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Hinweise und Empfehlungen zum Umgang
mit arsen- und schwermetallbelasteten
landwirtschaftlich und gärtnerisch
genutzten Böden
(Stand: August 2021)

Impressum
Herausgeber:
Staatliche Betriebsgesellschaft für Umwelt und Landwirtschaft
GB Labore Landwirtschaft
01683 Nossen
Internet:
http://www.smul.sachsen.de/bful/
Redaktion:
Staatliche Betriebsgesellschaft für Umwelt und Landwirtschaft
GB Labore Landwirtschaft
Dr. Ralf Klose
Telefon: 035242-632-4100
Telefax: 035242-632-4099
e-mail: Ralf.Klose@smul.sachsen.de
Redaktionsschluss:
August 2021

1. Veranlassung
Ein beträchtlicher Teil der landwirtschaftlichen Nutzfläche Sachsens liegt im Erzgebirge, dem Erzgebirgsvorland
bzw. in den Auen der das Erzgebirge entwässernden Flüsse. In den Böden dieser Gebiete können, insbesondere
auf Grund geogener Ursachen, erhöhte Gehalte an Elementen mit toxischer Wirkung auf lebende Organismen
vorkommen. Diese liegen u. a. für den Pfad Boden-Nutzpflanze z. T. deutlich und auch flächenhaft über den Prüf-
und Maßnahmenwerten der Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung und stellen somit Anhaltspunkte für
das Auftreten von schädlichen Bodenveränderungen dar. Der Eintrag in die Nahrungskette (Boden – Pflanze –
Tier – Mensch) ist zum Schutz der menschlichen und der Tiergesundheit so gering wie möglich zu halten.
Auf der Grundlage bisheriger Erkenntnisse, in die die Ergebnisse des Pilotprojekts „Auenböden der Vereinigten
Mulde“ /1/ einflossen, erarbeitete die Staatliche Betriebsgesellschaft für Umwelt und Landwirtschaft Sachsen
(BfUL) dieses aktualisierte Informationsblatt mit Hinweisen und Empfehlungen zum Umgang mit arsen- und
schwermetallbelasteten landwirtschaftlich und gärtnerisch genutzten Böden.
Hinzu kommt, dass mit der Absenkung der tolerierbaren Belastung von Lebensmitteln mit dem Element Cadmium
im Jahr 2021 auch außerhalb der genannten Gebiete die Einhaltung der festgelegten Höchstgehalte für dieses
Element in Lebensmittelgetreide in Abhängigkeit vom Elementgehalt im Boden zu besorgen ist.
Das Informationsblatt soll den zuständigen Behörden für den Boden-, Verbraucher- und Gesundheitsschutz und
den betroffenen Produzenten als Beratungsmaterial dienen.
2. Schadstoffe mit Bedeutung für die sächsische Landwirtschaft
Arsen und Cadmium sind wegen der verbreiteten Kontamination landwirtschaftlich genutzter Böden in Sachsen
für den Eintrag in die Nahrungskette am bedeutendsten. Die Kontamination der Böden mit Blei und Quecksilber
ist vergleichsweise geringer. Erhöhte Arsen- und Cadmiumgehalte treten vor allem in den Böden des Erzgebirges
und des Erzgebirgsvorlandes sowie in den Flussauen von Freiberger Mulde, Zwickauer Mulde, Vereinigter Mulde,
Zschopau sowie untergeordnet von Weißeritz, Müglitz, Elster und Pleiße auf (Übersichtskarten Anlagen 1 – 3). In
diesen Gebieten ist mit erhöhten Schadstoffgehalten in den Nahrungs- und Futterpflanzen bis zur Überschreitung
der Lebens- und Futtermittelgrenzwerte zu rechnen (Tabelle 1).
