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Kleiner Ballsaal
meisterhaft
rekonstruiert
Seite 8
Auf der Baustelle
1. Bauaubschnitt des
Justizzentrums Leipzig
Seite 12
Praxis und Theorie vereint
Umbau im Universitäts-
klinikum Leipzig
Seite 6
Deutliche Verbesserungen
Mehr Vorteile durch
die neue RL Bau
Seite 16
Magazin
SIB
Ausgabe 1 | 2019

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1 | 2019
2
INHALT
IMPRESSUM
Herausgeber:
Staatsbetrieb Sächsisches
Immobilien- und Baumanagement
Wilhelm-Buck-Straße 4, 01097 Dresden
www.sib.sachsen.de
im Auftrag des Freistaates Sachsen,
Sächsisches Staatsministerium der Finanzen
Redaktion:
SIB-Zentrale: Oliver Gaber (V.i.S.d.P.),
Alwin-Rainer Zipfl, Tobias Lorenz
blaurock markenkommunikation:
Tobias Blaurock
Gestaltung:
blaurock markenkommunikation,
www.team-blaurock.de
Fotos:
Jürgen Jeibmann (S. 1, 4, 7 u., 8 l., 9,
13 u., 17 u., 18 u., 20),
Till Schuster (S. 2, 6, 7 o.),
David Nuglisch (S. 3),
LfD Sachsen/Bildsammlung (S. 8 u. r.),
Rainer Böhme (S. 10–11),
Tobias Blaurock (S. 14), SIB (S. 17 M.)
Druck /Auflage:
Lößnitz-Druck/2.000 Stück
Redaktionsschluss:
April 2019
Copyright:
Die Veröffentlichung ist urheberrecht-
lich geschützt. Alle Rechte, auch die des
Nachdruckes von Auszügen und der
fotomechanischen Wiedergabe, sind dem
Herausgeber vorbehalten. Diese Maßnahme
wird mitfinanziert durch Steuermittel
auf der Grundlage des vom Sächsischen
Landtag beschlossenen Haushaltes.
Treppenhaus im ehemaligen Speisenversorgungszentrum der Universitätsklinik Leipzig
3 EDITORIAL
KLUGE KÖPFE
4
Straße der Wissenschaft
GUTE IDEEN
6
Aus eins mach drei
8
Wiederaufbau
ZAHLEN UND FAKTEN
10 Der Kleine Ballsaal
AUF DER BAUSTELLE
12 Justizzentrum Leipzig begonnen
SIB INTERN
14 Ich hatte hier den schönsten Job der Welt
16
Die neue RL Bau
AKTUELLE BAUPROJEKTE
18 Auf einen Blick

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3
EDITORIAL
Der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanage-
ment (SIB) verwaltet einen Großteil der Immobilien im Eigen-
tum des Freistaates Sachsen. Er steuert professionell deren
gesamten Lebenszyklus und optimiert den Bestand sowie
die Nutzungsstruktur der staatlichen Liegenschaften. Auch
unsere neue Ausgabe des SIB Magazins verdeutlicht, wie um-
fangreich das Aufgabenspektrum des SIB ist. Keine Maß-
nahme gleicht der anderen, da sich die spezifischen Anforde-
rungen und Gegebenheiten vor Ort und von Fall zu Fall unter-
scheiden – in diesem Sinne ist jedes Projekt einzigartig.
Der SIB steht den Nutzern mit all seiner Erfahrung
und seinem Fachwissen zur Seite, um die Baumaßnahmen
effizient zu planen und durchzuführen. Darüber hinaus ist
es wichtig in der Nutzungsphase, die zeitlich den längs-
ten Anteil im Lebenszyklus einer Immobilie einnimmt, eine
größtmögliche Effektivität und Nachhaltigkeit zu errei-
chen. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind der
Erfolgsschlüssel, diese hochkomplexe Aufgabe professio-
nell zu bewältigen.
Auch in dieser Ausgabe spiegelt sich die breite Auf-
gabenvielfalt wider. Exemplarisch zu nennen ist hier der
Bau des Hochtechnologiezentrums der Westsächsischen
Hochschule Zwickau. Die EFRE-geförderte Baumaßnahme
im Herzen der Stadt Zwickau vereint einen Neubau für
Hochtechnologie mit denkmalgeschützten Fassaden und
schafft optimale Bedingungen für Lehre und Forschung.
Eine besondere und einzigartige Herausforderung stellte
die detailgetreue Rekonstruktion des Kleinen Ballsaals im
Dresdner Schloss dar. Anhand historischer Fotos, akribi-
scher Recherche, von Originalteilen und Computertechnik
konnte das im Zweiten Weltkrieg verloren gegangene
Kleinod als integraler Bestandteil des Schlosses wieder her-
gestellt werden. Im Ergebnis steht ein überwältigendes
Raumerlebnis, welches selbst mit Superlativen schwer
zu beschreiben ist und letztendlich nur mit den eigenen
Augen wahrhaftig erfasst werden kann.
Für die erste Ausgabe des SIB Magazins in diesem Jahr
wünschen wir Ihnen eine interessante Lektüre und span-
nende Einblicke in die Arbeit des SIB.
Oliver Gaber
Kaufmännischer
Geschäftsführer
Prof. Dieter Janosch
Technischer
Geschäftsführer

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4
Aktuell werden verschiedene Gebäude im dicht bebauten Raum des
Zwickauer Stadtzentrums abgerissen oder gesichert. Inmitten denk-
malgeschützter innerstädtischer Umgebung wird für die Westsäch-
sische Hochschule Zwickau (WHZ) der EFRE-geförderte Neubau des
Hochtechnologiezentrums (HTZ) platziert. Dabei handelt es sich um
ein auf schwingungsfreier Fundamentplattform stehendes hochtech-
nisiertes Gebäude für Forschung und Ausbildung für die Fakultäten
Physikalische Technik/Informatik und Elektrotechnik. Das HTZ wird
eine Nutzfläche von insgesamt 2.598 Quadratmetern bieten. Seine
Fertigstellung ist für Mitte 2022 geplant. Von Seiten des SIB sind
unter anderem Diana Weber, Lydia Richter und Frank Hattwig aus der
Niederlassung Zwickau maßgeblich an der Entstehung beteiligt.
Dipl.-Ing. (Bauwesen) Diana Weber, die auch das 2. Staatsexamen Archi-
tektur und Städtebau aufweisen kann, ist seit 25 Jahren in der Bauver-
waltung des Freistaates Sachsen tätig. Sie ist heute Sachgebietsleiterin
Hochbau II (Hochschul- und Krankenhausbau) und zugleich ständige
Vertreterin der Niederlassungsleiterin Heike Krenkel.
Lydia Richter, M.Sc. und Dipl.-Ing. (FH) Architektur, ist Projektleiterin
für den Bau und als solche Ansprechpartnerin des SIB für den General-
planer, eine ARGE der beteiligten Fachsparten. Sie hat unter anderem
bereits die Sanierung und den Umbau der ehemaligen Ingenieurschule
Straße der
Wissenschaft
Bau des Hochtechnologiezentrums für die Westsächsische Hochschule Zwickau (WHZ)
Zwickau zum Finanzamt Zwickau sowie die Sanierung und den Umbau
des Amtsgerichtsgebäudes Aue verantwortet.
Dipl.-Ing. (FH) Frank Hattwig ist als Sachbearbeiter Betriebstechnik
Elektro am Projekt beteiligt. Wie auch Lydia Richter hatte er einst selbst
an der WHZ studiert und freut sich, heute an der Entwicklung des Campus
Innenstadt mitwirken zu dürfen, bei der das HTZ harmonisch in das städte-
bauliche Bild eingegliedert wird.
Städtebauliches
Fast gleichzeitig zum Hochtechnologiezentrum (HTZ) entsteht ganz in der
Nähe das Technikum der WHZ, auch dort laufen bereits die vorgezogenen
Leistungen.
„Beide Gebäude sind Teil des Campus Innenstadt der WHZ,
auch ‚Straße der Wissenschaft‘ genannt. Sie werden also Auftakt und
Ende des Campus darstellen.“
, so Diana Weber.
„Durch das neue Gebäude wird vom Dr.-Friedrichs-Ring zur Peter-Breuer-
Straße eine öffentlich zugängliche Passage führen. Diese schafft einen
baulichen Übergang vom Neubau mit der hochtechnisierten Forschungs-
plattform zu den Bestandsbauten.“
, erklärt Diana Weber. Durch die Vergla-
sung der Passage hindurch soll die Öffentlichkeit Einblicke in die Labore und
Reinräume erhalten und den Forschern bei der Arbeit zuschauen können.
Lydia Richter und Frank Hattwig auf der Baustelle
Klinkerfassade der ehemaligen Druckerei Förster & Borries
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KLUGE KÖPFE

