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Magazin
SIB
Ausgabe 2 | 2021
Polizeifachschule Schneeberg
Erste 180-Grad-Raum-
schießanlage in Sachsen
Seite 4
Staatsregierung
SIB hilft bei Umsetzung der
Regierungsunterbringung
Seite 6
HTW Dresden
Lehr- und Laborgebäude
entsteht
Seite 12
Leitstelle Energie
SIB-Liegenschaften:
100 % Ökostrom
Seite 8

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2 | 2021
INHALT
Im Rohbau „Lehr- und Laborgebäude der HTW Dresden“:
Lutz Hofmann, Ute Jahnke und Judith Engel (siehe Seiten 12–16)
IMPRESSUM
Herausgeber:
Staatsbetrieb Sächsisches
Immobilien- und Baumanagement
Riesaer Straße 7h, 01129 Dresden
www.sib.sachsen.de
im Auftrag des Freistaates Sachsen,
Sächsisches Staatsministerium der Finanzen
Redaktion:
SIB-Zentrale: Oliver Gaber (V.i.S.d.P.),
Alwin-Rainer Zipfl, Tobias Lorenz,
blaurock markenkommunikation:
Tobias Blaurock
Gestaltung:
blaurock markenkommunikation,
www.team-blaurock.de
Fotos/Visualisierungen:
David Nuglisch (S. 1–4, 6, 8–11, 14 o., 15,
16, 24); Sächsische Staatskanzlei/Pawel
Sosnowski (S. 7); Rohdecan Architekten
Dresden (S. 12–13); Peter Sebb/HTW Dres-
den (S. 14 u.); Tobias Blaurock (S. 17, 19);
SMF, Fotograf Pawel Sosnowski (S. 20 M.);
SIB (S. 20 u.); Grit Siwonia (S. 21 o.);
BNW TU Dresden K. Lassig (S. 21 M.); Studio
Banasik München (S. 21 u.); SIB (S. 22 o.);
Till Schuster (S. 22 u.); Roland Fuhrmann
(S. 23 o.); Steffen Spitzner (S. 23 u.)
Druck/Auflage:
Stoba-Druck GmbH/2.200 Stück
Beitrag zum Umweltschutz: FSC®-zertifi-
ziertes Papier, klimaneutral hergestellt.
Redaktionsschluss:
Oktober 2021
Copyright:
Die Veröffentlichung ist urheberrechtlich
geschützt. Alle Rechte, auch die des Nach-
druckes von Auszügen und der fotomecha-
nischen Wiedergabe, sind dem Heraus-
geber vorbehalten. Diese Maßnahme wird
mitfinanziert durch Steuermittel auf der
Grundlage des vom Sächsischen Landtag
beschlossenen Haushaltes.
3
EDITORIAL
GUTE IDEEN
4
Erstmals in Sachsen
6
Kooperation braucht Kompromisse
KLUGE KÖPFE
8
100 % Ökostrom für 2023–2026
ZENTRALES FLÄCHENMANAGEMENT
10 Risikominimierer des Freistaates
SIB IN ZAHLEN
12 Neues Lehr- und Laborgebäude
für die HTW Dresden
AUF DER BAUSTELLE
14 Bauen im Gold-Standard
SIB INTERN
17 „Ich gehe mit großer Zufriedenheit“
18 „Eine Riesenverantwortung“
20 Der neue Verwaltungsrat
AKTUELLE BAUPROJEKTE
22 Auf einen Blick

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3
EDITORIAL
2 | 2021
Die verantwortungsvolle Betreuung der staatli-
chen Immobilien und Bauvorhaben obliegt dem
Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Bau-
management (SIB) – dies umfasst den gesamten
Lebenszyklus einer Immobilie: Planen, Bauen, Be-
wirtschaften und Vermarkten. Unsere erfahrenen
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter widmen sich
dieser Aufgabe mit größtem Engagement, um die
damit verbundenen kleinen und großen Heraus-
forderungen zu meistern. Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit spielen hierbei eine be-
deutende Rolle, was sich auch in den Themen der aktuellen Ausgabe widerspiegelt.
Hierzu zählt beispielsweise die Nutzung von klimaneutralem Ökostrom durch die Be-
hörden und Bildungseinrichtungen sowie weiteren Liegenschaften des Freistaates Sachsen.
Dazu wurde von der Leitstelle Energie des SIB eine europaweite Ausschreibung durchge-
führt. In deren Ergebnis versorgen ab dem 1. Januar 2023 zwei regional in Sachsen tätige
Unternehmen die rund 2.500 Abnahmestellen mit Strom, der zu 100 Prozent aus erneuer-
baren Energiequellen kommt.
Bauen im Gold-Standard heißt es zudem für den Neubau an der Hochschule für Technik
und Wirtschaft Dresden – als Pilotprojekt für nachhaltiges Bauen entsteht unter der Regie
des SIB ein moderner Lehr- und Laborneubau für optimale Studien- und Arbeitsbedingun-
gen. Das EFRE-geförderte Projekt wird nach dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen
(BNB) des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit im
Gold-Standard zertifiziert.
Im Ergebnis der Landtagswahl galt es die daraus resultierenden Veränderungen in der
Staatsregierung adäquat im Dresdner Regierungsviertel umzusetzen. Dies umfasste nicht
nur, passende Flächen zu finden und sie auf die entsprechenden baulichen, Sicherheits-
und IT-Standards zu bringen, sondern auch die notwendigen Umzüge zu koordinieren. Für
das Gelingen dieses Vorhabens war die Kompromissbereitschaft aller Beteiligten notwen-
dig, für die wir uns an dieser Stelle noch einmal herzlich bedanken.
Wir wünschen Ihnen eine interessante Lektüre des aktuellen SIB Magazins und freuen
uns über Ihre Anregungen.
Oliver Gaber
Kaufmännischer
Geschäftsführer
Volker Kylau
Technischer
Geschäftsführer

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GUTE IDEEN
Hochmoderne 180-Grad-Raumschießanlage für die Polizeifachschule Schneeberg
180-Grad-Raumschießanlage, ABOA Architekten GmbH Zwickau
Jens Karch, Sachbearbeiter Betriebstechnik/Elektrotechnik
Erstmals in Sachsen
180°
Im Oktober wurde unter Regie des SIB die
erste 180-Grad-Raumschießanlage im Frei-
staat Sachsen fertiggestellt. An vier Schüt-
zenständen sind hier zukünftig stationäre
und dynamische Schießübungen in einem
Winkel von 180 Grad und mit einer Schuss-
entfernung von bis zu 25 Metern möglich.
Nach Abriss eines unterkellerten,
Bestandsgebäudes auf dem Gelände der Po
maroden
-
lizeifachschule Schneeberg waren die Vor-
aussetzungen ideal: Anstelle des alten Kel-
lers wurde in dem Hang ein Teil des Neubaus
untergebracht, effizient auch deshalb, da es
der Schalldämmung zugute kommt. Im Hin-
blick auf den Gesundheitsschutz der Schüler
und Ausbilder hatte die SIB-Niederlassung
„Die Spezialaufgaben
lagen vorwiegend in
der Technik und in der
Ausstattung. Unsere neue
180-Grad-Raumschieß-
anlage ist ein Pilotprojekt
in Sachsen.“
Zwickau besondere bau- und raumakusti-
sche sowie lüftungstechnische Vorschriften
zu erfüllen. Besonderheiten bieten weiterhin
die cinematische Ausstattung und der Ge-
schossfang.
Der Bau der Raumschießanlage gehörte zu den
letzten Projekten des Sachbearbeiters Hochbau
Dipl.-Ing. Wolfgang Brendel vor seinem Ruhe-
stand. Vom Rohbau her sei der durchaus ästhe-
tische Stahlbetonbau zunächst nicht außerge-
wöhnlich gewesen, bis auf die Spannweiten der
Schießbahn- und Lüftungsraumdecke sowie
die Länge der Unterzüge im Bereich der Ge-
schoßfänge, berichtet er.

