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Eckwerte
zur politischen Bildung
Dezember 2018

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Inhalt
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Vorbemerkung ..................................................................................................................... 3
1
Einführung .................................................................................................................. 3
2
Begriffsbestimmung politische Bildung ................................................................... 4
3
Ziele und Inhalt der politischen Bildung ................................................................... 4
4
Ebenen der politischen Bildung in der Schule ......................................................... 6
4.1
Politische Bildung auf der Schulebene ......................................................................... 7
4.2
Politische Bildung auf der Unterrichtsebene ................................................................. 8
4.3
Politische Bildung auf der Ebene des Gemeinschaftskundeunterrichtes ....................... 8

 
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Vorbemerkung
Das vorliegende Eckwertepapier richtet sich an Lehrerinnen und Lehrer, die Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter der Schulaufsicht, der mit der Lehrerbildung betrauten Einrichtungen sowie der
Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung. Die Aussagen basieren auf den Positionen
des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland, der Verfassung des Freistaates Sachsen
und des Sächsisches Schulgesetzes. Das Eckwertepapier orientiert sich an grundlegenden
fachdidaktischen Ansätzen der politischen Bildung. Es beinhaltet Vorgaben für die Gestaltung
von Schule und Unterricht an allen Schularten und stellt einen verbindlichen Rahmen für die
Weiterentwicklung der politischen Bildung an Sachsens Schulen dar.
1 Einführung
Die moderne Gesellschaft weist ein hohes Maß an religiöser, weltanschaulicher, politischer,
sozialer sowie kultureller Pluralität auf und ist durch stetigen Wandel, Debatten, Kontroversen,
Diskurse und Konflikte geprägt. Der konstruktive Umgang mit Pluralität erfordert politische Mün-
digkeit.
Da „der mündige Bürger (…) nicht vom Himmel “ fällt
1
, Demokratie sich nicht naturwüchsig
ergibt, erwächst für die Schule im Rahmen des Erziehungs- und Bildungsauftrages die Ver-
pflichtung und Notwendigkeit, die Schülerinnen und Schüler zu befähigen, sich in dieser moder-
nen Gesellschaft zu orientieren, gesellschaftliche Entwicklungen wahrzunehmen, eine demokra-
tische Haltung in gesellschaftlichen Kontroversen zu entwickeln sowie die demokratische Ge-
sellschaft aktiv und kritisch mitzugestalten.
Schule ist per se ein politischer Raum, der einerseits Kontroversität, Heterogenität und Plura-
lismus thematisieren muss, andererseits das Wertegerüst der freiheitlichen demokratischen
Grundordnung als verbindlichen Konsens sichtbar, erlebbar und erlernbar machen soll. Lehr-
kräfte sollen überzeugte und überzeugende Botschafterinnen und Botschafter der freiheitlichen
demokratischen Grundordnung auf der Basis des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutsch-
land und der Verfassung des Freistaates Sachsen sein, die Schülerinnen und Schüler zu kriti-
schen und konstruktiven Meinungsäußerungen sowie Werturteilen befähigen und zum politi-
schen Handeln anregen. Die Prinzipien des Beutelsbacher Konsenses
2
sind für die Gestaltung
von Kontroversen und für politische Meinungsäußerungen und Aktivitäten an der Schule maß-
gebend.
Als Orientierungsrahmen für politische Bildung in der Schule dienen die 2018 überarbeiteten
KMK-Empfehlungen „Demokratie als Ziel, Gegenstand und Praxis historisch-politischer Bildung
und Erziehung in der Schule“
3
sowie „Menschenrechtsbildung in der Schule“
4
und das „Hand-
lungskonzept zur Stärkung der demokratischen Schulentwicklung und politischen Bildung an
sächsischen Schulen W wie Werte“
5
. Politische Bildung wird durch diesen Orientierungsrahmen
als übergeordnete und allgemeine schulische Aufgabe aller Beteiligten definiert, wobei Demo-
kratie an Schule nicht nur gelernt, sondern auch gelebt werden muss. Die Medienbildung als
weitere bedeutsame Aufgabe von Schule ist der politischen Bildung dabei immanent, denn ana-
loge und digitale Medien prägen den Lebensalltag und haben damit auch einen maßgeblichen
Einfluss auf politische Meinungsbildungsprozesse und Diskurse in unserer Gesellschaft.
