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isw
Gesellschaft für wissenschaftliche Beratung und Dienstleistung mbH
Ex-ante-Evaluierung
zur Auflage eines Mikrodarlehensfonds
im Rahmen der ESF-Förderung des Freistaates
Sachsen in der Förderperiode 2014-2020
Ihr Ansprechpartner:
Gerald Wagner
Bereichsleiter Evaluation und Arbeitsmarktforschung
Seebener Straße 22
06114 Halle
Tel.
0345-299
82 837
Fax 0345-299 82 888
Email: info@isw-gmbh.de
Halle (Saale), 12.10.2015

Ex-ante-Evaluierung zur Auflage eines Mikrodarlehensfonds
im Rahmen der ESF-Förderung des Freistaates Sachsen in der Förderperiode 2014-2020
1
Gliederung
Abkürzungsverzeichnis ........................................................................................... 3
Zusammenfassung ................................................................................................... 4
Management summary ............................................................................................. 8
1. Hintergrund ....................................................................................................... 12
2. Untersuchungsmethodik ................................................................................. 14
3. Konsistenz-Check ............................................................................................ 16
4. Analyse von Marktschwächen und Investitionsbedarfen ............................. 18
4.1.
Vorbemerkungen ....................................................................................................18
4.2. Regionalwirtschaftlicher Kontext – Identifikation grundlegender Marktprobleme .....18
4.2.1. Unternehmensbestand und selbstständiges Unternehmertum.....................18
4.2.2. Rahmenbedingungen für Existenzgründungen ............................................19
4.2.3. Rahmenbedingungen für Mikrofinanzierungen ............................................20
4.3. Finanzierungsbedingungen von Existenzgründern – Bewertung von
Marktschwächen, suboptimalen Investitionssituationen ..........................................22
4.3.1.
Nachfrageseite ............................................................................................22
4.3.2. Angebotsseite .............................................................................................29
4.3.2.1. Kreditvolumen von Banken und Sparkassen in Sachsen an
Unternehmen und wirtschaftlich selbstständige Privatpersonen .....29
4.3.2.2. Gründungsfinanzierung durch Kreditinstitute und KfW ...................30
4.3.2.3. Mikrofinanz-Institute (MFI) in Sachsen ...........................................32
4.3.2.4. ESF-Mikrodarlehen der SAB ..........................................................33
4.3.2.5. Internet-Kreditangebot ...................................................................35
4.3.2.6. Gründungsförderung der Arbeitsverwaltung ...................................35
4.3.2.7. Zwischenfazit .................................................................................36
4.3.3. Schätzung der Finanzierungslücke ..............................................................37
5. Bewertung des Mehrwertes des Finanzinstruments und der Kohärenz
mit anderen öffentlichen Interventionen sowie der Verhältnismäßigkeit
der Intervention ................................................................................................ 39
5.1.
Quantitative Aspekte des Mehrwerts .......................................................................39
5.2. Qualitative Aspekte des Mehrwerts .........................................................................39
5.3. Kohärenz mit anderen öffentlichen Interventionen ..................................................41
5.4. Implikationen in Bezug auf staatliche Beihilfen .......................................................42
6. Schätzung zusätzlicher öffentlicher und privater Mittel, die durch das
Finanzinstrument aufzubringen sind (Hebeleffekt) ....................................... 43

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im Rahmen der ESF-Förderung des Freistaates Sachsen in der Förderperiode 2014-2020
2
7. Bewertung der Erfahrungen mit ähnlichen Instrumenten ............................ 45
7.1.
Ergebnisse und Erfahrungen in Sachsen ................................................................45
7.2. Ergebnisse und Erfahrungen auf europäischer Ebene ............................................50
8. Bewertung der Investitionsstrategie .............................................................. 53
8.1.
Eckpunkte der Strategie..........................................................................................53
8.2. Geplante Ausgestaltung des Fonds vor dem Hintergrund bisheriger Ergebnisse
und Erfahrungen .....................................................................................................57
9. Spezifizierung der erwarteten Ergebnisse ..................................................... 59
10. Bestimmungen zur Überprüfung und ggf. Aktualisierung der Ex-ante-
Bewertung während des Einsatzes des Finanzinstruments ....................... 60
11. Quellenverzeichnis........................................................................................... 61
Anlage:
Liste der Interviewpartner/innen

 
Ex-ante-Evaluierung zur Auflage eines Mikrodarlehensfonds
im Rahmen der ESF-Förderung des Freistaates Sachsen in der Förderperiode 2014-2020
3
Abkürzungsverzeichnis
EIB
Europäische Investitionsbank
ESF
Europäischer Sozialfonds
ESIF
Europäische Struktur- und Investitionsfonds
EW
Einwohner
FI
Finanzinstrument
IfM
Institut für Mittelstandsforschung
IP
Investitionspriorität
KfW
Kreditanstalt für Wiederaufbau
KOM
Europäische Kommission
MDF
Mikrodarlehensfonds
OP
Operationelles Programm
OSV
Ostdeutscher Sparkassenverband
PA
Prioritätsachse
PV
Partnerschaftsvereinbarung
SMWA
Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr
SRH
Sächsischer Rechnungshof
sv-pflichtig
sozialversicherungspflichtig
VO
Verordnung

 
Ex-ante-Evaluierung zur Auflage eines Mikrodarlehensfonds
im Rahmen der ESF-Förderung des Freistaates Sachsen in der Förderperiode 2014-2020
4
Zusammenfassung
Hintergrund und Untersuchungsmethodik
Das Operationelle Programm des Freistaates Sachsen für den Europäischen Sozialfonds in
der Förderperiode 2014-2020 (ESF-OP) sieht vor, Mittel für einen Mikrodarlehensfonds be-
reitzustellen. Das Förderangebot soll dazu beitragen, den Kapitalbedarf für Existenzgrün-
dungen bzw. zur Entwicklung junger kleiner Unternehmen zu decken.
Für die Unterstützung solcher Finanzinstrumente ist gemäß Art. 37 Abs. 2 der VO (EU)
1303/2013 (ESIF-VO) eine Ex-ante-Bewertung vorzunehmen. Zur Konkretisierung der An-
forderungen an die Ex-ante-Bewertung von Finanzinstrumenten haben Europäische Kom-
mission und Europäische Investitionsbank (EIB) im April 2014 einen umfangreichen metho-
dischen Leitfaden veröffentlicht. Die Ex-ante-Bewertung folgt diesem Leitfaden. Neben der
Auswertung einschlägiger Daten basiert sie auf Dokumentenanalysen und Expertenein-
schätzungen zur Angebots- und Nachfrageseite des Marktsegments sowie zu weiteren rele-
vanten Fragestellungen.
Konsistenz-Check
Eine Prüfung der einschlägigen Dokumente hat ergeben, dass die geplante Unterstützung
des Mikrodarlehensfonds des Freistaats Sachsen aus dem OP ESF konsistent zu den Fest-
legungen bzw. Bewertungen der Partnerschaftsvereinbarung, des OP ESF und der Ex-ante-
Bewertung für das OP ist.
Analyse von Marktschwächen und Investitionsbedarfen
Der Unternehmensbestand ist in Sachsen in den letzten Jahren gewachsen. Gleichwohl liegt
der Unternehmensbesatz noch unter dem Bundesdurchschnitt. Die Zahl der Unternehmens-
gründungen geht im Trend zurück, die Gründungsintensität liegt ebenfalls deutlich unter dem
Bundesdurchschnitt. Insofern erscheint eine Intensivierung des Gründungsgeschehens – mit
dem Ziel des Aufbaus stabiler, wettbewerbsfähiger Unternehmen – wirtschaftspolitisch wün-
schenswert.
Die Analysen haben ergeben, dass im Hinblick auf den Zugang von Existenzgründer/innen
und jungen Kleinstunternehmen zu Gründungsfinanzierungen in Sachsen Marktschwächen
bestehen. Unter den aktuellen Rahmenbedingungen (Unternehmensbestand, Gründungsdy-
namik, Finanzierungsbedingungen) wird das Defizit an externen Finanzierungsangeboten für
grundsätzlich erfolgsträchtige Gründungen bzw. junge Unternehmen – d.h. die auf Markt-
schwächen bzw. suboptimalen Investitionsbedingungen beruhende Finanzierungslücke – auf
ca. 20 bis 30 Mio. € p.a. geschätzt. Davon entfallen ca. 4 bis 6 Mio. € auf Existenzgründun-
gen und ca. 16 bis 24 Mio. € auf junge Kleinstunternehmen.
Hauptsächliche Ursachen für die identifizierte Finanzierungslücke im privaten Banken- und
Sparkassensektor sind Informationsprobleme im Hinblick auf die Risikobewertung der Grün-
dungsprojekte und die Kompetenzbewertung der Gründungspersonen sowie die mangelnde

Ex-ante-Evaluierung zur Auflage eines Mikrodarlehensfonds
im Rahmen der ESF-Förderung des Freistaates Sachsen in der Förderperiode 2014-2020
5
Rentabilität der Kreditvergabe bei Vorhaben mit geringem Kreditbedarf. Daneben spielen
auch Aspekte wie eine fehlende „Kredithistorie“ der Gründer/innen bei den Kreditinstituten
und unzureichende Sicherheiten der Kreditsuchenden eine Rolle.
Bewertung des Mehrwertes des Finanzinstruments und der Kohärenz mit anderen öf-
fentlichen Interventionen sowie der Verhältnismäßigkeit der Intervention
Auf Ebene einzelner Darlehensnehmer/innen liegt der Mehrwert darin, dass der Fonds ein
zusätzliches Angebot an Finanzierungsmitteln bereitstellt, welches am Kapitalmarkt nicht
oder nur eingeschränkt erreichbar ist. Mit der Rückzahlung des Förderdarlehens entwickeln
die Gründer/innen darüber hinaus eine Kredithistorie, was ihnen perspektivisch den Zugang
zu regulären Bankfinanzierungen erleichtern kann.
Darüber hinaus ist von Bedeutung, dass Darlehen – im Vergleich zur Zuschussförderung –
aufgrund ihrer deutlich geringeren Beihilfeintensität die Risiken von Marktverzerrungen be-
grenzen. Gerade für unternehmerische Aktivitäten, die sich – wie bei den ESF-
Mikrodarlehensnehmer/innen – weitgehend auf lokale Märkte mit hoher Wettbewerbsintensi-
tät konzentrieren, ist dies für die Bestandsunternehmen ein wichtiger Aspekt.
Im Vergleich zur Option, Existenzgründungen durch Zuschüsse zu fördern, ist der geplante
Einsatz des Darlehensinstruments somit als verhältnismäßig zu bewerten.
Durch die Fondstätigkeit werden – im Unterschied zu verlorenen Zuschüssen – Rückflüsse
generiert. Diese Mittel sind gemäß den Regeln für die EU-Strukturfonds für ähnliche Zwecke
einzusetzen. In der Folge
kann der Fördereffekt vervielfacht werden. Gleichzeitig erhält der
Freistaat Sachsen seine Fähigkeit, auch bei zukünftig weiter sinkenden Haushaltsübertra-
gungen (Solidarpakt II, EU-Fonds nach 2020) Maßnahmen der Wirtschaftsförderung weiter-
hin substanziell zu unterstützen.
Ein Mehrwert des Fonds auf regionaler Ebene ist auch darin zu sehen, dass das im Freistaat
bestehende Instrumentarium zur Förderung der Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens-
sektors sinnvoll ergänzt wird. Die Prüfung bereits vorhandener Förderangebote mit ver-
gleichbarer Zielrichtung hat ergeben, dass das geplante Mikrodarlehen keine wesentlichen
Überschneidungen aufweist.
Schließlich ist mit Blick auf die Ziele der Strategie EUROPA 2020 der arbeitsplatzschaffende
Effekt des geplanten Darlehensfonds hervorzuheben. Nach den Erfahrungen der Programm-
periode 2007-2013 entstehen – neben den Beschäftigungsmöglichkeiten für die Grün-
der/innen selbst – innerhalb der ersten Jahre durchschnittlich etwa 0,7 bis 0,8 zusätzliche
Arbeitsplätze je Gründung.
Schätzung zusätzlicher öffentlicher und privater Mittel, die durch das Finanzinstru-
ment aufzubringen sind (Hebeleffekt)
Unter Berücksichtigung der nationalen öffentlichen Kofinanzierung des geplanten Fonds so-
wie der Mobilisierung zusätzlicher Fremdmittel auf Ebene der Darlehensnehmer lässt sich für
den Fonds ein Hebeleffekt von rd. 1,3 vorausschätzen.

Ex-ante-Evaluierung zur Auflage eines Mikrodarlehensfonds
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6
Bewertung der Erfahrungen mit ähnlichen Instrumenten
Aus der Förderung von Mikrodarlehen aus dem ESF, die im Freistaat Sachsen im Jahr 2006
startete, liegen umfangreiche Erfahrungen vor und können für die Konzipierung des beab-
sichtigten Fonds berücksichtigt werden.
Die Ergebnisse und Erfahrungen im Hinblick auf die Zielgenauigkeit und Wirksamkeit der
Förderung sprechen für eine Fortführung des sächsischen Mikrodarlehensfonds. Perspekti-
visch sollten allerdings auch administrativ weniger aufwändige Alternativen geprüft werden.
Das betrifft insbesondere die Frage, ob ESF-Mittel auch zur weiteren Entwicklung der Mikro-
finanz-Infrastruktur zur Förderung von Existenzgründungen mit geringem Finanzbedarf in
Sachsen eingesetzt werden können.
Bewertung der Investitionsstrategie
Die Analyse der bisherigen Erfahrungen zeigt, dass die Vergabe von Mikrodarlehen an Exis-
tenzgründer/innen und junge Kleinstunternehmen mit spezifischen Risiken einhergeht und
für sich genommen kein rentables Geschäftsmodell darstellt, das sich auf Dauer selbst trägt.
Insofern gibt es für private Investoren keinen Anreiz, sich an dem vorgesehenen Mikrodarle-
hensfonds zu beteiligen.
Mit Blick auf die Zielrichtung des Finanzinstruments sind die vorgesehenen Förderkonditio-
nen insgesamt als attraktiv und auf die Bedarfe der Zielgruppe gut abgestimmt zu beurteilen.
Mit einer Reduzierung des Eigenanteils auf generell 20% könnte die Attraktivität des Förder-
angebots weiter gesteigert werden. Signifikante negative Effekte sind davon nicht zu erwar-
ten.
Hinsichtlich des Förderverfahrens ist kein Wettbewerbsverfahren mit Stichtagen, sondern
eine kontinuierliche, fortlaufende Umsetzung des Förderangebots zu empfehlen. Die Vorha-
benauswahl sollte anhand verbindlicher Mindestkriterien erfolgen.
Die vorgesehene Finanzausstattung des Fonds ist deutlich größer bemessen als der Mittel-
bedarf, der bei einer Stabilisierung der Förderergebnisse des Jahres 2014 über den gesam-
ten Programmzeitraum bestehen würde. Aus heutiger Sicht enthält die Finanzausstattung
des geplanten Finanzinstruments somit einen Puffer, der eine hinreichende Mittelverfügbar-
keit auch unter perspektivisch ungünstigeren arbeitsmarkt- und finanzpolitischen Rahmen-
bedingungen sichert. Eine solche Stabilisierungsreserve vorzuhalten erscheint durchaus
gerechtfertigt. Allerdings sollten die Planungen regelmäßig mit dem tatsächlichen Umset-
zungsstand abgeglichen werden, um ggf. rechtzeitig eine Anpassung des Budgets vorneh-
men zu können.
Spezifizierung der erwarteten Ergebnisse
Die Planungen für den Fonds sehen vor, dass im Programmzeitraum 1.800 Gründer/innen
bzw. Unternehmen unterstützt werden. Ein Jahr nach Beginn der Förderung sollen noch
mindestens 80% der Begünstigten weiterhin selbstständig tätig sein.

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7
Nach den vorliegenden Informationen zu den allgemeinen Überlebensraten von Existenz-
gründungen und zur Ausfallwahrscheinlichkeit im sächsischen ESF-Mikrodarlehensfonds ist
davon auszugehen, dass das angestrebte Maß an Bestandsfestigkeit der geförderten Unter-
nehmen bzw. Gründungen tatsächlich erreicht wird.
Im Hinblick auf das Output-Ziel von 1.800 Gründungen setzt die Zielerreichung voraus, dass
der Förderumfang gegenüber dem zuletzt (2014) erreichten Stand deutlich – um etwa ein
Drittel – gesteigert wird. Dies erscheint grundsätzlich möglich.
Bestimmungen zur Überprüfung und ggf. Aktualisierung der Ex-ante-Bewertung wäh-
rend des Einsatzes des Finanzinstruments
Signifikante Veränderungen der Marktsituation für die Gründungs- bzw. Mikrokreditfinanzie-
rung in Sachsen sowie in Bezug auf Förderangebote/ Finanzierungsinstrumente mit ähnli-
cher Zielsetzung könnten Anlass für eine veränderte Ausrichtung des vorgesehenen Finanz-
instruments sein. Gleiches gilt für mögliche Schwierigkeiten bei der Umsetzung des geplan-
ten Fonds.
Inwieweit eine substanzielle Neuausrichtung des Fonds angezeigt ist, sollte
a) anlassbezogen bei gravierenden Veränderungen der Rahmenbedingungen oder er-
heblichen Umsetzungsschwierigkeiten des Fonds oder – falls solche nicht auftreten
b) im Rahmen der Durchführungsberichte gemäß Art. 50 Abs. 4 und 5 ESIF-VO beurteilt
werden.
Sofern im Ergebnis der Beurteilung eine substanzielle Neuausrichtung des Fonds angestrebt
wird, ist eine Überprüfung und ggf. Aktualisierung der Ex-ante-Bewertung vorzunehmen.

 
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8
Management summary
Background and research methodology
The Operational Programme of the Free State of Saxony for the European Social Fund in the
funding period 2014-2020 (ESF OP) envisages to allocate funds for a micro-loan fund. This
funding opportunity is intended to help to meet the capital requirements for start-ups or for
the development of young micro-enterprises.
According to Article 37(2) of VO (EU) 1303/2013 (ESIF-VO), it is necessary to conduct an ex-
ante assessment for the support of such financial instruments. To clarify the requirements for
the ex-ante assessment of financial instruments, the European Commission and European
Investment Bank have published a comprehensive methodological guideline in April 2014.
The ex-ante assessment follows this guideline. In addition to the analysis of relevant data it is
based on document analysis and expert assessments of the supply and demand aspect of
the market segment as well as other relevant issues.
Assessment of consistency
An examination of the relevant documents has shown that the planned support for the Micro
Loan Fund of the Free State of Saxony from the OP ESF is consistent with the definitions
and ratings of the partnership agreement, the OP ESF and the ex-ante assessment of the
Operational Programme.
Analysis of market failures and investment needs
The number of enterprises has grown in Saxony during recent years. Nevertheless, this
number is still below the national average. The number of business start-ups has been un-
dergoing a downwards trend and the number of start-ups per capita is also significantly be-
low the national average. With the goal of building stable, competitive companies, a higher
number of start-ups appears economically desirable. Analyses have shown that market fail-
ures exist with regard to entrepreneurs' and young micro-enterprises' access to start-up fi-
nancing.
Under the current conditions (corporate holdings, start-up dynamics, financing conditions),
the deficit of external financing options for start-ups and young companies generally recog-
nised as promising is estimated to be about 20 to 30 million € p.a. This deficit consists of
market failures and less than optimal conditions for investment. Of this amount, about 4 to 6
million € is related to start-ups and approximately 16 to 24 million € to young micro-
enterprises.
The main causes for the funding gap thus identified within the private banking and savings
bank sector are information issues pertaining to risk assessment of start-up projects, the
competence assessment of founders and the lack of profitability of lending for projects with
low credit demands.

