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alpenverein.de
Erste Hilfe für
Bergsportler

1
Impressum
Herausgeber:
Deutscher Alpenverein e.V., Von-Kahr-Str. 2-4, 80997 München, Tel. 089/14003-0,
E-Mail: info@alpenverein.de, Internet:
www.alpenverein.de
|
Für den Inhalt verantwortlich:
DAV-Ressort Breitenbergsport, Sportentwicklung, Sicherheitsforschung |
Redaktion:
Ruth
Schedlbauer |
Titelfoto:
Bergwacht Bayern |
Zeichnungen:
Georg Sojer |
Foto:
Stefan
Winter |
Gestaltung:
Gschwendtner & Partner, München |
Druck:
Biedermann Offsetdruck,
Parsdorf |
Auflage:
15.000 Exemplare, Juni 2012. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit vor-
heriger Genehmigung des Herausgebers.
Die Informationen wurden gewissenhaft erhoben. Eine Garantie für die Richtigkeit und Voll-
ständigkeit wird hiermit nicht gegeben; eine Haftung für die Inhalte ausgeschlossen. Die Ver-
wendung der Informationen erfolgt auf eigenes Risiko.
Einführung
2
Die Sekunden nach der Schrecksekunde
4
BeurteilungderSituation
4
Notfallmeldung
4
Lebensrettende Sofortmaßnahmen
7
PrüfenvonBewusstseinundAtmung
7
LeblosePersonen
8
BewusstlosePersonen
12
BlutendePersonen
14
Allgemeine Erste Hilfe-Maßnahmen
17
Wunden
17
Muskelzerrungen/Muskelfaserrisse
17
Quetschungen/ Prellungen
18
Knochenbrüche
18
Wirbelverletzungen
20
Verrenkungen
21
Pfählungs-undFremdkörperverletzungen
21
LokaleErfrierungen
22
AllgemeineUnterkühlung
24
Hitze-undSonnenschäden
25
Herzinfarkt
28
Rucksackapotheke
29
Inhalt
Immer gut ausgerüstet auf Tour
– mit den DAV-Partnern:

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2
3
Bergsportistgesund,fördertKraftundAusdauerundisteine
Wohltat für Geist und Seele. Man erlebt die Natur unmittelbar,
istmitFreundenoderFamilieunterwegsunderbringt
eine
körperlicheLeistung–essindvorallemdiesedrei
Gründe, die
denBergsportimmerbeliebterwerdenlassen.
DieSicherheitsforschungdesDeutschenAlpenvereinsbe-
schäftigtsichseitvielenJahrendamit,denBergsportnoch
sichererzumachen.Gefahren,dievonMaterialundMensch
ausgehen,lassensichdurch Tests,UntersuchungenundAuf-
klärungimmerweiterminimieren.AußerdembietendieDAV
SektionenumfangreicheAusbildungskurseinallenBereichen
desBergsportsan.BesterBeweisfürdieerfolgreicheArbeit
der
DAVSicherheitsforschungundderDAVSektionenist,dass
dieQuotedertödlichverunglücktenDAVMitgliederseit1952
kontinuierlichsinkt.
Sicher unterwegs
in den Bergen
DennochbirgtBergsportaucheingewissesRisiko:
ManbewegtsichinderfreienNatur,istdem
Wetterundden
alpinenGefahrendirektausgesetzt. WenneinUnfallpassiert,
istder WegbiszurnächstenHütteoderins Talmanchmal
sehrweit.EinMobiltelefonhilftzwardabei,schnellHilfean
-
zufordern,aberbiszumEintreffenderorganisiertenRettung
kanndennocheinigeZeitvergehen.
DeshalbsolltejederBergsportlerdiewichtigstenRegelnder
ErstenHilfekennenundsieauchanwendenkönnen!Dievor
-
liegendeBroschüreersetztkeinenKurs,kannaberwertvolle
Tippsgeben,umeineverunglücktePersonzuversorgen,
bisprofessionelleHilfeeintrifftodereineschützendeHütte
erreichtist.DerUmfangallerMaßnahmenistimmervonder
AusbildungderHelferabhängig!
ErsteHilfekannjederleisten,wennesauchnurdasAbsetzen
desNotrufs112oderBeruhigenund„gutZureden“ist.Unter
-
lasseneHilfeleistungistdagegenunterUmständenstrafbar.
DerDeutscheAlpenvereinunddieBergwachtBayernwün-
schenallenBergsportlernvieleschöne Tourenundimmer
eineguteRückkehrins Tal–mitderBroschüre„ErsteHilfefür
Bergsportler“imRucksack.

