image
 
Neue Krone
Staatliche Studien-
akademie Plauen
Seite 4
Beste Bedingungen
Neubau der Versuchs-
station Pommritz
Seite 6
SIB-Zentrale
Wechsel in der
Technischen
Geschäftsführung
Seite 14
Dresdner Residenzschloss
Wiederherstellung der
Paraderäume
Seite 8
Magazin
SIB
Ausgabe 2 | 2019

image
 
2 | 2019
2
INHALT
IMPRESSUM
Herausgeber:
Staatsbetrieb Sächsisches
Immobilien- und Baumanagement
Wilhelm-Buck-Straße 4, 01097 Dresden
www.sib.sachsen.de
im Auftrag des Freistaates Sachsen,
Sächsisches Staatsministerium der Finanzen
Redaktion:
SIB-Zentrale: Oliver Gaber (V.i.S.d.P.),
Alwin-Rainer Zipfl, Tobias Lorenz,
blaurock markenkommunikation:
Tobias Blaurock
Gestaltung:
blaurock markenkommunikation,
www.team-blaurock.de
Fotos:
Jürgen Jeibmann (S. 1, 2, 5–7 M., 8 u., 12–
13
o., 20),
David Nuglisch (S. 3, 14 o., 15 u.),
Michael Moser Images (S. 4 o. l.),
Maximilian Meisse (S. 4 o. r.), SIB (S. 8 o.),
Sylvio Dittrich, dresden-fotografie.de
(S. 9–11), Grafik: Heinle, Wischer und
Partner freie Architekten (S. 13 M.),
Werner Huthmacher (S. 14 u.), Prof. Jörg
Schöner (S. 15 o.), Steffen Spitzner (S. 16),
blaurock markenkommunikation (S. 17)
Druck /Auflage:
Lößnitz-Druck/2.000 Stück
Redaktionsschluss:
Oktober 2019
Copyright:
Die Veröffentlichung ist urheberrechtlich
geschützt. Alle Rechte, auch die des Nach-
druckes von Auszügen und der fotomecha-
nischen Wiedergabe, sind dem Herausgeber
vorbehalten. Diese Maßnahme wird
mitfinanziert durch Steuermittel auf der
Grundlage des vom Sächsischen Landtag
beschlossenen Haushaltes.
Ausführung des Kreidegrundschnittes am rekonstruierten Prunkrahmen für das Kaminbild im Eckparadesaal
3 EDITORIAL
KLUGE KÖPFE
4
Die neue Krone Plauens
GUTE IDEEN
6
Alles neu seit Mai
8
Augusts Thron ist zurück
SIB IN ZAHLEN
10 Rekonstruktion der Paraderäume
AUF DER BAUSTELLE
12 Aufgebrochene Amethystdruse
SIB INTERN
14 Beeindruckende Bilanz
15 Willkommen zurück
17 SIB investiert in seine Datensicherheit
AKTUELLE BAUPROJEKTE
18 Auf einen Blick

image
image
 
2 | 2019
3
EDITORIAL
Der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanage-
ment (SIB) steht für die außerordentlich verantwortungsvolle
Aufgabe, die Planung, den Bau und die Bewirtschaftung der
Immobilien des Freistaates Sachsen zu steuern. Planen, Bauen
und Bewirtschaften sind Prozesse, die nicht getrennt, son-
dern als Ganzes betrachtet werden müssen. Dabei können die
damit verbundenen Herausforderungen oft nicht standardi-
siert gelöst, sondern müssen im Einzelnen betrachtet werden.
Hier gilt es auf die Erfordernisse unserer Nutzer einzugehen
und dies mit der gebotenen Weitsicht auf Nachhaltigkeit und
Effizienz der eingesetzten Mittel zu vereinen.
Ohne das große Engagement und Fachwissen unserer
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wären die vielschichtigen
Aufgaben nicht zu bewältigen. Anhand der Themen in der
aktuellen Ausgabe des SIB Magazins zeigt sich sehr anschau-
lich, wie breit das Spektrum gefasst ist.
Im Herzen von Plauen nahm die Studienakademie Plauen
nach der umfassenden Sanierung und dem Umbau des ehe-
maligen Amtsgerichtsgebäudes ihren Lehrbetrieb auf. Für die
Studierenden, Dozenten und Mitarbeiter entstanden auf dem
historisch bedeutsamen Areal modernste Seminarräume, La-
bore und Büros.
Fernab der sonst üblichen Zentren wurden in der Ober-
lausitz mit dem Neubau der Versuchsstation in Pommritz
optimale Bedingungen für das Landesamt für Umwelt, Land-
wirtschaft und Geologie geschaffen. Hier werden künftig
neue Pflanzensorten und Anbaumethoden, die sich an der
Klimaentwicklung orientieren, erprobt.
Von hohem öffentlichen Interesse, weit über die Grenzen
Deutschlands hinaus, wurde die Wiederherstellung der Para-
deräume begleitet, mit deren Übergabe im September 2019
ein weiteres bauliches Juwel im Dresdner Residenzschloss
erstrahlt.
Mit Herrn Prof. Dieter Janosch ging der langjährige Tech-
nische Geschäftsführer des SIB in seinen Ruhestand. Im ak-
tuellen Magazin erinnert er sich an seine Zeit beim SIB, die
geprägt war von ganz unterschiedlichen Herausforderungen
und einmaligen Bauaufgaben. Gleichzeitig stellen wir Ihnen
seinen Nachfolger als Technischen Geschäftsführer, Herrn
Volker Kylau vor.
Wir wünschen Ihnen eine interessante Lektüre der aktuel-
len Ausgabe des SIB Magazins.
Oliver Gaber
Kaufmännischer
Geschäftsführer
Volker Kylau
Technischer
Geschäftsführer

image
image
 
4
Unter Regie der Niederlassung Zwickau des SIB entsteht derzeit auf dem
Plauener Schlossberg ein neuer Campus für die Staatliche Studienakade-
mie Plauen. Mit der Sanierung und dem Umbau des ehemaligen
Amtsgerichtsgebäudes ist der erste Bauabschnitt bereits erfolgreich
abgeschlossen. Für die bald ca. 400 Studierenden, ca. 100 Honorardo-
zenten und 26 festangestellten Mitarbeiter sind auf einer Fläche von
2.000 Quadratmetern modernste Seminarräume, Labore und Büros
entstanden. Durch die Aufwertung und Umnutzung des Geländes wird
zudem ein markanter und für die Plauener wichtiger historischer Ort
städtebaulich deutlich aufgewertet und belebt.
An der prominenten Stelle direkt oberhalb der Plauener Innenstadt stand,
weithin sichtbar, einst die ehemalige JVA Plauen. Fast der gesamte Be-
stand wurde im Jahr 2014 abgerissen, um Platz für einen Neubau und die
Außenanlagen zu schaffen. Das ehemalige Amtsgerichtsgebäude wurde
bereits zum Lehr- und Laborgebäude der Staatlichen Studienakademie
Plauen umgebaut und am 3. Mai 2019 von Finanzminister Dr. Matthias
Haß und Vertretern des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft
und Kunst übergeben. Diana Weber, die 1993 als Referendarin in die
Bauverwaltung des Freistaates Sachsen kam und bereits seit 26 Jahren
beim heutigen SIB angestellt ist, konnte beim ersten Bauabschnitt, der
Sanierung und dem Umbau des ehemaligen Amtsgerichtsgebäudes, als
Sachgebietsleiterin ihre ganze Erfahrung in das Projekt einbringen. Der
Sachbearbeiter Jan Schneider leitete das Projekt bereits beim Abriss der
JVA im Jahr 2014 und war vorübergehend für ein anderes Projekt tätig.
Die Projektleitung Hochbau übernahm er dann wieder im Januar 2019.
„Ich ernte nur, was meine Kollegin Sindy Männel gesät hat. Der Hauptteil
der Arbeit wurde vorher schon von ihr geleistet.“, so Schneider.
Die neue Krone Plauens
Staatliche Studienakademie – Markantes Ensemble über der Innenstadt entsteht
Das Ausbildungsangebot der Staatlichen Studienakademie Plauen um-
fasst fünf Studiengänge in den Bereichen Wirtschaft, Technik, Sozial-
und Gesundheitswesen mit Studienabschluss Bachelor of Arts, Bachelor
of Science und Bachelor of Engineering. Der starke Praxisbezug an der
Berufsakademie macht die Ausbildung hochattraktiv und ist nicht nur
geeignet, Abiturienten zu motivieren, in der Region zu bleiben, sondern er
motiviert auch Jugendliche, zum Studium nach Plauen zu kommen. Den
Unternehmen der Region bietet die Studienakademie sehr gut vorberei-
tete Absolventen und die Chance, diese schon während des Studiums an
sich zu binden.
Der Direktor der Studienakademie Prof. Dr. Lutz Neumann beglei-
tete im ersten Bauabschnitt Planung und Bau in enger und konstruk-
tiver Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen des SIB:
„Die Studien-
akademie bringt akademische Ausbildung überhaupt in die fünftgrößte
Stadt Sachsens. Dafür kommen jetzt sogar Jugendliche von außerhalb
hierher. Eine Stadt dieser Größe ohne akademische Bildungseinrichtung
wäre im Wettbewerb der Standorte benachteiligt. Mit dem attraktiven
neuen Campus auf dem Schloßberg werden wir auch nochmal ganz an-
ders wahrgenommen.“
Praxis und Theorie Hand in Hand
„In einem so wunderbaren Gebäude untergebracht zu sein,
dieser schönen Symbiose aus erhaltener Bausubstanz
und -struktur, verbunden mit den modernsten technischen
Ausstattungen, ist wirklich ein Glücksfall.“
Prof. Dr. Lutz Neumann, Direktor der Staatlichen Studienakademie Plauen
Planungskenndaten Lehrgebäude:
Funktions- und Verkehrsfläche: 1.921 m²
Nettogrundfläche: 4.926 m²
Bruttogrundfläche: 6.395 m²
Bruttorauminhalt: 25.313 m³
Baukosten: rd. 14 Mio. Euro
Planungskenndaten Gesamtareal:
Grundstücksfläche (einschl. Parkplatz): 10.510 m²
davon 6.280 m² Wege, Plätze und Straßen
Gesamtbaukosten: ca. 27.700.000 Euro
2 | 2019
KLUGE KÖPFE
Architektur: studioinges