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GUTE IDEEN
2 | 2021
„Keiner von uns hatte so etwas schon mal ge-
baut. Von unseren baulichen und auch von den
vergaberechtlichen Erkenntnissen können nun
die Kollegen an den anderen Standorten profi-
tieren“,
so der erfahrene Projektleiter.
„Für unsere Techniker war die Lüftungsanlage
sicher die größte Herausforderung. Sie ist be-
sonders komplex, um Pulverdämpfe effektiv
entlüften zu können“,
berichtet er. Die Planung
und Ausführung der Lüftung lag in der Hand der
beiden Spezialisten für Heizung-Lüftung-Sa-
nitär, Dipl.-Ing. Kristin Renner und Dipl.-Ing.
Anton Zimmermann.
„Das war ein anspruchs-
volles Teilprojekt, auf dessen Bau wir stolz sein
können“,
lobt auch der Dipl.-Wirtschaftsingeni-
eur Jens Karch die beiden. Er verantwortete die
aufwändigen Stark- und Schwachstrom-Ein-
bauten für die Schaffung der unterschiedlichen
Trainingsszenarien mittels Beleuchtung, Pro-
jektion und Beschallung sowie die Messtechnik
zur Auswertung der Treffgenauigkeit.
Für die Schützen können in einem 180-Grad-Pa-
norama verschiedene realitätsnahe und an-
spruchsvolle Szenarien hergestellt werden, wie
Gegenlicht, Dämmerung, Dunkelheit, Taschen-
lampeneinsatz und Stroboskoplicht. Sie schie-
ßen hier mit echten Waffen auf die aus Kaut-
schuk bestehenden Leinwände. Thermokameras
erkennen die Reibungshitze bei Aufprall und
Durchdringen, die Treffererkennung ermöglicht
die Auswertung in Echtzeit.
Für die realitätsnahe Gestaltung der Szena-
rien wurden unter anderem Regiepulte, sechs
Laser-Projektoren, sechs digitale Trefferdetek-
tionseinheiten, 12 Trefferkameras, eine auf-
wändige Akustikanlage, sechs Projektionslein-
wände, sechs Lichteffektanlagen und sechs
Simulationsanlagen für den Taschenlampen-
effekt verbaut und eingerichtet.
„Ich hatte vor-
her beruflich noch nicht die Gelegenheit die
180-Grad-Schießstandtechnik kennenzulernen
und auch erfolgreich umzusetzen. Wir (das
Projektteam) haben viel gelernt, auch durch die
gute, konstruktive Zusammenarbeit mit dem
Polizeiverwaltungsamt, dem Präsidium der Be-
reitschaftspolizei und
der Polizeifachschu-
le selbst“,
berichtet Jens
Karch.
Anspruchsvoll auch hinsichtlich
die Schießstandtechnik
Die Polizei hatte vorgegeben, dass die Schieß-
anlagen künftig sachsenweit identische Stan-
dards gewährleisten. Beispielsweise sollen die
Polizeistandorte Filme untereinander tauschen
können. Die gemeinsam erarbeiteten Standards
können schon jetzt auch die Kollegen beispiels-
weise in der SIB-Niederlassung Bautzen für ihr
Bauvorhaben nutzen.
„Wir haben das schon
gemeinsam mit ihnen vorbereitet. Sie können
sich die Unterlagen einfach aus unserem neu-
en zentralen Datenmanagementtool VIS-SAX
herausziehen – IT-seitig sind wir optimal auf-
gestellt“,
so Jens Karch.
73 Tonnen Stahl für den Geschossfang
Zu den Besonderheiten des Neubaus zählt
zweifellos auch der Kugelfang.
„Hier wurden zu-
nächst stärkere, 350 mm dicke Stahlbetonwände
gebaut und auch mit einer stärkeren Dämmung
versehen“,
berichtet Wolfgang Brendel.
„Für das
Training mit Kurz- und Langwaffen muss hinter
und neben den Leinwänden sowie an der Bea-
merbühne eine Mündungsenergie bis zu 7.000
Joule aufgefangen werden können – normal
waren für uns vorher 1.500 Joule.“
Eine so hohe
Energie lässt sich nur mit besonders hartem,
sogenanntem Hardox-550-Stahl auffangen.
„Den können Sie nicht einfach mal auf der Bau-
stelle schneiden oder bohren“,
so Brendel.
Insgesamt wurden in dem Schießstand ca.
73 Tonnen des hochfesten Stahls verbaut, da-
von 60 für den Geschossfang, die zuvor beim
Hersteller auf Maß gelasert worden waren.
Auch die Wände, Decken und Unterzüge des
Geschossfangbereiches mussten schusssi-
cher verkleidet werden. Die dafür benötigten
13 Tonnen Stahl wurden beim Lieferanten der
Wand- und Deckenbekleidung bearbeitet. Die
rückprallsicheren Schießbahn-Fluchttüren sind
Sonderanfertigungen.
„Wir liegen trotz aller
Besonderheiten gut im
Kostenrahmen. Insgesamt
wurden hier ca. 800 Kubik-
meter Stahlbeton und ca. 90 Ton-
nen Bewehrungsstahl verbaut. Dazu kommen
450 Quadratmeter Mauerwerk, das sind noch-
mal 115 Kubikmeter“,
nennt Wolf-gang Brendel
einige Eckdaten.
Wolfgang Brendel war seit seinem Start im SIB
am 1.1.2008 fast nur für die Liegenschaft der
heutigen Polizeifachschule Schneeberg tätig.
Seine aktuellen Projekte – Sanierung einer
Schwimmhalle, Bau von Garagen für Busse,
LKW, PKW und Transporter – wird er nicht mehr
selbst abschließen können. Sein Fazit:
„Mit den Planern, dem Nutzer
und den Kollegen habe ich zu
99,9 Prozent gern zusammen-
gearbeitet – wie man in den
Wald hineinruft, so schallt
es zurück. Trotzdem sehe ich
der Rente mit knapp 66 zum
1.1.2022 nun auch gern
entgegen.“
Baukosten
Baukosten insgesamt: 6,62 Mio. Euro
Die Baumaßnahme wird finanziert durch Steuer-
mittel auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag
beschlossenen Haushalts.

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2 | 2021
GUTE IDEEN
Die nach der Regierungsumbildung von 2019 notwendigen Umzüge
stellten den SIB vor enorme Herausforderungen
Kooperation braucht
Kompromisse
Welche Auswirkungen politische Wahlen
auf das staatliche Immobilienmanagement
haben können, ist Wählern vermutlich gar
nicht klar, wenn sie ihre Kreuzchen machen.
Tobias Mix und Annett Benedix können das
seit der sächsischen Regierungsumbildung
im Jahr 2019 besser einschätzen. Beide
hatten der neu aufgestellten Verwaltung
zusammen mit ihren Kollegen passende Im-
mobilien bereitzustellen. Platzangebot und
-bedarf passten nicht mehr: Ein neues Mi-
nisterium war entstanden, Zuständigkeiten
waren neu verteilt, Stellen hinzugekommen,
Minister und Abteilungen hatten die Häu-
ser gewechselt. Es galt nicht nur, passende
Flächen zu finden, anzumieten und auf die
entsprechenden baulichen, Sicherheits- und
IT-Standards zu bringen, sondern auch, die
notwendigen
Umzüge zu koordinieren. Vor
allem aber mussten die Beteiligten zu Kom-
promissen und Kooperation bewegt werden.
Damit all das gelingen konnte, erklärte sich
der SIB bereit, mit seiner Zentrale das Regie-
rungsviertel zu verlassen – ein aufwändiger,
aber wichtiger Beitrag zum Gelingen der Re-
gierungsumbildung.
Diese hatte bereits lange Verhandlungen er-
fordert. Erst kurz vor Weihnachten 2019 stand
fest, wie viele und welche Ministerien es geben
würde.
„Jede Wahl bringt Veränderungen mit
sich. Aber in diesem Umfang habe ich das noch
nicht erlebt“,
schildert Dipl.-Wirtsch.-Ing. (FH)
Annett Benedix, die das Sachgebiet Immobi-
lienmanagement der Niederlassung Dresden I
leitet. Der SIB habe keinen Vorlauf gehabt:
„Den berechtigten Erwartungshaltungen der
Leitungsebenen der Ministerien, schnell arbeits-
fähig zu sein, standen nicht in jedem Fall die not-
wendigen formellen Voraussetzungen als Hand-
lungsgrundlage für die Planung gegenüber.“
„Unsere erste Aufgabe war es, alle Minister ad-
äquat unterzubringen“,
so Tobias Mix, Fachge-
bietsleiter Immobiliensteuerung in der Zentrale
des SIB. Die neue Sächsische Staatsministerin
für Kultur und Tourismus Barbara Klepsch und
der neue Sächsische Staatsminister für Ener-
gie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft
Wolfram Günther erhielten ihren interimisti-
schen Arbeitsplatz binnen einer Woche.
Was damit verbunden war, sollte sich in den
letzten Monaten vielfach, in kürzesten, oft
parallelen Zeitspannen und teilweise im Ring-
tausch wiederholen wie beim Jonglieren: Pla-
nung, schnelles Handeln, langes Verhandeln,
Beschaffung, Auszug, bauliche Herrichtung,
Einzug in das vorläufige oder endgültige Büro.
„Im Frühjahr 2020 tasteten wir uns langsam
vorwärts, konnten erste Ansätze zunächst nur
anhand vager Angaben skizzieren. Verbindliche
Informationen kamen erst im März. Schwierig
war, dass wir kein autarkes, nutzungsfähiges
Objekt als Verfügungsgebäude hatten“,
be-
richtet Tobias Mix.
„Konzeption und Umsetzung
Annett Benedix und Tobias Mix koordinierten die Regierungsumzüge: „Eine große logistische Herausforderung –
die Umzugslaster hätten eigentlich gleichzeitig losfahren und sich auf der Kreuzung treffen müssen, da kein ausreichendes
Ausweichobjekt bereitstand“, berichtet Tobias Mix.

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GUTE IDEEN
2 | 2021
„Ich möchte allen Bediensteten des SIB, die am Projekt der
Regierungsunterbringung beteiligt waren, auch im Namen
des Ministerpräsidenten recht herzlich für ihr Engagement
danken. Nur mit diesem außerordentlichen Einsatz konnte
das anspruchsvolle Projekt erfolgreich zum Abschluss
gebracht werden. Dieser Dank gilt auch den von den Um-
zügen betroffenen Bediensteten und den hausverwaltenden
Stellen der Ressorts. Sie haben durch ihre Mitwirkung eben-
falls einen großen Beitrag zur Umsetzung geleistet.“
„Auf die Arbeit unseres Projekt-
teams können wir stolz sein.
Die veränderten Rahmen-
bedingungen im Verlauf, wie
die COVID-19-Pandemie oder
eine erforderliche Schadstoff-
sanierung in einem der für
die Regierungsunterbringung
vorgesehenen Gebäude, haben
die herausfordernde Arbeit
zusätzlich erschwert. Dennoch
konnten alle geplanten Umzüge
der Ministerien und nachgeord-
neten Bereiche durchgeführt
werden. Auch bin ich den Mit-
arbeiterinnen und Mitarbeitern
der Zentrale dankbar dafür,
dass sie die Belastungen des
Umzuges auf sich genommen
haben."
waren äußerst schwierig, die Kollegen im SIB
haben das mit sehr, sehr großem Einsatz be-
wältigt“,
lobt er. Der Druck von allen Seiten, die
notwendigen Mittel und damit die Verantwor-
tung für den Einzelnen seien bedeutend größer
gewesen als sonst.
SIB als Moderator
Die Verhandlungen zur Unterbringung der Mi-
nisterien gestalteten sich sehr anspruchsvoll,
galt es doch verschiedene Interessen zu ver-
einen. Intensiv wurde im SIB konzipiert, dis-
kutiert und verfeinert. Nach Abstimmung mit
dem Finanzministerium und der Staatskanzlei
konnten die Planungen den Ministerien vor-
gestellt werden –
„manche waren mehr, andere
weniger zufrieden“,
erinnert sich Tobias Mix
diplomatisch. Die Konzeption musste gleich
mehrfach überarbeitet werden.
„Man war zudem nicht der einzige Interessent,
der in attraktiver Lage Büroflächen suchte“,
er-
gänzt Annett Benedix. Die Abstimmungen mit
den Nutzern haben sie und die Objektmanage-
rinnen an Grenzen gebracht.
„Wir waren nicht
alle auf den Umfang der Diskussionen vorberei-
tet“,
erinnert sich Annett Benedix.
„Die Sachgebietsleiterin mit ihren Mitarbeite-
rinnen und Mitarbeitern haben das sehr gut
gemacht, das muss man herausstellen“,
lobt
Tobias Mix.
„Wir in der Zentrale waren während
der Konzeptionsphase intensiv in das Projekt
eingebunden, während wir in der Umsetzungs-
phase primär nur noch als Moderations- und
Eskalationsebene fungierten.“
Der SIB, insbesondere der Kaufmännische Ge-
schäftsführer, war dabei auch als Vermittler
von unterschiedlichen Sichtweisen unter den
Ministerien gefragt. Annett Benedix:
„Oliver
Gaber kann Persönlichkeiten zusammenbrin-
gen und entsprechende Impulse geben. Und
wir haben den Beteiligten mit großem Aufwand
Entscheidungsgrundlagen erstellt. So haben wir
gegenseitiges Verständnis erreichen können –
auch wenn wir nicht alle Interessen berücksich-
tigen konnten.“
Im Juni 2020 stand das Konzept: Flächen konn-
ten umgebaut und hergerichtet werden, wobei
zuweilen im laufenden Betrieb gleichzeitig sa-
niert, aus- und eingezogen werden musste, was
wiederum belastend für die Ministerien war.
Die Umzüge, die doch Zahn in Zahn greifen
mussten, wurden von den Nutzern selbst aus-
geschrieben.
„Das war logistisch unglaublich
kompliziert, alles hing ja mit allem zusammen“,
so Tobias Mix. Dass dabei einzelne beteiligte
Firmen in Quarantäne geschickt wurden, wir-
belte den Zeitplan gleich mehrfach durchein-
ander.
„Es war wie beim Domino – wenn einer
kippte, kippte alles um“,
so Annett Benedix.
Manche Nutzer mussten noch bis vor kurzem
durch Baumaßnahmen an ihrem neuen Dienst-
sitz erneut umziehen. Oliver Gaber, kaufmänni-
scher Geschäftsfüher des SIB, lobt:
Thomas Popp, Staatssekretär für Digitale Verwaltung und Verwaltungsmodernisierung
und Mitglied der Staatsregierung

