Albrechtsburg Meissen
Baumaßnahmen des Freistaates Sachsen
von 2003 bis 2010

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Hoch über dem Elbtal, auf einem zur Elbe hin steil abfallenden Felsplateau erhebt sich die
spätgotische Albrechtsburg. Zusammen mit dem nördlich gelegenen Meißener Dom ist sie das
weithin sichtbare Wahrzeichen der Stadt Meißen. Seit jeher kündet sie von Macht, Erfindergeist,
Reichtum und überlieferter Geschichte. Nach umfangreichen Sanierungsmaßnahmen erstrahlt
sie nun in neuem Gewand.
929 gründete der deutsche König Heinrich I. die Reichsburg Meißen. Im Jahr 968 erfolgte die
Gründung des Bistums Meißen. Ab 1089 waren die Wettiner die Landesherren. Meißen ist damit
die Wiege Sachsens. Von 1471 bis 1524 wurde die heutige Albrechtsburg errichtet. Der Auftrag der
gemeinsam regierenden Brüder Ernst und Albrecht von Wettin an den Baumeister Arnold von
Westfalen lautete: Errichtung eines Schlosses für zwei Hofhaltungen, Repräsentationszwecke
und als Verwaltungszentrum. 1485 verlor Meißen mit der Leipziger Teilung seine zentrale Funk-
tion als Residenz. Der ernestinische Zweig der Wettiner setzte sich durch und wählte Dresden
als neue „Hauptstadt“. So diente die Albrechtsburg nie als Wohnschloss. 1676 gab König Johann
Georg III. zum Gedenken an Herzog Albrecht – dem Begründer der albertinischen Linie – dem
Meißner Schloss den Namen Albrechtsburg. 1710 wurde die Albrechtsburg Meissen um eine his-
torische Einmaligkeit reicher: Kurfürst Friedrich August I. gründete in ihren Mauern die erste
europäische Porzellanmanufaktur – die Porzellanmanufaktur Meissen –, die in diesem Jahr ihren
300. Geburtstag feiert. Auch die neuere Geschichte Sachsens hat Meißen mitgeschrieben: 1990
war die Albrechtsburg Meissen Ort der Neugründung des Freistaates Sachsen.
Heute zeigt sich die Albrechtsburg Meissen in neuem Glanze. Ein Architekturdenkmal dieser
Ausstrahlung und mit dieser Bedeutung zu erhalten, war für uns eine Herzensangelegenheit,
eine Selbstverständlichkeit, eine historische Verpflichtung. Den Besucher erwartet nach vielen
Jahren des Nischendaseins ein Haus, das wieder lebt und mit seiner einmaligen Architektur
beeindruckt. Der Freistaat Sachsen hat in den Umbau und in die Sanierung der Albrechts-
burg bisher 21 Millionen Euro investiert. Die umfangreichen, die Gesamtanlage betreffenden
Baumaßnahmen beinhalten die komplette Neuerschließung des Schlosses, die Sanierung des
4.500 Quadratmeter großen Ausstellungsbereiches, die Restaurierungen der Wandmalereien im
Inneren, aber auch der Fassade, der Fenster, des Großen Wendelsteins, der Holzbalkendecken
und des Daches. Der Eingangsbereich an der Westgiebelseite mit Information, Kasse, Buch-
shop und Cafeteria wurde ebenfalls neu gestaltet. Der denkmalverträgliche Einbau eines Auf-
zuges – für einen Schlossbau dieser Güte durchaus nicht selbstverständlich – ermöglicht allen
Besuchern einen erleichterten Rundgang durch die neu gestalteten Dauer- und Sonderausstel-
lungen. Hand in Hand mit der Stadt wird der Domplatz gestaltet. Die Oberfläche des Platzes
besteht aus neuverlegtem historischem Pflaster. Ein Nebeneffekt: Der Platz kann von nun an
auch für Freiluftveranstaltungen genutzt werden. Die Gesamtheit dieser Aktivitäten sowie ein
neues touristisches Leitsystem sollen die Albrechtsburg für Besucher aus nah und fern zu einem
sächsischen Besuchermagneten werden lassen. Dafür wird der Freistaat Sachsen bis 2011 weitere
5 Millionen Euro zur Verfügung stellen.
Gewachsene historische Bedeutung von Gebäuden zu bewahren und sie wieder mit Leben zu
füllen, ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, eine Aufgabe, die Freude macht. Wie gut dies auf
der Albrechtsburg in Meißen geglückt ist, davon sollten Sie sich überzeugen!
