BAUMINISTERKONFERENZ
KONFERENZ DER FÜR STÄDTEBAU, BAU- UND WOHNUNGSWESEN
ZUSTÄNDIGEN MINISTER UND SENATOREN DER LÄNDER (ARGEBAU)
Hinweise für die Überprüfung der Standsicherheit von baulichen Anlagen
durch den Eigentümer/Verfügungsberechtigten
Fassung September 2006
1. Vorbemerkung
Nach § 3 Abs. 1 der Musterbauordnung (MBO) sind bauliche Anlagen u. a. so instand zu
halten, dass die öffentliche Sicherheit und Ordnung, insbesondere Leben, Gesundheit und
die natürlichen Lebensgrundlagen, nicht gefährdet werden.
Seit jeher trägt daher der Eigentümer/Verfügungsberechtigte die Verantwortung für die ord-
nungsgemäße Instandhaltung, d. h. Wartung, Überprüfung und ggf. Instandsetzung, und die
Verkehrssicherheit der baulichen Anlage. Das gilt gleichermaßen für bauliche Anlagen von
privaten Eigentümern/Verfügungsberechtigten wie von Bund, Ländern oder kommunalen
Körperschaften.
Bei einer ordnungsgemäßen Planung und Bauausführung ist grundsätzlich davon auszuge-
hen, dass die bauliche Anlage bei bestimmungsgemäßem Gebrauch für die übliche Lebens-
dauer den bausicherheitsrechtlichen Anforderungen entspricht. Zu dem bestimmungsgemä-
ßen Gebrauch gehört auch ein ordnungsgemäßer Bauunterhalt. Auch bei einer ordnungs-
gemäßen Bauausführung und einem ordnungsgemäßen Bauunterhalt bleibt allerdings das
Risiko, dass bauliche Anlagen durch „Alterung“ beeinträchtigt werden und bei extremen Ein-
wirkungen zum Beispiel von Naturgewalten versagen können.
Die folgenden Hinweise erläutern für Eigentümer/Verfügungsberechtigte und Baufachleute,
bei welchen baulichen Anlagen eine regelmäßige Überprüfung der Standsicherheit empfoh-
len wird, wie dabei vorgegangen werden kann und was dabei beachtet werden sollte. Die
Hinweise zeigen eine Möglichkeit auf. Daneben sind auch andere Vorgehensweisen, zum
Beispiel nach den Richtlinien für die Durchführung von Bauaufgaben des Bundes (RBBau),
denkbar.
Für die nicht zum Anwendungsbereich gehörenden baulichen Anlagen können die Hinweise
sinngemäß angewendet werden.

2
2. Anwendungsbereich
Die Hinweise für die Überprüfung der Standsicherheit beziehen sich auf die in Tabelle 1 ge-
nannten baulichen Anlagen, deren Standsicherheitsnachweise bei der Errichtung von der
Bauaufsichtsbehörde oder einem Prüfingenieur/ Prüfsachverständigen für Standsicherheit
geprüft werden; ausgenommen sind bauliche Anlagen, die nicht oder nur zum vorüberge-
henden Aufenthalt einzelner Personen bestimmt sind.