Tabelle 1: Bedeutung von Schadelementen für Lebens- und Futtermittel in Sachsen
Element
Bedeutung für Landwirtschaft in Sachsen
Bemerkungen
Arsen
sehr niedriger Grenzwert für
Futtermittelausgangsstoffe (2 mg/kg TM)
große Flächen (Auen, Erzgebirge) mit erheblichen
Problemen bei der Futtermittelproduktion
für Lebensmittel kein Grenzwert
mittlere systemische Aufnahme
(d.h. durch die Wurzel)
bei Futtermitteln Verschmutzung durch
anhaftenden Boden
Cadmium
Grenzwerte für Futtermittelausgangsstoffe und
Lebensmittel können erreicht werden
Probleme besonders bei Brotgetreide (Weizen,
Roggen)
leichte systemische Aufnahme
bei Futtermitteln Verschmutzung durch
anhaftenden Boden
Blei
hoher Grenzwert für Grünfutter
(30 mg/kg TM) wird kaum erreicht
im Verhältnis zum Vorkommen im Boden sehr
niedrige Grenzwerte für Lebensmittel
kaum systemische Aufnahme
bei Futtermitteln Verschmutzung durch
anhaftenden Boden
Quecksilber
Grenzwert für Futtermittelausgangsstoffe
(0,10 mg/kg TM) wird selten erreicht
spielt für die Landwirtschaft in Sachsen keine
Rolle
kaum systemische Aufnahme
bei Futtermitteln Verschmutzung durch
anhaftenden Boden
Die Bundesbodenschutz-und Altlastenverordnung (BBodSchV) enthält für Acker- und Grünlandnutzung Prüf- und
Maßnahmenwerte (siehe Anlage 5), bei deren Überschreiten ggf. eine weitere Prüfung erforderlich ist bzw. in der
Regel vom Vorliegen einer schädlichen Bodenveränderung auszugehen ist. Bei Überschreitung der
Höchstgehalte für bestimmte Kontaminanten in Lebensmitteln nach der
Verordnung (EG) Nr. 1881/2006
(geändert durch Verordnung (EU) 2021/1323)
oder bei Überschreitung der Höchstgehalte für unerwünschte
Stoffe in Futtermitteln nach
Richtlinie 2002/32/EG
(Anlage 6) liegt, wenn die Schadstoffe aus dem Boden durch
Einwirkungen freigesetzt wurden, eine schädliche Bodenveränderung oder Altlast vor.
Die Überschreitung der Prüf- bzw. Maßnahmewerte nach BBodSchV bedeutet jedoch nicht generell auch eine
Überschreitung der lebens- und futtermittelrechtlichen Höchstgehalte. Auch bei deutlich erhöhten Bodengehalten
können unbelastete Ernteprodukte erhalten werden. Die BfUL hat aus ihren Untersuchungsergebnissen deshalb
Arsen-, Blei- bzw. Cadmiumgesamtgehalte im Boden abgeleitet, bis zu deren Höhe der Lebensmittelgrenzwert für
Cadmium und der Futtermittelgrenzwert für Arsen und Cadmium mit großer Wahrscheinlichkeit nicht überschritten
werden (Tabelle 2 und 3). Diese Angaben dokumentieren den derzeitigen Kenntnisstand in der BfUL und werden
jährlich aktualisiert. Sie haben orientierenden Charakter, um im Zweifelsfall als Entscheidungshilfe über die
Eignung des Bodens für die landwirtschaftliche Nutzung zu dienen. Die Festlegungen der BBodSchV werden
davon nicht berührt.

Tabelle 2: Empfehlungen für die Nutzung von Grünlandaufwüchsen
1)
Element
Gehalt im Boden
2)
Einschätzung/ Empfehlung
Arsen
< 50 mg /kg
Höchstgehalte nach Futtermittelverordnung werden mit hoher
Wahrscheinlichkeit eingehalten.
Cadmium
< 2 mg /kg
Blei
bis 400 mg/kg geprüft
Arsen
> 50 mg /kg
Futter vor Nutzung auf Arsen bzw. Cadmium untersuchen.
Cadmium
> 2 mg /kg
1) ungewaschen, für Grünland wurde eine zusätzliche Verschmutzung mit Boden von 1,5% angenommen.
2) bestimmt aus dem Königswasserextrakt nach DIN ISO 11466
Tabelle 3: Empfehlungen für die Getreideproduktion (Weizen, Gerste, Roggen)
Element
Gehalt im Boden
1)
Einschätzung/ Empfehlung
Cadmium
< 0,5 mg /kg
Höchstgehalt nach Lebensmittelverordnung wird mit hoher
Wahrscheinlichkeit eingehalten.
0,5 bis 1 mg /kg
Anpassungsmaßnahmen
können die Einhaltung des
Lebensmittelhöchstgehalts noch ermöglichen,
Vor-Ernte-Untersuchungen werden empfohlen.
> 1 bis 7 mg /kg
Höchstgehalte nach Lebensmittelverordnung werden mit hoher
Wahrscheinlichkeit überschritten.
Vor-Ernte-Untersuchungen werden empfohlen.
Höchstgehalt nach Futtermittel-VO wird eingehalten.
> 7 mg/kg
Höchstgehalt nach Futtermittelverordnung wird mit hoher
Wahrscheinlichkeit überschritten.
Blei
geprüft bis 250 mg/kg
Höchstgehalte nach Lebensmittelverordnung werden mit hoher
Wahrscheinlichkeit eingehalten.