4
5
Die Sekunden nach der Schrecksekunde
Beurteilung der Situation
Vor der Notfallmeldung müssen sich die Helfer einen Überblick über
die Situation verschaffen und die Lage einschätzen:
l
Wo genau ist der Unfall passiert? Wo liegt/sitzt der Verletzte?
Fremd-oderEigensicherunggegenAbsturz!
l
Bestehen objektive Gefahren wie Lawinen oder Steinschlag?
AllePersonenausdemGefahrenbereichbringen!
l
Wie ist dieser konkrete Fall einzuschätzen?
BeieinerKnöchelverstauchunghatderAbtransportausdem
GefahrenbereicheinehöherePrioritätalsbeieinemHerzstill-
stand!
l
Im Zweifelsfall gilt: Die Sicherheit der Retter steht im
Vordergrund!
l
Welche Verletzungen liegen vor?
EinekurzeorientierendeErstuntersuchungistentscheidendfür
dieNotfallmeldung!
Notfallmeldung
Wer die Notfallmeldung zügig per Mobiltelefon absetzt, verkürzt die
Zeit bis zum Eintreffen der organisierten Bergrettung! Bitte beachten:
Der Alpenraum ist zwar grundsätzlich mit Mobilfunknetzen abge-
deckt, aber: Funklöcher können trotzdem auftreten!
Notruf per Mobiltelefon
112
ist die europaweit gültige Notrufnummer!
Achtung:
NotrufesindteilsnurnochmitaktiverSIM-Kartemöglich!
Die fünf „W“ der Alarmierung:
1.
Wo ist der Unfallort? (ggf. markante Geländepunkte, Höhe und
wenn möglich Koordinaten: GPS, Karte)
2.
Was ist geschehen?
3.
Wie viele Verletzte/betroffene Personen?
4.
Welche Verletzungen?
5.
Warten auf Rückfragen! (Rückrufnummer)
Auf Nachfragen der Rettungsstelle ruhig und überlegt antworten,
bei Unklarheiten nachfragen!
Nach dem Notruf:
l
Mobiltelefon eingeschaltet lassen
l
nicht mehr telefonieren, um für Rückfragen erreichbar zu sein
Alpines Notsignal
Ist keine Telefonverbindung oder andere Alarmierungsart möglich,
kann das Alpine Notsignal verwendet werden. Ideal sind Pfiffe, Rufe
und Lichtsignale.
Alpines Notsignal:
l
1. Minute: alle 10 Sekunden ein Signal geben (6 x pro Minute)
l
2. Minute: Pause
l
3. Minute: alle 10 Sekunden ein Signal geben (6 x) usw.
Antwort:
l
alle 20 Sekunden ein Signal geben (3 x pro Minute)
l
1 Minute Pause, usw.
DieerstenbeidenSchrittenacheinemUnfallsind:
DieLageschnellundrichtigbeurteilenund
anschließendnötigenfallseinenNotrufabsetzen.

6
7
Lebensrettende Sofortmaßnahmen
DieErstversorgungkannLebenretten!Besonders
wichtigistesdeshalb,dieSofortmaßnahmenzu
kennenundauchanzuwenden.
Prüfen von Bewusstsein
und Atmung
Erst wenn die Vitalfunktionen – Bewusstsein und Atmung – geprüft
wurden, entscheidet sich, welche Erste-Hilfe-Maßnahmen notwen-
dig sind!
Bewusstsein prüfen!
Den VerletztenbeispielsweiseleichtanderSchulterberühren
undlautfragen:„WasfehltIhnen?“
Atmung prüfen!
l
keine Reaktion, keine Atmung
(Seite8)
Reanimationsmaßnahmen(Seite9ff)
l
keine Reaktion, aber Atmung vorhanden
stabileSeitenlage(Seite12)
l
Reaktion
allgemeineErsteHilfe-Maßnahmen(Seite17)
Eintreffen der Luftrettung
l
anfliegenden Helikopter auf Unfallstelle aufmerksam machen;
z.B. mit Rettungsdecke oder Taschenlampe
l
Landefläche freiräumen: lose Kleidung, Seile und andere Gegen-
stände wegpacken; bei Schnee Brille aufsetzen
l
Rettungsteam mit dem Y-/N-Zeichen einweisen
l
Anweisungen der Retter beachten; Platz nicht verlassen
Yes
Ja
Wir brauchen Hilfe!
„Ja“ auf abgeworfene Fragen
Hier landen!
Bei Finsternis grünes Licht
No
Nein
Wir brauchen nichts!
„Nein“ auf abgeworfene Fragen
Nicht landen!
Bei Finsternis rotes Licht
Y
N
Eintreffen der Bodenrettung
l
an gut sichtbaren Orten Helfer zur Einweisung positionieren
l
für guten Zugang zum Verunfallten sorgen
l
Rettern kurzen Status-quo-Bericht geben

