es zu neuen
Schäden an Archivgut kommt. Alle Archive
verwahren jedoch Archivgut, das zum ganz
überwiegenden Teil mehr oder weniger ge-
schädigt ist. Da angesichts begrenzter Res-
sourcen nur vergleichsweise geringe Mengen
konserviert und restauriert werden können,
hat das Staatsarchiv bereits 2015 ein Konzept
erarbeitet, um die zu behandelnden Archivgut-
bestände zu priorisieren. Nachdem im vergan-
genen Jahr in einem ersten Schritt Bestände
nach archivfachlichen A-Kriterien ausgewählt
worden waren (z. B. regionale Bedeutung, Be-
nutzungsfrequenz etc.), wurden im Berichts-
jahr die bestandserhalterischen B-Kriterien auf
diese Bestände angewandt (z. B. Benutzbarkeit,
Behandlungsaufwand usw.).
Im Ergebnis der Auswahl konnten in der Zent-
ralwerkstatt des Staatsarchivs im Archivzent-
rum Hubertusburg mehr als 55 m Akten und
– vornehmlich im Rahmen der Verfilmungs-
maßnahmen – fast 11 000 Einzelblätter behan-
delt werden. An Fremdfirmen wurden Aufträge
für die Bearbeitung von ca. 205 m Akten und
fast 3 000 audiovisuellen Medien vergeben.
Der Umfang der Maßnahmen im eigenen Haus
konnte damit im Vergleich zum Vorjahr mehr
als verdoppelt, die nach außen vergebene
Menge an Akten sogar mehr als vervierfacht
werden. Dies ist zum einen auf eine weite-
re Optimierung der internen Arbeitsabläufe
und eine Konzentration auf mengenbasier-
te Verfahren sowie auf eine Umstellung des

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Jahresbericht Sächsisches Staatsarchiv 2017
Jahresbericht Sächsisches Staatsarchiv 2017
Sächsisches Archivblatt Heft 1-2018 | 8
Sächsisches Archivblatt Heft 1-2018 | 9
Vergabeverfahrens zurückzuführen. Ebenso
wurde der Umfang des verfilmten Archiv-
gutes um fast 3 % gesteigert. Im Rahmen der
Schutz- und der aus Bundesmitteln finanzier-
ten Sicherungsverfilmung wurden mit rund
1,4 Mio. Aufnahmen etwa 288 m Archivgut
verfilmt. Diese Filme werden vom Bundesamt
für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe
(BBK) zentral in besonderen Edelstahlbehältern
in einem Stollen in der Nähe von Freiburg im
Breisgau gelagert, dem sogenannten Zentralen
Bergungsort für Kulturgutschutz (ZBO).
Damit dieser Erfolg auch künftig verstetigt
werden kann, muss sowohl ausreichend Fach-
personal zur Auslastung der Werkstätten als
auch genug Hilfspersonal zu dessen Unter-
stützung vorhanden sein. Angesichts des ho-
hen Betreuungsaufwandes ist dabei aber stets
auf ein ausgewogenes Verhältnis zu achten.
Der Anteil des Hilfspersonals am Gesamtper-
sonal betrug im Staatsarchiv 2017 fast 25 %.
Weiter ausgebaut werden soll auch künftig die
Zusammenarbeit mit anderen Kulturgut ver-
wahrenden Einrichtungen. Besonders wichtig
ist es dabei, Vorkehrungen für einen Schutz
im Notfall zu treffen. Denn nicht nur Groß-
ereignisse wie der Brand der Anna-Amalia-
Bibliothek 2004 in Weimar oder der Einsturz
des Stadtarchivs Köln im Jahr 2009 machen
gegenseitige Hilfe nötig. Oft sind es kleine-
re, lokale Ereignisse, die das kulturelle Erbe
gefährden. Um für solche Fälle gerüstet zu
sein, hat sich nach Leipzig, Dresden und der
Oberlausitz 2017 auch in Freiberg ein Not-
fallverbund gegründet. Unter dem Vorsitz
des Bergarchivs werden die örtlichen Archive,
Bibliotheken und Museen künftig gemeinsam
die Notfallprävention vor Ort koordinieren und
sich im Ernstfall gegenseitig personelle und
materielle Hilfestellung leisten (s. hierzu den
Beitrag von Peter Hoheisel in diesem Heft).
Über die Notfallverbünde hinaus pflegt das
Staatsarchiv auch bundesweit einen engen
fachlichen Austausch und bringt seine Fach-
kompetenz in die Weiterentwicklung von Stan-
dards ein. Es wirkte z. B. an der Erarbeitung
einer DIN-Norm zum Bau von Bibliotheken und
Archiven mit, bot eine Lehrveranstaltung über
„Zustandsanalysen in Archiven als Planungs-
instrument“ bei der Akademie der Bildenden
Künste in Stuttgart an und beriet kommunale
Archive im Umgang mit schimmelkontaminier-
tem Archivgut und in Fragen der fachgerech-
ten Unterbringung von Archiven. Die Zusam-
menarbeit mit dem Historischen Archiv der
Stadt Köln im Archivzentrum Hubertusburg
konnte auch im Berichtsjahr fortgesetzt wer-
den. Für eigene Bedienstete der Reprographie
wurde eine Inhouse-Schulung mit externer
Unterstützung zur bestandsschonenden Digi-
talisierung durchgeführt.
„Wir etablieren die Marke Staatsarchiv“
Für die Entwicklung einer „Marke Staatsarchiv“,
mit der die Kunden „Vertrauenswürdigkeit“,
„Transparenz“ und „Kundenorientierung“ ver-
binden, fehlten auch 2017 die Kapazitäten. Das
Staatsarchiv konzentrierte sich daher erneut
auf eine anlass- und aufgabenbezogene Zu-
sammenarbeit mit Partnern und Medien.
Der Sächsische Archivtag, den der Landesver-
band Sachsen im Verband deutscher Archi-
varinnen und Archivare (VdA) alle zwei Jahre
gemeinsam mit dem Staatsarchiv veranstaltet,
bildete den Auftakt für ein im Berichtsjahr
deutlich gestiegenes Interesse von Landtags-
abgeordneten und Medien. Im Rahmen der
Fachtagung, die dieses Mal in Dresden unter
dem Motto „Archive im Umbruch“ stattfand,
diskutierten Aline Fiedler (CDU), Hanka Kliese
(SPD), Roland Jahn (BStU), Christian Schramm
(Präsident des Kultursenats) und Dr. Andrea
Wettmann (StA), moderiert von Oliver Rein-
hard (Sächsische Zeitung), über die Frage „Was
sind (uns) Archive wert?“. Die Auswirkungen
der Digitalisierung auf die Archive spielten hier
bereits eine zentrale Rolle. In der 64. Plenarsit-
zung des Sächsischen Landtages am 13. De-
zember 2017 debattierten die Abgeordneten
aller fünf Fraktionen dann ausführlich den
Antrag „Fit für die Zukunft – Digitalisierung
von Archivgütern und langfristige Archivie-
rung elektronischer Unterlagen“. Dem waren
mehrere Besuche von Landtagsabgeordneten,
die sich vor Ort über die Arbeit des Staats-
archivs informierten, vorausgegangen.
Für großes Medieninteresse sorgten darü-
ber hinaus die beiden Archivalienausstellun-
gen des Staatsarchivs. Das Hauptstaatsar-
chiv Dresden präsentierte unter dem Titel
„Verbrannt? Luther, Herzog Georg und die
Bannandrohungsbulle“ eines der zentralen
Dokumente der Reformation im Kontext der
archivalischen Überlieferung (s. den Beitrag
von Peter Wiegand in diesem Heft). Das
Staatsarchiv Leipzig zeigte in „Maximilian
Speck von Sternburg und seine Erben“ Archi-
valien aus dem Archiv Speck von Sternburg,
einer Familie, deren Name heute noch mit
dem Leipziger Handelshaus Specks Hof, dem
Mustergut in Lützschena, der traditionsrei-
chen Sternburg-Brauerei und der Sternburg-
schen Kunstsammlung verbunden ist (s. den
Beitrag von Birgit Richter in diesem Heft).
An der außerordentlich gut besuchten Aus-
stellung „Skandal bei Hofe – Die Flucht der
Luise von Toscana, Kronprinzessin von Sach-
sen“, die die Staatlichen Schlösser, Burgen
und Gärten gGmbH in Schloss Pillnitz ver-
anstalteten, war das Staatsarchiv neben dem
Nationalarchiv Prag und dem Generalkonsulat
der Tschechischen Republik in Dresden als
Kooperationspartner und Leihgeber beteiligt.
Im vergangenen Jahr hatte das Staatsarchiv
ein Fachkolloquium zum Thema „Sächsische
Gerichtsbücher im Fokus. Alte Quellen im neu-
en Informationssystem“ durchgeführt. Im Be-
richtsjahr erschien der zugehörige Tagungs-
band innerhalb der Veröffentlichungsreihe.
Ein breites Publikum konnte das Staatsarchiv
auch auf dem 69. Deutschen Genealogentag
erreichen, der 2017 in Dresden stattfand. Unter
dem Rahmenthema „Europa in unseren Wur-
zeln – Sachsen und seine Nachbarn“ bot es
Fachvorträge zur Überlieferung der Deutschen
Zentralstelle für Genealogie (DZfG) im Staats-
archiv Leipzig und zu personengeschichtlichen
Quellen des Bergarchivs Freiberg an. Das Ar-
chivzentrum Hubertusburg öffnete seine Türen
am Tag des offenen Denkmals und präsentierte
auf dem 61. Internationalen Leipziger Festival
für Dokumentar- und Animationsfilm Filme,
die vielfältige Einblicke in das Alltagsleben der
DDR gaben.
In Vorbereitung auf die 4. Sächsische Landes-
ausstellung und das „Jahr der Industriekultur“
2020 bildete im Berichtsjahr außerdem die
reichhaltige Wirtschaftsüberlieferung des
Staatsarchivs einen Schwerpunkt der Fach-
veranstaltungen. Gemeinsam mit dem Verein
„Schönherr 200“ veranstaltete das Staats-
archiv Chemnitz unter Beteiligung verschie-
dener Universitäten und Hochschulen sowie
des Sächsischen Industriemuseums anläss-
lich des 200. Geburtstags von Louis Ferdinand
Schönherr, eines bedeutenden sächsischen
Webstuhlfabrikanten, ein Kolloquium „Indust-
riekultur – Erforschen, Bewahren, Nutzen“. Der
industriellen Stadt seit dem 19. Jahrhundert
widmete sich am selben Standort ein Kollo-
quium des Instituts für Sächsische Geschichte
und Volkskunde e. V. (ISGV).
Aber auch zeitgeschichtlichen und aktuellen
politischen Themen bot das Staatsarchiv in
seinen Vortragsräumen ein Forum. Im Staats-
archiv Chemnitz veranstalteten der Bundes-
beauftragte für die Unterlagen des Staats-
sicherheitsdienstes der ehemaligen DDR und
die Sächsische Landeszentrale für politische
Bildung die Tagung „Wer Nazi war, bestimmen
wir. Die SED-Diktatur und die NS-Vergangen-
heit“. Im Hauptstaatsarchiv Dresden stellte das
Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusfor-
schung e.V. im Rahmen einer gut besuchten
Podiumsdiskussion die Frage „Sachsen. Eine
Hochburg des Rechtsextremismus?“.
Ausblick
Die Aufrechterhaltung des laufenden Betrie-
bes und die Umsetzung der strategischen
Ziele werden in den kommenden Jahren da-
von abhängen, ob die Grundfinanzierung des
Staatsarchivs gewährleistet werden kann. An-
gesichts der bevorstehenden Altersabgänge
muss die Priorität dabei vor allem auf einer
auskömmlichen, auf den Feststellungen der
Personalkommission von 2016 basierenden
Personalausstattung liegen.
Durch die Ausbildung von derzeit sechs Fach-
angestellten für Medien- und Informations-
dienste, drei Archivinspektorenanwärterinnen
und -anwärtern und zwei Archivreferendaren
hat das Staatsarchiv wesentliche Vorausset-
zungen für die Gewinnung des erforderlichen
Fachpersonals geschaffen. Darüber hinaus
wird es darauf ankommen, allen Mitarbeite-
rinnen und Mitarbeitern möglichst attraktive
und zukunftsorientierte Arbeitsbedingungen
zu bieten. Das Staatsarchiv hat daher bereits
2016 zunächst auf der Ebene der Führungs-
kräfte damit begonnen, gemeinsame Werte
und Ziele der Zusammenarbeit zu entwickeln.
2018 sollen alle Mitarbeiterinnen und Mitar-
beiter in diesen Prozess einbezogen werden,
mit dem wir unser gemeinsames Arbeitsum-
feld unter den gegebenen Rahmenbedingun-
gen positiv gestalten wollen.
Der beschriebene Spagat zwischen den „klassi-
schen“ und den neuen Aufgaben, der schnelle
Wandel der fachlichen Anforderungen und die
personelle Unterbesetzung vieler Sachgebiete
des Staatsarchivs verlangen den Mitarbeite-
rinnen und Mitarbeitern viel, oft auch zu viel
ab. Ihnen allen möchte ich an dieser Stelle für
die konstruktive Zusammenarbeit und für Ihre
hohe Einsatzbereitschaft danken.
Andrea Wettmann
(Direktorin)
Edelstahlbehälter für Sicherungsfilme im ZBO
(Foto Regine Bartholdt)
Podiumsdiskussion im Staatsarchiv Chemnitz, v. l. n. r. Dr. Clemens Vollnhals (HAIT), Sven Felix Kellerhof (Die Welt), Dr. Andrea Wettmann (StA) und Roland Jahn (BStU)
(Foto Tobias Crabus)

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Das Familienarchiv Speck von Sternburg
im Staatsarchiv Leipzig
Sächsisches Archivblatt Heft 1-2018 | 10
Sächsisches Archivblatt Heft 1-2018 | 11
Der Name Speck von Sternburg ist schon seit
der Gründung des Staatsarchivs Leipzig in den
Beständen aus dem 19. und dem Anfang des
20. Jahrhunderts präsent. Bereits 1955 wurden
Unterlagen des Ritterguts Lützschena über-
nommen, das Maximilian Speck (1776–1856)
im Jahr 1822 erwarb und in der Folge zu einem
landwirtschaftlichen Mustergut ausbaute. Es
befand sich bis zur Enteignung 1945 im Besitz
der Familie. Aus der Rittergutsbrauerei ging
die florierende Sternburg-Brauerei hervor, zu
der ein ansehnlicher Wirtschaftsbestand vor-
liegt (20968 Brauerei Sternburg, Lützschena;
http://www.archiv.sachsen.de/archiv/be-
stand.jsp?oid=09.17&bestandid=20968). Und
schließlich enthalten die Bestände der Justiz-
und Verwaltungsbehörden zahlreiche Quellen
mit Bezügen zur Familie Speck von Sternburg.
Sie sind besonders umfangreich zum Tes-
tament des Kaufmanns, Ritterguts besitzers
und Kunstsammlers Maximilian Speck von
Sternburg und dem damit begründeten Ma-
jorat sowie den zahlreichen Legaten und Stif-
tungen.
Der Aufstieg des Maximilian Speck zum be-
deutenden Leipziger Wollhändler, international
geschätzten Fachmann für Schafzucht und
renommierten Kunstsammler war der Beginn
des erfolgreichen Wirkens der Familie, die seit
der Nobilitierung den Titel Freiherren Speck
von Sternburg trägt. Der Name ist heute noch
mit dem Leipziger Handelshaus „Specks Hof“,
dem Schloss und dem Park in Lützschena und
dem traditionsreichen Sternburg-Bier verbun-
den. Die Sternburgsche Kunstsammlung war
eine der wertvollsten Privatsammlungen alter
Meister in Deutschland. Sie bildet heute ein
Kernstück der Gemäldesammlung im Museum
der bildenden Künste Leipzig. Der dauerhafte
Verbleib der Kunstwerke im Bildermuseum ist
seit 1996 durch die Gründung der „Maximilian
Speck von Sternburg Stiftung“ geregelt.
Mit der Neubearbeitung des Bestands 20466
Rittergut Lützschena mit Freiroda
www.archiv.sachsen.de/archiv/bestand.jsp?
oid=06.02&bestandid=20466) im Staatsarchiv
Leipzig ergab sich im Jahr 2013 der Kontakt
zum heutigen Erben Wolf-Dietrich Freiherr
Speck von Sternburg, der seit Jahrzehnten
selbst ein umfangreiches Familienarchiv zu-
sammengetragen hatte und an einer Veröf-
fentlichung seiner Familiengeschichte arbei-
tete. Schon bald gingen die Gespräche über
die hier verwahrten Bestände hinaus und es
wurden Überlegungen zum weiteren Verbleib
des Familienarchivs angestellt. Nach Klärung
aller rechtlichen Fragen wurde am 9. Juli 2015
ein Archivvertrag unterzeichnet, der den Ver-
bleib der Unterlagen des Familienarchivs im
Staatsarchiv Leipzig als Depositum auf unbe-
grenzte Dauer vorsieht.
Das Familienarchiv Speck von Sternburg be-
fand sich bis 1945 im Schloss Lützschena.
Im Zusammenhang mit der Enteignung und
Vertreibung der Eigentümer sind Ritterguts-
und Familienunterlagen an die Gemeinde bzw.
das Stadtarchiv Leipzig abgegeben worden
und gelangten schließlich an das damalige
Landesarchiv Leipzig. Sie sind heute Teil des
Rittergutsbestands im Staatsarchiv. Daneben
sind weitere Teile des Familienarchivs bei Fa-
milienangehörigen verblieben bzw. wurden im
Pfarrhaus Lützschena gesichert. Die Sichtung
und Zusammenführung dieser Dokumente hat
Wolf-Dietrich Speck von Sternburg in Mün-
chen vorgenommen. Im Zusammenhang mit
der Bearbeitung vermögensrechtlicher Angele-
genheiten und der Erarbeitung seiner Familien-
geschichte kamen über Jahrzehnte zahlreiche
relevante Manuskripte, Zeitungsausschnitte,
Korrespondenzen, Karten, Druckschriften, Fo-
tos und vieles mehr zum Familienarchiv. Die
Übernahme der 5,5 lfm Unterlagen ins Staats-
archiv erfolgte in mehreren Etappen 2015/16.