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2 | 2021
KLUGE KÖPFE
Die Leitstelle Energie des SIB kauft klimafreundlichen Strom ein und
ist bundesweit Vorreiter bei der Abrechnung von Medien
100 % Ökostrom
für 2023–2026
Die Leitstelle Energie organisiert sachsen-
weit die Versorgung der Gebäude, die durch
Landeseinrichtungen genutzt werden – vom
Moritzburger Leuchtturm bis zu den großen
Universitäten. Die sechs Mitarbeiter erstel-
len die Bedarfsplanung für die Gebäudenut-
zer, schreiben die Verträge für die Lieferung
der Energieträger Strom, Erdgas und Heizöl
aus und betreuen jene für die Fernwärme.
Zunehmend ist auch selbst erzeugte Ener-
gie, beispielsweise aus Photovoltaikanla-
gen, zu koordinieren. Soeben wurde neben
dem Erdgas für 400 Abnahmestellen auch
die Versorgung mit Strom in den Jahren
2023–2026 ausgeschrieben. Der Freistaat
setzt dabei erstmals nicht nur durchgängig
auf Ökostrom, sondern auch auf ein von der
Leitstelle entwickeltes Abrechnungsmodell,
das unter den Bundesländern einmalig ist.
Die Leitstelle Energie ist, obgleich strukturell
und disziplinarisch ein Teil der SIB-Zentrale, in
der Chemnitzer Niederlassung zu finden. Hier
laufen die Daten über alle Energiemedien in
den vom SIB für seine Nutzer betriebenen eige-
nen und angemieteten Gebäuden zusammen.
Martin Leverenz, Fachgebietsleiter Integriertes
Facility Management, schätzt ein:
v. l. n. r.: Ronald Pasler, Teamleiter Leitstelle Energie (LE); Kay Friebert, Mitarbeiter LE; Gisela Uhlmann, Mitarbeiterin LE;
Frank Fischer, Sachbearbeiter Elektrotechnik LE; Martin Leverenz, Fachgebietsleiter Integriertes Facility Management;
Robert Heine, Sachbearbeiter Energiemanagement
„Die SIB-Niederlassungen pro-
fitieren von dem großen in der
Leitstelle Energie gebündelten
Know-How und den damit
verbundenen Synergien.“
Der Anteil der vom SIB selbst erzeugten Energie
steigt zwar, ist aber angesichts des gewaltigen
Gesamtbedarfs noch gering. Schon in diesem

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9
KLUGE KÖPFE
2 | 2021
„Letztlich aber können wir die
Verbräuche nicht allein durch
bauliche Vorkehrungen,
sondern vor allem durch ein
bewusstes Handeln des Einzel-
nen im Sinne des Klima-
schutzes senken.“
„Darauf zielt ja auch die ‚Klimabewusste Landes-
verwaltung‘ ab – erst damit können wir einen
deutlichen Fortschritt erzielen und die Klimaziele
erreichen. Die Ausschreibung Ökostrom ist also
ein effektiver Baustein, ersetzt aber nicht das be-
wusste Handeln der Beteiligten“,
sagt er.
Bernd Dömming war, bevor er zum SIB kam,
Bauleiter für Kraftwerke und Krankenhäuser.
Eine Arbeit in der Verwaltung konnte er sich
bereits zu dieser Zeit vorstellen.
„Die Arbeit im
SIB macht mir Spaß, wir arbeiten nicht nur am
Schreibtisch, sondern letztlich sachsenweit, für
und mit den Ansprechpartnern in allen Nieder-
lassungen. Wir kommen viel herum, kennen die
meisten Kollegen vor Ort und können so ge-
meinsam viel erreichen.“
Dabei will er vor allem
die Abteilung Vergabe- und Vertragsmanage-
ment in Dresden nicht vergessen:
„Wir erstellen
die Ausschreibungen, aber die Kolleginnen und
Kollegen dort sorgen erst für den vergaberecht-
lich korrekten Ablauf“,
so Dömming.
Einmalig in Deutschland
Bei der Planung und Umsetzung der Energie-
versorgung ist der SIB zukunftsfähig auf-
gestellt, ist er sich sicher, und weist auf eine
Teamleistung der SIB-Leitstelle Energie hin, die
Sachsen zum Vorreiter macht:
„Beim Strom-
und Erdgaskauf in diesen Größenordnungen
sind monatliche Rechnungen auf Basis der ‚Re-
gistrierenden Leistungsmessung‘ üblich.“
Das
wären im SIB eine große Anzahl zu prüfender
Rechnungen.
„Wir haben uns vor drei Jahren
gemeinsam eine Herangehensweise erarbeitet,
die Sachsen seit 2020 erfolgreich und als ein-
ziges Bundesland anwendet: Wir erhalten bei
‚Registrierender Leistungsmessung‘ nur eine
Jahresrechnung, auf die wir Abschläge zahlen
– aus ca. 6.000 Rechnungen konnten wir so ca.
500 machen – eine gewaltige Reduzierung des
Bearbeitungsaufwands.“
Aufgrund der Spezifik der Rechnungen werden
sie zentral in der Leitstelle Energie geprüft, die
die SIB-Niederlassungen von dieser Spezialauf-
gabe entlastet.
Bernd Dömming
Jahr nutzt der
SIB aber bereits
zu ca. 60,4 Pro-
zent Ökostrom,
also Strom aus
erneuerbaren Ener-
giequellen.
„Ab 2023 werden wir die
vom SIB den Nutzern bereit-
gestellten Immobilien erstmals voll-
ständig mit 100 Prozent Ökostrom versorgen“,
so
Dipl.-Ing. Elektrotechnik Bernd Dömming,
der als Sachbearbeiter Elektroenergie die ge-
rade abgeschlossene Ausschreibung für 2023–
2026 maßgeblich begleitete. Dass der Strom
aus
erneuerbaren Energiequellen stammt,
müssen die Lieferanten mit Zertifikaten aus
dem Herkunftsnachweisregister
des Umwelt-
bundesamtes nachweisen.
„Wir sind für die Stromversorgung von ca.
2.500 Abnahmestellen verantwortlich, müs-
sen bei der Bedarfsplanung auch Neubauten
und -anmietungen mit einbeziehen. Bei der
aktuellen Ausschreibung haben wir bereits
für das Jahr 2026 prognostiziert. Dafür wer-
den wir eine Strommenge von 382,5 Giga-
wattstunden pro Jahr beschaffen – so viel,
wie eine Stadt mit 80.000 Einwohnern, z. B.
Zwickau, benötigt“,
berichtet Bernd Dömming,
der seit 2005 im SIB tätig ist. Um Kostenvortei-
le zu erzielen, wurde die Ausschreibung in vier
Losen vorgenommen, unterteilt in ca. 2.000
kleine und 500 große Abnahmestellen zum
Beispiel für Universitäten sowie ca. 40 Stellen
mit Wärmestrom. Die Ausschreibung ist abge-
schlossen, der Strom für 2023 wird schon jetzt,
in den 15 Monaten vom 1. September 2021 bis
30. November 2022, täglich zum Börsenkurs an
der Strombörse gekauft.
Robert Heine, Bachelor of Engineering Rege-
nerative Energietechnik, ist seit 2019 als Sach-
bearbeiter Energiemanagement in der Leit-
stelle Energie tätig und hat den Überblick über
sämtliche hier vorhandenen Verbrauchsdaten.
„Die Leitstelle ist Fachauf-
sicht für die Energieaus-
weiserstellung: Ich unter-
stütze die Kolleginnen und
Kollegen in den Nieder-
lassungen zum Beispiel auf
Basis der bei uns zusammen-
laufenden Daten mit Entwürfen
der Energieausweise und koordi-
niere deren Erstellung. Einige Ausweise,
insbesondere für die von der Niederlassung
Chemnitz verwalteten Liegenschaften, erstel-
le ich aufgrund der räumlichen Nähe selbst.“,
berichtet er. Robert Heine erarbeitet anhand
der großen Datenbasis der Leitstelle auch pe-
riodische Energieberichte für alle vom SIB
be-
wirtschafteten Gebäude und stellt den Nutzern
Verbrauchsübersichten zur Verfügung. Auch bei
Publikationen auf Landesebene wirkt er mit,
wie zuletzt beim Energieeffizienzbericht 2019.
Letztlich sind solche Analysen ein wichtiger
Bestandteil der Umsetzung klimapolitischer
Aufgaben, wie der „Klimabewussten Landesver-
waltung“, deren Entstehung in der sächsischen
Schüler-Klimakonferenz begründet ist. Als einer
von zwei Akteuren des SIB in der interminis-
teriellen Arbeitsgruppe stellt er dem Gremium
Verbrauchsdaten und Auswertungen zur Verfü-
gung. Auf solchen Zahlen basiert unter anderem
auch die CO
2
-Startbilanzierung des Freistaates
Sachsen. Zusätzlich ist er in der Leitstelle Ener-
gie Ansprechpartner für öffentliche Anfragen,
wie von der SAENA, Kommunen oder Bürgern.
Robert Heine nimmt durchaus wahr, dass vom
SIB immer energieeffizienter gebaut wird.
Robert Heine