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8
9
Leblose Personen
(keine Reaktion auf Ansprache)
Reagiert das Unfallopfer nicht auf die Ansprache, wird im zweiten
Schritt die Atmung überprüft.
Atmung prüfen
l
die Person vorsichtig auf den Rücken drehen
l
den Mund öffnen
l
Erbrochenes oder Fremdkörper mit einem Taschentuch entfernen
l
Kopf leicht überstrecken
l
10 Sekunden lang auf Anzeichen von Atmung achten
– Ist ein Luftstrom hör- und fühlbar?
– Sind Brustkorbbewegungen sichtbar?
l
Sind Anzeichen von Atmung sichtbar,
stabileSeitenlageanwenden!(Seite12)
l
Sind nach maximal zehn Sekunden keine Anzeichen für eine
normale Atmung zu beobachten,
Herz-Lungen-Wiederbelebungdurchführen!(Seite9)
Herz-Lungen-Wiederbelebung
Atem- und Herz-Kreislaufstillstand sind voneinander abhängig:
Bei primärem Herzstillstand stoppt unmittelbar danach auch die
Atmung. Die Atemkontrolle ist deshalb die einfachste Diagnose-
Methode.
Bei fehlender normaler Atmung wird sofort mit der Herz-Lungen-
Wiederbelebung begonnen.
Behandeln:
l
Die Herzdruckmassage (Thoraxkompression) und Beatmung im
Verhältnis 30:2 wird so lange angewendet, bis professionelle
Rettung eintrifft oder der Verunfallte Lebenszeichen von sich gibt.
l
Herzdruckmassage und Beatmung können von einem oder zwei
Helfern durchgeführt werden.
1. Thoraxkompression
l
Person flach auf hartem Untergrund lagern
l
Oberkörper freimachen
l
Druckbereich für Herz-Druck-Massage ermitteln: in der Mitte des
Brustkorbes („zwischen den Brustwarzen“)
Achtung:
Auf keinen Fall seitlich auf die Rippen Druck ausüben!
l
nur einen Handballen direkt auf das Brustbein legen und Finger
abspreizen
l
die andere Hand darüber legen und die Finger verschränken
l
mit gestreckten Armen den Brustkorb kräftig (5 bis 6 Zenti meter)
und schnell (100 bis 120 Mal pro Minute) nach unten drücken
l
Kompressions- und Entlastungszeit sind in etwa gleich lang; wäh-
rend der Entlastungsphase und der Beatmungen Handballen nicht
vom Brustbein abheben
l
nach 30 Herzdruckmassagen folgen zwei Beatmungen

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10
11
2. Beatmung
l
eine Hand auf die Stirn legen und die Nase mit Daumen und Zeige-
finger dieser Hand verschließen
l
die andere Hand leicht unter dem Kinn anlegen und den Mund
durch Daumendruck auf den Unterkiefer öffnen
l
ideal ist eine Mund-zu-Mund-Beatmung; dabei auf die Über-
streckung des Kopfes achten
(Mund-zu-Nase-Beatmung nur bei Blutungen aus dem Mund
oder wenn sich der Mund nicht luftdicht mit den eigenen Lippen
umschließen lässt)
l
nicht zu stark beatmen
Achtung:
Aspirationsgefahr (Luft wird wegen der erschlafften
Speiseröhre auch in den Magen gedrückt; die Folge ist Erbrechen)
l
langsam eine bis zwei Sekunden beatmen, bis sich der Brustkorb
sichtbar anhebt
l
Thoraxkompressionen können unmittelbar am Ende der Beatmungs-
phase einsetzen (passives Ausatmen muss nicht abgewartet
werden).
Weitere Grundsätze der Herz-Lungen-Wiederbelebung
l
Die Herzdruckmassage ist wichtiger als die Beatmung. Die Unter-
brechungen für die beiden Beatmungszüge sollten so kurz wie
möglich dauern, da sonst kein ausreichender Blutdruck aufgebaut
wird.
l
in Zweifelsfällen (Gesichtsverletzungen, Ekel, mangelnder Kennt-
nisstand über die korrekte Durchführung, erschöpfte Helfer) auf
Beatmung verzichten und nur Herzdruckmassage ohne Unterbre-
chungen durchführen; Frequenz: 100 bis 120 Mal pro Minute
l
Bei älteren Patienten und scheinbar grundlosen Unfällen mit eher
geringeren Verletzungen ist ein akutes Herz-Kreislauf-Problem
immer als Unfallursache möglich.
l
wenn möglich einen AED (halbautomatischer Defilibrator) holen
lassen und anwenden.
l
Setzen während der Wiederbelebung eindeutige Vital -
zeichen ein:
Verletztenin
stabile Seitenlage
bringenund Vitalfunktionen
kontinuierlichüberwachen
Mund-zu-Mund-Beatmung:
DaumenundZeigefinger
verschließendieNase.
Bei Reaktionen (Lebens-
zeichen) und eindeutig
vorhandener Atmung
stabileSeitenlage
(Seite12).
Druckbereich Thoraxkompression:
inderMittedesBrustkorbsoder„zwischendenBrustwarzen“