Dabei werden abgestuft nach dem Gefährdungspotenzial und den Schadensfolgen folgende
Kategorien unterschieden:
1 2 3
Gefährdungs-
potenzial/
Schadensfolgen
Gebäudetypen und exponier-
te Bauteile
Beispielhafte, nicht abschlie-
ßende Aufzählung
Kategorie 1
Versammlungsstätten mit mehr
als 5000 Personen
Stadien
Kategorie 2
Bauliche Anlagen mit über
60 m Höhe,
Gebäude und Gebäudeteile
mit Stützweiten > 12 m
und/oder Auskragungen
> 6 m sowie großflächige
Überdachungen
Exponierte Bauteile von Ge-
bäuden, soweit sie ein be-
sonderes Gefährdungspo-
tenzial beinhalten
Fernsehtürme, Hochhäuser
Hallenbäder, Einkaufsmärkte,
Mehrzweck-, Sport-, Eislauf-,
Reit-, Tennis-, Passagierabfer-
tigungs-, Pausen- , Produkti-
onshallen, Kinos, Theater,
Schulen
große Vordächer, angehängte
Balkone, vorgehängte Fassa-
den, Kuppeln
Tabelle 1:
Einteilung der zum Anwendungsbereich gehörenden baulichen Anlagen nach Gefährdungs-
potenzial und Schadensfolgen
Bei Neubauten empfiehlt es sich, dass der Prüfingenieur bzw. Prüfsachverständige für
Standsicherheit im Benehmen mit dem Tragwerksplaner die Einstufung in eine der o. g. Ka-
tegorien im Prüfbericht bzw. in der Sachverständigenbescheinigung angibt. Bei Bestandsge-
bäuden kann die Einstufung bei der ersten Sichtkontrolle nach 4.2.2 oder der ersten Über-
prüfung nach 4.2.3 erfolgen. Die Einstufung ist die Grundlage für Art, Umfang und Häufigkeit
der Überprüfung der Standsicherheit nach 4.

3
Bei Ingenieurbauwerken wie Brücken, Stützbauwerken etc., die nicht dem öffentlichen Ver-
kehr dienen, wird die Überprüfung der Standsicherheit nach der Norm DIN 1076 „Ingenieur-
bauwerke im Zuge von Straßen und Wegen – Überwachung und Prüfung“ empfohlen.
3. Bauwerks- /Objektbuch
Eine wesentliche Grundlage für die Überprüfung ist das Vorhalten der wichtigsten Daten und
Konstruktionszeichnungen der baulichen Anlage. Hierfür hat sich das Anlegen und Fortfüh-
ren einer Dokumentation, zum Beispiel eines Bauwerks- /Objektbuches bewährt, in das sich
alle tragwerksrelevanten Änderungen und Instandsetzungen sowie alle Überprüfungen ein-
tragen lassen.
Zum Inhalt des Bauwerks- /Objektbuches gehören zum Beispiel:
Konstruktionszeichnungen des Bestandes mit statischen Positionen und den Tragwerksab-
messungen, den Bewehrungsquerschnitten, der Feuerwiderstandsfähigkeit der Bauteile, der
Art und Güte des Materials, den Lastannahmen (insbesondere Schneelasten) sowie Beson-
derheiten der Konstruktion; Konstruktionszeichnungen des Bestands für die Fassade; Anga-
be des Herstellungsjahrs, der Kategorie nach Tabelle 1, der zugrunde liegenden Normen,
allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen und Zustimmungen im Einzelfall; Prüfberichte/
Sachverständigenbescheinigungen.
Der Anhang zum Bauwerks-/ Objektbuch kann enthalten oder auf folgende archivierte Unter-
lagen hinweisen:
geprüfte Konstruktionspläne und statische Berechnung; ggf. Überwachungsprotokolle und
Liste der ausführenden Firmen.
Bei Neubauten wird empfohlen, das Bauwerks-/ Objektbuch auf der Grundlage der geprüften
Standsicherheitsnachweise erstellen zu lassen. Hierfür kommen zum Beispiel der Trag-
werksplaner oder der Prüfingenieur/ Prüfsachverständige für Standsicherheit in Betracht.
Bei Bestandsbauten ist es zweckmäßig, wenn die mit der Überprüfung betraute fachkundige
oder besonders fachkundige Person nach 4.3 in Abhängigkeit von der statisch-konstruktiven
Schwierigkeit der Bauwerkskonstruktion und anhand ggf. noch vorhandener Unterlagen ent-
scheidet, welche Daten für das Bauwerks-/ Objektbuch unbedingt erforderlich sind.

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4. Bauwerksüberprüfung
4.1 Mögliche Vorgehensweisen
Mit einer regelmäßigen Überprüfung kann dazu beigetragen werden, dass während der übli-
chen Lebensdauer die tragende Konstruktion der baulichen Anlage standsicher ist bzw. dass
rechtzeitig erkannt wird, wann Ertüchtigungsmaßnahmen zur Sicherstellung der Tragfähig-
keit erforderlich sind. Hierzu sind – insbesondere, weil zum einen nahezu jede bauliche An-
lage ein Unikat ist und zum anderen die Fachkompetenz des Eigentümers/Verfügungsbe-
rechtigten sehr unterschiedlich ausgeprägt sein kann – verschiedene Herangehensweisen
möglich.
