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Leitfaden
Barrierefreiheit
für das Planen und Bauen an Gebäuden und Liegen-
schaften im Zuständigkeitsbereich der staatlichen
Vermögens- und Hochbauverwaltung des Freistaates
Sachsen
Stand: September 2021

Leitfaden Barrierefreiheit
2
Inhalt
0. Zielstellung
3
1. Geltungsbereich
4
2. Bauliche Standards
5
2.1 Festlegung von Nutzungsbereichen und Nutzergruppen
5
2.2 Standards für öffentlich zugängliche Bereiche
5
2.3 Standards für Arbeitsstättenbereiche
6
3. Verfahrenseinbindung nach RLBau Sachsen
8
3.1 Barrierefrei-Bedarfsplanung
8
3.2 Barrierefrei-Bestandsaufnahme (bei Bestandsgebäuden)
9
3.3 Barrierefrei-Konzept
10
3.4 Barrierefrei-Nachweis
11
3.5 Fortschreibung des Barrierefrei-Nachweises
11
3.6 Kontrolle + Dokumentation des Barrierefrei-Nachweises
12
3.7 Nutzungsphase
12
4. Ansprechpartner und Zuständigkeiten
13
4.1 Zuständigkeiten innerhalb SIB
13
4.2 Beauftragter für Barrierefreiheit
13
4.3 SIB-Bedienstete mit Zusatzqualifikation Barrierefreiheit
13
4.4 Ansprechpartner außerhalb SIB
13
Anlage 01 Rechtliche Grundlagen + einzuhaltende Vorgaben
Anlage 02 SIB-Schema „Nutzungsbereiche“
Anlage 03 SIB-Schema „Besucher, Benutzer, Beschäftigte“
Anlage 04 SIB-Schema „Wichtige Begriffe“
Anlage 05 Nutzergruppen
Anlage 06 Mustergliederung der textlichen Darstellung
Anlage 07 Kriterien, Plangrafik und Legenden für die zeichnerische Darstellung
Anlage 08 Änderungen und baurechtliche Abweichungen
Anlage 09 Beispiel „Barrierefrei-Bestandsaufnahme“
Anlage 10 Beispiel Plandarstellung „Barrierefrei-Konzept“
Anlage 11 Externe Ansprechpartner außerhalb SIB
Anlage 12 „Planungshinweise – Eine Einführung“

Leitfaden Barrierefreiheit
3
0. Zielstellung
Der Leitfaden soll ein einheitliches Handeln innerhalb der Landesverwaltung hinsichtlich
Verfahren, Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten sicherstellen und ein Grundverständ-
nis zur Barrierefreiheit bei staatlichen Bauaufgaben vermitteln. Für Bauvorhaben des SIB
legt er unter Beachtung der Grundsätze der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit (§ 7 SäHO)
Qualitäten fest, die den Zielen der Landesregierung
1
entsprechen. Der Leitfaden dient als
Hilfestellung bei Bedarfsermittlung, Planung und Durchführung von Bauvorhaben. Schritt-
weise und systematisch formuliert er Leitlinien zur zeichnerischen und textlichen Darstel-
lung entsprechend des Verfahrensablaufs nach RLBau Sachsen. So werden Maßnahmen
zur Barrierefreiheit für alle Projektbeteiligten transparent, nachvollziehbar und prüfbar ab-
gebildet sowie dokumentiert.
1
SMS (2017): Aktionsplan der Sächsischen Staatsregierung zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskon-
vention (UN-BRK), Hrsg.: Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz (SMS), 2017;
www.publikationen.sachsen.de

Leitfaden Barrierefreiheit
4
1. Geltungsbereich
Der Leitfaden gilt für Baumaßnahmen an
Gebäuden
(mit zugehörigen Außenanlagen)
im Eigentum des Freistaates Sachsen
, die
öffentlich zugänglich
und/ oder Arbeits-
stätte sind. Für Arbeitsstättenbereiche sind die Leitfaden-Vorgaben ab
20 Arbeitsplät-
zen
anzuwenden. Er gilt für Maßnahmen Dritter, soweit vereinbart. Für Bundesbauten
gibt es spezifische Vorgaben des Bundes (Leitfaden Barrierefreies Bauen des Bundes
2
).
Der Anwendungsbereich ist grundsätzlich beschränkt auf
Neubaumaßnahmen
oder
Komplettmodernisierungen von Bestandsgebäuden
(d. h. bei grundhafter Sanie-
rung und Ertüchtigung). Gebäude, in denen in der Vergangenheit Barrierefreiheit nach
damals geltendem Recht hergestellt wurde, unterliegen bauordnungsrechtlich grund-
sätzlich dem
Bestandsschutz
(soweit aktuell keine Gefährdungen für Sicherheit und
Gesundheit bestehen).
Für
Große Baumaßnahmen
nach Abschnitt E RLBau Sachsen sind die Vorgaben zu
baulichen Standards (Kap. 2) und zur Verfahrenseinbindung (Kap. 3) vollumfänglich
anzuwenden. Zusätzliche Anforderungen können sich im Einzelfall aus dem
genehmigten Nutzerbedarf ergeben.
Für
Kleine Baumaßnahmen
nach Abschnitt D RLBau Sachsen sollen die baulichen
Standards nach Kap. 2 sinngemäß angewandt werden, wenn sie im Rahmen der
Aufgabenstellung angemessen und notwendig erscheinen (z. B. Umbau Foyer – ja;
Neueindeckung Dach – nein).
Bei
Anmietungen zur dauerhaften Bedarfsdeckung
sollen die baulichen Standards
nach Kap. 2 sinngemäß angewandt werden. Bei
Anmietungen zur Interimsunterbrin-
gung
sind nur die bauordnungs- und arbeitsstättenrechtlichen Mindestanforderungen
zu gewährleisten (ggf. zusätzliche Anforderungen aus genehmigtem Nutzerbedarf). Bei
Abwägung zwischen baulichen und organisatorischen Maßnahmen gilt der Wirtschaft-
lichkeitsgrundsatz.
Umfasst eine Baumaßnahme nur einen Bauabschnitt in einem
Gebäudekomplex mit
mehreren Gebäudeteilen
ist im Rahmen der Baumaßnahme ein übergreifendes
Barrierefrei-Konzept (Kap. 3.3) für den gesamten Gebäudekomplex zu erstellen. In den
vom aktuellen Bauabschnitt
nicht unmittelbar betroffenen Gebäudeteilen
sind alle
sinnvollen bzw. erforderlichen Barrierefrei-Maßnahmen durchzuführen, die zur
Gewährleistung durchgängiger Nutzungsketten hinsichtlich Barrierefreiheit beitragen
(z. B. Fortführung Leitsystem). Darüber hinausgehende Barrierefrei-Maßnahmen in den
anderen Gebäudeteilen sind erst bei der Aktivierung künftiger Bauabschnitte zu
berücksichtigen.
Bei
großen Liegenschaften mit mehreren Gebäuden
(z. B. Hochschulcampus, Be-
hördenzentrum, Schlossanlage) soll ein übergreifendes Barrierefrei-Konzept (Kap. 3.3)
im Rahmen von Zielplanungen, Liegenschafts- oder Nutzungskonzeptionen erstellt
werden.
Der Leitfaden gilt auch als Vollzugsvorgabe zu § 18 des Sächsischen Inklusionsgeset-
zes (SächsInklusG) und entspricht den Zielsetzungen, die im Aktionsplan der Sächsi-
schen Staatsregierung zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention vereinbart
sind.
2
BMUB (2016): Leitfaden Barrierefreies Bauen, Hrsg.: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und
Reaktorsicherheit (BMUB), 4. Auflage, 2016,
www.fib-bund.de