Grußwort
Prof. Dr. Georg Unland
Sächsischer Staatsminister der Finanzen

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Es gibt in Sachsen nur wenige Plätze, an denen sächsische Geschichte so präsent ist wie auf
dem Meißner Domplatz. Als vor mehr als tausend Jahren der deutsche König Heinrich I. und
seine Mannen ihr Lager auf dem unwirtlichen Fels hoch über der Elbe aufschlugen, war wohl
kaum zu erahnen, dass damit die Saat für die Gründung Sachsens gelegt wurde. Der Meißner
Burgberg entwickelte sich zum Sitz dreier Gewalten – hier konzentrierten sich weltliche Macht
des Mark- und Burggrafen sowie geistliche Macht des Bischofs.
1423 schließlich wurde Meißen nach der Erhebung der Kurfürstenwürde des Hauses Wettin zum
Zentrum des Kurfürstentums Sachsen. Daher gilt die Stadt seit jeher als die Wiege Sachsens.
So wurde auch an dieser Stelle – in der Albrechtsburg – der Freistaat Sachsen neu begründet.
An diese Residenzfunktion erinnern noch heute der stilreinste gotische Dom Deutschlands sowie
der erste deutsche Schlossbau – die spätgotische Albrechtsburg. Diese zwei monumentalen Bauten,
die majestätisch über der mittelalterlichen Stadt thronen, ziehen jährlich abertausende Touristen
aus der ganzen Welt an. Der weltweiten Bedeutung liegt auch eine einmalige europäische
Erfolgsgeschichte zugrunde. Vor genau 300 Jahren – 1710 – erließ Kurfürst August der Starke
den Erlass, die erste Porzellanmanufaktur in Europa in der Meißner Albrechtsburg einzurichten.
Mehr als 150 Jahre lang wurde in den Räumen der Albrechtsburg das filigrane „Weiße Gold“ von
den Porzellankünstlern geschaffen. Ein Brand führte beinahe zur Vernichtung der Manufaktur
und damit einem der imposantesten Bauwerke Meißens. Doch gelang es Dank der erstmals
vereinten Kräfte von „Porzellinern“ und den Einwohner der Stadt, das Gebäude zu retten. Eine
Aktion, die die enge Verbundenheit der Bürgerschaft mit der stadtbildprägenden Architektur
Arnold von Westfalens manifestierte.
Heute erinnert kaum noch etwas an diesen geschichtlichen Abschnitt in der Albrechtsburg –
sind die Menschen, die sie besuchen, begeistert von der Leichtigkeit sächsischer Baukunst, wenn
sie die Säle und den Großen Wendelstein durchschreiten. In den letzten Jahren investierte der
Freistaat Sachsen beträchtliche Finanzmittel in den weiteren Um- und Ausbau des einzigartigen
markanten Schlosses.
In Kooperation zwischen Freistaat Sachsen und Stadt Meißen erhielt der Domplatz ein neues
Antlitz. Zugleich schuf die Stadt Meißen mit der Errichtung eines Schrägaufzuges zum Burgpla-
teau einen barrierefreien Zugang zum historischen Bauensemble. Das gemeinschaftliche Wirken
leistete einen unverzichtbaren Beitrag zum Erhalt und zur Förderung der hohen Attraktivität
des unvergleichlichen Baukunstschatzes sächsischer Geschichte.