1
Theodor Eschenbach: Der mündige Bürger fällt nicht vom Himmel. Die Anfänge der Politikwissenschaft und des
Faches Gemeinschaftskunde in Deutschland nach 1945., in: Bürger im Staat. Heft 3, 1986.
2
Hans Georg Wehling: Konsens à la Beutelsbach?, in: Siegfried Schiele/Herbert Schneider (Hrsg.): Das Konsens-
problem in der politischen Bildung. 1977.
3
Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 06.03.2009 i. d. F. vom 11.10.2018.
4
Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 04.12.1980 i. d. F. vom 11.10.2018.
5
Sächsisches Staatsministerium für Kultus vom 26.08.2017.

 
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2 Begriffsbestimmung politische Bildung
Die Begriffe politische Bildung, politische Bildungsarbeit, Demokratie-Lernen bzw. -Leben oder
Demokratieerziehung werden häufig sinnverwandt verwendet. Bei aller Unterschiedlichkeit der
verwendeten Termini bzw. Konzepte gibt es einen weitgehenden Konsens in der Zielformulie-
rung: einen Beitrag zur Mündigkeit der Bürgerinnen und Bürger zu leisten und zur Stärkung der
Zivilgesellschaft beizutragen, die sich als partizipative Öffentlichkeit versteht. Demokratisches
Handeln wird als primäres Ziel politischer Bildung verstanden. Dabei sind die Grenzen zwischen
sozialem Handeln und politischem Handeln fließend.
Politische Bildung will Menschen befähigen, die gesellschaftliche Wirklichkeit zu erkennen, zu
beurteilen und zu beeinflussen. Die politische Analyse-, Urteils- und Handlungskompetenz der
Bürgerinnen und Bürger stellt eine Voraussetzung für das Funktionieren demokratischer Syste-
me dar.
6
Eine gelingende Demokratie braucht Menschen, die bereit sind, Werte wie Freiheit,
Gerechtigkeit, Solidarität und Toleranz zu leben und gegebenenfalls zu verteidigen. Somit wird
ein weiter Politikbegriff zugrunde gelegt und das Konzept der partizipativen Demokratie aufge-
griffen, das den hohen Stellenwert der aktiven Beteiligung möglichst vieler Bürgerinnen und
Bürger als Ziel formuliert.
Politische Bildung arbeitet am Fundament einer lebendigen und wandlungsfähigen Demokratie
und versteht sich nicht als rein affirmativ. Dabei ist die Befähigung zu Kritik, Widerspruch und
Opposition im Rahmen der freiheitlichen demokratischen Grundordnung eine wesentliche Vo-
raussetzung zur Entwicklung von Mündigkeit.
3 Ziele und Inhalt der politischen Bildung
Die Institution Schule besitzt neben der Familie, der Peergroup oder Vereinen eine zentrale
Bedeutung bei der politischen Sozialisation von Jugendlichen.
Das sächsische Leitbild für Schulentwicklung formuliert als grundlegendes Bildungsziel, dass
„schulische Bildung und Erziehung (...) junge Menschen zu einer selbstbestimmten und verant-
wortungsvollen Lebensgestaltung sowie zum gestaltenden Mitwirken in der demokratischen
Gesellschaft befähigen [muss].“
7
In der politischen Bildung wird dieser Anspruch als politische
Mündigkeit bezeichnet.
Politische Mündigkeit ist eine wesentliche Bedingung für erfolgreiche Partizipation und wichtig
für die Erhaltung und Weiterentwicklung einer demokratischen politischen Kultur und eines de-
mokratischen politischen Systems. Mündige Bürgerinnen und Bürger wissen um ihre Beteili-
gungsrechte und sind zu selbstbestimmten politischen Urteilen fähig. Sie können aktiv-
partizipatorisch in gesellschaftliche und politische Prozesse eingreifen und verstehen sich als
politische Subjekte. Sie sind demzufolge in der Lage, das eigene Leben zu gestalten, eigene
Selbst- und Weltdeutungen zu entwickeln, an Politik und Gesellschaft autonom zu partizipieren,
gesellschaftliche Strukturen, in denen sie leben, kritisch zu reflektieren, Verursachung, Betrof-
fenheit, Verantwortung, Handlungsoptionen sowie reale Einflusschancen zu unterscheiden. Po-
litische Bildung befähigt Schülerinnen und Schüler politische Mündigkeit zu entwickeln und
muss auf verschiedenen Ebenen im Rahmen eines ganzheitlichen Ansatzes stattfinden, um
eine nachhaltige Wirkung zu entfalten.