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Leitfaden Barrierefreiheit
5
2. Bauliche Standards
2.1 Festlegung von Nutzungsbereichen und Nutzergruppen
Die
Nutzungsbereiche
eines Gebäudes mit zugehöriger Außenanlage sind zu unter-
scheiden nach:
öffentlich zugänglichen Bereichen
, d. h. Bereiche, die im Allgemeinen für Besu-
cher und Benutzer zugänglich und nutzbar sind,
Arbeitsstättenbereichen
, d. h. Bereiche, die für die Beschäftigten der Dienststelle
zugänglich und nutzbar sind,
und
Bereichen ohne Anforderungen
an die Barrierefreiheit.
Die zwei erstgenannten Bereiche können sich überlagern. Die Unterscheidung erfolgt
auf Basis der gesetzlichen Vorgaben (Anlagen 01 - 04). Die Plandarstellung und die
Darstellung im Erläuterungsbericht sind Kap. 3 dieses Leitfadens zu entnehmen.
Beispielhafte Plandarstellung un-
terschiedlicher
Nutzungsberei-
che:
öffentlich
zugängliche
Bereiche
Arbeitsstättenbereiche
Bereiche ohne Barriere-
frei-Anforderungen
Für die Funktionalität und Ausstattung eines Gebäudes und der zugehörigen Außenan-
lage ist es weiterhin sinnvoll, nach
Nutzergruppen
zu unterscheiden (siehe Anlage 05).
2.2 Standards für öffentlich zugängliche Bereiche
In den
Bereichen mit allgemeinem Besucher- und Benutzerverkehr
(öffentlich zu-
gängliche Bereiche) sind die Vorgaben des Bauordnungsrechts und der bauaufsichtlich
eingeführten Technischen Baubestimmungen (VwV-TB) maßgeblich, insbesondere DIN
18040-1 „Barrierefreies Bauen – Planungsgrundlagen – Teil 1: öffentlich zugängliche
Gebäude“ (Anlagen 01 - 04).
Für SIB
erfolgt die Anwendung der
DIN 18040-1 vollständig
, einschließlich der bau-
aufsichtlich nicht eingeführten Teile
(Ziffer 1 zu DIN 18040-1 lt. Anlage A 4.2/2 VwV-TB):
DIN 18040-1 Pkt. 4.4
Leit-, Warn-, Orientierungs- und Informationsangaben
verpflichtend im 2-Sinne-Prinzip,
DIN 18040-1 Pkt. 4.7
verpflichtende Berücksichtigung der Belange von
Menschen mit motorischen und sensorischen Beeinträchtigungen im Brandschutz-
konzept, insbesondere Alarmierung und Evakuierung,
Bauaufsichtliche Konkretisierungen zu Treppen, Toiletten, Stellplätzen etc. bleiben
davon unberührt
(Ziffern 2-5 zu DIN 18040-1 lt. Anlage A 4.2/2 VwV-TB)
.
Im Einzelfall können zur Anwendung gelangen:
Sonderbauvorschriften, z.B. Versammlungsstättenverordnung (siehe Anlage 01),
und zusätzliche Anforderungen aus dem genehmigten Nutzerbedarf.
Anlage 04
Anlage 03
Anlage 01
Anlage 02
Anlage 01
Anlage 04
Anlage 03
Anlage 02
Anlage 05

Leitfaden Barrierefreiheit
6
2.3 Standards für Arbeitsstättenbereiche
Für Gebäudebereiche, die ausschließlich von Beschäftigten genutzt werden, gibt es
bisher keine gesetzlichen Vorgaben, die ein generelles Mindestmaß an baulicher
Barrierefreiheit fordern.
Das Arbeitsstättenrecht stellt nur dann Anforderungen an die Barrierefreiheit, wenn
behinderte Beschäftigte in der Arbeitsstätte tätig sind (Anlage 01 - 04). Angaben dazu
müssen durch den Nutzer erfolgen. Stellt eine nutzende Verwaltung während oder nach
Abschluss einer Baumaßnahme Menschen mit Behinderungen ein, können sich daraus
neue Anforderungen ergeben, die in dem Gebäude nicht mehr oder nur mit erheblichem
Mehraufwand und hohen Kosten umsetzbar sind.
Deshalb sind fortan
durch SIB
im Sinne einer nachhaltigen Gebäudenutzbarkeit
für
ausgewählte Räume und Erschließungszonen in Arbeitsstätten
(siehe Tabelle) die
Vorgaben der
DIN 18040-1 sinngemäß
und
analog zu Kap. 2.2
anzuwenden,
unabhängig davon, ob es behinderte Beschäftigte gibt, jedoch erst ab 20 Arbeitsplätzen:
Tabelle „Anwendung der DIN 18040-1 sinngemäß und analag zu Kap. 2.2 für
ausgewählte Räume und Erschließungszonen in Arbeitsstätten“
Erschließungszonen
Räume
Äußere Erschließung:
Gehwege, Rampen
Hinweis: vorzugsweise gemeinsame Wege-
führung für Besucher, Benutzer und Beschäf-
tigte zum Haupteingang
Stellplätze
Anzahl nach VwV-TB
Büroräume
Mindestens bei:
o
5 % der allgemeinen Büroarbeits-
plätze
o
Büro Personalrat
o
Büro Geschäftsführung
o
Sekretariat
Hinweis: Alarmierung im 2-Sinne-Prinzip,
insbesondere wo sich Beschäftigte allein
aufhalten (z. B. Einzelbüro)
Eingang, Foyer
Hinweis: vorzugsweise barrierefreien Haupt-
eingang auch als barrierefreien Beschäftigten-
eingang nutzen; Nachrüstbarkeit von Boden-
indikatoren gewährleisten
Hinweis: Barrierefreiheit an Vereinzelungs-
anlagen (z. B. Drehkreuze) gewährleisten
Sonstige Räume
bei mehreren gleichartigen Räumen ist je
ein
Raum
ausreichend,
mindestens
jedoch:
o
Beratungsraum
o
Pausenraum (sofern vorhanden)
o
Teeküche
o
Kaffeeautomat
o
Kantine
Treppen und Stufen innen
nach VwV-TB: Barrierefreiheit nur für notwen-
dige Treppen
Hinweis: bei Haupterschließungstreppen, die
keine notwendigen Treppen sind, prüfen, ob/
welche Barrierefrei-Maßnahmen sinnvoll sind
Sanitärräume (WC, Dusche)
Anzahl nach VwV-TB
Hinweis: Alarmierung im 2-Sinne-Prinzip,
insbesondere weil sich hier Beschäftigte
allein aufhalten
Aufzugsanlagen
Hinweis: Barrierefreiheit in Erd- und Regel-
geschossen gewährleisten
Erste-Hilfe-Raum/Ruheraum
Hinweis: Alarmierung im 2-Sinne-Prinzip,
insbesondere weil sich hier Beschäftigte
allein aufhalten
Flure in Erd- und Regelgeschossen
Hinweis: barrierefreier Zugang zu Räumen in
Spalte 2 muss mindestens gewährleistet sein
Türen in Erd- und Regelgeschossen
Hinweis: barrierefreie Türen zu Räumen in
Spalte 2
Bedienelemente
für vorgenannte Erschließungszonen sowie
Räume in Spalte 2
Anlage 01
Anlage 04
Anlage 03
Anlage 02

Leitfaden Barrierefreiheit
7
Hinweise:
Sind in der Arbeitsstätte Menschen mit Behinderungen beschäftigt, gelten die
Barriere-
frei-Anforderungen nach Arbeitsstättenrecht zusätzlich
(Anlagen 01 - 04). Diese
Anforderungen stellen auf die besonderen Belange des einzelnen Beschäftigten ab und
müssen nutzerseits als Bedarf angegeben und genehmigt werden.
Bautechnische Anforderungen des Arbeitsstättenrechts (insbesondere ASR V3a.2) ge-
hen teilweise über Anforderungen der DIN 18040-1 hinaus. Ein
Abgleich
ist unbedingt
erforderlich.
Grundsatz der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit bei der Umsetzung baulicher
Maßnahmen in Bereichen der Arbeitsstätte
Innerhalb der investiven Baumaßnahme
sollen alle baukonstruktiven und bau-
technischen Barrierefrei-Maßnahmen realisiert werden, die später nicht mehr bzw. nur
mit erheblichem Mehraufwand und hohen Kosten nachrüstbar sind, z. B. Flur- und
Treppenbreiten, zweiter Handlauf, Türbreiten, kontrastreiche Gestaltung.
Für Elemente, Bauteile und technische Anlagen, die für die aktuelle barrierefreie
Zugänglichkeit und Nutzbarkeit nicht erforderlich sind, sollen lediglich die baulichen
Voraussetzungen für die
spätere Nachrüstung im Bedarfsfall
geschaffen werden.
Anlage 01
Anlage 04
Anlage 03
Anlage 02