Grußwort
Olaf Raschke
Oberbürgermeister der Stadt Meißen

Einleitung
9
Zeittafel
10
Ein Exkurs in die Vergangenheit
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Der Domplatz – Maßnahmen und Gutachterverfahren
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Der Domplatz – Genese
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Der Domplatz – Archäologie
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Der Rundweg
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Der Neue Eingang
24
Der Aufzug im historischen Abortschacht
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Die Sanierung des Großen Wendelsteins
34
Die Baumaßnahmen in den Räumen der drei Ausstellungsebenen
38
Herausforderung Raumklima
44
Ausstellungsgestaltung
48
Das Dach und die Holzbalkendecke
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Ein grundsolides Bauwerk – Risssanierung
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Restaurierung der Glasmalereien
60
Die Fassade – Maßnahme
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Projektbeteiligte
68
Literatur- und Bildnachweis
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GESCHICHTE
DER BURGBERG
ERSCHLIESSUNG
AUSSTELLUNGSEBENEN
BAUKONSTRUKTION
FAKTEN
Inhaltsverzeichnis

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Die Baumaßnahmen an der Albrechtsburg sind im Wesentlichen abgeschlossen. Nach 1993
erfolgten vorrangig Erhaltungsmaßnahmen des Gebäudes entsprechend seiner spezifischen
Nutzung. Die umfassenden Baumaßnahmen begannen 2003 an der vom Echten Hausschwamm
befallenen Dachkonstruktion und der Holzbalkendecken über dem 3. Obergeschoss. Nach dem
Abschluss dieser Leistungen war es möglich, 2006 mit den Sanierungen des Großen Wendel-
steins und des Gesamtgebäudes zu beginnen.
Der Kabinettsbeschluss vom 26. Juni 2007, eine überregional wirksame Ausstellung aus Anlass
des 300-jährigen Bestehens der Meißner Porzellanmanufaktur in 2010 auf der Albrechtsburg
einzurichten, gab neue Impulse für den Projektverlauf. Für die Umsetzung mussten in die bereits
laufende große Baumaßnahme neue Leistungen integriert werden.
Verknüpft mit dem Ziel, über die Jubiläumsausstellung hinaus die Albrechtsburg dauerhaft mit
einer qualitativ hochwertigen musealen Neugestaltung zu etablieren und damit deutlich höhere
Besucherzahlen zu erreichen, mussten auch die internen Museumsfunktionen neu überdacht
werden. Ein Gutachterverfahren mit sieben geladenen Architekturbüros brachte eine optimale
Lösung: einen neuen Museumseingang und damit verknüpft einen neuen Servicebereich für
die Besucher. Die bauliche Umsetzung dieses Entwurfes begann Mitte 2009 und ist jetzt pünktlich
zur Ausstellungseröffnung fertig gestellt. Ein neuer Aufzug erschließt alle Ausstellungsgeschosse
der Albrechtsburg. Für dessen Einbau konnte nach einem langwierigen und komplizierten
Planungsprozess eine denkmalverträgliche Lösung gefunden werden.
Ein Schwerpunkt des Vorhabens war es, die Ursachen für die Schadensentwicklung an den
Wandbildern des 1. und 2. Obergeschosses zu erforschen. Die im Zuge der Wiederherstellung
der Albrechtsburg als Monument sächsischer Geschichte entstandenen Wandbilder und die
zugehörigen dekorativen Wand- und Gewölbegestaltungen, die vor allem im 1. und 2. Oberge-
schoss erhalten sind, bedürfen einer fortlaufenden Baupflege. Alljährlich sind dafür Leistungen
zur Sicherung des Bestandes einzuplanen.
Bereits seit 2002 erfolgte die Sanierung der Außenanlagen am Burgberg, darunter vor allem die
Instandsetzung der riesigen Stützmauern aus Bruchsteinen und die Wiederherstellung histori-
scher Wegebeziehungen. Gemeinsam mit der Stadt Meißen begannen 2009 die Baumaßnahmen
am Domplatz. Der Platz wird zurückhaltend und sensibel wiederhergestellt. Die qualitätvolle
Pflasterung verbessert dessen Begehbarkeit. Im Zuge der Neupflasterung werden die Ver- und
Entsorgungsanlagen erneuert. Die Fertigstellung der Baumaßnahmen am Domplatz und die
Inbetriebnahme der neuen Brunnenanlage – einem Quellstein aus rotem Meißner Granit – wird
Mitte 2010 erfolgen.
Einleitung
Ganzseiten-Bild Vorschlag?
Einleitung

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929
Der deutsche König Heinrich I. (876 – 936) gründet die Reichsburg Meißen. Die Bebauung des Burgbergs
ändert sich bis zum 15. Jahrhundert stark. Von der mittelalterlichen Burg der Markgrafen von Meißen sind nur
geringe Mauerreste überliefert.