Im Jahr 2016 konnte die inhaltliche Erschlie-
ßung des neuen Bestands 22382 Familienar-
chiv Speck von Sternburg im Staatsarchiv abge-
schlossen werden, das Findmittel ist seit 2017
auf der Website des Staatsarchivs veröffent-
licht
(http://www.archiv.sachsen.de/archiv/
bestand.jsp?oid=12.02&bestandid=22382).
Für die Verzeichnung waren die vorgefundene
Ordnung und Beschriftung der übergebenen
Unterlagen sehr hilfreich. So richtet sich die
Gliederung des Bestands im Wesentlichen
nach der bisherigen Ordnung der Konvolute
nach Personen, d. h. nach Familienmitgliedern
und deren Angehörigen. Überliefert sind in
unterschiedlicher Dichte sechs Generationen
der Familie Speck von Sternburg. Beginnend
mit den ersten beruflichen Schritten des Gast-
wirtssohns Maximilian Speck in Leipzig um
1800 wird seine erfolgreiche Tätigkeit als Woll-
händler, Schafzüchter und Begründer einer
bedeutenden Kunstsammlung deutlich. Durch
seine Verdienste in Russland und Bayern erhielt
er die Titel „Ritter von Speck“ und „Freiherr von
Sternburg“, die Urkunden für diese Standes-
erhöhungen sind im Bestand enthalten.
Aus Maximilians Ehe mit Charlotte Hänel von
Cronenthall (1787–1836) gingen fünf Kinder
hervor, darunter die Tochter Maria (spätere
Ehefrau von Joseph Freiherr von Hormayr zu
Hortenburg), der Künstler Hermann Maxi-
milian (1814–1851) und der Nachfolger als
Majoratsherr in Lützschena Alexander Maxi-
milian (1821–1911). Der Letztgenannte hatte
zwölf Kinder, verwiesen sei auf den Diploma-
ten Hermann (1852–1908) und Joseph Speck
von Sternburg (1863–1942), der in kaiserlichen
Diensten stand. Letzterer war der Großvater
des Depositalgebers Wolf-Dietrich Speck
von Sternburg, geboren 1935 in Pommern.
Dessen Bemühungen um das Erbe in Lütz-
schena und die vermögensrechtliche Klärung
zum beweglichen Eigentum der Familie wer-
den im Bestand ebenso deutlich wie seine
Recherchen zur Familiengeschichte, die bis
2016 reichen. Das Familienarchiv spiegelt mit
mehr als 700 Akten, Urkunden und gedruckten
Werken, fast 2
500 Fotografien, 55 Karten und
Plänen sowie Videos und weiteren digitalen
Unterlagen die herausragende Stellung der
Mitglieder der Familie Speck von Sternburg
über drei Jahrhunderte wider.
Bereits bei der ersten öffentlichen Präsentation
des Bestands im Jahr 2015 wurde das große
öffentliche Interesse an den Sternburgs und
deren Familienunterlagen deutlich. So war
nicht verwunderlich, dass die im Staatsarchiv
Leipzig im November 2017 eröffnete Ausstel-
lung „Maximilian Speck von Sternburg und sei-
ne Erben“ sehr schnell die Gunst des Publikums
fand. In der Ausstellung werden einerseits die
familiären Beziehungen über sechs Generatio-
nen bis zur Gegenwart sichtbar gemacht. Dazu
gehören ein Stammbaum mit den Nachfahren
nach Maximilian Speck von Sternburg sowie
Biogramme zu mehreren Familienmitgliedern.
Sie beschreiben den Lebensweg von vier weib-
lichen und zwölf männlichen Familienmitglie-
dern, darunter allen Inhabern des Majorats
in Lützschena. Daneben werden anhand von
ansprechenden Archivalien in Themen, wie
dem Ausbau des Ritterguts Lützschena, dem
Wiederaufbau des Landschaftsparks, der Brau-
ereigeschichte, den Reisen durch verschiedene
Kontinente oder künstlerischen Aktivitäten, die
Leistungen im Wirtschafts- und Kulturbereich
näher vorgestellt. Sichtbar wird ein nachhalti-
ges soziales Engagement der Familie, das sich
bis in die heutige Zeit in der Unterstützung
von Bildungs- und gemeinnützigen Einrich-
tungen zeigt.
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht der um-
fangreiche Familiennachlass. Unter den mehr
als 100 Exponaten sind das vom bayrischen
König Ludwig I. ausgestellte Freiherrendiplom
mit Familienwappen aus dem Jahr 1829, ein
eigenhändiger Brief vom späteren Präsidenten
Theodore Roosevelt an Hermann Speck von
Sternburg (1852–1908) aus dem Jahr 1892 und
ein Fotoalbum von Gustav Harry Speck von
Sternburg (1887–1940) mit Eindrücken von
seiner Reise nach Japan im Jahr 1914 als be-
sonders sehenswert hervorzuheben. Unter den
Leihgaben ist insbesondere auf das Porträt von
Maximilian Speck (Gemälde von Johann Carl
Rößler, 1825) hinzuweisen, das auch das Plakat
zur Ausstellung ziert. Ergänzend sind relevante
Quellen aus weiteren Beständen des Staatsar-
chivs Leipzig in der Präsentation zu sehen. Ne-
ben den eingangs genannten Ritterguts- und
Wirtschaftsunterlagen konnten genealogische
Quellen sowie Dokumentationen des Kultur-
bunds, Gesellschaft für Denkmalpflege, in die
thematische Darstellung einbezogen werden.
Im Vorfeld förderte die Beschäftigung mit der
Familiengeschichte bisher unbekannte Quel-
len aus Maximilians Geburtsort Gröba (heute
Riesa) und zu vielen weiteren Familienmitglie-
dern zutage. Es wäre wünschenswert, wenn
der Ausstellungsbesuch die weitere Beschäf-
tigung mit der Familie Speck von Sternburg
anregen würde.
Birgit Richter
Blick in die Ausstellung „Maximilian Speck von Sternburg und seine Erben“ (Foto Regine Bartholdt)
(Staatsarchiv Leipzig)
Besuch von Wolf-Dietrich Freiherr Speck von Sternburg in Begleitung seiner Nichte Judith im Staatsarchiv Leipzig,
2014 (Foto Birgit Richter)
Freiherrendiplom von König Ludwig I. von Bayern für Maximilian von Speck und seine
ehelichen Nachkommen (letzte Seite), 23. Januar 1829 (Sächsisches Staatsarchiv, Staats-
archiv Leipzig, 22382 Familienarchiv Speck von Sternburg, Nr. 668)
Gedruckte Verzeichnisse der Sternburgschen Kunstsammlung, 1827–1889
(Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Leipzig, 22382 Familienarchiv Speck
von Sternburg, Nr. 107, 109, 664, 696)

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Sächsisches Archivblatt Heft 1-2018 | 12
Sächsisches Archivblatt Heft 1-2018 | 13
Die Staatsanwaltschaft beim Landgericht Bautzen
(1879 bis 1952)
„So wie es die Rekonstruktion darstellt, hat sich
der Vorgang abgespielt. Die Bilder und der Text
wurden nach meinen Angaben angefertigt. Es
entspricht der vollen Wahrheit, was ich mit
meiner Unterschrift bestätige. Selbst gelesen,
genehmigt, unterschrieben“. Damit hatte die
Mordkommission des Volkspolizeipräsidiums
Dresden den Täter an Hand von Beweisen,
zu denen auch dieses schriftliche Geständnis
gehörte, überführt. Im Dezember 1951 erging
seitens der Staatsanwaltschaft Bautzen der
Beschluss, gegen den seit fast neun Mona-
ten in Untersuchungshaft sitzenden Mörder
das Hauptverfahren zu eröffnen. Dieser hatte
im Dezember 1950 „nach vorangegangenem
Streit mit seiner Ehefrau dieser einen Schlag
vor die Brust versetzt und dann mittels einer
Kristallvase Schläge gegen den Kopf beige-
bracht, wodurch diese auf den Boden zu Fall
kam. Danach fasste er den Entschluss, seine
Frau zu töten. Er schlug aus diesem Grunde
noch mit der Kohlenschaufel und später mit
einem Eisenstück gegen den Schädel seiner
Ehefrau. Durch Beibringung dieser Schläge
verursachte er den Tod derselben.“ In der öf-
fentlichen Sitzung des Schwurgerichts Baut-
zen wurde er wegen Totschlags gemäß § 212
des Strafgesetzbuches zu zwölf Jahren Zucht-
haus verurteilt. Ihm wurden die bürgerlichen
Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren
aberkannt. Die Untersuchungshaft wurde auf
die Haftstrafe angerechnet und die Tatgegen-
stände wurden eingezogen. Der Angeklagte
hatte die Kosten des Verfahrens zu tragen. Die
Akte endet mit seiner vorzeitigen Entlassung
aus der Strafvollzugsanstalt Waldheim im Jahr
1959. Mit den beiliegenden Fotos, Skizzen,
Untersuchungs- und Obduktionsberichten
bietet sie eine wunderbare Vorlage für einen
Sonntagabendkrimi, jenem Genre, das sich seit
vielen Jahren großer Beliebtheit beim Publikum
erfreut. Ausführlich beschreibt den Fall der
Leipziger Krimiautor Henner Kotte in seinem
neuen Buch, das sich mit Kriminalfällen aus
der Oberlausitz beschäftigt und im Frühjahr
2018 erscheint. Der Fall ist im Staatsfilialarchiv
Bautzen im Archivgut der Staatsanwaltschaft
beim Landgericht Bautzen überliefert. Dieses
bildet hier den Bestand 50071. Nach Abschluss
der Revisions- und Erschließungsarbeiten
steht er allen Interessierten zur Nutzung in
den Räumen des Archivverbundes Bautzen zur
Verfügung. Lediglich einzelne Akten sind auf
Grund der darin enthaltenen personenbezoge-
nen Daten noch für die Benutzung gesperrt.
Insgesamt sind 8,25 lfm Archivgut (501
Verzeichnungseinheiten) dieser Behörde
überliefert. Darin befinden sich Akten zum
Dienstbetrieb und zum Personal sowie zur
Gerichtsverfassung und -organisation. Den
größten Teil der Überlieferung bilden Akten
zum Strafrecht und zur Strafverbüßung sowie
Strafprozessakten aus der Zeit von 1912 bis
1952. Insgesamt sind 214 Akten zu 181 Straf-
fällen überliefert, davon 90 politische Straf-
taten und 91 Verbrechen, wie Mord, Körper-
verletzung, Wirtschafts- und Finanzvergehen,
Militärstrafsachen, Beamtenbeleidigung, Ar-
beitsverweigerung, Betrug, Diebstahl, Hehlerei
usw. Schließlich sind noch einige wenige Akten
zum Gefängniswesen und zur Gefangenenan-
stalt Bautzen vorhanden. Mit seiner zeitlichen
Erstreckung von 1854 bis 1952 spiegelt der
Bestand die Entwicklung im Justizwesen wäh-
rend des deutschen Kaiserreiches, der Weima-
rer Republik, des nationalsozialistischen Drit-
ten Reiches, der sowjetischen Besatzungszone
und der frühen DDR wider.
Einen ersten Versuch die „Institution der
Staatsanwaltschaft“ als staatliche Untersu-
chungs- und Anklagebehörde in Sachsen zu
etablieren, gab es im Zuge der Reform der
sächsischen Gerichtsverfassung im Novem-
ber 1848. Per Gesetz wurde festgelegt, dass
unter den seit 1835 bestehenden Appellati-
onsgerichten, Bezirksgerichte als Gerichte
unterer Instanz errichtet werden sollen, bei
denen ein Staatsanwalt anzustellen sei. Da
die Einrichtung der Gerichte zunächst nicht
erfolgte, wurden die ersten Staatsanwälte bei
den Appellationsgerichten angestellt.
Mit Schreiben vom 21. Dezember 1848 er-
nannte das sächsische Justizministerium den
Bautzener Advokaten Herrmann Theobald
Edelmann zum Staatsanwalt im Bezirk des
Appellationsgerichts Bautzen, der die gesam-
te sächsische Oberlausitz umfasste. Im Januar
1849 wurde Carl Ferdinand Rafeld als Kopist
für die Staatsanwaltschaft verpflichtet. Bereits
im November 1850 wurden die Staatsanwalt-
schaften per Gesetz wieder aufgelöst. Laufen-
de Untersuchungen mussten an das zuständige
Gericht gegeben werden. Bereits angefallene
Akten, Register und die Siegel waren dem Ober-
staatsanwalt abzugeben, der sie wiederum dem
Justizministerium zuzustellen hatte.
Erst 1856 mit der Einführung des neuen Ge-
richtsverfassungsgesetzes, welches 1855 er-
lassen worden war, und mit der Einführung der
Strafprozessordnung erfolgte die Einrichtung
von Bezirksgerichten. Dort wurden dann auch
wieder Staatsanwälte angestellt, deren Auf-
gabe es war, in Kriminalsachen die staatliche
Anklage zu vertreten sowie das Strafmaß und
die Strafverbüßung zu überwachen. Unter dem
Appellationsgericht Bautzen wurden Bezirks-
gerichte in Bautzen, Kamenz, Löbau und Zittau
errichtet. Zum Bezirksgericht Bautzen wurde
1856 Julius Wilhelm Roßtäuscher als Staats-
anwalt berufen. Er war bis dahin Justiziar beim
Gericht in Reichenau (heute Bogatynia, Polen).
1865/66 schied er aus dem Dienst aus. Sein
Nachfolger Gottfried Ernst Richard Petri wurde
als Sohn des Pfarrers Balthasar August Petri
1823 in Dürrhennersdorf geboren. Er studierte
Rechtswissenschaften an der Universität in
Leipzig, wo er auch Mitglied der Studentenver-
bindung Corps Lusatia war. 1849 trat er in den
sächsischen Justizdienst ein. Eine seiner frühen
Wirkungsstätten war ab 1850 das Königliche
Landgericht in Löbau. Seine erste Anstellung
als Staatsanwalt führte ihn 1856 an das Be-
zirksgericht Rochlitz, dessen Gerichtsdirektor
zu dieser Zeit Herrmann Theobald Edelmann,
der erste Bautzener Staatsanwalt, war. 1859
wurde Petri als Staatsanwalt an das Bezirks-
gericht Annaberg berufen. 1865 übernahm er
die vakante Stelle des Staatsanwaltes beim
Bezirksgericht Bautzen.
Als 1879 das Gerichtswesen im gesamten
Deutschen Reich vereinheitlicht wurde, blieb er
bei der Staatsanwaltschaft in Bautzen, die nun
dem neugeschaffenen Landgericht Bautzen
angeschlossen war. Er leitete die Behörde als
Oberstaatsanwalt. Ihm waren der Staatsanwalt
Tatraumskizze, Die Pfeile und Buchstaben weisen auf
die Lage der Tatgegenstände hin (Sächsisches Staats-
archiv, Staatsfilialarchiv Bautzen, 50071 Staatsanwalt-
schaft beim Landgericht Bautzen, Nr. 504)
Übersichtsskizze vom Tat- und Fundort (Sächsisches
Staatsarchiv, Staatsfilialarchiv Bautzen, 50071 Staats-
anwaltschaft beim Landgericht Bautzen, Nr. 504)
Fotografie der Umgebung des Leichenfundortes (Sächsisches Staatsarchiv, Staatsfilialarchiv Bautzen, 50071
Staatsanwaltschaft beim Landgericht Bautzen, Nr. 504)
Fotografie aus der Fotoserie der Tatrekonstruktion (Sächsisches Staatsarchiv, Staatsfilialarchiv Bautzen, 50071
Staatsanwaltschaft beim Landgericht Bautzen, Nr. 504)
Fotografie aus der Fotoserie der Tatrekonstruktion mit Erklärung (Sächsisches Staatsarchiv, Staatsfilialarchiv
Bautzen, 50071 Staatsanwaltschaft beim Landgericht Bautzen, Nr. 504)
Tatwerkzeuge: Kristallglasvase, Profileisenstück und Kohlenschaufel (Sächsisches Staatsarchiv, Staatsfilialarchiv
Bautzen, 50071 Staatsanwaltschaft beim Landgericht Bautzen, Nr. 504)

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Sächsisches Archivblatt Heft 1-2018 | 14
Sächsisches Archivblatt Heft 1-2018 | 15
Dr. Karl Anton Reinhold Fiedler, der zugleich
Amtsanwalt des Amtsgerichts Bautzen war,
sowie sechs Gehilfen und Expedienten unter-
stellt. Er war außerdem von 1869 bis 1879
Mitglied des sächsischen Landtages. Nach fast
25 Dienstjahren ging er 1889 in Pension. Ihm
folgten in der Funktion des Oberstaatsanwal-
tes Rudolf Wilhelm Weicher (bis 1893), Dr. Her-
mann Adolf Gensel (bis 1899), Arwed Martini
(bis 1906/07), Dr. Friedrich Richard Böhme (bis
wenigstens 1921) und Max Ernst Däwernitz (bis
wenigstens 1925). Spätestens seit 1928 fun-
gierte Dr. Carl Buch als Oberstaatsanwalt beim
Landgericht Bautzen. Wahrscheinlich hatte
er diese Funktion bis zum Ende des Zweiten
Weltkrieges inne.
Ihren Sitz hatte die Staatsanwaltschaft zu-
nächst in der Ortenburg im Schwurgerichts-
gebäude. Heute befindet sich dort das Sorbi-
sche Museum. Nach der Errichtung des neuen
Justizgebäudes am König-Friedrich-August-
Platz (heute Friedrich-Engels-Platz) im Jahre
1906 zog auch die Staatsanwaltschaft in das
Gebäude um. Die Anschrift lautete seitdem
Lessingstraße 7.
