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Wald unter der Lupe
Waldzustandsbericht 2009

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Inhaltsverzeichnis
Vorwort
5
Zusammenfassung
6
Forstliches Umweltmonitoring – Wald unter der Lupe
16
Stoffeinträge – mehr als genug
22
Die zweite Bodenzustandserhebung im Wald (BZE II) - Verbesserungen in Sicht?
28
Wachstumsanalysen – von Ring zu Ring
36
Der aktuelle Kronenzustand
42
Witterung
43
Allgemeine Situation und regionale Ausprägung
46
Kronenzustand an Nadelbäumen
48
Kronenzustand an Laubbäumen
53
Tabellarische Übersichten
58
Literaturverzeichnis
64
Glossar
65

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Vorwort
Der Wald bedeckt rund ein Drittel der Landesfläche des Freistaates Sachsen. Er ist ein unersetzlicher
Natur-, Wirtschafts- und Erholungsraum. Ein zentrales Anliegen der sächsischen Forstpolitik ist
es deshalb, den Schutz, die Sanierung und den Umbau der sächsischen Wälder nachhaltig zu ge-
währleisten. Hierfür bedarf es fundierter und verlässlicher lnformationen über den Waldzustand,
denn die Waldökosysteme werden von einer Vielzahl von Umweltveränderungen beeinflusst. Und
diese Veränderungen stellen teilweise eine Gefahr für die langfristige Funktionsfähigkeit der Wald-
ökosysteme und ihre nachhaltige Bewirtschaftung dar. Das forstliche Monitoring ist die Grundlage
für die Erhebung der relevanten Umwelteinflüsse und der daraus resultierenden ökologischen
Waldzustandsdaten. Der Ursprung des heutigen forstlichen Umweltmonitorings einschließlich
der jährlichen Waldzustandserhebung, hier der Schwerpunkt des aktuellen Waldzustandsberichts,
reicht zurück bis in die Anfänge der 1980er Jahre. Mit der ersten Waldschadenserhebung wurde
1984 das forstliche Monitoring begonnen. Da Luftverunreinigungen und Waldschäden auch vor
Ländergrenzen nicht Halt machten, wurde im selben Jahr mit dem lnternationalen Kooperations-
programm (lCP Forests) ein forstliches Überwachungsinstrument eingeführt. Dieses europaweite
forstliche Umweltmonitoring besteht bis heute. Zwei Jahre später wurde diese Datenerfassung
durch die ökologische Waldzustandskontrolle ergänzt.
Der Kronenzustand der Waldbäume in Sachsen hat sich aufgrund des günstigen Witterungsverlaufs
im Jahr 2009 gegenüber dem Jahr 2008 gering verändert. Er weist im Vergleich zu 2008 (16,6 %)
eine um 0,8 Prozentpunkte erhöhte mittlere Kronenverlichtung von 17,4 % auf. Der Kronenzustand
der Kiefer hat sich verbessert. Die anderen Baumarten wie Fichte, Eiche und Buche weisen eine
mehr oder weniger ausgeprägte Verschlechterung des Kronenzustandes gegenüber dem Vorjahr
auf. Bei der wichtigsten Wirtschaftsbaumart Fichte sind infolge der Sturmschäden von 2007
durch ,,Kyrill“ und des hohen Befalls durch den Borkenkäfer und den Großen Braunen Rüsselkäfer
die Risiken für die Bewirtschaftung weiterhin hoch. Schon seit dem 19. Jahrhundert werden in
Sachsen wissenschaftliche Untersuchungen zum Einfluss von Luftschadstoffen auf Bäume und
Wälder durchgeführt. 2009 jährt sich zum 200. Mal der Geburtstag des Pioniers der Tharandter
lmmissionsforschung, Prof. Dr. Julius Adolph Stöckhardt. Er bewies als Gutachter im Rahmen der
Hüttenrauchkonflikte in den sächsischen Metallhütten in Freiberg 1849 zum ersten Mal die Pflan-
zenschädlichkeit von Schwefeldioxid. lnzwischen erheben 41 Staaten nach einem in Europa abge-
stimmten Verfahren Stoffeinträge in Wäldern, den Kronenzustand und weitere, den Waldzustand
beeinflussende Parameter. Kooperationen bestehen auch mit ähnlichen Initiativen in Nordamerika
und Asien. Das forstliche Umweltmonitoring umfasst Großraumerhebungen auf einem systemati-
schen Stichprobennetz (Level I – die Waldzustands- und die Bodenzustandserhebung) und die in-
tensive Beobachtung bestimmter Umweltparameter auf ausgewählten Dauerbeobachtungsflächen
(Level ll). Der Wald hat heute nicht mehr unter so hohen Konzentrationen von Luftschadstoffen
wie noch in den 80er Jahren zu leiden. Die Säureeinträge sind geringer geworden, aber weiterhin
ein bestimmender Einflussfaktor. Was dem Wald heute zu schaffen macht, sind einerseits die in den
Waldböden über Jahrzehnte angesammelten Schadstoffe und Säurebildner und andererseits die
Auswirkungen abiotischer und biotischer Schadereignisse, die als frühe Anzeiger der beginnenden
Klimaänderung aufgefasst werden können. Deshalb ist die Fortführung des forstlichen Umweltmo-
nitorings unverzichtbar, um auf die Herausforderungen einer sich verändernden Umwelt reagieren
zu können.
Frank Kupfer
Sächsischer Staatsminister
für Umwelt und Landwirtschaft

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Zusammenfassung

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Im Jahre 1849 wurde in Sachsen zum ersten
Mal der Wald von einem Pionier der Umwelt-
analyse und Waldschadensforschung einge-
hend untersucht. Professor Adolph Stöckhardt
aus Tharandt – dessen Geburtstag sich im Jahr
2009 zum 200. Mal jährt – gelang als Erstem
der Nachweis, dass schweflige Säure den Wald
um die Freiberger Hütten schädige.
Vor fünfundzwanzig Jahren wurde mit der
Einrichtung des „Internationalen Kooperativ-
programms zum Schutz der Wälder vor grenz-
überschreitenden Luftverunreinigungen“ (ICP
Forests) im Rahmen der Genfer Luftreinhalte-
konvention das forstliche Umweltmonitoring
in Europa ins Leben gerufen. Die Ratifizierung
dieser Konvention durch die Bundesrepublik
Deutschland ist neben sich daraus ergebender
Berichtspflichten auch eine Grundlage ent-
sprechender Datenerhebungen in den Bundes-
ländern. Diese Aufgaben sind in Sachsen im
Sächsischen Waldgesetz verankert.
Nach Ratifikation der Konvention durch die Eu-
ropäische Gemeinschaft förderte die Kommis-
sion von 1986 bis 2006 durch Verordnungen
erfolgreich den Aufbau und den Betrieb der
pan-europäischen Messnetze sowie deren Me-
thodenharmonisierung. Sachsen, als eine der in
Europa am stärksten von Luftverschmutzung
betroffenen Regionen, hat 1992 für die Durch-
führung der ersten Bodenzustandserhebung
im Wald erstmalig an europäischen Förder-
mitteln teilgehabt. Seitdem werden jährlich
Mittel für den Aufbau, die Verbesserung, die
Intensivierung oder Auswertung der Monito-
ringsysteme genutzt.
Derzeit engagiert sich der Freistaat mit 39 an-
deren nationalen und internationalen Partnern
aktiv in einem Projekt im Rahmen des europä-
ischen Finanzierungsinstruments „LIFE+“. Ziel
ist die Fortentwicklung und Anpassung des
europäischen forstlichen Umweltmonitorings,
insbesondere an Anforderungen aus der Klima-
berichterstattung.
Die Mitarbeit in den zur nationalen Koor-
dination des forstlichen Umweltmonitorings
eingerichteten Bund-Länder-Arbeitsgruppen
leistet einen großen Beitrag für die Qualität
und Zuverlässigkeit der in Sachsen erhobe-
nen Daten und durchgeführten Auswertungen
von der Waldzustandserhebung über die che-
mische Analyse bis zur Dateninterpretation.
So wurden zum Beispiel auch Technologien
zur Regionalisierung von Waldzustandsdaten
übernommen und in Sachsen zur Auswertung
der Bodenzustandserhebung beziehungswei-
se Ausscheidung von Immissionsschadzonen
genutzt. Die Ergebnisse konnten international
publiziert und französischen Partnern direkt
vorgestellt werden.
Der Aufbau der forstlichen Umweltmessnetze
erfolgte in enger Absprache mit der Um-
weltverwaltung. So wurden komplementäre
Messnetze zur Luftüberwachung und Boden-
dauerbeobachtung eingerichtet, deren Daten
unter anderem 1996 ihren Teil zu erfolgreichen
Verhandlungen hinsichtlich der Reduktion von
Luftschadstoffen im damaligen „Schwarzen
Dreieck“ beitrugen. Die Umsetzung der eu-
ropäischen Wasserrahmenrichtlinie sowie die
Diskussion zum Klimawandel bieten wiederum
Gelegenheit, gemeinsam und erfolgreich das
Thema Wald und Wasser in Qualität und Quan-
tität zu bearbeiten. Daraus ergab sich auch die
Anpassung und Erweiterung des forstmeteo-
rologischen Messnetzes auf 17 Waldklimasta-
tionen.
Die langjährigen Messreihen des intensiven
Umweltmonitorings zielen auf die Beobach-
tung eines Ökosystems in allen Facetten ab.
Die Messflächen sind Fallstudien, an denen
Umwelteinflüsse bestimmt werden und deren
Auswirkung auf die Wälder über längere Zeit-
räume verfolgt werden können. Messungen
zu Stoffeinträgen und Meteorologie werden
ergänzt durch vegetationsökologische, walder-
nährungs- und bodenkundliche Erhebungen.
Der multimediale Ansatz erlaubt dabei nahezu
ganzheitliche Aussagen zu Ursache-Wirkungs-
beziehungen in Waldökosystemen.
Die Ergebnisse können im Sinne der nachhal-
tigen Nutzung der natürlichen Ressourcen
verwendet werden, um Aussagen zu deren Ge-
fährdungs- und Entwicklungspotenzialen zu
treffen. Die großflächigen Messnetze der Wald-
und Bodenzustandserhebung ergänzen das in-
tensive Monitoring durch die Einordnung der
gemachten Beobachtungen in den regionalen
Kontext.
Eine konkrete Prognose der Auswirkung von
Stickstoffeinträgen in Ökosysteme ist schwie-
rig. Dieser essentielle Pflanzennährstoff wird
je nach Ökosystemzustand und beispielsweise
zukünftigen klimatischen Veränderungen un-
terschiedlich verwertet. Der aus wissenschaft-
lichen Untersuchungen abgeleitete internati-
onale Vorsorgewert zum nachhaltigen Schutz
der Ökosysteme vor Eutrophierung durch luft-
bürtige Stickstoffeinträge ist für Wälder mit
10 bis 20 Kilogramm pro Hektar und Jahr
angegeben. Der auf den Freiland-Untersu-
chungspunkten der Forstlichen Dauerbeob-
achtungsflächen gemessene Stickstoffeintrag
verminderte sich auf etwa die Hälfte der 1996
ermittelten Werte und beträgt derzeit zwischen
9,4 und 12,7 Kilogramm pro Hektar und Jahr.
In den Wäldern ist die Stickstoffdeposition
infolge des „Auskämmeffekts“ der Baumkronen
höher. In Abhängigkeit von Baumartenzusam-
mensetzung und Bestandesstruktur beträgt
hier der diesjährige Stickstoffeintrag mehr als
das Eineinhalbfache bis zum Dreifachen der
Freilandwerte.
Die Gegenüberstellung der nach bundeseinheit-
lichen Methoden ermittelten standortstypischen
kritischen Belastungsraten für Versauerung zei-
gen den Erfolg der Luftreinhaltemaßnahmen
für Schwefel, aber ein gleich bleibendes Pro-
blem mit Stickstoffüberschüssen.
An einem für das Tiefland repräsentativen
Messpunkt in Laußnitz kann gezeigt werden,
dass trotz Überschreitens der kritischen Be-
lastungsrate in den letzten 14 Jahren keine
negativen Wirkungen auftraten. Weder der
Kronenzustand, der Ernährungsstatus des Kie-
fernbestandes oder die Zusammensetzung der
Bodenvegetation legen bisher eine Belastung
nahe. Auch das Sickerwasser ist bisher nicht
mit Nitrat belastet. Diese scheinbar beruhigen-
den Feststellungen dürfen aber nicht darüber
hinwegtäuschen, dass in befrachteten Fichten-
ökosystemen bereits Stickstoff in großen Men-
gen ausgetragen wird. Dies ist in natürlichen
Ökosystemen ohne Stickstoffüberschuss nur
bei gravierenden Störungen des Stoffhaushalts
zu erwarten.
Der Versauerungsstatus der sächsischen Wald-
böden wurde im Rahmen der zweiten bundes-
Blick auf die Dauerbeobachtungsfläche Laußnitz

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weiten Bodenzustandserhebung (BZE II) 2006 untersucht. Für die Gesamtstichprobe lassen sich
signifikante Rückgänge der Säurekonzentrationen und damit ein Anstieg des pH-Werts im Haupt-
wurzelraum bis 90 cm Bodentiefe nachweisen. Besonders ausgeprägt sind diese Änderungen in den
Humusauflagen und im Mineralboden bis in eine Tiefe von 10 cm. Die Änderungsraten nehmen mit
der Tiefe ab. Demzufolge sind die Puffermöglichkeiten gegen Säureeinträge in den Oberböden leicht
verbessert. Im Gesamtstatus sind die Böden jedoch weiter als sehr sauer einzustufen. Bezüglich
der Basensättigung sind Abnahmen gegenüber der BZE I zu verzeichnen. Im Hauptwurzelraum bis
90 cm Bodentiefe liegt die durchschnittliche Basensättigung unter 15 % und ist damit als „gering“
zu bewerten. Das Phänomen einer Erhöhung des pH-Wertes ohne eine damit einhergehende Verbes-
serung des Basenzustandes tritt in mehreren Bundesländern auf und wird als Folge der Auflösung
vormals gespeicherten Aluminiumsulfats angesehen.
Eine gesonderte Betrachtung der Ergebnisse nach Substrattypen führt zu differenzierten Aussagen,
wobei aufgrund der Stichprobengröße nicht immer abgesicherte Aussagen getroffen werden kön-
nen. Von besonderem Interesse sind die Effekte der Bodenschutzkalkung, welche die Substratgrup-
pen Magmatite und Metamorphite der Festgesteinsböden des Erzgebirges betreffen.
Durch die Kalkung wurden bisher nur die Humusauflage und der oberste Mineralboden (0–5 cm
Tiefe) in ihrem Säurestatus verbessert. Entsprechend ist die Basenversorgung von der Versorgungs-
klasse „gering“ (5–15 %) in die Klasse „mäßig basenversorgt“ (15–30 %) angehoben worden. Nach
leichten Verbesserungen bis 30 cm in der gekalkten Gruppe erfolgt in tieferen Bodenschichten
beider Gruppen im Verhältnis zur Erhebung 1992 ein nicht signifikanter Rückgang der Basensätti-
gung.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Bodenschutzkalkung bisher nicht – wie zum Teil befürchtet – zu
massiven Nivellierungen der Waldböden geführt hat. Tiefer gehende Auswertungen der BZE II in
Sachsen – auch aus vegetationsökologischer Sicht – werden in Kooperation mit anderen Bundes-
ländern durchgeführt. Dabei ist die wichtige Frage zu klären, wie lange die Böden nach 150 Jahren
massiver Säurebefrachtung durch Menschenhand noch restauriert werden müssen.
Klimatische Rahmenbedingungen beeinflussen maßgeblich die Verbreitung, Vitalität und Konkur-
renzstärke der Baumarten. An den dominierenden Baumarten der Leitwaldgesellschaften orientieren
sich Bestandeszieltypen (BZT) und künftige Waldentwicklungstypen (WET) der Forstwirtschaft. Unter
Berücksichtigung der fortschreitenden Klimaänderung gewinnen tiefer gehende Kenntnisse zum
Einfluss von Witterung und Klima auf das Wachstum von Bäumen und deren Vitalität zunehmend an
Bedeutung. Darum ist die Herleitung spezifischer Klimakennwerte mit Bezug zur ökologischen Valenz
der Baumarten Voraussetzung für eine nachhaltige Bewirtschaftung der sächsischen Wälder.
Hinsichtlich der Einwirkung von Klimaveränderungen auf das Waldwachstum wurden an typischen
Standorten für Fichte und Kiefer unter Einbeziehung von Monitoringflächen Untersuchungen mit-
tels vorhandener Jahrringanalysen und Stammscheibenauswertungen durchgeführt. Dazu wurden
Schätzmodelle für die beiden Hauptbaumarten Sachsens entwickelt. Die Ergebnisse zeigen, dass
die Fichte bei angespannter Wassersituation mit deutlichen Zuwachseinbrüchen reagiert. Bei der
Kiefer hingegen sind bis auf extreme Trockenjahre keine markanten Zuwachsverluste zu befürchten.
Damit wird die Notwendigkeit des seit den 1990er Jahren in Sachsen aktiv betriebenen Waldum-
baus bestätigt. Schwerpunkt bildet hierbei der Umbau von Fichtenreinbeständen im Löss-Hügelland
sowie im Erzgebirgsvorland und Vogtland in stabilere Mischbestände. Im Zusammenhang mit den

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Unwägbarkeiten von Klimawandel und Schadorganismenentwicklung gewinnt die Option zu Wäl-
dern mit vielfältigen standortsgerechten Baumartenmischungen, einschließlich der differenzierten
Betrachtung der Neophyten, zunehmend als Klimawandel-Anpassungsstrategie an Bedeutung.
Waldzustand 2009
Der Kronenzustand der Waldbäume hat sich über alle Baumarten und Altersklassen gegenüber dem
Jahr 2008 kaum verändert. Die in diesem Jahr auf 283 Stichprobenpunkten erfassten 6.792 Pro-
bebäume wiesen eine um 0,8 Prozentpunkte schlechtere mittlere Kronenverlichtung von 17,4 %
auf. Gemäß der Verteilung der Kombinationsschadstufen werden 18 % der Waldfläche als deutlich
geschädigt (Schadstufen 2–4), 40 % als schwach geschädigt (Schadstufe 1) und wie schon im Vor-
jahr 42 % ohne erkennbare Schadmerkmale (Schadstufe 0) eingestuft.
Bei Betrachtung der Baumartengruppen sind jedoch zwei grundsätzlich verschiedene Entwicklun-
gen zu erkennen, die sich in der Gesamtheit der Stichprobe weitestgehend aufheben. In diesem Jahr
verbessert sich die Kiefer deutlich, sowohl in den jüngeren als auch in den älteren Altersklassen und
erreicht einen mittleren Nadelverlust von 14,6 %.
Demgegenüber verschlechtert sich die Benadelung der Fichte. Mit einer durchschnittlichen Kronen-
verlichtung von 17,1 % ist die leichte Verbesserung des Vorjahres wieder aufgebraucht. Die Verluste
treten insbesondere in den Unteren Berglagen und im Hügelland auf. Damit verstärkt sich die über
die gesamte Zeitreihe zu erkennende Belastungsumkehr mit abnehmenden Nadelverlusten in den
Höheren Berglagen und zunehmendem Stress in wärmeren und trockneren Lagen. Auch die sonsti-
gen Nadelbaumarten weisen weiterhin einen Anstieg der Nadelverluste auf.
Bei der Eiche hat sich in diesem Jahr der Kronenzustand merklich verschlechtert. Hier wirken bio-
tische Faktoren wie die erhebliche Fruktifikation, Schäden durch Pilze (z. B. Mehltaubefall an Eiche)
und in begrenztem Maße Insektenbefall negativ auf das Erscheinungsbild der Eichenkronen.
Die Buche erreicht in diesem Jahr einen neuen Maximalwert im mittleren Blattverlust von fast 30 %.
Anders als die Eichenarten, die ein hohes Regenerationsvermögen der Kronenstruktur nach Trocken-
phasen innehaben, vermögen Buchen die jeweils im Folgejahr nach den Trockenperioden 2003 und
2006 aufgetretenen Strukturschäden nicht zu kompensieren. In Verbindung mit den hohen Anteilen
Früchte tragender Buchen und der Intensität des Fruchtbehanges wird in diesem Jahr auch das
bisherige Maximum von 2004 überschritten. Nahezu unverändert blieb der Kronenzustand bei der
Gruppe der sonstigen Laubbaumarten bei 18,7 %.
Aufgrund ihrer Dominanz in der Stichprobe wirken sich die Verbesserungen des Kronenzustandes
der Nadelbäume immer deutlich auf das Gesamtergebnis aus. Diese Verbesserungen bei der Kiefer
und die Stagnation bei der Fichte dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass aufgrund gestörter
Bestandesstrukturen in Folge der Sturmschäden durch „Kyrill“ und der hohen Ausgangsdichte ver-
schiedener Borkenkäferarten und Kulturschädlinge wie dem Großen Braunen Rüsselkäfer weiterhin
hoch sind. Es bestehen nach wie vor hohe Potenziale, welche zu Folgeschäden in den nächsten
Jahren führen können.
Nachdem der Befall durch Rinden brütende Borkenkäfer in Fichtenbeständen 2008 das Maximum
der letzten 40 Jahre erreicht hatte, gingen die Schäden in diesem Jahr wieder auf das Niveau des
Zeitraumes 2004–2007 zurück. Sie lagen damit jedoch deutlich über den Werten von 2003. Andere
biotische Schadfaktoren beeinflussten lokal den Kronenzustand einzelner Baumarten.

