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Heimat für Fachkräfte
Fachkräftestrategie 2030 für den
Freistaat Sachsen

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„Die Zukunft hängt davon ab,
was wir heute tun.“
Mahatma Gandhi

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Sehr geehrte Damen und Herren,
gut ausgebildete, sozial kompetente und kreative Menschen sind unser wertvollstes Potenzial und
der Reichtum des Freistaates Sachsen. Sie garantieren Wertschöpfung, stärken die Wettbewerbs-
fähigkeit der Unternehmen und sorgen für eine leistungsstarke öffentliche Verwaltung. Unsere
große gemeinsame Aufgabe ist es, dieses Potenzial zu halten und auszubauen.
In den kommenden Jahren gehen überdurchschnittlich viele Beschäftigte in Rente: Bis zum Jahr
2030 fehlen dem sächsischen Arbeitsmarkt nach heutiger Prognose über 300.000 Erwerbspersonen.
Hinzu kommen weitere tiefgreifende Veränderungen des Arbeitsmarktes durch globalen Wettbe-
werb, den demografischen Wandel, vielfältigere Lebensentwürfe und die schnell voranschreitende
Digitalisierung.
Um diesen Herausforderungen gerecht werden zu können, haben sich alle relevanten Akteure in
der Sächsischen Fachkräfteallianz zusammengeschlossen. Gemeinsam verfolgen wir das Ziel, das
vorhandene Fachkräftepotenzial so umfassend wie möglich auszuschöpfen und Fachkräfte aus dem
Ausland gezielt anzuwerben.
Dafür brauchen wir in Sachsen bestmögliche Rahmenbedingungen und gleichzeitig einen Kultur-
wandel in den Unternehmen und der öffentlichen Verwaltung. Dieser Wandel muss attraktive Ar-
beitsbedingungen, Wertschätzung, Anerkennung, neue Modelle zur besseren Vereinbarkeit von
Beruf und Privatleben sowie eine kontinuierliche und praxisnahe Qualifizierung und Weiterbildung
ermöglichen. Nur so werden wir den Wettbewerb um die Fachkräfte von morgen gewinnen und die
Wettbewerbsfähigkeit des Freistaates erhalten können.
Die hier vorliegende Fachkräftestrategie Sachsen 2030 zeigt die prioritären Handlungsfelder für
staatliches und unternehmerisches Handeln zur Sicherung des sächsischen Fachkräfteangebots.
Herausheben möchte ich die Stärkung der dualen Ausbildung und die kontinuierliche Weiterbildung
der Beschäftigten. Außerdem wollen wir besonders die kleinen und mittleren Unternehmen bei
einer mitarbeiterorientierten Personalpolitik und der gezielten Fachkräfteanwerbung unterstützen.
Funktionieren wird das nur, wenn jeder seinen Beitrag leistet: Wirtschafts- und Sozialpartner, Po-
litik und Gesellschaft müssen gemeinsame Konzepte vor Ort entwickeln, um auch in den kommen-
den Jahren ausreichend Fachkräfte auszubilden und zu gewinnen.
Im Wettbewerb um die besten Köpfe muss sich Sachsen weiter als ein attraktiver Ort zum Leben,
Lernen und Arbeiten profilieren. Die hohe regionale Lebensqualität, eine gut ausgebaute soziale
Infrastruktur, preiswerter Wohnraum und nicht zuletzt ein attraktives Kulturangebot sind von zen-
traler Bedeutung. Das setzt Toleranz und Weltoffenheit voraus und hier stehen wir alle in der
Verantwortung.
Fachkräftesicherung braucht alle Mitstreiter. Wir werden Erfolg haben, wenn alle beteiligten Ak-
teure an der Umsetzung dieser Strategie mitarbeiten. Ich danke allen engagierten Partnern für
ihren Einsatz zum Wohle des Freistaates Sachsen.
Ihr
Martin Dulig
Sächsischer Staatsminister für
Wirtschaft, Arbeit und Verkehr
Copyright: SMWA / Götz Schleser
Grußwort

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Die Fachkräftestrategie 2030 für den Freistaat Sachsen wurde von der Sächsischen Staatsregierung
am 21. Mai 2019 beschlossen. Die zentralen Adressaten dieser Fachkräftestrategie 2030 sind die
Mitglieder der Fachkräfteallianz Sachsen.
In der Gemeinsamen Erklärung vom 22. Mai 2019 beschlossen die Mitglieder dieses Gremiums, für
die Umsetzung dieser Handlungsfelder eigenverantwortlich in ihrem jeweiligen Zuständigkeits-
bereich einzutreten und gemeinsam den Prozess der Weiterentwicklung aktiv zu steuern und zu be-
gleiten. Folgende Mitgliedsinstitutionen der Fachkräfteallianz Sachsen tragen diese Erklärung:
Deutscher Gewerkschaftsbund
Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft
Gewerkschaft
Nahrung – Genuss - Gaststätten
Gewerkschaft
Erziehung und Wissenschaft
Industriegewerkschaft
Bergbau, Chemie, Energie
Industriegewerkschaft Metall
Industrie- und Handelskammer
Liga der Freien Wohlfahrtsplege in Sachsen
Unternehmensverband der Metall- und
Elektroindustrie Sachsen e. V.
Gemeinsame Erklärung der Fachkräfteallianz Sachsen

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Sächsischer Landkreistag e.V.
Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft
Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft e. V.
Zentralverband Elektrotechnik- und
Elektronikindustrie e. V.
Verband der Chemischen Industrie
Verband der Nord-Ostdeutschen Textil- und
Bekleidungsindustrie e.V.
Verband Deutscher Maschinen-
und Anlagenbau e. V.

6 |

| 7
Grußwort .....................................................................................................................................................................................................3
Gemeinsame Erklärung der Fachkräfteallianz Sachsen .................................................................................................................................4
Inhaltsverzeichnis .........................................................................................................................................................................................7
0. Vorwort ...................................................................................................................................................................................................8
1. Fachkräftesicherung gemeinsam angehen ..............................................................................................................................................10
2. Herausforderungen der Fachkräftesicherung im Freistaat Sachsen .........................................................................................................16
2.1 Megatrends in Wirtschaft und Gesellschaft ..............................................................................................................................................................................18
2.2 Der sächsische Wirtschafts- und Arbeitsmarkt .........................................................................................................................................................................21
2.3 Aktuelle Fachkräftesituation - Fachkräfteengpassanalyse ............................................................................................................................................23
2.4 Zukünftige Entwicklungen - Fachkräfteprognosen ..................................................................................................................................................................25
2.5 Potenziale unterschiedlicher Zielgruppen für die Fachkräftesicherung ......................................................................................................................26
3. Handlungsfelder der Fachkräftestrategie 2030 ......................................................................................................................................30
3.1 Fähigkeiten und Neigungen entwickeln – Fachkräfte individuell (aus)bilden ............................................................................................................32
3.2 Talente gewinnen – Fachkräfte gezielt rekrutieren ...................................................................................................................................................................45
3.3. Vorhandene Potenziale nutzen – allen Erwerbspersonen Zugang zum Arbeitsmarkt ermöglichen ..................................................................52
3.4 Fachkräfte binden – attraktive Arbeitsplätze schaffen ...........................................................................................................................................................60
4. Fazit und Ausblick .................................................................................................................................................................................74
5. Glossar ..................................................................................................................................................................................................80
6. Abkürzungsverzeichnis ..............................................................................................................................................................................86
7. Abbildungs- und Tabellenverzeichnis ...........................................................................................................................................................88
8. Empfehlungen und beispielhafte Maßnahmen .......................................................................................................................................A1
9. Quellen .................................................................................................................................................................................................90
Inhaltsverzeichnis

 
8 |
Die vorliegende Fachkräftestrategie 2030 für
den Freistaat Sachsen ist das Ergebnis eines
breit angelegten Austausches, sowohl mit den
Partnern der Fachkräfteallianz Sachsen* als
auch mit weiteren Wirtschafts- und Arbeits-
marktakteuren in den Regionen. Die Partner
haben in einem konstruktiven Prozess über die
Auswirkungen von Digitalisierung, Struktur-
und demografischem Wandel auf den sächsi-
schen Arbeitsmarkt und die Verfügbarkeit von
Fachkräften im Freistaat diskutiert. Die Ergeb-
nisse dieser Debatte bilden die Grundlage der
Fachkräftestrategie 2030, einer Weiterentwick-
lung der Fachkräftestrategie 2020 aus dem Jahr
2012.
Ausgangspunkt der Strategie war eine um-
fassende „Stärken-Schwächen-Chancen-Risi-
ken-Analyse (SWOT-Analyse)
1
zur aktuellen und
zukünftigen Fachkräftesituation im Freistaat
Sachsen. Neben der Auswertung statistischer
Daten und wissenschaftlicher Studien bezog
sich die Analyse auf Interviews mit ausgewähl-
ten arbeitsmarktpolitischen Experten, darunter
Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbände, Ver-
waltungen, Sozialverbände, Vertreter der Fach-
kräfteallianz Sachsen sowie Stellungnahmen
aus der Landesrektorenkonferenz und den re-
gionalen Fachkräfteallianzen. Die Erstellung der
SWOT-Analyse und der Grundzüge der Fach-
kräftestrategie 2030 wurde durch eine „Arbeits-
gruppe Fachkräftestrategie 2030“ unter Betei-
ligung der Vertreter dieser Institutionen sowie
der Staatsregierung begleitet. Neu ist insbeson-
dere die deutliche Erweiterung des Handlungs-
rahmens. Während sich die Fachkräftestrategie
2020 auf staatliches Handeln konzentrierte,
berücksichtigt die Fachkräftestrategie 2030 den
Wirkungsbereich der zentralen sächsischen Ak-
teure, die für die Qualifizierung, Gewinnung und
Bindung von Fachkräften Verantwortung tra-
gen. Sie bildet den Rahmen für das Handeln aller
zentralen Arbeitsmarktakteure in Sachsen und
adressiert die betriebliche Perspektive deutlich
stärker.
Die erarbeiteten Grundzüge der Fachkräfte-stra-
tegie 2030 wurden auf einem Strategieforum
am 20. September 2018 einem breiten Publikum
aus Politik, Wirtschaft, Bildung und Gesellschaft
vorgestellt und gemeinsam diskutiert. Dieses
Strategieforum war gleichzeitig Startpunkt für
eine öffentliche Onlinebeteiligung. Dieses Be-
teiligungsformat eröffnete allen interessierten
Institutionen, Bürgerinnen und Bürgern die
Möglichkeit, das Zielsystem zu diskutieren, zu
kommentieren sowie eigene Vorschläge für die
Fachkräftesicherung im Freistaat Sachsen ein-
zubringen.
Im Mittelpunkt der nun vorliegenden Fach-
kräftestrategie 2030 stehen konkrete Maßnah-
men der Fachkräftesicherung. Kapitel 1 stellt
die neue Fachkräftestrategie in den Kontext
der anderen Politikfelder. Kapitel 2 beschreibt
die Ausgangssituation am Arbeitsmarkt sowie
zentrale gesellschaftliche und wirtschaftliche
Entwicklungen im Freistaat Sachsen. Daraus
werden strategische Handlungsfelder und Maß-
nahmen abgeleitet, die in Kapitel 3 ausführlich
dargestellt sind. Jedes Handlungsfeld besteht
aus übergeordneten Zielen der Fachkräftesi-
cherung, die die Staatsregierung gemeinsam
mit allen Partnern bis 2030 erreichen will, sowie
0. Vorwort
* Die Fachkräfteallianz Sachsen wurde 2015 gegründet. Ihr gehören an: Industrie- und Handels-
kammern, Handwerkskammern, Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft, Landesverband der Freien
Berufe Sachsen, Deutscher Gewerkschaftsbund, Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie,
Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Industriege-
werkschaft Metall, Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, Liga der Freien Wohlfahrtsverbände, Regi-
onaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit, Handelsverband Sachsen, SACHSENMETALL,
Sächsischer Landkreistag, Sächsischer Städte- und Gemeindetag, Sächsischer Beamtenbund und
Tarifunion, Verband chemischer Industrie, Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau, Ver-
band Nord-Ostdeutscher Textil- und Bekleidungsindustrie, Sächsischer Baugewerbeverband, Zent-
ralverband Elektronik- und Elektroindustrie, Sächsisches Staatsministerium für Kultus, Sächsisches
Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz, Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und
Geologie, Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, Sächsisches Staatsmi-
nisterium für Wissenschaft und Kunst, Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, Industriege-
werkschaft Bauen-Agrar-Umwelt.

| 9
Empfehlungen, mit welchen Maßnahmen diese
Zielerreichung gewährleistet werden soll. Ein
„Blick in die Praxis“ veranschaulicht, dass die
unterschiedlichen Partner im Freistaat Sachsen
bereits mit vielfältigen Initiativen zur Fachkräf-
tesicherung aktiv sind. Hier werden einzelne
Projekte vorgestellt, die sich durch ihren inno-
vativen Ansatz auszeichnen, effektiv einen zent-
ralen Handlungsbedarf adressieren oder speziell
auf eine Region oder Branche ausgerichtet sind.
Kapitel 4 fasst die zentralen Ansätze zusammen
und skizziert abschließend, wie die Strategie –
unter Berücksichtigung bisher schwer vorher-
sehbarer Entwicklungen – bis 2030 umgesetzt
und weiterentwickelt werden soll. Im Anhang
wird die Strategie ergänzt durch eine Vielzahl
von Empfehlungen, Maßnahmen und Beispielen
der verschiedenen Akteure mit direktem Bezug
auf die vier zentralen Handlungsfelder.
Ziel der Fachkräftestrategie 2030 ist es, die Le-
bens-, Arbeits- und Ausbildungsbedingungen
für (zukünftige) Fachkräfte aus dem In- und
Ausland attraktiver zu gestalten und damit zu
erreichen, dass auch im Jahr 2030 jedem Arbeit-
geber im Freistaat Sachsen noch ausreichend
viele gut qualifizierte und motivierte Fachkräfte
zur Verfügung stehen. Die Strategie zeigt dabei
einen gemeinsamen Weg auf, um die Qualifizie-
rung junger Menschen, die Rekrutierung und
Aktivierung verschiedener Zielgruppen sowie
den Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit weiter
zu verbessern. Sie bezieht alle Akteure in den
Diskussions- und Umsetzungsprozess ein, die
von den Auswirkungen des Fachkräftemangels
betroffen sein werden bzw. für die Umsetzung
von Strategien verantwortlich sind. Es gilt nun
die gemeinschaftlich erarbeiteten Handlungsal-
ternativen auch gemeinschaftlich umzusetzen
– jeder Akteur im Rahmen seiner Möglichkeiten
und Zuständigkeiten und in einem engen Aus-
tausch mit der sächsischen Fachkräfteallianz.

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1. Fachkräftesicherung
gemeinsam angehen

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My, Friseurin in Dresden

 
12 |
Fachkräftesicherung als prioritäre Aufgabe
der Arbeitsmarktpolitik im Freistaat
Die sächsische Wirtschaft entwickelt sich seit
Jahren positiv. Produktivitätssteigerungen,
eine umsatzstarke Industrie, ein innovatives
Handwerk, ein wachsender Dienstleistungs-
sektor, der konsequente Ausbau moderner
Hochtechnologiebranchen sowie die insge-
samt gute Konjunktur spiegeln das anhaltende
Wirtschaftswachstum im Freistaat Sachsen.
Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Be-
schäftigten ist auf Rekordniveau, gleichzeitig
ist die Nachfrage der heimischen Unternehmen
nach gut ausgebildeten Fachkräften so hoch
wie noch nie. Von 2005 bis 2017 ist die Zahl der
Beschäftigten im Freistaat Sachsen um mehr
als 18 Prozent gestiegen. Im gleichen Zeitraum
ging die Bevölkerung insgesamt um 4,5 Prozent
zurück, die Anzahl der Personen im erwerbs-
fähigen Alter sank sogar um 11 Prozent.
2
Dass
ein Zuwachs an Beschäftigung dennoch gelang,
liegt unter anderem daran, dass eine hohe Zahl
an Arbeitslosen wieder in Beschäftigung ge-
langt ist. Die Arbeitslosenquote sank seit 2005
von 18 Prozent auf unter 6 Prozent im Jahres-
durchschnitt 2018.
3
Sachsen steht vor einer großen Herausfor-
derung: Zwar sind die Geburtenraten in den
letzten Jahren wieder leicht angestiegen, gleich-
zeitig führt aber eine höhere Lebenserwartung
verbunden mit über Jahrzehnten rückläufigen
Geburtenraten zu einer schrumpfenden und al-
ternden Bevölkerung. Die Regionaldirektion der
Bundesagentur für Arbeit schätzt, dass demo-
grafisch bedingt
im Jahr 2030 gut 327.000
Arbeitskräfte im Freistaat fehlen werden.
4
Die Zahl der potenziell erwerbstätigen Men-
schen wird in diesem Zeitraum durch die hohe
Zahl von Renteneintritten noch stärker zurück-
gehen als die Bevölkerung insgesamt. Sachsen
hat bereits heute den höchsten Altersdurch-
schnitt aller Bundesländer. In den kommenden
zehn Jahren wird jeder fünfte Beschäftigte in
Sachsen in Rente gehen. Das heißt für Sachsen:
Es fehlt zukünftig sicher nicht an Arbeit – mög-
licherweise aber an einer ausreichenden Zahl
von Menschen, die zur Verfügung stehen, diese
Arbeit auch zu leisten.
Hinzu kommt, dass globale Megatrends – wie
die zunehmende Digitalisierung und der struk-
turelle Wandel – die Rahmenbedingungen des
sächsischen Arbeitsmarktes mit einer hohen
Dynamik weiter verändern und vor allem not-
wendige Anpassungen der Kompetenzen an die
steigenden Anforderungen im Qualifikationsni-
veau erforderlich machen.
Der Fachkräftemangel wird zum größten
Wachstumsrisiko für den Wirtschafts-
standort Sachsen.
Die Gestaltung günstiger
Rahmenbedingungen sowie eine zukunftso-
rientierte Wirtschafts-, Arbeitsmarkt-, aber
auch Bildungs- und Sozialpolitik müssen die
notwendigen Voraussetzungen schaffen, um
das Fachkräfteangebot über 2020 hinaus zu si-
chern und die Stärke und Innovationsfähigkeit
der sächsischen Wirtschaft zu gewährleisten.
Dabei gilt es, Sachsen als Dienstleistungs-
sowie traditionellen Industriestandort weiter
zu stärken und als eine der führenden Indus-
trie- und Hochtechnologieregionen in Europa
zu profilieren. Ein besonderes Interesse gilt hier-
bei vor allem den kleinen und mittleren Unter-
nehmen, die die sächsische Wirtschaft prägen,
deren Wachstum und Innovationsfähigkeit aber
maßgeblich von qualifizierten Fachkräften ab-
hängen.
Gemeinsam müssen die Weichen gestellt wer-
den, damit dem Wirtschaftsstandort Sachsen
auch zukünftig ausreichend und gut qualifizierte
Fachkräfte zur Verfügung stehen. Diese Heraus-
forderung kann weder die Staatsregierung allein
bewerkstelligen, noch ist Fachkräftesicherung
alleinige Aufgabe der Arbeitgeber. Alle Wirt-
schafts- und Arbeitsmarktakteure im Freistaat
Sachsen müssen gemeinsam agieren, um für die
kommenden Herausforderungen bestmöglich
aufgestellt zu sein. Deshalb war es der Staats-
regierung ein Anliegen, die Fachkräftestrategie
2020 gemeinsam mit allen Partnern, den Wirt-
schafts- und Sozialpartnern (WISO-Partnern),
Kammern, Kommunen, den regionalen Fach-
kräfteallianzen, der Regionaldirektion der Bun-
desagentur für Arbeit sowie weiteren Vertretern
der Zivilgesellschaft zur Fachkräftestrategie
2030 weiterzuentwickeln.
1. Fachkräftesicherung gemeinsam angehen

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| 13
Einbettung der Fachkräftestrategie in den
politischen Kontext im Freistaat Sachsen
Fachkräftesicherung hat eine hohe politische
Priorität, weit über die Landesebene hinaus. Die
Strategien der Europäischen Union und des Bun-
des bilden den übergreifenden Rahmen für die
Aktivitäten im Freistaat. Die Europa-2020-Stra-
tegie sowie die Europäische Säule der sozialen
Rechte verfolgen das Ziel eines intelligenten,
nachhaltigen und integrativen Wachstums aller
Mitgliedsstaaten. Dies beinhaltet die Förderung
von Beschäftigung und Bildung. Daneben fo-
kussiert die EU-Kommission mit ihrer europäi-
schen Agenda für Kompetenzen verschiedene
Ansätze der Weiterbildung und Qualifizierung.
Diesen Zielen fühlt sich die sächsische Fach-
kräftestrategie 2030 verpflichtet. Dabei erfüllt
die Fachkräftestrategie 2030 eine Doppelfunk-
tion, zum einen ist sie eine Landesstrategie, zum
anderen fungiert sie für den Freistaat Sachsen
in Bezug auf den Europäischen Sozialfonds als
„grundlegende Voraussetzung“ für die Förder-
periode nach 2020.
Die Fachkräftestrategie 2030 knüpft an den
aktuellen Entwurf der Fachkräftestrategie des
Bundes an. Diese fokussiert Maßnahmen im
Bereich der Ausbildung, Qualität der Arbeit und
Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf. Einen
besonderen Schwerpunkt bildet die Qualifi-
zierung und Weiterbildung der im Berufsleben
stehenden Beschäftigten (Nationale Weiterbil-
dungsstrategie).
Die Fachkräftestrategie 2030 berührt auch
eine Vielzahl von Politikfeldern und Themen,
die durch spezifische Landesstrategien ad-
ressiert werden
(vgl. Abbildung 1).
Zentrale Weichenstellungen sind dabei vor allem
in der Arbeitsmarkt- und Wirtschaftspolitik, der
Bildungspolitik sowie bei der Bereitstellung best-
möglicher Rahmenbedingungen (z.B. im Bereich
der Verkehrsanbindung, der Digitalisierung) vor-
zunehmen. Im Bereich der Bildungspolitik gibt
es beispielsweise mehrere Landesstrategien, die
einen direkten Bezug zur Fachkräftesicherung
aufweisen. Die Landesförderkonzeption „Über-
gang Schule - Beruf“ strukturiert die Aktivitäten
des Freistaates und seiner Partner im Bereich
der Beruflichen Orientierung sowie der Un-
terstützung Jugendlicher an der sogenannten
ersten Schwelle des Übergangs von der Schule
in Ausbildung oder weiterführende Bildungs-
wege. Die Weiterbildungskonzeption setzt den
Rahmen für die Aktivitäten zur Förderung der
beruflichen Fort- und Weiterbildung. Im Hoch-
schulentwicklungsplan sind z.B. die Ziele für die
einzelnen Hochschulen sowie Umsetzungsstra-
tegien für Studienerfolg, Fächerabstimmung
und Profilbildung etc. festgeschrieben.
Abbildung 1: Fachkräftestrategie im weiteren politischen Kontext des Freistaates Sachsen
Quelle: Eigene Darstellung Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (SMWA) 2019

14 |
Auch Entwicklungen in der Wirtschaftspolitik
stehen in direkter Verbindung zum Fachkräfte-
bedarf und der notwendigen Fachkräftesiche-
rung. So wurden z.B. in der Strategiewerkstatt
„Industrie der Zukunft“ Leitlinien zum Umgang
mit wettbewerblichen, technologischen und
sozialen Herausforderungen erarbeitet, um die
sächsische Industrie weiter zu stärken. In die-
sem wirtschaftspolitischem Umfeld wurden und
werden auch zwei Themengebiete aktiv bearbei-
tet, die eine starke Überschneidung zur Fach-
kräftenachfrage bzw. zum Fachkräftebedarf
haben – das Gründergeschehen sowie die Un-
ternehmensnachfolge. Beide Themenbereiche
werden in der aktuellen Innovationsstrategie
des Freistaates Sachsen ausführlich behandelt,
aus diesem Grund wird in der Fachkräftestra-
tegie 2030 auf eine nochmalige Aufnahme
dieser Themen verzichtet. Eine wichtige weitere
Schnittstelle liegt zudem im Bereich der Digita-
lisierung, die Auswirkungen auf die Arbeitskräf-
tenachfrage als auch das -angebot haben wird.
Für eine erfolgreiche Fachkräftesicherung ist
es zentral, dass die Anknüpfungspunkte zu den
genannten Feldern und Fachstrategien sicher-
gestellt und Schnittstellen proaktiv genutzt
werden. Die fachspezifischen Themen werden
im Rahmen der Fachstrategien und zuständigen
Politikfelder intensiver bearbeitet.
Die Sicherung des Fachkräfteangebots ist eine
zentrale Aufgabe, um die Wettbewerbsfähigkeit
der sächsischen Wirtschaft zu erhalten.
Fach-
kräftesicherung bedarf des Engagements
aller Wirtschafts-, Arbeitsmarkt- und Aus-
bildungsakteure
– das Ziel der neuen Strategie
ist deshalb nicht nur den Rahmen zu analysieren
und zu beschreiben, sondern zu einer wirkli-
chen Selbstverpflichtung aller Partner in ihren
Bereichen zu kommen. Nur so werden wir im
Wettbewerb um die Fachkräfte von heute und
vor allem morgen im Sinne unserer sächsischen
Unternehmen und der Wettbewerbsfähigkeit
unseres Freistaates bestehen können.

| 15
NOTIZEN

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16 |
2. Herausforderungen der
Fachkräftesicherung im
Freistaat Sachsen

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| 17
Heiko, Tunnelbauer und Bergmann bei der
Bergsicherung Freital GmbH