1) bestimmt aus dem Königswasserextrakt nach DIN ISO 11466
3. Verantwortung des Landwirts
Der Landwirt ist gesetzlich verpflichtet, eigenverantwortlich die Einhaltung der Anforderungen des Futtermittel-
und Lebensmittelrechts sicherzustellen. Die Verpflichtung ergibt sich allgemein für Lebensmittel- und Futtermittel
aus der
Verordnung (EG) 178/2002
:
Art. 17 (1): „Die Lebensmittel- und Futtermittelunternehmer sorgen auf allen Produktions-, Verarbeitungs- und
Vertriebsstufen in den ihrer Kontrolle unterstehenden Unternehmen dafür, dass die Lebensmittel oder
Futtermittel die Anforderungen des Lebensmittelrechts erfüllen, die für ihre Tätigkeit gelten und über-
prüfen die Einhaltung der Anforderungen.“
Art. 19 (1): „Erkennt ein Lebensmittelunternehmer oder hat er Grund zu der Annahme, dass ein von ihm einge-
führtes, erzeugtes, verarbeitetes, hergestelltes oder vertriebenes Lebensmittel den Anforderungen an
die Lebensmittelsicherheit nicht entspricht, so leitet er unverzüglich ein Verfahren ein, um das betref-
fende Lebensmittel vom Markt zu nehmen, sofern das Lebensmittel nicht mehr unter der unmittelba-
ren Kontrolle des ursprünglichen Lebensmittelunternehmers steht, und die zuständigen Behörden
darüber zu unterrichten.“
Art. 20 (1): „Erkennt ein Futtermittelunternehmer oder hat er Grund zu der Annahme, dass ein von ihm
eingeführtes, erzeugtes, verarbeitetes, hergestelltes oder vertriebenes Futtermittel die
Anforderungen an die Futtermittelsicherheit nicht erfüllt, so leitet er unverzüglich Verfahren ein,
um das betreffende Futtermittel vom Markt zu nehmen und unterrichtet die zuständigen Behörden
hiervon.“
Die Verpflichtung zur Einhaltung der Höchstgehalte an Kontaminanten ergibt sich für
Lebensmittel
aus der
Verordnung (EG) 1881/2006:
Art. 1 (1): „Die im Anhang aufgeführten Lebensmittel dürfen nicht in Verkehr gebracht werden, wenn sie einen
der im Anhang aufgeführten Kontaminanten in einer Menge enthalten, die den im Anhang festgelegten
Höchstgehalt überschreitet.“
Die Verordnung (EG) 1881/2006 wurde mit der Verordnung (EU) 2021/1323 vom 10. August 2021 geändert, in
dem die Höchstgehalte an Kontaminanten neu festgesetzt wurden. Für Getreide (Weizen, Roggen, Gerste, Hafer,
Reis) wurden deutlich niedrigere Höchstgehalte festgelegt.
Die Einhaltung der Höchstgehalte für unerwünschte Stoffe in
Futtermitteln
ergibt sich aus der Futtermittel-
verordnung und deren Änderungen zur Aktualisierung:

§ 23 (1): Es ist verboten, ein Futtermittel mit einem Gehalt an einem unerwünschten Stoff, der den in Anhang I
der Richtlinie 2002/32/EG festgesetzten Gehalt überschreitet,
1.
in den Verkehr zu bringen,
2.
zu verfüttern oder
3.
zu Verdünnungszwecken mit dem gleichen oder einem anderen Futtermittel zu mischen.
Dem Landwirt bekannt gewordene
schädliche Bodenveränderungen
sind unverzüglich der zuständigen
Bodenschutzbehörde mitzuteilen (Sächsisches Abfallwirtschafts- und Bodenschutzgesetz § 10 (2)). Der
zuständigen Bodenschutzbehörde sind auf Verlangen die zur Erfüllung ihrer Aufgaben erforderlichen Auskünfte
zu erteilen und Unterlagen vorzulegen, erforderliche Untersuchungen sind zu dulden.
Liegen landwirtschaftlich genutzte Flächen in Gebieten mit erhöhter Schwermetallbelastung (Anlagen 1- 3 in
Verbindung mit den Tabellen 2 und 3), so sollten repräsentative Boden- und Pflanzenuntersuchungen zur
Feststellung der tatsächlichen Schwermetallbelastung veranlasst werden. Bei bereits vorliegenden Hinweisen auf
Grenzwertüberschreitungen aus Boden- und/oder Pflanzenuntersuchungen sind geeignete Maßnahmen (siehe
Punkt 4) zur Einhaltung der futter- und lebensmittelrechtlichen Höchstgehalte durchzuführen und deren Erfolg zu
kontrollieren.
Hilfestellung bei der Auswahl geeigneter Labore kann eine aktualisierte Liste notifizierter Untersuchungsstellen für
Probenahme und Analytik gemäß Fachmodul Abfall geben (
www.resymesa.de
, Modul Abfall/ Recherche nach
Kriterien/ Parametergruppen 2.1 Probenahme und Probenvorbereitung und 2.2 Schwermetalle, pH-Wert und
Bodenart).