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Summary
A close eye on the forest
In 1849, the forest in Saxony was thoroughly
examined for the first time by a pioneer in
environmental analysis and forest damage
research. Professor Adolph Stöckhardt from
Tharandt – the 200th anniversary of whose
birth is remembered in 2009 – was the first
to prove the detrimental impact of sulphurous
acid on the forest around the Freiberg smelt-
ers.
Twenty-five years ago, the International Co-
operative Programme on Assessment and
Monitoring of Air Pollution Effects on Forests
(ICP Forests) under the Geneva Convention
on Long-range Transboundary Air Pollution
was the starting point for forest environmen-
tal monitoring in Europe. The ratification of
said Convention by the Federal Republic of
Germany with its associated reporting duties
forms the basis for relevant data collection
schemes in the German states. In Saxony, said
tasks and duties are laid down in the Saxon
Forest Act.
After ratification of the Convention by the Eu-
ropean Communities, the Commission success-
fully promoted the setting up and operation
as well as monitoring method harmonisation
of the pan-European measuring networks by
means of various Regulations between 1986
and 2006. Saxony – one of the most air-
polluted regions in Europe – received European
funding for the first time in 1992 to carry out
the first soil condition inventory in the forest.
Since then, annual funds have been used for
building up, improving, intensifying, or evaluat-
ing the monitoring systems.
At present, the Free State of Saxony is com-
mitted to a project within the European
financial instrument “LIFE+” in cooperation
with 39 other national and international
partners. The aim is to enhance and adjust
the European forest environmental monitor-
ing scheme especially to climate reporting
requirements.
The collaboration in various German federal/
state working groups set up for the coordina-
tion of the forest environmental monitoring
activities contributes a lot to the quality and
reliability of the data obtained and evaluated
in Saxony – from the forest condition inven-
tory to chemical analyses via data interpre-
tation. Technologies for the regionalisation
of forest condition data were for instance
adopted in Saxony and used for the evalua-
tion of the soil condition inventory or for the
identification of damage zones. The results
were published on an international scale
and directly presented to French partners.
The forest environment measuring networks
were set up in close coordination with the
environment administration. Complementary
networks for air monitoring and continuous
soil observation were established and the
data delivered by them contributed largely
to the successful outcome of the 1996 ne-
gotiations on the reduction of air pollutants
in the transboundary region formerly known
as “Black Triangle”. The implementation of the
European Water Framework Directive and the
discussion of the climate change offer again
the opportunity to join efforts for successful-
ly dealing with the subject of forest and water
in both qualitative and quantitative terms.
As a result, the forest meteorological network
was adjusted and extended to 17 forest climate
stations.
The long-term series of measurements from
intensive environmental monitoring are direct-
ed to the close observation of an ecosystem
in all facets. The measuring plots are case stu-
dies for identifying environmental influences
and observing their impact on the forests
over longer periods. Surveys on vegetation
ecology, forest nutrition and soils provide
additional data complementary to material
input and meteorological measurements. The
multimedial approach allows for an almost
holistic statement on the cause-and-effect
relations in forest ecosystems.
The results are useful to assess the risk and
development potentials of natural resources
in the interest of their sustainable use. The
large-scale measuring networks for the forest
and soil condition inventories are comple-
mentary to intensive environmental monitor-
ing and integrate the observations into a
regional context.
It is difficult to make a precise forecast of the
impacts of nitrogen inputs into ecosystems.
This essential plant nutrient is consumed
in different ways, depending on the actual
condition of the ecosystem and, for instance,
on future climatic changes. The international
precautionary level, which was derived from
scientific studies, for the sustained protection
of the ecosystems against eutrophisation by
air-borne nitrogen inputs, ranges between
10 and 20 kilograms per hectare and year. At
present, the nitrogen input at the monitoring
points of the continuous forest observation
plots in the open field is approximately 10 kg
per hectare and year. These values are higher
in the forests because of the filtering effect of
the tree canopy.
The comparison with the critical load rates
for acidification determined for typical sites
according to Germany-wide methods shows
that the atmospheric pollution control measu-
res for sulphur have been successful, whereas
the problem from excessive nitrogen amounts
remains unchanged.
The measuring point located in Laußnitz is
representative for the lowlands and makes it
possible to demonstrate that there have been
no detrimental effects during the past 14 years
despite the fact that the critical load rate was
exceeded. Neither the crown condition nor
the nutrition status of the pine stand, nor
the composition of the soil vegetation show
any sign of pollution so far. This is also true
for the seepage water where no nitrate loads
could be found. However, these apparently
reassuring findings should not make us forget
that large amounts of nitrogen are already
emitted by polluted spruce ecosystems. In
natural ecosystems without nitrogen excess,
such effects will occur only in case of critical
disturbances of the material balance.
The acidification status of the Saxon forest
soils was investigated within the scope of the
second Germany-wide Soil Condition Inven-
tory (BZE II) in 2006. The total sample showed
significant reductions in acid concentrations
and thus a rising pH in the main rooting
zone up to 90 cm. The changes are especially
marked in the humus layers and in the min-
eral soil up to a depth of 10 cm. The rates
of change tend to be lower with increasing
depth. Therefore, the buffer potentials against
acid inputs have slightly improved in the top
soils. The general soil status, however, must
still be classified as very acid. In terms of base
saturation, we can see reductions since the
first Forest Soil Inventory (BZE I). The main
rooting zone (up to 90 cm) shows an average
base saturation of less than 15 % and thus is
to be regarded as “low”. The phenomenon of
a higher pH without a parallel improvement
of the base saturation status can be found
in several German states and is considered to
be the result of the dissolution of previously
stored aluminium sulphate.
A separate assessment of the results by sub-
strate types gives a differentiated picture, but
the sample sizes are not always sufficient for
reliable statements. Of particular interest are
the effects of lime treatment on the mag-
matite and metamorphite groups of rocks in
the Erzgebirge mountains. The lime treatment
has so far improved the acid status only for
the humus layer and the uppermost mineral

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soil (depth from 0 to 5 cm). Accordingly, the
base supply was raised from the supply class
“low” (5–15 %) to “medium” (15–30 %). After
slight improvements up to 30 cm in the lime-
treated group, the deeper soil layers of both
groups show a non-significant reduction in
base saturation as compared with the values
obtained in the 1992 inventory.
The results show that the lime treatment has
not caused massive levelling effects in the
forest soils – in contrast with what had been
feared. More detailed evaluations of the BZE II
forest soil condition inventory in Saxony –
also under vegetation ecological aspects – are
being performed in cooperation with other
German states. Among other items, it is
important to find an answer to the crucial
question of how long it will take to rehabili-
tate and restore the soils after 150 years of
massive anthropogenic acidification.
Climatic framework conditions have a cru-
cial impact on the distribution, vitality and
competitive strength of the tree species. The
dominating tree species of the index forest
communities form the basis for the definition
of target stand types and future forest devel-
opment types (FDT) in forestry. Faced with
the progressive global climate changes, it is
more and more important to gain better in-
sight into the impacts of weather and climate
on tree growth and tree vitality. Therefore,
it is necessary to identify and relate specific
climate values to the ecological valence of the
tree species as a basic condition for the sus-
tainable management of the Saxon forests.
Typical sites for spruce and pine were ex-
amined in conjunction with monitoring plots
using existing tree ring analyses and trunk
cross-sections to determine the impacts of
the climate change on forest growth. Esti-
mation models for the two main tree species
in Saxony were developed for this purpose.
The results show that spruce suffers a clear
growth loss in a water-pressed situation. On
the other hand, no drastic growth loss must
be feared for pine, except in years of extreme
drought. This confirms once more the neces-
sity of the proactive forest reconstruction ac-
tivities started in the 1990-ies. Main emphasis
is placed on the reconstruction of pure spruce
stands in the loess hill country as well as in
the Erzgebirge foothills and in the Vogtland
mountains with the goal to provide mixed
stands with a better stability. In connection
with the uncertainties related to climate
change and harmful organisms, the option
to create forests with a site-adapted mix of
diverse tree species, including a differentiated
approach to neophytes, gains more and more
in importance as a strategy of climate change
adjustment.
Forest condition in 2009
The crown condition of the forest trees across
all tree species and age classes has scarcely
changed since 2008. In this year, 6,792 test
trees were investigated in 283 sampling points
and showed a crown thinning degree of 17.4 %,
which is a reduction by 0.6 percentage points.
According to the distribution of the combined
damage classes, 18 % of the forest area is
classified as clearly damaged (classes 2 to 4),
40 % as mildly damaged (class 1) and, similar
to last year’s results, 42 % as showing no rec-
ognisable signs of damage (class 0).
However, when considering the tree species
groups, we see two basically diverging trends,
which largely level off over the entirety of the
sample. This year, pine improved a lot both in
the younger and in the older age classes with
a mean defoliation level of 14.6 %.
In contrast, defoliation has deteriorated for
spruce. This year’s mean crown thinning level
of 17.1 % absorbs the slight improvement
made in the previous year. The needle loss oc-
curs especially in the lower mountain ranges
and in the hill country. The whole time series
reveals a trend of load reversal with less
defoliation in higher altitudes and more stress
in warmer and dryer locations. There still is an
increasing trend of needle loss also for other
coniferous tree species.
The crown condition for oak has noticeably
deteriorated this year. The general appearance
of the oak crowns is affected by biotic factors
such as considerable fructification, damage
by fungi (e.g. mildew infestation of oak) and,
to a limited extent, insect infestation.
This year’s mean defoliation level for beech
attained a new maximum of almost 30 %.
In contrast with oak species, which have a
high regenerative capacity for restoring their
crown structure after drought phases, beech
trees are not able to repair the structural
damage they suffered in the years directly
following the drought periods of 2003 and
2006. In connection with the high percentage
of fruit-bearing beeches and the high fruit
load intensity, this year will again exceed the
previous maximum (2004). The crown condi-
tion for the group of other deciduous tree spe-
cies is 18.7 % and thus has remained almost
unchanged. Crown improvements for conifer-
ous trees always have a great impact on the
overall result due to their general dominance
in the sample. However, said improvements in
pine and said stagnation in spruce should not
make us forget that risks are still high due to
the disturbed stand structures and damage
from the storm „Kyrill“ and due to the high
density of various bark beetle species and
pests like the pine weevil (Hylobius abetis). So
there still are high potentials for subsequent
damage during the years to come.
The infestation of spruce stands with wood-
inhabiting bark beetles attained a 40-year
maximum in 2008; this year the damage went
down to the level of 2004 to 2007. But the
beetle-induced damage still is clearly higher
than the damage reported in 2003. Other
biotic agents affected the crown condition of
individual tree species on a local basis.

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Shrnutí
Les pod lupou
V roce 1849 les v Sasku byl poprvé sledován
průkopníkem rozboru životního prostředí a
průzkumu poškození lesa. Profesor Adolph
Stöckardti z Tharandtu, jehož 200. narozeni-
ny si připomeneme v roce 2009, mohl jako
první dokázat, že kyselina syřičitá vážně
poškodí lesy kolem Freibergských hutí.
Na základě mezinárodního programu spol-
upráce pro posuzování vlivů znečištění
ovzduší na lesy (ICP Forest) před pětadvaceti
lety v rámci Ženevské úmluvy o dálkovém
znečišťování ovzduší přesahujícím hranice
států, bylo zavedeno monitorování lesů v
Evropě. V souvislosti s ratifikací této úmlu-
vy Spolkovou republikou vyplynuly z to-
ho závazné povinnosti reportingu, který je
základem shromáždění dat v německých
spolkových zemích. Tyto úkoly jsou zakot-
veny v saském lesním zákoně.
Po ratifikaci Ženevské úmluvy Evropským
společenstvím Komise v období 1986 do
2006 na základě nařízení Rady úspěšně
podporovala vytváření a provozování pa-
nevropského systému monitorování a har-
monizace metod. Vzhledem k znečištění
ovzduší Sasko patří k nejvíce exponovaným
regionům v Evropě, v roce 1992 Sasko po-
prvé obdrželo finanční prostředky z evrops-
kých grantových programů na inventarizaci
půdních poměrů v lesu. Od té doby jsou v
každém roce využívány finanční prostředky
na vytváření, zlepšení, inventarizaci nebo
vyhodnocování systémů monitoringu.
V současné době se Svobodný stát Sasko
spolu s 39 národními a mezinárodními part-
nerskými organizacemi aktivně angažuje
na projektu v rámci evropského finančního
nástroje „LIFE+“ . Cíl toho projektu spočívá
v dalším rozvoji a přizpůsobení evropské-
ho systému monitoringu zdravotního stavu
lesa zejména požadavkům reportingu o
změně klimatu.
Pro účely národní koordinace systematické-
ho monitoringu lesních porostů byly
založeny pracovní skupiny se zástupci spol-
kových a zemských orgánů. Spolupráce
v těchto pracovních skupinách významně
přispívá k dobré kvalitě a spolehlivosti v
Sasku shromážděných a vyhodnocených
dat od šetření zdravotního stavu lesů přes
chemické rozbory až k interpretaci dat.
Například byly převzaty technologické pos-
tupy k regionalizaci dat o zdravotním stavu
lesů a použity v Sasku pro účely vyhod-
nocení půdních poměrů resp. vymezení
oblastí imisních škod. Výsledky byly publi-
kovány v mezinárodním měřítku a přímo
prezentovány francouzským odborníkům.
Vytváření sítě na monitorování lesa bylo
provedeno v těsné spolupráci se správou
životního prostředí. Byly vytvořeny kom-
plementární měřící sítě pro kontrolu jakos-
ti ovzduší a permanentní sledování půd,
přičemž tyto údaje mezi jiným přispívaly
k úspěšným jednáním o redukci emisí
hlavních škodlivin v tehdejším „černém tro-
júhelníku“ v roce 1996. Implementace ev-
ropské rámcové směrnice o vodní politiku
jakož i diskuse o změně klimatu zároveň
poskytují možnosti na společné zpraco-
vání tématu les a voda vzhledem k jakosti
a množství. Na základě toho došlo také k
rozšiřování meteorologické sítě měření, která
teď zahrnuje 17 měřicích stanic v lesích.
Cíle dlouhodobého měření v rámci inten-
zivního monitoringu jsou zaměřeny na
sledování všech oblastí ekosystému. Mo-
nitorovací plochy slouží jako případové stu-
die, na kterých se stanoví vlivy životního
prostředí a dlouhodobé dopady na lesy.
Měření o depozici látek a meteorologické
ukazateli budou doplněny údaji o vegatici,
nutriční degradaci porostů a stavu půd.
Tento multimediální přístup přitom posky-
tuje téměř celistvé vysvětlení vztahů příčin
a následků v lesních ekosystémech.
Výsledky mohou být používány v smyslu
udržitelného využití přírodních zdrojů, aby
na jejich základě byly posuzovány stupně
ohrožení zdrojů a další průběh vývoje.
Velkoplošné monitorovací sítě na sledování
zdravotního stavu lesa a půdních poměrů
doplňují systematický monitoring tím, že
se získané údaje budou posuzovány podle
místních podmínek.
Konkrétní prognóza dopadů depozice dusí-
ku v ekosystémech je složitá. Tato význa-
mná živina pro rostliny se různě využívá v
závislosti na stavu lesních ekosystémů a
například budoucích klimatických změnách.
Podle současných vědeckých výzkumů me-
zinárodní hodnota 10 až 20 kilogramů
dusíku na hektar za rok je považována jako
preventivní pro udržitelnou ochranu eko-
systému před eutrofizací atomosferickým
dusíkem. Na sledovaných místech lesních
monitorovacích ploch činí depozice dusí-
ku na volných plochách zhruba 10 kg na
hektar za rok. Přímo v lesu je hodnota
vyšší, protože koruny „vyčesávají“ dusík z
atmosféry.
Srovnání kritických zátěží okyselování,
zjištěných podle jednotných metod a
přístupů pro typické stanoviště, svědčí
o úspěšných opatřeních na ochranu
ovzduší v případě síry, zatímco problém s
nadbytečným dusíkem i nadále trvá.
Na příkladu měřícího bodu v Laussnitzi
reprezentativní pro nížinu, můžeme do-
kládat, že přes překročení kritické zátěže v
posledních 14 letech nedošlo k negativním
dopadům. Ani stav korun, ani stav výživy
borového porostu nebo složení půdní ve-
getace dosud nevykazují zatížení. Také
průsakové vody (odtoky) dosud nejsou
zatěžovány nitráty. Tyto zdánlivě uspokojivé
skutečnosti musíme však vidět v souvislosti
s tím, že ekosystémy zatížených smrkových
porostů jsou schopny vázat velké množství
dusíku. V přírodních ekosystémech bez
přebytečného dusíku lze to předpokládat
pouze při závažném porušení koloběhu
látek.
Okyselování lesních půd v Sasku bylo šetřeno
v rámci druhé celostátní inventarizace půd
(BZE II), která proběhla v roce 2006. V rámci
námatkové kontroly lze dokázat významný
pokles koncentrace kyselin a v souvislosti
s tím i zvyšování ph v hlavním kořenovém
systému do 90 cm. Tyto degradační vlivy
se nejvíce projevují v nadložním humusu a
v nejsvrchnějších 10 cm minerální půdy a
zmenšují se hloubkou půdy. S ohledem na
to je přirozená pufrační schopnost na ky-
selé vstupy mírně zlepšována ve svrchních
půdách. Celkově však musíme charak-
terizovat půdy i nadále za velmé kyse-
lé. Vzhledem k stupni nasycení bázickými
prvky došlo ve srovnání s BZE I k poklesu.
V hlavním kořenovém systému do 90 cm
činí průměrné nasycení méně než 15 % a
je tím klasifikováno jako „nízké“. Fenomén
zvyšování ph bez souběžného zlepšování
stavu bázických kationtů byl pozorován i
v jiných německých spolkových zemích a
je považován za následek rozpuštění dříve
uloženého sirána hlinitého.
Samostatné posuzování výsledků šetření
podle substrátů vede k diferencovaným
výsledkům, přičemž na základě rozsahu
námatkových kontrol není možné uvést
zajištěné výsledky. Zvláštní pozornost si
zaslouží dopady vápnění lesních půd, které
se týkají substrátů typů magmatity a me-
taformity kamenitých vrstev v Krušných
horách. Vápněním došlo dosud pouze
ke zlepšování kyselé depozice náložního
humusu a nejsvrchnější minerální půdy
(0–5 cm). Podle toho nasycení bázemi se
změnilo z kategorie „nízké nasycení“ (5–15 %)

| 13
na kategorie „mírné nasycení „ (15–30 %).
Zatímco ve vápněných skupinách do 30 cm
došlo k mírnému zlepšení, byl v hlubších
vrstvách obou skupin vykazován nevýzna-
mný pokles nasycení bázemi ve srovnání s
výsledky šetření roku 1992.
Výsledky ukazují, že vápněním nedošlo k
masivní nivelizaci lesních půd, jak bylo z
části předpokládano. Ve spolupráci s jinými
spolkovými zeměmi se provede podrobné
vyhodnocení výsledků BZE II v Sasku také z
vegetačně – ekologického hlediska.
Přitom je třeba řešit otázku, jak dlouho
musíme ještě provést opatření k restauraci
lesních půd, které byly po dobu 150 let
vystaveny značným antropogenním vlivům
a okyselování.
Rámcové klimatické podmínky podstatně
ovlivňují rozšíření, vitalitu a konkureční sílu
dřevin. Cílové typy zakmenění porostu (BZT)
a budoucí typy na úpravu lesa (WET) se ori-
entují podle převažujících dřevin hlavních
lesních společenství. Vzhledem k procesům
změny klimatu mají stále větší význam de-
tailní znalosti o vlivech povětrnostních a
klimatických podmínek na růst dřevin a je-
jich živataschopnost. Proto je odvození spe-
cifických klimatických ukazatelů s návaz-
ností na ekologickou valenci druhů dřevin
předpokladem udržitelného hospodáření
saských lesů.
Vzhledem k dopadům klimatických změn
na růst lesních porostů na typických smrko-
vých a borových stanovištích za použití
monitorovacích ploch bylo provedeno
šetření, které bylo zaměřeno na stávající
rozbory letrokruhů a vyhodnocení kmeno-
vých výřezů. Za tímto účelem byly řešeny
odhadové modely obou hlavních druhů
dřevin v Sasku. Z výsledků šetření vyplýva-
lo, že smrk při napjaté vodní bilanci rea-
guje významnými přírůstovými ztrátami.
S výjímkou extrémního sucha na boro-
vých porostech však nemusíme počítat s
významnými přírůstovými ztrátami. Tím se
potvrdí nutnost přestavby lesních porostů
v Sasku, která je aktivně prováděna od de-
vatesátých let minulého století. Ve středu
pozornosti je přitom přestavba smrkových
monokultur na sprašové pahorkatině jakož
i v podhoří Krušných hor a Vogtlandsku na
porosty smíšené. Vzhledem k nejistotě a
pochybnosti v souvislosti se změnou kli-
matu a vývojem škůdců přibývá na význa-
mu opce stanovištně vhodných smíšených
porostů včetně diferencovaného přístupu
při posouzení neofytů. Dostatečná adapční
schopnost je významným předpokladem
stability lesních ekosystémů.
Zdravotní stav lesa v roce 2009
Stav korun lesních porostů u všech druhů
dřevin a věkových tříd se téměr nezměnil
oproti roku 2008. V tomto roce bylo ana-
lyzováno celkem 6.792 stromů na 283
námatkově vybraných stanovištích, které
vykazovaly o 0,6 % vyšší průměrnou defoli-
aci koruny a dosáhly hodnoty 17,4 %.
Podle stupně poškození bylo klasifikováno
18 % lesních porostů jako silně poškozeno
(stupně poškození 2-4), 40 % jako mírně
poškozeno (stupeň poškození 1), a stejně ja-
ko v minulém roce 42 % bylo bez zřetelných
známek poškození (stupeň poškození 0).
Při posouzení skupin dřevin jsou však
zřejmé dva zásadně různé trendy, které
se však vyrovnávají ve celkovém množství
námatkových kontrol. V tomto roce došlo
k podstatnému zlepšení stavu borových
porostů v mladších i starších věkových
třídách, průměrná defoliace dosáhla hod-
noty 14,6 %.
Oproti tomu se zhoršila situace u smrků.
Průměrná defoliace korun dosáhla 17,1 %,
což znamená, že mírné zlepšení z minulého
roku je zase spotřebováno. Ztráty vyskytují
především v dolních polohách pohoří a na
pahorkatině. Již v minulých letech pozoro-
vaný trend ubývající defoliace ve vyšších
polohách a rostoucího vlivu stresových
faktorů v teplejších a sušších polohách byl
potvrzen. Také ostatní jehličnany vykazují
vzestup defoliace.
U dubu došlo v tomto roce k výraznému
zhoršení stavu koruny. Tady působí biotické
faktory, jako značná fruktifikace, škody hou-
bami (např. výskyt padlí na dubu) a v ome-
zené míře nálet hmyzu, které mají negativní
dopady na stav dubových korun.
Buk dosáhl v tomto roce nové maximální
hodnoty průměrné defoliace ve výši bez-
mála 30 %.
Zatímco druhy dubu mají vysokou
regenerační schopnost korun po suchém
období, buky nemohly kompenzovat škody,
které nastaly v následném roce po suchém
období roku 2003 a 2006.
Vzhledem k vysokému počtu buků, které
mají plody v nadmírně vysoké intenzitě,
bude v tomto roce překročeno dosavadní
maximum z roku 2004. Téméř nezměněn
je stav korun u ostatních listnáčů a činí
18,7 %.
Zlepšení zdravotního stavu korun u
jehličnanů se vždycky významně projevu-
je v celkovém výsledku na základě jejich
převahy ve výběrové jednotce. Ačkoliv se
stav korun u borových porostů zlepšil a u
smrku došlo ke stagnaci, musíme brát v
zřetel, že na základě porušených porost-
ních struktur následkem škod způsobených
vichřicí Kyrill a vysokým výskytem různých
druhů kůrovce a škůdců na jehličnatých
dřevinách, např. klikoroha borového, nás-
ledné škody se mohou projevit ještě v
příštích letech.
Zatím objem smrkových porostů, napa-
daných podkorním hmyzem (kůrovci)
dosáhl v roce 2008 nejvyšší hodnoty mi-
nulých 40 let, kůrovcové škody v tom-
to roce zase poklesly na úroveň období
2004–2007. Tím jsou však značně vyšší než
v roce 2003.
Jiné biotické činitele ovlivňovaly místně
stav korun různých dřevin.

