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Kurzfassung MaP 224 „Oberholz und Störmthaler Wiesen“
1.
GEBIETSCHARAKTERISTIK
Das etwa 199,1 ha große FFH-Gebiet „Oberholz und Störmthaler Wiesen“ liegt in der
Leipziger Tieflandsbucht ca. 14 km südöstlich vom Leipziger Stadtzentrum in einem
landwirtschaftlich, bergbaulich und industriell geprägten Einzugsgebiet. Es besteht aus
den beiden Teilgebieten „Oberholz“ (139,24 ha) und „Oberholzer Grabenniederung“
(59,82 ha). Das Gebiet von gemeinschaftlicher Bedeutung (engl. Site of Community
Interest,
Abk.
SCI)
gehört
dem
innerhalb
der
Naturräumlichen
Haupteinheit
„Erzgebirgsvorland und Sächsisches Hügelland“ gelegenen Naturraum „Leipziger Land“
an.
Charakterisiert ist das SCI vor allem durch Wälder und Forste. Diese nehmen einen
Flächenanteil von 84 % ein, wobei es sich vorwiegend um Laubwälder handelt. Die
Waldflächen befinden sich überwiegend im Eigentum des Freistaates Sachsen, kleinere
Anteile sind in privater Hand. Ackerflächen sind im Gebiet mit einem Flächenanteil von
knapp 9 % vertreten. Biotope der Hauptgruppe Grünland, Ruderal- und Staudenfluren
haben einen Flächenanteil von knapp 7 %. Stillgewässer sowie Baumgruppen und
Feldgehölze sind ebenso wie Verkehrsflächen lediglich mit einem Anteil von < 1 % zu
finden. Fließgewässer durchziehen das SCI auf einer Länge von ca. 4 km.
Das Ausgangssubstrat für die Bodenbildung im Bereich des SCI besteht überwiegend aus
gebietsprägendem Decksandlöß, der über Geschiebedecksand der Grundmoräne
periglazial abgelagert wurde. Daher nehmen hydromorph geprägte Bodenformen, wie
Decklöß-Staugley (Synonym: Decklöß-Pseudogley) bedeutende Flächenanteile des SCI
ein (88 %). Mit geringeren Flächenanteilen kommen Decklöß-Braunerde (8 %) und
Schwemmlehm-Humusstaugley (2 %) vor.
Das SCI ist innerhalb des ca. 4135 ha großen EU-Vogelschutzgebietes „Laubwaldgebiete
östlich Leipzig“ (DE 4641-451) gelegen. Einen Flächenanteil von zusammen etwa 5 %
haben
die
Flächennaturdenkmäler
„Teilflurstück
536/3-Feuchtwiese
Oberholz“,
„Waldstück am altslawischen Wall“ (beide ca. 4 ha) sowie „Seidelbastsumpfwald
Oberholz“ (ca. 3 ha).
Nach § 26 SächsNatSchG geschützte Biotope kommen mit einem Flächenanteil von 16,2
ha (8 % der Gesamtfläche) vor.

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2.
ERFASSUNG und Bewertung
2.1. LEBENSRAUMTYPEN NACH ANHANG I DER FFH-RICHTLINIE
Als Ergebnis der Ersterfassung im Jahr 2009 wurden sechs Lebensraumtypen (LRT) mit
einer Gesamtfläche von 78,3 ha kartiert (vgl. Tabelle 1). Hinzu kommen 5,2 ha
Entwicklungsflächen für die LRT 9160 (Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwälder) und 6510
(Flachland-Mähwiesen).
