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EUROPÄISCHE KOMMISSION
Brüssel, den 7.7.2010
KOM(2010)365 endgültig
GRÜNBUCH
Angemessene, nachhaltige und sichere europäische Pensions- und Rentensysteme
SEK(2010)830

 
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GRÜNBUCH
Angemessene, nachhaltige und sichere europäische Pensions- und Rentensysteme
1. EINLEITUNG
Ein angemessenes und nachhaltiges Ruhestandseinkommen für EU-Bürger/innen jetzt und in
Zukunft ist eine Priorität für die Europäische Union. Die Erreichung dieses Zieles in einem
Europa, in dem die Menschen immer älter werden, ist eine große Herausforderung. Die
meisten Mitgliedsstaaten haben versucht, sich mithilfe von Pensions- und Rentenreformen
darauf vorzubereiten.
Die jüngste Finanz- und Wirtschaftskrise hat die Auswirkungen der massiven demografischen
Alterung noch verstärkt. Rückschläge in den Bereichen Wirtschaftswachstum, Staatsfinanzen,
Stabilität der Finanzmärkte und Beschäftigung machen eine Anpassung der Pensions- bzw.
Rentenpraxis sowie der Art, wie Menschen ihre Pensions- und Rentenansprüche erwerben,
noch dringlicher. Die Krise hat gezeigt, dass mehr getan werden muss, um die Effizienz und
Sicherheit der Pensions- und Rentensysteme (im Folgenden ‚Vorsorgesysteme’)
1
zu
verbessern, die den Menschen nicht nur die Möglichkeit für ein würdiges Leben im Alter
bieten, sondern auch der Lohn für ein ganzes Arbeitsleben sind.
In seinen politischen Leitlinien für die Kommission betonte Präsident José Manuel Barroso,
wie wichtig angemessene und nachhaltige Pensionen und Renten für die Stärkung des
sozialen Zusammenhalts sind:
„Millionen von Europäern können ohne ihre Rente gar nicht existieren. Die Krise hat gezeigt,
dass wir auf europäischer Ebene ein Konzept für die Altersversorgung benötigen. Sie hat
ferner verdeutlicht, wie stark die verschiedenen Säulen der Altersversorgung in den einzelnen
Mitgliedstaaten voneinander abhängen und wie wichtig es ist, auf EU-Ebene gemeinsame
Konzepte für solvente und sozialverträgliche Versorgungssysteme zu erarbeiten. Zudem hat
sich in der Krise gezeigt, welch wichtige Rolle Pensionsfonds im Finanzsystem spielen. Wir
müssen dafür sorgen, dass die Renten ihren Zweck erfüllen und den jetzigen und künftigen
Rentenempfängern – auch den sozial schwächsten unter ihnen – größtmögliche Unterstützung
vermitteln.“
Die Verantwortung für Pensionen und Renten liegt bei den Mitgliedsstaaten: Das Grünbuch
stellt die Vorrechte der Mitgliedsstaaten oder die Rolle der Sozialpartner in diesem Bereich
nicht
in Frage und geht
nicht
davon aus, dass es ein „ideales“, universelles Pensions- bzw.
Rentenmodell gibt. Entscheidend sind der Grundsatz der Solidarität zwischen den
Generationen und der Grundsatz der nationalen Solidarität. Auf EU-Ebene werden die
nationalen Vorsorgesysteme durch zahlreiche Maßnahmen gestützt, die von der strategischen
Koordinierung bis zur Verordnung reichen
.
Einige gemeinsame Themen – wie das
Funktionieren des Binnenmarktes, die Anforderungen des Stabilitäts- und Wachstumspaktes
oder die Vereinbarkeit von Pensions- und Rentenreformen mit der Strategie Europa 2020 –
1
Das Europäische Parlament führt unter der Leitung des Sonderausschusses zur Finanz-, Wirtschafts-
und Sozialkrise auch noch eine politische Diskussion über die Lehren aus der Krise.

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müssen in koordinierter Weise in Angriff genommen werden. Solide und angemessene
Vorsorgesysteme, die es den Menschen erlauben, ihren Lebensstandard nach der
Pensionierung bzw. Verrentung in einem vertretbaren Ausmaß beizubehalten, spielen für die
Bürger/innen und für den sozialen Zusammenhalt eine äußerst wichtige Rolle. Der Einfluss
der Ausgaben für die staatliche Alterssicherung auf die öffentlichen Finanzen in einem
Mitgliedsstaat kann gravierende Auswirkungen auf andere Länder haben. Die strategische
Koordinierung im Bereich Pensionen und Renten auf EU-Ebene hat sich als nützlich und
notwendig erwiesen, um auf nationaler Ebene Fortschritte zu erzielen. Pensionsfonds sind ein
fester Bestandteil der Finanzmärkte und ihre Gestaltung kann die Freizügigkeit der
Arbeitnehmer/innen und den freien Kapitalverkehr fördern oder behindern.
Nach einem Jahrzehnt der Reformen, die die Vorsorgesysteme in den meisten
Mitgliedsstaaten verändert haben, muss nun der EU-Rahmen einer gründlichen Überprüfung
unterzogen werden. Die demografische Alterung vollzieht sich schneller als erwartet und die
jüngste Finanz- und Wirtschaftskrise hatte dramatische Auswirkungen auf Budgets,
Kapitalmärkte und Unternehmen. Es gab auch tiefgreifende strukturelle Veränderungen wie
eine neue Generationenverteilung, den Wechsel von umlagefinanzierten zu kapitalgedeckten
Vorsorgesystemen sowie eine zunehmende Verlagerung der Risiken auf die Einzelperson.
Das Grünbuch markiert den Auftakt zu einer EU-weiten Diskussion und startet eine
umfassende und frühzeitige Konsultation zu den wichtigsten Herausforderungen für die
Vorsorgesysteme und zur Frage, wie die EU die Bemühungen der Mitgliedsstaaten für
angemessene und nachhaltige Pensionen und Renten unterstützen kann.
Das Grünbuch verwendet einen Ansatz, der Wirtschafts-, Sozial- und Finanzmarktpolitik
integriert und die Verbindungen und Synergien zwischen Pensionen bzw. Renten und der
Gesamtstrategie Europa 2020 für intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum
einbezieht. Es berücksichtigt die Arbeit des Ausschusses für Wirtschaftspolitik und des
Ausschusses für Sozialschutz zum Thema Pensionen und Renten. Der vorläufige gemeinsame
Bericht wurde bei der Ratstagung am 7. und 8. Juni 2010 (ECOFIN und EPSCO)
2
zur
Kenntnis genommen. Das Ziel, über Pensions- und Rentenreformen angemessene und
nachhaltige Ruhestandseinkommen zu generieren, und die Ziele der Strategie Europa 2020
verstärken sich gegenseitig
.
Europa 2020 legt Nachdruck auf mehr und bessere Arbeitsplätze
sowie positive Übergänge: Beides ist für Arbeitskräfte (Frauen und Männer) wichtig, um
Pensions- bzw. Rentenansprüche zu erwerben. Das Beschäftigungsziel von 75 % erfordert
Beschäftigungsquoten deutlich über dem derzeitigen Niveau in der Altersgruppe der 55- bis
65-Jährigen. Das für die Verringerung der Armut in der Strategie Europa 2020 festgelegte
Ziel kann unter anderem durch das Schließen der Pensions- bzw. Rentenschere erreicht
werden, die eine signifikante Ursache für Altersarmut sein kann. Neben den Pensions- und
Rentenreformen können zahlreiche Politikbereiche dazu beitragen, Altersarmut abzubauen
und dadurch die Angemessenheit der Altersversorgung zu verbessern. Weitere Ziele lauten,
Blockaden bei der Vollendung des Binnenmarktes zu beseitigen, z. B. den Binnenmarkt für
Finanzprodukte sicherer zu machen und stärker zu integrieren sowie die Mobilität aller
Arbeitskräfte
3
und Bürger/innen innerhalb der EU
4
zu erleichtern. Pensions- und Renten-
2
Link zum
Bericht:
http://europa.eu/epc/publications/index_en.htm,
siehe Schlussfolgerungen des Rates:
http://www.consilium.europa.eu/uedocs/cms_data/docs/pressdata/en/ecofin/114988.pdf.
3
Einschließlich hochmobiler Arbeitskräfte wie Forscher/innen; siehe Schlussfolgerungen des Rates vom
2. März
2010:
http://register.consilium.europa.eu/pdf/de/10/st06/st06833.de10.pdf.
4
Die Kommission wird 2010 einen Bericht zur Bürgerschaft in allen Lebensphasen der EU-Bürger/innen
veröffentlichen, der folgende Punkte abdeckt: i) Hindernisse bei der Ausübung von Bürgerrechten,

 
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reformen ihrerseits werden dazu beitragen, die Europa-2020-Ziele für Beschäftigung und
Nachhaltigkeit der öffentlichen Finanzen zu erreichen. Darüber hinaus wirkt sich die
Vollendung des Binnenmarktes für Vorsorgeprodukte unmittelbar auf das Wachstums-
potenzial der EU aus und trägt deshalb direkt zur Erreichung der Europa-2020-Ziele bei.
2.
DIE WICHTIGSTEN HERAUSFORDERUNGEN
2.1. Demografische Alterung
Es ist bekannt, dass Europa vor einer großen demografischen Herausforderung
5
und einer
kritischen Phase steht, in der die ersten Jahrgänge der Babyboom-Generation das Pensions-
bzw. Rentenalter erreichen und die EU-Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter ab 2012 zu
sinken beginnen wird.
Dass wir länger leben als jemals zuvor, ist natürlich ein großer Erfolg: In den letzten
50 Jahren ist die Lebenserwartung in der EU um rund fünf Jahre gestiegen. Laut jüngsten
demografischen Prognosen
6
wäre ein weiterer Anstieg von ca.
sieben Jahren bis 2060
denkbar. In Kombination mit niedrigen Fertilitätsraten bewirkt das eine dramatische
Veränderung der Altersstruktur der Bevölkerung (siehe Abbildung 1). In der Folge wird sich
der Altersquotient verdoppeln: Während derzeit jeder Person über 65 vier Personen im
erwerbsfähigen Alter gegenüberstehen, wird diese Relation bis 2060 auf eins zu zwei sinken
(siehe Abbildung 2).
Darüber hinaus gibt es noch andere langjährige Trends am Arbeitsmarkt: Das
Vollzeiterwerbsleben beginnt aufgrund längerer Ausbildungszeiten später und der Ruhestand
wegen der vorherrschenden Arbeitsmarktpolitik und dem Umgang mit Alter früher. Obwohl
der Trend zum Vorruhestand sich umzukehren beginnt, verlassen die meisten Menschen – und
speziell Frauen – den Arbeitsmarkt deutlich vor dem typischen Pensionsantritts-
bzw. Renteneintrittsalter von 65 (siehe Abbildungen 6 und 7), was den geschlechter-
spezifischen Aspekt unterstreicht.
Ändert sich dieser Trend nicht, wird die Lage unhaltbar. Wenn die Menschen nicht länger im
Erwerbsleben bleiben, da sie auch länger leben, wird darunter entweder die Angemessenheit
der Altersversorgung leiden oder es könnte zu einem untragbaren Anstieg der Pensions- und
Rentenausgaben kommen. Die durch die Krise noch verschärften Auswirkungen der
demografischen Entwicklung werden das Wirtschaftswachstum wohl verringern und Druck
auf die öffentlichen Finanzen ausüben. Der Bericht über die demografische Alterung 2009
7
zeigt, dass es, bedingt durch die schrumpfende Erwerbsbevölkerung, ab 2020 nur eine
Wachstumsquelle geben wird – die Arbeitsproduktivität. Obwohl die eingeleiteten Reformen
die Auswirkungen der Alterung auf die Ausgaben für die staatliche Alterssicherung der
einschließlich des Rechts auf Freizügigkeit; ii) ins Auge gefasste Lösungen zur Beseitigung dieser
Hindernisse gemeinsam mit einem Zeitplan für deren Annahme.
5
Mitteilung der Kommission KOM(2009) 180 endg. vom 29. April 2009 „Die Auswirkungen der
demografischen Alterung in der EU bewältigen (Bericht über die demografische Alterung 2009)“ und
Arbeitspapier der Kommission
Demography Report 2008
Meeting social needs in an ageing society
(SEK(2008) 2911).
6
Europäische Kommission und Ausschuss für Wirtschaftspolitik (2009) „2009 Ageing Report:
Economic and budgetary projections for the EU-27 Member States (2008-2060)“, European Economy,
No. 2.
7
Ebd.