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In addition, aspects such as founders' lack of a 'credit history' with relevant credit institutions
and loan applicants' insufficient collateral play a role.
Assessment of the value added of financial instruments and consistency with other
public interventions as well as the proportionality of the intervention
At the level of the individual borrower, the value added consists of the fact that the fund pro-
vides an additional opportunity of finance, which is difficult to attain on the capital market.
Besides, the founders establish a credit history through their funding loan repayments, which
can facilitate future access to regular banking financing.
Another important aspect is the fact that loans can reduce the risks of market distortions, as
they require fewer subsidies than grant supports. Existing portfolio companies find this a par-
ticularly important aspect with regard to business activities which are largely focussed on
local markets subject to high competition, such as the ESF microloan borrowers do.
Compared to promoting business start-ups through grants, the proposed use of loan instru-
ments can therefore be regarded as proportionate.
In contrast to lost subsidies, the fund's activities generate re-investment capital. In accord-
ance with the rules for the EU Structural Funds, these returns are to be used for similar pur-
poses, thus multiplying the effects of funding. At the same time, the Free State of Saxony
retains its ability to substantially support further measure of economic funding despite declin-
ing/ reduced budget transfers.
At a regional level, the value added of the fund can also be seen in the fact that the Free
State's existing instruments for promoting competitiveness in the business sector are being
usefully supplemented. An examination of existing funding initiatives with similar purposes
has shown that the proposed microloan has no significant overlaps.
Finally, it is important to emphasise the job creation effect of the proposed loan fund with a
view to the objectives of the strategy Europe 2020. According to the experiences of the 2007-
2013 programme period, an average of approx. 0.7 - 0.8 new jobs are created per start-up.
This is in addition to the employment opportunities of the founders themselves.
Estimate of the additional public and private resources required of the financial
instrument (leverage effect)
After taking into account the national public co-financing of the proposed fund as well as mo-
bilising additional external resources at the borrowers' level, the fund's leverage effect can be
estimated as approx. 1.3.
Review of experiences with similar instruments
Extensive data is available from the Free State Saxony's promotion of microloans from the
ESF, which started in 2006. These can be referred to for the design of the proposed fund.
The results and experiences with regard to the accuracy and effectiveness of the subsidies
reflect favourably on a continuation of Saxony's microloan fund.

Ex-ante-Evaluierung zur Auflage eines Mikrodarlehensfonds
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10
However, initiatives requiring less administrative effort should be examined as a possible
alternative. This is particularly relevant to the question of whether ESF funds should also be
used to further develop the micro finance infrastructure to promote business start-ups in
Saxony with lower financial needs.
Assessment of the investment strategy
Analysis of previous experience has shown that providing micro loans for business start-ups
und young micro-enterprises carries specific risks and does not constitute a profitable busi-
ness model which would be able to sustain itself in the long term. In this respect, there is no
incentive for private investors to participate in the proposed micro-loan funds.
With a view to the objective of the financial instrument, the proposed funding conditions as a
whole are attractive and well suited to the needs of the target group. Reducing the equity
share to 20% in general could serve to further increase the appeal/ attractiveness of the
funding opportunity/initiative. No significant negative effects are to be expected from this
course of action.
With regard to the funding process, a continuous, ongoing implementation of the funding
initiative is recommended rather than a competitive process with key dates. The projects
should be selected on the basis of mandatory minimum requirements.
The proposed financial allocation of the fund is significantly larger than the average need that
would be established as a result of a stabilization of the funding results from 2014 for the
entire duration of the programming period. From today's perspective, the financial allocation
for the planned financial instrument thus contains a buffer that ensures sufficient availability
of funds even in the prospect of unfavourable conditions on the employment market and fis-
cal policies.
Retaining such a stabilisation reserve appears entirely justified. However, plans should be
synchronised regularly with the actual state of implementation in order to allow timely ad-
justments to the budget if required.
Specification of expected results
The fund's plans provide support for 1.800 start-ups or enterprises during the duration of the
programme. At least 80% of the beneficiaries are expected to remain self-employed one year
after the funding initiative’s beginning.
According to the available data on start-ups' average survival rates and failure probabilities in
Saxony's ESF Microloans Fund it is expected that the intended level of subsidised enterpris-
es' and start ups' persistence is indeed achievable.
Regarding the target of 1.800 business start-ups, the target presupposes a significant in-
crease in the scope of the support by about a third as compared to the level of 2014. This
seems generally possible.

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Provisions for the review and possible updating of the ex-ante assessment
Significant changes in the market situation for start-ups or micro-credit financing in Saxony
as well as to funding programmes with a similar objectives could give rise to a change in ori-
entation of the proposed financial instrument.
The same applies to potential difficulties in the implementation of the proposed funds.
As to whether a substantial re-orientation of the fund is indicated:
should be assessed in the event of considerable changes to the conditions or
significant difficulties to the implementation of the fund. If these do not arise:
be assessed referring to the implementation reports in accordance with Article 50(4)
and (5) ESIF-VO
If the assessment indicates a substantial need for re-orientation of the fund, a review and
possible update of the ex-ante assessment should be undertaken.

 
Ex-ante-Evaluierung zur Auflage eines Mikrodarlehensfonds
im Rahmen der ESF-Förderung des Freistaates Sachsen in der Förderperiode 2014-2020
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1. Hintergrund
Das Operationelle Programm des Freistaates Sachsen für den Europäischen Sozialfonds in
der Förderperiode 2014-2020 (ESF-OP) sieht vor, Mittel für einen Mikrodarlehensfonds be-
reitzustellen.
1
Dabei handelt es sich um ein Finanzinstrument gemäß Art. 2 Ziff. 11 der ESIF-
VO bzw. Art. 2 lit. k der VO (EU) 966/2012 (EU-Haushaltsordnung).
Das Förderangebot soll dazu beitragen, den Kapitalbedarf für Existenzgründungen bzw. zur
Entwicklung junger kleiner Unternehmen zu decken. Der Freistaat stützt sich dabei zum ei-
nen auf die generelle Einschätzung, dass Existenzgründer bzw. junge Unternehmen mit ge-
ringem Kapitalbedarf oft Schwierigkeiten haben, eine Bankfinanzierung zu erreichen. Zum
anderen bestehen grundsätzlich positive Erfahrungen mit den in den vorangegangenen För-
derperioden eingerichteten Mikrodarlehensfonds.
Die Europäische Kommission (KOM) befürwortet generell den verstärkten Einsatz von derar-
tigen Finanzinstrumenten im Rahmen der Operationellen Programme zum Einsatz der ESIF-
Fonds. Allerdings ist für die Unterstützung solcher Finanzinstrumente gemäß Art. 37 Abs. 2
der ESIF-VO eine Ex-ante-Bewertung vorzunehmen. Gegenstand der Ex-ante-Bewertung
sind:
a) eine Analyse der Marktschwächen, suboptimalen Investitionssituationen und Investiti-
onsanforderungen für Politikbereiche und thematische Ziele oder Investitionsprioritä-
ten, die mit den Finanzinstrumenten unterstützt werden sollen;
b) eine Bewertung des Mehrwertes der Finanzinstrumente, der Kohärenz mit anderen Ar-
ten öffentlicher Interventionen, die den gleichen Markt betreffen, sowie beihilferechtli-
cher Aspekte;
c) eine Schätzung der zusätzlichen öffentlichen und privaten Mittel, die durch das Finan-
zinstrument bis hinunter auf die Ebene des Endbegünstigten eventuell aufzubringen
sind (erwartete Hebelwirkung);
d) eine Bewertung der Erfahrungen, die mit ähnlichen Instrumenten und Ex-ante-
Bewertungen gesammelt wurden, und der daraus für die Zukunft zu ziehenden Lehren;
e) die vorgeschlagene Investitionsstrategie;
f) eine Spezifizierung der erwarteten Ergebnisse und der Art und Weise wie das betref-
fende Finanzinstrument zum Erreichen der spezifischen Ziele und Ergebnisse der ein-
schlägigen Priorität beitragen soll, einschließlich von Indikatoren für diesen Beitrag;
g) Bestimmungen, die gegebenenfalls eine Überprüfung und Aktualisierung der Ex-ante-
Bewertung während des Einsatzes eines Finanzinstruments ermöglichen.
Zur Konkretisierung der Anforderungen an die Ex-ante-Bewertung von Finanzinstrumenten
haben Europäische Kommission und Europäische Investitionsbank (EIB) im April 2014 einen
1
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den Europäischen Sozialfonds (ESF) im Förderzeit-
raum 2014 – 2020. Version 1.3 (mit Beschluss der Kommission vom 18.11.2014 genehmigte Fassung). Sei-
te 38f.
http://www.strukturfonds.sachsen.de/download/ESF-OP-Sachsen-2014-2020.pdf

Ex-ante-Evaluierung zur Auflage eines Mikrodarlehensfonds
im Rahmen der ESF-Förderung des Freistaates Sachsen in der Förderperiode 2014-2020
13
umfangreichen methodischen Leitfaden veröffentlicht.
2
Zur Bewertung von geplanten Mikro-
darlehens-Instrumenten enthält der Leitfaden spezielle Orientierungen in Vol. III, Abschnitt
11.
Die Ex-ante-Bewertung kann gemäß Art. 37 Abs. 3 ESIF-VO stufenweise durchgeführt wer-
den. Sie muss abgeschlossen sein, bevor die Verwaltungsbehörde darüber entscheidet, ob
aus einem Programm ein Beitrag zu einem Finanzinstrument geleistet wird.
Das SMWA hat die Erstellung der "Ex-Ante-Evaluierung zur Auflage eines Mikrodarlehens-
fonds im Rahmen der ESF-Förderung des Freistaates Sachsen in der Förderperiode 2014-
2020" am 27.02.2015 öffentlich ausgeschrieben. Nach Prüfung der Angebote wurde die isw
GmbH am 29.04.2015 mit der gutachterlichen Leistung beauftragt.
Hiermit legen wir den Bericht zur Ex-ante-Bewertung vor.
2
KOM/ EIB: Ex-ante assessment methodology for financial instruments in the 2014-2020 programming peri-
od.
Vol. I: General methodology covering all thematic objectives
Vol. III: Enhancing the competitiveness of SME, including agriculture, microcredit and fisheries (Thematic
objective 3)
Version 1.2 - April 2014.
http://ec.europa.eu/regional_policy/de/funding/financial-instruments/

 
Ex-ante-Evaluierung zur Auflage eines Mikrodarlehensfonds
im Rahmen der ESF-Förderung des Freistaates Sachsen in der Förderperiode 2014-2020
14
2. Untersuchungsmethodik
Kernelement der Ex-ante-Bewertung ist die Analyse von Marktschwächen bzw. suboptimalen
Investitionssituationen im Segment der Finanzierung von Existenzgründungen bzw. jungen
Kleinstunternehmen.
Die Analyse/ Bewertung gliedert sich in zwei Säulen:
a) Identifikation grundlegender Marktprobleme
b) Bewertung von Marktschwächen bzw. suboptimalen Investitionssituationen.
Unter dem Gesichtspunkt
grundlegender Marktprobleme
werden – entsprechend den Ori-
entierungen in Abschnitt 11.2.1 des KOM/EIB-Leitfadens zur Ex-ante-Bewertung von Finanz-
instrumenten – die Rahmenbedingungen für Mikrokreditfinanzierung in Sachsen betrachtet.
Dazu zählen zum einen regulatorische Rahmenbedingungen, die begünstigend bzw. hem-
mend auf potenzielle Anbieter von Mikrokrediten wirken.
Zum anderen werden die Rahmenbedingungen für Existenzgründungen in Sachsen analy-
siert. Dazu zählen insbesondere Aspekte wie das allgemeine Klima für Existenzgründungen
bzw. berufliche Selbstständigkeit sowie flankierende Unterstützungsangebote für Grün-
dungsinteressierte und Gründer/innen (Information, Beratung, Finanzierungshilfen...).
Die Bewertung von
Marktschwächen und suboptimalen Investitionssituationen
erfolgt
gesondert für die Angebots- und die Nachfrageseite des Mikrokredit-Marktsegments.
Die
Nachfrageseite
wird durch Daten und Indikatoren auf Ebene des Freistaates Sachsen
und ggf. ergänzend dazu auf nationaler Ebene abgebildet. Dazu zählen insbesondere
die jährliche Zahl realisierter und potenzieller Existenzgründungen in Sachsen im
Kleingewerbe
die Zahl junger Kleinstunternehmen in Sachsen bis fünf Jahre nach der Gründung
der Finanzierungsbedarf dieser Zielgruppe, der nicht aus eigener Kraft gedeckt wer-
den kann.
Die
Angebotsseite
wird ebenfalls durch Daten und Indikatoren auf Ebene des Freistaates
Sachsen abgebildet. Für die Analysen werden insbesondere folgende Indikatoren herange-
zogen:
Akteure in Sachsen (Kreditwirtschaft, Finanzintermediäre) und deren Engagement im
Bereich Gründungsfinanzierung/ Mikrokredite
die auf das Marktsegment (Gründer und Kleinstunternehmen) ausgerichteten Finanz-
produkte

Ex-ante-Evaluierung zur Auflage eines Mikrodarlehensfonds
im Rahmen der ESF-Förderung des Freistaates Sachsen in der Förderperiode 2014-2020
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die Entwicklung des Finanzierungsvolumens im Untersuchungszeitraum.
Soweit entsprechende Daten vorliegen, wird die Analyse nachfrage- und angebotsseitiger
Indikatoren auf einen Zeitraum von 5-6 Jahren (2009/10 bis 2014) bezogen.
Neben der Auswertung einschlägiger Daten basiert die Ex-ante-Bewertung auf
Dokumen-
tenanalysen
und
Experteneinschätzungen
zur Angebots- und Nachfrageseite des Markt-
segments sowie zu weiteren relevanten Fragestellungen. Hierzu haben wir qualitative Inter-
views mit Vertreter/innen folgender Akteursgruppen durchgeführt (siehe auch Anlage):
-
SMWA
-
SAB
-
Ostdeutscher Sparkassenverband
-
Ostdeutscher Bankenverband
-
Mikrofinanzinstitute (MFI) mit Sitz in Sachsen
-
Sächsisches ExistenzgründerNetzwerk (SEN).

 
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3. Konsistenz-Check
Der methodische Leitfaden von KOM/ EIB zur Ex-ante-Bewertung der Finanzinstrumente
sieht als ersten Schritt vor zu prüfen, inwieweit für das OP vorgeschlagene Finanzinstrumen-
te passfähig zur Partnerschaftsvereinbarung zwischen KOM mit Mitgliedstaat und zur Ex-
ante-Bewertung des OP sind (vgl. Fußnote 2, Vol. I, Kap. 2.2).
Die Ex-ante-Bewertung startet demzufolge mit einem Abgleich der entsprechenden Doku-
mente. Für die Prüfung und Bewertung werden herangezogen:
-
die Partnerschaftsvereinbarung in der von der KOM genehmigten Fassung
3
-
das OP ESF Sachsen in der genehmigten Fassung vom 18.11.2014
-
der Bericht zur Ex-ante-Bewertung des OP in der Endfassung vom 16.06.2014.
4
In der
Partnerschaftsvereinbarung
werden grundsätzliche Finanzierungshemmnisse von
Unternehmensgründern und KMU in Deutschland aufgezeigt:
Kleine und mittlere Unternehmen sind ein ganz wesentliches Element der deutschen
Wirtschaft und tragen überdurchschnittlich zur Schaffung neuer Arbeitsplätze bei. (...) Die
Entwicklung der KMU und die Gründung von Unternehmen werden jedoch durch schwie-
rige Finanzierungsmöglichkeiten, Informationsasymmetrien u.a.m. beeinträchtigt.
5
In Bezug auf die Ausrichtung des ESF im thematischen Ziel 8 wird in der Partnerschaftsver-
einbarung ausgeführt:
Durch Coaching und Beratung von Existenzgründer/-innen und von Bestandsunterneh-
men sollen die Gründungsideen und Unternehmenskonzepte erfolgreicher und nachhalti-
ger in die Tat umgesetzt werden können. Die damit verbundene Sicherung von Beschäf-
tigung, Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit trägt insbesondere zur Nachhaltigkeit von
KMU-Gründungen bei. Zudem stehen für Gründungswillige und junge Unternehmen Fi-
nanzierungsmodelle zur Verfügung, die der Stärkung der Eigenkapitalbasis oder dem
Zugang zu Fremdkapital bei Klein- und Kleinstunternehmen dienen, die anderweitig keine
3
Partnerschaftsvereinbarung (PV) zwischen Deutschland und der Europäischen Kommission für die Umset-
zung der ESI-Fonds unter dem Gemeinsamen Strategischen Rahmen in der Förderperiode 2014 bis 2020.
Stand: 15. September 2014
Teil1:
http://www.bmwi.de/BMWi/Redaktion/PDF/P-R/partnerschaftsvereinbarung-zwischen-deutschland-
und-der-eu-kommision-fuer-die-umsetzung-der-esi-fonds-unter-dem-gemeinsamen-strategischen-rahmen-
in-der-foerderperiode-2014-2020-teil-1,property=pdf,bereich=bmwi2012,sprache=de,rwb=true.pdf
Teil 2:
http://www.bmwi.de/BMWi/Redaktion/PDF/P-R/partnerschaftsvereinbarung-zwischen-deutschland-
und-der-eu-kommision-fuer-die-umsetzung-der-esi-fonds-unter-dem-gemeinsamen-strategischen-rahmen-
in-der-foerderperiode-2014-2020-teil-2,property=pdf,bereich=bmwi2012,sprache=de,rwb=true.pdf
4
Ex-Ante-Evaluierung für das ESF-Programm im Freistaat Sachsen im Förderzeitraum 2014 bis 2020. End-
bericht, Wien, 16. Juni 2014. (Anlage zum ESF-OP)
5
PV, S. 73f.