1471
Arnold von Westfalen (um 1420 – 1480) legt den Grundstein für das Schloss der Kurfürsten und Herzöge von
Sachsen. Nach seinem Tod übernimmt Conrad Pflüger als Werkmeister die Bauleitung.
1485
Kurfürst Ernst (1441 – 1486) und Herzog Albrecht (1443 – 1500), die Bauherren des Schlosses, teilen ihr
Herrschaftsgebiet. Meißen fällt an Herzog Albrecht.
1489
Der Nordflügel des Schlosses wird vollendet.
1522
Jakob Heilmann von Schweinfurt (ca. 1475 – 1523) errichtet das kunstvolle Rippengewölbe im Wappensaal.
Der Bildhauer Christoph Walther I. stellt 1524 die Brüstungsreliefs des Großen Wendelsteins her.
1547
Während des Schmalkaldischen Kriegs wird die Universität Leipzig in die Meißner Albrechtsburg verlegt.
1645
Im Dreißigjährigen Krieg nehmen die Schweden das Meißner Schloss ein. Bei den folgenden Baumaßnahmen
unter Kurfürst Johann Georg I. (1585 – 1656) werden Ergänzungen in spätgotischen Formen durchgeführt.
1676
Kurfürst Johann Georg II. (1613 – 1680) verleiht dem Meißner Schloss zum Gedenken an Herzog Albrecht, dem
Begründer der albertinischen Linie des sächsischen Herrscherhauses, den Namen „Albrechtsburg“.
1705
Johann Friedrich Böttger (1682 – 1719), der spätere Erfinder des europäischen Hartporzellans, wird kurzzeitig
in der Albrechtsburg inhaftiert.
1710
Kurfürst Friedrich August I. (1670 – 1733) gründet in der Albrechtsburg die erste europäische Porzellanmanufaktur.
1773
Der Westflügel wird bei einem Brand stark beschädigt.
1855
Der Große Wendelstein wird nach Plänen von Landbaumeister Otto Wanckel restauriert und erhält einen
neugotischen Turmabschluss.
1864
Die Porzellanmanufaktur zieht in einen Fabrikneubau im Triebischtal.
Eine umfassende Schlossrestaurierung beginnt.
1873
Wilhelm Roßmann entwickelt ein Konzept zur Ausmalung der Albrechtsburg mit Szenen aus der sächsischen
Geschichte. Maler der Dresdner Kunstakademie führen diese Bilder aus.
1881
Zum 50. Jahrestag der sächsischen Verfassung wird die Restaurierung der Albrechtsburg beendet.
Seitdem wird das Schloss als Museum genutzt.
1945
Im April/Mai 1945 nutzt die Wehrmacht die Albrechtsburg als Verteidigungsstellung und Lazarett. Am 6. Mai 1945
wird der Burgberg von der Roten Armee besetzt. Die in der Albrechtsburg eingelagerten Kunstgüter aus
bombengefährdeten Städten werden teils zurückgeführt, teils in die Sowjetunion verbracht.
1964
Aus Anlass der bevorstehenden 500-Jahrfeier der Albrechtsburg beginnen umfassende Sanierungsmaßnahmen,
die bis 1971 andauern.
1990
Am 03.10.1990 wird mit einem Festakt in der Albrechtsburg die Neugründung des Freistaates Sachsen vollzogen.
1993
Die Albrechtsburg wird der Sächsischen Schlösserverwaltung (heute Staatsbetrieb Sächsische Schlösser,
Burgen und Gärten) zugeordnet.