 
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Zukunft bereits signifikant reduziert haben, steht zu erwarten, dass die alterungsbedingten
öffentlichen Ausgaben insgesamt weiterhin steigen werden, und zwar bis 2060 um fast fünf
Prozentpunkte des BIP. Die Hälfte davon wird in Pensionen und Renten fließen (siehe
Abbildung 3 zu Prognosen der öffentlichen Ausgaben für Pensionen und Renten für die
Mitgliedsstaaten).
Ein anderer langjähriger Trend sind gesellschaftliche Veränderungen – wie Single-Haushalte,
kinderlose Paare und die Tatsache, dass verschiedene Generationen einer Familie weit
voneinander entfernt leben – die den Bedarf an formellen Pflegeleistungen erhöhen, die sonst
innerhalb der Familie erbracht werden. Das bedeutet zusätzliche Herausforderungen für die
Finanzierung der Gesundheitsversorgung und der Langzeitpflege.
Die demografische Alterung könnte auch Auswirkungen auf kapitalgedeckte
Vorsorgemodelle haben. Die potenzielle Wirtschaftswachstumsrate würde aufgrund alternder
Gesellschaften sinken, die realen Erträge niedriger ausfallen und das könnte auch auf die
Preise von Finanzanlagen durchschlagen. Die Folge dieser potenziell geringeren Erträge aus
Pensionsfondsinvestitionen können höhere Beiträge, geringere Pensions- und Renten-
leistungen, höhere Kapitalabflüsse in aufstrebende Märkte oder größere Risikobereitschaft
sein.
Vor dem Hintergrund der demografischen Alterung hat sich der Europäische Rat bei seiner
Tagung in Stockholm 2001 auf folgende Drei-Punkte-Strategie geeinigt, um die
Auswirkungen auf die Staatsfinanzen in den Griff zu bekommen:
– rascher Schuldenabbau
– Erhöhung der Beschäftigungsquoten und der Produktivität und
– Reform der Pensions- und Renten-, Gesundheits- und Langzeitpflegesysteme
Darüber hinaus hat sich der Europäische Rat 2001 in Laeken auf eine Reihe gemeinsamer
Ziele für Pensionen und Renten geeinigt und betont, dass diese angemessen, nachhaltig und
anpassungsfähig sein müssen
8
.
2.2.
Änderungen in den Vorsorgesystemen
Die nationalen Systeme unterscheiden sich zwar deutlich voneinander, die meisten
Mitgliedsstaaten haben sie im Laufe der letzten Jahrzehnte jedoch angepasst, um sie auf eine
nachhaltigere Basis zu stellen. Gleichzeitig haben sie sich bemüht, das Konzept der
Angemessenheit zu verankern und stärker auf Veränderungen am Arbeitsmarkt und in den
Geschlechterrollen zu reagieren. Die wichtigsten Trends lauten
9
:
Mehr Menschen dazu zu bringen, mehr und länger zu arbeiten, um vergleichbare Ansprüche
zu erwerben wie vor der Reform: Anhebung des Pensionsantritts- bzw. Renteneintrittsalters;
Vorteile bei späterer und Nachteile bei früherer Pensionierung bzw. Verrentung (siehe
Abbildung 8); Umstellung von Leistungen auf der Berechnungsgrundlage des Einkommens
während der besten Jahre auf Ansprüche, die auf dem Durchschnittseinkommen während des
8
Siehe „Qualität und langfristige Finanzierbarkeit der Altersversorgungssysteme – Gemeinsamer Bericht
über Zielsetzungen und Arbeitsmethoden im Bereich der Renten“ [10672/01 ECOFIN 198 SOC 272].
9
Der vorläufige gemeinsame Rentenbereicht des Ausschusses für Wirtschaftspolitik und des
Ausschusses für Sozialschutz enthält eine detailliertere Bewertung; siehe Fußnote 2.

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Erwerbslebens beruhen; Einschränkung oder Abschaffung der Möglichkeiten für ein
vorzeitiges Ausscheiden aus dem Erwerbsleben; arbeitsmarktpolitische Maßnahmen, die
ältere Arbeitnehmer/innen ermutigen und es ihnen möglich machen, länger zu arbeiten, und
die die Gleichstellung der Geschlechter am Arbeitsmarkt fördern.
Umstellung von Systemen mit meist nur einer Säule auf Systeme mit mehreren Säulen; das ist
das Ergebnis des in den meisten, aber nicht allen Mitgliedsländern zu verzeichnenden Trends,
den Anteil der gesetzlichen umlagefinanzierten Pensionen und Renten am Gesamtangebot zu
senken und die Rolle zusätzlicher kapitalgedeckter privater Modelle, die häufig
beitragsorientierten Charakter haben, zu stärken (siehe Abbildung 10).
Maßnahmen, um die Pensions- bzw. Rentenschere zu schließen, z. B. durch Ausweitung des
Versicherungsschutzes, Unterstützung beim Erwerb von Ansprüchen, leichteren Zugang zu
Vorsorgemodellen für sozial schwache Gruppen und höhere finanzielle Unterstützung für
ärmere Pensions- und Rentenbezieher/innen.
Geschlechteraspekt: Meist überwiegen Frauen in atypischen Beschäftigungsverhältnissen, sie
verdienen tendenziell weniger als Männer und unterbrechen häufiger als Männer ihre
Berufstätigkeit aufgrund von Betreuungspflichten, mit den entsprechenden Auswirkungen auf
die Gleichstellung der Geschlechter. Während einige umlagefinanzierte Systeme
Betreuungszeiten anrechnen, ist das bei kapitalgedeckten Pensions- und Rentensystemen
angesichts der Frage, wie diese Solidarität finanziert werden soll, nicht ganz so einfach.
Durch die Reformen ist das effektive Pensionsantritts- bzw. Renteneintrittsalter in jüngster
Zeit gestiegen, und es haben sich neue Möglichkeiten für nachhaltige und angemessene
Pensionen und Renten eröffnet. Gleichzeitig wurde und wird auch weiterhin die
Verantwortung für die Ergebnisse stärker zu den Betroffenen hin verschoben. Die Menschen
haben zwar mehr Optionen zur Auswahl, sind aber auch einem höheren Risiko ausgesetzt. Die
Reformen können nur erfolgreich sein, wenn alle Vorsorgesysteme ihren Beitrag leisten, und
die Risiken müssen verstanden und entsprechend gehandhabt werden. Ausschlaggebend für
die zukünftige Angemessenheit der Pensionen und Renten wird eine Kombination aus
Finanzmarkterträgen und Arbeitsmärkten sein, die es den Menschen erlauben, Beitragszeiten
über einen längeren Zeitraum und mit weniger Unterbrechungen zu sammeln. Um den
sozialen Zusammenhalt zu stärken, könnten einige Länder vielleicht offene Fragen in Angriff
nehmen wollen, wie z. B. Mindestpensionen bzw. –renten, Erfassung atypisch Erwerbstätiger
und Berücksichtigung verschiedener unfreiwilliger Erwerbsunterbrechungen, z. B. während
der Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger.
Mit den reformierten Vorsorgesystemen steigt für eine beträchtliche Zahl der Beschäftigten
das Risiko unzureichender Altersversorgung. In vielen Mitgliedsstaaten werden die
Nettoersatzquoten sinken, obwohl die Ausgangslage und das Ausmaß der Senkung sehr
unterschiedlich sind, und einige Länder, vor allem jene mit sehr niedrigem Ausgangsniveau,
die Quoten angehoben haben (siehe Abbildung 5). Wenn das Ausscheiden aus dem
Arbeitsmarkt hinausgezögert wird, kann das das Sinken der Nettoersatzquoten bremsen.
Angesichts des Ausmaßes des bevorstehenden demografischen Wandels und zur dauerhaften
Absicherung der bereits umgesetzten Reformen sind in vielen Mitgliedsstaaten unter
Umständen zusätzliche Reformen nötig. Im Hinblick auf den Beitrag, der von der übrigen
Wirtschaft – und vom Staatshaushalt – erwartet werden kann, müssen Mitgliedsstaaten, in
denen der Reformprozess noch nicht weit genug fortgeschritten ist, ihre Vorsorgeversprechen
dringend überprüfen.

 
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2.3.
Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise
Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat die grundlegende Alterungsproblematik noch deutlich
verschärft. Sie hat die Abhängigkeit der einzelnen Systeme untereinander aufgezeigt, die
Schwachpunkte mancher Systemstrukturen bloßgelegt und war dadurch ein Weckruf für alle
Vorsorgemodelle, egal ob umlagefinanziert oder kapitalgedeckt: Höhere Arbeitslosigkeit,
weniger Wachstum, höhere Staatsschulden und die Volatilität der Finanzmärkte haben es für
alle Systeme schwieriger gemacht, ihre Vorsorgezusagen einzuhalten. Private Systeme
können einen Teil des Drucks vom staatlichen Vorsorgesystem nehmen. Die zunehmende
Abhängigkeit von privaten Systemen verursacht jedoch steuerliche Kosten, weil sie mit der
weitverbreiteten Praxis von Steueranreizen in der Ansparphase einhergeht. Die Kosten für
diese Steuerbegünstigungen können beträchtlich und ihre Wirksamkeit und Umverteilungs-
wirkung durchaus fraglich sein
10
. Aufgrund des starken Drucks auf die öffentlichen Finanzen
stellen manche Mitgliedsländer derzeit erneut Überlegungen zur Effizienz dieser Ausgaben
an. Ein besserer Informationsaustausch über Kosten und Wirksamkeit dieser Ausgaben könnte
für Politikverantwortliche in der gesamten EU hilfreich sein
11
. Darüber hinaus wird es
zwangsläufig Druck auf die öffentlichen Finanzen geben, einen Teil der Kosten zu
übernehmen, wenn private Vorsorgesysteme ihre Versprechen nicht einhalten können.
Aufgrund sicherer Einkommen aus der staatlichen Alterssicherung, die im Allgemeinen ihre
Rolle als automatischer Stabilisator wahrnehmen kann, zählen die derzeitig im Ruhestand
befindlichen Personen bisher zu den von der Krise am wenigsten Betroffenen. Von
Ausnahmen abgesehen, spielen kapitalgedeckte Modelle nach wie vor kaum eine Rolle und
nur einige wenige Mitgliedsstaaten mit ausgeprägten Budgetproblemen oder gut verankerten
automatischen Anpassungsmechanismen waren gezwungen, die staatlichen Pensions- und
Rentenzahlungen zu kürzen. Die Krise und geringere Wachstumsaussichten werden sich
jedoch auf alle Arten von Vorsorgemodellen auswirken.
Das Ausmaß der Verschlechterung der Budgetlage im Gefolge der Krise macht 20 Jahre
Budgetkonsolidierung zunichte und bedeutet, dass die nächsten zehn Jahre von budgetären
Zwängen geprägt sein werden. Schätzungen gehen davon aus, dass die Krise den Druck auf
die öffentlichen Ausgaben für die Alterssicherung langfristig erhöhen wird, weil von einem
beträchtlich niedrigeren Wirtschaftswachstum auszugehen sein wird, und der Zeitpunkt einer
vollständigen Erholung der Wirtschaft äußerst ungewiss ist
12
. In einer Reihe von
Mitgliedsstaaten wurden bestimmte Sozialversicherungsbeiträge auf neu eingerichtete
verpflichtende kapitalgedeckte Vorsorgesysteme umgelenkt. Die Krise hat die Problematik
dieser Doppelzahlung noch unterstrichen und einige Regierungen veranlasst, die Beiträge für
private Vorsorge zu stoppen oder zu senken, um die Finanzsituation der staatlichen
Alterssicherung zu verbessern.
Kurzfristig wirkten sich sinkende Zinssätze und Vermögenswerte auf die Erträge und die
Solvenz kapitalgedeckter Systeme aus: Private Pensionsfonds haben 2008 über 20 % an Wert
10
Abschnitt 4.2, S. 26 des Berichts des Ausschusses für Sozialschutz „Privately managed funded pension
provision and their contribution to adequate and sustainable pensions“ (2008),
http://ec.europa.eu/social/main.jsp?catId=752&langId=en.
11
Dazu könnte der Austausch von Erfahrungen mit Ansätzen wie dem der „kommunizierenden Gefäße“
zählen, bei dem die Höhe der Steuerbegünstigung für freiwillige privat angesparte Beträge umgekehrt
proportional zur Höhe der gesetzlichen und betrieblichen Vorsorge der betreffenden Person ist. Siehe
„Proposal for a pension model with a compensating layer“ von G.J.B. Dietvorst, EC Tax Review 2007
Nr. 3, S. 142-145.
12
Siehe
Fußnote 6.

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verloren
13
. Darüber hinaus waren mehrere Träger betrieblicher Pensionsfonds nicht in der
Lage, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Da jedoch nur wenige Systeme Verluste
schreiben mussten, um ihren kurzfristigen Verbindlichkeiten nachzukommen, konnte die
Aufsicht die Bewertungs- und Solvenzbestimmungen lockern, damit sich die Märkte erholen
konnten. Pensionsfonds konnten 2009 zwar einen Teil ihrer Verluste wieder gutmachen
14
,
viele bleiben aber trotzdem immer noch weit hinter den vorgeschriebenen Solvenzanforde-
rungen zurück.
Die kapitalgedeckten Modelle haben die Krise unterschiedlich gut überstanden, was beweist,
dass Konzeption, Regelung und Investitionsstrategie eindeutig eine Rolle spielen. Die
Verluste variieren je nach Investitionspraxis und die Fähigkeit, die Krise zu bewältigen, hängt
auch davon ab, wie gut die Last auf Anbieter/innen, Beitragszahler/innen und
Empfänger/innen verteilt ist. In Ländern, in denen die Solvenzanforderungen niedriger und
die Verluste bei den Vermögenswerten besonders hoch waren, bieten die Systeme
unglücklicherweise weniger Schutz für erworbene Ansprüche und weisen die am wenigsten
flexiblen Mechanismen für die Lastenverteilung auf. In der Folge können Ansprüche verloren
gehen und Anbieter/innen sich entschließen, ihre Systeme einzustellen, da sie es sich nicht
leisten können, diese wieder in den Solvenzbereich zu führen
.
Die Krise wird sich auch auf zukünftige Pensionen und Renten massiv auswirken, da viele
Beschäftigte ihre Arbeitsplätze verloren haben und einige Zeit lang arbeitslos gewesen sein
werden, andere wiederum werden gezwungen gewesen sein, geringere Bezahlung oder
Kurzarbeit zu akzeptieren
15
. Eine der Herausforderungen wird darin bestehen, auch in diesen
Fällen für Pensionen und Renten in angemessener Höhe zu sorgen (siehe Abbildung 9).
Für die bereits bestehende Reformagenda bedeutet die Krise:
– erhöhte Dringlichkeit, die Angemessenheitsschere zu schließen;
– erhöhte Dringlichkeit von Reformen für nachhaltigere öffentliche Finanzen;
– mehr Nachdruck auf die Anhebung des effektiven Pensionsantritts- bzw. Renteneintritts-
alters;
– die Notwendigkeit, die Rechtsvorschriften für kapitalgedeckte Vorsorgemodelle so zu
überarbeiten, dass diese effizient und krisenfest und die Rechtsvorschriften angemessen
sind, damit Arbeitgeber/innen nicht in die Insolvenz getrieben werden oder die betriebliche
Altersvorsorge einstellen;
– die Notwendigkeit, angesichts der zunehmenden Bedeutung von Pensionsfonds für eine
wirksame und kluge Regulierung der Finanzmärkte zu sorgen; Bei den G-20-Gipfeltreffen
in Pittsburgh und Toronto wurde betont, dass alle Finanzinstitute reguliert werden sollten
und dass mehr gemeinsame Regeln notwendig sind.
13
OECD, „Pensions and the crisis – How should retirement income systems respond to financial and
economic pressures“, 2009.
14
OECD „Pension Markets in Focus“, October 2009, Issue 6.
15
Kapitel 3.3 – 3.5 des vorläufigen gemeinsamen Rentenberichts, siehe Fußnote 2.