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Leitfaden Barrierefreiheit
8
3. Verfahrenseinbindung nach RLBau Sachsen
Um der
Darstellung
von Barrierefreiheit im Rahmen von Baumaßnahmen gerecht zu
werden, ist die Erstellung eines Barrierefrei-Nachweises
in textlicher und zeichne-
rischer Form
ein wichtiges Arbeitsinstrument (vergleichbar mit Brandschutznachweis).
Anforderungen und Maßnahmen werden dabei schrittweise und mit zunehmender
Detaillierung erfasst, geplant und umgesetzt.
Die nachfolgende Gliederung ermöglicht eine einfache und systematische Arbeitsweise
und dient als Anleitung für zu erstellende Unterlagen mit Mindestinhalten und Beteili-
gungserfordernissen.
So werden Bedarfe, Lösungsansätze und Festlegungen für alle Projektbeteiligten
transparent, nachvollziehbar und prüfbar abgebildet sowie dokumentiert.
Die örtliche
Schwerbehindertenvertretung des Nutzes
ist von Beginn an zu beteiligen
(verantwortlich: Nutzer). Bei Bedarf können weitere
Interessenvertretungen
hinzuge-
zogen werden (verantwortlich: Nutzer).
Barrierefreiheit bedarf grundsätzlich einer integralen Planung.
Planungsleistungen
zur
Barrierefreiheit sind hauptsächlich beim Architekten/Objektplaner verankert, fallen aber
auch bei anderen Fachplanern an (z. B. TGA, Brandschutz, Freianlagen) und sind zu
koordinieren. Bei Bauvorhaben mit sehr komplexen Anforderungen an die Barrierefrei-
heit kann ein separater Fachplaner für Barrierefreiheit beauftragt werden.
Barrierefreiheit bei GBM im Verfahrensablauf nach RLBau Sachsen
3.1 Barrierefrei-Bedarfsplanung
Im Rahmen der
Qualifizierten Bedarfsanmeldung (QBedAn)
ist der Barrierefrei-
Bedarf zu ermitteln und festzulegen. Dieser setzt sich aus den Mindestanforderungen
nach diesem Leitfaden (Kap. 2) und ggf. zusätzlichem Nutzerbedarf zusammen. Soweit
erforderlich kann der SIB empfehlen, im künftigen Planungs- und Bauprozess einen
separaten Fachplaner für Barrierefreiheit einzuschalten.
Federführung:
SIB-Zentrale/Projektentwicklung
Beteiligung:
örtliche Schwerbehindertenvertretung des Nutzers,
bei Bedarf des Nutzers weitere Interessenvertretungen
(verantwortlich: Nutzer)
Anlage 11
Anlage 11

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Leitfaden Barrierefreiheit
9
Anforderungen an zu erstellende Unterlagen
Textlicher Teil:
Nach Mustergliederung (Anlage 06) sind Angaben erforderlich zu:
1
Grundlagen
ja
2
Lage und Nutzung
ja
3
Außenanlagen
nein (ggf. Einzelangaben)
4
Gebäude
nein (ggf. Einzelangaben)
5
Liste TGA
nein
6
Protokolle
sofern vorhanden
Zeichnerischer Teil:
Art der Darstellung: Funktionsschema
Inhaltliche Kriterien: Festlegung der Nutzungsbereiche
Öffentlich zugängliche Bereiche
(allgemeiner Besucher-/Benutzerverkehr)
Arbeitsstättenbereiche (Beschäftigte)
Bereiche ohne Anforderungen
Farbcodierung:
gemäß Anlage 07
3.2 Barrierefrei-Bestandsaufnahme (bei Bestandsgebäuden)
Das Bestandsgebäude mit zugehöriger Außenanlage ist in der Regel zu Beginn der
EW-Bau
auf Defizite an Barrierefreiheit
3
zu untersuchen. Maßgeblich ist die
Bestandssituation vor Ort unter Beachtung der künftigen Nutzung (haushaltsmäßig
anerkannte QBedAn). Aufgezeigte Handlungsbedarfe bilden die Grundlage für ein
Maßnahmenprogramm im Barrierefrei-Konzept (Kap. 3.3) bzw. Barrierefrei-Nachweis
(Kap. 3.4).
Federführung:
SIB Niederlassung/Sachgebiet Hochbau
Anforderungen an zu erstellende Unterlagen
Textlicher Teil mit Fotodokumentation:
Darstellung der Barrierefrei-Defizite in Fotografie und Text
Angabe aller Fotostandorte im Plan (Blickrichtung angeben)
Zeichnerischer Teil:
Art der Darstellung: Plan
(Inhalt und Darstellungstiefe ist projekt-/maßstabsabhängig)
Farbcodierung:
ROT für Defizite
(wenn Barrierefrei-Standards nicht erfüllt sind)
Plangrafik:
gemäß Anlage 07
(in Analogie zu Barrierefrei-Konzept/Barrierefrei-Nachweis)
Orientierungshilfe:
beispielhafte Darstellung in Anlage 09
3
Metlitzky, Nadine; Engelhardt, Lutz (Hrsg.): Atlas barrierefrei bauen; Verlagsgesellschaft Rudolf-Müller
GmbH & Co. KG, Köln 2019; Kap. A2 2.6 S. 73-84
Anlage 06
Anlage 07
Anlage 07
Anlage 09

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Leitfaden Barrierefreiheit
10
3.3 Barrierefrei-Konzept
Auf Grundlage der Barrierefrei-Bedarfsplanung (Kap. 3.1) und der Barrierefrei-
Bestandsaufnahme bei bestehenden Gebäuden (Kap. 3.2) ist im Rahmen der
Projektunterlage
bzw. der
EW-Bau
das Barrierefrei-Konzept zu entwickeln. Dabei
sollen standort- bzw. entwurfsbezogene Zielvorgaben und Lösungsansätze in Varianten
erarbeitet werden. Aspekte wie Topografie, Anbindung an Bestandsgebäude, Lage der
Eingänge, Prinzip der inneren Erschließung usw. sind zu berücksichtigen und mit
weiteren Anforderungen (z. B. Brandschutz, Denkmalschutz) in Einklang zu bringen.
Zielkonflikte sind ggf. zu benennen. Die Planungstiefe ist
vergleichbar mit der
Vorentwurfsplanung
nach LP 2 HOAI.
Federführung:
bei Erstellung Projektunterlage
SIB-Zentrale/Projektentwicklung;
bei Erstellung EW-Bau
SIB Niederlassung/Sachgebiet Hochbau
Beteiligung:
örtliche Schwerbehindertenvertretung des Nutzers,
bei Bedarf des Nutzers weitere Interessenvertretungen
(verantwortlich: Nutzer)
Anforderungen an zu erstellende Unterlagen
Textlicher Teil/Erläuterungsbericht:
nach Mustergliederung (Anlage 06) sind Angaben erforderlich zu:
1
Grundlagen
ja
2
Lage und Nutzung
ja
3
Außenanlagen
Angaben begrenzt auf konzeptionelle Ansätze
und Funktionsbeziehungen sowie wichtige
entwurfsrelevante Vorgaben
4
Gebäude
Angaben begrenzt auf konzeptionelle Ansätze
und Funktionsbeziehungen sowie wichtige
entwurfsrelevante Vorgaben
5
Liste TGA
wesentliche Angaben aus 3 + 4
6
Protokolle
sofern vorhanden
Zeichnerischer Teil/Schemata, Funktionskonzept:
Art der Darstellung: Schemata, Funktionskonzept
Inhaltliche Kriterien: gemäß Anlage 07
Plangrafik:
gemäß Anlage 07
Orientierungshilfe:
beispielhafte Darstellungen in Anlage 10 oder im Leitfaden
Barrierefreies Bauen des Bundes
4
Lageplan
Grundriss 1.OG
4
BMUB (2016): Leitfaden Barrierefreies Bauen, Hrsg.: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und
Reaktorsicherheit (BMUB), 4. Auflage,
2016,
www.fib-bund.de;
S. 178 und 182
Link
zu
Bundesleitfaden
Anlage 10
Anlage 06
Anlage 07
Anlage 11