Tabelle 1: Lebensraumtypen im SCI 224
Lebensraumtyp (LRT)
Anzahl der
Einzelflächen
Fläche
[ha]
Flächenanteil
im SCI
6410
Pfeifengraswiesen
6
1,40
0,7 %
6510
Flachland-Mähwiesen
6
5,45
2,7 %
9130
Waldmeister-Buchenwälder
1
1,98
1,0 %
9160
Sternmieren-Eichen-
Hainbuchenwälder
11
52,05
26,1%
9170
Labkraut-Eichen-Hainbuchenwälder
3
16,71
3,0 %
91E0*(2) Erlen-Eschen- und
Weichholzauenwälder
1
0,65
0,3 %
gesamt:
28
78,25
39,3 %
*prioritärer Lebensraumtyp
Im SCI flächenmäßig am bedeutendsten ist der LRT 9160 (Sternmieren-Eichen-
Hainbuchenwälder), dessen elf Teilflächen sich allesamt in einem günstigen Erhaltungs-
zustand befinden. Die Struktur der Bestände ist auf den meisten Flächen hervorragend,
auf einigen mittel-schlecht bis gut. Sie zeichnen sich durch überwiegend ganzflächig
mehrschichtige Bestände mit Jugend- und Wachstumsphase sowie häufig sehr hohe
Flächenanteile der Reifephase aus. Die Totholz- und Biotopbaumausstattung ist nur
teilweise als gut bis hervorragend einzuschätzen, im überwiegenden Teil der Flächen
mangelt es an starkem Totholz und Biotopbäumen. Das Arteninventar der Hauptschicht
und der weiteren Schichten ist auf allen Flächen gut oder sogar hervorragend ausgeprägt.
Auch die Bodenvegetation ist überwiegend artenreich. Der LRT wird im gesamten SCI
durch Grundwasserabsenkungen beeinträchtigt, die im Zusammenhang mit der
Braunkohleförderung in der Region stehen.

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Der LRT 9170 (Labkraut-Eichen-Hainbuchenwälder) ist im SCI mit drei Flächen vertreten,
welche sich in einem günstigen Erhaltungszustand befinden. Sie zeichnen sich durch
strukturreiche, zwei- bis mehrschichtige Bestände aus, wobei die Reifephase mit starkem
und zum Teil sehr starkem Baumholz groß- bis ganzflächig auftritt. Die Bestände sind
überwiegend gut mit Biotopbäumen sowie mit starkem Totholz ausgestattet.
Beeinträchtigungen liegen nicht vor.
Mit je einer kleineren Teilfläche kommen die LRT 9130 (Waldmeister-Buchenwälder) und
91E0* (Erlen-Eschen- und Weichholzauenwälder) vor. Beide weisen einen günstigen
Erhaltungszustand auf.
Der LRT 6410 (Pfeifengraswiesen) ist auf sechs Teilflächen des SCI zu finden. Dabei
befinden sich drei auf einer Waldwiese gelegene Flächen aufgrund von Pflegedefiziten im
ungünstigen Erhaltungszustand. Die Bestände dort sind vergleichsweise höher, stärker
von Gräsern geprägt und entsprechend ärmer an Kräutern. Die für die basiphytische
Pfeifengraswiese typischen Arten kommen jedoch auch dort zumindest individuenarm vor.
Einen günstigen Erhaltungszustand weisen die Flächen im FND „Teilflurstück 536/3-
Feuchtwiese“ auf. Der Anteil niedrigwüchsiger Gräser und Kräuter ist hier als gut
einzuschätzen, das Artinventar teilweise sogar als hervorragend. Beeinträchtigungen
ergeben sich auch hier aus dem Vorkommen von Störzeigern.
Auf weiteren sechs Teilflächen, die sich alle im günstigen Erhaltungszustand befinden,
konnte der LRT 6510 (Flachland-Mähwiesen) erfasst werden. Das Arteninventar der
durchweg gut strukturierten Flächen ist teilweise gut, oft sogar hervorragend ausgebildet.
Zu Beeinträchtigungen kommt es auch hier durch das Auftreten von Störzeigern.
Bei dem hervorragend ausgebildeten Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald (LRT 9170)
handelt es sich aktuell um die größte Einzelfläche dieses Lebensraumtyps im
Erhaltungszustand „A“ in Nordwestsachsen. Auf Grund der zusammenhängenden Lage
kommt den Eichen-Hainbuchenwäldern eine wichtige Kohärenzfunktion und im Vergleich
mit den sonstigen sächsischen Vorkommen eine regionale bis überregionale Bedeutung
zu. Die Pfeifengraswiesen (LRT 6410) kommen in der in Sachsen sehr seltenen
basiphytischen Ausbildungsform vor. Im Hinblick auf die Existenz seltener Arten, wie der
in Sachsen vom Aussterben bedrohten Knollen-Kratzdistel (Cirsium
tuberosum),
des stark
gefährdeten Nordischen Labkrauts (Galium
boreale)
sowie des Breitblättrigen
Knabenkrauts (Dactylorhiza
majalis),
kann dem Lebensraumtyp 6410 eine überregionale
Bedeutung beigemessen werden.