Geschichte im Überblick
Otto der Große, Sohn Heinrich I., wird zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches in Rom gekrönt,
968 Gründung des Erzbistum Magdeburg, dem das neu gegründete Bistum Meißen unterstand
In der Werkstatt von Johannes Gutenberg entsteht die erste mit beweglichen Lettern gedruckte Bibel
Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen – Ende des Byzantinischen (oströmischen ) Reiches
Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus
Martin Luther veröffentlicht seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel in Wittenberg – Beginn die Reformation
Deutscher Bauernkrieg
Einführung der Reformation im albertinischen Sachsen
Nach dem Sieg Kaiser Karl V. im Schmalkaldischen Krieg, erhält Herzog Moritz die Kurwürde
Augsburger Religionsfriede – den Protestanten gewährt man die gleichen Rechte wie den Katholiken –
fortan haben sich die Untertanen nach dem Bekenntnis des Landesherren zu richten
Mit dem „Prager Fenstersturz“ wird der Dreißigjährige Krieg eingeleitet
Nordischer Krieg – Sachsen-Polen kämpft mit Russland und Dänemark gegen die
Schweden um die Vorherschaft im Ostseeraum
Siebenjähriger Krieg – Preußen und Österreich bestimmen fortan das politische Geschehen in Mitteleuropa
Gründung des Rheinbundes durch Napoleon – Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation
Sachsen und Bayern werden zu Königreichen erhoben
Befreiungskriege gegen Frankreich – Ende der Napoleonischen Herrschaft –Wiener Kongress
Deutsch-Französischer Krieg, Gründung des Deutschen Kaiserreiches
1. Weltkrieg – anschließend die Weimarer Republik
„Machtergreifung“ Hitlers – Beginn des Nationalsozialismus
2. Weltkrieg – Nach der deutschen Kapitulation wird Sachsen Teil der Sowjetischen Besatzungszone
Mit der Verkündung des Grundgesetzes und der Gründung der DDR entstehen zwei deutsche Staaten
Bau der „Berliner Mauer“ – sie ist nun das steinerne Symbol der Teilung Deutschlands
Deutsche Wiedervereinigung
968
1452
1453
1492
1517
1524–26
1539
1547
1555
1618–48
1700 –21
1756–63
1806
1813 –15
1870 –71
1914 –18
1933
1939–45
1949
1961
1990
Geschichte | Zeittafel
Geschichte | Zeittafel
Zeittafel
Geschichte der Albrechtsburg

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Ein Exkurs in die Vergangenheit
Dr. Matthias Donath
Die Albrechtsburg Meißen ist ein herausragen-
des Symbol sächsischer Geschichte. Mit der
Gründung der Burg Meißen im Jahr 929 begann
die urkundlich bezeugte Geschichte des Meiß-
ner Landes und damit des heutigen Sachsen.
Im Mittelalter befand sich hier die wichtigste
Residenz der Markgrafen von Meißen, die 1423
zu Kurfürsten und Herzögen zu Sachsen auf-
stiegen. Nachdem sich Dresden im frühen
16. Jahrhundert als feste Residenz durchgesetzt
hatte, verlor die Schlossanlage ihre Bedeutung
als Wohn- und Verwaltungssitz, blieb aber ein
zentrales Symbol dynastischer Vergangenheit.
So erhielt das Schloss 1676 zur Erinnerung
an Herzog Albrecht, den Stammvater der bis
1918 regierenden albertinischen Linie der Wet-
tiner, den Namen „Albrechtsburg“. Die Wie-
dergründung des Freistaates Sachsen wurde
1990 bewusst auf der Meißner Albrechts-
burg vollzogen.
Der Meißner Burgberg war im Mittelalter auf
drei Herrschaftsträger aufgeteilt: Die Mark-
grafen, Burggrafen und Bischöfe von Meißen
mussten sich den Platz auf dem markant
aufragenden, von steilen Hängen begrenzten
Felsen teilen. Während vom Herrschaftssitz
der Burggrafen nur wenige Reste auf dem
Grundstück des heutigen „Burgkellers“ geblie-
ben sind, bestimmen die Albrechtsburg, der
Dom und das Bischofsschloss noch heute das
Bild. Der Herrschaftssitz der Markgrafen von
Meißen nahm das nordöstliche Drittel des
Burgbergs ein. Durch Ausgrabungen und bau-
archäologische Untersuchungen im Keller
der heutigen Albrechtsburg konnten Reste der
früheren Markgrafenburg identifiziert werden.
Die älteste Mauerstruktur lässt sich im 2. Keller-
geschoss („Verschütteter Keller“) des West-
flügels nachweisen. Hier hat sich ein Mauer-
zug des 11. oder 12. Jahrhunderts erhalten,
der den Burgbereich hangseitig begrenzte.
