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Das
neue
Albertinum
.
Kunst von der Romantik
bis zur Gegenwart.
Magazin zur Neueröffnung

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Über dem sandsteinverkleideten Neorenaissancegebäude
des ausgehenden 19. Jahrhunderts schwebt ein archi-
tektonisches Meisterwerk der Gegenwart – eine Stahl-
konstruktion von rund 2.700 Tonnen Gewicht. In diesem
sowohl historischen als auch völlig modernen Gewand
präsentiert sich das neue Albertinum in Dresden seinen
Gästen des 21. Jahrhunderts. Eine Brücke zwischen
gestern und morgen verkörpert der Bau an der Brühlschen
Terrasse auch in einem weiteren Sinne. Fortan beher-
bergt das umgebaute und generalsanierte Haus zwei der
bedeutendsten Kunstmuseen Dresdens – die Skulpturen-
sammlung und die Galerie Neue Meister – und gewährt
damit Einblicke in die Entwicklung bildender Künste
der vergangenen rund 200 Jahre in einem bisher noch
nicht gekannten Umfang.
1
Lichthof |
2
Skulpturenhalle |
3
Kunst der Gegenwart |
4
Mosaiksaal
5
Galerie Neue Meister |
6
Gemäldedepots |
7
Werkstätten
Titelseite:
Gerhard Richter:
Sekretärin.
1964
© Gerhard Richter,
Köln 2010,
Foto: J. Karpinski
Ferdinand Hodler:
Bildnis Madame de R.
1898
© Staatliche Kunstsammlungen
Dresden,
Foto: Estel/Klut
Hermann Glöckner:
Untere Faltungszone
vom Mast.
1975
© VG BILD-KUNST,
Bonn 2010,
Foto: Estel/Klut
Schnittperspektive
© staab Architekten

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Mehr als die Eröffnung
eines neuen Museums.
Noch eine Museumseröffnung in Deutschland?
Weit gefehlt! Die aktuelle Geschichte des
Albertinums ist einzigartig, grenzt an ein öffentli-
ches Wunder und ist doch gleichzeitig lebendiger
Ausdruck des starken Engagements einzelner
Künstler und Kunstliebhaber, Vertreter unserer
Bürgergesellschaft und politischer Entschei-
der. In der langen Liste der neuen Museen muss
das Albertinum besonders markiert werden,
weil es sich um ein ehrwürdiges Bauwerk handelt,
das – aus der Elbeflut von 2002 gerettet – inner-
halb kürzester Zeit eine Metamorphose zu einem
der schönsten Museumsgebäude Deutschlands
erlebte. Dieser neue Museumsbau, den Volker Staab
bezeichnenderweise als unsichtbar beschreibt,
wird die Standards in Hinblick auf Ästhetik,
Sicherheit und Besuchererlebnis verändern. Er ist
prototypisch und beispielhaft für Dresden: In
seinem äußeren Erscheinungsbild nahezu unver-
ändert, zeigt sich das Albertinum im Inneren
in seiner ganzen wundervollen Ausstrahlung und
sachlichen Funktionalität. Insbesondere die
schwebenden Neubauten, Depot und Restaurie-
rungswerkstatt, sind eine architektonische Mut-
probe und fügen sich dennoch – eben unsichtbar –
in das komplett wiederbelebte Gesamtgebäude
ein.
Ohne Volker Staabs Meisterleistung würde das
neue Albertinum nicht die gesicherte Zukunft
erhalten, die es aufgrund seiner bedeutenden und
wechselvollen Geschichte und weltweiten Be-
rühmheit seiner Sammlungen verdient hat und die
Dresden braucht, um die Kunstbestände des
19. und 20. Jahrhunderts sowie der Gegenwart zu
zeigen. Es sind also die wertvollen Sammlungen
und die dafür adäquate Architektur, die das
Albertinum zu einem zentralen Anziehungspunkt
für Kunstfreunde aus aller Welt machen werden.
Aber gerade in Anbetracht der Freude über die
lang erwartete Neueröffnung des Museums
und die notwendige Neupositionierung der Samm-
lungen dürfen wir die ungewöhnliche und bei-
spiellose Genesis der Rekonstruktion des Alberti-
nums nicht vergessen. Es war Helge Achenbach,
der aufgerüttelt durch die eindrucksvolle Foto-
dokumentation der Katastrophe, die Barbara
Klemm in der FAZ veröffentlich hat, im Sommer
2002 dem damaligen Bundeskanzler Gerhard
Schröder eine Auktion zu unseren Gunsten vor-
schlug. Gerhard Schröder, bestärkt durch
Wolfgang Thierse, machte die Auktion zu seiner
persönlichen Angelegenheit. Helge Achenbach
forderte mit dem ihm eigenen Vermittlertalent
namhafte Künstler zu einem Beitrag auf – die
Reaktion war überwältigend. Peter-Klaus Schuster,
der ehemalige Generaldirektor der Staatlichen
Museen zu Berlin, stellte die Neue Nationalgalerie
für eine Auktion zur Verfügung. Sotheby’s
organisierte eine erfolgreiche Auktion, deren
Gesamtergebnis alle Erwartungen übertraf.
Besonders aber »Der Fels« von Gerhard Richter
wurde zu einem zentralen Symbol dieser
spektakulären Hilfsaktion, weil wir nicht nur
den finanziellen Erlös, sondern vermittelt
durch Prinz Heinrich zu Hohenlohe vom Käufer
das berühmte Gemälde als Dauerleihgabe
bekommen haben. Diese beispiellose Geste löste
eine Reihe von Ausstellungseinladungen aus,
darunter von den Staatlichen Museen zu Berlin,
dem Bucerius Kunstforum in Hamburg, der
Royal Academy of Arts in London, namentlich
von Sir Norman Rosenthal, dem Metropolitan
Museum in New York und dem Getty Trust
in Los Angeles.
Das Budget, das uns von den generösen Künstlern
zur Verfügung gestellt wurde, war der sichere
Grundstock für die Rekonstruktions- und die Neu-
bauarbeiten. Glücklicherweise ließen sich die ver-
schiedenen Entscheider in der Sächsischen Staats-
regierung – ihnen gilt mein außerordentlicher
Dank – auf das Vorhaben ein, ebenso die Verant-
wortliche für die Flutgelder innerhalb der Bundes-
regierung, Brigitte Zypries. Viel Unterstützung
erfuhren wir ebenfalls von den Beauftragten für
Kultur und Medien Julian Nida-Rümelin und
Christina Weiß.
Unser Hauptsponsor, der Deutsche Sparkassen-
und Giroverband, hat die Wiedereröffnung des
Hauses durch bedeutende Neuerwerbungen und
flankierende Maßnahmen erheblich gefördert.
Viele Leihgeber und private Förderer unterstütz-
ten außerdem die von den Direktoren der Galerie
Neue Meister und der Skulpturensammlung,
Ulrich Bischoff und Moritz Woelk, mit viel Sach-
und Fachkenntnis vorangetriebene Neukon-
Beim Aufstellen einer
der
Dresdner Frauen
(Die Elbe 1990) von
Georg Baselitz © Staatliche
Kunstsammlungen Dresden,
Foto: David Brandt
Prof. Dr. Martin Roth, Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden

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zeption des Albertinums. Auch hier ist besonders
Helge Achenbach als Gesellschafter der Samm-
lungen Rheingold und Speck zu danken. Zu dan-
ken ist auch der Commerzbank AG für heraus-
ragende Dauerleihgaben aus der ehemaligen
Kunstsammlung der Dresdner Bank, die zur Eröff-
nungsausstellung des Albertinums einen wesent-
lichen Beitrag leisten, und ebenso den Freundes-
kreisen der beiden Museen, der Gesellschaft
für Moderne Kunst in Dresden e.V. mit ihrem Vor-
sitzenden Axel Bauer und Paragone Dresden e.V.
mit ihrem Vorsitzenden Michael Meurer.
Besonderen Dank verdienen die Mitarbeiter
vom Sächsischen Immobilien- und Baumanage-
ment, namentlich Dieter Janosch und Ludwig
Coulin, dass sie für das Vorhaben eine Manage-
mentleistung vorgewiesen haben, die jedem
privaten Unternehmen alle Ehre machen würde.
Kühnheit und Mut kennzeichnete unsere Zu-
sammenarbeit. Dieses »progressive Bauvorhaben«,
wie es Dieter Janosch gerne nannte, ist mit ab-
soluter Klarheit und Lösungsorientierung umge-
setzt worden. Das brillante Ergebnis spricht
für sich.
Aber schließlich wäre dieses Unternehmen,
geboren aus Bürgerinteresse und staatlicher Ver-
antwortung, nicht gelungen ohne das große
Engagement einzelner, genannt seien nur zwei:
Georg Baselitz’ kritische, aber zupackende Art
sich mit unseren Museen zu befassen, hat stets
für Aufmerksamkeit und damit Unterstützung
gesorgt. Gerhard Richters Hinwendung zu
den Belangen der Galerie Neue Meister, seine Aus-
stellungen, seine Stiftungen und die Einrichtung
des Gerhard Richter Archivs haben die gesell-
schaftliche und politische Öffentlichkeit davon
überzeugt, dass ein Einsatz für die Werte der
Kunst lohnenswert und zukunftsorientiert ist.
Mein herzlicher, sehr persönlicher Dank gilt allen
Genannten und Ungenannten, die sich an diesem
ungewöhnlichen Vorhaben beteiligt haben.
Nota bene:
Jeder komplexe Prozess lebt von unterschied-
lichen Informations- und Kommunikationswegen,
die sich aber meistens auf eine bestechende
Anfangsidee zurückführen lassen: Nach der kata-
strophalen Flut, aller Depoträume beraubt,
wussten wir nicht, wie es weitergehen soll. Wir
wussten nur, dass wir keinesfalls die notwendige
und qualitätsgarantierende Nähe von Museum,
Ausstellung, Depot und Restaurierung aufgeben
wollten. Wie häufig in kritischen Situationen
bat ich Harald Marx, den ehemaligen Direktor der
Gemäldegalerie Alte Meister, um ein persönliches
Gespräch bei einem Spaziergang: Wir befanden
uns gedankenverloren auf der Mitte der Augustus-
Brücke, als Harald Marx mit dem Blick auf das
Albertinum auf seine unnachahmliche Art die
Initialzündung gab: »Der Innenhof des Alberti-
nums sollte dringend überarbeitet werden«.
Blick auf das Albertinum
im Zentrum der historischen
Altstadt
© Staatsbetrieb Sächsisches
Immobilien und Baumanagement,
Foto: Lothar Sprenger