Ziel der politischen Bildung in der Schule ist ein reflektiertes und (selbst)reflexives Politikbe-
wusstsein, das im schulischen Lernen in besonderer Weise über exemplarische Annäherungen
an aktuelle gesellschaftliche, politische, rechtliche und ökonomische Sachverhalte unter Be-
rücksichtigung der Lebens- und Erfahrungswelt der Schülerinnen und Schüler aufgebaut wird.
Die historisch-politische Bildung verbindet gegenwärtige gesellschaftliche Kontroversen mit
Momenten der Vergangenheitsdeutung und eröffnet damit Chancen für einen Diskurs über de-
6
vgl. Dirk Lange: Historisches Lernen als Dimension politischer Bildung., in: Wolfgang Sander (Hrsg.): Handbuch
politische Bildung, 2014, S. 321.
7
Leitbild Schulentwicklung, S. 4.

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ren angemessene Bewältigung in der Zukunft. Lernangebote, die zum politischen Denken und
Handeln befähigen, müssen im Mittelpunkt schulischer Bildung stehen.
Politische Bildung sollte hinsichtlich des Wissenserwerbs, der Kompetenzentwicklung und der
Werteorientierung in besonderem Maße zur Persönlichkeitsentwicklung und zum Demokratie-
Lernen beitragen
:
Die Schülerinnen und Schüler erwerben intelligentes Wissen über gesellschaftliche, politi-
sche, rechtliche und ökonomische Sachverhalte in ihrer Komplexität und Interdependenz.
Die Schülerinnen und Schüler entwickeln die Fähigkeit, fachspezifische Arbeitsmethoden
der politischen Bildung zu reflektieren und Ergebnisse in angemessener Fachsprache in
Wort und Schrift zu präsentieren.
Die Schülerinnen und Schüler entwickeln gesellschaftliche, politische und ökonomische Ur-
teilsfähigkeit auf Grundlage eigener begründeter, wertbezogener und rationaler Maßstäbe.
Die Schülerinnen und Schüler entwickeln die Fähigkeit zur Toleranz im Rahmen der freiheit-
lichen demokratischen Grundordnung.
Die Schülerinnen und Schüler entwickeln die Fähigkeit und Bereitschaft, sich vor dem Hin-
tergrund demokratischer Handlungsoptionen aktiv in die freiheitliche Demokratie einzubrin-
gen.
Leitende didaktische Grundsätze für die verschiedenen Ebenen der politischen Bildung an
Schule resultieren sowohl aus den Prinzipien des Beutelsbacher Konsenses als auch aus den
fachdidaktischen Prinzipien politischer Bildung.
Der Beutelsbacher Konsens von 1976 stellt einen Minimalkonsens in der politischen Bildung dar
und umfasst folgende Prinzipien:
„1. Überwältigungsverbot.
Es ist nicht erlaubt, den Schüler – mit welchen Mitteln auch immer – im Sinne erwünschter
Meinungen zu überrumpeln und damit an der "Gewinnung eines selbstständigen Urteils" zu
hindern. Hier genau verläuft nämlich die Grenze zwischen Politischer Bildung und Indoktri-
nation. Indoktrination aber ist unvereinbar mit der Rolle des Lehrers in einer demokratischen
Gesellschaft und der – rundum akzeptierten – Zielvorstellung von der Mündigkeit des Schü-
lers.
2. Was in Wissenschaft und Politik kontrovers ist, muss auch im Unterricht kontrovers er-
scheinen.
Diese Forderung ist mit der vorgenannten aufs engste verknüpft, denn wenn unterschiedli-
che Standpunkte unter den Tisch fallen, Optionen unterschlagen werden, Alternativen un-
erörtert bleiben, ist der Weg zur Indoktrination beschritten. (…)
3. Der Schüler muss in die Lage versetzt werden, eine politische Situation und seine eigene
Interessenlage zu analysieren, sowie nach Mitteln und Wegen zu suchen, die vorgefundene
politische Lage im Sinne seiner Interessen zu beeinflussen.“
8
8
Hans Georg Wehling: Konsens à la Beutelsbach?, in: Siegfried Schiele/Herbert Schneider (Hrsg.): Das Konsens-
problem in der politischen Bildung. 1977, S. 179.