Im Mai 1945, am Ende des Zweiten Welt-
krieges, besetzte die sowjetische Armee große
Teile des Justizgebäudekomplexes einschließ-
lich einiger angrenzender Grundstücke. Gemäß
der zentralen Anweisung der sowjetischen
Militäradministration sollte der demokra-
tische Wiederaufbau der Gerichtsbehörden
bis zum 1. Oktober 1945 geschehen sein. In
Bautzen war damit bereits im Juli 1945 be-
gonnen worden. Auf Bitten der sächsischen
Landesregierung übernahm der Bautzener
Rechtsanwalt und Notar Dr. Martin Kalauch
als kommissarischer Oberstaatsanwalt den
Neuaufbau der Staatsanwaltschaft. Zu seinen
ersten Aufgaben zählte die Einstellung neuen
geeigneten Personals, die Beschaffung von
Möbeln sowie die Bergung und Umlagerung
von Akten und Registern aus dem Justizge-
bäude. Die Wiederaufnahme der Geschäfte
erfolgte am 24. Oktober 1945 im ehemaligen
Hauptzollamtsgebäude (heute Sozialamt des
Landratsamtes Bautzen, Taucherstraße 23).
Dort stand den Mitarbeitern zunächst nur ein
Arbeitsraum zur Verfügung.
Dr. Kalauch legte Ende Dezember 1945 sein
Amt nieder. Die Behördenleitung übernahm
anschließend Oberstaatsanwalt Bernhard
Steglich, bis dahin Leiter des Amtsgerichts
Löbau. Zum Ende des Jahres wurde der Sitz der
Bautzener Gerichte in die Ortenburg verlegt.
Unweit davon bezog die Staatsanwaltschaft
Anfang Februar 1946 zwölf Diensträume im
zweiten Obergeschoss des alten Landhau-
ses in der Schloßstraße 10 (heute Sitz des
Archiv verbunds). Im November 1946 über-
nahm Dr. Wolfgang Strunck die Leitung der Be-
hörde. Ihm unterstanden zunächst 21, später
23 Beschäftigte. Zu seinem Nachfolger wurde
im März 1947 Dr. Alfons Banauch ernannt.
Anfang Juni 1948 erhielt er die Versetzung
zum Landgericht Bautzen. In der Funktion des
Oberstaatsanwaltes folgte ihm Dr. Friedrich
Otto. In dessen Amtszeit fiel die Freigabe des
Justizgebäudes an der Lessingstraße durch die
Sowjetarmee. Die deutschen Justizbehörden
konnten ab Herbst 1949 ihren Geschäftsbetrieb
im Haus wieder aufnehmen. Der 1950 ins Amt
berufene Oberstaatsanwalt Artur Lachmann
wurde bereits am 1. Juli 1951 zur General-
staatsanwaltschaft Dresden abgeordnet. Sein
Nachfolger wurde Oberstaats anwalt Helmuth
Hessler. Nach der Auflösung des Landgerichts
Görlitz erfolgte 1951 die Zusammenlegung
der dortigen Staatsanwaltschaft mit der des
Bautzener Landgerichts. Im Juni 1952 über-
nahm Oberstaatsanwalt Klötzer die Leitung
der Staatsanwaltschaft Bautzen.
Mit dem Gesetz über die Staatsanwaltschaften
vom 23. Mai 1952, der Aufhebung der Land-
gerichte und der Errichtung der Bezirksgerich-
te im August 1952 gingen die Aufgaben der
Staatsanwaltschaft beim Landgericht Bautzen
an den Bezirksstaatsanwalt Dresden über.
Anja Moschke
(Archivverbund Bautzen,
Staatsfilialarchiv)
Siegelmarke der Staatsanwaltschaft
Bautzen (Stadtarchiv Bautzen, 69100
Bildarchiv, Siegel- und Werbemarken)
Neues Justizgebäude, Sitz der Staatsanwaltschaft seit 1906 (Postkarte) (Stadtarchiv Bautzen, 69100 Bildarchiv, E 12/2)
Forstakten – wichtige Quellen für den
Vermessungstechniker
Teil 2
Von Seiten der sächsischen Forstverwaltung
erfolgte eine aufwändige und sorgfältige Pfle-
ge der Forstgrenzen. Neben der 10-jährigen
Hauptgrenzbegehung wurde auch eine 5-jäh-
rige Zwischengrenzrevision durchgeführt, an
der stets neben Vertretern der Besitzer der
Flurstücke beiderseits des Grenzabschnittes
auch Beamte der Forstvermessungsanstalt
teilnahmen. Zwischenzeitlich hatte der Förs-
ter des entsprechenden Reviers, so war es in
der Dienstinstruktion für die Revierverwalter
vorgeschrieben, im Frühjahr jeden Jahres „die
Grenze von einem Grenzzeichen zum anderen
genau zu revidieren, sie bei eintretenden Zwei-
felsfällen mit dem Grenzprotokoll, ingleichen
mit dem Revierrisse sorgfältig zu vergleichen,
die gefundenen Mängel genau aufzuzeichnen
und darüber Anzeige an den Oberforstmeister
zu erstatten“.
Neben den Grenzkarten ist in den Beständen
der Forstbehörden auch ein umfangreiches
Zahlenwerk über die Grenzvermessung über-
liefert. Zu den zahlenmäßigen Grenznachwei-
sen gehören die Vermessungsregister, die Be-
rainungsprotokolle, die Grenzregister und die
Grenzlagerbücher. Hierbei kommt den Grenz-
registern und den Grenzlagerbüchern eine grö-
ßere Bedeutung zu. Die Vermessungsregister
wurden ausschließlich für die Flächenberech-
nung und Steuererhebung angelegt. Sie ent-
halten nur Flächenangaben und keine Angaben
über vermessene Strecken oder Grenzlinien.
Die Berainungsprotokolle wurden geführt, weil
von Seiten der Direktion der Forstvermessung
vor der Vermessung eine Grenzbegehung und
Untersuchung der Grenzen gemeinsam mit
den Grundstücksanliegern angeordnet war.
Von der Zuverlässigkeit der darin enthalte-
nen Zahlenangaben äußert die Direktion der
Forstvermessung in einem Schreiben an das
Ministerium der Finanzen vom 4. Mai 1858,
dass sie „zu den in den Berainungsprotokol-
len enthaltenen Grenzmaßen das wenigste
Vertrauen bezüglich deren Richtigkeit besitzt,
da bei dergleichen Gelegenheiten selten mit
der nötigen Muße und Genauigkeit verfahren
werden kann“.
Die Grenzregister hatten den Zweck, mittels
der eingetragenen Angaben die äußeren
Grenzen eines Reviers zu beschreiben, um
damit besonders bei Grenzstreitigkeiten zur
Entscheidung beizutragen. Ihr hauptsächli-
cher Nutzen bestand aber darin, dass man
mit ihrer Hilfe einen verloren gegangenen
Grenzpunkt leichter und sicherer wieder auf-
finden konnte, als mit der Forstkarte allein. Die
Grenzregister wurden in tabellarischer Form
geführt und enthalten neben den Grenzstein-
nummern auch die Maße über die Abstände
zwischen zwei benachbarten Grenzsteinen
Grenz-Register Forstrevier Markersbach, 1874 (Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden, 13853 Abgabegemeinschaft des Forstbezirks Neustadt, Nr. 10, Bl. 8)

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Sächsisches Archivblatt Heft 1-2018 | 17
(Steinbreiten). Als Besonderheit wurde in der
Regel auch der Winkel zwischen den jeweils
benachbarten Grenzsteinen vermerkt. Diesen
Wert enthalten nur die Grenzregister. In die
späteren Grenzlagerbücher wurden Winkel-
angaben nicht mehr eingetragen. Darüber
hinaus sind die Angrenzer genannt und de-
taillierte Umschreibungen und Erläuterungen
zur Grenzlage wurden unter „Anmerkungen“
eingetragen. Dazu gehörten neben der verba-
len Beschreibung des Grenzverlaufs, Angaben
über die Art der Abmarkung, ob es sich um
Grenzsteine der Sicherungs-, Abteilungs- oder
der Außengrenze handelt. Die Genauigkeit der
im Grenzregister enthaltenen Zahlenangaben
ergibt sich aus der angewendeten Vermes-
sungsmethode. Alle Grenzlinien, die in der
Grenzbeschreibung eingetragen wurden, sind
zweimal gemessen und dann nur akzeptiert
worden, wenn keine bedeutsame Differenz
aufgetreten ist.
In den Fällen, wo Flächen- oder Grenzverän-
derungen in der Zeit zwischen den Forstrevi-
sionen erfolgten, zum Beispiel bei Kauf oder
Verkauf von Forstparzellen sowie sonstigen
Aus- und Eingliederungen von Forstflächen,
wurde nicht sofort das Grenzregister abge-
ändert. Diese Flächenveränderungen wurden
in einem extra dafür eingerichteten Nach-
tragsbuch vermerkt. Das Nachtragsbuch hatte
den Zweck, einen aktuellen Nachweis über
erfolgte Flächen- und Grenzveränderungen
zu liefern. Die Grenzregister wurden in Ver-
bindung mit den Nachtragsbüchern absolut
der Aufgabe gerecht, durch die enthaltenen
Zahlenangaben den genauen Grenzverlauf
widerzuspiegeln. Erst für die Forstgrenzrevi-
sionen, der 5-jährigen Zwischenrevision und
der 10-jährigen Hauptrevision, erfolgte die
Aktualisierung der Grenzregister. Die Maß-
angaben wurden in den Grenzregistern noch
nicht metrisch eingetragen. Sie lassen sich
aber mit den Faktoren 1 Rute = 4,295 m, 1 Fuß
= 28,3 cm und 1 Zoll = 2,36 cm ins metrische
System umrechnen.
Ein weiteres Grenzvermessungsverzeichnis,
welches die gleiche Aufgabe wie die Grenz-
register erfüllte, waren die Grenzlagerbücher.
Weshalb es zur Einführung von Grenzlager-
büchern kam, lässt sich anhand des Schrift-
verkehrs, den der Oberforstmeister der
Oberförsterei Bärenfels von Klotz mit dem
Ministerium der Finanzen führte, recht gut
belegen. In der ersten Hälfte der fünfziger
Jahre des 19. Jahrhunderts wurde auf Grund
des schlechten Zustands der Grenzzeichen an
der äußeren Grenze der Reviere der Oberforst-
meisterei Bärenfels eine Auswechselung der
Grenzmarken durchgeführt. Nach Abschluss
der Arbeiten sollte, so hatte es die Direktion
der Forstverwaltung angewiesen, von jedem
Revier ein neues Grenzregister erstellt werden.
Der enorme Aufwand entfachte eine Diskus-
sion unter den Forstfachleuten, bei der man
immer wieder den Mangel betonte, der den
Grenzregistern aus damaliger Sicht anhaftete.
In seinem Jahresbericht, den der Oberforst-
meister von Klotz an das Finanzministerium
einzusenden hatte, weist er darauf hin, dass
„den Grenz-Registern, solange ihnen die le-
gale Anerkennung der Angrenzer fehlt, nur
ein sehr beschränkter Wert beiwohnt. […] Ihr
wesentlicher Nutzen besteht nur darin, daß
man mit ihrer Hilfe einen verloren gegange-
nen Grenzpunkt leichter und sicherer wieder
auffinden kann, als mit der Spezialkarte allein,
deren kleiner Maßstab das genaue Abnehmen
von Maßen nicht zuläßt.“
In einem Schreiben des Oberforstmeisters von
Klotz an das Finanzministerium vom 31. Mai
1858 wird das erste Mal die Bezeichnung
Grenzlagerbuch erwähnt. In dem Schreiben
heißt es: „Wie […] schon früher hervorgeho-
ben […] bieten, als von den Grenznachbarn
nicht gerichtlich anerkannt, weder Grenz-
Register noch Karten der Forstvermessung
einen rechtsgültigen Anhalt. Dies war nun
die hauptsächliche Veranlassung zu dem
Vorschlag […] gleichzeitig mit der im hiesigen
Forstbezirk einmal angeordneten Erneuerung
sämtlicher Grenzsteine, ein solches, für alle
vorkommenden Fälle maßgebendes und des-
halb fortzuführendes Verzeichnis vielleicht
entsprechendes Grenz-Lagerbuch zu be-
gründen. […] Immerhin wird indes, soll das
neue Grenz-Verzeichnis der Forstvermessung
Beweiskraft erlangen, auch bei diesem die ge-
richtliche Anerkennung der Angrenzer nötig
werden. Es ist ferner nicht zu verkennen, daß
die Anfertigung solcher besonderer Grenz-
Verzeichnisse oder Lagerbücher […] auch bei
vorkommenden Grenzmängeln und Streitig-
keiten wesentlichen Vorteil bieten.“ Die Direkti-
on der Forstvermessung wurde daraufhin von
Seiten des Ministeriums der Finanzen um eine
gutachtliche Stellungnahme gebeten. Nach
Absprache mit dem Ministerium der Finanzen
ordnete die Direktion der Forstvermessung an,
dass bei der Gelegenheit der Auswechselung
der Grenzsteine weiterhin von jedem Revier-
verwalter ein neues Verzeichnis der Grenz-
zeichen anzufertigen ist. Dieses Verzeichnis,
nun Grenzlagerbuch genannt, sei aber mit den
Angrenzern an Ort und Stelle durchzugehen
und im Anschluss daran von den Beteiligten
bei der zuständigen Gerichtsbehörde anerken-
nen zu lassen.
In die Grenzlagerbücher wurden Forstort,
Revierteil und Abteilungsnummer sowie die
Grenzsteinnummern und die Entfernung der
jeweils benachbarten Grenzsteine, also die
Steinbreiten, eingetragen. Die Nummerierung
der Grenzsteine erfolgte im Grenzlagerbuch
ebenfalls identisch zur Forstkarte. Außerdem
enthalten die Grenzlagerbücher Vermerke
über den angrenzenden Flurbezirk und Be-
merkungen über eingetretene Veränderungen.
Infolge der Regelung, dass bei Zergliederungs-
messungen die durch die Gesetzgebung des
Norddeutschen Bundes 1869 neu eingeführ-
ten Längen- und Flächenmaße anzuwenden
waren, sind in den meisten der überlieferten
Grenzlagerbücher die Maßangaben bereits in
Metern enthalten.
In Bezug auf Verwahrung der Grenzlager-
bücher ist in der Geschäftsordnung für die
Staatsforstverwaltung Folgendes festgelegt
worden: „Das Grenz-Lagerbuch wurde von
der Forsteinrichtungsanstalt in zwei Ausfer-
tigungen hergestellt und gelegentlich jeder
Hauptrevision auf das Laufende gebracht. Die
Urschrift des Grenz-Lagerbuches wird bei der
Revierverwaltung, die Abschrift desselben bei
der Oberforstmeisterei aufbewahrt.“ Nach Auf-
lösung der Oberforstmeistereien im Jahre 1924
wurden aber die Oberforstmeistereiexemplare
der Grenzlagerbücher an die Forstämter abge-
geben. Aus diesem Grund sind die Grenzlager-
bücher im Hauptstaatsarchiv Dresden auch
nur in den Beständen von Forstrevieren und
Forstämtern überliefert.
In den vergangenen drei Jahren wurden im
Hauptstaatsarchiv Dresden im Rahmen von
Erschließungsmaßnahmen bis dahin nicht
benutzbare Bestände von Forstrevieren und
Forstämtern sowie ein bisher noch unerschlos-
sener Teil der Akten des Forsteinrichtungsam-
tes der Benutzung zugänglich gemacht. Insge-
samt handelt es sich um 2 580 Akteneinheiten
in einem Umfang von 47,6 lfm. Während der
Erschließung wurden 102 Grenzregister und
65 Grenzlagerbücher ermittelt, die nun den
Benutzern zur Verfügung stehen.
Gunter Biele
(Hauptstaatsarchiv Dresden)
Grenz-Lagerbuch Forstrevier Langebrück, 1882. Die eingetragenen Grenzsteinnummern und Steinbreiten entsprechen den Kartenausschnitten in Abbildung 1 und 2 des Teils 1
des Beitrags in Heft 2/2017 (SächsStA-D, 10879 Forstrevier Langebrück-Röhrsdorf, Nr. 6, Bl. 25)
Nachtragsbuch, 1899 (SächsStA-D, 10899 Forstamt Moritzburg, Nr. 413, Bl. 11)

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Sächsisches Archivblatt Heft 1-2018 | 19
Filme des DEWAG-Werbefilmstudios
im Sächsischen Staatsarchiv
Das DEWAG-Werbefilmstudio gehört in der
DDR-Filmgeschichtsschreibung fraglos zu den
wohl am wenigsten bekannten und untersuch-
ten professionellen Bewegtbildproduzenten
(hier sei ausdrücklich die Pionierarbeit in den
Publikationen von Simone Tippach-Schneider
gewürdigt, vgl. vor allem: Tausend Tele-Tips,
Das Werbefernsehen in der DDR 1959–1976,
Berlin 2004). Es etablierte sich ab etwa 1950
innerhalb der „Deutschen Werbe- und An-
zeigengesellschaft“, deren Kürzel DEWAG
wenig später zu einem nicht unbedeutenden
Markenzeichen wurde und zum gängigen
Wortschatz im Osten Deutschlands gehör-
te. Bereits im September 1945 in Dresden als
offene Handelsgesellschaft eingetragen und
nach Gründung der SED 1946 in eine GmbH
umgewandelt, siedelte die DEWAG als Betrieb
im Oktober 1949 nach Berlin über und wurde
dem Zentralkomitee (ZK) der SED, Abteilung
Finanzverwaltung und Parteibetriebe, unter-
stellt. Möglicherweise erheischte die Nähe zur
ideologischen Zentrale des seinerzeit üblichen
Synonyms für Werbung „Produktionspropa-
ganda“ diese Zuordnung. „Reklame“ wurde
eher im abwertenden bzw. ideologisch distan-
zierenden Sinne benutzt. Die DEWAG mutierte
in der DDR alsbald zum Monopolisten in der
Herstellung von Wirtschaftswerbemitteln aller
Art, im Anzeigengeschäft, in der Gestaltung
von Ausstellungen und Messepräsentationen
sowie in der Organisierung von politischer,
ökonomischer, kultureller Agitation und
Propaganda. Bereits um 1958 dürfte sie mit
18 Bezirks- und Regionalorganisationen bzw.
-betrieben die Ausbreitung ihrer Netzwerk-
struktur DDR-weit abgeschlossen haben.