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10
Das Fachgebiet Fiskalerbschaften des ZFM
Risikominimierer
des Freistaates
Sind zur Zeit des Erbfalls nach einem deutschen Staatsangehörigen
mit letztem Wohnsitz im Freistaat Sachsen keine Erben vorhanden
oder schlagen diese das Erbe aus, wird aufgrund gesetzlicher Rege-
lung zunächst der Freistaat als Erbe festgestellt.
Aus diesem Grund fallen im Freistaat jährlich eine hohe Zahl soge-
nannter Fiskalerbschaften an (Jahr 2020 ca. 1.100 Fälle). In jedem
vierten dieser Nachlassfälle wird Sachsen durch die eintretende
Rechtsnachfolge Eigentümer von Grundstücken. Diese Immobilien
umfassen jedoch schwerpunktmäßig eine Vielzahl an niedrigpreisi-
gen und Schrottimmobilien – durchaus mit Ausreißern nach oben.
Der Freistaat tritt als Erbe auch in alle Forderungen gegenüber dem
Erblasser ein. Die Abwicklung der Fiskalerbschaften (Bestand zum
30.09.2021: 3.931 Fälle) ist Hauptaufgabe des Fachgebietes Fiskal-
erbschaften im Geschäftsbereich ZFM des SIB.
21 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Fachgebietes sind in den Außen-
stellen des ZFM mit der Abwicklung dieser Erbfälle betraut. Die Fach-
gebietsleitung hat Dipl.-Jurist Kai Hemmerlein mit Sitz in der Zentrale in
Dresden inne.
„Das festgestellte Erbe des Freistaates gilt zunächst als ‚widerlegliche
Vermutung‘ – bis zu 30 Jahre nach dem Tod des Erblassers können Erben
Anspruch erheben. Für diesen Zeitraum agieren wir also im Grunde als
Treuhänder. Ist der Anspruch eines wahren Erben berechtigt und wird der
Feststellungsbeschluss daraufhin aufgehoben, müssen wir das Erbe her-
ausgeben. Dies umfasst auch eventuelle Verkaufserlöse, alle im Zusam-
menhang mit dem Nachlass gezogenen Nutzungen wie z. B. Pacht- und
Mieteinnahmen sowie mögliche gewonnene Erzeugnisse und Ausbeuten.
Das Risiko, dass dieser Fall eintritt, steigt mit der Werthaltigkeit des ge-
erbten Nachlasses und so letztlich manchmal auch mit dem Erfolg unserer
Arbeit“,
weiß Kai Hemmerlein.
Innerhalb der Abwicklung der Fiskalerbfälle ist es Aufgabe des ZFM, Ak-
tiva und Passiva des Nachlasses zu ermitteln, damit den Umfang einer
möglichen Haftung des Freistaates zu bestimmen und den Nachlass un-
ter Ausschluss von Haftungsrisiken abzuwickeln. Denn der Freistaat kann
sein gesetzliches Erbe nicht ausschlagen, wenn auch die Haftung für ihn
auf den Wert des vorhandenen Nachlasses begrenzt ist.
„Übersteigen die Aktiva die Passiva, können wir die Gläubiger selbst befrie-
digen. Sind keine Gläubiger vorhanden oder wird der Nachlass durch deren
Befriedigung nicht aufgezehrt, gehört er spätestens nach dem Ablauf der
Verjährungsfrist erbrechtlicher Ansprüche dem Freistaat Sachsen“,
so Kai
Hemmerlein.
„Überschreiten die Passiva die Aktiva, müssen wir ein Nach-
lassinsolvenzverfahren beantragen. Wird eine Eröffnung mangels Masse
abgelehnt, haben wir den Gläubigern den noch vorhandenen Nachlass zur
Zwangsvollstreckung anzubieten.“
Eher selten wird der Freistaat testamentarischer Erbe. Auch dann wird ge-
prüft, ob möglicherweise Forderungen gegen den Nachlass bestehen. Kai
Hemmerlein:
„Können solche Forderungen Dritter nicht ausgeschlossen wer-
den und besteht daher in der Annahme ein Risiko, schlagen wir den Nach-
lass aus.“
Dann wird der Freistaat häufig mit hoher Wahrscheinlichkeit
letztlich doch zum Erben, aber eben dann als gesetzlicher Erbe – mit dem
Vorteil, dass die Haftung sich dann auf die Höhe des Nachlasses beschränkt.
Fachgebietsleiter
Kai Hemmerlein

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ZENTRALES FLÄCHENMANAGEMENT
2 | 2021
Stellvertretend für alle Kolleginnen und Kollegen des Fachgebietes Fiskalerbschaften: Lars Liebisch, stellv. Fachbereichsleiter in der Außen-
stelle Chemnitz; Anja Müller, Fachbereichsleiterin in der Außenstelle Zwickau; Marcus Brixi, Fachbereichsleiter in der Außenstelle Leipzig;
Kai Hemmerlein, Fachgebietsleiter Zentrale ZFM
„Auch dabei hilft unser Wir-Gefühl. Es sind
erfahrene und fachlich versierte, engagierte und
menschlich tolle Kollegen in den Außenstellen,
mit denen ich mich gemeinsam um die Abwick-
lung der Fiskalerbschaften kümmern darf.“
Nur der Vollständigkeit halber sei erwähnt: Zuweilen wird an den geerb-
ten Immobilien auch ein Staatsbedarf geltend gemacht und vom Fach-
bereich Fiskalerbschaften des ZFM realisiert, wie z. B. an Landwirtschafts-
flächen für Arrondierungszwecke oder Tauschgeschäfte des Freistaates
Sachsen.
Zum Fachgebiet Fiskalerbschaften gehören weiterhin die Aufgaben der
Sicherung des Landesvermögens nach den Bestimmungen zur Abwick-
lung der Bodenreform und des Vermögenzuordnungsgesetzes sowie die
Prüfung und Löschung von in Grundbüchern eingetragenen Altrechten
des Freistaates Sachsen oder des Landes Sachsen.
Kai Hemmerlein, seit 2003 im SIB aktiv, war zuvor unter anderem als
Gruppenleiter im damaligen Unternehmensbereich Finanzvermögen und
Portfoliosteuerung mit unterschiedlichen Aufgaben betraut, als Sachbe-
arbeiter Immobilienverkauf in der Zentrale des SIB sowie des ZFM tätig
und verantwortete dabei auch den werblichen Auftritt von SIB und ZFM
innerhalb des Immobilienverkaufs. Unter anderem konnte er dabei das
‚Quartier III/2‘ am Dresdner Neumarkt zu einem weit über den Erwartun-
gen liegenden Preis veräußern. Fiskalerbschaften – dieser Bereich bietet
keine glänzenden Broschüren von Premiumobjekten oder spektakuläre
und sichtbare Erfolge wie Verkauf oder gar Projektentwicklung. Hier ist
die Arbeit zäh, gibt es nur kleine Erfolge. Fiskalerbschaften zeigen eine
eher verborgene, stillere Seite; eine, für die es zwar Experten braucht, die
aber Geduld und Bescheidenheit lehrt.
„In meiner heutigen Tätigkeit definiert sich das Wort ‚Erfolg‘ anders. Wenn
der Bestand an Fiskalerbschaften schneller abgebaut wird als erwartet,
haben meine 21 Kolleginnen und Kollegen eine großartige Arbeit geleistet.
Gemeinsam versuchen wir, die Dinge noch besser zu steuern, effektiver zu
machen“,
blickt Kai Hemmerlein auf sein Arbeitsfeld.
„Kosten und Risiken
für den Freistaat gering zu halten, das ist unser Erfolg.“
Es sind die rechtlichen Aspekte und die unterschiedlichen Fälle, die es
für ihn interessant machen.
„Ich bin wieder näher an der Rechtswissen-
schaft dran, es ist spannend, weil jeder Fall anders ist. Zudem arbeite ich
sehr gern mit meinen Expertenteams in den Außenstellen zusammen. Dort
arbeiten 21 wirklich tolle Leute an unserem gemeinsamen Erfolg.“
Die Arbeit gewährt durchaus auch Einblicke in weniger schöne Seiten
des Lebens. Hinter jeder Akte steht ein Schicksal: Erblasser waren schwer
erkrankt, Familien haben sich auseinandergelebt, Wohnungen weisen
manchmal noch Spuren von medizinischen Notfällen auf.

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Neues Lehr- und Laborgebäude
für die HTW Dresden
Seit Mai 2019 baut der SIB an der Ecke Strehlener Straße / Andreas-Schubert-Straße das neue Lehr- und Laborgebäude der HTW Dresden (Visualisierung:
Rohdecan Architekten). Freistaat und EU investieren hier insgesamt 63 Mio. Euro in eine substanzielle Verbesserung der Studien- und Forschungs-
bedingungen. Der Neubau wird besonders nachhaltig gestaltet. Er umfasst unter anderem ein Baustofftechnikum mit Laboren für Betontechnologie,
Geotechnik, Verkehrs- und Wasserbau, ein Kreativzentrum, den Lehr- und Werkstattbereich der Fakultät Design und PC-Pools mit Serverräumen der
Fakultät Informatik-Mathematik. Als Nutzungsbeginn ist der Start des Wintersemesters 2023/24 vorgesehen.
10
barriere
0
freie
%
Räume
2 | 2021
SIB IN ZAHLEN
Visualisierung des künftigen Lehr- und Laborgebäudes der HTW
Regenwasser-
zisterne
mit einem Nutzvolumen
von ca. 60 m
3
80
m
3
m
3
12
Stah
.
lbe
5
to
1
n
0
mit 2.000 t Stahl

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9.100
15.000
7.000
sowie viele dezentrale Anlagen
für Laborlüftung
m
3
/h
m
3
/h
m
3
/h
2 Klimaanlagen
mit je
Zu- und Abluftanlage zu
2 Teilklimaanlagen mit je
1
Tr
2
ümm
.000
erschutt
unter baubegleitender
Kampfmittelsondierung
50.000
m
3
Erdaushub
ca.
SIB IN ZAHLEN
2 | 2021
m
3
teilweise unter
Grundwasser-
spiegel
ca.