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Der Bau des HTZ entsteht unweit des Zwickauer Doms und erfordert
umfangreiche Abriss- und Sicherungsmaßnahmen im Denkmalschutz.
Der bei diesem Projekt betriebene Aufwand geht weit über Abriss und
Sicherung von Bestandsgebäuden hinaus:
„Zwickau liegt in der ‚Erdbebenzone I‘, hier sind hin und wieder Ausläu-
fer von Schwarmbeben messbar. Außerdem sind die Messgeräte so sensibel,
dass sie Schwingungen, z. B. verursacht vom Straßenverkehr, registrieren
können. Dies würde zur Verfälschung der Messungen führen. Daher muss
die Technologieplattform für die aufwändigen Forschungsarbeiten völlig
entkoppelt gegenüber Schwingungen aus der Umgebung und auch gegen-
über gebäudeeigenen Schwingungen realisiert werden.“
, so Lydia Richter.
Dafür wird unter anderem eine ca. 120 cm dicke Bodenplatte sorgen,
eine Pfahlgründung ist im vorhandenen Baugrund nicht möglich.
Herzstück des HTZ ist der 680 m² große Reinraumbereich für die
Mikrosystemtechnik, Nanotechnologie und Plasmatechnik im Erdge-
schoss des Gebäudes. Der Reinraumbereich verfügt über ein spezielles
Raumlayout mit Schleusen, Grauräumen und Rückstromzonen, das über
eine Druckkaskade den Überdruck in den Reinräumen garantiert. Die Rein-
räume erhalten spezielle Wände, Decken und Reinraummöbel sowie einen
Doppelboden zur Luftrückführung.
Die Reinräume der Reinraumklasse ISO 4, 5 und 7 werden erhöhten
Anforderungen an Luftreinheit sowie an konstante Temperatur und Luft-
feuchte gerecht. Der Bereich wird mit zwei Vollklimaanlagen be- und
entlüftet, die anfallende Wärme wird mit Umluft- und Aufsatzkühlern
abgeführt. Im ersten und zweiten Obergeschoss befinden sich Labore und
Praktikumsräume der Fakultäten.
Frank Hattwig:
„Das Baufeld grenzt an drei Seiten direkt an denkmalgeschützte Gebäude.
Nur ein schmaler Zugang erschließt das Baufeld. Daher müssen Teile der
angrenzenden historischen Bebauung zurückgebaut werden. Das betrifft
die Fassade der ehemaligen „Hansaschule“. Diese wird jedoch in Anleh-
nung an die Originalfassade wieder aufgebaut. Der Aufbau geschieht in
enger Abstimmung mit der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt
Zwickau sowie dem Landesamt für Denkmalpflege.“
, so Diana Weber.
Die ehemalige Druckerei Förster & Borries, die fast das ganze Carré aus-
machte, wird abgerissen. Ihre nordöstliche Klinkerfassade (Ende 19. Jh.)
bleibt jedoch, vorübergehend mit einer aufwändigen Stahlkonstruktion
abgestützt, bestehen. Hinter ihr wird eine zweite Fassade als Haus-in-
Haus-Bebauung errichtet, dahinter sollen die Labore und die Praktikums-
räume Platz finden. Im Luftraum zwischen Klinkerfassade und Neubau
wird der Neubau vertikal erschlossen. Diese Lösung wurde gefunden, um
zugleich die historische Fassade zu erhalten und den Neubau dennoch
Besonderer Aufwand
Einbindung historischer Fassaden
höhentechnisch barrierefrei zwischen den anderen historischen Gebäu-
den bzw. Fassaden anschließen zu können. Denn direkt daneben zeugt
beispielsweise eines der historischen, denkmalgeschützten Priester-
häuser von der Originalbebauung. Ein Gewölbekeller und Teile des Erd-
und 1. Obergeschosses, z. T. mit Wandbemalungen, sind original aus dem
frühen 16. Jh. erhalten geblieben. Das teils stark beschädigte Priesterhaus
wird im Zuge der Maßnahme partiell zurückgebaut. Die neu zu errichten-
de Fassade orientiert sich am Original aus dem 19. Jahrhundert. Hier wird
künftig das Dekanat untergebracht.
Lydia Richter nennt ein Beispiel für den Aufwand, mit dem Histori-
sches bewahrt wird:
„Für die Sicherung der Fassade des Druckereigebäudes
mit einer temporären Stahlkonstruktion benötigen wir 12 Bohrpfähle
à 10 m Länge und 62 cm Durchmesser im öffentlichen Raum der Peter-
Breuer-Straße. Zur Sicherung der Fassade hatten wir unter anderem die
umliegende Medienversorgung zu koordinieren, so musste die Trink-
wasserleitung extra umverlegt und die Gasleitung vorübergehend still-
gelegt werden. Die Konstruktion kann man sich als Übertunnelung der
Straße vorstellen, durch die auch LKWs fahren können.“
Der Bau im Stadtzentrum stellt weitere Anforderungen an die Beteilig-
ten. So grenzt die historische Stadtmauer direkt unterhalb der abgerissenen
alten Hansaschule an das Baufeld, zudem gibt es auf dem Grundstück keine
Baustelleneinrichtungsfläche, hierfür muss die denkmalgeschützte Ring-
grünanlage der Stadt Zwickau genutzt werden, die den alten Stadtgraben
nachzeichnet, sowie weitere landeseigene Flächen im Stadtgebiet. Auch
treten bei jeder Grabung archäologische Befunde (z. B. Scherben aus dem
13. Jh. und 14. Jh., Reste eines abgebrannten Hauses, ein Brunnen) auf,
die erst gesichert werden müssen. Lydia Richter stellt fest:
„Angesichts
all der Einschränkungen und Anforderungen ist es toll, dass wir über-
haupt bauen können.“
„Der hohe technische Ausstattungsgrad des Gebäudes
ist schon etwas Besonderes. Wir konnten Systeme ver-
einheitlichen und solche einsetzen, die der Hochschule
bereits bekannt sind. So können wir einen vernünftigen
Mitteleinsatz gewährleisten und die Grundlagen für
einen sinnvollen Betrieb durch den Nutzer legen.“
Visualisierung: ARGE RBZ-LD (AGZ Zimmermann Architekten GmbH, BDA; AB Raum und
Bau GmbH. Architekten BDA, BDIA; Leonhardt, Andrä und Partner Beratende Ingenieure
VBI AG; DERU Planungsgesellschaft für Energie-, Reinraum- und Umwelttechnik mbH)
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Für die Maßnahme werden rund 40 Millionen Euro investiert, mitfinanziert durch Steu-
ermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes und
gefördert aus Mitteln der EU (EFRE).

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GUTE IDEEN
Was eher selten vorkommt und für die Verantwortlichen im SIB
in der Planungs- und in der Bauphase eine Herausforderung war,
schafft im Ergebnis große Zufriedenheit: Für gleich drei verschiedene
Nutzer haben sie den quadratischen Bau des ehemaligen Speisen-
versorgungszentrums der Universitätsklinik in Leipzig barrierefrei
umgebaut. Es galt, verschiedene Ansprüche zu moderieren, Räume
sinnvoll zu strukturieren und anspruchsvolle technische Lösungen
zu finden. Und weil das stets konstruktiv vonstatten ging und sehr
gut gelang, bietet das Gebäude seit seiner Übergabe im Januar für
die Studierenden optimale Bedingungen. Denn sie finden ab sofort
Praxis und Theorie unter einem Dach vereint: Die LernKlinik und die
Bibliothek der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig, dazu
die modernisierte Mensa des Studentenwerks Leipzig.
Das einstige Speisenversorgungszentrum in der Liebigstraße 23/25 war
1988 zur Versorgung der Patienten, des Personals sowie der Studierenden
der Universitätsklinik errichtet und 1995 in Betrieb genommen worden.
Seit 2015 wurde der Skelettbau aus Stahlbetonfertigteilen unter Regie der
Niederlassung Leipzig II des SIB umfassend saniert und umgebaut. Als
federführender Bausachbearbeiter war Bauingenieur Lutz Voigt tätig. Zu-
ständig für die Starkstromanlagen war der Sachbearbeiter Elektrotechnik,
Dipl.-Ing. (FH) Thomas Bergmann.
Aus eins mach drei
Leipzig: LernKlinik, Bibliothek und Mensa übergeben
Städtebauliches
Um das Gebäude auf seine klare quadratische Grundrissgeometrie
von 50 × 50 Meter zurückzuführen, wurden im Zuge der Umbau- und
Sanierungsmaßnahmen die Anbauten entfernt. Zur Schaffung aller ge-
Grün für die LernKlinik, Blau für die
Bibliothek und Gelb für die Mensa
Lutz Voigt:
„Dass drei grundverschiedene Nutzungen in einem Haus zu
vereinen waren, spiegelt sich optisch vor allem in einem eigens entwickel-
ten Farb- und Materialkonzept wider, welches deutlich von dem ansonsten
als Standard benutzten abweicht. Der Farbkodex Grün für die LernKlinik,
Blau für die Bibliothek und Gelb für die Mensa ist Teil eines völlig eigenen,
fast künstlerischen Wegweisungskonzepts, das wir in Abstimmung mit
den Nutzern und Architekten entwickelt haben.“
Auch wurden unterschiedliche Holztöne verwendet, etwa um unter-
schiedliche Aufenthaltsqualitäten zu signalisieren.
Planungskenndaten:
Nutzfläche: 6.161 m²
Funktions- und Verkehrsfläche: 2.018 m²
Nettogrundfläche: 8.179 m²
Bruttogrundfläche: 8.997 m²
Bruttorauminhalt: 43.401 m²
Gesamtbaukosten: 25.328.000 Euro
Feierliche Übergabe: 09.01.2019
Diese Baumaßnahme wurde mitfinanziert
durch Steuermittel auf der Grundlage des
vom Sächsischen Landtag beschlossenen
Haushaltes.
forderten Nutzflächen erhielt die östliche Gebäudehälfte ein zusätzliches
Dachgeschoss.
Für die Bibliothek und LernKlinik wurde eine klare Eingangssituation
an der Liebigstraße geschaffen. Die Mensa im Unter- bzw. Gartenge-
schoss wird über die neue Mensaterrasse von außen direkt erschlossen –
auch, um
Störungen der Bibliotheksnutzer zu vermeiden.
„Das ehema-
lige Speisenversorgungswerk
wurde total entkernt, eigentlich haben
wir einen Neubau in alten Strukturen geschaffen. Als spannend emp-
fand ich es, dass hier nach den Vorgaben der Statik neue Nutzungen
und Wege ins Gebäude zu bringen waren. Elektrotechnisch gesprochen
haben wir dabei letztlich übereinander zwei separate Gebäude errichtet,
um den beiden Nutzern Universität und Studentenwerk eigene Abrech-
nungen zu ermöglichen.“
, so Thomas Bergmann.
Architektur: h.e.i.z.Haus Architektur.Stadtplanung, Becker.Lukannek.Schindler Partnerschaft mbB