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Tabelle 2: Erhaltungszustand der Lebensraumtypen im SCI 224
Erhaltungszustand
A
B
C
Lebensraumtyp (LRT)
Anzahl
Fläche
[ha]
Anzahl
Fläche
[ha]
Anzahl
Fläche
[ha]
6410
Pfeifengraswiesen
0
0
3
0,7
3
0,7
6510
Flachland-Mähwiesen
0
0
6
5,5
0
0
9130
Waldmeister-
Buchenwälder
0
0
1
2,0
0
0
9160
Sternmieren-Eichen-
Hainbuchenwälder
0
0
11
52,1
0
0
9170
Labkraut-Eichen-
Hainbuchenwälder
1
5,2
2
11,6
0
0
91E0*
(2)
Erlen-Eschen- und
Weichholzauenwälder
0
0
1
0,7
0
0
*prioritärer Lebensraumtyp
2.2. ARTEN NACH ANHANG II DER FFH-RICHTLINIE
Im SCI "Oberholz und Störmthaler Wiesen" sind drei Arten nach Anhang II der FFH-
Richtlinie nachgewiesen worden (vgl. Entgegen ihrer Nennung im Standarddatenbogen
konnten die Vorkommen von Kammmolch (Triturus
cristatus) und
Hellem Wiesenknopf-
Ameisenbläuling (Maculinea
teleius)
aktuell nicht bestätigt werden.
Tabelle 3
). Entgegen ihrer Nennung im Standarddatenbogen konnten die Vorkommen von
Kammmolch (Triturus
cristatus) und
Hellem Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea
teleius)
aktuell nicht bestätigt werden.

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Tabelle 3: Habitatflächen der Anhang II - Arten im SCI 224
Anhang II - Art
Name
Wissenschaft-
licher Name
Anzahl der
Habitate im
Gebiet
Fläche
[ha]
Flächenanteil
im SCI
Dunkler
Wiesenknopf-
Ameisenbläuling
Maculinea
nausithous
3
9,5
4,8 %
Mopsfledermaus
Barbastella
barbastellus
1
167,6
84,2 %
Großes Mausohr
Myotis myotis
1
167,6
84,2 %
Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea
nausithous)
konnte auf drei
Grünlandflächen im südlichen Teilgebiet des SCI nachgewiesen werden. Die
Besiedlungssituation auf den drei ausgewiesenen Habitatflächen war auffallend
unterschiedlich. Zwei der Flächen wiesen sehr individuenreiche Vorkommen auf, zudem
konnten Bodenständigkeitsnachweise erbracht werden. Der Zustand der Population und
des Habitates ist für beide flächen als hervorragend zu bewerten, Beeinträchtigen waren
nicht feststellbar. Der Erhaltungszustand einer weiteren Fläche ist aufgrund der sehr
geringen Zahl nachgewiesener Individuen, der Beeinträchtigungen aufgrund des
ungünstigen Nutzungszeitpunktes und der damit verbundenen Einschränkungen
hinsichtlich des Zustandes des Habitates als ungünstig zu bewerten.
Innerhalb des SCI konnte ein Wochenstubenverband mit fünf adulten Weibchen der
Mopsfledermaus (Barbastella
barbastellus)
festgestellt werden. Das SCI liegt vollständig
innerhalb des engeren Aktionsradius von 5 km um den Nachweisort, so dass alle
gehölzbestockten Flächen im SCI als Jagdhabitat- und Sommerquartierkomplexfläche der
Art
ausgewiesen
sind.
Aufgrund
des
sehr
hohen
Anteils
an
Laub-
und
Laubmischwaldbeständen, der sehr guten Ausstattung mit Althölzern sowie des
weitgehend optimalen Waldverbundes zwischen den Teilflächen ist der Erhaltungs-
zustand des Habitates ist als günstig einzuschätzen.
Mit dem Großen Mausohr (Myotis
myotis)
konnte eine weitere Fledermausart des
Anhangs II im FFH-Gebiet „Oberholz und Störmthaler Wiesen“ festgestellt werden.