14 |
Streszczenie
Lasy pod lupą
W roku 1849 lasy w Saksonii zostały po raz
pierwszy dokładnie zbadane przez pioniera
analizy środowiskowej i badań szkód leśnych.
Był nim profesor Adolph Stöckhardt z Tha-
randt – jego 200. rocznica urodzin przypada
na rok 2009 –, który jako pierwszy udowodnił,
że kwas siarkowy szkodzi lasom wokół hut we
Freibergu.
Dwadzieścia pięć lat temu wraz z powsta-
niem Międzynarodowego Programu
Koordynującego na rzecz ochrony lasów
przed transgranicznym zanieczyszczeniem
powietrza (ICP Forests), działającego w ra-
mach Konwencji Genewskiej w sprawie trans-
granicznego zanieczyszczania powietrza,
rozpoczęto w Europie prowadzenie moni-
toringu środowiska leśnego. Ratyfikacja tej
konwencji przez Republikę Federalną Nie-
miec stanowi – poprzez wynikające z niej
obowiązki sprawozdawczości – podstawę
odpowiedniego gromadzenia danych w nie-
mieckich krajach związkowych. Zadania te
zostały ujęte w Saksonii w saksońskiej Ustawie
o lasach (Sächisches Waldgesetz).
Po ratyfikacji tej konwencji przez Wspólnotę
Europejską, Komisja wspierała poprzez
rozporządzenia w latach 1996–2006 w sku-
teczny sposób budowę i funkcjonowanie
paneuropejskich sieci pomiarowych, a także
harmonizację ich metod. Saksonia, jako jeden
z najbardziej dotkniętych zanieczyszczeniem
powietrza regionów w Europie, skorzystała
w roku 1992 w celu przeprowadzenia pier-
wszej inwentaryzacji stanu gleb leśnych po
raz pierwszy z europejskich środków wspar-
cia. Od tego czasu corocznie korzysta się
z środków przeznaczonych na rozbudowę,
poprawę, intensyfikację lub ocenę systemów
monitoringu.
Obecnie Kraj Związkowy Saksonia
zaangażowany jest aktywnie – wspól-
nie z 39 innymi partnerami narodowymi i
międzynarodowymi – w projekcie działającym
w ramach europejskiego instrumentu finan-
sowego „LIFE+”. Jego celem jest dalszy rozwój
i dostosowanie europejskiego monitoringu
środowiska leśnego zwłaszcza do wymagań z
zakresu sprawozdawczości dotyczącej zmian
klimatu.
Współpraca w – założonych celem narodowej
koordynacji monitoringu środowiska leśnego –
grupach roboczych na szczeblu federalnym
i związkowym znacząco przyczynia się do
jakości i niezawodności danych gromadzo-
nych w Saksonii jak i przeprowadzanych ocen,
i to począwszy od inwentaryzacji stanu lasów
poprzez analizę chemiczną, aż po interpretację
danych. I tak na przykład przejęte zostały
również technologie służące regionalizacji
danych o stanie lasu i wykorzystywane są w
Saksonii do inwentaryzacji stanu gleb bądź
do wytypowania stref imisji substancji szkod-
liwych. Wyniki mogły zostać opublikowane na
szczeblu międzynarodowym i przedstawione
bezpośrednio francuskim partnerom.
Rozbudowa sieci pomiarowych środowiska
leśnego nastąpiła w ścisłym porozumieniu
z administracją ochrony środowiska. I tak
założone zostały uzupełniające sieci pomia-
rowe w zakresie monitoringu powietrza i
ciągłego monitoringu gleb, z których zdobyte
dane przyczyniły się po części między innymi
w roku 1996 do skutecznych negocjacji o
redukcji zanieczyszczenia powietrza w byłym
„czarnym trójkącie”. Wdrożenie europejskiej
Ramowej Dyrektywy Wodnej, a także dyskusja
wokół zmian klimatu, stwarzają z kolei okazję
do wspólnego i skutecznego opracowania te-
matu lasów i wód, i to zarówno pod względem
jakościowym jak i ilościowym. Z tego właśnie
wynikło dostosowanie i poszerzenie leśnej
meteorologicznej sieci pomiarowej do ilości
17 leśnych stacji klimatycznych.
Długoletnie szeregi pomiarowe intensywne-
go monitoringu środowiska mają na celu
obserwację ekosystemu we wszystkich jego
aspektach. Powierzchnie pomiarowe są studi-
ami przypadku, w oparciu o które określane są
wpływy na środowisko, których oddziaływanie
na lasy może być obserwowane przez dłuższe
okresy czasu. Pomiary dotyczące wprowadza-
nych do powietrza substancji i meteorologii
uzupełniane są badaniami z zakresu ekologii
roślin, gleboznawstwa leśnego i nawożenia la-
su. To multimedialne podejście pozwala przy
tym na dokonanie rzetelnych wypowiedzi na
temat związków przyczynowo-skutkowych w
ekosystemach leśnych.
Otrzymane wyniki mogą znaleźć zastosowanie
w odniesieniu do zrównoważonego wykor-
zystania zasobów naturalnych, po to by móc
dokonać wypowiedzi na temat ich potencjału
zagrożenia i rozwoju. Wielkoobszarowe sieci
pomiarowe służące inwentaryzacji stanu lasu
i stanu gleb uzupełniają intensywny moni-
toring poprzez uwzględnianie dokonanych
obserwacji w kontekście regionalnym.
Konkretna prognoza oddziaływania ładunku
azotu wnoszonego do ekosystemów jest trud-
na. Ten istotny składnik pokarmowy roślin wy-
korzystywany jest różnie w zależności od stanu
ekosystemu i przykładowo przyszłych zmian
klimatycznych. Międzynarodowy poziom za-
pobiegawczy – wynikający z przeprowadzo-
nych badań naukowych – dla zrównoważonej
ochrony ekosystemów przed eutrofizacją
przez pochodzące z powietrza ładunki azotu,
podany został dla lasów w wysokości 10 do
20 kilogramów na hektar i rok. W punktach
badawczych – na znajdujących się pod stałą
obserwacją powierzchniach leśnych – odno-
towuje się obecnie dla przestrzeni otwartych
ok. 10 kg azotu na hektar i rok. W lasach
wartości te są wyższe z powodu „efektu wyc-
zesywania” przez korony drzew.
Porównanie – uzyskanych na podstawie jed-
nolitych w całych Niemczech metod – ty-
powych dla miejsc lokalizacji krytycznych
obciążeń w stosunku do zakwaszenia, wyka-
zuje wprawdzie skuteczność przedsięwzięć z
zakresu ochrony powietrza przed zanieczys-
zczeniem w odniesieniu do siarki, lecz ciągle
ten sam problem w odniesieniu do nadwyżek
azotu.
W jednym z reprezentacyjnych dla nizin punk-
tów pomiarowych w miejscowości Laußnitz
można było wykazać, że pomimo przekrocze-
nia krytycznego obciążenia przez ostatnich 14
lat, nie doszło do wystąpienia żadnych negaty-
wnych oddziaływań. Ani stan koron drzew, ani
status żywieniowy drzewostanu sosny czy też
skład roślinności runa nie wykazują obciążenia.
Również woda infiltracyjna nie została do tej
pory obciążona azotanem. Jednak te, jak by
się mogło wydawać, uspakajające fakty nie
mogą mylić, co do tego, że w „przeciążonych”
ekosystemach świerkowych azot roznoszony
jest w dużych ilościach. W naturalnych eko-
systemach bez nadwyżki azotu należałoby się
tego spodziewać jedynie w przypadku silnych
zakłóceń gospodarki materiałowej.
Stan zakwaszenia saksońskich gleb leśnych
zbadany został w ramach drugiej ogólno nie-
mieckiej inwentaryzacji stanu gleb (BZE II)
w roku 2006. W przypadku próbki ogólnej
udowodniono znaczne zmniejszenia stężeń
kwasów i tym samym wzrost wartości pH
w głównej strefie korzeniowej do 90 cm.
Szczególnie wyraźnie zmiany te są widocz-
ne w warstwach próchnicy i w glebie mi-
neralnej do głębokości 10 cm. Wskaźniki
zmian zmniejszają się w miarę zwiększania
głębokości. Tym samym poprawiły się lekko
możliwości buforowania w odniesieniu do
ładunków kwasu wnoszonego do warstwy
ornej. W ogólnej statystyce gleby te należy
jednak zaklasyfikować w dalszym ciągu do
bardzo kwaśnych. W odniesieniu do wysyce-
nia kationami zasadowymi odnotowano zm-
niejszenia w porównaniu z BZE I. W głównej

| 15
strefie korzeniowej do 90 cm średnie wysy-
cenie kationami zasadowymi wynosi poniżej
15 % i oceniane jest tym samym jako „niez-
naczne”. Fenomen zwiększenia wartości pH
bez idącej za tym poprawy stanu kationów
zasadowych występuje w kilku niemieckich
krajach związkowych i postrzegany jest jako
skutek rozkładu zgromadzonego przedtem
siarczanu glinu.
Osobne rozpatrzenie wyników według rod-
zajów podłoża prowadzi do zróżnicowanych
wypowiedzi, przy czym z powodu wielkości
próbek nie zawsze mogą to być wypowied-
zi rzetelne. Szczególnie interesujące są efek-
ty ochrony gleby przez wapnowanie, które
dotyczą grup podłoży skał magmowych i me-
tamorficznych gleb skał litych w Rudawach.
Przez wapnowanie poprawiły się dotychczas
w odniesieniu do ich stanu zakwaszenia jedy-
nie warstwy próchnicy i górna część gleby mi-
neralnej (0–5 cm głębokości). Odpowiednio
do tego wzrosła podaż kationów zasadowych
z kategorii podaży „nieznacznej” (5–15 %) do
kategorii podaży „umiarkowanej” (15–30 %).
Po lekkich poprawach do 30 cm w grupie
wapnowanej, ma miejsce w głębokich warst-
wach gleby obu grup w stosunku do badania
z roku 1992 nieznaczne zmniejszenie wysyce-
nia kationami zasadowymi.
Wyniki pokazują, że wapnowanie w celu
ochrony gleby nie doprowadziło do tej pory
– tak jak się częściowo obawiano – do masy-
wnych niwelacji gleb leśnych. Głębiej idące
oceny BZE II w Saksonii – również z perspek-
tywy ekologii roślin – przeprowadzane są w
kooperacji z innymi krajami związkowymi.
Należy przy tym wyjaśnić ważną kwestię, a
mianowicie, jak długo jeszcze – po 150 latach
masywnego zakwaszania przez człowieka
– należy będzie przywracać glebie zdegrado-
wanej jej dawną wartość.
Klimatyczne warunki ramowe wpływają mia-
rodajnie na rozprzestrzenianie się, witalność
i siłę konkurencyjną gatunków drzew. Na
dominujące gatunki drzew przewodnich
ukierunkowane są docelowe typy drzewo-
stanu (niem. BZT) i przyszłe typy rozwoju
lasu (niem. WET) w gospodarce leśnej. Przy
uwzględnieniu postępującej zmiany klimatu,
coraz większe znaczenie zyskuje dalej idąca
wiedza na temat wpływu pogody i klimatu
na wzrost drzew i ich witalność. Dlatego
też wywodzenie specyficznych wskaźników
klimatycznych w związku z walencją
ekologiczną gatunków drzew jest warunkiem
zrównoważonego zagospodarowania lasów
saksońskich.
W odniesieniu do oddziaływania zmian kli-
matu na wzrost lasu przeprowadzone zostały
w typowych miejscach lokalizacji świerku
i sosny – przy uwzględnieniu powierzchni
monitoringowych – badania przy pomocy
istniejących analiz wzrostu słojów rocznych i
ocen krążków pni. W tym celu opracowano
modele szacowania dla tych obu głównych
gatunków drzew w Saksonii. Wyniki pokazują,
że świerk reaguje w napiętej sytuacji stanu
wody wyraźnym załamaniem przyrostu. Nato-
miast w przypadku sosny nie należy obawiać
się żadnych istotnych strat przyrostu. Fakt
ten potwierdza tylko konieczność podejmo-
wanej od roku 1990 w Saksonii aktywnej
przebudowy lasu. Punkt ciężkości stanowi
tutaj przebudowa czystych drzewostanów
świerkowych na lessowych terenach pagór-
kowatych, a także na przedgórzu Rudaw i w
Vogtlandzie w stabilne drzewostany mies-
zane. W związku z nieważkością zmian kli-
matu i rozwojem patogenów, opcja lasów z
różnorodnymi dostosowanymi do siedliska
mieszankami gatunków drzew, włącznie ze
zróżnicowanym rozpatrywaniem neofitów,
zyskuje – jako strategia dostosowania do zmi-
an klimatu – coraz bardziej na znaczeniu.
Stan lasów w roku 2009
Stan koron drzew leśnych w zakresie ws-
zystkich gatunków drzew i klas wieku nie
uległ w porównaniu z rokiem 2008 prawie
żadnej zmianie. Ujęte w tym roku w 283 punk-
tach poboru drzewa próbne w ilości 6.792
wykazały gorsze o 0,6 punktu procentowe-
go średnie przerzedzenie koron wynoszące
17,4 %. Zgodnie z podziałem na skojarzone
stopnie uszkodzenia 18 % powierzchni lasu
zaklasyfikowanych zostało jako wyraźnie us-
zkodzone (stopień uszkodzenia 2–4), 40 %
jako słabo uszkodzone (stopień uszkodzenia
1) i podobnie jak w roku ubiegłym 42 %
bez rozpoznawalnych cech uszkodzenia
(stopień uszkodzenia 0).
Przy rozpatrywaniu grup gatunków drzew
rozpoznać można jednak dwa zasadniczo
różne rozwoje, które w całości pobranych
próbek równoważą się jednak daleko idąco.
W tym roku wyraźnej poprawie uległa sos-
na, zarówno w młodszych jak i starszych
klasach wieku i osiągnęła średnią utratę igieł
wynoszącą 14,6 %.
W przeciwieństwie do tego pogorszeniu
uległo igliwie świerku. Przy średnim przer-
zedzeniu koron wynoszącym 17,1 % lekka
poprawa z roku ubiegłego została przez to
skompensowana. Straty występują zwłaszcza
w niższych rejonach górskich i na terenach
pagórkowatych. Tym samym nasiliła się
– dająca się zaobserwować podczas całego
szeregu czasowego – redukcja obciążenia z
mniejszą utratą igliwia w wyższych rejonach
górskich i rosnącym stresem w położeniach
ciepłych i suchych. Również pozostałe gatunki
drzew iglastych wykazują dalszy wzrost utraty
igliwia.
W przypadku dębu stan koron uległ w tym ro-
ku widocznemu pogorszeniu. Negatywnie na
wygląd koron dębowych wpływają tutaj czyn-
niki biotyczne, tj. znaczna fruktyfikacja, szkody
wywołane grzybami (np. porażenie dębów
mączniakiem prawdziwym) i w ograniczonym
stopniu porażenie wskutek owadów.
Buk osiągnął w tym roku nową wartość
maksymalną w odniesieniu do średniej utraty
liści w wysokości prawie 30 %. Inaczej niż
gatunki dębów, posiadające duże zdolności
regeneracyjne struktury koron po okresach su-
chych, buki nie skompensowały każdorazowo
w kolejnym roku po okresach suszy w latach
2003 i 2006 występujących szkód struktury.
W połączeniu z wysokimi udziałami
owocujących buków i intensywnością owo-
cowania w tym roku przekroczona zostanie
również dotychczasowa wartość maksymalna
z roku 2004. Prawie niezmieniony pozostał
stan koron w grupie pozostałych gatunków
drzew liściastych kształtujący się na 18,7 %.
Z powodu swojej dominacji w zakresie pró-
bek wyrywkowych, poprawy stanu koron
drzew iglastych wpływają coraz wyraźniej na
wynik ogólny. Poprawa w odniesieniu do sos-
ny i stagnacja w odniesieniu do świerku nie
mogą jednak mylić, co do faktu, że z powodu
zakłóconych struktur drzewostanów w konse-
kwencji szkód wyrządzonych przez huragan
Kyrill i wysokiej gęstości początkowej różnego
rodzaju gatunków kornikowatych i szkod-
ników roślin uprawnych, jak np. szeliniaka
sosnowca, ryzyka w zakresie gospodarowania
zasobami świerku są nadal bardzo duże. W
dalszym ciągu istnieją duże potencjały, które
mogą doprowadzić w następnych latach do
uszkodzeń wtórnych.
Po tym, jak porażenie przez szkodniki ko-
ry (kornikowate) w drzewostanie świerku
osiągnęło w roku 2008 wartość maksymalną
ostatnich 40 lat, szkody w tym roku uległy
ponownemu zmniejszeniu do poziomu z ok-
resu 2004–2007. Kształtowały się one tym
samym jednak wyraźnie powyżej wartości
z roku 2003. Inne biotyczne czynniki szkód
wpłynęły lokalnie na stan koron pojedync-
zych gatunków drzew.

image
16 |
Forstliches Umweltmonitoring –
Wald unter der Lupe

image
image
| 17
Im Jahre 1849 wurde Adolph Stöckhardt, Pro-
fessor für Agrikulturchemie an der Akademie
für Forst- und Landwirte zu Tharandt, „amtlich
beauftragt, [...] nähere Untersuchungen über
die Art und Größe der schädlichen Einwirkung,
welche der Rauch der Freiberger Hüttenwerke
auf die Vegetation der den letztern nahe lie-
genden Feld-, Wald- und Wiesenstücke ausübe,
anzustellen“. Durch Beräucherungsversuche an
Pflanzen konnte er 1871 als Erster die vorge-
fundenen Schäden auf eine direkte Einwirkung
der in den Hütten freigesetzten schwefligen
Säure zurückführen, die selbst in einer Verdün-
nung von 1 zu 1 Million langfristig Schaden
verursachte. Er kann somit als Begründer der
Umweltanalytik und Waldschadensforschung
gelten.
Einhundertdreißig Jahre später wurde auf Ini-
tiative der skandinavischen Länder, die damals
die Versauerung ihrer Binnengewässer durch
fern transportierte Luftschadstoffe befürch-
ten mussten, und nach dem Auftreten ers-
ter neuartiger Waldschäden in Mitteleuropa
von der Wirtschaftskommission für Europa
Abb. 1: Adolph Stöckhardt und Überschrift seines
Artikels aus dem Tharander Forstlichen Jahrbuch 1871;
Bildquelle: Wikipedia
http://de.wikipedia.org,
31.08.2009
der Vereinten Nationen die Genfer Konventi-
on zu grenzüberschreitenden, weiträumigen
Luftverunreinigungen ins Leben gerufen (engl.
UN/ECE Convention on Long-Range Trans-
boundary Air Pollution, CLRTAP). Diese wurde
sowohl von der Bundesrepublik Deutschland
als auch von der damaligen Europäischen
Gemeinschaft ratifiziert und bildet inklusi-
ve ihrer sieben Folgeprotokolle noch heu-
te die international verbindliche Verankerung
des forstlichen Umweltmonitorings in Euro-
pa. Deutschland übernahm 1984 unter an-
derem den Vorsitz eines im Rahmen der
Arbeitsgruppe Effekte (WGE) der Konven-
tion installierten internationalen Koopera-
tivprogramms (ICP) zum Einfluss der Luft-
verunreinigungen auf Wälder (ICP Forests;
www.icp-forests.org).
Dieses entwickelte un-
ter Einrichtung pan-europäischer Experten-
gruppen das forstliche Umweltmonitoring zu
einem methodisch abgestimmten System aus
flächenrepräsentativen Stichprobennetzen und
prozessbezogenem Intensivmonitoring. Für
die unterschiedliche Erhebungsintensität die-
ser Messnetze bürgerte sich die Bezeichnung
Level-I- bzw. Level-II-Netz ein. Einen Überblick
über das Konzept gibt Abbildung 2.
Level I
Programm
Level II
Zeitnahe und flächenrepräsentative
Informationen über den Zustand des
Waldes und dessen Entwicklung
Identifizierung von regionalen Risikogebieten
Systematisches Stichprobenraster
auf 16 x16-km-Gitter
Nationale/regionale Verdichtungen
auf 8x8 km bzw. 4x4 km
Kronenzustand (WZE)
Bodenzustand (BZE)
Baumernährung
Kronenzustand (WZE) jährlich
Bodenzustand (BZE) alle 15 Jahre
Baumernährung Turnus wie BZE
Ziele
Netzcharakter
Parameter
Frequenz
Exemplarische Studien
Intensive Untersuchungen der Ursache-Wirkungs-
beziehung zwischen Waldökosystemen und
den sie beeinflussenden Faktoren
Forstliche Dauerbeobachtungsflächen (DBF)
in regional repräsentativen Waldbeständen
Meteorologie
Stoffeinträge
Bodenzustand
Bodensicker-/Quellwasser
Streufall
Kronenzustand
Baumwachstum
Baumernährung
Bodenvegetation
kontinuierlich bis jährlich
Ansprache des Kronenzustandes von Waldbäumen
Abb. 2: Forstliches Umweltmonitoring der Ebenen Level I und Level II

image
image
18 |
Dieses Monitoringkonzept mit seinen unter-
schiedlichen Netzverdichtungen erlaubt in
Deutschland eine optimale Anpassung an die
Informationsbedürfnisse der Länder, des Bun-
des und der EU.
Im Level-I-Programm bonitierte Sachsen 2009
im Rahmen der Waldzustandserhebung (WZE)
auf 283 Punkten im Vollerhebungsnetz (4x4-km-
Raster) den Waldzustand. Nur 19 Punkte sind
hiervon Bestandteil des europäischen Rasters.
Insgesamt werden bei den jährlich zu erstat-
tenden Berichten für Deutschland Ergebnisse
von 420 Punkten aus allen Bundesländern an
das Datenzentrum des ICP Forests mit Sitz im
Institut für Weltforstwirtschaft des Johann
Heinrich von Thünen-Instituts (vTI) in Hamburg
übermittelt.
Die 2006 in Deutschland zum zweiten Mal
nach 1987–1992 auf dem 8x8-km-Raster
durchgeführte nationale Bodenzustandserhe-
bung im Wald (BZE II) umfasst bundesweit etwa
2.000 Punkte, zu denen Sachsen mit 77 Erhe-
bungspunkten beiträgt.
Im intensiven Monitoring (Level II) liefern sechs
Stationen in Sachsen jährlich Daten an die na-
tionale Ebene, die mit insgesamt 88 Stationen
internationale Datenbanken der Genfer-Luft-
reinhalte-Konvention bedient (Abbildung 3).
Das Messnetz des durch den Staatsbetrieb
Sachsenforst und seine Vorläuferinstitutionen
seit 1991 aufgebauten und betreuten forst-
lichen Umweltmonitorings wird komplettiert
durch zwei weitere regionale Dauerbeobach-
tungsflächen in Altenberg und Bad Schandau,
die seit dem Jahr 2000 bzw. seit 1998 auf
Wunsch der TU Dresden bzw. des National-
parks Sächsische Schweiz vom Staatsbetrieb
Sachsenforst nach Level-II-Schema betrieben
werden. Der Staatsbetrieb Sachsenforst stellt
damit gut ein Drittel aller sächsischen Depo-
sitionsmessstationen, deren Daten periodisch
vom Umweltbundesamt für die Erstellung von
nationalen Depositionskarten abgefragt wer-
den.
Weiterhin betreibt der Staatsbetrieb Sachsen-
forst ein mit 17 Stationen über das Level-II-
Programm hinausgehendes Netz von Wald-
klimastationen. Diese sind auf Freiflächen in
größeren Waldgebieten eingerichtet worden
und erheben den vollständigen Parameter-
satz meteorologischer Untersuchungen, von
der Lufttemperatur bis zur Globalstrahlung,
Abb. 3: Beteiligung Sachsens am nationalen Level-I-
und Level-II-Netz [3]
und ergänzen damit effektiv die Messnetze
des Landes. Die gewonnenen Messdaten und
Erfahrungen erlauben es dem Staatsbetrieb
Sachsenforst, sich kompetent in ressort- und
länderübergreifende Arbeitsgruppen zum Kli-
mawandel einzubringen und betriebliche Ent-
scheidungen auf wissenschaftlicher Basis zu
treffen.
Eine Übersicht zu den genannten Flächentypen
und deren räumlicher Verteilung in Sachsen
stellt Abbildung 5 dar. Tabelle 1 liefert eine
Kurzbeschreibung der sächsischen Forstlichen
Dauerbeobachtungsflächen (DBF).
Mit der Bodenzustandserhebung und den
Level-II-Stationen werden zudem wichtige
Informationen zu schädlichen Bodenverän-
derungen im Sinne der Gefährdungsabschät-
zung und Untersuchungsanordnung gemäß
§ 9 Bundesbodenschutzgesetz (BBodSchG)
gewonnen. Zugleich werden diese Daten zur
Steuerung und Planung der in § 1 des oben ge-
nannten Gesetzes geforderten Maßnahmen zur
Sicherung und Wiederherstellung der Boden-
funktionen, insbesondere über die forstliche
Bodenschutzkalkung, genutzt. Mit den landes-
internen Absprachen zum Bodenmonitoring
im Wald anlässlich der Ersterhebung der BZE
im Jahre 1992 wurde diesbezüglich der Grund-
stein der bis heute erfolgreichen Zusammen-
arbeit mit dem nunmehrigen Landesamt für
Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG)
gelegt. Ein Ergebnis dieser Zusammenarbeit
war unter anderem eine wegweisende gemein-
same Veröffentlichung zum Bodenmonitoring
in Sachsen (Abbildung 4).
Mit den Vorarbeiten zur Gefährdungseinschät-
zung von Grundwasserkörpern im Zuge der
Umsetzung der europäischen Wasserrahmen-
richtlinie verstärkte sich ab 2004 zudem die
Zusammenarbeit der entsprechenden Fachre-
ferate des Staatsbetriebes Sachsenforst (SBS)
und des LfULG, die ebenfalls in eine gemeinsa-
me Fachpublikation mündete [20].
Hier standen insbesondere die erhobenen Da-
ten und Auswertungen zur Rolle des Stickstoffs
in Waldökosystemen und mögliche diffuse
Stickstoffeinträge in die Grundwasserkörper
im Vordergrund der Betrachtung. Abbildung
6 zeigt eine im Jahre 2004 erstellte Karte mit
der Verschneidung des Rasters der regionalen
Bodenzustandserhebung und den als gefährdet
ausgewiesenen Grundwasserkörpern.
Abb. 4: Gemeinsame Broschüre der Ressortforschung
des SMUL zum Bodenmonitoring in Sachsen
BZE- bzw. WZE-Fläche als Unterstichprobe
Level-II-Fläche