Bei Neubauten empfiehlt es sich, dass der Eigentümer/Verfügungsberechtigte mit dem
Tragwerksplaner und/oder dem Prüfingenieur/ Prüfsachverständigen für Standsicherheit –
also Personen, die die Konstruktion und die Ausführung kennen – ein Konzept für die Über-
prüfung bespricht, im Bauwerks-/Objektbuch einträgt und ggf. die Bauteile und Stellen der
Tragkonstruktion angibt, auf die bei der Überprüfung besonders zu achten ist. Eine Orientie-
rung für ein abgestuftes Vorgehen bei der Überprüfung der Standsicherheit sowie Anhalts-
werte für Zeitintervalle für die jeweilige Art der Überprüfung bietet 4.4, Tabelle 2.
Bei Bestandsbauten erscheint es angemessen, dass die fachkundige oder die besonders
fachkundige Person nach 4.3 bei der ersten Sichtkontrolle nach 4.2.2 oder der ersten Über-
prüfung nach 4.2.3 das weitere Konzept der Überprüfung vorschlägt und mit dem Eigentü-
mer/Verfügungsberechtigten abstimmt. Hilfreich kann sein, dass sich der Eigentü-
mer/Verfügungsberechtigte einweisen lässt, was er im Rahmen einer Begehung selbst beur-
teilen kann und dabei beachten soll.
Andere Voraussetzungen liegen vor, wenn der Eigentümer/Verfügungsberechtigte (zum Bei-
spiel Bauverwaltungen des Bundes und der Länder, Bauabteilung einer Kommune oder ei-
nes Unternehmens) selbst fachkundig ist. Der Eigentümer/Verfügungsberechtigte ist hier
aufgrund seiner Fachkompetenz in der Lage, in eigener Zuständigkeit zu entscheiden, wie
und in welchen Abständen er die Überprüfung vornimmt und wann er ggf. eine besonders
fachkundige Person heranzieht.
4.2
Art der Überprüfung
Ein mögliches abgestuftes Vorgehen bei der Überprüfung der Standsicherheit besteht aus
der Begehung durch den Eigentümer/Verfügungsberechtigten, der Sichtkontrolle durch eine
fachkundige Person nach 4.3 und der eingehenden Überprüfung durch eine besonders fach-
kundige Person nach 4.3.

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4.2.1 Begehung durch den Eigentümer/Verfügungsberechtigten
Die Begehung durch den Eigentümer/Verfügungsberechtigten umfasst die Besichtigung des
Bauwerks auf offensichtliche Schäden. Bei den tragenden Bauteilen wie Stützen, Wänden,
Dach- und Deckenträgern und -bindern sind dies vor allem Schäden wie Verformungen,
Schiefstellungen, Risse, Durchfeuchtungen, Ausblühungen und Korrosion. Über die Besich-
tigung des Zustands der tragenden Konstruktion hinaus empfiehlt es sich darauf zu achten,
ob andere schädigende Einflüsse auf die Standsicherheit vorliegen wie von außen eindrin-
gende Feuchtigkeit, schadhafte Entwässerung und unzuträgliche klimatische Bedingungen
im Gebäudeinnern. Sofern der Eigentümer/Verfügungsberechtigte eine weitergehende Be-
sichtigung durchführen möchte, sind Hinweise hierfür in 4.5 enthalten.
Die Begehung dient i. d. R. der Kontrolle zwischen den Überprüfungen nach 4.2.2 und 4.2.3.
Sie kann durch den nicht fachkundigen Eigentümer/Verfügungsberechtigten vorgenommen
werden, solange noch keine Schäden an der Tragkonstruktion festgestellt worden sind oder
wenn zur weiteren Beobachtung festgestellter kleiner Schäden eine Einweisung durch eine
fachkundige Person erfolgt ist. Werden Schäden festgestellt, wird dem Eigentümer/Verfü-
gungsberechtigten empfohlen – sofern er nicht selbst fachkundig ist –, eine fachkundige bzw.
besonders fachkundige Person nach 4.3 hinzuzuziehen.