 
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Der Beutelsbacher Konsens „warnt vor parteinehmenden Angeboten und vor Überwältigung“
9
der Schüler, fordert aber gleichzeitig Lehrkräfte dazu auf, „Kontroversen nicht auszuweichen,
sondern ganz im Gegenteil das Kontroverse in den Mittelpunkt von politischen Bildungsprozes-
sen“
10
zu stellen. Die Auslegung, der Beutelsbacher Konsens verpflichte Lehrkräfte zur Neutrali-
tät, führt in die Irre, denn „in der politischen Bildung geht es nicht darum Menschen durch Zu-
rückhalten von Gegenpositionen zu schonen, Konflikte oder Diskussionen zu vermeiden“
11
,
sondern auch Kontroversen bewusst auszulösen. Lehrkräfte als mündige Bürger sollen unter
Wahrung der Prinzipien des Beutelsbacher Konsenses Position in Kontroversen beziehen,
wenn dies als die eigene politische Meinung für die Schülerinnen und Schüler zu erkennen ist.
Sie
sind dabei verpflichtet, für die freiheitliche demokratische Grundordnung auf Basis des
Grundgesetzes und der Verfassung des Freistaates Sachsen einzutreten. Da politische Bildung
immer mit reflektiertem und (selbst)reflexivem Lernen zu tun hat und darüber hinaus die Ausei-
nandersetzung mit politischen Fragen grundsätzlich emotional fundiert ist, kann auch Emotiona-
lität nicht aus politischen Bildungsprozessen herausgehalten werden.
Die Ziele und Prinzipien gelten für jede Schulart und Schulstufe. Für die Ziele politischer Bildung
wird keine spezielle systematische Progression entwickelt. Die Ziele werden erreicht durch das
Zusammenspiel von Affektivem und Sozialem mit Kognitivem und Reflexivem. Dies gilt für jedes
Anspruchsniveau, auf dem Ziele der politischen Bildung angesiedelt sein können. Welche Aus-
schnitte jeweils behandelt werden können oder sollen richtet sich nach der Thematik bzw. der
entsprechenden Ebene der politischen Bildung.
4 Ebenen der politischen Bildung in der Schule
„In einer Schule als Ort gelebter Demokratie werden die Würde des jeweils anderen großge-
schrieben, Toleranz und Respekt gegenüber anderen Menschen und Meinungen geübt, Zivil-
courage gestärkt, demokratische Verfahren und Regeln eingehalten und Konflikte gewaltfrei
gelöst.“
12
Politische Bildung in der Schule muss, wenn sie nachhaltig und ganzheitlich stattfinden soll, auf
verschiedenen Ebenen als Querschnittsaufgabe umgesetzt werden:
auf der Schulebene
auf der Unterrichtsebene
auf der Ebene des Gemeinschaftskundeunterrichtes
13
Zu verknüpfen ist politische Bildung mit weiteren bildungsthematischen Schwerpunkten wie Me-
dienbildung, Interkulturalität, kultureller Bildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung.
9
Besand, Anja: Therapeutische Zuwendung oder strategische Ablehnung? Rechtspopulismus und politische Bil-
dung, in: Bieling, Hans-Jürgen/ Massing, Peter (Hrsg.): Wutbürger: Politikum 2/2017, S. 68.
10
ebd.
11
ebd.
12
KMK-Beschluss (2018): Demokratie als Ziel, Gegenstand und Praxis historisch-politischer Bildung und Erziehung
in der Schule, S. 4.
13
bzw. in den entsprechenden Fächern der Schularten

 
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4.1
Politische Bildung auf der Schulebene
Schule als Institution fördert mit der Gesamtheit ihrer Akteure soziales Lernen und unterstützt
die Herausbildung politischer Mündigkeit der Schülerinnen und Schüler. Als demokratisches
Gemeinwesen soll Schule Lernort für Demokratie sein. Politische Bildung soll in den verschie-
denen Prozessen an Schule, im Rahmen von Schulkultur, Management und Führung, Koopera-
tion und Entwicklung der Professionalität, ermöglicht und wirksam werden.