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Das Albertinum wird in diesen Tagen als moder-
nes Museum im historischen Bauwerk mit Kunst
von der Romantik bis zur Gegenwart wieder
eröffnet. Bereits 1559 begann die Geschichte des
Albertinums und reicht damit zu den Wurzeln der
Kunstsammlungen vor 450 Jahren zurück.
In seiner Kunstkammer sammelte Kurfürst
August Mineralien, Naturalien, Zeichnungen und
Gemälde, wissenschaftliche Instrumente und
ausgestopfte Tiere, neben Waffen und Pretiosen.
Sie dienten auch dazu, die Welt abzubilden und
sie zu erklären. Hier konnte der Kurfürst seine
Studien betreiben, sich inspirieren lassen und
die Prinzen lernten die Welt kennen: Kunstsamm-
lungen als originärer Lernort, bereits in der
frühen Neuzeit.
Schon längst sind die Museen der Staatlichen
Kunstsammlungen Dresden zu einem selbstver-
ständlichen Ort der Wissenschaft und Forschung
geworden – so auch das Albertinum. Doch als
die berühmten Gemälde der Romantiker, die
Arbeiten der »Brücke«-Künstler, die Skulpturen
und Bilder von einst und jetzt während des
Umbaus nicht zu sehen waren, ging hinter den Ku-
lissen die wissenschaftliche Arbeit weiter, um
eben diese beindruckenden Ausstellungen zu kon-
zipieren, die wir nun eröffnen.
Wie aber unterscheidet sich das Albertinum als
Ort der Wissenschaft und Inspiration von den
anderen Museen der Kunstsammlungen? Hier
wie dort forschen unsere Wissenschaftler
mit ihren Kollegen aus aller Welt an den origina-
len Kunstwerken, vergleichen, fragen nach
ihrer Herkunft, diskutieren Einflüsse und Inten-
tionen der Künstler. Ihre Arbeit ist eine der
Grundaufgaben eines Museums für die Gegen-
wart und die künftigen Generationen. Und wenn
Teile der neuen Ausstellungsräume ein Experi-
mentierfeld für zeitgenössische Künstler bieten,
werden zugleich Gemälde der Alten Meister in
den neu geschaffenen Werkstätten hoch im Dach
des Lichthofes für die Zukunft restauriert und
konserviert.
Studierende der Universitäten und Hochschulen
können hier aus nächster Nähe und eigener
Anschauung Kunstwerke betrachten und erleben.
Die unmittelbare Nachbarschaft mit der Hoch-
schule für Bildende Künste ist programmatisch zu
nennen und lässt auf weiterhin gegenseitige
Beeinflussungen hoffen.
In der Wiederbegegnung mit den Arbeiten der
Künstlergruppe »Brücke« im Albertinum
erinnern wir uns an die ästhetischen Anregun-
gen, die die jungen Maler zu Anfang des vergan-
genen Jahrhunderts bei ihren Besuchen im
Dresdner Völkerkundemuseum erhielten. Die
künstlerischen Resultate sind nun wieder im
2. Obergeschoss des Albertinums zu sehen. Eine
neue Begegnung mit dieser Inspiration wird
Norbert Tadeusz:
Sphinx, schmal.
1970
© VG BILD-KUNST,
Bonn 2010,
Foto: E. Estel
Edgar Degas:
Vierzehnjährige
Tänzerin.
1878/81
© Staatliche Kunstsammlungen
Dresden,
Foto: J. Karpinski
Ferdinand von Rayski:
Hase im Schnee.
1875
© Staatliche Kunstsammlungen
Dresden,
Foto: Estel/Klut
Vincent van Gogh:
Quittenstillleben.
1888 – 1889
© Staatliche Kunstsammlungen
Dresden,
Foto: J. Karpinski
Das Albertinum – Ein
Ort der künstlerischen
Inspiration.
Prof. Dr. Dr. Sabine von Schorlemer, Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst

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Modernes Museum in
alten Gemäuern.
Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Albertinum
zum Museum für die Skulpturensammlung der
Staatlichen Kunstsammlungen Dresden umgebaut.
Seitdem ist das Albertinum ein Ort der Kunst –
bis ins Heute, denn nach Umbau und Erweiterung
bietet das Haus nunmehr Platz für die Galerie
Neue Meister und die Skulpturensammlung. Als
Museum der Moderne gibt das Albertinum
einen Einblick in das Kunstschaffen des 19. und
20. Jahrhunderts und ist mit Werken von
Gerhard Richter, A. R. Penck und Georg Baselitz
in der Gegenwart angekommen.
Ebenfalls auf der Höhe der Zeit und ganz im Stil
der Architektur der Gegenwart befindet sich
nach der Sanierung das Gebäude selbst. Wie die
Ausstellung so hat auch das Albertinum im
Laufe seiner Geschichte mannigfaltige Umbauten
und Ergänzungen erfahren: Im 16. Jahrhundert
galt das Dresdner Zeughaus im Stile der Renais-
sance als eines der bedeutendsten in Europa.
Der Zeitgeschmack änderte sich allerdings fort-
während. August der Starke nahm 1705 erste
Erweiterungen vor, sein Sohn, Kurfürst Friedrich
August II. veranlasste 1740 einen grundlegen-
den Umbau. Bis in das 19. Jahrhundert wechselte
das Erscheinungsbild. In der Gründerzeit er-
hielt das Gebäude die Sandsteinfassaden im Stile
der italienischen Hochrenaissance und damit
das Aussehen, wie wir es heute kennen.
Ausgangspunkt für die nun abgeschlossenen bau-
lichen Veränderungen war das Augusthoch-
wasser von 2002 mit seinen verheerenden Auswir-
kungen. Danach stand fest: Dresdens Kunst-
schätze müssen sicher untergebracht werden. Ein
Gutachterverfahren unter Leitung des Staatsbe-
triebes Sächsisches Immobilien- und Baumanage-
ment (SIB) gab eine verblüffende architektonische
Antwort: Ein schwebendes, hochwassersicheres
Depot sollte entstehen. Der überzeugendste
Entwurf dazu kam von dem Architekten Professor
Volker Staab aus Berlin.
Im Sinne der Arche Noah aus dem biblischen Buch
Genesis entwarf er ein schwebendes Depot über
dem Innenhof des Albertinums. Diese »Arche
für die Kunst« ist eine Stahlkonstruktion, die auf
der einen Seite durch den Aufzugsschacht getra-
gen wird, auf der anderen Seite durch zwei Pfeiler,
die bis 20 Meter tief gegründet sind. Die wertvolle
Bausubstanz wurde dabei nicht verstellt oder
zerstört, der Eingriff geschah schonend und be-
hutsam. Die Konstruktion der Arche scheint
zu schweben, obwohl sie 72 Meter lang, 24 Meter
breit, 2.700 Tonnen schwer und ein zweigeschos-
siger Neubau in 17 Meter Höhe ist. Darin unter-
gebracht sind auf einer Nutzfläche von 2.400
Quadratmetern Depots und Restaurierungswerk-
stätten verschiedener Museumsbereiche der Staat-
lichen Kunstsammlungen Dresden. Unter dem
Dach der Arche entstanden ein multifunktional
nutzbares und hochwertiges Foyer mit Kasse,
Garderobe, Café, Buchladen und Aufzug, insge-
samt ein weiterer öffentlicher Raum für alle
Dresdner und Dresden-Besucher – der neue Mit-
telpunkt des Museums.
Neu ist, dass das Albertinum künftig über zwei
Eingänge – von der Brühlschen Terrassen und
vom Georg-Treu-Platz aus – zu erreichen ist.
Anstelle der ursprünglich geplanten Depots ent-
standen im 1. Obergeschoss des Salzgassenflügels
rund 1.200 Quadratmeter zusätzliche Fläche
für Wechselausstellungen der modernen Kunst.
Dieses Plus in Kombination mit den Schaudepots
bringt einen nützlichen Nebeneffekt mit sich:
Im 1. Obergeschoss entsteht ein kompletter Muse-
umsrundgang.
In dreieinhalbjähriger Bauzeit wurden außerdem
Fenster und Fassaden, Ausstellungsflächen und
das Dach saniert, die technische Ausstattung und
sicherheitstechnische Anlagen erneuert. Der
Freistaat Sachsen hat 51,7 Millionen Euro inve-
stiert. Zusätzlich haben sich namhafte Künstler
mit 3,4 Millionen Euro eingebracht, wofür ich
herzlich danke. Die Botschaft dieses baulichen
Wirkens ist klar: Wir kommen unserer Verpflich-
tung nach, sächsisches Kulturgut so zu erhalten,
dass sowohl der Würde der Vergangenheit als
auch den Anforderungen der Zukunft Rechnung
getragen wird.
Das Ergebnis ist überzeugend: Das Albertinum
präsentiert sich als geschätzter Museumsort
in neuem Gewand und wir freuen uns, einen der
modernsten Museumsbauten Deutschlands
in Sachsen zu wissen.
Caspar David Friedrich:
Zwei Männer in Betrachtung
des Mondes.
Um 1819/20
© Staatliche Kunstsammlungen
Dresden,
Foto: J. Karpinski
Wilhelm Lehmbruck:
Kniende.
1911
© Staatliche Kunstsammlungen
Dresden,
Foto: H. P. Klut
Prof. Dr. Georg Unland, Sächsischer Staatsminister der Finanzen
die Betrachtung der Exponate aus den Staatlichen
Ethnographischen Sammlungen sein, die Georg
Baselitz für das Albertinum ausgewählt hat.
Das Gerhard Richter Archiv zieht jetzt an seinen
ureigenen Ort, das Albertinum zurück und ver-
steht sich als ein Zentrum der Forschung und
Kommunikation über das Werk Gerhard Richters
und gibt einem weiteren Sammlungsschwerpunkt
der Neuen Meister damit zusätzliches Gewicht.
Das Albertinum – und damit die Skulpturen-
sammlung und die Galerie Neue Meister – macht
das Angebot zur Erforschung der Welt vor allem
auch an Kinder und Jugendliche. Seit November
2009 arbeiten die Staatlichen Kunstsammlungen
Dresden eng mit angehenden Lehrern der
TU Dresden, Institut für Kunst- und Musikwis-
senschaften, zusammen und entwickelten ein
Pilotpogramm, in dem der »Lernort Albertinum«
Schule machen will.
Das Albertinum kann mit seiner Fülle von Bildern
der elektronischen Bilderflut, der wir alle heute
ausgesetzt sind, unmittelbare Kunstbetrachtung
und geistige und ästhetische Herausforderungen
entgegensetzen. Es wäre den jungen Besuchern zu
wünschen, in der Betrachtung der Kunstwerke
von der Romantik bis zur Gegenwwart einen mög-
lichen Zugang zu den Fragen ihrer eigenen
Lebenswelten zu erkennen und zu erfahren.