Entsprechend dem sehr guten Vorrat an unterwuchsarmen Beständen sowie an
baumhöhlenträchtigen Altbeständen und dem weitgehend optimalen Waldverbund ist der
Zustand des Jagdhabitats als hervorragend zu bewerten.

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Tabelle 4: Erhaltungszustand der Habitatflächen im SCI 224
Erhaltungszustand
Anhang II – Art
A
B
C
Name
Wissenschaftlic
her Name
An-
zahl
Fläche
[ha]
An-
zahl
Fläche
[ha]
An-
zahl
Fläche
[ha]
Dunkler
Wiesenknopf-
Ameisenbläuling
Maculinea
nausithous
2
5,8
-
-
1
3,7
Mopsfledermaus
Barbastella
barbastellus
-
-
1
167,6
-
Großes Mausohr
Myotis myotis
1
167,6
-
-
-
-
Zusammenhängende Waldflächen, die wie das Oberholz eine Eignung als Nahrungs- und
Quartierhabitat für die Mopsfledermaus (Barbastella
barbastellus)
aufweisen, sind in dem
stark landwirtschaftlich genutzten und zersiedelten Südraum von Leipzig relativ selten.
Dem FFH-Gebiet kommt zudem auf Grund der Reproduktionsnachweise eine
überregionale Bedeutung für diese Art zu. Auch für das Große Mausohr (Myotis
myotis)
hat das Gebiet als Jaghabitat eine große Bedeutung, da es im Einzugsgebiet der
Wochenstuben in Großsteinberg, Klinga und Pomßen liegt und eventuell in Verbindung
mit weiteren Reproduktionsquartieren steht. Die Reproduktionshabitate des Dunklen
Wiesenknopf-Ameisenbläulings (Maculinea
nausithous)
sind ein wichtiger Bestandteil des
sächsischen Verbreitungsschwerpunkts in der Leipziger Tieflandsbucht. Die beiden
Habitate des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings nördlich der Kreisstraße K7925
bilden auf Grund ihrer sehr hohen Individuendichte ein wichtiges Besiedlungs- und
Spenderreservoir. Es handelt sich um zwei der wenigen für diese Art mit
Erhaltungszustand „A“ bewerteten Flächen im Freistaat Sachsen.
3.
MAßNAHMEN
3.1. MAßNAHMEN AUF GEBIETSEBENE
Verpflichtenden Erhaltungsmaßnahmen auf Gebietsebene werden für das PG nicht
formuliert. Die Maßnahmenplanung für LRT und Arthabitate nimmt Rücksicht auf die
Bewertung der Schutzgüter in allen Unterkriterien laut KBS, woraus, neben den für jeden
LRT- bzw. jedes Arthabitat geltenden allgemeinen Behandlungsgrundsätzen, ein
individuell auf die Einzelfläche zugeschnittenes Maßnahmenbündel resultiert.

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3.2. MAßNAHMEN IN BEZUG AUF LEBENSRAUMTYPEN NACH ANHANG I
Wichtige Behandlungsgrundsätze und Erhaltungsmaßnahmen für die LRT 9160
(Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwälder) und 9170 (Labkraut-Eichen-Hainbuchenwälder)
sind die Förderung eines mehrschichtigen Bestandesaufbaus und einer mosaikartigen
Nebeneinanders
verschiedener
Waldentwicklungsphasen,
die
Ausdehnung
der
Erntenutzung über mehrere Jahrzehnte zum Erhalt eines Anteils der Reifephase von
mind. 20 %. Eine Naturverjüngung der lebensraumtypischen Baumarten ist anzustreben.
In jedem Fall ist ein ausreichender Eichenanteil (mind. 10%) in der Nachfolgegeneration
zu gewährleisten. Biotopbäume sowie starkes stehendes und liegendes Totholz sind in
ausreichender Zahl in den Beständen zu belassen.
Auch für die Fläche des LRT 9130 (Waldmeister-Buchenwälder) ist das Belassen von
Biotopbäumen sowie starkem stehenden und liegenden Totholz und die Ausdehnung der
Erntenutzung über mehrere Jahrzehnte zum Erhalt eines Anteils der Reifephase von
mind. 20 % von Bedeutung. Darüber hinaus ist das Pflege- und Verjüngungsziel am LRT
auszurichten. Es sind kleinflächige Verjüngungsverfahren z.B. Femel- oder Plenterhieb
durchzuführen.