4.2.2 Sichtkontrollen durch eine fachkundige Person
Die Sichtkontrolle kann – soweit vertretbar – ohne Verwendung von Hilfsmitteln als intensive
erweiterte Begehung von einer fachkundigen Person nach 4.3 durchgeführt werden. Die
Sichtkontrolle orientiert sich an den Vorgaben zu 4.5. Werden Schäden festgestellt, die die
Standsicherheit beeinträchtigen können, empfiehlt es sich, in Zweifelsfällen eine besonders
fachkundige Person hinzuzuziehen.
4.2.3 Eingehende Überprüfung durch eine besonders fachkundige Person
Bei der eingehenden Überprüfung werden durch eine besonders fachkundige Person nach
4.3 im Regelfall alle maßgeblichen, auch die schwer zugänglichen maßgeblichen Bau-
werksteile, handnah auf Schädigung überprüft. Dabei können auch stichprobenartige Materi-
aluntersuchungen notwendig werden. Die Durchführung der Überprüfung kann nach 4.5 er-
folgen. Sie kann sich auch – insbesondere, wenn die besonders fachkundige Person nach
4.3 die Tragkonstruktion kennt – auf Stichproben beschränken.
Es empfiehlt sich, über die eingehende Überprüfung einen Bericht – ggf. mit Fotodokumenta-
tion – zu erstellen, der auch bei stichprobenhafter Überprüfung die Beurteilung der Standsi-
cherheit der gesamten Tragkonstruktion beinhaltet. Darin kann entweder festgehalten wer-

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den, dass die tragende Konstruktion keine Schäden aufweist, oder es können die festgestell-
ten Schäden mit einer Beurteilung ihrer Relevanz für die Standsicherheit angegeben werden.
4.3
Qualifikation der fachkundigen und der besonders fachkundigen Person
Bei der Überprüfung der Standsicherheit einer Tragwerkskonstruktion kommt es vor allem
auf das Erkennen und Beurteilen von Schäden an. Diese Aufgabe erfordert statische, kon-
struktive und bauphysikalische Kenntnisse und Erfahrung.
Fachkundige Personen sind zum Beispiel Bauingenieure und Architekten, die mindestens
fünf Jahre Tätigkeit mit der Aufstellung von Standsicherheitsnachweisen, mit technischer
Bauleitung und mit vergleichbaren Tätigkeiten, davon mindestens drei Jahre mit der Aufstel-
lung von Standsicherheitsnachweisen, nachweisen können. Sie sollen Erfahrung mit ver-
gleichbaren Konstruktionen nachweisen können. Als fachkundig gelten auch Bauingenieure
und Architekten, die eine mindestens dreijährige Erfahrung mit der Überprüfung vergleichba-
rer Konstruktionen belegen können.
Besonders fachkundige Personen sind zum Beispiel Bauingenieure, die mindestens zehn
Jahre Tätigkeit mit der Aufstellung von Standsicherheitsnachweisen, mit technischer Baulei-
tung und mit vergleichbaren Tätigkeiten, davon mindestens fünf Jahre mit der Aufstellung
von Standsicherheitsnachweisen und mindestens ein Jahr mit technischer Bauleitung, nach-
weisen können. Sie sollen Erfahrung mit vergleichbaren Konstruktionen in der jeweiligen
Fachrichtung nachweisen können. Die Fachrichtungen sind Massivbau, Metallbau und Holz-
bau.
Die Voraussetzungen für eine besonders fachkundige Person erfüllen zum Beispiel
Bauingenieure mit o. g. Qualifikation,
Prüfingenieure für Standsicherheit/ Prüfsachverständige für Standsicherheit für die jewei-
lige Fachrichtung und Prüfämter, die bauaufsichtliche Prüfaufgaben im Bereich der
Standsicherheit wahrnehmen.