Frühzeitig hofierte die DEWAG auch das Me-
dium Film. Anscheinend schon ab 1949 hat es
wohl in dieser Hinsicht Aktivitäten mit privaten
Produzenten gegeben. Eine erste „Globalli-
zenz“ (in der DDR bedurfte die professionelle
Filmherstellung einer staatlichen Lizenzierung)
für die Herstellung von Werbefilmen bis zu
150 Meter Länge Normalfilm (35mm, etwa
fünf bis sechs Minuten) erhielt die DEWAG
1951 vom damaligen „Amt für Information“,
Abteilung Film. Vor der Gründung des Minis-
teriums für Kultur 1954 nahm diese Institution
auch Aufgaben der zentralen Regulierung von
kulturellen Vorgängen wahr. Weitere Informa-
tionen über die Entwicklung des Studios zeigen
sich widersprüchlich. Um 1954 kam es zur
Errichtung zunächst einer „Abteilung Film“ in-
nerhalb des Berliner DEWAG-Betriebes. Einen
Einfluss darauf hatte wohl auch die Auflösung
der Außenstelle Dresden des DEFA-Studios für
populärwissenschaftliche Filme 1953. Etwa
1957 wurde die Filmabteilung in einen juris-
tisch selbstständigen Betrieb umgewandelt,
die eigentliche Gründung des „Werbefilm-
studios“. Zunächst firmierte das Studio auf
den überlieferten Filmen noch unter dem Label
„Filmproduktion DEWAG Werbung Berlin“, ab
1960 dann als „DEWAG Werbung Berlin – Stu-
dio für Werbefilme“. Andere Angaben datie-
ren die Gründung der Filmabteilung auf 1950
und die des Studios auf 1954. Einen „Boom“
erlebte es ab 1959/60 durch die Einführung
der Werbesendung „Tausend Tele-Tips“ (ttt)
im Deutschen Fernsehfunk. Vermutlich hing
damit auch die Umbenennung in den nunmehr
letzten Namen zusammen. Der Hauptsitz des
Studios befand sich in Berlin in der Prenzlauer
Straße 47, die nördlich an den Alexanderplatz
angrenzte und mit der Rekonstruktion des
Areals um 1965 aufhörte zu existieren. Ein
sechsstöckiges „Rückgebäude“ beherbergte
das Studio (offensichtlich ein Wirtschaftsbau
auf dem Hof des Grundstückes) mit zahlreichen
Räumen und einem Filmlager in der obersten
Etage. Die Ateliers, davon zwei Räume mit je
fast 500 m
2
Fläche, lagen in der Rosenthaler
Straße 36, u. a. in einem ehemaligen Tanzsaal.
In diesem Haus war auch bereits die Errichtung
eines eigenen Tonstudios in Angriff genommen
worden, welches aber nie fertiggestellt wurde.
Produziert wurde vorwiegend auf 35 mm mit
bester Technik, wofür offenbar die strukturelle
Nähe zur Parteizentrale bürgte. Nach den vor-
liegenden Quellen verfügte das Studio in sei-
nen besten Zeiten über etwa 120 Mitarbeiter.
Die wahren Gründe für die Schließung des
Studios zum 31. Dezember 1962 dürften
noch nicht als gänzlich erforscht gelten. Er-
kennbar ist ein vehementes und deutliches
Konkurrenzgebaren des DEFA-Studios für po-
pulärwissenschaftliche Filme gegenüber dem
DEWAG-Werbefilmstudio in den 1950er Jah-
ren, wobei der äußere Anlass zum Streit die
vom DEWAG-Studio kontinuierlich gebroche-
nen Lizenzlimitierungen auf Werbefilme und
Länge waren. Spürbar wagte es sich immer
mehr in den Bereich des Industriefilms, eine
erklärte Domäne des DEFA-Studios. Aber auch
der Neid auf die bessere Technik des DEWAG-
Studios spielte wohl eine nicht geringe Rolle.
Zudem dürften für das ZK der SED als der
dem Studio übergeordneten Einrichtung nach
dem Bau der Mauer und den damit verbun-
denen Werbeetatkürzungen in Wirtschaft und
Handel der DDR ökonomische Gründe eine
Rolle gespielt haben, sich des Filmstudios zu
entledigen. Nachweisbare Aktivitäten gab es
etwa ab Mitte 1962. Als sicher darf aber auch
gelten, dass es seitens der Partei ursprünglich
nicht die Absicht gegeben hat, das Studio völlig
zu schließen, sondern es vielmehr staatlich
zu unterstellen: entweder dem DEFA-Studio
für populärwissenschaftliche Filme als eige-
ne Abteilung oder als selbstständigen Betrieb
der Hauptverwaltung Film im Ministerium für
Kultur. Beide Einrichtungen sträubten sich je-
doch vehement dagegen. Bedingt erst durch
eine gewisse Eigendynamik der Ereignisse
im Herbst 1962 wurde das DEWAG-Studio
schließlich Ende 1962 aufgelöst. Einen Großteil
des Equipments und eine Anzahl von Perso-
nal – u. a. exzellente Regisseure – übernahm
das DEFA-Studio für populärwissenschaftliche
Filme. Andere Mitarbeiter gründeten eigene
Existenzen als private Filmhersteller. Von den
Immobilien wurde lediglich das Gebäude in der
Prenzlauer Straße vom erwähnten DEFA-Stu-
dio übernommen und zunächst weiter genutzt.
Ob bereits 1962/63 oder mit dem Abriss we-
nige Jahre später, wahrscheinlich ist, dass der
gesamte Film- und Schriftgutbestand auf dem
Müll landete. Eine geschlossene Überlieferung
zumindest ist heute nicht erkennbar, auch eine
komplette Filmografie existiert nicht. Anhand
zeitgenössischer Fachliteratur und spärlicher
Akten- wie Filmfunde lässt sich die Gesamt-
zahl der vom Studio produzierten Filme auf
ca. 700 schätzen. Lediglich 170 sind bisher
filmografisch nachweisbar. Davon sind nach
jetzigem Kenntnisstand etwa 45 in unter-
schiedlichen Archiven physisch überliefert,
der überwiegende Teil wohl im Sächsischen
Staatsarchiv (etwa 30 Titel).
Angenommen, die Abwicklung des auf DDR-
Ebene angesiedelten DEWAG-Studios wäre mit
einer regulären Sicherung der schriftlichen
und kinematografischen Konvolute einher-
gegangen, dann müsste sich dieser Bestand
auch im wiedervereinigten Deutschland an
zentraler Stelle befinden, z. B. via Staatlichem
Filmarchiv der DDR im Filmarchiv des Bundes-
archivs. Ersatzweise müsste er in der Stiftung
Archiv der Parteien und Massenorganisationen
der DDR (SAPMO), oder möglicherweise auch
über die DEFA-Stiftung recherchierbar sein,
der Idee folgend, dass der frühere Träger oder
ein Quasi-Nachfolger des Studios die Archi-
vierung übernommen haben könnten. Da dies
offenbar nicht der Fall ist, wäre – zweitens
– zu spekulieren, dass Belege für einzelne
DEWAG-Werbefilme in diversen Wirtschafts-
archivbeständen enthalten sein könnten. Die
Betriebe waren ja Auftrag- und Geldgeber für
die Filme zu den beworbenen Produkten. Drit-
tens schließlich dürften DEWAG-Werbefilme
dort überliefert sein, wo sie mit inhaltlichem
Bezug zur Verbreitung vorgehalten wurden: in
örtlichen Filmbeständen, die zum Verleih be-
stimmt waren. Und erst in letzter Linie wären
Werbefilme als Sammlungsgut relevant für ein
staatliches Archiv. Was hier am Beispiel der
Überlieferung des DEWAG-Filmstudios skiz-
ziert wurde, trifft in ähnlicher Form auf weitere
Filmhersteller zu, die für Auftraggeber produ-
ziert haben und deren Filme zur Verbreitung
bestimmt waren – nicht erst seit der DDR-Zeit,
sondern bereits seit den 1930er Jahren. Selbst
wenn ein Produktionsfilmbestand an zentraler
Stelle existiert, sind in lokalen und regionalen
Archiven noch Entdeckungen möglich.
Diesen Überlegungen folgend, ist nach den
Voraussetzungen zu fragen, unter denen
DEWAG-Werbefilme in den Beständen des
Sächsischen Staatsarchivs aufgefunden und
benutzt werden könnten. Dabei steht eine ers-
te Schwierigkeit im direkten Zusammenhang
zur erreichbaren Erschließungstiefe, denn bei
vielen kurzen Kinowerbetrailern sind weder
Produzenteneinblendung noch Titel oder Cre-
dits Bestandteil des Filminhalts. Einzeichnun-
gen auf dem Startband und Angaben auf der
Filmdose, soweit überhaupt erhalten, sind häu-
fig sprachlich verkürzt und durch Gebrauch
verstümmelt. Filmbegleitkarten, wie sie im
DDR-Kinobetrieb üblich waren, oder Kopien
der Filmzulassung werden nur selten in der
Filmdose vorgefunden. Somit sind die Origi-
naltitel zahlreicher Kurzfilme im Staatsarchiv
unbekannt. Es wurden stattdessen Archivtitel
neu formuliert. Weitere Unschärfen ergeben
sich für die Zuordnung zum Produzenten, für
die Nennung der Autoren und die Datierung.
Selbst externe Quellen wie Filmportal & Co.
sind bei Kurzfilmen und Auftragsproduktionen
nicht sehr ergiebig. So rückt die Bearbeitung
bestimmter professioneller Filme im Staats-
archiv in die vertraute Nachbarschaft dessen,
was auch sonst Probleme bereitet: Medien
ohne Werkcharakter, etwa Mitschnitte und
Rohmaterialien ohne Formaldaten sowie un-
zureichend belegte, unikale örtliche Medien-
produktionen. Die Datierung kann in solchen
Fällen häufig anhand der DDR-typischen Par-
teitage, Kongresse, Jahrpläne usw. eingegrenzt
werden; bei kommerziellen Werbefilmen je-
doch wird auch dieser Weg scheitern. Immer-
hin ist für das DEWAG-Studio zuverlässig zu
behaupten, dass alle seine zeitgenössischen
Materialien nicht auf Wolfener Filmmaterial
der Monopolmarke ORWO vorliegen können,
weil die Auflösung des Studios noch vor der
1964/65 erfolgten Einführung dieses Waren-
zeichens lag.
Eine zweite Besonderheit beim Recherchieren
nach DEWAG-Werbefilmen im Sächsischen
Staatsarchiv liegt darin, dass sie als Einzelob-
jekte in zehn unterschiedlichen, überwiegend
schriftbasierten Archivgutbeständen enthal-
ten sind. Diese fallen wiederum in die Zustän-
digkeit von drei unterschiedlichen Archivabtei-
lungen, angesiedelt in Leipzig, Dresden und
Chemnitz. Im Unterschied z. B. zu Schleswig-
Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Nord-
rhein-Westfalen oder Baden-Württemberg,
wo der Bündelung in Landesfilmsammlungen
der Vorzug gegeben wurde, archiviert Sachsen
die AV-Archivalien im Kontext des jeweiligen
klassischen Archivgutbestandes und dement-
sprechend sind sie auch auffindbar. Ist ein
Benutzungsvorhaben jedoch nicht auf einen
konkreten Archivgutbestand, sondern auf
filmografische, gestalterische oder inhaltliche
Aspekte fokussiert, wie beispielsweise auf den
Filmproduzenten DEWAG-Studio, kann nur
eine abteilungs- und bestandsübergreifende
Recherche sinnvolle Ergebnisse liefern. Genau
diese Herangehensweise wird demnächst einer
breiteren Öffentlichkeit zugänglich, sobald die
Onlinestellung der AV-Erschließungsdaten des
Sächsischen Staatsarchivs weiter vorange-
schritten ist.
Schließlich ist zu fragen, ob die oben ausge-
führten Erwartungen zur möglichen Überlie-
ferung von DEWAG-Werbefilmen in der Praxis
des Staatsarchivs zutreffen. Eine genauere
Betrachtung der Fundorte zeigt, dass bisher
nur ein einziger DEWAG-Studio-Werbefilm in
der Bewegtbildsammlung identifiziert wurde.
Ein Drittel der Filme ist tatsächlich in den Be-
ständen früherer Auftraggeber in Form von
35mm-Belegkopien überliefert. Produktions-
Vorstufen und Rest-Materialien kommen in
der Regel nicht vor, sind wohl mit dem Studio
untergegangen. Als Auftraggeber sind neben
der Konsum-Genossenschaft Dresden und den
erzgebirgischen Textilfabriken vor allem Wirt-
schaftseinrichtungen rund um den Kraftfahr-
zeug- und Gerätebau im Karl-Marx-Städter
Raum sowie ein Leipziger Literaturversand zu
nennen. Die restlichen, fast zwei Drittel der
Titel sind hingegen als – teils abgespielte –
Kinokopien im Filmbestand der DDR-Land-
wirtschaftsausstellung agra (Bestand 20314)
enthalten, die hier in ihrer Eigenschaft als Dis-
tributor agierte. Erwartungsgemäß beziehen
sich alle diese Titel auf die Landwirtschaft der
DDR, meist auf Landmaschinen. Die agra hatte
neben ihren Eigenproduktionen Filme anderer
Hersteller aus der DDR und anderen Ostblock-
ländern im Bestand, um sie zu verleihen oder in
ihren Ausstellungen zu präsentieren, darunter
eben auch DEWAG-Werbefilme.
So befindet sich im agra-Bestand beispiels-
weise eine Kopie des Titels „Er lebt mit Tieren“
(AV 20314-165) von 1957, ein Werbefilm für
landwirtschaftliche Berufe wie Rinderzüch-
ter oder Facharbeiter für Schweine- bzw.
Geflügelzucht. Mit fiktionalen Elementen an-
gereichert, sollte der Film augenscheinlich über
die Nutzung der kleinen Spielszenen emotio-
nale Hemmschwellen Jugendlicher zur Ergrei-
fung solcher Berufe aus dem Weg räumen und
Motivationen aktivieren. Inszeniert hatte den
Streifen der wohl wichtigste Filmregisseur in
der Werbebranche der DDR, der Berliner Hans-
Günther Kaden. Er wurde nach der Liquidati-
on des DEWAG-Studios privater Filmhersteller
und realisierte mit seiner Firma „Werbefilm
Berlin“ bis 1991 mehr als 200 längere Wirt-
schaftsfilme sowie etwa 500 Werbespots aus
allen Bereichen. Im Staatsarchiv ist mit „Tag
für Tag …“ (AV 20314-166) von Kaden ein wei-
terer Beratungsfilm für landwirtschaftliche
Berufe aus dem gleichen Jahr überliefert. Ein
anderer Regisseur, der wenig später ebenfalls
Gegenüberstellung von zwei Standbildern aus dem Film
„Getreidelagerung Saatgutaufbereitung Heubelüftung“
(Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Leipzig, 20314
agra-Landwirtschaftsausstellung der DDR, Markklee-
berg, AV 20314-0818)

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in die Selbstständigkeit ging, war der Chem-
nitzer Alfred Siegert. Siegert, der schon vor
dem Krieg in Siegmar produzierte und u. a.
bei Leni Riefenstahls Olympia-Film von 1936
im Kamerateam vertreten war, gehörte mit
seinem geretteten Equipment unmittelbar
nach Kriegsende zu den Aufbaupionieren der
sächsischen Filmindustrie. Bei der DEWAG war
er von 1958 bis zum Ende des Studios ange-
stellt, wo er sich ebenfalls mit Titeln zur „Agrar-
propaganda“ einbrachte. Überliefert ist von
ihm im Sächsischen Staatsarchiv z. B. ein Wer-
be- und Instruktionsfilm über neue Entmis-
tungstechnologien in der Landwirtschaft von
1962: „Entmistungsanlagen“ (AV 20314-431),
mit genauer Beschreibung einzelner Verfahren
und Geräte einschließlich deren Bedienung.
Von einem ungenannten Regisseur stammt ein
Instruktionsfilm mit etwas sperrigem Titel und
nicht minder sperrigem Inhalt: „Getreidelage-
rung Saatgutaufbereitung Heubelüftung“ (AV
20314-818), entstanden um 1961. Hier wurden
unter Big-Band-Klängen „neue Technologien
der Körnerbergung, -trocknung und -lagerung“
zelebriert und der Versuch aufgezeigt, durch
Mechanisierungsprozesse schwere körperliche
Arbeit in der Landwirtschaft zu minimieren, ein
seinerzeit hochaktuelles Thema in der DDR.
Freilich konnte die etwas dröge Darstellung
nur wenig aufgelockert werden durch häufig
eingeblendete technische Zeichentrickdarstel-
lungen, welche die nicht unkomplizierten Ab-
läufe eigentlich begreifbarer machen sollten,
aber nur noch mehr zur Verwirrung beitrugen.
Allen genannten Titeln war gemeinsam, als
Viertelstünder die laut Lizenz limitierte Län-
ge von 150 Metern deutlich überschritten zu
haben. Solche Beispiele trugen dem DEWAG-
Studio des Öfteren Schelte ein. Aber auch
ideologische Kritik am Studio, das sich mit
seinen Exportwerbefilmen immer wieder auf
Westterrain bewegen musste, wurde laut, so
beispielsweise geäußert von Vertretern des
DEFA-Studios für populärwissenschaftliche
Filme nach einer Informationsvorführung
von Auslandswerbefilmen der DDR in Berlin
im Dezember 1957, wonach in den präsen-
tierten DEWAG-Titeln nichts „über unsere
gesellschaftliche Ordnung in der DDR oder
über die DDR überhaupt“ ausgesagt worden
sei (Bundesarchiv, DR 1/4041). In der erwähn-
ten Vorführung gab es zudem einen Film zu
sehen, der heute glücklicherweise auch im
Sächsischen Staatsarchiv überliefert ist: „Gute
Fahrt“ (Bestand 30918 VVB Automobilbau,
Karl-Marx-Stadt, AV 30918-001), ein schö-
nes Beispiel zur DDR-Automobilindustrie, die
sich damals gerade kühn und selbstbewusst
aufrappelte. Zu höchstem Glanz poliert und
kraftvoll zur Weltspitze vorpreschend, werden
in bunten Bildern die Typen „P 70“ und „Wart-
burg“ vorgestellt, freilich auch in Szenerien, die
nicht alle glücklich stimmten. „Ein verlogener
Film, der von Einstellungen, die in Westber-
lin und Westdeutschland gedreht wurden,
lebt“, hielt man dem Studio seinerzeit nach
der erwähnten Filmschau vor. Und tatsächlich
staunt der Betrachter nicht schlecht, wenn
er den als stromlinienförmigen Rennwagen
verkleideten „Wartburg“ auf einer bundesdeut-
schen Rennpiste dahinflitzen oder die „form-
schöne und schnittige“ Limousine gleichen
Typs vor der West-Berliner Siegessäule und
einer Filiale der „Berliner Bank“ paradieren,
schließlich gleich zweifach vor dem Pariser
Varieté Folies-Bergère vorbeiziehen sieht. Sie
wird gefolgt vom „P 70“ auf „Testfahrt durch
Ägypten“, eingeschnitten aus dem gleichnami-
gen Film des DEFA-Studios für Wochenschau
und Dokumentarfilme (AV 30918-002). Wie ein
kurzes Pendant dazu mutet der drei, vier Jahre
später gedrehte Ein-Minuten-Spot „Wartburg
de luxe“ (AV 30929-006) an, der mit plakativ
westlichem Lebensstil „elegant und schnell“
die Kundengemeinde vor allem jenseits des
Eisernen Vorhangs anzulocken suchte.