In der einzigen LRT-Fläche des LRT 91E0* (Erlen-Eschen- und Weichholzauenwälder)
wurden als konkrete Erhaltungsmaßnahme die möglichst vollständige Entnahme der
Spätblühenden Traubenkirsche (Prunus
serotina)
im Rahmen der turnusmäßigen
Bestandespflege geplant. Die Bestandesverjüngung soll möglichst über Naturverjüngung/
Stockausschlag erfolgen, Biotopbäume und starkes stehendes oder liegendes Totholz
sind in ausreichender Zahl im Bestand zu belassen.
Die Flächen des LRT 6410 (Pfeifengraswiesen) sind offen zu halten, d.h. vor
Verbuschung zu schützen. Um Nährstoffentzug und Aushagerung der Flächen zu
erreichen, soll das Mahdgut abtransportiert werden. Für alle Flächen wird grundsätzlich
eine einschürige Herbstmahd geplant, jedoch ist teilweise in den ersten Jahren eine
Instandsetzung der Flächen durch mehrschürige Mahd erforderlich.
Für den LRT 6510 (Flachland-Mähwiesen) ist der wichtigste Behandlungsgrundsatz die
Nutzung vorrangig durch zweischürige Mahd bei möglichst zeitiger Erstmahd. Die Zweit-
nutzung sollte frühestens ca. 8 Wochen nach der Erstnutzung erfolgen. Die Schnitthöhe
ist dabei möglichst hoch anzusetzen, vorzugsweise 7-8 cm oder höher (nicht unter 5 cm).
Es sollte kein Fremdsaatgut eingebracht werden.

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3.3. MAßNAHMEN IN BEZUG AUF ARTEN NACH ANHANG II
Für den Erhalt der Habitate von Mopsfledermaus und Großem Mausohr stehen eine
schonende forstliche Bewirtschaftung und die Beachtung einiger Behandlungsgrundsätze
im Vordergrund.
Bezogen auf die Mopsfledermaus sind strukturreiche Laub- und Laubmischwaldbestände
zu erhalten und innerhalb dieser der Anteil über 80 Jahre alter, quartierhöffiger
Altholzbestände mit mindestens fünf potenziellen Quartierbäumen pro ha Altholz auf
mindestens 30 % der komplexen Habitatfläche zu sichern. Nachweislich genutzte
Quartierbäume,
Höhlenbäume
usw.
sind
zu
kennzeichnen
und
zu
erhalten.
Beeinträchtigungen durch forstliche Nutzungen (z.B. starke Auflichtungen, Umwandlung
von laubbaumdominierten Beständen in Nadelwald) sollten nicht auftreten.
Für das Große Mausohr ist ein Anteil von mind. 30% unterwuchsarmer Laub- und
Laubmischwaldbestände in der Habitatfläche zu erhalten. Weiterhin ist durch Erhalt und
Förderung von Altholzbeständen und die entsprechende Anpassung der Umtriebszeiten
das Quartierpotenzial in der Habitatfläche zu sichern. Höhlenbäume sind bei der
forstlichen Nutzung zu schonen, sonstige Beeinträchtigungen durch forstliche Nutzungen
sind auf maximal kleinere Teilflächen zu beschränken.
Da die Habitatflächen des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea
nausithous)
gleichzeitig sämtliche Flächen der LRT 6410 und 6510 beinhalten, orientiert sich die
Maßnahmeplanung für die Art grundsätzlich an den o.g. lebensraumtyp-spezifischen
Vorgaben. Zusätzlich sind jedoch in besonderem Maße die Einhaltung von Mahdterminen,
eine möglichst hohe Schnitthöhe sowie eine parzellierte Bewirtschaftung oder das
Belassen von Brachestreifen zu berücksichtigen.