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Finanzierung für arbeitsplatzsichernde und die Beschäftigung aufbauende Investitionen
erhalten würden.
6
Grundsätzlich konstatiert die Partnerschaftsvereinbarung somit Bedarf zum Einsatz von Fi-
nanzinstrumenten in dem Handlungsfeld, auf das der Mikrodarlehensfonds des Freistaates
Sachsen ausgerichtet ist.
Das
ESF-OP des Freistaates Sachsen
sieht explizit vor, im Rahmen der Investitionspriorität
(IP) 8 iii den bereits im Jahr 2006 eingerichteten Fonds für die Vergabe von ESF-
Mikrodarlehen weiterzuführen. Damit soll gezielt auf die bestehende Marktschwäche oder
Marktversagenstatbestände reagiert, die Finanzierung der Selbstständigkeit ermöglicht und
so der Aufbau und das Wachstum von Kleinstunternehmen unterstützt werden.
7
Die
Ex-ante-Bewertung
zum OP-Entwurf stellt im Hinblick auf die Interventionslogik fest,
dass das Spektrum der geplanten "Handlungsoptionen" in der IP 8 iii, zu dem u.a. die
Vergabe von Mikrodarlehen gehört, als kohärentes Bündel an Handlungsoptionen und In-
strumenten angesehen werden kann. Sie werden dazu beitragen, die angestrebten Ergeb-
nisse des spezifischen OP-Ziels A.1 "Existenzgründungen und Unternehmergeist stärken" zu
erreichen.
8
Zusammenfassend ist zu festzustellen, dass die geplante Unterstützung des Mikrodarlehens-
fonds des Freistaates Sachsen aus dem OP ESF konsistent zu den Festlegungen bzw. Be-
wertungen der Partnerschaftsvereinbarung, des OP ESF und der Ex-ante-Bewertung für das
OP ist.
6
PV, S. 117ff.
7
OP ESF, S. 37f.
8
Ex-ante-Bewertung des OP, S. 26

 
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4. Analyse von Marktschwächen und Investitionsbedarfen
4.1. Vorbemerkungen
Lt. ESF-OP des Freistaates Sachsen zielt die Unterstützung im Rahmen des Spezifischen
Ziels A.1 darauf ab, der vergleichsweise schwachen Gründungsneigung und –dynamik in
Sachsen entgegenzuwirken. Es geht also nicht primär darum, mit dem Ziel der Armutsbe-
kämpfung besonders benachteiligte Personengruppen durch einen Mikrokredit beim Zugang
zu Gründungskapital zu unterstützen ("social inclusion lending"). Hauptziel der Förderung ist
vielmehr die Unterstützung "bankfähiger" bzw. "banknaher" Gründer/innen bzw. Jungunter-
nehmer/innen, die Schwierigkeiten beim Zugang zu einer Bankfinanzierung ihres Grün-
dungsvorhabens bzw. Unternehmens haben ("
microenterprise lending
"). Die Unterschei-
dung ist relevant für die Ausrichtung der Ex-ante-Bewertung
.
9
4.2. Regionalwirtschaftlicher Kontext – Identifikation grundlegender Marktprobleme
4.2.1. Unternehmensbestand und selbstständiges Unternehmertum
In Sachsen gibt es nach letztverfügbaren Daten (2012) ca. 175 Tsd. Unternehmen.
10
Der
Unternehmensbestand
ist im 5-Jahres-Zeitraum 2007-2012 um 2,2% (rd. 3.800 Unterneh-
men)
gewachsen
. Das Wachstumstempo war höher als im gesamtdeutschen Durchschnitt
(2,0%).
Der
Unternehmensbesatz
– bezogen auf die Zahl der Einwohner (EW) im erwerbsfähigen
Alter – lag in Sachsen im Jahr 2012 bei 67,7 Unternehmen je 1.000 EW. Er fällt – trotz des
Aufholprozesses – noch
geringer
aus
als im Bundesdurchschnitt
(69,2 Unternehmen je
1.000 EW).
Die Größenstruktur der Unternehmen ist durch
Kleinst- und Kleinunternehmen
geprägt.
Über 90% der Unternehmen haben weniger als 10 sv-pflichtig Beschäftigte. Dieser Befund
gilt allerdings ähnlich für alle Regionen in Deutschland. Die besondere "Kleinteiligkeit" der
Wirtschaft Sachsens (und Ostdeutschlands insgesamt) liegt darin begründet, dass es hier an
sehr großen Unternehmen fehlt.
11
9
Vgl. dazu: KOM/ EIB: Ex-ante assessment methodology for financial instruments in the 2014-2020 pro-
gramming period. Enhancing the competitiveness of SME, including agriculture, microcredit and fisheries
(Thematic objective 3). Volume III. S. 67f.
10
ifm: Entwicklung des Unternehmensbestands nach Regionen laut Unternehmensregister. Bonn 2015.
11
DIW ECON: Kleinteiligkeit der ostdeutschen Wirtschaft. Studie im Auftrag der Beauftragten der Bundesre-
gierung für die neuen Bundesländer. Berlin, Juni 2015.

 
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Tabelle 1
Im Jahr 2012 aktive Unternehmen in Sachsen nach Wirtschaftsbereichen
und Beschäftigtengrößenklassen
Beschäftigte
Insgesamt
Produz. Ge-
Bau-
Handel,
Weitere
von ...
werbe ohne
gewerbe
Verkehr,
Dienstleis-
bis ...
Baugewerbe
Gastgew.
tungen
0 bis 9
158.267
11.893
26.744
43.226
76.404
10 bis 49
12.937
3.092
1.871
3.684
4.290
50 bis 249
2.831
1.068
197
531
1.035
250 und mehr
504
178
10
49
267
Insgesamt
174.539
16.231
28.822
47.490
81.996
Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaats Sachsen.
http://www.statistik.sachsen.de/html/714.htm#article1278
In Sachsen waren es nach letztverfügbaren Daten (2012) ca. 216 Tsd. Menschen als
Selbstständige
beruflich tätig.
12
Die Zahl der Selbstständigen lag in den Jahren 2007 bis
2010 relativ stabil bei einer Größenordnung von rd. 200 Tsd. In den Folgejahren ist ein leich-
ter Anstieg zu beobachten.
Der Anteil der Selbstständigen an allen Erwerbstätigen ("
Selbstständigenquote
") lag in
Sachsen 2012 bei 11,3%. Die geschlechtsspezifischen Quoten betrugen 8,3% (Frauen) bzw.
13,9% (Männer). Damit liegen die Selbstständigenquoten in Sachsen über dem nationalen
Durchschnitt (Deutschland insgesamt: 10,6%, Frauen: 7,5%, Männer: 13,3%).
13
4.2.2. Rahmenbedingungen für Existenzgründungen
Die Rahmenbedingungen für Existenzgründungen in Sachsen sind differenziert zu beurtei-
len. Wesentliche Einflussfaktoren sind die demografische Entwicklung, die Entwicklung des
Arbeitsmarktes sowie das Klima für Existenzgründungen bzw. Unternehmertum im Freistaat.
Die
demografischen
Trends in Sachsen lassen auf ein abnehmendes Gründerpotenzial
schließen. Die Bevölkerung im Erwerbsalter – insbesondere die jüngeren Kohorten – nimmt
prognosegemäß längerfristig weiter ab. Die Zahl der anstehenden Unternehmens-
Nachfolgeregelungen steigt an – auch weil viele Unternehmer/innen, die Anfang der 1990er
Jahre die sich eröffnenden Chancen auf berufliche Selbstständigkeit wahrgenommen haben,
inzwischen das Renteneintrittsalter erreichen.
Die
Arbeitsmarktentwicklung
der zurückliegenden Jahre hat sich ebenfalls dämpfend auf
die Gründungsneigung ausgewirkt. Die Arbeitslosigkeit ist in Sachsen seit 2007 nahezu ste-
12
ifm: Selbstständige (ohne Landwirtschaft) nach Bundesländern laut Mikrozensus. Bonn 2015.
13
ifm: Selbstständigenquote (ohne Landwirtschaft) nach Bundesländern laut Mikrozensus. Bonn 2015.

 
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tig zurückgegangen. Die Zahl der Arbeitslosen hat sich gegenüber dem Stand von Ende
2006 mehr als halbiert, die Zahl der Beschäftigungsverhältnisse hat deutlich zugenommen.
Vor diesem Hintergrund spielen sog. „Notgründungen“, die mangels anderweitiger Beschäfti-
gungsmöglichkeiten vorgenommen werden, heute eine deutlich geringere Rolle als noch zu
Beginn der Programmperiode 2007-2013. Hinzu kommt, dass die starken Anreize für Ar-
beitslose zur Existenzgründung, die die Bundesagentur für Arbeit mit dem 2006 gestarteten
„Gründungszuschuss“ gesetzt hat und die tatsächlich zu verstärkten Gründungsaktivitäten
geführt haben, inzwischen deutlich abgeschwächt worden sind.
Schließlich ist es ein grundsätzliches Anliegen der sächsischen Wirtschafts- und Arbeits-
marktpolitik, die
Kultur der Selbstständigkeit
in Sachsen nachhaltig zu stärken. In diesem
Sinne sieht die sächsische Gründerstrategie
14
ein breites Maßnahmenbündel vor. Langfristi-
ges Ziel ist es, durch ein dynamisches Gründungsgeschehen den Strukturwandel und die
Wettbewerbsfähigkeit der sächsischen Wirtschaft positiv zu beeinflussen. Wenn es gelingt,
durch diese Maßnahmen die Attraktivität des Unternehmertums in Sachsen zu erhöhen,
kann sich dies längerfristig auch in höheren Gründerzahlen niederschlagen.
4.2.3. Rahmenbedingungen für Mikrofinanzierungen
Regulatorisches Umfeld
Bei Mikrofinanzierungen handelt es sich gemäß EU-Definition um gewerbliche Finanzierun-
gen (i.d.R. Kredite) mit einem Volumen von weniger als 25.000 EUR.
15
Das regulatorische Umfeld für Mikrokreditfinanzierungen ist in EU-Mitgliedstaaten unter-
schiedlich ausgestaltet.
16
In einigen (wenigen) Mitgliedstaaten existieren spezifische gesetz-
liche Regelungen zur Mikrofinanzierung. Diese wirken i.d.R. förderlich auf die Entwicklung
des Mikrokredit-Marktsegments.
In einzelnen Mitgliedstaaten ist die Kreditvergabe strikt auf Banken beschränkt, in anderen
nicht. Auch dieser Umstand beeinflusst die Entwicklung des Mikrokredit-Segments. Können
allein Banken Kredite vergeben, dann ist das für die Entwicklung des Mikrosegments eher
hinderlich.
In Deutschland gibt es keine spezifischen gesetzlichen Regelungen für Mikrokredit-
Finanzierungen. Darüber hinaus gilt für kommerzielle Kreditgeschäfte das Bankmonopol. Im
EU-weiten Vergleich sind die Rahmenbedingungen für die Entfaltung von Mikrofinanz-
Angeboten in Deutschland damit als vergleichsweise restriktiv einzuschätzen.
14
SMWA: Unternehmensgründungsstrategie des Freistaats Sachsen. Dresden, 2014.
15
Mitteilung der Kommission an den Rat, das Europäische Parlament, den Europäischen Wirtschafts- und
Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen: Eine europäische Initiative zur Entwicklung von Kleinst-
krediten für mehr Wachstum und Beschäftigung. KOM(2007) 207 endgültig. S. 14
16
Cozarenco: Microfinance Institutions and Banks in Europe: The story to date. Brüssel 2015.

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Praktisch bieten in Deutschland außerhalb des Privatsektors drei Akteursgruppen Mikrokre-
dite an: Mikrofinanzinstitute (MFI), die Förderbanken des Bundes und der Länder sowie die
Arbeitsagenturen/ Jobcenter. MFI sind aufgrund des Bankmonopols auf die Zusammenarbeit
mit einer Geschäftsbank angewiesen. Ein erstes derartiges Modell wurde in Deutschland in
kleinem Maßstab im Jahr 2004 implementiert. Im Jahr 2010 hat die Auflage des "Mikrokredit-
fonds Deutschland"
17
durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales der Entwicklung
des MFI-Sektors in Deutschland einen starken Impuls gegeben. Im Rahmen des ESF-OP
des Bundes wurden rd. 100 Mio. € bereitgestellt, um ein nachhaltiges Angebot an Mikrokre-
diten in Deutschland in größerer Breite zu etablieren.
18
Voraussetzung für die Teilnahme an
der Umsetzung des Mikrokreditfonds Deutschland war eine Zertifizierung der MFI.
MFI operieren lokal, regional oder deutschlandweit. Beim Deutschen Mikrofinanz Institut e.V.
(DMI), das sich als Qualitätssicherer der Deutschen Mikrofinanzwirtschaft versteht, wurden
zwischen 2005 und 2012 insgesamt 64 Institutionen als MFI akkreditiert.
19
Von diesen hatten
drei ihren Sitz im Freistaat Sachsen. Einige andere arbeiten mit Kooperationspartnern in
Sachsen zusammen und vergeben so auch Mikrokredite an sächsische Unternehmen.
Für den Freistaat Sachsen ist im Hinblick auf den Gegenstand der Ex-ante-Bewertung zu-
sätzlich relevant, dass nach § 2 Abs. 1 SAB-Gesetz die Sächsische Aufbaubank – För-
derbank alleinzuständig u.a. für Maßnahmen der Wirtschafts- und Arbeitsförderung des Frei-
staates ist.
20
Dies gilt demzufolge auch für die Durchführung des Mikrodarlehensprogramms,
das aus dem ESF finanziert werden soll. Bei einer möglichen Beauftragung Dritter mit der
Durchführung eines solchen Programms sind also gesetzliche Hürden zu beachten.
Allerdings lässt das SAB-Gesetz auch Ausnahmen von diesem Grundsatz zu (§ 2 Abs. 4):
"Durch Rechtsverordnung kann das fachlich zuständige Staatsministerium die Zuständigkeit
zur Durchführung von Förderprogrammen oder Fördermaßnahmen abweichend von Absatz
1 Satz 2 und 3 ganz oder teilweise einer staatlichen Behörde oder einer anderen Einrichtung
übertragen, soweit dies zur besseren, insbesondere zur wirtschaftlicheren Aufgabenerfüllung
zweckmäßig erscheint. (...)"
17
http://www.mein-mikrokredit.de/
18
Bendig/ Unterberg/ Sarpong: Overview of the Microcredit Sector in the European Union. September 2014
19
http://www.mikrofinanz.net/akkreditierung/akkreditierte-dmi-mikrofinanzierer.html
20
Gesetz zur Errichtung der Sächsischen Aufbaubank – Förderbank vom 19. Juni 2003.

 
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4.3. Finanzierungsbedingungen von Existenzgründern – Bewertung von Markt-
schwächen, suboptimalen Investitionssituationen
4.3.1. Nachfrageseite
Gründungsgeschehen
Über die Zahl der Existenzgründungen werden in Deutschland keine exakten Statistiken ge-
führt. Zur Quantifizierung werden unterschiedliche Quellen und Verfahren genutzt. Für die
Schätzung der Zahl der Existenzgründungen im Freistaat Sachsen werden nachfolgend die
zwei wichtigsten und im Fachdiskurs am meisten verbreiteten Ansätze genutzt:
der Ansatz des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn (IfM) sowie
der KfW-Gründungsmonitor.
Der Schätzansatz des IfM basiert auf regionalisierten Daten der amtlichen Gewerbestatistik.
Die Zahl der Gewerbeanmeldungen wird um verschiedene Aspekte bereinigt, um so "echte"
Existenzgründungen zu identifizieren.
Nach den
Berechnungen des IfM
gab es in Sachsen im Jahr
2014
rd. 11.200 gewerbliche
Existenzgründungen und rd. 3.800 Existenzgründungen in Freien Berufen – insgesamt also
rd. 15.000 Existenzgründungen
, die auf Vollerwerb abzielen. Die Zahl der gewerblichen
Nebenerwerbsgründungen wird vom IfM auf rd. 11.600 geschätzt.
Während die Zahl der jährlichen Existenzgründungen in Sachsen im Trend der letzten Jahre
abnahm, blieb das Niveau der Nebenerwerbsgründungen im Freistaat stabil.
Tabelle 2
Schätzung der Zahl der Existenzgründungen und der Nebenerwerbs-
gründungen in Sachsen nach IfM-Konzept (2010-2014)
Jahr:
2010
2011
2012
2013
2014
Gewerbliche Existenzgründungen
16.716
15.722
12.832
11.623
11.181
Existenzgründungen in Freien Berufen
k.A
k.A.
3.900
3.900
3.800
Existenzgründungen insgesamt
16.732
15.523
14.981
Gewerbl. Nebenerwerbsgründungen
12.408
12.039
11.746
11.916
11.597
Quelle: IfM.
Die Schätzungen des
KfW-Gründungsmonitors
basierten auf einer umfangreichen, reprä-
sentativ angelegten Stichprobenbefragung. Für die Identifikation von Gründern wird dabei
eine breite Gründungsdefinition zu Grunde gelegt, die voll- wie nebenerwerbliche, freiberufli-
che wie gewerbliche Existenzgründungen abdeckt.
21
Auf Ebene der Bundesländer werden im
KfW-Gründungsmonitor keine Zahlen für einzelne Jahre ausgewiesen. Aus den bekannten
Eckdaten lässt sich ermitteln, dass im
Durchschnitt der Jahre 2012 bis 2014
die Zahl der
21
KfW Research: KfW-Gründungsmonitor 2015. Frankfurt am Main, Mai 2015

image
Ex-ante-Evaluierung zur Auflage eines Mikrodarlehensfonds
im Rahmen der ESF-Förderung des Freistaates Sachsen in der Förderperiode 2014-2020
23
Gründungen in Sachsen auf rd. 33.300 geschätzt wird – davon
rd. 18.800 Gründungen im
Vollerwerb
und 14.500 im Nebenerwerb.
Der KfW-Gründungsmonitor schätzt mithin die Zahl der Gründungen in Sachsen um etwa ein
Fünftel höher als das IfM.
Die
Gründungsintensität
– berechnet als Zahl der gewerblichen Existenzgründungen in
Relation zur Bevölkerung in der Altersgruppe 18 bis 64 Jahre – liegt in Sachsen nach den
Berechnungsergebnissen des IfM deutlich unter dem Bundesdurchschnitt (vgl. Abbildung 1).
Besonders stark ist das Gründungsgeschehen in den Stadtstaaten. Aber auch in den meis-
ten Flächenländern finden mehr Gründungen als in Sachsen statt.
Darüber hinaus belegen die Daten, dass die Gründungsintensität in Sachsen im Trend der
letzten 10 Jahre kontinuierlich zurückgegangen ist. Der Rückgang fiel deutlich stärker aus als
im Bundesdurchschnitt (Abbildung 2).
Abbildung 1: Gewerbliche Existenzgründungsintensität
1)
nach Bundesländern (2014)
1) Anzahl gewerbliche Existenzgründungen je 10.000 Einwohner im Alter von 18 bis 64 Jahren
Quelle: IfM.

image
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24
Abbildung 2: Entwicklung der gewerbliche Existenzgründungsintensität
1)
in Sachsen und Deutschland (2004-2014)
1) Anzahl gewerbliche Existenzgründungen je 10.000 Einwohner im Alter von 18 bis 64 Jahren
Quelle: IfM.
Auch nach den Daten des KfW-Gründungsmonitors liegt die Gründungsintensität in Sachsen
unter dem Bundesdurchschnitt (vgl. Abbildung 3). Dies ist darauf zurückzuführen, dass in
den westdeutschen Bundesländern relativ häufiger Nebenerwerbs-Gründungen stattfinden.
Fokussiert man allerdings auf das Segment der Vollerwerbs-Gründungen, dann liegt Sach-
sen nach den Daten des KfW-Gründungsmonitors im Vergleich der Bundesländer auf dem 5.
Rang.
In der Zusammenschau zeichnen die Daten von IfM und KfW-Gründungsmonitor in Bezug
auf die Gründungsintensität ein widersprüchliches Bild zur Positionierung Sachsens. Auf-
grund der solideren statistischen Quelle werden für die weiteren Analysen allein die IfM-
Daten verwendet. Dafür spricht zudem, dass für eine Zeitreihenanalyse nur IfM-Daten zur
Verfügung stehen.

image
Ex-ante-Evaluierung zur Auflage eines Mikrodarlehensfonds
im Rahmen der ESF-Förderung des Freistaates Sachsen in der Förderperiode 2014-2020
25
Abbildung 3: Durchschnittliche Gründerquoten
1)
2012-2014 in Prozent
1) Anteil von Gründern an der Bevölkerung im Alter von 18 bis 64 Jahren
Quelle: KfW-Gründungsmonitor 2015.
Kleinstunternehmen in der Gründungsphase
Als Zielgruppen des geplanten ESF-Mikrodarlehensprogramms des Freistaates Sachsen
gelten Existenzgründer sowie Kleinstunternehmen in der Gründungsphase (bis 5 Jahre nach
Gründung). Zur Schätzung des Umfangs dieser Zielgruppe werden neben der Zahl der jährli-
chen Gründungen die "Überlebensraten" neu gegründeter Unternehmen herangezogen.
Entsprechende Daten existieren nur für Deutschland insgesamt – nicht für einzelne Länder.
Hier sind im Wesentlichen zwei Quellen relevant:
Im KfW-Gründungsmonitor werden die Überlebensraten der Gründungen im Rahmen einer
Panel-Analyse geschätzt. Betrachtet wird ein Zeithorizont von 36 Monaten nach Gründung.
Nach letzten Befragungsergebnissen bestanden demnach von Gründungen, die im Zeitraum
2008 bis 2014 stattfanden, nach einem Jahr noch rd. 87% der Unternehmen, nach zwei Jah-
ren rd. 78% und nach 3 Jahren rd. 72% der Unternehmen fort.
22
Eine Analyse der Überlebensraten anhand amtlicher Daten (Unternehmensregister, Gewer-
bestatistik) sowie weiterer Verwaltungsdaten hat das Statistische Bundesamt für den Zeit-
raum 2005 bis 2010 durchgeführt.
23
Die Ergebnisse zeigen eine höhere "Sterblichkeit" der
22
KfW Research: KfW-Gründungsmonitor 2015. Tabellen- und Methodenband. Frankfurt am Main, Mai 2015
23
Rink/ Seiwert/ Opfermann: Unternehmensdemografie: methodischer Ansatz und Ergebnisse 2005 bis 2010.
In: Statistisches Bundesamt, Wirtschaft und Statistik, Juni 2013.