Auch die wenigen überlieferten Modewerbe-
filme des Studios waren sichtlich bemüht,
sich dem Life-Style anzupassen, wie der
heute im Bundesarchiv liegende Spot „Das
sind Preise …“ oder die vom Sächsischen
Staatsarchiv verwahrte kleine Kostbarkeit
„Konsum-Frühjahrsmoden“ (13300 Konsum-
Genossenschaftsverband Bezirk Dresden,
AV 13300-001; beide 1957/58). Hingegen
erscheint das zur gleichen Zeit entstandene
Werk mit dem Titelmonstrum „Soziale Ein-
richtungen aus Betrieben der Volkseigenen
Landmaschinenindustrie der Deutschen De-
mokratischen Republik“ (AV 20314-0445) eher
der herrschenden Staatsdoktrin angepasst,
indem die seinerzeit stets gehuldigte „Einheit
von Arbeits- und Lebensbedingungen“ durch
die Vorstellung von Wohnkomplexen, Kinder-
gärten, Werkskantinen, Betriebsambulanzen
und Ferieneinrichtungen untermauert werden
sollte (als Kommentarsprecher der beliebte
DDR-Mime Gerry Wolff). Den vermutlich ur-
sprünglich angedachten Titel „Unsere Sorge
um den werktätigen Menschen“ empfanden
die Filmemacher dann aber wahrscheinlich
doch als zu klischeehaftes Parteideutsch.
Technischen Fortschritt à la DDR offerierten
weitere, zur etwa gleichen Zeit fertiggestellte
und im Sächsischen Staatsarchiv erhaltene
Titel: Im Imagefilm „RFT VEB Gerätewerk Karl-
Marx-Stadt“ (30971 VEB Gerätewerk Karl-
Marx-Stadt und Vorgänger, AV 30971-010)
arbeiten „lebensfrohe Menschen“ (so der Kom-
mentar) an der „Herstellung elektrischer Geräte
höchster Präzision“, wie Schreibmaschinen und
Fernschreiber. Wen wundert’s, dass es dann
auch noch bei den Sozialeinrichtungen zur
Freizeit- und Feriengestaltung stimmt.
Während in „Treffsicher“ (AV 20314-0717) von
Alfred Siegert eher die Tradition der Suhler
Waffenschmiede gepriesen wird, demonstrie-
ren in „Motorenballade“ (30929 VEB IFA-Kom-
binat Personenkraftwagen Karl-Marx-Stadt
und Nachfolger, AV 30929-009) Moritaten-
sänger – dargestellt u. a. vom seinerzeit in der
DDR bekannten Schauspieler Werner Lierck –
wie’s geht, wenn man mühevolle körperliche
Arbeit mit moderner Technik beseitigen wolle:
Einbaumotoren EL 150 und EL 308 aus dem
VEB Barkaswerke Karl-Marx-Stadt müssen her!
Neben diesen Realfilmen besann sich das
DEWAG-Studio schon zeitig der deutschen
Traditionen der Einbeziehung des Animations-
films in die Werbung. Auch hierzu kann das
Sächsische Staatsarchiv mit eigenen Beispielen
aufwarten: Bereits 1954 produzierte das Film-
studio gemeinsam mit der Firma „Koboldfilm“
des privaten Herstellers Ernst Uchrin den dem
Stil Hans Fischerkoesens nachempfundenen
Zeichentrickfilm „Eine Duftnovelle“ (13782
Sammlung Bewegtbilder, AV 13782-200), in
dem ein in Waldgefilden angesiedeltes kleines
Märchen Decenta-Parfüme aus Döbeln bewirbt.
Ab 1958 baute der aus dem Dresdner DEFA-
Trickfilmstudio kommende Herbert K. Schulz
gemeinsam mit dem Kamera mann Erich
Günther eine Puppentrickproduktion im Studio
auf (sie war im Gebäude in der Rosenthaler
Straße beheimatet) und brachte damit nicht
zuletzt Dresdner Know-how nach Berlin. Nach
dem Weggang von Schulz in den Westteil der
Stadt übernahm von Beginn 1961 an der wohl
wichtigste Animationsfilmregisseur der DDR,
Kurt Weiler, diese Strecke (auch er war zuvor
in Dresden tätig). Er hinterließ zumindest einen
nachweisbaren Streifen im Archiv, eine kleine
und liebenswerte Huldigung des damals sehr
geschätzten Multifunktionstraktors „RS 09“ (AV
20314-031, 1962), für die er sehr wahrschein-
lich bereits Figurenentwürfe des später nam-
haften Bühnenbildners und Theaterregisseurs
Achim Freyer einbezog. Einen personifizierten
„Geräteträger“ RS 09 nutzte zudem Klaus Ge-
orgi für seine kleine Zeichentrickfama um die
Entstehung und Anwendungsmöglichkeiten
des Traktors in „Nicht vom Himmel gefallen" (AV
20314-490/01, um 1962), die der im Dresdner
Studio festangestellte Filmemacher ganz of-
fensichtlich als freie Auftragsarbeit ausführte.
Das Sächsische Staatsarchiv bereitet sich seit
2017 darauf vor, in größerem Umfang kine-
matografisches Archivgut im Internet zu ver-
öffentlichen, darunter auch die Eigenproduk-
tionen des agra-Filmstudios. Die im gleichen
und weiteren Beständen überlieferten Filme
des DEWAG-Filmstudios dürften hingegen
nur durch den Inhaber der Verwertungsrechte
online präsentiert werden. Ihre Direktbenut-
zung in den Lesesälen des Sächsischen Staats-
archivs ist jedoch zulässig.
Stefan Gööck
(Archivzentrum Hubertusburg) /
Volker Petzold
(Freier Publizist, Berlin)
Standbilder aus dem Film „Nicht vom Himmel gefallen“
(Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Leipzig, 20314
agra-Landwirtschaftsausstellung der DDR, Markklee-
berg, AV 20314-0490)
Standbilder aus dem Film „Gute Fahrt“ (Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Chemnitz, 30918 VVB Automobilbau, Karl-Marx-Stadt, AV 30918-001)
Standbilder aus dem Film „RFT VEB Gerätewerk Karl-Marx-Stadt“ (Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Chemnitz,
30971 VEB Gerätewerk Karl-Marx-Stadt und Vorgänger, AV 30971-010)
Standbild aus dem Film „Duftnovelle“ (Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden, 13782 Sammlung
Bewegtbilder, AV 13782-200)

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Sächsisches Archivblatt Heft 1-2018 | 22
Sächsisches Archivblatt Heft 1-2018 | 23
Das neue Kulturgutschutzgesetz
Am 6. August 2016 ist das Kulturgutschutzge-
setz (KGSG) in Kraft getreten. In diesem Gesetz
sind wichtige Regelungsmaterien sowohl für
Kulturgüter im Inland als auch für auslän-
dische Kulturgüter, die unrechtmäßig nach
Deutschland verbracht werden, erstmals in
einem Gesetz geregelt. Das KGSG löst das Ge-
setz zum Schutz deutschen Kulturgutes gegen
Abwanderung sowie das Kulturgüterrückgabe-
gesetz ab. Außerdem werden mit dem KGSG
die Richtlinie 2014/60/EU vom 15. Mai 2014
zur Rückgabe von unrechtmäßig verbrachtem
Kulturgut innerhalb des EU-Binnenmarktes
und das UNESCO-Übereinkommen von 1970
über Maßnahmen zum Verbot und zur Verhü-
tung der rechtswidrigen Einfuhr, Ausfuhr und
Übereignung von Kulturgut umgesetzt.
I. Eine Begriffsbestimmung:
Archivgut = Kulturgut
Mit Inkrafttreten des KGSG trat unter anderem
das Gesetz zum Schutz deutschen Kulturgutes
gegen Abwanderung außer Kraft. Dieses re-
gelte die Eintragung von national wertvollem
Kulturgut und national wertvollem Archivgut
in zwei entsprechend bezeichnete Länderver-
zeichnisse. In der Vergangenheit wurde durch
diese Unterscheidung der Eindruck erweckt,
bei Archivgut handele es sich um eine eigene
Kategorie neben dem Kulturgutbegriff. Die
Unterscheidung ging auf Besonderheiten in
dem Gesetzgebungsverfahren aus den 1950er
Jahren zurück. Der ursprüngliche Gesetzent-
wurf sah für den Schutz von Archivgut ein
gegenüber den anderen Kulturgutkategorien
stark abweichendes Verfahren vor, so dass
zunächst eine begriffliche Abgrenzung und
rechtssystematische Trennung in unterschied-
lichen Abschnitten des Gesetzentwurfs vor-
genommen wurde. Obwohl die Unterschiede
während des Gesetzgebungsverfahrens nahe-
zu aufgegeben wurden, blieb die begriffliche
Abgrenzung erhalten.
Diese Abgrenzung gibt das KGSG nun end-
gültig auf. In § 2 Abs. 1 Nr. 10 KGSG ist
Kulturgut als jede bewegliche Sache oder
Sachgesamtheit von künstlerischem, ge-
schichtlichem oder archäologischem Wert
oder aus anderen Bereichen des kulturellen
Erbes definiert. § 2 Abs. 1 Nr. 16 KGSG be-
stimmt als „Sachgesamtheit“ mehrere zu-
sammengehörige Kulturgüter, insbesondere
Archivbestände, Bibliotheksbestände, Nach-
lässe, Sammlungen oder Teile davon. Diese
Begriffsbestimmungen stehen nun auch in
Einklang mit archivgesetzlichen Regelungen
zur Kulturguteigenschaft von Archivgut, wie
zum Beispiel in § 8 Abs. 4 des Archivgesetzes
für den Freistaat Sachsen (SächsArchivG). Die
Vorschrift bestimmt, dass Archivgut im Sinne
des SächsArchivG Bestandteil des Landes-
kulturgutes und seine Veräußerung verboten
ist. Ziel dieser Regelung ist es unter anderem,
einen Zusammenhang zu Artikel 11 Abs. 3
Sächsische Verfassung herzustellen, der als
Staatszielbestimmung „Denkmale und andere
Kulturgüter“ unter den Schutz und die Pflege
des Landes stellt, für dessen Verbleiben in
Sachsen sich das Land einsetze.
Die Möglichkeit, Archivgut und andere Kul-
turgüter in ein Landesverzeichnis national
wertvollen Kulturgutes einzutragen, wurde
im KGSG im Übrigen in den §§ 14 bis 17 bei-
behalten. Die materiell-rechtlichen Voraus-
setzungen einer Eintragung sind in § 7 KGSG
allerdings deutlich detaillierter geregelt als
vormals im Gesetz zum Schutz deutschen Kul-
turgutes gegen Abwanderung. Das Kulturgut
muss einerseits besonders bedeutsam für das
kulturelle Erbe Deutschlands, der Länder oder
einer seiner historischen Regionen und damit
identitätsstiftend für die Kultur Deutschlands
sein, andererseits muss seine Abwanderung
einen wesentlichen Verlust für den deutschen
Kulturbesitz bedeuten und deshalb sein Ver-
bleib im Bundesgebiet im herausragenden
kulturellen öffentlichen Interesse liegen. Wie
bisher, besteht für Kulturgut, das in Landes-
verzeichnis national wertvollen Kulturgutes
eingetragen werden soll, während des Eintra-
gungsverfahrens ein absolutes Ausfuhrverbot
(§ 21 Nr. 1 KGSG).
II. Was ändert sich für Archive als
Kulturgut bewahrende Einrichtungen?
Für die Kulturgut bewahrenden Einrichtun-
gen, insbesondere für Archive, Bibliotheken
und Museen des Bundes, der Länder und der
Kommunen, führt das KGSG neue Schutz-
mechanismen für Kulturgüter ein, mit denen
Genehmigungserfordernisse, zum Beispiel bei
einer Ausleihe ins Ausland, einhergehen.
Die wichtigsten Regelungen für diese Einrich-
tungen sind:
1.
Die Einführung des Begriffs des „Nationalen
Kulturgutes“ in § 6 KGSG
§ 6 KGSG führt den Begriff des „nationalen
Kulturgutes“ neu ein. Damit sollen deutlich
mehr Kulturgüter als bisher einen besonderen
Schutzstatus für den Fall der illegalen Ausfuhr,
zum Beispiel nach einem Diebstahl, erhalten.
Bisher hatten diesen Schutzstatus lediglich
Kulturgüter, die in die Länderverzeichnisse
national wertvollen Kulturgutes bzw. nati-
onal wertvoller Archive eingetragen waren.
Nach der Neuregelung ist „nationales Kultur-
gut“ auch Kulturgut, das sich in öffentlichem
Eigentum und im Bestand einer öffentlich-
rechtlichen Kulturgut bewahrenden Einrich-
tung befindet (§ 6 Abs. 1 Nr. 2 KGSG) oder sich
im Eigentum und im Bestand einer Kulturgut
bewahrenden Einrichtung befindet, die über-
wiegend durch Zuwendungen der öffentlichen
Hand finanziert wird (§ 6 Abs. 1 Nr. 3 KGSG).
Durch diese beiden Kategorien erhalten nahe-
zu alle Kulturgüter, die in Archiven, Bibliothe-
ken und Museen des Bundes, der Länder und
der Kommunen verwahrt werden, den beson-
deren Schutzstatus als nationales Kulturgut.
Voraussetzung ist lediglich, dass das Kulturgut
in einem Bestandsverzeichnis, einem Inventar,
einem Findbuch oder einem vergleichbaren
Verzeichnis der Einrichtung erfasst ist. Durch
die Regelung in § 6 Abs. 1 Nr. 3 KGSG sollen
Einrichtungen erfasst werden, die privatrecht-
lich zum Beispiel als GmbH oder Stiftung orga-
nisiert sind, aber vollständig oder überwiegend
– zu mehr als 50 % – durch Bund, Länder oder
Kommunen finanziert werden.
Der besondere Schutzstatus besteht im Fall
einer unzulässigen Ausfuhr von Kulturgütern
dieser Einrichtungen in europarechtlich (RL
2014/60/EU) oder völkerrechtlich (UNESCO-
Übereinkommen von 1970) geregelten Rück-
gabeansprüchen, die neben zivilrechtliche An-
sprüche aus dem Eigentum an den Objekten
treten und von diesen unabhängig sind. Die
Verjährungszeit für diese öffentlich-recht-
lichen Rückgabeansprüche beträgt 75 Jahre
und ist damit mehr als doppelt so lang als
die zivilrechtliche Verjährungsfrist nach deut-
schem Recht. Außerdem werden diese Rück-
gabeansprüche für die Einrichtung bzw. deren
Träger durch die Bundesrepublik Deutschland
im Ausland geltend gemacht (§§ 69, 70 KGSG).
Damit werden die Schutzmechanismen der
EU-Richtlinie und des UNESCO-Übereinkom-
mens erstmals im deutschen Recht für eine
größtmögliche Anzahl an Kulturgütern aus-
geschöpft.
2. Die Genehmigungspflicht bei der Ausfuhr
von nationalem Kulturgut (§ 22–26 KGSG)
Mit dem Schutzstatus als nationales Kultur-
gut gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 2 und 3 KGSG geht
die Einhaltung von Genehmigungspflich-
ten im Fall einer Ausfuhr des Kulturgutes in
europäische oder außereuropäische Länder
einher. Praktische Bedeutung hat insbeson-
dere die Verpflichtung, eine Genehmigung für
eine vorübergehende Ausfuhr des nationalen
Kulturgutes, zum Beispiel bei einer Ausleihe
zu Ausstellungszwecken, einzuholen. Gemäß
§ 2 Abs. 1 Nr. 18 Buchstabe a) KGSG ist eine
Ausfuhr „vorübergehend“, wenn diese den
Zeitraum von fünf Jahren nicht überschreitet.
Längere Ausfuhren gelten als „dauerhaft“ und
unterliegen der Genehmigungspflicht gemäß
§ 23 KGSG.
Zuständig für die Erteilung der Genehmi-
gung zur vorübergehenden Ausfuhr ist die
oberste Landesbehörde des Landes, in dem
sich das Kulturgut im Sinne von § 6 Abs. 1
Nr. 2 oder 3 KGSG zum Zeitpunkt der An-
tragstellung befindet. Im Freistaat Sachsen
wurde die Behördenzuständigkeit durch eine
Verordnung der Sächsischen Staatsregierung
und des Sächsischen Staatsministeriums für
Wissenschaft und Kunst über Zuständigkeiten
nach dem Kulturgutschutzgesetz (Sächsische
Kulturgutschutzgesetz – Zuständigkeitsver-
ordnung – SächsKGSGZuStVO) vom 22. Juni
2017 (SächsGBl. S. 368) festgelegt. In die-
sem Zusammenhang ist zu beachten, dass
durch das KGSG relativ viele Zuständigkeiten
unmittelbar den obersten Landesbehörden
zugewiesen werden und nur wenige Zustän-
digkeiten an nachgeordnete Behörden de-
legierbar sind. Dem entsprechend weist die
SächsKGSGZuStVO dem Staatsministerium
des Innern – entsprechend der geltenden
Ressortzuständigkeit – die Zuständigkeit für
Archivgut und dem Staatsministerium für
Wissenschaft und Kunst die Zuständigkeit für
Kulturgut außer Archivgut zu. Archivgut im
Sinne dieser Verordnung sind Archivgut und
archivwürdige Unterlagen gemäß § 2 Abs. 1
und 2 SächsArchivG.