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18 |
2.1 Megatrends in Wirtschaft und Gesellschaft
Megatrends beeinflussen den Wirtschafts- und
Arbeitsmarkt nachhaltig. So wirken sich der
demografische Wandel und die erhöhte ge-
sellschaftliche Diversität vorrangig auf das An-
gebot am Arbeitsmarkt aus. Durch den demo-
grafischen Wandel verringert sich nicht nur die
Anzahl verfügbarer Arbeitskräfte, insbesondere
in den ländlichen Regionen, sondern auch die
Zusammensetzung des Erwerbspersonenpo-
tenzials. So wird das Arbeitskräfteangebot älter
und vielfältiger, verbunden mit unterschied-
lichen normativen Vorstellungen von Arbeit.
Dies wiederrum hat direkte Auswirkungen auf
die zukünftig am Arbeitsmarkt nachgefragten
Kompetenzen und Berufsprofile. Andererseits
bestimmen solche übergreifenden Trends auch,
wie viele Fachkräfte es in Sachsen in Zukunft
gibt und unter welchen Bedingungen die Fach-
kräfte von morgen bereit sind, eine Beschäf-
tigung bei einem Arbeitgeber aufzunehmen
(Arbeitsmarktangebot). Abbildung 2 zeigt, wie
sich die Megatrends auf das Angebot und die
Nachfrage am Arbeitsmarkt auswirken.
Wirtschafts-, Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik als interne Faktoren sowie demografischer und
struktureller Wandel, Digitalisierung und gesellschaftlicher Wertewandel als externe Faktoren beein-
flussen die Fachkräftesituation im Freistaat. Diese Megatrends haben direkten Einfluss auf den Ar-
beitsmarkt angebots- wie auch nachfrageseitig und werden im Folgenden näher beschrieben. Daran
schließt sich eine kurze Analyse des sächsischen Wirtschaftsstandortes und der Beschäftigungs-
strukturen an, bevor die aktuelle Fachkräftesituation landesweit, aber auch in Bezug auf einzelne
Branchen dargestellt wird. Nach dieser Bestandsaufnahme gibt Kap. 2.4 einen Blick in die zukünftige
Entwicklung von Nachfrage und Angebot auf dem sächsischen Arbeitsmarkt. Ferner werden die Po-
tenziale der Zielgruppen, die sich für die weitere Fachkräftesicherung im Freistaat besonders eignen,
erläutert bzw. zusätzliche Potenziale dargestellt.
2. Herausforderungen der Fachkräftesicherung
im Freistaat Sachsen
Abbildung 2: Einfluss der Trends auf den Arbeitsmarkt
Quelle: Eigene Darstellung Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (SMWA) 2019

 
| 19
Der demografische Wandel wirkt im Frei-
staat Sachsen besonders stark
Im Zeitraum 2000 bis 2010 ist die Bevölkerung
im Freistaat um rund 276.000 Menschen oder
6,2 Prozent geschrumpft. Im gleichen Zeitraum
ging die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter
von 15 bis unter 65 Jahren sogar um 13,2 Pro-
zent zurück. Seit 2011 hat sich der Bevölke-
rungsrückgang abgeschwächt, der Rückgang
der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter betrug
3,1 Prozent.
5
Als Folge dieser Entwicklungen gibt
es weniger Personen, die dem Arbeitsmarkt zur
Verfügung stehen. Bei einer gleichbleibenden
oder sogar leicht steigenden Arbeitskräftenach-
frage entsteht somit eine Lücke zwischen an-
gebotenen und nachgefragten Arbeitskräften.
Diese Entwicklung wird sich auch in den nächs-
ten Jahren fortsetzen. Nach Angabe der sechs-
ten regionalisierten Bevölkerungsvorausberech-
nung des Statistischen Landesamtes Sachsens
wird die Zahl der Einwohner bis 2030 um bis zu
5 Prozent schrumpfen.
Die Altersgruppe im
erwerbsfähigen Alter wird voraussichtlich
um 10 bis 14 Prozent zurückgehen.
6
Nicht nur die Bevölkerungszahl verändert sich,
sondern auch deren Struktur: Eine höhere Le-
benserwartung verbunden mit niedrigen Ge-
burtenraten führt dazu, dass die Bevölkerung
in Deutschland und auch in Sachsen immer
älter wird.
7
Auch wenn seit einigen Jahren die
Abwanderungsbewegungen aus dem Freistaat
gestoppt sind, so sind es doch immer noch vor
allem jüngere Menschen zwischen 20 und 30
Jahren, die aus Sachsen in ein anderes Bundes-
land oder ins Ausland ziehen.
8
Dies trägt dazu
bei, dass Sachsen den höchsten Altersdurch-
schnitt aller Bundesländer hat.
In den nächsten
zehn Jahren wird jeder fünfte Beschäftigte
in Sachsen in Rente gehen.
Verdeutlicht wird
dies auch durch die Entwicklung des Verhält-
nisses junger Menschen unter 20 Jahren bzw.
älterer Menschen im Rentenalter zu Personen
im erwerbsfähigen Alter (Jugend- bzw. Alten-
quotient): Seit dem Jahr 2001 liegt in Sachsen
der Altenquotient über dem Jugendquotienten
(siehe Abbildung 3). Gleichzeitig hat die Zahl
der Kinder und in besonderem Maße die älterer
Menschen zugenommen. Dies bedeutet auch,
dass es immer mehr Personen gibt, die erwerbs-
tätig sind und gleichzeitig Kinder betreuen oder
ältere Angehörige versorgen. Es ist davon aus-
zugehen, dass diese Doppelbelastung zukünftig
weiter zunehmen wird.
Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen wird
die Fachkräftesituation in Sachsen perspekti-
visch weiter angespannt sein bzw. Fachkräf-
teengpässe weiter zunehmen. Ein besonders
hohes Risiko besteht in ländlichen Regionen,
die überproportional von Alterung und Bevöl-
kerungsrückgang betroffen sind.
Struktureller Wandel verändert die Wirt-
schaftsstruktur in Sachsen – gerade in der
Industrie
Neben dem demografischen Wandel führte der
strukturelle Wandel in Sachsen wie in ganz Ost-
deutschland in den letzten Jahrzenten zu weit-
reichenden Veränderungen. Wir erleben einen
Strukturwandel hin zu einer vernetzten und
mobilen Wissensgesellschaft, die immer höhere
Anforderungen an die Qualifikationen der Ar-
beitnehmer stellt. Dadurch steigt der Bedarf an
mehr und besser qualifizierten Fachkräften. Die-
ser wirkt sich sowohl auf einzelne Wirtschafts-
zweige als auch auf die räumliche Verteilung der
Wirtschaftsleistung aus. Der Strukturwandel
Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen
10
, eigene Darstellung Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft,
Arbeit und Verkehr (SMWA) 2019
20
30
40
50
60
2000
2002
2004
2006
2008
2010
2012
2014
2016
2018
2020
2022
2024
2026
2028
2030
Jugendquotient
Altenquotient
Projektion Jugendquotient
Altenquotient
Abbildung 3: Jugend- und Altenquotient jeweils am 31. Dezember 1990 bis 2015 sowie
Prognose bis 2030
9
im Freistaat Sachsen

 
20 |
nimmt so Einfluss darauf, in welchen Branchen
oder Regionen perspektivisch Beschäftigung
aufgebaut wird und die Nachfrage nach Ar-
beitskräften steigt.
Mit knapp 1,5 Millionen
Erwerbstätigen ist der Dienstleistungsbereich
seit vielen Jahren der beschäftigungsstärkste
Sektor im traditionell industriell geprägten
Freistaat Sachsen.
11
Dabei wird die Bedeutung
des Dienstleistungssektors auch in Zukunft wei-
ter zunehmen. Vor allem im Gesundheits- und
Sozialwesen arbeiten immer mehr Menschen.
So nahm beispielsweise in der Altenpflege al-
lein zwischen 2015 und 2017 die Zahl der Be-
schäftigten um 9,7 Prozent zu.
12
Angesichts des
demografischen Wandels wird sich dieser Trend
fortsetzen.
Der produzierende Sektor im Freistaat steht
ebenfalls vor großen strukturellen Verän-
derungen. Während manche traditionel-
len Branchen wie die Braunkohlegewinnung
schrumpfen, erwarten zukunftsträchtige Hoch-
technologiebranchen starkes Wachstum. Davon
profitieren jedoch voraussichtlich vor allem die
Ballungszentren. Zu diesen zukunftsträchtigen
Branchen zählen im Freistaat die Mikro- und
Nanoelektronik, welche durch die Digitalisierung
stark angekurbelt werden. Der Strukturwandel
macht sich auch im sächsischen Handwerk be-
merkbar. So ist die Zahl der Handwerksbetriebe
in der ersten Jahreshälfte 2018 um 285 Betriebe
zurückgegangen, im gesamten Jahr 2017 sank
diese um 597 Betriebe.
13
Aus den beschriebenen
Veränderungen ergibt sich die Herausforderung,
Menschen, die bisher zum Beispiel in der Braun-
kohlegewinnung tätig waren, berufliche Pers-
pektiven in Wachstumsbranchen mit steigender
Fachkräftenachfrage aufzuzeigen.
Digitalisierung verändert Kompetenzanfor-
derungen an die sächsischen Beschäftigten
Die Digitalisierung ist ohne Zweifel einer der
stärksten und dynamischsten Treiber für Ver-
änderungen in der Arbeitswelt. Welche Aus-
wirkungen die Digitalisierung dabei genau auf
die Nachfrage und das Angebot an Arbeits-
kräften haben wird, kann gegenwärtig kaum
konkret beziffert werden. So können automa-
tisierte Lösungen bestimmte (Routine-)Tä-
tigkeiten und die dahinterstehenden Arbeits-
plätze ersetzen. Nach aktuellen Berechnungen
könnten die
Kerntätigkeiten eines Viertels
der sächsischen Beschäftigten zukünf-
tig durch neue Technologien erledigt oder
erübrigt werden
. Dies ist insbesondere in
Fertigungsberufen der Fall.
14
Insgesamt wird
aber davon ausgegangen, dass die Beschäf-
tigung durch die Digitalisierung nur gering-
fügig zurückgehen wird. Für Sachsen wird der
Beschäftigungsrückgang derzeit mit ungefähr
22.000 Beschäftigten beziffert. Auf der anderen
Seite wird eine stärkere Nachfrage und somit
ein zusätzlicher Arbeitskräftebedarf zum Bei-
spiel für viele Dienstleistungsberufe, vor allem in
der Informations- und Kommunikationstechnik
(IKT) erwartet. Weiterhin entstehen durch die
Digitalisierung neue Geschäftsmodelle, Berufe
und (digitale) Arbeitsplätze.
Was aber mit Sicherheit gesagt werden kann:
Über alle Branchen hinweg wird die Digita-
lisierung die Jobprofile und Anforderungen
an die Kompetenzen der Beschäftigten stark
verändern.
Das kann technische Fähigkeiten
betreffen, wie die Handhabung unterschiedli-
cher Software, aber auch „Soft Skills“, wie Kom-
munikations- und Kooperationsfähigkeiten.
Diese Transformation gilt es zu begleiten und
rechtzeitig Antworten zu geben, um gegenwär-
tige und künftige (Arbeitnehmer-)Generationen
gut auf die Anforderungen einer digitalisierten
Arbeitswelt vorzubereiten. Lebenslanges Lernen
erhält in diesem Zusammenhang einen hohen
Bedeutungszuwachs. Die kontinuierliche An-
passung der eigenen Fähigkeiten stellt einen
hohen Anspruch an die Beschäftigten. Für die
Zukunft stellt sich daher vor allem die Heraus-
forderung, geeignete Strukturen aufzubauen,
um die Beschäftigten bei diesem Prozess aktiv
zu unterstützen.
Digitale Technologien ermöglichen in vielen
Bereichen aber auch einen deutlich erwei-
terten Zugriff auf Arbeitsinhalte: jederzeit
und von jedem Ort aus. Hiervon können zum
Beispiel Personen mit Erziehungs- und/oder
Pflegeverantwortung profitieren. Vor allem
für Beschäftigte, die ihre Arbeitsbedingungen
gerne individuell gestalten, bieten diese Ent-
wicklungen vielversprechende Optionen für
mehr Teilhabe- und Gestaltungsmöglichkeiten.
Sachsen will diese Chancen und Potenziale
der Digitalisierung nutzen, ohne die Risiken zu
verkennen. Gerade wenn die Grenzen zwischen
Arbeit und Privatem verschwimmen, besteht
die Gefahr von Überforderung, Entgrenzung
und gesundheitlicher Überbelastung – der es in
enger Kooperation mit den sächsischen Unter-
nehmen und Arbeitnehmern zu begegnen gilt.
Gesellschaftlicher Wandel und neue Erwar-
tungen der Beschäftigten an ihren Arbeits-
platz
Nicht nur die Wirtschafts- und Bevölkerungs-
struktur befindet sich im Wandel, auch die
Arbeitswelt wird vielfältiger. Die Vielfalt der
Beschäftigten drückt sich in ihrem Alter, Ge-
schlecht, Herkunft, Religion, sexueller Identität

 
| 21
und Orientierung etc. aus. Damit verbunden
sind unterschiedliche Erwartungen der Be-
schäftigten an ihre Arbeitsplätze.
So sind ins-
besondere der jüngeren Generation die Ver-
einbarkeit von Arbeit und Privatleben und das
Gefühl einer sinnhaften Tätigkeit besonders
wichtig.
Neben gleichen Karrieremöglichkeiten
wünschen sich vor allem jüngere Beschäftigte
Arbeitszeitmodelle, die eine partnerschaftli-
che Wahrnehmung von Erziehungsaufgaben
ermöglichen. Für ältere Beschäftigte wiede-
rum sind Karrieremöglichkeiten oder Beschäf–
tigungssicherheit von hoher Bedeutung.
Auch mit Blick auf das Rollenverständnis von
Männern und Frauen verändern sich die An-
forderungen an die Arbeitswelt. Im Freistaat
Sachsen bestehen Einkommensdifferenzen
zwischen den Geschlechtern. Die Erwerbsbe-
teiligung von Frauen ist überdurchschnittlich
hoch, ebenso wie der Anteil von Frauen in
Führungspositionen. Verbesserungsbedarf be-
steht allerdings bei der Auflösung von Ge-
schlechter-Stereotypen am Arbeitsmarkt. Ein
zentraler Treiber des gesellschaftlichen Wandels
in den letzten Jahren war auch die Migration.
Heute leben schon über 180 Nationalitäten im
Freistaat Sachsen.
Mehr als jeder siebte Studie-
rende an sächsischen Hochschulen ist auslän-
discher Herkunft.
15
Die Zunahme dieser Vielfalt
ist eine Chance für die sächsische Wirtschaft, so
belegen Studien den positiven Wettbewerbsfak-
tor von Vielfalt in den Unternehmen („Diversity
Management“).
16
Um dieses Potenzial zu nutzen,
braucht es deutlich höhere Anstrengungen der
sächsischen Arbeitgeber, denn erst dann lassen
sich kulturelle Unterschiede verstehen und in-
terkulturelle Konflikte in der Zusammenarbeit
vermeiden. Arbeitgeber stehen damit auch vor
der Herausforderung, eine Kultur der Offenheit
weiter zu entwickeln, welche die unterschiedli-
chen Erwartungshaltungshaltungen ihrer Mitar-
beiter und die betrieblichen Anforderungen mit-
einander vereinbart.
2.2 Der sächsische Wirtschafts- und Arbeitsmarkt
Insgesamt waren in Sachsen im Jahr 2017
gut zwei Millionen Personen erwerbstä-
tig.
17
Fast drei Viertel dieser Erwerbstätigen
arbeitet im Dienstleistungssektor, dem be-
schäftigungsstärksten Bereich der sächsischen
Wirtschaft, mit einem dynamischen Beschäf-
tigungswachstum in den letzten zehn Jahren.
18
Die größten Zuwächse bei den sozialversiche-
rungspflichtig Beschäftigten gab es bei den
freiberuflichen, wissenschaftlichen und tech-
nischen Dienstleistungen (+21.780 Personen
bzw. +36,7 Prozent), den im Gesundheits- und
Sozialwesen (+59.070 Personen bzw. +33,8
Prozent) sowie bei den sonstigen wirtschaft-
lichen Dienstleistungen (+34.886 Personen
bzw. +37,1 Prozent). Nur in der Branche Erzie-
hung und Unterricht war von 2007 bis 2016 ein
deutlicher Beschäftigungsrückgang (-13.428
Personen bzw. -13,8 Prozent) zu beobachten.
Einen geringen Beschäftigungsrückgang mit 1,0
Prozent gab es im Baugewerbe (-1.066 Perso-
nen) und mit 0,9 Prozent im öffentlichen Dienst
(-846 Personen).
19
Darüber hinaus verfügt der
Freistaat über einen starken sekundären Sek-
tor mit 545.000 Beschäftigten, wovon etwa
160.000 auf das Baugewerbe und 350.000 auf
das Verarbeitende Gewerbe entfallen (siehe Ab-
bildung 4). Beschäftigungsstarke Branchen im
Verarbeitenden Gewerbe sind die Automobilin-
dustrie, der Maschinen- und Anlagenbau, die
Elektrotechnik sowie die Mikroelektronik.
Die Agrarwirtschaft ist vor allem für den länd-
lichen Raum von großer Bedeutung für die
nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen.
Im Jahr 2016 waren 32.400 Erwerbstätige im
primären Sektor beschäftigt. Seit 2010 sank die
Zahl der Beschäftigten um 1,5 Prozent im Jah-
resdurchschnitt.
Die sächsische Wirtschaft ist geprägt von
Kleinst- und kleinen Betrieben. Mehr als die
Hälfte der Beschäftigten arbeitet in Betrieben
mit weniger als 50 Beschäftigten. Fast drei Vier-
tel aller sächsischen Betriebe sind Kleinstbetrie-
be mit unter zehn Beschäftigten.
Im Vergleich
zu Westdeutschland zeigt sich im Freistaat
somit eine deutlich kleinteiligere Betriebs-
landschaft und Beschäftigungsstruktur.
Auch
die sächsischen Großbetriebe sind im Verhältnis
kleiner als die Großbetriebe Westdeutschlands.
20
Gerade für Kleinst- und kleine Betriebe ist die
Gewinnung qualifizierter Fachkräfte eine be-
sondere Herausforderung, da sie nicht über die
gleichen personellen Ressourcen wie größere
Betriebe verfügen.
Ein wichtiger Faktor, um Fachkräfte zu binden
bzw. neue Fachkräfte anzuwerben, ist die Höhe
des Gehalts.
Insgesamt liegen die Löhne im
Freistaat Sachsen trotz steigender Gehäl-
ter in den vergangenen Jahren noch immer
deutlich unter dem westdeutschen und
sogar auch leicht unter dem ostdeutschen
Schnitt
(siehe Abbildung 5). So lag das mittlere
Entgelt von sächsischen Vollzeitbeschäftigten
im Jahr 2017 bei 2.479 Euro brutto im Monat.
Deutschlandweit erhielten Beschäftigte 3.209
Euro im Monat. Bei sozialversicherungspflichtig
Beschäftigten, die eine Berufsausbildung ab-

22 |
geschlossen haben, sind die Lohnunterschiede
besonders groß. Trotz vergleichsweiser niedriger
Lebenshaltungskosten geben Beschäftigte in
Sachsen seltener an, von ihrem Einkommen gut
leben zu können.
21
Ein Grund für den vergleichsweise geringen
Durchschnittslohn ist die kleinteilige Wirt-
schaftsstruktur im Freistaat Sachsen. Denn
kleinere Betriebe zahlen – und das gilt auch in
westdeutschen Ländern – in der Regel geringere
Gehälter als Großbetriebe.
23
Das niedrige Lohn-
niveau ist in Teilen auch darauf zurückzuführen,
dass die Tarifbindung im Freistaat Sachsen nur
schwach ausgeprägt ist.
Lediglich 18 Prozent
C Verarbeitendes Gewerbe
Q Gesundheits- und Sozialwesen
G Handel; Instandhaltung u. Reparatur Kfz
N Sonstige Unternehmensdienstleister
F Baugewerbe
O Öff. Verwaltung, Verteidigung; Soz.vers.
P Erziehung und Unterricht
H Verkehr und Lagerei
M Freiberufliche, wissensch. und techn. DL
I Gastgewerbe
S Sonstige Dienstleister
J Information und Kommunikation
K Finanz- und Versicherungsdienstleister
R Kunst, Unterhaltung und Erholung
A Land- und Forstwirtschaft, Fischerei
L Grundstücks- und Wohnungswesen
E Wasserversorgung, Entsorgung u. Ä.
T Häusliche Dienste
D Energieversorgung
B Bergbau; Gewinnung Steine und Erden
0
100
200
300
400
Q Gesundheits- und Sozialwesen
H Verkehr und Lagerei
C Verarbeitendes Gewerbe
N Sonstige Unternehmensdienstleister
T Häusliche Dienste
I Gastgewerbe
B Bergbau; Gewinnung Steine und Erden
M Freiberufliche, wissensch. und techn. DL
R Kunst, Unterhaltung und Erholung
G Handel; Instandhaltung u. Reparatur Kfz
J Information und Kommunikation
D Energieversorgung
F Baugewerbe
P Erziehung und Unterricht
E Wasserversorgung, Entsorgung u. Ä.
L Grundstücks- und Wohnungswesen
K Finanz- und Versicherungsdienstleister
A Land- und Forstwirtschaft, Fischerei
S Sonstige Dienstleister
O Öff. Verwaltung, Verteidigung; Soz.vers.
-3 %
-2 %
0 %
2 %
3 %
Dynamik 2010 - 2016, p. a.
Abbildung 4: Anzahl der Erwerbstätigen nach 20 Wirtschaftsbereichen im Freistaat Sachsen, 2016, in Tsd. (obere
Abbildung) sowie die Dynamik der Erwerbstätigenzahl 2010 bis 2016, in Prozent p. a. (untere Abbildung)

 
| 23
der sächsischen Betriebe sind tariflich ge-
bunden.
24
Dies sind 3 Prozentpunkte weniger
als im ostdeutschen Durchschnitt. Dabei ist der
Anteil der tarifgebundenen Betriebe in den letz-
ten Jahren weiter gesunken. Gleiches gilt für den
Anteil der Beschäftigten in diesen Betrieben. Im
Jahr 2017 waren
knapp 40 Prozent der sächsi-
schen Beschäftigten in einem tarifgebunde-
nen Betrieb tätig
. Noch etwas schwächer aus-
geprägt ist die betriebliche Mitbestimmung. In
lediglich sieben Prozent der Betriebe gab es im
Jahr 2017 einen Betriebsrat. Diese geringe Aus-
prägung von Tarifbindung und Mitbestimmung
steht in Zusammenhang mit der kleinteiligen
sächsischen Wirtschaftsstruktur.
2.3 Aktuelle Fachkräftesituation - Fachkräfteengpassanalyse**
Die positive Entwicklung der sächsischen Wirt-
schaft und die immer stärkeren Auswirkun-
gen des demografischen Wandels verschärfen
die Fachkräftesituation im Freistaat Sachsen
zunehmend.
Im Jahr 2017 meldeten über
40 Prozent der sächsischen Betriebe offene
Stellen für Fachkräfte
– ein neuer Rekordwert.
Vor allem im Gesundheits- und Sozialwesen, der
öffentlichen Verwaltung, im pädagogischen Be-
reich und im Baugewerbe suchten Arbeitgeber
qualifizierte Fachkräfte. Bei den Kleinst- und
Kleinbetrieben hat sich der Fachkräftebedarf
seit dem Jahr 2005 verdoppelt.
Dabei wird die Besetzung von Arbeitsstellen für
Arbeitgeber immer schwieriger: Stellen, für die
mindestens ein berufsqualifizierender Bildungs-
abschluss benötigt wird, bleiben im Freistaat
Sachsen
durchschnittlich 96 Tage unbesetzt,
auf Bundesebene sind es 107 Tage
. Betrachtet
man die Entwicklung in den letzten Jahren, ist
diese in Sachsen weit dynamischer. Dies betrifft
sowohl den Rückgang der Arbeitslosen als auch
die Entwicklung der Vakanzzeiten. Im Vergleich
zu 2013 brauchen sächsische Arbeitgeber heute
40 Tage länger, eine Stelle zu besetzen, auf Bun-
desebene sind es 30 Tage (siehe Abbildung 6).
26
0
850
1.700
2.550
3.400
Sachsen
Ostdeutschland
Westdeutschland
Deutschland
3.209
3.339
2.600
2.479
3.024
3.160
2.377
2.251
2014
2017
Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit
22
; eigene Darstellung Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft,
Arbeit und Verkehr (SMWA) 2019
Abbildung 5: Median der monatlichen Bruttoarbeitsentgelte (in Euro) von Vollzeitbeschäftigten in Sachsen, Ost-
deutschland, Westdeutschland, Deutschland, 2014 und 2017
** Definitionen: Fachkraft, Fachkräftebedarf sowie Fachkräftemangel und -engpass
Unter
Fachkräften
werden Personen im erwerbsfähigen Alter verstanden, die mindestens einen berufs-
qualifizierenden Bildungsabschluss haben und erwerbstätig sind oder dies sein wollen.
Unter
Fachkräftebedarf
wird nach Definition des IAB die Summe der eingestellten Fachkräfte sowie
der unbesetzten Fachkräftestellen verstanden.
Von einem Fachkräftemangel wird nach aktueller Definition der Fachkräfteengpassanalyse der BA aus-
gegangen, wenn die durchschnittliche abgeschlossene Vakanzzeit bei der Besetzung neuer Stellen in
einem Beruf mindestens über 30 Prozent über dem Bundesdurchschnitt aller Berufe liegt, es weniger
als 200 Arbeitslose je 100 gemeldete Stellen gibt (bei Experten weniger als 400) und die berufsspezifi-
sche Arbeitslosenquote (bezogen auf alle Erwerbstätigen und Arbeitslosen) nicht höher als drei Prozent
liegt. In Abgrenzung dazu liegen Anzeichen für einen regionalen Fachkräfteengpass bereits dann vor,
wenn die Vakanzzeit über dem Bundesdurchschnitt aller Berufe liegt. Bezüglich der Anzahl der Arbeits-
losen je gemeldeten Stellen und der Arbeitslosenquote sind die Kriterien für einen Fachkräfteengpass
und einen Fachkräftemangel identisch.