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12
13
Bewusstlose Personen
(keine Reaktion, aber Atmung)
Stabile Seitenlage
Geben bewusstlose oder bewusstseinsgetrübte Personen deutlich
sicht- und hörbar Atem- oder Lebenszeichen (z.B. Stöhnen, Husten,
Bewegungen, Abwehrreaktionen) von sich, ist die stabile Seitenlage
die passende Erste-Hilfe-Maßnahme.
Achtung:
Bei Bewusstlosen erschlafft die Muskulatur und die natür-
lichen Schutzreflexe können fehlen. Dadurch kann die Zunge nach
hinten fallen und die Atemwege verschließen, Mageninhalt kann in
die Lunge gelangen.
Bei stabiler Seitenlage beachten:
l
Verletzten vor Kälte schützen (von oben und unten)
l
Atmung kurzfristig kontrollieren
l
alle 30 Minuten auf die andere Seite umlagern, um die Durch-
blutung des unten liegenden Armes sicherzustellen
l
Mund bildet tiefsten Punkt des Körpers, um Ersticken zu
verhindern
Durchführung der stabilen Seitenlage
NebendiePersonknien;den
direktbeimHelferliegenden
Armimrechten Winkelzum
KörperamBodenausstrecken;
daraufachten,dasssichdie
Persondabeilangsamher -
umdreht;denKopfleicht
überstrecken,denMund
öffnenunddieobere
HandunterdasOhr
schieben(Handrücken
oben).
Bei VerletzungendesBrustkorbes(GefahrderinnerenLungenverlet-
zungmitBlutung):SeitenlageaufderverletztenSeite;dieunverletzte
Lungeliegtobenundkannsichbesserentfalten.
denvomHelferabgewandtenArm
anwinkelnundmitderHandandie
bodennahe Wangelegen;
dasvomHelferabgewandteBein
anwinkelnundamKnieüberdas
andereBeinzusichherziehen;

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Blutende Personen
Grundsätzlich unterscheidet man verschiedene Formen von
Blutungen:
Äußere Blutungen
Ohne sofortige Maßnahmen können stark spritzende Blutungen
schnell lebensbedrohlich werden.
WennmöglichundvorhandenbitteEinmalhandschuheverwenden
(Ansteckungsgefahr, z.B. Hepatitis)!
Behandeln:
l
sofort den betroffenen Körperteil hochhalten oder hochlagern
l
bei stark spritzender Blutung mit den Fingern oder einem
Verbandpäckchen direkt auf die Blutungsstelle drücken, bis der
Druckverband angelegt ist
VerunfallterdrücktselbstoderHelferverwendetEinmalhand-
schuhe.
l
den Druckverband immer direkt auf der Blutungsstelle anlegen
l
Erfolg kontrollieren – bei einem Durchweichen des Verbandes eine
neue Lage darüberwickeln
14
15
Vorgehen bei
lebensbedrohlicher
starker Blutung:
Körperteilhochhalten
Blutungsstelleabdrücken
Druckverbandanlegen
Schocklagerungherstellen
Verletztenwarmhalten
Innere Blutungen
Die Gefahr von inneren Blutungen besteht vor allem bei stumpfen
Bauchverletzungen (z.B. massiver Schlag bei einem Absturz aus
großer Höhe/Stoß durch einen Trekking- oder Skistock bei einem
Sturz). Sie sind nicht sofort zu erkennen.
Erkennen:
l
auf Prellmarken (Bluterguss) im Bereich der Bauchdecke achten
SchmerzenundBauchdeckenspannungsetzenofterstmit
Verzögerungein.
Behandeln:
l
Verdacht auf innere Blutungen auf jeden Fall im Krankenhaus
abklären lassen, um die Gefahr von Verletzungen innerer Organe
mit Einrissen und Blutungen auszuschließen
BeigrößerenBlutungenistinnerhalbvonMinuteneinlebens-
bedrohlicherBlutverlustmitnachfolgendemSchockmöglich.
Schock
Mit dem Begriff Schock bezeichnet man ein Missverhältnis zwischen
Blutangebot und Blutbedarf der lebenswichtigen Organe. Ursachen
können entweder großer Blutverlust oder fehlgesteuerte Blutvertei-
lung sein.
Erkennen:
l
Blässe, kalte Haut
l
kalter, klebriger Schweiß
l
Unruhe und nachfolgende Benommenheit
l
schnelle Atmung
Behandeln:
l
Schocklagerung mit hochgelagerten Beinen
Ausnahmen: VerletzungenvonBauch,Becken,Beinenund
BrustkorboderHerzschwäche/HerzinfarktalsUrsache;
beiHerzinfarkt/HerzschwächeOberkörpererhöhtlagern,
umdasHerzzuentlasten(Seite28)