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14
2 | 2021 AUF DER BAUSTELLE
SIB verbessert die Studien- und Forschungsbedingungen
an der HTW Dresden weiter
Bauen im
Gold-Standard
An der 1992 gegründeten Hochschule für Technik und Wirtschaft
Dresden sind Lehre und Forschung seit jeher eng miteinander ver-
bunden und stark praxisorientiert. Dieser Philosophie folgt auch das
neue Lehr- und Laborgebäude, das der SIB derzeit errichtet. Unter
Regie der Projektleiterin Judith Engel und eines Teams aus ca. zwan-
zig Mitarbeitern hauptsächlich aus der Niederlassung Dresden II des
SIB entsteht hier zudem ein Pilotvorhaben für nachhaltiges Bauen
im sächsischen Hochschulbau: Es ist angestrebt, das Projekt nach
dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) des Bundesmi-
nisteriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit im
Gold-Standard zertifizieren zu lassen.
„Der Neubau setzt Maßstäbe, sowohl was die technische Ausstattung
angeht, aber auch in Sachen Nachhaltigkeit“,
lobt Sachsens Finanzmi-
nister Hartmut Vorjohann, der bei einem Baustellenrundgang im Juni
auch darauf hinwies, dass der Freistaat hier gemeinsam mit der EU rund
63 Millionen Euro investiert.
Mit der räumlichen Erwei-
terung und den modernen
Laboren werden sich die Stu-
dien- und Forschungsbedin-
gungen an der HTW Dresden
nach Einschätzung der Rek-
torin Prof. Dr. Katrin Salchert
deutlich verbessern. Zum Beispiel werden die bisher auf verschiedene
Gebäude verteilten Labore des Bauingenieurwesens nun an einem Ort
zusammengefasst, ein Baustofftechnikum entsteht. Die Fakultät Design
erhält neue Werkstätten und Lehrkabinette, welche die bisherigen erset-
zen. Mit einem Kreativzentrum wird ein Ort geschaffen, der die interdis-
ziplinäre Zusammenarbeit der verschiedenen Fakultäten der Hochschule
ermöglicht. Ebenso wird die Gründungsschmiede in den Neubau ziehen.
„Ingenieurwissenschaftliches Know-how, Design und Gründungsgeist
werden hier zusammentreffen und wichtige Impulse für den Innovations-
standort Dresden setzen“,
so die Rektorin.
Prof. Dr. Katrin Salchert
Der Neubau des Lehr- und Laborgebäudes
entsteht direkt an der Ecke Strehlener Straße /
Andreas-Schubert-Straße

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15
Nachhaltiges Bauen –
Technische Besonderheiten
Die hochwertige thermische Gebäudehülle und
das Heizen und Kühlen über Betonkernaktivie-
rung werden gegenüber konventioneller Bau-
weise deutliche Energieeinsparungen ermög-
lichen. Zu den Besonderheiten des Neubaus
zählt auch ein energiesparendes Lichtkonzept,
das eine möglichst effektive Nutzung des Ta-
geslichts in allen Räumen ermöglicht. Eine
Photovoltaik-Anlage auf dem Dach sorgt für
eigenen Strom. Trinkwasser wird gespart, in-
dem für die Spülung der Toiletten Regenwas-
ser eingesetzt wird – im Neubau lässt sich die
Installation der zusätzlich nötigen Rohre wirt-
schaftlich darstellen, zumal das Team mit einer
innenliegenden Zisterne für das Regenwasser
eine ideale Lösung ohne zusätzliche Tiefbau-
arbeiten in den Außenanlagen finden konnte.
302 Fahrradstellplätze werden geschaffen, da-
von 274 im Außenbereich entlang der Streh-
lener Straße und 28 im Gebäudeinneren, wo
sich auch Trocknungsmöglichkeiten für Fahr-
radbekleidung und Duschen für die Radfahrer
befinden werden. Mit der Gebäudeausstattung
unterstützen HTW Dresden und SIB die Inklusi-
on Behinderter. Die gängige Beschilderung wird
durch ein taktiles, also ertastbares Leitsystem
ergänzt.
Anspruchsvolles Baufeld
Der Rohbau befindet sich in Dresden an der
Ecke Strehlener Straße und Andreas-Schubert-
Straße.
„Wir mussten einmal eine ca. 3–4 m
starke Schicht Trümmerschutt beseitigen las-
sen, insgesamt ca. 12.000 m
3
, das ganze Gebiet
war ja 1945 zerstört“,
berichtet Judith Engel.
Lutz Hofmann ist Sachbearbeiter Ingenieurbau
und gelernter Baufacharbeiter. Was er baut, ist
im Wortsinne grundlegend. Dass man es spä-
ter meist nicht mehr sieht, stört ihn aber nicht.
Das enge Baufeld nah am öffentlichen Verkehr,
der dichte und leider ungenau dokumentierte
Leitungsbestand sowie die für die Baugrube
erforderliche Grundwasserabsenkung stellten
Herausforderungen für Planung und Bauüber-
wachung dar. Nach der Baufeldfreimachung,
unter anderem durch Umverlegen einer Fern-
wärmeleitung mit Steuerkabeln und eines öf-
fentlichen städtischen Abwasserkanals, galt es,
bis zur Grundstücksgrenze hin die tiefe Bau-
grube für die zweigeschossige Unterkellerung
zu schaffen.
Hier konnte Lutz Hofmann seine Kenntnisse
einbringen – zunächst galt es, mittels einer
Förderbrunnengalerie das Grundwasser ab-
zusenken. Insgesamt ca. 370.000 m
3
Wasser
waren hier zu heben und in 450 m Entfernung
wieder ins Erdreich einzuleiten.
„Die dort instal-
lierten Sicker- bzw. Schluckbrunnen der Was-
serhaltung sind bereits wieder zurückgebaut“,
so Hofmann.
Da die Baugrubenwand zugleich exakt die
Grundstücksgrenze zum öffentlichen Raum
markiert und als Gebäudeaußenkante dient,
musste ihr Verbau als Spritzbetonwand mit
erhöhten Qualitätsanforderungen ausgeführt
werden.
„Die Aufgabe, die Toleranz der Spritz-
betonwand an das für den Rohbau benötigte
Judith Engel, Ute Jahnke und Lutz Hofmann
weiter siehe Folgeseite
HTW Dresden
Gegenwärtig sind an der HTW Dresden rund
5.000 Studierende eingeschrieben. Die 42 Stu-
diengänge in den Bereichen Bauingenieurwesen,
Elektrotechnik, Geoinformation, Maschinenbau,
Informatik, Wirtschaftswissenschaften, Landbau,
Umwelt, Chemieingenieurwesen und Design
führen zu den Abschlüssen Bachelor, Master und
Diplom. An der 1992 gegründeten Hochschule
sind Lehre und Forschung seit jeher eng mitein-
ander verbunden und stark praxisorientiert.

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16
2 | 2021
AUF DER BAUSTELLE
Maß anzupassen, war eine besondere Heraus-
forderung für alle Beteiligten“,
berichtet Lutz
Hofmann.
„Nur wenn sich alle am Bau Beteilig-
ten als Team begreifen und gemeinsam kreative
Lösungen suchen, kann so etwas gelingen.“
Mit Engagement und Teamarbeit gegen
schwierige Bedingungen bestehen
Dipl.-Ing Ute Jahnke ist als Sachbearbeiterin
des SIB für die Bereiche Lüftung/Kälte und
Heizung/Sanitär zuständig.
„Nachdem der Roh-
bau steht, fangen wir in meinem Bereich jetzt,
Anfang September, gerade mit dem Ausbau der
technischen Gewerke an. Bei den beiden euro-
paweiten Ausschreibungen für Lüftung/Kälte
und Sanitär/Heizung haben wir zwei sächsische
Unternehmen als Partner gewinnen können“
berichtet sie.
„Im Bauen nach BNB-Gold-Stan-
dard und mit dem großen Anteil an Fördermit-
teln sind wir genau darauf bedacht, Termin- und
Kostentreue im Plan zu halten. Und das gelingt
uns bislang sehr gut, trotz der allgegenwärtigen
Lieferschwierigkeiten und Materialengpässe.“
„Mit einer ordentlichen
Steuerfrau macht das
Segeln im Team Spaß.“
Judith Engel lehnt in der Tat den Einsatz ex-
terner Projektsteuerer ab:
„Ich mache das am
liebsten selbst. Wir sind ja schließlich ausgebil-
dete Bauherren“,
sagt sie und freut sich nicht
nur über die reibungslose Zusammenarbeit
aller Beteiligten:
„Wir haben einen engen und
sehr guten Kontakt zu den Planern und Firmen,
trotz aller Probleme und coronabedingter Aus-
fälle arbeiten wir gewerkübergreifend lösungs-
orientiert und mit guter Stimmung. Sonst könn-
ten wir bei all den Herausforderungen gar nicht
im Kosten- und Zeitplan bleiben.“
Die neue RL Bau, berichtet sie, erleichtere das
Bauen, denn
„die Dinge stehen früher verbind-
lich fest und es gibt weniger Schnittstellen“.
Besonders freut sie sich auch über den neuen
Projektserver für den externen Datenaustausch,
den die IT des SIB neben dem internen Server
bereitstellt:
„Ein neues, gutes Arbeitsmittel, das
enorm beschleunigt und Papier spart, man kann
zum Beispiel Pläne online freigeben“,
freut sie
sich.
Judith Engel ist stolz darauf, mit dem Lehr-
und Laborgebäude möglicherweise nicht nur
den höchsten Standard eines nachhaltigen Ge-
bäudes in Deutschland zu erreichen, sondern
dabei gleichzeitig Baukultur in ausgewogener
Gesamtqualität zu schaffen.
„Gebäude können zugleich
Ressourcen schonend
gebaut, qualitätsvoll
und schön sein!“
Dass der SIB, so Judith Engel, schon Bestands-
gebäude nachträglich zertifiziert und dabei
den BNB-Silber-Standard erreicht hat, beweise,
dass er auch bisher verantwortungsvoll gebaut
habe.
„Wenn man aber schon von Anfang an die
BNB-Checklisten in der Planung einbezieht und
im engen Austausch mit dem BNB-Koordinator
und der Konformitätsprüfstelle baut, kann man
auch ‚Gold‘ erreichen“,
ist sie überzeugt.
SIB-Sachbearbeiterin Hochbau und Objekt-
verantwortliche ist Dipl.-Bauingenieurin (TU
Dresden) Judith Engel.
„Frau Engel macht die
Projektleitung sehr gut und reagiert flexibel
und zielorientiert auf alle Hindernisse, ohne ein
externes Projektsteuerungsbüro an der Hand
zu haben. Sie macht das klasse“,
berichtet Ute
Jahnke, und fügt hinzu:
Projektdaten
Baustart: Mai 2019
Nutzung: ab Wintersemester 2023/24
Hauptnutzfläche: 8.163 m²
Von dem Investitionsvolumen in Höhe von ca.
63 Millionen Euro stammen 21 Millionen Euro aus
dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung
(EFRE). Der Anteil des Freistaates Sachsen beläuft
sich auf 42 Millionen Euro. Die Baumaßnahmen
werden mitfinanziert durch Steuermittel auf Grund-
lage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen
Haushalts.
Lutz Hofmann
Judith Engel
Ute Jahnke