24 |
Fast ein Viertel dieser offenen Stellen konnte
im Jahr 2017 in Sachsen nicht besetzt wer-
den.
Das entspricht 1,8 Prozent der Beschäfti-
gung. Besonders schwierig ist die Fachkräfte-
gewinnung für Kleinstbetriebe mit weniger als
zehn Beschäftigten. Diese Unternehmen konn-
ten nahezu die Hälfte ihrer angebotenen Stellen
nicht besetzen.
27
Aktuelle Untersuchungen der Bundesagentur
für Arbeit
29
, der Kammern sowie die SWOT-Ana-
lyse zur Fachkräftestrategie 2030 beschreiben
vor allem folgende Engpässe:
Eine Mangelsituation besteht im Handwerk
speziell bei den Bereichen Klempnerei,
Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik.
In den technischen Berufen zeigt sich ein
Fachkräftemangel auf Ebene der Ingenieu-
re als auch bei den gewerblichen Fachkräf-
ten, dies wird besonders in den Bereichen
Mechatronik, Automatisierungstechnik
sowie Energie und Elektrotechnik sichtbar.
Ein Fachkräftemangel zeigt sich auch bei
(Ingenieur-)Experten im Bereich Metallbau
und Schweißtechnik, der technischen
Forschung und Entwicklung, der Kons-
truktion und dem Gerätebau sowie bei
Experten für Ver- und Entsorgung.
In den IT-Berufen besteht ein Fachkräf-
temangel vor allem in Teilbereichen der
Programmierung und IT-Anwendung
sowie der Softwareentwicklung.
In den Gesundheits- und Pflegeberufen
existieren bemerkenswert lange Vakanz-
zeiten besonders in der Altenpflege.
In der Berufsgruppe Erziehung, Sozialar-
beit, Heilerziehungspflege ist ein bundes-
weit flächendeckender Fachkräfte-
mangel nicht erkennbar, in Sachsen
besteht aber ein erhöhter Bedarf.
Auch der öffentliche Dienst ist durch
das altersbedingte Ausscheiden vie-
ler Mitarbeiter mit einer wachsen-
den Personallücke konfrontiert.
In den letzten Jahren sind die Zahlen der Stu-
dienanfänger und -absolventen deutlich ange-
stiegen, damit wird das Defizit an Akademikern
und insbesondere Ingenieuren geringer, besteht
aber gegenwärtig weiter fort. In den verschie-
denen sächsischen Branchen fehlen daher vor
allem die beruflich qualifizierten Fachkräfte
in den Bereichen, die eine berufliche oder eine
Meister- bzw. Technikerausbildung erfordern.
Dabei fehlen Fachkräfte vor allem in Berufs-
gruppen mit einem technischen Hintergrund
bzw. in Pflege- und Gesundheitsberufen.
Branchen
Betriebe mit Bedarf (%)
Anteil am Fachkräftebedarf* (%)
Anteil an den
Beschäftigten (%)
Verarbeitendes Gewerbe
44
12
19
Baugewerbe
51
14
7
Handel und Reparatur
33
8
12
Unternehmensnahe Dienstleistungen
43
22
13
Erziehung und Unterricht
54
5
7
Gesundheits- und Sozialwesen
55
16
14
Übrige Dienstleistungen
36
9
7
Öffentliche Verwaltung
55
3
7
Übrige Branchen
-
11
14
Insgesamt
42
100
100
Quelle: SÖSTRA
25
; eigene Darstellung Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (SMWA) 2019
* Im ersten Halbjahr 2017 gesuchte Arbeitskräfte für Stellen, die eine berufliche oder akademische Ausbildung
erfordern.
Quelle: Bundesagentur für Arbeit (ohne Helfertätigkeiten)
28
; eigene Darstellung Sächsisches Staatsministerium für
Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (SMWA) 2019
Tabelle 1: Verteilung des Fachkräftebedarfs nach ausgewählten Branchen im Freistaat Sachsen 2017
Abbildung 6: Engpassindikatoren im Bundesvergleich, April 2018
Vakanzzeiten (in Tagen)
1
2
3
4
5
6
107
100
90
81
78
78
98
91
79
70
64
61
96
89
77
68
59
56
Freistaat Sachsen
Ostdeutschland
Deutschland
Arbeitslose je Arbeitsstelle
2013
2014
2015
2016
2017
2018
2,7
3,3
4,0
5,0
5,8
5,9
3,5
4,5
5,6
7,2
8,8
9,5
2,9
4
5
6,7
8,5
9,4
Freistaat Sachsen
Ostdeutschland
Deutschland

 
| 25
Vor großen Herausforderungen steht auch das
sächsische Handwerk mit seinen 285.000 Be-
schäftigten.
So sinkt die Zahl der Handwerksbe-
triebe kontinuierlich, insbesondere weil immer
mehr Inhaber altersbedingt ihren Betrieb über-
geben möchten, der Handwerkernachwuchs
aber rückläufig ist. In allen Branchen suchten
im Freistaat Sachsen allein im Zeitraum 2014 bis
2018 insgesamt etwa 5.300 Unternehmen einen
geeigneten Nachfolger.
30
Trotz all der beschriebenen Engpässe und zu-
nehmendem Mangel in einzelnen Berufsgrup-
pen und Regionen
gibt es derzeit jedoch noch
keinen flächendeckenden Fachkräftemangel
im Freistaat Sachsen
.
2.4 Zukünftige Entwicklungen - Fachkräfteprognosen
Jahr für Jahr nimmt die Zahl der Bevölkerung
im erwerbsfähigen Alter (15 bis 65 Jahre) ab.
Bereits seit dem Jahr 2011 gibt es in Sach-
sen deshalb weniger Berufseinsteiger als
Beschäftigte, die aus dem Berufsleben aus-
steigen.
Nach aktuellen Prognosen der Regio-
naldirektion Sachsen der Bundesagentur für Ar-
beit, dem WifOR Fachkräftemonitor im Auftrag
der Industrie- und Handelskammer zu Leipzig
sowie dem ifo Institut Dresden
31
wird die Zahl
der Erwerbsfähigen in den kommenden Jahren
um 12,5–16,0 Prozent im Vergleich zum Refe-
renzjahr 2014 abnehmen.
32
Bis zum Jahr 2025
werden dem Arbeitsmarkt bis zu 207.000 Men-
schen weniger zur Verfügung stehen. Das ent-
spricht einem Minus von 8,3 Prozent.
Bis zum
Jahr 2030 wird hier von einem Rückgang von
potenziellen Fachkräften um 327.000 Perso-
nen ausgegangen.
33
Die Landkreise Erzgebirge,
Görlitz, Vogtland und Zwickau sind am stärks-
ten vom Rückgang der arbeitsfähigen Bevölke-
rung betroffen.
Bis zum Jahr 2030 treten jene Beschäftigten
in den Ruhestand ein, die im Jahr 2015 bereits
mindestens 50 Jahre alt waren, dies betrifft die
Privatwirtschaft und den öffentlichen Dienst
gleichermaßen. In der Privatwirtschaft werden
insbesondere Stellen altersbedingt frei, die eine
anerkannte Berufsausbildung erfordern. Im öf-
fentlichen Dienst gehen bis 2030 mehr als ein
Drittel der Beschäftigten in den Ruhestand, vor
allem Akademiker in den Sicherheits-, Lehr- und
Verwaltungsberufen, die qualitätsadäquat neu
zu besetzen sind.
Die Prognosen zur Nachfrage sächsischer Ar-
beitgeber nach qualifizierten Fachkräften gehen
dagegen bis zum Jahr 2030 nur von einem sehr
geringen Rückgang von rund 46.000 Personen
aus. Diese beiden Trends führen zu einem wei-
ter steigenden Fachkräfteengpass im Freistaat
Sachsen.
34
Der prognostizierte
Anteil der Personen mit
einer mittleren Qualifikation macht bis zu
85 Prozent des gesamten erwarteten Eng-
passes aus
. Dabei liegt der prognostizierte Be-
darf an Arbeitskräften im technischen Bereich
etwas höher als der Bedarf an Personen mit
einer kaufmännischen Ausrichtung. Der Bedarf
an akademisch qualifizierten Personen umfasst
etwa zehn Prozent des insgesamt prognostizier-
ten Bedarfes.
36
Abbildung 7: Voraussichtliche Bevölkerungsentwicklung der 15- bis 65-Jährigen und projizierten Arbeitskräftebedarf
im Freistaat Sachsen
1.200.000
1.550.000
1.900.000
2.250.000
2.600.000
2016
2023
2030
Arbeitskräftebedarf insgesamt
Bevölkerung von 15 bis unter 65 Jahre
Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, Bundesagentur für Arbeit & Gesellschaft für Wirtschaftliche
Strukturforschung mbH
35
; eigene Darstellung Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr
(SMWA) 2019

 
26 |
Der wachsende Arbeitskräftebedarf verlagert
sich zunehmend in Richtung Dienstleistungs-
sektor. Das bedeutet, dass sich der sektorale
Strukturwandel im industriell geprägten Sach-
sen fortsetzen wird. Dennoch wird die Industrie
weiterhin stark präsent sein, da ein besonderer
Schwerpunkt im Automobil- und Maschinen-
bau liegt, für den im Gegensatz zu den ande-
ren Industriezweigen eine annähernd stabile
Nachfrageentwicklung erwartet wird. Innerhalb
des wissensintensiven Dienstleistungssektors
ist der Nachfrageanstieg besonders positiv zu
bewerten, da diese unternehmensnahen Dienst-
leistungen aktuell in Sachsen unterrepräsentiert
sind. Zudem werden – wie im Bundestrend –
hohe Nachfragezuwächse im Gesundheits- und
Sozialwesen erwartet.
Die große Veränderungsdynamik zeigt, dass
viele dieser Entwicklungen und die damit ver-
bundenen Auswirkungen heute nur sehr schwer
abzusehen sind. So wird z. B. die Digitalisierung
sich sowohl auf das Fachkräfteangebot als auch
auf die Fachkräftenachfrage im Freistaat Sach-
sen auswirken. Aus diesem Grund erfordert die-
ser dynamische Prozess einen kontinuierlichen
Anpassungs- und Bewertungsprozess sowohl
der Fachkräftesituation als auch der Ziele und
Maßnahmen zur Fachkräftesicherung. Dieser
Prozess sollte sowohl durch die Staatsregierung
als auch die sächsischen Fachkräfteallianzen
aktiv begleitet und gesteuert werden.
2.5 Potenziale unterschiedlicher Zielgruppen für die Fachkräftesicherung
Fachkräftesicherung heißt, heute aktiv zu
handeln, um den potenziell Beschäftigten
von morgen die erforderlichen Fähigkeiten
und Fertigkeiten zu vermitteln.
Dabei geht
es darum, dass jeder seine Talente und Fähig-
keiten optimal entwickeln und einsetzen kann.
Das Beschäftigungspotenzial im Freistaat wird
schon heute in hohem Maße genutzt. Drei von
vier Personen im erwerbsfähigen Alter sind er-
werbstätig. Das ist deutlich mehr als im Bundes-
durchschnitt. Um darüber hinaus die wachsen-
de Nachfrage nach Fachkräften zu decken, ist
es entscheidend, Beschäftigungsgruppen, die
bislang noch nicht Teil des sächsischen Arbeits-
markts sind, zu erkennen und zielgerichtet zu
erschließen. Dies heißt sowohl junge Menschen
auf ihrem Weg in eine erfolgreiche berufliche
Zukunft zu begleiten als auch Menschen, die
einen erschwerten Zugang zum Arbeitsmarkt
haben, gezielt zu fördern und (Nachwuchs-)
Fachkräfte aus dem In- und Ausland für den
sächsischen Arbeitsmarkt zu gewinnen. Im Rah-
men der neuen Fachkräftestrategie Sachsen
2030 wollen wir diese Zielgruppen stärken und
deren speziellen Herausforderungen und Prob-
lemen aktiv begegnen, um ihren jeweiligen An-
teil bei der Deckung der aktuellen und zukünfti-
gen Fachkräftebedarfe deutlich zu steigern.
12 500
25 000
37 500
50 000
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
2014
2015
2016
Berufsausbildung
Übergangsbereich
Hochschulzugangsberechtigung
Studium
Quelle: Destatis
39
; eigene Darstellung Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (SMWA) 2019
Abbildung 8: Rückgang der betrieblichen Ausbildung im Ausbildungsgeschehen

 
| 27
Schüler – Schulabgänger ohne Schulab-
schluss weiterhin eine Herausforderung
Junge Menschen sind die Fachkräfte von mor-
gen und bilden damit ein wichtiges Potenzial für
die Fachkräftesicherung im Freistaat Sachsen.
Aktuell verlassen jährlich rund 30.000 Schulab-
gänger die Schule – die Mehrheit mit guten Leis-
tungen und Kompetenzen. Doch noch immer
verlassen acht Prozent der Jugendlichen die
Schule ohne einen Abschluss.
37
Zwar ist diese
Quote in den letzten Jahren deutlich gesunken,
dennoch liegt sie noch über dem Bundesdurch-
schnitt (5,9 Prozent in 2018).
Die Weiterentwicklung des sächsischen Bil-
dungssystems hat daher dauerhaft Priori-
tät.
Hier wurde in den letzten Jahren bereits
viel erreicht, das zeigen die guten Resultate
sächsischer Schülerinnen und Schüler bei einer
Vielzahl von Vergleichstests. Dennoch gilt es,
überholte Strukturen zu ersetzen, Chancen zu
schaffen, Wege zu ebnen und Schwellen zu
senken. Nur so gelingt es, jedes Talent in Sach-
sen individuell bestmöglich zu fördern und zu
entwickeln. Dabei spielt neben dem Erreichen
eines Schulabschlusses auch die noch stärkere
Vermittlung praktischer sowie sozialer Kompe-
tenzen eine zentrale Rolle.
Auszubildende - rückläufiger Anteil von
Auszubildenden
In den vergangenen Jahren haben sich immer
mehr junge Sachsen entschieden, im Anschluss
an die allgemeinbildende eine weiterführende
Schule zu besuchen oder ein Studium aufzu-
nehmen. Im Gegenzug beginnen immer weniger
Jugendliche eine Berufsausbildung (siehe Abbil-
dung 8) – eine Entwicklung, die gegenläufig zum
tatsächlichen Fachkräftebedarf in der klein-
und mittelständisch geprägten sächsischen
Wirtschaft ist. Während 2008 noch fast die
Hälfte aller Anfänger im Ausbildungsgeschehen
eine berufliche Ausbildung absolvierte, waren es
2016 unter 40 Prozent.
38
Besonders die betrieb-
liche Ausbildung ist davon betroffen. Der Anteil
von Auszubildenden in schulischer Ausbildung,
wie sie zum Beispiel in den Gesundheits- und
Pflegeberufen die Regel sind, blieb im Freistaat
Sachsen über die letzten Jahre konstant und
liegt über dem Bundesdurchschnitt. Haben
junge Menschen eine Ausbildung im Freistaat
Sachsen aufgenommen und erfolgreich abge-
schlossen, entscheiden sie sich meist dafür, ihre
berufliche Karriere auf dem sächsischen Ar-
beitsmarkt fortzusetzen.
Drei von vier Auszu-
bildenden verblieben 2016 in ihrem Betrieb
,
im gesamten Bundesgebiet galt das lediglich für
gut zwei Drittel der Absolventen.
Sächsische Unternehmen bilden im bundeswei-
ten Vergleich wenig aus. Die Beschäftigungs-
statistik der Bundesagentur für Arbeit beziffert
die Ausbildungsbetriebsquote 2016 im Freistaat
Sachsen mit 14,1 Prozent. Dies liegt leicht über
dem Durchschnitt der neuen Bundesländer
(13,6 Prozent), jedoch deutlich unter dem der
alten Bundesländer. Bundesweit bildeten knapp
20 Prozent aller Betriebe im Jahr 2018 junge
Menschen aus.
40
Insbesondere KMU bilden
im Vergleich zu Großbetrieben wenig aus. Die
kleinteilige Wirtschaftsstruktur des Freistaates
Sachsen stellt diesbezüglich eine Herausforde-
rung für die duale Ausbildung dar.
Studierende – relativ hohe Abwanderung
nach Abschluss des Studiums
An sächsischen Hochschulen studieren derzeit
ca. 110.000 Studierende. Jedes Jahr schließen
davon ca. 22.000 Studierende ihr Studium ab.
Sachsen verfügt dabei über einen im Bundes-
vergleich hohen Anteil von Absolventen aus
MINT-Studienrichtungen. Akademische Nach-
wuchsfachkräfte sind im Vergleich zu beruflich
Qualifizierten deutlich mobiler. So verlassen
über 40 Prozent der Absolventen für ihren Ein-
stieg ins Berufsleben den Freistaat. Bei Absol-
venten aus ingenieurwissenschaftlichen Stu-
diengängen ist dieser Anteil sogar noch etwas
höher. Diese Abwanderung wird nicht durch den
Zuzug von Absolventen anderer Bundesländer
kompensiert:
Es verlassen etwa 25 Prozent
mehr Jungakademiker den Freistaat Sachsen
als zuwandern.
41
Ausländische Fachkräfte – Potenziale wer-
den im Bundesvergleich nur unterdurch-
schnittlich genutzt
Zuwanderung von Fachkräften aus dem Aus-
land gewinnt an Relevanz. Das Fachkräfte-Mo-
nitoring 2018 der sächsischen Wirtschaft zeigt,
dass jeder vierte Betrieb ausländische Mitar-
beiter beschäftigt, 2015 waren es noch 15 Pro-
zent. Unter den ausländischen Arbeitnehmern
stammen fast 79 Prozent aus der Europäi-
schen Union, 13 Prozent aus Drittstaaten und
acht Prozent sind Flüchtlinge.
42
16 Prozent der
befragten Unternehmen planen, ausländische
Mitarbeiter einzustellen. Trotz dieser positiven
Entwicklung liegt der Anteil ausländischer Be-
schäftigter gegenwärtig in Sachsen bei nur vier
Prozent – gerade im Vergleich zu den westdeut-
schen Bundesländern wird das Potenzial aus-
ländischer Fachkräfte noch deutlich zu wenig
für die Fachkräftebedarfsdeckung genutzt.
43
Insgesamt wird die Anwerbung von internati-
onalen Fachkräften zukünftig noch herausfor-

 
28 |
dernder, da sich in vielen Industrienationen die
demografische Herausforderung ähnelt, so z.B.
auch in den für den sächsischen Arbeitsmarkt
wichtigen Ländern im angrenzenden osteuropä-
ischen Raum.
Der Wettbewerb um Fachkräfte
wird daher nicht nur regional und bundes-
weit, sondern auch international weiter zu-
nehmen.
Fortgezogene Sachsen und Auspendler –
Anzahl von Rückkehrern steigt, jedoch noch
immer hohe Zahl von Auspendlern
Für die Fachkräftesicherung im Freistaat von er-
heblicher Relevanz ist die Gruppe der „Rückkeh-
rer“, das sind ehemals ausgewanderte Sachsen.
Sie sind meist gut qualifiziert, haben häufig eine
persönliche Bindung an den Freistaat und brin-
gen wertvolle Berufserfahrung mit.
Zwischen
1990 und 2017 zogen knapp 2,2 Millionen
Menschen aus Sachsen in ein anderes Bun-
desland oder ins Ausland.
Einige dieser „Aus-
wanderer“ kehren wieder zurück nach Sachsen.
Der Anteil der Rückkehrer unter den zwischen
2001 und 2012 ausgewanderten Sachsen belief
sich auf insgesamt 11 Prozent.
44
Viele Rückkeh-
rer verlagern jedoch nur ihren privaten Lebens-
mittelpunkt in den Freistaat Sachsen. Sie bleiben
als Berufspendler weiterhin in einem anderen
Bundesland beschäftigt. Ein wesentlicher Grund
hierfür dürften die Unterschiede im Lohnniveau
zwischen den neuen und alten Bundesländern
sein. Die deutlich besseren Verdienstmöglichkei-
ten in diesen Bundesländern wiegen die Kosten
des Pendelns auf.
45
Insgesamt pendeln knapp 139.000 Personen mit
Wohnort im Freistaat Sachsen zu einem Arbeits-
platz in ein anderes Bundesland aus. Umgekehrt
pendeln nur knapp 120.000 Personen aus ande-
ren Regionen zu ihrem sächsischen Arbeitgeber
ein.
46
Menschen mit spezifischem Unterstützungs–
bedarf – nach wie vor schwieriger Zugang
zum Arbeitsmarkt
Trotz positiver wirtschaftlicher Entwicklung und
stetig zunehmender Nachfrage nach Arbeits-
kräften haben einige Beschäftigtengruppen
nach wie vor einen deutlich erschwerten Zu-
gang zum Arbeitsmarkt.
So nimmt
über die Hälfte der Menschen mit
Behinderung im Freistaat Sachsen nicht am
Arbeitsmarkt teil
, obwohl ein großer Teil dieser
Zielgruppe beruflich gut qualifiziert ist.
47
Rund
64 Prozent von ihnen haben eine Lehrausbil-
dung oder eine Berufsfachschule absolviert,
elf Prozent eine Meister- oder Technikeraus-
bildung, neun Prozent besitzen einen (Fach)
Hochschulabschluss.
48
Angesichts der Zahl von
über 190.000 Personen mit einer Behinderung
im erwerbsfähigen Alter (18–64 Jahre)
geht hier
wertvolles Potenzial verloren.
Neben den Menschen mit Behinderung profi–
tieren auch
Menschen mit Migrationshin-
tergrund nur in geringerem Umfang von
der positiven Entwicklung am Arbeits-
markt
. Während die Zahl der Arbeitslosen
ohne Migrationshintergrund zwischen 2012
und 2017 um über ein Drittel zurückging, ist die
Zahl der arbeitslosen Menschen mit Migrati-
onshintergrund sogar leicht gestiegen. In Teilen
liegt dies daran, dass die Zuwanderung ins-
gesamt in diesem Zeitraum gestiegen ist und
viele Zuwanderer zunächst ihre Sprachkennt-
nisse verbessern oder ihre Qualifizierung auf
die Anforderung des deutschen Arbeitsmarktes
anpassen müssen. So haben knapp 60 Prozent
der Arbeitslosen mit Migrationshintergrund
keinen in Deutschland anerkannten beruflichen
Abschluss.
49
Innerhalb dieser Gruppe werden
Flüchtlinge und ihre Potenziale für den Ar-
beitsmarkt nochmals besonders diskutiert. Die
Datenlage für diese Zielgruppe ist jedoch noch
nicht ausreichend, um aussagekräftige Ein-
schätzungen abgeben zu können.
Darüber hinaus liegt der Anteil von Langzeitar-
beitslosen im Freistaat Sachsen trotz positiver
Entwicklungen in den vergangenen Jahren noch
immer über dem Bundesschnitt. Im Jahr 2017
waren rund 53.000 Menschen in Sachsen für
eine Dauer von über einem Jahr arbeitslos.
50
Ein
geringes Qualifikationsniveau ist dabei ein häu-
figes Hemmnis für die Integration von Lang-
zeitarbeitslosen in den Arbeitsmarkt. Auch das
vergleichsweise hohe Alter langzeitarbeitsloser
Menschen spielt eine wichtige Rolle. Dement-
sprechend ist das direkte Potenzial dieser Ziel-
gruppe für die Fachkräftesicherung eher be-
grenzt.
Von hoher quantitativer Bedeutung ist schließ-
lich die Gruppe der Alleinerziehenden. 2016 gab
es im Freistaat 92.000 Alleinerziehende mit
minderjährigen Kindern – dies entspricht etwa
einem Viertel aller Familien. Die meisten Allein-
erziehenden sind weiblich. Ihre Erwerbstätigen-
quote liegt acht Prozentpunkte unter der von
Müttern in Paarfamilien. Häufig ist es vor allem
die Herausforderung, Kinderbetreuung und Be-
rufstätigkeit miteinander zu vereinbaren, was
dieser meist gut qualifizierten Zielgruppe den
Zugang zu einer Beschäftigung erschwert.
Das Risiko, beim Verlust der Beschäftigung
langfristig keinen Wiedereinstieg mehr auf
dem Arbeitsmarkt zu schaffen, ist vor allem für
Geringqualifizierte hoch. Ändern sich die Kom-

 
| 29
petenzanforderungen aufgrund struktureller
Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt, ist das
Risiko der (Langzeit-)Arbeitslosigkeit für diese
Zielgruppe deutlich höher. Im Jahr 2017 hatten
rund 96.000 der über 1,5 Millionen sozialversi-
cherungspflichtig Beschäftigten (ohne Auszu-
bildende) im Freistaat Sachsen keinen Berufsab-
schluss.
51
Hier gilt es präventiv tätig zu werden,
um ein langfristiges Ausscheiden aus dem Ar-
beitsmarkt zu verhindern.
Beschäftigte – die hohe Zahl von Erwerbs–
tätigen ist das größte Potenzial des sächsi–
schen Arbeitsmarktes
Die zwei Millionen Erwerbstätigen sind die
größte Zielgruppe für die Fachkräftesiche-
rung im Freistaat Sachsen.
Grundsätzlich
arbeitet ein Großteil dieser Beschäftigten in
vergleichsweise stabilen und sicheren Verhält-
nissen. Atypische und flexible Beschäftigungs-
formen wie befristete Arbeitsverhältnisse oder
Leiharbeit sind relativ gering verbreitet. Insge-
samt liegt der Anteil atypischer Beschäftigter
bei 14 Prozent und damit sowohl unter dem
ostdeutschen (17 Prozent) als auch dem west-
deutschen Durchschnitt (23 Prozent). Auch der
Anteil geringfügig entlohnter Beschäftigter ist
in Sachsen 12 Prozentpunkte geringer als im
Bundesdurchschnitt.
52
Gleichzeitig steigt die Wechselbereitschaft
der Beschäftigten selbst. Zwar ist der An-
teil sächsischer Beschäftigter, die angeben,
bei ihrem Arbeitgeber bleiben zu wollen, im
Bundesvergleich noch überdurchschnittlich
hoch.
53
Dennoch nimmt die Zahl der Beschäf-
tigten, die ihre Arbeitsstelle kündigen, auch im
Freistaat in den letzten Jahren kontinuierlich
zu. Im Jahr 2017 waren
über 40 Prozent der
Personalabgänge auf Kündigungen durch
den Beschäftigten zurückzuführen
.
54
Zu den
meistgenannten Wechselgründen gehören eine
geringe Identifikation mit der Arbeit, wenig
Wertschätzung durch den Vorgesetzten und
unzureichende Weiterbildungsangebote. Aus–
sichtsreiche Weiterentwicklungsmöglichkeiten
werden damit immer mehr zum zentralen Fak-
tor der Mitarbeiterbindung und somit auch der
Fachkräftesicherung.
Damit die sächsischen Beschäftigten ihre Er-
fahrung und Arbeitskraft langfristig ausschöp-
fen können, spielen körperliche und psychische
Gesundheit eine zentrale Rolle. Die Fälle krank-
heitsbedingter Arbeitsunfähigkeit steigen im
Freistaat in den letzten Jahren jedoch kontinu-
ierlich, wie entsprechende Statistiken zeigen.
55
Aber auch in der subjektiven Wahrnehmung der
Beschäftigten selbst sind die Belastungen hoch.
So gehen 39 Prozent der Beschäftigten davon
aus, ihre aktuelle Tätigkeit nicht bis zum regulä-
ren Renteneintritt ausüben zu können.
56
Weibliche Beschäftigte – besonders Mütter
arbeiten häufig nur in Teilzeit
Bei der Erwerbstätigenquote sind die Unter-
schiede zwischen Männern und Frauen im Frei-
staat Sachsen traditionell gering. Deutlichere
geschlechtsspezifische Unterschiede gibt es
bei der Arbeitszeit. In Sachsen arbeitet nahezu
jede zweite der rund 800.000 erwerbstäti-
gen Frauen in Teilzeit
, jedoch nur jeder zehnte
Mann.
57
Vor allem Mütter in Familien mit drei
und mehr Kindern sowie Mütter von kleinen
Kindern reduzieren häufig ihre Arbeitszeit.
Die Entscheidung über Arbeitszeitreduzierung
kann dabei durchaus selbstbestimmt getroffen
werden. In vielen Fällen erschweren es jedoch
fehlende Betreuungsmöglichkeiten oder das
alleinige Angebot von Teilzeitarbeitsplätzen,
in höherem Stundenumfang tätig zu sein. So
wollen über ein Viertel der teilzeitbeschäftigten
sächsischen Frauen deutlich mehr Stunden ar-
beiten.
58
Ältere Beschäftigte – großer Teil der Älteren
scheidet bereits vor Erreichen des Renten–
alters aus dem Erwerbsleben aus
Zwei von drei 55- bis 60-Jährigen sind der-
zeit erwerbstätig.
Unter den 60- bis 65-Jäh-
rigen geht nur noch knapp die Hälfte einer
Beschäftigung nach. Damit scheidet ein erheb-
licher Teil der Älteren bereits einige Jahre vor Er-
reichen der Regelaltersgrenze (je nach Jahrgang
zwischen 65 und 67) aus dem Erwerbsleben aus.
Oftmals spielen gesundheitliche Gründe eine
Rolle, mitunter fehlen jedoch auch Arbeitgebern
Konzepte, um älteren Beschäftigten erfüllende
Perspektiven zu bieten.
Hinzu kommt, dass die über 50-Jährigen immer
häufiger die Pflege von Angehörigen verant-
worten. Im Freistaat Sachsen ist die
Zahl der
Pflegebedürftigen seit 2005 um 39 Prozent
auf rund 166.800 Personen gestiegen
. 2015
kamen damit etwa 41 Pflegebedürftige auf
1.000 Einwohner, deutlich mehr als der Bundes-
durchschnitt von rund 35 Pflegebedürftigen je
1.000 Einwohner.
59
Angesichts der Altersstruk-
tur der sächsischen Bevölkerung wird dieser
Bedarf weiterhin steigen (siehe Megatrend de-
mografischer Wandel).

image
 
30 |
3. Handlungsfelder der
Fachkräftestrategie 2030

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| 31
Igor, Zugbegleiter bei der Deutschen Bahn