Ausleihe für eine Ausstellung im Rijksmuseum Amsterdam (Ausschnitt aus dem Niederländischen Festungsatlas (sogenannter Robles-Atlas), um 1579/1585, Bl. 18, Darstellung
von Kämpfen um Stavoren in Friesland (Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden, 12884 Karten und Risse, Schr. 26, F. 96, Nr. 10)

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Sächsisches Archivblatt Heft 1-2018 | 25
Öffentliche Archive im Freistaat Sachsen, die
planen, Archivgut aus ihrem Bestand ins eu-
ropäische oder außereuropäische Ausland zu
verleihen, müssen demnach im Vorfeld der
Ausleihe rechtzeitig eine entsprechende Aus-
fuhrgenehmigung beim Sächsischen Staatsmi-
nisterium des Innern (Referat 15 – Justiziariat,
Datenschutz, Archivwesen, Statistik) einholen.
Kulturgut bewahrende Einrichtungen, die re-
gelmäßig Teile ihrer Bestände vorübergehend
für öffentliche Ausstellungen, Restaurierun-
gen oder Forschungszwecke ausführen, kann
auf Antrag für die Dauer von fünf Jahren auch
eine sog. allgemeine offene Genehmigung ge-
mäß § 25 KGSG erteilt werden, die für alle
Ausfuhren innerhalb des Zeitraums gilt. Für
ein einzelnes Kulturgut, das regelmäßig ins
Ausland verliehen wird, kann die oberste Lan-
desbehörde der besitzenden Einrichtung auf
Antrag aber auch eine sog. spezifische offene
Genehmigung erteilen, die sich nur auf das
konkrete Kulturgut bezieht. Beide Instrumente
wurden eingeführt, um den internationalen
Leihverkehr zu vereinfachen und einen hohen
Verwaltungsaufwand zu vermeiden.
Die Genehmigungspflicht der Ausfuhr von
Kulturgütern, die nicht nationales Kulturgut
im Sinne von § 6 KGSG sind, hängt von be-
stimmten Alters- und Wertgrenzen ab und ist
im Einzelnen in § 24 KGSG geregelt. Davon be-
troffen sind insbesondere Kulturgüter, die sich
im privaten Eigentum befinden oder nicht in
dem Bestand einer Einrichtung des Bundes, der
Länder oder der Kommunen verzeichnet sind.
3. Der optionale Schutz privater Leihgaben in
öffentlichen Einrichtungen (§ 6 Abs. 2 KGSG)
Die Einbeziehung privater Leihgaben in den
unter II. 1 beschriebenen besonderen Schutz-
status der Kulturgüter in öffentlichen Einrich-
tungen war in der medienwirksam geführten
Diskussion während des Gesetzgebungsver-
fahrens einer der größten Kritikpunkte am
KGSG. Private Leihgeber, wie zum Beispiel
der Künstler Georg Baselitz, befürchteten
ein generelles Exportverbot und damit eine
Einschränkung des Handels mit ihrer Kunst.
Diese Einschätzung übersah allerdings die Dif-
ferenzierung zwischen Kulturgut, das in ein
Verzeichnis national wertvollen Kulturgutes
eingetragen ist (§ 6 Abs. 1 Nr. 1 KGSG) und
Kulturgut, das sich „nur“ im Bestand einer öf-
fentlich-rechtlichen Kulturgut bewahrenden
Einrichtung befindet (§ 6 Abs. 1 Nr. 2 und 3
KGSG). Hinzu kam mutmaßlich ein Missver-
ständnis der komplexen europarechtlichen und
völkerrechtlichen Regelungszusammenhänge.
Im Ergebnis des Gesetzgebungsverfahrens
wurde in § 7 Abs. 1 Satz 2 KGSG klargestellt,
dass Werke lebender Urheber oder Hersteller
nur mit deren Zustimmung in ein Verzeichnis
national wertvollen Kulturgutes eingetragen
werden dürfen. Außerdem wurde mit § 6 Abs. 2
KGSG eine Regelung in Kraft gesetzt, die zwar
den Leihgebern eine Wahlmöglichkeit lässt, ob
ihr Kulturgut in die Schutzmechanismen als na-
tionales Kulturgut einbezogen werden soll, den
Kulturgut bewahrenden Einrichtungen und der
zuständigen Landesbehörde dafür aber einen
relativ hohen Verwaltungsaufwand aufbürdet.
§ 6 Abs. 2 KGSG sieht vor, dass private Leih-
gaben oder Deposita nur mit Zustimmung
des Verleihers oder Deponenten vorüberge-
hend für die Dauer des Leih- oder Deposi-
talvertrages als nationales Kulturgut gelten.
Diese Zustimmung ist jederzeit widerrufbar.
Im Vorfeld der Zustimmungserklärung ist die
Kulturgut bewahrende Einrichtung verpflich-
tet, den Verleiher oder Deponenten über die
Rechtsfolgen des Verzichts auf den Schutz
als nationales Kulturgut nach den §§ 69 und
70 zu unterrichten.
Für öffentliche Archive wie für alle Kulturgut
bewahrenden Einrichtungen ist mit dem Ab-
schluss von Leih- und Depositalverträgen des-
halb seit Inkrafttreten des KGSG zwingend eine
Unterrichtung der Verleiher bzw. Deponenten
über einen Verzicht auf den Schutz als „nationa-
les Kulturgut“ verbunden. Sofern die Verleiher
bzw. Deponenten ihre Zustimmung darauf hin
schriftlich erklären, sind diese Zustimmungser-
klärungen gegenüber der zuständigen Behör-
de abzugeben. Gemäß § 2 SächsKGSGZuStVO
(siehe unter III.2) ist dieses im Bereich des Ar-
chivwesens im Freistaat Sachsen das Säch-
sische Staatsministerium des Innern (Referat
15 – Justiziariat, Datenschutz, Archivwesen,
Statistik). Nur für das Sächsische Staatsarchiv
besteht gemäß § 2 Abs. 3 SächsKGSGZuStVO
eine abweichende Zuständigkeit.
Zwischen den zuständigen Landesbehörden
und der Bundesbeauftragten für Kultur und
Medien besteht Einvernehmen, dass eine
Weiterleitung der Zustimmungserklärung
von der Kulturgut bewahrenden Einrichtung
an die zuständige Landesbehörde vom Wort-
laut des § 6 Abs. 2 KGSG gedeckt ist. Sofern
kommunale Archive und Hochschularchive im
Freistaat Sachsen Leih- oder Depositalverträge
abschließen und der Verleiher bzw. Deponent
eine entsprechende Zustimmungserklärung
gegenüber der Einrichtung abgibt, muss
diese Erklärung deshalb an das Sächsische
Staatsministerium des Innern weiter geleitet
werden, damit die gesetzlichen Regelungen
formal greifen können. Es empfiehlt sich, die-
ses Verfahren auch bei bereits bestehenden
Leih- oder Depositalverträgen zu durchlaufen,
da die betroffenen Archivbestände ansonsten
diesen Schutzstatus nicht erlangen können.
III. Das Internetportal zum
Kulturgutschutz in Deutschland
Die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien
wird durch § 4 KGSG verpflichtet, ein zentrales
Internetportal zur Unterrichtung der Öffent-
lichkeit und Herstellung von Transparenz im
Kulturgutschutz zu unterhalten.
Dieses Internetportal ist über die Adresse
www.kulturgutschutz-deutschland.de
zu
erreichen. Auf der Internetseite finden sich
wichtige Informationen – insbesondere:
– Nationale und internationale Rechtsgrund-
lagen zum Kulturgutschutzrecht,
– Formulare zu Anträgen nach den §§ 22 bis
26 KGSG (unter Service
Behörden und
Formulare),
– Publikationen und Merkblätter zum KGSG,
– Informationen über zuständige Behörden
und Ansprechpartner.
Auf der Seite steht unter anderem eine um-
fangreiche Handreichung der Bundesbeauf-
tragten für Kultur und Medien zum KGSG
zum Download zur Verfügung (unter Service
Publikationen und Merkblätter).
Silke Birk
(Sächsisches Staatsministerium
des Innern)
Restituierte Gutsarchive und „neue“
Familienarchive im Staatsfilialarchiv Bautzen –
eine vorläufige Bilanz
Die Überlieferung der Grund- und Gutsherr-
schaften bildet eine der vielen Besonderhei-
ten des Sächsischen Staatsarchivs. Mit einem
Umfang von 4,3 Regalkilometern macht sie
zwar nur etwa 4 % des gesamten Magazinbe-
stands aus, dokumentiert aber die schriftlichen
Hinterlassenschaften von insgesamt rund
1 150 Rittergütern und Patrimonialgerichten.
Diese nahmen bis in die Mitte des 19. Jahrhun-
derts hinein bestimmte Aufgaben der lokalen
Verwaltung und Rechtspflege wahr. In ihren
Unterlagen spiegelt sich das Nebeneinander
von staatlicher und halbstaatlicher Herrschaft,
das die gesellschaftliche Verfassung und die
Alltagskultur im ländlichen Sachsen durch
viele Generationen prägte.
In einer solchen Vielfalt findet sich grundherr-
schaftliche Überlieferung allein in den Staats-
archiven der ostdeutschen Bundesländer. Dies
ist Folge des radikalen gesellschaftlichen Um-
bruchs, der sich seit Herbst 1945 auf dem Ge-
biet der späteren DDR vollzog: Neben landwirt-
schaftlichen Betrieben ab 100 ha Grundbesitz
wurden damals auch, unabhängig von ihrer
Größe, all jene Güter enteignet und an „land-
lose und landarme Bauern und Landarbeiter“
verteilt, die den Verantwortlichen, selbst wenn
sie inzwischen in bürgerlichen Besitz gelangt
waren, als „feudal-junkerlicher Boden“ galten.
Sämtliche Gutswirtschaften diffamierte man
pauschal als „Bastion der Reaktion und des
Faschismus“ und schaltete damit willkürlich
jeden Widerstand aus.
In Sachsen erließ die Landesverwaltung ihre
Verordnung über die „demokratische Bo-
denreform“, in deren Zug auch die in den
Schlössern und Gutshäusern befindlichen
Kunstgegenstände, Bücher und Archivalien
beschlagnahmt wurden, am 10. September
1945. Die „Anordnung über die Sicherstellung
und Verwertung des nichtlandwirtschaftlichen
Inventars der durch die Bodenreform enteig-
neten Gutshäuser“ vom 17. Mai 1946 leitete
anschließend die von den Bodenkommissionen
koordinierte Zusammenführung von Archiv-,
Bibliotheks- und Museumsgut in staatlichen
Kulturinstitutionen ein. Der zeitgenössische
Begriff der „Schlossbergung“ beschönigt er-
hebliche Kulturgutverluste, die mit der Verhaf-
tung und Zwangsdeportation der Eigentümer
und der gezielten Vernichtung historischer
Bausubstanz einhergingen.
Für die Archivalien war die Sicherung bis 1949
weitgehend abgeschlossen. Aus rund 1 200
größeren in Sachsen enteigneten Gütern ge-
langten etwa 440 Archive oder Archivreste
in das spätere Landeshauptarchiv (seit 1965
Staatsarchiv Dresden) und seine Außenstellen,
rund 40 in das 1954 errichtete Staatsarchiv
Leipzig. Oft konnten trotz engagierter Un-
terstützung durch Archivare und staatliche
Archivpfleger nur Splitter gerettet werden. Die
letzten versprengten Unterlagen kamen erst
viele Jahre später aus Gemeindeverwaltungen,
Forstämtern und anderen Zwischenstationen
in fachkundige Betreuung. Dabei wurde die
Überlieferung der „feudalen“ Grund- und
Gutsherrschaften in den Staatsarchiven der
DDR keineswegs gering geschätzt. Schon
bald ließ man ihr umfangreiche Ordnungs-
und Erschließungsarbeiten angedeihen, aus
denen sich eine rege archivwissenschaftliche
Diskussion und seit etwa 1970 eine vielfältige
Nutzung vor allem im Rahmen agrarhistori-
scher Forschungen entwickelte.
Nach der Wiedervereinigung legte das Aus-
gleichsleistungsgesetz vom 27. September
1994 fest, dass „natürliche Personen, die Ver-
mögenswerte [...] durch entschädigungslose
Enteignungen auf besatzungsrechtlicher oder
besatzungshoheitlicher Grundlage in dem in
Artikel 3 des Einigungsvertrages genannten
Gebiet (Beitrittsgebiet) verloren haben, oder
ihre Erben oder weiteren Erben (Erbeserben)“,
einen materiellen Ausgleich erhalten können
(§ 1 Abs. 1). „Bewegliche, nicht in einen Ein-
heitswert einbezogene Sachen“ sind auf An-
trag zu restituieren, sofern die vom Gesetz
vorgesehenen Bedingungen erfüllt sind (§ 5
Abs. 1 und 4). Für rund 50 Herrschafts- und
Gutsarchive, die das Sächsische Staatsarchiv
verwahrt, haben die Alteigentümer und deren
Rechtsnachfolger seitdem Anspruch auf eine
Rückübertragung ihrer Unterlagen angemel-
det. Bald 25 Jahre nach Verabschiedung des
Ausgleichsleistungsgesetzes sind fast alle Ver-
fahren, in die das Archiv bisher involviert war,
abgeschlossen. Dies gibt Anlass, ein vorläufi-
ges Resümee zu ziehen – um so mehr, als die
meisten Fälle in eine langfristige Kooperation
mit den alten und neuen Eigentümern gemün-
det sind, die den weiteren Verbleib ihrer histori-
schen Dokumente im Staatsarchiv ermöglicht,
und in einzelnen Fällen sogar zu ganz neuen
Formen der Zusammenarbeit geführt hat.
Besonders gilt dies für das Staatsfilialarchiv
Bautzen, das im Fokus dieses Beitrags steht
und zurzeit 2 779 Regalmeter Akten, 1 580
Urkunden und 7 026 Karten verwahrt. Mit der
Oberlausitz ist es für eine historische Region
zuständig, die von (adligen) Grundherrschaf-
ten stark geprägt war. Das Archivgut der be-
schlagnahmten Güter gelangte nach 1946
entweder direkt oder über das Landeshaupt-
archiv in Dresden dorthin. Ab 1949 setzte sich
der Bautzener Archivleiter, Dr. Martin Reuther,
systematisch für die Zusammenführung der
verstreuten Unterlagen ein. Bis weit in die
1970er Jahre verzeichnet das Zugangsbuch
noch Abgaben von Akten aus Gemeinden,
Kirchen, Museen und von Privatpersonen.
Seit den 1950er Jahren erschlossen Mitar-
beiterinnen und Mitarbeiter die meisten der
Gutsarchivbestände auf Karteikarten oder in
Findlisten.
Die provisorische Beständeübersicht für das
Staatsfilialarchiv, die Mitte der 1990er Jahre
erstellt wurde, verzeichnete knapp 110 „gebor-
gene“ Gutsarchive, die größtenteils aus dem
zu Deutschland gehörenden Teil der Oberlau-
sitz stammen. Zusammen mit den bereits vor
1945 in staatliches Eigentum übergegange-
nen Unterlagen der Patrimonialgerichte lassen
sich nach heutigem Kenntnisstand insgesamt
309 Grundherrschaften dokumentieren. Für
die heute polnischen Gebiete der Oberlausitz
ist lediglich ein umfangreicherer Bestand über-
liefert. Es handelt sich dabei um Niedermoys
(heute Ujazd, Gemeinde Zgorzelec). Dieses Gut
befand sich bis 1945 im Besitz der Stadt Görlitz.
Zum Bestand gehören 6,7 lfm Akten. Von den
Gütern Niederbellmannsdorf (heute Radzimów
Dolny) nordöstlich von Seidenberg (heute Za-
widów), Obergerlachsheim (heute Grabiszyce
Górne) westlich von Marklissa (heute Les´ na)
und Hermsdorf (heute Jerzmanki) zu Zgorzelec
gehörend, sind lediglich einzelne Archivalien
überliefert.
Bei 15 Gutsarchiven erhielten die ehemaligen
Besitzer ihre Archivalien auf Antrag restituiert.
Das Ausgleichsleistungsgesetz sieht jedoch
vor, bewegliches Kulturgut, das zwischenzeit-
lich „zur Ausstellung für die Öffentlichkeit“
bestimmt war, gegebenenfalls auch nach der
Rückübertragung „für die Dauer von 20 Jah-
ren unentgeltlich den Zwecken der Nutzung
seitens der Öffentlichkeit oder der Forschung“

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Sächsisches Archivblatt Heft 1-2018 | 26
Sächsisches Archivblatt Heft 1-2018 | 27
vorzubehalten (§ 5 Abs. 2). Die Möglichkeit
des unentgeltlichen öffentlichen Nießbrauchs,
der längstens bis zum 30. November 2014 in
Anspruch genommen werden konnte, nutzte
das Sächsische Staatsarchiv regelmäßig, um
während dieser Zeit mit den Anspruchsbe-
rechtigten über den weiteren Verbleib der
Archivalien zur verhandeln.
mit seinem Depositum, dass die Archivalien
auch künftig für die wissenschaftliche Aus-
wertung und andere interessierte Nutzer zur
Verfügung stehen. In einem Fall, dem Archiv
des Ritterguts Oppach, hat die Eigentümerin
ihre Akten dem Freistaat Sachsen nach der
Rückübertragung sogar geschenkt. Dazu zäh-
len wertvolle Dokumente über das Leben und
Wirken des sächsischen Konferenzministers
Gottlob Adolf Ernst von Nostitz und Jäncken-
dorf sowie seines Sohnes, des sächsischen
Innenministers Eduard Gottlob von Nostitz
und Jänckendorf.
Die ersten Depositalverträge im Bautzener Ar-
chiv wurden 2005 mit den Eigentümern der
Gutsarchive Prietitz (bei Elstra) und Baruth
geschlossen. Prietitz wurde erstmals 1248 als
Herrschaftssitz und 1406 als Rittersitz ur-
kundlich erwähnt. Lange Zeit war das Rittergut
im Besitz der Familie von Ponickau. 1771 ging
es an den letzten Landvogt der Oberlausitz
Hieronymus Friedrich von Stammer über. 1775
heiratete Ludwig Siegfried Reichsgraf Vizthum
von Eckstädt, Oberkammerherr des sächsi-
schen Königs, in die Familie ein. Um 1900 war
Prietitz im Besitz des Kammerherren Sahrer
von Sahr. Zum Archiv gehören 0,4 lfm Ak-
ten zu Gutswirtschafts- und Familiensachen.