Ein aktives Eintreten für gemeinsame Werte und Normen auf der Basis des Grundgesetzes der
Bundesrepublik Deutschland und der Verfassung des Freistaates Sachsen ist ein Kern von
Schulkultur. Sie bildet die Grundlage für die Herausbildung einer demokratischen Grundhaltung
bei allen an Schule beteiligten Akteuren. Das Verhältnis von Lehrerinnen und Lehrern, Schüle-
rinnen und Schülern sowie den Eltern soll daher von Respekt, Vertrauen und Wertschätzung
geprägt sein und ist Voraussetzung für ein positives Schulklima. Schule muss es ermöglichen,
die Schülerinnen und Schüler altersgemäß an Entwicklungsprozessen zu beteiligen und sie im
pädagogisch-verantwortungsvollen Rahmen an das Treffen selbstständiger Entscheidungen
heranzuführen. Durch dieses eigenverantwortliche Handeln werden sie in ihrer Entwicklung zu
mündigen Bürgerinnen und Bürgern gefördert.
Die Schulleiterin oder der Schulleiter leistet, unterstützt von der Schulaufsicht, einen entschei-
denden Beitrag bei der Schaffung von positiven Rahmenbedingungen für politische Bildung an
der eigenen Schule durch einen partizipativ-kooperativen
Führungsstil und eine Öffnung von
Schule für das zivilgesellschaftliche Umfeld. Um politische Bildung auf Schulebene zu entwi-
ckeln, ist sie als wichtige Bildungsaufgabe einschließlich ihrer Umsetzung ins Schulprogramm
aufzunehmen. Für die Umsetzung politischer Bildung auf der Unterrichtsebene aller Fächer
trägt die Schulleitung durch die Steuerung der damit verbundenen pädagogischen Prozesse
Sorge. Sie unterstützt die Lehrkräfte durch eine angemessene Berücksichtigung der politischen
Bildung und ihrer didaktischen Umsetzung im Fortbildungskonzept der Schule.
Die Öffnung von Schule zum gesellschaftlichen Umfeld durch die Kooperation mit staatlichen
und nicht-staatlichen Akteuren und die demokratische Verfasstheit von Schule durch die rechtli-
chen und tatsächlichen Möglichkeiten von Teilhabe und Mitbestimmung sind Voraussetzungen
für eine wirksame politische Bildung auf Schulebene. Die Kooperation von Schülervertretung,
Elternvertretung, den Vertretern der Lehrerschaft und des Schulträgers in der Schulkonferenz
macht Schule als einen Ort von Demokratie erleb- und erfahrbar. Durch die aktive Wahrneh-
mung ihrer Mitwirkungsmöglichkeiten lernen die Schülerinnen und Schüler demokratische Pro-
zesse von Aushandlung, Kompromissbildung und Entscheidungsfindung kennen. Dadurch wird
das Verständnis für politische Willensbildungsprozesse in unserer freiheitlichen demokratischen
Grundordnung gefördert.
Eine gelebte Kooperation mit Verbänden, Vereinen und sonstigen öffentlichen Einrichtungen
trägt dazu bei, Schülerinnen und Schüler zu außerschulischem gesellschaftlichen Engagement
anzuregen.
Politische Bildung in der Schule setzt die Entwicklung von Professionalität durch eine systema-
tische Zusammenarbeit im Kollegium voraus, die geprägt ist von einer demokratischen Konfe-
renz- und Debattenkultur. Die Lehrerinnen und Lehrer sind durch ihre demokratische Grundein-
stellung und ihr Selbstverständnis als mündige Bürgerinnen und Bürger in einer Demokratie
wichtige Vorbilder für die Schülerinnen und Schüler. Dieser Vorbildrolle werden Lehrerinnen und
Lehrer am besten gerecht, indem sie ihren Unterricht schülerorientiert, kooperativ und partizipa-
tiv gestalten und sich nicht scheuen, zu gesellschaftlichen, politischen, rechtlichen und ökono-
mischen Sachverhalten auf Grundlage der freiheitlichen demokratischen Grundordnung Stel-
lung zu beziehen. In diesem Zusammenhang ist die Bereitschaft der Lehrerin oder des Lehrers
notwendig, Fortbildungsangebote zu nutzen, um Kenntnisse und Kompetenzen im Bereich der
politischen Bildung und ihrer Vermittlung im Unterricht weiterzuentwickeln und diese auf den
schulischen Alltag zu übertragen.