 
32 |
3.1 Fähigkeiten und Neigungen entwickeln –
Fachkräfte individuell (aus)bilden
Die heute „junge“ Generation sind Sachsens
Fachkräfte von morgen.
Für die Erschließung
des Potenzials, das sie mitbringen, spielen vor
allem die verschiedenen Bildungsinstitutio-
nen eine zentrale Rolle.
Deren bedarfsgerech-
te Ausgestaltung ist ein wesentlicher Schlüssel
zum Erfolg. Der Übergang von der Schule in den
Beruf ist für junge Menschen ein wesentlicher
und entscheidender Schritt auf dem Weg in eine
erfolgreiche berufliche Karriere. Allerdings berei-
tet die kaum überschaubare Anzahl möglicher
Ausbildungs- oder Studienoptionen vielen Ju-
gendlichen Schwierigkeiten. An dieser Stelle sind
die Schulen gefordert, nicht nur Fachwissen zu
vermitteln, sondern auch die Kompetenzen der
Schüler in Sachen Studien- und Berufswahl zu
fördern. Der Trend zu weiterführenden Schu-
len und akademischen Abschlüssen ist stark.
Gleichzeitig ist die Zahl der Ausbildungsverträ-
ge im Freistaat Sachsen in den letzten Jahren
wieder leicht gestiegen und Arbeitgeber fragen
besonders häufig Fachkräfte mit beruflichem
Abschluss nach. Um wieder mehr junge Men-
schen für die betriebliche Ausbildung zu gewin-
nen, braucht es attraktive und zukunftsfähige
Ausbildungsbedingungen. Schon heute stehen
beruflich Qualifizierten vielfältige Weiterent-
wicklungsmöglichkeiten und Karriereoptionen
offen. Diese sind den jungen Menschen und
ihren Eltern jedoch nicht ausreichend bekannt.
Hier müssen die Partner aus Wirtschaft und Po-
litik stärker in den Vordergrund treten, um die
Chancen und Perspektiven der beruflichen Aus-
bildung einer breiten Öffentlichkeit sichtbar zu
machen. Im bundesdeutschen Vergleich bilden
in Sachsen noch zu wenige Betriebe aus. Des-
halb ist es notwendig, die Unternehmen, welche
bisher noch nicht ausbilden, von den Vorzügen
dieser Art von Nachwuchssicherung zu über-
zeugen. Besonders kleine Betriebe benötigen
hierbei eine bedarfsgerechte Unterstützung.
Aus diesem Grund legt die Fachkräftestrategie
Sachsen 2030 einen Schwerpunkt auf die
Ver-
besserung der beruflichen Orientierung und
die Stärkung der betrieblichen Ausbildung
.
Mittelpunkt des Handlungsfeldes „Fachkräfte
individuell (aus)bilden“ ist die Entwicklung aller
jungen Menschen im Freistaat Sachsen. Wichtige
Voraussetzungen für die zukünftigen Fachkräfte
werden im Rahmen der frühkindlichen Bildung
sowie an den Grundschulen gelegt. Dennoch
haben die Partner der Fachkräfteallianz Sachsen
vereinbart, den Handlungsrahmen in der Fach-
Ziel der Fachkräftestrategie 2030 ist es, die aufgezeigten Potenziale systematisch zur Sicherung des
Fachkräftebedarfs im Freistaat Sachsen zu erschließen. Sie stellt dafür den Menschen in seinen ver-
schiedenen Erwerbsphasen in den Mittelpunkt. Mit den Partnern aus Wirtschaft, Verwaltung und
Gesellschaft sollen diese Herausforderungen – beginnend bei der Begleitung und Förderung jun-
ger Menschen über die gezielte Ansprache von Nachwuchsfachkräften bis hin zur Verbesserung der
Arbeitsbedingungen – aufgegriffen werden, um auch in Zukunft ausreichend Fachkräfte, die gut
qualifiziert sind, in Sachsen zu haben.
Basierend auf den Ergebnissen der SWOT-Analyse zur Fachkräftestrategie 2030 sowie einem breiten
öffentlichen Beteiligungsprozess mit allen relevanten Wirtschafts- und Arbeitsmarktakteuren sowie
den dargestellten Herausforderungen und Potenzialen identifiziert die sächsische Fachkräftestrate-
gie 2030 vier zentrale Handlungsfelder. Entlang dieser im Folgenden dargestellten Handlungsfelder
sollen die Aktivitäten zur Fachkräftesicherung ausgerichtet werden:
Fähigkeiten und Neigungen entwickeln – Fachkräfte individuell (aus)bilden
Talente gewinnen – Fachkräfte gezielt rekrutieren
Vorhandene Potenziale nutzen – allen Erwerbspersonen Zugang zum Arbeitsmarkt ermöglichen
Fachkräfte binden – Attraktive Arbeitsplätze schaffen
Ziele sowie Instrumente und Maßnahmen zur Untersetzung dieser Handlungsfelder werden in den
folgenden Kapiteln vorgestellt.
3. Handlungsfelder der Fachkräftestrategie 2030

 
| 33
kräftestrategie 2030 mit der Sekundarstufe I (ab
Klassenstufe 5) beginnen zu lassen. Denn erst
dort werden Jugendliche erstmals mit der Frage
konfrontiert, welche berufliche Zukunft sie für
sich sehen. Hier werden neben der Allgemeinbil-
dung auch diejenigen weiterführenden Kompe-
tenzen vermittelt, die für die spätere Arbeitswelt
von Bedeutung sind.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Gruppe
der jungen Menschen mit individuellen Unter-
stützungsbedarfen. Ziel aller Partner ist es, diese
Jugendlichen innerhalb der bestehenden Bil-
dungswege erfolgreich zu einem qualifizierten
Abschluss zu führen. Trotz eines Zuwachses an
unbesetzten Stellen hat es diese Gruppe häufig
schwer, einen Ausbildungsplatz und somit den
Einstieg ins Arbeitsleben zu finden. Vor allem für
schulmüde Jugendliche kann jedoch eine be-
triebliche, praxisnahe Ausbildung die richtige Al-
ternative sein. Für junge Menschen, die von den
Systemen nicht erfasst werden, ist eine intensive
und meist längerfristige Begleitung notwendig.
Für diese Jugendlichen sollen niedrigschwellige
Zugänge zu potenziellen Ausbildungsbetrieben
geschaffen werden. Auch nach dem Übergang
in Ausbildung brauchen Auszubildende und ihre
Betriebe Unterstützung, um das Ausbildungs-
verhältnis dauerhaft zu stabilisieren.
Ziel 1: Alle sächsischen Schüler werden individuell gefördert und verlassen die allgemeinbil-
dende Schule mit einem qualifizierten Schulabschluss.
Die individuelle Förderung und Begleitung
von Schülern zu dem für sie höchstmöglichen
Bildungsabschluss ist das Ziel aller Partner.
Handlungsbedarf besteht vor allem bei Schülern
mit spezifischen Unterstützungsbedarfen. Für
diese Kinder und Jugendlichen bedarf es einer
individuellen Begleitung, die sich an den Stär-
ken der jungen Menschen ausrichtet. Im Fokus
einer solchen Unterstützung stehen die Schulen,
im Besonderen die Ober- und Förderschulen
im Freistaat Sachsen. Neben ihren vielfältigen
Aufgaben in Schule und Unterricht können die
Lehrkräfte allein eine solche individuelle Unter-
stützung nicht leisten. Deshalb müssen an den
Schulen entsprechende zusätzliche Angebote
und Hilfen zur Verfügung gestellt werden.
Der Freistaat Sachsen hat bereits ein umfas-
sendes Landesprogramm zum Ausbau der
Schulsozialarbeit aufgelegt. Während sich die
Schulsozialarbeit grundsätzlich an alle Schüler
der allgemeinbildenden Schulen richtet, kann
der Einsatz weiterer Fachkräfte in diesem Be-
reich dafür genutzt werden, auf spezifische
Unterstützungsbedarfe einzelner Jugendlicher
einzugehen. Dies kann zum Beispiel die Beglei-
tung des familiären Umfelds der Schüler oder
die intensive Unterstützung beim Übergang in
eine berufliche Ausbildung umfassen. Gegen-
wärtig sind
über 300 Berufseinstiegsbegleiter
an sächsischen Schulen aktiv
. Diese Angebote
ergänzen die pädagogische Arbeit der Schulen
und leisten einen wertvollen Beitrag zur Über-
windung des mitunter schwierigen Übergangs
von der Schule in den Beruf. Darüber hinaus
können zusätzliche pädagogische Projekte hel-
fen, junge Menschen wieder für die Schule und
ihre berufliche Zukunft zu motivieren. Schuli-
sche Ganztagesangebote, die von sächsischen
Schülern sehr gut angenommen werden, bieten
hierfür eine gute Grundlage. Die Staatsregierung
fördert über den Europäischen Sozialfonds (ESF)
bereits Vorhaben, die junge Menschen dabei un-
terstützen, ihren Abschluss zu erreichen. Dabei
stehen vor allem praktische Ansätze in einem
realen beruflichen oder berufsnahen Umfeld im
Mittelpunkt.
Zur Erreichung des Ziels wird vereinbart
Gewährleistung einer tragfähi-
gen schulischen Infrastruktur in
allen Regionen Sachsens
Sicherstellung einer angemesse-
nen Versorgung der Schulen mit
qualifizierten Lehrkräften
Senkung der Zahl der Schülerinnen
und Schüler ohne Schulabschluss
Bedarfsgerechte Ausstattung der
Schulen mit zusätzlichen (sozial-
pädagogischen) Fachkräften
Bedarfsgerechte Weiterentwicklung und
Ergänzung des Regelangebots durch
Projekte für schulmüde Jugendliche sowie
Schüler im Förderschwerpunkt Lernen
Gewährleistung einer tragfähigen schulischen
Infrastruktur in allen Regionen Sachsens
Zuständige Akteure: Schulträger, Staatsregierung**
Grundlage für eine tragfähige Infrastruktur ist
vor allem das gesamte Schulnetz. Das Sächsi-
sche Staatsministerium für Kultus (SMK) wird
im Rahmen seiner Schulnetzplanung Sorge
tragen, dass landesweit ein angemessenes
Angebot aller Schulformen vorgehalten wird.
Darüber hinaus sollen die Ganztagsangebote
sowie die Schaffung von inklusiven Strukturen
an den sächsischen Schulen im Rahmen des
** Die Aufzählung der zuständigen Akteure erfolgt in alphabetischer Reihenfolge. Dies hat keine
Aussagekraft mit Blick auf eine Priorisierung der Zuständigkeit.

image
 
34 |
Sächsischen Schulgesetzes weiter ausgebaut
und qualitativ verbessert werden. Vor allem für
die Nachwuchssicherung kleiner und mittlerer
Unternehmen braucht es auch in ländlichen Re-
gionen ein ausreichendes Angebot an Ober- und
Berufsschulen.
Die Staatsregierung fördert mit der Digitalen Of-
fensive Sachsen (DiOS) die Verbesserung der di-
gitalen Infrastruktur. Mit der finanziellen Unter-
stützung durch den Bund über den Digitalpakt
Schule sowie die Offensive digitales Klassen-
zimmer sollen
bis 2025 mindestens 90 Pro-
zent der sächsischen Bildungseinrichtungen
mit schnellem Giganetz ausgestattet sein
. Die
Staatsregierung wird gemeinsam mit den Kom-
munen als Schulträger die Schulen aktiv dabei
unterstützen, zeitgemäße Lehr- und Lernmate-
rialien im Einklang mit den neuen technischen
Möglichkeiten anzuschaffen und einzuführen.
Gleichzeitig müssen auch die Lehrer in die Lage
versetzt werden, die notwendigen didaktischen
Möglichkeiten beim Einsatz der neuen Medien
anzuwenden. In diesem Zusammenhang sollen
die sächsischen Bildungseinrichtungen neben
der weiteren Vermittlung der Grund- und All-
gemeinbildung auch mehr kognitive und sozi-
ale Kompetenzen vermitteln. Somit werden die
Voraussetzungen für lebenslanges Lernen sowie
einen erfolgreichen Berufseinstieg geschaffen.
Sicherstellung einer angemessenen Versor-
gung der Schulen mit qualifizierten Lehr-
und Fachkräften
Zuständige Akteure: Arbeitgeber, Gewerkschaf-
ten, Staatsregierung
Wesentlich für die Gewährleistung einer indivi-
duellen Förderung der Schüler ist die personelle
Ausstattung der Schulen. Die Staatsregierung
arbeitet konsequent daran, dass den verschiede-
nen Bildungseinrichtungen
langfristig ausrei-
chend qualifizierte Lehrkräfte
zur Verfügung
stehen. Zentraler Anknüpfungspunkt ist hierfür
das Handlungsprogramm „Nachhaltige Siche-
rung der Bildungsqualität im Freistaat Sachsen“.
Dieses enthält umfassende Maßnahmen, um
die Attraktivität des Lehrerberufs zu steigern.
Dazu gehören unter anderem die Verbeamtung
von neuen Lehrkräften ab 2019 sowie eine Ein-
stellungsgarantie für Referendare der Grund-,
Förder- und Oberschulen. Weiterhin schafft das
Handlungsprogramm Möglichkeiten und besse-
re Betreuungs- und Qualifizierungsangebote für
Quereinsteiger in den Lehrerberuf.
Staatsregierung und Gewerkschaften sowie
– für Erzieher – die Arbeitgeberverbände der
Sozialwirtschaft setzen sich dafür ein, dass die
Rahmenbedingungen des Einsatzes von Lehr-
kräften und Erzieher gesundheitsförderlich ge-
staltet sind. Angesichts der Altersstruktur der
sächsischen Lehrerschaft ist es von großer Be-
deutung, die Gesundheit dieser Fachkräfte lang-
fristig zu erhalten. Das Handlungsprogramm
„Nachhaltige Sicherung der Bildungsqualität
im Freistaat Sachsen“
sieht vor, das Potenzial
erfahrener Lehrkräfte nach deren Pensionierung
für die aktive Begleitung und Unterstützung von
Schulleitungen und insbesondere Quereinstei-
gern zu nutzen.
Senkung der Zahl der Schülerinnen und
Schüler ohne Schulabschluss
Zuständige Akteure: Regionaldirektion Sachsen
der Bundesagentur für Arbeit, Schulen, Schulträ-
ger, Staatsregierung
Jugendliche ohne Schulabschluss haben ge-
ringere Chancen, eine Berufsausbildung zu
beginnen und zugleich ein höheres Risiko, von
Arbeitslosigkeit oder prekären Beschäftigungs-
verhältnissen betroffen zu sein. Der Anteil der
Schülerinnen und Schüler, die die Schule ohne
Abschluss verlassen, konnte in den letzten Jah-
ren von elf auf acht Prozent gesenkt werden.
Alle beteiligten Partner wollen erreichen, dass in
den kommenden Jahren die
Quote der Schul-
abgänger ohne Abschluss auf den bundes-
deutschen Durchsnitt gesenkt wird
. Dabei
müssen die durch die Bildungsstandards vorge-
gebenen Anforderungen erhalten bleiben. Dies
zu erreichen, braucht es vor allem eine weitere
Verbesserung der individuellen Förderung und
Unterstützung der Jugendlichen. Die Förderin-
strumente von Bund, Freistaat sowie Bundes-
agentur für Arbeit für Schülerinnen und Schüler,
bei denen das Erreichen eines Schulabschlusses

 
| 35
gefährdet ist, werden von den an Bildung und
Erziehung beteiligten integriert und genutzt.
Unser gemeinsames Ziel ist es, dass an allen
Schulen diese bedarfsgerechten Unterstüt-
zungsangebote vorgehalten werden, die die Ju-
gendlichen individuell auf ihrem Weg zu einem
qualifizierten Schulabschluss begleiten.
Ein weiterer Ansatzpunkt besteht darin, dass die
Schüler sächsischer Förderschulen zukünftig in
erhöhten Umfang auch an Regelschulen einen
Schulabschluss erwerben sollen. Förderschulen
sind zunehmend bestrebt, Schülern die inklusive
Unterrichtung an einer Regelschule zu ermögli-
chen und sie dabei unterstützend zu begleiten.
Dies trägt maßgeblich dazu bei, dass auch diese
Schüler einen Haupt- oder Realschulabschluss
erwerben können. Aktuell werden über 70 Pro-
zent der Schüler mit sonderpädagogischem För-
derbedarf in den lernzielgleichen Förderschwer-
punkten (Sehen, Hören, Sprache, körperliche
und motorische Entwicklung sowie emotionale
und soziale Entwicklung) inklusiv an Regel-
schulen unterrichtet. In den lernzieldifferenten
Förderschwerpunkten (Lernen sowie geistige
Entwicklung) ist in der Regel der Erwerb eines
Hauptschulabschlusses nicht möglich.
Bedarfsgerechte Ausstattung der Schulen
mit zusätzlichen (sozialpädagogischen) Fach-
kräften
Zuständige Akteure: Kommunen, Regionaldirek-
tion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit,
Staatsregierung
Damit zusätzliches qualifiziertes Personal und
Unterstützungsangebote einen effektiven Bei-
trag zur Unterstützung der Schüler leisten
können, müssen sie in die schulischen Struktu-
ren integriert sein. Dies setzt eine gute und ver-
trauensvolle Zusammenarbeit mit den Lehrkräf-
ten voraus. Hierfür braucht es Zeit, bis sich alle
Abstimmungen und Prozesse eingespielt haben.
Entscheidend ist, dass die Fachkräfte konti-
nuierlich an den Schulen arbeiten können. Das
Landesprogramm Schulsozialarbeit wird dafür
eine dauerhafte und dynamisierte Finanzierung
sicherstellen.
Die Berufseinstiegsbegleitung wird aktuell von
der Bundesagentur für Arbeit und dem ESF
getragen. Dieses erfolgreiche Instrument muss
auch in Zukunft fortgeführt werden, entspre-
chende Finanzierungsoptionen für die langfris-
tige Ausgestaltung sind zu prüfen und umzu-
setzen.
Weiterführende Bedarfe sollen von den Schul-
verwaltungen systematisch erfasst werden.
Auf dieser Grundlage prüfen Staatsregierung,
Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur
für Arbeit und weitere Partner, ob bestehende
Angebote angepasst oder neue Programme auf-
gelegt werden müssen.
Bedarfsgerechte Ergänzung des Regelange-
bots durch Projekte für schulmüde Jugend-
liche sowie Schüler im Förderschwerpunkt
Lernen
Zuständige Akteure: Bildungsträger, freie Träger
der Wohlfahrtspflege, Schulen, Staatsregierung,
Stiftungen
Für Schülerinnen und Schüler mit Lernschwie-
rigkeiten bieten niedrigschwellige, praxisna-
he schulische oder außerschulische Projekte
Anknüpfungspunkte, die Motivation zum Er-
werb eines Schulabschlusses zu stärken. Das
gut ausgebaute Ganztagsangebot im Frei-
staat kann dazu genutzt werden, solche au-
ßerschulischen Projekte umzusetzen. Diese
können sportlicher, kultureller aber auch be-
rufspraktischer Art sein. Vor allem Letztere sind
– im Hinblick auf eine erste Heranführung an
den Arbeitsmarkt – relevant, dienen sie doch
zusätzlich einer erweiterten Kompetenzvermitt-
lung. In Sachsen existiert bereits ein breites
Portfolio solcher Maßnahmen. Der Fokus liegt
daher auf der bedarfsgerechten Versorgung der
Schulen sowie der gezielten Weiterentwicklung
von Ansätzen mit Blick auf die zunehmend he-
terogenen Herausforderungen der sächsischen
Schülerschaft.
Darüber hinaus können praktische Anteile
flächendeckender in den Unterricht integriert
werden.
Zentraler Anknüpfungspunkt ist der
besondere Bildungsweg „Produktives Lernen“
sowie die ESF-Förderung für Vorhaben zur Erhö-
hung der Quote von Schülerinnen und Schülern,
die einen Schulabschluss erreichen. Gemeinsam
mit Bildungsträgern und Trägern der Wohl-
fahrtspflege arbeitet die Staatsregierung darauf
hin, dass alle Schulen mit entsprechendem Be-
darf außerschulische Projekte vorhalten können
sowie regional alternative Angebote zum klas-
sischen Schulbesuch für besonders schulmüde
Jugendliche zur Verfügung stehen. Im Rahmen
ihrer Zuständigkeit für die Jugendhilfe wird die
Staatsregierung dafür enger mit den sächsi-
schen Kommunen zusammenarbeiten.

 
36 |
Ziel 2: Sächsische Schüler und ihre Eltern sind in der Lage unter Berücksichtigung der An-
forderungen der Arbeitswelt eine gute Berufswahl zu treffen
Wie die Förderung junger Menschen im Allge-
meinen, setzt auch eine erfolgreiche berufliche
Orientierung bei den individuellen Vorausset-
zungen der Schülerinnen und Schüler an. Die
Jugendlichen sollen dabei unterstützt werden,
frühzeitig Eindrücke der vielfältigen Angebote in
der Berufswelt zu gewinnen und entsprechend
ihrer eigenen Fähigkeiten und Neigungen den
richtigen Berufsweg einzuschlagen. Dies setzt
voraus, dass sich junge Menschen frühzeitig mit
ihren Talenten und Neigungen sowie mit eventu-
ellen Beschränkungen in der Berufswahl durch
tradierte Geschlechterbilder auseinandersetzen.
Mit der Kompetenzanalyse hat die Staatsregie-
rung hierfür bereits ein bewährtes Verfahren an
sächsischen Oberschulen eingeführt. Darüber
hinaus gilt es, die Vielzahl bestehender Ansätze
und Projekte zur beruflichen Orientierung sinn-
voll miteinander, in einem am einzelnen Schüler
ausgerichteten Prozess zu verzahnen. Nach wie
vor haben die Eltern den stärksten Einfluss auf
die Berufswahl ihrer Kinder. Deshalb müssen sie
in den Berufsorientierungsprozess früher und
noch aktiver eingebunden werden. Hierzu ge-
hört auch, dass die Eltern die Perspektiven und
Möglichkeiten der verschiedenen Schularten für
den späteren beruflichen Werdegang bereits am
Ende der Grundschule nähergebracht bekom-
men.
Alle Partner bekennen sich zur Oberschule, die
als wichtige Talentschmiede im Freistaat Sach-
sen weiter gestärkt werden muss. In diesem
Zusammenhang müssen die Möglichkeiten und
das Image der Oberschule weiter verbessert
werden, gerade mit Blick auf die Chancen einer
dualen Ausbildung. Die Partner unterstützen die
Schülerinnen und Schüler aller allgemeinbilden-
den Schulen, sodass diese ihre Interessen und
Talente im beruflichen Alltag entdecken und sich
die vielfältigen Möglichkeiten im Berufsleben al-
tersgemäß erschließen können.
Zentraler Ort der beruflichen Orientierung
sind die allgemeinbildenden Schulen.
Bereits
seit einigen Jahren unterstützen Praxisberater
die Schülerinnen und Schüler in Fragen der Be-
rufswahl.
Perspektivisch sollen alle Schulen
mit solchen Praxisberatern für berufliche
Orientierung ausgestattet werden.
Ziel muss
es des Weiteren sein, gleichzeitig zur beruflichen
Orientierung die Schülerinnen und Schüler auf
die Bedingungen der Arbeitswelt vorzubereiten,
so können aus den Praxisberatern perspekti-
visch Praxisbegleiter für die Schülerinnen und
Schüler werden, z. B. bei Betriebspraktika.
An den sächsischen Gymnasien hat die berufli-
che Orientierung in Richtung betrieblicher Aus-
bildung häufig noch eine untergeordnete Be-
deutung. Dies betrifft auch die Zusammenarbeit
von Gymnasien mit der regionalen Wirtschaft.
Grundprinzip der beruflichen Orientierung im
Freistaat Sachsen muss es sein, sie an allen
Schulen zu verankern und die
Chancen und
Möglichkeiten von beruflichen und akademi-
schen Bildungswegen gleichwertig darzustel-
len
. Die Staatsregierung hat daher die Berufsori-
entierung für Gymnasien im neuen Sächsischen
Schulgesetz verankert und die Fördermöglich-
keiten für die berufliche Orientierung seit dem
Schuljahr 2018/19 erweitert. Karrieremöglich-
keiten in der regionalen Wirtschaft müssen
stärker als bisher eine wesentliche Rolle bei der
Beruflichen Orientierung der sächsischen Schü-
lerinnen und Schüler spielen. Neben der Berufs-
beratung der Arbeitsagenturen unterstützen
regionale Koordinierungsstellen Schulen und lo-
kale Arbeitgeber dabei, die Zusammenarbeit von
Schule und Wirtschaft zu intensivieren. Vielfach
arbeiten die sächsischen Schulen bereits eng mit
diesen Arbeitgebern und den Berufsschulzent-
ren zusammen. Im Sinne einer längerfristigen
Wirksamkeit muss diese Zusammenarbeit sys-
tematischer und flächendeckender organisiert
werden.
Auf dieser breiten Grundlage wird die berufliche
Orientierung aufbauen. Angesichts der Vielzahl
von Angeboten und Ansätzen stehen Fragen der
Koordinierung und Bündelung der Aktivitäten
sowie die zielgerichtete Ergänzung des Angebo-
tes im Mittelpunkt.
Zur Erreichung des Ziels wird vereinbart
Gezielte und systematische Weiterentwick-
lung der bestehenden Strukturen und An-
gebote der beruflichen Orientierung
Etablierung und Weiterentwicklung der Ju-
gendberufsagentur
Stärkung der Rolle von Lehrkräften und El-
tern im Prozess der beruflichen Orientierung
Vermittlung eines breit gefächerten und
ausgewogenen Überblicks zu den verschie-
denen Bildungswegen und Berufen sowie
der Bandbreite arbeitsweltlicher Themen an
allen sächsischen Schulen
Stärkung praxisnaher Elemente in der Ar-
beitswelt und beruflichen Orientierung
Systematisierung und Strukturierung der
Zusammenarbeit von Schulen und regiona-
ler Wirtschaft

 
| 37
Gezielte und systematische Weiterentwick-
lung der bestehenden Strukturen und Ange-
bote der beruflichen Orientierung
Zuständige Akteure: Bildungsträger, Kammern,
Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur
für Arbeit, Schulen, Staatsregierung, Träger der
freien Wohlfahrtspflege
Das schulische Konzept zur beruflichen Orientie-
rung (BO-Konzept) bildet die Grundlage, um die
unterschiedlichen Maßnahmen der Einzelschule
in Bereich der Berufs- und Studienorientierung
sinnvoll aufeinander abzustimmen. Die Staatsre-
gierung wirkt darauf hin, dass
alle sächsischen
Schulen ein verpflichtendes und standardi-
siertes BO-Konzept entwickeln
. Dieses sollte
die einzelnen Maßnahmen der beruflichen Ori-
entierung strukturieren und die Zuständigkeiten
der Verantwortlichen an den Schulen festlegen.
Bereits heute gibt es an den Schulen in Sachsen
neben den Lehrkräften eine Vielzahl weiterer
Fachkräfte: Praxisberater, Berufsberater, Be-
rufseinstiegsbegleiter und andere, die die Ju-
gendlichen beim Übergang in die Arbeitswelt
unterstützen. Ihre Aufgaben sollen in einem
BO-Konzept klar und transparent umrissen sein,
um Dopplungen zu vermeiden und Synergien zu
schaffen.
Neben dieser Unterstützungsstruktur setzen alle
Schulen eine Vielzahl verschiedener Aktivitäten
und Maßnahmen um. Im Sinne einer struktu-
rierten und qualitätsvollen beruflichen Orien-
tierung setzten sich die Partner dafür ein, dass
die verschiedenen Projekte regelmäßig evaluiert
und erfolgreiche Projekte verstetigt werden. Um
gemeinsam einheitliche Qualitätsstandards in
den schulischen BO-Konzepten voranzubringen,
wird die Vereinbarung zur Zusammenarbeit in
diesem Bereich mit der Regionaldirektion Sach-
sen der Bundesagentur für Arbeit von 2009 ak-
tualisiert.
Etablierung und Weiterentwicklung der Ju-
gendberufsagentur
Zuständige Akteure: Jobcenter (gE/zkT), Kom-
munen, Regionaldirektion Sachsen der Bundes-
agentur für Arbeit, Schulen, Staatsregierung
Der Freistaat Sachsen wird die Etablierung und
Weiterentwicklung von Jugendberufsagentu-
ren in den Regionen weiter unterstützen. Ziel
ist es, den Übergang junger Menschen an den
Schnittstellen von Schule, Ausbildung/Studium
und Arbeitsmarkt durch eine intensivere Zu-
sammenarbeit von Schulen, Jobcenter, Agen-
turen für Arbeit, Hochschulen und Jugendhilfe
zu verbessern. Dieser rechtskreisübergreifende
Ansatz (SGB II, SGB III, SGB VIII) soll in allen
Landkreisen und Kreisfreien Städten umgesetzt
und weiterentwickelt werden. Die Einbeziehung
der jungen Menschen soll bereits während der
Schulzeit beginnen. Daher sind die Schulen ein
wichtiger Partner der Jugendberufsagenturen.
Die unterschiedlichen Kompetenzen der Partner
sollen zum Nutzen aller gebündelt und durch
die entstehenden Synergien Ressourcen frei-
gesetzt werden. In diesen Prozess ist die örtli-
che Wirtschaft gleichfalls einzubeziehen. Die
Jugendberufsagentur steht grundsätzlich allen
jungen Menschen offen, die in der Regel das
25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben und
sich am Übergang von der Schule in das Berufs-
leben befinden.
Das Ziel ist es, den sozialen
und persönlichen Entwicklungsweg der Ju-
gendlichen von der Schule, über Ausbildung/
Studium und Beschäftigung nachhaltig zu
begleiten und zu unterstützen.
Durch die Ein-
beziehung möglichst aller Jugendlichen bereits
während der Schulzeit soll eine Stigmatisierung
von jungen Menschen aufgrund ihrer sozia-
len Herkunft verhindert werden. „Keiner darf
verloren gehen!“ – das gilt ganz besonders für
junge Menschen auf ihrem Weg ins Berufsleben.
Dazu sollen auf Basis der regionalen Bedarfe
die Übergänge von der Schule in die Ausbildung
und den Beruf bestmöglich gestaltet, Zeiten im
Übergangssystem verkürzt und Abbrüche ver-
mieden werden. Die Jugendberufsagentur wird
dazu verschiedene Beratungsangebote unter
einem Dach bündeln, um für junge Menschen
ein ganzheitlich orientiertes und abgestimm-
tes Informations-, Beratungs-, Förder- und
Begleitangebot zu gewährleisten. Die Partner
sind in der gemeinsamen Pflicht, die individu-
elle Selbstverantwortung junger Menschen und
deren Eltern zu fördern und verlässliche Bera-
tungs- und Unterstützungsdienstleistungen so-
wohl in den Übergängen als auch bei individuell
schwierigen Lebenslagen sicherzustellen.
Stärkung der Rolle von Lehrkräften und El-
tern im Prozess der beruflichen Orientierung
Zuständige Akteure: Bildungsträger, Kommunen,
Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur
für Arbeit, Schulen, Staatsregierung, Träger der
freien Wohlfahrtspflege
Für die Umsetzung einzelner Aktivitäten, be-
sonders aber für die Integration arbeitswelt-
licher Themen in den täglichen Unterricht,
kommt Pädagogen eine Schlüsselrolle zu. Damit
dies gelingt, entwickelt die Staatsregierung in
Zusammenarbeit mit den weiteren Partnern
bestehende Qualifizierungsprogramme für Päda-
gogen weiter und engagiert sich für eine breite