4.4
Konzept und Zeitintervalle der Überprüfung
Die nachstehende Tabelle 2 gibt eine Orientierungshilfe für ein abgestuftes Vorgehen der
Überprüfung der Standsicherheit für die baulichen Anlagen und Kategorien der Tabelle 1. Sie
enthält Anhaltswerte für Zeitintervalle in Jahren für die jeweilige Art der Überprüfung, die von
den Gegebenheiten, insbesondere von Art, Robustheit, Alter und Erhaltungszustand der
Tragwerkskonstruktion, der Nutzung, den Umweltbedingungen etc. abhängen. Die Anhalts-

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werte können grundsätzlich für Neu- und Bestandsbauten herangezogen werden. Sofern
nach Tabelle 2 in einem Jahr mehrere Arten der Überprüfung zusammentreffen, genügt es,
wenn nur jeweils die genaueste der betreffenden Überprüfungen vorgenommen wird.
Bauarten, die zur Beurteilung der Standsicherheit wegen der Besonderheit der Konstruktion,
der verwendeten Bauprodukte oder der Herstellungsverfahren ein spezielles Fachwissen
erfordern, zum Beispiel bestimmte Spannbeton-, Metall- und Holzbauteile bzw. –konstruk-
tionen nach 4.5, fallen nicht in Tabelle 2. Für diese Bauarten sind die Überprüfungen im Ein-
zelfall festzulegen.
1 2 3 4 5
Katego-
rie
(siehe
Tabelle 1)
Gebäudetypen und
exponierte Bauteile
Begehung
nach 4.2.1
jeweils nach
… Jahr (-en)
Sichtkontroll
e
nach 4.2.2
jeweils nach
… Jahren
Eingehende
Überprüfung
nach 4.2.3
jeweils nach
… Jahren
1
Versammlungsstätten
mit mehr als 5000 Per-
sonen
1-2 2-3 6-9
2
Bauliche Anlagen mit
über 60 m Höhe,
Gebäude und Ge-
bäudeteile mit Stütz-
weiten > 12 m
1
und/oder Auskra-
gungen > 6 m sowie
großflächige Über-
dachungen
1
Exponierte Bauteile
von Gebäuden so-
weit sie ein besonde-
res Gefährdungspo-
tenzial beinhalten
2-3 4-5 12-15
Tabelle 2:
Anhaltswerte für Zeitintervalle für die jeweilige Art der Überprüfung, getrennt nach Kategorie
Ungeachtet der Anhaltswerte in Tabelle 2 wird empfohlen, eine Sichtkontrolle nach 4.2.2
nach Umbauten und Umnutzungen, soweit keine Standsicherheitsprüfung durchgeführt wur-
de, und nach technischen Modernisierungen sowie nach außergewöhnlichen Einwirkungen
1
Soweit aus Gründen der Standsicherheit vertretbar, kann sich die Überprüfung auf die betroffenen Gebäudeteile
beschränken.

8
wie Erdbeben, Hochwasser und außergewöhnliche Schnee- oder Windbelastungen vorzu-
nehmen.
Bei Bestandsbauten, die längere Zeit nicht oder noch überhaupt nicht hinsichtlich der Stand-
sicherheit überprüft wurden, wird empfohlen, möglichst bald eine Sichtkontrolle durchzufüh-
ren und je nach Ergebnis zu entscheiden, ob ggf. eine besonders fachkundige Person hinzu-
zuziehen ist.