 
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3. PRIORITÄTEN FÜR DIE MODERNISIERUNG DER PENSIONS- UND
RENTENPOLITIK IN DER EU
Das übergeordnete Ziel der Pensions- und Rentenreformen sind angemessene und nachhaltige
Alterssicherungssysteme. Es besteht die Tendenz, die Drei-Punkte-Strategie von Stockholm
als Auswahlliste zu behandeln. Wenn jedoch die Vorsorgesysteme funktionieren und die
Strategie Europa 2020 erfolgreich sein soll, müssen jetzt alle drei Punkte in koordinierter
Form in Angriff genommen werden.
3.1. Allgemeine Ziele: Angemessenheit und Nachhaltigkeit
Angemessenheit
und
Nachhaltigkeit
sind zwei Seiten derselben Medaille. Wenn die
Alterssicherung Gefahr läuft, nicht angemessen zu sein, kann es zu Forderungen nach
Ad-hoc
-
Erhöhungen von Pensionen und Renten oder zu größerer Nachfrage nach anderen Leistungen
kommen, was wiederum die Nachhaltigkeit gefährdet. Genauso wird sich ein nicht
nachhaltiges Pensions- oder Rentensystem bei plötzlich notwendigen Änderungen langfristig
als ungeeignet erweisen. Daher müssen Angemessenheit und Nachhaltigkeit der
Alterssicherung gemeinsam betrachtet werden.
Angemessene Pensionen und Renten
Vorsorgesysteme haben den Zweck, ein angemessenes Ruhestandseinkommen zu
gewährleisten – das ist eine Frage grundlegender Solidarität innerhalb von und zwischen den
Generationen. Bisher haben die meisten Pensions- und Rentenreformen das Ziel verfolgt, die
Nachhaltigkeit zu verbessern. Um die Angemessenheitsschere zu schließen, ist eine weitere
Modernisierung der Vorsorgesysteme notwendig. Da die Ersatzquoten für die staatliche
Alterssicherung in den meisten Fällen sinken werden (siehe Abbildung 4), müssen
ausreichende Optionen für den Erwerb von Zusatzansprüchen vorhanden sein: z. B. die
Möglichkeit, länger im Erwerbsleben zu bleiben, und besserer Zugang zu zusätzlichen
Vorsorgesystemen. Die Schere kann sich auch öffnen, wenn bei Arbeitslosigkeit, Krankheit
oder Betreuungspflichten keine Ersatzzeiten angerechnet werden, wenn gefährdete Gruppen
wie Arbeitskräfte mit Kurzzeitverträgen oder atypische Arbeitskräfte nicht erfasst sind, oder
wenn die garantierte Mindestpension bzw. –rente oder das Alterseinkommen zu gering ist –
alle diese Punkte werfen aber Fragen nach der Finanzierung auf. Bei kapitalgedeckten
Modellen kann die Angemessenheit der Altersversorgung durch Verringerung des
Investitionsrisikos, vor allem kurz vor und in der Auszahlungsphase, und durch
gleichmäßigere Verteilung des Risikos auf die Ansparenden und die Versicherungen unter
Nutzung der Vorteile der kollektiven Versicherung deutlich verbessert werden. Unter
Umständen ist es notwendig zu überlegen, die Quellen des Ruhestandseinkommens über
Pensionen und Renten hinaus auf eine breitere Basis zu stellen.
Nachhaltigkeit
Viele Pensions- und Rentenreformen haben zur Deckelung steigender Ausgaben für
zukünftige gesetzliche Renten und Pensionen beigetragen, es sind aber dringend weitere
Schritte erforderlich, um die Systeme auf eine nachhaltigere Basis zu stellen und so zur
langfristigen Nachhaltigkeit der öffentlichen Finanzen beizutragen, vor allem in Ländern, in
denen für die Zukunft hohe Ausgaben für die gesetzliche Altersversorgung prognostiziert
werden. Bleiben entschlossene politische Maßnahmen zur Verbesserung der Nachhaltigkeit
aus, wird die Belastung aufgrund notwendiger Anpassungen entweder auf die zukünftigen
Erwerbstätigen oder die zukünftigen Pensions- und Rentenempfänger/innen abgewälzt, die

 
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vielleicht keine Vorkehrungen für eine niedriger als erwartete Altersversorgung getroffen
haben, wie der Europäische Rat betonte
16
. Angesichts der angespannten Budgetlage und des
prognostizierten Ansteigens der Staatsverschuldung auf ein untragbares Niveau, sofern sich
die Politik nicht ändert, bedeutet die zwingend notwendige Budgetkonsolidierung Einschnitte
für alle Politikbereiche einschließlich Renten und Pensionen. Der Stabilitäts- und
Wachstumspakt liefert den Rahmen für die Überwachung der Nachhaltigkeit der öffentlichen
Finanzen, einschließlich der Vorsorgesysteme
17
. Darüber hinaus könnte zusätzlicher
Ausgabendruck dadurch entstehen, dass sich der Trend, die informelle Betreuung älterer
Menschen durch formale Betreuung zu ersetzen, in Zukunft fortsetzt. Daher sind Reformen,
die das Wachstumspotenzial der EU z. B. durch die Verbesserung des Arbeitskräfteangebots
fördern, besonders wichtig. Höheres Arbeitsproduktivitätswachstum nützt allen Bürgerinnen
und Bürgern, da es einen höheren Lebensstandard ermöglicht. Unter dem Aspekt nachhaltiger
Budgets ist die Erhöhung der Erwerbsquote vor allem älterer Arbeitnehmer/innen sogar noch
wichtiger.
(1) Wie kann die EU die Mitgliedsstaaten bei ihren Bemühungen unterstützen, die
Angemessenheit der Vorsorgesysteme zu stärken? Soll die EU versuchen, klarer zu
definieren, was unter einem angemessenen Ruhestandseinkommen zu verstehen ist?
(2)
Reicht der bestehende EU-Rahmen für Pensionen und Renten aus, um nachhaltige
öffentliche Finanzen zu gewährleisten?
3.2. Ausgewogenes Verhältnis zwischen der Dauer des Arbeitslebens und des
Ruhestandes
Die im Ruhestand verbrachte Zeit ist im Laufe des vorigen Jahrhunderts beträchtlich
gestiegen, wobei es große Unterschiede zwischen den Mitgliedsstaaten gibt. Derzeit macht
der Ruhestand etwa ein Drittel des Erwachsenenlebens aus und dieser Anteil wird sich
aufgrund der steigenden Lebenserwartung
18
beträchtlich erhöhen, außer die Lebensarbeitszeit
wird verlängert und die Menschen treten später in den Ruhestand. Weniger als 50 % der
Menschen sind mit 60 noch erwerbstätig. Das steht im Widerspruch zu den Zusagen der
Mitgliedsstaaten beim Europäischen Rat in Barcelona, das Durchschnittsalter beim
Ausscheiden aus dem Erwerbsleben um fünf Jahre anzuheben
19
. Es steht auch nicht im
Einklang mit dem Ziel, bis 2020 in Europa eine Beschäftigungsquote von 75 % zu erreichen
und wirkt sich negativ auf das Wachstumspotenzial aus. Der steile Anstieg des
Altersquotienten könnte größtenteils dadurch vermieden werden, dass die Menschen länger
arbeiten (siehe Abbildung 2). Andernfalls wäre eine schmerzhafte Kombination aus
geringeren Leistungen und höheren Beiträgen unvermeidbar.
Angemessenheit und Nachhaltigkeit würden gefördert, wenn gewährleistet ist, dass die im
Ruhestand verbrachte Zeit im Vergleich zur Dauer des aktiven Erwerbslebens sich nicht
weiter verlängert. Das bedeutet ein Anheben des Alters, in dem das Arbeitsleben beendet und
16
In den Schlussfolgerungen des Europäischen Rates vom 22./23. März 2005, Dok. 7619//1/05 REV 1,
wird betont, dass „die langfristige Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen gewährleistet, das Wachstum
gefördert und eine übermäßige Belastung künftiger Generationen vermieden werden müssen.“
17
Mit Bezug auf den Stabilitäts- und Wachstumspakt hat die Kommission vorgeschlagen, u. a. auch
indirekte Verbindlichkeiten zu berücksichtigen, vor allem in Verbindung mit der Bevölkerungsalterung,
um zukünftigen Risiken Rechnung zu tragen (KOM(2010) 367/2).
18
Kapitel 3.2.1 des vorläufigen gemeinsamen Rentenberichts, siehe Fußnote 2.
19
Schlussfolgerungen des Vorsitzes – Europäischer Rat (Barcelona) vom 15.-16. März 2002, Dok.
SN 100/1/02/ REV 1.

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eine Pension oder Rente bezogen wird. Viele Mitgliedsstaaten haben bereits beschlossen, das
Anspruchsalter für eine Pension oder Rente in voller Höhe im Rahmen der staatlichen
Vorsorgesysteme anzuheben (siehe Abbildung 6). Das Bewusstsein nimmt zu, dass das ein
wichtiges Signal an Arbeitnehmer/innen und Arbeitgeber/innen ist und sie motiviert, ein
höheres effektives Pensionsantritts- bzw. Renteneintrittsalter anzustreben. Eine Reihe von
Mitgliedsstaaten haben demonstriert, dass die automatische Anpassung – bei der das
Pensions- bzw. Rentenalter parallel zur steigenden Lebenserwartung angehoben wird – eine
vielversprechende politische Option für mehr Nachhaltigkeit bei den Vorsorgesystemen
darstellt. Dieser Ansatz bedingter Anpassungen könnte zwar auch für andere Risiken in
Betracht gezogen werden, die Verpflichtung, die Angemessenheit und Nachhaltigkeit von
Pensionen und Renten regelmäßig zu überprüfen, könnte aber eine alternative oder
ergänzende Option sein, um rechtzeitig und souverän auf sich ändernde Bedingungen – von
denen viele nur schwer vorhersehbar sind – reagieren zu können.
Ein einheitliches Pensionsantritts- bzw. Renteneintrittsalter war aufgrund der Unterschiede
beim Arbeitsmarkteintrittsalter und dem Gesundheitszustand von Beschäftigten in verschie-
denen Berufen immer schon umstritten. Die meisten Mitgliedsstaaten begegnen dieser
Herausforderung durch entschlossene Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit und des
Gesundheitsschutzes am Arbeitsplatz und gleichzeitig mit Angeboten für einen vorzeitigen
Wechsel in den Ruhestand für jene, die dies tatsächlich brauchen. Die EU-Strategie für
Gesundheit und Sicherheit unterstützt die nationalen Bemühungen. Einige Mitgliedsstaaten
tragen Unterschieden beim Anfallsalter dadurch Rechnung, dass sie die Anhebung des
Pensions- bzw. Rentenalters mit der Erhöhung der Anzahl an Beitragsjahren kombinieren, die
für eine Pension bzw. Rente in voller Höhe erforderlich sind. Über die Maßnahmen zur
Verlängerung des Arbeitslebens hinaus, müssen auch Fragen wie geschlechterspezifische
Unterschiede sowohl beim Einkommen als auch am Arbeitsmarkt behandelt werden.
Da das Arbeitsmarktaustrittsalter nach wie vor niedrig ist, stellt sich die Frage, ob EU-weit
gemeinsame Grundsätze für und Wege zu angemessenen und nachhaltigen Pensionen und
Renten – differenziert angewendet, um den unterschiedlichen Vorsorgesystemen gerecht zu
werden – hilfreich wären. Sie würden es sowohl den Menschen erlauben, angemessene
Ansprüche zu erwerben, als auch die EU-Wirtschaftssysteme nachhaltiger machen. Dafür
müssen die Reformen der Vorsorgesysteme durch intensive Bemühungen ergänzt werden, die
es den Menschen durch ein entsprechendes Umschulungsangebot ermöglichen, ein
Arbeitsleben lang beschäftigungsfähig zu bleiben. Neue Technologien und Dienstleistungen,
die flexible Arbeitsorganisation mittels Telearbeit bieten, sowie Qualifizierungsmaßnahmen
können helfen, ältere Arbeitnehmer/innen länger am Arbeitsplatz zu halten.
Wichtige Maßnahmen, um ältere Arbeitskräfte, sowohl Frauen als auch Männer, länger im
Arbeitsleben zu halten, wären u. a. Zugang zum Arbeitsmarkt und zu Fortbildung für alle,
unabhängig von Alter, Geschlecht und ethnischer Zugehörigkeit, sowie die Berücksichtigung
physischer Einschränkungen
20
. Der Europäische Sozialfonds unterstützt Maßnahmen, um die
Beschäftigungsfähigkeit zu verbessern und die Beschäftigungsquote von Frauen und Männern
jeden erwerbsfähigen Alters zu erhöhen. Die Kommission bereitet für 2012 ein Europäisches
Jahr für aktives Altern vor, das die Mitgliedsstaaten, die Sozialpartner und andere Stakeholder
20
Notwendig sind die bessere Umsetzung und Anwendung der Richtlinie 2000/78/EG zur Verwirklichung
der Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf und die Erkenntnis, dass ältere Arbeitnehmer/innen
einen Mehrwert darstellen. Bei der Arbeitssuche wird Alter am häufigsten als Nachteil wahrgenommen,
siehe
http://ec.europa.eu/public_opinion/archives/ebs/ebs_317_de.pdf