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GUTE IDEEN
Bibliothek – Lasten
erfordern Umbauten
LernKlinik
Mensa
Die Bibliothek erstreckt sich auf 3.500 Quadrat-
metern Nutzfläche über das Erd- und das erste
Obergeschoss. Hier wurde unter Regie des SIB
Raum für 377 Arbeitsplätze und den Buchbe-
stand der Fachbibliotheken der Medizinischen
Fakultät und der Fakultäten Biowissenschaften,
Pharmazie, Psychologie, Chemie und Physik
sowie Geowissenschaften geschaffen.
„Der Be-
stand war vorher auf 14 Standorte verteilt.
Viele überflüssige Wege entfallen nun endlich
für die Studierenden.“
benennt Lutz Voigt einen
der vielen Vorteile, die mit dem Gebäude ent-
standen. Im Bestand mussten die tragenden
Strukturen zunächst substanziell für das in
ca. 130.000 Bänden geballte Wissen verstärkt
werden.
„Wir mussten hier im Hinblick auf die
Statik komplett umbauen. Nach Öffnung der
Decken boten die tragenden Strukturen einige
Überraschungen, so lagen etwa Bewehrungen
häufig völlig anders, als es in den Plänen ange-
geben war – das forderte den Beteiligten einige
Flexibilität ab.“
Besondere Lösungen verlangte auch das neue
Sheddach für den Lesesaal im 1. OG, der fast
in der Gebäudemitte liegt. Wegen der großen
Gebäudetiefe musste Tageslicht hier von oben
in die Bibliothek gebracht werden. Schon die
fünf
dreiteiligen Betonträger sind mit insgesamt
70,3 t von enormem Gewicht, sie erforderten –
wiederum aufgrund der Gebäudetiefe – unter
anderem einen 400-Tonnen-Kran für besonders
schwere Lasten. Dafür sind die Betonriesen heute
ein besonders eleganter Hingucker und gehören
zu den „Details“, über die sich Lutz Voigt freut.
Die LernKlinik, ein eigenes Institut der Medi-
zinischen Fakultät, ist ein hochmodernes inter-
disziplinäres Ausbildungs- und Trainingszen-
trum. Auf 830 Quadratmetern Nutzfläche im
2. OG können bis zu 100 Studierende gleich-
zeitig unter besten Bedingungen realitätsnah
Abläufe aus der klinischen Praxis üben. Für
alle medizinischen Bereiche gibt es Funktions-
räume mit realistisch funktionierender Medi-
zintechnik und hochsensiblen Simulatoren.
Auch ein Simulations-Operationssaal mit allen
vorgelagerten Einheiten wie Umkleiden, chir-
urgischer Waschstraße und Nachsorge bis hin
zum Bettenzimmer ist vorhanden. Insgesamt
stehen 14 Stationen zur Verfügung, an denen
praktische ärztliche Fähigkeiten und Fertig-
keiten erlernt werden können. Eine Audio- und
Videoanlage ermöglicht die Supervision der
Studierenden.
„Man kann im Simulations-OP
sogar einen Netzausfall simulieren und beob-
achten, wie die angehenden Ärzte reagieren.“
,
berichtet Thomas Bergmann.
Die „Mensa am Medizincampus“ mit zwei
Speisesälen und integrierter Cafeteria bietet
400 Plätze innen und 84 im Freibereich. Unter
Nutzung modernster Küchentechnik werden
hier bis zu 1.400 Portionen täglich produziert
und im „FreeFlow-System“ präsentiert. Sämt-
liche Anlieferungs-, Lagerungs-, Produktions-
und Ausgabeprozesse finden unter optimalen
Bedingungen auf einer Ebene statt.
„Hier gab es architektonisch interessante
Aufgaben zu lösen – zumal verschiedene Vor-
gaben bezüglich der Deckenhöhen, der Licht-
qualität, der Belüftung und natürlich der Gestal-
tungsqualität in Einklang zu bringen waren.“,
so Lutz Voigt.
Thomas Bergmann erinnert sich:
„Wir haben zentimetergenau ausgetüftelt, wie
die optimale Lichtwirkung mit der Deckenhöhe
vereinbar ist.“
„Die Kombination aus indirekter Beleuch-
tung, Akustikdecke und abgehängten, kreis-
runden Leuchten mit unterschiedlichen Durch-
messern in freier Anordnung, das ist schon
eine Besonderheit geworden!“
, blickt Lutz Voigt
zufrieden auf das Ergebnis.
„Der Charakter der
Mensabeleuchtung wird dadurch im Gebäude
eigenständiger und unterstreicht insgesamt
den Fokus auf die Aufenthaltsqualität. Die Be-
dingungen für Studenten sind optimal: modern,
architektonisch gelungen und alles unter einem
Dach – wirklich ein großer Fortschritt im Ver-
gleich zu vorher – sowohl für die Nutzungen als
auch für das Gebäude.“
Lutz Voigt und Thomas Bergmann (v. l. n. r.)

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GUTE IDEEN
Als Projektverantwortliche war die Sachbear-
beiterin der Abteilung Hochbau 5, Dipl.-Ing. (FH)
Kerstin Groth, für das Gelingen der Restaurie-
rung verantwortlich.
Kerstin Groth arbeitet bereits seit 01.03.1991
in der Bauverwaltung des Freistaates Sachsen.
Sie ist tätig im Bereich Allgemeiner Landesbau.
Seit 2004 verantwortete sie insgesamt acht
verschiedene Ausbau- bzw. Baumaßnahmen im
Residenzschloss – zu nennen etwa die Türcki-
sche Cammer, der Riesensaal und das Münz-
kabinett – und ist aus dessen Wiederaufbau
nicht wegzudenken. Für den Gesamtkomplex
obliegen ihr zudem die federführende Kosten-
planung, die Erarbeitung der Kostenkennwerte,
die Fortschreibung von Masterplan und Ge-
samtkosten sowie die übergreifenden Brand-
schutzmaßnahmen.
Was Kerstin Groth an der Wiederherstellung
des Kleinen Ballsaales am meisten begeistert,
kommt wie aus der Pistole geschossen:
„Bei die-
sem Bauvorhaben gab es nicht den klassischen
Ablauf, wie man ihn kennt – Nutzerforderung,
Planung, Entwurf, Ausführung. Sondern am
Anfang stand für uns das historische Foto eines
phantastischen, verloren gegangenen Saales,
verbunden mit dem Auftrag ‚so soll es wieder
werden, aber exakt‘. Man musste erstmal gründ-
lich Recherche betreiben – wie bekommt man es
1:1 historisch rekonstruiert, ohne bloß zu inter-
pretieren. Das war wie ein 3D-Puzzle, den Raum
in Bauteile auseinanderziehen, für jedes Bauteil
eine Lösung finden und belegen, dass die Re-
konstruktion strengsten denkmalpflegerischen
Ansprüchen genügt.“
Der Saal misst 11,9 x 9,5 Meter und hat eine
doppelgeschossige Höhe von 10,9 Metern.
Seine Gestaltung folgt dem Vorbild der Hoch-
renaissance. Seine Materialfolge – unten ein-
fach gehaltene Wandflächen bis hin zur mit
aufwändigen Dekorationen belegten und reich
vergoldeten Decke – verleiht dem Saal einen
aufstrebenden Charakter. Vier furnierglänzende
Türen, eine repräsentative Nische an der Süd-
wand, ein reich verzierter Kamin, aufwändiges
Tafelparkett, das vollständig vergoldete Gelän-
der der Galerie und prachtvolle Kristallleuchter
werten den Raum auf beeindruckende Weise
weiter auf.
Der Kleine Ballsaal ist einer von wenigen Räu-
men des Schlosses, die auf Kabinettsbeschluss
der Sächsischen Staatsregierung zur „Museums-
konzeption Dresdner Schloss“ aus dem Jahr
1997 als „historisch lokalisierter Raum“ mit
besonderem Anspruch rekonstruiert und ori-
ginalgetreu wiederherzustellen sind. Zu diesen
zählen unter anderem auch das Historische
Grüne Gewölbe, die Paraderäume im West-
flügel und das Turmzimmer.
Der historische Saal
Wiederaufbau
Kleiner Ballsaal komplettiert Raumfolge im 2. OG des Dresdner Schlosses
Georgenbau,
Blick in die Südwest-Ecke im
Kleinen Ballsaal, um 1960
Rechtzeitig zum 300. Jahrestag der Fürsten-
hochzeit des Kurprinzen Friedrich August II.
konnte Ministerpräsident Michael Kretsch-
mer am 25. Januar 2019 den fertiggestellten
Kleinen Ballsaal im Dresdner Residenzschloss
an die Generaldirektorin der Staatlichen
Kunstsammlungen Dresden, Prof. Dr. Marion
Ackermann, übergeben. Der Saal war im Auf-
trag von König Johann von Sachsen von dem
Hofbaumeister Bernhard Krüger (1821–
1881) konzipiert und zwischen 1865 und
1868 ausgeführt worden, „um als Localität
für die am Königlichen Hofe mit beschränk-
ter Zahl der Einladung zu gebenden Gesell-
schaften, namentlich Kammerbälle, benutzt
zu werden“. Er gilt als wichtiges Zeugnis des
Historismus und des Semper‘schen Architek-
turverständnisses. Die Niederlassung Dres-
den I des SIB führte, eng vom Landesamt für
Denkmalpflege begleitet, Regie bei seiner
Wiederherstellung.
Projektverantwortliche Dipl.-Ing. (FH) Kerstin Groth und
Sachbearbeiter für Starkstrom Dipl.-Ing. (FH) Carsten Bär