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Dresdens Museumslandschaft verändert sich.
Der Wandel geht tiefer, als es auf den ersten Blick
scheinen mag. Der erste Blick nimmt die Wieder-
aufbauleistungen wahr, zuvörderst am Schloss.
Wessen Erinnerung dreißig, zwanzig, ja auch nur
zehn Jahre zurückreicht, kann nicht anders
als staunen. Und spüren, dass diese Leistungen
sich nur vordergründig allein dem finanziellen
Engagement des Landes verdanken, in Wahrheit
aber nicht zu denken sind ohne die innere Über-
einstimmung mit dem Wunsch der Dresdner
und ihrer zahllosen Besucher, dem Wunsch nach
der Heilung der tiefen Wunden der jüngeren
deutschen Vergangenheit.
Aber das ist eben nicht alles. Zugleich verschieben
sich die Gewichte unter den Museen. Das Schloss
nimmt wieder seine zentrale Stellung im Gefüge
ein, nach der Theaterseite hin schließen sich Sem-
pergalerie und Zwinger an. Doch nach der Seite
der Brühlschen Terrasse? Das Albertinum, ganz
an deren Ende gelegen, hat mit dem Auszug
des (provisorischen) Grünen Gewölbes zunächst
einmal eine Einbuße erlitten. Einbuße heißt
hier allerdings Zugewinn: den Zugewinn an Platz
für die beiden Sammlungen nämlich, die sich nun
erstmals zu ihren vollen Möglichkeiten entfalten
können, die Galerie Neue Meister und die Skulptu-
rensammlung.
Und mehr noch. Das Albertinum ist nicht einfach
eine »Restfläche«, die nun eben üppiger von den
Georg Baselitz:
The Bridge Ghost’s Supper
(Detail).
2006
© Georg Baselitz,
Foto: J. Littkemann
verbleibenden Nutzern bespielt werden kann.
Das Haus ist vielmehr ein Schwergewicht eigener
Art. Die verheerende Flut vom August 2002 hat
nicht nur Mängel schonungslos aufgezeigt,
sondern zugleich Chancen eröffnet. Im und für
das Albertinum sind sie beispielhaft ergriffen
worden. Auch hier bedarf es des zweiten Blicks.
Denn erst beim Eintreten in den zuvor ein Jahr-
hundert lang unbenutzten und unbenutzbaren
Innenhof zeigt sich der kühne Entwurf der Er-
neuerung. Über dem Hof schwebt, abgesetzt
von einer schmalen Leiste von Tageslicht spenden-
den Dachfenstern, die »Arche« des neuen Depot-
und Werkstättenbauwerks, die der Architekt
Volker Staab nur zwei Jahre nach der Flut erson-
nen und mit der er die Wettbewerbsjury ein-
hellig überzeugt hat, ein Bauwerk ohne jeglichen
Grundstücksverbrauch und zugleich ohne jede
Beeinträchtigung an Licht, an Sichtbarkeit –
streng genommen nicht einmal ein Gebäude als
vielmehr ein angedocktes Luftschiff.
Diese Arche, dieses Luftschiff, definiert den Platz
unter ihm neu, es macht aus dem weniger verges-
senen als niemals wahrgenommenen Leerraum im
Inneren des Albertinums einen grandiosen Fest-
saal, einen räumlichen Mittelpunkt für das ganze
Bauwerk. Die beiden Sammlungen, die sich in
ihm ausbreiten, füllen die von der früheren Ne-
benfunktion der Verwaltung befreiten Säle rings-
um, zugänglich über nunmehr zwei Eingänge,
den gewohnten von der Hauptseite an der Terrasse
Die unerbittliche
Gegenwart.
Bernhard Schulz
Das Albertinum ist Haus und
Beispiel der Moderne

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her und den früheren Diensteingang am Georg-
Treu-Platz, der damit zugleich städtebaulich
aufgewertet wird zu einem Scharnier zwischen
Altstadt, hochgelegener Bastion sowie Albertinum
und Lipsiusbau, der als Wechselausstellungshaus
der Staatlichen Kunstsammlungen bereits seit
einigen wenigen Jahren eine neue und dringend
benötigte Aufgabe erfüllt. Die einladende Geste,
die das Albertinum mit seinem neuen, tief gelege-
nen Eingang gegenüber der Altstadt ausspricht,
ist auch eine Antwort auf deren seit dem Wieder-
aufbau der Frauenkirche spürbar angestiegene
Nutzung durch die Besucher der Stadt.
Letzteres ist eine Änderung, die ein Zurück
bedeutet, ein Zurück zum Dresden vor der Zerstö-
rung vom Februar 1945. Aber Dresden im Jahr
2010 lebt nicht und nicht allein aus der Retrospek-
tive. Das Albertinum, als Gebäude seinerseits
entstanden aus dem entschiedenen Wunsch nach
einer zeitgemäßen Lösung anstehender Museums-
probleme, markiert den Anschluss an die Gegen-
wart. Die Neuen Meister waren immer »neu«, seit
dem 19. Jahrhundert, als dieser Sammlungsteil
aus dem Kontinuum der Gemäldebestände heraus-
gelöst wurde. In der neuen Präsentation werden
die Einschnitte deutlich, die die Sammlung
erlitten hat: durch die Beschlagnahmungen der
Nazi-Zeit und danach die ideologische Auslegung
nach den Vorgaben der SED.
Die Lücken aus den Beschlagnahmungen der
Aktion »Entartete Kunst« sind nie vollständig
geschlossen worden und können es heute, da die
einst verfemten Kunstwerke zu Inkunabeln
des 20. Jahrhunderts geworden sind, noch weni-
ger. Die Fehlstellen im Sammlungsausbau der
Jahrzehnte danach bleiben gleichfalls sichtbar.
Doch es macht einen Unterschied, ob Lücken
nur als dunkle Löcher oder aber als Anderssein
begriffen werden.
Dresden besitzt eine überaus reiche, sehr eigene
Tradition der Kunst, nicht allein als Ort eines
der bedeutendsten Sammlungskomplexe Europas,
sondern ebenso der Kunstproduktion. Dafür
steht allein schon die Akademie als Nachbar des
Albertinums. Diese Tradition zu »besitzen«
heißt, sie beständig in der unmittelbaren Gegen-
wart lebendig zu halten, durch Hinzufügung
neuer Arbeiten wie durch Anregung zu neuen
Schöpfungen. Auch hier hat das Elb-Hochwasser
einen heilsamen Schock verursacht. Die Spenden-
aktion heutiger Künstler unmittelbar nach der
Flut, die den materiellen Grundstock zum kühnen
Albertinum-Umbau bildete, schlug eine Brücke
in die Gegenwart. Dass künftig mit eigenen Sälen
für Georg Baselitz und A.R. Penck sowie, wie
bisher schon, für Gerhard Richter gleich drei mit
Dresden verbundene Künstler von Weltrang im
Albertinum vorgestellt werden können, ist ein
deutliches Signal für Zeitgenossenschaft.
Gerhard Richter beim Einrichten
seiner Räume, im Vordergrund
das monumentale Objekt
Neun
stehende Scheiben
, das erstmals
im Albertinum Weltpremiere
feiert
© Staatliche Kunstsammlungen
Dresden,
Foto: David Brandt

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Emil Cimiotti:
Daphne.
1961
© Staatliche Kunstsammlungen
Dresden,
Foto: H. P. Klut
Wolfgang Mattheuer:
Die Flucht des Sisyphos.
1972
© VG BILD-KUNST, Bonn 2010,
Foto: Estel/Klut
Hubertus Giebe:
Wattenmeer bei Dangast.
2004
© Staatliche Kunstsammlungen
Dresden,
Foto: H. P. Klut
Thoralf Knobloch:
Nossen.
2003
© Staatliche Kunstsammlungen
Dresden,
Foto: E. Estel
nächste Doppelseite:
Georg Baselitz richtet seinen
Raum im Albertinum ein
© Staatliche Kunstsammlungen
Dresden, Foto: D. Brandt
mit Kunst von der Romantik bis zur Gegenwart –
nicht als ein heute inflationär benutzter Begriff,
sondern ausgewiesen in der Präsentation.
Die hinzugewonnene Eingangshalle am Georg-
Treu-Platz lässt mit der Skulptur des »Chronos«
von Balthasar Permoser aus dem Jahr 1695
und Ulrich Rückriems »Ägypter« aus dem Jahr
2009 die Bandbreite der Sammlung erkennen,
die insgesamt fünf Jahrtausende überspannt.
Die seit dem Ausklang des 19. Jahrhunderts jeden-
falls im Bewusstsein einer breiten Öffentlich-
keit geschwundene Bedeutung der Bildhauer-
kunst ist ein zusätzlicher Ansporn, die Gattungen
der Skulptur und der Malerei innerhalb des
Albertinums zu verzahnen. Rodins »Penseur«
nimmt als Schlüsselwerk der Klassischen Moder-
ne einen herausragenden Platz ein, und von
hier zu der in der DDR unter dem Dachbegriff des
»Menschenbildes« gepflegten figurativen Bild-
hauerei spannt sich ein Dresden-eigener Bogen.
Mit dem Klingersaal, der Werke des namensge-
benden Bildhauers Max Klinger mit Gemälden
etwa von Franz Stuck vereint, entstand ein
»Epochenraum«, der dem »Hang zum Gesamt-
kunstwerk« des
Fin de siècle
in einer anderenorts
kaum je zu erlebenden Dichte folgt. Anderer-
seits kehrt mit dem Werk des Dresdners Ernst
Rietschel die lange verrufene Denkmalskunst
an Beispielen wie dem Entwurf zum Weimarer
Goethe-Schiller-Denkmal als eine einst identitäts-
stiftende Gattung zur Anschauung zurück.
Die Wandlungen im Dresdner Museumsgefüge
sind deutlich. Das Albertinum stellt den An-
spruch auf Gegenwart, auch und gerade durch die
Verheerungen des deutschen 20. Jahrhunderts
hindurch – und es stellt sich selbst diesem An-
spruch. Das heißt, dass die Sammlungen, so wie
sie jetzt präsentiert werden, unabgeschlossen
sind und sich künftigen Ergänzungen ebenso
stellen wie Nuancierungen im kunsthistorischen
Urteil. Das Museum der Moderne ist auch ein
Laboratorium, und manches von dem, was neben-
an im Lipsiusbau als temporäre Ausstellung
gezeigt wird, wird in den Bestand Eingang finden.
Es bleibt zu wünschen, dass die Stadt ihre Gegen-
wart als beständige Herausforderung annimmt.
Es wird nicht vergessen, dass Dresden auch
während der vier Jahrzehnte DDR ein, das Kunst-
zentrum des östlicheren Deutschlands war.
Hier fanden in mehrjährigem Rhythmus die gro-
ßen Kunstausstellungen statt, insgesamt zehn
an der Zahl, seit 1953 mit dem Albertinum als ih-
rem zunächst einzigen und auch später wichtig-
sten Ausstellungsort. Die Kunst nicht »der«,
sondern »in« der DDR – im Sinne einer geografi-
schen Herkunftsbezeichnung, nicht einer ideologi-
schen Festlegung – spielt in der Galerie Neue
Meister weiterhin eine eigene Rolle, die in kaum
einem anderen unter den führenden deutschen
Kunstmuseen eine Parallele hat, wenn überhaupt.
Dass es Künstler »von hier« sind, die die Geltung
der deutschen Gegenwartskunst entscheidend
prägen, bedeutet für den Ausbau der Sammlung
eine beständige Herausforderung. Es waren, und
das gilt es festzuhalten, Künstler »von hier«,
die heute als Begründer der Moderne in Deutsch-
land gefeiert werden – und zu ihrer Zeit in
Dresden krasse Außenseiter waren: die Künstler
der 1905 begründeten »Brücke«. Dass ihnen ge-
bührender Platz zuteil wird, bedarf heute wahr-
lich keines Wagemutes mehr, stellt indessen
zugleich die Wandelbarkeit des Geschmacksurteils
vor Augen, der alle Kunst unterliegt.
In der von jetzt an engen Verbindung mit der
Skulpturensammlung, die vor dem Zweiten
Weltkrieg allein das Hausrecht im Albertinum
genoss, entsteht ein »Museum der Moderne«