 
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ermutigen soll, bessere Rahmenbedingungen für die Teilhabe älterer Arbeitnehmer/innen am
Arbeitsmarkt zu schaffen.
Das könnte eine Anpassung der sozialen und finanziellen Arbeitsanreize erfordern, inklusive
einer Überprüfung der Rolle von Steuervorschriften seitens der Mitgliedsstaaten. Weitere
Maßnahmen könnten die Anpassung des Altersmanagements, der Arbeitsorganisation, der
Einstellungen und Haltungen am Arbeitsmarkt und am Arbeitsplatz sowie Überlegungen zu
den Rahmenbedingungen für ältere selbstständig Erwerbstätige einschließen. Angesichts der
kontinuierlich steigenden Lebenserwartung könnte die Verlängerung der Lebensarbeitszeit
eine doppelte Dividende abwerfen: höheren Lebensstandard und nachhaltigere Pensionen und
Renten. Für nachhaltigere und angemessenere Pensionen und Renten ist es wichtig, dass
Arbeitskräfte – und sehr häufige sind es die jüngeren – mehr Zeit in bezahlten
Beschäftigungsverhältnissen arbeiten mit Arbeitsstunden, die ihnen zukünftige Pensions-
bzw. Rentenansprüche sichern.
Die Mitgliedsstaaten ergreifen bereits Maßnahmen, um ein längeres Erwerbsleben zu
fördern
21
. Eine Gesundheitspolitik, die den Bürgerinnen und Bürgern dabei hilft, gesünder alt
zu werden, kann zur Verlängerung des Erwerbslebens beitragen, den Druck auf die
Vorsorgesysteme reduzieren und die Nachhaltigkeit verbessern
22
. Schlechter Gesundheits-
zustand ist einer der Hauptgründe für vorzeitigen Ruhestand.
(3)
Wie kann ein höheres effektives Pensionsantritts- bzw. Renteneintrittsalter am besten
erreicht werden und wie könnte die Anhebung des Pensions- bzw. Rentenalters dazu
beitragen? Sollen an demografische Veränderungen gebundene automatische
Anpassungsmechanismen in die Vorsorgesysteme eingebaut werden, um ein ausgewogenes
Verhältnis zwischen der Dauer des Arbeitslebens und der des Ruhestandes herzustellen?
Welche Rolle könnte die EU-Ebene dabei spielen?
(4)
Wie kann die Umsetzung der Strategie Europa 2020 genutzt werden, um eine längere
Erwerbstätigkeit zu fördern, ihre Vorteile für die Wirtschaft aufzuzeigen und der
Altersdiskriminierung am Arbeitsmarkt einen Riegel vorzuschieben?
3.3.
Mobilitätshindernisse in der EU
Politik und Regulierungsmechanismen müssen den freien Verkehr von Produktionsfaktoren,
vor allem Arbeit und Kapital, ermöglichen, um Ressourcen effizient zu nutzen und günstige
Rahmenbedingungen für möglichst hohe Einkommen zu schaffen. Mehr Flexibilität in der
beruflichen Mobilität fördert die Anpassungsfähigkeit der Wirtschaft und stärkt das europä-
ische Sozialmodell. Wenn es gelingt, das gesamte Potenzial des Binnenmarktes freizusetzen,
könnte das allen Bürgerinnen und Bürgern signifikante Vorteile bringen
23
.
3.3.1.
Binnenmarkt für Renten und Pensionen
Die Annahme der Richtlinie 2003/41/EG über die Tätigkeiten und die Beaufsichtigung von
Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung (IORP-Richtlinie) markierte einen großen
Schritt nach vorn. Die Richtlinie deckt jedoch nur kapitalgedeckte betriebliche
Vorsorgemodelle ab, wobei nicht alle betrieblichen Modelle darunter fallen (ausgenommen
21
Kapitel 2.1 des vorläufigen gemeinsamen Rentenberichts, siehe Fußnote 2.
22
Siehe Arbeitsdokument der Kommission, SEK(2010) 830.
23
Detailliertere Informationen siehe Fußnote 22 zum aktuellen EU-Rahmen für Pensionen und Renten.

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sind z. B. Rücklagen- oder Rückstellungsmodelle). Sie ist keine Rahmenrichtlinie, weshalb
die Bestimmungen nur schwer an geänderte Marktbedingungen angepasst werden können.
Erste Erfahrungen zeigen, dass transnationale Aktivitäten nach wie vor auf beträchtliche
Hindernisse stoßen. Sie verhindern die vollständige Realisierung der Effizienzgewinne aus
Größenvorteilen und Wettbewerb, was die Kosten der Alterssicherung erhöht und die
Wahlmöglichkeiten für Konsumentinnen und Konsumenten einschränkt. Barrieren sind in
vielen Fällen das Ergebnis von unterschiedlichen Rechtsvorschriften und von Rechtsunsicher-
heit, wie z. B. einer unklaren Definition des Begriffs ‚transnationale Aktivität’, fehlender
Harmonisierung der Aufsichtsvorschriften und des komplizierten Zusammenspiels von EU-
Rechtsvorschriften und nationalem Recht. Die Beseitigung dieser Barrieren könnte eine
Überprüfung der IORP-Richtlinie, stärkere Aufsichtskonvergenz und mehr Transparenz bei
nationalen Unterschieden erfordern. Weiters müssen Aspekte behandelt werden, die die
Verwahrung
24
und die Governance von Pensionsfonds betreffen, darunter angemessenes
Verständnis und entsprechende Überwachung von Investitionsentscheidungen, Vergütung,
Anreizstrukturen für Träger und sozial verantwortliche Investitionen (SRI).
Geeignete und vergleichbare Bilanzierungsstandards sind wichtig, um die Transparenz von
Pensions- und Rentenverbindlichkeiten zu verbessern. Der International Accounting
Standards Board (IASB) führt ein Projekt zur Überprüfung seines Bilanzierungsstandards
IAS 19 für Pensionen und Renten
25
durch. Gemeinsam mit dem Beratungsgremium, der
European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG), verfolgt die Europäische
Kommission in Übereinstimmung mit dem Übernahmeverfahren gemäß der IAS-
Verordnung
26
aufmerksam das IASB-Projekt für eine bessere Pensions- und Renten-
bilanzierung, möglicherweise auch für die Pensionsfonds selbst.
Die Mitgliedsstaaten ermöglichen den freien Kapitalverkehr, indem sie Dividenden und
Zinsen von IORP, die auf ihrem Staatsgebiet investieren, ihren Sitz aber in einem anderen
Land im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) haben, steuerlich gleich behandeln. Nachdem
die Kommission gegen mehrere Mitgliedsstaaten Vertragsverletzungsverfahren wegen
steuerrechtlicher Diskriminierung in diesem Bereich eingeleitet hat, haben einige
Mitgliedsländer ihre Steuervorschriften für Vorsorgesysteme bereits an EU-Recht angepasst.
Obwohl der Binnenmarkt für Versicherungsprodukte bereits seit längerem besteht, hält sich
das transnationale Angebot an Lebensversicherungsprodukten ebenfalls in Grenzen und macht
in den meisten Mitgliedsstaaten deutlich weniger als 10 % der gesamten Prämien für
abgeschlossene Lebensversicherungen aus. Der Binnenmarkt könnte helfen, den Zugang zu
Quellen für ein zusätzliches Ruhestandseinkommen neben der Pension bzw. Rente, wie z. B.
umgekehrte Hypotheken, zu erweitern. Es gibt auch den Ruf nach einem Rechtsrahmen für
ein EU-weites System für Privatpensionen und –renten parallel zu den bereits bestehenden
Systemen
27
.
24
Siehe Bericht der Kommission zu einigen Hauptaspekten der Richtlinie 2003/41/EG über die Tätigkeit
und die Beaufsichtigung von Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung (IORP-Richtlinie vom
30. April 2009, KOM(2009) 203, abrufbar unter:
http://ec.europa.eu/internal_market/pensions/docs/legislation/iorp_report_de.pdf
25
IAS 19 Employee Benefits gilt für die Trägerunternehmen.
26
IAS-Verordnung
1606/2002.
27
Der Monti-Bericht schlägt als Option auch vor, ein „28. Regime“ für Zusatzpensions- und
-rentenansprüche zu prüfen. Siehe EINE NEUE STRATEGIE FÜR DEN BINNENMARKT IM
DIENSTE DER WIRTSCHAFT UND GESELLSCHAFT IN EUROPA, Bericht an den Präsidenten der
Europäischen Kommission José Manuel Barroso, verfasst von Mario Monti, 9. Mai 2010, S. 68.

 
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(5) Wie sollte die IORP-Richtlinie geändert werden, um die Bedingungen für
transnationale Angebote zu verbessern?
3.3.2.
Mobilität von Pensionen und Renten
Seit fünf Jahrzehnten sind die Pensions- und Rentenansprüche mobiler EU-Bürger/innen und
ihrer Familienangehörigen durch EU-Vorschriften zur Koordinierung der Systeme der
sozialen Sicherheit geschützt. Die neuen Verordnungen Nr. 883/2004 und Nr. 987/2009
erweitern diesen Schutz und sorgen dafür, dass in einem anderen Mitgliedsstaat erworbene
Versicherungszeiten für die Pensions- und Rentenansprüche berücksichtigt werden. Diese
Verordnungen gelten nur für staatliche und betriebliche Vorsorgesysteme, bei denen es eine
Rechtsgrundlage für Ansprüche gibt: Wie bereits ausgeführt, könnte es aufgrund der jüngsten
nationalen Reformen notwendig sein, die Koordinierungsverordnungen und Mindeststandards
zu erweitern, um mobilen Arbeitskräften besseren Zugang zu Zusatzpensions- bzw.
-rentenansprüchen innerhalb der und zwischen den Mitgliedsstaaten zu geben.
2005 hat die Kommission eine Richtlinie zu Mindeststandards für den Erwerb, die Wahrung
und die Übertragbarkeit von Zusatzpensions- und -rentenansprüchen vorgeschlagen. Interne
Mobilität wurde einbezogen, weil eine Trennung von interner und externer Mobilität nicht
praktikabel war.
2007 überarbeitete die Kommission den Vorschlag und ließ den Aspekt der Übertragbarkeit
fallen, den einige als technisch schwierig und potenziell belastend bzw. anfällig für
Missbrauch abgelehnt hatten. Somit lag der Schwerpunkt auf dem zeitgerechten Erwerb und
der anschließenden Wahrung von Pensions- bzw. Rentenansprüchen. Trotzdem war es bisher
nicht möglich, die für die Annahme der Richtlinie notwendige Einstimmigkeit im Rat zu
erzielen.
Es braucht neue Impulse, um eine Lösung für alle mobilen Arbeitskräfte zu finden
28
. In der
Arbeitsmarktsituation von heute mit den durch die Wirtschafts- und Finanzkrise verursachten
zusätzlichen Herausforderungen sollten die Menschen im Laufe ihres Arbeitslebens
problemlos den Arbeitsplatz wechseln und Arbeitgeber/innen die richtigen Arbeitskräfte mit
den richtigen Fähigkeiten und Kompetenzen rekrutieren können. Die Notwendigkeit für
weitere Maßnahmen ergibt sich auch aus der zunehmenden Bedeutung von unterschiedlichen
Formen kapitalgedeckter Vorsorgemodelle. Das führt zur Frage des Anwendungsbereichs:
Sollten EU-Maßnahmen zum Beispiel auch für gesetzlich verpflichtende kapitalgedeckte
Modelle gelten?
Einige Mitgliedsstaaten unterhalten Aufzeichnungsdienste, die den Menschen helfen, den
Überblick über ihre Ansprüche aus unterschiedlichen Quellen innerhalb des Mitgliedsstaates
zu behalten. Angesichts steigender Arbeitskräftemobilität und der Abhängigkeit von einer
größeren Zahl öffentlicher und privater Quellen für das Ruhestandseinkommen, könnte ein
Aufzeichnungssystem auf EU-Ebene mobilen Arbeitskräften helfen, den Überblick über ihre
Pensions- und Rentenansprüche zu behalten.
Ein Hindernis für die Mobilität von Pensionen und Renten kann die steuerliche
Diskriminierung sein. Laut Gerichtshof widerspricht es EU-Recht, den Transfer von
28
Eine Option könnte zum Beispiel die Einrichtung transnationaler EU-Pensionsfonds für hochmobile
Arbeitskräfte (z. B. Forscher/innen) sein. Siehe „Feasibility Study of a Pan-European pension fund for
EU researchers“, Hewitt Associates im Auftrag der Europäischen Kommission (DG RTD), Mai 2010.