 
38 |
Inanspruchnahme durch Lehrkräfte aller Schul-
formen. Für die stärkere Umsetzung von Ange-
boten der beruflichen Orientierung müssen den
jeweiligen Lehrkräften aber auch Zeitkontingen-
te zur Verfügung gestellt werden.
Größten Einfluss bei Fragen der Berufswahl
haben neben Klassenkameraden Freunde und
vor allem Eltern und Großeltern. Deshalb trägt
das Staatsministerium für Kultus (SMK) zusam-
men mit den Schulen dafür Sorge, dass sys-
tematische Elternarbeit ein fester Bestandteil
der beruflichen Orientierung an sächsischen
Schulen wird.
Wichtig ist es, Eltern frühzei-
tig in entsprechende Aktivitäten einzubin-
den
, indem z. B. die berufliche Orientierung ab
Klasse 7 ein kontinuierlicher Schwerpunkt in den
Elternabenden ist. Darüber hinaus braucht es
neue Wege der Ansprache und innovative For-
mate, um Eltern zu erreichen, die bei klassischen
schulischen Veranstaltungen wenig präsent
sind. In diesem Zusammenhang sind die regi-
onalen Koordinierungsstellen für Berufs- und
Studienorientierung wesentliche Akteure.
Vermittlung eines breit gefächerten und
ausgewogenen Überblicks zu den verschie-
denen Bildungswegen und Berufen sowie der
Bandbreite arbeitsweltlicher Themen an allen
sächsischen Schulen
Zuständige Akteure: Bildungsträger, Gewerk-
schaften, Kammern, Kommunen, Regionaldirek-
tion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit,
Schulen, Staatsregierung
An Gymnasien wird die Möglichkeit betrieblicher
Ausbildung häufig nur unzureichend behandelt.
Staatsregierung und Regionaldirektion der Bun-
desagentur für Arbeit setzen sich zusammen
mit den Kammern und Kommunen dafür ein,
dass die berufliche Orientierung von Gymnasi-
asten gemäß der Richtlinie zur Förderung der
beruflichen Orientierung für Schülerinnen und
Schüler im Freistaat Sachsen die Optionen einer
praxisnahen Ausbildung nahebringt. Mathema-
tik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik
(MINT-)Förderung ist ein wesentliches Ele-
ment der beruflichen Orientierung
im Frei-
staat Sachsen. Viele Projekte in Kindergärten,
Schulen und Universitäten leisten einen Beitrag
dazu, den Ruf des Freistaates als „Land der In-
genieure“ zu erhalten. Die MINT-Förderung soll
weiterhin einen zentralen Stellenwert behalten
Die positiven Erfahrungen sollen genutzt wer-
den, um jungen Menschen weitere Bereiche mit
hoher Nachfrage nach Arbeitskräften wie das
Handwerk oder die soziale Arbeit, Gesundheit
und Pflege sowie Erziehung und Bildung (SA-
GE-Berufe) näherzubringen. Vielfältige und rea-
listische Einblicke in die Praxis der verschiedens-
ten Berufsfelder stehen dabei im Mittelpunkt.
Stärkung praxisnaher Elemente in der Ar-
beitswelt und beruflichen Orientierung
Zuständige Akteure: Arbeitgeber(verbände), Bil-
dungsträger, Branchenverbände, Gewerkschaf-
ten, Kammern, Jobcenter (gE/zkT), Regionaldi-
rektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit,
Schulen, Staatsregierung, Träger der freien
Wohlfahrtspflege
Im Freistaat existieren verschiedenste An-
sätze zur Stärkung praxisnaher Elemente in der
beruflichen und arbeitsweltlichen Orientierung,
wie z. B. das zweiwöchige Pflichtpraktikum und
Betriebsbesichtigungen im Rahmen der Initiati-
ve „SCHAU REIN! Woche der offenen Unterneh-
men Sachsen“. Diese sind in vielen sächsischen
Oberschulen weitestgehend Standard. Hier kön-
nen regionale Initiativen ergänzend ansetzen,
wie das Praxisbeispiel der IHK zu Leipzig zeigt
(siehe Praxisbeispiel). Darüber hinaus muss die
Möglichkeit, praktische Einblicke zu erhalten,
flexibler gestaltet werden. Dies kann zum Bei-
spiel in Form von Projekten geschehen, bei
denen kleinere Gruppen von Schülern eine spe-
zifische Aufgabe innerhalb eines Unternehmens
bearbeiten.
Es gilt Konzepte zu unterstützen,
die Schülern Einblicke in den Alltag der säch-
sischen Klein- und Kleinstunternehmen ver-
schaffen.
Dort fehlen häufig die Ressourcen,
ein komplettes Praktikum anzubieten. In diesen
Fällen können sich mehrere Unternehmen zu-
sammenschließen, um einen Praktikumsplatz
anzubieten. Eine Alternative sind Praxistage,
während der sich Unternehmen beispielsweise
in den Werkstätten einer überbetrieblichen Be-
rufsbildungsstätte präsentieren.
Besonders wertvoll sind Formate, die praxisna-
he Elemente und Unterricht miteinander verzah-
nen. Das Schulgesetz bietet dafür seit 2017 die
Möglichkeit, dass Schulen auf Grundlage ihrer
schuleigenen Konzepte zur beruflichen Orien-
tierung eigenverantwortlich Phasen des Praxis-
lernens in den schulischen Ablauf einbauen. So
kann in der Schule erworbenes Wissen systema-
tisch mit praktischen Anwendungen verknüpft
und schulischer Unterricht mit betrieblichen
Lernorten verzahnt werden. Schüler können so
im Rahmen ihrer praktischen Tätigkeiten fä-
cherübergreifende Aufgaben bearbeiten. Diese
Möglichkeiten gilt es flächendeckend zu nut-
zen und gute Beispiele weiterzuentwickeln und
weiterzutragen.
Konkrete praktische Erfah-
rungen sind ein Weg, um junge Menschen
für einen Beruf zu begeistern.
Daneben ist es
oftmals die Ansprache durch Gleichaltrige, die

 
| 39
Systematisierung und Strukturierung der Zu-
sammenarbeit von Schulen und regionaler
Wirtschaft
Zuständige Akteure: Arbeitgeberverbände, Bil-
dungsträger, Gewerkschaften, Kammern, Kom-
munen, Regionaldirektion Sachsen der Bundes-
agentur für Arbeit, Schulen, Staatsregierung,
Träger der freien Wohlfahrtspflege
Zur Berücksichtigung der Bedarfe der regionalen
Wirtschaft ist eine enge Kooperation zwischen
regionalen Betrieben und Schulen unerlässlich.
Die Arbeitskreise SCHULEWIRTSCHAFT bilden
bereits heute im Freistaat Sachsen überregio-
nale Strukturen für die Kooperation zwischen
Schulen und sächsischen Arbeitgebern. Diese
regionalen Netzwerke werden auch zukünftig
weiter gestärkt. Ergänzend hat die Staatsregie-
rung regionale Koordinierungsstellen zur Be-
rufs- und Studienorientierung eingerichtet, wel-
che die Zusammenarbeit zwischen Schulen und
weiteren Partnern unterstützen.
Die Arbeit der
regionalen Koordinierungsstellen muss lang-
fristig finanziell und personell abgesichert
werden.
Diese beiden Koordinierungsstrukturen
werden noch stärker miteinander verknüpft, um
Doppelstrukturen zu vermeiden und positive
Beispiele noch breiter zu kommunizieren.
Auf schulischer Seite sind neben den weiteren
(sozialpädagogischen) Fachkräften vor allem
die Lehrer selbst wichtiges Bindeglied zu den
Arbeitgebern in der Region. Nur wenn die Lehr-
kräfte an den Schulen in engem Austausch mit
den Unternehmen und Organisationen vor Ort
Start des Projekts:
Schuljahr 2014/2015
Regionaler Fokus:
Stadt Leipzig sowie Landkreise Nordsachsen und
Leipzig
Branchenfokus:
alle Branchen
Was soll erreicht werden?
Mit der Initiative „Unternehmen machen Schu-
le“ der IHK Leipzig sollen praktische Einblicke
stärker in den Unterricht integriert und die
Zusammenarbeit zwischen den Schulen und
Unternehmen der Region ausgebaut werden.
Darüber hinaus soll das Wissen der Schüler
über den betrieblichen Alltag und die Anfor-
derungen der Arbeitswelt erweitert werden.
Damit wird die Fähigkeit der Schüler, eine
bedarfs- und neigungsgerechte Berufsent-
scheidung zu treffen, verbessert.
Was wird getan?
Durch praktische Einblicke aus echten Unterneh-
men können Schüler Interesse für wirtschaftli-
che Zusammenhänge entwickeln und ein posi-
tives Bild zu unternehmerischer Selbständigkeit
erlangen. In Unterrichtsbesuchen berichten die
Unternehmen den Schülern von ihren Erfahrun-
gen und geben den Schülern konkrete Hinweise
für ihren weiteren beruflichen Weg. Zielgruppe
sind alle Schüler von der 7. bis zur 12. Klasse an
Oberschulen und Gymnasien im Raum Leipzig.
Welche Akteure sind beteiligt?
IHK Leipzig, Unternehmen und Schulen in der
Wirtschaftsregion Leipzig
Mehr Informationen unter:
www.leipzig.ihk.de/unternehmen/geschaefts-
felder/ausbildung-und-weiterbildung/unterneh-
men-machen-schule/
Blick in die Praxis
Initiative „Unternehmen machen Schule“ der IHK zu Leipzig
vor allem auch bestehende Einstellungen ge-
genüber bestimmten Berufsbildern aufbrechen
kann. In diesem Zusammenhang können junge
Auszubildende eine wichtige Rolle spielen. Sie
begegnen Schülern auf Augenhöhe und spre-
chen deren Sprache. Die Kammern haben dies
erkannt und setzen sogenannte Ausbildungs-
botschafter gezielt ein, die ihre Berufe in Schu-
len oder auf Ausbildungsmessen vorstellen.
Die Staatsregierung setzt sich gemeinsam mit
den Kammern sowie den sächsischen Arbeit-
gebern dafür ein, dieses Konzept auch in Sach-
sen in die Breite zu tragen. Jugend- und Aus-
zubildendenvertretungen könnten ebenfalls in
solche Formate eingebunden werden und die
berufliche Orientierung noch mit arbeitswelt-
bezogenen Themen ergänzen.

 
40 |
stehen, kann es gelingen, die Zusammenarbeit
zwischen Schulen und Arbeitgebern weiter zu
intensivieren.
Einblicke in die betriebliche Pra-
xis können den Schülerinnen und Schülern
ein ausgewogeneres Bild für die Berufswahl
vermitteln.
Aus diesem Grund wird die Staats-
regierung gemeinsam mit den Schulen, den
Kammern sowie den sächsischen Arbeitgebern
Möglichkeiten zur betrieblichen Praxiserfahrung
von Lehrerkräften prüfen. Ein Beispiel könnten
etwa „Lehrerbetriebspraktika“ sein.
Weiterführende Ansätze zur Intensivierung der
Zusammenarbeit und zur Information bietet die
Internetplattform
www.bildungsmarkt-sachsen.
de sowie die Instrumente „#Deine Entscheidung“
und „Berufetest“ (Wegweiser für zukünftige Bil-
dungswege der Jugendlichen und Werbung für
eine duale Berufsausbildung). Das Bildungspor-
tal des Freistaates Sachsen unterstützt Schü-
lerinnen und Schüler aller Schularten bei ihren
Entscheidungsfindungen. Dieses Angebot wird
erweitert, z.B. durch eine landesweite Prakti-
kumsbörse. Ein weiterer Ansatz ist der Aufbau
langfristiger Schulpartnerschaften vor Ort.
Ebenfalls fortgesetzt und ausgebaut werden soll
„SCHAU REIN! Woche der offenen Unterneh-
men Sachsen“
– die gemeinsame Initiative von
gegenwärtig ca. 1.300 Unternehmen mit über
20.000 Angeboten für sächsische Schüler soll
fest etabliert und regelmäßiger Bestandteil der
schulischen BO werden. Von solchen Angeboten
profitieren sowohl die Jugendlichen als auch die
Unternehmen.
Ziel 3: Die betriebliche Berufsausbildung ist ein attraktiver Karriereweg für alle jungen
Menschen in Sachsen
Die betriebliche Ausbildung hat eine Schlüssel-
rolle bei der Fachkräftesicherung im Freistaat
Sachsen. Dafür spricht nicht zuletzt der hohe
Anteil von Auszubildenden, die von ihren Ausbil-
dungsbetrieben übernommen werden. Dennoch
setzen Jugendliche und ihre Eltern vermehrt auf
akademische Abschlüsse. Um diesem Trend ent-
gegenzuwirken, wollen die Staatsregierung und
ihre Partner an zwei zentralen Punkten anset-
zen:
Erstens müssen
Voraussetzungen und Bedin-
gungen in der beruflichen Ausbildung wei-
ter verbessert und modernisiert werden
. Dies
bezieht sich u. a. auf Fragen der Vergütung, Ar-
beitszeiten oder Mobilität. Auch der Wandel hin
zu einer digitalen Arbeitswelt stellt neue Anfor-
derungen an Inhalte und Methoden der beruf-
lichen Ausbildung. Diesen Veränderungsprozess
gilt es auch mit den Gremien der beruflichen
Bildung (wie z. B. dem Landesausschuss für Be-
rufsbildung) gemeinsam zu gestalten und eng
abzustimmen. Zweitens müssen die
Chancen
und Möglichkeiten einer beruflichen Ausbil-
dung konsequenter einer breiten Öffentlich-
keit zugänglich gemacht werden
. Bundesweit
gibt es vielfältige Kampagnen der Kammern
und weiterer Akteure. Es gilt die flankierenden
Aktivitäten auf Landes- und regionaler Ebene
(regionale Ausbildungsmessen, Tage der offe-
nen Tür an Beruflichen Schulzenten, etc.) weiter
auszubauen und verstärkt öffentlichkeitswirk-
sam zu bewerben. Für die Fachkräftesicherung
werden insbesondere auch Studienabbrecher in
den Blick genommen, frühzeitig adressiert und
für eine Ausbildung als Alternative zum Studi-
um begeistert. Neben attraktiven Ausbildungs-
bedingungen spielt die Sicherung verlässlicher
Karriereperspektiven eine wichtige Rolle. Von
besonderer Bedeutung ist dabei die berufliche
Aufstiegsfortbildung, die mit ihrem eigenständi-
gen Profil und der geschaffenen Durchlässigkeit
eine auch im Niveau gleichwertige Alternative
zu einem Hochschulstudium darstellt.
Kleinste, kleine und mittlere Unternehmen
können über die duale Ausbildung langfris-
tig ihren Fachkräftebedarf sichern.
Gleich-
zeitig bilden diese im Vergleich zu Großbetrieben
weniger aus. Häufig fehlen ihnen die notwen-
digen Kapazitäten, um attraktive Ausbildungs-
bedingungen zu gewährleisten. Aus diesem
Grund werden wir die Rahmenbedingungen für
KMU weiter verbessern um deren Ausbildungs-
zahlen zu erhöhen.
Zur Erreichung des Ziels wird vereinbart
Verbesserung der Rahmenbedingun-
gen der beruflichen Ausbildung
Unterstützung sächsische Arbeit-
geber – vor allem KMU – bei der
Schaffung attraktiver und zukunfts-
fähiger Ausbildungsbedingungen
Stärkung der Rolle von Auszubil-
denden bei der Gestaltung ihrer
Ausbildungsbedingungen
Konsequente Darstellung der be-
trieblichen Ausbildung als attrakti-
ven und modernen Bildungsweg
Förderung individueller Zugänge in und
Unterstützung während der Ausbildung
Weiterentwicklung von modifizierten
Ausbildungsformen für Jugendliche
mit besonderen Herausforderungen
Ausbau der gezielten Ansprache von
Studienabbrechern für die Aufnah-
me einer beruflichen Ausbildung

 
| 41
Verbesserung der Rahmenbedingungen der
beruflichen Ausbildung
Zuständige Akteure: Kommunen, Jobcenter (gE/
zkT), Staatsregierung, WISO-Partner
Damit mehr junge Menschen dem Ausbildungs-
markt zur Verfügung stehen, ist das berufliche
Ausbildungsangebot auf einem quantitativ und
qualitativ hohen Niveau zu halten. Dafür muss
duale Ausbildung in der Fläche gesichert sein
und ein entsprechendes Angebot bei Betrieben
und Berufsschulen sowie ein ausreichendes In-
teresse der Jugendlichen bestehen. Angebot und
Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt müssen
noch besser in Einklang gebracht werden.
Die
Partner tragen dazu bei, die Zahl der einge-
gangenen Ausbildungsverträge zu erhöhen
und die Ausbildungsabbrüche zu senken.
Die
Partner müssen sowohl ausbildungssuchen-
de Jugendliche als auch Unternehmen, die ihre
angebotenen Ausbildungsplätze nicht oder mit
großen Schwierigkeiten besetzen können, noch
intensiver unterstützen. In diesem Kontext sind
zusätzliche Beratungs- und Unterstützungsins-
trumente zu prüfen und bedarfsgerecht fortzu-
führen oder neu einzusetzen, um Passungspro-
bleme auf dem Ausbildungsmarkt zu verringern.
Ein wesentlicher Faktor für die Attraktivität
eines Ausbildungsberufs ist neben der Qualität
der Ausbildung und den Zukunftsperspektiven
vor allem auch die damit verbundene Vergütung.
Nach aktuellen Zahlen des Bundesinstituts für
Berufsbildung (BIBB) steigt die Vergütung ge-
rade in Berufen mit einem Bewerbermangel
überdurchschnittlich an.
60
Staatsregierung und
WISO-Partner setzen sich für eine
angemesse-
ne und faire Vergütung der Ausbildung ein
.
Tarifverträge bilden dabei einen wichtigen Ori-
entierungsrahmen. Sie legen die Ausbildungs-
vergütung fest, bestimmen aber auch einige we-
sentliche Voraussetzungen am Arbeitsplatz und
steigern so die Attraktivität eines Ausbildungs-
platzes. Ausbildungsbetriebe werden deshalb
für die Vorzüge tarifvertraglicher Regelungen
sensibilisiert, wodurch auf eine möglichst flä-
chendeckende tarifliche Entlohnung von Auszu-
bildenden hingewirkt wird. Darüber hinaus wird
die Staatsregierung die von der Bundesregie-
rung geplante Einführung einer Mindestausbil-
dungsvergütung gerade in Branchen mit einem
sehr hohen Mangel an Auszubildenden aktiv
begleiten.
Höhere Ausbildungsvergütungen sind ein Weg,
um Auszubildende monetär besserzustellen und
die Attraktivität von verschiedenen Berufen zu
erhöhen. Wichtig ist es aber auch, die Kosten
der Ausbildung zu reduzieren. Dies gilt vor allem
dort, wo von Auszubildenden eine hohe Mobili-
tät gefordert wird. Gerade im ländlichen Raum
können die Fahrtkosten zwischen Wohnort,
Ausbildungsbetrieb und Berufsschule für Aus-
zubildende eine hohe finanzielle Belastung dar-
stellen. Hier wird zum 1. August 2019 das
neue
Azubiticket
ansetzen, das für den gesamten öf-
fentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Sach-
sen an jedem Tag zu jeder Uhrzeit gelten wird.
Analog zum Semesterticket für Studierende soll
damit auch Auszubildenden und Schülern ein
umfassendes Mobilitätsangebot gemacht wer-
den.
Für Berufsschüler in Sachsen gibt es bereits
heute schon finanzielle Unterstützungsmöglich-
keiten, wenn für den Besuch der Berufsschule
eine auswärtige Übernachtung notwendig ist.
So wurde zum Schuljahr 2018/2019 die finan-
zielle Unterstützung für erhöhte Aufwendungen
aus Unterkunft und Verpflegung von 8 auf 16
Euro erhöht. Eine fortlaufende Prüfung dieser
Kostenentwicklung ist notwendig. Vor dem Hin-
tergrund der angestrebten Attraktivitätssteige-
rung der dualen Berufsausbildung und der stetig
wachsenden Zahl an Studienqualifizierten und
Studienabbrechern wird angeregt, die Regelun-
gen der SächsSchulULeistVO auf Auszubildende
auszudehnen, die bereits einen studienqualifi-
zierten oder berufsqualifizierten Abschluss der
Sekundarstufe II erworben haben.
Darüber hinaus gilt es, die Berufsschulnetz-
planung weiterzuentwickeln, um auch zukünf-
tig die Sicherung der dualen Ausbildung in
der Fläche im Rahmen der schulgesetzlichen
Möglichkeiten zu gewährleisten. Hierzu zählen
schulorganisatorische und pädagogische Maß-
nahmen zum Erhalt und zur Stärkung kleiner
Berufsschulstandorte, um einen ausbildungs-
platz- und wohnortnahen Berufsschulunterricht
sicherzustellen. In diesem Kontext können auch
neue Formen von digitalen Lernmethoden zur
Anwendung gebracht werden.
Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Um-
stellung der vollzeitschulischen Ausbildungen
in den Gesundheits- und Pflegeberufen nach
den Prinzipien der dualen Berufsausbildung.
Weiterhin muss die Schulgeldpflicht abgeschafft
und gleichzeitig eine auskömmliche und ange-
messene Ausbildungsvergütung sichergestellt
werden.
Unterstützung sächsischer Arbeitgeber – vor
allem KMU – bei der Schaffung attraktiver
und zukunftsfähiger Ausbildungsbedingun-
gen
Zuständige Akteure: Arbeitgeberverbände, Kam-
mern, Staatsregierung