image
image
2 | 2019
5
KLUGE KÖPFE
Alt und Neu vereint
„Das einstige Amtsgericht und Freigängerhaus der JVA stand seit Nut-
zungsende im Jahr 2007 leer und verfiel. Es gab vielfältige Bemühungen,
eine Nachnutzung zu finden. Nach Jahren der Suche schien es aussichts-
los, jemals überhaupt eine Nutzung hereinzubekommen, geschweige denn
eine so anspruchsvolle. An der Raumstruktur hat sich gar nicht so viel ge-
ändert, aber die Materialien und das Belüftungskonzept haben eine ganz
neue Qualität gebracht.“
, so Jan Schneider.
Besonders spannend war es für die Mitarbeiter bei diesem Projekt, alte
und neue Materialien unter den Maßgaben des Denkmalschutzes optimal
zu verbinden.
„Hochtechnisierte moderne Anlagen, wie heutige Labore
und Lüftungstechnik, von außen unsichtbar in alte Gebäude einzubringen,
ist immer speziell.“
, so Diana Weber.
Eine besondere Herausforderung war die ungewöhnliche Bauweise. Die
Ziegel wurden mit Lehmmörtel vermauert. Erst nach der Trockenlegung
konnte durch Druckversuche die Festigkeit ermittelt werden, die dann
den statischen Berechnungen zu Grunde gelegt wurde. Um das Mauer-
werksgefüge zu erhalten, wurde auf Grundlage von gutachterlichen Un-
tersuchungen im Innenbereich ein Lehmputz verwendet.
Harmonie am Bau
Nahtloser Übergang zu Nachbarflächen
Über die Zusammenarbeit zwischen SIB und Nutzer sind alle Beteiligten
voller Lob. Jan Schneider:
„Ich habe schon an Gebäuden für die unter-
schiedlichsten Nutzer gearbeitet – ob Hochschule, Krankenhaus oder im
allgemeinen Landesbau – aber in diesem Fall war die Zusammenarbeit
außergewöhnlich gut, wirklich sehr positiv und sehr angenehm.“
Prof. Lutz Neumann beschreibt, worüber er sich besonders gefreut
hat:
„Bei technischen Laborausstattungen gibt es ja immer die Trennung
zwischen festen Einbauten und beweglichen Teilen. Erstere sind vom Bau-
herrn zu beschaffen, zweitere muss der Nutzer bezahlen. Es gibt nun aber
Komponenten, die im Grunde nur mit hohem Aufwand getrennt auszu-
schreiben wären. Hier bin ich dem SIB sehr dankbar. Denn man hat solche
Komponenten unbürokratisch aus einer Hand beschafft und uns dann den
von uns zu tragenden Anteil einfach weiterberechnet. Das sparte uns letzt-
lich allen Zeit und Aufwand und macht uns im Ergebnis einen reibungs-
losen Betrieb aus einer Hand möglich. Aber das ist nur ein Beispiel für die
„Die Hänge unterhalb des Baugebietes auf dem Schlossberg werden paral-
lel zu unseren Baumaßnahmen mit Fördergeldern des Freistaates Sachsen
von der Stadt saniert. In enger Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Bau
und Umwelt der Stadt konnten wir sicherstellen, dass sich ein einheitliches
Bild von hoher Qualität ergibt, weil beispielsweise die gleichen Bodenma-
terialien, Leuchten und Stadtmöblierungselemente verwendet werden.“,
so SIB-Sachgebietsleiterin Diana Weber, die feststellt:
„Das Faszinierende
war eigentlich, dass wir hier wirklich Stadtgestaltung betrieben haben.
Lage und Ausführung sind zugleich stadtbildprägend und harmonisch,
mit fließenden Übergängen ins Stadtbild eingebettet.“
Die Um- und Neugestaltung des Campus auf dem Plauener Schlossberg
wird in den kommenden Jahren im zweiten Bauabschnitt mit dem Bau
eines Multifunktionsgebäudes mit Audimax und einer modernen Biblio-
thek abgeschlossen.
Die Maßnahme wurde mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag
beschlossenen Haushaltes und gefördert durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EE EFRE).
„Ihr Schloss bekommen die Plauener
damit nicht zurück, aber eine wirklich
gelungene, stadtbildprägende
Stadtkrone.“
Der Schlossberg in Plauen, mit neuer Studienakademie im historischen Gebäude (links). Blick auf den Plan für den 2. Bauabschnitt, im Hintergrund die fertige Studienakademie. Im Bild
Diana Weber, SIB-Sachgebietsleiterin Hochbau 2, Herr Prof. Dr. Lutz Neumann, Direktor Staatliche Studienakademie Plauen und Jan Schneider, SIB-Sachbearbeiter Hochbau 2 (rechts).
sehr gute Zusammenarbeit. Der SIB hat uns durchgehend sehr geholfen.
Auch die regelmäßigen Bauberatungen waren stets sehr gut vorbereitet,
so wurden wichtige Informationen rechtzeitig vorher abgefragt, so dass
alle immer perfekt auf die Bauberatungstermine vorbereitet waren.“
SIB-Sachgebietsleiterin Diana Weber

image
image
image
 
Alles neu seit Mai
Mit einem Neubau für das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
schuf die Niederlassung Bautzen des SIB zeitgemäße Bedingungen für wichtige Versuche.
Der Erfolg der sächsischen Landwirte hängt
unter anderem von den Versuchen ab, die in
den drei Versuchsstationen des Sächsischen
Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft
und Geologie (LfULG) durchgeführt wer-
den. Deren Ergebnisse helfen dabei, neue
Pflanzensorten und Anbaumethoden zu er-
proben, die für unterschiedliche Böden ge-
eignet sind, was nicht zuletzt angesichts des
Klimawandels von Bedeutung ist. Wichtige
Versuchsfragen betreffen beispielsweise den
Gewässer-, Boden- und Klimaschutz und die
Biodiversität. Die Bedingungen der bisheri-
gen Versuchsstation in einem angemieteten,
baufälligen Bauernhof waren nicht optimal.
Im Mai konnte das LfULG endlich seine neue
vom SIB errichtete Versuchsstation in Pomm-
ritz in der Gemeinde Hochkirch beziehen.
Der neue Dienstsitz und Technikstützpunkt
bietet den 12 Mitarbeitern auf einer Fläche
von ca. 7.000 Quadratmetern nicht nur deut-
liche Verbesserungen gegenüber der vorheri-
gen Unterbringung, sondern er ermöglicht
auch langfristig hervorragende Arbeitsbe-
dingungen. Die Niederlassung Bautzen des
Die Anlage besteht aus einem Hauptgebäude
mit Büroräumen und Funktionsgebäuden zur
Unterbringung von landwirtschaftlicher Tech-
nik und Versuchstechnik, die als offene und ge-
schlossene Metall-Leichtbauhallen ausgeführt
sind. Beim Bau der Versuchsstation Pommritz
wurde besonders auf ökologisch verträgliche
Gestaltung geachtet. Christine Kiesewetter:
Ökologisch und wirtschaftlich
„Ziel war es, das Gebäude insgesamt
mit einem möglichst kleinem ökologi-
schen Fußabdruck zu realisieren.“
Mit demontagefähigen Baukonstruktionen aus
schadstoffarmen Baustoffen, einem Gründach,
First-Oberlichtbändern, stromsparenden LED-
Leuchten, Lichtsteuerung über Bewegungs-
melder, einer Pellet-Biomasseheizung, einer
biologischen Kläranlage, einem biologischen
Abwasserbehandlungssystem mit Kreislauffüh-
rung und vielen anderen Maßnahmen konnte
der SIB die Einhaltung sowohl wirtschaftlicher
als auch ökologischer Kriterien gewährleisten.
SIB hat die moderne Versuchstation für rund
5 Millionen Euro realisiert.
Dipl.-Bauing. (FH) Robert Heuer, Sachbearbei-
ter Sachgebiet Hochbau in der Niederlassung
Bautzen des SIB, war als Projektleiter für den
Bau verantwortlich. Projektbearbeiterin Dipl.-
Ing. (FH) Christine Kiesewetter war zuständig
für die technische Ausstattung der Gebäude.
Auch sie konnte das Projekt von der Erarbei-
tung der Bedarfsmeldung bis zur Übergabe der
Haustechnik begleiten und findet:
„Es ist schön,
wenn man ein Projekt von Anfang an entstehen
sieht.“
2 | 2019
GUTE IDEEN
6
Dipl.-Ing. agr. Pierre Seibold, Leiter der Versuchsstation, mit Dipl.-Bauing. (FH) Robert Heuer, SIB NL Bautzen (links); Durchfahrt möglich: Beste Bedingungen (rechts)