 
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Pensions- bzw. Rentenkapital aus heimischen Pensionsfonds zu Fonds mit Sitz anderswo
innerhalb des EWR zu besteuern, wenn der Transfer von Pensions- und Rentenkapital
zwischen heimischen Pensionsfonds steuerfrei ist
29
. Die Kommission wird prüfen, ob
ähnliche Bestimmungen auch noch in anderen Mitgliedsstaaten existieren.
(6) Welchen Geltungsbereich sollten durch Maßnahmen auf EU-Ebene abgedeckte
Projekte zum Abbau von Mobilitätshindernissen haben?
(7) Sollte die EU die Frage der Übertragung noch einmal prüfen oder wären
Mindeststandards für Erwerb und Wahrung plus ein Aufzeichnungsdienst für alle Arten von
Pensions- und Rentenansprüchen eine bessere Lösung?
3.4. Sicherere, transparentere Pensionen und Renten mit einem Mehr an
Bewusstsein und Information
Die Sicherung der Pensionen und Renten ist ein wichtiger Faktor für ihre Angemessenheit.
Darüber hinaus werden die makroökonomischen Vorteile rasch spürbar, weil Menschen im
Ruhestand eine wachsende Quelle stabilen und regelmäßigen Konsums sind. Die disparate
Entwicklung der Vorsorgesysteme der Mitgliedsstaaten und der Trend zu leistungsorientierten
Modellen werfen jedoch neue politische Fragen auf.
3.4.1.
Lücken in EU-Vorschriften
Da bei der Alterssicherung eine Verschiebung von Modellen mit einer Säule zu Modellen mit
mehreren Säulen und von einfachen Pensions- bzw. Rentenpaketen zu komplexen stattfindet,
reicht der gegenwärtige, fragmentierte und unvollständige EU-Rahmen unter Umständen
nicht mehr aus.
(1) Reformen haben bewirkt, dass manche – sowohl staatliche als auch private –
kapitalgedeckte Vorsorgemodelle in einigen Mitgliedsstaaten unter EU-Bestimmungen
fallen, in anderen jedoch nicht. Das entspricht weder der Erklärung der G-20 in
Pittsburgh („13. […] All firms whose failure could pose a risk to financial stability
must be subject to consistent, consolidated supervision and regulation with high
standards. […]“ Alle Unternehmen, deren Zusammenbruch ein Risiko für die
finanzielle Stabilität darstellen könnte, müssen einheitlicher, konsolidierter Aufsicht
und Regulierung mit hohen Standards unterliegen.), die beim G-20-Gipfel in Toronto
bestätigt wurde ,noch spiegelt es die Tatsache wider, dass Pensionsfonds ein wichtiger
Finanzmarktfaktor geworden sind.
(2) Ähnliche Vorsorgemodelle fallen unter verschiedene EU-Regelungen, was Fragen
nach der Vereinbarkeit aufwirft.
(3)
Es gibt unklare Abgrenzungen zwischen: staatlichen Systemen der Sozialversicherung
und privaten Vorsorgemodellen, betrieblichen und privaten Modellen sowie
freiwilligen und Pflichtversicherungsmodellen.
(4)
Es ist nicht immer klar, worin sich ein normaler Sparvorgang von einer Altersvorsorge
unterscheidet. Das wirft die Frage auf, ob die Bezeichnung „Alterssicherung“ nicht
einem Produkt mit bestimmten Merkmalen, wie Sicherheit, eingeschränktem Zugang,
29
Kommission gegen Belgien, Rechtssache C-522/04.

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Auszahlungsplan und regelmäßigem Zahlungsfluss im Ruhestand, vorbehalten sein
sollte.
Darüber hinaus hält der Trend hin zu beitragsorientierten und weg von leistungsorientierten
Modellen an. Die Zielsetzung, Arbeitskräfte mittels betrieblicher Vorsorgeversprechen an das
Unternehmen zu binden, verliert an Boden: Aufgrund technologischer Fortschritte sind
Arbeitgeber/innen weniger auf unternehmensspezifische Fertigkeiten angewiesen und
Arbeitskräfte ziehen zunehmend Flexibilität und Mobilität vor. Betriebliche leistungs-
orientierte Systeme bieten zwar größere Sicherheit bezüglich des zukünftigen Ruhestands-
einkommens und reduzieren dank ihrer Größe und des geteilten Risikos die Kosten, können
aber auch eine unhaltbare Belastung für die Arbeitgeber/innen darstellen.
Heute sind knapp 60 Millionen Europäerinnen und Europäer beitragsorientierten Systemen
angeschlossen
30
. Derartige Modelle sind heute viel stärker vertreten als vor zehn Jahren und
ihre Bedeutung wird noch weiter steigen. Der Träger hat kein finanzielles Risiko und
beitragsorientierte Modelle sind eher geeignet, den längeren Verbleib im Arbeitsleben zu
fördern. Allerdings implizieren diese Modelle, dass das Investitions-, Inflations- und
Langlebigkeitsrisiko auf die Mitglieder des Systems verlagert wird, die als Einzelpersonen in
einer schlechteren Position sind, diese Risiken zu tragen. Es gibt aber Möglichkeiten, diese
Risiken zu reduzieren. Mindestertragsgarantien und eine an die Lebensphase angepasste
Zusammensetzung des Portfolios haben ihren Preis, aber Good Practice in den
Mitgliedsstaaten hat gezeigt, dass sie kurzfristige Volatilität reduzieren können. Die
Marktentwicklung kann durch eine solide Wirtschafts- und Budgetpolitik sowie bessere
Rechtssetzung positiv beeinflusst werden. Durch bessere Investitionspraxis und
Modellgestaltung kann das Risiko deutlich verringert und die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen,
erhöht werden, wodurch ein ausgewogeneres Verhältnis zwischen Risiken, Sicherheit und
Leistbarkeit sowohl für die Sparer/innen als auch die Träger erreicht wird.
Kollektive Risikoteilung mittels Hybridmodellen, wie etwa einem beitragsorientierten Modell
mit einer Mindestertragsgarantie oder einem teils leistungsorientierten teils beitragsorientier-
ten Modell, könnte den derzeitigen Trend zu individuellen beitragsorientierten Modellen
umkehren. Darüber hinaus fördern Brancheninitiativen qualitativ hochwertige Modelle. Auch
einige betriebliche leistungsorientierte Modelle wurden durch stärkere Risikoteilung zwischen
Trägern, Arbeitskräften und Personen im Ruhestand an demografische und strukturelle
Veränderungen angepasst. Bestehende kollektive Governance-Strukturen machen das in
leistungsorientierten Systemen möglich. Beispiele umfassen den Wechsel von Letzt- zu
Durchschnittseinkommensmodellen, die Einrichtung eines Barwertmodells, Anpassungen
aufgrund von Langlebigkeit, Änderung der Ansparraten, Anpassung des Regelpensions- bzw.
–rentenalters und die Anwendung bedingter Indexierung.
Die politische Diskussion auf internationaler Ebene wirft die Frage auf, ob die derzeitigen
EU-Bestimmungen für den Wechsel zu beitragsorientierten Modellen ausreichen
31
. In Berei-
chen wie Governance, Risikomanagement, Wahrung der Vermögenswerte, Investitions- und
Informationsvorschriften könnte eine Neubewertung der IORP-Richtlinie notwendig sein.
Dazu kommt, dass die Ansparphase im derzeitigen EU-Rechtsrahmen nicht behandelt wird.
Dazu zählen (i) ein Plan zur Abfederung kurzfristiger Ertragsschwankungen und (ii) Optionen
für die Investitionsauswahl und für Standardinvestitionen. Da die Höhe der Pension bzw.
Rente bei beitragsorientierten Modellen vom Jahr des Wechsels in den Ruhestand abhängen
30
EFRP-Erhebung zu beitragsorientierten Renten und Pensionen 2010.
31
OECD Pension Market in Focus Oct. 2009.

 
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kann, muss die Auszahlungsphase in der Marktregulierung erfasst sein, etwa durch
Bestimmungen zum Erwerb von Annuitäten (z. B. verpflichtend oder freiwillig, Zeitpunkt).
(8) Müssen die derzeitigen EU-Bestimmungen überprüft werden, um eine einheitliche
Regulierung und Aufsicht für kapitalgedeckte (d. h. fondsgestützte) Vorsorgemodelle und
-produkte zu gewährleisten? Wenn ja, welche Teile?
(9)
Wie könnten EU-Vorschriften oder ein Verhaltenskodex den Mitgliedsstaaten helfen,
für Vorsorgesparer/innen und Vorsorgeträger ein ausgewogeneres Verhältnis zwischen
Risiko, Sicherheit und Leistbarkeit zu erreichen?
3.4.2.
Bessere Solvenzregelung für Pensionsfonds
Die aufsichtsrechtlichen Mindestanforderungen der IORP-Richtlinie umfassen Solvenz-
bestimmungen für leistungsorientierte Modelle. Derzeit gelten dieselben Solvenzbestim-
mungen wie für Lebensversicherungsunternehmen. Ab dem Inkrafttreten der Richtlinie
Solvabilität II im Jahr 2012 können Versicherungsunternehmen eine auf drei Säulen ruhende,
risikobezogene Solvenzregelung nutzen, und es stellt sich die Frage, ob diese neue Regelung
auch für IORP gelten soll. Bei den Stakeholdern herrscht wenig Übereinstimmung, was zum
Teil den Unterschied in der Art und Weise widerspiegelt, wie betriebliche Vorsorge
angeboten wird: Rücklagen- oder Rückstellungssystem, Pensionsfonds oder Versicherungs-
vertrag.
Was Pensionsfonds betrifft, verwenden die Mitgliedsstaaten unterschiedliche Ansätze bei der
Absicherung erworbener Pensions- bzw. Rentenansprüche
32
. Die Kommission hat 2008 eine
Konsultation dazu durchgeführt und im Mai 2009 eine öffentliche Anhörung abgehalten. Im
Laufe dieses Prozesses signalisierten die Stakeholder, dass Pensionsfonds eine
sui generis
Solvenzregelung brauchen und dass prozyklische Solvenzbestimmungen vermieden werden
müssen. Der Solvabilität II-Ansatz könnte ein guter Ausgangspunkt sein, wobei
gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen sind, um die Art und Dauer des Vorsorge-
versprechens zu berücksichtigen. Die Eignung von Solvabilität II für Pensionsfonds muss
einer rigorosen Folgenabschätzung unterzogen werden, die vor allem den Einfluss auf Preis
und Verfügbarkeit von Vorsorgeprodukten untersucht.
Eine damit verbundene Frage lautet, ob es angesichts der Entwicklungen im Banken-,
Versicherungs- und Investitionssektor notwendig ist, in den Mitgliedsstaaten Vorsorge-
modelle mit Leistungsgarantie zu fördern, unter Umständen auf EU-Ebene koordiniert oder
ermöglicht. Solche Modelle können nicht nur Ausfälle in investitionsgestützten leistungs-
orientierten oder Rücklagen- bzw. Rückstellungsmodellen auffangen, sondern auch
übermäßige Verluste in beitragsorientierten Modellen kompensieren. Dabei dürfen aber
wichtige Aspekte, wie moralisches Risiko und mögliche implizite öffentliche Unterstützung
in sehr turbulenten Zeiten, nicht übersehen werden.
(10)
Wie sollte eine entsprechende Solvenzregelung für Pensionsfonds aussehen?
32
Die derzeit verwendeten Sicherungsmechanismen beruhen auf einer realistischen Bewertung der
versicherungstechnischen Rückstellungen, Eigenmittel, Investorenbedingung, Pensionssicherungsfonds
oder einer Kombination dieser Elemente (CEIOPS SSC-Bericht).

 
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3.4.3.
Das Risiko der Unternehmensinsolvenz
Angesichts der wichtigen Rolle von Trägerunternehmen bei der Erbringung von Leistungen
und der Finanzierung von IORP stellt ihre Insolvenz ein besonderes Risiko dar. Die
Insolvenzrichtlinie
33
schützt den Anspruch der Arbeitnehmer/innen auf betriebliche
Zusatzpensionen bzw. –renten im Falle der Insolvenz des Unternehmens. Die Mitglieds-
staaten sind jedoch nicht verpflichtet, die Ansprüche selbst zu finanzieren oder umfassende
Garantien zu leisten, womit beim Umfang und bei den Modalitäten der Absicherung
beträchtlicher Spielraum bleibt. Weiters gilt die IORP-Richtlinie nicht für Unternehmen, die
Pensionen bzw. Renten über Pensions-/Rentenrücklage- oder -rückstellungsmodelle an ihre
Beschäftigten auszahlen. Die Sicherung betrieblicher Zusatzpensionen bzw. –renten in diesen
Fällen ist in der derzeitigen Situation noch vordringlicher, da die Wirtschafts- und Finanzkrise
die Anzahl der Unternehmensinsolvenzen erhöhen wird.
Die Kommission hat ein Arbeitspapier
34
zur Umsetzung der in der Insolvenzrichtlinie
enthaltenen Bestimmung zu betrieblichen Zusatzpensionen vorgelegt. Als Follow-up zu
diesem Papier hat die Kommission 2009
35
eine Studie zu leistungsorientierten Modellen und
Rücklagenmodellen gestartet und sammelt derzeit Informationen zum Schutz noch nicht
entrichteter Beiträge in beitragsorientierten Modellen im Falle der Arbeitgeberinsolvenz.
(11) Sollte der von EU-Bestimmungen gebotene Schutz im Falle der Insolvenz von in
betriebliche Vorsorge investierenden Unternehmen verbessert werden und wenn ja, wie?
3.4.4.
Informationen für fundierte Entscheidungen
Der Trend zu beitragsorientierten Modellen unterstreicht die Notwendigkeit transparenter und
klarer Kommunikation. Die IORP- und die Lebensversicherungsrichtlinie enthalten
Bestimmungen zur Informationspflicht. Aber diese Bestimmungen beruhen auf Mindest-
harmonisierung und die einzelnen nationalen Ansätze unterscheiden sich deutlich. Darüber
hinaus wurden sie für leistungsorientierte Modelle ausgearbeitet und müssen deshalb
eventuell angepasst werden. Es wäre wichtig, speziell für Vorsorgemodelle und -produkte die
wichtigsten Informationen zu überprüfen (z. B. Risiko, Art des Versprechens,
Kosten/Gebühren, Zahlungsmethode usw.). Dabei sollten für andere Finanzprodukte
entwickelte Bestimmungen berücksichtigt und es sollte versucht werden, vergleichbare
Information zu gewährleisten. Die Qualität der Information, was Klarheit und
Vergleichbarkeit betrifft, könnte durch den Einsatz von Konsumententests in Kombination
mit Wirtschaftsforschung verbessert werden.
Die Verschiebung der Wahl und der Verantwortung zur Einzelperson setzt voraus, dass die
Menschen die Information verstehen, damit sie fundierte Entscheidungen treffen können, vor
allem weil die Altersvorsorge komplexer geworden ist. Wie die Arbeit der OECD zeigt, kann
finanztechnisches Wissen helfen, und die EU arbeitet mit den Mitgliedsstaaten bereits daran.
Finanztechnisches Wissen ergänzt die Regulierung des Sektors – sowohl über aufsichts-
rechtliche Regeln (z. B. die IORP-Richtlinie) als auch Verhaltenskodizes für die Branche –
und Produktinformationsvorschriften. Es ist wichtig, dass jede/r Einzelne über entsprechende
Wirtschaftskenntnisse verfügt und weiß, wie man plant, um den persönlichen Bedarf an
finanzieller und sozialer Absicherung richtig beurteilen zu können und stereotype
33
2008/94/EG.
34
SEK(2008) 475, 11.4.2008.
35
ABl. 2009/ S 230-329482.