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GUTE IDEEN
Historische Grundlagen
und Techniken
Für die moderne Technik waren der Sachbear-
beiter für Starkstrom Dipl.-Ing. (FH) Carsten Bär
und seine Kollegen aus dem Sachgebiet Betriebs-
technik 2 zuständig. Carsten Bär ist seit 2004 im
Schloss tätig, hat hier alle großen und kleinen
Baumaßnahmen im Gewerk Starkstrom beglei-
tet, wie die Wiederherstellung des Historischen
Grünen Gewölbes, der Türkischen Cammer, des
Riesensaals und des Münzkabinetts.
„Die elektro-
technisch diffizilste Aufgabe war es, im Saal
mittels Tageslichtsteuerung die Illusion einer
Tageslichtdecke zu erzeugen. Hier galt es, den
Standort des Lichtfühlers optimal auszuwählen
und anhand der Referenzpunkte die richtigen
Einstellungen vorzunehmen.“
Ebenso aufwen-
dige Aufgaben stellten sich seinen Kollegen in
der Lüftungs- oder der Sicherheitstechnik, zum
Beispiel mit dem Einbau von versteckten Bewe-
gungsmeldern und Kameras.
Im Ergebnis konnte unter der Regie des SIB
mit dem Kleinen Ballsaal ein weiterer wichtiger
Teil eines der bedeutendsten Museumskom-
plexe in Europa originalgetreu wiederhergestellt
werden. Der Kleine Ballsaal ist ein Zeugnis des
Historismus und dient dem baugeschichtlichen
Verständnis der gesamten Schlossanlage. Mit
seiner authentischen, detailgenauen Rekon-
struktion konnte die repräsentative Raumfolge
im zweiten Obergeschoss des Dresdner Schlosses
komplettiert werden. Der Saal wird nun als Son-
derausstellungsbereich zwischen Rotseidenem
Zimmer und Münzkabinett genutzt. So erstrahlt
ein weiterer Teil der sächsischen Geschichte mit
beeindruckender Opulenz in neuem Glanz.
Modernste Technik
Neuer Glanz
Raumkenndaten und Kosten:
Grundfläche: 113 m²
Bruttorauminhalt: 1.235 m³
Bauinvestitionen Residenzschloss seit Wiederver-
einigung: ca. 341 Mio. Euro
Rekonstruktion Kleiner Ballsaal: 6.100.000 EUR
Die Baumaßnahme wird mitfinanziert aus Mitteln
der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur
und Medien, die seit 2013 ca. 29 Mio. Euro für
den Ausbau und die historische Wiederherstellung
des Residenzschlosses zur Verfügung gestellt hat,
sowie durch Steuermittel auf Grundlage des vom
Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.
Planungskenndaten:
Planungsauftrag EW-Bau: 05/2009
Erstellung EW-Bau: 05/2009–03/2010
einschl. Modellentwicklung: 05/2009–12/2010
Rohbauvorbereitung, Unterkonstruktionen:
09/2009–12/2013
Bauauftrag: 08/2014
Fertigstellung: 01/2019
„Das historische Planmaterial war
vorwiegend im historischen Längen-
maß ‚Sächsische Elle‘ angegeben,
das sind 56,64 Zentimeter. Von ihr
gehen sämtliche Teilungsmaße und
Proportionen aus, so dass alle Maße
umzurechnen waren.“
Im Fall des Kleinen Ballsaales stellte sich dieser
Anspruch als besondere Herausforderung dar.
So waren unter anderem der Rückgriff auf das
historische Längenmaß der „Sächsischen Elle“
und intensive Materialforschungen nötig. Es
galt, spezielle Handwerkstechniken neu zu er-
finden und längst in Vergessenheit geratene
Fertigkeiten neu zu entwickeln. Kerstin Groth:
Detaillierte historische Bauunterlagen und Fotos
lagen vor, so dass es möglich war, den Raum auf
Basis noch vorhandener Reste wirklich original-
getreu in der historischen Fassung von 1868 zu
rekonstruieren. Doch nicht für alle Eigenschaften
des Saales gab es exakte Vorgaben:
„Besonders
schwierig war der Weg zur Farbigkeit, Fotos lagen
nur in schwarz/weiß vor. Die Farben konnten wir
somit nur detektivisch herleiten – aus Akten, wie
Angeboten und Rechnungen, Planskizzen mit
Material- und Farbangaben). Teils konnten wir
auch das Schweriner Schloss zum Vergleich he-
ranziehen.“
, so Kerstin Groth.
In der Wandnische der Südwand war ein Teil
des unteren Bereichs der Wandfläche aus Mar-
mor erhalten geblieben. Darüber sind noch
Bereiche des originalen Stuckmarmors vorhan-
den. Diese Originalflächen wurden teilrestau-
riert und in die rekonstruierte Raumfassung
des Saales eingebunden. So belegen sie heute
die Authentizität der umliegenden Rekonstruk-
tion. Auch die drei großen restaurierten Leuch-
ter, die wieder auf dem Kamin stehen, waren,
wenngleich beschädigt, noch vorhanden und
konnten restauriert werden.
Bei der Ausführung wurde insgesamt beson-
ders darauf geachtet, die traditionellen Tech-
niken und historischen Technologien denk-
malpflegerischer Anforderungen umzusetzen.
So wurden unter anderem plastische Details
zunächst anhand dreidimensionaler Modelle
von Bildhauern entwickelt, da eine zeichneri-
sche, zweidimensionale Darstellung nicht aus-
gereicht hätte.
„Eine besondere Herausfor-
derung war es, die richtigen Handwerker und
Restauratoren auszuwählen, welche die zum
Teil historischen Techniken beherrschen. Zu
85 Prozent konnten wir dabei letztlich auf die
Expertise sächsischer Unternehmen zurück-
greifen.“
, so Kerstin Groth.
„Altes Handwerk live
zu erleben – beispielweise den raumprägenden
Stuckmarmor entstehen zu sehen – war fas-
zinierend, die Begeisterung der Handwerker
steckte an.“
, erinnert sich die Projektleiterin.
9

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1 | 2019
SIB IN ZAHLEN
Beeindruckend detailgetreu rekonstruiert
Der Kleine Ballsaal
Der Kleine Ballsaal ist einer der wenigen Räume im Dresdner Residenzschloss, die in ihrer ursprünglichen
Fassung wieder aufgebaut wurden. Er konnte nach historischen Plänen und Fotos in seiner Raumfassung
von 1868 mit großem Aufwand detailgetreu rekonstruiert werden.
78.000
Decke, Kehle und Geländer ca.:
= ca. 1.400 g Gold
= ca. 410 m
2
vergoldete Fläche
= 3,5 fache Raumgrundfläche
(118 m
2
)
Blatt
Gold
3.600
Feuervergoldung
der Leuchter ca.:
g
= insg. ca. 5.000 g Gold
10
geplant mit dem historischen
Längenmaß der Sächsischen Elle
56,64
cm
56,64 cm
85%
sächsische Firmen beteiligt