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Blick zurück nach vorn.
Kunst von der Romantik
bis zur Gegenwart.
Inwiefern ist die Skulpturensammlung von
Anfang an Bestandteil der Dresdner Sammlungen?
Moritz Woelk
Die Skulpturensammlung hat ihre
Anfänge in der 1560 gegründeten Kunstkammer
von Kurfürst August. Ihre tatsächliche Gestalt
nahm sie durch Friedrich August I. an, der
die große Antiken- und die Barock-Skulpturen-
Sammlung ins Leben rief. Seitdem hatte sie
verschiedene Standorte, unter anderem seit 1728
im Palais im Großen Garten und rund hundert
Jahre im Japanischen Palais. 1894 ist das ehemali-
ge Zeughaus als Albertinum neu eröffnet worden.
Dort währte ihre Geschichte nicht ganz 50 Jahre,
bis sie 1939 zu Kriegsbeginn geschlossen wurde.
An den Wiederaufbau des Residenzschlosses
war nach dem 2. Weltkrieg nicht zu denken. Dar-
um diente das Albertinum in der 2. Hälfte
des 20. Jahrhunderts gleich mehreren Museen als
Heimstätte für Ausstellungen oder Depots, ob
für Rüstkammer, Grünes Gewölbe, Münzkabinett,
Skulpturensammlung, Galerie Neue Meister
oder auch als Quartier der Generaldirektion. Das
änderte sich erst mit dem Wiederaufbau des
Residenzschlosses. Sowohl das Neue Grüne
Gewölbe 2004 und dann zwei Jahre später das
Historische Grüne Gewölbe als auch die General-
direktion und das Kupferstich-Kabinett zogen ins
Residenzschloss um, so dass für das Albertinum
die Galerie Neue Meister und die Skulpturen-
sammlung übrig blieben. Das Herzstück der
Skulpturensammlung sind nach wie vor die anti-
ken Sammlungen.
Skulpturenhalle – im Vorder-
grund Carl Andre
Cedar
Solid – Cedar Scatter,
im Hinter-
grund links Stephan von
Huene
Sirenen Low,
rechts Birgit
Dieker
Seelenfänger
© Staatliche Kunstsammlungen
Dresden, Foto: H. P. Klut
Die aber nicht im Albertinum zu finden sein werden?
Moritz Woelk
Langfristig gesehen nicht, der Grund
dafür: Die bisherige Ausstellung der Rüstkammer
in der Osthalle der Sempergalerie soll auch ins
Residenzschloss umziehen und wird dann frei für
die Antikensammlung. Schließlich ist diese
Osthalle von Semper eigens für Skulpturen ge-
schaffen worden – für die Abguss-Sammlung von
Anton Raphael Mengs. Einen prachtvolleren
Standort für die antiken Skulpturen gibt es nicht:
in der Nähe der Gemäldegalerie Alte Meister,
deren Rundgang sich ohnehin oft unmittelbar auf
diese Sammlung bezieht – eine schöne Perspek-
tive für die antiken Sammlungen. Ich schicke das
voraus, damit sich niemand wundert, warum
sich die Antike im neuen Albertinum zurückhält,
obwohl fast alles dieser Sammlung zu sehen
sein wird. Doch der Schwerpunkt der Ausstellung,
die wir als Skulpturensammlung zusammen
mit der Galerie Neue Meister entworfen haben,
gilt der Kunst der Romantik bis zur Gegenwart.
Wir konzentrieren uns auf auf diesen Zeitab-
schnitt aus der Überzeugung heraus, dass sich zu
Zeiten der Aufklärung und der Romantik wirk-
lich ein ganz wesentlicher Epochen-Umbruch
ereignet hat, wie sonst kaum in der Kunstge-
schichte. Beide Jahrhunderte unterscheiden sich
als Gesamtepoche deutlich von dem, was sonst den
Schwerpunkt der Kunstsammlungen ausmacht:
die Kunst in Renaissance und Barock, die sich in
den Ausstellungen im Zwinger und im Residenz-
schloss spiegelt. Das ist das Grundkonzept.
Ralph Werner
Ein Gespräch mit
Prof. Dr. Ulrich Bischoff,
Direktor der Galerie Neue Meister, und
Dr. Moritz
Woelk,
Direktor der Skulpturensammlung, zum Konzept
des neuen Albertinums.

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Galerie für neue Kunst zu bauen. Der Grundriss
erstreckt sich zwischen Semperoper und
Sempergalerie fast 100 Meter lang. Ein Teil des
damals geschaffenen Fundamentes wird heute
übrigens vom Funktionsgebäude der Semperoper
genutzt. Selbst ein Jahrzehnt nach dem Zweiten
Weltkrieg schreibt ein Architekt an den Ober-
bürgermeister in Dresden, dass er bereit wäre, im
Vergleich zum früheren Entwurf eine einfachere
Fassung der Fassade zu bauen, so dass das auf-
wändige Dekor von 1914 nicht mehr nötig sei. Ver-
gebens. Der zweite Grund des Scheiterns war
die Beschlagnahmung von über 50 Werken der
klassischen Moderne während der Nazizeit. Dazu
gehörten vor allem die Werke der »Brücke«-
Künstler, sechs Werke Kokoschkas, auch Bilder
von Klee oder Kandinsky beispielsweise. Letzt-
endlich war es tatsächlich so, dass die Flut
vor acht Jahren erst wieder den Gedanken an ein
Museum der Moderne wachsen ließ, obwohl
an sich der Auszug des Grünen Gewölbes aus dem
Albertinum ins Residenzschloss schon lange
geplant war. Ich habe das Albertinum in seiner
ursprünglichen Nutzung umgangssprachlich im-
mer mit einem Mehrfamilienhaus verglichen.
Und plötzlich schien ein Haus der Moderne mög-
lich.
Mit wem oder wann beginnt denn für Sie die
Moderne?
Ulrich Bischoff
Darüber wird ja nach wie vor diskutiert:
Beginnt die klassische Moderne mit Picasso
Caspar David Friedrich:
Das Große Gehege bei Dresden.
1831 – 1832
© Staatliche Kunstsammlungen
Dresden,
Foto: J. Karpinski
Claude Monet:
Das Pfirsichglas.
um 1866
© Staatliche Kunstsammlungen
Dresden,
Foto: J. Karpinski
Adrian Ludwig Richter:
Die Überfahrt am Schreckenstein.
1837
© Staatliche Kunstsammlungen
Dresden,
Foto: J. Karpinski
Ernst Ludwig Kirchner:
Stehende nackte Mädchen am
Ofen.
1908
© Staatliche Kunstsammlungen
Dresden,
Foto: H. P. Klut
und den »Brücke«-Künstlern? Ich bin davon über-
zeugt, dass der Bruch mit dem Klassizismus die
Erneuerung ist. In der Literatur ist zu finden,
dass Hölderlin z.B. der Antike als etwas Fremdem
begegnet. Diese Empfindung des Fremden ist
doch wesentlich für den Begriff der Moderne – bei
Baudelaire, bei Benjamin und auch heute. Auch
von der Debatte um die Postmoderne halte ich
nichts. Entscheidend ist doch die die radikale Ver-
änderung, dass sich der Künstler selbst an der
Welt orientiert und nicht an irgendwelchen Tradi-
tionen. Im sogenannten Klingersaal, in dem
wir jetzt die Kunst zur Zeit Richard Wagners zei-
gen, die des Fin de siècle, ist ein wichtiges Gemäl-
de, das wir vorher nicht gezeigt haben – von Franz
von Stuck »Das verlorene Paradies«. Von dort
führt der Ausstellungsrundgang durch das
Schaudepot der Skulpturensammlung zur Sonder-
ausstellung »Das versprochene Land« – das heißt,
wir gehen von der neueren Kunst durch den
Barock in die Gegenwart. Alles setzt sich zum an-
deren in Beziehung. Ein Beispiel dafür ist mir
erst jüngst aufgefallen. Die Serie der 42 abstrakten
Lackbilder mit dem Titel »Aladin« von Gerhard
Richter tritt in Kontakt mit einer wunderbaren
Arbeit von John Baldessari, einer Leihgabe,
die sich auch auf Aladins Wunderlampe bezieht –
ein kleines Kind hält die Flasche fest, auf deren
Hals der Geist als Manager mit der Sonnenbrille
mit unmissverständlichen Gesten thront. Wer zu-
künftig das Albertinum mit offenen Augen
erobert, wird auf viele derartige Bezugspunkte
Das auch durch die Flut im Jahr 2002 beeinflusst
ist?
Moritz Woelk
In der Tat. Die Flut hat erst einmal alles
durcheinander gebracht und nach einer Neu-
ordnung der Sammlungen gefragt. Möglich wur-
den die baulichen Veränderungen zuallererst
durch die unglaublich großzügige Auktion, für
die 45 herausragende Künstler der Gegenwart
Werke stifteten, um zunächst im Albertinum ein
neues, ein hochwassersicheres Depot errichten zu
lassen. »Der Fels« Gerhard Richters erbrachte
das meiste Geld, aber genauso wichtig waren auch
die Werke der 44 anderen Künstler, die den Ge-
samterlös von 3,4 Millionen Euro ermöglichten.
Das brachte den Stein ins Rollen und uns erheblich
mehr Ausstellungsfläche im Haus, das wirkte
sich natürlich auf die Ausstellungskonzeption aus.
Ernst Rietschels bildhauerisches Werk beispiels-
weise ist bisher im Albertinum überhaupt nicht
gezeigt worden, obwohl er wirklich prägend
für Dresden war. Zukünftig widmet sich der ganze
Mosaiksaal seinem Schaffen. Die frühere Antiken-
halle wurde jetzt zu einer Skulpturenhalle für die
Arbeiten von Auguste Rodin bis zur Gegenwart.
Wer, wenn nicht Rodin, ist der personifizierte
Aufbruch in die Moderne? Außerdem werden Sie
hier die klassische Moderne mit Lehmbruck,
die Kunst der DDR, die natürlich einen Schwer-
punkt bildet, und parallel dazu die westliche
Kunst nach 1945 erleben, bis hin zu wirklich ganz
aktuellen Werken der Gegenwart. Neu ist auch
der große Ausstellungsflügel für Kunst der Gegen-
wart im 1. Obergeschoss, in dem sich früher das
Grüne Gewölbe befand. Zur Eröffnung ist er
für die Ausstellung »Das versprochene Land«
reserviert. Für uns ist das ein ganz wichtiger
Raum, weil das nicht nur die Möglichkeit eröffnet,
den Bestand der Sammlung zu zeigen, sondern
sich auch durch Leihgaben und Neuerwerbungen
Wege zu öffnen, sie weiter zu entwickeln. Denn:
Ein so hochrangiger Museumskomplex wie die
Dresdner Kunstsammlungen, der in der Kunst aus
Renaissance und Barock wirklich Weltrang hat,
darf nicht in der Vergangenheit stehen bleiben. Im
Jubiläumsmotto »Zukunft seit 1560« drückt
sich das ja aus. Uns kommt es nicht nur auf den
Blick zurück an, sondern auch auf den nach vorn.
Ist dieser Anspruch schon immer Leitfaden der
Dresdner Sammlungen?
Ulrich Bischoff
Wir dürfen nicht vergessen, dass Gestri-
ges oft Gegenwärtiges zum Zeitpunkt des Er-
werbs war. Aber zurück zur Beschreibung des
beabsichtigten Weltniveaus der Dresdner Samm-
lungen. Das hat schon 1910 die damaligen ver-
antwortlichen Museumsleute veranlasst, endlich
den Sprung in die Gegenwart zu schaffen.
Schon vor 100 Jahren war offensichtlich eine
Wirkungslücke spürbar, zwischen dem hohen
Niveau, das die Alten Meister und auch die Skulp-
turensammlung dem Interessierten zu bieten
hatten, und dem der Gegenwartskunst. Dieses
Engagement scheiterte in Folge der beiden Welt-
kriege. 1910 wurde das Projekt gestartet, eine