 
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Verhaltensmuster zu vermeiden. Die zunehmende Bedeutung beitragsorientierter Modelle
setzt zum Beispiel voraus, dass die Menschen fundierte Investitionsentscheidungen treffen.
Außerdem müssen sie sich vor allem im Kontext transnationaler Mobilität mit Fragen zu ihrer
Pension oder Rente an eine kompetente Stelle wenden können.
Gleichzeitig legen nationale Erfahrungen nahe, dass das Engagement, das durch
Informationspflicht und finanztechnisches Wissen erreicht werden kann, Grenzen hat.
Deshalb sollte unbedingt eine eingehende Prüfung der Vorteile automatischer Mitgliedschaft
mit Opt-out-Klauseln eingeplant werden.
Fundierte Entscheidungen gehen Hand in Hand mit angemessener Alterssicherung. Den
Menschen müssen geeignete Optionen angeboten werden, wenn sie ihre Anspar-
entscheidungen treffen. Deshalb spräche viel für eine exakte Definition der wünschenswerten
Merkmale von Vorsorge: Wenn bestimmte Schlüsselmerkmale fehlen, könnte das nicht nur
Verwirrung stiften, sondern auch zu Unterversorgung im Ruhestand führen, wenn zum
Beispiel vorzeitiges Ausscheiden zu einer Erschöpfung der Ersparnisse führt oder kein
konstantes Einkommen aus den angesammelten Vermögenswerten generiert wird. Die
Mitgliedsstaaten könnten überlegen, einen zuverlässigen Vorsorgeberatungsdienst einzu-
richten, um den Konsumentinnen und Konsumenten die Wahl zu erleichtern.
(12) Gibt es Gründe, die aktuellen Mindestanforderungen an die Informationspflicht für
Vorsorgeprodukte zu modernisieren (z. B. im Hinblick auf Vergleichbarkeit, Standardisierung
und Klarheit)?
(13) Sollte die EU einen gemeinsamen Ansatz für Standardoptionen bei der Wahl der
Beteiligungs- und Investitionsform entwickeln?
4. EU-PENSIONS- UND RENTENSTATISTIK
Daten über Vorsorgemodelle aus verschiedenen Quellen auf nationaler und EU-Ebene
könnten angepasst werden, um ihre Vergleichbarkeit zu erhöhen und deutlich Kosten zu
sparen. Aufbauend auf internationalen Arbeiten (z. B. der OECD) und auf verschiedenen EU-
Initiativen könnte die Entwicklung einer EU-Methodik für die Vorsorgestatistik die
Beurteilung der gemeinsamen politischen und regulatorischen Herausforderungen erleichtern.
Pensionsfonds sind wichtige institutionelle Anleger und ihr Investitionsverhalten kann die
Stabilität der Finanzen beeinflussen. Die Bürgerinnen und Bürger würden von der Erhebung
genauer Statistiken zu ihrem Ruhestandseinkommen aus verschiedenen Quellen profitieren.
Die Konsumentengruppe der im Ruhestand befindlichen Personen wird noch wachsen, und
Unternehmen würden von zuverlässigen und zeitgerechten Informationen über das verfügbare
Gesamteinkommen profitieren.
Darüber hinaus könnte die Überwachung indirekter Verbindlichkeiten gestärkt werden, um
die Auswirkungen auf die Nachhaltigkeit der öffentlichen Finanzierung von
Vorsorgesystemen sowohl öffentlicher als auch privater Träger besser beurteilen zu können.
5. GOVERNANCE DER VORSORGEPOLITIK AUF EU-EBENE
Die EU muss helfen, die Sorgen der Bürger/innen um ihre zukünftigen Pensionen und Renten
aufzugreifen und zu prüfen, wie eine Strategie – auch durch besseren Einsatz von EU-

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Instrumenten – für angemessene, nachhaltige und gesicherte Pensionen und Renten festgelegt
werden kann.
Im Allgemeinen sind die Mitgliedsstaaten für die Gestaltung und Organisation ihrer
Vorsorgemodelle verantwortlich; einige spezifische Aspekte fallen jedoch direkt in den
Zuständigkeitsbereich der EU. Die Mitgliedsstaaten haben auch erkannt, dass gemeinsames
Handeln effektiver und effizienter sein und die EU-Ebene einen Mehrwert bieten kann, nicht
zuletzt, weil die Herausforderungen in der gesamten EU ähnlich sind und die Reformpolitik
mit bestehenden Rahmenvorgaben wie dem Wachstums- und Stabilitätspakt und der Strategie
Europa 2020 vereinbar sein muss.
Als Teil dieser Strategie besteht der Beitrag der EU aus Maßnahmen wie Überwachung,
Koordinierung und Voneinander-Lernen. Als Beispiele lassen sich der Austausch von Good
Practice, Peer Review, Vereinbarung von Zielen und Indikatoren sowie Erhebung
vergleichbarer statistischer Daten nennen. In EU-Vorschriften erfasst sind die Koordinierung
der staatlichen Pensions- und Rentenversicherung, Bestimmungen für betriebliche Vorsorge-
fonds, Mitnahme und Sicherung von Zusatzpensions- und Rentenansprüchen im Falle der
Unternehmensinsolvenz sowie Bestimmungen für Lebensversicherungsunternehmen
.
Wenn die EU geeignete Unterstützung für nationale Reformbemühungen bieten soll, muss für
den Rahmen der politischen Koordinierung ein integrierter Ansatz verwendet werden, um der
zunehmenden Komplexität von Vorsorgemodellen gerecht zu werden. Angesichts der
zunehmenden Integration der Bereiche Wirtschaft und Finanzen gewinnen der Regulierungs-
rahmen auf EU-Ebene aber auch die enge Koordinierung der Maßnahmen auf EU-Ebene und
in den Mitgliedsstaaten noch zusätzlich an Bedeutung.
Die Vorsorgepolitik ist ein gemeinsames Anliegen für Behörden, Sozialpartner, Industrie und
Zivilgesellschaft auf nationaler und auf EU-Ebene. Eine gemeinsame Plattform für die
integrierte Überwachung aller Aspekte der Vorsorgepolitik und –regulierung und für das
Zusammenführen aller Stakeholder könnte dazu beitragen, angemessene, nachhaltige und
gesicherte Pensionen und Renten jetzt und in Zukunft zu erreichen. Deshalb möchte die
Kommission untersuchen, wie dieses Ziel im Zusammenhang mit den allgemeineren
wirtschaftlichen und sozialen Zielsetzungen der EU am besten erreicht werden kann.
(14)
Sollte der politische Koordinierungsrahmen auf EU-Ebene gestärkt werden? Wenn ja,
welche Teile müssen gestärkt werden, um die Gestaltung und Umsetzung der Vorsorgepolitik
durch einen integrierten Ansatz zu verbessern? Wäre die Einrichtung einer Plattform für die
integrierte Überwachung aller Aspekte der Vorsorgepolitik Teil dieses Weges?

 
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6. ÜBERMITTLUNG IHRER ANTWORTEN
Die Kommission lädt alle Interessierten ein, die in diesem Grünbuch gestellten Fragen zu
beantworten und gemeinsam mit eventuellen zusätzlichen Bemerkungen bis 15. November
2010 zu übermitteln. Bitte verwenden Sie den Online-Fragebogen:
http://ec.europa.eu/yourvoice/ipm/forms/dispatch?form=pensions
.
Alle, die keinen Internetzugang haben, können ihre Antworten per Post an folgende Adresse
senden:
Europäische Kommission
Generaldirektion Beschäftigung, Soziales und Chancengleichheit
Konsultation – Grünbuch zu den Pensions- und Rentensystemen
Referat E4
rue Joseph II
Büro J-27 1/216
1040 Brüssel
BELGIEN
Bitte beachten Sie, dass eingegangene Beiträge unter Angabe des Namens im Internet
veröffentlicht werden, sofern die/der Betreffende keine Einwände gegen die Veröffentlichung
der personenbezogenen Daten mit der Begründung erhebt, dass dies ihre/seine berechtigten
Interessen verletzen würde. In diesem Fall kann der Beitrag anonym veröffentlicht werden.
Andernfalls wird der Beitrag nicht veröffentlicht und sein Inhalt im Grunde nicht berück-
sichtigt.

 
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22
DE
GLOSSAR UND STATISTISCHER ANHANG
1. GLOSSAR
Altersquotient (auch Altersabhängigkeitsquotient oder Alterslastquote)
– Die
Bevölkerung über 65 als Prozentsatz der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter (für
gewöhnlich definiert als Personen im Alter zwischen 15 und 64).
Annuität
– Ein Finanzprodukt, das z. B. von einem Lebensversicherungsunternehmen
verkauft wird, das die fixe oder variable Zahlung einer Einkommensleistung (monatlich,
vierteljährlich, halbjährlich oder jährlich) für die Lebensdauer einer Person (Pensions- bzw.
Rentenempfänger/in) oder für einen festgelegten Zeitraum garantiert. Sie unterscheidet sich
von einer Lebensversicherung, bei der die/der Begünstigte nach dem Tod der/des
Versicherten ein Einkommen erhält. Eine Annuität kann über laufende Einzahlungen oder
durch Entrichtung eines Einmalbetrages erworben werden. Die Leistungen können sofort oder
zu einem vorab festgelegten Zeitpunkt in der Zukunft oder ab einem bestimmten Alter
anfallen. Eine Annuität ist eine Möglichkeit Einzelpersonen, die in ein beitragsorientiertes
System einzahlen, ein regelmäßiges Ruhestandseinkommen zu sichern. (Siehe auch:
Beitragsorientiertes Modell).
Ansparphase (auch Einzahlungsphase)
– Zeitraum, in dem Beiträge in ein
beitragsorientiertes System eingezahlt und investiert werden. (Siehe auch: Beitragsorientiertes
Modell).
Ansparrate (auch Ansparquote oder Steigerungsrate)
– Ausmaß, in dem zukünftige
Pensions- und Rentenleistungen akkumuliert werden. Wird bei leistungsorientierten Modellen
angewendet und basiert auf einer mit dem System verbundenen Formel. Eine Ansparrate
könnte zum Beispiel 1,5 % der endgültigen Bemessungsgrundlage für jedes auf die Pension
oder Rente anrechenbares Beitragsjahr ausmachen. (Siehe auch: Leistungsorientiertes
Modell).
Arbeitsmarktaustrittsalter
– Alter, mit dem die/der Einzelne tatsächlich aus dem
Arbeitsmarkt ausscheidet. Aus Gründen der Datenverfügbarkeit wird das Arbeitsmarktaus-
trittsalter häufig als Näherungswert für das effektive Pensionsantritts- bzw. Renten-
eintrittsalter verwendet. Zwischen den beiden können Unterschiede bestehen, da manche
Menschen aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden, bevor sie in den Ruhestand treten, wohingegen
andere auch nach der Pensionierung bzw. Verrentung weiterarbeiten. (Siehe auch: Effektives
Pensionsantritts- bzw. Renteneintrittsalter).
Auszahlungsphase oder Dekumulierungsphase
– Zeitraum, in dem der in der Ansparphase
akkumulierte Vermögenswert in einem kapitalgedeckten System an die Pensions- bzw.
Rentenkassenmitglieder ausgezahlt wird. Ein Beispiel für eine Auszahlungsphase ist ein
Zeitraum, in dem ein regelmäßiges Ruhestandseinkommen über den Kauf einer Annuität
bezogen wird. (Siehe auch: Annuität).
Automatische Anpassungsmechanismen
– Bezieht sich auf Instrumente, mit denen
Leistungen, Höhe der Ansprüche und/oder Beiträge an sich ändernde Umstände – z. B.
wirtschaftliche Gegebenheiten, Finanzmarkterträge oder Annahmen über die Lebenser-
wartung – angepasst werden.