Die Keller unter dem Südflügel gehören zur
„Hinteren Kemenate“, die im späten 14. oder
frühen 15. Jahrhundert unter Markgraf Wil-
helm I. (1343 – 1407) erbaut wurde. Auf dem
heutigen Schlosshof wurden 1961 Reste eines
turmartigen gewölbten Gebäudes ergraben.
Aus allen diesen Befunden wissen wir, dass die
mittelalterliche Markgrafenburg ein zerklüfte-
tes Gebilde aus mehreren Bauteilen, Türmen
und Mauerzügen darstellte.
Eine einheitliche Bebauung erfolgte erst nach
1470 unter den beiden Brüdern Kurfürst Ernst
(1441 –1486) und Herzog Albrecht (1443 –1500),
die sich 1464 auf eine gemeinsame Herrschaft
verständigt hatten. Die Baupläne erstellte
der Baumeister Arnold von Westfalen (um
1420 – 1480), der vermutlich aus einer Leip-
ziger Bürgerfamilie stammte. Der Grundstein
wurde am 24. Juni 1471 gelegt. Arnold von
Westfalen rückte die Schlossanlage sehr weit
an die Hangkante heran. Dadurch gewann
man anstelle der mittelalterlichen Bebauung,
die bis auf einige wieder verwendbare Keller
niedergelegt wurde, einen großzügigen freien
Schlosshof. Um ihn wurden mehrere Gebäu-
deteile gruppiert: der Südflügel, der Mittel-
bau mit dem Großen Wendelstein und dem
Kapellenturm sowie der Westflügel mit dem
in die Ecke gesetzten Kleinen Wendelstein. Ein
Küchen- und Wirtschaftsgebäude, das heute
nicht mehr vorhanden ist, leitete zum Kornhaus
über, indem sich Pferdeställe und Getreide-
speicher befanden. Nach Süden hin wurde der
Hof vom Meißner Dom begrenzt, der in seiner
neuen Funktion als Schloss- und Begräbnis-
kirche des sächsischen Herrscherhauses die
Residenz ergänzte. Die spätgotischen Schloss-
teile wurden in mehreren Bauetappen bis etwa
1490 errichtet. Kurfürst Ernst und Herzog
Albrecht einigten sich 1485 auf eine Landes-
teilung (Leipziger Teilung), die an dem ge-
meinschaftlichen Bauvorhaben jedoch nichts
änderte. Die Baukosten wurden größtenteils
aus Erträgen des Silberbergbaus im Erzge-
birge bezahlt.
Die spätgotische Albrechtsburg ist keine Burg,
wie dieser erst im 17. Jahrhundert verliehene
Name nahe legt, sondern ein frühneuzeitliches
Residenzschloss. Der Herrschaftssitz enthält
neben den fürstlichen Gemächern auch Räume
für die Hofgesellschaft, Versorgungseinrich-
Ansicht des Domplatzes um 1842
mit der Nutzung der Albrechtsburg
als Porzellanmanufaktur
Kupferstich von Christian Gottlieb Werner
Geschichte | Ein Exkurs in die Vergangenheit
Geschichte | Ein Exkurs in die Vergangenheit

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Der Burgberg von Norden mit dem Göpelwerk
der Porzellanmanufaktur
Radierung von Alt (um 1835)
tungen und Räume für Verwaltungsbehörden.
In der Entwicklung des Schlossbaus nimmt
die Albrechtsburg eine Schlüsselstellung ein,
da hier viele Merkmale frühneuzeitlicher
Residenzen erstmals nachgewiesen werden
können. Arnold von Westfalen entwickelte für
das Schloss eine neuartige Formensprache,
die die Baukunst des späten 15. Jahrhunderts
revolutionierte. Er schuf ein neues, eigen-
williges „Design“, das die sächsische Spät-
gotik maßgeblich prägte. Seine Schüler und
Mitarbeiter verbreiteten diesen Baustil über
die Grenzen Sachsens hinaus. Die neuartige
Architektur beruht auf dem von Arnold von
Westfalen entwickelten Wandpfeilersystem.