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16
17
l
schnellen Abtransport organisieren
l
bei Schock durch große Blutverluste unbedingt Auskühlung
vermeiden (Rettungsdecke, Biwaksack)
Allgemeine Erste Hilfe-Maßnahmen
Schocklagerung:
Beinemaximalim45Grad-Winkelhochhalten
undaufentsprechendeUnterlagelegen
Wunden
Wunden entstehen, wenn Gewebe verletzt wird.
Behandeln
l
grobe Verschmutzungen aus der Wunde entfernen
l
die betroffene Stelle ohne weitere Reinigungs- und Desinfektions-
maßnahmen großzügig mit sterilem Verbandsmaterial verbinden
l
wenn kein steriles Material vorhanden ist, die Wunde mit einem
sauberen Tuch abdecken
Diese VerbändedienenzurBlutstillungundverhinderneine
weitere Verschmutzung.
Muskelzerrungen/-faserrisse
Bei zu großer Belastung werden die Muskeln überdehnt. Je nach
Schweregrad der Verletzung besteht die Gefahr, dass die Muskel-
masse einreißt. Beim Muskelfaserriss kommt es zu Einblutungen
und einer deutlichen Funktionseinschränkung, die meist eindeutig
durch einen Schmerzpunkt lokalisierbar ist.
Behandeln:
l
PECH
-Regel anwenden
P
ause–
E
is–
C
ompression–
H
ochlagern
l
maximal 20 Minuten am Stück kühlen
Achtung:
Eisbeutel/Gelkissen wegen der Gefahr von Erfrierungen
nicht direkt auf der Haut anwenden, sondern eine Textilschicht
dazwischen legen, z.B. eine elastische Binde
l
Die Kompression des verletzten Muskels ist wichtig, um eine
vermehrte Einblutung in den Muskel zu verhindern.
Wie versorgt man Knochenbrüche? Welche Sofortmaßnahmen
sindbeiErfrierungenoderSonnenschädennotwendig?Einen
Überblickgebendie„AllgemeinenErsteHilfe-Maßnahmen“.

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18
19
Quetschungen/Prellungen
Bei direkter, stumpfer Gewalteinwirkung kann unter der Haut lie-
gendes Gewebe gequetscht oder schlagartig geprellt werden. Dabei
entstehen häufig Einblutungen in den unteren Gewebeschichten.
Auffällig ist ein starker Druckschmerz.
Behandeln:
l
PECH
-Regel anwenden
P
ause–
E
is–
C
ompression–
H
ochlagern
Knochenbrüche
Gewalteinwirkung oder erhöhte Belastungen können zu Knochen-
brüchen führen. Kennzeichen sind eine abnorme Stellung von Glied-
maßen und starke Schmerzen.
Behandeln:
Nach einem Bruch sind die Schmerzlinderung und die Sicherstellung
der Durchblutung entscheidend: Scharfe Knochenenden können Gefäße
verletzen, Fehlstellungen gefährliche Gefäßkompressionen verursachen.
l
bei Fehlstellungen (sehr vorsichtig) grobe Achsenkorrektur vor-
nehmen: das betroffene Körperteil langsam und mit zunehmender
Intensität, aber nicht ruckartig bewegen
l
betroffene Gliedmaße flach lagern und ruhig stellen – behelfsmä-
ßig in Mittelstellung schienen, dabei die benachbarten Gelenke
miteinbeziehen
l
wenn möglich moderaten Dauerlängszug schaffen (Streckschienung)
l
Knochen beiderseits des Bruches fixieren, Partie polstern und vor
Kälte schützen
l
Achtung:
Bei allen Brüchen in Gelenknähe keinen Längszug aus-
üben! Die Arterien können verletzt werden.
Offene Brüche
l
sterilen Verband anlegen
l
Im Zweifelsfall sind Blutstillung, das vorsichtige Einrichten des
Bruches und Ruhigstellung wichtiger als Sterilität.
Spezielle Brüche
l
Schulter/Arm: mit Dreieckstuch ruhigstellen, Hand einbeziehen
l
Unterarm/Hand: mit Schienenverband ruhigstellen
Unterarmfraktur:
PolsterungundSchienungmit
Schaumstoffstück(z.B.Rücken-
polstereinesRucksacks)und
Fixierungmit Tape;auchin
KombinationmitDreieckstuch
möglich.