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Wie würdigen Sie die Dresdner Romantik?
Ulrich Bischoff
Mit Gemälden von Christian Friedrich
Gille, sowie Hauptwerken von Ernst Ferdinand
Oehme, Johann Christian Dahl, natürlich Ludwig
Richter, Arbeiten der »Nazarener« und von
Ferdinand von Rayski. Wir haben natürlich mit
Caspar David Friedrich, Ludwig Richter und
Ferdinand von Rayski Schwerpunkte gesetzt. Wir
haben nicht gesagt, wir zeigen von Ludwig Richter
nur drei Bilder, sondern wir zeigen alle. Wenn
wir die Romantik zurücklassen, fallen drei neue
Kabinette mit Blick auf den Lipsius-Bau auf –
da gibt es die Kleinformate Gilles, wie auch die
Arbeiten Hans von Marées, Adolph Menzel,
Wilhelm Trübner und Gotthardt Kuehl. Der Aus-
gangspunkt für die Veränderung war übrigens, dass
wir Gerhard Richter bisher drei Räume widmeten.
Im Zuge der Neugestaltung missfiel ihm das. Er
befürchtete ein Ungleichgewicht. Darum sind aus
drei zwei geworden. Richter setzte sich dafür ein,
die Schwerpunkte der Galerie zu verstärken,
sie auszubalancieren. So können wir jetzt unsere
beiden Menzel in den Seitenkabinetten ausstellen,
allerdings nicht alle von Trübner und Marées.
Bei 2.600 Bildern alles zu zeigen, ist unmöglich. Die
Auswahl beschränkt sich auf knapp 300 und kon-
zentriert sich darauf, was die Galerie für wichtig
erachtet und was charakteristisch für Dresden
ist. Wie beispielsweise die 18 Bilder der Ȁgypten-
reise« von Max Slevogt, die das Beste sind, das
Slevogt je gemalt hat. Von Otto Dix zeigen wir fast
alles aus unserem Besitz.
Max Slevogt:
Sandsturm in der Libyschen
Wüste.
1914
© Staatliche Kunstsammlungen
Dresden,
Foto: Estel/Klut
Otto Dix:
Frau mit Kind.
1921
© Staatliche Kunstsammlungen
Dresden,
Foto: J. Karpinski
Carl Lohse:
Kleine Stadt.
1920
© VG BILD-KUNST, Bonn 2010,
Foto: J. Karpinski
A.R. Penck:
Selbstportrait sitzend.
1989
© VG BILD-KUNST, Bonn 2010,
Foto: H. P. Klut
Welchen Platz hat die Kunst nach 1945?
Ulrich Bischoff
Ein Raum ist der Kunst nach 1945 mit
gegenständlichen Bildern bis 1989 gewidmet,
ein zweiter den abstrakt konkreten Bildern
von 1945 bis 1989. Da sind in jedem Raum viel-
leicht 10 Bilder und die stammen aus Polen,
den USA, der DDR und BRD.
Also sind DDR- und westliche Kunst nach 1945
vereint?
Ulrich Bischoff
Ja, nach den erwähnten Gesichtspunk-
ten geordnet, so dass gegenständliche Bilder in
einem Raum zusammen wirken, während in dem
anderen beispielsweise die Arbeiten von Uhlig,
Göschel und Glöckner beieinander sind. Wenn Sie
so wollen, ging dem ein 20-jähriger Diskussions-
Prozess voraus und ich bin mir sicher, es wird im-
mer den einen oder anderen geben, der sagt, so
geht das nicht, weil der kulturelle Hintergrund ein
anderer ist usw. Ich kann nur sagen, ich habe
damals in Berlin miterlebt, wie Dieter Honisch das
in der National-Galerie zusammen gehängt hat.
Dass es schwierig ist, weiß jeder. Ich denke aber,
wir lassen uns die Chance, es noch einmal anders
zu machen. Mag sein, dass es noch nicht die
Lösung ist, aber es ist erst einmal ein Versuch.
Mehr sei auch noch nicht versprochen, außer dass
wir diesen Versuch starten, kein politisches
Gleichgewicht entstehen lassen zu wollen, sondern
dass eine Auseinandersetzung mit den Bildern
auf einer primär ästhetischen Ebene stattfindet.
Moritz Woelk
Nicht nur Bilder, auch Skulpturen aus
stoßen, die plötzlich etwas Neues entstehen las-
sen, was vorher so nicht wahrzunehmen war.
Moritz Woelk
Für viele ist ja Gegenwartskunst keine
Liebe auf den ersten Blick. Irgendwie schroff und
fremd wirke sie, benutzt andere Materialien, stellt
keine Figuren dar, ist schwer verständlich usw.
Ich bin fest davon überzeugt, dass die Zusammen-
schau des 19. und 20. Jahrhunderts in diesem Haus
wirkungsvoller ist, als wäre alles zeitlich strikt
getrennt. Natürlich hat es auch, wie etwa in Ber-
lin, seinen Reiz, an einem Ort das 19. Jahrhundert
zu zeigen, an einem zweiten die Zeit bis 1945
und schließlich an einem dritten die Gegenwart.
Unser Konzept ist das Durchdringen im Mit-
und Nebeneinander. Ich finde das befruchtend,
denn einerseits ist zu sehen, wie modern das
19. Jahrhundert in gewisser Weise ist, und umge-
kehrt erschließt sich auch leichter das Verständnis
für die Kunst der Gegenwart; von Caspar David
Friedrich zu Gerhard Richter.
Ulrich Bischoff
Allerdings haben wir diesen bisher
schon bekannten Rundgang noch um einen
weiteren Raum erweitert. Der zeigt einen Aus-
schnitt der Erwerbungen der letzten 15 Jahre, die
in direkter oder indirekter Auseinandersetzung
mit der Kunst der Romantik entstanden. Sie stau-
nen dabei über gegenwärtige Kunst, die mit einem
Auge auf das schaut, was in der Romantik
geschah. Als Beispiel sei das Bild »Vereist« von
Ralf Kerbach genannt, in dessen Blickhintergrund
sich Caspar David Friedrichs »Das Große Gehege«
abzeichnet. In dem Vorraum soll es aber auch
zukünftig möglich sein, Gemälde zu Besuch zu
haben. Vielleicht als Kommentar. Augenblick-
lich steht für diese Haltung eines Gastes ein klei-
nes Bild von 1836 von Carl Blechen. Es zeigt
den Galgenberg bei Gewitter, eine Öl-Studie, ein
spätes Werk von Blechen, das die Ironie und
die Schaurigkeit der Romantik zum Ausdruck
bringt. Das Interessante an Blechen ist, dass er
genau zwischen den Stilrichtungen anzusiedeln
ist – er kommt aus dem Klassizismus und wird
nach seinen Erfahrungen als Bühnenbildner
und Theatermaler gewissermaßen zum Vorläufer
von Menzel. Neben Blechens Bildchen hängt
jetzt ein abstraktes von Peter Krauskopf aus Leip-
zig. Ich nenne es »Das Hamlet-Schloss«. Das ist
ein schmutzig gelbes Bild, in dem sich ein schwar-
zer Block abzeichnet. Die Landschaften von
Blechen und Krauskopf rahmen den Aus- oder
wenn Sie wollen Einblick auf die Zeitspanne von
1800 bis zur Gegenwart. Sie zeigen, was beim
sich anschließenden Rundgang alles zu erwarten
ist: Das Herzstück unserer Sammlung, das noch
nie so schön ausgeleuchtet war und dem auch
durch die zarte graue Wandfarbe eine wunderbare
Ruhe innewohnt. Alles so arrangiert, um sich
auf die Gemälde der Romantik und vor allem von
Caspar David Friedrich konzentrieren zu können:
den »Tetschener Altar« in der Mitte, dann »Das
Große Gehege« und außerdem »Zwei Männer in
Betrachtung des Mondes«. Sie sind in einem
Raum versammelt, in dem man die Besonderheit
Friedrichs erleben kann.