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Leitfaden Barrierefreiheit
11
3.4 Barrierefrei-Nachweis
Auf Grundlage des Barrierefrei-Konzepts (Kap. 3.3) ist innerhalb der
EW-Bau
ein
prüfbarer Nachweis zur Erfüllung der Schutzziele von Barrierefreiheit zu erarbeiten. Je
nach Planungstiefe EW-Bau sind Festlegungen zu baulichen Details und Materialien zu
treffen. Die Anforderungen an die Barrierefreiheit sind mit weiteren Anforderungen
(z. B. Brandschutz, Denkmalschutz) in Einklang zu bringen. Schnittstellen und
Zielkonflikte sind festzulegen und zu dokumentieren. Baurechtliche Abweichungen und
Abweichungen vom Barrierefrei-Leitfaden sind zu dokumentieren (Anlage 08). Die
Planungstiefe ist
vergleichbar mit der Entwurfs- und Genehmigungsplanung
nach
LP 3+4 HOAI.
Federführung:
SIB Niederlassung/Sachgebiet Hochbau
Beteiligung:
örtliche Schwerbehindertenvertretung des Nutzers,
bei Bedarf des Nutzers weitere Interessenvertretungen
(verantwortlich: Nutzer)
Anforderungen an zu erstellende Unterlagen
Textlicher Teil:
Gemäß Mustergliederung (Anlage 06) sind Angaben zu allen Punkten erforderlich.
Zur Mustergliederung Punkt 3 „Außenanlagen“ und Punkt 4 „Gebäude“ sind,
ausgehend von den Schutzzielen, Lösungen und ggf. Abweichungen darzustellen
und zu dokumentieren
5
.
Zeichnerischer Teil:
Art der Darstellung: Plan
Inhaltliche Kriterien: gemäß Anlage 07
Orientierungshilfe:
beispielhafte Darstellung im „Leitfaden Barrierefreies Bauen“
6
des Bundes
3.5 Fortschreibung des Barrierefrei-Nachweises
Nach Genehmigung der EW-Bau ist der Barrierefrei-Nachweis in der
Ausführungs-
planung
fortzuschreiben. Auflagen und Hinweise aus der Genehmigungsplanung sind
einzuarbeiten. Relevante Angaben sind entsprechend der Ausführungsplanung zu
konkretisieren und zu detaillieren. Erforderliche Produkteigenschaften sind festzulegen.
Baurechtliche Abweichungen und Abweichungen vom Barrierefrei-Leitfaden sind zu
dokumentieren (Anlage 08).
5
BMUB (2016): Leitfaden Barrierefreies Bauen, Hrsg.: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und
Reaktorsicherheit (BMUB), 4. Auflage,
2016,
www.fib-bund.de;
S. 35;
Hess, Stephanie; Kempen, Thomas; Krause, Dr. Hans-Jürgen: Barrierefrei-Konzept; Verlagsgesellschaft Ru-
dolf Müller GmbH & Co. KG, Köln 2019; S. 69-91
6
BMUB (2016): Leitfaden Barrierefreies Bauen, Hrsg.: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und
Reaktorsicherheit (BMUB), 4. Auflage,
2016,
www.fib-bund.de;
S. 190
Link
zu
Bundesleitfaden
Anlage 08
Anlage 06
Anlage 08
Anlage 07
Anlage 11

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Leitfaden Barrierefreiheit
12
3.6 Kontrolle + Dokumentation des Barrierefrei-Nachweises
Während der Bauausführung sind
stichprobenhafte Kontrollen
auf Einhaltung der
Vorgaben des Barrierefrei-Nachweises erforderlich, z. B. im Zuge der Rohbauabnahme
bzw. vor Beginn des Ausbaus, während des Ausbaus in Abhängigkeit vom
Gewerkefortschritt, kurz vor Fertigstellung als Vorbereitung der Schlussabnahme
7
. Die
Ergebnisse sind zu dokumentieren.
Nach Fertigstellung der Baumaßnahme erfolgt die
Fortschreibung des Barrierefrei-
Nachweises
. Dieser Nachweis ist das finale Dokument, in das alle Konkretisierungen
und Detaillierungen (einschließlich Produkteigenschaften/Herstellernachweise) aus
dem Bauprozeß einzuarbeiten sind. Baurechtliche Abweichungen und Abweichungen
vom Barrierefrei-Leitfaden sind zu dokumentieren (Anlage 08).
Zu ergänzen sind:
Hinweise zur Instandhaltung und Wartung,
und Hinweise zu organisatorischen (nutzerseitigen) Maßnahmen für die Gewähr-
leistung der Barrierefreiheit.
Der Barrierefrei-Nachweis wird Bestandteil der
Bauaufsichtsakte
(K24 RLBau, Nr. 4)
und ist damit Teil der
Baubestandsdokumentation
(Abschnitt H RLBau, Nr. 2.5).
3.7 Nutzungsphase
Der Barrierefrei-Nachweis aus der
Baubestandsdokumentation
bildet die Grundlage
für die Sicherstellung einer barrierefreien Gebäudenutzung und den Gebäudebetrieb.
Nutzer- und Betreiberpflichten regeln sich nach Abschnitt N RLBau. Sind Änderungen
und Anpassungen erforderlich, gelten die Regelungen nach Abschnitt N RLBau
sinngemäß.
Datenhaltung und Datenpflege:
Es ist vorgesehen, dass zu Beginn der Nutzungsphase Barrierefrei-Informationen aus
der Baubestandsdokumentation in das CAFM-System SPARTACUS übertragen und im
Bedarfsfall fortgeschrieben werden. Diese sollen zu Dokumentations- und Controlling-
zwecken sowie zur Informationsbereitstellung dienen (z. B. Amt 24, Berichterstattung).
Inhaltliche und datentechnische Vorbereitungen laufen derzeit.
Nähere Informationen
erfolgen zu einem späteren Zeitpunkt.
7
Hess, Stephanie; Kempen, Thomas; Krause, Dr. Hans-Jürgen: Barrierefrei-Konzept; Verlagsgesellschaft Ru-
dolf Müller GmbH & Co. KG, Köln 2019; S. 93
Anlage 08