image
image
image
2 | 2019
7
GUTE IDEEN
Grobe Mengen:
Beton: ca. 712 m³
Mauerwerk: ca. 858 m²
Bewehrungsstahl: ca. 34 t
Betonsockel: ca. 155 m
Stahlkonstruktion: ca. 106 t
Fassadenschrauben: 2.054 Stück
Eckdaten:
Nutzfläche: 647 m²
Funktions- und Verkehrsfläche: 83 m²
Nettogrundfläche: 730 m²
Bruttogrundfläche: 940 m²
Bruttorauminhalt: 5.093 m²
Gesamtbaukosten: 4.935.000 Euro (brutto)
Die Versuchssation Pommritz wurde bereits
1919 nach Erkenntnissen des deutschen Agrar-
wissenschaftlers, Betriebswirts und Arbeits-
ökonomen Prof. Dr. Derlitzki als „Versuchsan-
stalt für Landarbeitslehre in Pommritz“ neu
aufgebaut und geleitet. Sein Forschungsgebiet
war es, die landwirtschaftliche Betriebslehre,
insbesondere die Landarbeitslehre einschließ-
lich des landwirtschaftlichen Maschinenwe-
sens wissenschaftlich zu bearbeiten, mithin die
Arbeit in der Landwirtschaft zu rationalisieren.
Robert Heuer:
„Seine Erkenntnisse haben noch
heute Bestand und flossen auch in die Planung
der neuen Versuchsstation ein.“
Im künftigen Gewerbegebiet Pommritz ist die
Versuchsstation das erste Objekt. Weitere An-
siedlungen sind gewünscht. Als „Pionier“ hat
der SIB daher die Projektleitung für den Bau
der Erschließungsstraße für die Gemeinde
übernommen. Das Grundstück der Versuchs-
station selbst ist relativ klein, die Anordnung
der Gebäude war deshalb sehr anspruchsvoll.
Höhensprünge zu den Nachbargrundstücken
wurden mit Winkelstützelementen abgefan-
gen. Auch die laufende Nutzung muss jetzt
gut durchdacht sein – zum Beispiel, wenn alle
Fahrzeuge und Geräte gleichzeitig in der Halle
geparkt werden sollen.
„Die Raumplanung op-
timal zu lösen bedeutete eine Gratwanderung
zwischen Nutzerforderung und genehmigtem
Bedarf.“
, so Christine Kiesewetter.
„Ziel war es,
zu wirtschaftlich vernünftigen Rahmenbedin-
gungen auf dem neusten technischen Stand
optimale Bedingungen für die Forschung zu
schaffen. Alles Notwendige sollte dabei auf die
Arbeitsabläufe zugeschnitten komprimiert auf
einem Grundstück geboten werden.“
, beschreibt
Robert Heuer,
„Ich denke, das ist uns gelungen.“
Bevor der Bau beginnen konnte, war eini-
ge Geduld nötig. Der Bedarf wurde bereits im
Februar 2003 anerkannt. Nach Bedarfsanpas-
sungen und dem Zukauf eines weiteren Grund-
stückes waren die Voraussetzungen für den
Baubeginn gegeben.
„Mit der Grundsteinlegung
Fachliche Basis aus 1919
noch heute gültig
Grundstück erfordert
genaue Planung
„Die Bedingungen, unter denen die
Mitarbeiter der Versuchsstation
heute arbeiten, haben sich deutlich
verbessert. Schon die Beheizbarkeit
der neuen Werkstatt ist ein großer
Fortschritt.“
Der SIB hat nicht nur die Gebäude errichtet,
sondern diese auch weitgehend für den Nutzer
ausgestattet, und dabei einen hohen Standard
erreicht. So wurden viele fest verbaute tech-
nische Anlagen, wie beispielsweise eine große
Werkstatt mit Grube und ein Lastenkran, gleich
mit eingebracht. Gemeinsam konnten alle
Nutzerforderungen umgesetzt werden.
„Unter
anderem wurde auch eine Ladestation für ein
Elektrofahrzeug vorbereitet und eine eigene
Tankstelle mit Chipsystem zur Erkennung der
Fahrzeuge gebaut. Diese auf engem Raum mit
Laborbereichen und Bereichen für Gefahren-
stoffe mit Explosionsschutz zu realisieren, ge-
hörte zu den Herausforderungen des Projektes.“
,
so Robert Heuer.
„Neben den üblichen Anlagenteilen wie
Heizung, Lüftung, Sanitär war mir der Arbeits-
schutz des Nutzers besonders wichtig. Wir
haben angesichts der durchaus gefährlichen
Mischung und Dichte aus Versuchs- und Treib-
stoffen besonders auf den Gesundheitsschutz
z. B. mit Augen- und Körperduschen, Lüftungs-
technik etc. geachtet.“
hebt Christine Kiese-
wetter hervor.
Insgesamt blickt der Projektleiter zufrieden
auf das Werk seines Teams.
„Im Ergebnis ist die
Versuchsstation trotz
aller Herausforderungen
nutzerfreundlich, dabei
nachhaltig und sehr
gelungen gebaut.“,
Robert Heuer
am 21.6.2017 hat nach der langen Vorbereitung
dann endlich alles angefangen – Baufeld, Strei-
fenfundamente und Zeitkapsel machten das
Vorhaben real und die Grundsteinlegung zum
vorläufig schönsten Moment, weil es endlich
losging.“
, so Robert Heuer.
Die Kooperation mit dem LfULG war sehr eng,
wöchentliche Planungsberatungen fanden statt
– schon um die Gebäudeauslegung genau an
den Arbeitsabläufen orientieren zu können. Mit
ca. 95 Prozent war der Anteil sächsischer Unter-
nehmen relativ hoch.
Diese Maßnahme wurde mitfinanziert durch Steuer-
mittel auf der Grundlage des vom Sächsischen
Landtag beschlossenen Haushaltes.
Christine Kiesewetter
Architektur: AIB Wünsche + Langer