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26
gegründeten Unternehmen als der KfW-Gründungsmonitor. Demnach betrug die Überle-
bensrate "echter Unternehmensgründungen" zum Zeitpunkt
n+1 Jahr
77%
n+2 Jahre
60%
n+3 Jahre
54%
n+4 Jahre
45%
n+5 Jahre
41%
des Ausgangsbestandes (Gründungen im Jahr n). Die Raten waren im mehrjährigen Ver-
gleich relativ stabil.
Für eine konservative Schätzung der Zielgruppe des ESF-Mikrodarlehensprogramms des
Freistaats Sachsen werden nachfolgend die Daten des Statistischen Bundesamtes zugrunde
gelegt. Bezogen auf die Zahl der Existenzgründungen in Sachsen nach IfM-Konzept (siehe
oben) im Zeitraum 2009-2014 beläuft sich demnach die Zahl der jungen Unternehmen in
Sachsen im Jahr 2014 auf rd. 65 Tsd. In Relation zum Gesamtbestand an Unternehmen im
Freistaat (Stand 2012, vgl. Tabelle 1 auf Seite 19) ist das ein beträchtlicher Anteil – ca.
37,5%. Bei nahezu allen Unternehmen dürfte es sich um Kleinstunternehmen handeln.
Tabelle 3
Schätzung der Zahl der Existenzgründungen und jungen Unternehmen
(bis 5Jahre) in Sachsen nach IfM-Konzept (2010-2014)
Jahr der
Gründung (n)
Anzahl
Gründungen
2)
Überlebensraten in %
1)
n+1
n+2
n+3
n+4
n+5
77
60
54
45
41
2009
21.017
16.183
12.610
11.349
9.458
8.617
2010
20.616
15.874
12.370
11.133
9.277
2011
19.622
15.109
11.773
10.596
2012
16.732
12.884
10.039
2013
15.523
11.953
2014
14.981
Zusammen
108.491
65.463
1) Überlebensraten von "echten" Unternehmensgründungen in Deutschland 2005-2010
2) Gewerbliche Existenzgründungen + Existenzgründungen in Freien Berufen
Quelle: Daten des IfM und des Statistischen Bundesamtes. Berechnungen isw.
Finanzierungsbedarf des Zielsegments
Analysen zum Finanzierungszugang und –bedarf für Existenzgründer/innen und jungen Un-
ternehmen müssen sich auf bundesweite Analysen stützen. Regionalisierte Daten auf Ebene
einzelner Bundesländer liegen hierzu nicht vor.

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Unternehmensgründungen
Die aktuellen Ergebnisse des KfW-Gründungsmonitors (Umfragewelle 2014) zeigen, dass
deutschlandweit bei etwa einem Fünftel aller Gründungen auch externe Finanzmittel einge-
setzt werden. Vier Fünftel der Gründungen benötigen dagegen keine Finanzmittel für den
Start oder werden allein aus eigenen Mitteln der Gründer/innen finanziert.
Bei Vollerwerbsgründungen liegt der Anteil der Gründer/innen mit externem Finanzbedarf
naturgemäß höher (32%) als bei Nebenerwerbs-Gründungen (14%). Dabei bewegt sich der
externe Finanzbedarf bei rd. 22% aller Vollerwerbsgründungen im Segment der Mikrofinan-
zierung (vgl. Abbildung 4).
Abbildung 4: Finanzbedarf von Vollerwerbs-Existenzgründungen in Deutschland 2014
Alle Gründer
kein Mittelbedarf
7%
nur Sachmittel
27%
auch Finanzmittel
66%
nur eigene Finanzmittel
34%
auch externe Finanzmittel
32%
bis 10 T€
17%
>10 bis 25 €
5%
über 25 T€
10%
Quelle: KfW-Gründungsmonitor 2015. Berechnungen isw.
Legt man diese Eckdaten zum Finanzbedarf dem Gründungsgeschehen im Freistaat Sach-
sen im Jahr 2014 zugrunde (vgl. Tabelle 2 auf Seite 22), dann ergeben sich daraus ca. 3.300
Vollerwerbs-Gründungen mit externem Finanzierungsbedarf im Mikrokredit-Segment.
Zur
Schätzung des Umfangs des Finanzbedarfs
innerhalb des Mikrokredit-Segments kön-
nen Daten für den Freistaat Sachsen aus der Förderstatistik des ESF-
Mikrodarlehensprogramms herangezogen werden.

Ex-ante-Evaluierung zur Auflage eines Mikrodarlehensfonds
im Rahmen der ESF-Förderung des Freistaates Sachsen in der Förderperiode 2014-2020
28
Nach diesen Daten haben Antragsteller/innen im Jahr 2014 im Durchschnitt einen Darle-
hensbetrag von rd. 16.500 € beantragt. Diese Größenordnung gilt nahezu gleichermaßen für
Haupt- und Nebenerwerbsgründungen sowie für Darlehen in der Festigungsphase.
Unter Berücksichtigung dieses Erfahrungswertes lässt sich der gesamte Kreditbedarf im Mik-
ro-Segment für Sachsen für Vollerwerbsgründungen auf rd. 55 Mio. € p.a. schätzen.
Junge Bestandsunternehmen
Zur Abschätzung des externen Finanzbedarfs von bereits bestehenden, jungen Kleinstunter-
nehmen muss ebenfalls auf Ergebnisse bundesweiter, repräsentativ angelegter Befragungen
zurückgegriffen werden. Datenquelle hierfür ist das KfW-Mittelstandspanel. Nach Selbstdar-
stellung ist das KfW-Mittelstandspanel die einzige Datenquelle, die repräsentative Hochrech-
nungsergebnisse auch für Kleinstunternehmen ausweist.
24
Aktuellste Daten liegen aus der Panelerhebung 2013 vor. Nach diesen Ergebnissen hatten
deutschlandweit 26% der KMU einen Kreditbedarf in der Größenklasse bis 20 Tsd. €.
25
Wenn man unterstellt, dass dieser Anteil auch für das Segment der jungen Unternehmen in
Sachsen gilt (ca. 50 Tsd. Unternehmen im Alter zwischen 1 und 5 Jahren – vgl. Tabelle 3 auf
Seite 26), dann errechnet sich daraus eine Größenordnung von rd. 13.000 Unternehmen in
Sachsen mit Kreditbedarf im Segment der Mikrofinanzierung.
Zur
Schätzung des Umfangs des Finanzbedarfs
innerhalb des Mikrokredit-Segments kön-
nen ebenfalls Daten für den Freistaat Sachsen aus der Förderstatistik des ESF-
Mikrodarlehensprogramms herangezogen werden. Die durchschnittlich beantragte Darle-
henssumme für junge Unternehmen in der Phase der Festigung lag im Jahr 2014 bei etwa
16.500 €. Legt man diesen Eckwert zugrunde, dann lässt sich der Kreditbedarf im Mikro-
Segment für die Festigung junger Unternehmen in Sachsen auf rd. 215 Mio. € p.a. schätzen.
24
KfW-Mittelstandspanel 2014, Tabellenband, S. 1.
25
KfW-Mittelstandspanel 2014, S. 7 bzw. Tabellenband, Tab. 20

 
Ex-ante-Evaluierung zur Auflage eines Mikrodarlehensfonds
im Rahmen der ESF-Förderung des Freistaates Sachsen in der Förderperiode 2014-2020
29
4.3.2. Angebotsseite
4.3.2.1.
Kreditvolumen von Banken und Sparkassen in Sachsen an Unternehmen
und wirtschaftlich selbstständige Privatpersonen
Ausgangspunkt für die Abschätzung des Kreditangebots im Zielsegment ist zunächst eine
Analyse des Gesamtbestandes der Kredite an Unternehmen und wirtschaftlich selbstständi-
ge Privatpersonen
26
in Sachsen. Der Sektor "wirtschaftlich selbstständige Privatpersonen" in
der Abgrenzung der Bundesbank-Statistik dürfte in guter Näherung die Entwicklung im Be-
reich der Kleinstunternehmen abbilden. Die Analyse bezieht sich
auf Kredite mit einer Laufzeit bzw. Kündigungsfrist von über einem Jahr
auf Banken und Sparkassen mit Sitz in Sachsen (Zweigstellen).
Zum Jahresende 2014 lag der Bestand mittel- und langfristiger Kredite an Unternehmen und
wirtschaftlich Selbstständige in Sachsen bei rd. 25,7 Mrd. €. Davon entfielen etwa 500 Mio. €
auf mittelfristige Kredite (Laufzeit bzw. Kündigungsfrist von über 1 bis 5 Jahren) an den Sek-
tor der wirtschaftlich selbstständigen Privatpersonen in der Definition von Fußnote 26. In
Relation dazu beläuft sich das Volumen der von der SAB ausgezahlten ESF-Mikrodarlehen
im Durchschnitt der Jahre 2009-2014 auf weniger als 1 Prozent.
Im Verlauf der letzten Jahre war der Kreditbestand in diesem Segment relativ stabil. Quar-
talsweise Schwankungen im Zeitraum 2007 bis 2014 bewegten sich zwischen 430 und 550
Mio. €.
26
In der Abgrenzung der Deutschen Bundesbank umfasst der Sektor der wirtschaftlich selbstständigen Privat-
personen Einzelkaufleute, Gewerbetreibende, freiberuflich Tätige, Landwirte und Privatpersonen, deren Ein-
kommen überwiegend aus Vermögen stammt. Vgl. Deutsche Bundesbank: Bankenstatistik Kundensystema-
tik. Januar 2014, S. 14f.

image
 
Ex-ante-Evaluierung zur Auflage eines Mikrodarlehensfonds
im Rahmen der ESF-Förderung des Freistaates Sachsen in der Förderperiode 2014-2020
30
Abbildung 5: Kreditvolumen von Banken und Sparkassen in Sachsen an Unternehmen
und wirtschaftlich selbstständige Privatpersonen (Mrd. €)
Quelle: Deutsche Bundesbank - Bankstatistische Regionalergebnisse, Sachsen, Stand August 2015
4.3.2.2.
Gründungsfinanzierung durch Kreditinstitute und KfW
Banken und Sparkassen in Sachsen haben im Jahr 2014 Kredite im Umfang von etwa 7,2
Mrd. € an Unternehmen und Selbstständige in Sachsen neu vergeben.
27
Insbesondere die
regional ausgerichteten Sparkassen und Genossenschaftsbanken verfügen über hohe Einla-
gen und sind daher grundsätzlich fähig und willig, Kredite zu vergeben, um so Erträge zu
erwirtschaften.
Nach Angaben des OSV
28
für den Freistaat Sachsen lässt sich schätzen, dass die Sparkas-
sen in Sachsen im Jahr 2014 rd. 250 Vollerwerbs-Gründungen finanziell begleitet haben. Rd.
zwei Drittel der Anträge von Gründer/innen wurden finanziert, etwa ein Drittel abgelehnt. Et-
wa 80% der finanzierten Gründungen entfielen auf die Bereiche Handwerk und Freie Berufe.
Bei Unternehmensneugründungen lag das durchschnittliche Finanzierungsvolumen bei rd.
100 T€. Das Eigenkapital der Gründer/innen wird mit durchschnittlich 11% beziffert.
Aus diesen Eckdaten lässt sich ein Kreditvolumen des Sparkassensektors von rd. 22 Mio. €
für die Finanzierung von Existenzgründungen im Jahr 2014 ableiten. Dabei lag das Kreditvo-
lumen je Gründung im Durchschnitt – und im Regelfall – deutlich über dem Mikrokredit-
Segment.
Der OSV schätzt den Kreditanteil des Sparkassensektors im Segment der wirtschaftlich
Selbstständigen auf 38%.
29
Überträgt man diese Quote auf das Geschäft der Gründungsfi-
27
Die Schätzung basiert auf Angaben des OSV zum Umfang des Neugeschäfts in Sachsen und zum Marktan-
teil des Sparkassensektors für das Jahr 2014.
28
Schriftliche Information vom 12.8.2015
29
OSV: Geschäftsbericht 2014, S. 23.

Ex-ante-Evaluierung zur Auflage eines Mikrodarlehensfonds
im Rahmen der ESF-Förderung des Freistaates Sachsen in der Förderperiode 2014-2020
31
nanzierung durch Kreditinstitute insgesamt, so lässt sich daraus ableiten, dass die private
Kreditwirtschaft in Sachsen im Jahr 2014 rd. 650 Vollerwerbs-Gründungen mit einem Kredit-
volumen von rd. 60 Mio. € finanziell begleitet hat.
Ein alternativer Schätzansatz stellt auf den Anteil des Sparkassensektors an der Umsetzung
des KfW-Programms "ERP-Gründerkredit – Startgeld" ab. Bei diesem Programm fungieren
Geschäftsbanken bzw. Sparkassen als durchleitende Institute und übernehmen einen Teil
des Haftungsrisikos. Nach Angaben des OSV ist in Fällen der Gründungsfinanzierung die
Beteiligung der KfW, also die Finanzierung durch Programme der KfW zur Gründungsförde-
rung, als Standard anzusehen.
Nach den Daten der KfW-Förderstatistik entfielen in Sachsen im Jahr 2014 rd. 57% des Kre-
ditvolumens des Programms "ERP-Gründerkredit – Startgeld" auf den Sparkassensektor.
Legt man diese Anteilsquote zugrunde, dann wurden in Sachsen im Jahr 2014 etwa 450
Vollerwerbsgründungen durch die private Kreditwirtschaft finanziell begleitet.
Das Kreditvolumen der von der privaten Kreditwirtschaft begleiteten Gründungen liegt i.d.R.
über der Mikrokredit-Schwelle von 25 T€. Nach Einschätzungen aus den von uns geführten
Experteninterviews liegt die Schwelle, ab der Banken bzw. Sparkassen den Kreditantrag
eines Neukunden zur Finanzierung einer Existenzgründung etwa kostendeckend bearbeiten
können, bei rd. 10 T€. Für das Mikrosegment liegt der Aufwand der Prüfung/ Bearbeitung
von Kreditanträgen für Existenzgründer/innen regelmäßig über den zu erwartenden Erträgen.
Hinzu tritt i.d.R. das Problem fehlender Sicherheiten. Daher engagieren sich private Banken
bzw. Sparkassen i.d.R. nicht bei der Gründungsfinanzierung im Mikrokredit-Segment. Ledig-
lich die begründete Aussicht auf den Aufbau nachhaltiger Geschäftsbeziehungen rechtfertigt
es, fallweise Kreditanträge geringen Umfangs zu bearbeiten.
Bis 2007 existierte bei der KfW ein Programm "Mikrodarlehen", bei dem Gründer bis zu 25
T€ für ihren Start in die Selbstständigkeit über die Hausbank beantragen konnten. Seit 2006
hatte das Programm ein separates Förderfenster "Mikro 10" für Kleinstkredite von 5 bis 10
T€.
Im Jahr 2008 ist das KfW-Mikrodarlehen mit dem "StartGeld" zum Produkt "KfW-Startgeld"
zusammengefasst worden. Der Kredithöchstbetrag für das neue Produkt wurde auf 50 T€
festgelegt. In Sachsen wurden in den Jahren 2008 bis 2010 etwa 170 Vorhaben jährlich mit
einem Darlehensvolumen von durchschnittlich rd. 35 T€ gefördert.
Im Jahr 2011 wurde das Programm mit der neuen Bezeichnung "KfW-Gründerkredit – Start-
Geld" nochmals erweitert: Der Darlehenshöchstbetrag liegt nunmehr bei 100 T€. Die durch-
schnittlich ausgereichte Darlehenshöhe beläuft sich auf rd. 50 T€.
Faktisch ist das Angebot der KfW im Mikrokreditsegment seit 2008 in einem umfassenderen
Finanzierungsangebot für Existenzgründer/innen aufgegangen. Die Entwicklung der durch-

 
Ex-ante-Evaluierung zur Auflage eines Mikrodarlehensfonds
im Rahmen der ESF-Förderung des Freistaates Sachsen in der Förderperiode 2014-2020
32
schnittlich zugesagten Darlehensbeträge lässt erkennen, dass Förderdarlehen der KfW im
Mikrokredit-Segment praktisch nur noch eine geringe Rolle spielen.
4.3.2.3.
Mikrofinanz-Institute (MFI) in Sachsen
Nach aktuellen Schätzungen wurden im Jahr 2013 in
Deutschland
4.520 Mikrodarlehen im
Umfang von 25,6 Mio. € durch MFI sowie 7.460 Mikrodarlehen im Umfang von 136,8 Mio. €
durch Förderbanken (Förderinstitute der Länder, KfW) vergeben. Im Jahr zuvor lag der Kre-
ditvergabe bei MFI mit 5.520 Darlehen im Umfang von 33,7 Mio. € noch deutlich höher, bei
den Förderbanken auf ähnlichem Niveau wie 2013.
30
Der "Mikrokreditfonds Deutschland" wurde in den letzten Jahren durch vier Institutionen mit
Sitz in Sachsen umgesetzt. Dabei handelt es sich um zwei MFI mit Sitz in Dresden, ein MFI
mit Sitz in Plauen sowie ein Vermittlungsbüro mit Sitz in Leipzig, welches bei der Vermittlung
von Mikrokrediten mit einem MFI außerhalb Sachsens kooperiert.
Nach Angaben von Vertreter/innen der vier genannten Institutionen wurden durch diese in
Sachsen im Zeitraum 2010-2014 schätzungsweise 1.500 Mikrokredite vermittelt. Daraus
errechnet sich ein Durchschnittswert von ca. 300 vermittelten Mikrokrediten p.a.
Die
Verteilung
dieser Kreditfälle ist nicht gleichmäßig: Auf ein MFI entfallen rd. 80% der Fäl-
le, auf die drei übrigen – zu etwa gleichen Teilen – zusammen rd. 20% der Fälle.
Der
durchschnittliche Kreditbetrag
beläuft sich auf etwa 5 T€. „Erstkredite“ wurden gene-
rell nur bis zu dieser Höchstgrenze vergeben. Nach ordnungsgemäßer Tilgung konnten spä-
ter auch höhere Kreditbeträge bewilligt werden.
Wichtigste
Klientel
der MFI sind bereits bestehende Kleinstunternehmen (i.d.R. Solo-
Selbstständige). Dabei zielt das MFI-Angebot auf nicht-bankfähige Unternehmen. Tatsäch-
lich signalisiert nach Einschätzung der sächsischen MFI die Schufa-Bonitätsauskunft für vie-
le ihrer Klienten geringe Kreditwürdigkeit.
Die Antragsteller haben meist
kurzfristigen Finanzbedarf
und benötigen daher eine schnel-
le Kreditentscheidung. Nach Erhebungen für Deutschland insgesamt vergehen durchschnitt-
lich 14 Tage von der Kontaktaufnahme zwischen Unternehmer und MFI bis zur Kreditent-
scheidung durch die beauftragte Bank.
31
Typisch sind eher kurze Kreditlaufzeiten von 6 bis 12 Monaten, die maximale Kreditlaufzeit
beträgt 36 Monate.
Der Anteil von
Unternehmen in der Gründungsphase
wird durch die MFI in Sachsen auf
etwa 40% geschätzt. Während bundesweit ein hoher Anteil der Darlehensnehmer von MFI
30
Bendig/ Unterberg/ Sarpong: Overview of the Microcredit Sector in the European Union. September 2014. S.
65.
31
Englert: Mikrokreditfonds Deutschland als Instrument der Regionalentwicklung. Präsentation vom
19.11.2013.