Leitfaden Barrierefreiheit
13
4. Ansprechpartner und Zuständigkeiten
4.1 Zuständigkeiten innerhalb SIB
Allgemeine Grundsatzfragen, Leitvorgaben
und Empfehlungen zu diesem Leitfaden
SIB Zentrale, Referat Grundsatz Bau,
SIB-Beauftragter für Barrierefreiheit
Maßnahmenkonkrete Anliegen während der
Bedarfsanmeldung bzw. -prüfung
SIB Zentrale, Fachgebiet Projektent-
wicklung
Maßnahmenkonkrete Anliegen während der
Planung und Durchführung
SIB-Niederlassungen,
Hochbau-Sachgebiete
Liegenschaftskonkrete Anliegen während
der Nutzungsphase
SIB-Niederlassungen
Immobilienmanagement-Sachgebiete
Datenerfassung -haltung/-pflege im CAFM-
System (in Vorbereitung)
SIB Zentrale, Fachgebiet Integriertes
Facility Management
4.2 Beauftragter für Barrierefreiheit
SIB verfügt über einen Beauftragten für Barrierefreiheit im Referat Grundsatz Bau. Ge-
mäß § 18 Abs. 4 SächsInklusG nimmt er folgende Aufgaben wahr:
Überwachung der Verpflichtungen nach § 18 SächsInklusG durch Erstellung, Be-
kanntgabe, Wissensvermittlung, Evaluierung und Fortschreibung dieses Leitfadens
Ansprechpartner für SIB-Bedienstete mit Zusatzqualifikation Barrierefreiheit,
Koordinierung von Erfahrungsaustausch
Ansprechpartner für Ressorts, Landesbehindertenbeauftragten und AGSV zu allge-
meinen Grundsatzfragen (andere siehe Kap. 4.1)
Mitwirkung bei der Erstellung/ Novellierung von Rechtsvorschriften
Maßnahmenkonkrete Beratung, Planung oder Prüfung sowie Wissensvermittlung an
Dritte (z. B. Planer) sind nicht Aufgabe des Beauftragten.
4.3 SIB-Bedienstete mit Zusatzqualifikation Barrierefreiheit
SIB verfügt über Bedienstete mit einer Zusatzqualifikation als „Fachplaner/in für barrie-
refreies Bauen“ (siehe Liste „Bedienstete mit Zusatzqualifikation“ im SIB-Intranet). Sie
sind Ansprechpartner/innen für folgende Auskünfte:
Unterstützung von SIB-KollegInnen bei der Anwendung dieses Leitfadens,
Beratung der Prüfbeauftragten im Einzelfall,
und Mitwirkung am Wissenstransfer.
Eine Beratung Externer oder Dritter (z. B. Planer, Nutzer), schriftliche Stellungnahmen,
das Entwickeln oder Prüfen von planerischen Lösungen sowie die Teilnahme an
Planungsberatungen sind nicht Aufgabe der Ansprechpartner/innen.
4.4 Ansprechpartner außerhalb SIB
Die örtliche Schwerbehindertenvertretung des Nutzers ist im Rahmen von Baumaßnah-
men von Beginn an
verpflichtend
zu beteiligen (Schwerpunkt: Beschäftigtenbelange
im Arbeitsstättenbereich, verantwortlich: Nutzer).
Bei Bedarf
können weitere Interes-
senvertretungen hinzugezogen werden (Schwerpunkt: Besucher-/ Benutzerbelange im
öffentlich zugänglichen Bereich, verantwortlich: Nutzer). Der Nutzer entscheidet über
das Erfordernis in Abhängigkeit von der Bauaufgabe.
Anlage 11

Leitfaden Barrierefreiheit
14
Anlage 01 Rechtliche Grundlagen + einzuhaltende Vorgaben
(jeweils in der geltenden Fassung)
Übergeordnete Grundlage:
Sächsisches Inklusionsgesetz (SächsInklusG)
insbesondere § 18
Bauordnungsrechtliche Grundlagen:
Sächsische Bauordnung (SächsBO)
insbesondere §§ 2; 39; 50; 51
Verwaltungsvorschrift zur Sächsischen Bauordnung (VwV-SächsBO)
insbesondere zu 2; 39; 50; 51
Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen (VwV TB)
insbesondere Buchstabe A 4.1 und A 4.2 Anlage zu Ziffer I Nummer 1 VwV TB
Sonderbauverordnungen, sofern zutreffend, z. B.
-
Sächsische Versammlungsstättenverordnung (SächsVStättVO)
-
Sächsische Beherbergungsstättenbaurichtlinie (SächsBeBauR)
-
Sächsische Hochhausbaurichtlinie (SächsHHBauR)
-
Sächsische Verkaufsstättenbaurichtlinie (SachsVerkBauR)
-
Sächsische Garagen- und Stellplatzverordnung (SächsGarStellplVO)
[…]
Arbeitsstättenrechtliche Grundlagen:
Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV)
insbesondere § 3a
Technische Regeln für Arbeitsstätten (ASR)
insbesondere ASR V3a.2 Barrierefreie Gestaltung von Arbeitsstätten
[…]
Technische Baubestimmungen, Normen, VDI usw.:
DIN 18040-1: 2010-10 Barrierefreies Bauen – Planungsgrundlagen
Teil 1: Öffentlich zugängliche Gebäude
DIN 18040-2: 2011-09 Barrierefreies Bauen – Planungsgrundlagen
Teil 2: Wohnungen
DIN 18040-3: 2014-2 Barrierefreies Bauen – Planungsgrundlagen
Teil 3: Öffentlicher Verkehrs- und Freiraum
DIN EN 81-70: 2018-07 Sicherheitsregeln für die Konstruktion und den Einbau von
Aufzügen – Besondere Anwendungen für Personen- und Lastenaufzüge
Teil 70: Zugänglichkeit von Aufzügen für Personen einschließlich Personen mit Be-
hinderungen
DIN 32984: 2011-10 Bodenindikatoren im öffentlichen Raum
DIN 32986: 2015-01 Taktile Schriften und Beschriftungen – Anforderungen an die
Darstellung und Anbringung von Braille- und erhabener Profilschrift
DIN 32975: 2009-12 Gestaltung visueller Informationen im öffentlichen Raum zur
barrierefreien Nutzung
VDI 6008 Blatt 1: 2012-12 Barrierefreie Lebensräume
– Allgemeine Anforderungen und Planungsgrundlagen
VDI 6008 Blatt 2: 2012-12 Barrierefreie Lebensräume
– Möglichkeiten der Sanitärtechnik
VDI 6008 Blatt 3: 2014-01 Barrierefreie Lebensräume
– Möglichkeiten der Elektrotechnik
VDI 6008 Blatt 4: 2014-01 Barrierefreie Lebensräume
– Möglichkeiten der Aufzugs- und Hebetechnik
Anforderungskataloge aus BNB-Zertifizierungssystemen
[…]
Bauherrenspezifische Anforderungen:
„Leitfaden Barrierefreiheit für das Planen und Bauen an Gebäuden und Liegen-
schaften im Zuständigkeitsbereich der staatlichen Vermögens- und Hochbau-
verwaltung des Freistaates Sachsen“
Spezifische Vorgaben des Nutzers/Bedarfsträgers
[…]
Hinweis:
Die Aufzählung ist nicht abschließend und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Sie ist auf das jeweilige Bauvorhaben anzupassen.

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Leitfaden Barrierefreiheit
15
Anlage 02 SIB-Schema „Nutzungsbereiche“

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Leitfaden Barrierefreiheit
16
Anlage 03 SIB-Schema „Besucher, Benutzer, Beschäftigte“

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Leitfaden Barrierefreiheit
17
Anlage 04 SIB-Schema „Wichtige Begriffe“

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Leitfaden Barrierefreiheit
18
Anlage 05 Nutzergruppen
1
Normative Nutzergruppen (Standardnutzer) nach DIN 18040-1
Öffentlich zugängliche Bereiche von Gebäuden und Außenanlagen
sind bautechnisch gemäß DIN 18040-1 zu planen und zu bauen.
Grundlage bilden die in der DIN angegebenen Nutzergruppen:
Rollstuhlnutzer mit Standardrollstuhl,
Personen mit Hörbehinderung (insbesondere mit Högerät),
Gehörlose, Ertaubte
Personen mit Sehbehinderung
(insbesondere mit max. 30 - 10 % Restsehvermögen; Orientie-
rung erfolgt visuell),
und Blinde mit Langstock (Orientierung erfolgt taktil oder auditiv).
Hinweise:
Die Vorgaben der DIN 18040-1 basieren auf den Anforderungen für diese norma-
tiven Nutzergruppen (z. B. geometrische Maße, Kontraste, Nachhallzeiten usw.).
Die DIN berücksichtigt u. a. nicht: Personen mit Mehrfachbehinderung; Personen,
die Hilfe von Assistenz-/Begleitpersonen benötigen; Personen mit kognitiver/psychi-
scher Beeinträchtigung (einige Anforderungen der DIN führen für diese Personen-
gruppen aber zu Nutzungserleichterungen).
Das 2-Sinne-Prinzip hilft immer.
2
Individuelle Nutzergruppen (nicht normativ definiert)
Sollen öffentlich zugängliche Bereiche, Teilbereiche davon oder Bereiche der
Arbeitsstätte zusätzlich für individuelle Nutzergruppen nutzbar sein, ist es wichtig, die
Belange und Anforderungen der jeweiligen Nutzergruppe zu kennen bzw. zu ermitteln.
Daraus können Anforderungen an Gebäude, Ausstattung und organisatorische
Maßnahmen abgeleitet werden.
Dieser zusätzliche Bedarf ist vom Bedarfsträger zu genehmigen.
Beispiele:
Personen, die Hilfe von Assistenz-/Begleitpersonen benötigen (inkl. Blindenhund)
Rollstuhlfahrer mit Sonderrollstühlen z. B. Elektrorollstuhl, Sportrollstuhl
Personen mit Rollator (größere Bewegungsfläche als Rollstuhlfahrer)
Taubblinde Personen
Groß- und Kleinwüchsige
Senioren
Personen mit kognitiven/psychischen Beeinträchtigungen
3
Ausschluss von Nutzergruppen (nur für Arbeitsstättenbereiche)
Sind in Bereichen der Arbeitsstätte einzelne normative Nutzergruppen nicht zu erwar-
ten, können diese von der Betrachtung ausgeschlossen werden. In Abweichung der
Vorschriften sind spezifische barrierefrei-Anforderungen für diese Gruppe dort nicht zu
berücksichtigen. Derartige Festlegungen sind zu dokumentieren.