Es wurde bis in die Mitte des 16. Jahrhun-
derts im wettinischen Schlossbau verwendet
und prägte darüber hinaus die konstruktive
Durchbildung der spätgotischen Hallenkir-
chen in Sachsen und Böhmen. Er gliederte das
Mauerwerk in tragende Wandpfeiler, zwischen
denen sich tiefe Fensternischen öffnen. Dort
sind die großflächigen Maßwerkfenster an-
geordnet, die aufgrund ihrer geschwungenen
Form als Vorhangbogenfenster bezeichnet
werden. Die Wandpfeiler reichen vom Keller
bis ins Dachgeschoss, ohne dass sie von au-
ßen sichtbar sind. Das Unkenntlichmachen
der Lastableitung ist ein typisches Merkmal
der Architektur Arnolds von Westfalen. Erst
das Wandpfeilersystem erlaubte es, einen
Schlossbau dieser Gestalt auszuführen: Weil
die Mauerblöcke, die wie Strebepfeiler wir-
ken, nach innen gezogen sind, war es möglich,
glatte Fassaden und große Fensteröffnungen
auszubilden. Mit den Fensternischen und den
tief eingeschnittenen Zellengewölben konn-
ten bis dahin ungewohnte Raumwirkungen
erzielt werden. Die in der Albrechtsburg ver-
wendeten Vorhangbogenfenster und Zellenge-
wölbe wurden zum Markenzeichen der säch-
sischen Spätgotik. Durch Bauuntersuchungen
am Dach und an Mauerteilen war es möglich,
die Bauabfolge der Albrechtsburg näher ein-
zugrenzen. Im ersten Bauabschnitt, der 1471
begann, errichtete man den Südflügel, den
Großen Wendelstein und Teile des Mittelbaus.
Der bis dahin unvollendet gebliebene Nordost-
turm des Meißner Doms wurde aufgestockt
und in die Schlossbebauung einbezogen. Für
das sehr umfangreiche Bauvolumen brauchte
man nur wenige Jahre. So wurde das Dach des
Südflügels bereits im Sommer 1478 aufgerich-
tet. Der zweite Bauabschnitt zwischen 1478
und 1483 konzentrierte sich auf den Mittelbau.
Man errichtete das zweite und dritte Oberge-
schoss bis zum Dachbereich, den Kapellenturm,
den Kleinen Wendelstein sowie Teile des West-
flügels. Das Dach wurde 1483 aufgerichtet. Im
gleichen Jahr entstanden die Turmspitzen des
Großen Wendelsteins (in der ursprünglichen
Fassung) und des Kapellenturms. Die Datie-
rung wird durch eine Bauinschrift auf einer
Lukarne bestätigt. Im letzten Bauabschnitt
wurden Westflügel und Nordostbau errichtet.
Der zur Elbe gerichtete Nordostbau geht nicht,
wie bisher vermutet, auf einen mittelalter-
lichen Turm zurück, sondern ist ein vollstän-
diger Neubau, der die Ecke des Schlosses
akzentuiert. Gleichzeitig mit dem Westflügel
entstanden die Wirtschaftsgebäude, also Küche,
Brau- und Backhaus sowie Kornhaus. Der
Westgiebel war laut Bauinschrift 1489 fertig-
gestellt; der Dachstuhl des Kornhauses scheint
1493 aufgerichtet worden zu sein, denn das
verwendete Holz wurde 1492 geschlagen. Um
1490 war das Schloss zwar äußerlich vollen-
det, aber es fehlte der Innenausbau des Nord-
ostflügels, der erst zwischen 1522 und 1525
unter Herzog Georg (1471 – 1539) erfolgte.