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Eberhard Havekost:
Ohne Titel.
1995/96
© Galerie Gebr. Lehmann,
Dresden/Berlin
Foto: H. P. Klut
Martin Mannig
Ohne Titel.
2003
© Galerie Gebr. Lehmann,
Dresden/Berlin
Ulrich Rückriem
Ohne Titel (Ägypter).
2009
© Staatliche Kunstsammlungen
Dresden
Foto: H. P. Klut
unterschiedlichen Zeiten und mit unterschiedli-
chen Hintergründen und Herkünften werden
im Sinne des Dialogs aufeinander treffen – von der
Romantik bis zur Gegenwart. Die Skulptur der
DDR war überwiegend eine figürliche mit ganz
wenigen Ausnahmen, zu denen z.B. die Werke
Hermann Glöckners gehören. Wichtig ist, zwi-
schen figürlicher und nichtfigürlicher Kunst in der
Skulpturenhalle eine Balance zu finden. In dieser
schönen weitläufigen Halle ist ja räumlich ohne-
hin alles miteinander verbunden, es gibt Dialoge
zwischen den Werken in verschiedenen Richtun-
gen. Die Skulptur der DDR steht einerseits im Dia-
log mit den Werken von Rodin, Lehmbruck, Kolbe
– und andererseits mit den neuesten Werken der
zeitgenössischen Kunst. Ich freue mich sehr, dass
wir hier vortreffliche Leihgaben erhalten konnten.
Also, da sehen Sie neben einem Werk von Fritz
Wotruba, das schon länger in unserem Samm-
lungsbesitz ist, einen Henry Moore, eine Barbara
Hepworth, einen Per Kirkeby, einen Hans Arp –
und da ergeben sich ganz interessante Dialoge!
Es geht ja in einem Museum nicht darum, Katego-
rien abzugrenzen, im Sinne von: da ist die Spät-
romantik und da der Frühimpressionismus. Das
Erlebnis der einzelnen Kunstwerke steigert
sich doch durch die Gegenüberstellung! Und für
die können wir einen Weg finden, um zu zeigen,
wie die Entwicklung von der figürlichen zur nicht-
figürlichen Kunst verläuft.
Im 1. Obergeschoss erwartet den Besucher
zur Eröffnung die Sonderausstellung »Das verspro-
chene Land«. Ist diese als Dankeschön für die
Künstler zu verstehen, die sich an der Auktion zu-
gunsten des Albertinums beteiligten?
Ulrich Bischoff
Mit etwa 1.200 Quadratmetern ist das
1. Obergeschoss eine große Ausstellungshalle,
in der zuerst die Sonderausstellung »Das verspro-
chene Land« mit Leihgaben u.a. der Sammlung
Rheingold, der Commerzbank (ehemals Kunst-
sammlung der Dresdner Bank), der Niedersächsi-
schen Sparkassenstiftung und der Gesellschaft
für Moderne Kunst zu sehen ist. Prinzipiell ist
diese Räumlichkeit für uns beide mehr oder
minder eine Fläche, in der wir stärker mit unseren
jetzt flexiblen Depots in Zukunft arbeiten können.
Selbstverständlich ist sie all den Künstlern ge-
widmet, die damals spendeten – allen 45. Richter,
Baselitz und Penck sind ja sowieso durch ihre
Einzelräume zugegen.
Ist genau zu benennen, wie viele Werke eigens
für die Eröffnung des Albertinums neu geschaffen
wurden?
Moritz Woelk
Das sind die »Aladin«-Bilder von Gerhard
Richter. Bei den Skulpturen freuen wir uns über
eine wunderbare, stelenförmige Skulptur von
Ulrich Rückriem, die im Eingangsfoyer steht. Au-
ßerdem hat uns Thomas Scheibitz zwei Skulptu-
ren eigens für die Eröffnung geschaffen. Und dann
gibt es noch eine ganze Reihe Neuerwerbungen,
die zum ersten Mal zu sehen sind.

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Schnittperspektiven
© staab Architekten
Im August 2002 erreichte die Elbe ihren drama-
tischen Höchstand und überflutete die historische
Altstadt und mit ihr die historischen Bauten
wie Semperoper, Schloss, Zwinger und das Alber-
tinum. In der Katastrophe lag eine unvorher-
gesehene Chance für einen Neubeginn. Drei Mo-
nate später versteigerten 45 zeitgenössische
Künstler bei einer Auktion bekannte Werke aus
ihrem Oeuvre. Der Erlös von über 3,4 Millionen
Euro gab die Initialzündung für die Komplett-
sanierung des Albertinums mit dem Neubau eines
weltweit einzigartigen, hochwassersicheren
Depot- und Werkstattgebäudes. Ein raumhaltiges
Dach bietet für Depots und Restaurierungswerk-
stätten eine »Arche für die Kunst«. So gewinnt
das Gebäude nicht nur einen lichtdurchfluteten
Innenhof mit Platz für Café, Buchladen, Galerie-
konzerte und Theateraufführungen, sondern
auch einen zweiten Museumseingang. Von nun an
können die Besucher das Albertinum wie bisher
von der Brühlschen Teraasse und zusätzlich vom
Georg-Treu-Platz betreten. Damit bereichert
das Museum Dresden um einen weiteren, wichti-
gen öffentlichen Ort.
»Bellotto kommt nicht mehr ins Aquarium«, kons-
tatierte im August 2002 Martin Roth, General-
direktor der Staatlichen Kuxnstsammlungen
Dresden, und brachte damit seine Forderung
nach einem hochwassersicheren Depot auf
den Punkt: »Wichtig ist, dass die Schätze unserer
Depots jetzt nicht mehr unterirdisch gelagert
Eine verblüffende
Lösung.
Eine kühne Brückenkonstruktion schafft neue
Räume für die Kunst.

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in einem bislang ungewohnten Zusammenhang
zu den neu gebauten Quartieren rund um die
Frauenkirche. Wege und räumliche Beziehungen
sind neu entstanden, nicht nur für die Besucher,
sondern auch für die Bewohner der Stadt.
Nicht der Neubau, sondern der behutsame Umbau
eines bestehenden historischen Gebäudes ent-
sprechend den gewachsenen neuartigen Ansprü-
chen eines modernen Museumsbetriebes, ist
der Beitrag des neuen Albertinums zur Diskussion
über moderne Stadtentwicklung.
Für den gesamten Umbau und die Sanierung
des Albertinums wurden rund 51,7 Millionen Euro
investiert. Davon stellte der Bund 30 Millionen
Euro aus Flutmitteln bereit. 3,4 Millionen Euro
wurden aus den Spenden bestritten, die bekannte
Künstler wie Gerhard Richter durch die Auktion
ihrer Werke erzielt hatten.
Architektenwettbewerb für das neue Kunstdepot
2004 wählte eine Jury das Büro Staab Architek-
ten aus Berlin und vergab den Auftrag, ein
modernes Depot- und Werkstattgebäude für die
Staatlichen Kunstsammlungen Dresden im
Innenhof des Albertinums zu planen und umzu-
setzen. Das Gremium bestand aus Fachleuten
des Sächsischen Staatsministeriums der Finan-
zen, des Staatsbetriebes Sächsisches Immobilien-
und Baumanagement (SIB), des Sächsischen
Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst,
der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden,
aus freien Architekten und Denkmalschutz-
experten.
Neun Architekten hatten im Auftrag des Finanz-
ministeriums und des Staatsbetriebes SIB
Lösungsvorschläge für ein modernes Depot- und
Werkstattgebäude der Staatlichen Kunstsamm-
lungen Dresden erarbeitet. Die Teilnehmer wur-
den innerhalb eines Wettbewerbs nach VOF
(Vergabeverfahren nach der Verdingungsordnung
für freiberufliche Leistungen), an dem sich 92
Bewerber aus aller Welt beteiligt hatten, ausge-
sucht. Der Entwurf von Staab Architekten gewann
den Wettbewerb. Die Begründung der Jury laute-
te: »Mit dieser verblüffenden Lösung kann der
Innenhof freigehalten werden, der sich damit zum
zentralen Foyer des Albertinums entwickelt. So
gewinnt das gesamte Haus letztlich ein neues
Ordnungssystem, um das sich alle übrigen Funk-
tionen wie selbstverständlich fügen. Das Baudenk-
mal erhält seinen optimalen Raum und für die
Galerie Neue Meister und die Skulpturensamm-
lung werden zugleich hervorragende Bedingungen
geschaffen. Das im Dachraum eingehängte Depot
wird von den historischen Außenflächen durch
eine Lichtfuge abgesetzt. Dadurch entsteht eine
eindringliche, innenräumliche Wirkung, die
gleichzeitig den funktionalen Zusammenhang
von Depot- und Ausstellungsräumen für die Besu-
cher erfahrbar werden lässt.«
Blick in das Schaudepot
1. Obergeschoss
© Staatliche Kunstsammlungen
Dresden,
Foto: David Brandt
Blick in den Klingersaal
© Staatliche Kunstsammlungen
Dresden,
Foto: Marcus Ebener
In der Skulpturenhalle
© Staatliche Kunstsammlungen
Dresden,
Foto: David Brandt
Das Gläserne Depot im
Erdgeschoss
© Staatliche Kunstsammlungen
Dresden,
Foto: David Brandt
werden und so vor einer neuen Flut geschützt
sind.«
Fast acht Jahre nach der Flutkatastrophe, im Juni
2010, sind Neubau und Sanierung abgeschlossen.
Nach dem Entwurf des Berliner Büros Staab
Architekten ist ein hochwassersicheres Depot,
eine »Arche für die Kunst« entstanden, in der
im wahrsten Wortsinne die Kunstwerke vor den
Fluten des Elbehochwassers sicher sind: In 17 Me-
tern Höhe über dem Innenhof des Albertinums
schweben Depots und Werkstätten der Staat-
lichen Kunstsammlungen Dresden. Mit dem über-
dachten Atrium hat das Bauwerk ein zentrales
Foyer gewonnen.
Das neue Albertinum ist wie die Museen im
Zwinger und im Residenzschloss ein weiterer mo-
derner Museumskomplex in einem originalen,
historischen Bauwerk. Mit der Skulpturensamm-
lung und der Galerie Neue Meister kann man
Ausstellungen an ihrem angestammten Samm-
lungsort besuchen, der die enge Verbindung
von Geschichte und Kunstsammlung sichtbar wer-
den lässt.
Darüber hinaus wird mit der schwebenden Kon-
struktion der »Arche« in unmittelbarer Nachbar-
schaft zu Frauenkirche und Hochschule für
Bildende Künste ein architektonischer Akzent
inmitten der historischen Altstadt gesetzt. Der
neue Besuchereingang am Georg-Treu-Platz steht