4.5
Durchführung der Überprüfung
Ziel der Überprüfung ist festzustellen, ob die bauliche Anlage bzw. die Gebäudeteile, insbe-
sondere die Tragkonstruktion, noch der Beschreibung und den Daten im Bauwerks-/-
Objektbuch entsprechen und Schäden vorhanden sind. Es wird daher empfohlen zu überprü-
fen, ob
Belastungs- und Nutzungsänderungen oder bauliche Veränderungen eingetreten sind,
zum Beispiel zusätzliche Dachlasten durch eine nachträgliche Dachbegrünung (insbe-
sondere Nachweis des Nassgewichtes und einer Vereisung), zusätzliche Belastung der
Tragkonstruktion durch Einbauten oder schwere Geräte, Erhöhung der Nutzlasten,
Schwächung der Tragkonstruktion durch nachträgliche Durchdringungen und Ausspa-
rungen o. ä., bauliche Schließung von offen geplanten Hallen,
die bauphysikalischen Bedingungen der Tragwerkskonstruktion zuträglich sind,
zum Beispiel Änderung der Luftfeuchtigkeit bzw. Kondenswasserbildung und der Tempe-
ratur bei baulicher Schließung einer offen geplanten Halle, Änderung der klimatischen
Bedingungen bei Nutzungsänderung wie Eislaufhalle im Winter und Sporthalle im Som-
mer, Hallen mit Feuchtigkeitseintrag wie Reithallen mit genässtem Boden oder Kompos-
tieranlagen, Hallen mit wechselklimatischen Bedingungen,
die Dachabdichtung und die Entwässerung funktionstüchtig und ausreichend dimensio-
niert sowie insbesondere am Tragwerk keine feuchten Stellen vorhanden sind,
zum Beispiel Überprüfung des Daches, der Fassade, des Balkons, erdberührter Flächen
und der Entwässerungseinrichtungen auf feuchte Stellen und Undichtigkeiten,
die Schutzvorrichtungen wie Geländer und Absturzsicherungen einen ordnungsgemäßen
Zustand aufweisen, ggf. mit stichprobenhafter Überprüfung der Befestigungen.
Für den Regelfall werden daneben folgende Überprüfungen empfohlen, zu denen je nach
Konstellation des Einzelfalls noch weitere hinzukommen können:

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Massive Konstruktionen
Mauerwerk, Beton, Porenbeton, Stahlbeton- und Spannbetonbauteile auf Risse, Aus-
bauchungen, Durchfeuchtungen, schadhafte Fugen, Ausblühungen, Rostverfärbungen,
Hohlstellen, Abplatzungen und andere Oberflächenveränderungen überprüfen. Außer-
gewöhnliche Verformungen aufmessen.
Bei bedenklichem Zustand des Betons Druckfestigkeit, Karbonatisierungstiefe, Chlorid-
gehalt, Betondeckung und Rostgrad der Bewehrung feststellen.
Stellen mit Rostverfärbung abklopfen. Den Zustand der Oberflächenschutzschichten
überprüfen (zum Beispiel an Parkflächen). Auf freiliegende Bewehrung achten.
Rissbreiten vermessen. Bedenkliche Risse mit Rissmarken versehen, um Bewegungen
kontrollieren zu können.
Spannbetonbauteile mit bestimmten Spannstählen
2
gesondert überprüfen.
Metallkonstruktionen
Stahlkonstruktionen auf Risse und Verformungen, insbesondere die Anschlüsse auf fes-
ten Sitz, überprüfen. Auffällige Verformungen aufmessen.
Den Zustand des Korrosionsschutzes überprüfen, insbesondere bei korrosionsempfindli-
chen Teilen wie zum Beispiel Verankerungen und Anschlüsse von Seilen, Kabeln und
Hängern. Berührstellen zwischen Beton- und Stahlbauteilen besonders beachten.
Die Schweißnähte bei geschweißten Konstruktionen mit nicht vorwiegend ruhender Be-
lastung besichtigen und ggf. überprüfen.
Die losen oder mangelhaften Niete oder Schrauben, die Risse in den Schweißnähten
und alle Mängel/Schäden an einzelnen Teilen dokumentieren.
Besondere Metallkonstruktionen, zum Beispiel Seilkonstruktionen, bestimmte feuerver-
zinkte Stahlkonstruktionen
3
, gesondert überprüfen.
2
Neptun-Spannstahl (ölschlussvergüteter Spannstahldraht N40, oval, 40 mm
2
) aus der Produktion bis 1964,
Sigma-Spannstahl (Spannstahldraht St 145/160, oval, 40 mm
2
, warmgerippte Oberfläche) aus der Produktion bis
1978 und Henningsdorfer-Spannstahl, jeweils im nachträglichen Verbund vorgespannt.