image
 
2 | 2019
8
GUTE IDEEN
Augusts Thron
ist zurück
Die Wiederherstellung der Paraderäume krönt
die jahrzehntelange Aufbauarbeit am Dresdner
Residenzschloss und erweist sich als Projekt
von europäischer Dimension.
„Wenn ich zum Beispiel mal ein Krankenhaus neu bauen
sollte, würde ich natürlich auch das machen. Aber mir als
geborene Dresdnerin, die das Schloss noch als Ruine kennt,
ist es schon ein besonderes Anliegen, an dessen Wieder-
aufbau mitzuwirken.“
Auch für die Sachbearbeiterin Ditte Maike Busch, die in den 90er Jahren an
der TU Dresden Architektur studierte, ist die Mitarbeit am Residenzschloss
keine beliebige Aufgabe.
„Meine Mutter war 1945 von der Bombardierung
Dresdens betroffen, ich habe schon 1992 selbst die Schlossruine fotogra-
fiert, die Fortschritte am Residenzschloss seither immer beobachtet.“
Ditte
Maike Busch ist erst seit November 2018 zum SIB und damit spät zu dem
Projekt hinzugestoßen.
„Ich bin sehr interessiert an Baugeschichte und freue
mich daher, an einem Projekt von so hervorragender Qualität mitwirken zu
dürfen.“
Faszinierend war für sie beispielsweise die Arbeit der sächsischen
Spezialisten, die die Kronleuchter restauriert und neu angefertigt haben.
Mit großem Aufwand hat der SIB die protokollarisch wichtigsten Räu-
me des Dresdner Residenzschlosses in ihrer Fassung von 1719 mit al-
ten Handwerkstechniken und modernsten Technologien originalgetreu
wiederhergestellt: die Paraderäume, darunter das Audienzgemach mit
Thronensemble und das Paradeschlafzimmer mit dem Paradebett. Al-
lein für die Rekonstruktion und Restaurierung von Wand- und Decken-
textilien wurden Manufakturen aus Deutschland, England, Frankreich,
Italien, Österreich und Spanien eingesetzt, in denen man beispielswei-
se die alten Webtechniken noch beherrscht. Seit dem 28. September
sind die Räume wieder durch die Staatlichen Kunstsammlungen Dres-
den für die Öffentlichkeit zugänglich. In seiner Bedeutung strahlt das
Residenzschloss nun noch stärker europa-, wenn nicht weltweit aus.
Das Projekt wurde ab der Ausführungsplanung maßgeblich von der Nie-
derlassung Dresden I des SIB geplant und in direkter Betreuung geleitet.
Dabei konnten die wertvollen Erfahrungen der Mitarbeiter aus anderen
historischen Bauwerken, vor allem mit der Wiederherstellung des Histori-
schen Grünen Gewölbes, genutzt werden. Co-Projektleiterin Sylvia Noack,
die die Arbeiten gemeinsam mit dem Sachgebietsleiter Holger Krause
verantwortet, hatte bereits in den Jahren 1993/94 an der Sanierung der
Hofkirche mitgearbeitet, später Bauunterhaltsleistungen unter anderem
im Japanischen Palais und im Johanneum mit Stallhof und Fürstenzug er-
bracht.
„An der Restaurierung des Schlosses wirke ich schon seit dem Jahr
2000 mit, zunächst begleitend, dann bin ich mit in die Projektleitung der
Restaurierung des Historischen Grünen Gewölbes gekommen. Nachdem
wir es 2006 übergeben hatten, ging es gleich mit den ersten Arbeiten für
den Wiederaufbau der Paraderäume weiter.“
Parallel koordiniert sie auch
die Bauunterhaltsleistungen im gesamten restlichen Schloss. Für Sylvia
Noack ist das Dresdner Schloss eine Herzensangelegenheit.
Ditte Maike Busch und Sylvia Noack
vor dem noch leeren Thronensemble
im Audienzgemach
2. Obergeschoss

image
2 | 2019
9
Planungskenndaten:
Nutzfläche: 1.158 m²
Funktions- und Verkehrsfläche: 69 m²
Nettogrundfläche: 1.227 m²
Bruttogrundfläche: 1.546 m²
Bruttorauminhalt: 11.240 m³
Planung EW-Bau: 07/2014–01/2015
Bau Auftrag: 12/2015
Gesamtbaukosten: ca. 35 Mio. Euro*
GUTE IDEEN
Herausragende Räumlichkeiten
Die Paraderäume des Dresdner Residenzschlosses waren die höchstrangi-
gen Bereiche des Schlosses für offizielle staatliche Präsentation. Die ein-
zelnen Räume der Enfilade, gelegen im 2. OG des Westflügels zwischen
Kupferstichkabinett und Neuem Grünen Gewölbe, waren funktional und
gestalterisch aufeinander abgestimmt. Sie umfassen den Eckparadesaal,
das 1. und 2. Vorzimmer, dann – am prunkvollsten – das Audienzgemach
und Paradeschlafzimmer, sowie anschließend die 1. und 2. Retirade so-
wie das Kleine und Große Bilderkabinett. Diese wichtigsten Räume der
Kurfürsten waren Ende des 17. Jh. zunächst für den Kurfürsten Johann
Georg IV. als Repräsentations- und Festetage eingerichtet worden.
Umbau für den Einzug der Braut
August der Starke hatte die Räume dann 1719 von Matthäus Daniel Pöp-
pelmann und Raymond Leplat neu und besonders prunkvoll ausstatten las-
sen, um dort am 2. September 1719 gemeinsam mit seiner Frau Christiane
Eberhardine seinen Sohn Kurprinz Friedrich August II. und die Kaisertochter
Maria Josepha von Österreich zu empfangen. Beide hatten erst kurz zuvor
in Wien geheiratet. Die Feierlichkeiten am Dresdner Hof, für die auch der
noch nicht ganz fertiggestellte Zwinger genutzt wurde, dauerten dann den
ganzen September.
Fast genau 300 Jahre später konnten die Paraderäume nun am
28. September 2019 wieder für Besucher geöffnet werden. Und nirgends
ist der enorme kulturelle Reichtum Sachsens mit seinen politischen, kul-
turellen und künstlerischen Verflechtungen in Europa so gut dokumen-
tiert, wie gerade hier: Mit Raum für Raum ansteigender prunkvoller Opu-
lenz sind sie als beeindruckendes Gesamtkunstwerk das eindrucksvollste
Zeugnis der höfischen Festkultur Sachsens im 18. Jh., das europaweit
keinen Vergleich zu scheuen braucht.
Aufwändige Rekonstruktion
Die Rekonstruktion der Räume erfolgte unter anderem auf Basis von
Zeichnungen und Kupferstichen, angefertigt im Auftrag August des
Starken im Zuge der seinerzeit von ihm veranlassten Umbauarbeiten.
Auch seine Schriftwechsel mit dem Grafen von Wackerbarth, historische
Bauunterlagen, fotografische Belege von 1868, 1920 und 1933 sowie
Inventarverzeichnisse, Stuckreste und Kaminfragmente, Spiegel und ori-
ginale Ausstattungsteile waren von den Experten als Grundlage hinzu-
gezogen worden. Für die denkmalpflegerisch korrekte Wiederherstellung
wurde ein großer Aufwand betrieben.
„In den Jahren 2007–2009 haben
wir sogar Probeachsen in die Räume gebaut und an ihnen im Maßstab
1:1 untersucht, wie der Ausbau funktionieren und wirken würde.“
, so die
Projektleiterin Sylvia Noack. Über die fachliche Planung und Ausführung
wachte während des gesamten Prozesses eine unabhängige, hochkarätig
besetzte Gestaltungskommission.
Denkmalpflege für das historische Handwerk
Aus Goldtresse und Seidensamt sind die kostbaren raumprägenden Tex-
tilien gewebt. Teils konnten sie restauriert und an ursprünglicher Stelle
eingesetzt werden. Verlorene Bereiche wurden „fadengenau“ unter Ein-
satz längst vergessener oder kaum noch üblicher handwerklicher Techni-
ken rekonstruiert. Entsprechend qualifizierte Manufakturen übernahmen
die Webarbeiten, Stickereien und Posamentierarbeiten.
Ditte Maike Busch schwärmt:
„Historische Gebäude mit damaliger
Handwerkskunst auch in der Ausstattung wieder herzurichten, ist etwas
Besonderes – vor allem in der im Residenzschloss bewiesenen Qualität.
Hier wird gezeigt, dass alte Baukunst heute noch, wenn auch leider nur
von einigen wenigen Spezialisten, exzellent beherrscht wird.“
Eigentlich,
sagt sie, sei die Wiedererrichtung der Paraderäume eine Denkmalpflege
für das historische Handwerk selbst. Doch nicht alles musste neu ange-
fertigt werden. Denn schon vor der weitgehenden Zerstörung des Schlos-
ses hatte man wichtige Einrichtungsgegenstände, wie Möbel, Kronleuch-
ter, Spiegel und Textilien sicherheitshalber ausgelagert, die nun wieder
in den rekonstruierten Räumen gezeigt werden können. Hierzu gehören
auch der Stickereibesatz der Wandbehänge des Audienzgemaches und
der Audienzstuhl, die restauriert wurden.
Sylvia Noack:
„Die alten Techniken – die Herstellung der alten Stoffe, das
Weben mit Samt- oder Goldfäden, zwei riesige Leinwandgemälde an der
Decke – all diese Dinge haben mich wirklich begeistert. Es ist toll, dazu-
zulernen bei all diesen Dingen, die auf höchstem Niveau stattfinden, sie
zu begreifen, zu verstehen, wie diese Techniken funktionieren. Das ist ein
faszinierender Lernprozess, der da neben der Verwaltungsarbeit entstand.“
Fast 13 Jahre Arbeit
Die Bauarbeiten unter Regie der SIB-Niederlassung Dresden I hatten im
Jahr 2016 begonnen. Ihnen war eine fast zehnjährige Zeit der Baufor-
schung und Planung vorausgegangen.
Blick in das
Audienzgemach
*Davon finanziert 12 Millionen Euro die Beauftragte
der Bundesregierung für Kultur und Medien. Die
Baumaßnahme wird mitfinanziert durch Steuer-
mittel auf der Grundlage des vom Sächsischen
Landtag beschlossenen Haushaltes.