image
| 19
Name der DBF
Wuchsgebiet
Geologie
Höhe ü. NN
JMT*
JNS*
Bestand
Betrieb
[m]
[°C]
[mm]
Alter 2009
seit
Klingenthal
Erzgebirge
Eibenstocker
840
5,0
1210
Fichte
07/1993
Granit
90
Olbernhau
Erzgebirge
Grauer Gneis
720
6,3
918
Fichte
10/1994
118
Cunnersdorf
Elbsandsteingebirge
Quadersandstein
440
7,2
816
Fichte
07/1993
mit Lösslehm
105
Bautzen
Oberlausitzer
Lausitzer Granodiorit
440
7,6
757
Fichte
07/1995
Bergland
94
Laußnitz
Düben-Niederlausitzer
diluvialer Decksand
170
9,0
667
Kiefer
10/1994
Altmoränenland
101
Colditz
Sächsisch-Thüringisches
Lösslehm über
185
8,8
645
Eiche
07/1995
Löss-Hügelland
Grundmoräne
56
Bad Schandau/
Elbsandsteingebirge
Basalt und Quader-
260
8,2
774
Buche
09/1998
Nationalpark
Sandstein mit Lösslehm
60
Altenberg
Erzgebirge
Rhyolith
745
5,4
956
Fichte
05/2000
117
* JMT = Jahresmitteltemperatur; *JNS = Jahresniederschlag
Tab. 1: Kurzbeschreibung der Forstlichen Dauerbeobachtungsflächen (DBF)
Abb. 5: Messnetze des forstlichen Umweltmonitorings
in Sachsen
Klimastation des Staatsbetriebes Sachsenforst
Stichprobenpunkt im 4x4-km-Raster (Level I)
Forstliche Dauerbeobachtungsfläche (Level II)
Waldfläche

image
20 |
Neben den vielfältigen interdisziplinären Auswertungsmöglichkeiten der forstlichen Umweltmess-
netze für eine nachhaltige Nutzungsplanung der natürlichen Ressourcen als eine Basis der gesell-
schaftlichen Entwicklung in Sachsen bieten insbesondere die Level-II-Stationen aufgrund der gut
dokumentierten, umfassenden und langjährigen Messungen ein Potenzial auch für internationale
Forschungsprojekte.
So wurde 2008 die Messfläche in Laußnitz von einer Doktorandin des Imperial College in London
aus dem Pool der etwa 860 in Europa verfügbaren Level-II-Stationen ausgewählt. Ziel ihrer Unter-
suchungen ist die Klärung der Wechselbeziehungen zwischen den wurzelumgebenden Pilzen, der
Mycorrhiza, und den in Laußnitz stockenden Kiefern im Hinblick auf die Stickstoffernährung der
Baumart (Abbildung 8).
Neben der Forschung wird der Lehre und der interessierten Fachöffentlichkeit das System des
forstlichen Umweltmonitorings am „lebenden Objekt“ näher gebracht.
So werden unter anderem regelmäßig Studenten der Hochschule für Technik und Wirtschaft
Dresden im Schwerpunkt „Umweltmonitoring“ sowie internationale Fach- und Führungskräfte aus
Entwicklungs- und Schwellenländern des an der TU Dresden angesiedelten „Centre for Internati-
onal Postgraduate Studies of Environmental Management“ (CIPSEM) des UN-Umweltprogramms
mit den in Sachsen angewandten Monitoringsystemen, organisatorischen Abläufen und erzielten
Ergebnissen vertraut gemacht (Abbildung 9).
Bodenzustandserhebung (BZE = Level I der EU)
Mulde
Elbeschlauch 1 (SN)
Schwarze Elster
Landesgrenzen
Forstamtsgrenzen
Abb. 6: Einbeziehung von Critical Loads – Berechnungen
der Bodenzustandserhebung im Wald zur Abschätzung
möglicher diffuser Stoffeinträge in gefährdete Grund-
wasserkörper Sachsens (Stand 2004). In blau vergrößerte
Punkte: BZE-Punkte in den Einzugsgebieten

image
image
image
| 21
Abb. 7: Gemeinsame Publikation der Ressortforschung
des SMUL zur diffusen Stoffbelastung von
Grundwasserkörpern in Sachsen in der Fachzeitung
Wasserwirtschaft 2006
Abb. 8: Internationale Forschung an der Level-II-Station
Laußnitz 2008: Filipa Cox und Adriano Spiccia vom
Imperial College London nehmen Bodenproben
Abb. 9: Internationale Exkursion zur Messfläche Altenberg in
Kooperation mit der TU Dresden
Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang eine über die Öffentlichkeitsarbeit zum forstlichen
Umweltmonitoring hinaus initiierte und seit mehr als 10 Jahren bestehende fruchtbare Partner-
schaft mit dem Lehrstuhl für Physische Geographie der TU Dresden, die in diesem Bericht in einer
ersten Auswertung der BZE II ihren Niederschlag findet.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass das forstliche Umweltmonitoring einen wichtigen
und integralen Bestandteil der Informationsgrundlagen für die nachhaltige Bewirtschaftung nicht
nur der forstlichen Ressourcen in Sachsen darstellt. In seiner Organisation als kooperatives Bund-
Länder-Monitoringsystem stellt das forstliche Umweltmonitoring ein einzigartiges Programm der
Umweltbeobachtung dar, das beispielgebend auch für andere Sektoren ist. Erfolgreiche Maßnah-
men der Luftreinhaltung (Entschwefelung) und der Sanierung der Waldböden (Kompensations-
kalkung) wären ohne dieses Instrument nicht erreichbar gewesen. Sachsen ist auch beteiligt an
der Weiterentwicklung des europaweiten Monitorings. Im Rahmen des „LIFE+“-Programms der
Europäischen Union werden Erhebungen auf zwei Intensivmessflächen sowie 19 Rasterpunkten
der Waldzustandserhebung gefördert. Ohne ein modernes Waldmonitoring ist die nachhaltige
Waldbewirtschaftung heute nicht mehr denkbar und eine qualifizierte Berichterstattung im Rah-
men der internationalen Berichtspflichten der Bundesrepublik Deutschland zum Sektor Wald nicht
möglich.

image
22 |
Stoffeinträge –
mehr als genug

image
| 23
In den Waldzustandsberichten der letzten
Jahre stand die Entwicklung der Säurebelas-
tung der Waldökosysteme im Vordergrund
der Betrachtung. Im diesjährigen Bericht soll
der Schwerpunkt auf Stickstoffeinträge und
deren mögliche Auswirkungen auf ausgewähl-
te Waldökosysteme Sachsens gelegt werden.
Neben den Sektoren Verkehr und Energieer-
zeugung für Industrie und Haushalte sind auch
Stickstoffemissionen aus der Landwirtschaft zu
berücksichtigen. Aus diesem Anlass findet ge-
genwärtig eine bundesweite Diskussion um die
Ermittlung und Bewertung der Stickstoffdepo-
sition im Rahmen von Genehmigungsverfah-
ren für Tierhaltungsanlagen nach dem Bundes-
immissionsschutzgesetz statt. Seit 2003 war
ein Mitarbeiter des Staatsbetriebes Sachsenforst
bzw. des damaligen Landesforstpräsidiums in
das Expertengremium des Bund-Länder-Aus-
schusses für Immissionsschutz (LAI) delegiert,
um zusammen mit Kollegen aus Bayern und
Nordrhein-Westfalen Erkenntnisse des forstli-
chen Umweltmonitorings in einen abgestimm-
ten Handlungsleitfaden für die Genehmigungs-
praxis einfließen zu lassen.
Die Intensivmessflächen des Level-II-Programms
sind dabei eine grundlegende Erkenntnis-
quelle für die Auswirkung von Stickstoffeinträ-
gen. Sie stellen ländliche Hintergrundstationen
ohne Einfluss eines anlagenbezogenen Emit-
tenten dar. Aufgrund ihrer Ausrichtung auf
die ökosystemare Umweltbeobachtung können
von diesen schon langjährig beobachteten,
regionalen „Eichpunkten“ nicht nur Ergebnisse
aus den Eintragsmessungen, sondern auch
diejenigen von Boden-, Waldernährungs- und
Bodenvegetationsuntersuchungen, kombiniert
mit Stoffausträgen, für eine ganzheitliche Be-
wertung des Stickstoffhaushalts des Ökosys-
tems herangezogen werden. Der Langzeitas-
pekt der forstlichen Umweltbeobachtung hat
hier besondere Tragweite, da eine Genehmi-
gungsbehörde mögliche erhebliche Nachteile
oder Belästigungen durch eine Anlage für
die Allgemeinheit oder für die Nachbarschaft
vorab für deren gesamte Betriebsdauer ab-
schätzen muss.
Mögliche erhebliche Nachteile durch Stick-
stoffeinträge für betroffene Ökosysteme sollen
zukünftig durch eine Überschreitung der zu-
zuordnenden kritischen Belastungsraten, der
„Critical Loads“, ermittelt werden. Diese Cri-
tical Loads wurden seit 1988 im Rahmen der
Genfer Luftreinhaltekonvention der UN/ECE
entwickelt, um die nötigen Emissionsminde-
rungen an der Belastbarkeit der Ökosyste-
me und nicht primär an den technischen
Möglichkeiten auszurichten. Es werden so –
regelmäßig nach Sichtung der aktuellen wis-
senschaftlichen Literatur – Erfahrungsgrenz-
werte festgelegt, bis zu denen langfristig kei-
ne nachteiligen Wirkungen auf Funktion und
Struktur von Ökosystemen zu erwarten sind
(Abbildung 10). Langfristigkeit bedeutet dabei,
mindestens 100 Jahre im Blick zu haben und
damit für kommende Generationen vorzu-
sorgen. Derzeit wird die pauschal für Wälder
geltende kritische Belastungsrate mit 10 bis
20 Kilogramm Stickstoff pro Hektar und Jahr
angegeben. Diesem Belastungswert werden
nun die Gesamteinträge an Stickstoff der De-
position gegenübergestellt. Es ergeben sich in
der Regel derzeit noch flächendeckend Über-
schreitungen der kritischen Belastungswerte.
Diese Überschreitungen in Europa nachweis-
lich abzubauen, ist Ziel der oben genannten
internationalen Vereinbarung.
Überwachung der im Niederschlagswasser
enthaltenen Haupt- und Spurenelemente
auf Forstlichen Dauerbeobachtungsflächen
Abb. 10: Ermittlung der Wirkungsschwelle und Ableitung von Critical Loads und Zielwerten [12]

24 |
Vor 10 Jahren wurden im Rahmen einer Bund-
Länder-Arbeitsgruppe nach internationalen
Vorschriften standortspezifische Berechnungen
der kritischen Belastungsraten für alle Level-II-
Standorte Deutschlands durchgeführt [2].
Diese bestehen aus Bilanzkomponenten, über
die Stickstoff im Ökosystem gespeichert wer-
den kann oder dieses verlässt. Neben der
Stickstofffestlegung im Holz der Wälder und
dessen Entnahmen aus dem System durch Ern-
temaßnahmen spielen die dauerhafte Bindung
im Humus sowie in geringen Teilen gasförmige
oder flüssige Verluste mit dem Sickerwasser
eine Rolle. Eine Grundvoraussetzung des „Cri-
tical-Loads-Konzepts“ ist, dass im Normalfall
Stickstoff von Natur aus ein Mangelelement
in Waldökosystemen darstellt und nur bei
gravierenden Störungsereignissen dem System
verloren geht.
Im Folgenden soll die derzeitige Situation der
Stickstoffdeposition über verschiedene Teiler-
hebungen des Messprogramms des intensiven
forstlichen Umweltmonitorings beschrieben
werden. Folgen wir nun dem Stickstoff auf
seinem Weg durch den Wald.
Abbildung 11 stellt den Verlauf des mittleren
Stickstoffeintrags im Freiland, das heißt ohne
die Filterwirkung des Waldes über den Samm-
lern, dar. Demnach haben sich die Einträge
im Verhältnis zum Jahr 1996 auf 54 % des
damaligen Wertes reduziert und liegen im
Jahr 2008 bei durchschnittlich 10,6 Kilogramm
pro Hektar. Dabei übersteigt der Eintrag an
Abb. 11: Entwicklung der mittleren Stickstoffeinträge
im Freiland an den 6 europäischen Level-II-Stationen
Sachsens von 1996 bis 2008 (vgl. Tabelle 10, Anhang)
1996
1997
1998
1999
2000
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
20
16
12
8
4
0
[kg ha
-1
a
-1
]
N org
NH
4
N
NO
3
N
Abb. 12: Zeitliche Entwicklung der Gesamtdeposition
von Sulfat-Schwefel (SO
4
-S) und anorganischem
Stickstoff (N anorg) in dem Kiefernbestand der
Level-II-Station Laußnitz. 1 kmolc entspricht bei
Schwefel 32, bei Stickstoff 14 Kilogramm
2,00
1,50
1,00
0,50
0,00
SO
4
S
N anorg
[kmol
c
ha
-1
a
-1
]
1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008
Ammoniumstickstoff (NH
4
N) leicht den des
Nitratstickstoffs (NO
3
N). Organischer Stickstoff
wird nur in geringen Mengen deponiert.
Der Eintrag in die Waldökosysteme unterliegt
jedoch der bekannten Auskämmwirkung der
Baumkronen. Diese reinigen nicht nur anströ-
mende Luft, sondern fangen auch den fallen-
den Niederschlag mit den in ihm gelösten Stof-
fen auf. In den Blättern werden die gelösten
Stoffe chemisch umgewandelt und potenzielle
Schadstoffe angereichert. Sie werden mit dem
Laubfall dem Humus und dem Boden zuge-
führt (vgl. Waldzustandsbericht 2006).
Abbildung 12 stellt die Entwicklung der Schwe-
fel- und Stickstoffeinträge im Waldökosystem
der Level-II-Station Laußnitz dar. Der dieser
Betrachtung zugrunde liegende Algorithmus
zur Bestimmung der Kronenraumbilanz wurde
im Rahmen der Bund-Länder-Zusammenarbeit
zum Level-II-Programm vereinheitlicht und als
Standard festgelegt [6]. Er dient der Abschät-
zung der Gesamtdeposition, also der Stoffmen-
ge, die von außen in das Ökosystem getragen
wird. Die aus dem Ökosystem selbst über die
Blattöffnungen der Bäume in den abtropfenden
Niederschlag gelangten Stoffanteile werden
abgezogen. In dieser Darstellung fällt auf, dass
der Schwefeleintrag in dem Bestand seit 1995
merklich zurückging und seither auf niedrigem
Niveau verharrt. Derartige Veränderungen sind
bei den Stickstoffeinträgen in Waldbeständen
trotz der Abnahme der Freilandstickstoff-De-
postion nicht zu verzeichnen. Der Stickstoffein-

image
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| 25
Abb. 13a und b: Zeitliche Entwicklung der Überschrei-
tung der Critical Loads durch Schwefel- und Stickstoff-
deposition an den Level-II-Stationen in Olbernhau (a)
und Laußnitz (b). 1 kmol
c
entspricht bei Schwefel 32,
bei Stickstoff 14 Kilogramm
trag auf der Level-II-Station Laußnitz schwankt
seit 1995 zwischen 15 und 21 Kilogramm und
liegt gegenwärtig bei 20 Kilogramm pro Hektar
und Jahr. Diese Unterschiede in der Entwick-
lung von Schwefel- und Stickstoffeinträgen
lassen sich auf allen Level-II-Flächen feststellen
(vgl. Abb. 6a/b im Waldzustandsbericht 2005).
Die Abbildungen 13a und b zeigen die Entwick-
lung der Überschreitung der Critical Loads für
die Fichtenfläche in Olbernhau und die Kie-
fernfläche in Laußnitz. Die blaue Box in diesen
Grafiken gibt jeweils die ökosystemspezifisch
berechneten Critical Loads für Schwefel- bzw.
Stickstoffeinträge an. Befinden sich die Depo-
sitionspunkte bei beiden Elementen innerhalb
der Box, so ist der Stoffhaushalt des Ökosys-
tems nachhaltig in Balance. Auf beiden Flächen
ist die Abnahme der Schwefeleinträge deutlich
zu erkennen, wobei die deutliche Entlastung
der einst hoch belasteten Region um Olbern-
hau durch die Messwerte klar dokumentiert
wird. Die Schwefeldeposition liegt an beiden
Standorten bereits im unkritischen Bereich.
Der überschüssige Stickstoffeintrag gibt unter
Vorsorgeaspekten allerdings Anlass zur Sorge.
Welche Reaktion zeigen nun die Bäume und die
Bodenvegetation bei vermutetem Nährstoff-
überschuss? Sind die Stickstoffgehalte in den
Nadeln zu hoch? Hat sich die Zusammenset-
zung der Bodenvegetation für das Ökosystem
untypischen Stickstoff liebenden Arten hin
verändert? Die Ergebnisse der alle 2 Jahre seit
1995 auf den Level-II-Flächen durchgeführten
blattchemischen Analysen und die seit 1998
jährlich auf den jeweils 25 Parzellen durch
das Institut für Forstbotanik der TU Dresden
durchgeführten Vegetationsaufnahmen kön-
nen Aufschluss darüber geben.
Abbildung 14 zeigt Ergebnisse der Vegetations-
aufnahmen für alle 6 europäischen Level-II-
Stationen in Sachsen. Dargestellt ist die zeit-
liche Entwicklung der Stickstoffzeigerwerte
nach [4], die Pflanzen hinsichtlich ihrer Häufig-
keit auf stickstoffreichen Standorten charakte-
risieren. Die Große Brennnessel
(Urtica dioica)
oder der Holunder
(Sambucus nigra)
zum Bei-
spiel sind überaus Stickstoff liebend und damit
mit dem Zeigerwert 9 belegt. Bewertet man
4,5
4,0
3,5
3,0
2,5
2,0
1,5
1,0
0,5
0,0
S-Deposition [kmol
C
ha
-1
a
-1
]
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5
3,0
Abb. 13a:
4,5
4,0
3,5
3,0
2,5
2,0
1,5
1,0
0,5
0,0
S-Deposition [kmol
C
ha
-1
a
-1
]
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5
3,0
Abb. 13b:
N-Deposition [kmol
C
ha
-1
a
-1
]
N-Deposition [kmol
C
ha
-1
a
-1
]
Deposition 2002/03
Deposition 2004/05
Deposition 2006/07
Critical Load Funktion
Deposition 1996/97
Deposition 1998/99
Deposition 2000/01

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image
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image
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image
26 |
alle Pflanzenarten einer Vegetationsaufnahme,
so lässt sich über die Anzahl ihres Auftretens
ein mittlerer qualitativer Zeigerwert für eine
Aufnahmefläche berechnen.
Auf der Fläche in Laußnitz (LAU) zeigt die vor-
handene Vegetation mit einem N-Zeigerwert
um 3 durchgehend Stickstoffarmut an, wäh-
rend auf der erwähnten Fläche in Olbernhau
(OLB) seit 2003 Mäßigstickstoffzeiger (N-Zei-
gerwert um 5) dominieren. Die Ergebnisse der
Nadelanalysen (Abbildung 15) zeigen ebenfalls
keine Anzeichen, dass der Bestand in Laußnitz
derzeit übermäßig mit Stickstoff versorgt ist.
Die Stickstoffgehalte bewegen sich in einem
optimalen Rahmen zwischen 16 und 23 Milli-
gramm pro Gramm sowohl für den im Bepro-
bungsjahr neu gebildeten Nadeljahrgang (NJ1)
als auch für den ein Jahr älteren (NJ2).
Betrachten wir nun die Messungen zur Boden-
lösung „am unteren Rand“ des Ökosystems,
dort, wo der Hauptwurzelraum und damit der
Einfluss des Waldes auf die Sickerwasserche-
mie endet. Es wird gemeinhin angenommen,
dass ab 100 Zentimeter Tiefe unter Flur die
Bodenlösung eine Zusammensetzung zeigt,
wie sie das Grundwasser erreichen könnte.
Im Austrag ist nur Nitrat zu erwarten, da Am-
moniumstickstoff schnell im Boden gebunden
bzw. durch die Pflanzenwurzeln in den oberen
Bodenschichten aufgenommen wird.
In den Abbildungen 16a und b sind Ionenbi-
lanzen für zwei hinsichtlich des Wasserange-
bots unterschiedliche Messjahre dargestellt.
Das Jahr des Hochwassers 2002 sowie das Jahr
2006 mit ausgeprägter Sommertrocknis zeigen
nur geringe Unterschiede in der chemischen
Zusammensetzung der gemessenen Lösungen.
Die Ionenstärke ist im niederschlagsreichen
Jahr 2002 aufgrund der erhöhten Auswa-
schungsrate etwas stärker. In beiden Jahren
wird die Chemie jedoch auf der Anionenseite
(negative Ladung) allein durch Sulfatschwe-
fel geprägt. Die Nitratstickstoffgehalte liegen
ebenso wie die des Ammoniums konstant in
allen Bodentiefen unterhalb der analytischen
Bestimmungsgrenze. Das Kiefern-Ökosystem
in Laußnitz scheint somit den eingetragenen
Stickstoff noch verwerten zu können. Nach ers-
Abb. 14: Mittlere Stickstoffzeigerwerte der Gefäßpflan-
zen an den europäischen Level-II-Stationen in Sachsen;
KLI = Klingenthal; OLB = Olbernhau; CUN = Cunners-
dorf; BAU = Bautzen; LAU =Laußnitz; COL = Colditz
Abb. 15: Zeitliche Entwicklung der Nadelspiegelwerte
für Stickstoff an ein- und zweijährigen Kiefernnadeln
(NJ1, NJ2) auf der Level-II-Station Laußnitz
24
22
20
18
16
14
12
10
8
6
N [mg/g TM]
NJ1
NJ2
1995
1997
1999
2001
2003
2005
2007
9
8
7
6
5
4
3
2
1
0
N-Zeigerwert
KLI
OLB
CUN
BAU
LAU
COL
1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008
Erhebungsjahr

| 27
Abb. 16a und b: Ionenbilanzen für die Lösungschemie in den Messebenen Freilandniederschlag (FN), Kronentraufe
(KR) sowie Bodenlösung in unterschiedlichen Tiefen an der Level-II-Station Laußnitz
NH
4
N
Na
K
Ca
Mg
H
Al
-4000
-2000
0
2000
4000
FN
KR
-20 cm
-60 cm
-100 cm
Rest
Alk
NO
3
N
CI
SO
4
S
Abb. 16b: Messjahr 2006
[µmol
c
/l]
NH
4
N
Na
K
Ca
Mg
H
Al
-4000
-2000
0
2000
4000
FN
KR
-20 cm
-60 cm
-100 cm
Rest
NO
3
N
CI
SO
4
S
Abb. 16a: Messjahr 2002
[µmol
c
/l]
Abb. 17: Mittlere Ökosystembilanzen für Stickstoff-
komponenten Nitrat (NO
3
N), Ammonium (NH
4
N) und
organischem N (N org) an 8 Level-II-Stationen
in Sachsen (1997-2003)*
1 kmol
c
entspricht 14 Kilogramm Stickstoff
-3,00
-2,00
-1,00
0,00
1,00
2,00
3,00
kmol
c
* a
-1
* Für die Standorte Bad Schandau und Altenberg liegen Ökosystembilanzen erst für die Jahre ab 1999 bzw. 2001 vor
Klingenthal
Olbernhau
Cunnersdorf
Bautzen
Laußnitz
Colditz
Bad Schandau
Altenberg
N org
NH
4
N
NO
3
N
ten Ökosystembilanzen für die Messjahre 1997
bis 2003 werden in Laußnitz 19 Kilogramm
Stickstoff pro Hektar und Jahr gespeichert.
Insgesamt variiert diese Speicherrate auf den
Messflächen zwischen 7 (Colditz) und 31 Kilo-
gramm (Klingenthal). Auf den höher belasteten
Standorten hat der Austrag von Stickstoff
jedoch bereits begonnen (Abbildung 17). Auf-
grund des starken klimatischen Einflusses ist
die Bestimmung des Umschlagszeitpunktes der
ökosystemaren Senkenfunktion in eine Quell-
funktion für Stickstoff schwer prognostizierbar.
Dieser Aspekt ist von maßgeblicher Bedeutung
für die Einhaltung der Qualitätsziele nach
der EU-Wasserrahmenrichtlinie bei rund 28 %
Waldbedeckung in Sachsen.
Um das Stickstoff-Problem bundesweit ab-
gestimmt zu bearbeiten, wurde im Februar
2009 ein Arbeitskreis der Bund-Länder-ad-hoc
Arbeitsgemeinschaft Forstliches Umweltmoni-
toring zur Versauerung und Eutrophierung ge-
gründet, an dem der Staatsbetrieb Sachsenforst
maßgeblich beteiligt ist.
Ein erster Schritt zur Klärung wird für Sachsen
die Fortführung der Ökosystembilanzierung bis
2009 sein. Zudem wird eine mögliche ver-
mehrte Speicherung von Stickstoff im Boden-
und besonders im Auflagehumus durch eine
Auswertung des 2007 an allen 6 europäischen
Level-II-Flächen durchgeführten BioSoil-Vor-
habens der EU abgeschätzt. Des Weiteren wird
geprüft, ob die Bodenvegetation – auch ohne
explizites Auftreten von Stickstoffzeigern – ei-
nen effizienten Zwischenspeicher für Stickstoff
darstellt. Dieser Frage wird derzeit im Rahmen
des im Januar 2009 begonnenen EU-Projekts
„FutMon“ auf den Dauerbeobachtungsflächen
Laußnitz und Olbernhau nachgegangen.