 
42 |
Angesichts der positiven Entwicklungen auf dem
Ausbildungsmarkt haben qualifizierte Bewerber
in den letzten Jahren deutlich bessere Chancen,
einen Ausbildungsplatz bei einem sächsischen
Arbeitgeber zu finden. Im Ergebnis können junge
Menschen häufiger zwischen mehreren freien
Stellen auswählen. Damit steigen auch die indi-
viduellen Anforderungen und Wünsche junger
Menschen an den für sie idealen Ausbildungs-
platz. Hinzu kommt, dass die Bereitschaft, auch
nach der Ausbildung im Betrieb zu verbleiben,
steigt, wenn Auszubildende mit der Qualität ihrer
Ausbildung zufrieden sind Wichtig ist es in die-
sem Zusammenhang, auch kleinste, kleine und
mittlere Unternehmen für die Notwendigkeit und
Vorzüge einer qualitativ hochwertigen Ausbil-
dung zu sensibilisieren. Das bezieht sich sowohl
auf die fachlich-inhaltlichen Aspekte wie auch
auf die Einbindung und den Umgang im Betrieb.
Vielen Kleinst- und Kleinunternehmen ist dies
bereits bewusst, es fehlen jedoch auch Exper-
tise und Kapazitäten, um diesen Anforderungen
gerecht werden zu können. Deshalb haben sich
seit Langem die überbetriebliche Lehrunter-
weisung und die Verbundausbildung bewährt.
Diese Ausbildungsverbünde sind Kooperationen
von Betrieben in unterschiedlichen Formen, die
zusammen die Ausbildung junger Menschen
gewährleisten. Damit können auch Kleinst- und
Kleinunternehmen für ihre Auszubildenden
attraktive Voraussetzungen schaffen. Die be-
triebliche Interessenvertretung in Form einer
Jugend- und Auszubildendenvertretung kann
dabei eine zentrale Rolle spielen. Staatsregie-
rung und Kammern setzen sich gemeinsam
mit den Gewerkschaften für eine
weitere Ver-
breitung von Ausbildungsverbünden ein und
werden diese auch stärker finanziell unter-
stützen
. Eine Schlüsselrolle für die Qualität der
Ausbildung haben die Ausbilder in den Betrie-
ben. Sie sind erste Ansprech- und Bezugsper-
sonen der Auszubildenden und müssen zum
einen mit ihren fachlichen Kenntnissen auf dem
aktuellsten Stand sein und zum anderen über
ein pädagogisches Grundverständnis verfügen.
Letzteres gewinnt vor allem aufgrund der zu-
nehmenden Heterogenität der Auszubildenden
an Relevanz. Die Partner setzen sich dafür ein,
dass Ausbilder, vor allem in kleinsten, kleineren
und mittleren Unternehmen, weiter qualifiziert
und gezielt unterstützt werden.
Vor dem Hintergrund des technologischen Fort-
schritts wird es zunehmend wichtiger, digitale
Trends in der dualen Ausbildung aufzugreifen
und zu integrieren. Ein didaktisch sinnvoller
Einsatz von neuen Medien in Ausbildungssi-
tuationen kann dabei eine Reihe von positiven
Effekten bewirken, wie bspw. Lerneffizienz und
Motivation von Auszubildenden steigern. Die
Partner setzen sich dafür ein, dass
neue Ansät-
ze zur effektiven Integration von neuen Me-
dien in die Ausbildungspraxis stärker genutzt
werden
(z. B. über Bildungsclouds). In diesem
Zusammenhang sollen Möglichkeiten geprüft
werden um eine intensivere gemeinsame Nut-
zung von Aus-, Qualifizierungs- und Fortbil-
dungsangeboten für Ausbilder und Lehrkräfte
zu schaffen, um zur Erhöhung der Ausbildungs-
qualität beizutragen.
Stärkung der Rolle von Auszubildenden bei der
Gestaltung ihrer Ausbildungsbedingungen
Zuständige Akteure: Gewerkschaften, Staatsre-
gierung
Die eigentlichen Experten für die Gestaltung
der Ausbildungsplätze sind die Auszubildenden
selbst. Sie können ihren Ausbildungsbetrieben
wichtige Hinweise geben, wenn es darum geht,
neue Auszubildende durch attraktive Rahmen-
bedingungen zu gewinnen. Dies kann in geeig-
neten Austauschformaten zwischen Betrieb und
Auszubildenden stattfinden, deren Entwicklung
und Verbreitung wir vorantreiben möchten. Ver-
bindlichere Beteiligung ist durch die betriebliche
Mitbestimmung gesetzlich geregelt. Gewerk-
schaften und Staatsregierung wollen daher die
Rolle der Jugend- und Auszubildendenver-
tretungen stärken
und Auszubildende über
Möglichkeiten der Mitgestaltung im eigenen
Betrieb informieren. Die Chance auf Mitbestim-
mung und Teilhabe im Unternehmen erhöht
deutlich die Übernahmewahrscheinlichkeit der
Auszubildenden und kann dazu beitragen, die
hohe Zahl von Ausbildungsabbrüchen zu sen-
ken.
Konsequente Darstellung der betrieblichen
Ausbildung als attraktiven und modernen
Bildungsweg
Zuständige Akteure: Kammern, Staatsregierung,
WISO-Partner
Die direkte Ansprache junger Menschen und
ihres Umfeldes (Eltern, Großeltern und Freun-
de) ist im Rahmen der beruflichen Orientierung
unerlässlich (vgl. Ziel 2). Kampagnen werden
die vielfältigen Karrieremöglichkeiten einer be-
ruflichen Ausbildung aufzeigen. Dazu sollen in
erster Linie digitale Medien genutzt werden.
Beispielsweise können auf den Seiten der Kam-
mern, der Staatsregierung oder der WISO-Part-
ner Portraits erfolgreicher beruflicher Karrieren
vorgestellt werden, die mit einer Ausbildung
starteten. Für die Zukunft gilt es, übergreifende
Kampagnen zur Ausbildung besser mit regiona-

 
| 43
len Ansätzen zu verknüpfen. In Zusammenarbeit
mit den regionalen Fachkräfteallianzen soll die
Verbindung des Standortmarketings mit den
Ausbildungs- und Arbeitsmarktchancen einer
Region noch stärker herausgestellt werden.
Allen Jugendlichen und Eltern wird die
Gleichwertigkeit von beruflicher und aka-
demischer Bildung vermittelt.
Dafür sind
entsprechende Signale an alle Jugendlichen
und ihre Eltern wichtig, um dem verbreiteten
Eindruck entgegenzuwirken, nur mit bestimm-
ten Schul- und Hochschulabschlüssen sei ein
erfolgreicher Einstieg in das Erwerbsleben mög-
lich. So ist beispielsweise der Titel eines Meisters
im Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) auf
der gleichen Stufe verortet wie der akademische
Abschluss Bachelor. Diese Chancen der berufli-
chen Bildung sind vielen Menschen inner- und
außerhalb Sachsens nur in unzureichendem
Maße bekannt. Die Staatsregierung wird daher
mit den Bildungsinstitutionen und den Kam-
mern verstärkt auf die Gleichwertigkeit der
Bildungsabschlüsse sowie die Durchlässigkeit
des sächsischen Bildungssystems aufmerksam
machen.
Zu einer attraktiven und modernen Gestaltung
des beruflichen Bildungssystems gehört es, dass
junge Menschen mit abgeschlossener Berufs-
ausbildung auch ohne Abitur die Chance bekom-
men, ein Studium aufzunehmen. Aus diesem
Grund prüft die Staatsregierung gemeinsam mit
den Bildungsinstitutionen, welche Ansätze die
Durchlässigkeit zwischen den verschiedenen Bil-
dungssystemen noch weiter erhöhen und wel-
che Anreize gesetzt werden können, damit diese
Möglichkeiten noch stärker genutzt werden.
Dies betrifft auch die verbesserte Anerkennung
von außerhalb der Hochschulen erworbenen
gleichwertigen Kenntnissen und Qualifikationen,
um die Studienzeiten für Personen mit berufli-
chen Qualifikationen zu verkürzen. Die Staats-
regierung prüft die gezielte Förderung von be-
rufsbegleitenden Studiengängen einschließlich
berufsintegrierter Studiengängen mit Ausrich-
tung auf Personen mit beruflicher Qualifikation.
In diesem Zusammenhang sollen vor allem die
Entwicklung, Umsetzung und Implementierung
pauschaler Anerkennungsvereinbarungen zwi-
schen Hochschulen und Bildungsträgern der
beruflichen Bildung gefördert werden.
Förderung individueller Zugänge in und Un-
terstützung während der Ausbildung
Zuständige Akteure: Bildungsträger, Jobcenter
(gE/zkT), Kammern, Kommunen, Regionaldirek-
tion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit,
Staatsregierung, Träger der freien Wohlfahrt
Mit den sächsischen Landesprogrammen und
den ausbildungsbegleitenden Hilfen der Bun-
desagentur für Arbeit bzw. der Jobcenter steht
ein
breites Unterstützungsangebot zur Siche-
rung der Qualität der Ausbildung
und zur Sen-
kung der Ausbildungsabbrüche zur Verfügung.
Dieses Angebot muss verstetigt werden und
sollte auch auf die sozialpädagogische Betreu-
ung in Bildungsgängen des Übergangsbereichs
sowie in der Anfangsphase der Ausbildung er-
weitert werden. Dies kann dazu beitragen, die
Hemmschwelle von Betrieben zu senken, Ju-
gendliche mit spezifischeren Unterstützungsbe-
darfen auszubilden.
Für Jugendliche mit multiplen Problemlagen,
die (zeitweise) nicht von den bestehenden Un-
terstützungsangeboten erreicht werden, fehlt es
bisher noch an entsprechenden Ansätzen. Diese
Jugendlichen müssen zunächst erst wieder an
das Bildungs- oder Ausbildungssystem heran-
geführt werden. Dafür sind niedrigschwellige
Angebote aufsuchender Jugendsozialarbeit ein
erfolgversprechender Ansatz. Die im Rahmen
des Bundesprogrammes „RESPEKT“ erprobten
neuen Formen für Jugendliche an der Schnitt-
stelle von Grundsicherung und Jugendhilfe
können nun auch im Rahmen der Förderung
über das § 16h SGB II in Anspruch genommen
werden.
Weiterentwicklung von modifizierten Aus-
bildungsformen für Jugendliche mit beson-
deren Herausforderungen
Zuständige Akteure: Bildungsträger, Kammern,
Staatsregierung
Die Nachfrage nach Auszubildenden wächst
stetig. Entsprechend ist es das Ziel,
allen jun-
gen Menschen die Chance auf eine betriebli-
che Ausbildung zu eröffnen
. Nicht alle jungen
Menschen bringen die notwendigen Vorausset-
zungen mit, um eine betriebliche Ausbildung aus
eigener Kraft erfolgreich abzuschließen. Im Frei-
staat Sachsen existieren bereits eine Reihe guter
Ansätze, um den Zugang von Jugendlichen mit
spezifischen Unterstützungsbedarfen in eine
betriebliche Ausbildung zu verbessern sowie
während der Ausbildung zu begleiten. Dazu zäh-
len einerseits die regelhaften Angebote für aus-
bildungsbegleitende Hilfen und das Instrument
der assistierten Ausbildung der Agenturen für
Arbeit bzw. der Jobcenter. Andererseits gibt es
bereits spezifische Projekte im Freistaat Sachsen
wie das ESF-geförderte Programm „Vorrang für
duale Ausbildung“. Die Projekte unterstützen zu-
nächst die Vermittlung Jugendlicher in einen für
sie passenden Ausbildungsbetrieb. Außerdem
werden die jungen Menschen und Arbeitgeber

image
 
44 |
auch während der Ausbildung betreut, um vor-
zeitige Abbrüche zu vermeiden. Dabei sollten
die Instrumente der berufsvorbereitenden Bil-
dungsmaßnahmen, ausbildungsbegleitenden
Hilfe sowie assistierten Ausbildung zu einem
flexiblen, bedarfsgerechten Förderinstrument
weiterentwickelt werden.
Überdies wollen die Staatsregierung und die
Kammern den Einsatz von passgenauen Aus-
bildungsformen für die betriebliche Ausbildung
prüfen, welche es jungen Menschen mit beson-
deren Herausforderungen erlauben, schrittweise
Kompetenzen aufzubauen und nachzuweisen.
Dazu sollen Möglichkeiten geschaffen werden,
die eine praxisnahe Ausbildung für Jugendliche,
die am Ausbildungsmarkt keinen Ausbildungs-
platz finden, besonders zu fördern. Die Partner
wollen die Voraussetzungen weiter verbessern,
damit am Ausbildungsmarkt unterrepräsentierte
Jugendliche leichter eine Ausbildung beginnen
und erfolgreich zu Ende führen können.
Ausbau der gezielten Ansprache von Studi-
enabbrechern für die Aufnahme einer beruf-
lichen Ausbildung
Zuständige Akteure: Hochschulen, Jobcenter
(gE/zkT), Kammern, Regionaldirektion der Bun-
desagentur für Arbeit, Staatsregierung
Eine berufliche Ausbildung ist für Menschen,
die ihr Studium abbrechen, eine neue berufliche
Perspektive. An den sächsischen Hochschulen
sollen zukünftig
flächendeckend Anlaufstellen
für potenzielle Studienabbrecher
eingerichtet
werden, die frühzeitig alternative Bildungswe-
ge aufzeigen. So kann verhindert werden, dass
Studierende, die ihre Motivation verloren haben
oder am Erfolg ihres Studiums zweifeln, ihr Stu-
dium aufgrund mangelnder Alternativen weiter
fortsetzen. Hochschulen sollten mit regiona-
len Arbeitgebern ein entsprechendes Netzwerk
aufbauen. Auf diese Weise können Studienab-
brecher im Idealfall direkt in eine Ausbildung
bei einem Arbeitgeber in der Region vermittelt
werden. Die Staatsregierung, die Regionaldi-
rektion der Bundesagentur für Arbeit sowie die
Kammern und sächsischen Hochschulen haben
vor diesem Hintergrund das Projekt „Quickstart
Sachsen“ gestartet (siehe Praxisbeispiel). Nach
einer Pilotphase soll geprüft werden, inwieweit
das Projekt verstetigt und weiter ausgeweitet
werden kann. Bereits gute Erfolge und Erfah-
rungen konnten im Rahmen des Projektes „Plan
B(eruf) – Berufliche Perspektiven nach dem Stu-
dienabbruch“ der Kooperationsstelle Wissen-
schaft und Arbeitswelt gesammelt werden.
Start des Projekts:
September 2018
Regionaler Fokus:
landesweit
Branchenfokus:
alle Branchen
Was soll erreicht werden?
Mit dem Projekt „Quickstart Sachsen“ soll die
gezielte und frühzeitige Ansprache von Studi-
enzweiflern und potenziellen Studienabbrechern
gefördert werden und die Chancen einer beruf-
lichen Ausbildung als alternativer Karriereweg
aufgezeigt werden.
Was wird getan?
An neun sächsischen Hochschulen gibt es feste
Ansprechpartner, die die Beratungseinrich-
tungen vernetzen und Best-Practices an ihren
Hochschulen identifizieren und teilen. Sie be-
raten individuell zu Alternativen und möglichen
Strategien für den weiteren Bildungs- und Be-
rufsweg. Dabei kooperieren die Beratungsfach-
kräfte eng mit den Berufsberatern der Agentu-
ren für Arbeit (Team für Akademiker). Außerdem
bauen die Beratungsfachkräfte Netzwerke auf
und aus und informieren über ihre Projekte an
den Hochschulen und bei lokalen Arbeitgebern.
Studierende, die an der Fortführung ihres Stu-
diums zweifeln oder sich schon für den Studi-
enabbruch entschieden haben, erhalten so die
Möglichkeit, sich beruflich neu zu orientieren
und einen ihren Potenzialen und Talenten ent-
sprechenden Karriereweg zu wählen. Eine Web-
site vermittelt darüber hinaus gebündelt Infor-
mationen für Studienzweifler, Studienabbrecher
und auch Unternehmen. Denn durch Quickstart
Sachsen sollen auch sächsische Arbeitgeber für
die Zielgruppe der Studienabbrecher sensibili-
siert werden.
Welche Akteure sind beteiligt?
Handwerkskammern, (neun) Hochschulen im
Freistaat Sachsen, Industrie- und Handelskam-
mern, Kammern für freie Berufe, Regionaldi-
rektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit,
Staatsregierung
Mehr Informationen unter Quickstart Sachsen.
www.studienabbruch-und-weiter.de
Projekt „Quickstart Sachsen“ - Berufliche Ausbildung nach dem Studienabbruch
Blick in die Praxis

 
| 45
3.2 Talente gewinnen – Fachkräfte gezielt rekrutieren
Der Erfolg der sächsischen Wirtschaft, ihre In-
novationsfähigkeit und Wachstumsdynamik
hängen maßgeblich davon ab, wie gut es ge-
lingt, junge Menschen nach Abschluss ihrer
beruflichen und (hoch)-schulischen Ausbildung
im Land zu halten sowie Fachkräfte aus anderen
Bundesländern und dem Ausland für den Frei-
staat Sachsen zu gewinnen.
Neben fachlichen Gründen oder persönlichen
Bindungen spielt die Attraktivität des Standor-
tes eine wesentliche Rolle bei der Wahl eines
Lebensortes. Sachsen hat viel zu bieten: Eine
wohnortnahe, breit aufgestellte Betreuungs-
und schulische Infrastruktur, kostengünstigen
Wohnraum, ein breites Kultur- und Freizeitan-
gebot und vieles mehr machen Sachsen für
Menschen in verschiedenen Lebenslagen zu
einem attraktiven Standort. In der Gemein-
samen Erklärung „Personalmanagement und
-entwicklung bei sächsischen Arbeitgebern“
verständigten sich Mitglieder der Fachkräfteal-
lianz Sachsen auf Kernziele und Maßnahmen,
um die Arbeitsrahmenbedingungen im Freistaat
Sachsen weiter zu verbessern und die Arbeitge-
berattraktivität zu stärken.
61
Hier gilt es anzu-
knüpfen und das
Thema Standortattraktivität
konsequent weiterzuentwickeln
(siehe Ziel 4).
Standortattraktivität ist aber nicht allein Thema
einer Fachkräftestrategie. Insbesondere die Ak-
teure vor Ort sind gefragt, wenn es darum geht,
die Lebensqualität in Sachsen kontinuierlich
weiter zu entwickeln und den bedarfsgerechten
Ausbau der öffentlichen Daseinsvorsorge (z. B.
Wohnraum, soziale Infrastruktur, Verkehrsinfra-
struktur, IT-Anbindung, Bildungs- und Kulturan-
gebote, u. v. m.) fortzuführen.
Den verschiedenen Gruppen von (Nachwuchs-)
Fachkräften müssen Beschäftigungsperspekti-
ven im Freistaat gezielter als bisher aufgezeigt
werden. Hier ist es Aufgabe der Arbeitgeber
neue Wege bei der Rekrutierung zu beschreiten
und sich selbst – auch über die eigene Region
hinaus – als attraktive Arbeitgeber zu präsentie-
ren („employer branding“). Insbesondere kleine
und mittlere Unternehmen müssen hierbei un-
terstützt werden, da sie oft nur über sehr be-
grenzte Ressourcen verfügen, um ihr Recruiting
an die veränderten Bedingungen am Arbeits-
markt anzupassen.
Der Zuzug internationaler Fachkräfte vergrößert
nicht nur den sächsischen Fachkräftepool. Er
erhöht auch die Innovationsfähigkeit der säch-
sischen Wirtschaft.
Fach- und Führungskräf-
te mit Migrationshintergrund bieten einen
hervorragenden Ansatz zur Internationali-
sierung der sächsischen Wirtschaft
und er-
leichtern die außenwirtschaftlichen Aktivitäten
der Unternehmen. Noch wird dieses Potenzial
von sächsischen Arbeitgebern nur zögerlich
genutzt. Daher müssen bestehende Hürden der
qualifizierten Zuwanderung – soweit dies im
Handlungsspielraum des Freistaats liegt – wei-
ter abgebaut werden. Die Staatsregierung hat
bereits ein umfassendes Zuwanderungs- und
Integrationskonzept (ZIK II) erarbeitet. Dort
werden die Partner im Kontext der Fachkräfte-
sicherung ansetzen und den Prozess der Einstel-
lung internationaler Fachkräfte sowohl für die
Unternehmen als auch für die internationalen
Fachkräfte so einfach und effizient wie möglich
gestalten.
Ziel 4: Arbeitgeber erreichen (Nachwuchs-)Fachkräfte innerhalb und außerhalb Sachsens
mit ihren Angeboten am attraktiven Arbeits- und Lebensort Sachsen.
Der Arbeitsmarkt im Freistaat Sachsen – wie
auch der anderen Bundesländer –
entwickelt
sich immer mehr zu einem Bewerbermarkt
.
Konnten Arbeitgeber lange Zeit zwischen einer
Vielzahl an Kandidaten für ihre freien Stellen
auswählen, sind es nun die (Nachwuchs-)Fach-
kräfte, denen zahlreiche Optionen offenstehen.
Darauf müssen sich die Arbeitgeber einstellen
und aktiv um Fachkräfte werben. Erforderlich ist
hierfür nicht nur ein
Kulturwandel bei den Ar-
beitgebern
, sondern auch ein Wissenszuwachs
hinsichtlich moderner, zielgruppenspezifischer
Rekrutierungswege und -instrumente. Der Aus-
bau des mehrsprachigen Portals „Heimat für
Fachkräfte“ bietet dafür einen wichtigen An-
knüpfungspunkt.
Damit der Freistaat Sachsen von zukünftigen
Fachkräften als attraktiver Ort zum Leben und
Arbeiten wahrgenommen wird, müssen seine
Stärken weiter bekannt gemacht werden – auch
über die Landesgrenzen hinaus. Ziel ist es, dass
(Nachwuchs-)Fachkräfte innerhalb und außer-
halb des Freistaats erkennen, welche Chancen
und Möglichkeiten ihnen Sachsen bietet, be-
ruflich und privat. Hierzu werden die Staatsre-
gierung und ihre Partner die Kommunikations-
aktivitäten ausbauen, miteinander abstimmen
und verstärken. Gleichzeitig ist dies ein Quer-
schnittsthema, dem sich eine Vielzahl von Ak-
teuren aus den Bereichen Infrastruktur, Kultur,
Wirtschaftsförderung, Bildung und Tourismus
auf Landes- und regionaler Ebene annehmen
müssen. Um diesen Prozess zu unterstützen, ist

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46 |
die Schaffung von regionalen Beratungsstellen
(Welcome Center) zur Unterstützung der ange-
worbenen Fachkräfte auf der Ebene der Land-
kreise und kreisfreien Städte in enger Koopera-
tion mit den regionalen Fachkräfteallianzen ein
möglicher Weg.
Wie Sachsen als Standort für Fachkräfte wahr-
genommen wird, steht in einem engen Zusam-
menhang mit einer Offenheit für Vielfalt. Im
Zuge eines verschärften Wettbewerbs um Fach-
kräfte sind eine gelebte Willkommenskultur und
konkrete Integrationsmaßnahmen im Freistaat
Sachsen sowie eine positive gesellschaftliche
Grundhaltung gegenüber Vielfalt Vorausset-
zung dafür, Talente zu gewinnen und langfristig
zu halten. Dabei meint Vielfalt mehr als allein
interkulturelle Aspekte. Auch Verschiedenheit
bei Alter, Geschlecht, Behinderung, Religion,
Weltanschauung, sexueller Identität und Orien-
tierung werden im Freistaat Sachsen in ihrer
Breite wertgeschätzt.
Im Sinne der Fachkräf-
tesicherung für den Freistaat Sachsen wird
Vielfalt sowohl als gesellschaftliche als auch
wirtschaftliche Stärke begriffen.
Vielfältige
Belegschaften bieten Arbeitgebern wirtschaft-
liche Vorteile, indem sie die Kreativität heben,
dabei helfen, innovative Lösungswege zu finden
und neue Zielgruppen oder Märkte zu erschlie-
ßen. Um diese Chancen für den sächsischen
Arbeitsmarkt zu nutzen, ist es notwendig, dass
Verwaltung und Unternehmen, Geschäftsfüh-
rungen wie Belegschaften sowie die Gesell-
schaft ein stärkenorientiertes Verständnis von
Vielfalt entwickeln.
Die Hauptverantwortung für die Anwerbung
und Rekrutierung von Fachkräften liegt bei
Sachsens Arbeitgebern.
Gerade für viele kleine
und mittlere Unternehmen stellt der verschärfte
Wettbewerb um Fachkräfte aber eine große He-
rausforderung dar. Daher möchten die Staatsre-
gierung und ihre Partner besonders diese für die
sächsische Wirtschaft so wichtigen Arbeitgeber
unterstützen, (potenzielle) Fachkräfte innerhalb
und außerhalb Sachsens zu erreichen und sich
als attraktive Arbeitgeber zu präsentieren.
Zur Erreichung des Ziels wird vereinbart
Ausbau der (internationalen) Öffentlich-
keitsarbeit und des Standortmarketings
Ausbau von Sensibilisierungs- und Bera-
tungsangeboten für die Etablierung eines
Diversity Managements bei sächsischen Ar-
beitgebern
Beratung von kleinen und mittleren Unter-
nehmen zur Etablierung moderner und
zielgruppenorientierter Rekrutierungswege
Vernetzung und Zusammenarbeit von Ar-
beitgebern und Hochschu-
len/der Berufsakademie
Gezielte Anwerbung von Pendlern
und weggezogenen Sachsen
Ausbau der (internationalen) Öffentlich-
keitsarbeit und des Standortmarketings
Zuständige Akteure: Kommunen, regionale
Fachkräfteallianzen, regionale Wirtschaftsför-
derung, Staatsregierung, WISO-Partner
Gezielte Öffentlichkeitsarbeit erhöht die Sicht-
barkeit des Freistaates Sachsen und seiner Re-
gionen als attraktiven Standort zum Leben und
Arbeiten. Dafür setzt sich der Freistaat Sachsen
verstärkt auf (Außen-)Wirtschaftsmessen sowie
mit dem
Ausbau des zentralen Fachkräf-
teportals „Heimat für Fachkräfte“ ein
. Das
Portal ist zentrale Anlaufstelle für Informati-
onen, Projekte, Programme, regionale Portale
und Netzwerke. Es informiert Arbeitnehmer und
Arbeitsuchende inner- und außerhalb Sachsens
bei der Jobentscheidung und ist eine Plattform
für sächsische Unternehmen, die Fachkräfte
suchen. Ziel des Portals ist es, ein kohärentes
Bild des Standortes zu zeigen und Fachkräften
innerhalb und außerhalb Sachsens einen zentra-
len Zugang zu regionalen Angeboten zu bieten.
Auf regionaler Ebene sind die regionalen Fach-
kräfteallianzen bereits in der Öffentlichkeits-
arbeit aktiv (siehe Praxisbeispiel Erzgebirge).
Insgesamt müssen alle lokalen Akteure, von Be-
hörden über Unternehmen hin zu Vereinen und
Initiativen der Zivilgesellschaft ein Bewusstsein
dafür entwickeln, die Attraktivität ihrer Region
mitzugestalten und nach außen zu kommuni-
zieren. So können zum Beispiel Kommunen da-
rauf hinwirken, dass sich lokale Netzwerke für
attraktive Regionen und Städte bilden bzw. an
der weiteren Verbreiterung bestehender Initiati-
ven arbeiten.
46 |

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| 47
Eine zentrale Koordination und Abstimmung der
verschiedenen Ebenen und Initiativen verspricht
weiterführende Synergieeffekte und gegenseiti-
ge Lerneffekte. Das Fachkräfteportal wird dabei
eng verzahnt werden mit den anderen Stand-
ortkampagnen des Freistaates wie „So geht
sächsisch“, „Pack Dein Studium – Am besten in
Sachsen“ oder der Außenwirtschafts- und Tou-
rismuswerbung.
Die Fachkräfteallianz Sachsen kann auf Lan-
desebene strategisch die Richtung der Öf-
fentlichkeitsarbeit vorgeben, eine tatsächliche
Koordinierung ist für dieses Gremium jedoch
nicht leistbar. Dies gilt vor allem auch im Zu-
sammenspiel zwischen Landes- und regionaler
Ebene sowie den einzelnen regionalen Fachkräf-
teallianzen. Eine zentrale Koordinierungs- bzw.
Anlaufstelle, welche die vielfältigen Aktivitäten
zur Gewinnung (und zum Halten) von Fach-
kräften auf den unterschiedlichen Ebenen bün-
delt, kann Synergien zwischen den einzelnen
Akteuren schaffen und die Wirksamkeit dieser
Maßnahmen insgesamt verbessern. Diese stär-
kere Vernetzung sowie Flankierung dieser Akti-
vitäten auf Landesebene, kombiniert mit einer
stringenten Ausrichtung auf die tatsächlichen
Bedarfe, kann die Wirksamkeit einzelner Maß-
nahmen deutlich erhöhen. Um die Umsetzung
der Ziele und Maßnahmen der Fachkräftestra-
tegie sowie die kontinuierliche Kommunikation
und Koordination langfristig zu sichern, werden
die Mitglieder der Fachkräfteallianz unter Feder-
führung des SMWA aufgefordert zu prüfen, wie
eine dauerhaft geeignete Bündelung der vor-
handenen Kompetenzen in einer Plattform oder
Einrichtung umzusetzen wäre. Diese könnte
den Partnern, weiteren möglichen Projekt- und
Maßnahmenträgern, den Unternehmen sowie
allen Interessierten als zentrale Anlaufstelle
und Ansprechpartner dienen und gleichzeitig
für eine deutlich stärkere öffentlichkeitswirksa-
me Präsenz aller Themen und Maßnahmen zur
Fachkräftesicherung beitragen. Darüber hinaus
können damit die Vielzahl an positiven Beispie-
len und Ideen deutlich wirksamer in die Breite
der Unternehmen wie auch der Beschäftigten
getragen werden.
Start des Projekts:
2000
Regionaler Fokus:
Erzgebirge
Branchenfokus:
alle Branchen
Was soll erreicht werden?
Das Regionalmanagement Erzgebirge wirbt mit
dem Motto „Erzgebirge. Gedacht. Gemacht.“ für
den eigenen Standort, um ihn als lebenswerte
Region und attraktiven Wirtschaftsstandort
überregional bekannter zu machen. Hierdurch
soll die Vernetzung des Wirtschaftsstandortes
vorangetrieben und die Sicherung des Fachkräf-
tebedarfs der regionalen Wirtschaft durch den
Zuzug neuer Fachkräfte sichergestellt werden.
Was wird getan?
Der Webauftritt
www.erzgebirge-gedacht
gemacht.de informiert über das Leben in der
Region, gibt Hinweise zu Bildung, Wohnen oder
Hausbau sowie kulturellen Veranstaltungen.
Ergänzt wird dies erstens durch ein Fachkräf-
teportal Erzgebirge, das offene Stellen regionaler
Firmen präsentiert. Etwa 33.000 Nutzer klicken
sich monatlich durch die Jobbörse.
Zweitens bildet das Welcome Center Erzgebirge
eine Anlaufstelle mit Lotsenfunktion, bei der
Unternehmen sowie in- und ausländische Fach-
kräfte direkte und persönliche Unterstützung
finden, wenn sie Fachkräfte anwerben und ein-
stellen beziehungsweise eine Beschäftigung im
Erzgebirgskreis aufnehmen wollen.
Welche Akteure sind beteiligt?
Landkreis Erzgebirge, Kommunen, Industrie- und
Handelskammer Chemnitz/Regionalkammer
Erzgebirge, Kreishandwerkerschaft Erzgebirge,
Bundesagentur für Arbeit, Fachkräfteallianz
Erzgebirge, Regionaler Planungsverband Chem-
nitz-Erzgebirge, Tourismusverband Erzgebirge
e.V., LEADER-Regionen, Landesdirektion Sach-
sen, Kulturraum Erzgebirge-Mittelsachsen,
Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft,
Arbeit und Verkehr, Sächsisches Staatsministe-
rium des Innern.
Mehr Informationen unter „Erzgebirge. Gedacht.
Gemacht.“
www.erzgebirge-gedachtgemacht.
de/erzgebirge/wirtschaft/
Blick in die Praxis
„Erzgebirge. Gedacht. Gemacht.“: Ansprache von Fachkräften durch
Standortmarketing