3
geänderte Zinkschmelzenlegierung aus dem Zeitraum 07/2000 bis 2006 in Verbindung mit geschweißten oder
kaltverformten Stählen der Güte S 355 oder höher, ggf. auch S 235

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Holzkonstruktionen
Holzkonstruktionen auf Risse und Verformungen, insbesondere Schrauben und sonstige
Verbindungen auf festen Sitz sowie auf Druck beanspruchte Stoßflächen auf sattes Auf-
einandersitzen, überprüfen. Nagelplatten auf einen ordnungsgemäßen Zustand kontrol-
lieren.
Holzkonstruktionen auf unzuträgliche Feuchtigkeit überprüfen. Dabei insbesondere ggf.
den Feuchtegehalt bestimmen und Stöße und Risse auf Eindringen von Feuchtigkeit ü-
berprüfen. Auf die etwaige Bildung von Wassersäcken und einen Befall durch
Holzschädlinge (Insekten und Pilze) achten.
Einen vorhandenen Oberflächenschutz auf Schäden und Verschleißteile auf Abnutzung
kontrollieren.
Gerissene Klebstofffugen (Leimfugen) und die Eignung des verwendeten Klebstoffs
(Leims) für die vorhandenen bauklimatischen Bedingungen überprüfen.
Träger mit Kastenquerschnitt gesondert überprüfen.
Fertigteilkonstruktionen
Die Lagerpunkte hinsichtlich aufgetretener Verschiebungen und noch vorhandener Tole-
ranzen überprüfen. Konsolen auf Risse und planmäßigen Lasteintrag kontrollieren.
Bei Fugen die Öffnungsweite und ggf. den Zustand der Fugenfüllung beurteilen. Befesti-
gungsteile insbesondere bei hängenden Elementen auf Unversehrtheit überprüfen.
Glas- und Membrankonstruktionen
Bei Glaskonstruktionen insbesondere auf zwängungsfreie Lagerung, Kantenverletzun-
gen und ausreichenden Glaseinstand der Glasscheiben achten; zudem darf kein Kontakt
zwischen Glas und Metall oder Glas und Glas auftreten.
Bei Membrankonstruktionen, insbesondere solchen, die mit primär tragender Funktion
ausgeführt sind, vor allem auf die Verbindungen und Anschlüsse, zum Beispiel Schweiß-
nähte und Klemmungen, achten.

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5. Weitere Hinweise
Bei der Planung von Neubauten wird empfohlen darauf zu achten, dass die maßgeben-
den Bauteile für die Überprüfungen zugänglich und einsehbar sind. Die Nachrüstung von
Revisionsöffnungen kann zweckmäßig sein.
Als Frühwarnsystem zur Vermeidung von Schäden können insbesondere bei baulichen
Anlagen mit großen Spannweiten geeignete, verdrahtete und drahtlose, permanent täti-
ge Überwachungssysteme in Betracht kommen. Bei der Entscheidung über den Einbau
eines Überwachungssystems sollte in jedem Fall ein Ingenieur mit besonderer Erfahrung
und mit Kenntnissen des aktuellen Stands der Technik auf diesem Gebiet zurate gezo-
gen werden.
Zu hohe Schneebelastungen können zu Schäden an Dach und Tragstruktur der bauli-
chen Anlage führen. Die zulässige Schneelast für die bauliche Anlage ist aus dem
Standsicherheitsnachweis ersichtlich. Ersatzweise können Auskünfte über die in einer
Gemeinde anzusetzende Schneelast bei der unteren Bauaufsichtsbehörde oder einem
Ingenieur-/Architekturbüro eingeholt werden. Die Schneehöhe auf dem Dach entscheidet
nicht über das jeweilige Schneegewicht. Schnee in seinen verschiedenen Formen kann,
angefangen von Pulverschnee über Nassschnee bis zu Eis, sehr unterschiedliches Ge-
wicht aufweisen. Zur Ermittlung der Schneelast auf dem Dach ist deshalb das tatsächli-
che Schneegewicht zu bestimmen. Spätestens wenn die zulässige Schneelast erreicht
ist, soll das Dach geräumt werden.