Leitfaden Barrierefreiheit
19
Anlage 06 Mustergliederung der textlichen Darstellung
8
1
Grundlagen
Aufgabenstellung
Zugrundeliegende Unterlagen
Rechtliche Grundlagen und einzuhaltende Vorgaben SIB
(Barrierefrei-Leitfaden Anlage 01 verwenden)
Spezifische Anforderungen aus nutzerseitigem Bedarf
Schnittstellen zu anderen Planungsgewerken
2
Lage und Nutzung
Lage, Topografie, Erschließung, städtebauliche Einbindung (Liegenschaft,
Baukörper)
Nutzung
Nutzungsbereiche (öffentlich zugängliche Bereiche, Arbeitsstättenbereiche)
Nutzergruppen (Besucher, Benutzer, Beschäftigte, ggf. Ausschluss von
Nutzergruppen)
3
Außenanlagen
ÖPNV-Anbindung und Stellplätze (Privat-/Dienst-Kfz)
Erschließung des Gebäudes (Wege, Brücken, Stufen/Treppen, Rampen,
Aufzugsanlagen, Türen/Tore)
Aufenthaltsflächen (Freisitze, Terrassen, Park-/Gartenbereiche)
Ausstattung (Ausstattungselemente/ Möblierung, Bedienelemente, Kommu-
nikationsanlagen)
Leiten, Orientieren, Informieren und Warnen (Umsetzung 2-Sinne-Prinzip,
Leit-/Orientierungssysteme, Hindernisse/Gefahrstellen)
4
Gebäude
Horizontale Erschließung
Eingangsbereich/Foyer, Empfang
Flure, Aufenthaltsbereiche
Türen
Vertikale Erschließung
Stufen, notwendige Treppen
(Hinweis: bei Haupterschließungstreppen, die keine notwendigen Treppen
sind, prüfen, ob/welche Barrierefrei-Maßnahmen möglich sind)
Rampen
Aufzugsanlagen
Ausstattung
Empfangstresen, Serviceschalter, Kassen, Kontrollen
Ausstattungselemente/ Möblierung (z. B. Automaten)
Bedienelemente, Kommunikationsanlagen
Fenster, Glasflächen
Leiten, Orientieren, Informieren und Warnen
Umsetzung 2-Sinne-Prinzip, Leit-/Orientierungssysteme, Hindernisse/Ge-
fahrstellen
Alarmierung und Evakuierung
Alarmierungs-/Evakuierungskonzept, Selbst- und Fremdrettung, Zwischen-
aufenthaltsbereiche (Festlegung der Zuständigkeit/Schnittstelle zur Brand-
schutz-/Evakuierungsplanung erforderlich, siehe auch Pkt. 1)
8
BMUB (2016): Leitfaden Barrierefreies Bauen, Hrsg.: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und
Reaktorsicherheit (BMUB), 4. Auflage,
2016,
www.fib-bund.de;
S. 32
Hess, Stephanie; Kempen, Thomas; Krause, Dr. Hans-Jürgen: Barrierefrei-Konzept; Verlagsgesellschaft Ru-
dolf Müller GmbH & Co. KG, Köln 2019; S. 65;
SIB-spezifische Anforderungen

Leitfaden Barrierefreiheit
20
Räume
Büroräume mit barrierefreien Arbeitsplätzen
(barrierefrei zugänglich und nutzbar)
Weitere Büroräume (barrierefrei zugänglich, u. a. Geschäftsführung, Vorge-
setzte, Personalrat, Sekretariat)
Besprechungsräume, Warteräume
Teeküche
Sanitäranlagen
Umkleiden
Erste-Hilfe-Raum, Ruheraum
Garderobe, Rollstuhlabstellplatz
Gastronomie (Kantine, Mensa, Cafeteria)
Nutzungsspezifische Räume, z. B. Unterrichts-/Seminarräume, Hörsäle,
Bibliotheksräume, Wohnheim-/Internatszimmer, Veranstaltungsräume, Zu-
schauer-/Bühnenräume, Ausstellungsräume, Heil-/Pflegeräume, Hafträume
5
Liste TGA mit Barrierefrei-Anforderungen
Als Übersicht für die TGA-Planung sind hier alle technischen Anlagen/Objekte
zusammengefasst aufzuführen, z. B. Sanitärobjekte, Kommunikations-/informa-
tionstechnische Anlagen, Förderanlagen, sonstige nutzungsspezifische Anlagen
6
Protokolle (Anlage)
Abstimmungen mit Nutzer bzw. Schwerbehindertenvertretung des Nutzers
Abstimmungen mit Sonstigen, z. B. Denkmalpflege, Brandschutzsachver-
ständiger, BNB-Koordinator (BNB = Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen)
(beispielhafte Vorlage: Entfall nicht erforderlicher Angaben/ Ergänzung zusätzlicher Angaben möglich)

Leitfaden Barrierefreiheit
21
Anlage 07 Kriterien, Plangrafik und Legenden für die zeich-
nerische Darstellung
Darzustellende Kriterien zum Verständnis der Barrie-
refreiheit
9
Barrierefrei-
Konzept
(Kap. 3.3)
Barrierefrei-
Nachweis
(Kap. 3.4-3.6)
Angaben zu Lage, Topografie (Höhenlinien, Höhen-
niveaus, Gefällewechsel, usw.), städtebauliche Ein-
bindung
x
x
Anbindung an barrierefreie ÖPNV-Haltestellen
x
x
Zuordnung barrierefreier Stellplätze zu den Gebäude-
eingängen: Privat-Kfz (Besucher/Benutzer, Beschäf-
tigte); Dienst-Kfz
schematisch
in erforderlicher Anzahl
x
x
Wegeführung von Besuchern, Benutzern, Beschäftig-
ten mit und ohne Beeinträchtigungen
von barrierefreien ÖPNV-Haltestellen und/ oder
von Stellplätzen zu den Gebäudeeingängen
horizontale und vertikale Erschließung innerhalb
des Gebäudes
x
x
öffentlich zugängliche Bereiche und Arbeitsstätten-
bereiche mit barrierefrei-Anforderungen im Gebäude
und den zugehörigen Außenanlagen
(Farbcodierung beachten, siehe unten)
x
x
Angaben zur horizontalen und vertikalen, barriere-
freien Erschließung aller Geschosse mit öffentlich
zugänglichen Bereichen und/oder mit barrierefreien
Arbeitsstättenbereichen (gemäß Kap. 2.3)
x
Räume und Bereiche mit Barrierefrei-Anforderungen
x
Angaben zu TGA mit Barrierefrei-Anforderungen
x
Angaben zu barrierefreier Ausstattung
x
Angaben zu Leit-/Orientierungssystemen, Umsetzung
2-Sinne-Prinzip (ggf. Leitdetails)
x
Angaben zu Alarmierung und Evakuierung, z. B. Zwi-
schenaufenthaltsflächen, Selbst- und Fremdrettung
x
Materialangaben, soweit relevant
x
(beispielhafte Vorlage: Entfall nicht erforderlicher Angaben/ Ergänzung zusätzlicher Angaben möglich)
Plangrafik:
Der „Leitfaden Barrierefreies Bauen“
10
des Bundes stellt Symbolik und Legenden zur
zeichnerischen Darstellung von Barrierefreiheit als kostenlose Download-Möglichkeit
zur Verfügung. Diese sind in der Barrierefrei-Bestandsauftnahme (Kap. 3.2), im
Barrierefrei-Konzept (Kap. 3.3) und im Barrierefrei-Nachweis (Kap. 3.4 - 3.6) zu
verwenden. Die Legenden sind beispielhaft und können durch zusätzliche Angaben
ergänzt werden. Sie sind abrufbar unter:
https://www.leitfadenbarrierefreies-
bauen.de/service/downloads?tx_contrast=218
Farbcodierung
(in Anlehnung an den „Leitfaden Barrierefreies Bauen“ des Bundes):
Öffentlich zugängliche Bereiche mit allgemeinem Besucher-/Benutzerverkehr
Arbeitsstätte/Bereiche der Beschäftigten mit Barrierefrei-Anforderungen
nicht berücksichtigte Bereiche/Bereiche ohne Anforderungen
9
BMUB (2016): Leitfaden Barrierefreies Bauen, Hrsg.: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und
Reaktorsicherheit (BMUB), 4. Auflage,
2016,
www.fib-bund.de;
S. 33, 36,37; SIB-spezifische Anforderungen
10
BMUB (2016): Leitfaden Barrierefreies Bauen, Hrsg.: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und
Reaktorsicherheit (BMUB), 4. Auflage,
2016,
www.fib-bund.de;
S. 34 und 38
Link
zu
Bundesleitfaden