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20
21
Verrenkungen
Von einer Verrenkung spricht man, wenn der Gelenkkopf unter
Kapselzerreißung aus der Pfanne ausgetreten ist.
Behandeln:
l
betroffenes Körperteil in angenehmster Lage ruhig stellen und
Verletzten zügig abtransportieren
l
nur durch Fachpersonal einrenken
Sprunggelenk
l
bei behelfsmäßigem Abtransport mit selbstgebauter Streckschie-
nung (Stöcke) Schuhe anlassen, aber Schnürung lockern
Schulter
l
nur durch Fachpersonal einrenken
Pfählungs- und Fremdkörper-
verletzungen
Spitze herausragende Gegenstände (z.B. abgebrochene Äste) können
in den Körper eindringen und stark blutende Wunden verursachen.
Behandeln:
l
Fremdkörper grundsätzlich in der verletzten Extremität oder
Körperhöhle belassen
DerGegenstandwirktwieein Verschluss-Stopfenundkann
lebensbedrohlicheBlutungenbeieventuellvorhandenenGefäß-
verletzungenverhindern.
l
um Transportfähigkeit herzustellen, eventuell vorhandene Fremd-
körper abtrennen
Wirbelverletzungen
Verletzungen an der Wirbelsäule sind wegen möglicher schwerer
Folgeschäden grundsätzlich sehr vorsichtig zu behandeln.
BeiKopfverletzungenimmerauchaneineMitbeteiligungder
Wirbelsäuledenkenundentsprechendhandeln!
Behandeln:
l
Verletzten auf dem Rücken lagern – möglichst auf hartem Untergrund
l
Person anschließend möglichst nicht mehr bewegen
l
bei notwendigen Umlagerungen des Verletzten (Entfernen aus
dem Gefahrenbereich) Folgendes beachten:
Verletzten mit fixiertem Kopf transportieren, ohne Überstrecken
und ohne Verdrehen oder Abknicken der Wirbelsäule
(„wie ein Brett“)
l
Verletzten bei Bewusslosigkeit dennoch in stabile Seienlage
bringen
Umlagerung bei
Wirbelsäulenverletzung:
DerKopfträgergibtdie
Kommandos!