4.
Handlungsempfehlungen für die Nutzung schwermetallbelasteter Böden
4.1 Optimierung des pH-Wertes
Die Bewertung des Kalkzustandes über den pH-Wert des Bodens erfolgt durch die Eingruppierung in die pH-
Klassen A bis E in Abhängigkeit von Bodenart und Humusgehalt. Anzustreben ist die pH-Klasse C mit optimalen
Bedingungen für Bodenstruktur und Nährstoffverfügbarkeit.
In Tabelle 4 sind Beispiele zur Ermittlung des Kalkbedarfes dargestellt. Da die Ermittlung der Kalkmenge vom
gemessenen pH-Wert, von der Bodenart und vom Humusgehalt abhängt, muss die auszubringende Kalkmenge
für die jeweilige pH-Klasse differenziert nach den Bedingungen bestimmt werden. Die zu düngenden Kalkmengen
für Grünland liegen deutlich unter denen von Ackerland, da der Boden einen höheren Humusgehalt und eine
größere biologische Aktivität aufweist.
Liegt der Kalkbedarf höher als die empfohlene maximale Einmalgabe, so sind die restlichen Mengen in den
folgenden Jahren auszubringen.
Die Kalkdüngung trägt zur Verringerung des Schwermetalltransfers unterstützend bei, auf leicht versauernden
Verwitterungsböden wirksamer als auf Auenböden. Zu beachten ist aber, dass zu hohe Kalkmengen die
Arsenaufnahme der Pflanzen begünstigen.
Fachliche Hinweise zur Ermittlung des Kalkbedarfes finden Sie unter
https://www.landwirtschaft.sachsen.de/fachliche-hinweise-45263.html
unter => Grunddüngung.
Mit dem Programm BESyD können die Kalkdüngermengen für Ackerland und Grünland sowohl für den
konventionellen als auch den ökologischen Landbau pro Schlag berechnet werden
(
www.landwirtschaft.sachsen.de/besyd
).
Tab. 4 Beispiele für die Höhe der Kalkdüngergabe auf Ackerland bei einem Humusgehalt ≤4 %
Bodenart
pH-
Klasse
pH-
Wertebereich
pH-Wert
gemessen
Kalkbedarf für
4 Jahre
[dt CaO/ha]
maximale
Einmalgabe
[dt CaO/ha]
Sand
A
≤ 4,5
4,0
45
28
4,5
30
C
5,4 -5,8
5,4
6
5,8
6
Lehm
A
≤ 5,2
4,8
100
70
5,2
75
C
6,3 – 7,0
6,3
17
7,0
17
4.2 Phosphordüngung
Durch eine Phosphordüngung entsprechend dem Düngebedarf zu Beginn der Vegetationsperiode (keine
Vorratsdüngung) kann der Arsentransfer in die Pflanze zurückgedrängt werden, da Phosphor und Arsen bei der
Aufnahme durch die Wurzel konkurrieren.

4.3 Anbauempfehlungen
4.3.1 Getreide zu Nahrungszwecken
Wird bei Untersuchungen eine Überschreitung des Höchstgehalts in Brotweizen (0,10 mg Cd/kg Frischgewicht)
nachgewiesen, kann ein Ausweichen auf Roggen oder Gerste erfolgreich sein, da die genannten Arten ein
gegenüber Weizen verringertes Aufnahmevermögen für Cadmium aufweisen. Bei Roggen, Gerste und Hafer ist
jedoch der geringere zulässige Höchstgehalt nach EG-Verordnung von 0,05 mg/kg Frischgewicht zu beachten.
Der Verzicht auf den Anbau von Kulturen, die als Lebensmittel in Verkehr gebracht werden sollen, zu Gunsten
der Produktion von Futtergetreide oder Feldfutter kann vom Standpunkt der Schwermetallbelastung her sinnvoll
sein, denn der zulässige Futtermittelhöchstgehalt liegt bei Cadmium deutlich über dem von Lebensmitteln. In
diesem Falle ist aber der Futtermittelhöchstgehalt für Arsen zu beachten.
4.3.2 Sortenabhängige Schwermetallaufnahme bei Getreide
Durch Wahl einer geeigneten Sorte kann die Aufnahme von Schadelementen in begrenztem Umfang beeinflusst
werden. Für Winterweizen und Sommergerste liegen Ergebnisse zur sortenabhängigen Cadmiumaufnahme vor
(Tab. 5 und 6).