DE
23
DE
Automatische Mitgliedschaft
– Bedeutet in der Regel, dass Beschäftigte standardmäßig
Mitglieder des Vorsorgesystems ihrer Arbeitgeberin/ihres Arbeitgebers sind, mit der Möglich-
keit, auf Verlangen aus dem System hinaus zu optieren.
Barwertmodell
– Ein Modell, bei dem das Unternehmen den Mitgliedern des Modells einen
Pensions- bzw. Rententopf garantiert, zahlbar zum Regelpensions- bzw. -rentenalter, mit dem
sie eine Annuität erwerben können. (Siehe auch: Regelpensions- bzw. -rentenalter; Annuität).
Bedingte Indexierung
– Bezieht sich auf leistungsorientierte Systeme, bei denen die
Bereitstellung indexgebundener Leistungen (in der Regel nach Inflation oder Löhnen
bewertet) von der finanziellen Entwicklung der Investitionen des Sicherungssystems abhängt.
(Siehe auch: Leistungsorientiertes Modell).
Beitragsorientiertes Modell
– Pensions- und Rentensysteme, bei denen die Höhe der
Beiträge und nicht die endgültige Leistung feststeht: Es gibt keine endgültige Zusage über die
Pensions- bzw. Rentenhöhe. Beitragsorientierte Systeme können staatlich, betrieblich oder
privat sein: Je nach den Regeln des Modells, können die Beiträge von der jeweiligen
Einzelperson, dem Unternehmen und/oder dem Staat eingezahlt werden. Die Pensions- bzw.
Rentenhöhe hängt von der finanziellen Entwicklung der gewählten Investitionsstrategie und
der Höhe der Beiträge ab. Daher trägt das einzelne Mitglied das Investitionsrisiko und
entscheidet häufig selbst darüber, wie dieses Risiko abgefedert werden kann. (Siehe auch:
Leistungsorientiertes Modell).
Betriebliches Vorsorgemodell
– Eine Pensionskasse oder eine Betriebspension bzw. -rente,
bei der der Systemzugang an ein Beschäftigungsverhältnis oder eine berufliche Beziehung
zwischen dem Kassenmitglied und der die Kasse einrichtenden Stelle (finanzieller Träger)
gebunden ist. Betriebliche Vorsorgemodelle können von einzelnen Unternehmen oder
Unternehmensgruppen (z. B. Branchenverbänden) oder von Arbeitnehmer- oder Berufsver-
bänden, gemeinsam oder getrennt, oder von selbstständig erwerbstätigen Personen
eingerichtet werden. Das Modell kann direkt vom finanzierenden oder von einem
unabhängigen Träger (ein Pensionsfonds oder ein Finanzinstitut, das als Vorsorgeanbieter
fungiert) verwaltet werden. Im letzteren Fall kann die Zuständigkeit für die Aufsicht des
Systems trotzdem beim finanzierenden Träger bleiben.
Durchschnittseinkommensmodell
– Ein leistungsorientiertes Modell, bei dem die für ein
bestimmtes Jahr erworbene zukünftige Pensions- oder Rentenleistung von der Höhe des
Erwerbseinkommens der Person für das betreffende Jahr abhängt. (Siehe auch:
Leistungsorientiertes Modell).
Effektives Pensionsantritts- bzw. Renteneintrittsalter
– Alter, in dem eine Person
tatsächlich in den Ruhestand tritt. Nicht notwendigerweise identisch mit dem Alter des
Ausscheidens aus dem Arbeitsmarkt oder dem Regelpensions- bzw. -rentenalter. (Siehe auch:
Arbeitsmarktaustrittsalter und Regelpensions- bzw. -rentenalter).
Eigenmittel (verpflichtende)
– Bezieht sich auf zusätzliche Vermögenswerte, über die ein
Pensionsfond über seine technischen Rückstellungen hinaus als Puffer verfügt. Die
Vorschriften sehen meistens vor, dass diese Vermögenswerte von allen vorhersehbaren
Verbindlichkeiten frei sind und als Sicherheitsmittel dienen, um Abweichungen zwischen den
erwarteten und tatsächlichen Ausgaben und Gewinnen auszugleichen. Auch als Pflichtkapital
bezeichnet. (Siehe auch: Technische Rückstellungen).

DE
24
DE
Einkommensersatzrate (auch Ersatzquote)
– Bezieht sich allgemein auf einen Indikator,
der die Höhe des nach der Pensionierung bzw. Verrentung bezogenen
Ruhestandseinkommens als einen Prozentsatz des individuellen Erwerbseinkommens zum
Zeitpunkt des Pensionsantritts bzw. Renteneintritts oder des Durchschnittserwerbs-
einkommens ausweist. Ersatzquoten messen das Ausmaß, in dem Vorsorgesysteme typische
Arbeitnehmer/innen in die Lage versetzen, ihren Lebensstandard beizubehalten, wenn sie von
der Beschäftigung in den Ruhestand wechseln.
Equity-Release-Modell
– Dieser Begriff beschreibt sowohl den Vorgang als auch die
Produkte, die es Wohneigentumsbesitzerinnen und -besitzern erlauben, sich nennenswerte
Pauschalbeträge oder regelmäßige Einkommenszahlungen zu sichern, indem sie einen Teil
ihres Wohneigentumswertes kapitalisieren und trotzdem weiter darin wohnen können.
Governance (von Pensionsfonds)
– Die Verwaltung und Aufsichtsführung eines
Pensionsfonds. Das leitende Gremium ist zuständig für die Verwaltung, kann aber auch
andere Expertinnen und Experten wie Aktuarinnen und Aktuare, Treuhänder/innen,
Gutachter/innen, Vermögensverwalter/innen und –berater/innen beschäftigen, die spezifische
Verwaltungsaufgaben übernehmen oder das Verwaltungs- oder Leitungsgremium des
Pensionsfonds beraten.
Hybridmodell
– Ein hybrides System weist sowohl Elemente des beitragsorientierten als
auch des leistungsorientierten Modells auf, oder allgemeiner formuliert, das Risiko liegt beim
Träger des Systems und den Begünstigten.
Informationspflicht
– Das sind die Regeln, die festlegen, in welchen Abständen, nach
welchem Verfahren, welche Art von und in welchem Ausmaß den Mitgliedern von Pensions-
und Rentenkassen und/oder der Aufsichtsbehörde Informationen erteilt werden müssen.
Institutioneller Anleger
– Bezeichnet gemeinhin eine Gruppe von Anlegerinnen und
Anlegern wie Pensionsfonds, Versicherungsunternehmen, Investitionsfonds und in einigen
Fällen Banken.
Investorenbedingung
– Bezieht sich auf die Fähigkeit eines Unternehmens, das ein
Vorsorgesystem finanziert, die Pensionsfondsvolatilität aufzufangen, indem es im Bedarfsfall
zusätzliche Mittel bereitstellt. Die ‚Bedingung’ in diesem Kontext ähnelt stark dem Konzept
der ‚Kreditwürdigkeit’ für Darlehensnehmer/innen. Einfach ausgedrückt, wenn ein
Pensionsfonds ein Defizit ausweist, ähnelt er unter Finanzmarktbedingungen in mancher
Hinsicht einem Schuldverschreibungshalter. Es hängt davon ab, ob das Unternehmen in der
Zukunft in der Lage ist, zusätzliche Beiträge zu zahlen, wenn die Investitionserträge nicht
ausreichen, um die Ausfälle zu kompensieren.
Kapitalgedecktes Modell
– Ein Vorsorgemodell, bei dem Leistungsversprechen durch einen
gesonderten Kapitalfonds abgesichert sind, dessen Mittel investiert werden, um die aus dem
System entstehenden Verbindlichkeiten für Leistungszahlungen bei Anfall abzudecken.
Kapitalgedeckte Systeme können kollektive oder Einzelvorsorgesysteme sein. (Siehe auch:
Umlagefinanziertes Modell).
Lebensphasen- oder Lebenszyklusstrategien
– Investitionstrategien bei beitragsorientierten
Vorsorgesystemen, um das Investitionsrisiko und die Volatilität dadurch zu verringern, dass
das vom Systemmitglied getragene Investitionsrisiko mit dem Näherrücken des Ruhestandes
schrittweise und automatisch reduziert wird. (Siehe auch: Beitragsorientiertes Modell).

DE
25
DE
Leistungsorientiertes Modell
– Vorsorgemodell, bei dem die erworbenen Leistungen an die
Einkommenssumme und den Beschäftigungsverlauf gebunden sind (die zukünftige Pensions-
oder Rentenleistung wird vorab festgelegt und den Mitgliedern zugesagt). Das
Investitionsrisiko und häufig auch das Lebenserwartungsrisiko liegt üblicherweise beim
Träger des Systems: Wenn Annahmen über die Ertragsquote oder die Lebenserwartung nicht
eintreten, muss der Träger seine Beiträge erhöhen, um die zugesagte Pension oder Rente zu
bezahlen. Solche Modelle sind tendenziell betriebliche Vorsorgesysteme. (Siehe auch:
Beitragsorientiertes Modell).
Letzteinkommensmodell
– Ein leistungsorientiertes Modell, bei dem die Pensions- bzw.
Rentenleistung typischerweise auf dem Einkommen des letzten Jahres oder der letzten Jahre
vor dem Ruhestand beruht. (Siehe auch: Leistungsorientiertes Modell).
Mindest(ertrags)garantie
– Mindesthöhe der Ruhestandsleistung, die unabhängig von der
Wertentwicklung der Investitionen eines beitragsorientierten Systems ausgezahlt wird.
Operatives Risiko
– Das Verlustrisiko, das durch äußere Ereignisse oder dadurch entsteht,
dass interne Prozesse, Mitarbeiter/innen oder Systeme ungeeignet sind oder versagen.
Pensions- bzw. Rentensäule
– Verschiedene Arten von Vorsorgesystemen werden meist zu
zwei, drei, vier oder mehr Säulen eines Pensions- bzw. Rentensystems zusammengefasst.
Allerdings gibt es keine allgemein vereinbarte Klassifikation. Viele Vorsorgesysteme
unterscheiden zwischen staatlichen, betrieblichen und privaten Systemen oder zwischen
Pflicht- und freiwilligen Pensions- bzw. Rentensystemen. Die Teilnahme an betrieblichen
oder Einzelvorsorgesystemen, meist privaten Vorsorgevereinbarungen, kann verpflichtend
oder freiwillig sein.
Privates Vorsorgemodell
– Der Zugang ist nicht an ein Beschäftigungsverhältnis gebunden.
Derartige Systeme werden direkt von einem Pensionsfonds oder einem Finanzinstitut
eingerichtet und verwaltet, der bzw. das ohne Arbeitgeberbeteiligung als Vorsorgeträger
agiert. Die grundlegenden Elemente der Vereinbarung werden von der Einzelperson
unabhängig ausgewählt und erworben. Trotzdem kann der/die Arbeitgeber/in Beiträge zu
privaten Vorsorgesystemen leisten. Bei einigen Systemen ist die Mitgliedschaft
eingeschränkt.
Regelpensions- bzw.
-
rentenalter
– Das Alter, mit dem das Mitglied eines Vorsorgesystems
die Anspruchsberechtigung auf eine volle Pensions- bzw. Rentenleistung erreicht.
Rücklagen-/Rückstellungsmodell
– Eine Buchhaltungsmethode, die einige Unternehmen mit
solchen Vorsorgemodellen zur Finanzierung von Pensions- und Rentenversprechen
verwenden. Die Beträge werden in der Bilanz des Unternehmens, das ein Vorsorgesystem
finanziert, als Rücklagen oder Rückstellungen für Leistungen des Vorsorgesystems verbucht.
Einige Vermögenswerte können zum Zweck der Finanzierung von Leistungen in getrennten
Konten geführt werden, sie sind aber kein rechtliches oder vertragliches Pensions- bzw.
Rentenkassenkapital. (Siehe auch: Leistungsorientiertes Modell).
Solvenz
– Bezeichnet den Zustand, wenn die Vermögenswerte eines Vorsorgesystems die
Verbindlichkeiten des Systems befriedigen können. Die Verbindlichkeiten des Systems
umfassen alle zukünftigen Pensions- bzw. Rentenzahlungen und müssen deshalb weit in die
Zukunft vorweggenommen werden, wobei weitreichende Annahmen über die Lebensdauer
getroffen werden. Die Höhe der Vermögenswerte des Vorsorgesystems hängt von der Art des
verwendeten Bilanzierungsstandards ab. Wenn von einem System angenommen wird, dass es

DE
26
DE
kein ausreichendes Solvenzniveau aufweist, muss überlegt werden, ob die Beiträge erhöht
oder die Ansprüche reduziert werden, sofern die Systemregeln das zulassen.
Staatliches (auch gesetzliches oder öffentliches) Pensions- bzw. Rentensystem
Sozialversicherungs- und ähnliche gesetzliche Programme, die von einem Staat (d. h. vom
Zentralstaat, den Ländern und den Gemeinden plus anderen öffentlichen Einrichtungen wie
Sozialversicherungsträgern) verwaltet werden. Öffentliche Pensions- und Rentenkassen waren
traditionell bzw. sind noch immer häufig umlagefinanzierte Systeme.
Technische Rückstellungen
– Höhe der Verbindlichkeiten, die den finanziellen
Verpflichtungen eines Pensionsfonds entsprechen, die sich aus dessen Portfolio an
bestehenden Pensions- und Rentenverträgen ergeben. Siehe auch Artikel 15 der Richtlinie
2003/41/EG.
Übertragbarkeit
– Das Recht, erworbene Leistungen oder angespartes Kapital von einem
Pensions- bzw. Rentensystem auf ein anderes zu übertragen, zum Beispiel auf jenes der/des
neuen Arbeitgeberin/Arbeitgebers.
Umlagefinanziertes Modell
– Pensions- bzw. Rentensysteme, bei denen die laufenden
Beiträge die laufenden Pensions- bzw. Rentenausgaben finanzieren. (Siehe auch: Kapital-
gedecktes Modell).
Vorsorgemodell mit Leistungsgarantie
– Eine Vereinbarung, laut der den Mitgliedern oder
Begünstigten eines Vorsorgesystems im Falle der Insolvenz des Pensionsfonds und/oder des
das Modell finanzierenden Unternehmens eine Kompensation gezahlt wird. Beispiele für ein
Vorsorgemodell mit Leistungsgarantie sind der Pensions-Sicherungs-Verein Versicherungs-
verein auf Gegenseitigkeit (PSVaG) in Deutschland und der Pension Protection Fund im
Vereinigten Königreich.
Zusatzvorsorgemodell
– Verpflichtendes oder freiwilliges Pensions- bzw.
Rentenvorsorgesystem, das im Allgemeinen ein Ruhestandseinkommen zusätzlich zum
gesetzlichen Vorsorgesystem bietet.