22
23
Lokale Erfrierungen
Von lokalen Erfrierungen sind in der Regel vor allem Hände, Füße und
Gesicht betroffen. Bei Erfrierungen unterscheidet man drei Grade – je
nach Umfang der Gewebsschädigung. Erst nach der Wiedererwärmung
ist es möglich, die Schwere der Erfrierung festzustellen; das volle Aus-
maß der Verletzung ist manchmal erst nach Tagen zu erkennen.
Grad 1:
l
Kälte, Blässe, stechende Schmerzen und Gefühllosigkeit
l
Haut anfangs weiß, später bräunliche Verfärbungen und Abblät-
tern möglich
Grad 2:
l
Diagnose erst nach Erwärmung möglich
l
Rötung, Schwellung, Blasenbildung (helle Flüssigkeit)
Grad 3:
l
Diagnose erst nach Erwärmung möglich
l
Blasenbildung (blutige Flüssigkeit) und örtlich begrenztes Abster-
ben von Gewebe
l
Wochen oder Monate später: Mumifizierung und scharfe Abgren-
zung zum gesunden Gewebe
Behandeln:
… im Freien
l
Betroffenen mit warmen Getränken warmhalten oder aufwärmen
l
vor weiterer Kälteeinwirkung schützen, nasse Kleidung wechseln
l
erfrorene Stellen nur aufwärmen, wenn keine Gefahr des erneuten
Einfrierens besteht
l
nicht mit Schnee einreiben, nicht massieren
Achtung:
Gefahr von Gewebsschädigungen
l
erfrorene Körperteile nicht in den Mund stecken oder anhauchen
Achtung:
Gefahr von Verdunstungskälte
l
erfrorene Körperteile am Körper wärmen, z.B. Hand in die Achsel-
höhle legen, Fuß in die Achselhöhle eines Kameraden legen
l
sterilen, trockenen Polsterverband anlegen und Körperteil druck-
frei lagern
Achtung:
extrem hohe Verletzungsgefahr durch Gefühllosigkeit
l
keine Salben auftragen
l
betroffene Extremitäten vorsichtig aktiv bewegen, wenn keine
allgemeine Unterkühlung vorliegt
l
beheizte Räumlichkeiten aufsuchen (Berghütte)
… in der Berghütte
l
bei warmer Raumtemperatur heiße gezuckerte Getränke verab-
reichen
l
erfrorene Körperteile möglichst rasch auftauen:
– in lauwarmes Wasser eintauchen
– die Temperatur möglichst langsam durch Zugießen von heißem
Wasser auf ca. 38 Grad Celsius erhöhen
– bei großen Schmerzen die Temperatur auf keinen Fall weiter
erhöhen
l
Blasen nicht punktieren oder öffnen, sondern steril abdecken
l
betroffene Extremitäten leicht hochlagern, um Schwellung und
Blasenbildung zu vermindern; leicht bewegen lassen
l
bei schweren Erfrierungen (Grad 2 und 3) für eine schnelle klini-
sche Weiterbehandlung sorgen und den Betroffenen möglichst
wenig bewegen und abtransportieren
l
Achtung:
keine trockene Wärme (Feuer/Heizung) anwenden – wegen
fehlender Temperaturempfindlichkeit besteht die Gefahr von unbe-
merkt zugefügten Verbrennungen mit weiterer Gewebsschädigung

24
25
Allgemeine Unterkühlung
Von einer allgemeinen Unterkühlung spricht man, wenn die Körper-
kerntemperatur unter 35 Grad Celsius absinkt.
Ursachen:
Sturz in kaltes Wasser
Spaltensturz
Liegen im Freien
Lawinenunfall
Auskühlen über mehrere Tage (Expeditionen)
Nasse Kleidung und Wind beschleunigen die Auskühlung!
Man unterscheidet vier Stadien der Unterkühlung (Hypothermie),
die jeweils unterschiedlich behandelt werden.
Stadium I – Patient ansprechbar, Muskelzittern
(Körperkerntemperatur 32 - 35 Grad Celsius)
l
windstille Verhältnisse herstellen
l
vor weiterer Auskühlung schützen
l
heiße, süße Getränke verabreichen (keinen Alkohol!)
l
so viel wie möglich aktiv bewegen lassen
Stadium II – Patient erschwert ansprechbar, kein Muskel-
zittern (Körperkerntemperatur 32 - 28 Grad Celsius)
l
Wärmepackung auf den Brustkorb legen
Wärmepackung:
gefaltetesTuchmitheißem Wassertränken,was-
serdicht(z.B.mitBiwaksack)umhüllen,mitIsolationsschicht(z.B.
Handtuch)umwickeln;alternativ:„HotPacks“einwickeln
l
große Bewegungen vermeiden;
Achtung:
Gefahr des Bergungstodes, wenn kaltes Blut aus den
Extremitäten (Schalenblut) in den Körperkern gerät
l
Getränke nur verabreichen, wenn sie sicher geschluckt werden
können
l
Betroffenen kontinuierlich überwachen
Stadium III – Patient nicht ansprechbar
(Körperkerntemperatur 28 - 24 Grad Celsius)
l
Wärmepackung in stabiler Seitenlagerung anwenden
l
Patienten genau beobachten, Atmung kontrollieren
l
Notruf 112 absetzen
Stadium IV – Atem- und Herzkreislaufstillstand
(Kerntemperatur unter 24 Grad Celsius)
l
Herz-Lungen-Wiederbelebung ohne Unterbrechung
l
Notruf 112 absetzen
Hitze- und Sonnenschäden
Gerade beim Bergsport werden Sonneneinstrahlung und Hitze oft
unterschätzt: So können in südseitig exponierten Hängen Tempe-
raturen um 40 Grad Celsius herrschen, während das Thermometer
auf einem Gipfel trotz intensiver Mittagssonne nur wenige Grad über
null zeigen kann.
Hitzeerschöpfung
Durch starkes Schwitzen und unzureichendes Trinken verliert der
Körper bei Anstrengung große Mengen Flüssigkeit; es kommt
schlimmstenfalls zum Volumenmangelschock.
Erkennen:
l
Schwindel
l
Erschöpfung
l
kalte, blasse Haut
Behandeln:
l
Betroffenen in den Schatten bringen
l
Flüssigkeit verabreichen, wenn diese noch sicher geschluckt
werden kann
l
Schocklagerung anwenden