 
Ex-ante-Evaluierung zur Auflage eines Mikrodarlehensfonds
im Rahmen der ESF-Förderung des Freistaates Sachsen in der Förderperiode 2014-2020
33
Personen mit Migrationshintergrund sind (ca. 40%), ist dies in Sachsen nicht der Fall. Hier
liegt der Anteil von Kunden mit Migrationshintergrund im niedrigen einstelligen Prozentbe-
reich – korrespondierend mit dem geringen Anteil von Ausländern an der Gesamtbevölke-
rung.
Während einige MFI in Deutschland ihr Angebot auf spezielle
Zielgruppen
– darunter pro-
minent auch Menschen mit Migrationshintergrund – ausgerichtet haben, spielten solche
Spezialisierungen bei den Anbietern in Sachsen bislang keine wesentliche Rolle. Bei ledig-
lich einem der vier in Sachsen ansässigen MFI-Vermittler sind Migranten eine spezielle Ziel-
gruppe des Förderangebots.
Für zwei der drei in Sachsen ansässigen MFI und für das Vermittlungsbüro beim Amt für
Wirtschaftsförderung der Stadt Leipzig war die Vermittlung von Mikrodarlehen in der Vergan-
genheit nicht das „Kerngeschäft“, sondern ein zur Beratung von Unternehmen und Existenz-
gründer/innen
komplementäres Angebot
. Die Expansion des Mikrodarlehens-Geschäfts
war für diese MFI dementsprechend kein originäres Unternehmensziel. Das Darlehensge-
schäft war für sich genommen nicht profitabel, sondern bestenfalls kostendeckend. Hinzu
kam, dass die MFI für ihre mögliche Haftung aus den Darlehensverträgen selbst Kapital vor-
halten mussten.
Lediglich ein MFI in Sachsen hat die Vermittlung von Mikrodarlehen bisher als Kerngeschäft
betrieben und dabei auch eine beträchtliche Breitenwirkung erreicht. Dieser Anbieter ist be-
strebt, das Geschäftsmodell nachhaltig zu etablieren und weiter auszubauen.
In dem von der SAB angebotenen ESF-Mikrodarlehen sehen die MFI in Sachsen keine Kon-
kurrenz zu ihrer eigenen Geschäftstätigkeit. Vielmehr wird das ESF-Mikrodarlehen der SAB
aufgrund seiner spezifischen Förderbedingungen und -konditionen als komplementäres An-
gebot für Existenzgründer/innen und Unternehmen in der Gründungsphase beurteilt. In Ge-
sprächen haben die Vertreter der MFI darauf hingewiesen, dass Kreditinteressent/innen, die
nach den Regeln des ESF-Mikrodarlehens nicht förderfähig waren, von den SAB-
Berater/innen fallweise auch an die MFI verwiesen worden sind.
4.3.2.4.
ESF-Mikrodarlehen der SAB
Mit dem ESF-Mikrodarlehen werden auf Dauer angelegte Gründungen unterstützt. Bedin-
gung für die Unterstützung einer zunächst im Nebenerwerb ausgeübten selbstständigen Tä-
tigkeit ist, dass diese innerhalb eines Jahres zum Haupterwerb wird.
Aus dem Programm ESF-Mikrodarlehen des Freistaates Sachsen wurden im Jahr 2014 ins-
gesamt 113 Gründungen gefördert. Der Schwerpunkt lag eindeutig bei Haupterwerbs-
Gründungen (105).

Ex-ante-Evaluierung zur Auflage eines Mikrodarlehensfonds
im Rahmen der ESF-Förderung des Freistaates Sachsen in der Förderperiode 2014-2020
34
In Relation zur geschätzten Anzahl aller Haupterwerbs-Gründungen in Sachsen mit exter-
nem Finanzierungsbedarf im Mikrokredit-Segment (3.300) hatte das SAB-Programm somit
einen Abdeckungsgrad von rd. 3%.
Darüber hinaus erhielten 31 junge Unternehmen ein Mikrodarlehen zur Existenzfestigung.
Dabei handelte es sich ausschließlich um Unternehmen, die auf Haupterwerb ausgerichtet
waren. In Bezug auf die Zahl der jungen Unternehmen in Sachsen mit externem Finanzie-
rungsbedarf im Mikrokredit-Segment ist die Reichweite des SAB-Programms als marginal
einzuschätzen.
Die Daten zeigen, dass der Umfang der Förderung seit 2010 kontinuierlich zurückging.
32
Ursachen der rückläufigen Förderaktivitäten liegen nicht auf der Angebots-, sondern auf der
Nachfrageseite.
Tabelle 4
Bewilligte Anträge aus dem Programm ESF-Mikrodarlehen des Freistaats
Sachsen (2009-2014)
Programmteil
2009
2010
2011
2012
2013
2014
Haupterwerb
Gründung Haupterwerb
179
400
265
116
108
90
Gründung 2. Chance Haupterwerb
42
46
26
18
9
15
Gründung Haupterwerb (einschl. 2. Chance)
221
446
291
134
117
105
Festigung in Gründungsphase Haupterwerb
51
101
78
69
36
25
Festigung in Gründungsphase 2. Chance
Haupterwerb
5
7
1
2
3
Festigung (ohne Spezifizierung)
8
12
6
Festigung Haupterwerb (einschl. 2. Chance)
56
108
79
79
51
31
Nebenerwerb
Gründung aus Nebenerwerb
20
38
25
9
8
6
Gründung 2. Chance aus Nebenerwerb
4
7
2
4
1
2
Gründung Nebenerwerb (einschl. 2. Chance)
24
45
27
13
9
8
Festigung in Gründungsphase aus Nebenerwerb
3
3
3
1
1
Festigung 2. Chance aus Nebenerwerb
2
Festigung Nebenerwerb (einschl. 2. Chance)
3
5
3
1
1
0
Gesamtsumme
304
604
400
227
178
144
Quelle: Programmstatistik der SAB, Berechnungen isw.
32
Die Daten für 2009 und 2010 sind mit denen der Folgejahre nicht vergleichbar. Im Jahr 2009 startete die
Umsetzung des Programms erst zur Jahresmitte, im Jahr 2010 war ein aufgelaufener Antragsstau abzuar-
beiten.

 
Ex-ante-Evaluierung zur Auflage eines Mikrodarlehensfonds
im Rahmen der ESF-Förderung des Freistaates Sachsen in der Förderperiode 2014-2020
35
4.3.2.5.
Internet-Kreditangebot
In letzter Zeit hat die Vermittlung von Krediten, insbesondere auch im Mikrokredit-Segment,
über das Internet stark an Bedeutung gewonnen. Angaben zum Umfang solcher Kreditver-
mittlungen liegen allerdings nicht vor. Auch für den Freistaat Sachsen gibt es keine Schät-
zungen.
Kreditinstitute nutzen Internet-Portale in der Regel, um Konsumentenkredite in einem hoch
standardisierten und automatisierten Verfahren zu vergeben. I.d.R. müssen Antragstel-
ler/innen dafür den Nachweis eines festen regelmäßigen Einkommens erbringen. Zur Finan-
zierung von Existenzgründungen eignen sich diese Kreditangebote folglich kaum.
Andere Plattformen arbeiten nach dem Konzept des „social lending“ – sie vermitteln Kredite
zwischen privaten Anbieter/innen und Nachfrager/innen. Vermittelt werden nicht nur Konsu-
mentenkredite, sondern auch Darlehen, mit denen Existenzgründungen oder Nebener-
werbsgründungen finanziert werden können. Ein bekanntes Beispiel ist das Portal Auxmo-
ney. Hier können potenzielle Darlehensnehmer/innen ihr Projekt vorstellen und private Geld-
geber/innen für eine Mitfinanzierung – mit i.d.R. kleinen Einzelbeträgen – gewinnen. Prak-
tisch werden so häufig Gründungsprojekte in Bereichen finanziert, die auch Branchen-
schwerpunkte für den Einsatz des ESF-Mikrodarlehens sind (Einzelhandel, Gastronomie,
sonstige vorwiegend personenorientierte Dienstleistungen).
Grundsätzlich weist diese Form der Vermittlung von Kleinkrediten somit deutliche Über-
schneidungen zum Angebot des ESF-Mikrodarlehens auf. Ein wesentlicher Unterschied be-
steht allerdings im Zinsniveau: Aktuell
33
liegt der Darlehenszins auf einem Niveau von 14 bis
15% – im Vergleich zu knapp 2 % beim ESF-Mikrodarlehen.
Dennoch werden dieser Art der Kreditvermittlung aufgrund spezifischer Vorteile (einfache
Abwicklung, relativ schnelle Entscheidung) große Wachstumspotenziale zugebilligt. Inwie-
weit dieses Potenzial tatsächlich realisiert werden kann, hängt vor allem von der weiteren
Entwicklung der Finanzmarktregulierung in diesem Sektor ab und ist aus heutiger Sicht nicht
verlässlich einzuschätzen.
Mittel- und längerfristig sollte die Entwicklung in diesem Sektor allerdings beobachtet wer-
den, um die Auswirkungen auf den Bedarf für das ESF-Mikrodarlehen zu prüfen.
4.3.2.6.
Gründungsförderung der Arbeitsverwaltung
Die Arbeitsverwaltung fördert den Übergang Arbeitsloser in eine selbstständige Erwerbstä-
tigkeit mittels Gründungszuschuss (SGB III) bzw. Einstiegsgeld und flankierende Einmalleis-
tungen (SGB II). Die Ausgaben hierfür lagen im Jahr 2014 in Sachsen bei rd. 17 Mio. € (SGB
33
Stand Ende September 2015

 
Ex-ante-Evaluierung zur Auflage eines Mikrodarlehensfonds
im Rahmen der ESF-Förderung des Freistaates Sachsen in der Förderperiode 2014-2020
36
III) bzw. 1 Mio. € (SGB II) und damit weit über dem Finanzrahmen des ESF-
Mikrodarlehens.
34
Mit diesem Mitteln wurden im Jahr 2014 rd. 1.800 Arbeitslose im Rechtskreis SGB III und
weitere rd. 300 Arbeitslose im Rechtskreis SGB II beim Übergang in die Selbstständigkeit
unterstützt.
Sehr viel häufiger vollzogen sich allerdings Übergänge aus der Arbeitslosigkeit in die berufli-
che Selbstständigkeit ohne Förderleistungen der Arbeitsagenturen bzw. Jobcenter. Nach den
Daten für 2014 galt das in Sachsen für insgesamt 6.000 Gründer/innen aus der Arbeitslosig-
keit.
4.3.2.7.
Zwischenfazit
Verschiedene Institutionen tragen in unterschiedlichem Maße zur Finanzierung von Exis-
tenzgründungen in Sachsen bei. In dem hier betrachteten Segment (insbesondere ohne
Gründungen im Hightech-Bereich) wurden im Jahr 2014 grob geschätzt etwa 2.800 bis 3.000
Gründungen finanziell unterstützt – die meisten davon als Gründungen aus der Arbeitslosig-
keit durch das Instrumentarium von SGB III und SGB II. Der Anteil des ESF-Mikrodarlehens
an diesen Gründungen, die externe finanzielle Mittel erhalten haben, ist mit rd. 3 bis 4 Pro-
zent der Fälle relativ gering.
Mit Blick auf die Gesamtzahl der Existenzgründungen (nach IfM-Messkonzept ca. 15.000 im
Jahr 2014) wurde die weit überwiegende Zahl der Gründungen in Sachsen (ca. 80%) ohne
finanzielle Beiträge durch die in Tabelle 5 ausgewiesenen Institutionen realisiert.
Tabelle 5
Finanzierung von Existenzgründungen und jungen Unternehmen in Sach-
sen durch unterschiedliche Institutionen (2014)
Kreditinstitute
MFI
SAB-Mikrodarlehen Arbeitsverwaltung
Gründungen (Vollerwerb)
450-650
120
105
ca. 2.100
junge Unternehmen
k.A.
180
31
-
Quelle: Schätzung isw auf Grundlage unterschiedlicher Quellen; für MFI berechnet als Jahresdurchschnitt für
den Gesamtzeitraum 2010-2014.
34
Vgl. für diese und die folgenden Angaben: Bundesagentur für Arbeit:
Tabellenteil zur Eingliederungsbilanz nach § 11 SGB III. Jahreszahlen 2014. Sachsen Rechtskreis SGB III
Tabellenteil zur Eingliederungsbilanz nach § 54 SGB II. Jahreszahlen 2014. Sachsen Rechtskreis SGB II.

 
Ex-ante-Evaluierung zur Auflage eines Mikrodarlehensfonds
im Rahmen der ESF-Förderung des Freistaates Sachsen in der Förderperiode 2014-2020
37
4.3.3. Schätzung der Finanzierungslücke
Der Umfang von Gründungen bzw. Unternehmen im Zielsegment des ESF-Mikrodarlehens,
mit Bedarf an externen Finanzierungen wurde in Abschnitt 4.3.1 auf
ca. 3.300 Gründungen mit einem Kreditbedarf von ca. 55 Mio. € und
ca. 13.000 junge Kleinstunternehmen mit einem Kreditbedarf von ca. 215 Mio. €
geschätzt. In der Summe ergibt sich ein jährlicher Kreditbedarf von rd. 270 Mio. €.
Bei diesem Kreditbedarf ist nicht per se von Finanzierungsschwierigkeiten auszugehen. Die
große Mehrheit der Existenzgründer/innen in Deutschland hatte nach aktuellen Erhebungs-
ergebnissen des KfW-Gründungsmonitors für das Jahr 2014
35
keine Finanzierungsschwie-
rigkeiten. Sie benötigten entweder keine Finanzmittel, um ihr Gründungsprojekt umzusetzen,
oder konnten ihr Projekt problemlos mit eigenen oder externen Mitteln finanzieren. Drei As-
pekte sind trotz dieser insgesamt positiven Einschätzung allerdings kritisch zu bewerten. Der
Anteil von Gründern mit Finanzierungsschwierigkeiten
ist im Vorjahresvergleich gestiegen,
wurde insbesondere bei Gründer/innen größer, die letztlich keine Finanzmittel einge-
setzt haben und
hat mit 20 % wieder den Höchstwert des Jahres 2012 erreicht.
Bei Gründer/innen, die externe Finanzmittel einsetzen, treten Finanzierungsschwierigkeiten
allerdings häufiger auf als bei Gründer/innen ohne Kapitaleinsatz. Für diese Gruppe (Grün-
der/innen, die Finanzierungsschwierigkeiten konstatieren) lag der Anteil im Jahr 2014 nach
Schätzungen des KfW-Gründungsmonitors bei immerhin 38% aller Gründer/innen mit exter-
nem Finanzbedarf.
Legt man diese bundesdurchschnittliche Quote für Sachsen zugrunde
36
, dann betrafen
wahrgenommene Finanzierungsschwierigkeiten im Referenzjahr 2014
ca. 1.250 Gründungen mit einem Kreditbedarf von ca. 21 Mio. € und
ca. 4.900 junge Kleinstunternehmen mit einem Kreditbedarf von ca. 82 Mio. €.
Der für Gründer/innen schwierigere Kapitalzugang kann dazu führen, dass auch Erfolg ver-
sprechende Projekte unfinanziert und somit unrealisiert bleiben. Allerdings zeigen die Erhe-
bungsergebnisse des KfW-Gründungsmonitors auch, dass wahrgenommene Finanzierungs-
schwierigkeiten oftmals nicht gleichzusetzen sind mit dem Scheitern einer externen Finanzie-
35
KfW-Gründungsmonitor 2015. Mai 2015.
36
Nach den Ergebnissen der KfW-Unternehmensbefragung 2015 sind die wahrgenommenen Finanzierungs-
probleme junger Unternehmen sogar noch ausgeprägter als bei Existenzgründer/innen. In der Befragung
berichteten rd. drei Viertel der jungen Unternehmen über „Probleme, überhaupt noch einen Kredit zu be-
kommen“. Gegenüber dem Vorjahr ist dies ein signifikanter Anstieg.
vgl. KfW Unternehmensbefragung, Juni 2015, Zusammenfassung.

Ex-ante-Evaluierung zur Auflage eines Mikrodarlehensfonds
im Rahmen der ESF-Förderung des Freistaates Sachsen in der Förderperiode 2014-2020
38
rung. Nur für wenige Gründer/innen bedeuten nach Einschätzung der KfW Finanzierungs-
schwierigkeiten tatsächlich das Scheitern einer externen Finanzierung. Im Ergebnis unserer
Recherchen zur Ex-ante-Bewertung schätzen wir diesen Anteil auf etwa 20 bis 30% der Per-
sonen mit externem Kapitalbedarf, die über Finanzierungsschwierigkeiten berichten.
Nach dieser Schätzung beläuft sich unter den aktuellen Rahmenbedingungen in Sachsen
(Unternehmensbestand, Gründungsdynamik, Finanzierungsbedingungen) das Defizit an ex-
ternen Finanzierungsangeboten für grundsätzlich erfolgsträchtige Gründungen bzw. junge
Unternehmen – mit anderen Worten die auf Marktschwächen bzw. suboptimalen Investiti-
onsbedingungen beruhende Finanzierungslücke – auf ca. 20 bis 30 Mio. €. Davon entfallen
ca. 4 bis 6 Mio. € auf Existenzgründungen und
ca. 16 bis 24 Mio. € auf junge Kleinstunternehmen.
Hauptsächliche Ursachen für die identifizierte Finanzierungslücke im Banken- und Sparkas-
sensektor sind
Informationsprobleme im Hinblick auf die Risikobewertung der Gründungsprojekte
und die Kompetenzbewertung der Gründungspersonen
die mangelnde Rentabilität der Kreditvergabe bei Vorhaben mit geringem Kreditbe-
darf.
Daneben spielen auch Aspekte wie eine fehlende „Kredithistorie“ der Gründer/innen bei den
Banken bzw. Sparkassen und unzureichende Sicherheiten der Kreditsuchenden eine Rolle.