 
48 |
Ausbau von Sensibilisierungs- und Bera-
tungsangeboten für die Etablierung eines
Diversity Managements bei sächsischen Ar-
beitgebern
Zuständige Akteure: Kammern, regionale Wirt-
schaftsförderung in Zusammenarbeit mit Bil-
dungsträgern, Staatsregierung, WISO-Partner
Die Entwicklung einer breiten Kultur der Offen-
heit erfordert von Arbeitgebern die Einrichtung
eines „Diversity Managements“
65
in ihrem Be-
trieb bzw. ihrer Organisation. Dies trägt dazu bei,
Unterschiede zu verstehen, Konflikte in der Zu-
sammenarbeit zu vermeiden und Vorteile einer
vielfältigen Belegschaft zu heben. Für Unterneh-
men und Verwaltung sollen daher
Beratungs-
und Qualifizierungsangebote zur Sensibili-
sierung und zum Umgang mit Vielfalt von
Lebensentwürfen ausgebaut werden
.
62
Diese
richten sich gleichermaßen an die Leitungen von
Unternehmen wie Behörden sowie an ihre Be-
legschaften.
Positivkampagnen des Landes und der Regio-
nen sollen weiterhin dazu beitragen, Vorbehalte
gegenüber ausländischen Mitbürgern abzubau-
en. Auf den Internetseiten der Behörden ist ein
mehrsprachiges Angebot zu den Themen Ar-
beitsmarkt, Wohnen, Familie und Freizeitange-
bote wichtig, um das Ankommen zu erleichtern.
Außerdem sollen Behörden und Verwaltung
eine Vorreiterrolle bei der Beschäftigung von
Menschen mit Migrationshintergrund einneh-
men. Gerade eine vielfältige Belegschaft in den
Verwaltungen ist das beste Beispiel dafür, dass
Vielfalt und Migration in Sachsen zur Normalität
gehören.
Beratung von kleinen und mittleren Unter-
nehmen zur Etablierung moderner und ziel-
gruppenorientierter Rekrutierungswege
Zuständige Akteure: Regionaldirektion Sachsen
der Bundesagentur für Arbeit, regionale Fach-
kräfteallianzen und Wirtschaftsförderung,
Staatsregierung, WISO-Partner
Damit kleine und mittlere Unternehmen im
Wettbewerb um Fachkräfte konkurrenzfähig
bleiben, soll das Informations- und Beratungs-
angebot für kleine und mittlere Unternehmen
über zielgruppenspezifische Rekrutierungsmög-
lichkeiten und -wege ausgebaut werden. Gerade
bei der Rekrutierung ausländischer Fachkräfte
sollen die Angebote der Zentralen Auslands-
und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur
für Arbeit stärker einbezogen bzw. den sächsi-
schen Unternehmen noch stärker bekannt ge-
macht werden.
Bei allen Informations- und Beratungsange-
boten soll es um die Sensibilisierung von Un-
ternehmen für unterschiedliche und eventuell
bislang unbeachtete Zielgruppen (zum Beispiel
Studienabbrecher, internationale Fachkräfte)
gehen. Auch muss das Rekrutierungsportfolio
von kleinen und mittleren Unternehmen ge-
stärkt werden, zum Beispiel durch die Nutzung
von Portalen zur Online-Rekrutierung, des Un-
ternehmensauftritts im Internet oder die Suche
über Social-Media-Kanäle. Flankierend erfolgt
eine landesweite und regionale Öffentlichkeits-
arbeit. In diesem Zusammenhang soll geprüft
werden, wie sächsische KMU bei der Nutzung
von innovativen zielgruppenorientierten Rekru-
tierungswegen noch besser unterstützt werden
können.
Stärkung der Vernetzung und Zusammenar-
beit von Arbeitgebern und Hochschulen/ der
Berufsakademie
Zuständige Akteure: Arbeitgeberverbände, Be-
rufsakademie, Gewerkschaften, Hochschulen,
Staatsregierung
Um Absolventen der sächsischen Hochschulen
im Freistaat Sachsen zu halten, ist eine früh-
zeitige Kontaktaufnahme durch Arbeitgeber
besonders wichtig. Dies gilt insbesondere für
internationale Studierende, denen der sächsi-
sche Arbeitsmarkt und seine Chancen und Kar-
riereperspektiven oft nicht ausreichend bekannt
sind.
Für einen besseren Zugang zu den Studierenden
an sächsischen Hochschulen werden die
Koope-
rationen zwischen regionalen Arbeitgebern,
Gewerkschaften und Hochschulen weiter
ausgebaut
. Einen wichtigen Anknüpfungspunkt
für die Vernetzung bieten die Career Services an
den Hochschulen; hierauf aufbauend können
hochschuleigene Jobportale den Studierenden
Perspektiven auf dem sächsischen Arbeitsmarkt
näherbringen. Weitere Maßnahmen zum Kon-
taktaufbau mit regionalen Arbeitgebern sind
die Firmenkontaktmessen und Unternehmens-
besichtigungen sowie Praktika und verbindliche
Praxistage. Darüber hinaus fördern die Einbin-
dung regionaler Unternehmen bei der Erstellung
von Abschlussarbeiten und praxisorientierte
Lehrstuhl- und Forschungskooperationen mit
der regionalen Wirtschaft den Übergang Studie-
render in den sächsischen Arbeitsmarkt. Durch
die Umsetzung dieser Maßnahmen wollen die
Partner erreichen,
das zwei Drittel aller Studie-
renden eines Jahrgangs der Hochschulen und
der Berufsakademie Sachsen sich für einen
Berufseinstieg in Sachsen entscheiden
.

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| 49
Besonders bei internationalen Studierenden ist
eine gezielte Ansprache notwendig, da ihnen
der sächsische Arbeitsmarkt und seine Chancen
und Karriereperspektiven oft nicht ausreichend
bekannt sind (siehe Praxisbeispiel). Ein erster
Ansatz, der diesen Bedarf aufgreift, ist das neue
sachsenweite Programm „Step in“ im Rahmen
der Landesfachkräfteförderung. Das Programm
fördert unterschiedliche Projekte, die den Über-
gang von Hochschulabsolventen in den Arbeits-
markt unterstützen – mit einem Schwerpunkt
auf dem besonderen Bedarf internationaler
Hochschulabsolventen. Durch die Umsetzung
der verschiedenen Maßnahmen soll es gelingen,
mittelfristig
50 Prozent der internationalen
Hochschulabsolventen nach dem Studium in
Sachsen zu halten und in den Arbeitsmarkt
zu integrieren
. Gleichzeitig sind der Freistaat
Sachsen und alle beteiligten Partner bestrebt
den Anteil ausländischer Studierender weiter zu
erhöhen.
Anwerbung von Pendlern und weggezogenen
Sachsen
Zuständige Akteure: Kommunen, Regionaldi-
rektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit,
regionale Fachkräfteallianzen, regionale Wirt-
schaftsförderung, Staatsregierung, WISO-Part-
ner
Weggezogene Sachsen und Berufspendler
könnten meist sofort eine Beschäftigung bei
einem sächsischen Arbeitgeber aufnehmen. Hier
müssen die
gezielte Ansprache und das pass-
genaue Matching zwischen Fachkräften und
Arbeitgeber im Mittelpunkt stehen
. Beste-
hende Aktivitäten wie Rückkehrbörsen, Stamm-
tische oder Pendleraktionstage werden künftig
stärker vernetzt, um erfolgreiche Initiativen in
die Breite tragen zu können.
Gefragt sind bei der Anwerbung vor allem die
Arbeitgeber selbst. Durch entsprechende An-
reizstrukturen, die neben angemessener und
fairer Bezahlung auch weichere Faktoren wie
Start des Projekts:
Juli 2016
Regionaler Fokus:
Zwickau und Umgebung (Westsachsen)
Branchenfokus:
alle Branchen
Was soll erreicht werden?
Mit dem Projekt „Study and Stay in Zwickau“,
als Teil des Career Services der Westsächsischen
Hochschule Zwickau (WHZ) soll internationalen
Studierenden der Übergang in den regionalen
Arbeitsmarkt erleichtert werden. Ziel ist es, den
Studierenden die Chancen einer Beschäftigung
bei regionalen Unternehmen näherzubringen
und durch praxisorientierte Aktivitäten eine
verbesserte Abstimmung („Matching“) zwischen
den Bedarfen im regionalen Arbeitsmarkt und
den Beschäftigungswünschen der Studierenden
herzustellen.
Was wird getan?
Internationale Studierende erhalten Beratung zu
Firmenkontakten, Vorstellungsgesprächen, Er-
stellung von Bewerbungsmappen und zu recht-
lichen Fragen und Beschäftigungsbedingungen,
beispielsweise Bestimmungen für Staatsbür-
ger aus Drittstaaten zu studienbegleitender
Erwerbsarbeit. Studierende haben zudem die
Möglichkeit, das Zertifikat ‚Praxiskompetenz‘ zu
erwerben. Hierfür besuchen sie regionale Unter-
nehmen, nehmen an Kommunikationstrainings
teil oder besuchen Workshops zur Verbesserung
von Studier- und Bewerbungskompetenzen.
Zudem finden monatlich Vernetzungs- und In-
formationsveranstaltungen statt, die zur Ver-
besserung der Willkommenskultur beitragen.
Welche Akteure sind beteiligt?
Westsächsische Hochschule Zwickau, Sächsi-
sches Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und
Verkehr (gefördert über die sächsische Fachkräf-
terichtlinie).
Mehr Informationen unter:
http://careerservice.fh-zwickau.de/index.php/
study-and-stay-in-zwickau
Blick in die Praxis
Projekt „Study and Stay in Zwickau“ im Rahmen des Career Services an der West-
sächsischen Hochschule Zwickau

50 |
gute Karriereperspektiven, eine flexible Arbeits-
zeitgestaltung sowie Möglichkeiten der indivi-
dualisierten Weiterbildung enthalten, können sie
für sich werben. Daneben gilt es, Standortfak-
toren wie die Infrastruktur der Kinderbetreuung,
Lebenshaltungskosten oder das Kultur- und
Freizeitangebot zu kommunizieren. Für diese
gebündelte Kommunikation stehen den Unter-
nehmen die regionalen Wirtschaftsförderer, die
regionalen Fachkräfteallianzen sowie das Portal
„Heimat für Fachkräfte“ zur Verfügung.
Ziel 5: Arbeitgeber und ausländische (Nachwuchs-)Fachkräfte können die Chancen von Zu-
wanderung gezielt und ohne unnötige Hürden nutzen
Die gezielte Rekrutierung qualifizierter Fach-
kräfte aus dem Ausland wird künftig ein immer
bedeutenderer Hebel, um dem Fachkräfteman-
gel zu begegnen. Es sind weitere Anstrengungen
notwendig, um die Potenziale für Unternehmen
und die Chancen für ausländische Beschäftigte
transparenter zu machen. Die Beschäftigungs-
potenziale von Zielgruppen aus dem Ausland
werden stark durch die rechtlichen Rahmenbe-
dingungen bestimmt. Auf der regulativen Ebene
ist der Handlungsspielraum des Freistaats je-
doch begrenzt, da maßgeblich europäische und
nationale Bestimmungen den Rahmen setzen.
Im Rahmen der Arbeitnehmerfreizügigkeit in-
nerhalb der Europäischen Union haben Fach-
kräfte aus anderen Mitgliedstaaten der EU das
Recht und die Möglichkeit, eine Beschäftigung
in Sachsen aufzunehmen.
Die Zahl der auslän-
dischen Beschäftigten aus anderen EU-Mit-
gliedsstaaten ist in den vergangenen Jahren
in Sachsen gestiegen, verglichen mit anderen
Bundesländern sind die Potenziale aber noch
nicht ausgeschöpft.
Es sind weitere Anstren-
gungen notwendig, um Unternehmen für die
Beschäftigung ausländischer Beschäftigter zu
sensibilisieren und die Chancen einer Beschäf-
tigung in Sachsen für ausländische Fachkräfte
transparenter zu machen sowie diese bei der
Wahrnehmung ihrer Freizügigkeitsrechte zu un-
terstützen.
Mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz will
die Bundesregierung den Zugang von ausländi-
schen Fachkräften aus Drittstaaten neu regeln.
Es soll Arbeitgebern neue Chancen zur Fach-
kräftegewinnung aus dem Ausland eröffnen und
sieht vor, die Einwanderungsmöglichkeiten vor
allem für beruflich Qualifizierte auch außerhalb
von sogenannten Engpassberufen zu erleichtern.
Das neue Gesetz beinhaltet auch Ansätze, um
die Verwaltungsverfahren im Zusammenhang
mit der Anerkennung ausländischer Abschlüsse
und der Visumserteilung zu beschleunigen (be-
schleunigtes Fachkräfteverfahren). Die Staats-
regierung begrüßt die Gesetzesinitiative daher
als wichtigen Schritt in die richtige Richtung.
Dennoch bestehen wesentliche Hürden wie die
erforderliche Gleichwertigkeit von im Ausland
erworbenen Qualifikationen weiterhin. Viele
Regelungen sind nach wie vor hochkomplex. Der
Verwaltungsaufwand ist weiterhin hoch. Ob die
angedachte Beschleunigung von Verfahren vor
diesem Hintergrund tatsächlich erreicht wer-
den kann, muss sich noch zeigen. Sachsen wird
sich daher auch im Rahmen der neuen Fach-
kräftestrategie der Aufgabe annehmen, weitere
Verbesserungen der Rahmenbedingungen auf
Bundes- und EU-Ebene einzufordern und den
angestoßenen Prozess aktiv zu begleiten. Das
gilt sowohl für die Arbeitnehmerfreizügigkeit
innerhalb der Europäischen Union als auch für
die Einwanderung aus Drittstaaten.
Die angedachten zuwanderungsrechtlichen
Änderungen allein reichen nicht aus, um ver-
stärkt ausländische (Nachwuchs-)Fachkräfte
für Sachsen zu gewinnen. Hierfür bedarf es
unter anderem – neben attraktiven Arbeits- und
Lebensbedingungen und der entsprechenden
Aufnahmebereitschaft der sächsischen Arbeit-
geber und Gesellschaft – auch entsprechender
Beratungs- und Unterstützungsstrukturen für
(Nachwuchs-)Fachkräfte und deren (zukünftige)
Arbeitgeber. Für Unternehmen ist der organi-
satorische und bürokratische Aufwand im Zu-
sammenhang mit der Einstellung ausländischer
Fachkräfte eine große Hürde. Hier wollen wir uns
für weitere Vereinfachung einsetzen und Unter-
stützung anbieten. Unser Ziel ist es, Rechtsun-
sicherheit bei Arbeitgebern und ausländischen
Fachkräften abzubauen, die Anerkennung von
im Ausland erworbenen Qualifikationen zu för-
dern sowie Sprachbarrieren zu senken. Gleich-
zeitig soll sichergestellt werden, dass die Integ-
ration von ausländischen Beschäftigten in den
sächsischen Arbeitsmarkt dem Grundsatz der
Gleichbehandlung unter Einhaltung der gelten-
den Arbeits-, Sozial- und Tarifstandards folgt.
Durch die Umsetzung der verschiedenen Maß-
nahmen und Instrumente ist das gemeinsame
Ziel aller Beteiligten die Verdopplung des
Anteils ausländischer Beschäftigter in sozial-
versicherungspflichtigen Beschäftigungsver-
hältnissen in Sachsen bis 2030
unter gleich-
zeitiger Orientierung am Bedarf der sächsischen
Arbeitgeber.

 
| 51
Zur Erreichung des Ziels wird vereinbart
Weiterentwicklung und engere Verzah-
nung vorhandener Beratungs- und
Unterstützungsstrukturen
mehr Engagement für bessere Rah-
menbedingungen bei der Integration
ausländischer (Nachwuchs-) Fachkräfte
Weitere Vereinfachung und Beschleuni-
gung der Prozesse zur Anerkennung im
Ausland erworbener Qualifikationen
Ausbau des grenzüberschreitenden
Arbeits- und Ausbildungsmarktes
Weitere Vereinfachung und Beschleunigung
der Prozesse zur Anerkennung von im Aus-
land erworbenen Qualifikationen
Zuständige Akteure: Bildungsträger,
Informa-
tions- und Beratungsstelle Anerkennung Sach-
sen (IBAS), Kammern und weitere für die Aner-
kennung von Qualifikationen zuständige Stellen,
Staatsregierung, WISO-Partner
Eine fehlende Anerkennung im Ausland erwor-
bener Qualifikationen stellt nach wie vor ein
wesentliches Mobilitätshindernis dar und kann
darüber hinaus zu Ungleichbehandlung in den
Betrieben führen, wenn Menschen mit im Aus-
land erworbenen Qualifikationen unterhalb ihrer
eigentlichen Qualifikation eingesetzt und ein-
gruppiert werden. Eine nicht qualifikationsge-
rechte Tätigkeit führt zur Entwertung von Kom-
petenzen und Qualifikationen der Beschäftigten,
die längerfristig auf dem Arbeitsmarkt benötigt
werden und dann nicht mehr zur Verfügung
stehen.
Für eine stärkere Nutzung der Anerkennung
im Ausland erworbener Qualifikationen sollen
die damit verbundenen Vorteile für Beschäf-
tigte und Unternehmen (Personalabteilungen,
Betriebs- und Personalräte) bekannt gemacht
werden.
Eine weitere Vereinfachung der Ver-
fahren zur Anerkennung soll durch landes-
übergreifende Kooperationen erreicht wer-
den.
Eine erleichterte Anerkennung im Ausland er-
worbener Qualifikation in den landesrechtlich
geregelten Berufen (zum Beispiel Lehrer, Erzie-
her und Ingenieure) wurde bereits durch das
„Sächsische Gesetz zur Verbesserung der Fest-
stellung und Anerkennung im Ausland erworbe-
ner Berufsqualifikationen“ ermöglicht.
Ausbau des grenzüberschreitenden Arbeits-
und Ausbildungsmarktes
Zuständige Akteure: Kammern, regionale Fach-
kräfteallianzen, Regionaldirektion Sachsen der
Bundesagentur für Arbeit, Staatsregierung,
WISO-Partner
Die geografische Lage des Freistaates Sachsen
im sächsisch-tschechischen und sächsisch-pol-
nischen Grenzraum bietet sächsischen Ar-
beitgebern Chancen für die Rekrutierung von
Fachkräften aus unseren Nachbarländern. Un-
ternehmen, die grenzüberschreitend ausbilden
oder erwerbstätige Grenzpendler einstellen,
können außerdem ihre Marktzugänge verbes-
sern und neue Geschäftspartner und Kunden-
kreise erschließen.
Die
erfolgreiche grenzüberschreitende Zu-
sammenarbeit sollte weiterentwickelt wer-
den
, um so den gemeinsamen Ausbildungs- und
Arbeitsmarkt zu stärken. Wie die Fachkräfteal-
lianz unterstreicht, soll auf erfolgreiche Einzel-
projekte der Grenzpartnerschaft EURES TriRegio
aufgebaut werden, sollen Erfahrungen geteilt
und Informationen für alle Arbeitsmarktakteure
gebündelt werden – mit dem Ziel, nachhaltige
Strukturen zu schaffen. Die Vernetzung und Ko-
operation mit den Wirtschafts- und Sozialpart-
nern in Polen und Tschechien soll dabei ebenfalls
ausgebaut werden.
Neben der Förderung erwerbstätiger Pendler
wird es ein wichtiges Handlungsfeld sein, die
grenzüberschreitende Berufsausbildung wei-
ter auszubauen. Auszubildende erhalten so die
Möglichkeit, einzelne Qualifikationen im Aus-
land zu erwerben oder sogar zwei national aner-
kannte Berufsabschlüsse zu erlangen.
Darüber hinaus sollen die bestehenden Förder-
möglichkeiten im Grenzraum aus EU-Mitteln
stärker für die Integration der Arbeits- und
Ausbildungsmärkte genutzt werden.
Zentrale
Rahmenbedingung für einen gemeinsamen
Grenzraum bleibt es, eine leistungsfähige
und moderne Infrastruktur sicherzustellen.
Zur erfolgreichen Akquise ausländischer Fach-
kräfte kann auch der „Export“ der dualen Be-
rufsausbildung beitragen. So engagieren sich
die Kammern als auch die Staatsregierung direkt
vor Ort im jeweiligen Herkunftsland, um po-
tenzielle Fachkräfte nach deutschen Standards
auszubilden. Derartige Kooperationen gibt es
derzeit im Freistaat bereits mit Vietnam und
China. Bei Bedarf könnte dieses Modell auf wei-
tere Länder ausgeweitet werden.

 
52 |
3.3. Vorhandene Potenziale nutzen – allen Erwerbspersonen Zugang zum
Arbeitsmarkt ermöglichen
Trotz der erfreulichen wirtschaftlichen Entwick-
lung und dem damit verbundenen Rückgang der
Arbeitslosigkeit stehen bestimmte Zielgruppen
immer noch vor großen Herausforderungen,
wenn es darum geht, eine (qualifikationsad-
äquate) Beschäftigung zu finden. Die Ursachen
hierfür sind vielfältig. Teilweise liegt die beruf-
liche Erfahrung dieser Personen lange Zeit zu-
rück oder fehlt vollständig. Teilweise fehlt es an
sprachlichen und/oder fachlichen Kompetenzen,
haben diese Menschen körperliche oder weite-
re Einschränkungen oder müssen neben einer
möglichen Berufstätigkeit mit herausfordernden
familiären Situationen zurechtkommen.
In den vergangenen Jahren ist die Bereit-
schaft sächsischer Arbeitgeber, Menschen
mit einer Einschränkung zu beschäftigten,
gewachsen.
Trotzdem partizipieren im Freistaat
z. B. Menschen mit einer Behinderung, trotz
häufig guter Qualifikation, noch zu über fünfzig
Prozent nicht am Erwerbsleben.
Gleiches gilt auch für Menschen mit Migrations-
hintergrund. Auch sie profitieren bisher zu wenig
von der positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt.
Dies gilt insbesondere für Zuwanderer und Ge-
flüchtete, die Bildung und Berufserfahrung in
ihren Heimatländern erworben haben.
Nicht zuletzt ist auch der Wiedereinstieg in den
Arbeitsmarkt, für Menschen, die längere Zeit
nicht berufstätig waren, schwierig. Häufig ist
für sie die Rückkehr in den alten Beruf – ent-
weder aus gesundheitlichen Gründen oder weil
die persönlichen Voraussetzungen mit den Rah-
menbedingungen (z. B. die Arbeit in Randzeiten)
nicht mehr kompatibel sind – nicht möglich.
Start des Projekts:
Februar 2018 (Leipzig) und Juni 2018 (Dresden)
Regionaler Fokus:
Ballungsräume Dresden und Leipzig
Branchenfokus:
alle Branchen
Was soll erreicht werden?
Im Sinne einer Vereinfachung der Zuwanderung,
Einstellung und nachhaltigen Integration inter-
nationaler Fachkräfte fungieren die Fachinfor-
mationszentren Zuwanderung (FIZU) in Leipzig,
Dresden und demnächst Chemnitz als zentrale
Anlaufstelle („One-Stop-Shop“) für Zugewan-
derte, Arbeitsmarktakteure und regionale Un-
ternehmen.
Was wird getan?
Die Zentren stellen aktuelle Informationen für
die Integrationsprozesse in der Region zusam-
men, informieren und beraten zu Zuwande-
rungswegen für Fach- und Arbeitskräfte, zu
Verfahren beruflicher Anerkennung, zu Spra-
cherwerb und Qualifizierung sowie zu Vielfalt
in Unternehmen. Es werden die vorhandenen
Fachberatungen der Region passgenau zum
anliegenden Fall zur Klärung zusammenge-
führt und aus den Erkenntnissen der Einzelfälle
strukturelle Verbesserungsansätze abgeleitet.
Kern dabei ist die Moderation der individuellen
Fallbearbeitungen unter direkter Einbeziehung
der Zuwanderer, Arbeitsmarktakteure und der
Arbeitgeber. Zusätzlich stellen die Fachinfor-
mationszentren die Plattform für Austausch
und Strukturarbeit zwischen Regelinstitutionen,
Fachexperten, den Kommunen und den Landes-
und Bundesministerien dar. Die Fachinformati-
onszentren definieren und klären Schnittstellen
zwischen den Arbeitsmarktakteuren und erar-
beiten Ansätze zur Arbeitsmarktintegration von
Zugewanderten. Der Ansatz stellt Verbindlich-
keit, effiziente Koordinierung und die Klärung
der Zuständigkeiten der Arbeitsmarktakteure im
Bereich Zuwanderung sicher.
Welche Akteure sind beteiligt?
Agenturen für Arbeit und Jobcenter Leipzig,
Dresden und Chemnitz, die Kommunalverwal-
tungen der drei Städte sowie die Partner des
IQ-Netzwerkes Sachsen, u.a. Wirtschaft für
ein weltoffenes Sachsen e. V. und ARBEIT UND
LEBEN Sachsen e. V.
Mehr Informationen unter
www.netzwerk-iq-sachsen.de
Blick in die Praxis
„Fachinformationszentrum Zuwanderung (FIZU)“