image
image
image
image
image
image
image
 
10
2 | 2019
SIB IN ZAHLEN
Rekonstruktion
der Paraderäume
Zu den Besonderheiten der Paraderäume zählen zweifellos die aufwändigen Deckengemälde
im Audienzgemach und im Paradeschlafzimmer. Sie setzen die tatsächliche Raumarchitek-
tur illusionistisch fort. Sie wurden seinerzeit von Louis de Silvestre als „mobile“ Leinwand-
bilder hergestellt und in den letzten Jahren nach Fotos und Originalskizzen neu geschaffen.
122.400
ca.
= ca. 408 Buch Blattgold
= ca. 2,5 kg Feingold
Blatt Gold
rekonstruiert bzw. restauriert
von Firmen aus Italien, Frankreich,
Spanien, England und Österreich
1,5 km Seidensamt
3,5 km Goldtresse
Wandbehänge ca.:
Firmen, Fachplaner, Restauratoren,
Künstler, Gutachter und wissen-
schaftliche Institute waren beteiligt.
300

image
image
image
11
SIB IN ZAHLEN
2 | 2019
150 m
2
ca.
davon ca. 70 m² auf Leinwand
und 80 m² auf verputzten Vouten
12 Restauratoren, Künstler,
Bühnenmaler und Kirchenmaler
arbeiteten reichlich 3,5 Jahre lang
an der Wiederherstellung der
Deckengemälde.
Deckengemälde
im Paradeschlafzimmer
Karat
vergoldetes Silber für den
Goldstoff des Paradebettes.

image
image
 
12
2 | 2019
AUF DER BAUSTELLE
Aufgebrochene
Amethystdruse
Nachhaltiger Neubau des Zentrums für effiziente Hochtemperatur-
Stoffwandlung (ZeHS) an der Technischen Universität Bergakademie Freiberg
Für die einzige deutsche Ressourcenuniversität, die TU Bergakademie
Freiberg, errichtet der SIB derzeit neben dem Neubau der Univer-
sitätsbibliothek mit Hörsaalzentrum auch ein neues Forschungsge-
bäude: das Zentrum für effiziente Hochtemperatur-Stoffwandlung
(ZeHS). Die Bauten entstehen auf dem ehemaligen Messeplatz nörd-
lich des historischen Stadtkerns als Verlängerung des sogenannten
„Wissenschaftskorridors“. Dieser wird die historischen Gebäude der
Universität in der Freiberger Altstadt mit dem Campus der TU Berg-
akademie Freiberg verbinden. Mit dem neuen Ensemble soll ein Stand-
ort von nationaler Bedeutung für die Forschung an innovativen
Materialien und Technologien entstehen.
Ab Frühjahr 2021 sollen im ZeHS auf ca. 6.200 m
2
etwa 180 Wissen-
schaftler und Techniker arbeiten. Für sie werden optimale Bedingungen
für die Forschung an ressourcen- und energieeffizienten Technologien,
Materialien und Prozessen für unterschiedliche Industriefelder geschaf-
fen. Vom Laborversuch über Technikums- und Pilotanlagen bis hin zur
Großversuchstechnik soll im ZeHS künftig lückenlos die gesamte Innova-
tionskette realisierbar sein.
Zugunsten einer effizienten Forschungsarbeit wurde der Neubau des
ZeHS klar strukturiert. Er liegt mit der Hauptfassade des viergeschossigen
Bürogebäudes städtebaulich gut integriert am neuen Wissenschaftskor-
ridor. Der abfallenden Topographie folgend schließen sich zwei zweige-
schossige Gebäudespangen mit Laborbereichen an, in deren Keller die
gesamte Gebäudetechnik untergebracht ist. Als Querriegel am anderen,
unteren Ende befindet sich eine in zwei Bereiche unterteilte große Tech-
nikumshalle. Die vier Gebäudeteile umschließen einen großzügigen In-
nenhof. Der Sachbearbeiter Technik des SIB in der Niederlassung Chem-
nitz, Sören Naumann:
„Büros, Labore und die Technikumshalle mit ihren
großen Versuchsständen in zwei Bereichen sind unter einem Dach zusam-
mengefasst. Das bedeutet kurze Wege für den Nutzer.“
Gute Kooperation zwischen Bund, Freistaat und Kommune
Projektleiter Marcus Jaursch:
„Die finanzielle Beteiligung des Bundes
brachte enge Zeitvorgaben für die Realisierung mit sich. Diese können wir
nur durch die sehr gute Mitarbeit aller beteiligten Gremien, insbesondere
auch der Stadt Freiberg, einhalten. Das Gelände musste ja zunächst durch
den Freistaat gekauft werden, ein vorhabenbezogener Bebauungsplan
wurde zügig und kooperativ erstellt. Gemeinsam mit allen Projektbeteilig-
ten konnten wir auch die weiteren zeitlichen Abläufe maximal beschleuni-
gen, indem Alle projektoptimiert an einem Strang gezogen haben. So wur-
den Teilbereiche schon vorab genehmigt und konnten umgesetzt werden,
während andere Bereiche noch in Prüfung waren.“
Steinerne Hülle – innen flexibel
Den Forschungsinhalten des ZeHS an „Grundstoffen“ folgend ist die
architektonische Gesamtidee des außen verklinkerten Gebäudes die der
„Steinernen Hülle“ eines violetten Minerals – das Gebäude kann als ein
aufgebrochener Amethyst interpretiert werden. So wird der Neubau durch
unterschiedliche Materialitäten, Farbkonzept und Landschaftsarchitektur
außen als Stein, und im innenliegenden Lichthof gläsern und farbig-
Sachbearbeiter Technik des SIB in der Niederlassung Chemnitz, Sören Naumann

image
image
image
13
AUF DER BAUSTELLE
2 | 2019
Bauherr und Nutzer sind sich darin einig, dass der Neubau möglichst funk-
tional und variabel sein soll. So lässt sich das Gebäude mit dem Ziel ei-
ner langfristigen Nutzbarkeit auch an künftig möglicherweise veränderte
Rahmenbedingungen und Anforderungen anpassen.
„Wir wollen nicht nur
schnell, qualitätsbewusst und kostengünstig bauen,“
so Marcus Jaursch,
„wichtig ist uns auch, den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes im Auge
zu behalten.“
Mögliche Änderungen der forschungsseitigen Nutzung und der Ein-
richtung wurden daher bereits vorausgedacht.
„Die steinerne, massive
Gebäudehülle ist nur nach außen hin starr. Innen haben wir alles bewusst
sehr flexibel gehalten mit einem hohem Anteil an Trockenbau, sodass auch
größere Änderungen ohne Eingriff in die Gebäudestatik möglich sind.“
beschreibt der Projektleiter den nachhaltigen Ansatz. Genauso zukunfts-
fähig bedacht wurden auch die technischen Installationen dimensioniert
und angeordnet.
Keine Extravaganzen
Marcus Jaursch und Sören Naumann legen zudem Wert darauf, dass die
Gebäudetechnik des ZeHS pragmatisch auf eine einfache Handhabung
durch den Nutzer zugeschnitten ist.
„Mit Blick auf den enormen Kosten-
und Zeitdruck mussten wir oft schlichte, pragmatische, ja einfache Lösun-
gen finden und das Projekt bautechnisch soweit vereinfachen, dass auf
Sonderlösungen verzichtet werden konnte. Der Nutzer soll es später
auch
„Das Architekturbüro ist auf die Vorgaben des
Nutzers sehr gut eingegangen. Das Gebäude war
schon in der Entwurfsidee ästhetisch anspre-
chend und sehr gut nutzbar.“
Projektleiter Marcus Jaursch
im Betrieb, in der Be-
dienung des Gebäudes
einfach haben. Auf
komplizierte Gebäu-
detechnik haben wir
daher bewusst ver-
violett erscheinen. Genauso wie die
gestalterische Umsetzung des aus
einem Wettbewerb als Sieger her-
vorgegangenen architektonischen
Entwurfs vom Architekturbüro Heinle,
Wischer und Partner freie Architekten, Dres-
den, dürfte den Nutzer jedoch freuen, wie prag-
matisch und flexibel er ausgelegt wurde.
Bürogebäude des ZeHS
mit anschließenden
Laborbereichen,
Architektur: Heinle,
Wischer und Partner
Planungskenndaten
Maximalausdehnung: ca. 90 x 66 m
Höhe Kopfbau (Büroflächen): ca. 17 m
Nutzfläche 1-6: 6.225 m²
Bürofläche: 2.293 m²
Laborfläche: 2.529 m²
Hallenfläche: 1.403 m²
Bruttogrundfläche: 12.715 m²
Bruttorauminhalt: 60.222 m³
Gesamtbaukosten: ca. 33 Mio. Euro
Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuer-
mittel auf der Grundlage des vom Sächsischen
Landtag beschlossenen Haushaltes. Sie wird mit
Mitteln des Bundes gefördert – Forschungsvorhaben
gemäß Grundgesetz Artikel 91b.
zichtet. Im Ergebnis entsteht ein übersichtlicher, technisch begreifbarer
Bau, leicht zu betreiben mit eher konventionellen Lösungen.“
, so Sören
Naumann.
Herausforderung: Parallele Baustellen
Im ZeHS allein werden 6.500 m
3
Beton, 3.000 m² Klinkerfassade, 1.500
Tonnen Stahl, 600 m
2
Mauerwerk sowie 8.800 m² Trockenbauwände und
4.600 m² Unterhangdecken verbaut. Eine besondere Herausforderung für
die Projektbearbeiter ist dabei, dass vom SIB zeitgleich und in unmittelba-
rer Nähe die neue Universitätsbibliothek mit Hörsaalzentrum gebaut wird,
und dass die Grundstücke zeitgleich medientechnisch voll erschlossen
werden müssen (siehe auch Seite 19).
Marcus Jaursch verantwortet als Projektleiter Hochbau das Projekt
ZeHS einschließlich gesamtheitlicher Projektsteuerung der benachbarten
Bibliothek und der Infrastrukturmaßnahme.
Sören Naumann ist ebenfalls auf beiden Baustellen für den Bereich
Heizung, Lüftung, Sanitär und Klimatechnik, dazu auch die medientechni-
sche Erschließung beider Neubauten, zuständig.
Die gesamtheitliche Erschließung der neuen Gebäude sowie die Ge-
staltung der Außenanlagen des Wissenschaftskorridors mittels einer
begleitenden Infrastrukturmaßnahme liegt in den Händen von der Kol-
legin Heidi Gallinat aus der Ingenieurbauabteilung des SIB. Hier werden
gemeinsame Ver- und Entsorgungsanlagen sowie ein gemeinsamer Stau-
raumkanal geschaffen.
Die auftretenden Witterungsschwankungen wirkten sich übrigens
auch auf die Rohbauphase aus: Einerseits war im Winter ein Weiterbauen
zeitweise aufgrund strengen Frostes nicht möglich, während andererseits
in den Sommermonaten manchmal frischer Beton wegen zu großer Hitze
nicht mehr geliefert oder fachgerecht verbaut werden konnte. Trotz dieser
Herausforderungen und konjunkturell stark ausgelasteter Baufirmen sind
Marcus Jaursch und Sören Naumann optimistisch, termingerecht fertig-
stellen zu können, damit der Nutzer rechtzeitig mit dem Einbau der tech-
nischen Anlagen für die Forschungsarbeit beginnen kann.