 
Ex-ante-Evaluierung zur Auflage eines Mikrodarlehensfonds
im Rahmen der ESF-Förderung des Freistaates Sachsen in der Förderperiode 2014-2020
39
5. Bewertung des Mehrwertes des Finanzinstruments und der
Kohärenz mit anderen öffentlichen Interventionen sowie der
Verhältnismäßigkeit der Intervention
5.1. Quantitative Aspekte des Mehrwerts
Hebeleffekt
Der quantitative Effekt des Finanzinstruments lässt sich zunächst durch den Hebeleffekt der
eingesetzten EU-Mittel ausdrücken. Nach unseren Schätzungen für den geplanten MDF III
(vgl. dazu Kapitel 6) werden die ESF-Mittel durch die nationale öffentliche Kofinanzierung
des Fonds sowie durch die Mobilisierung zusätzlicher Fremdmittel auf Ebene der Darlehens-
nehmer einen Hebeleffekt von rd. 1,3 erreichen.
Revolvierende Nutzung der Fondsmittel
Aufgrund der niedrigen Verzinsung der Darlehen und des Verzichts auf Gebühren (auf der
Einnahmenseite) sowie von Darlehensausfällen und erheblichen Verwaltungskosten (auf der
Ausgabenseite des Fonds) ist davon auszugehen, dass das Fondsvermögen im Zeitverlauf
abschmelzen wird. In welchem Maße dies geschehen wird, kann aufgrund der Datenlage
nicht genauer quantifiziert werden.
Gleichwohl werden durch die Fondstätigkeit – im Unterschied zu verlorenen Zuschüssen –
Rückflüsse generiert. Diese Mittel sind gemäß den Regeln für die EU-Strukturfonds für ähnli-
che Zwecke einzusetzen. In der Folge
kann der Fördereffekt vervielfacht werden.
Zum anderen erhält der Freistaat Sachsen seine Fähigkeit, auch bei zukünftig weiter sinken-
den Haushaltsübertragungen (Solidarpakt II, EU-Fonds nach 2020) Maßnahmen der Wirt-
schaftsförderung weiterhin substanziell zu unterstützen.
5.2. Qualitative Aspekte des Mehrwerts
Die Ausgangsanalyse hat gezeigt, dass für einen Teil der Existenzgründer/innen bzw. der
Unternehmen in der Gründungsphase der Zugang zu externen Finanzmitteln ein Schlüssel-
faktor des Gründungserfolgs ist. Auf Ebene einzelner Darlehensnehmer/innen liegt der
Mehrwert des Fonds demzufolge darin, ein
zusätzliches Angebot an Finanzierungsmit-
teln
bereitzustellen, welches am Kapitalmarkt nicht oder nur eingeschränkt erreichbar ist.
Mit der Rückzahlung des Förderdarlehens entwickeln die Gründer/innen darüber hinaus eine
Kredithistorie
“, was ihnen perspektivisch den Zugang zu regulären Bankfinanzierungen
erleichtern kann.
In diesem Zusammenhang ist mit Blick auf die Erfahrungen in der zurückliegenden Wirt-
schafts- und Finanzkrise darauf hinzuweisen, dass ein solches Finanzinstrument auch
schnell und flexibel auf eine krisenbedingt eingeschränkte Kreditvergabe privater Kreditinsti-

Ex-ante-Evaluierung zur Auflage eines Mikrodarlehensfonds
im Rahmen der ESF-Förderung des Freistaates Sachsen in der Förderperiode 2014-2020
40
tute reagieren kann. Insofern ist auch sein möglicher Beitrag zur Stärkung der Widerstands-
fähigkeit ("
Resilienz
") der regionalen Wirtschaft relevant.
Durch die Rückzahlungsverpflichtung für die Förderempfänger werden auch beim Einsatz
von öffentlichen Mitteln die Vorhaben nach strengen wirtschaftlichen Maßstäben durchge-
führt. Durch die fälligen Tilgungen wird ein Mindestanspruch an den wirtschaftlichen Erfolg
definiert. Auch aufgrund des beträchtlichen Aufwandes der Antragsteller für das Förderver-
fahren werden
Mitnahmeeffekte minimiert
.
Darüber hinaus ist von Bedeutung, dass Darlehen – im Vergleich zur Zuschussförderung –
aufgrund ihres deutlich geringeren Beihilfeintensität auch die
Risiken von Marktverzerrun-
gen begrenzen
. Gerade für unternehmerische Aktivitäten, die sich – wie bei den ESF-
Mikrodarlehensnehmer/innen – weitgehend auf lokale Märkte mit hoher Wettbewerbsintensi-
tät konzentrieren, ist dies für die Bestandsunternehmen ein wichtiger Aspekt.
Im Vergleich zur Option, Existenzgründungen durch Zuschüsse zu fördern, ist der geplante
Einsatz des Darlehensinstruments somit als verhältnismäßig zu bewerten.
Schließlich ist ein Mehrwert des Fonds auf regionaler Ebene auch darin zu sehen, dass das
bestehende Instrumentarium
des Freistaats zur Förderung der Wettbewerbsfähigkeit des
Unternehmenssektors
sinnvoll ergänzt
wird. Als wichtiger Baustein innerhalb eines breiten
Spektrums an Förderinstrumenten (Zuschüssen, Darlehen, Beteiligungen, Bürgschaften)
verbessert der Einsatz des Fonds die Voraussetzungen für eine passgenaue, effiziente und
an die Bedürfnisse des Einzelvorhabens angepasste Förderpolitik.
Für die europäische Perspektive ist insbesondere die strukturpolitische Ausrichtung des
Fonds auf die Ziele des OP ESF und der
EUROPA 2020-Strategie
relevant. Die Bezugnah-
me des Fonds auf die Ziele des OP ESF wird in Abschnitt 3 dieses Berichts erläutert und
bestätigt.
Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang der
Arbeitsplatzeffekt
des Programms. Mit
den Unternehmensgründungen entstehen nicht nur Beschäftigungsmöglichkeiten für die
Gründer/innen selbst. Nach den Antragsdaten für den MDF II sollten in den im Zeitraum
2009 bis 2014 geförderten Firmen rd. 1.200 weitere Arbeitsplätze geschaffen werden – also
durchschnittlich etwa 0,6 bis 0,7 zusätzliche Arbeitsplätze je Gründung. Empirische Erhe-
bungen im Zuge der Evaluierung des Programms im Jahr 2011 haben bestätigt, dass die
diesbezüglichen Planzahlen der Antragstellenden im Mittel um rd. 20% übertroffen wurden.
37
37
Steria Mummert Consulting: Bewertung des Operationellen Programms des Freistaates Sachsen für den
Europäischen Sozialfonds (ESF) im Ziel Konvergenz in der Förderperiode 2007 bis 2013. Fachevaluierung
der Prioritätsachse A. Endbericht, 10. Juni 2011. Kap. 9.

 
Ex-ante-Evaluierung zur Auflage eines Mikrodarlehensfonds
im Rahmen der ESF-Förderung des Freistaates Sachsen in der Förderperiode 2014-2020
41
5.3. Kohärenz mit anderen öffentlichen Interventionen
Screening der Förderprogramme
Eine Prüfung der bestehenden Förderangebote auf der Grundlage von Internet-Recherchen
und Expertengesprächen
hat keine Programme aufgezeigt, die in Konkurrenzen zum geplan-
ten ESF-Mikrodarlehen stehen. Allerdings sind für einzelne Programme Aspekte potenzieller
Überschneidungen näher zu prüfen. Dies gilt insbesondere für die Programme
-
KfW-Gründerkredit – StartGeld,
-
Mikrokreditfonds Deutschland.
Für einige andere Programme wurde die Kohärenz in Bezug auf das ESF-Mikrodarlehen
bereits im Zuge der begleitenden Evaluierung des OP ESF Sachsen 2007-2013 geprüft mit
dem Ergebnis, dass hier keine Überschneidungen vorliegen.
38
Kohärenzcheck
Darlehen aus dem Programm
KfW-Gründerkredit – StartGeld
werden nach dem Haus-
bankprinzip vergeben. Da sie eine weitgehende Haftungsfreistellung der Hausbanken bein-
halten, ist die Besicherung der Darlehen für die Hausbanken weniger relevant ist. Kernprob-
leme sind vielmehr Informationsdefizite im Hinblick auf die Risikobewertung der Gründungs-
projekte und die mangelnde Rentabilität der Kreditvergabe bei Vorhaben mit geringem Kre-
ditbedarf.
Nach Einschätzung unserer Interviewpartner aus dem Banken- und Sparkassensektor wird
das StartGeld erst bei größeren Darlehen eingesetzt. Dafür sprechen auch die durchschnitt-
lichen Darlehensvolumina, die deutlich über der Obergrenze für das ESF-Mikrodarlehen lie-
gen (vgl. Abschnitt 4.3.2.2).
Überschneidungen des Programms KfW-Gründerkredit – StartGeld mit den ESF-Mikro-
darlehen sind in der Praxis kaum relevant. Auch die Expertengespräche, die im Rahmen der
Ex-ante-Bewertung geführt wurden (siehe Anlage), bestätigen diese Einschätzung.
Für Darlehen aus dem
Mikrokreditfonds Deutschland
können nach einer Phase der Aus-
setzung seit Mai 2015 wieder Anträge gestellt werden. Die Zahl der MFI, die das Programm
„in der Fläche“ umsetzen, ist gegenüber dem Stand 2014 deutlich zurückgegangen. Aktuell
besteht in Sachsen kein landesweit erreichbares Angebot.
Zudem bestehen zum ESF-Mikrodarlehen beträchtliche Unterschiede im Hinblick auf Ziel-
gruppe und Förderkonditionen. Der Mikrokreditfonds vergibt Darlehen überwiegend an be-
stehende Kleinstunternehmen, um kurzfristigen Liquiditätsbedarf zu decken. Die Kreditlauf-
38
ebenda, Kap. 9.2.2.

 
Ex-ante-Evaluierung zur Auflage eines Mikrodarlehensfonds
im Rahmen der ESF-Förderung des Freistaates Sachsen in der Förderperiode 2014-2020
42
zeiten sind signifikant kürzer, die Kreditbeträge geringer, das Zinsniveau liegt mit knapp 10%
deutlich über dem des ESF-Mikrodarlehens.
Mit diesen spezifischen Bedingungen spricht der Mikrokreditfonds Deutschland im Wesentli-
chen eine andere Zielgruppe an, wobei Existenzgründungen nicht ausgeschlossen sind. Ko-
härenzprobleme im Verhältnis zum geplanten ESF-Mikrodarlehen bestehen nach Einschät-
zung der Ex-ante-Bewertung nicht. Diese Einschätzung wurde auch in den Gesprächen mit
den vier MFI in Sachsen bestätigt.
5.4. Implikationen in Bezug auf staatliche Beihilfen
Aufgrund des reduzierten Zinssatzes ist das ESF-Mikrodarlehen als Beihilfe anzusehen.
Die neue, ab 2014 geltende De-minimis-Verordnung
39
sieht eine sogenannte „Safe-Harbour-
Regelung“ für Kleindarlehen vor. Danach gelten Darlehen dann als transparente Beihilfen,
wenn der Darlehensbetrag 1 Mio. € bei einer Laufzeit von fünf Jahren nicht übersteigt und
durch Sicherheiten unterlegt ist, die sich auf mindestens 50 % des Darlehensbetrages belau-
fen. Im Falle einer Darlehenslaufzeit von höchstens zehn Jahren darf der Darlehensbetrag
von 0,5 Mio. € nicht überschritten werden.
Die Einführung dieser Safe-Harbour-Regelung verringert den Verwaltungsaufwand bei der
Gewährung von Kleindarlehen an Unternehmen durch staatliche Stellen. Für das ESF-
Mikrodarlehen greift diese Regelung allerdings nicht, da für das Darlehen keine Sicherheiten
gestellt werden müssen.
Insofern besteht gemäß Art. 4 Abs. 3 c) der De-minimis-Verordnung die Verpflichtung, das
Bruttosubventionsäquivalent auf der Grundlage des zum Bewilligungszeitpunkt geltenden
Referenzzinssatzes zu berechnen.
Darüber hinaus haben Antragsteller Angaben über bereits gewährte Beihilfen zu machen, die
im Förderverfahren zu prüfen sind.
39
VERORDNUNG (EU) Nr. 1407/2013 DER KOMMISSION vom 18. Dezember 2013 über die Anwendung der
Artikel 107 und 108 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union auf De-minimis-Beihilfen

 
Ex-ante-Evaluierung zur Auflage eines Mikrodarlehensfonds
im Rahmen der ESF-Förderung des Freistaates Sachsen in der Förderperiode 2014-2020
43
6. Schätzung zusätzlicher öffentlicher und privater Mittel, die durch
das Finanzinstrument aufzubringen sind (Hebeleffekt)
Für das vorgesehene Mikrodarlehensprogramm ist zu schätzen, in welchem Umfang zusätz-
liche öffentliche und private Mittel auf Ebene des Fonds sowie der Unternehmen eingewor-
ben werden können und welcher Hebeleffekt sich daraus ergibt.
Die erwartete finanzielle Hebelwirkung des Finanzinstruments ergibt sich aus den Eckdaten
seiner geplanten Ausgestaltung. Zur Quantifizierung der Hebelwirkung sind folgende Aspek-
te zu berücksichtigen:
vorgesehene nationale öffentliche Kofinanzierung im Rahmen der Finanzplanung
zum OP ESF
ggf. Umfang der Beteiligung anderer Finanzierungspartner am geplanten Fonds
geschätzter Umfang der zusätzlich eingeworbenen Mittel Dritter für die Finanzierung
der geförderten Gründungsvorhaben
voraussichtliches Tempo des "Umschlags" der Fondsmittel und ihre weitere Verwen-
dung.
Mobilisierung zusätzlicher Mittel auf Ebene des Fonds
Die für den Mikrodarlehensfonds vorgesehenen ESF-Mittel werden durch den Freistaat
Sachsen kofinanziert. Für das ESF-OP ist in allen Prioritätsachsen ein Kofinanzierungsbei-
trag (Anteil des ESF an den gesamten förderfähigen Ausgaben) von 80% angesetzt. Für die
Berechnung des Hebeleffekts gehen wir von einer Finanzierung des vorgesehenen Fonds im
Verhältnis von 80% (ESF) zu 20% (Freistaat Sachsen) aus.
Ein mehrfacher Umschlag der eingesetzten Fondsmittel innerhalb der Programmperiode zur
Finanzierung von Mikrodarlehen ist nach derzeitigem Informationsstand nicht vorgesehen.
Die Einbindung privaten oder weiteren öffentlichen Kapitals auf der Ebene des Fonds zusätz-
lich zur nationalen öffentlichen Kofinanzierung der ESF-Mittel ist nicht geplant. Aus gut-
achterlicher Sicht ist dies realistisch auch nicht zu erwarten. Nach den bisherigen Erfahrun-
gen ist die Umsetzung des ESF-Mikrodarlehensfonds für sich genommen
kein rentables
Geschäftsmodell
, das sich auf Dauer selbst trägt. Insofern gibt es für private Investoren
keinen Anreiz, sich an dem vorgesehen Mikrodarlehensfonds zu beteiligen.
Mobilisierung zusätzlicher Mittel auf Ebene der Darlehensnehmer/innen
Auf der Ebene der Darlehensnehmer/innen kann die Hebelwirkung auf der Grundlage der
Erfahrungen mit dem MDF II aus der Förderperiode 2007-2013
40
prognostiziert werden:
40
Vgl. dazu Abschnitt 7.1.

Ex-ante-Evaluierung zur Auflage eines Mikrodarlehensfonds
im Rahmen der ESF-Förderung des Freistaates Sachsen in der Förderperiode 2014-2020
44
Danach gelingt es den ESF-Mikrodarlehensnehmern nur in relativ geringem Umfang, externe
Finanzierungsbeiträge zu mobilisieren. Insgesamt liegt der Anteil von Hausbankdarlehen und
sonstigen öffentlichen/ privaten Fremdmitteln bei rd. 4% des gesamten Finanzierungsvolu-
mens bzw. 6% des externen Finanzierungsvolumens (ohne Eigenmittel, Sacheinlagen und
Eigenleistungen der Darlehensnehmer).
Vor diesem Hintergrund gehen wir für die Schätzung des Hebeleffekts davon aus, dass auch
im MDF III rd. 6% des externen Finanzierungsvolumens durch zusätzlich mobilisierte
Fremdmittel dargestellt werden. 94% des Finanzierungsvolumens entfallen auf das ESF-
Mikrodarlehen.
Hebelwirkung
Die Delegierte Verordnung zur EU-Haushaltsordnung definiert die Hebelwirkung wie folgt:
„Die Hebelwirkung der Unionsmittel entspricht dem Quotienten aus dem Finanzbetrag für
förderfähige Endempfänger und dem Betrag des Unionsbeitrags“.
41
Gemäß den Leitlinien
von KOM/ EIB zur Ex-ante-Bewertung der Finanzinstrumente sind Eigenmittel und
-leistungen der Darlehensnehmer nicht in die Berechnung des Hebeleffekts einzubeziehen.
42
Somit wird die Hebelwirkung nach folgender Formel berechnet:
ESF-Mittel + Nationale öffentliche Kofinanzierung + externe private Finanzmittel
ESF-Mittel
Aus den genannten Eckdaten errechnet sich ein Hebeleffekt von 1,33. Mit anderen Worten:
100 € ESF-Mittel mobilisieren einen Gesamtfinanzierungsbetrag von rd. 133 € auf Seiten der
Darlehensnehmer/innen.
41
DELEGIERTE VERORDNUNG (EU) Nr. 1268/2012 DER KOMMISSION vom 29. Oktober 2012 über die
Anwendungsbestimmungen für die Verordnung (EU, Euratom) Nr. 966/2012 des Europäischen Parlaments
und des Rates über die Haushaltsordnung für den Gesamthaushaltsplan der Union; Art. 223.
42
vgl. Fußnote 2, Vol. I, Kap. 5.2.