9
Tabelle 5: Erhaltungsmaßnahmen im SCI 224
Maßnahme-Beschreibung
Flächengröße
[ha]
Maßnahmeziel
LRT / Habitat
Naturnahe Waldbewirtschaftung
(insb. Totholz, Biotopbäume, Erhalt
der Mehrschichtigkeit)
71,4
Sicherung des günstigen Erhaltungszustandes der LRT
Waldmeister-Buchenwälder (9130)
Sternmieren-Eichen-
Hainbuchenwälder (9160),
Labkraut-Eichen-Hainbuchenwälder
(9170), Erlen-Eschen- und
Weichholzauenwälder (91E0*)
Artenschutzgerechte forstliche
Bewirtschaftung
167,6
Sicherung des günstigen Erhaltungszustandes der Anh. II
Fledermäuse
Mopsfledermaus, Großes Mausohr
Extensive Grünlandnutzung
5,4
Sicherung des günstigen Erhaltungszustandes des LRT,
Erhalt des Fortpflanzungs- und Nahrungshabitats des
Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings
Flachland-Mähwiesen (6510), Dunkler
Wiesenknopf-Ameisenbläuling
(Maculinea
nausithous)
Pflege von Pfeifengraswiesen
4,1
Sicherung des günstigen Erhaltungszustandes des LRT,
Erhalt des Fortpflanzungs- und Nahrungshabitats des
Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings
Pfeifengraswiesen (6410), Dunkler
Wiesenknopf-Ameisenbläuling
(Maculinea
nausithous)
*prioritärer Lebensraumtyp

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4.
FAZIT
Die Umsetzung der geplanten Maßnahmen ist in besonderem Maße von der
Eigentumsform abhängig. Für die Flächen im Eigentum des Freistaates Sachsen hat
der Managementplan den Status einer behördenverbindlichen Fachplanung, deren
Ergebnisse unter anderem in die Forsteinrichtung eingehen und damit in der
operativen Betriebsführung umgesetzt werden. Im Gebiet betrifft das den
überwiegenden
Teil
der
Maßnahmenflächen.
Alle
Maßnahmen
in
dieser
Eigentumsform gelten daher als umsetzbar
Die
Umsetzung
der
Allgemeinen
Behandlungsgrundsätze
für
Wald-LRT,
Mopsfledermaus und Großes Mausohr kann weitgehend im Rahmen der
ordnungsgemäßen forstlichen Bewirtschaftung gewährleistet werden. Die Maßnahmen
zum Erhalt bzw. der Anreicherung von Biotop- und Habitatbäumen sowie starkem
Totholz sind im Privat- und Körperschaftswald eine über die gute fachliche Praxis
hinausgehende Leistung des Waldbesitzers. Sie sind mit einem Nutzungsverzicht und
somit i.d.R. mit finanziellen Verlusten verbunden. Für die Umsetzung bietet es sich für
diese Waldbesitzer an, aktuelle Fördermöglichkeiten (aktuell: WuF/2007) zu nutzen.
Demnach sind unter anderem auch die Entnahme naturschutzfachlich unerwünschter
Mischbaumarten zugunsten lebensraumtypischer Baumartenzusammensetzungen
förderfähig. Gesetzlich geschützte Höhlenbäume und höhlenreiche Altholzinseln sind
ohne Entschädigung zu erhalten.
Die Maßnahmen für den Erhalt der Pfeifengraswiesen (LRT 6410), Flachland-
Mähwiesen
(LRT
6510)
und
des
Arthabitats
des
Dunklen
Wiesenknopf-
Ameisenbläulings könnten über die Fördermöglichkeiten nach den Förderrichtlinien
Agrarumweltmaßnahmen und Waldmehrung (AuW/2007) oder Natürliches Erbe
(NE/2007) umgesetzt werden. Gefördert werden beispielsweise Maßnahmen der
jährlichen Biotoppflege (wie Mahd, auch Handmahd). Landwirtschaftliche Nutzer und
Privatwaldbesitzer im SCI sollten dahingehend gezielt durch die zuständigen Behörden
beraten werden.
5.
Quelle
Der Managementplan für das Gebiet Nr. 224 wurde im Original von dem Büro RANA -
Büro für Ökologie und Naturschutz Frank Meyer (Halle/Saale) erstellt und kann bei
Interesse beim Staatsbetrieb Sachsenforst sowie beim Sächsischen Landesamt für
Umwelt, Landwirtschaft und Geologie eingesehen werden.
ANHANG
Karte 1: Übersichtskarte Lebensraumtypen und Arten