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Leitfaden Barrierefreiheit
22
Anlage 08 Änderungen und baurechtliche Abweichungen
1
Änderungen
Standardisiertes Formblatt gemäß Anlage 4.1 des „Leitfadens zur Erstellung,
Prüfung und Genehmigung von Unterlagen zur Abschnitt E der RLBau Sachsen“
ist zu verwenden
Fundstelle im SIB-Intranet unter: Organisationshandbuch/D Ablauforganisation/D
06 Planungs- und Baumanagement/D 06 15 GA Prüfleitfaden
2
Baurechtliche Abweichungen
Standardisiertes Formblatt zur Dokumentation der baurechtlichen Zulässigkeit;
hier: Abweichungsantrag zu § 67 Abs. 1 SächsBO ist zu verwenden
Fundstelle im SIB-Intranet unter: Phase Planen und Bauen/Fachthemen PB/ Ver-
fahrensregeln/Dokumentation baurechtlicher Zulässigkeit/2 Abweichungsantrag
Paragraf 67 SaechsBO

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Leitfaden Barrierefreiheit
23
Anlage 09 Beispiel „Barrierefrei-Bestandsaufnahme“
BARRIEREFREI-BESTANDSAUFNAHME VERWALTUNGSGEBÄUDE - fiktives Beispiel -
Defizit-Analyse

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Leitfaden Barrierefreiheit
24
Anlage 10 Beispiel Plandarstellung „Barrierefrei-Konzept“
BARRIEREFREI-KONZEPT HOCHSCHULGEBÄUDE MIT BIBLIOTHEK - fiktives Beispiel -
Lageplan mit Funktionsbeziehungen

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Leitfaden Barrierefreiheit
25
BARRIEREFREI-KONZEPT HOCHSCHULGEBÄUDE MIT BIBLIOTHEK - fiktives Beispiel -
Grundrisse mit Nutzungsbereichen

Leitfaden Barrierefreiheit
26
Anlage 11 Externe Ansprechpartner außerhalb SIB
1
Für Arbeitsstättenbereiche: Nutzer/ Örtliche Schwerbehindertenvertretung
des Nutzers
(Beteiligung verpflichtend)
Die örtliche Schwerbehindertenvertretung des Nutzers ist bei der Planung und
Durchführung von Baumaßnahmen gemäß den Festlegungen in Kap. 3 dieses Leit-
fadens verpflichtend zu beteiligen (ggf. zusätzlich auch Personalräte u. a. Beauf-
tragte des Nutzers). Sie vertritt insbesondere die Belange der Beschäftigten
Der Nutzer ist für die Einbindung und die Koordinierung zuständig.
Ist keine örtliche Schwerbehindertenvertretung vorhanden, werden die Aufgaben
durch die nächste Stufenvertretung wahrgenommen: Bezirksschwerbehinderten-
vertretung > Hauptschwerbehindertenvertretung > Gesamtschwerbehindertenver-
tretung.
Die Arbeitsgemeinschaft der Schwerbehindertenvertretungen bei den obersten Lan-
desbehörden im Freistaat Sachsen (AGSV) kann den Kontakt vermitteln
(
AGSV@smi.sachsen.de).
2
Für öffentlich zugängliche Bereiche (Besucher, Benutzer): Verschiedene In-
teressenvertretungen
2.1 Behindertenbeauftragte bzw. Behindertenbeiräte des Landkreises/ der Kreis-
freien Stadt
(Beteiligung bei Bedarf des Nutzers)
Kommunale Interessenvertreter*innen können beratend als Ansprechpartner für die
Belange von Besuchern und Benutzern (Publikumsverkehr) hinzugezogen werden.
Der Nutzer entscheidet über das Erfordernis in Abhängigkeit von der Bauaufgabe
und ist für die Einbindung zuständig.
Kontakt:
https://www.sk.sachsen.de/kommunale-behindertenbeauftragte-6106.html
2.2 Beauftragter der Sächsischen Staatsregierung für die Belange von Men-
schen mit Behinderungen
(Beteiligung bei Bedarf des Nutzers)
Bei Bauvorhaben von besonderer gesellschaftlicher, politischer oder kultureller
Bedeutung kann auch der Landesbehindertenbeauftragte beratend hinzugezogen
werden, z.B. Staatsministerien, Museen, Schlösser u.ä.
Der Nutzer entscheidet über das Erfordernis in Abhängigkeit von der Bauaufgabe
und ist für die Einbindung zuständig.
Kontakt:
https://www.sk.sachsen.de/behindertenbeauftragter-der-saechsischen-
staatsregierung.html

Leitfaden Barrierefreiheit
27
3
Beratungsangebote für barrierefreies Planen und Bauen in Sachsen
3.1 Beratungszentrum für Barrierefreies Planen und Bauen in Sachsen,
Träger: Architektenkammer Sachsen, Sozialverband vdK Sachsen e. V.,
(bei Bedarf des SIB)
Auf Anfrage bietet das Zentrum Beratungen zu Fragen des barrierefreien Planens
und Bauens an den Standorten Chemnitz, Dresden und Leipzig an.
Kontakt:
https://www.aksachsen.org/service/beratungen-und-dienstleistungen/be-
ratungszentrum-fuer-barrierefreies-planen-und-bauen-in-sachsen/
3.2 Regionale Beratungsstellen für barrierefreies Planen und Bauen im Freistaat
Sachsen
11
(bei Bedarf des SIB)
Auf Anfrage bieten auch die Regionalstellen Beratungen zu Fragen des barriere-
freien Planens und Bauens an den Standorten Chemnitz, Dresden und Leipzig an.
Kontakt:
Direktionsbezirk Chemnitz:
Sozialverband VdK Sachsen e. V.,
Koordinierungs- und Beratungsstelle für barrierefreies Planen und Bauen,
https://www.vdk.de/sachsen/pages/barrierefreiheit/aufgaben/15677/koordinie-
rungs-_und_beratungsstelle_fuer_barrierefreies_planen_und_bauen
Direktionsbezirk Dresden:
Selbsthilfenetzwerk Sachsen,
Kompetenz- und Beratungsstelle für barrierefreies Planen und Bauen,
https://www.selbsthilfenetzwerk-sachsen.de/index.php?menuid=418
Direktionsbezirk Leipzig:
Behindertenverband Leipzig e. V.,
Beratungs- und Koordinierungsstelle für barrierefreies Bauen,
https://behindertenverband-leipzig.de/projekte/barrierefreies-bauen
/
Hinweis:
Beratungsleistungen ersetzen keine Planung oder Gutachten.
11
Internet, angegebene Websites im Text, Stand 01/ 2020