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über die seitlichen Lichtfugen die Tageslicht-
schwankungen von Sonne und Wolken in
den Innenhof übertragen werden. Das Volumen
des Daches und damit des neuen Baukörpers
wird dadurch erst auf den zweiten Blick sichtbar.
Die Konstruktion
Das Gesamtkonzept der »Überbrückung« des Hofs
beruht auf der Vorgabe, möglichst wenig räum-
liche und konstruktive Eingriffe an dem denkmal-
geschützten Gebäudebestand vorzunehmen.
Da außerdem die bestehenden Mauern zum In-
nenhof die Lasten aus der zweigeschossigen
Überbauung nicht tragen können, kam man auf
die Idee, eine Brücke in Längsrichtung zum Hof
zu spannen.
Eine stählerne Fachwerkkonstruktion, ähnlich
einer Brücke, trägt die neue zweigeschossige
Überbauung. Die Last der »Arche« wird über zwei
Pfeiler in den Boden abgetragen.
Mit dieser »Brückenkonstruktion« bleibt der Raum
des Innenhofs frei von neuen tragenden Elemen-
ten. Der Lichteinfall wird durch die Längsschlitze
zwischen der Überbauung und den bestehenden
Dachebenen maximiert. Die bauliche Substanz
wurde nur im Bereich des Aufzugskerns und der
Stützen verändert.
Die Konstruktion besteht aus zwei stählernen
Haupt- und zwei Nebenfachwerkträgern mit
Spannweiten von rund 72 Metern. Aus Gründen
des Brandschutzes wurden sie verkleidet.
Durch die große Tragwerkshöhe der Fachwerkträ-
ger, die sich über beide Neubaugeschosse erstrek-
ken, ist ein für die Konstruktion optimales
Verhältnis von Höhe zu Spannweite entstanden.
Funktionen
Im oberen Geschoss der »Arche« findet in enger
Anbindung an die Ausstellungsflächen der
Galerie Neue Meister die Restaurierungswerkstatt
für Gemälde ihren neuen Platz.
Im unteren Geschoss der Brückenkonstruktion,
direkt über dem Innenhof, sind auf rund 1.130 qm
Grundfläche ein Gemäldedepot mit Schieberah-
menanlagen und ein Depotbereich für Objekte des
Mathematisch-Physikalischen Salons eingebaut.
Die Restaurierungswerkstätten und Depots der
Skulpturensammlung verbleiben überwiegend im
Erdgeschoss und 1. Obergeschoss des Altbaus.
In den neuen Depoträumen mit modernster Tech-
nik sind die Gemälde der Alten und Neuen Meister
untergebracht. Effektive Nutzung der Räume
und Ausrüstung sowie kürzeste Wege sind einige
der Synergieeffekte, die die Staatlichen Kunst-
sammlungen mit der unmittelbaren Nachbar-
schaft von zentralen Restaurierungswerkstätten,
Depots und Ausstellungsflächen erzielen.
Die Arbeitsräume der Restaurierungswerkstätten
im oberen Geschoss des Neubaus erhalten durch
Vorhergehende Seite:
Aus dem einstigen Innenhof
wurde ein zentrales
Foyer, überspannt von einer
zweigeschossigen Brücken-
konstruktion
© Staatliche Kunstsammlungen
Dresden,
Foto: David Brandt
Dachkonstruktion
© Staatliche Kunstsammlungen
Dresden,
Foto: David Brandt
Der Entwurf
Jede Veränderung an einem historischen, denk-
malgeschützten Gebäude steht im Spannungsfeld
zwischen Zerstörung und Optimierung. Im
Fall des Albertinums galt es, das Baudenkmal
behutsam an die räumlichen Anforderungen eines
modernen Museumsbetriebes anzupassen und
neue funktionale Räume hinzuzufügen.
Die überzeugende Lösung von Volker Staab war,
den Neubau »schwebend« zu konstruieren,
um den Innenhof der Vierflügelanlage nicht zu
verbauen. »Dieser wunderbare Raum des Innen-
hofes muss unbedingt für den Museumsbetrieb
erhalten werden«, lautete sein Fazit, von dem
auch die Jury im Wettbewerbsverfahren über-
zeugt war.
Das Architektenteam trennte sich von der Idee,
ein neues Gebäude innerhalb der Renaissancemau-
ern zu planen und konzipierte die Depots als
eine Art raumhaltiges Dach, als eine aufgeständer-
te Arche, »die für immer aus dem Bereich der Flu-
ten herausgehoben wurde« (Staab Architekten).
Eingehängt mit einer Lichtfuge im Zentrum des
Innenhofes und aufgelagert auf einem Aufzugs-
schacht und einem Stützenpaar hinter der Altbau-
fassade, lässt diese Brückenkonstruktion den
zentralen Raum unberührt und tagesbelichtet.
Die Untersicht dieses Baukörpers ist als licht-
reflektierende Deckenfläche ausgeführt, so dass

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me Wege und neue nachbarschaftliche Verhältnis-
se im Quartier um die Frauenkirche. Die nun
kürzeste Strecke zwischen Zwinger und Alberti-
num führt an der Frauenkirche vorbei und bringt
die Museen in Zwinger, Residenzschloss und
Albertinum auch räumlich näher zueinander. Die
beiden Besuchereingänge haben einen direkten
Zugang zum neuen überdachten Innenhof und
verleihen ihm so die Rolle eines zentralen Raumes
des Museums. Hier sind Kasse, Café, Museums-
shop und Garderobe installiert.
Der gesamte Südflügel bleibt ein Raum. Eine
Umlenkung des Besucherrundgangs an den Kopf-
seiten führt in die Seitenflügel des ersten Ober-
geschosses, die weiterhin als Depot genutzt
werden. Dem Besucher wird durch zwei Schau-
depots der Rundgang durch das Geschoss
ermöglicht. Er gelangt weiter nördlich in den
Klinger- bzw. den Mosaiksaal.
Die Sonderausstellungsflächen im Salzgassen-
flügel sind für eine flexible Nutzung ausgelegt.
Auf Ausstattungen oder Verkleidungen im Raum
wurde bewusst verzichtet, um spätere Ausstel-
lungskonzepte nicht einzuschränken. So bleibt
auch die Konstruktion des Gebäudes mit den
gusseisernen Stützen in der Raummitte oder den
preußischen Kappen der Deckenkonstruktion
sichtbar.
Deckenkonstruktion im Lichthof
© Staatliche Kunstsammlungen
Dresden,
Foto: Marcus Ebener
Im Lichthof
© Staatliche Kunstsammlungen
Dresden,
Foto: David Brandt
Gemäldedepot in der Arche
© Staatliche Kunstsammlungen
Dresden,
Foto: David Brandt
nächste Doppelseite:
Skulpturenhalle – im Vorder-
grund Werke von Wilhelm
Lehmbruck, im Hintergrund
Tony Craggs
Ever After
© Staatliche Kunstsammlungen
Dresden,
Foto: David Brandt
die Lichtfuge zwischen dem Alt- und Neubau not-
wendiges Tageslicht. Durch die Ausrichtung
der Arbeitsräume nach Norden und 3,50 Meter
hohe Fensterflächen wurden optimale Bedingun-
gen für die diffizilen Arbeiten an Gemälderetu-
schen geschaffen. Farbe und Reflexionsgrad
der Eindeckung der angrenzenden Dachflächen
wurde in diesem Zusammenhang mit bedacht.
Zu den Baumaßnahmen im Albertinum gehört ein
eigener Logistikbereich, der dem modernen
Museumsbetrieb angepasst ist. Ein großer Lasten-
aufzug, dessen Schacht zugleich als Stützpfeiler
für die Dachkonstruktion dient, erschließt von
dort aus alle Geschosse bis in den Neubau. Die
Abmessungen von 6 Metern Länge und 3,60 Me-
tern Höhe sowie eine Lastaufnahme von 5 Tonnen
gestatten es, sowohl große Gemälde als auch
schwere Plastiken sicher im Haus zu transportie-
ren. Im Zusammenhang mit der Neuordnung von
Ausstellungs-, Werkstatt- und Depotbereichen
wurden auch die Räumlichkeiten der Verwaltung
von Skulpturensammlung und Galerie Neue
Meister anders organisiert. Mit ihrer Einordnung
im 1. und 2. Obergeschoss des Gebäudeflügels am
Tzschirnerplatz verfügen sie über ein eigenes
Treppenhaus mit Aufzug und sind unabhängig
vom Museumsbetrieb erschlossen.
Parallel dazu wurden auch die Bereiche, die ihre
Funktion behalten, saniert. Dazu gehören die
Ausstellungsräume Klinger- und Mosaiksaal, die
Antikenhalle und die Ausstellungsflächen im
2. Obergeschoss.
Bei den Oberlichtsälen der Ausstellung im 2. Ober-
geschoss wurde besonderes Augenmerk auf das
Zusammenspiel von Tages- und Kunstlicht gelegt.
Eine genaue Lichtplanung trägt dazu bei, dass
die für den Museumsbesucher angenehme Tages-
lichtdurchflutung der Räume erhalten bleibt,
aber auch konservatorischen Belangen Rechnung
getragen wird.
Neue Wege erschließen das Albertinum
Der neue Besuchereingang am Georg-Treu-Platz
verkürzt die Wege zwischen Zwinger, Residenz-
schloss und Albertinum. Als »Balkon Europas« be-
zeichnet, ist die Brühlsche Terrasse auf der
ehemaligen Stadtbefestigung hoch über der Elbe
die zugleich schönste und kunstsinnigste Flanier-
meile Dresdens. Nebeneinander wenden hier
Albertinum, Kunstakademie und der Lipsiusbau
ihre Eingangsfassaden der Elbe zu. Doch so schön
der Weg die Treppen hinauf zur Brühlschen
Terrasse auch ist, bedeutete er für manchen einen
beschwerlichen Umweg, zumal sich das touristi-
sche Interesse in den letzten Jahren zunehmend
auf die Frauenkirche und das Residenzschloss
innerhalb der ehemaligen Stadtmauern richtet.
Jetzt kann der Besucher wählen: Der neue zusätz-
liche Besuchereingang des Albertinums am
Georg-Treu-Platz eröffnet ungewohnte und beque-

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EG
1. OG
2. OG
Ludwig
Richter
Naturstudien
Deutsch-
Römer
Freilichtmalerei
Nazarener
Ferdinand
von Rayski
Deutsche und
französische Kunst
1850 – 1900
Künstlergruppe
»Brücke«
Deutsche
Impressionisten
Max Slevogt
Ägyptenzyklus
Otto Dix
Oskar Kokoschka
Carl Lohse
Klassische
Moderne
A.R. Penck
Romantik
C.D. Friedrich
Gegenwart
Gerhard Richter
Gerhard Richter
Georg Baselitz
in Dresden
Kunst von
1945
bis 1989
Kunst von
1945
bis 1989
Eingang
Georg-Treu-Platz
Skulpturenhalle: Von Rodin bis zur Gegenwart
Lichthof
Hermann-
Glöckner-
Saal
WC
WC
Museums-
pädagogik
Gläsernes Depot
Schaudepot:
Antike bis Barock
Schaudepot:
Barock bis Gegenwart
Klingersaal: Kunst des Fin de Siècle
Eingang Brühlsche Terrasse
Kunst der Gegenwart
Mosaiksaal: Vom Klassizismus bis Ernst Rietschel
Bauherr –
Freistaat Sachsen, Staatsbetrieb Sächsisches
Immobilen- und Baumanagement
Zeitraum –
Baubeginn
November 2006
Ende der Bauarbeiten
Juni 2010
Fläche –
Gesamtfläche rd.
13.520 m2,
davon Hauptnutzfläche; rd.
11.550 m2,
Nebennutzfläche rd.
1.970 m2,
davon im Bereich der Arche: rd.
1.130 m2
Ausstellungsfläche –
gesamt rd.
5.650 m2,
davon Ausstellung Skulpturensammlung rd.
1.980 m2,
Galerie Neue Meister rd.
2.500 m2,
Sonderausstellungsbereich 1. Obergeschoss rd.
1.170
m2
Depot –
insgesamt rd.
3.300 m2,
davon im Bereich Arche rd.
1.130 m2
Werkstätten –
gesamt rd.
1.700 m2,
davon neu im Bereich der Arche rd.
1.145 m2
Depot- und Werkstattneubau –
Gewicht
2700 t,
Länge
72 m,
Breite
24 m,
Höhe über Innenhof
des Albertinums
17 m,
Gesamtfläche rd.
3.450 m2
auf zwei Stockwerken
Sonstige Umbau- und Sanierungsmaßnahmen –
Sanierung der Fassaden, des Daches und
der Ausstellungsbereiche | behindertengerechter Umbau und Neugestaltung der Foyer-
und Erschließungsbereiche | sicherheitstechnische Anlagen
Kosten –
Teilbaumaßnahme 1, Sanierung Fassade, Dach, Fenster rd.
5,5 Mio. €
| Teilbaumaß-
nahme 2, Sanierung und Neubau Depots (Arche) rd.
30 Mio. €
| Teilbaumaßnahme 3, Innen-
sanierung rd.
16,2 Mio. €
Daten und Fakten