26
27
Hitzschlag
Die körpereigene Temperaturregelung versagt. Bei vorhandener
Herzschwäche kann sich daraus schnell ein lebensbedrohlicher
Zustand entwickeln.
Ursachen:
aktive Wärmeproduktion bei exzessiver Muskelarbeit; meist bei
jüngeren Bergsportlern ohne Vorwarnung
passiver Wärmestau bei schwülem Wetter und ungeeigneter Klei-
dung; in der Regel bei älteren Personen
Erkennen:
l
trockene, heiße, gerötete Haut
l
Körpertemperatur bis 40 Grad Celsius
l
Bewusstseinsstörungen
l
Blutdruck zu Beginn hoch, bei Fortdauer aber Blutdruckabfall und
Herzrasen (Schock)
Behandeln:
l
sofort konsequent kühlen!
indenSchattenbringen,Kleidungablegen
feucht-kalte TücheraufBauchund Wadenlegen
l
Flüssigkeit nur verabreichen, wenn diese geschluckt werden kann
l
mit erhöhtem Oberkörper lagern – bei zunehmender Kreislauf-
störung flach lagern
Achtung:
insbesondere bei Senioren keine Schocklagerung an-
wenden – Gefahr des Herzversagens!
l
Kühlung abbrechen, wenn Kältezittern auftritt
l
bewusstlose Person in stabile Seitenlage bringen
Sonnenstich
Ein Sonnenstich ist eine Hirnhautreizung, die durch direkte Sonnen-
einstrahlung auf den Kopf hervorgerufen wird.
Erkennen:
l
Kopfschmerz, Unruhe
l
Nackensteifigkeit
l
Übelkeit, Erbrechen
l
Schwindel
Behandeln:
l
Betroffenen mit leicht erhöhtem Oberkörper im Schatten lagern
l
den Kopf kühlen
l
bewusstlose Person in die stabile Seitenlage bringen
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bei Atemstörungen und Bewusstseinstrübung Notruf 112 absetzen
Schneeblindheit
UV-Strahlung kann eine Entzündung des vorderen Augenabschnitts
(Binde- und Hornhaut) verursachen; die Symptome treten meist
ca. sechs Stunden nach dem Aufenthalt im Freien auf.
Erkennen:
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gerötete und lichtempfindliche Augen
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Schmerzen (Fremdkörpergefühl); Tränenfluss
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Sehstörungen – bis zur Blindheit
Behandeln:
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Augenbinde zum Abdunkeln der Augen auflegen

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Herzinfarkt
Auch wenn ein Herzinfarkt nicht typisch beim Bergsport auftritt, sollte
man die Möglichkeit immer in Betracht ziehen. Durch mangelnde
Durchblutung – verursacht durch Gefäßverschluss im Rahmen von
Verkalkungen – stirbt Herzmuskelgewebe ab.
Erkennen:
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Brustschmerz hinter dem Brustbein
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Schmerzcharakter: dumpf, brennend, kann in Arme, Hals oder
Oberbauch ausstrahlen
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Unruhe, Todesangst, kalter Schweiß, Blässe, oft auch Atemnot
Behandeln:
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mit erhöhtem Oberkörper lagern (Herzentlastung)
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Notruf 112 absetzen
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beruhigend einwirken und Verletzten körperlich zur Ruhe bringen
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enge Kleidung öffnen
Inhalt:
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Wundschnellverband (Pflaster)
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elastische Binde
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Tape (mindestens 2,5 cm breit)
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Einmalhandschuhe
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2 Dreieckstücher
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2 Verbandpäckchen
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sterile Mullkompressen (10 x 10 cm)
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kleine Schere
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2 Rettungsdecken
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evtl. Zeckenzange
Weiteres Zubehör:
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Handy
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Stirnlampe
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Karte/GPS
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Biwaksack
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Sam Splint Schiene
Rucksackapotheke
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GrundausstattungjedesBergsportlers!
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Herz entlastende Lagerung:
Oberkörpererhöht,ca.im45Grad-Winkellagern

Die Broschüre „Erste Hilfe für Bergsportler“
erscheint in Zusammenarbeit mit
www.bergwacht-bayern.de