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17
SIB INTERN
2 | 2021
„Wir durften dazu beitragen, dass Chemnitz heute so lebenswert ist.“
„Ich gehe mit
großer Zufriedenheit“
Dipl.-Jurist Volker Lange, stellvertretender Leiter der Niederlassung
Chemnitz, ist zum 1. April 2021 in den Ruhestand gegangen – zu
seinem 30-jährigen Dienstjubiläum in der Liegenschaftsverwaltung
des Freistaates Sachsen.
Nach seinem Studium der Rechtswissenschaften in Leipzig beriet der
Jurist Volker Lange zunächst 10 Jahre lang landwirtschaftliche Betriebe.
Nach dem Dienstbeginn beim Freistaat Sachsen am 1.3.1991 konnte er
die Immobilienverwaltung des Freistaates mit aufbauen. Von 1993 bis
1997 war er in der Oberfinanzdirektion tätig, anschließend bis 1999 stell-
vertretender Referatsleiter im Staatsministerium der Finanzen. Seit 1999
war er stellvertretender Leiter des neu fusionierten Vermögens- und
Hochbauamtes, dann vier Jahre dessen Sprecher und anschließend bis
zum Renteneintritt stellvertretender Leiter der heutigen SIB-Niederlas-
sung Chemnitz.
„In der Liegenschaftsverwaltung waren wir in den 90ern neben der Be-
hördenunterbringung federführend in der Sicherung des freistaatlichen
Grundvermögens im Verfahren der Vermögenszuordnung. Die Vertreter
von Bund, Land, Landkreisen und Kommunen hatten das Gesamtterrain
neu zu ordnen. Abends saßen wir beisammen, jeder mit seinem Siegel und
Stempelkissen, und haben die Verwaltungsnutzungen diskutiert, um zu-
zuordnen“
erinnert sich Volker Lange. Seine Hauptaufgabe sah er aber
stets darin, Immobilien verfügbar zu machen und zu betreiben.
„Wir blie-
ben bei Anmietungen als Moderator ständig mit Nutzer und Eigentümer
verbunden, um den reibungslosen Betrieb so zu sichern wie im Landes-
eigentum“,
so Lange.
„Unsere Nutzer sollen sich auf ihre
Arbeit konzentrieren können und sich
nicht um das Gebäude kümmern
müssen.“
Ende der 90er Jahre dann die Bau- und die Liegenschaftsverwaltung zu-
sammenzuführen, so Volker Lange,
„war richtig und hat vieles erleichtert.
Das maßgeblich mitgestalten zu können, war toll. Wir haben uns – ohne
externe Berater – unsere künftige Struktur selbst erarbeitet. Deshalb ist
sie auch so gut angenommen worden“,
ist er überzeugt. Die 1997 einge-
führte Zweistufigkeit aus Finanzministerium und ausführenden Ämtern
funktionierte, so Lange,
„erfreulich straff“.
Auf seine Rolle in der Niederlassung blickt er mit Bescheidenheit zurück:
„Die eigentliche Arbeit haben die Mitarbeiter gemacht, und das sehr gut.
Für mich blieb, sie anzuleiten und zu motivieren und größere Vertragsver-
handlungen zu führen. Ich gehe mit großer Zufriedenheit, weil die Bau-
und Liegenschaftsverwaltung in ihrer Aufgabenerfüllung wirklich die
territoriale Entwicklung gestaltet“,
resümiert er.
„Wenn ich durch Sachsen
fahre oder durch Chemnitz spaziere, sehe ich so viele Gebäude, die wir
auch mit unserem gemeinsamen Wirken mit aus dem Leerstand und Ver-
fall führen konnten.“
Als Beispiele nennt er neben dem einstigen Kauf-
haus Schocken in Chemnitz auch Schloss Freudenstein mitten in Freiberg
oder das Justizzentrum Kaßberg in Chemnitz, die einzige öffentlich-pri-
vate Partnerschaft des Freistaates.
„Ich denke, wir haben das ganz gut ge-
macht – und das macht einen stolz.“
Wie es im verdienten Ruhestand weitergeht? Seit Jahren schon ist er Prä-
sident des Chemnitzer Polizeisportvereins. Vor allem aber freut sich Volker
Lange darüber, dass er seine Frau überzeugen konnte, ihr eigenes Dienst-
ende vorzuziehen, um den Ruhestand mit ihm in Chemnitz zu verbringen.
Volker Lange vor dem im ehemaligen Kaufhaus Schocken eingerichteten Staatlichen
Museum für Archäologie Chemnitz smac, für das er einen langfristigen Mietvertrag ver-
handeln konnte – Voraussetzung für die bauliche Rettung der 1930 eröffneten, seinerzeit
revolutionären Bauhausarchitektur, die Erich Mendelsohn einst im Auftrag der Brüder
Salman und Simon Schocken schuf.

 
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2 | 2021
SIB INTERN
Der ehemalige Leiter der Niederlassung Chemnitz Peter Voit ist im Ruhestand
„Eine Riesen-
verantwortung“
Sein Abitur legte Peter Voit im damaligen
Karl-Marx-Stadt ab. Als er dann seinen
Grundwehrdienst in der dortigen Bereit-
schaftspolizei leistete, ahnte er noch nicht,
dass ihn diese Liegenschaft ein Berufsleben
lang begleiten würde. Zunächst studierte er
an der TU Dresden Bauingenieurwesen mit
Fachrichtung konstruktiver Hochbau. 1984
startete er in der Bauabteilung der Polizei.
Seit Gründung der Staatlichen Bauverwal-
tung verantwortete er in gut 30 Jahren über
100 große Baumaßnahmen und ein Bau-
volumen von ca. 1,7 Mrd. Euro. Am 1. Juli
2021 ging Peter Voit als Leiter der Nieder-
lassung Chemnitz des SIB in den verdienten
Ruhestand.
1991: Start mit nichts
Peter Voit konnte nach der Wiedervereinigung
mit einigen Kollegen aus anderen dezentralen
Bauverwaltungen die Gründung der Staatli-
chen Hochbauverwaltung in Chemnitz mitge-
stalten. Bereits im Sommer 1990 hospitierten
sie in Bayreuth, beobachteten Abläufe und
Struktur.
„Dann kam der scharfe Start mit nichts: Wir
gründeten zum ersten Januar 1991. Als Sitz
wählten wir zunächst ein leer stehendes Ge-
bäude, das sich recht bald als viel zu klein und
viel später dann als Treuhandvermögen her-
ausstellte“, erinnert sich Peter Voit. „Wir waren
etwa zwei Dutzend. Jeder brachte seine Möbel
selbst mit, wir hatten nur ein Telefon – und das
wurde immer unterbrochen, wenn ein Fax kam.“
Zunächst galt es, sich einen Überblick über
das Landesvermögen und den Mittelbedarf zu
verschaffen, Liegenschaftslisten und laufende
Baumaßnahmen zusammenzustellen. Schnell
kamen neue Kollegen hinzu, Peter Voit wurde
stellvertretender Amtsvorsteher.
Mit 38 Jahren übernahm er die Stelle des Amts-
vorstehers in Zwickau – und damit zugleich
das gerade angelaufene Sanierungsprogramm
Sächsische Staatsbäder. In Bad Elster und Bad
Brambach galt es, Kurhäuser, Kurmittelhaus,
Heilbäder, Kurtheater und die Mooraufberei-
tungsanlage zu sanieren oder neu zu bauen –
„alles Dinge, die man im Leben sicher nur ein-
mal, aber nicht so früh macht“,
wie er sagt.
Später gestaltete er – mit Zwickau und Chem-
nitz als Pilotprojekt – die Zusammenlegung der
Staatshochbau- und der Liegenschaftsämter
mit.
„Das war einer der wichtigsten Schritte,
die in der Bau- und Liegenschaftsverwaltung
überhaupt gegangen wurden, das bewährt sich
bis heute. Wir haben uns, anders in anderen
Bundesländern zu dieser Zeit, dabei wirklich or-
ganisatorisch-strukturell vereint.“
Nach neun Jahren des Pendelns kam er zum
1.12.2005 als Leiter der Niederlassung Chem-
nitz zurück, leitete parallel zunächst den Be-
reich Finanzvermögen und Portfoliosteuerung.
Mitte 2006 übernahm er dann den Baubereich.
„Die Niederlassung hat sehr, sehr gute, enga-
gierte und zuverlässige Mitarbeiter, weshalb
ich immer stolz auf unsere Arbeit sein konnte.
Das hat mir am meisten Freude gemacht – über
200 Leute zu führen, dazu die Dienstleister, der
Umgang mit Nutzern und politischen Entschei-
dungsträgern.“
Über die Jahre sei, so Voit, vieles komplexer ge-
worden, wie Bauplanungsrecht, bauordnungs-
rechtliche Anforderungen, Fördermittelbestim-
mungen, Vergaberecht: „Das
beherrschen heu-
te nur noch Spezialisten – und die hatten wir
glücklicherweise. Und im Durchschnitt der Pro-
jekte konnten wir in Chemnitz den vorgegebe-
nen Kostenrahmen immer halten.“
„Wir haben hier ein 160
Jahre altes Haus, für das
die Stadt über 20 Jahre
eine Lösung für das
Überleben gesucht hatte,
unter Beachtung strengs-
ter Denkmalschutzanfor-
derungen mit einer völlig
neuen Nutzung versehen.
Damit konnten wir ein
Objekt bewahren, das
in Chemnitz als eines der
letzten Überbleibsel der
industriellen Revolution
ohne Vergleich ist.“
Vielseitige Tätigkeit
mit Anspruch
Peter Voit hatte die bauliche Verantwortung für
zwei Universitäten, zwei Hochschulen und drei
Studienakademien.
„Da waren hochinstallierte
Labore zu bauen oder ein Fernseh- und Rund-
funkstudio mit damals modernstem Standard in
Europa – wir hatten immer wieder neue Aufga-
ben, die vorher noch niemand gemacht hatte.“
Für unser Treffen hat er die Chemnitzer Uni-
versitätsbibliothek in der ehemaligen Aktien-
spinnerei ausgesucht, eines seiner größten und
zugleich letzten Projekte. Im Gespräch im Lese-
saal wird deutlich, was ihn stets motiviert hat:

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19
SIB INTERN
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„Jedes Projekt war ein Unikat – geschaffen für die
unterschiedlichsten Standorte und Nutzer. Das macht
eben den SIB aus – diese Breite, in der wir aufgestellt
sind, liefern müssen und es auch können.“
Respekt, so Peter Voit, habe ihm dabei stets der
Kulturbau eingeflößt. Die Niederlassung Chem-
nitz ist für die Schlösser Augustusburg, Lich-
tenwalde und Rochlitz, für Burg Scharfenstein
und Burg Kriebstein zuständig, richtete das
Museum Terra Mineralia im Freiberger Schloss
Freudenstein ein.
Besondere Aufgaben hielt auch die Grablege
am Freiberger Dom bereit – Beisetzungsort
kurfürstlicher Familien, bis Dresden Sitz der
Wettiner wurde. Bei diesen vielseitigen Heraus-
forderungen sei es immer das Schöne gewe-
sen, Bleibendes zu schaffen:
„Und dabei steckt
immer auch ein persönlicher Anteil mit drin –
eine Riesenverantwortung.“
Ausblick
Gern erinnert er sich an die Sanierung und Er-
weiterung des Motorradmuseums im Schloss
Augustusburg – für den Motorradbegeisterten
eine Aufgabe mit persönlichem Bezug. Der Be-
sitzer einer 1958 gebauten Simson AWO:
„Wir
haben dasselbe Baujahr. Ich fahre sie gern bei
gutem Wetter sonntags früh, wenn alles frei ist.“
Im besten Alter von 63 Jahren hat es sich Peter
Voit gegönnt, aus dem Berufsleben auszustei-
gen. Der Familienmensch genießt es, seinen
drei Enkeln, dem Garten und Hobbys mehr Zeit
widmen zu können, spontaner leben zu können.
„Jetzt bestimme ich den Terminkalender, und
nicht er mich.“
Nicht nur der Denkmalschutz sei übrigens mit dem SIB stets strenger umgegangen als mit privaten
Bauherren, berichtet er mit Hinweis auf die Vorbildfunktion des Freistaates.
Aufgabenfelder waren auch Gerichte, Polizeidienststellen, Finanzämter, ein Bergwerk in Freiberg, die
drei Kasernen Schneeberg, Marienberg, Frankenberg oder der Grenzübergang Schönberg. Peter Voit:
Peter Voit im Lesesaal der Universitätsbibliothek

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20
2 | 2021
SIB INTERN
Der neue Verwaltungsrat
Seit 1992 bekleidet Matthias Zier, diplomierter
Betriebswirt, verschiedene Funktionen im SMF.
Über Stationen in der Personalverwaltung, hier
war er unter anderem an der ersten Organisa-
tionsuntersuchung der staatlichen Hochbau-
und Liegenschaftsverwaltung mit einem priva-
ten Beratungsunternehmen beteiligt, und eine
langjährige Tätigkeit im für den Ressorteinzel-
plan des SMF zuständigen Haushaltsreferat
übernahm er 2008 die Leitung des Referates 24.
Seitdem ist der auch Mitglied des SIB-Verwal-
tungsrates. Das Aufgabenspektrum im Referat
24 umfasste neben der zentralen Zuständigkeit
für alle Fragen des in der sächsischen Haus-
haltsordnung (SäHO) verankerten staatlichen
Haushaltsrechts die Funktion des Haushalts-
beauftragten des Einzelplanes 14 (staatliche
Hochbau und Liegenschaftsverwaltung), die er
auch als Referatsleiter des Referates 52 seit Juli
2021 weiterführt. Diese Funktion beinhaltet die
haushalterische Gesamtverantwortung für die
Umsetzung der im Einzelplan 14 eingeordneten
Maßnahmen bzw. zu erledigenden Aufgaben
der staatlichen Hochbau- und Liegenschafts-
verwaltung im Freistaat Sachsen.
Dirk Diedrichs ist seit Dezember 2017 als Amts-
chef im Sächsischen Staatsministerium der Fi-
nanzen (SMF) tätig. Den Verwaltungsratsvorsitz
des SIB hat er qua Amt inne.
Der Diplom-Volkswirt wechselte 1996 in das
SMF und übernahm die Leitung des Referats
Kommunaler Finanzausgleich. 2003 wurde er
Leiter der Haushaltsabteilung. Im Rahmen ei-
nes Projektes der Vereinten Nationen beriet er
von 2009 bis 2011 den Haushaltsausschuss der
laotischen Nationalversammlung in Vientiane.
2011 folgte die Berufung zum Staatssekretär
im Thüringischen Finanzministerium. Im Jahr
2015 führte ihn sein Weg zurück nach Sach-
sen, wo er bis 2017 die Abteilung Recht und
während der Flüchtlingskrise die Stabsstelle
Asyl im Staatsministerium des Inneren leitete.
Nicht zuletzt in der Flüchtlingskrise konnte sich
Dirk Diedrichs von der großen Fachkunde und
Leistungsfähigkeit des SIB überzeugen.
Dirk Diedrichs
Amtschef des Staatsministeriums der Finanzen
Matthias Zier
Referatsleiter im Staatsministerium der Finanzen
Seit Gründung des SIB zum 1. Januar 2003 berät und unterstützt der Verwaltungsrat die
Geschäftsführung. Zu diesem Zweck unterrichtet sie das Gremium in den zwei- bis dreimal
pro Jahr stattfindenden Sitzungen über alle wesentlichen Maßnahmen der Unternehmens-
planung und -entwicklung sowie über den laufenden Geschäftsbetrieb. Die Mitglieder des
Verwaltungsrates werden vom Sächsischen Staatsminister der Finanzen berufen. Mit ihren
beruflichen Erfahrungen und dem Blick „von außen“ geben sie der Geschäftsführung Hilfe
und Unterstützung bei der Bewältigung ihrer vielfältigen Aufgaben, nehmen Strukturen,
Prozesse und Aufgaben kritisch unter die Lupe und engagieren sich auch außerhalb ihrer
Beratungs- und Unterstützungsfunktion als Botschafter des SIB.

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21
SIB INTERN
2 | 2021
Jens Otto ist Professor für Baubetriebswesen an
der TU Dresden und leitet das gleichnamige In-
stitut. Er studierte Bauingenieurwesen an der TU
Dresden und der City University London sowie
Wirtschaftswissenschaften an der FernUniver-
sität Hagen. Durch seine langjährigen Berufs-
erfahrungen im operativen Baugeschäft besitzt
Prof. Jens Otto eine umfassende ingenieurtech-
nische und betriebswirtschaftliche Expertise in
der Bauunternehmensführung sowie im Bau-
projektmanagement. Die Lehr- und Forschungs-
arbeit an seinem Institut beschäftigt sich neben
bautechnischen und bauvertraglichen Frage-
stellungen vor allem mit der Digitalisierung von
Planungs- und Bauabläufen sowie mit immobi-
lienspezifischen Themen, wie adaptive Gebäu-
destrukturen, kostenoptimierte und nachhaltige
Baukonstruktionen. Zu diesen Themen ist Prof.
Jens Otto beratend tätig und hat zahlreiche Auf-
sätze und Fachbücher veröffentlicht.
In seiner Funktion als Mitglied des Verwaltungs-
rates des SIB will er seine Erfahrung besonders
bei strategischen und projektbezogenen Frage-
stellungen einbringen und die Entwicklung des
SIB unter Beachtung der Präferenzen des Frei-
staates Sachsen sowie der Nutzer der vom SIB
betreuten Projekte fördern.
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Dipl.-Wirt.-Ing. Jens Otto
Professor für Baubetriebswesen, Institut für Baubetriebswesen, TU Dresden
Dipl.-Ing. Architekt Hans Bock
Regierungsbaumeister
Hans Bock studierte Architektur an der TU Mün-
chen, der ETH Zürich und der UC Los Angeles.
Seine berufliche Laufbahn begann er in der
Bayerischen Staatsbauverwaltung mit Statio-
nen in Landshut, München und Würzburg, wo
er Amtsvorstand am Universitätsbauamt war.
An der Obersten Baubehörde in München be-
treute er in der Stabsstelle für EDV verschiedene
IT-Projekte wie CAD, die Terminplansoftware
PRIMAVERA und die Fachdatenbank Hochbau.
Zudem begleitete er Organisationsprojekte wie
die Zusammenlegung der Hoch- und Stra-
ßenbauämter zu den Staatlichen Bauämtern.
Seit 2009 war er in der Obersten Baubehörde
und am Bayerischen Ministerium für Wohnen,
Bauen und Verkehr als Referatsleiter für Ver-
gabe- und Vertragsmanagement tätig. Ab 2013
war er Vorsitzender der Fachkommission Ver-
gabe und Recht der Bauministerkonferenz. Als
stimmberechtigtes Mitglied des Deutschen Ver-
gabe- und Vertragsausschuss wirkte er an den
VOB-Novellen 2012, 2016 und 2019 mit.
Seit dem 30. April 2020 ist Hans Bock im Ruhe-
stand und seit dem 1. Juli 2021 Mitglied des
SIB-Verwaltungsrates.
Direkt nach Abschluss eines wirtschaftswis-
senschaftlichen Studiums an der Universität
Leipzig begann Nannette Seidler Ihre Tätigkeit
in der sächsischen Finanzverwaltung. Seit Sep-
tember 1990 ist sie Beschäftigte des Finanzam-
tes Leipzig I. Neben dem fachlichen Einsatz in
der Steuerverwaltung ist sie seit 1993 auch in
verschiedenen Gremien der Personalvertretung
aktiv. Vor dem Hintergrund dieser langjährigen
Erfahrungen ist sie seit Mai 2016 als Vorsitzen-
de des Hauptpersonalrates des Staatsministe-
riums der Finanzen tätig und vertritt die Inter-
essen der Bediensteten des Geschäftsbereiches.
In dieser Funktion ist Nannette Seidler zudem
Mitglied des Verwaltungsrates SIB.
Engagierte und motivierte Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter sind das Herzstück für den Er-
folg des gemeinsamen Tuns. Bei allen Betrach-
tungen zu Strategien und Zielen, zu zukünfti-
gen Aufgaben und Strukturen des SIB müssen
deshalb die Belange der Beschäftigten gesehen
und beachtet werden. Diese immer wieder in
die Diskussion einzubringen, sieht sie als ihre
Aufgabe im Verwaltungsrat des SIB.
Nannette Seidler
Vorsitzende des Hauptpersonalrates des Staatsministeriums der Finanzen