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1884 wurde im Landtag der Beschluss gefasst,
die Antiken- und die Abgusssammlung (ab 1887
Skulpturensammlung), denen der Archäologe
Georg Treu (1843–1921) seit 1882 als Direktor vor-
stand, mitsamt dem Hauptstaatsarchiv im Zeug-
haus unterzubringen. Mit dem Umbau war
Oberlandbaumeister Carl Adolf Canzler (1818–
1903) beauftragt. Er versah das Gebäude mit Sand-
steinfassaden, die sich an Bauten der italienischen
Hochrenaissance orientierten und legte den
Eingang zur Skulpturensammlung in den Nord-
flügel an die Brühlsche Terrasse. Ein verglaster, in
den Innenhof ragender Anbau des Nordflügels
war als »Lichthof« zur Aufstellung von Abgüssen
nach zeitgenössischen Skulpturen vorgesehen.
Vom im Erdgeschoss untergebrachten Archiv war
das Museum feuersicher getrennt.
Das 1889 fertiggestellte Gebäude erhielt zu Ehren
König Alberts (reg. 1873–1902) den Namen
»Albertinum«. 1891 eröffnete die Abgusssamm-
lung im zweiten Obergeschoss, 1894 die um
zeitgenössische Plastik ergänzte Sammlung
der Originalbildwerke. Um 1900 galt die unter
Georg Treu stetig erweiterte Skulpturensamm-
lung im Albertinum als weltweit einzigartiges
Museum zur Geschichte der Plastik. Die Architek-
tur wie die Präsentation der Antiken- und Ab-
gusssammlung waren gar Vorbild für das neu zu
errichtende Moskauer Museum der Schönen
Künste, das heutige Staatliche Museum der
Bildenden Künste »A. S. Puschkin«. »Wie unver-
Dresden, das alte Zeughaus,
Foto: Herrmann Krone, 1884
Albertinum Sammlung der
Originalbildwerke, Saal der vier
Kämpfer,
Foto: Konrad Klemm 1905
Treppenhaus im Albertinum.
1900 – 1904, zerstört 1945,
Foto: Herrmann Prell (1854-
1922)
1961 – 1965 wurde das 2. Ober-
geschoss mit den Oberlichtsälen
rekonstruiert,
Foto: Dr. Herrmann Krüger
nächste Doppelseite:
Klingersaal
© Staatliche Kunstsammlungen
Dresden,
Foto: David Brandt
gleichlich ist Ihr Albertinum! Als ich in Moskau
angekommen war, habe ich mit der Agitation
in der hiesigen Gesellschaft begonnen, wie not-
wendig ein Museum der antiken Kunst […]
sei. […]«, schrieb der russische Kunstwissenschaft-
ler Iwan Zwetajew 1893 euphorisch an seinen
Kollegen und Freund Georg Treu.
Bei der Bombardierung Dresdens 1945 erlitt das
Albertinum starke Schäden. Kunstschätze der
Museen wurden nach Ende des Zweiten Welt-
krieges in die Sowjetunion überführt und kehrten
erst in den 1950er Jahren zurück. Aufgrund der
vorherrschenden Raumnot war das Albertinum
seitdem eine Art »Mädchen für alles«. Denn ab
1959 zeigte es nicht nur Teile der Skulpturen-
sammlung, sondern interimistisch auch Auszüge
aus der Porzellansammlung, des Kupferstich-
Kabinetts, des Münzkabinetts, des Grünen Gewöl-
bes sowie des Historischen Museums (heute
Rüstkammer). Sechs Jahre später zog auch die
Gemäldegalerie Neue Meister ein.
Ein grundlegender Wandel setzte in den 1960er
Jahren ein. 1961–1965 wurde das zweite Ober-
geschoss des Gebäudes mit den Oberlichtsälen
rekonstruiert. Hier konnte die bis dahin in Pillnitz
untergebrachte Gemäldegalerie Neue Meister
einziehen, die 1965 eröffnet wurde. In der bis 1969
renovierten Renaissancehalle im Erdgeschoss
fand eine Auswahl an Skulpturen der griechischen
und römischen Antike Aufstellung. Die Daueraus-
Vom Zeughaus
zum Museum.
An der heutigen Brühlschen Terrasse wurde zwischen
1559 und 1563 das Zeughaus errichtet. Als 1877 das neue
Arsenal in der Albertstadt fertig gestellt worden war,
stand das Zeughaus einer neuen Nutzung zur Verfügung.

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image
stellungen des Grünen Gewölbes und des Münz-
kabinetts wurden Anfang der 1970er Jahre neu
gestaltet.
Ab 2004 zogen nach und nach die Verwaltung,
das Münzkabinett und das Grüne Gewölbe
in das schrittweise fertig gestellte Residenz-
schloss.
Im Juni 2005 wurde durch den Staatsbetrieb
Sächsisches Immobilien- und Baumanagement
(SIB), Niederlassung Dresden I, das Berliner
Architekturbüro Staab Architekten mit der
Planung der Umbau- und Erweiterungsmaßnah-
men im Albertinum beauftragt.
Unabhängig davon erfolgte die Sanierung der
äußeren Hülle des Gebäudes. Mit den Baumaß-
nahmen für Umbau und Erweiterung wurde
im Herbst 2006 begonnen.
Die neuen Ausstellungssäle teilen sich die Galerie
Neue Meister und die Skulpturensammlung
allein. Die Bestände beider Museen mit Malerei
von Caspar David Friedrich bis Gerhard Richter
sowie Skulptur von Rodin bis ins 21. Jahrhundert
besitzen weltweit einen bedeutenden Ruf.
Riesige gläserne Schaudepots eröffnen dem Besu-
cher bisher unbekannte Einsichten in das Innere
des Museums und erschließen bislang verborgene
Werke der Sammlung auf Dauer. Innerhalb der
Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ist das
neue Albertinum berufen, eine Brücke zwischen
Vergangenheit und Zukunft zu schlagen.
Während in den Ausstellungsräumen der Kunst
der Moderne und Gegenwart eine große Bühne
geboten wird, werden hinter den Kulissen
des Museumsbetriebes die Gemälde alter und
neuer Meister restauriert. Das neue Albertinum ist
in seiner Gesamtheit auf Begegnungen zwischen
Malerei und Skulptur, Romantik und Moderne,
zwischen Ost und West, zwischen gestern, heute
und morgen ausgerichtet.
Lichthof, im Vordergrund
Berserker 1 – 3
, 2007/08 von
Stella Hamberg
© Staatliche Kunstsammlungen
Dresden,
Foto: David Brandt
nächste Doppelseite:
Außenansicht des Albertinums
von der Brühlschen Terrasse
© Staatliche Kunstsammlungen
Dresden,
Foto: H. P. Klut

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Die Wiedereröffnung des Albertinums steht unter
der Schirmherrschaft von Herrn
José Manuel Barroso
,
Präsident der Europäischen Kommission.

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Impressum
Herausgeber
Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Taschenberg 2
01067 Dresden
www.skd.museum
Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien-
und Baumanagement
Wilhelm-Buck-Straße 4
01097 Dresden
www.sib.sachsen.de
im Auftrag des Freistaates Sachsen
Redaktion und Koordination
Abteilung Marketing der Staatlichen
Kunstsammlungen Dresden,
Martina Miesler, Doreen Schleicher
Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien-
und Baumanagement, Katja Weber,
Holger Krause, Maik Hellmuth
Gestaltung
BOROS
www.boros.de
Druck
Druckerei Thieme GmbH & Co. KG, Meißen
© Staatliche Kunstsammlungen Dresden,
Juni 2010
Das
neue
Albertinum
.
Kunst von der Romantik bis zur Gegenwart.
Galerie Neue Meister
Skulpturensammlung
Eingang
Brühlsche Terrasse und Georg-Treu-Platz
01067 Dresden
Öffnungszeiten
täglich 10 bis 18 Uhr
Eintritt (inklusive Audioguide)
8 €, ermäßigt: 6 €
Gruppen ab 10 Personen: 7 € p. P.
Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren:
freier Eintritt
Information und Anmeldung von Führungen
Tel.: +49(0)351/49 14 20 00
Fax: +49(0)351/49 14 20 01
besucherservice@skd.museum
www.skd.museum
Gerhard Richter Archiv
Leiter: Dr. Dietmar Elger
Albertinum, Tzschirner Platz 2
01067 Dresden
Tel.: +49(0)351/49 14 77 70
Fax: +49(0)351/49 14 77 32
E-Mail: Dietmar.Elger@skd.museum
Offizieller Förderer
Mit freundlicher Unterstützung durch
Freuen Sie sich auf ein zauberhaftes Jahr 2010: Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden feiern ihr
450-jähriges Jubiläum, die Eröffnung der Türckischen Cammer und die Wiedereröffnung der Galerie
Neue Meister und der Skulpturensammlung im sanierten Albertinum bieten Kunstliebhabern einzig artige
Kulturschätze. Gefördert werden diese Glanzlichter von der Spar kassen-Finanzgruppe. Deutschlands
größter nichtstaatlicher Kulturförderer engagiert sich seit Jahren dafür, das herausragende museale Erbe
Dresdens für die Menschen zu erhalten.
www.gut-fuer-deutschland.de
Sparkassen. Gut für Deutschland.
s
Unsere Kulturförderung
ist gut für die Sinne.
Das neue
Albertinum
Kunst von der Romantik bis
zur Gegenwart
ab 20. Juni 2010 in Dresden
Sparkassen-Kulturfonds des Deutschen
Sparkassen- und Giroverbandes
Ostdeutscher Sparkassenverband
Ostsächsische Sparkasse Dresden
Sparkassen-Versicherung Sachsen
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Wir danken
Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden bedanken sich bei allen Künstlern, die nach
der Jahrhundertflut von 2002 Werke für die von Helge Achenbach initiierte Auktion
Künstler helfen Alten und Neuen Meistern
gespendet haben. Sie haben damit auf beispiellose
Weise zur Verwirklichung des neuen Albertinums mit seinem hochwassersicheren Depot
beigetragen.
Stephan Balkenhol
Georg Baselitz
Tony Cragg
EVA &
ADELE
Fang Lijun
Günther Förg
Winfred Gaul
Hubertus
Giebe
Leon Golub
Gotthard Graubner
Ulrike Grossarth
Andreas Gursky
Eberhard Havekost
Georg Herold
Candida Höfer
Jenny Holzer
Martin Honert
Rebecca
Horn
Axel Hütte
Jörg Immendorff
Karin Kneffel
Imi
Knoebel
Barbara Kruger
Mischa Kuball
Robert Lucander
Markus Lüpertz
Michel Majerus
Jonathan Meese
Klaus
Mettig
Meuser
Albert Oehlen
A.R. Penck
Tal R
Lois
Renner
Daniel Richter
Gerhard Richter
Thomas Ruff
Katharina Sieverding
Nancy Spero
Strawalde
Beat Streuli
Thomas Struth
Rosemarie Trockel
Günther Uecker
Jerry Zeniuk