 
Ex-ante-Evaluierung zur Auflage eines Mikrodarlehensfonds
im Rahmen der ESF-Förderung des Freistaates Sachsen in der Förderperiode 2014-2020
45
7. Bewertung der Erfahrungen mit ähnlichen Instrumenten
7.1. Ergebnisse und Erfahrungen in Sachsen
Ein Programm zur Förderung von Existenzgründungen durch Mikrodarlehen wurde im Frei-
staat Sachsen erstmals im Jahr 2006 aufgelegt (MDF I). In der ESF-Programmperiode 2007-
2013 wurde die Förderung durch den MDF II fortgesetzt. Aus der Umsetzung dieser Pro-
gramme liegen umfangreiche Erfahrungen und auch externe Bewertungen vor und können
für die Konzipierung des beabsichtigten MDF III berücksichtigt werden.
Im Rahmen des
MDF II
wurden im Zeitraum 2009 bis 2014 insgesamt 1.857 Mikrodarlehen
im Umfang von 28,8 Mio. € bewilligt. Damit wurden Gesamtausgaben
43
der Existenzgrün-
der/innen bzw. jungen Unternehmen im Umfang von 44,1 Mio. € unterstützt. Unter Berück-
sichtigung der Finanzierung des MDF II aus ESF- und Landesmitteln im Verhältnis 75:25
errechnet sich aus diesen Eckdaten ein Hebeleffekt der eingesetzten ESF-Mittel in Höhe von
2,04 bezogen auf die insgesamt mobilisierten öffentlichen und privaten Mittel.
Die
durchschnittliche bewilligte Darlehenssumme
lag in diesem Zeitraum bei rd. 15,6 T€.
Dieser Durchschnittswert schwankte in den einzelnen Jahren des Betrachtungszeitraums nur
geringfügig.
Deutliche Veränderungen waren jedoch beim Umfang der Förderung zu beobachten. Dies
verdeutlicht die folgende Abbildung 6. Nach Start der Umsetzung des MDF II im Juli 2009
war zunächst ein „Antragsstau“ abzuarbeiten. Im Jahr 2010 erreichte der Förderumfang sei-
nen Höhepunkt. Seither sind
Anzahl und Umfang der bewilligten Darlehen stetig zurück-
gegangen.
Als ursächlich hierfür wird von Expertenseite insbesondere die positive Arbeits-
marktentwicklung angesehen. Verbesserte Chancen auf attraktive Beschäftigungsverhältnis-
se wirken tendenziell dämpfend auf die Gründungsneigung.
43
bei Antragstellung geplante Ausgaben

image
Ex-ante-Evaluierung zur Auflage eines Mikrodarlehensfonds
im Rahmen der ESF-Förderung des Freistaates Sachsen in der Förderperiode 2014-2020
46
Abbildung 6: Kennzahlung zur Entwicklung des Umfangs geförderter Mikrodarlehen
(2009-2014)
Quelle: Programmstatistik der SAB, Berechnungen isw.
Nach aktuellsten Daten wurden in den ersten acht Monaten des Jahres 2015 insgesamt 93
ESF-Mikrodarlehen im Umfang von rd. 1,46 Mio. € bewilligt. Rechnet man diese Ergebnisse
auf das Gesamtjahr 2015 hoch (Faktor 1,5), dann wären für das Jahr 2015 insgesamt 140
bewilligte Darlehensfälle mit einem Darlehensvolumen von rd. 2,2 Mio. € zu erwarten. Dieses
Ergebnis läge etwa auf dem Niveau von 2014. Zahl und Umfang der bei der SAB registrier-
ten Antragseingänge würden nach einer solchen Hochrechnung im Jahr 2015 leicht über
dem Ergebnis von 2014 liegen. Insgesamt deuten die aktuellsten Monitoring-Daten somit auf
eine Stabilisierung bis leichte Zunahme des Förderumfangs hin.
Während im Betrachtungszeitraum 1.857 Mikrodarlehen im Umfang von 28,8 Mio. € bewilligt
worden sind, wurden weitere 1.229 Darlehensanträge entweder abgelehnt oder die Antrag-
stellung storniert. Damit beläuft sich die Quote der
Ablehnungen/ Stornierungen
im Durch-
schnitt des Betrachtungszeitraums auf rd. 40%. In den beiden letzten Jahren (2013, 2014)
lag sie bei fast 50%.
Häufige Gründe für das Nicht-Zustandekommen von Darlehensverträgen sind in Abbildung 7
dargestellt. Nach den entsprechenden Aufzeichnungen der SAB geht das Nicht-
Zustandekommen von Darlehensverträgen in rd. der Hälfte der Fälle auf Entscheidungen der
Antragstellenden zurück: Entweder wurde das Verfahren nicht fortgeführt, weil fehlende Un-
terlagen nicht nachgereicht worden sind, oder der Förderantrag wurde durch die Antragstel-
lenden storniert.

image
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Ex-ante-Evaluierung zur Auflage eines Mikrodarlehensfonds
im Rahmen der ESF-Förderung des Freistaates Sachsen in der Förderperiode 2014-2020
47
Abbildung 7: Häufigste Gründe für das Nicht-Zustandekommen von
Darlehensverträgen (2009-2014)
Quelle: Programmstatistik der SAB, Berechnungen isw.
Die
Branchenschwerpunkte der bewilligten Darlehen
liegen eindeutig im Dienstleistungs-
sektor – insbesondere bei der Erbringung personenbezogener Dienstleistungen. Dies bestä-
tigt den Eindruck, dass die geförderten Gründungen ganz überwiegend auf lokale Märkte
abzielen und in Branchen stattfinden, in denen kleinräumiger Wettbewerb dominiert.
Abbildung 8: Branchenverteilung der bewilligten Darlehen (2009-2014)
Quelle: Programmstatistik der SAB, Berechnungen isw.

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Ex-ante-Evaluierung zur Auflage eines Mikrodarlehensfonds
im Rahmen der ESF-Förderung des Freistaates Sachsen in der Förderperiode 2014-2020
48
Von den im Zeitraum 2009 bis 2014 bewilligten ESF-Mikrodarlehen entfielen insgesamt 77%
auf
Existenzgründungen
und 23% auf bestehende Unternehmen. Damit erreichte das Pro-
gramm die Zielgruppe „Gründer/innen“ in hohem Maße.
Im Trend ist der Anteil der eigentlichen Gründungen an allen Darlehensfällen allerdings rück-
läufig. Ursache hierfür ist nicht zuletzt die Ausdehnung der Förderung auf junge Unterneh-
men im Alter bis zu 5 Jahren.
Über den Betrachtungszeitraum 2009 bis 2014 hinweg wurden die bewilligten Darlehensmit-
tel zu zwei Dritteln für die Finanzierung von
Betriebsmitteln
und zu einem Drittel für
Investi-
tionen
eingesetzt.
Die
Finanzierungsstruktur
der geförderten Vorhaben ist in Abbildung 9 dargestellt. Nach
den Daten der SAB gelingt es den ESF-Mikrodarlehensnehmern nur in relativ geringem Um-
fang, externe Finanzierungsbeiträge zu mobilisieren. Insgesamt liegt der Anteil von Haus-
bankdarlehen und sonstigen öffentlichen/ privaten Fremdmitteln bei rd. 4% des gesamten
Finanzierungsvolumens.
Abbildung 9: Finanzierungsquellen der durch ESF-Mikrodarlehen geförderten
Vorhaben (2009-2014)
Quelle: Programmstatistik der SAB.

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Ex-ante-Evaluierung zur Auflage eines Mikrodarlehensfonds
im Rahmen der ESF-Förderung des Freistaates Sachsen in der Förderperiode 2014-2020
49
Die durchschnittliche
Ausfallwahrscheinlichkeit
für den Zeithorizont eines Jahres wird von
der SAB mit rd. 2,4% angegeben. Echte Ausfälle belaufen sich im Mikrodarlehen II bisher
(Stand August 2015) auf 0,19% der ausgereichten Mittel.
Störungen im Hinblick auf die im Darlehensvertrag vereinbarten Rückzahlungsmodalitäten
treten allerdings häufiger auf. Von Seiten der SAB wird darauf hingewiesen, dass ein hohes
Maß an Intensiv-Betreuung erforderlich ist, um Totalausfälle zu vermeiden bzw. bei Kredit-
ausfällen Rückforderungen zu managen.
Von den im Zeitraum 2009 bis 2014 bewilligten Darlehen sind 327 in der SAB-Förderstatistik
als Fälle mit Leistungsstörung registriert. Aus den vorliegenden Angaben errechnet sich für
den Betrachtungszeitraum eine Quote der von Leistungsstörungen betroffenen Darlehensfäl-
le von rd. 18%. Von jenen Branchen, in denen besonders häufig Darlehen bewilligt worden
sind, weisen das Gastgewerbe sowie der Einzelhandel deutlich überdurchschnittliche Quoten
auf. Dieses Ergebnis korrespondiert mit der hohen Dynamik von Unternehmensgründungen
und –schließungen in diesen Branchen, die sich auch aus der Statistik der Gewerbeanzeigen
ableiten lässt. Insofern erscheint bei Anträgen, die diese Branchen betreffen, eine besonders
eingehende Prüfung des Unternehmenskonzepts angezeigt.
Abbildung 10: Quoten der von Leistungsstörungen betroffenen bewilligten Darlehen in
den am stärksten besetzten Branchen (2009-2014)
Quelle: Programmstatistik der SAB, Berechnungen isw.
Alles in allem ist das Förderverfahren des ESF-Mikrodarlehens durch einen durchaus inten-
siven Auswahlprozess gekennzeichnet. Eine erste Vorauswahl der zu fördernden Vorhaben
findet bereits durch die fachkundigen Stellen statt, deren positive bzw. befürwortende Bewer-
tung des Vorhabens zu den formalen Fördervoraussetzungen zählt. Durch die SAB erfolgt
dann im Antragsverfahren eine eigenständige Bewertung des Vorhabens. Im Ergebnis wur-
den in den letzten beiden Jahren für rd. die Hälfte der eingereichten Anträge Darlehen bewil-
ligt.

 
Ex-ante-Evaluierung zur Auflage eines Mikrodarlehensfonds
im Rahmen der ESF-Förderung des Freistaates Sachsen in der Förderperiode 2014-2020
50
Trotz dieses intensiven Auswahlprozesses liegt die Quote der von Leistungsstörungen be-
troffenen Darlehen bei knapp 20%. Dies unterstreicht – ebenso wie die in Abschnitt 4.3.1 auf
Seite 26 dargestellten Überlebensraten – das generelle Risikopotenzial von Existenzgrün-
dungen. Schon aus diesem Grund ist unter den gegebenen Förderbedingungen (keine Ge-
bühren, sehr niedriger Zinssatz) von einem stetigen Abschmelzen des Fondskapitals auszu-
gehen.
Das ESF-Mikrodarlehensprogramm war im Programmzeitraum 2007-2013 Gegentand der
begleitenden
Evaluierung
des ESF-OP. Im Jahr 2011 wurde im Rahmen der Fachevaluie-
rung der Prioritätsachse A des OP eine empirisch gestützte Bewertung vorgenommen.
44
Da-
raus lassen sich folgende Ergebnisse zusammenfassen:
Das Programm trägt signifikant zum Abbau von Arbeitslosigkeit bei. Über 70% der
geförderten Gründer/innen waren vor der Gründung arbeitslos.
Fast drei Viertel der Gründer/innen können aus der Selbstständigkeit ihren Haupter-
werb bestreiten. Rd. ein Viertel war zum Befragungszeitpunkt auf weitere Erwerbs-
quellen angewiesen.
Das Programm wird zu einem hohen Anteil von Frauen genutzt (über 40%) und trägt
somit zur Erhöhung des Anteils von Frauen an den Selbstständigen bei.
Die in den Antragsunterlagen angegebenen Arbeitsplatzziele der Gründer/innen wur-
den in der Praxis um rd. 20% übertroffen.
Die Beratung und Betreuung der Antragstellenden durch die SAB, die Bereitstellung
von Informationen zum Programm sowie die Transparenz des Förderverfahrens wer-
den durch die Antragsteller/innen positiv bewertet.
Deutlich negativ fallen hingegen die Bewertungen zur Bearbeitungsdauer sowie zum
administrativen Aufwand für die Antragstellung aus.
Im Ergebnis der Bewertung empfahlen die Evaluatoren, Möglichkeiten zur Vereinfachung
und Beschleunigung des Förderverfahrens sowie zum Verweis von Gründer/innen auf flan-
kierende Beratungs- und Unterstützungsangebote zu prüfen.
7.2. Ergebnisse und Erfahrungen auf europäischer Ebene
In einer Selbsteinschätzung der Europäischen Kommission zum
europäischen Progress-
Mikrofinanzierungsinstrument
kommt die Kommission zu dem Schluss, dass die Progress-
44
Steria Mummert Consulting: Bewertung des Operationellen Programms des Freistaates Sachsen für den
Europäischen Sozialfonds (ESF) im Ziel Konvergenz in der Förderperiode 2007 bis 2013. Fachevaluierung
der Prioritätsachse A. Endbericht, 10. Juni 2011. Kap. 9.

Ex-ante-Evaluierung zur Auflage eines Mikrodarlehensfonds
im Rahmen der ESF-Förderung des Freistaates Sachsen in der Förderperiode 2014-2020
51
Mikrofinanzierung allein nicht in der Lage ist, die bestehende Marktlücke für Mikrofinanzie-
rungen zu schließen. Daher ersucht die KOM die Mitgliedstaaten, nationale Programme für
Finanzinstrumente zur Mikrofinanzierung anzubieten und dazu insbesondere ihre ESF-Mittel
einzusetzen.
45
Der KOM-Bericht verweist darüber hinaus darauf, dass Bürgschaften sich als sehr erfolgrei-
ches und effektives Instrument für die Unterstützung von Mikrofinanzierungen erwiesen ha-
ben.
Eine zusammenfassende Darstellung externer Evaluierungsergebnisse zum europäischen
Progress-Mikrofinanzinstrument für einen aktuellen Bericht an das Europäische Parlament
46
fokussiert auf folgende Ergebnisse und Schlussfolgerungen:
Das Progress-Mikrofinanzinstrument hat die Tätigkeit von MFI in der EU positiv be-
einflusst. Eine Reihe von Institutionen wurde angeregt, ihr Engagement im Bereich
Mikrodarlehen auszuweiten und auch Kunden mit höherem Kreditrisiko verstärkt ein-
zubeziehen. Insgesamt wurde die Verfügbarkeit der Mikrofinanzierung für Kleinstun-
ternehmen in Europa erhöht.
Die Zinsen liegen bei Mikrokrediten in der Regel höher als bei konventionellen Darle-
hen.
Das Konstrukt von Darlehen mit Risikoteilung
47
gilt als zu kompliziert (auch für Ban-
ken) und wurde daher kaum genutzt.
Von den unterstützten Kreditnehmern gaben 17% an, dass Kreditanfragen an Banken
zuvor abgelehnt worden waren. 56 % waren der Ansicht, dass es unmöglich gewesen
sei, einen ähnlichen Kredit anderweitig zu erlangen. Insofern hat das Mikrokredit-
Angebot die Schwelle für den Zugang zu Finanzmitteln effektiv gesenkt.
Das spezifische Ziel der Unterstützung der einer „social economy“ wurde kaum er-
reicht. Unabhängig von den Bemühungen der MFI geht es den Kreditnehmern in ers-
ter Linie um ihre privaten Geschäftsinteressen, nicht um soziale Wirkungen.
In Bezug auf die Auswirkungen auf die Beschäftigung zeigte sich, dass lediglich ein
Viertel der Darlehensnehmer/innen zuvor arbeitslos waren. Gleichwohl war die Erhal-
tung von Arbeitsplätzen ein wichtiges Ergebnis der Mikrokredit-Förderung. Von den
Unternehmen, die in einer frühen Gründungsphase mit dem Mikrokredit unterstützt
worden sind, waren allerdings etwa 50% der Gründer/innen zuvor arbeitslos.
Angehörige von Minderheiten bzw. Menschen mit Migrationshintergrund machten
nach den erfassten Daten nur einen kleinen Teil Kreditnehmer/innen aus. Die Ergeb-
45
Bericht der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozi-
alausschuss und den Ausschuss der Regionen: Umsetzung des europäischen Progress-
Mikrofinanzierunginstruments – 2013. COM(2014) 639 final. S. 14.
46
Europäisches Parlament: European Progress Microfinance Facility - Interim evaluation. European Imple-
mentation Assessment. In-depth-analysis. Mai 2015
47
Vgl. Durchführungsverordnung (EU) Nr. 964/ 2014 der Kommission vom 11. September 2014 mit Durchfüh-
rungsbestimmungen zur Verordnung (EU) Nr. 1303/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates hin-
sichtlich Standardvorschriften und –bedingungen für Finanzinstrument, Art. 6.

Ex-ante-Evaluierung zur Auflage eines Mikrodarlehensfonds
im Rahmen der ESF-Förderung des Freistaates Sachsen in der Förderperiode 2014-2020
52
nisse sind allerdings aufgrund von Defiziten in der Datenerfassung als nicht sehr zu-
verlässig einzustufen. Tatsächlich könnte der Anteil höher liegen.
Bezüglich der Überlebensrate als Indikator der Nachhaltigkeit der Förderung konnten
bisher durch die Evaluierung keine belastbaren Ergebnisse ermittelt werden.
Alles in allem sprechen die Ergebnisse und Erfahrungen im Hinblick auf die Zielgenauigkeit
und Wirksamkeit der Förderung für eine Fortführung des sächsischen Mikrodarlehensfonds.
Perspektivisch sollten allerdings auch administrativ weniger aufwändige Alternativen geprüft
werden. Das betrifft insbesondere die Frage, ob ESF-Mittel auch zur weiteren Entwicklung
der MFI-Strukturen zur Förderung von Existenzgründungen mit geringem Finanzbedarf in
Sachsen eingesetzt werden können. Dies könnte auch zu einer größeren Reichweite des
Förderangebots beitragen. Die Tauglichkeit einer solchen Alternative hinsichtlich der sach-
senweiten Präsenz, der Programmausrichtung und auch der Kosten wäre noch zu prüfen.

 
Ex-ante-Evaluierung zur Auflage eines Mikrodarlehensfonds
im Rahmen der ESF-Förderung des Freistaates Sachsen in der Förderperiode 2014-2020
53
8. Bewertung der Investitionsstrategie
Wesentliche Elemente der Förderstrategie des ESF-Mikrodarlehens sind in der Richtlinie des
Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr zur Förderung von Exis-
tenzgründern und jungen Unternehmen durch Gewährung von Mikrodarlehen (Richtlinie
Mikrodarlehen) festgelegt. Die aktuelle Richtlinie vom 13. Oktober 2011
48
tritt zum
31.12.2015 außer Kraft. Das Finanzinstrument der ESF-Programmperiode 2014-2020 soll
auf der Grundlage einer neuen Richtlinie umgesetzt werden, wobei die grundlegende Aus-
richtung beibehalten werden soll. Daher werden zur Bewertung der Interventionsstrategie die
Regelungen der bis Ende 2015 gültigen Förderrichtlinie herangezogen.
8.1. Eckpunkte der Strategie
Schlussfolgerungen aus der Analyse
Die Analyse der Marktsituation auf der Angebots- und Nachfrageseite hat
Belege für den
Bedarf
geliefert, Existenzgründer/innen und Kleinstunternehmen bei Zugang zu externen
Finanzmitteln für die Gründung selbstständiger Existenzen bzw. für die Stabilisierung solcher
Existenzen in der Gründungsphase zu unterstützen.
Ein solches Förderangebot schafft einen
Mehrwert
gegenüber einer auf Zuschussbasis an-
gelegten Existenzgründungsförderung (vgl. dazu Kap. 5).
Allerdings zeigt die Analyse der bisherigen Erfahrungen auch, dass die Vergabe von Mikro-
darlehen an Existenzgründer/innen und junge Kleinstunternehmen mit spezifischen Risiken
einhergeht und für sich genommen kein rentables Geschäftsmodell darstellt, das sich auf
Dauer selbst trägt. Insofern gibt es für private Investoren keinen Anreiz, sich an dem vorge-
sehen Mikrodarlehensfonds zu beteiligen. Die
Beteiligung privater Investoren an dem ge-
planten Fonds
ist daher nach gutachterlicher Einschätzung
keine realistische Option.
Geografische Reichweite des Finanzinstruments
Das bisherige ESF-Mikrodarlehen in Sachsen war als landesweites Förderangebot konzipiert
und wurde praktisch in allen Regionen des Freistaats umgesetzt. Aus der Analyse sind keine
Hinweise auf regional differenzierte Förderbedarfe abzuleiten. Insofern erscheint der Einsatz
des künftigen Finanzinstruments im gesamten Gebiet des Freistaats Sachsen gerechtfertigt.
Zielgruppe
Zielgruppe der Förderung sind Existenzgründer/innen sowie junge Unternehmen innerhalb
einer fünfjährigen Gründungsphase. Gemäß ESF-OP zielt das Förderangebot darauf ab, die
Dynamik der Unternehmensgründungen in Sachsen positiv zu beeinflussen. Das Grundmo-
48
Zuletzt enthalten in der Verwaltungsvorschrift vom 18. November 2013 (SächsABl. SDr. S. S 887).