 
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4.2
Politische Bildung auf der Unterrichtsebene
Politische Bildung steht nicht für sich allein, sondern ist immer interdisziplinär zu betrachten.
Damit ergibt sich politische Bildung als Unterrichtsprinzip für alle Fächer und als Querschnitts-
aufgabe, die in den Lehrplänen verankert ist.
Zahlreiche Inhalte eines jeden Unterrichtsfachs stehen in Zusammenhang mit gesellschaftli-
chen, politischen, rechtlichen und ökonomischen Sachverhalten und haben dadurch einen poli-
tischen Gehalt. Durch die Auseinandersetzung mit diesen Sachverhalten fördert jedes Unter-
richtsfach das Interesse der Schülerinnen und Schüler für Politik und schafft bei ihnen ein Be-
wusstsein für Probleme und Herausforderungen ihrer Zeit. Dem allgemeinen didaktischen Prin-
zip der Kontroversität folgend, müssen bei Inhalten mit politischem Gehalt auch die damit in
Verbindung stehenden politischen Fragen im Unterricht mithilfe fachspezifischer Arbeitsmetho-
den der politischen Bildung thematisiert werden. Fachspezifische Methoden der politischen Bil-
dung sind unter anderem Rollen- und Planspiele sowie Streitgespräche, Pro- und Contradebat-
ten und Podiumsdiskussionen zu politischen Themen oder auch kriterienorientierte Fall-, Kon-
flikt- und Problemanalysen, sowie Expertengespräche mit Vertretern der Exekutive, Judikative
und Legislative. Jedes Unterrichtsfach unterstützt die Erreichung der Ziele politischer Bildung,
indem es aus seiner fachspezifischen Perspektive heraus zum Wissenserwerb, zur Kompeten-
zentwicklung und zur Werteorientierung der Schülerinnen und Schüler beiträgt.
Zur Entwicklung von Professionalität bei der Behandlung von Inhalten mit politischem Gehalt im
eigenen Unterricht sollen die Lehrerinnen und Lehrer aller Fächer die bereitgestellten Fortbil-
dungsangebote aktiv nutzen und die gewonnenen Erkenntnisse und Kompetenzen im eigenen
Kollegium als Multiplikatoren weitergeben. Politische Bildung und deren Umsetzung auf Unter-
richtsebene bilden einen Vertiefungsschwerpunkt in den Curricula für den Vorbereitungsdienst
des Lehramtes an allen Schularten.
4.3
Politische Bildung auf der Ebene des Gemeinschaftskundeunterrichtes
14
Basierend auf Erkenntnissen und Methoden der Gesellschaftswissenschaften werden im Ge-
meinschaftskundeunterricht gesellschaftliche, politische, rechtliche und ökonomische Sachver-
halte untersucht. Die Schülerinnen und Schüler vernetzen und strukturieren ihr Wissen über
diese Sachverhalte durch die verständige Verwendung geeigneter analytischer Kategorien. Sie
reflektieren aus dieser fachspezifischen Perspektive heraus demokratische Prozesse bewusster
und können dadurch ihre gesellschaftliche, politische und ökonomische Urteils- und Handlungs-
fähigkeit weiterentwickeln.
Im Vordergrund steht dabei die Auseinandersetzung und Identifikation mit unserer freiheitlichen
demokratischen Grundordnung und den Regeln des gesellschaftlichen Zusammenlebens in
deutlicher Abgrenzung zur ideologischen Erziehung eines Staatsbürgerkundeunterrichts des
DDR-Bildungssystems. Dagegen steht im Gemeinschaftskundeunterricht die Entwicklung der
Schülerinnen und Schüler zu mündigen Bürgern im Mittelpunkt, welche sich aktiv gestaltend in
die gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Prozesse einbringen.
Guter Gemeinschaftskundeunterricht beinhaltet die Einbeziehung außerschulischer Lernorte
und Partner, den sinnvollen Einsatz fachspezifischer Arbeitsmethoden und die entsprechende
Berücksichtigung der fachdidaktischen Prinzipien der politischen Bildung: Problemorientierung,
kategoriales Lernen, Kontroversität, Exemplarität, Fallprinzip, Schüler-, Handlungs-, Wissen-
schafts- und Zukunftsorientierung.
14
bzw. in den entsprechenden Fächern der Schularten