 
DE
27
DE
2.
STATISTICAL ANNEX
Figure 1: Demographic structure of the population in 2008 and 2060
Figure 2: Old-age dependency ratios under different average exit age scenarios
Figure 3: Change in public pension expenditure as a share of GDP over 2007-60 (in
percentage points)
Figure 4: Benefit ratios in EU Member States in 2007 and 2060
Figure 5: Change in theoretical replacement rates for an average wage earner retiring at
65 after 40 years career between 2006 and 2046 in percentage points
Figure 6: Standard pension eligibility age and average labour market exit age in EU-27
Figure 7: Overall, female and older workers employment rates in EU-27, 2000-2008, in
percent
Figure 8: Pension benefit impact of shorter and longer working lives
Figure 9: Pension benefit impact of career breaks due to unemployment
Figure 10: Increasing significance of funded pensions

image
image
DE
28
DE
Figure 1: Demographic structure of the population in 2008 and 2060
2008
2060
Source: Commission services, graph published in the 2010 Interim Joint Report on pensions of the Economic
Policy Committee and Social Protection Committee, noted by the 7-8 June 2010 EPSCO and ECOFIN Councils,
p. 9, available
at:
http://europa.eu/epc/publications/index_en.htm
.
Note: the red (dark) bar indicates the most numerous cohort.

DE
29
DE
Figure 2: Old-age dependency ratios under different average exit age scenarios
In 2010, when it is assumed that people leave the labour market on average at age 60, the
dependency ratio, i.e. the number of people of working age relative to the number of people
above age 60, amounts to 5 to 2. If by 2040 people were to remain until 67 the corresponding
ratio would stay constant and the increase by 2060 would far less dramatic than at lower exit
ages. There would be no increase if the exit age would increase another 3 years between 2040
and 2060.
EU-27 old-age dependency ratios, 2010-2060, under four exit
assumptions (working ages from 20 to 59 through 69)
0
0.1
0.2
0.3
0.4
0.5
0.6
0.7
0.8
0.9
2010
2020
2030
2040
2050
2060
20 to 59 / 60+
20 to 63 / 64+
20 to 66 / 67+
20 to 69 / 70+
Source: Eurostat, Population Projections, 2008 data.

DE
30
DE
Figure 3: Change in public pension expenditure as a share of GDP over 2007-60 (in
percentage points)
PL
EE
IT
HU
LV
SE
DK
AT
FR
PT
DE
EU27
UK
EA16
BG
CZ
FI
SK
NL
LT
IE
NO
BE
MT
ES
SI
RO
CY
EL
LU
-8 -6 -4 -2 0 2 4 6 8 10 12 14 16
Social Security Pension /GDP
Source: Ageing report 2009, available at:
http://ec.europa.eu/economy_finance/publications/publication13782_en.pdf
,
data as updated at the Ageing
Working Group in 2010.
Note: Hungary reformed its pension system in 2009. Following the reform, its impact was assessed through a
peer review by the AWG, and endorsed by the EPC at their 22 February 2010 meeting. According to the revised
pension projections, public pension expenditure is projected to decrease from 10.9% of GDP in 2007 to 10.5% of
GDP in 2060, i.e. by 0.4 p.p. of GDP, compared with the projection in the 2009 Ageing Report, where an
increase of 3 p.p. of GDP between 2007 and 2060 was projected.

DE
31
DE
Figure 4: Benefit ratios in EU Member States in 2007 and 2060
2007
2060
% change
2007
2060
% change
BE
45
43
-4
BG
44
36
-20
44
41
-8
CZ
45
38
-17
DK
39
38
-4
64
75
17
DE
51
42
-17
EE
26
16
-40
26
22
-18
IE
27
32
16
EL
73
80
10
ES
58
52
-10
62
57
-8
FR
63
48
-25
IT
68
47
-31
CY
54
57
5
LV
24
13
-47
24
25
4
LT
33
28
-16
33
32
-2
LU
46
44
-4
46
44
-4
HU
39
36
-8
39
38
-3
MT
42
40
-6
NL
44
41
-7
74
81
10
AT
55
39
-30
PL
56
26
-54
56
31
-44
PT
46
33
-29
47
33
-31
RO
29
37
26
29
41
41
SI
41
39
-6
41
40
-2
SK
45
33
-27
45
40
-11
FI
49
47
-5
SE
49
30
-39
64
46
-27
UK
35
37
7
NO
51
47
-8
Benefit Ratio (%)
Public pensions
Public and private pensions
Source: Ageing report 2009, available at:
http://ec.europa.eu/economy_finance/publications/publication13782_en.pdf
.
Note: The 'Benefit ratio' is the average benefit of public pension and public and private pensions, respectively, as
a share of the economy-wide average wage (gross wages and salaries in relation to employees), as calculated by
the Commission. Public pensions used to calculate the Benefit Ratio includes old-age and early pensions and
other pensions. Private pensions are not included for all Member States. Hence, the comparability of the figures
is limited. The value of indicators might change as some Member States consider reforms of their pension
systems (e.g. Ireland).

DE
32
DE
Figure 5: Change in theoretical replacement rates for an average wage earner retiring at
65 after 40 years career between 2006 and 2046 in percentage points
Change in TRR in pp, 2006-2046
-25
-15
-5
5
15
25
35
45
55
CZ
PT
PL
FR
SE
LV
ES
IE
FI
MT
EL
UK
LT
LU
DE
SI
SK
IT
BE
AT
HU
NL
DK
EE
CY
BG
RO
Net RR
Gross RR
Source: INDICATORS' SUBGROUP OF THE SOCIAL PROTECTION COMMITTEE (ISG) 2009 report on
Theoretical Replacement Rates, "
UPDATES OF CURRENT AND PROSPECTIVE THEORETICAL
PENSION REPLACEMENT RATES 2006-2046", p.17, available at:
http://ec.europa.eu/social/main.jsp?catId=752&langId=en&moreDocuments=yes
.
Note: Replacement rates are defined as the level of pension income during the first year of retirement as a
percentage of individual earnings immediately before retirement. For countries with a projected drop in
replacement rates it should be noted that the decrease can usually be counterbalanced by working longer.
It should be noted that EE, like other countries with a more positive evolutions in replacement rates (RO, BG and
CY), start off from rather low initial levels of the rates.

DE
33
DE
Figure 6: Standard pension eligibility age and average labour market exit age in EU-27
There has been a more or less pronounced increase in the average exit age from the labour
force of nearly all Member States between 2001 and 2008, with an EU27 average exit age of
61.4 years in 2008. For those countries with increasing pensionable ages until 2020 and
beyond, the average exit age is expected to continue to increase. It appears that most countries
are gradually moving to a universal pensionable age of at least 65, but countries such as DK,
DE and UK have already legislated further increases in order to respond to continued
advances in longevity.

DE
34
DE
Member State
Average exit age
from the labour force
in 2001
Average exit age from
the labour force in
2008
Statutory retirement
age for M/W in 2009
Statutory retirement
age
for M/W in 2020
Further increases
in the statutory retirement age
for M/W after 2020
Belgium 56.8 61.6* 65/65 65/65
Bulgaria 58.4 61.5 63/60 63/60
Czech Republic 58.9
60.6 62/60y8m 63y8m/63y4m
65/65
Denmark 61.6 61.3 65/65 65/65 67+/67+***
Germany 60.6 61.7 65/65 65y9m/65y9m 67/67
Estonia 61.1 62.1 63/61 63/63
Ireland 63.2 64.1** 65/65 65/65 (66/66) (68/68)
Greece 61.3° 61.4 65/60 65/60 65/65
Spain 60.3 62.6 65/65 65/65
France 58.1 59.3 60-65 60/60
Italy 59.8 60.8 65/60 65/60**** ***
Cyprus 62.3 63.5* 65/65 65/65
Latvia 62.4 62.7 62/62 62/62
Lithuania 58.9 59.9** 62y6m/60 64/63 65/65
Luxembourg 56.8 : 65/65 65/65
Hungary 57.6 : 62/62 64/64 65/65
Malta 57.6 59.8 61/60 63/63 65/65
Netherlands 60.9 63.2 65/65 65/65 (66/66) (67/67)
Austria 59.2 60.9* 65/60 65/60 65/65
Poland 56.6 59.3* 65/60 65/60
Portugal 61.9 62.6* 65/65 65/65
Romania 59.8 55.5 63y8m/58y8m 65/60 (65/61y11m) (65/65)
Slovenia 56.6° 59.8** 63/61 63/61 (65/65)
Slovakia 57.5 58.7* 62/59 62/62
Finland
61.4
61.6*
65/65, 63-68
65/65, 63-68
Sweden 62.1 63.8 61-67 61-67
United
Kingdom
62.0 63.1 65/60 65/65 68/68
EU 27 average
59.9 61.4

DE
35
DE
Source: Eurostat, MISSOC, Ageing Report, 2010 Interim Joint Report on pensions of the Economic Policy
Committee and Social Protection Committee, noted by the 7-8 June 2010 EPSCO and ECOFIN Councils,
available
at:
http://europa.eu/epc/publications/index_en.htm
.
Note: ° - 2002, * - 2007, ** - 2006, in brackets – proposed, not yet legislated, *** retirement age evolves in line with life
expectancy gains over time, introducing flexibility in the retirement provision. **** For Italy 65/65 for civil servants, starting
from 2018.
Sweden: guarantee pension is available from the age of 65.
Romania: the National House of Pensions and other Social Insurance Rights.

DE
36
DE
Figure 7: Overall, female and older workers employment rates in EU-27, 2000-2008, in
percent
Overall, female and older workers employment rates
in EU-27 2000-2008 in %
30
35
40
45
50
55
60
65
70
2000
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
% of respective age population
Total 15-64
Females 15-64
Total 55-64
Source: Eurostat, LFS annual data, graph published in the 2010 Interim Joint Report on pensions of the
Economic Policy Committee and Social Protection Committee, noted by the 7-8 June 2010 EPSCO and ECOFIN
Councils, p.10, available
at:
http://europa.eu/epc/publications/index_en.htm
.

DE
37
DE
Figure 8: Pension benefit impact of shorter and longer working lives
Difference in Net TRR percentage points for an average earner working until the
age of 63 or 67 (ie 38 or 42 contributory years) compared with working until 65 (ie
40 years career - basecase). Prospective Calculations, 2046
-14,0
-12,0
-10,0
-8,0
-6,0
-4,0
-2,0
0,0
2,0
4,0
6,0
8,0
10,0
12,0
14,0
16,0
LU
DK
IE
UK
ES
BE
SI
FR
LT
IT
RO
FI
SE
DE
NL
EL
LV
BG
PL
HU
EE
AT
CZ
SK
PT
CY
MT
Difference in Net TRR after a 38 year career compared with a 40 year career
Difference in Net TRR after a 42 year career compared with a 40 year career
Source: INDICATORS' SUBGROUP OF THE SOCIAL PROTECTION COMMITTEE (ISG) 2009 report on
Theoretical Replacement Rates (TRR), "
UPDATES OF CURRENT AND PROSPECTIVE THEORETICAL
PENSION REPLACEMENT RATES 2006-2046", p.22, available at:
http://ec.europa.eu/social/main.jsp?catId=752&langId=en&moreDocuments=yes
.

DE
38
DE
Figure 9: Pension benefit impact of career breaks due to unemployment
Accumulated difference in net theoretical replacement rates for an average earner entering the
labour market at 25 and retiring at the statutory retirement age with a 1, 2 or 3 year career
break due to unemployment compared with no break*
-7
-6
-5
-4
-3
-2
-1
0
1
2
MT
PT
FR
CZ
ES
HU
BG
EL
DK
IE
NL
AT
LT
EE
SI
UK
BE
SE
LU
CY
DE
PL
LV
IT
FI
SK
RO
1 year
2 years
3 years
Source: SOCIAL PROTECTION COMMITTEE/INDICATORS' SUBGROUP OF THE SOCIAL
PROTECTION COMMITTEE (ISG). Graph published in the 2010 Interim Joint Report on pensions of the
Economic Policy Committee and Social Protection Committee, noted by the 7-8 June 2010 EPSCO and ECOFIN
Councils, p.50, available
at:
http://europa.eu/epc/publications/index_en.htm
*The unemployment break is assumed to take place in the years just prior to old age retirement which is assumed
here to be the statutory retirement age for men
Note: the values for MT and PT are equal to 0 and should not be interpreted as missing. The values are validated
by Member States. Conditions of crediting unemployment breaks might have a positive impact on the
replacement rate of a hypothetical worker in the base-case scenario, for whom values in the Figure are provided.

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Figure 10: Increasing significance of funded pensions
This figure shows that for most of those countries represented, funded pensions will provide
for a larger share of retirement income in 2046 than in 2006 as a result of pension reforms
(measured by gross theoretical replacement rates).
Share of occupational and statutory funded pensions in total gross theoretical
replacement rates in 2006 and 2046 in selected Member States
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
IT
RO BG BE DE HU SE EE
LT UK
PL SK
IE
LV
DK NL
2046
2006
Source: INDICATORS' SUBGROUP OF THE SOCIAL PROTECTION COMMITTEE (ISG) 2009 report on
Theoretical Replacement Rates, "
UPDATES OF CURRENT AND PROSPECTIVE THEORETICAL
PENSION REPLACEMENT RATES 2006-2046", Annex – country fiches, available at:
http://ec.europa.eu/social/main.jsp?catId=752&langId=en&moreDocuments=yes
.
Note: Data available only for a number of Member States