Tabelle 5:
Cadmiumgehalte im Erntekorn Winterweizen
(Cd
Boden
: 6,3 mg/kg; pH
Boden
: 6,0;
V-Standort; Gefäßversuch; BfUL 2020)
Tabelle 6:
Cadmium-Gehalt verschiedener Sorten Sommergerste
(Cd
Boden
6,6 mg/kg; pH
Boden
: 6,1;
V-Standort; Gefäßversuch; BfUL 2019)
WW-Sorte
Cd (mg/kg
Korn)
% von Julius
SG-Sorte
Cd (mg/kg
Korn)
% von Avalon
Elixer
0,79
118
Avalon
0,19
100
Informer
1,00
151
Cervina
0,22
116
Pontius
1,07
161
RGT Planet
0,23
121
Moschus
1,14
171
Quench
0,24
126
Asory
1,22
183
Solist
0,37
195
4.3.3 Obst- und Gemüseanbau
Für den Anbau in schwermetallbelasteten Gebieten geeignete Kulturen sind in Tabelle 7 angegeben.
Tab. 7: Anbauempfehlungen für den Obst- und Gemüseanbau
Schwermetallaufnahme
erhöht
mittel
Gering
Blattgemüse
Wurzelgemüse
Kohlgemüse
alle Obstarten
Stängelgemüse
Möhren
Blumenkohl
Bohnen
Spinat
Petersilienwurzel
Kopfkohl
Erbsen
Blattsalat
Radieschen
Kohlrabi
Gurken
Kresse
Rettich
Broccoli
Paprika
Küchenkräuter
Rote Bete
Grünkohl
Tomaten
Rhabarber
Schwarzwurzel
Rosenkohl
Sellerie
Porree
Zwiebeln
Knoblauch
Erdbeeren
Kartoffeln
Anbau nicht geeignet
Anbau bedingt geeignet
Anbau geeignet
4.4 Vor-Ernte-Untersuchungen
Landwirte können sich an dem von der BfUL in Zusammenarbeit mit den Lebensmittelkontrollbehörden
entwickelten Programm zur Vor-Ernte-Untersuchung beteiligen. Dabei wird nach einem festgelegten Verfahren
schon Tage vor dem Erntetermin das Korn beprobt und in einem empfohlenen Labor (siehe
https://www.bful.sachsen.de/download/Merkblatt_PN_CdPb_2018.pdf)
untersucht.
Die Vor-Ernte-Untersuchung hat für den Landwirt zwei Vorteile:

Er kommt damit seiner Verpflichtung zur Eigenkontrolle nach der Schadstoff-Höchstmengenverordnung
nach (siehe 3. Verantwortung des Landwirts).
Der Landwirt erhält schon vor der Ernte Kenntnis von der Schwermetallbelastung seines Produktes und
kann entscheiden, ob die Vermarktung als Lebensmittel erfolgen kann. Ist die Schwermetallbelastung
dafür zu hoch, so ist in aller Regel die Vermarktung als Futtermittel möglich. In seltenen Fällen kann das
Getreide jedoch so hoch belastet sein, dass auch eine Nutzung als Futtermittel nicht mehr in Frage
kommt. Dann kann der Aufwuchs noch der energetischen Verwertung zugeführt werden. Muss dieser
Weg gewählt werden, empfiehlt sich anstelle des Drusches die Ganzpflanzenernte.
4.5 Umwandlung von Acker- in Grünland
Die Umwandlung von Acker- in Grünland ist sinnvoll, wenn trotz Anwendung aller Maßnahmen zur Verringerung
der Cadmiumaufnahme in die Nutzpflanze der Höchstgehalt nach EG-Lebensmittelverordnung überschritten wird
und der Arsengehalt der betroffenen Fläche unbedenklich ist.
4.6 Futtererzeugung
In Gebieten mit hohen Schwermetallgehalten im Boden bestimmt die Verschmutzung der Pflanzen mit
anhaftendem Boden den Schwermetallgehalt des Futters. Durch Beachtung der in Anlage 7 (Anhang)
aufgeführten Maßnahmen kann die Verschmutzung des Futters vermindert werden.
Die Änderung der Grünlandzusammensetzung durch Nachsaat entsprechender Gräser kann den
Schwermetallgehalt des Futters beeinflussen. Gräser nehmen gegenüber Wiesenkräutern weniger Schwermetalle
auf. Der Cadmiumgehalt von Gräsern beträgt z. B. nur 30 – 50% des Gehalts von Wiesenkräutern. Mit der
Erhöhung des Ertragsanteils von Gräsern im Bestand ist grundsätzlich eine Verringerung des
Schwermetallgehalts des Grünfutters erreichbar.
4.7 Verwertung von belastetem Getreide und Gras
4.7.1 Verwertung in Verbrennungsanlagen
Zur Zeit gibt es nur eine typgeprüfte Feuerungsanlage von Ökotherm, die außer Holz weitere feste Brennstoffe,
wie z.B. schwermetallbelastetes Getreide oder Stroh verbrennen darf. Rechtsgrundlage ist die 1. Bundes-
Immissionsschutzverordnung (1. BImSchV, 2010).