image
28 |
Die zweite Bodenzustandserhebung
im Wald (BZE II) –
Verbesserungen in Sicht?

| 29
Die hohen anthropogenen Emissionen von
Schwefel- und Stickoxiden haben die Bo-
denversauerung in den Wäldern Mitteleuro-
pas in den letzten zwei Jahrhunderten stark
beschleunigt. Durch den Einsatz geeigneter
Filteranlagen konnte in Deutschland während
der letzten 20 Jahre die Freisetzung von SO
2
deutlich reduziert werden.
Neben der kontinuierlichen Überwachung der
Säureeinträge, der Berechnung bodeninterner
Protonenproduktion aus Stoffhaushaltsunter-
suchungen sowie Ermittlungen der Protonen-,
Aluminium- und Nitratflüsse im Boden und
der Verluste an basischen Kationen können
zeitliche Veränderungen des pH-Wertes im
Boden, des Vorrats an pflanzenverfügbaren
basischen Kationen und der Basensättigung
der austauschbaren Kationen im Boden zur
Beurteilung des Verlaufs der Bodenversaue-
rung herangezogen werden. Während die erste
Gruppe von Indikatoren auf Stoffhaushaltsun-
tersuchungen basiert, wie sie das Level-II-Pro-
gramm an repräsentativen Fallstudien ermög-
licht, erfasst die Bodenzustandserhebung im
Wald (BZE) flächendeckend die Versauerungs-
indikatoren der Bodenfestphase.
Die grundlegenden Ergebnisse der 1992 durch-
geführten und 1996/97 in Sachsen regional
verdichteten BZE I wurden durch [13, 14] ver-
öffentlicht. Sie belegten u. a. eine großflächig
feststellbare Versauerung des Mineralbodens,
geprägt durch atmosphärische Stoffeinträge
und hier insbesondere des Schwefels. Unter
Berücksichtigung dieser Erkenntnisse wurde
von [10] eine Richtlinie zur Bodenschutzkal-
kung in Sachsen erarbeitet.
Nach dem Grundsatzbeschluss der Forstchef-
konferenz der Bundesländer vom 11. April 2003
wurde in Sachsen im Jahr 2006 die zweite
Bodenzustandserhebung (im Folgenden BZE II)
an 77 Punkten auf dem bundesweiten 8x8-km-
Inventurraster durchgeführt.
Die vorliegende Auswertung der BZE II ist ein
Resultat der langjährigen erfolgreichen Koope-
ration zwischen dem Staatsbetrieb Sachsenforst
(und dessen Vorläuferinstitutionen) und der TU
Dresden, Lehrstuhl für Physische Geographie.
Die Arbeiten profitieren zum einen von den
Begleitstudien zur BZE II – wie z. B. zu den
erwartenden Signalstärken chemischer Indika-
toren [11] – und zum anderen von dem direkten
Erfahrungsaustausch mit Länderkollegen in der
Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft zur BZE II.
Die Auswertungen stützten sich auf die Ver-
sauerungsindikatoren pH-Wert des Bodens und
Basensättigung. Der pH-Wert ist ein unmittel-
bares Maß für die in einem Boden vorhandene
Säurestärke. Die in reiner Kaliumchlorid-Bo-
den-Suspension ermittelten Werte geben im
Gegensatz zu den in einer Wasser-Boden-Sus-
pension gemessenen Werte ein Maß der po-
tenziellen Azidität an [14]. Die Basensättigung
dagegen bezeichnet die prozentualen Anteile
der Nährstoffkationen (Magnesium, Kalium,
Kalzium) an den insgesamt im Boden vor-
handenen austauschbaren und somit für die
Vegetation verfügbaren Kationen. Die effektive
Kationenaustauschkapazität (AKe) ist wieder-
um ein Maß für die Möglichkeit der Standorte,
Säurebelastungen ohne negative ökologische
Konsequenzen abzupuffern [19].
Welche Ergebnisse sind für die beiden ge-
wählten Indikatoren zu erwarten? [11] kom-
men in ihrer Begleitstudie zu dem Schluss,
dass im bayerischen Spessart seit Mitte der
1980er Jahre durch schwach steigende pH-
Werte Anhaltspunkte für eine Trendwende der
Versauerung im oberen Mineralboden zu ver-
zeichnen sind. Sie vermuten zudem, dass sich
die pH-Wert-Zunahme in größerer Bodentiefe
abschwächt. Am unteren Rand der Versaue-
rungsfront im Boden seien sogar weiterhin
pH-Wert-Abnahmen wahrscheinlich. Ein sol-
ches Phänomen beobachtete [18], zitiert in [11]
in einem Fichtenaltbestand im Höglwald in
Bayern. [15] stellt in seinen Auswertungen zur
BZE II in Brandenburg und Berlin dagegen eine
Verstärkung der Versauerung im Oberboden bis
20 cm Bodentiefe fest.
Bei der Basensättigung rechnet man mit einer
generellen Abnahme in denjenigen Bodenhori-
zonten oder Böden, die sich im Austauschpuffer-
bereich (pH-Wert
4,2 und
5,0) befinden. Dies
bestätigen auch erste Ergebnisse aus Nieder-
sachsen und Nordrhein-Westfalen. Als Ursache
wird die durch den pH-Anstieg bedingte Auf-
Ansprache des Bodens zur Ableitung
der Wasserspeicherkapazität

image
30 |
lösung von gespeicherten Aluminiumsulfaten
diskutiert. Abnahmen der Basensättigung auf
den brandenburgischen Standorten führt [15]
jedoch auf einen Rückgang des bei der BZE I
noch spürbaren Flugascheeinflusses zurück.
Vierzehn Jahre nach der Ersterhebung der
BZE I im Jahre 1992 stellt sich die Frage,
ob bzw. wie nachhaltig sich in den Waldbö-
den Sachsens bereits Änderungen der Bo-
denversauerung aufgrund der erfolgreichen
Emissionsminderungen und der kontinuierlich
durchgeführten Bodenschutzkalkungen be-
legen lassen. Dazu müssen zuerst maßgeb-
liche Einflüsse der Erhebungsmethodik auf
die Ergebnisse über Plausibilitätsprüfungen
ausgeschlossen oder zumindest eingegrenzt
werden. Das so herausgearbeitete regionale
„chemische Signal“ unterliegt in sich wie-
derum gewissen Schwankungen, welche mit
Hilfe statistischer Verfahren zu ermitteln sind.
Erst Signalstärken außerhalb des Schwan-
kungsbereichs eines Indikators erlauben die
Aussage, ob sie sich gesichert zwischen zwei
Erhebungszeitpunkten geändert haben. Der
Vergleich der aktuellen Daten der BZE II mit
denen der BZE I ist an insgesamt 74 Inventur-
punkten möglich (vgl. Abbildung 18).
In den Abbildungen 19a und 19b sind beispiel-
haft die Ergebnisse für den Erhebungspunkt
248 (Grillenburger Löss-Braunstaugley unter
Fichte; Forstbezirk Chemnitz) wiedergegeben.
Sowohl pH-Werte als auch die Zusammen-
setzung des Austauschkomplexes zeigen sehr
ähnliche Tiefenverläufe. Nur in der Humusauf-
lage bzw. den ersten 10 Zentimetern des Mine-
ralbodens sind bei den pH-Werten Erhöhungen
gegenüber der Erstaufnahme zu bemerken,
die auf die erwartete Entsauerung hinweisen
könnten. Die Basensättigung zeigt kaum merk-
liche Abnahmen.
Auf gekalkten Standorten, z. B. Aufnahme-
punkt 174 (Rothenthaler Gneis-Braunerde un-
ter Fichte, Forstbezirk Marienberg), kann man
hingegen sowohl bei den pH-Werten als auch
bei der Basensättigung deutliche Änderungen
im Oberboden erkennen (vgl. Abbildungen 20a
und b). Besonders augenfällig sind dabei die
durch den aufgebrachten dolomitischen Kalk
erhöhten Magnesiumsättigungen.
Für die Bodenerhebungen der BZE II in Sach-
sen lassen sich signifikante Rückgänge der
Säurekonzentrationen und damit ein Anstieg
des pH-Wertes im Hauptwurzelraum bis 90 cm
nachweisen (vgl. Abbildung 21). Besonders
Abb. 18: Räumliche Verteilung der vergleichbaren
Inventurpunkte der BZE II in Sachsen, unterteilt nach
den geologischen Substratgruppen der BZE I
Substratgruppen
Arme (pleistozäne) Sande
Umgelagerte kalkfreie Lockersedimente
Intermediäre und saure Magmatite oder Metamorphite
Intermediäre und saure Magmatite oder Metamorphite,
gekalkt
Verwitterungslehme und Decklehme
über quarzreichem Ausgangsgestein
Basische Magmetite
Moore

image
image
image
image
image
image
image
| 31
0 %
20 %
40 %
60 %
80 %
100 %
0 – 5
5 – 10
10 – 30
30 – 60
60 – 90
90 – 120
Tiefenstufe [cm]
Na
K
Ca
Mg
Al
Fe
Mn
H
Abb. 19b: Vergleich der prozentualen Austauscherbelegung am Inventurpunkt 248 in der BZE I (links) und BZE II (rechts)
0 %
20 %
40 %
60 %
80 %
100 %
0 – 5
5 – 10
10 – 30
30 – 60
60 – 90
Tiefenstufe [cm]
Na
K
Ca
Mg
Al
Fe
Mn
H
Abb. 19a: Vergleich der pH (H
2
O) bzw. pH (KCl)-Werte
am Inventurpunkt 248 in der BZE I (blau) und BZE II (rot)
Ol + Of
Oh
0 – 5
5 – 10
10 – 30
30 – 60
60 – 90
90 – 140
140 – 200
Tiefenstufe [cm]
pH H
2
O 1
pH H
2
O 2
2,0
2,5
3,0
3,5
4,0
4,5
5,0
5,5
6,0
Ol + Of
Oh
0 – 5
5 – 10
10 – 30
30 – 60
60 – 90
90 – 140
140 – 200
Tiefenstufe [cm]
pH (KCI) I
pH (KCI) II
2,0
2,5
3,0
3,5
4,0
4,5
5,0
5,5
6,0

image
image
image
image
image
image
32 |
Abb. 20a: Vergleich der pH (H
2
O) bzw. pH (KCl)-Werte
am Inventurpunkt 174 in der BZE I (blau) und BZE II (rot)
0 %
20 %
40 %
60 %
80 %
100 %
0 – 5
5 – 10
10 – 30
30 – 60
60 – 90
Tiefenstufe [cm]
Na
K
Ca
Mg
Al
Fe
Mn
H
Abb. 20b: Vergleich der prozentualen Austauscherbelegung am Inventurpunkt 174 in der BZE I (links) und BZE II (rechts)
0 – 5
5 – 10
10 – 30
30 – 60
60 – 90
Tiefenstufe [cm]
0 %
20 %
40 %
60 %
80 %
100 %
Na
K
Ca
Mg
Al
Fe
Mn
H
Ol + Of
Oh
0 – 5
5 – 10
10 – 30
30 – 60
60 – 90
90 – 140
140 – 200
Tiefenstufe [cm]
pH H
2
O 1
pH H
2
O 2
2,0
2,5
3,0
3,5
4,0
4,5
5,0
5,5
6,0
Ol + Of
Oh
0 – 5
5 – 10
10 – 30
30 – 60
60 – 90
90 – 140
140 – 200
Tiefenstufe [cm]
pH (KCI) I
pH (KCI) II
2,0
2,5
3,0
3,5
4,0
4,5
5,0
5,5
6,0

image
image
image
| 33
Abb. 21: Mediane der pH-Werte in Kaliumchlorid (KCl)
nach Tiefenstufen der BZE I und II; zur Erklärung der
Tiefenstufen siehe Tabelle 2
Sachsen
Sande
LockSed
MagMet
Kalk
Auflagehumus
***
ns
ns
ns
***
0–5 cm
***
*
***
***
***
5–10 cm
***
***
***
***
**
10–30 cm
***
***
ns
***
*
30–60 cm
***
***
***
***
***
60–90 cm
***
***
***
***
ns
90–140 cm
ns
Tab. 2: Signifikanz der Veränderung des pH-Wertes (KCL)
der Gesamtstichprobe, der Substratgruppen sowie der
gekalkten Magmatite/Metamorphite (* signifikant, ** sehr
signifikant, *** höchst signifikant, ns nicht signifikant).
Abnahmen rot, Zunahmen grün
Sachsen
Sande
LockSed
MagMet
Kalk
0–5 cm
ns
***
ns
ns
**
5–10 cm
***
***
*
***
ns
10–30 cm
***
***
ns
ns
ns
30–60 cm
***
***
*
***
ns
60–90 cm
***
***
ns
*
ns
90–140 cm
ns
Tab. 3: Signifikanz der Veränderung der Basensättigung
der Gesamtstichprobe, der Substratgruppen sowie den
gekalkten Magmatiten/Metamorphiten.
Abnahmen rot, Zunahmen grün
ausgeprägt sind diese Änderungen in den Hu-
musauflagen und im Mineralboden bis in eine
Tiefe von 10 cm. Die Änderungsraten nehmen
mit der Tiefe ab. Danach sind die Puffermög-
lichkeiten gegen Säureeinträge in den Oberbö-
den leicht verbessert.
Nichtsdestotrotz sind die Böden gemäß Klas-
sifizierung nach [1] weiterhin als sehr sauer
einzustufen. Bezüglich der Basensättigung sind
Abnahmen gegenüber der BZE I zu verzeichnen,
so dass im Hauptwurzelraum bis 90 cm die
durchschnittliche Basensättigung unter 15 %
liegt und damit nach [19] als gering einzu-
schätzen ist.
Nach Untergliederung der Erhebungsstandorte
in geologische Substratgruppen sind die Ef-
fekte durchaus differenziert zu betrachten. Es
handelt sich um die Substratgruppen der ar-
men eiszeitlichen Sande („Sande“) im Tiefland,
der umgelagerten kalkfreien Lockersedimen-
te („LockSed“) – vornehmlich entkalkte Lösse
des Hügellandes – sowie der intermediären
und sauren Magmatite bzw. Metamorphite.
Dies sind die Festgesteinsböden über Gneisen,
Schiefern und Graniten im Hügelland und
im Erzgebirge, welche seit 1992 in gekalkte
(„Kalk“) bzw. nicht gekalkte Standorte (Mag-
Met) unterschieden werden. Tabelle 2 zeigt die
Ergebnisse von Signifikanztests hinsichtlich
der Veränderungen für die Gesamtstichprobe
„Sachsen“ und für die einzelnen Substratgrup-
pen. Abnahmen sind in rot, Zunahmen in grün
gehalten. Mit steigender Anzahl der Sterne ist
die Gewissheit eines Unterschiedes größer.
Veränderungen der Säurekonzentration haben
in allen untersuchten Substratgruppen statt-
4,75
4,25
3,75
3,25
2,75
pH (KCI)
pH (KCI) I
pH (KCI) II
Auflage
0 – 5
5 – 10
10 – 30
30 – 60
60 – 90
90 – 140 140 – 200
Tiefenstufe (cm)

image
image
34 |
gefunden. Der stärkste Rückgang der Versauerung erfolgte stets in 0–10 cm Tiefe, darunter ist der
Rückgang überall wesentlich geringer und verläuft zudem ähnlich. Im Mineralboden bis 10 cm
sind die Änderungsraten auf den Festgesteinsböden am höchsten. In den Tiefenbereichen ab 10 cm
ist die Abnahme der Säurekonzentration bei den Lockersedimenten etwas stärker als bei den anderen
Substratgruppen. Die geringste Änderung der Säurekonzentration ist auf den Sandstandorten sichtbar.
Hier hat sie im Auflagehumus wohl durch verringerte Flugascheeinträge [5] sogar zugenommen.
In den Abbildungen 22a und b sind die Verläufe der pH-Werte mit zunehmender Bodentiefe in
Form sogenannter Box-und-Whisker-Grafiken dargestellt. Innerhalb der Boxen liegen 50 % der
Werte. In der Box liegt der Median, den 50 % der Werte über- bzw. unterschreiten.
Überlappen sich die Schnurrhaare (engl. Whisker) zwischen den jeweiligen Boxen von BZE I und
BZE II nicht, so kann ohne weiteres von wirklichen Unterschieden zwischen den Datenreihen
ausgegangen werden. Zu beachten ist noch die unterschiedliche Skala der Grafiken. In der mit
höherer Austauschkapazität ausgestatteten Gruppe LockerSed dämpft die in der Vergangenheit
gespeicherte Säure auch Verbesserungen im chemischen Milieu ab, so dass die pH-Werte dort
bisher nicht über 4,0 steigen.
Anders hingegen reagieren die sandigen Substrate, die Änderungen aufgrund der geringen Bin-
dungskapazität schneller und tiefer weiterleiten können. Auch hier liegen die pH-Werte allerdings
noch im Austauschpufferbereich, in welchem basische Kationen durch die hohe Säurekonzentrati-
on im Boden von den Austauschern verdrängt und ausgewaschen werden [8].
Abb. 22a und b: Boxplots der Boden-pH-Werte in
Kaliumchlorid (KCl) in Abhängigkeit von der Bodentiefe
für BZE I und II; a) Substratgruppe „Sande“,
b) Substratgruppe „LockSed“; n = Anzahl der
untersuchten Proben je Tiefenstufe
5,0
4,5
4,0
3,5
3,0
2,5
Abb. 22a:
pH (KCI)
BZE I
BZE II
Auflage
0 – 5
5 – 10
10 – 30
30 – 60
60 – 90
90 – 140
Tiefenstufe (cm)
n = 16
n = 17
n = 17
n = 17
n = 17
n = 17
n = 10
5,0
4,5
4,0
3,5
3,0
2,5
Abb. 22b:
pH (KCI)
BZE I
BZE II
Auflage
0 – 5
5 – 10
10 – 30
30 – 60
60 – 90
Tiefenstufe (cm)
n = 13
n = 14
n = 14
n = 14
n = 14
n = 14

image
image
| 35
Abb. 23a und b: Vergleich der pH-Werte in Kaliumchlorid
(links) und der Basensättigung zwischen ungekalkten
(MagMet) und gekalkten (Kalk) Standorten auf interme-
diären und sauren Magmatiten oder Metamorphiten
Wie hat sich nun die wiederholte Bodenschutzkalkung auf die Standortskollektive im Hügelland
und besonders im Erzgebirge ausgewirkt? Abbildungen 23a und b stellen abschließend die Resul-
tate zu den pH-Werten und zur Basensättigung für die betreffenden Substratgruppen mit und
ohne Kalkung gegenüber.
Durch die Kalkung wurden bisher nur die Humusauflage und der oberste Mineralboden (0–5 cm
Tiefe) in ihrem Säurestatus verbessert. Entsprechend ist die Basenversorgung von der Versorgungs-
klasse „gering“ (5 bis 15 %) nur in die Klasse „mäßig basenversorgt“ (15 bis 30 %) angehoben
worden. Nach leichten Verbesserungen bis 30 cm in der gekalkten Gruppe erfolgt in tieferen
Bodenschichten beider Gruppen im Verhältnis zur Erhebung 1992 ein nicht signifikanter geringfü-
giger Rückgang der Basensättigung.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Bodenschutzkalkung sich nur langsam auswirkt und zudem bisher
nicht – wie zum Teil befürchtet – zu massiven Nivellierungen der Waldböden geführt hat. Tiefer ge-
hende Auswertungen der BZE II in Sachsen – auch aus vegetationsökologischer Sicht – werden in
Kooperation mit Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, Hessen und Brandenburg
durchgeführt. Dabei ist die wichtige Frage zu klären, wie lange die Böden nach 150 Jahren mas-
siver anthropogener Säurebefrachtung restauriert werden müssen. Eine erneute Verdichtung des
Erhebungsnetzes in Sachsen auf Standorte im 4x4-km-Raster ist zumindest in der Kalkungsregion
in diesem Zusammenhang zu diskutieren.
5,0
4,5
4,0
3,5
3,0
2,5
Abb. 23a:
pH (KCI)
MagMet
Kalk
Auflage
0 – 5
5 – 10
10 – 30
30 – 60
60 – 90
Tiefenstufe (cm)
80
60
40
20
0
Abb. 23b:
Basensättigung (%)
MagMet
Kalk
0 – 5
5 – 10
10 – 30
30 – 60
60 – 90
Tiefenstufe (cm)

image
36 |
Wachstumsanalysen –
von Ring zu Ring

image
| 37
Untersuchungen zum Einfluss des Klimas
auf den Zuwachs
Klimatische Rahmenbedingungen beeinflussen
maßgeblich die Verbreitung, Vitalität und Kon-
kurrenzstärke der Baumarten. An den domi-
nierenden Baumarten der Leitwaldgesellschaf-
ten orientieren sich Bestandeszieltypen (BZT)
und künftige Waldentwicklungstypen (WET) der
Forstwirtschaft. Unter Berücksichtigung der fort-
schreitenden Klimaänderung gewinnen Kennt-
nisse zum Einfluss von Witterung und Klima auf
das Wachstum von Bäumen, deren Vitalität und
Konkurrenzstärke zunehmend an Bedeutung.
Aktuelle Klimamodelle und -projektionen deu-
ten auf künftig häufiger auftretende Extrem-
ereignisse (z.B. Starkniederschläge) und Extrem-
perioden (z.B. Hitze- oder Dürreperioden) hin.
Für Risikoanalysen und Klimaanpassungs-
strategien der Forstwirtschaft sind neben der
Berücksichtigung von sich ändernden Mittel-
werten Einschätzungen zur Wahrscheinlichkeit
klimatischer Extreme notwendig. Die Intensität
und Häufigkeit dieser Extreme werden ein maß-
geblicher Auslöser für spontane Stressreakti-
onen der Waldökosysteme und die Wirkung
biotischer Schaderreger sein. Darum ist die
Herleitung spezifischer Klimakennwerte mit
Bezug zur ökologischen Valenz der Baumarten
Voraussetzung für eine nachhaltige Bewirt-
schaftung der sächsischen Wälder.
Im Auftrag des Staatsbetriebes Sachsenforst
wurden durch die Firma UDATA in Neustadt/
Wstr. und den Lehrstuhl für Waldwachstum
und Holzmesskunde an der TU Dresden Sensi-
Stammscheibe einer zirka 100-jährigen Fichte zur
Analyse des Klimaeinflusses auf den Zuwachs.
Darauf aufbauend wird das Zuwachsverhalten
von Waldbeständen unter sich verändernden
Klimabedingungen prognostiziert.
tivität und Leistungsfähigkeit der wichtigsten
Hauptbaumarten unter sächsischen Klima-
bedingungen anhand von Jahrringanalysen
untersucht [7, 17]. Dabei wurden die bereits
beim Staatsbetrieb Sachsenforst durchgeführ-
ten Jahrringanalysen genutzt und durch vier
Neuaufnahmen für Fichte erweitert. Die für
den konkreten Standort charakteristischen
Klima- und Bodenwasserhaushaltsverhältnis-
se konnten unter Nutzung der verfügbaren
Klimadaten ab 1951 auf Tagesbasis modelliert
werden. Mittels Trendanalysen wurde die Ab-
hängigkeit des Radialzuwachses von Verände-
rungen klimatischer Parameter untersucht und
quantitativ herausgearbeitet.
Den Jahrringanalysen liegen Bohrkerne bzw.
Baumscheibenauswertungen von jeweils fünf
Forstorg-Grenzen
Freistaat
Forstbezirk
Untersuchungspunkte
Fi
Ki
Baumartenverbreitung
Fichte
Kiefer
Abb. 24: Untersuchungspunkte für die Analyse der
Klimasensitivität des Radialzuwachses von Fichte und
Kiefer in Sachsen und Jahresmittelwerte für Temperatur
und Niederschlag (1951–2006)

image
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image
38 |
Abb. 25a: Untersuchungsfläche Klingenthal auf
840 m ü. NN. mit einer Jahresdurchschnittstemperatur
von 5,5 °C* und einem Jahresniederschlag von
1.134 mm*, klimatische Wasserbilanz/Vegetationsmonat
(KWB/VZ-Monat) von 29 mm*; Bestandesalter 87 Jahre
* Betrachtungszeitraum 1955–2006
bis sieben Bäumen je Untersuchungspunkt
aus Altbeständen zugrunde, die äußerlich kei-
ne Schäden aufwiesen und an deren Krone
erkennbar war, dass sie schon seit mehreren
Jahrzehnten der herrschenden Bestandes-
schicht angehörten. Insofern repräsentieren
diese Probebäume ein standortstypisches und
von Konkurrenzeinflüssen weitgehend unab-
hängiges Wachstum.
In Abbildung 24 ist die räumliche Verteilung der
Untersuchungspunkte dargestellt. Die 15 Un-
tersuchungsflächen der Fichte decken ihr aktu-
elles Vorkommen repräsentativ ab. Für die Kiefer
hingegen können anhand der sechs Probe-
punkte nur Aussagen für den ostsächsischen
Raum gemacht werden. Die in dem Projekt ge-
nutzten Zuwachsdaten stammen sowohl von
Erhebungen auf fichten- bzw. kiefernbestockten
Forstlichen Dauerbeobachtungsflächen (Level II)
als auch aus vertiefenden Untersuchungen an
Weiser-Bodenprofilen der forstlichen Standorts-
erkundung (Recognition-Projekt) sowie von
fünf aus Repräsentanzgründen zusätzlich ein-
bezogenen Fichtenbeständen.
Vor der Analyse des Klimaeinflusses auf den
Radialzuwachs wurde eine Standardisierung
der Zuwachsreihen vorgenommen, um stören-
de Trends und Einflüsse zu eliminieren und eine
standardisierte Radial-Zuwachschronologie zu
generieren.
In den Abbildungen 25a und b sind für die
Fichten-Untersuchungsflächen
Klingenthal
und Langebrück (Dresdner Heide) Zuwachskur-
ven und Radialzuwachschronologien beispiel-
haft dargestellt.
Das für Pflanzen nutzbare Bodenwasserspei-
chervermögen ist auf den Beispielstandorten
ähnlich. Die klimatischen Verhältnisse sind
dagegen sehr unterschiedlich. Dies wird bei
Betrachtung der klimatischen Wasserbilanz als
Differenzgröße aus dem Niederschlag abzüg-
lich der potenziellen Verdunstung deutlich. In
den Abbildungen 25a und b ist sie auf jeweils
einen Monat der forstlichen Vegetationszeit
Abb. 25b: Untersuchungsfläche Langebrück auf
260 m ü. NN. mit einer Jahresdurchschnittstemperatur
von 8,7 °C* und einem Jahresniederschlag von
873 mm*, klimatische Wasserbilanz/Vegetationsmonat
(KWB/VZ-Monat) von -8 mm*; Bestandesalter 120 Jahre
* Betrachtungszeitraum 1955–2006
55
0
-55
KWB/VZ-Monat [mm]
1951 1956 1961 1966
1971
1976 1981 1986 1991 1996 2001 2006
KWB/VZ-Monat
Zuwachs
RZ-Chronologie
Zuwachs [mm/a]; RZ-Chronologie
5,0
4,0
3,0
2,0
1,0
0,0
-1,0
-2,0
-3,0
-4,0
-5,0
55
0
-55
KWB/VZ-Monat [mm]
1951 1956 1961 1966
1971
1976 1981 1986 1991 1996 2001 2006
KWB/VZ-Monat
Zuwachs
RZ-Chronologie
Zuwachs [mm/a]; RZ-Chronologie
5,0
4,0
3,0
2,0
1,0
0,0
-1,0
-2,0
-3,0
-4,0
-5,0