| 53
Dies trifft in besonderem Maße auf Alleinerzie-
hende zu, die davon abhängig sind, wie sie die
Kinderbetreuung in ihrem speziellen Fall orga-
nisieren können.
All diesen Zielgruppen ist gemein, dass ihre Po-
tenziale derzeit auf dem sächsischen Arbeits-
markt nicht angemessen erkannt und genutzt
werden. Dabei ginge schon eine geringfügige
Steigerung ihrer Erwerbsbeteiligung mit hohen
Beschäftigungseffekten einher.
Ferner muss die Fachkräftestrategie auch die
geringqualifizierten Beschäftigten stärker in
den Blick nehmen. Auch wenn diese Personen
aktuell erwerbstätig sind, müssen präventiv
Maßnahmen ergriffen werden, ihre Beschäfti-
gungsfähigkeit aufrechtzuerhalten. Dies gilt vor
allem für ältere, geringqualifizierte Beschäftigte.
Um die Erwerbsbeteiligung der vorstehend
genannten Zielgruppen - Menschen mit Ein-
schränkungen, Menschen mit Migrationshinter-
grund, Langzeitarbeitslose und geringfügig Be-
schäftigte sowie Menschen der stillen Reserve
- zu erhöhen, muss die Unterstützung einerseits
direkt bei den jeweiligen Personen ansetzen.
Andererseits braucht es eine aktive Ansprache
sowie weiterführende Angebote für Unter-
nehmen, damit diese die Potenziale der ver-
schiedenen Zielgruppen erkennen und nutzen.
Unternehmen müssen zur Deckung ihrer zu-
künftigen Personalbedarfe ihre Einstellungs-
politik noch stärker auf die zur Verfügung
stehenden Potenziale ausrichten.
Die Partner
sind sich einig, dass gezielte, zur jeweiligen Le-
benssituation passende Unterstützungen nötig
sind, um diesen Menschen den Zugang zum Ar-
beitsmarkt zu erleichtern beziehungsweise ihre
Erwerbsbeteiligung zu erhöhen.
Ziel 6: Menschen mit spezifischem Unterstützungsbedarf greifen auf geeignete Beratungs-
und Unterstützungsstrukturen zur Integration in den Arbeitsmarkt zurück.
Damit die beschriebenen Gruppen mit Unter-
stützungsbedarf ihre Potenziale im Sinne der
Fachkräftesicherung entfalten können, müssen
sie in ihren individuellen Lebenssituationen ab-
geholt und wertgeschätzt werden.
Unterstüt-
zungsstrukturen sollten ihre Stärken und
Kompetenzen erfassen, anerkennen und
weiterentwickeln.
Für Menschen mit Migrati-
onshintergrund sind insbesondere Angebote zur
beruflichen Weiterbildung sowie allgemeine und
berufsbezogene Sprachkurse wichtig. Menschen
mit Behinderung und deren potenzielle Arbeit-
geber müssen die vielfältigen Möglichkeiten zur
Teilhabe am Arbeitsleben kennen und zielgerich-
tete Unterstützung bei der Nutzung bestehen-
der Instrumente erhalten. Geringqualifizierte in
Beschäftigung oder auf Arbeitssuche sollten um
die Möglichkeiten zur Weiterentwicklung der
eigenen Kompetenzen wissen und diese ent-
sprechend ihrer persönlichen Voraussetzungen
nutzen. Menschen, die seit langer Zeit arbeitslos
sind, benötigen Maßnahmen zur individuellen
Begleitung, die – neben der fachlichen Quali-
fizierung – auch auf persönliche Stabilisierung
oder grundlegende berufliche Orientierung ab-
zielen.
In den vergangenen Jahren wurden vom Frei-
staat Sachsen neue Initiativen und Maßnahmen
begonnen, um den Arbeitsmarktzugang für
Menschen mit Unterstützungsbedarf zu erleich-
tern. Das vorhandene Angebot ist vielfältig und
jeweils auf die unterschiedlichen Zielgruppen
zugeschnitten. Zur Unterstützung von Men-
schen, die langzeitarbeitslos sind, gibt es zusätz-
lich für die Jobcenter noch ESF- und Landespro-
gramme wie „JobPerspektive Sachsen“, „Sozialer
Arbeitsmarkt“ oder „TANDEM-Sachsen“.
Menschen mit Unterstützungsbedarf müssen
oft eine Hemmschwelle überwinden, wenn es
darum geht, sich aktiv Unterstützung einzuho-
len. Gerade für Menschen mit eingeschränkter
Mobilität kann sich der örtliche oder zeitliche
Zugang herausfordernd gestalten. Oft sind ziel-
gruppenspezifische Integrationsprojekte zeit-
lich und/oder in ihrer Teilnehmerzahl begrenzt.
Betroffene sollen deshalb niedrigschwelligen
Zugang zu den vielfältigen Unterstützungsan-
geboten bekommen. Für einen zielführenden In-
tegrationsprozess sollten die Menschen zudem
Unterstützung möglichst aus einer Hand
erfahren
. Für einzelne Zielgruppen soll das Un-
terstützungsangebot gezielt – zum Beispiel um
neue Qualifizierungsformate für Geringqualifi-
zierte – ergänzt werden.
Weiterer Handlungsbedarf besteht vor allem
darin, Strukturen und Angebote bei den jeweili-
gen Zielgruppen als auch bei den Unternehmen
bekannter zu machen sowie die einzelnen Akti-
vitäten stärker aufeinander abzustimmen und
erfolgreiche Ansätze langfristig zu verstetigen.

image
 
54 |
Zur Erreichung des Ziels wird vereinbart
Weitere Stärkung der Teilhabe am Arbeits-
markt für Menschen mit Behinderung
Erhöhung der Berufschancen von
Menschen mit Migrationshintergrund,
insbesondere von Geflüchteten
Integration von erwerbslosen Menschen
in den sächsischen Arbeitsmarkt
Gezielte Ansprache und Unterstützung
zum beruflichen Wiedereinstieg für Per-
sonen die längerfristig nicht erwerbstätig
waren – insbesondere Alleinerziehende
Ansprache sowie Schaffung ge-
eigneter Qualifizierungsforma-
te für Geringqualifizierte
Weitere Stärkung der Teilhabe am Arbeits-
markt für Menschen mit Behinderung
Zuständige Akteure: Arbeitgeber, Allianz Arbeit
+ Behinderung, Jobcenter (gE/zkT), Kommunaler
Sozialverband Sachsen, Regionaldirektion Sach-
sen der Bundesagentur für Arbeit, Staatsregie-
rung
Die Integration von Menschen mit Behin-
derung hat politische Priorität im Freistaat
Sachsen.
Die Allianz Arbeit + Behinderung,
bestehend aus 21 Partnern, engagiert sich seit
2010 für die Verwirklichung des Rechts auf Tei-
habe am Arbeitsleben. In Projekten adressiert sie
Menschen mit Behinderungen als qualifizierte
und hoch motivierte Fachkräfte. Dieses Ziel ist
gleichermaßen im Aktionsplan der Sächsischen
Staatsregierung zur Umsetzung der UN-Be-
hindertenrechtskonvention verankert. Staats-
regierung und Regionaldirektion Sachsen der
Bundesagentur für Arbeit wollen die Poten-
ziale dieser Zielgruppe auch im Kontext der
Fachkräftesicherung stärker herausstellen und
nachhaltige Unterstützungsmöglichkeiten für
Arbeitgeber und Menschen mit Behinderung zur
Teilhabe an Arbeit auf dem ersten Arbeitsmarkt
bedarfsgerecht fördern. Sie setzen sich dafür
ein, Programme wie „Wir machen das! – Men-
schen mit Behinderungen in Ausbildung und
Beschäftigung“ (siehe Praxisbeispiel) stärker in
die Breite zu tragen.
Menschen mit Behinderungen sollen stär-
ker als bisher von den Möglichkeiten des
„Budget für Arbeit“ Gebrauch machen.
Diese
Eingliederungshilfe wurde im Rahmen des Bun-
desteilhabegesetzes flächendeckend eingeführt.
Sie umfasst einen Lohnkostenzuschuss zum
Ausgleich der Leistungsminderung des voll er-
werbsgeminderten behinderten Beschäftigten
und sichert Mehraufwendungen für eine erfor-
derliche Anleitung und Begleitung am Arbeits-
platz. Damit erhalten vollerwerbsgeminderte
Menschen mit Behinderung eine alternative Be-
schäftigungsmöglichkeit zur Werkstatt. Durch
Informationskampagnen sowie persönliche Be-
ratung in Zusammenarbeit mit dem Kommuna-
len Sozialverband Sachsen sollen die Zielgruppe
über ihre Möglichkeiten, vor allem aber die säch-
sischen Unternehmen gezielt aufgeklärt werden.
Die Erkenntnisse aus bewährten Projekten sollen
aufgegriffen und weitere Konzepte mit innova-
tiven Ansätzen auf den Weg gebracht werden.
Hierbei können auch die Ergebnisse aus dem
Programm der Bundesregierung zur intensiven
Eingliederung und Beratung von schwerbehin-
derten Menschen (Inklusionsinitiative des Bun-
des) als auch die Modelprojekte im Rahmen des
§ 11 SGB IX (rehapro) in den Blick rücken.
Erhöhung der Berufschancen von Menschen
mit Migrationshintergrund, insbesondere von
Geflüchteten
Zuständige Akteure: Arbeitgeberverbände, Bil-
dungsträger, Gewerkschaften, Jobcenter (gE/
zkT), Kammern, Regionaldirektion Sachsen der
Bundesagentur für Arbeit, Staatsregierung
Um die Perspektiven von Menschen mit Migra-
tionshintergrund im Allgemeinen – und mit
Fluchthintergrund im Besonderen – zu ver-
bessern, sollen die
Möglichkeiten zum Spra-
cherwerb, zur beruflichen Weiterbildung und
Qualifizierung für diese Zielgruppen weiter
bedarfsgerecht ausgebaut werden.
Dazu ge-
hören auch Optionen zum Erwerb eines Schul-
abschlusses für die Gruppe der über 18-Jähri-
gen. Ziel ist es dabei, soweit wie möglich auf
Sonderprogramme zu verzichten und stattdes-
sen entsprechende Regelstrukturen zu schaffen.

image
| 55
Besonders wichtig ist, dass Geflüchtete indi-
viduell zu ihren Qualifizierungsmöglichkeiten
beraten werden. Den meisten aus dem Ausland
Zugewanderten sind die Strukturen und damit
verbundenen Optionen des deutschen Bildungs-
systems und Arbeitsmarktes nicht bekannt. Es
sind daher gesonderte Beratungsangebote er-
forderlich, um dieses Defizit abzubauen. Diese
Beratungsangebote sollten spezifisch auch auf
Migrantinnen ausgerichtet sein. Diese Gruppe
ist häufig nicht oder unterqualifiziert beschäf-
tigt. Gleichzeitig sind sie vielfach zuständig für
die Betreuung der Kinder oder Familienangehö-
rigen und deswegen für Beratungs- oder Qua-
lifizierungsangebote nur schwer zu erreichen.
Wichtig ist deshalb eine niedrigschwellige und
aktive Ansprache, idealerweise durch Frauen mit
einem ähnlichen kulturellen Hintergrund.
Im Freistaat existieren Beratungsangebote für
Geflüchtete, wie das Modellprogramm „Arbeits-
marktmentoren für Geflüchtete”, das geflüch-
tete Menschen auf dem Weg in eine Berufs-
ausbildung oder sozialversicherungspflichtige
Beschäftigung begleitet. Diese werden wir wei-
terhin fördern. Außerdem werden Beratungsan-
gebote zu arbeits- und sozialrechtlichen Fragen
in enger Zusammenarbeit mit den Gewerkschaf-
ten vorgehalten.
Die interkulturelle Öffnung
und Sensibilisierung aller Akteure ist wesent-
lich für den Abbau von Zugangsbarrieren und
zur Förderung von Teilhabe.
Eine noch bessere
Verzahnung vorhandener Angebote wird ange-
strebt.
Die Beherrschung der deutschen Sprache ist für
die berufliche und individuelle Integration von
zentraler Bedeutung. Die Angebote zum Erwerb
von Deutschkenntnissen müssen weiter ausge-
baut werden. Ein weiterer wichtiger Schritt ist
die Anerkennung von im Ausland erworbenen
Qualifikationen. Da jedoch nicht jede Überprü-
fung von Qualifikationen zu einer vollständigen
Anerkennung führt, sind bedarfsgerechte An-
gebote für die notwendige Nachqualifizierung
sowie in bestimmten Berufsgruppen der Opti-
mierung des Ablaufs der Anerkennungsverfah-
ren notwendig.
Für gut integrierte Geduldete besteht nach wie
vor das Risiko, während der Ausbildung abge-
schoben zu werden. Dies ist für ausbildungs-
interessierte Betriebe ein hoher Unsicherheits-
faktor. Die Staatsregierung wird sich daher auf
Bundesebene dafür einsetzen, diese Rechtsun-
sicherheit zu beseitigen.
Start des Projekts:
2016
Regionaler Fokus:
landesweit
Branchenfokus:
alle Branchen
Was soll erreicht werden?
Das Arbeitsmarktprogramm des Sächsischen
Staatsministeriums für Soziales und Verbrau-
cherschutz sowie der Partner der Allianz Arbeit
+ Behinderung fördert die Arbeitsmarktintegra-
tion und damit die gleichberechtigte Teilhabe am
wirtschaftlichen Leben von schwerbehinderten
oder diesen gleichgestellten Menschen. Damit
trägt das Programm zur Erschließung der Poten-
ziale dieser Zielgruppen zur Deckung der Fach-
kräftebedarfe bei sächsischen Unternehmen bei.
Was wird getan?
Mit jährlich 1,5 Millionen Euro werden 75 Aus-
bildungs- und 225 Arbeitsplätze gefördert.So
erhalten mehr Menschen mit Behinderungen die
Möglichkeit zu einer sozialversicherungspflichti-
gen Beschäftigung. Bestandteil des Programms
ist auch, dass Menschen mit Behinderungen in
Unternehmen zeigen, was sie können – damit
Vorurteile abgebaut werden und Unterschiede
als Chancen erkannt werden. Die Wirksamkeit
des Instruments beruht vor allem darauf, dass es
gleichzeitig bei der Zielgruppe selbst und bei den
Arbeitgebern ansetzt und dadurch die verschie-
denen Aktivitäten bündelt.
Welche Akteure sind beteiligt?
Allianz Arbeit + Behinderung, Regionaldirektion
Sachsen der Bundesagentur für Arbeit
Mehr Informationen unter
www.behindern.verhindern.sachsen.de/wir-ma-
chen-das.html.
Blick in die Praxis
„Wir machen das! – Menschen mit Behinderungen in Ausbildung und Beschäftigung“

 
56 |
Integration von erwerbslosen Menschen in
den sächsischen Arbeitsmarkt
Zuständige Akteure: Jobcenter gE und zkT,
Kommunen als Träger der Jugendhilfe, Regional-
direktion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit,
Staatsregierung, WISO-Partner
Vor besonderen Herausforderungen bei der Ar-
beitsmarktintegration stehen langzeitarbeitslo-
se Personen.
In Sachsen waren im Jahr 2018
rund 50.000 Menschen für eine Dauer von
über einem Jahr arbeitslos.
Dabei ist davon
auszugehen, dass Langzeitarbeitslosigkeit
immer weniger auf die fehlende Nachfrage
nach Arbeitskräften zurückzuführen ist. Im bun-
desweiten Vergleich sind Langzeitarbeitslose
in Sachsen häufiger beruflich qualifiziert. Dies
erhöht jedoch nicht zwingend die Chancen auf
dem Arbeitsmarkt, da diese Qualifizierungen
teilweise veraltet sind. Zudem war über ein Drit-
tel der als langzeitarbeitslos registrierten Men-
schen über 55 Jahre alt. Schließlich erschweren
mitunter persönliche und familiäre Probleme die
Vermittlung in Arbeit. Auch für diese Zielgruppe
gibt es bereits
vielfältige Förderangebote im
Freistaat Sachsen: zum einen die „JobPers-
pektive Sachsen“, die Langzeitarbeitslosen
den Wiedereinstieg ins Berufsleben durch
modulare Qualifizierung und intensive Be-
gleitung ermöglicht
; zum anderen das Lan-
desarbeitsmarktprogramm zur Bekämpfung
der Langzeitarbeitslosigkeit, welches Beschäf-
tigungs- und Eingliederungsangebote mit zu-
sätzlicher individueller Begleitung und Coaching
verbindet. Zur Bewältigung der vielfältigen indi-
viduellen Probleme leistet eine teamorientierte
Begleitung mit hoher Kontaktdichte Hilfe zur
Selbsthilfe. Dazu trägt eine noch stärkere Ver-
netzung der Hilfestrukturen bei. Das Landesar-
beitsmarktprogramm ist so angelegt, dass es die
Regelstrukturen und -instrumente vor allem der
Jobcenter unterstützt/ergänzt und somit den
aktivierenden und auf Integrationsfortschritte
ausgerichteten Arbeitsmarktansatz stärkt.
Ziel ist es, durch die Erhöhung der indivi-
duellen Beschäftigungsfähigkeit die soziale
und berufliche Teilhabe arbeitsmarktferner
Personengruppen zu ermöglichen.
Das Lan-
desarbeitsmarktprogramm besteht aus zwei
Förderprogrammen: „Sozialer Arbeitsmarkt“ und
„TANDEM Sachsen“, das für eine ganzheitliche,
beschäftigungsorientierte Familienförderung
steht. Diese Förderansätze des Freistaates müs-
sen verstetigt und mit den neuen Programmen
des Bundes verbunden werden. Mit dem Ge-
setz zur „Schaffung neuer Teilhabechancen für
Langzeitarbeitslose auf dem allgemeinen und
sozialen Arbeitsmarkt“ bekommen die Jobcenter
weitere Instrumente zur Verfügung, um Lang-
zeitarbeitslose schrittweise an den Arbeitsmarkt
heranzuführen. Mit dem gezielten Einsatz dieser
Förderbausteine, unterstützt durch Coachin-
gangebote und mithilfe von direkten Lohnzu-
schussvarianten, können wieder Brücken für
Langzeitarbeitslose in den ersten Arbeitsmarkt
geschaffen werden. Dabei müssen die Unter-
nehmen aktiv begleitet und unterstützt werden.
Gezielte Ansprache und Unterstützung zum
beruflichen Wiedereinstieg für Personen die
längerfristig nicht erwerbstätig waren - ins-
besondere von Alleinerziehenden
Zuständige Akteure: Jobcenter (gE/zkT), Kam-
mern, Regionaldirektion Sachsen der Bundes-
agentur für Arbeit, Staatsregierung
Es gibt vielfältige Gründe weshalb Menschen
ihre Erwerbstätigkeit für eine längere Zeit pau-
sieren. Ungewollte Arbeitslosigkeit, gesund-
heitliche Probleme, eine Neuorientierung oder
familiäre Verpflichtungen – der Wiedereinstieg
nach einer solchen Unterbrechung ist häufig
mit Herausforderungen verbunden. Wenn eine
Rückkehr in den alten Job nicht möglich oder
nicht erwünscht ist, müssen neue passende Per-
spektiven entwickelt werden. Bei diesen Fragen
der beruflichen Neuorientierung beraten die
Arbeitsagenturen und Jobcenter. Diesen steht
ein breites Instrumentarium zur Verfügung,
das stärker bekannt gemacht und vor allem von
Menschen, die sich aus dem Arbeitsmarkt zu-
rückgezogen haben, genutzt werden muss.
Darüber hinaus muss die
Möglichkeit zum
Quereinstieg gestärkt werden
. Je nach Dauer
der Erwerbsunterbrechung kann eine Weiter-
bildung zur Auffrischung und Ergänzung der
fachlichen Kompetenzen oder eben auch eine
umfassende Umschulung sinnvoll sein. Staats-
regierung, Kammern und die Regionaldirektion
der Bundesagentur für Arbeit befürworten die
Ausweitung von Weiterbildung, Qualifizierung
und Umschulung nach einer Erwerbsunterbre-
chung. Hier ist zu prüfen, inwiefern ein Bedarf
an der Weiterentwicklung von Formaten be-
steht, um diese besser auf die Voraussetzun-
gen von Wieder- und Quereinsteigern zuzu-
schneiden. Dies beinhaltet auch Optionen zur
begleitenden Unterstützung von Teilnehmern
an langfristig angelegten Umschulungen wie
Teilqualifizierungen.
Bei all diesen Angeboten ist die Zielgruppe der
Alleinerziehenden besonders in den Blick zu
nehmen. Ihr erfolgreicher Wiedereinstieg hängt
davon ab, wie gut sich familiäre Aufgaben und
Berufstätigkeit unter einen Hut bringen lassen.

 
| 57
Dies erfordert bedarfsgerechte Kinderbetreu-
ungsangebote sowie eine enge Zusammenarbeit
zwischen den Betroffenen, dem Jobcenter, der
kommunalen Familienhilfe sowie ggf. Bildungs-
trägern und auch Arbeitgebern. Angesichts der
Doppelbelastung von familiären Aufgaben und
dem Wiedereinstieg setzen sich Staatsregierung
und die Regionaldirektion der Bundesagentur
für Arbeit dafür ein, dass
Angebote zur indivi-
duellen Begleitung Alleinerziehender ausge-
baut werden
. Ein persönliches Coaching kann
beispielsweise dazu beitragen, Stärken und In-
teressen zu erkennen und in Abgleich mit der
Arbeitsmarktsituation vor Ort passgenaue Per-
spektiven zu entwickeln. Weiterhin sind modular
aufgebaute Qualifikationsmöglichkeiten bzw.
Qualifizierungsmöglichkeiten in Teilzeitformaten
besonders auch für diese Zielgruppe vielver-
sprechend. Diese Formate erlauben es Alleiner-
ziehenden, parallel zu ihren familiären Aufgaben
schrittweise Kompetenzen aufzubauen.
Ansprache sowie Schaffung geeigneter Qua-
lifizierungsformate für Geringqualifizierte
Zuständige Akteure: Gewerkschaften, Jobcen-
ter (gE/zkT), Regionaldirektion Sachsen der Bun-
desagentur für Arbeit, Staatsregierung
Im Jahr 2017 hatten rund 96.000 der über 1,5
Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäf-
tigten (ohne Auszubildende) im Freistaat Sach-
sen keinen Berufsabschluss.
63
Darüber hinaus
nehmen Geringqualifizierte generell seltener an
Angeboten zur betrieblichen Weiterbildung teil.
Gleichzeitig ist ein niedriges Qualifikationsni-
veau häufig ein Hemmnis für die Aufnahme einer
neuen Beschäftigung. Vor diesem Hintergrund
gilt es,
Angebote und Anreize der beruflichen
Weiterbildung für diese Personengruppe zu
verbessern
. Die größte Herausforderung liegt
dabei in der Ansprache dieser Zielgruppe.
Vor allem Personen mit Qualifizierungsbedarf
im Bereich Grundbildung oder Alphabetisierung
haben hohe Hemmschwellen, Bedarfe offen zu
kommunizieren. Geeignet ist deshalb eine An-
sprache auf Augenhöhe, zum Beispiel durch Kol-
legen. An dieser Stelle können auch die Gewerk-
schaften über die Betriebs- und Personalräte vor
Ort aktiv werden. Sie kennen Kollegen, die einen
Bedarf haben, und können diese vertraulich an-
sprechen. Dazu müssen die Betriebsräte selbst
für das Thema und die vorhandenen Unterstüt-
zungsangebote sensibilisiert werden.
Auch die Qualifizierungsformate sollten den
Bedarfen der Zielgruppe angepasst werden.
Anstatt starrer Formate sind ein offener nieder-
schwelliger Zugang, zeitliche Flexibilität sowie
Begleitung und Austausch gefragt. Hier geht es
darum, innovative Formate zunächst modellhaft
zu erproben und die Verbreitung erfolgreicher
Ansätze im Freistaat zu unterstützen. Die Part-
ner stärken die landesweite Initiative für Alpha-
betisierung und Grundbildung sowie die Sensi-
bilisierung für das Thema Alphabetisierung und
Grundbildung für Erwachsene.
Darüber hinaus stehen Projekte zur Teilqualifika-
tion, gezielte Angebote für ältere Beschäftigte
sowie Geringqualifizierte stärker im Mittelpunkt.
Für Geringqualifizierte und ältere Beschäf-
tigte müssen die vorhandenen Angebote
wie der Weiterbildungsscheck oder die För-
dermöglichkeiten im Rahmen des Qualifizie-
rungschancengesetzes noch stärker genutzt
werden.
Ziel dieser Weiterbildungsmaßnahmen
ist es, dass Arbeitnehmer ihre Qualifikationen
aktualisieren oder fehlende Berufsabschlüsse
nachholen können, ohne das Beschäftigungs-
verhältnis zu unterbrechen. Über verschiedene
Ansätze der Teilqualifizierung können an- und
ungelernte Beschäftigte in Unternehmen sich
gezielt weiterbilden und somit längerfristig zur
Fachkraft weiterqualifiziert werden.
Ziel 7: Arbeitgeber beschäftigen Personen mit spezifischen Unterstützungsbedarfen qualifi-
kationsadäquat und mit langfristiger Perspektive.
Neben der gezielten Förderung der jeweiligen
Zielgruppe müssen Unterstützungsstrukturen
und -angebote auch die Voraussetzungen der
Arbeitgeber stärker berücksichtigen. Kleine und
mittlere Unternehmen benötigen spezifische
Instrumente, um Integration und Teilhabe am
Arbeitsleben auf Steuerungsebene wie auch in
der alltäglichen Arbeit mit den Kollegen zu ver-
ankern und eine geeignete Infrastruktur in ihren
Betrieben aufzubauen.
Bei der Arbeitsmarktintegration der in Ziel 6 be-
nannten Zielgruppen wird häufig ausschließlich
darauf geachtet, ihre verschiedenen Unterstüt-
zungsbedarfe zu adressieren, um die damit im
Zusammenhang stehenden Einschränkungen
dieser Personen zu kompensieren, wie zum Bei-
spiel eine begrenzte Sehfähigkeit oder mangeln-
de Deutschkenntnisse. Gleichzeitig haben diese
Personen individuelle Erfahrungen und Stärken,
die häufig übersehen werden. Menschen mit
körperlicher Einschränkung zum Beispiel nutzen
schon heute vielfach digitale Technologien, um
sich durch neue Umgebungen leiten zu lassen.
Dies ist im Kontext der Digitalisierung ein wert-
volles Erfahrungswissen für Kollegen. Menschen
mit Migrationshintergrund bringen interkultu-
relle Kompetenzen mit. Dies ist insbesondere mit

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Blick auf eine zunehmend diverse Gesellschaft
hilfreich. Es sind diese Aspekte, die Arbeitgeber
bei der Rekrutierung und Einstellung von Fach-
kräften in den Mittelpunkt stellen sollten. Unter
einer solchen
stärkenorientierten Perspektive
lassen sich die Potenziale von Menschen mit
Unterstützungsbedarfen durch eine qualifika-
tionsadäquate und langfristige Beschäftigung
zum Vorteil der Unternehmen nutzen.
Zur Erreichung des Ziels wird vereinbart
Sensibilisierung von Arbeitgebern,
Belegschaften sowie Betriebs- und
Personalräten für die Vorteile und Po-
tenziale einer vielfältigen Belegschaft
Besondere Unterstützung von klei-
nen und mittleren Unternehmen
bei der Rekrutierung von Fachkräf-
ten mit spezifischen Bedarfen
Weiterentwicklung und Verbreitung von
Verfahren zur Kompetenzerfassung
Sensibilisierung von Arbeitgebern, Beleg-
schaften sowie Betriebs- und Personalräten
für die Vorteile und Potenziale einer vielfäl-
tigen Belegschaft
Zuständige Akteure: Allianz Arbeit + Behinde-
rung, Regionaldirektion Sachsen der Bundes-
agentur für Arbeit, regionale Fachkräfteallian-
zen, Staatsregierung, WISO-Partner
Um potenzialorientiertes Denken unter säch-
sischen Arbeitgebern und Belegschaften vo-
ranzutreiben, ist es wichtig die
Stärken der
verschiedenen Zielgruppen in den Fokus zu
nehmen
und mit wirksamer Öffentlichkeitsar-
beit sichtbar zu machen. Dies kann durch Veran-
staltungen, Vorträge, Workshops und Informa-
tionskampagnen erfolgen. Besonders wirksam
sind Initiativen, die von den Arbeitgebern selbst
getragen werden, wie die Aktivitäten des Vereins
„Wirtschaft für ein weltoffenes Sachsen“ (siehe
Praxisbeispiel) zur Integration von ausländi-
schen Fachkräften.
Besondere Unterstützung von kleinen und