In immissionsschutzrechtlich genehmigungsbedürftigen Anlagen können Getreidekörner, Silage und Gras im
Rahmen des Genehmigungsverfahrens der Mitverbrennung eingesetzt werden. Die Mitverbrennung bedarf,
sofern nicht vom Genehmigungsumfang erfasst, der vorherigen Anzeige gemäß § 15 Bundes-
Immissionsschutzgesetz (BImSchG) durch den Betreiber der Anlage.
4.7.2 Verwertung in Biogasanlagen
Der bei der Vergärung von belastetem Getreide/Gras aus der pflanzlichen Erzeugung/Landwirtschaft in
landwirtschaftlichen Biogasanlagen anfallende Vergärungsrückstand stellt einen Wirtschaftsdünger im Sinne des
§ 2 Nr. 2 Düngegesetz dar. Soweit keine Bioabfälle als Kosubstrate eingesetzt werden, unterliegt der
Gärrückstand als Wirtschaftsdünger nicht der Bioabfallverordnung.
Bei der Vergärung der im eigenen Betrieb erzeugten nachwachsenden Rohstoffe in einer betriebseigenen
Biogasanlage (ggf. zusammen mit Gülle und anderen Wirtschaftsdüngern, jedoch ohne Einsatz von Bioabfällen)
und der Verwertung der Gärrückstände auf betriebseigenen Flächen bestehen keine schadstoffseitigen und
hygienischen Anforderungen (Untersuchungspflichten, Grenzwerte etc.). Die Eigenverwertung ist somit möglich.
Stark schadstoffhaltige Ernteprodukte sollten nur dann in einer betrieblichen Biogasanlage eingesetzt werden,
wenn eine Rückführung der anfallenden Vergärungsrückstände auf die Belastungsflächen sichergestellt wird.
Werden Düngemittel in den Verkehr gebracht, unterliegen diese allen düngerechtlichen Vorgaben [Düngegesetz,
Düngemittelverordnung (u.a. Einhaltung der Schadstoffgrenzwerte, Seuchen- und Phytohygiene),
Düngeverordnung (Anwendungsvorgaben) und Verbringungsverordnung für Wirtschaftsdünger (Aufzeichnungs-,
Mitteilungspflichten)].
Düngemittel (z. B. Wirtschaftsdünger) dürfen nur dann in Verkehr gebracht werden, wenn sie bei sachgerechter
Anwendung die Fruchtbarkeit des Bodens, die Gesundheit von Menschen, Tieren und Nutzpflanzen nicht
schädigen sowie den Naturhaushalt nicht gefährden und wenn zur Herstellung nur düngemittelrechtlich zulässige
Ausgangsstoffe verwendet werden.
4.7.3 Einsatz in Müllverbrennungsanlagen
Die Entsorgung in Müllverbrennungsanlagen (z. B. in Lauta) ist möglich, jedoch mit hohen Kosten für die
Landwirte verbunden.
4.8 Flächenumwidmung
Wenn die vorgeschlagenen Maßnahmen nicht zur Einhaltung der gesetzlichen Höchstgehalte für
landwirtschaftliche Produkte führen, ist die langfristige Stilllegung, die Herausnahme aus der landwirtschaftlichen
Erzeugung (Aufwuchs mulchen oder häckseln und ganzflächig verteilen) oder die Umwidmung der betroffenen
Acker- oder Grünlandfläche (z. B. Aufforstung) in Betracht zu ziehen.

5. Weitere Informationen
Auf der Homepage der BfUL sind unter
https://www.bful.sachsen.de/schwermetalle-4148.html
aktuelle Informationen zum Themenkomplex landwirtschaftliche Nutzung schwermetallbelasteter Flächen
eingestellt. Hier finden Sie
Materialien zum Programm Vor-Ernte-Untersuchung (Hinweise zur Probenahme, empfohlene Labors)
Informationen zur sortenabhängigen Cd-Belastung
Auskünfte zum Thema erteilt die Staatliche Betriebsgesellschaft für Umwelt und Landwirtschaft, Herr Dr. Klose,
Tel.: 035242-632-4100.