image
image
 
2 | 2019
14
SIB INTERN
Beeindruckende
Bilanz
Persönlicher Rückblick – Prof. Dieter Janosch
ging am 31. Mai 2019 nach einem erfüllten
Berufsleben in den Ruhestand
Prof. Dieter Janosch war über 26 ereignisreiche Jahre in der Bau-
verwaltung des Freistaates Sachsen tätig. Am 31. Mai dieses Jahres
ging er nach 12 Jahren als Technischer Geschäftsführer des SIB in
den verdienten Ruhestand.
Als Prof. Janosch nach Sachsen kam, brachte er bereits eine beeindru-
ckende und langjährige Erfahrung mit. Seine Karriere hatte mit einer sie-
benjährigen Tätigkeit im Architekturbüro Prof. Mohl in Karlsruhe begon-
nen. Anschließend wurde er in der Staatlichen Bauverwaltung des Landes
Baden-Württemberg bald zum Sachgebietsleiter. Als solcher wechsel-
te er auch in die gleiche Position in die Bauverwaltung in Frankfurt am
Main. Zurück in der freien Wirtschaft, arbeitete er als Projektleiter bei der
Allianz Grundstücks AG und später als Büroleiter bei der Basler Architek-
tur- und Ingenieurgesellschaft Suter+Suter AG in Stuttgart.
Im Jahr 1992 wechselte er nach Sachsen, zuerst als Leiter des Staats-
hochbauamtes Dresden II, wurde später Referatsleiter im SMF. Seine Pro-
fessur an der HTW Dresden erlangte er im März 2002 als Honorarprofessor
für Öffentliches Baumanagement. Er war wesentlich an der Gründung des
SIB im Jahre 2003 beteiligt. Nach dem Ausscheiden des damaligen Ge-
schäftsführers übernahm er im Jahr 2007, zunächst kommissarisch, die
Geschäfte des SIB. Bis zu seiner Pensionierung war er sieben Jahre lang Ge-
schäftsführer, die letzten fünf Jahre Technischer Geschäftsführer des SIB.
Seine Bilanz in Sachsen ist beeindruckend, verantwortete er doch
zahlreiche große Projekte des Wiederaufbaus und der Nachwendezeit.
Während seiner Amtszeit wurden unter vielen anderen so beeindru-
ckende Projekte wie die Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek
Dresden (SLUB) oder den Campus Augustusplatz der Universität Leipzig
realisiert. Den Wiederaufbau des Residenzschlosses Dresden, als größtes
Restaurierungsvorhaben im Freistaat Sachsen, hat er ebenfalls maßgeb-
lich begleitet (siehe auch Seiten 8 bis 11). Prof. Janosch sieht in Statisti-
ken nur bedingt Möglichkeiten, Erfolge zu dokumentieren. Lieber zollt er
seinen Mitstreitern Respekt:
„Zahlen sind zu abstrakt, sie sagen nicht allzu
viel aus. Man muss sich die tollen Projekte anschauen, die von den Kol-
leginnen und Kollegen in meiner Verantwortung realisiert wurden – und
davon gibt es in ganz Sachsen eine ganze Menge.“
„Jeder ist nur ein
Rädchen am Ganzen“
Auf die Frage, was ihn an seiner Tätigkeit im SIB am meisten beeindruckte,
antwortet Prof. Dieter Janosch:
„Bauen ist immer Teamarbeit. Jeder ist nur
ein Rädchen am Ganzen. Greifen die Rädchen gut ineinander, gelingen die
Projekte. Genau das war meine Aufgabe. Persönlich gekümmert habe ich
mich in erster Linie phasenweise um die Projekte, die im politischen Fokus
Angesichts dieser beeindruckenden Referenzen von europäischem, wenn
nicht weltweitem Rang überrascht seine nachdenkliche Antwort auf die
Frage, welches der Projekte er besonders hervorheben wolle, weil es ihn
persönlich besonders fasziniert habe:
„Es gibt so viele hochkarätige Pro-
jekte, so dass es mir schwer fällt, nur wenige hervorzuheben. Ich möchte
deshalb lieber ein kleines, bescheidenes Projekt nennen, an dem man sieht,
wie sehr es sich lohnt, sich für alltägliche Aufgaben zu engagieren: der
Neubau des Wirtschaftsgebäudes Forstbezirk Eibenstock, 2010.“
Neubau Wirtschaftsgebäude Forstbezirk Eibenstock,
Architektur: atelier st, Schellenberg & Thaut BDA

image
image
image
 
2 | 2019
15
SIB INTERN
Mit der Auswahl seines Nachfolgers ist Prof.
Janosch zufrieden:
„Herr Kylau ist mit dem SIB
und seinen Aufgaben bestens vertraut. Einen
nahtloseren Übergang kann man sich kaum
vorstellen. Die Zeit ist so schnelllebig, dass er
seinen eigenen Weg finden muss und wird. Da-
bei wünsche ich ihm viel Glück und Erfolg.“
standen. Das heißt, den riesengroßen Rest habe
ich den Kolleginnen und Kollegen anvertraut,
die mir diesen Vertrauensvorschuss durch ein
Höchstmaß an Loyalität zurückgegeben haben.“
Rückblickend ist es auch genau dieser Alltag,
den Prof. Janosch besonders gewürdigt wissen
will:
„Der SIB stand immer in Krisenzeiten im
Rampenlicht: bei den Hochwasserereignissen
2002 und 2013, im Konjunkturprogramm II, in
der Flüchtlingskrise 2015. Da zollte man dem
SIB hohen Respekt. Nur schade, dass man der
hervorragenden Leistung des SIB in ‚normalen‘
Jahren nur wenig Aufmerksamkeit schenkte.“
Willkommen
zurück
Volker Kylau ist neuer Technischer Geschäftsführer des SIB
Bereits am 17. Juni übernahm Dipl.-Bauinge-
nieur Volker Kylau die technische Geschäfts-
führung des SIB, den er seither zusammen
mit dem kaufmännischen Geschäftsführer
Oliver Gaber führt. Er folgte damit auf Prof.
Dieter Janosch (siehe Seite 14).
Volker Kylau hatte bereits seit 1991 verschiede-
ne Funktionen im Staatsbau wahrgenommen,
so unter anderem in den Staatshochbauämtern
Radeberg und Leipzig und ab 2003 zunächst Un-
ternehmensbereichsleiter Finanzvermögen und
Portfoliosteuerung später ab 2008 als Unter-
nehmensbereichsleiter Planungs- und Bauma-
nagement im SIB. Er verfügt über umfangreiche
Erfahrungen aus unzähligen Bauprojekten, dar-
unter größere, wie die Offzierschule des Heeres
Dresden und das Militärhistorische Museum der
Bundeswehr Dresden, den Augustusplatz Leip-
zig oder die Fertigstellung des Bundesverwal-
tungsgerichts in Leipzig.
Seit 2013 war er als Referatsleiter im Säch-
sischen Staatsministerium der Finanzen tätig,
wo er ab Januar 2014 das Referat für Bau- und
Liegenschaftspolitik verantwortete und unter
anderem auch als Fachaufsicht für den SIB zu-
ständig war.
weiter siehe Folgeseite
Sächsische Landesbibliothek – Staats-
und Universitätsbibliothek Dresden, SLUB,
Architektur: Planungsarge SLUB
Achammer-Tritthart & Partner München,
Planungsgesellschaft mbH