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SIB IN ZAHLEN
1 | 2019
7.863
darunter 86 Originalteile
Kristallteile
11
4.500
Gesamtstunden der
Stuckmarmorarbeiten
h
2.440
Galeriegeländer:
vergoldete Zinkgussteile

 
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1 Bestandsgebäude Alfred-Kästner-Straße
2 Neubau
3 Bestandsgebäude Arndtstraße
4 Gedenkstätte
Alfred-Kästner-Straße
Arndtstraße
Bernhard-Göring-Straße
1
4
3
2
AUF DER BAUSTELLE
Auf dem Gelände der ehemaligen JVA Leipzig entsteht derzeit das
Justizzentrum Leipzig, gebildet aus dem bestehenden Amtsgericht,
der Staatsanwaltschaft und dem Fachgerichtszentrum Leipzig. Bereits
2002 war der einstige Hafttrakt im Innenhof abgebrochen worden.
An seiner Stelle fügt der SIB derzeit einen Neubau in die denkmalge-
schützte Blockrandbebauung zu beiden Seiten ein, in dem Büros und
Archivflächen für die Staatsanwaltschaft entstehen. Diese wird auch
den ehemaligen Verwaltungsbereich an der Alfred-Kästner-Straße und
die einstige „Frauenhaft“ an der Arndtstraße nutzen. In beiden fin-
den nach der Sanierung Büros und ein Asservatenbereich Raum. Für
diesen ersten Bauabschnitt ist beim SIB unter anderem die Projektleite-
rin Dipl.-Ing. (FH) Kerstin Große verantwortlich. Als Sachbearbeiterin
im Landesbau ist sie in der Niederlassung Leipzig I, Sachgebiet HB
2 tätig.
Kerstin Große arbeitet seit fast 30 Jahren in der Bauverwaltung des
Freistaates Sachsen. Seit Juli 1991 hat sie hier unter anderem 11 große
Baumaßnahmen realisiert und sowohl Neubauten als auch Sanierungen
betreut. Besonders erinnert sie sich an Umbau und Sanierung von Schloss
Grimma für das Amtsgericht Grimma. In das Schlossareal wurden drei
gläserne Neubauten integriert. Derzeit arbeitet sie parallel auch an Umbau
und Sanierung des Hafthauses für Sozialtherapie in der JVA Torgau. Durch
ihre umfangreiche Erfahrung ist sie prädestiniert sowohl für das Einfügen
moderner Verbindungsbauten, als auch für den Umgang mit denkmal-
geschützten Gebäuden. Beides ist der Fall beim Bau der Staatsanwalt-
schaft, für den sie und ihre Sachgebietsleiterin Dörthe Kruse verantwort-
lich zeichnen.
„An diesem Projekt begeistert mich besonders die Herausfor-
derung, zwei denkmalgeschützte Bestandsbauten mit unterschiedlichen
Höhen der Geschosse durch einen Neubau funktional und gestalterisch
optimal zu verbinden. Höhensprung und Übergänge in die Altgebäude
haben wir zusammen mit den Architekten gut gelöst.“,
so Kerstin Große.
Das Architektur- und Stadtplanungsbüro kister scheithauer gross ver-
bindet in seinem Entwurf die zu sanierenden Bestandsgebäude durch
einen sechsgeschossigen, T-förmigen Neubau mit vierstöckigem Anbau,
der zugleich zwischen den anschließenden Wohngebäuden und dem
höher gelegenen Amtsgericht vermittelt. Zur Errichtung des Rohbaus
im Innenhof sind zwei Turmdrehkräne mit einer Tragkraft von bis zu
5 Tonnen notwendig, da die Baustelle nur über zwei schmale Zufahrten
erschlossen ist.
„Dafür müssen wir das bis zu 19 m hohe historische
Mauerwerk zunächst nach und nach in vier Abschnitten
mit Hilfskonstruktionen und Hilfsfundamenten
abfangen, bevor wir die neuen Fundamente setzen
und wieder aufmauern können.“
Justizzentrum
Leipzig begonnen
1. Bauabschnitt „Staatsanwaltschaft“
Bestandsgebäude mit Gedenkstätte
Die beiden Bestandsgebäude werden denkmalgerecht saniert und nur in
Teilbereichen umgebaut: An der Arndtstraße wird die Fassade mit Natur-
stein- und Putzarbeiten saniert, die historischen Fenster werden aufge-
arbeitet und das Dach erhält eine neue Deckung. Die denkmalgeschützte
Treppenanlage vom 1. bis 4. OG mit ihren die einstigen Haftzellen erschlie-
ßenden Galerien bleibt erhalten. Die Zellen werden, verbunden durch
neue Durchbrüche, Bibliothek und Asservatenkammern Platz bieten.
Unabhängig von der Errichtung der Gebäude für die Staatsanwaltschaft
wird hier auch die Gedenkstätte „Justizgeschichtlicher Erinnerungsort –
ehemalige Zentrale Hinrichtungsstätte der DDR“ entstehen. Sie wird durch
das Bürgerkomitee Leipzig e. V. eingerichtet. Die Innenräume sollen dafür
nicht saniert, sondern authentisch belassen werden. Auch die angrenzen-
den Giebelfassaden sollen erhalten bleiben. Kerstin Große weist auf eine
besonders aufwändige bauliche Lösung hin:
1 Bestandsgebäude
Alfred-Kästner-Straße
2 Neubau
3 Bestandsgebäude
Arndtstraße
4 Gedenkstätte

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AUF DER BAUSTELLE
Am Bestandsgebäude an der Alfred-Kästner-Straße sind die Rohbauarbei-
ten und die Sanierung von Fassade und Dach weit fortgeschritten. Auch
hier werden die historischen Fenster aufgearbeitet. In beiden Altbauten
werden teilweise moderne Sicherheitsfenster hinter die historischen
Fenster gesetzt. Insgesamt wird das Ensemble auf 8.199 Quadratme-
tern Nutzfläche bei hohen Sicherheitsanforderungen für 252 Mitarbeiter
Büros, Archive und Registraturräume bieten.
Kerstin Große empfindet eine große Verantwortung gegenüber dem
Nutzer:
„Es ist immer wieder eine anspruchsvolle Aufgabe, den vom
Nutzer geforderten Raumbedarf optimal umzusetzen – in diesem Fall
sowohl im Denkmalschutz, als auch mit einem Neubau. Der Raum
muss sinnvoll strukturiert werden, um den räumlichen Abhängigkeiten
der künftigen Arbeitsabläufe mit einem wirtschaftlich und konstruktiv
optimalen architektonischen Entwurf zu entsprechen.“,
erklärt Kerstin
Große. Die Einhaltung des genehmigten Kostenrahmens zu gewährleis-
ten und die gestellten Termine einzuhalten sei angesichts der derzeitigen
Konjunktur schwierig.
Obwohl europaweit ausgeschrieben wird, sind nach 42 bisher erfolgten
Ausschreibungen zu etwa 78 Prozent sächsische Unternehmen beteiligt.
84 Ausschreibungen werden insgesamt nötig sein. Die Fertigstellung der
Gebäude ist für Oktober 2020 anvisiert.
Kerstin Große legt Wert darauf festzuhalten:
„Das ist natürlich alles eine
Teamaufgabe. Ohne die sehr gute Zusammenarbeit mit meiner Sach-
gebietsleiterin Dörthe Kruse und mit unseren Fachsachgebieten Technik
und Ingenieurbau, sowie mit der Justiziarin Frau Swat und der Prüfbeauf-
tragten Frau Helbig wäre das alles nicht möglich.“
„Ich mag und schätze meinen Beruf. Obwohl er mit viel
Arbeit, Stress und auch Ärger verbunden ist, spüre ich
dennoch Enthusiasmus, weil ich für die Zukunft Bleibendes
gestalten darf – auch für spätere Generationen.“
Dipl.-Ing. (FH) Hochbau Kerstin Große, Sachbearbeiterin im Landesbau,
SIB Niederlassung Leipzig I, Sachgebiet HB 2
Für die Maßnahme werden rund 33,4 Millionen Euro investiert, mitfinanziert durch Steuermittel
auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes und gefördert aus
Mitteln der EU aus dem Europäischen Fond für regionale Entwicklung (EE -EFRE).
Die Förderung zur Verbesserung der Energieeffizienz (EE-EFRE) wird für die Sanierung der
Bestandsgebäude gewährt. Der für die Sanierung geplante energetische Standard liegt über den
Anforderungen nach Energieeinsparverordnung (EnEV) und erfüllt damit die Förderbedingungen.
Visualisierung: kister scheithauer gross, architekten und stadtplaner GmbH, Leipzig