Die Herrschaft Baruth war seit 1406 für über
400 Jahre im Besitz der Familie von Gersdorff,
ehe sie 1787 durch Heiraten an die Familie von
Hohenthal und 1810 an die Familie zur Lippe-
Weißenfeld gelangte. Der Bestand enthält
119 Urkunden, darunter die älteste Urkunde
des Staatsfilialarchivs von 1319, 22 lfm Akten
und 78 Karten. Hierzu zählen Zeugnisse des
Reichsgrafen Nicol II. von Gersdorff, der als
bedeutender sächsischer Beamter und kur-
fürstlicher Gesandter wirkte und von 1692 bis
zu seinem Tod das Amt des Oberlausitzer Land-
vogtes innehatte, sowie seiner dritten Ehefrau
Henriette Catharina von Gersdorff. Derzeit
gehören die Unterlagen der Johannes a Lasco-
Bibliothek in Emden, mit der das Staatsarchiv
einen Depositalvertrag abgeschlossen hat.
2015 wurde mit den Erben der Familie Nau-
mann ein Depositalvertrag über das Archiv
der Standesherrschaft Königsbrück geschlos-
sen. Es ist mit einem Umfang von 1 365 lfm
Akten, 136 Urkunden und einer Karte eine
der wichtigsten Quellensammlungen zur Ge-
schichte des Gebietes um Königsbrück aus
der Zeit von 1404 bis 1930. Überliefert sind
darin beispielsweise die Ersterwähnungsur-
kunde der Standesherrschaft Königsbrück
von 1562, Stadtrechnungen von Königsbrück
aus der Zeit kurz nach dem Dreißigjährigen
Krieg, Zeugnisse zur Geschichte bedeutender
sächsischer Adelsfamilien und der Beleg der
Gründung der ältesten Sparkasse Sachsens.
Ernennung Eduard Gottlobs von Nostitz und Jänckendorf zum Ritter des Russischen Heiligen Annen-Ordens I. Klasse von 1840 (Sächsisches
Staatsarchiv, Staatsfilialarchiv Bautzen, 50190 Gutsherrschaft Oppach, Nr. 32)
Weitere Depositalverträge kamen zwischen
2009 und 2013 mit den Archiveigentümern der
Standesherrschaft Muskau und der Rittergüter
Weidlitz-Pannewitz, Krobnitz, Pulsnitz, Ram-
menau und Neschwitz zustande. Keine Eini-
gung konnte bisher über die Gutsherrschaften
Brauna und Sohland a. d. Spree sowie über die
restituierten Teile der Gutsherrschaft Gaußig
erzielt werden. Da abgesehen von einzelnen
Akten bisher keine Rücknahme erfolgte, stehen
die Bestände derzeit weiter für eine Benutzung
zur Verfügung. Zurückgegeben wurden 2017
die Archivalien der Gutsherrschaft Großwel-
ka. In zwei Fällen wünschten die Eigentümer
nach der Restitution die Verlagerung ihrer bis
dahin in Bautzen verwahrten Archive: Das
Gutsarchiv Radibor, das überwiegend aus
Familienunterlagen bestand, wurde mit dem
Familiennachlass der Freiherren von Welck,
einem Depositum im Hauptstaatsarchiv Dres-
den, vereint. 2017 wurden die Urkunden zur
Herrschaft Weißkollm, die aus dem restitu-
ierten Gutsarchiv Bärenstein stammten, vom
Eigentümer zurückgenommen und auf dessen
Wunsch mit der Bärensteiner Überlieferung im
Archivverbund Pirna vereint, wo sie weiterhin
öffentlich zugänglich sind.
Die überwiegend gute Zusammenarbeit zwi-
schen Staatsarchiv und Eigentümern führte
inzwischen auch zu erfreulichen Neuent-
wicklungen. Hierfür steht unter anderem das
Archiv der Familie von Salza und Lichtenau.
Dieses lagerte bis 1945 im Schloss in Wuischke
bei Hochkirch. Zwischen 1957 und 1960 kamen
die enteigneten Archivalien vom damaligen
Sächsischen Landeshauptarchiv in das Lan-
desarchiv Bautzen. Nach dem letzten Fa-
milienbesitz erhielt der Bestand damals den
Namen „Gutsherrschaft Wuischke“. Zum Be-
stand gehörten 4 lfm Akten und 10 Urkunden,
darunter auch der von Kaiser Karl V. geneh-
migte und bestätigte Geschlechtsvertrag derer
von Salza über das Familienwappen und das
Kleinod vom 7. März 1540. 1998 bekam die
Familie ihr Eigentum wieder zugesprochen und
löste wertvolle Teile aus dem Bestand heraus.
Nach dem Tod von Hermann Freiherr von Salza
und Lichtenau (1939–2003) übernahm dessen
gleichnamiger Sohn mit dem Erbe auch die
Verantwortung über das Familienarchiv. Der
1978 geborene Jurist zeigte großes Interesse
an der Geschichte der Oberlausitz, promovierte
an der Universität Leipzig mit einer Disser-
tation zur Gerichtsverfassung der Oberlausitz
und führte mit dem Erwerb des Schlosses in
Drehsa bei Weißenberg seine Familie in die
alte Heimat zurück. 2011 verhandelte er den
bereits bestehenden Depositalvertrag neu.
Die 1998 entnommenen Archivalien wurden
zurückgeführt und die weitere Anreicherung
des Bestands mit Familiendokumenten verein-
bart. Die anschließende Neuverzeichnung hat
Dr. Hermann Freiherr von Salza und Lichtenau
mit regem Interesse begleitet. So wie sein eige-
nes Familienarchiv lag ihm auch das Schicksal
anderer Gutsarchive sehr am Herzen. Seine
Funktion als Mittler zwischen dem Staats-
archiv und den Familien des Oberlausitzer
Adels endete leider jäh durch einen Unfalltod
im September 2013.
Die positiven Auswirkungen der Kooperation
zwischen Staatsarchiv und Archivbesitzern
zeigt auch der im Februar 2014 abgeschlos-
sene Depositalvertrag mit der Familie von
Gersdorff. Deren Familienarchiv war um 1940
nach Schloss Wättrisch (heute Sololniki, Polen)
ausgelagert worden. Dort überdauerte es das
Kriegsende. Alle bisherigen Versuche, das
Archiv in Polen wieder aufzufinden, blieben
ergebnislos. Den Archivaren der weitverzweig-
ten Familie gelang es aber, eine umfangreiche
Sammlung zur Familiengeschichte aufzubau-
en, die nunmehr im Staatsfilialarchiv verwahrt
werden soll. Sie ist ein eindrucksvolles Beispiel
für die Suche nach ihrer verlorengegangenen
Geschichte. In enger Zusammenarbeit mit der
jetzigen Familienarchivarin wird der Bestand
gerade als „Familiennachlass von Gersdorff“
verzeichnet und so der Öffentlichkeit zugäng-
lich gemacht.
Insgesamt befinden sich heute 5,2 % der
Akten, 37,3 % der Urkunden und 2,9 % der
Karten und Pläne des Bestands des Staatsfilial-
archivs wieder im Privatbesitz der Alteigen-
tümer und deren Nachkommen. Im Verbund
mit den Akten der bereits 1856 in staatliche
Verantwortung überführten patrimonialen
Gerichtsbarkeit bieten sie eine einzigartige
Quellengrundlage für die landes- und heimat-
geschichtliche Forschung und ermöglichen es,
uns ein authentisches Bild von der „Lebens-
welt Grundherrschaft“ zu machen. Und noch
einmal sei es gesagt: Die einzigartig dichte
grundherrliche Überlieferung zählt aufgrund
ihrer spezifischen „DDR-Vergangenheit“ zu
den Alleinstellungsmerkmalen der ostdeut-
schen Staatsarchive. Der besondere Aufwand,
den das Sächsische Staatsarchiv für ihren Er-
halt und ihre Nutzbarmachung betreibt, lohnt
sich also.
Anja Moschke
(Archivverbund Bautzen,
Staatsfilialarchiv Bautzen) /
Peter Wiegand
(Hauptstaatsarchiv Dresden)
Erfreulicherweise entschlossen sich die meis-
ten der alten und neuen Eigentümer dazu,
ihren Besitz weiterhin im Staatsfilialarchiv zu
belassen. Hierzu wurden Depositalverträge
geschlossen, in denen sich das Staatsarchiv
zu einer kostenfreien Archivierung der Unter-
lagen verpflichtet. Der Eigentümer profitiert
damit von professionellen Dienstleistungen, zu
denen neben der Ordnung und Erschließung
auch die konservatorische Betreuung gehört.
Mit einem modernen Magazinneubau, der im
Jahr 2001 in Betrieb genommen wurde und
über zeitgemäße Sicherheits- und Klimatech-
nik verfügt, kann das Staatsarchiv auch an sei-
nem Standort in Bautzen beste Bedingungen
bieten. Seinerseits ermöglicht der Eigentümer

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Sächsisches Archivblatt Heft 1-2018 | 29
Notfallverbund Freiberg gegründet
Landauf, landab werden seit einigen Jahren
Notfallverbünde gegründet. Zu den Notfall-
verbünden Leipzig, Dresden und Oberlausitz
hat sich seit der zweiten Jahreshälfte 2017
mit dem Notfallverbund Freiberg ein weiterer
Zusammenschluss von kulturbewahrenden
Institutionen in Sachsen gesellt. Die Vorberei-
tungen begannen bereits im September 2014.
Mit Unterstützung des Notallverbunds Leipzig
und dessen Vorsitzender, Dr. Almuth Märker
(Universitätsbibliothek Leipzig), die zur ers-
ten Vorbereitungsbesprechung die Stationen
bei der Gründung eines Verbunds erläuterte,
fanden sich in Freiberg insgesamt 13 Einrich-
tungen zusammen:
– Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg
– Stadtarchiv Freiberg
– Stadtbibliothek Freiberg
– Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg
– Andreas-Möller-Bibliothek (Geschwister-
Scholl-Gymnasium Freiberg)
– Universitätsbibliothek „Georgius Agricola“
Univer
sit
ät
s
archiv
– Geowissenschaftliche Sammlungen der
TU Bergakademie Freiberg
– Kustodie der TU Bergakademie Freiberg
– Terra Mineralia
– Kreisarchiv des Landkreises Mittelsachsen
– Ephoralarchiv des Ev.-Luth. Kirchenbezirks
Freiberg
– Museum „Huthaus Einigkeit“ der Stadt
Brand-Erbisdorf
Diese Auflistung zeigt, dass Freiberg für ein
Mittelzentrum eine bemerkenswerte Anzahl
an Kulturinstitutionen beherbergt, darunter
allein vier öffentliche Archive, eine Univer-
sitätsbibliothek, eine öffentliche Bibliothek,
zwei öffentliche Museen und mehrere wissen-
schaftliche Sammlungen sowie weitere Ein-
richtungen von überregionaler Bedeutung, wie
beispielsweise die Andreas-Möller-Bibliothek.
Schon diese Dichte der Einrichtungen legt
eine Zusammenarbeit bei der Notfallpräven-
tion nahe.
Die Initiative ging vom Bergarchiv Freiberg aus.
Eine Notwendigkeit, in Notfällen institutionen-
übergreifend zusammen zu arbeiten, hatte sich
aus den Erfahrungen der Hochwasserereig-
nisse der Jahre 2002 und 2013 und kleineren,
lokal begrenzten Schadensfällen ergeben. In
Abständen von mehreren Monaten trafen sich
von nun an die Interessierten und bespra-
chen die Möglichkeiten und Aufgaben eines
zukünftigen Notfallverbunds. Sehr breiten
Raum nahm die Diskussion um die rechtliche
Ausgestaltung der Vereinbarung ein, die dann,
als die inhaltlichen Fragen geklärt schienen,
auch noch durch die Rechtsabteilungen der
beteiligten Mitglieder geprüft werden musste.
Am 9. August 2017 konnte die Vereinbarung
schließlich im Rahmen eines kleinen Fest-
akts im Lesesaal des Bergarchivs Freiberg im
Schloss Freudenstein unterzeichnet werden.
Unterzeichnung der „Vereinbarung zur Zusammenarbeit in Notfällen (Notfallverbund Freiberg)“ am 9. August 2017 im Lesesaal des Bergarchivs Freiberg. V. l.: Pfr. Hans Günter
Pötzsch, stv. Superintendent des Ev.-luth. Kirchenbezirks Freiberg; Dr. Andrea Wettmann, Direktorin des Sächsischen Staatsarchivs; Matthias Damm, Landrat des Landkreises
Mittelsachsen; Dr. Martin Antonow, Oberbürgermeister der Stadt Brand-Erbisdorf; Jens Then, amt. Rektor der TU Bergakademie Freiberg; Sven Krüger, Oberbürgermeister der
Stadt Freiberg (Foto Martina Walther)
Seitdem hat der Notfallverbund seine Arbeit
aufgenommen. Die „Arbeitsgruppe Notfall-
verbund“ mit Vertretern aller beteiligten juris-
tischen Personen wurde berufen, den Vorsitz
führt der Verfasser dieses Beitrags. Die erste
Aufgabe wird sein, dafür zu sorgen, dass alle
beteiligten Einrichtungen über einen Notfall-
plan verfügen. Eine wichtige Erkenntnis dabei
ist: Ein Notfallplan plant nicht den Notfall,
sondern verhindert, dass Notfälle katastropha-
le Folgen haben. Die Treffen finden abwech-
selnd bei den teilnehmenden Einrichtungen
statt, was dazu führt, dass nach und nach alle
die Unterbringungssituation der Kolleginnen
und Kollegen kennen lernen. Damit hat sich
schon jetzt – zusätzlich zu aller Facharbeit –
ein positiver Nebeneffekt eingestellt: Die Mit-
arbeiterinnen und Mitarbeiter der kulturgut-
verwahrenden Einrichtungen in Freiberg haben
sich kennen gelernt und können im Bedarfsfall
schnell Kontakt miteinander aufnehmen.
Kontakt:
Notfallverbund Freiberg
c/o Dr. Peter Hoheisel
Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg
Schloßplatz 4, 09599 Freiberg
Tel. 03731/394-600
E-Mail poststelle-f@sta.smi.sachsen.de
Peter Hoheisel
(Bergarchiv Freiberg)
Ein Blick in den Rückspiegel –
Die Lutherdekade im Sächsischen Staatsarchiv
Am 31. Oktober 2017 erreichte sie ihren Hö-
hepunkt – die von der Evangelischen Kirche
in Deutschland, Bund und Ländern gemeinsam
ausgerufene Lutherdekade. Seit 2008 stimm-
ten „Themenjahre“ auf das bevorstehende
500-jährige Reformationsjubiläum ein. „Zur
angemessenen Vorbereitung und Hinführung“
auf dieses Ausnahmeereignis widmeten sich
zahllose Veranstaltungen, darunter viele kleine
und große Ausstellungen, unter jährlich wech-
selnden Bezügen dem „weite[n] Themenspek-
trum der Reformation und ihre[n] Impulse[n]“,
wie es die Staatliche Geschäftsstelle „Luther
2017“ formuliert
(http://www.luther2017.de/
de/2017/lutherdekade/). An einigen Projekten
war, direkt und indirekt, auch das Sächsische
Staatsarchiv beteiligt. Die Chance dazu bot die
einzigartige Überlieferung zur Frühgeschichte
der lutherischen Reformation im Hauptstaats-
archiv Dresden. Die Kirchenpolitik sächsischer
Fürsten des 16. Jahrhunderts ist der Grund,
dass es sie gibt. Sächsische Staatsarchivare
sorgen bis heute für ihren Erhalt und ihre Zu-
gänglichkeit. Der Wissenschaft durch zahlrei-
che Editions- und Forschungsprojekte seit lan-
gem vertraut, standen die Dresdner Archivalien
während der vergangenen zehn Jahre auch im
Fokus einer breiten Öffentlichkeit. Der Luther-
dekade verdankt das Sächsische Staatsarchiv
vor allem, dass es noch mehr als sonst zum
gefragten Leihgeber für Museen, am Ende so-
gar selbst zum Ausstellungsveranstalter wurde.
Insgesamt 17 große Reformationsausstellun-
gen, darunter drei der vier nationalen Sonder-
schauen, zeigten seit Beginn der Lutherdekade
2008 über 60 prominente Exponate aus
dem Hauptstaatsarchiv. Darunter waren so
herausragende Stücke wie die legendäre Bann-
androhungsbulle Papst Leos X. von 1520, die
eigenhändig abgefasste ‚Hausrechnung‘ Lu-
thers aus dem Jahr 1542, das von Kurfürst
August ausgefertigte Exemplar des Konkordi-
enbuchs von 1580 und ein erst jüngst identi-
fiziertes, eigenhändiges Ablassgutachten des
Dominikaners Johann Tetzel, dessen Predigten
den Anlass für die 95 Ablassthesen Luthers
gaben. Wohl am meisten Aufsehen erregte
die Entsendung der Bannandrohungsbulle zur
Nationalen Sonderausstellung „Luther und die
Deutschen“ auf der Wartburg, die der sächsi-
sche Innenminister Markus Ulbig am 24. Mai
2017 unter Anwesenheit zahlreicher Medien-
vertreter persönlich vornahm.
Das Dresdner Exemplar der Bannandrohungs-
bulle stand seit September 2017 auch im Blick-
punkt einer Ausstellung, mit der das Sächsi-
sche Staatsarchiv seinen eigenen Beitrag zum
Reformationsgedenken leistete. Unter dem
Titel „Verbrannt? Luther, Herzog Georg und
die Bannandrohungsbulle“ präsentierte das
Hauptstaatsarchiv Dresden dieses Schlüssel-
dokument zu Luthers Biographie erstmals in
seinem archivischen Überlieferungskontext.