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2 | 2021 AKTUELLE BAUPROJEKTE
Auf einen Blick
Dresden: Prunkvasen bereichern wieder den Großen Garten
Die Besucher des Großen Gartens in Dresden
können sich seit September 2021 wieder am
Anblick der beiden prächtigen Corradini-Prunk-
vasen
„Vier Elemente“ und „Vier Erdteile“ er-
freuen. Eindrucksvoll flankieren die aufwendig
erstellten Marmorkopien auf der Hauptallee im
Großen Garten den Zugang von der Lennéstra-
ße. Nach dem Aufbau wurden die imposanten
Skulpturen von der SIB-Niederlassung Dresden
I an die Staatlichen Schlösser, Burgen und Gär-
ten Sachsen übergeben. Seit Mitte des Jahres
2018 waren insgesamt zehn Bildhauerinnen
und Bildhauer aus Dresden, Berlin, Potsdam
und Großenhain mit der Kopie der verschie-
denen Einzelteile (Vasendeckel, -körper, -kopf,
-fuß und -schale) beauftragt. Die handwerk-
lich anspruchsvolle Anfertigung der einzelnen
Skulpturenteile erfolgte im traditionellen Punk-
tierverfahren. Wie bereits die Originale aus dem
18. Jahrhundert bestehen auch die Kopien aus
Carrara-Marmor. Die Beteiligung vieler Fach-
leute bei diesem umfangreichen Projekt und
der damit verbundene Erfahrungsaustausch
förderten die Kunstfertigkeiten der Bildhaue-
rinnen und Bildhauer.
Die aufwendige Anfertigung der Kopien ist Be-
standteil der Großen Baumaßnahme „Skulptu-
renprogramm im Großen Garten“, die der SIB im
Auftrag des Freistaates Sachsen durchführt. *
Holzbaupreis Sachsen geht auch an SIB
Der Landesinnungsverband des Zimmerer- und Holzbaugewer-
bes für Sachsen verlieh am 18. September 2021 den Holzbaupreis
an zwei gleichwertig erstplatzierte Bauprojekte. Einen der beiden
ersten Preise erhielt das Lehrgebäude* des Staatsbetriebes Sach-
senforst in Dresden-Klotzsche, welches unter der Projektleitung
der SIB-Niederlassung Dresden I entstand.
Die prämierte Lehrwerkstatt des Staatsbetriebes Sachsenforst be-
eindruckte die Fachjury vor allem durch die Klarheit und Konse-
quenz, mit welcher der Baustoff Holz eingesetzt wurde. Für den
L-förmigen Neubau des eingeschossigen Lehrgebäudes wurden
die zwei denkmalgeschützten Bestandsgebäude aufgegriffen
und die Holzrahmenbauweise als Konstruktionsart für den neu-
en Baukörper gewählt. Lobenswert für die Jury sind eine werk-
stoffgerechte Verwendung sowie die gelungene architektonische,
urbane Einfügung des
„Weiterbaues“ als wahrnehmbare Einheit.
Im Rahmen der Bauaufgabe wurden zeitgemäße Sanitärräume
für Lehrlinge und Ausbilder, ein Vorbereitungsraum sowie ein
Büro und ein Trockenraum samt Stiefelwaschanlage geschaffen.
Weiterhin stehen neue Nebenräume für Motorsägenreinigung,
Kraftstoff- und Gerätelager zur Verfügung. Unter den Dachüber-
ständen können die für die Ausbildung erforderlichen Hölzer ge-
lagert werden.
Architektur: Wiencke Architekten

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23
AKTUELLE BAUPROJEKTE
2 | 2021
* Die Maßnahmen werden mitfinanziert mit Steuermitteln
auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlos-
senen Haushaltes. Die Bauprojekte Fachgerichtszentrum
Leipzig, 1. Bauabschnitt Staatsanwaltschaft sowie der
Neubau Lehr- und Laborgebäude an der HTW Dresden
werden zudem mit Mitteln der EU aus dem Europäischen
Fond für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.
Kunst am Bau – Hochschule für Technik und Wirtschaft in Dresden
Für die EFRE-geförderte Baumaßnahme „Neu-
bau Lehr- und Laborgebäude“ an der Hoch-
schule für Technik und Wirtschaft in Dresden
hat die SIB-Niederlassung Dresden II nach ei-
nem vorgeschalteten offenen Bewerbungsver-
fahren einen nichtoffenen Wettbewerb „Kunst
am Bau“ durchgeführt. Die Jury war mit Ver-
tretern der Hochschule für Technik und Wirt-
schaft Dresden, des Sächsischen Staatsministe-
riums für Wissenschaft, Kultur und Tourismus,
des SIB sowie Künstlern vom Landesverband
Bildende Kunst Sachsen e. V. besetzt. Die Wett-
bewerbsaufgabe für den Neubau Lehr- und
Laborgebäude bestand darin, die zentrale Er-
schließung des Neubaus sowie den Hauptein-
gangsbereich künstlerisch zu gestalten. Unter
dem Vorsitz von Franziska Möbius (Landesver-
band Bildende Kunst Sachsen e. V.) wählte die
Jury den Künstler Roland Fuhrmann aus Dres-
den als Sieger.
Fachgerichtszentrum Leipzig – erster Bauabschnitt bereit für die Nutzung
Der im Mai 2021 fertiggestellte erste Bauab-
schnitt für die Staatsanwaltschaft im Fach-
gerichtszentrum Leipzig ist bereit für seine
Nutzung. Ausgehend vom bestehenden Amts-
gericht entsteht mit der Staatsanwaltschaft
und den Fachgerichten in drei Bauabschnitten
zwischen der Bernhard-Göring-Straße, Schen-
kendorfstraße und Alfred-Kästner-Straße das
Justizzentrum Leipzig. Die Staatsanwaltschaft
Leipzig ist bisher auf verschiedene Standorte
aufgeteilt, welche mit der Fertigstellung des
ersten Bauabschnitts des Justizzentrums größ-
tenteils abgelöst werden. Der zweite Bauab-
schnitt für die bedarfsgerechte Unterbringung
des Amtsgerichts inklusive Grundbuchamt so-
wie das Fachgerichtszentrum als dritter Bauab-
schnitt befinden sich derzeit noch in Planung.
Die im Oktober 2017 begonnene Baumaßnahme
für die Staatsanwaltschaft umfasst die Sanie-
rung der Bestandsgebäude an der Alfred-Käst-
ner-Straße und der Arndtstraße sowie die Er-
richtung eines Verbindungsbaus im Innenhof
des Areals. Unter der Leitung der SIB-Nieder-
Der Siegerentwurf „work in progress“, ein
Wandrelief als Trompe-l’oeil am Haupteingang
des Gebäudes, zeigt ein wandfüllendes Bildmo-
tiv. Es wurde auf Basis eines Fotos entworfen,
das die Baugerüste der Deckenschalung wäh-
rend der Bauphase an exakt dieser Stelle dar-
stellt. Von deren dichtem Geäst aus Gerüsten
und Verschalungen inspiriert, wird eine grafi-
sche und bautechnisch sinnfällige Struktur er-
zeugt und als scheinräumliches Relief, als ein
im Werden begriffenes „Trompe-l’oeil“ platziert.
Die Prozesshaftigkeit der Bauphase soll durch
die Kunst in den fertigen Bau hinübergerettet
werden. Der Neubau bleibt dauerhaft sichtbar
„work in progress“.
Der Freistaat stellt für die Realisierung der
künstlerischen Idee 125.000 Euro zur Verfü-
gung und fördert auf diese Weise zeitgenössi-
sche Bildende Kunst in Sachsen. *
lassung Leipzig I wurden die Bestandsgebäude
für Büros und einen Asservatenbereich her-
gerichtet. Im Neubau sind weitere Büros und
Flächen für Archive untergebracht.
Eine Besonderheit des Energiekonzepts stellt
die thermische Bauteilaktivierung der Stahl-
betondecke im Bereich des Neubaus dar. Durch
die Decken erfolgt ein Ableiten der Wärme,
welche über die normale Nachtauskühlung
(eine Fensterlüftung ist aus Sicherheitsgrün-
den nicht möglich) nicht gewährleistet werden
kann.
Die Bauinvestitionen betragen rund 41 Millio-
nen Euro. *
Architektur: kister scheithauer gross architekten und stadtplaner
Visualisierung des Entwurfs „work in progress“
von Roland Fuhrmann

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180-Grad-Raumschießanlage
der Polizeifachschule Schneeberg
Sachbearbeiter Betriebs-
technik/Elektrotechnik
Jens Karch vor dem
neuen Gebäude
Seite 4
www.sib.sachsen.de