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SIB INTERN
Norbert Seibt, bis 31.1.2019 Leiter
der Niederlassung Bautzen
Der ehemalige Leiter der SIB-Niederlassung Bautzen, Norbert Seibt
(*1953), ging zum 31.1.2019 in den wohlverdienten Ruhestand. Unter
seiner Leitung wurden unter anderem Hochschulen, Gefängnisse,
Grenzübergänge, Kulturbauten und Polizeidirektionen in Ostsachsen
saniert, ergänzt oder neu gebaut. Dem SIB-Magazin erzählte er noch
im Januar aus seinem Berufsleben.
Sie haben eine lange Karriere in verschiedenen Systemen und mit
drei Währungen hinter sich. Erzählen Sie uns davon!
Ich wurde hier in Bautzen ausgebildet als einer der ersten „Baufacharbei-
ter mit Abitur“. Davon habe ich immer profitiert, der Praxisbezug ist von
großer Bedeutung für ein erfolgreiches Berufsleben. Nach dem Studium
des Bauingenieurwesens begann ich als Invest-Bauleiter bei der damaligen
Unterkunftsabteilung in Cottbus. Meine Tätigkeit entsprach damals schon
in wesentlichen Punkten der beim SIB.
Nach der Wende konnte ich ab 1991 glücklicherweise direkt in der Säch-
sischen Staatshochbauverwaltung als Sachgebietsleiter Hochbau weiter-
arbeiten. Wir hatten die landeseigenen Objekte gründlich kennenzulernen
und ihren Bauzustand festzustellen – was immer wieder schlimme Über-
raschungen mit sich brachte. Und wir hatten die neuen Regularien, Tech-
nologien und Materialien ordnungsgemäß anzuwenden – das hat zuweilen
schon Kopfschmerzen bereitet.
Die
90er Jahre
waren geprägt vom Enthusiasmus der Mitarbeiter – wer
diesen Aufbruch nicht selbst erlebt hat, kann es nicht nachvollziehen und
ich empfinde es als Glück, dabei gewesen zu sein. 1994 wurde ich zunächst
kommissarisch, 1995 dann zum Amtsvorsteher des Staatshochbauamtes
Bautzen berufen, und nach der Fusion mit dem Liegenschaftsamt 1999
Amtsvorsteher des Vermögens- und Hochbauamtes. Seit 2003 leitete ich
die Niederlassung Bautzen des SIB.
Ich hatte hier
den schönsten
Job der Welt
„Aufbauhelfer aus dem Westen brachten uns damals
ernsthaft Bleistifte und Radiergummis mit, als hätten
wir die nicht selbst gehabt. Heute verfügen hier
schon die von uns gebauten Schulungsräume über
modernste Elektronik.“
Norbert Seibt
Norbert Seibt beim
Besuch eines der letzten
unter seiner Leitung
fertiggestellten
Neubauten, des
Laborgebäudes
der Berufsaka-
demie Bautzen

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15
SIB INTERN
Mit der Fusion war das fremde Fachgebiet „Liegenschaften“ mit Objektma-
nagement, Bewirtschaftung und Grundstücksverkehr zu uns gekommen.
Während wir im Bau daran gemessen wurden, wie viel Mittel abfließen, war
die Liegenschaftsverwaltung eher gehalten, die Mark – und später den Euro –
lieber zweimal umzudrehen. So kamen Feuer und Wasser zusammen, aber:
Welche Projekte haben Sie im Laufe Ihrer Tätigkeit verantwortet?
In den 90er Jahren waren Polen und Tschechien noch nicht dem Schen-
gener Abkommen beigetreten. Damit hatten – wir sind ja im Dreiländer-
eck – zunächst die
Bundesbauten
eine große Bedeutung: Wir bauten neue
Grenzübergänge, als größten den Autobahnübergang Ludwigsdorf, bei
dem auf ca. 30 ha rund 80 Mio. D-Mark verbaut wurden. Das wären heute
wohl 80 Mio. Euro für die gleichen Leistungen. Wir bauten die Übergänge
Bad Muskau, Görlitz, Hagenwerder, Ostritz, Zittau, Sohland und Sebnitz.
Die sind bekanntermaßen heute alle überflüssig – das Gebäude in Hagen-
werder wurde schon gar nicht mehr richtig in Betrieb genommen, wir
hatten es reversibel ausgeführt, um es später, in Pirna, glaube ich, für die
Bundespolizei wieder aufbauen zu können.
Auf
Landesebene
haben wir unter anderem Landeseinrichtungen, wie
die Gerichte Görlitz, Bautzen, Weißwasser, Kamenz, die Polizeidirektion
Görlitz, die JVA Görlitz und die JVA Bautzen, das Straßenbauamt, das
Vermessungsamt, das Umweltfachamt und die Gewerbeaufsicht Bautzen
saniert, ergänzt oder neu gebaut.
Im
Hochschulbau
sind die Hochschule Zittau-Görlitz, das interna-
tionale Hochschul-Institut Zittau und die BA Bautzen zu nennen. Für
Zittau-Görlitz hatten wir in den 90er Jahren die bauliche Entwicklungs-
planung gemacht, aus der wir schon Mitte der neunziger Jahre die ersten
Projekte, wie das Niedrigenergiehaus, ableiten konnten.
Wir haben zwei
Landeskrankenhäuser
zu betreuen, die in Arnsdorf
und Großschweidnitz, wo wir erst im Herbst 2018 für ca. 23 Mio. Euro
den Neubau des Gerontopsychiatrischen Zentrums abgeschlossen haben.
Nicht vergessen möchte ich den
Kulturbau
, da waren bei uns die Burg
Stolpen, das Landesbarockschloss Rammenau und vor allem der Fürst-
Pückler-Park in Bad Muskau zu nennen.
Der Park war 1992 in den Besitz des Freistaates übergegangen und ich
durfte von Anfang an bei seiner Entwicklung dabeisein. Er ist die ein-
zige Weltkulturerbestätte Sachsens und zweifellos eine Reise wert. Wir
haben hochbauseitig Marstall, Beamtenhaus, weitere Wohnungen, die
Orangerie, den Neubau für den Technikstützpunkt und die Doppelbrücke
abgeschlossen. Da der Park in Polen und Deutschland liegt, haben wir bis
heute einen engen Kontakt zur polnischen Seite. Und den brauchten wir
auch, wie beim Wiederaufbau der Doppelbrücke. Die polnische Seite hat
großen Wert darauf gelegt, mit an der Brücke zu bauen und so wurden
das Widerlager und der erste Pfeiler von dort aus realisiert. Die Techniker
und Ingenieure verstanden sich hervorragend. Aber die Genehmigungs-
prozedere in beiden Ländern sind durchaus vergleichbar bürokratisch –
im Nachhinein zum Lachen, damals manchmal zum Verzweifeln. Der Bau
war im Herbst 2003 abgeschlossen, Polen trat erst 2007 dem Schengener
Abkommen bei. Wir hätten also einen ordnungsgemäßen Grenzübergang
schaffen müssen. Das war natürlich baulich dort gar nicht möglich, und
so wurde die fertige Brücke feierlich und mit Bundeskanzler eröffnet,
aber gleich wieder geschlossen. Später wurde mit viel diplomatischem
Aufwand erreicht, dass sie schon vor 2007 geöffnet werden konnte, und
ich bin froh, dass es hier nie zu einem Zwischenfall kam.
Das Neue Schloss Bad Muskau war 1945 durch Brandstiftung völ-
lig zerstört worden und eine gefährliche Ruine. Verkehrssicherung war
angesagt, denn erst 1995 wurde besiegelt, das Neue Schloss wieder auf-
zubauen und dies fand 2013 seinen Abschluss. Das Aufsetzen der Be-
krönungsfigur, des sogenannten Adonis, war für mich mit einem sehr
nachhaltigen und emotionalen Erlebnis verbunden. Dabei sah ich eine
alte Frau, der die Tränen über die Wangen strömten. Sie erzählte mir, dass
sie als Kind noch mit den Kindern des Grafen Arnim im Schloss gespielt
habe und seit der Brandstiftung 1945 auf diesen Moment gewartet hatte.
Und die Vielfalt der unterschiedlichsten Projekte, das können Sie nur ha-
ben, wenn Sie beim Freistaat in einer Niederlassung des SIB tätig sind. Ich
gehe voller Dank und kann aufrichtig sagen: Du hast ein ganz erfülltes
Berufsleben gehabt.
Und wie geht es nach dem Abschied für Sie weiter?
Ich hatte und habe auch ein erfülltes Familien- und Privatleben. Ich bin
seit 45 Jahren glücklich mit ein und derselben Frau verheiratet, wir haben
drei Kinder und inzwischen sechs Enkel. Damit werde ich weiter gut be-
schäftigt sein, denn das habe ich ihnen allen versprochen: Ab jetzt ganz
für die Familie da zu sein.
Wie sehen Sie die Wahl Ihres Nachfolgers?
Jaroslaw Golaszewski ist einer von uns. Als er 2009 nach sehr erfolgrei-
cher Tätigkeit als Leiter der Gruppen Landesbau und Krankenhausbau in
die Zentrale versetzt wurde, habe ich ihm gesagt, ich wäre stolz, wenn er
in zehn Jahren mein Nachfolger würde. Heute macht mich die Tatsache,
dass das wirklich so kommt, sehr, sehr glücklich – und das macht mir den
Abschied ein gehöriges Stück leichter.
„Ja, und da gibt es so Momente im Leben, da merkt man
erst im Nachhinein, welch riesengroßes Glück man hat.“
„Die Zusammenlegung von Bau und Liegenschaften war
richtig, denn man muss stets den gesamten Lebenszyklus
der Immobilie betrachten. Man muss sich nur mal die
Mühe machen, den Job des Anderen zu verstehen. Ich sage
nicht ohne Stolz: Wir haben beides erfolgreich zusammen-
gebracht, in einem Klima der Achtung, des sich Schätzens
und des gegenseitigen Respekts.“
„Was ich am Freitag mache? Ich lasse es freudig einfach
auf mich zukommen.“
„Ihre Freudentränen waren für mich
eigentlich das größte Dankeschön
meiner Laufbahn. Diese Wertschätzung
hat mir gezeigt: Mensch, Du hast hier
echt den schönsten Job der Welt!“