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| 39
(Tage >10 °C) des entsprechenden Jahres be-
zogen. Während sich die Klingenthaler Fläche
in den meisten Jahren hinsichtlich des Wasser-
haushaltes in einer ausgeglichenen Situation
befand, war auf der Fläche bei Langebrück
der Verdunstungsanspruch der Atmosphäre
nominal zumeist höher als die zur Verfügung
stehenden Niederschläge, so dass die Wasser-
speicherfähigkeit des Bodens hier eine deutlich
stärkere Bedeutung für die Vegetation hatte.
Auffällig sind die starken Schwankungen der
klimatischen Wasserbilanz zwischen den ein-
zelnen Jahren, was nochmals unterstreicht,
dass Mittelwerte immer im Kontext der Varianz
ihrer Eingangsdaten betrachtet werden müs-
sen. Diese Schwankungen sind sowohl durch
die unterschiedlichen Niederschlagsereignisse
als auch durch die Variationen der Vegetati-
onszeitlänge (also der Temperaturverläufe) der
einzelnen Jahre bedingt (vgl. Abbildung 26).
Analyse der Radialzuwächse und Radialzu-
wachs-Chronologien
Während die Zuwachskurven der sechs Kie-
fernflächen relativ uneinheitlich verlaufen, ist
dagegen bei den meisten Fichtenflächen ein
Anfang der 1970er Jahre einsetzender und
bis Ende der 1980er Jahre anhaltender Zu-
wachseinbruch festzustellen, auf den eine bis
zum Jahr 2000 anhaltende Phase steigender
Zuwächse folgt (vgl. Abbildung 27). Eine ähn-
liche, wenngleich zeitlich früher einsetzende
Zuwachserholung wurde für die Fichte auch in
anderen Regionen Deutschlands nachgewiesen
[16]. Nach dem Jahr 2000 deutet sich jedoch
bei der Fichte ein tendenzieller Rückgang der
Radialzuwächse an.
Schätzmodelle Fichte Sachsen/
Kiefer Ostsachsen
Der Regressionsanalyse zufolge wirken sich für
die Fichte vor allem die Temperaturen in be-
stimmten Abschnitten der Vegetationsperiode
(Monate Mai, Juni, Juli des laufenden Jahres
sowie August des Vorjahres) förderlich auf
den Zuwachs aus. Zuwachsmindernd (negativ
korreliert) sind hohe Temperaturen im Hoch-
sommer (Monat August) und in der gesamten
Vegetationsperiode (die meist mit geringeren
Niederschlägen einhergehen) sowie hohe Ver-
dunstungspotenziale im Juni, Oktober und in der
gesamten Vegetationsperiode des Vorjahres.
Abb. 26: Forstliche Vegetationszeit der Untersuchungs-
fläche Langebrück (mit ansteigendem Trend von
158 Tagen auf 171 Tage im Zeitraum 1951–2006)
6,0
5,0
4,0
3,0
2,0
1,0
0,0
Radialzuwachs (mm)
Klingenthal
Cunnersdorf
Olbernhau
Bautzen
1920
1930
1940
1950
1960
1970
1980
1990
2000
2010
Abb. 27: Radialzuwachs-Bestandesmittelkurven
für 4 Fichtenflächen
220
200
180
160
140
120
Anzahl Tage > 10 °C
1951 1956 1961 1966
1971
1976 1981 1986 1991 1996 2001 2006
Messwerte/Jahre
Lineartrend

image
image
40 |
Zur Ermittlung der Zuwachstrends bis 2100
wurden die prognostizierten Radial-Zuwachs-
chronologien herangezogen, die auf dem
Schätzmodell Fichte Sachsen basieren. Für die
Prognose wurde die im Auftrag des LfUG be-
reitgestellte WEREX-Regionalisierung des B1-
Szenarios aus dem Jahre 2006 für 170 Klima-
stationen in Sachsen genutzt.
Die prognostizierten Radial-Zuwachschronolo-
gien der Fichte in Sachsen weisen im Zeitraum
von 2000 bis 2100 durchweg einen negativen
Trend auf, wie Abbildung 28 beispielhaft ver-
deutlicht.
Jahre, in denen der negative Ausschlag der
Radial-Zuwachschronologie größer als die
einfache Standardabweichung ist, sind durch
deutliche Zuwachsverluste gekennzeichnet.
Diese betragen je nach Untersuchungsstand-
ort für die gemessenen Werte der Vergangen-
heit zwischen 21 und 44 %. Die Häufigkeit
dieser Ereignisse steigt im Prognosezeitraum
bis 2100 z. T. deutlich an, darüber hinaus
treten diese Ereignisse meist in relativ ra-
scher zeitlicher Abfolge in Erscheinung, was
als zusätzlicher Stressfaktor gewertet werden
muss.
4
3
2
1
0
-1
-2
-3
-4
Zuwachsindex
tatsächliche
Radialzuwachs-
chronologie
prognostizierte
Radialzuwachs-
chronologie
nach dem
Schätzmodell
Lineartrend der
prognostizierten
Chronologie
1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010 2020 2030 2040 2050 2060 2070 2080 2090 2100
Abb. 28: Fläche Bautzen: tatsächliche Radial-Zuwachs-
chronologie (grün), prognostizierte Chronologie bis zum
Jahr 2100 (blau, nach dem Schätzmodell Fichte Sachsen)
und Lineartrend der prognostizierten Chronologie für
den Zeitraum zwischen 2000 und 2100 (schwarz)
4
3
2
1
0
-1
-2
-3
-4
Zuwachsindex
tatsächliche
Radialzuwachs-
chronologie
Modellwerte als
Radialzuwachs
nach dem
Schätzmodell
1950
1960
1970
1980
1990
2000
2010
Abb. 29: Fläche Laußnitz: Gegenüberstellung der tat-
sächlichen Radial-Zuwachschronologie (grün) und der
Modellwerte (rot) nach dem Schätzmodell Kiefer
Auf der Grundlage des Schätzmodells wurden
sensitive Klimabereiche herausgearbeitet, wo-
nach die Fichte mit markanten Einbrüchen des
Radialzuwachses reagiert, wenn die Wasser-
versorgung während der Wachstumsphase an-
gespannt ist und außerdem in diesem Zeitraum
hohe Temperaturen auftreten. Dies ist der Fall,
wenn in den Monaten April bis Juni weniger
als 200 mm Niederschlag fallen und/oder die
klimatische Wasserbilanz unter einen Wert von
-50 mm sinkt. Kritische Grenzwerte für die
gesamte Vegetationsperiode sind Niederschlä-
ge unter 350 mm oder Werte unter 0 mm für
die klimatische Wasserbilanz. Wachstumshem-
mend wirken darüber hinaus geringe Nieder-
schläge (< 50 mm) in den Monaten Februar und
April, niedrige Temperaturen im März (< 1 °C)
bzw. hohe Temperaturen im April (> 6–7 °C)
und Juni (>14–16 °C).
Am Beispiel der Kiefern-Fläche Laußnitz in Ab-
bildung 29 ist der Verlauf der Modellwerte im
Vergleich zu den tatsächlichen Radial-Zuwachs-
chronologien erkennbar. Förderlich für den
Radialzuwachs der Kiefer wirken Niederschläge
und Luftfeuchtigkeit in der Vegetationsperiode
und die Windgeschwindigkeit im Zeitraum
Jahr
Jahr

| 41
April bis Juni. Negativ korreliert mit der Radial-
Zuwachschronologie sind vor allem die poten-
zielle Verdunstung sowie die Temperatur in der
Vegetationsperiode des Vorjahres.
Für die Baumart Kiefer deuten die Progno-
sen auf keine grundlegenden Änderungen des
Wuchsverhaltens hin: So werden auch in Zu-
kunft zuwachsstarke und zuwachsschwache
Jahre im natürlichen Wechsel in Erscheinung
treten.
Hinsichtlich sensitiver Klimabereiche zeigt die
Kiefer ein der Fichte ähnliches Reaktions-
muster. Auch sie reagiert auf angespannte
Wasserversorgung und hohe Temperaturen
während der Wachstumsphase mit deutlichen
Einbrüchen des Radialzuwachses: Dies tritt vor
allem dann ein, wenn in den Monaten April bis
Juni weniger als 140 mm Niederschlag fallen,
die klimatische Wasserbilanz unter einen Wert
von -110 mm sinkt oder die Durchschnittstem-
peratur über 12 °C liegt.
Kritische Grenzwerte für die gesamte Vegetati-
onsperiode sind Niederschläge unter 300 mm,
Werte von unter -200 mm für die klimatische
Wasserbilanz, Durchschnittstemperaturen von
mehr als 15 °C und Werte von über 450 mm für
die potenzielle Verdunstung in der Vegetations-
periode des Vorjahres. Wachstumshemmend
wirken darüber hinaus geringe Niederschläge
(< 30 mm) in den Monaten Februar und April, ho-
he Temperaturen in den Monaten April (> 7 °C),
Mai (>13 °C) und Juni (>17 °C) sowie eine
Temperatur von mehr als 14 °C in der Vegetati-
onsperiode des Vorjahres.
Vergleich der Zuwachstrends für Fichte und
Kiefer
Die Zuwachstrends der Baumarten Fichte und
Kiefer zeigen für den Prognosezeitraum bis
zum Jahr 2100 eine höchst unterschiedliche
Entwicklung. Für Fichte werden die Wuchs-
bedingungen bis Ende des 21. Jahrhunderts
zunehmend problematisch. So weisen die Ra-
dial-Zuwachschronologien der untersuchten
Standorte einen klar negativen Trend auf. Dar-
über hinaus steigt die Häufigkeit des Auftre-
tens stark negativer Ausschläge der Radial-Zu-
wachschronologien im Prognosezeitraum z. T.
drastisch an. Erschwerend kommt hinzu, dass
diese negativen Ausschläge nicht gleichmä-
ßig über den Prognosezeitraum verteilt vor-
kommen. Wäre dies so, könnten die Bestän-
de nach jedem Ereignis eine Erholungsphase
durchlaufen. Vielmehr treten diese Ereignisse
meist in engem zeitlichen Zusammenhang in
Erscheinung, was eine Erholung der Bestän-
de beschränkt und insbesondere auf geringer
wasserversorgten Standorten als zusätzlicher
Stressfaktor gewertet werden muss. Kriti-
sche Jahre mit Trockenperioden (Niederschlag
1 mm/Tag) länger als 20 Tage treten den
Simulationsrechnungen zufolge für über 50 %
der Fichtenstandorte in der zweiten Hälfte
des Jahrhunderts viermal auf. Es ist deshalb
nicht auszuschließen, dass in den betroffenen
Regionen Individuen aus dem mitherrschen-
den oder zwischenständigen Bereich ausfallen
und somit eine langsam voranschreitende,
schleichende Auflichtung bzw. Auflösung der
Bestände einsetzt. Darüber hinaus sind in den
Jahren mit negativen Ausschlägen der Zu-
wachschronologien Reduktionen von ca. 20 bis
40 % des Radialzuwachses zu veranschlagen.
Für die Kiefer konnten keine negativen Aus-
wirkungen der modellierten Klima- und Bo-
denwasserhaushaltswerte auf die Radial-Zu-
wachschronologien herausgearbeitet werden.
Außerdem war im Prognosezeitraum bis 2100
kein vermehrtes Auftreten negativer Ausschlä-
ge der Radial-Zuwachschronologien feststell-
bar. Somit dürfte die Kiefer, von Reduktionen
des Radialzuwachses in besonders ungüns-
tigen Jahren abgesehen (die allerdings bei
weitem nicht so stark wie bei Fichte ausfallen),
unter dem angenommenen Klimaszenario auch
in den nächsten 100 Jahren in Sachsen als
Waldbaum keinen zusätzlichen, direkt wirken-
den klimabedingten Risiken ausgesetzt sein.
Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendig-
keit des seit den 1990er Jahren in Sachsen aktiv
betriebenen Waldumbaus. Schwerpunkt bildet
hierbei der Umbau von Fichtenreinbeständen
im Löss-Hügelland sowie im Erzgebirgsvor-
land und Vogtland in stabilere Mischbestände.
Im Zusammenhang mit den Unwägbarkeiten
von Klimawandel und Schadorganismenent-
wicklung gewinnt die Option zu Wäldern mit
vielfältigen standortsgerechten Baumartenmi-
schungen, einschließlich der differenzierten
Betrachtung der Neophyten, zunehmend als
Klimawandel-Anpassungsstrategie an Bedeu-
tung.

image
42 |
Der aktuelle Kronenzustand

| 43
Witterung
Unabhängig von der Stoffhaushalts- und
-eintragssituation übt die Witterung einen
wesentlichen Einfluss auf den Zustand der
Wälder aus. In den Jahrzehnten mit hohen
atmosphärischen Stoffeinträgen überprägten
oder verstärkten diese jedoch den Witterungs-
einfluss. Aus diesem Grund standen die Stoff-
einträge als Einflussfaktoren des Waldzu-
standes in den letzten zwei Jahrzehnten im
Blickpunkt der Waldschadensforschung und
der Waldzustandserhebungen. Nach Rückgang
der Säureeinträge in den 90er Jahren und
den aufwändigen Sanierungsmaßnahmen der
Waldböden durch die Bodenschutzkalkung in
den letzten Jahren bestimmten extreme Wet-
terereignisse und Witterungsperioden als Ursa-
chen für negative Veränderungen den Zustand
der sächsischen Wälder.
Als Beispiele können die trocken-heißen Witte-
rungsperioden des Jahrhundertsommers 2003,
die fast zwei Monate anhaltende Trockenheit
2006 und der sommerwarme April 2007 an-
geführt werden. Der Wassermangel führte vor
allem bei älteren Bäumen und in zahlreichen
Verjüngungen zu Vitalitätseinbußen.
Neben dem Ausbleiben der Niederschläge führ-
te auch deren tendenzielle Verlagerung in das
Winterhalbjahr zu wiederholten Belastungssi-
tuationen. Ergiebige Schneefälle, die vor allem
bei Temperaturen um den Gefrierpunkt schwe-
re Nassschneeauflagen bedingen, beanspruch-
ten im Winter 2005/06 zahlreiche Baumkronen
über ihre Widerstandsfähigkeit hinaus und
führten in entsprechenden Höhenlagen zu er-
heblichen Schneebruchschäden.
Derartige Belastungen für Bäume sind das
Ergebnis des Wettergeschehens von Tagen bis
Wochen. Unsere Atmosphäre besitzt jedoch
eine solche Dynamik, das auch einzelne, we-
nige Stunden anhaltende Wetterextreme wie
die Stürme „Kyrill“ und „Emma“ wiederholt den
Wald intensiv beeinflussen.
Bei den genannten Beispielen ist es weniger
eine einzelne meteorologische Größe, die zu der
extremen Belastungssituation führt. In der Regel
entscheidet erst das Zusammenspiel mehrerer
Faktoren über das Ausmaß der Wirkung auf das
äußere Erscheinungsbild und die Lebenskraft
der Bäume.
Ob ein einzelner Baum einen Sturm überstehen
kann, hängt neben seinem Habitus nicht zuletzt
auch von seiner Wurzelbeschaffenheit und
damit seiner Standfestigkeit ab, die von den
chemischen (Versauerungsgrad) und physika-
lischen Bodeneigenschaften beeinflusst wird.
Haben Niederschläge den Boden aufgeweicht,
so ist ein Baum zudem, unabhängig von der
Größe und Ausprägung seines Wurzelsystems,
aktuell schlecht im Boden verankert. Ist der
Boden dagegen trocken oder gefroren, bedarf
es wesentlich größerer Kräfte, ihn umzuwerfen.
Führen die Windkräfte daraufhin lediglich zu
einem Verlust von Teilen der Krone, so vermag
der Baum den Sturm zu überstehen und kann
seine Baumkrone sowie nicht sichtbare Wur-
zelabrisse wieder regenerieren.
Die Trockenphasen der Jahre 2003 und 2006
haben gezeigt, dass in Bezug zum jährlichen
Lebensrhythmus der Bäume der zeitliche As-
pekt des Eintretens der ungünstigen Witterung
von großer Bedeutung ist. Die bereits wenige
Wochen nach Laubaustrieb auftretende Tro-
ckenheit 2006 wirkte sich in Sachsen sichtbar
stärker auf die Vitalität aus als die heißen Tage
im Hochsommer 2003.
Die Beurteilung von Witterungsverläufen und
ihre nachhaltige Wirkung auf den Waldzu-
stand sind aus den skizzierten Gründen heraus
sehr komplex. Als langlebige Individuen besit-
zen Bäume vielfache Anpassungsmechanis-
men, um gegenüber den während ihres Lebens
auftretenden klimatischen Wetterextremen als
Individuum, aber auch als Art bestehen zu
können.
Entsprechend der prognostizierten und nun
auch registrierten Veränderungen des Klimas
könnten die Stürme, Nassschneeereignisse und
Trockenphasen der letzten Jahre immer häu-
figere Extreme in unseren Wäldern darstellen.
Da Einzelbäume über die Reservestoffbildung
Phasen hoher Belastung ausgleichen können
und auch Wurf- und Bruchschäden in der Re-
gel von strukturellen Anpassungen der Wälder
begleitet werden, wird der Waldaufbau wie
auch der Vitalitätszustand zukünftig von der
zeitlichen Wiederkehr der Extreme und der
Dauer der zwischenzeitlichen Erholungsphasen
bestimmt werden.
Zusammenfassend betrachtet, gestaltete sich
der Witterungsverlauf vom Jahreswechsel
2008/09 bis zum August 2009 für den
Stoffwechsel der Bäume günstig. Die Vege-
tationsperiode 2009 wurde landesweit von
durchschnittlichen Lufttemperaturen und re-
gelmäßigen, ausreichenden Niederschlägen
bestimmt. Abbildung 30 zeigt dies anhand der
Lufttemperaturen im Monatsmittel und der
klimatischen Wasserbilanz ausgewählter Wald-
klimastationen. Die klimatische Wasserbilanz
ist hierin ein berechneter Referenzwert und
gibt an, inwieweit der aus der Verdunstung
resultierende Wasserverbrauch einer Grasdecke
durch den Niederschlag ausgeglichen wird.
Nach den beiden zurückliegenden milden und
niederschlagsarmen Wintern 2006/07 sowie
2007/08 war der Winter 2008/09 deutlich
kälter und niederschlagsreicher. Die Monats-
mitteltemperaturen lagen im Januar und Fe-
bruar zwischen 1 und 3 Kelvin (K) unter den
langjährigen Mittelwerten von 1971–2000. Das
Anfang Januar einsetzende und bis zur Mo-
natsmitte anhaltende klare Frostwetter hatte
extrem tiefe Temperaturen zur Folge. Die abso-
lute Minimumtemperatur von -27,5 °C wurde
am 7. Januar 2009 um 2 Uhr morgens an der
Waldklimastation im Zellwald gemessen. Dabei
handelt es sich sogar um das absolute Tempe-
raturminimum der bisherigen Aufzeichnungen
auf Waldklimastationen seit 1994.
Von Mitte Januar bis Ende März herrsch-
te nasskaltes Winterwetter vor. Während im
Tiefland entstehende Schneedecken durch
zwischenzeitliches Tauwetter wiederholt ver-
schwanden, stiegen die Schneedecken im Ge-
birge kontinuierlich an. Auf dem Fichtelberg
wurde im Januar eine Schneehöhe von 82 cm
gemessen, nach den ergiebigen Schneefällen
in der letzten Märzdekade sogar 203 cm. Somit
war der Winter 2008/09 ähnlich schneereich
wie der Winter 2005/06.
Eine über den gesamten April anhaltende
Hochdruckwetterlage führte zu überdurch-
schnittlichen Werten bezüglich Sonnenschein-
Eichenkrone mit
intensivem Fruchtbehang

image
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44 |
dauer und Lufttemperatur. Letztere lag auf
den Waldklimastationen zwischen 3,5 und
5 Kelvin über den langjährigen Mittelwerten. In
den höheren Gebirgslagen setzte aufgrund der
Beschattung durch die vorherrschenden Fich-
tenwälder und die Strahlungsreflexion der ge-
schlossenen Schneedecken eine nur langsame
und anhaltende Tauperiode ein. Bei Lufttem-
peraturen mit Tagesmaxima von annähernd
20 °C sind Fichten photosynthetisch aktiv und
müssen das über die Spaltöffnungen verduns-
tende Wasser über die Wurzeln aufnehmen. In
Verbindung mit Bodenfrost können deshalb
derartige Witterungsperioden zu Trockenstress
bei Nadelbäumen führen. Auf der höchstgele-
genen Waldklimastation bei Klingenthal lagen
die Bodentemperaturen jedoch bereits über
dem Nullpunkt, so dass der bis Mitte April ab-
schmelzende Schnee in tiefere Bodenschichten
sickern konnte und den Fichten zur Verfügung
stand.
Einzelne Tiefausläufer mit punktuellen, teils
ergiebigen Regenereignissen am 7./8. und
16./17. April beschleunigten vielerorts die
Schneeschmelze.
Nach dem warmen, trockenen und sehr son-
nigen April verzögerte das Ende April einset-
zende und fast den gesamten Mai andauernde
kühl-feuchte und unbeständige Wetter den
Laubaustrieb.
Die bereits für den Mai charakteristischen
Wechsel zwischen kurzen Hochdruckwetterla-
gen und Tiefausläufern mit teilweise ergiebigen
Niederschlägen hielten auch die Sommermo-
nate bis in den August hinein an. Vor allem
den Juni prägte eine, bezogen auf die Durch-
schnittswerte, etwas zu kühle und feuchte
Sommerwitterung.
Bis auf wenige Ausnahmen liegen die auf der
Basis von Lufttemperatur, Globalstrahlung und
Niederschlagssummen berechneten klimati-
schen Wasserbilanzen über den langjährigen
Mittelwerten. Vor allem auf den Stationen
Weißwasser und Cunnersdorf fielen die Was-
serbilanzen ungewöhnlich hoch aus und waren
selbst im Sommer positiv.
Die Wuchsleistungen und Lebensprozesse der
Bäume werden nicht allein durch die atmo-
sphärischen Bedingungen beeinflusst. Erst aus-
reichende Bodenwassergehalte gewährleisten
eine anhaltende Wasseraufnahme durch die
Wurzeln und ermöglichen so hohe Photosyn-
theseraten. Das Wasserspeicherverhalten der
Waldböden ist deshalb ein so wesentlicher
Einflussfaktor, da es Perioden negativer Was-
serbilanzen ausgleichen kann. Durch die Wald-
klimastationen werden Bodenwassergehalte im
Hauptwurzelbereich gemessen. Da es sich bei
den Standorten der Waldklimastationen um
baumfreie, von Gräsern, Kräutern und Zwerg-
sträuchern bedeckte Flächen handelt, können
die dort gemessenen Bodenwassergehalte von
den tatsächlichen in den Waldbeständen in Ab-
hängigkeit von deren Bestandesstruktur deut-
Abb. 30: Monatsmittel der Lufttemperaturen und die
klimatische Wasserbilanz von Januar bis August 2009
für ausgewählte Waldstandorte
Abb. 31: Waldklimastation Klingenthal am 2. April 2009
Forstliche Höhenstufen
Tiefland
Hügelland/Untere Berglagen
Mittlere, Höhere Berglagen und Kammlagen
Waldklimastation
langjähriges Mittel der KWB
klimatische Wasserbilanz (KWB)
Temperatur
langjähriges Mittel der Temperatur