image
2 | 2019
16
SIB INTERN
Herr Kylau, welche Erinnerung haben Sie an
Ihren Vorgänger Prof. Dieter Janosch?
Volker Kylau:
„Ich habe Herrn Prof. Dieter
Janosch stets als einen fordernden, ehrgeizigen
aber auch fördernden Chef in langen Jahren
kennengelernt. Ich denke er hat mich bewusst
2013 Richtung SMF geschickt ‚damit was aus
mir würde!‘. Zum Abschied habe ich verspro-
chen, den Betrieb würdig weiterzuführen und
ihm gewünscht, er möge bald in einem verdien-
ten Ruhestand ankommen.“
Sie bringen schon eine jahrelange Erfah-
rung in der freistaatlichen Bauverwaltung
mit. Was hat Sie in Ihrer Tätigkeit am
meisten fasziniert?
Volker Kylau:
„Mich hat immer besonders be-
geistert, wenn es gelang, die vielen am Bau
Beteiligten zu einem Team zu formen, das an ei-
nem Strang zieht. Bauen ist das Werk vieler und
es gelingt nur gut, wenn man alle mitnehmen
kann. Und es macht dann Spaß, wenn es nicht
Druck ist, der das erreicht.“
Welches der von Ihnen bisher verantwor-
teten Bauprojekte hat Sie am stärksten
gefordert?
Volker Kylau:
„Der Augustusplatz war mit Ab-
stand das anspruchsvollste Projekt. Hier ging es
insbesondere darum, nachdem der Generalun-
ternehmer die Baustelle quasi stillgelegt hatte
und uns mit Mehrkostenforderungen unter
Druck bringen wollte, die Fertigstellungstermi-
ne wieder halbwegs zu organisieren. Die Maß-
nahme Campus Augustusplatz Leipzig ist eine
einzigartige architektonische Lösung mitten in
der Innenstadt von Leipzig und man hätte uns
sicher mit Preisen überhäuft, wenn es nicht zu
den schon weiter oben beschriebenen Verwer-
fungen gekommen wäre.
Das Wiederanfahren der Baustelle mit Ein-
zellosvergabe war ein Kraftakt besonders in der
Motivation der beteiligten Kollegen, der letztlich
die ganze SIB-Niederlassung Leipzig II beschäf-
tigt hat. Die Arbeit der Kollegen danach nötigt
mir heute noch in höchstem Maße Respekt ab.
Später waren es die verschleppende Ar-
beitsweise und letztlich Insolvenz des Architek-
ten und der anschließende Urheberstreit, der
schließlich in eine Mediation mündete, aber der
trotz aller Anstrengung erhebliche Verzögerun-
gen brachte. Frau Petra Förster, als Leiterin der
SIB-Niederlassung Leipzig II und Herrn Emme-
rich Seibel, als zuständigen Projektleiter bin ich
dankbar, dass ihnen die Fertigstellung gelang.“
Wie kann der Erfolgsbeitrag des SIB für den
Nutzer am besten auf den Punkt gebracht
werden?
Volker Kylau:
„Immer wenn es ernst und brenzlig
wird, sei es beim Hochwasser oder in der Flücht-
lingskrise 2015 oder jetzt in der Ausbildungsof-
fensive des Freistaates Sachsen, kann man sich
auf die zentrale Liegenschafts- und Bauver-
waltung den SIB verlassen. Anders wären wir
nicht Herr der Lage geblieben. Gegenüber den
Nutzern kann man sagen, umso besser sie mit
uns ihre wirklichen Wünsche und inhaltlichen
Anforderungen zeitig kommunizieren, umso
schneller können wir sie umsetzen. Aber dieser
Prozess muss ausgelernt werden und braucht
seine Zeit, das versuchen wir gerade mit den
neuen Regularien der RL Bau 2018 und dem
Mittel der Qualifizierten Bedarfsanalyse.“
Welche Ziele haben Sie? Was wollen Sie
gegebenenfalls anders machen als es bisher
der Fall war?
Volker Kylau:
„Ich möchte unsere Mitarbeiter
noch stärker motivieren und sie in ihrem fach-
lichen Können bei der Errichtung von Gebäuden
jeglicher Art stärken – und ihre Leistungen auch
nach außen hin selbstbewusster darstellen.
Dazu muss es uns gelingen, die nötige Entlas-
tung für unser Personal zu organisieren. Wege
dahin sind mit der RL Bau 2018 eröffnet. Wir
müssen zu unserem Kerngeschäft zurück und
können nicht immer ein Rundum-sorglos-Paket
bieten. Bestimmte Leistungen, die bisher als kos-
tenlose Amtshilfe gemacht wurden, muss man
in vernünftige vergütete Geschäftsbesorgungs-
verträge überführen, damit wir auch Personal
dafür einstellen können. Dazu möchten wir die
anstehenden Doppelhaushaltverhandlungen
nutzen. Schließlich ist eine schonungslos offene
Aufarbeitung der Projekt-Evaluation SIB 2020
auch ein Weg, dass unsere Arbeit so gestaltet
wird, dass sie wieder mehr Spaß macht.“
Übrigens:
In der Zentrale und den sieben Niederlassungen des SIB
sind rund 1.000 Mitarbeiter beschäftigt. Im abgeschlosse-
nen Geschäftsjahr 2018 wurden 525,2 Mio. Euro in rund
2.400 Baumaßnahmen investiert. Hinzu kommt die Bewirt-
schaftung von 2.868 Gebäuden. Die Gesamtausgaben im
Liegenschaftsbereich beliefen sich auf 244,7 Mio. Euro.
Campus Augustusplatz in Leipzig,
Architektur: Erick van Egeraat

 
2 | 2019
17
SIB INTERN
Ertüchtigung eines Serverraumes in Chemnitz
als Backup für die Daten des SIB
SIB investiert in
seine Datensicherheit
Das anfallende Datenvolumen des SIB ist
immens, für dessen sichere Verfügbarkeit
bedarf es einiger konzeptioneller und bauli-
cher Voraussetzungen. Belastbare IT ist hier-
für unabdingbar. Die Datensicherheit des SIB
wird seit kurzem durch einen Serverraum in
Chemnitz erhöht. Diese Maßnahme ermög-
licht, dass bei Ausfällen oder Wartungsar-
beiten der Servertechnik in der SIB-Zentrale
unternehmenskritische Anwendungen weiter
Zu den wesentlichen baulichen Maßnahmen
gehört, dass der Safe mit den Sicherungsbän-
dern in einen anderen Brandabschnitt verlagert
wurde. Der Zugang zum Serverraum ist nun mit
einer verbesserten Zutrittskontrolle ausgestat-
tet, ins Gebäudemanagement integriert und
mit Wache sowie Feuerwehr verbunden. Zudem
wurden neue Serverschränke verbaut und die
vorhandenen Klimaanlagen optimiert. Um den
Wärmeeintrag im Serverraum zu verringern,
sind auch Sonnen- bzw. Hitzeschutzfolien an
den Fenstern zur Erhöhung der Energieeffizienz
vorgesehen.
Zur Überbrückung von Spannungsschwan-
kungen wurde für die Server eine neue Un-
terbrechungsfreie Stromversorgung (USV) be-
schafft, installiert und in Betrieb genommen.
Im Zuge der Gesamtmaßnahme sind die Server
nun auch an die Notstrom- bzw. Netzersatz-
anlage (NEA) des Standortes Chemnitz ange-
schlossen.
Bauliche Maßnahmen
Verbesserungen der IT
mit angenehmem Nebeneffekt
Die IT des Serverraumes erfuhr im Zuge seiner
Ertüchtigung eine nahezu vollständige Erneu-
erung. Im Rahmen dieser Maßnahme wurde
auch ein Lastausgleich für den Regelbetrieb ge-
schaffen. Insgesamt profitieren die Nutzer des
SIB durch die Bereitstellung der zusätzlichen
Ressourcen in Chemnitz nun auch im Regelbe-
trieb von einer besseren Performance der Ap-
plikationen.
SIB Zentrale
– Serverraum –
SIB NL Chemnitz
– Serverraum –
Applikationen
Middleware
Applikationen
Middleware
SIB- und ZFM-Nutzer (Zentrale und Niederlassungen)
SVN
verfügbar sind. Für die Inbetriebnahme des
Serverraumes wurde er in mehreren kleine-
ren Baumaßnahmen entsprechend umge-
baut, und mit modernsten Hard- und Soft-
warelösungen ausgestattet. Aktuell werden
die neuen Systemkomponenten aufeinan-
der feinabgestimmt. Zur Überprüfung der
Datensicherheit sind weitere Ausfalltests
geplant.