 
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SIB INTERN
Die neue
RL Bau
Solide, durchdacht, gut erprobt
Die Verfahren, mit denen das grundlegende Prinzip der Sächsischen
Haushaltsordnung, nämlich der Grundsatz der Wirtschaftlichkeit
und Sparsamkeit bei der Verwendung öffentlicher Gelder, bei Un-
terbringungs- und Baumaßnahmen umzusetzen ist, werden in der
RL Bau geregelt. Sie trat am 1. Januar frisch überarbeitet in ihrer
neuen Fassung in Kraft. Nach der Erprobung bei sechs Pilotprojekten
unterschiedlicher Dimension bereits im Jahr 2018 steht fest: Mit
der neuen RL Bau werden die im Wesentlichen erhofften Vorteile
erreicht, nämlich Verfahrensbeschleunigung und -vereinfachung bei
früherer Kostensicherheit.
Die RL Bau regelt das Zusammenspiel zwischen den Nutzern, der Ver-
mögens- und Hochbauverwaltung und den Vertretern des Haushal-
tes des Freistaates Sachsen. Ihr voller Name lautet „Richtlinie für die
Durchführung von Bauaufgaben und Bedarfsdeckungsmaßnahmen
sowie die Bewirtschaftung von Liegenschaften des Freistaates Sachsen
im Zuständigkeitsbereich der Staatlichen Vermögens- und Hochbau-
verwaltung“.
Die ersten Schritte bei Unterbringungsmaßnahmen sind die Formu-
lierung, Qualifizierung und Prüfung des Bedarfes. Dies sicherzustellen,
obliegt dem Fachgebiet Bedarfsprüfung und Wirtschaftlichkeitsunter-
suchungen des SIB, wobei hier die beiden Hochbaufachgebiete der Pro-
jektentwicklung mitwirken. Leiter des Fachgebietes ist seit Oktober 2016
Michael Haas. Der Jurist ist 1993 direkt nach seinem 2. Staatsexamen in
die Vermögens- und Hochbauverwaltung des Freistaates Sachsen ein-
getreten und hat seitdem verschiedene Funktionen in unterschiedlichen
Dienststellen in der Vermögens- und Hochbauverwaltung wahrgenom-
men. Michael Haas hat als Mitglied des Arbeitskreises die Novellierung
der RL Bau mitgestaltet.
Nach erfolgter Anerkennung der qualifizierten Bedarfsanmeldung ar-
beitet sein Fachgebiet auch bei der Suche nach Varianten zur Deckung
des Unterbringungsbedarfs sowie bei in der Sächsischen Haushaltsord-
nung vorgeschriebenen Bewertung ihrer Wirtschaftlichkeit mit.
Die Aufgabe der Projektentwicklung beschreibt Michael Haas so:
Wir prüfen, ob der Bedarf überhaupt besteht, ob er in der geforderten
quantitativen und qualitativen Größe besteht, und wie und wo er am besten
gedeckt werden sollte. Hierbei werden nicht nur finanzielle Aspekte, son-
dern auch für den Nutzer wichtige funktionale Aspekte in die Betrachtung
und Entscheidungsfindung einbezogen.“
Der vom Nutzer vorgetragene
Bedarf ist, darauf legt Michael Haas Wert, nach Maßgabe der Haus-
haltsordnung durchaus kritisch zu prüfen, aber nicht mit dem Ziel einer
Kostensenkung um jeden Preis. Ziel ist es vielmehr, ein vernünftiges und
wirtschaftlich vertretbares Ergebnis zu erzielen. Michael Haas fühlt sich
seiner Aufgabe sehr verbunden.
So seien beispielsweise Forstbezirksverwaltungen mit völlig anderen An-
forderungen verbunden als Nanolabore, Raumschießanlagen für das SEK
des LKA, Finanzämter oder Kulturbauten.
„Faszinierend ist für mich vor allem die Vielzahl der staat-
lichen Aufgaben, die sich in den Bedarfsanmeldungen
abbildet. Es vergeht kein Vierteljahr, in dem nicht etwas
völlig Neues auf den Tisch kommt – das macht Freude
und bringt Abwechslung.“
Schneller konkrete Ergebnisse
Um den unterschiedlichen Vorhaben gerecht zu werden, unterscheidet
die RL Bau drei Verfahrensarten: Das formlose, das vereinfacht förmli-
che und das förmliche Verfahren. Die ersten beiden Verfahren werden bei
kleineren Unterbringungsbedarfen eingesetzt. Das komplexere Letztere
wird auf die großen Projekte über 1,5 Millionen Euro Umfang angewen-
det. Der Verfahrensbeschleunigung wegen ist beim förmlichen Verfahren
neu, dass die Qualifizierung der Vorhaben, sowie die Ermittlung und Un-
tersuchung von Varianten früher erfolgen (siehe Grafik). Am Ende des
Verfahrens wird in der Regel eine Projektunterlage vorgelegt. Mit ihr liegt
dem Haushalt eine fundierte Entscheidungsgrundlage zur Vorzugslösung
der Bedarfsdeckung, deren Kosten und Risiken vor. Die Gefahr von Be-
darfsnachträgen sinkt und es wird weniger Überraschungen bezüglich
eintretender Risiken geben, schätzt Michael Haas ein.
Ausführungsunterlage
(AFU)
Entwurfsunterlage-Bau
(EW-Bau)
Projektunterlage
(PU)
Qualifizierte
Bedarfsanmeldung
(QBedAn)
Bedarfsanmeldung
(VBedAn)
RL Bau 2018
Ausführungsunterlage
(AFU)
Entwurfsunterlage-Bau
(EW-Bau)
Entscheidungsunterlage
(ES)
Bedarfsanmeldung
bisher
Verfahrensablauf
Große Baumaßnahme
(vereinfacht)

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SIB INTERN
Eines von sechs Pilotprojekten zur Erprobung der neuen
RL Bau war 2018 die Qualifizierte Bedarfsanmeldung für
den künftigen Hauptsitz des Amtsgerichts Zwickau. Dessen
Funktionen sind derzeit auf fünf teils landeseigene, teils
angemietete Dienstgebäude verteilt. Unter Anwendung
der neuen RL Bau wurden verschiedene Varianten der
Unterbringung untersucht. Im Ergebnis der Wirtschaftlich-
keitsuntersuchungen steht fest, dass die Sanierung des
historischen Gerichtsgebäudes im Stil der Neorenaissance
aus dem Ende des 19. Jahrhunderts (Dr.-Friedrichs-Ring 21)
und seine Ergänzung durch einen Anbau die optimale
Variante ist. Die Kosten für den Neubau wurden dabei
anhand abstrakter Berechnungen auf Basis von
Vergleichskosten aus Kostendatenbanken ermittelt.
Mehraufwand im Vorfeld lohnt sich
Das neue förmliche Verfahren bringt auch gewisse Veränderungen für die
Nutzer mit sich, die nun schon früher und detaillierter zuarbeiten müssen.
Gemeinsam mit den Hochbaufachgebieten der Projektentwicklung und
dem Fachgebiet Bedarfsprüfung und Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen
beginnen sie das Verfahren jetzt mit dem neuen Schritt: der Bedarfs-
voranmeldung. Hierbei ist schon frühzeitig darzustellen, inwieweit der
Bedarf zum Stellenplan und zur mittelfristigen Personalplanung passt.
Ebenso sind Angaben zu konzeptionellen Überlegungen, zur Organisa-
tionsstruktur des Nutzers erforderlich. Auf dieser Basis erhält dann die
Projektentwicklung des SIB vom Finanzministerium den Auftrag, mit dem
Nutzer eine qualifizierte Bedarfsanmeldung zu erstellen. Der Mehrauf-
wand am Anfang spart später zeitraubende Genehmigungsschleifen und
führt insgesamt zu einer Beschleunigung der Verfahren. Letztlich seien
nur so auch die Vorgaben der Politik schneller umzusetzen, wie etwa die
Michael Haas zieht Resümee:
„Bei den sechs Pilotprojekten 2018 zeig-
te sich im Wesentlichen, dass die Novellierung der RL Bau die erhofften
Effekte bringen kann. Das größte dieser Projekte ist die Neuerrichtung
des Standortes der Landesuntersuchungsanstalt, der Landeseichdirektion
und des Eichamts Dresden. Das Vorhaben umfasst Investitionen von rund
160 Millionen Euro. Unter Anwendung der neuen RL Bau sind wir hier
in einem gutem Dreivierteljahr bis zur Fertigstellung der Qualifizierten
Bedarfsanmeldung durchgekommen. Das lag auch an dem sehr koope-
rativen Mitwirken des Nutzers – bei einem guten Zusammenspiel der
Abteilungen innerhalb des SIB und mit dem Nutzer funktioniert das neue
Verfahren hervorragend.“
In ihrem ganzen Umfang ist die neue RL Bau im Sächsischen Amtsblatt
Nr. 1/2019 nachzulesen, wo sie am 30. Januar 2019 veröffentlicht wurde.
Von Michael Haas und Tobias Blaurock
„Die RL Bau war an die Erfordernisse
der Zeit anzupassen. Das ist gelungen.“
3D-Modell für den künftigen Hauptsitz
des Amtsgerichts Zwickau
Ausbildungsoffensive der Staatsregierung oder die schnelle Erhöhung
der Anzahl der Polizeikräfte, für die auch bauliche Lösungen erforderlich
sind, so Haas:

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AKTUELLE BAUPROJEKTE
Richtfest für das „violette Mineral“
in Freiberg
Am 22. März 2019 wurde das Richtfest für den
Neubau des Zentrums für effiziente Hochtem-
peratur-Stoffwandlung (ZeHS) gefeiert. Das
ZeHS ist eine wissenschaftliche Einrichtung der
TU Bergakademie Freiberg für die Forschung
auf dem Gebiet der Hochtemperatur-Prozesse
und Materialien. Im Fokus des ZeHS steht die
Entwicklung innovativer, ressourcen- und en-
ergieeffizienter Technologien in Bereichen der
Grundstoffindustrie. Dabei werden Prozess-
und Materialanforderungen – insbesondere der
chemischen Industrie, der Metallurgie sowie
von Keramik-, Glas- und Baustoffindustrie – im
Kontext betrachtet, um die Übertragung auch
auf andere Branchen zu ermöglichen.
Neubau für Gerontopsychiatrisches
Zentrum fertiggestellt
Das Sächsische Krankenhaus Großschweidnitz
ist ein Fachkrankenhaus mit den Behandlungs-
schwerpunkten Psychiatrie, Psychotherapie,
Psychosomatik, Neurologie und forensische
Psychiatrie. Der im November 2018 offiziell
übergebene Neubau des Gerontopsychiatri-
schen Zentrums (GPZ) schafft optimale Be-
dingungen für die Behandlung von älteren
psychisch kranken Menschen und bietet den
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein moder-
nes Arbeitsumfeld.
Auf insgesamt 3.520 m² Nutzfläche des GPZ
entstanden drei Stationen und eine Tagesklinik
für Gerontopsychiatrie sowie eine Station zur
Suchtbehandlung. Das Gebäude bietet Behand-
lungsplätze für insgesamt 100 Patienten. Für
jede der Stationen wurde eine separate, auf das
jeweilige therapeutische Konzept abgestimmte
Technische Universität Bergakademie Freiberg
Sächsisches Krankenhaus
Großschweidnitz
Der Neubau für das ZeHS, auch „violettes
Mineral“ genannt, gliedert sich funktional in drei
Teile: einen viergeschossigen Kopfbau für Büro-
flächen, zwei zweigeschossige Gebäudespangen
für die Labornutzung sowie zwei Technikum-
hallen. Die Dreiteilung ermöglicht kurze Wege
zwischen Laboren und Werkhallen.
Die Kosten für Bau und technische Ausstat-
tung werden vom Bund und dem Land Sachsen
hälftig getragen. Die TU Bergakademie Freiberg
hatte sich an einem bundesweiten Wettbewerb
um eine Förderempfehlung für Forschungs-
bauten an Hochschulen nach Art. 91 GG be-
worben und diese 2015 erhalten.
Fertigstellung: Frühjahr 2021
Baukosten: rund 31 Millionen Euro
Technische Ausstattung: rund 13 Millionen Euro
Bauzeit: Juni 2015 – September 2018
Baukosten: rund 23,4 Millionen Euro, davon Eigen-
mittel SKH Großschweidnitz rund 8,43 Millionen Euro
Außenanlage geschaffen. Diese bieten Sitzge-
legenheiten oder Sportflächen für Tischtennis,
Street- und Basketball.
Das Gerontopsychiatrische Zentrum wurde
durch einen unterirdischen Verbindungsgang
mit dem benachbarten Haus 26, dem Diagnos-
tikzentrum für Neurologie verbunden. Dadurch
wird die Mitnutzung der diagnostischen Ein-
Auf einen Blick
richtungen der Neurologie durch die Stationen
im Neubau erleichtert. Die Wege für Patienten
und Pflegepersonal sind kürzer.
Visualisierung: Heinle Wischer und Partner
Architektur: Kleihues + Kleihues Gesellschaft
von Architekten mbH

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AKTUELLE BAUPROJEKTE
Die Baumaßnahmen werden mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.
Übergabe des Erweiterungsneubaus
für das Finanzamt Zwickau
Mit der Übergabe des Erweiterungsbaus für
das Finanzamt Zwickau am 15. November 2018
wurde die steuerliche Zuständigkeit für den
gesamten Landkreis Zwickau beim Finanzamt
Zwickau gebündelt. Der Standort Lessing-
straße befindet sich am nördlichen Innenstadt-
rand von Zwickau. Mit dem Erweiterungsbau
wird die markante Eckbebauung an der Kolping-
straße/August-Bebel-Straße wiederhergestellt.
Der Entwurf für den Neubau resultiert aus dem
Erfordernis einer effektiven Organisation des
gesamten Finanzamtes Zwickau – unter Be-
rücksichtigung aller internen Arbeitsabläufe.
Außerdem bestand die Notwendigkeit einer
zusammenhängenden Unterbringung der ein-
Finanzamt Zwickau
zelnen Abteilungen. Bei der Konzeption und
Bemessung der tragenden Bauteile waren
die Anforderungen an Erdbebensicherheit zu
berücksichtigen, da die Region höhere tekto-
nische Aktivität aufweist. Dies war insbeson-
dere unter Betrachtung der hohen Lasten der
konzentrierten Aktenunterbringung sowohl
im Büro- als auch im Archivbereich entwurfs-
bestimmend. Der Erweiterungsbau für das
Finanzamt Zwickau wurde nach Passivhaus-
standard erbaut. Er wird mittels Erdwärme be-
heizt. Im Sommer wird die warme Luft aus dem
Gebäude in das Erdreich zurückgespeist.
Richtfest für „die Biene“ in Leipzig
Mit dem Richtfest am 6. März 2019 konnte ein
baulicher Meilenstein zur Errichtung des neuen
Forschungsgebäudes für das Deutsche Zentrum
für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv)
gefeiert werden. Das Deutsche Zentrum für in-
tegrative Biodiversitätsforschung Halle-Jena-
Leipzig (iDiv) ist ein Forschungszentrum der
Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv)
Fertigstellung: Frühjahr 2020
Baukosten: rund 34 Millionen Euro
Deutschen Forschungsgemeinschaft an den
Hauptstandorten Halle, Jena und Leipzig. For-
scherinnen und Forscher erarbeiten hier die
wissenschaftlichen Grundlagen für den nach-
haltigen Umgang mit der Biodiversität der Erde.
Das iDiv wird von den drei im mitteldeutschen
Universitätsbund kooperierenden Universitäten –
der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg,
Bauzeit: Juli 2016 – November 2018
Baukosten: rund 9,3 Millionen Euro
der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der
Universität Leipzig – sowie in Kooperation mit
dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung
(UFZ) betrieben. Der Neubau vereint die deut-
sche Biodiversitätsforschung künftig über
Städte- und Ländergrenzen hinweg.
Das Bauprogramm umfasst auf rund 5.000 m²
Büro-, Labor- und Lagerräume, aber auch eine
kleine Bibliothek, einen Spielraum sowie Bera-
tungs- und Seminarräume. Im Eingangsbereich
entsteht ein von außen einsehbares mehrge-
schossiges Foyer als Forum für die Öffentlich-
keit. Zusammen mit den Seminarräumen im
Erdgeschoss kann es für größere Veranstal-
tungen oder für Bildungsangebote von Kin-
dern und Jugendlichen genutzt werden. Seinen
Spitznamen „die Biene“ erhielt das Gebäude
durch die markanten Fensterbänder. Kupferne
und dunkelgraue Fensterbänder im Wechsel
symbolisieren eine Biene als Leittier, stellver-
tretend für bedrohte Arten im Pflanzen- und
Tierreich. Der Neubau in der Puschstraße ist ein
bedeutender Teil des Forschungscampus in der
Nähe der Alten Messe Leipzig.
Architektur: KNOCHE ARCHITEKTEN BDA,
Michael Moser Images
Visualisierung: Depenbrock Partnerring GmbH & Co. KG

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www.sib.sachsen.de
Kerstin Große
Sachbearbeiterin im Landesbau,
SIB Niederlassung Leipzig I,
auf der Baustelle der Staats-
anwaltschaft Leipzig