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| 45
lich abweichen (Abbildung 32). Die Menge und
Zusammensetzung des Feinbodens aus Ton-,
Schluff- und Sandbestandteilen bestimmen
im Wesentlichen das Wasserspeicherverhalten
der Böden. In den Poren des Feinbodens, die
kleiner als 50 µm sind, kann Wasser durch die
Kapillarwirkung gegen die Schwerkraft ge-
halten werden bzw. sickert nur sehr langsam.
Diese Wassermenge ist die sogenannte Feld-
kapazität der Böden. Wassergehalte, die über
die Feldkapazität hinausgehen, sickern in den
größeren Bodenporen aufgrund der Schwer-
kraft relativ schnell in tiefere Bodenschich-
ten und letztendlich ins Grundwasser. Ohne
ständige Wasserzufuhr durch Niederschläge
oder seitlichen Wasserzug treten Wasserge-
halte oberhalb der Feldkapazität in Böden
ohne Stauschichten nur temporär auf. Ein
derartiger Wasserüberschuss zeigte sich in der
ersten Aprilhälfte auf der Station Klingenthal
im Zuge der Schneeschmelze.
Beim Vergleich der Frühjahrsbodenfeuchten
der einzelnen Stationen werden die zwischen
den Bodenarten bestehenden Unterschiede der
Feldkapazitäten deutlich. Die für das Hügelland
charakteristischen Lössböden mit hohen Ton-
und Schluffanteilen, wie sie auf der Station
Zellwald vorkommen, weisen mit 50 % die
höchsten Feldkapazitäten auf. Ähnlich hohe
Werte erreicht die Station Olbernhau, welche
die prägenden Gneisböden im mittleren und
östlichen Erzgebirge repräsentiert.
Phyllit- und Granitböden wie an den Waldkli-
mastationen Eich und Klingenthal sind typisch
für das Westerzgebirge. Diese zeichnen sich
durch höhere Grus-, Kies- und Steingehalte aus,
sodass die Feinbodenanteile geringer sind. Sie
weisen gegenüber den zuvor beschriebenen
Löss- und Gneisböden etwas geringere Was-
sergehalte von etwa 30 % auf. Mit Gehalten
zwischen 20 und 25 % speichern daneben die
Sandböden im niederschlagsarmen Tiefland
noch geringere Wassermengen. Die Wasser-
speicherkapazität der Sandböden variiert in
Abhängigkeit von ihrer Zusammensetzung und
Körnungsgröße. Gegenüber den reinen Sanden
in Doberschütz weisen die lehmigen Sandbö-
den in Roitzsch Wassergehalte von über 30 %
im Frühjahr auf, die ähnlich den Böden im
Gebirge sind.
Im April stiegen zunächst witterungsbedingt die
Verdunstungsraten an. Mit dem zeitlich gestaf-
felten Beginn der Vegetationszeit erhöhten sich
transpirationsbedingt die Verdunstungsraten
deutlich. Bis in die Mittleren Berglagen hinein
konnte der über Wochen sehr geringe Nieder-
schlag diesen zunehmenden Wasserbedarf nicht
mehr ausgleichen. Infolgedessen verminderten
sich mit Ausnahme der Stationen Klingenthal
und Olbernhau die Bodenwassergehalte. Die
stärksten Minderungsraten waren im sächsi-
schen Tiefland zu verzeichnen. Temperaturbe-
dingt trafen hier hohe Verdunstungsraten auf ei-
ne vergleichsweise geringe Wasserspeicherkraft.
Abb. 32: Verlauf der täglichen Minima der Bodenfeuchte
in 30 cm Tiefe an ausgewählten Waldklimastationen
Forstliche Höhenstufen
Tiefland
Hügelland/Untere Berglagen
Mittlere, Höhere Berglagen und Kammlagen
Waldklimastation

46 |
Ein Teil des im Boden enthaltenen Wassers ist so fest an die Bodenpartikel gebunden, dass es von
Pflanzenwurzeln nicht mehr aufgenommen werden kann. Die entsprechende Bodenfeuchte wird
Totwassergehalt genannt. Das den Pflanzen zur Verfügung stehende Bodenwasser wurde jedoch
lediglich auf der Station Doberschütz bis Mitte Mai aufgebraucht. Auf allen anderen Stationen
führten die wiederholten überdurchschnittlichen Sommerniederschläge zu Bodenwassergehalten
im Bereich der nutzbaren Feldkapazität.
Allgemeine Situation und regionale Ausprägung
Allgemeine Situation
Als langlebige und ortsfeste Lebewesen können sich Bäume Witterungsextremen und biotischen
Angriffen sowie den anthropogenen Veränderungen ihrer geochemischen Umwelt nicht entzie-
hen. Die vielfältigen Stressbelastungen bewirken sichtbare Veränderungen in der Kronendichte
und -struktur, sobald das individuelle Toleranzniveau überschritten wird. Diese Veränderungen im
Belaubungs-/Benadelungszustand erfasst die Waldzustandserhebung (WZE). Im zeitlichen Verlauf
der Entwicklung des Kronenzustandes lassen sich in Abhängigkeit von der Reaktionsfähigkeit der
Baumart und der akuten bis chronischen Wirkung des Stressfaktors kritische Belastungssituatio-
nen erkennen.
Die Waldzustandserhebung wurde im Jahr 2009 auf 283 Probepunkten mit 6.792 Probebäumen
des 4x4-km-Rasters durchgeführt. Da die Stichprobenbestände natürlichen Differenzierungspro-
zessen und der forstlichen Bewirtschaftung unterliegen, ist es möglich, dass Stichprobenbäume
aus dem Kollektiv ausscheiden. Streng systematisch wird in diesen Fällen ein Ersatzbaum ausge-
wählt. So wurden in diesem Jahr 89 Bäume (über 60 Jahre) aus folgenden Gründen ersetzt:
57 Bäume wurden im Rahmen regulärer forstlicher Eingriffe entnommen
21 Bäume wurden außerplanmäßig infolge von Insektenbefall oder anderen Ursachen aus
forstsanitären Gründen entnommen
9 Bäume erfüllten nicht mehr die Anforderungen an einen Stichprobenbaum, i. d. R. gehörten
sie nicht mehr zur herrschenden Bestandesschicht. Die Krone war damit von Nachbarbäumen
überwachsen und somit nicht mehr bonitierbar
2 Bäume waren durch Wind gebrochen oder geworfen.
Der Ersatz von Stichprobenbäumen umfasst in diesem Jahr 2,7 % des Kollektivs und liegt damit
geringfügig über der durchschnittlichen Dynamik der Stichprobe.
Ohne regionale und baumartenspezifische Unterschiede zu berücksichtigen, blieb der mittlere
Nadel-/Blattverlust mit 17,4 % nahezu unverändert zum Vorjahreswert (16,6 %). Die Verteilung
der Schadstufen weist auf die Differenziertheit der Kronenverlichtung in Kombination mit dem
Auftreten von Verfärbungen hin. Demnach sind 2009 in Sachsen
18 % der Waldfläche als deutlich geschädigt (Schadstufen 2–4),
40 % als schwach geschädigt (Schadstufe 1) und
42 % ohne erkennbare Schadmerkmale (Schadstufe 0) einzustufen
(vgl. Abbildung 33, Tabelle 4 und 6, Anhang).
Im Vergleich zum Vorjahr haben sich sehr geringe Verschiebungen von der Stufe schwach geschä-
digter zu deutlich geschädigten Bäumen ergeben, während die Anteile gesunder Bäume unverän-
dert blieben. In der Gruppe der deutlichen Schäden (18 %) weist ein Großteil der Bäume (17 %)
mittelstarke Schäden auf (Schadstufe 2), während lediglich 1 % stark geschädigt bzw. abgestorben
(Schadstufen 3 und 4) sind.
Im 19-jährigen Beobachtungszeitraum zeichnen sich mehrere Phasen der Verbesserung und Ver-
schlechterung des Kronenzustandes ab. Außergewöhnliche Witterungsverläufe (Winter 1995/96,
Sommer 2003, Sommer 2006), deren Wirkungen zum Teil durch extreme atmosphärische Stoff-
konzentrationen (z. B. hohe Schwefeldioxidkonzentrationen im Winter 1995/96) verstärkt wurden,
führten zu Phasen mit hoher Stressbelastung und den damit verbundenen negativen Auswirkun-
gen auf den Kronenzustand. In den sich anschließenden Erholungsphasen verbesserte sich der
Kronenzustand jeweils wieder.

| 47
Über den gesamten Beobachtungszeitraum hinweg zeigte der Kronenzustand aller Stichproben-
bäume jedoch keine eindeutige positive oder negative Tendenz. Erst ein detaillierter Blick auf die
verschiedenen Baumarten, Wuchsgebiete und Baumalter lässt die Dynamik im Kronenzustand der
Bäume in Sachsen erkennen.
Regionale Ausprägung des Kronenzustandes
Aussagen zur regionalen Ausprägung des Kronenzustandes können auf der Basis der forstlichen
Wuchsgebiete im 4x4-km-Raster nur teilweise statistisch abgesichert werden. Aus diesem Grund
wurden einige kleine Wuchsgebiete zusammengefasst. Bei Wuchsgebieten, die über die Landes-
fläche Sachsens hinausgehen, beziehen sich die Angaben ausschließlich auf den sächsischen Teil.
Für die Wuchsgebiete Sachsen-Anhaltinische-Löss-Ebenen (WG 23), Leipziger-Sandlöss-Ebene
(WG 24) und Erzgebirgsvorland (WG 26) ist der Stichprobenumfang infolge des geringen Waldan-
teiles für eine sinnvolle Auswertung allerdings zu gering.
Die Ergebnisse der Wuchsgebietsauswertung sind in Abbildung 34 sowie Tabelle 9 (Anhang)
veranschaulicht. Die Diagramme in Abbildung 34 zeigen die Entwicklungstrends der Schäden in
den Wuchsgebieten. Zu berücksichtigen ist, dass die Ergebnisse für die Wuchsgebiete neben den
vorherrschenden Boden- und Klimatypen vor allem von der dort jeweils vorherrschenden Baumar-
ten- und Altersklassenverteilung geprägt werden (vgl. Tabelle 8, Anhang).
Während in den beiden Vorjahren kaum regionale Unterschiede im Kronenzustand auftraten,
unterscheiden sich die in diesem Jahr beobachteten Häufigkeiten deutlicher Schäden merklich
zwischen den Wuchsgebieten. Geringe Nadel- und Blattverluste kamen im Vogtland und in den
beiden Wuchsgebieten im Tiefland (Mittleres nordostdeutsches Altmoränenland/Düben-Nieder-
lausitzer Altmoränenland) vor. Im Sächsisch-Thüringischen Löss-Hügelland und in den östlichen
Gebirgen (Elbsandsteingebirge/Oberlausitzer Bergland/Zittauer Gebirge) sind die höchsten Anteile
deutlicher Schäden zu verzeichnen. Mit Ausnahme des Tieflandes, des Vogtlandes und des öst-
lichen Hügellandes (Westlausitzer Platte und Elbtalzone/Lausitzer Löss-Hügelland) stiegen die
deutlichen Schäden an.
Die regionale Ausprägung des Kronenzustandes unterstreicht die in den vergangenen 19 Jahren
eingetretene Veränderung der Belastungssituation und gibt die in den Wuchsgebieten vorhande-
nen Baumartenunterschiede wieder.
0 %
20 %
40 %
60 %
80 %
100 %
’91
’92
’93
’94
’95
’96
’97
’98
’99
’00
’01
’02
’03
’04
’05
’06
’07
’08
’09
deutlich geschädigt
schwach geschädigt
ungeschädigt
KV (– 60 Jahre)
KV (alle Alter)
KV (> 60 Jahre)
▲ ● ◆
▲ ● ◆
▲ ● ◆
▲ ● ◆
▲ ● ◆
▲ ● ◆
▲● ◆
▲● ◆
▲ ● ◆
▲ ● ◆
▲●◆
▲●◆
▲●◆
▲●◆
▲●◆
▲●◆
▲●◆
▲●◆
Abb. 33: Schadstufenverteilung und mittlere Kronenver-
▲●◆
lichtung (KV) aller Baumarten von 1991 bis 2009

image
image
48 |
Die vor allem in den höheren Lagen des Erz-
gebirges (WG 45) aufgetretenen hohen Belas-
tungen durch atmosphärische Stoffeinträge
nahmen aufgrund der restriktiven Luftreinhal-
tepolitik und den anhaltenden Anstrengungen
bei der Sanierung der stark versauerten Wald-
böden ab. In diesem waldreichsten Wuchs-
gebiet Sachsens wurden noch bis 1999 über-
durchschnittlich hohe Kronenverlichtungen
und/oder Verfärbungen registriert. Auch der in
diesem Jahr zu verzeichnende leichte Anstieg
deutlich geschädigter Bäume um 2 Prozent-
punkte hebt die sichtbaren Verbesserungen der
letzten Jahre nicht auf.
Im ebenfalls Fichten dominierten Vogtland
(WG 44) liegen die deutlichen Schäden wei-
terhin auf einem etwas geringeren Niveau.
Der im Trockenjahr 2003 einsetzende Trend zu
hohen Werten deutlich geschädigter Bäume
veränderte sich auch 2009 nicht grundlegend.
Hier und noch deutlicher in den östlichen
Gebirgen (Elbsandsteingebirge/Oberlausitzer
Bergland/Zittauer Gebirge) wird der zuneh-
mende Einfluss trocken-warmer Witterungspe-
rioden spürbar. Im Elbsandsteingebirge und im
Zittauer Gebirge herrschen außerdem Böden
vor, die gegenüber dem Erzgebirge geringere
Wasserspeicherkapazitäten aufweisen. Inso-
fern scheinen sich hier der durch mehrere sehr
kurze Trockenphasen gekennzeichnete Sommer
2008 und der trockene April 2009 stärker aus-
gewirkt zu haben.
Der positive Trend im sächsischen Tiefland (WG
14/15) und in den Wuchsgebieten Westlausitzer
Platte und Elbtalzone/Lausitzer Löss-Hügelland
(WG 27/28) basiert auf den Verbesserungen im
Kronenzustand der hier dominierenden Kiefern.
Das von Eichen und anderen Laubbaumarten
dominierte Sächsisch-Thüringische Löss-Hü-
gelland (WG 25) erreicht wieder die hohen
Werte der Jahre 1998/99. Heute wie damals
scheinen vor allem biotische Einflussfaktoren
und eine verstärkte Fruktifikation die erhöhten
Blattverluste zu bewirken.
Kronenzustand an Nadelbäumen
Nadelbäume dominieren mit einem Anteil von
insgesamt 68,2 % die Baumartenzusammen-
Abb. 34: Anteil deutlicher Schäden 2009 und Verän-
derung der mittleren Kronenverlichtung von 1991 bis
2009 in den Wuchsgebieten (WG)
WG 14 – Mittleres nordostdeutsches Altmoränenland
WG 15 – Düben-Niederlausitzer Altmoränenland
WG 23 – Sachsen-Anhaltinische-Löss-Ebenen
WG 24 – Leipziger-Sandlöss-Ebene
WG 25 – Sächsisch-Thüringisches Löss-Hügelland
WG 26 – Erzgebirgsvorland
WG 27 – Westlausitzer Platte und Elbtalzone
WG 28 – Lausitzer Löss-Hügelland
WG 44 – Vogtland
WG 45 – Erzgebirge
WG 46 – Elbsandsteingebirge
WG 47 – Oberlausitzer Bergland
WG 48 – Zittauer Gebirge
Anteil deutlich geschädigter Bäume [%]
5–10
11–15
16–20
21–25
26–30
über 30
keine Angaben
Sachsen
Wuchsgebiet

| 49
setzung der sächsischen Wälder (vgl. Tabelle 5,
Anhang). Die häufigste Baumart ist die Ge-
meine Fichte mit einem Anteil von 34,6 %.
Damit bestimmt sie insbesondere in den Mit-
telgebirgen das Bild des Waldes. Zweithäufigs-
te Baumart ist die Gemeine Kiefer mit 30,0 %
Anteil an der Waldfläche. Sie tritt vor allem
in den Wäldern des Tief- und Hügellandes
prägend auf.
Sonstige Nadelbäume besitzen in Sachsen ei-
nen Anteil an der Waldfläche von 3,6 %. Die
zu dieser Baumartengruppe zählenden Arten
sind hier meist nicht autochthon und wurden
erst im Zuge der Umsetzung spezieller wald-
baulicher Konzepte, z. B. der Aufforstung des
Erzgebirgskammes nach dem flächigen Abster-
ben der Fichte, angepflanzt. Folglich sind etwa
3/4 der begutachteten sonstigen Nadelbäume
jünger als 40 Jahre, wobei die Europäische
Lärche mit etwa 50 % die häufigste Baumart
in dieser Gruppe darstellt.
Mit Ausnahme der Lärche verbleiben bei diesen
Baumarten die Nadeln mehrere Jahre an den
Zweigen, bevor diese sich verfärben, absterben
und abfallen. Dieser natürliche Alterungspro-
zess vollzieht sich weitgehend unbemerkt an
den inneren Zweigen. In der Folge von Stress-
belastungen werden bevorzugt ältere, photo-
synthetisch weniger aktive Nadeln abgeworfen.
Im Extremfall sind nur noch die im laufenden
Jahr gebildeten Triebe benadelt. Während der-
art hohe Nadelverluste unmittelbar registriert
werden, ist die Regeneration nur schrittweise
durch die jährlichen Neuaustriebe möglich.
Dies führt dazu, dass der Regenerationsprozess
bei Baumarten mit einer hohen Anzahl von
Nadeljahrgängen, beispielsweise Fichten- und
Tannenarten, langsamer erfolgt als bei Kie-
fern, die nur drei oder vier Nadeljahrgänge
aufweisen.
Fichte
Die aktuelle Waldzustandserhebung weist für
die Fichte einen mittleren Nadelverlust von
17,1 % auf. In die Gruppe mit deutlichen Na-
delverlusten und/oder Verfärbungen sind 20 %
der Bäume eingestuft. Ausgehend vom Mini-
mum der mittleren Kronenverlichtung (14,7 %)
im Jahr 2006 setzt sich damit der im vergan-
genen Jahr mit 15,3 % unterbrochene Trend
mit leicht zunehmender Verlichtung der letzten
Jahre weiter fort (vgl. Abbildung 35).
Die weit über ihr natürliches Verbreitungsge-
biet hinaus angebaute Fichte tritt auf 61 % der
Stichprobenpunkte der Kronenzustandserhe-
bung auf. Diese reichen von den kühl-feuchten
höheren Lagen der Gebirge, die zuletzt im Win-
ter 1995/96 unter hohen Immissionen litten,
bis in die deutlich wärmeren und trockeneren
Unteren Berglagen und das Hügelland. Die
0 %
20 %
40 %
60 %
80 %
100 %
’91
’92
’93
’94
’95
’96
’97
’98
’99
’00
’01
’02
’03
’04
’05
’06
’07
’08
’09
deutlich geschädigt
schwach geschädigt
ungeschädigt
KV (– 60 Jahre)
KV (alle Alter)
KV (> 60 Jahre)
▲ ● ◆
▲ ● ◆
▲ ● ◆
▲ ● ◆
▲ ● ◆
▲ ● ◆
▲ ● ◆
▲ ● ◆
▲ ● ◆
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▲ ● ◆
▲ ●◆
Abb. 35: Schadstufenverteilung und mittlere Kronenver-
▲ ● ◆
lichtung (KV) der Fichte von 1991 bis 2009

image
50 |
positive Entwicklung im Verlauf der Zeitreihe
basiert vor allem auf der kontinuierlichen Ver-
besserung des Kronenzustandes älterer Fich-
ten, vor allem in den oberen Lagen der Gebirge.
So nahmen die mittleren Nadelverluste bei
den über 60-jährigen Fichten in den Höheren
Berglagen von 36,2 % im Jahr 1996 auf nun-
mehr 16,1 % ab (vgl. Abbildung 36). In den
Unteren Berglagen, die 1994 mit 27,6 % ihr
Maximum in der mittleren Kronenverlichtung
aufwiesen, ist dieser Trend deutlich schwächer.
Während in den 1990er Jahren mit zunehmen-
der Höhenlage auch höhere Nadelverluste ein-
hergingen, kehrte sich dieses Verhältnis mit ei-
nem Wendepunkt im Jahrhundertsommer 2003
um. Auch in diesem Jahr weisen gerade die
Fichten in den Unteren Berglagen die höchsten
Steigerungsraten und Nadelverluste auf.
Der Behang der Fichten mit Zapfen war 2009
wieder sehr ausgeprägt. Nach auffällig starker
Blüte, die durch auffällige und gut sichtbare
Pollenwolken im Frühjahr erkennbar war, tru-
gen lediglich 30 % aller älteren Fichten keine
Zapfen. Mit 47 % wies der überwiegende Teil
der Fichten wenige Zapfen auf, 22 % der Fich-
ten trug sogar mittleren bis starken Zapfenbe-
hang (vgl. Tabelle 7, Anhang).
40
35
30
25
20
15
10
5
0
mittlere Kronenverlichtung [%]
Forstliche Höhenstufen
Hoch- und Kammlagen
Mittlere Berglagen
Untere Berglagen und Hügelland
’92 ’93 ’94 ’95 ’96 ’97 ’98 ’99 ’00 ’01 ’02 ’03 ’04 ’05 ’06 ’07 ’08 ’09
140000
120000
100000
80000
60000
40000
20000
0
Befallsholz [m
3
]
registriert Juni bis
Dezember im Befallsjahr
registriert Januar bis
Mai im Folgejahr
’89 ’90 ’91 ’92 ’93 ’94 ’95 ’96 ’97 ’98 ’99 ’00 ’01 ’02 ’03 ’04 ’05 ’06 ’07 ’08 ’09
Abb. 36: Mittlere Kronenverlichtung der Fichte von 1992
bis 2009 in Abhängigkeit der forstlichen Höhenstufen
Abb. 37: Durch Buchdrucker (
Ips typographus
L.) zum
Teil in Kombination mit Kupferstecher (
Pityogenes
chalcographus
L.) befallene Holzmenge
von 1989 – 2009 (*Angaben für 2009 auflaufender
Stand bis Monat August)
Bis Ende Mai 2009 wurde in den Fichtenbestän-
den der durch Buchdrucker (
Ips typographus
L.), z. T. in Kombination mit dem Kupferstecher
(
Pityogenes chalcographus
L.) im Jahr 2008
verursachte Schädlingsbefall sichtbar. Insge-
samt wurden für das Jahr 2008 landesweit
an nahezu 10.500 Waldorten 130.000 Kubik-
meter bzw. über 200.000 befallene und abster-
bende Fichten registriert (vgl. Abbildung 37).
Damit hatte der Befall aus 2008 den bisherigen
Rekordwert aus dem Trockenjahr 2003 über-
schritten und war so stark wie in den letzten
40 Jahren nicht mehr.
Durch die Kombination von sehr hohen Käfer-
dichten aus dem Jahr 2008 und den in Folge
der Stürme „Kyrill“ (2007) und „Emma“ (2008)
sowie von Schneebrüchen aus dem Winter
2008/09 vielerorts aufgerissenen und in ihrem
Gefüge noch destabilisierten Fichtenbeständen
bestand in diesem Frühjahr eine sehr ange-
spannte Situation des Waldschutzes. Diese
wurde durch den außergewöhnlich zeitigen
Flugbeginn der Käfer in diesem Jahr, ausgelöst
durch den sehr warmen April, noch verschärft.
Die wechselhaften Witterungsverhältnisse in
der Hauptschwärmzeit der Borkenkäfer ab Mai
wirkten sich schließlich jedoch hemmend auf