Anhand von Dokumenten aus der Kanzlei Her-
zog Georgs von Sachsen (1500–1539) konnten
sich die Besucher ein Bild davon machen,
wie die Urkunde, mit der Papst Leo X. (1513–
1521) den Reformator zum Widerruf zwingen
wollte, in Deutschland verbreitet wurde. Der
Leihgaben des Sächsischen Staatsarchivs für
Ausstellungen im Rahmen der Lutherdekade
2008
Fundsache Luther (Landesausstellung
Sachsen-Anhalt, Halle/Saale, 1 Exp.)
2009
Calvinismus. Die Reformierten in
Deutschland und Europa (Berlin, 1 Exp.)
2009/10
Cranach und die Kunst der Renaissance
unter den Hohenzollern (Berlin, 1 Exp.)
2013/14
Leben nach Luther. Eine Kulturgeschichte
des evangelischen Pfarrhauses (Berlin,
1 Exp.)
2014
„eine STARKE FRAUENgeschichte“ –
500 Jahre Reformation (Rochlitz, 6 Exp.)
2014
Georg Spalatin – Steuermann der
Reformation (Altenburg, 2 Exp.)
2014
Umsonst ist der Tod. Alltag und Frömmig-
keit am Vorabend der Reformation
(Mühlhausen/Leipzig/Magdeburg, 1 Exp.)
2015
Cranach der Jüngere (Landesausstellung
Sachsen-Anhalt, Wittenberg, 3 Exp.)
2015
Luther und die Fürsten (Nationale
Sonderausstellung, Torgau, 16 Exp.)
2015
Ritter! Tod! Teufel? Franz von Sickingen
und die Reformation (Mainz, 1 Exp.)
2017
„Ein Schatz nicht von Gold“. Benno
von Meißen – Sachsens erster Heiliger
(Albrechtsburg, Meißen, 15 Exp.)
2017
Dialog der Konfessionen – Bischof Julius
Pflug und die Reformation (Zeitz, 1 Exp.)
2017
Im Aufbruch. Reformation 1517–1617
(Braunschweig, 1 Exp.)
2017
Luther und die Deutschen (Nationale
Sonderausstellung, Wartburg, Eisenach,
2 Exp.)
2017
Ritter, Bauern, Lutheraner (Bayerische
Landesausstellung, Coburg, 1 Exp.)
2017
Tetzel – Ablass – Fegefeuer (Jüterbog,
5 Exp.)
2017/18
Gegen Kaiser und Papst. Magdeburg und
die Reformation (Magdeburg, 3 Exp.)
Innenminister Markus Ulbig und die Direktorin des Staatsarchivs, Dr. Andrea Wettmann, präsentieren der Presse
die päpstliche Bannandrohungsbulle gegen Martin Luther (Foto Pascal Ziehm)
Fußbodenwegweiser zur Ausstellung (Foto Pascal Ziehm)

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Sächsisches Archivblatt Heft 1-2018 | 30
Sächsisches Archivblatt Heft 1-2018 | 31
berühmte Akt von Wittenberg, bei dem Lu-
ther am 10. Dezember 1520 seinen Bruch mit
Rom durch die Verbrennung eines Drucks der
Bulle symbolisch vollzog, war ebenso Thema
wie die Rolle, die Herzog Georg, der vielleicht
bedeutendste Gegner des Reformators unter
den weltlichen Fürsten des Reichs, bei der
Verfolgung der evangelischen Lehre spielte.
Zahlreiche Autographen aus dem Briefwech-
sel zwischen Georg und Luther machten die
Entwicklung des persönlichen Verhältnisses
der beiden Kontrahenten nachvollziehbar.
Nicht zuletzt konnte sich der Besucher da-
bei vor Augen führen, welche Bedeutung der
archivische Überlieferungszusammenhang
für die Authentizität und den Aussagewert
Blick in den Ausstellungsraum des
Hauptstaatsarchivs Dresden während
der Reformationsausstellung
(Fotos Ralph Kunz)
einzelner Dokumente besitzt. Ein besonders
eindrucksvolles Schauobjekt war ein bislang
unbekannter Plakatdruck der Bannandro-
hungsbulle, der bei der Vorbereitung der
Ausstellung in Georgs Kanzleiakten entdeckt
wurde. Leihgaben und Reproduktionen aus
der Sächsischen Landesbibliothek – Staats-
und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB)
und dem Kupferstichkabinett der Staatlichen
Kunstsammlungen Dresden trugen zur opti-
schen Vielfalt der Präsentation bei.
Angesichts der Herausforderungen, die mit
der musealen Zurschaustellung von Archiva-
lien verbunden sind, kooperierte das Staats-
archiv bei der Planung der Ausstellung mit
professionellen Kuratoren und Gestaltern,
die für ein schlüssiges Konzept sorgten. Der
Historiker Mike Huth verantwortete Drehbuch
und Objektauswahl, das „Atelier n.4“ aus Flöha
(Barbara Graupner, Anne Escher) das einheit-
liche Design des Ausstellungsraums, der Vit-
rinen und der Werbematerialien. Der beson-
dere Anlass und die Tatsache, dass museale
Präsentationen nicht zum Kerngeschäft der
Archivare zählen, rechtfertigten den Aufwand,
der durch ein unerwartet großes Interesse
in der Dresdner Öffentlichkeit belohnt wur-
de. Nachdem das Staatsarchiv in der Regel
von Bürgern, Wissenschaftlern und Behör-
den genutzt wird, die das Angebot und die
Arbeitsatmosphäre seiner Lesesäle schätzen,
kann die Zahl von fast 1 000 Besuchern, von
denen viele zum ersten Mal den Fuß in ein
Archiv setzten, als Erfolg gelten.
Auf große Resonanz stieß bereits die Er-
öffnung der Ausstellung am 13. September
2017, die der sächsische Innenminister Mar-
kus Ulbig vornahm. Führungsangebote und
ein Vortragsprogramm, für das renommier-
te Referenten aus Leipzig, Magdeburg und
Berlin gewonnen werden konnten, hielten
die Neugierde buchstäblich bis zum letzten
Öffnungstag, dem 11. Januar 2018, aufrecht.
Texte, Transkriptionen der Dokumente und Ver-
tiefungsinformationen waren schon für die
Ausstellungsbesucher über QR-Codes an den
Vitrinen abrufbar. Inzwischen stehen auch die
Exponate aus dem Staatsarchiv als digitale Bil-
der auf der Homepage des Staatsarchivs bereit,
Gedrucktes landesherrliches Mandat, ausgestellt in Dresden am 7. November 1522. Herzog Georg fordert alle, die das durch Luther verdeutschte und in den Druck gebrachte
Neue Testament erworben haben, auf, dieses bei seinen Amtleuten abzugeben. (SächsStA-D, 12883 Mandate)
so dass die Schau als Online-Ausstellung wei-
ter besucht werden kann
(http://www.archiv.
sachsen.de/verbrannt-luther-herzog-georg-
und-die-bannandrohungsbulle-4046.html).
Über das Reformationsjubiläum hinaus wer-
den auch die Ergebnisse eines Digitalisie-
rungsprojekts wirken, das das Thüringische
Hauptstaatsarchiv Weimar, das Hessische
Staatsarchiv Marburg, das Landesarchiv
Sachsen-Anhalt und die Thüringer Universi-
täts- und Landesbibliothek Jena im Rahmen
der Lutherdekade gemeinsam durchführten.
Zum „Digitalen Archiv der Reformation (Digi
Ref)“
(http://digiref.reformationsportal.de/)
konnte auch das Sächsische Staatsarchiv als
Kooperationspartner umfangreiches Quellen-
material beisteuern. In einem „Schaufenster“
werden dort bedeutende Einzeldokumente,
unter anderem aus dem Hauptstaatsarchiv
Dresden, gezeigt und didaktisch aufbereitet.
Das Modul „Visitationsakten“ bietet eine um-
fangreiche digitale Präsentation von Origi-
nalprotokollen und anderen Zeugnissen der
ersten evangelischen Kirchenvisitationen im
mitteldeutschen Raum. Dabei werden wichtige
Quellen zur frühen Reformationsgeschichte
zusammengeführt, die in 500 Jahren Archiv-
geschichte zum Teil an ganz verschiedene
Verwahrorte gelangt sind. Neben Protokollen
aus den drei projektleitenden Archiven fin-
den sich hier umfangreiche Archivalien aus
dem Hauptstaatsarchiv Dresden, dem Hessi-
schen Staatsarchiv Darmstadt, den Thüringi-
schen Staatsarchiven Gotha, Meiningen und
Rudolstadt sowie dem Brandenburgischen
Landeshauptarchiv in Potsdam. Die digitalen
Reproduktionen wurden mit Ortsangaben auf
der Grundlage der Gemeinsamen Normdatei
(GND) erschlossen, zusätzlich georeferenziert
und nach Personen indiziert. Damit steht ein
informationsträchtiges Anbot zur Verfügung,
das Kirchen-, Landes- und Heimathistorikern
auch über das Jubiläumsjahr 2017 hinaus ein
reformationsgeschichtliches Arbeitsinstru-
ment bieten kann. Das Sächsische Staatsar-
chiv plant, dieses Angebot mit seinem eigenen
Online-Informationssystem (SAX.Archiv), das
in den kommenden Jahren ausgebaut werden
soll, zu verknüpfen, so dass die aus seinem
Bestand beigesteuerten Visitationsprotokolle
dann auch in ihrem Provenienzzusammenhang
sichtbar werden.
Peter Wiegand
Blick in den Ausstellungsraum zur Ausstellungseröffnung am 13.09.2017 (Foto Regine Bartholdt)
(Hauptstaatsarchiv Dresden)

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Sächsisches Archivblatt Heft 1-2018 | 32
Rezension
Kurfürst August von Sachsen. Ein
nachreformatorischer »Friedensfürst«
zwischen Territorium und Reich. Beiträge
zur wissenschaftlichen Tagung vom
9. bis 11. Juli 2015 in Torgau und Dresden,
hrsg. von den Staatliche Kunstsamm-
lungen Dresden/Institut für Sächsische
Geschichte und Volkskunde e.V./
Winfried Müller/Martina Schattkowski/
Dirk Syndram, Dresden 2017, 240 Seiten,
93 meist farbige Abb.
Der als „Vater August“ ins historische Ge-
dächtnis eingegangene Kurfürst August von
Sachsen (1526–1566) steht meist im Schatten
seines Bruders Moritz (1521–1553), der für die
Albertiner die Kurwürde erworben hatte. Er
wird sogar gelegentlich mit Friedrich August I.
(1670–1733) verwechselt, der etliche Gene-
rationen später Sachsen und Polen regierte
und als August der Starke bekannt ist. Umso
erfreulicher ist es, dass dem Leben und Wirken
dieses bedeutenden Landesherrn der frühen
Neuzeit im Juli 2015 eine erste umfassende
wissenschaftliche Tagung gewidmet war, die im
Rahmen der Ausstellung „Luther und die Fürs-
ten. Selbstdarstellung und Selbstverständnis
des Herrschers im Zeitalter der Reformation“ in
Torgau und Dresden stattfand. Der hier bespro-
chene Aufsatzband basiert auf den Beiträgen
zu dieser Tagung. Insgesamt siebzehn Autoren
beschäftigen sich in vier Schwerpunkten mit
folgenden Themen: I. Politik zwischen Territo-
rium und Reich; II. Wirtschaft, Verwaltung und
Kirchenregiment; III. Höfische Repräsentation
und IV. Höfisches Musikleben.
Die einzelnen Beiträge sind in sich schlüssig,
ergänzen sich gegenseitig und fügen sich zu
einem gut konzipierten Tagungsband, der nicht
nur inhaltlich sehr interessant ist, sondern
auch durch seine reiche Bebilderung und gute
Gestaltung überzeugt. Da im Folgenden nicht
auf alle Aufsätze ausführlich eingegangen
werden kann, hat der Rezensent eine persön-
liche Auswahl getroffen, die einige wichtige
Aspekte der Herrschaftszeit von Kurfürst Au-
gust hervorheben soll, seiner Leistungen und
auch einiger Schwächen und Versäumnisse.
In der ausführlichen Einleitung öffnet
Manfred
Rudersdorf
den Blick für überregionale Zu-
sammenhänge und zeigt Kurfürst August
als Vertreter einer neuen Fürstengeneration,
eingebunden in den Kontext von Kaiser und
Reich, dem es gelang, das lutherische Glau-
bensbekenntnis in Sachsen zu festigen. Un-
ter seiner Herrschaft wurde Kursachsen zur
führenden Macht der evangelischen Lehre im
Alten Reich. Rudersdorf beschreibt August als
einen sittenstrengen, frommen, kaisertreuen
und friedvoll erscheinenden Fürsten, der im
Reich anerkannt und geachtet war. Er hebt her-
vor, dass August zu seiner Zeit weitreichende
Gestaltungsmöglichkeiten in der Kirchenpolitik,
in der Landesverwaltung, in der Gesetzgebung
usw. nicht nur besaß, sondern sie auch zu nut-
zen verstand. An der Spitze einer lenkenden
und ordnenden Obrigkeit war er der Landesherr,
später verklärt als „Vater August“.
Eine Bereicherung für die vorherrschend säch-
sische Sicht auf Kurfürst August ist der Beitrag
des tschechischen Historikers
Václav Bu
˚ žek,
der die Beziehungen Kurfürst Augusts zum
habsburgischen und böhmischen Adel, insbe-
sondere zum Oberstburggrafen von Böhmen
Wilhelm von Rosenberg (Vilém z Rožmberka,
1535–1592) erläutert. Es ist interessant zu le-
sen, wie Wettiner und Habsburger über Kon-
fessionsgrenzen hinweg gemeinsame Interes-
sen verfolgten – etwa bei der Heiratspolitik.
Frank Göse schildert das damals noch über-
wiegend harmonische Verhältnis zwischen den
Kurfürstentümern Sachsen und Brandenburg
und beschreibt als verbindende Elemente die
gemeinsame Konfession, die geographische
Ferne zum Kaiser und die Einigkeit in der
Reichspolitik. Die 1555 erneuerte Erbverbrü-
derung zwischen den Häusern Brandenburg,
Hessen und Sachsen war Ausdruck der engen
Beziehungen, aber keineswegs Garant dafür,
dass es nicht auch Spannungen zwischen
den Kurfürstentümern gab. Letztlich zwang
allerdings die Begrenztheit der Ressourcen,
über die Brandenburg damals verfügte, den
Landesfürsten zu größerer Zurückhaltung.
Am Beispiel der Korrespondenz zwischen
Kurfürst August und Herzog Albrecht V. von
Bayern (1528–1579) beleuchtet Sophie Ziegler
Briefe als Mittel diplomatischer Kontakte. Der
interessante Beitrag macht erneut deutlich,
dass die Edition der politischen Korrespondenz
Augusts ein Desiderat bleibt, auf das Wieland
Held bereits 1999 hingewiesen hatte. Auch die
überlieferten rund 25 000 Briefe der Korres-
pondenz von Kurfürstin Anna sollten einge-
hend untersucht werden. Katrin Keller berichtet
von einem regelrechten Netzwerk der Fürstin,
die damit auch als Vermittlerin zwischen Au-
gust und anderen Herrschern fungierte.
Ausgesprochen spannend sind die Ausfüh-
rungen zur Auffindung, Restaurierung und
historischen Einordnung des wettinischen
Prachtstammbaumes, der 2011 in der Sächsi-
schen Landesbibliothek – Staats- und Universi-
tätsbibliothek Dresden (SLUB) entdeckt wurde.
Kaum zu überschätzen sind Kurfürst Augusts
Leistungen in Hinsicht auf den Aufbau einer
funktionierenden Verwaltung und die Schaf-
fung eines einheitlichen Rechtssystems. Mit
den 1572 erlassenen Sächsischen Konstitu-
tionen wurden Gesetze zum Zivil-, Staats-,
Lehn- bzw. Erbrecht und dem Vertragsrecht
fixiert. Verbesserung im agrarwirtschaftli-
chen Bereich, Bemühungen um eine karto-
grafische Landesaufnahme, die Organisation
der Landesfinanzen und die religionspoliti-
schen Veränderungen, die August initiierte,
sind weitere Themen des Abschnittes II. Hier
wird Bekanntes, aber auch Neues ausgebreitet,
deutlich wird jedoch auch, dass noch reichlich
Forschungsbedarf besteht.
Jeweils zwei Beiträge beschäftigen sich mit der
höfischen Repräsentation und dem höfischen
Musikleben. Der Einblick in die Entwicklung der
Kunstkammer, den Dirk Syndram gewährt, zeigt
die Sammelleidenschaft des Kurfürsten und
seine speziellen Vorlieben. So war er beispiels-
weise bereit, 16 000 Gulden für eine Planeten-
laufuhr von Eberhard Baldewein auszugeben.
Hervorzuheben ist die Aufstellung des Perso-
nenbestands der kursächsischen Hofmusiker
von 1548 bis 1586, die den Beitrag von Christa
Maria Richter abschließt. Die Themenschwer-
punkte III und IV lassen erkennen, dass Dres-
dens Ruhm als Kulturstadt nicht unwesentlich
auf die kulturellen und wissenschaftlich-
technischen Interessen und Neigungen von
Kurfürst August zurückgeht.
Die rundum gelungene Publikation trägt über
Kurfürst August und seine Frau Anna viel
Neues und Interessantes zusammen. Unter
Augusts Herrschaft entwickelte sich Sach-
sen nicht nur zu einem der mächtigsten und
reichsten Fürstentümer im Reich, sondern es
wurde auch der Grundstein für Entwicklungen
gelegt, die noch heute unser Leben beeinflus-
sen. Zweifellos besteht weiterer Forschungs-
bedarf, will man die Leistungen, Defizite und
Schwächen dieses nachreformatorischen
„Friedensfürsten“ verstehen.
Bleibt zu hoffen, dass dieses Buch einen brei-
ten Leserkreis findet und Anregungen für die
weitere Beschäftigung mit den angesproche-
nen Themen liefert.
Jens Kunze
(Wermsdorf)
Sächsisches Archivblatt
Mitteilungen des Sächsischen Staatsarchivs
Heft 1 / 2018
Titelbild:
Familienwappen Speck von Sternburg (Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Leipzig, 22382 Familienarchiv Speck von Sternburg, Nr. 144)
S. Beitrag Richter, Das Familienarchiv Speck von Sternburg im Staatsarchiv Leipzig
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Satz und Druck:
Druckerei Friedrich Pöge e. K., Leipzig
Redaktionsschluss:
18. April 2018
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