Literatur
/1/ Klose, R.; G, Rank; V. Marx (2006): Landwirtschaftliche und gärtnerische Nutzung auf
schadstoffbelasteten Flächen im Freistaat Sachsen, Pilotprojekt „Auenböden der Vereinigten Mulde“,
Schriftenreihe der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft, Heft
Anlagen
Anlage 1:
Cadmium im Oberboden, Königswasserextrakt, Gehalte > 0,4 mg/kg Boden, LfULG 2021
Anlage 2:
Arsen im Oberboden; Geochemische Übersichtskarte des Freistaates Sachsen 2009,
LfULG
Anlage 3:
Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 zur Festsetzung der Höchstgehalte für bestimmte
Kontaminanten in Lebensmitteln und deren Änderung durch die Verordnung (EU)
2021/1323 (Auszug)
Anlage 4:
Prüf- und Maßnahmenwerte nach BBodSchV für den Pfad Boden – Nutzpflanze
Anlage 5:
Höchstgehalte für unerwünschte Stoffe in Futtermitteln, EG-Richtlinie 2002/32/EG
Anlage 6:
Verminderung der Verschmutzung des Futters mit Boden

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Anlage 1:
Cadmium im Oberboden, Königswasserextrakt, Gehalte > 0,4 mg/kg Boden, LfULG 2021

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Anlage 2
: Arsen im Oberboden; Geochemische Übersichtskarte des Freistaates Sachsen 2009, LfULG

Anlage 3:
Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 zur Festsetzung der Höchstgehalte für bestimmte Kontaminanten in
Lebensmitteln: Höchstgehalte an Schwermetallen in Lebensmitteln (mg/kg Frischgewicht),
geändert durch Verordnung (EU) 2021/1323 vom 10. August 2021 (Auszug)
Element
Erzeugnis
Höchstgehalt in mg/kg
Frischgewicht
Cadmium
Roggen, Gerste
Reis, Quinoa, Weizenkleie, Weizengluten
Hartweizen
Weizenkeime
anderes Getreide (z.B. Weizen, Hafer)
Rapssamen
Leinsamen, Sonnenblumenkerne
0,05
0,15
0,18
0,20
0,10
0,15
0,50
Blei
Getreide und Hülsenfrüchte
Kartoffeln (geschält), Gemüse, ausgenommen:
- Blattkohl,Schwarzwurzel,Blattgemüse, frische Kräuter
Wiesenchampignon, Austernseitling, Shiitake
0,20
0,10
0,30
Erläuterungen zu Anlage 4:
- Die Höchstgehalte für die Elemente Cadmium und Blei beziehen sich auf den essbaren Teil von Lebensmitteln.
Diese dürfen nur in Verkehr gebracht werden, wenn die Schwermetallhöchstgehalte nicht überschritten werden.
- Die Höchstgehalte gelten nicht für Getreide, das als Malz zur Herstellung von Bier oder Destillaten verwendet
wird. Wird das restliche Malz als Lebensmittel in Verkehr gebracht, gelten die Höchstgehalte.
Anlage 4:
Prüf- und Maßnahmenwerte nach Bundesbodenschutz- und Altlastenverordnung
(BBodSchV) für den Pfad Boden – Nutzpflanze
(Angaben in mg/kg TM); königswasserlöslich, außer AN (ammoniumnitratlöslich)
Element
Prüfwert
Maßnahmenwert
Maßnahmenwert
Prüfwert
Acker
Acker
Grünland
Acker
1)
Arsen
200 (50 red. Bed.)
2)
50
0,4 AN
Cadmium
0,10 AN bzw. 0,04 AN
3)
20
Blei
0,1 AN
1200
Thallium
0,1 AN
15
Quecksilber
5
2
Kupfer
1300 (200 Schafe)
1,0 AN
Nickel
1900
1,5 AN
Zink
2,0 AN
1)
im Hinblick auf Wachstumsbeeinträchtigungen bei Kulturpflanzen
2)
für Böden mit zeitweise reduzierenden Bedingungen
3)
für Brotweizen und stark cadmiumanreichernde Gemüsearten
Erläuterungen zu Anlage 5:
Das Gesetz zum Schutz des Bodens (BBodSchG vom 17.03.1998) legt fest, dass bei Überschreitung
-
eines Prüfwertes
die einzelfallbezogene Prüfung durchzuführen ist, um festzustellen, ob eine schädliche Bodenveränderung oder Altlast vorliegt,
-
eines Maßnahmenwertes
von einer schädlichen Bodenveränderung/ Altlast unter Berücksichtigung der jeweiligen Bodennutzung in der Regel auszugehen
ist und Maßnahmen zur Sanierung und/oder Gefahrenabwehr einzuleiten sind.
Für den Pfad Boden – Nutzpflanze gelten die vorgenannten Prüf- und Maßnahmenwerte für die Probeentnahmetiefe 0 – 30 cm bei
Ackernutzung bzw. 0 – 10 cm bei Grünlandnutzung. Sie erhöhen sich um den Faktor 1,5 bei Probeentnahmetiefen von 30 – 60 cm
(Ackernutzung) bzw. 10 – 30 cm (Grünlandnutzung).