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54
dell des vorgesehenen Finanzinstruments ist also, in den Kategorien der KOM-Leitlinien zur
Ex-ante-Bewertung zur Bewertung von Mikrokredit-Finanzinstrumenten ausgedrückt, das
des „
micro enterprise lending
“, nicht das des „social inclusion lending“.
Das Förderangebot richtet sich an banknahe bzw. bankfähige Kunden, deren spezifischer
Finanzierungsbedarf durch den privaten Banken- bzw. Sparkassensektor nicht hinreichend
befriedigt wird aufgrund
von Informationsdefiziten bzgl. des Erfolgs bzw. des Risikos von Unternehmens-
gründungen
der in Relation zum Ertragspotenzial hohen Transaktionskosten auf Seiten der
Kreditwirtschaft
fehlender Kredithistorie
unzureichender banküblicher Sicherheiten.
Praktisch ist das Förderangebot für alle
Personengruppen
diskriminierungsfrei zugänglich
ausgestaltet. Bedarf an besonderen Förderpräferenzen, z.B. für Antragsteller im „rentenna-
hen“ bzw. Rentenalter oder für Menschen mit Migrationshintergrund, lässt sich aus den Er-
gebnissen der Analyse nicht ableiten. Die stärkere Einbeziehung solcher Personengruppen
kann ggf. durch zielgruppenspezifische Maßnahmen zur Vermarktung des Förderangebots
erreicht werden.
Das Förderangebot gilt für ein breites
Branchenspektrum
. Einschränkungen gelten lediglich
für eine Reihe von typischerweise freiberuflich ausgeübten Tätigkeiten sowie einzelne Bran-
chen, die auf lokale Märkte ausgerichtet und durch hohe Wettbewerbsintensität und geringes
Wachstumspotenzial gekennzeichnet sind.
Die Ausrichtung auf ein breites Branchenspektrum entspricht der wirtschaftspolitischen Inten-
tion der Existenzgründungsförderung, den Strukturwandel in Sachsen zu begleiten und damit
die regionale Wettbewerbsfähigkeit zu fördern. Die Ausnahmeregelungen haben sich in der
bisherigen Praxis grundsätzlich bewährt. Ihre Beibehaltung – einschließlich einer regelmäßi-
gen Überprüfung und ggf. Anpassung – ist grundsätzlich zu befürworten.
Förderkonditionen des Finanzinstruments
Wesentliche Förderkonditionen des ESF-Mikrodarlehens nach der bis Ende 2015 geltenden
Rechtslage sind in der nachfolgenden Übersicht aufgeführt:
Darlehenshöhe
je Vorhaben bis maximal 20.000 EUR
Förderfähige Ausgaben
Investitionen, Betriebsmittel
Eigenanteil des
Darlehensnehmers
Bezogen auf das geplante Gesamtvorhaben mindestens 20 %;
für betriebliche Investitionen mindestens 40 %
Laufzeit
bis zu 5 Jahre, davon 6 oder 12 tilgungsfreie Monate möglich

Ex-ante-Evaluierung zur Auflage eines Mikrodarlehensfonds
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55
Zinssatz
seit 01.03.2015: 1,89% nominal;
Zinsfestschreibung für den gesamten Darlehenszeitraum
Sicherheiten
keine Sicherheiten erforderlich
Haftung
persönliche Haftung, bei Antragstellung durch mehrere Gesell-
schafter gesamtschuldnerische Haftung
Auszahlung
100 Prozent, allgemein in einer Summe (maximal 3 Teilbeträge
möglich)
Tilgung
quartalsweise in festen Raten
vorzeitige Tilgung zu jedem Zeitpunkt möglich (vollständig oder
teilweise), keine Vorfälligkeitsentschädigung
Gebühren
keine Bearbeitungsgebühr
Mit Blick auf die Grundausrichtung des Finanzinstruments („micro enterprise lending“) sind
diese Förderkonditionen insgesamt als attraktiv und auf die Bedarfe der Zielgruppe gut ab-
gestimmt zu beurteilen.
Mit einer Reduzierung des Eigenanteils auf generell 20% könnte die Attraktivität des Förder-
angebots weiter gesteigert werden. Signifikante negative Effekte sind davon nicht zu erwar-
ten.
Auswahlverfahren
Gemäß OP ESF Sachsen 2014-2020 wird das Verfahren für die Auswahl der zu bewilligen-
den Vorhaben im Spezifischen Ziel A.1 (Existenzgründungen und Unternehmergeist stärken)
als laufendes Antragsverfahren oder als Wettbewerbsverfahren mit Stichtagen ausgestaltet.
Aus Sicht der Ex-ante-Bewertung ist ein Wettbewerbsverfahren mit Stichtagen für den För-
deransatz „Mikrodarlehen“ nicht empfehlenswert. Die Unterstützung von Existenzgründun-
gen sollte ein kontinuierlicher Prozess sein. Die Phase der Unternehmensgründung ist für die
betreffenden Gründer/innen durch ein erhebliches Maß an Unsicherheit und Bedarf an
schnellen Entscheidungen, gerade auch in Bezug auf die Finanzierung, gekennzeichnet. In
dieser Konstellation kann ein Wettbewerbsverfahren mit Stichtagen das Risiko des Grün-
dungserfolgs erhöhen, weil es zu Verzögerungen und damit zu höheren Kosten auf Seiten
der Antragstellenden führt. Insofern ist eine kontinuierliche, fortlaufende Umsetzung des För-
derangebots zu empfehlen. Die Vorhabenauswahl sollte anhand verbindlicher Mindestkrite-
rien erfolgen.
Qualitative Mindestanforderungen an die zu fördernden Vorhaben sind, dass sie
auf den Haupterwerb der Gründungspersonen gerichtet sind
ein tragfähiges Unternehmenskonzept (Businessplan) vorweisen und
die Gründungspersonen/ Antragstellenden über die für eine selbstständige Tätigkeit
notwendigen fachlichen und kaufmännischen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.

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56
Zur Beurteilung dieser Qualitätsmerkmale ist mit dem Förderantrag eine positive bzw. befür-
wortende Beurteilung durch eine fachkundige Stelle vorzulegen. Dieses Verfahren hat sich
nach Einschätzung der beteiligten Institutionen grundsätzlich bewährt. Eine Fortführung er-
scheint daher empfehlenswert.
Die diesbezüglich angewendeten Projektauswahlkriterien haben sich in der Programmperio-
de 2007-2013 bewährt und sollten auch für den MDF III beibehalten werden.
Umfang der Finanzausstattung
Im Rahmen der Analysen zur Angebots- und Nachfrageseite wurde die „Finanzierungslücke“
auf rd. 20-30 Mio. € p.a. geschätzt.
Der Umfang tatsächlich gewährter ESF-Mikrodarlehen betrug zuletzt – im Jahr 2014 – rd. 2,3
Mio. € (bewilligt) bzw. 2,2 Mio. € (ausgezahlt). Dies verdeutlicht, dass mit dem ESF-
Mikrodarlehen nur ein begrenzter Teil der Finanzierungslücke abgedeckt wird.
Seitens des SMWA ist aktuell eine Finanzausstattung des Darlehensinstruments in Höhe von
27,3 Mio. € vorgesehen.
Extrapoliert man die aktuellen Rahmenbedingungen und Förderergebnisse auf den gesam-
ten verbleibenden Förderzeitraum (2016 bis 2023), dann errechnet sich daraus ein bewillig-
tes Darlehensvolumen von rd. 18 Mio. €.
Mit anderen Worten: Die vorgesehene Finanzausstattung des Fonds ist deutlich größer be-
messen als der Mittelbedarf, der bei einer Stabilisierung der Förderergebnisse des Jahres
2014 über den gesamten Programmzeitraum bestehen würde.
Die mit der OP-Planung angestrebte Anzahl an Mikrodarlehen (1.800, das entspricht für den
Zeitraum 2016-2023 durchschnittlich 225 Vorhaben p.a.) geht von einer Steigerung der Zahl
der Förderfälle gegenüber dem 2014 erreichten Stand (144) um etwa ein Drittel aus.
Inwieweit diese Kalkulation realistisch ist, kann aus heutiger Sicht nicht abschließend beur-
teilt werden. Die aktuellen Rahmenbedingungen für die Umsetzung des Förderangebots sind
durch eine positive Arbeitsmarktentwicklung – mithin eine geringe Neigung zu Existenzgrün-
dungen – und historisch günstige Finanzierungsbedingungen gekennzeichnet. Eine Verän-
derung dieser Bedingungen in den nächsten 8 Jahren ist durchaus denkbar, wenngleich
nicht prognostizierbar. Somit kann auch die Nachfrage nach dem ESF-Mikrodarlehen wieder
anziehen. Auch eine Intensivierung der Öffentlichkeitsarbeit zum Programm könnte diesen
Effekt haben.
Aus heutiger Sicht enthält die Finanzausstattung des geplanten Finanzinstruments somit
einen Puffer, der eine hinreichende Mittelverfügbarkeit auch unter perspektivisch ungünstige-
ren arbeitsmarkt- und finanzpolitischen Rahmenbedingungen sichert. Eine solche Stabilisie-
rungsreserve vorzuhalten erscheint durchaus gerechtfertigt. Allerdings sollten die Planungen
regelmäßig mit dem tatsächlichen Umsetzungsstand abgeglichen werden, um ggf. rechtzeitig
eine Anpassung des Budgets vornehmen zu können.

 
Ex-ante-Evaluierung zur Auflage eines Mikrodarlehensfonds
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57
8.2. Geplante Ausgestaltung des Fonds vor dem Hintergrund bisheriger Ergebnisse
und Erfahrungen
Gemäß Artikel 37 (e) ESIF-VO sind im Rahmen der Ex-ante-Bewertung mögliche Einsatzre-
gelungen nach Artikel 38 zu prüfen. In Art. 38 der ESIF-VO sind verschiedene Optionen für
die Umsetzung von Finanzinstrumenten aufgeführt. Diese sollen den unterschiedlichen
Rahmenbedingungen in den Mitgliedstaaten Rechnung tragen – wie dem Vorhandensein
von geeigneten Institutionen oder dem verfügbaren Know-how zur Umsetzung von Finanzin-
strumenten.
Nach Artikel 38 ESIF-VO stehen der Verwaltungsbehörde hinsichtlich der Umsetzung von
Finanzinstrumenten folgende grundsätzliche
Optionen
zur Wahl:
1) auf Unionsebene eingerichtete Finanzinstrumente, die direkt oder indirekt durch die Kom-
mission verwaltet werden;
2) auf nationaler, regionaler, transnationaler oder grenzübergreifender Ebene eingerichtete
Finanzinstrumente, die von oder in Zuständigkeit der Verwaltungsbehörde verwaltet wer-
den.
Bei Finanzinstrumenten nach Nr. 2) kann die Verwaltungsbehörde den folgenden Finanzin-
strumenten einen Finanzbeitrag zur Verfügung stellen:
a) Finanzinstrumenten, die die Standardvorschriften und -bedingungen der Kommission ein-
halten;
b) bereits existierenden oder neu geschaffenen Finanzinstrumenten, die speziell konzipiert
wurden, um die spezifischen Ziele zu erreichen.
Dabei kann die Verwaltungsbehörde zur Unterstützung von Finanzinstrumenten nach Nr. 2)
a) in das Kapital bestehender oder neu geschaffener juristischer Personen investieren, die
mit dem Einsatz der Finanzinstrumente betraut sind und Durchführungsaufgaben über-
nehmen werden;
b) die folgenden Stellen mit der Durchführung der Aufgaben betrauen:
i) die EIB;
ii) internationale Finanzinstitutionen, an denen ein Mitgliedstaat beteiligt ist, oder in einem
Mitgliedstaat eingerichtete Finanzinstitutionen, die das Erreichen des öffentlichen Inte-
resses unter der Kontrolle einer Behörde zum Ziel haben;
iii) eine Einrichtung des öffentlichen oder des privaten Rechts; oder
c) die Aufgaben direkt ausführen, falls die Finanzinstrumente ausschließlich aus Darlehen
oder Garantien bestehen. In diesem Fall gilt die Verwaltungsbehörde als Begünstigter
gemäß der Definition in Artikel 2 Nummer 10.

Ex-ante-Evaluierung zur Auflage eines Mikrodarlehensfonds
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58
Bei der Entscheidung über die konkrete Umsetzung sollten insbesondere folgende
Prämis-
sen
berücksichtigt werden.
In Sachsen existieren leistungsfähige Strukturen der Gründungsförderung und lang-
jährige Erfahrungen mit der Umsetzung eines ESF-finanzierten Mikrodarlehensfonds.
Eine Nutzung überregionaler Strukturen zur Umsetzung der Förderung erscheint da-
her nicht erforderlich.
Das Förderinstrument Mikrodarlehensfonds ist speziell für die Entwicklungsziele im
Freistaat Sachsen konzipiert und seit 2006 etabliert. Die Einrichtung eines neuen In-
struments nach den Standardvorschriften und -bedingungen der Kommission ist so-
mit verzichtbar.
Mit der Sächsische Aufbaubank – Förderbank (SAB) verfügt der Freistaat Sachsen
über eine Finanzinstitution, „die das Erreichen des öffentlichen Interesses unter der
Kontrolle einer Behörde“ entsprechend Art. 38 Abs. 4 lit. b ii) ESIF-VO zum Ziel hat
und gemäß § 2 Abs. 1 SAB-Gesetz alleinzuständig u.a. für Maßnahmen der Wirt-
schafts- und Arbeitsförderung des Freistaats ist. Darüber hinaus existieren in dieser
Institution umfangreiche praktische Erfahrungen aus der bisherigen Umsetzung des
Mikrodarlehensfonds.
Die gemäß Art. 38 Abs. 4 lit. c) ESIF-VO mögliche Umsetzung des Finanzinstruments
durch die Verwaltungsbehörde selbst würde erhebliche zusätzliche personelle Res-
sourcen in der Verwaltungsbehörde erfordern. Darüber hinaus müsste fachliches
Know-how für die Umsetzung des Fonds in der Verwaltungsbehörde aufgebaut wer-
den.
Mit Blick auf diese Prämissen ist aus Sicht der Ex-ante-Evaluation für den geplanten Mikro-
darlehensfonds die Wahl der Umsetzungsoption nach Art. 38 Abs. 4 lit. b ii) ESIF-VO zu
empfehlen.

 
Ex-ante-Evaluierung zur Auflage eines Mikrodarlehensfonds
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9. Spezifizierung der erwarteten Ergebnisse
Im OP ESF Sachsen 2014-2020 sind für die jeweiligen Investitionsprioritäten (IP) spezifische
Ziele, Output- und Ergebnisindikatoren festgelegt. Quantifizierte Ziele für die IP 8iii sind die
Unterstützung von landesweit knapp 6.000 Existenzgründer/innen bzw. Gründungsinteres-
sierten, darunter rd. 35% Frauen, sowie der Fortbestand von mindestens 70% der geförder-
ten Gründungen ein Jahr nach Beginn der Maßnahme. Zu diesen quantifizierten Zielen soll
das Finanzinstrument gemeinsam mit anderen Maßnahmen der IP beitragen.
Die Prüfung der Konsistenz von Förderzielen und erwarteten Ergebnissen (Interventionslo-
gik) auf der Ebene der Investitionsprioritäten war bereits Gegenstand der Ex-ante-
Evaluierung des OP-Entwurfs. Diese Evaluierung hat die gebotenen Zusammenhänge sowie
die vorgenommenen Ziel-Quantifizierungen bestätigt.
49
Für das speziell unter IP 8iii vorgesehene Finanzinstrument sehen die Planungen vor, dass
im Programmzeitraum 1.800 Gründer/innen bzw. Unternehmen unterstützt werden (Output-
Indikator). Der damit korrespondierende Ergebnisindikator sieht vor, dass 1 Jahr nach Be-
ginn der Förderung noch mindestens 80% der Begünstigten weiterhin selbstständig tätig
sind.
Nach den vorliegenden Informationen zu den allgemeinen Überlebensraten von Existenz-
gründungen (vgl. Tabelle 3 auf Seite 26) und zur Ausfallwahrscheinlichkeit im sächsischen
ESF-Mikrodarlehensfonds (vgl. Abschnitt 7.1) ist davon auszugehen, dass das angestrebte
Maß an Bestandsfestigkeit der geförderten Unternehmen bzw. Gründungen tatsächlich er-
reicht wird.
Im Hinblick auf das Output-Ziel von 1.800 Gründungen setzt die Zielerreichung voraus, dass
der Förderumfang gegenüber dem zuletzt (2014) erreichten Stand deutlich – um etwa ein
Drittel – gesteigert wird. Dies erscheint grundsätzlich möglich – insbesondere wenn eine
oder mehrere der folgenden Bedingungen erfüllt sind
ein Einbruch am Arbeitsmarkt führt zum Wiederanstieg der Arbeitslosigkeit; in der
Folge suchen Arbeitslose verstärkt Erwerbsalternativen in der Selbstständigkeit
die Bemühungen um eine allgemeine Verbesserung des Klimas für unternehmerische
Selbstständigkeit und Existenzgründungen führen zu einem Anstieg der Gründungs-
aktivitäten
eine intensivere Vermarktung des Förderangebots führt zu einem höheren Bekannt-
heitsgrad bei den Adressaten und in der Folge zu einer stärkeren Inanspruchnahme
des Förderangebots.
Insbesondere die zuletzt genannte Bedingung ist durch den Freistaat Sachsen bzw. die Pro-
grammverantwortlichen beeinflussbar.
49
Metis: Ex-Ante-Evaluierung für das ESF-Programm im Freistaat Sachsen im Förderzeitraum 2014 bis 2020.
Los A. Endbericht, Juni 2014.

 
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60
10. Bestimmungen zur Überprüfung und ggf. Aktualisierung
der Ex-ante-Bewertung während des Einsatzes des
Finanzinstruments
Die vorstehend skizzierten Analysen im Rahmen der Ex-ante-Bewertung sind eine Moment-
aufnahme der Situation im betreffenden Handlungsfeld bzw. betreffen in der Vergangenheit
zu beobachtende Trends. Dies gilt insbesondere in Bezug auf die Marktsituation für Mikro-
kredite in Deutschland/ Sachsen.
Signifikante Veränderungen dieser Rahmenbedingungen könnten Anlass für eine veränderte
Ausrichtung des vorgesehenen Finanzinstruments sein. Gleiches gilt für mögliche Schwierig-
keiten bei der Umsetzung des geplanten Fonds.
Inwieweit eine substanzielle Neuausrichtung des Fonds angezeigt ist, sollte
a) anlassbezogen bei gravierenden Veränderungen der Rahmenbedingungen oder er-
heblichen Umsetzungsschwierigkeiten des Fonds oder – falls solche nicht auftreten
b) im Rahmen der Durchführungsberichte gemäß Art. 50 Abs. 4 und 5 ESIF-VO beurteilt
werden.
Sofern im Ergebnis der Beurteilung eine substanzielle Neuausrichtung des Fonds angestrebt
wird, ist eine Überprüfung und ggf. Aktualisierung der Ex-ante-Bewertung vorzunehmen.

 
Ex-ante-Evaluierung zur Auflage eines Mikrodarlehensfonds
im Rahmen der ESF-Förderung des Freistaates Sachsen in der Förderperiode 2014-2020
61
11.
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64
Anlage: Liste der Interviewpartner/innen
Bürgschaftsbank Sachsen GmbH
Herr Michalow
Dresdner Mikrokredit AG, Dresden
Herr Luding
Mikrofinanz Sachsen GmbH, Dresden
Herr Untisz
Objektiv Mikrofinanz AG, Plauen
Herr Postel
Ostdeutscher Bankenverband e.V.
Herr Saß
Ostdeutscher Sparkassenverband
Herr Redmann
SAB
Herr Schubert
Herr Stefan
Frau Görden
Sächsisches Existenzgründernetzwerk (SEN)
Frau Gogsch
SMWA
Frau Thurner
Stadt Leipzig, Amt für Wirtschaftsförderung,
Bereich Mikrokredit/ Unternehmensgründung
Frau Schwertfeger
Frau Auf der Masch