Leitfaden Barrierefreiheit
28
Anlage 12 „Planungshinweise – Eine Einführung“
12
1
Grundsätzliche Regeln
Es gibt drei grundsätzliche Regeln, die bei der Planung von Bauten und Angeboten
hilfreich sind. Vergegenwärtigt man sich diese, sind bereits die wesentlichen Bedarfe
einer Vielzahl von Menschen (mit unterschiedlichen Behinderungen) für eine barriere-
freie Zugänglichkeit und Nutzbarkeit abgedeckt.
1.1
Fuß-Rad-Prinzip (Räder-Füße-Regel)
Ist das Gebäude und sind die Angebote sowohl für Rollstuhlnutzer als auch für gehende
Besucher durchgängig zugänglich und nutzbar?
1.2
Zwei-Sinne-Prinzip (Kanal-Regel l Mehr-Sinne-Prinzip)
Sind Informationen durch mindestens zwei der Sinne (Sehen und zusätzlich Hören oder
Fühlen) wahrnehmbar?
1.3
KISS-Regel
Werden Informationen nach der Methode „Keep lt Short and Simple“ („Drücke es einfach
und verständlich aus") angeboten?
Die DIN 18040-1 berücksichtigt insbesondere die Bedürfnisse von Menschen mit
Sehbehinderung, Blindheit, Hörbehinderung (gehörlose, ertaubte und schwerhörige
Menschen), motorischen Einschränkungen sowie von Personen, die Mobilitätshilfen und
Rollstühle benutzen. Auch für andere Personengruppen, wie zum Beispiel groß- oder
kleinwüchsige Personen, Personen mit kognitiven Einschränkungen, ältere Menschen,
Kinder sowie Personen mit Kinderwagen oder Gepäck, führen einige Anforderungen der
Norm zu einer Nutzungserleichterung.
Wichtig ist, bei allen Teilen eines Gebäudes/bei allen Einrichtungsgegenständen usw.
darauf zu achten, dass die Zugänglichkeit und Nutzbarkeit auch für Menschen mit
Behinderungen gegeben ist. Je nach Behinderung sind dabei unterschiedliche Anforde-
rungen zu berücksichtigen.
Achten Sie insbesondere auf folgende Aspekte
(keine abschließende Aufzählung)
:
Für Rollstuhlnutzer sind insbesondere ausreichende Bewegungsflächen, ausreichend
breite Türen, stufen- und schwellenlose Zugänge, gut berollbare Bodenbeläge und vom
Rollstuhl aus erreichbare Bedienelemente wichtig.
Menschen mit Einschränkungen in der Greiffähigkeit und/oder mit eingeschränkter Kraft
benötigen Türen und Bedienelemente, die mit wenig Kraftaufwand zu nutzen sind sowie
gut greifbare Handläufe.
Für sehbehinderte Menschen sind eine kontrastreiche Gestaltung und eine ausrei-
chende und blendfreie Beleuchtung wichtig sowie taktil oder akustisch erfassbare
Informationen.
Blinde Menschen benötigen zusätzliche taktile oder akustische Hilfen, z. B. Leitsysteme,
Ansagen von Informationen usw..
Für hörbehinderte Menschen sind eine gute Raumakustik, gut lesbare optische Infor-
mationen sowie ggf. weitere technische Hilfen von besonderer Bedeutung. Gehörlose
Menschen brauchen weitere Hilfen, so zum Beispiel bei akustischen Ansagen zusätzlich
optische Anzeigen und eine optische Alarmierung bei Notfällen, entsprechend dem
Zwei-Sinne-Prinzip.
Menschen mit eingeschränkter Lernfähigkeit brauchen insbesondere einfach verständ-
liche Orientierungssysteme und Informationen (KlSS-Prinzip).
Hinweis SIB: keine DIN-normative Nutzergruppe (=zusätzlicher Nutzerbedarf)
12
Stadt Münster (2012): Broschüre „Bauen für alle – barrierefrei“, Hrsg. Stadt Münster, Sozialamt, Koordinie-
rungsstelle für Behindertenfragen; 4. Auflage, Juli 2012; Kap. II Nr. 1 S. 11-13)

Leitfaden Barrierefreiheit
29
Kleine Menschen sind unter anderem auf gut erreichbare Bedienelemente angewiesen.
Hinweis SIB: keine DIN-normative Nutzergruppe (=zusätzlicher Nutzerbedarf)
Bei Fragen zu den Bedarfen von Menschen mit einer bestimmten Behinderung empfiehlt
es sich, mit den jeweiligen Interessenvertretungen Kontakt aufzunehmen.
2
Hinweise zur kontrastreichen Gestaltung
Kontraste sind oft die einzigen Hilfen, die sehbehinderte Menschen bei der selbst-
ständigen Lebensführung unterstützen. Sie ermöglichen ihnen zum Beispiel die
Orientierung in der baulichen Umwelt und im öffentlichen Verkehr oder die Nutzung von
Informationen (z. B. Infotafeln, Monitore).
Die Orientierung wird sehbehinderten Menschen erleichtert, wenn Objekte durch
Kontrast, Helligkeit, Farbe und Form erkennbar sind. Sie wird erschwert, wenn es an
Licht fehlt, wenn Dinge sich im Umfeld gleicher Helligkeit verlieren oder wenn die Form
nicht auffällig ist. Kontraste dienen der Unterscheidung von visuellen Objekten. Daraus
folgt, dass die Erkennbarkeit von Objekten stark reduziert wird, wenn der Kontrast
(Leuchtdichtekontrast) gering ist. Andererseits trägt ein hoher Kontrast zum Hintergrund
erheblich dazu bei, wichtige Objekte zu unterscheiden.
Bei der Verwendung von Farben ist grundsätzlich darauf zu achten, dass sich
Vorder- und Hintergrund nicht nur in der Farbe (Farbkontrast), sondern auch in der
Leuchtdichte (Leuchtdichtekontrast) unterscheiden. Die Wirkung von Farbkontrasten
wird oft überschätzt. Menschen mit Beeinträchtigungen des Gesichtsfeldes oder
Trübungen können diese oft nicht ausreichend wahrnehmen, wenn nicht zugleich auch
ein ausreichender Leuchtdichtekontrast vorhanden ist. Noch gravierender ist dies bei
Menschen mit Farbfehlsichtigkeiten. 8 % der männlichen Bevölkerung haben zum
Beispiel eine Rot-Grün-Schwäche, so dass sie diese Farben nur als Grautöne wahr-
nehmen. Es gibt auch andere Formen von Farbfehlsichtigkeit bis hin zur völligen
Farbenblindheit, so dass weniger auf „gute" und „schlechte" Farbkombinationen,
sondern vor allem auf den Leuchtdichtekontrast zu achten ist.
Bei vielen Informationselementen, insbesondere bei Hinweisen für Gefahrensituationen,
gibt es bereits vorgeschriebene Farben und Kontraste (z. B. : Hinweis auf Notausgang
Weiß auf Grün).
Alle Elemente, die für Informationen, Entscheidungen und Wegeleitung wichtig sind,
sollten mit möglichst hohen Kontrasten ausgeführt werden. Dabei muss darauf geachtet
werden, dass Notfallinformationen immer zugänglich sind und weniger relevante
Elemente diese nicht „überstrahlen" (z. B. : hell erleuchtete, sehr kontrastreiche Werbe-
tafel neben einem Notausgang-Schild).
Grundlegende Informationen über die kontrastreiche Gestaltung, Angaben über
Ermittlung und Berechnung von Leuchtdichtekontrasten, Richtwerte für Kontraste und
Details für bestimmte Standardsituationen enthält die DIN 32975 „Gestaltung visueller
Informationen im öffentlichen Raum zur barrierefreien Nutzung".