Anlage 5
: Höchstgehalte für unerwünschte Stoffe in Futtermitteln, EG-Richtlinie 2002/32/EG;
in mg/kg, bezogen auf 88% v.H. Trockenmasse; (Stand 2013; Auszug)
Futtermittelart
As
Pb
Cd
Hg
F
FM-Ausgangserzeugnisse, wenn nicht anders angegeben
2
10
1
0,1
150
Grün- ,Luzerne-, Kleegrünmehl, getrock. Zuckerrübenschnitzel,
getrock. melassierte ZR-Rübenschnitzel
4
Grünfutter
30
Alleinfuttermittel
2
5
0,5
150
Alleinfuttermittel für Fische und Pelztiere
10
Alleinfuttermittel
für
Rinder,
Schafe
und
Ziegen
(nicht Kälber, Lämmer, Ziegenlämmer)
1
50
Alleinfuttermittel
für
Rinder,
Schafe,
Ziegen
laktierend
(nicht Kälber, Lämmer, Ziegenlämmer)
30
Ergänzungsfuttermittel
4
10
0,5
Ergänzungsfuttermittel < 4% Phosphor
500
Ergänzungsfuttermittel > 4% Phosphor, je 1% Phosphor
125

Anlage 6
: Verminderung der Verschmutzung des Futters mit Boden bei
der Aufnahme von Grünland- und Ackerfutter (nach: Elsäßer/Nußbaum,
LVVG Aulendorf 1993)
Ursache der Verschmutzung
Maßnahme zur Abhilfe
1. Schnittnutzung bei Grünland (Grünfutter, Silage, Heu)
lückiger Pflanzenbestand
*Nach- oder Übersaat
ungünstige Zusammensetzung des
Pflanzenbestandes
*standortgerechte Arten- und Sortenwahl
*Anpassung von Düngung und Nutzung
*häufigere Nutzung ergibt dichte Narbe
*Unkrautbekämpfung
Fahrspuren
*Befahren nur bei ausreichender Anpassung der Bereifung
an das Gewicht
Maschineneinstellung
*höher mähen, 5
- 7 cm stehenlassen
häufige Bearbeitung
*zügiges Anwelken mit großer Schlagkraft
*Verzicht auf einen Wendevorgang durch Konservierungs-
verfahren, bei denen rascheres Einfahren möglich ist (z.B.
Heubelüftung an Stelle von Bodenheubereitung, Siliermitteleinsatz)
Futtertransport
*Vermeiden von Staubentwicklung beim Transport zur
Anpassen der Fahrgeschwindigkeit
Futtereinlagerung
*im Fahrsilo Überfahren des Futters nur mit sauberen Schlepperreifen
*im Hochsilo Zwischenlagerung des Futters vor
Gebläsebeschickung nur auf befestigter Bodenplatte bzw.
Befüllung über Dosiergerät
nasses oder feuchtes Grünfutter
*Mahd möglichst bei abgetrocknetem
Pflanzenbestand
*späterer Schnittzeitpunkt am Tag
*an Regentagen schonende Ackerfuttermahd mit größerer Schnitthöhe
2. Weidewirtschaft (auf Grünland und Ackerfutterflächen)
Narbenschäden
*Nach- bzw. Übersaat
*kurze Weidephasen bei Regen oder feuchtem Boden
*bei nasser Witterung ist auf das Beweiden von Ackerfutter
zu verzichten
*angepaßter Viehbesatz
*Wechsel der Weidetore und Tränkestelle
*Unterstand mit befestigter Bodenplatte
zu tiefe Nutzung
*durch Einkalkulieren von genügend Weiderest (ca. 20%
des Futteraufwuchses) sollte die Verbißtiefe gesteuert
werden (optimal: 3 -5 cm)
*Viehbesatz reduzieren
*rechtzeitiger Weidewechsel
Starkregen
*Auftrieb nicht unmittelbar nach Starkregenfällen
(Verschmutzung des Futters)
3. Ackerfutter
lückiger Pflanzenbestand
*bei besonders lückigem Bestand Verzicht auf Futternutzung
Lager
*Verwendung standfester Sorten
*kein Anbau leicht lagernder Zwischenfrüchte (z.B. Erbsen)
zu tiefe Nutzung
*bei Schnittnutzung von Ackerfutter die entsprechenden
Regeln für Grünland beachten
*hoher Schnitt (5 - 7 cm)
unregelmäßige Bodenoberfläche
*auf gleichmäßige Bodenbearbeitung und Saatbettbereitung achten
anhaftende Erde bei
Futter-
und
Stoppelrüben
*nur gewaschen verfüttern
*besser auf Silomais, Kleegras o.ä. ausweichen
*Verzicht auf Feldzwischenlagerung bei Rübenblatt