image
| 51
die Befallsentwicklung aus. Insbesondere die
Anlage von Geschwisterbruten und der Folgege-
neration erfolgte daher in diesem Jahr bei die-
sem Schädling unter ungünstigen Bedingungen.
Die Tage mit optimalen Schwarmbedingungen
waren begrenzt, die Fichten gut wasserversorgt
und damit widerstandsfähig gegenüber dem
Befall durch Borkenkäfer. Dies galt vor allem für
die mittleren und höheren Lagen. Damit hatte
sich im Jahresverlauf die Borkenkäfersituati-
on entgegen den Befürchtungen deutlich ent-
spannt, aber nicht richtig aufgelöst. Die bis Ende
August registrierten Befallsmengen lagen bei
weniger als einem Drittel des Niveaus aus dem
„Rekordjahr“ 2008. Sie ordnen sich damit in das
Niveau der Jahre 2004–2007 ein. Die Fortset-
zung der bewährten „sauberen Waldwirtschaft“
sowie der intensiven Borkenkäferüberwachung
und raschen Sanierung eventuell festgestellter
Neubefallsherde ist nach wie vor erforderlich.
Alle Waldbewirtschafter sollten die Chance, die
uns die Natur in diesem Jahr bietet, nutzen, um
zukünftig wieder möglichst geringe Borkenkä-
ferdichten in unseren Wäldern zu erreichen
und damit wieder steuernd und gezielt agierend
und weniger reagierend die Waldbewirtschaf-
tung durchzuführen. Dabei sollten die im letzten
Waldzustandsbericht angeführten Argumente
zu einem forcierten Waldumbau vor allem in
den durch erwartete Klimaänderungen für die
Fichte kritischen unteren Lagen (Berglagen und
Hügelland) beachtet werden, um in der künfti-
gen Waldgeneration eine gewisse Risikoreduzie-
rung zu erreichen.
In vielen Regionen trat in diesem Jahr eine
auffällige Nadelbräune durch Fichtennadelrit-
zenschorf (
Lirula macrospora
[Hartig] Darker)
auf. Begünstigt durch die Niederschläge im
Mai, befiel dieser Pilz die vorjährigen Nadeln
vor allem jüngerer und mittelalter Fichten im
unteren Kronenbereich. In Verbindung mit dem
Neuaustrieb führte der Befall des einen Nadel-
jahrganges zu typischen Symptomen in Form
eines Wechsels von grünen zu braunen Nadeln
(vgl. Abbildung 38).
Kiefer
Der Nadelverlust bei der Kiefer beträgt in
diesem Jahr im Mittel 14,6 %. Damit bestätigt
sich der Verbesserungstrend, der bereits im
letzten Jahr einsetzte. Nachdem zu Beginn der
90er Jahre eine beachtenswerte Verbesserung
des Kronenzustandes mit einer Zunahme der
als vollständig benadelt angesehenen Bäume
von 31 % (1991) auf 58 % (1996) festgestellt
wurde, nahmen die Nadelverluste bis zum Jahr
2007 wieder zu. Schon im letzten Jahr stieg der
Anteil der Bäume mit Nadelverlusten bis 10 %
wieder auf 36 % an, was sich in diesem Jahr bis
auf 45 % fortsetzte (vgl. Abbildung 39).
0 %
20 %
40 %
60 %
80 %
100 %
’91
’92
’93
’94
’95
’96
’97
’98
’99
’00
’01
’02
’03
’04
’05
’06
’07
’08
’09
deutlich geschädigt
schwach geschädigt
ungeschädigt
KV (– 60 Jahre)
KV (alle Alter)
KV (> 60 Jahre)
▲● ◆
▲● ◆
▲● ◆
▲● ◆
▲● ◆
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▲ ● ◆
▲ ● ◆
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▲●◆
▲●◆
▲●◆
▲●◆
▲●◆
▲●◆
▲●◆
Abb. 38: Nadelbräune durch Fichtennadelritzenschorf
(
Lirula macrospora
[Hartig] Darker)
Abb. 39: Schadstufenverteilung und mittlere Kronenver-
lichtung (KV) der Kiefer von 1991 bis 2009

52 |
Zwar ist auch bei der Kiefer der Kronenzustand zwischen den Altersbereichen differenziert. Anders
als bei der Baumart Fichte fanden die Veränderungen im Kronenzustand jedoch in gleichem Maße
bei älteren und jüngeren Kiefern statt.
Auch 2009 fruktifizierte die Kiefer wiederum stark. An nahezu jeder zweiten Kiefer wurde ein ge-
ringer und an 40 % aller Kiefern ein mittlerer bis starker Zapfenbehang registriert. Lediglich 11 %
der älteren Bäume hatten keine Zapfen (vgl. Tabelle 7, Anhang).
Im sächsischen Tiefland traten in den zurückliegenden Jahren, insbesondere an der Kiefer, wieder-
holt Massenvermehrungen von Schadinsekten auf. Deren Populationsdichten werden im Rahmen
des Forstschutzmeldewesens kontinuierlich überwacht. Mit Ausnahme von lokal eng begrenzten
Massenvermehrungen, z. B. der Rotgelben Kiefernbuschhornblattwespe (
Neodiprion sertifer
Geoffroy) in Nordostsachsen, lagen in diesem Jahr keine Hinweise vor, die eine kurzfristige Ent-
wicklung der sogenannten „Kieferngroßschädlinge“ aus der Latenz heraus befürchten lassen.
Ebenfalls lokal begrenzt traten pilzliche Schaderreger wie der Kiefern-Nadelrost
(Coleosporium
sp.)
, das Kiefern-Triebsterben (
Diplodia pinea
[Desm.] Kickx) und der Kieferndrehrost (
Melampsora
pinitorqua
Rostrup) in Erscheinung.
Sonstige Nadelbäume
Das Schadniveau der sonstigen Nadelbäume ist im Vergleich zur Fichte und Kiefer niedriger. Unter
Berücksichtigung des Alters relativiert sich dieser Vergleich. Betrachtet man nur Bäume mit einem
Alter unter 60 Jahren, so beträgt der Nadelverlust der sonstigen Nadelbäume im Mittel 11,6 %
und liegt damit über dem Wert junger Fichten (8,7 %). Während bei der Hauptbaumart Fichte
der Trend leicht fallend verläuft, steigt der mittlere Nadelverlust bei den sonstigen Nadelbäumen
kontinuierlich an. Statistisch kann zwar die mittlere Kronenverlichtung von 15,5 % in diesem Jahr
kaum vom Niveau des Vorjahres unterschieden werden. Dennoch zeigt sich ein Trend, der seit
Beginn der Erhebungen mit leichten Unterbrechungen stetig leicht ansteigt. Der Anteil der Bäume,
deren Nadelverlust über 25 % beträgt, befindet sich wie bereits im Jahr 1999 und im letzten Jahr
auf dem Maximum des gesamten Zeitraumes von 15 % (vgl. Abbildung 40). Bei den sonstigen
Nadelbäumen muss im Vergleich zu Fichte und Kiefer die stärkste Verschlechterung in diesem Jahr
konstatiert werden.
0 %
20 %
40 %
60 %
80 %
100 %
’91
’92
’93
’94
’95
’96
’97
’98
’99
’00
’01
’02
’03
’04
’05
’06
’07
’08
’09
deutlich geschädigt
schwach geschädigt
ungeschädigt
KV (alle Alter)
Abb. 40: Schadstufenverteilung und mittlere
Kronenverlichtung (KV) der sonstigen Nadelbäume
von 1991 bis 2009

image
image
| 53
’89 ’90 ’91 ’92 ’93 ’94 ’95 ’96 ’97 ’98 ’99 ’00 ’01 ’02 ’03 ’04 ’05 ’06 ’07 ’08 ’09
2000
1500
1000
500
0
Befallsfläche [ha]
Befallsfläche [ha]
Nach drei Jahren geringer Schäden stieg die durch die Lärchenminiermotte (
Coleophora laricella
Hb.)
befressene Waldfläche wieder etwa auf das überdurchschnittliche Schadniveau der Jahre 2004 und
2005 an (vgl. Abbildung 41a). Damit war der Einfluss dieses Insekts auf den Benadelungszustand
besonders im Frühjahr 2009 wieder wesentlich auffälliger als in den Vorjahren. Den betroffenen
Lärchenbeständen geht beim Befall durch die Lärchenminiermotte erheblich photosynthetisch
aktive Nadelmasse verloren, die den Bäumen entsprechende Vitalitätseinbußen zufügt.
Schon im letzten Jahr wurde darauf hingewiesen, dass die Schadflächen durch den Großen
Braunen Rüsselkäfer (
Hylobius abietis
L.) aufgrund erheblicher Flächenzuwächse von Nadelbaum-
kulturen auf den durch die Stürme der Jahre 2007 und 2008 entstandenen Kahlflächen deutlich
zugenommen haben. Der Käfer frisst an der Rinde junger Forstpflanzen, vor allem von Nadelbaum-
arten, und schwächt damit die Pflanze. Sehr starker Fraß (Ringelung) kann zum Absterben führen.
In der Vergangenheit und in einigen Ländern gilt auch heute noch diese Art als der „gefährlichste
Kulturschädling“ für Nadelbaumanbauten überhaupt. Die Statistik zeigt, dass sich das Schadniveau
auf einem, im Vergleich zu dem Latenzniveau von 1995 bis 2003, erhöhten Level stabilisiert. Neben
temporären Einflüssen wie den Wiederaufforstungen nach „Kyrill“ und „Emma“ spiegelt die Ent-
wicklung dieses Schädlings die Waldbaustrategie wider (siehe Abbildung 41b).
In den Stechfichten- und Murraykiefernbeständen der Hoch- und Kammlagen des östlichen und
mittleren Erzgebirges, die in den 80er Jahren als „Ersatzbaumarten“ für die in Folge der SO
2
-Im-
missionen abgestorbenen Fichtenbestände mit dem Ziel der Walderhaltung begründet wurden,
traten in diesem Jahr intensive Schäden durch pilzliche Schaderreger auf. Das sind vor allem das
Knospensterben an Stechfichte (
Gemmamyces piceae
[Borthw.] Cassagrande), das Triebsterben
an Fichte (
Sirococcus conigenus
[DC.] Cannon und Minter) und der Fichtennadelrost (
Chryso-
myxa abietis
[Wallr.]) sowie an Murraykiefer die Scleroderris-Krankheit (
Gremmeniella abietina
[Lagerb.] Morelet). Die extremen Witterungsbedingungen in diesen Gebieten, vor allem die hohen
Niederschläge und eine hohe Luftfeuchtigkeit, erhöhen die Prädisposition der nur bedingt stand-
ortsangepassten Baumarten für einen Befall durch die genannten Schaderreger. Das gleichzeitige
Auftreten mehrerer Faktoren erhöht das Schadausmaß. Diese Entwicklung, die sich bereits im Vor-
jahr andeutete, unterstreicht, dass diese Bestockungen nur als eine „Übergangslösung“ anzusehen
sind. Nach dem drastischen Rückgang der SO
2
-Immissionen ist hier der Waldumbau in naturnahe
und standortsangepasste Bestandeszieltypen vordringlich.
Kronenzustand an Laubbäumen
Laubbäume nehmen einen Anteil von 29,9 % der Waldfläche Sachsens ein (vgl. Tabelle 5, Anhang).
Daran sind die Hauptbaumarten Eiche und Buche mit 7,4 bzw. 3,4 % beteiligt. Die Gruppe der
Abb. 42: Fraßschaden durch Lärchenminiermotte an
Lärchennadeln
’89 ’90 ’91 ’92 ’93 ’94 ’95 ’96 ’97 ’98 ’99 ’00 ’01 ’02 ’03 ’04 ’05 ’06 ’07 ’08 ’09
1000
750
500
250
0
Fraßschäden [ha]
Fraßschäden [ha]
Abb. 41b: Fraßschäden in Kulturen durch den Großen
Braunen Rüsselkäfer (
Hylobius abietis
L.)
von 1989 bis 2009
Abb. 41a: Befallsfläche von Lärchenbeständen durch
Lärchenminiermotte (
Coleophora laricella
Hb.)
von 1989 bis 2009
Abb. 43: Schäden an Stechfichte im mittleren Erzgebirge

54 |
sonstigen Laubbäume mit 19,1 % wird haupt-
sächlich von der Gemeinen Birke geprägt.
Die im Rahmen der Kronenzustandsanspra-
che festgestellten hohen Blattverluste können
bei Laubbäumen nicht zwangsläufig mit einer
verminderten Vitalität gleichgesetzt werden.
Der jährliche Laubfall bedingt bei Laubbäumen
gegenüber Nadelbäumen einen andersartigen
Stoffwechsel. Die daraus resultierende intensi-
vere Photosynthese ermöglicht einen raschen
Aufbau der für den Laubaustrieb benötigten
Assimilate. Darüber hinaus müssen Laubbäume
jedoch auch genügend Reservestoffe für die
Aufrechterhaltung der Lebensfunktionen im
Winter bilden. Diese werden in den lebenden
Zellen im Holz und in der Rinde gespeichert. In
der Regel reicht dieser Vorrat an Reservestof-
fen sogar für einen wiederholten Laubaustrieb
nach partiellem bis vollständigem Blattverlust
durch Insektenfraß oder Frostschäden.
Eiche
Die Eiche (Stiel- und Traubeneiche) zeichnet
eine hohe Varianz in der Belaubung aus. So
kennzeichnet diese Baumarten einerseits eine
zum Teil vom Baum selbst ausgelöste rasche
Entlaubung über Zweigabsprünge, andererseits
aber auch eine ausgeprägte Regenerationsfä-
higkeit durch die Bildung von Sekundärtrieben.
Die Zeitreihe der WZE bei den Eichenarten wird
infolgedessen von einer hohen Varianz der An-
teile mit deutlichem Blattverlust und/oder Ver-
färbungen und sich wiederholenden Perioden
zu- und abnehmender mittlerer Blattverluste
charakterisiert.
Die geringsten mittleren Blattverluste mit Wer-
ten um 22 % wurden in den Jahren 1995
und 2006 registriert, die Maxima traten mit
36 % im Jahr 1999 und 31 % im Jahr 1993 auf.
In diesem Jahr stieg der mittlere Blattverlust
wiederum um 4 Prozentpunkte auf 27,6 % an.
Bezogen auf die Anteile mit deutlichen Blatt-
verlusten und/oder Verfärbungen muss nach
dem Rückgang von 42 % im Jahr 2007 auf 34 %
im vergangenen Jahr ein neuerlicher Anstieg
auf 45 % konstatiert werden. Dieser Anstieg
um 11 Prozentpunkte liegt in vergleichbarer
Größenordnung wie die Veränderungen von
2006 auf 2007 (vgl. Abbildung 44).
Während die Verschlechterung des Belaubungs-
zustandes der Eichen in den Jahren 2003 und
2006 auf die in diesen Jahren aufgetretenen
ausgedehnten Trockenperioden zurückgeführt
werden konnte, sind in diesem Jahr andere
Faktoren hierfür verantwortlich.
In erster Linie können hierfür biotische Ein-
flussfaktoren wie eine hohe Fruktifikationsrate
oder der Befall durch Blattpilze vermutet wer-
den. Mit Blick auf die in den meisten Fällen
unvollständige Blattentfaltung an den sehr
0 %
20 %
40 %
60 %
80 %
100 %
’91
’92
’93
’94
’95
’96
’97
’98
’99
’00
’01
’02
’03
’04
’05
’06
’07
’08
’09
deutlich geschädigt
schwach geschädigt
ungeschädigt
KV (alle Alter)
Abb. 44: Schadstufenverteilung und mittlere Kronenver-
lichtung (KV) der Eiche von 1991 bis 2009

image
| 55
langen und häufigen Johannistrieben des Jah-
res 2009 müssen hier aber auch Erschwernisse
bei der Kronenansprache angeführt werden.
In diesem Jahr trugen zwei Drittel der Ei-
chen Früchte. Etwa 18 % dieser Eichen wiesen
darüber hinaus einen mittleren bis starken
Fruchtanhang auf. Es muss davon ausge-
gangen werden, dass die Fruktifikation der
Eichen während der Bonitierung im Sommer
tendenziell unterschätzt wird. Dies liegt daran,
dass die Früchte noch verhältnismäßig klein
und somit auch mit dem Fernglas schlecht
erkennbar sind.
Die routinemäßigen, über das Forstschutz-
kontrollbuch erfassten Fraßschäden durch die
sogenannte „Eichenfraßgesellschaft“ (Eichen-
wickler [
Tortrix viridana
L.], Schwammspinner
[
Lymantria dispar
L.] und Frostspanner-Arten
[
Operophthera sp
. bzw.
Erannis sp
.]) beliefen
sich 2009 landesweit auf etwa 440 ha. Das
Flächenausmaß einer physiologisch wirksamen
Beeinflussung durch Fraßschäden war gering
und beeinflusste den Belaubungszustand nicht
nennenswert.
In diesem Jahr sind, begünstigt durch den
feuchten Sommer, pilzliche Schäden stärker in
Erscheinung getreten. Hervorzuheben ist dabei
in erster Linie der Eichenmehltau (
Microsphae-
ra alphitoides
Griff. und Maubl.), der vor allem
die Johannestriebe befällt und im Rahmen
der Waldschutzüberwachung landesweit mit
knapp 300 ha Befallsfläche in diesem Jahr
gemeldet wurde.
Buche
Mit zunehmendem Alter verschiebt sich bei
Bäumen die Relation von produzierender Bio-
masse (grüne Blätter) zu verbrauchender Bio-
masse (Holzmasse in Stamm und Zweigen),
womit gewisse Vitalitätseinbußen und auf-
wändigere Reaktionsmechanismen verbunden
sind.
Die Rotbuche ist im Vergleich zu den ande-
ren Baumarten die Baumart mit dem höchs-
ten Durchschnittsalter in der Stichprobe. Aus
diesem Grund reagierte sie besonders stark
auf das extreme Trockenjahr 2003. Im darauf
folgenden Jahr 2004 erreichte die mittlere Kro-
nenverlichtung ihr bisheriges Maximum. Seit
dieser Zeit setzte eine gewisse Erholung ein,
die vor allem durch die geringe Fruchtbildung
2005 und 2008 positiv beeinflusst wurde.
Im Jahr 2009 war wieder eine erhebliche Zu-
nahme der mittleren Blattverluste wie auch
des Anteils deutlich geschädigter Bäume fest-
zustellen (vgl. Abbildung 46). Beide Werte
erreichen in diesem Jahr neue Maxima, die
geringfügig über den hohen Werten aus dem
Jahr 2004 liegen.
Einerseits vermögen die Buchen die durch die
Trockenperioden im Sommer 2003 und 2006
erlittenen Kronenschäden nur schwer auszu-
gleichen, andererseits verstärken die bereits im
Sommer 2008 angelegten Blütenknospen die
schlechte Belaubungssituation in diesem Jahr.
Intensiv blühende Buchen treiben weniger
Blätter aus, da die Anlage von Blüten- und
’89 ’90 ’91 ’92 ’93 ’94 ’95 ’96 ’97 ’98 ’99 ’00 ’01 ’02 ’03 ’04 ’05 ’06 ’07 ’08 ’09
6000
4000
2000
0
Fraßschäden [ha] – Eichenwickler
Fraßschäden [ha]
davon stark befressen
’89 ’90 ’91 ’92 ’93 ’94 ’95 ’96 ’97 ’98 ’99 ’00 ’01 ’02 ’03 ’04 ’05 ’06 ’07 ’08 ’09
2500
2000
1500
1000
500
0
Fraßschäden [ha] – Frostspanner
Fraßschäden [ha]
Abb. 45b: Befallsflächen [ha] durch Eichenwickler
davon stark befressen
(
Tortrix viridana
L.; oben) und Frostspanner (
Operoph-
thera sp
. bzw.
Erannis sp
.; unten) 1989 bis 2009
Abb. 45a: Eichenmehltaubefall (
Microsphaera
alphitoides
Griff. und Maubl.) auf Eichenblättern

56 |
0 %
20 %
40 %
60 %
80 %
100 %
’91
’92
’93
’94
’95
’96
’97
’98
’99
’00
’01
’02
’03
’04
’05
’06
’07
’08
’09
deutlich geschädigt
schwach geschädigt
ungeschädigt
KV (alle Alter)
Blattknospen einander ausschließen. Zusätzlich erfordert die Ausbildung der schwersamigen und
nährstoffreichen Bucheckern enorme Stoffmobilisierungen durch den Baum. Der Fruchtbehang
2009 erreichte in der Summe wieder die gleiche Ausprägung wie schon 2006 (vgl. Abbildung 47).
Sonstige Laubbäume
Die Gruppe der sonstigen Laubbäume wird mit einem Anteil von mehr als 50 % von der Birke
dominiert. Daneben treten die beiden heimischen Ahornarten, Gemeine Esche, Hainbuche, Winter-
Linde, Rot-Eiche, Rot-Erle, Eberesche, Pappeln und Aspe in der Stichprobe häufiger auf.
Der Schädigungsgrad der Baumartengruppe weist mit einer relativ hohen Schwankung der
jährlichen Schadeinstufung über den Gesamtzeitraum hinweg eine leicht steigende Tendenz der
mittleren Kronenverlichtung auf.
Seit dem Jahr 2004 ist zudem eine überdurchschnittlich hohe Mortalität in der Gruppe der sons-
tigen Laubbäume zu verzeichnen. Als kurzlebige Baumarten haben die in dieser Baumartengruppe
dominierenden Birken und Aspen ihr physiologisches Optimum bereits überschritten. So ist es nur
allzu natürlich, dass selbst Bäume mit einer hohen Standortstoleranz mit zunehmendem Alter auf
die sommerlichen Trockenphasen kaum noch reagieren können. Diese Fähigkeit ist insbesondere in
Abb. 46: Schadstufenverteilung und mittlere Kronenver-
lichtung (KV) der Buche von 1991 bis 2009
100
80
60
40
20
0
%
stark
mittel
gering
’91
’92 ’93 ’94 ’95
’96 ’97 ’98
’99 ’00 ’01 ’02 ’03 ’04 ’05 ’06 ’07
’08 ’09
Abb. 47: Fruktifikation der älteren (über 60-jährigen)
Buchen von 1991 bis 2009

image
| 57
0 %
20 %
40 %
60 %
80 %
100 %
’91
’92
’93
’94
’95
’96
’97
’98
’99
’00
’01
’02
’03
’04
’05
’06
’07
’08
’09
deutlich geschädigt
schwach geschädigt
ungeschädigt
KV (alle Alter)
den von wiederholten Trockenperioden gekennzeichneten Wuchsgebieten im sächsischen Tief- und
Hügelland von Bedeutung, wo mehr als drei Viertel der sonstigen Laubbäume stocken.
Im Vergleich zum Vorjahr blieb der mittlere Blattverlust nahezu unverändert bei 18,7 %. Gleichzei-
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