image
image
 
2 | 2019
18
AKTUELLE BAUPROJEKTE
Spatenstich für den Neubau
des Büro- und Laborgebäudes in Dresden
Am 6. Juni 2019 erfolgte der Spatenstich zum
Neubau eines Büro- und Laborgebäudes, das
der Unterbringung aller Abteilungen des Kri-
minalwissenschaftlichen und -technischen In-
stituts (KTI) des Landeskriminalamtes Sachsen
dienen wird.
Die konzentrierte Unterbringung aller Ab-
teilungen des KTI in einem Gebäude soll die
Arbeitsabläufe verbessern und Synergien durch
die gemeinsame Nutzung von Speziallaboren
und technischen Geräten schaffen. In dem Neu-
bau auf dem Gelände des Landeskriminalamtes
Sachsen auf der Neuländer Straße in Dresden
Spatenstich für den Neubau
des Lehr- und Laborgebäudes
Das Interesse, an der Hochschule für Technik
und Wirtschaft (HTW) Dresden zu studieren,
wächst - und damit auch ihr Platzbedarf. Mit
einem symbolischen Spatenstich wurde am
31. Mai 2019 der Bau eines neuen Lehr- und La-
borgebäudes auf dem Campus in der Dresdner
Südvorstadt in direkter Nähe zum Hauptgebäu-
de der HTW Dresden besiegelt.
Auf einer Fläche von 8.220 Quadratmetern
entstehen für die Studierenden der HTW ein
Baustofftechnikum mit Laboren für Betontech-
nologie, Geotechnik, Verkehrs- und Wasserbau,
weiterhin Lehrkabinette, ein Kreativzentrum,
ein neuer Lehr- und Werkstattbereich der Fa-
kultät Design, Büroarbeitsplätze, PC-Pools mit
Serverräumen der Fakultät Informatik-Mathe-
matik sowie Archivflächen. Das Bauvorhaben
ist ein Pilotprojekt für die Anwendung von Kri-
terien des nachhaltigen Bauens im Hochschul-
bau Sachsen. Vorgesehen ist eine Zertifizierung
im Gold-Standard nach dem Bewertungssys-
Kriminalwissenschaftliches und -technisches Institut
des Landeskriminalamtes
Hochschule für Technik
und Wirtschaft Dresden
Bauzeit: 2019–2022
Investitionsvolumen: rund 55 Millionen Euro,
davon 23,5 Millionen Euro EFRE-Anteil
Auf einen Blick
entstehen zahlreiche Speziallabore und Büros.
Die Baumaßnahme wird im Gold-Standard
nach dem Bewertungssystem Nachhaltiges
Bauen (BNB) für Laborgebäude des Bundesmi-
nisteriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und
Reaktorsicherheit errichtet. Das Bauvorhaben
wird durch Mittel aus dem Europäischen Fonds
für regionale Entwicklung (EFRE) mitfinanziert. *
tem Nachhaltiges Bauen (BNB) des Bundes-
ministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau
und Reaktorsicherheit. Das Bauvorhaben wird
durch Mittel aus dem Europäischen Fonds für
regionale Entwicklung (EFRE) mitfinanziert.
Ab dem Wintersemester 2023/24 sollen die
Studierenden den Neubau nutzen können. *
Bauzeit: 2019–2023
Investitionsvolumen: rund 63 Millionen Euro,
davon 21 Millionen Euro EFRE-Anteil
Visualisierung: Heinle, Wischer und Partner,
Freie Architekten GbR
Visualisierung:
Rohdecan Architekten Dresden

image
image
2 | 2019
19
AKTUELLE BAUPROJEKTE
Richtfest für den Laborneubau
des Bundesexzellenzclusters MERGE
Am 6. Mai 2019 wurde das Richtfest für den
Laborneubau des Bundesexzellenzclusters
MERGE (Technologiefusion für multifunktiona-
le Leichtbaustrukturen) an der TU Chemnitz ge-
feiert. MERGE ist ein bundesweit einzigartiges
Projekt, mit dem getrennte Fertigungsprozesse
bei der Verarbeitung unterschiedlicher Werk-
stoffgruppen, wie Textilien, Kunststoffe und
Metalle zusammengeführt werden.
Der Laborneubau ist eine Ergänzung des
bereits 2015 fertigstellten Forschungshallen-
komplexes. An dessen Südfassade wird nun der
Neubau angeschlossen. Beide Gebäude werden
im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss
miteinander verbunden. In diesen Etagen wer-
Grundsteinlegung für den Neubau Uni-
versitätsbibliothek und Hörsaalzentrum
Für den gemeinsamen Neubau der Universi-
tätsbibliothek und des Hörsaalzentrums an der
TU Bergakademie Freiberg wurde am 11. Juni
2019 der Grundstein gelegt. Im Neubau mit
rund 7.400 Quadratmetern Nutzfläche sind
neben der Bibliothek und zwei Hörsälen mit
insgesamt etwa 700 Plätzen auch zwei Semi-
narräume untergebracht.
Ab dem Frühjahr 2022 sollen die Studieren-
den den Neubau, der das fast 40 Jahre alte Bib-
liotheksgebäude in der Agricolastraße ersetzen
wird, nutzen. Die neue Universitätsbibliothek
bietet Platz für rund 850.000 Bücher, Zeit-
schriften und andere Medien, etwa ein Drittel
davon soll frei zugänglich sein.
Der Neubau ist Teil des Freiberger „Wissen-
schaftskorridors“, der den Universitätscampus
und die Innenstadt künftig besser verbinden soll.
Seit 2015 entsteht im Rahmen des Stadtteil-
entwicklungsprojektes im Freiberger Schloss-
platzquartier ein neuer Lehr- und Forschungs-
standort der TU Bergakademie. Die Fakultät für
Wirtschaftswissenschaften und das Internati-
Technische Universität Chemnitz
Technische Universität
Bergakademie Freiberg
Bauzeit: 2018–2020
Baukosten: 14,5 Millionen Euro,
davon rund 14 Millionen Euro EFRE-Anteil
den die hochmodernen Labore wie chemische
sowie physikalische Baulabore, Faserverbundla-
bore, Hydraulik-, Elektronik- und Pneumatikla-
bor oder ein Labor zur Materialprüfung ein-
gerichtet. Im viergeschossigen Neubau stehen
nach Fertigstellung rund 1.400 Quadratmeter
Nutzfläche zur Verfügung. Das Bauvorhaben
wird durch Mittel aus dem Europäischen
Fonds
für regionale Entwicklung (EFRE) mitfinanziert. *
Bauzeit: 2019–2022
Baukosten: rund 40 Millionen Euro. Die Finanzierung
erfolgt aus Mitteln, die durch die 2015 erfolgte
BAföG-Übernahme durch den Bund frei geworden
sind. Diese Mittel werden in Sachsen ausschließlich
für die Hochschulen und die Universitätsmedizin
eingesetzt.
onale Universitätszentrum haben dort bereits
ihr neues Domizil gefunden. Der Start für den
Neubau des Zentrums für effiziente Hochtem-
peratur-Stoffwandlung (ZeHS) erfolgte 2017
(siehe auch Seiten 12–13). Mit dem Neubau
von Universitätsbibliothek und Hörsaalzentrum
wird nun ein weiterer wichtiger Baustein für
den Wissenschaftskorridor realisiert. *
Foto: Michael Moser, Architektur: Sweco GmbH
Visualisierung:
behet bondzio lin architekten
GmbH & Co.KG, Leipzig
*Die Baumaßnahmen werden mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.

image
www.sib.sachsen.de
Marcus Jaursch und Sören Naumann
Auf der Baustelle im Innen-
hof des ZeHS – links Muster-
Lamellen für die violette
Gestaltung des Innenhofes