1522/23 wölbte Jakob Heilmann, der Baumeis-
ter der Annaberger Annenkirche, den Wappen-
saal im 2. Obergeschoss des Nordostbaus. Der
Bildhauer Christoph Walther, der ebenfalls in
Annaberg tätig gewesen war, stattete den Gro-
ßen Wendelstein mit Brüstungsreliefs aus, die
in das Jahr 1524 zu datieren sind. Das Meiß-
ner Schloss wurde nie wirklich als fürstliche
Residenz genutzt. Kurfürst Ernst und Herzog
Albrecht hielten sich mit ihrem Hof seit 1474
überwiegend in Dresden auf. 1482 richtete
Albrecht in Torgau eine eigene Hofhaltung
ein, doch ging ihm diese Residenz durch die
Landesteilung 1485 verloren. Albrecht und
sein Sohn Georg bevorzugten seitdem das
Dresdner Schloss. Als einziges Mitglied des
Herrscherhauses bewohnte Herzogin Zdena
(1449 – 1510), die Ehefrau Albrechts, bis 1500
das Meißner Schloss. Im 16. und 17. Jahrhun-
dert stand die Albrechtsburg weitgehend leer,
da sich nun Dresden als feste Residenz eta-
bliert hatte. Die sächsischen Kurfürsten be-
trachteten Meißen jedoch als Stammsitz ihrer
Dynastie und achteten deshalb darauf, dass
das spätgotische Bauwerk immer intakt blieb
und Schäden beseitigt wurden. So veranlasste
Kurfürst Johann Georg I. (1585 – 1656) nach
dem Beschuss der Albrechtsburg durch die
Schweden am 14. August 1645 eine gründ-
liche Wiederherstellung des beschädigten
Schlosses. Bei der Wiedererrichtung der Turm-
spitze des Großen Wendelsteins und anderer
Bauteile bediente man sich historisierender
Bauformen – ein frühes Beispiel für bewusste
Denkmalpflege. 1710 nutzte August der Starke
(1670-1733) das leerstehende Schloss, um hier
die Porzellanmanufaktur unterzubringen. Der
Standort in Meißen bot sich an, weil man den
Burgberg gut bewachen konnte – die Rezep-
tur des Porzellans sollte geheim bleiben – und
zudem große Säle für die Arbeitsgänge der
Porzellanherstellung zur Verfügung standen.
1731/32 ersetzte man den spätgotischen Wirt-
schaftstrakt zwischen Kornhaus und Westflü-
gel durch das Brennhaus, in dem die Brenn-
öfen der Manufaktur standen. 1773 brach ein
Feuer aus, das Teile des Westflügels zerstörte.
Aufgrund der zunehmenden Schäden an
der spätgotischen Bausubstanz stimmte der
Sächsische Altertumsverein in der Mitte des
19. Jahrhunderts dafür, die Porzellanmanu-
faktur an einen anderen Standort zu verlegen.
Baumeister Otto Wanckel restaurierte den
Großen Wendelstein, der 1855 ein verändertes
letztes Turmgeschoss samt Turmbekrönung er-
hielt. 1864 zog die Porzellanmanufaktur dann
ins Triebischtal um, so dass eine umfangreiche,
aus Staatsmitteln bezahlte Instandsetzung
erfolgen konnte. 1881 wurde die Albrechtsburg
als „Museum sächsischer Geschichte“ eröffnet.
Die Räume erhielten eine schmuckreiche Aus-
malung. Die monumentalen Wandgemälde
und schmückenden Dekorationen, ausgeführt
von Malern der Dresdner Kunstakademie,
verherrlichen die „vaterländische Vergangen-
heit“. Heute verraten diese Bilder viel über
die romantischen Geschichtsvorstellungen
des 19. Jahrhunderts.
Geschichte | Ein Exkurs in die Vergangenheit
Geschichte | Ein Exkurs in die Vergangenheit

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Der Domplatz –
Maßnahme und Gutachterverfahren
Ursula Hochrein
Zur aufwertenden Gestaltung des Domplatzes
wurde im Herbst 2007 ein Gutachterverfahren
durchgeführt. Unter Berücksichtigung des be-
sonderen geschichtlichen Status, insbesondere
auch der denkmalpflegerischen und archäo-
logischen Belange, sollte die Aufenthaltsqua-
lität und Attraktivität des Ortes für Besucher
erhöht werden.
Anlass waren hierbei auch die veränderten
Nutzungsbedingungen wie der Wunsch nach
einer besseren Begehbarkeit, die verstärkte
touristische Nutzung mit Hotels, Gastronomie
und Veranstaltungen und eine bessere Erschlie-
ßung der Sehenswürdigkeiten.
In diesem Verfahren wurde das Landschaftsar-
chitekturbüro Lohrer Hochrein mit dem ersten
Rang ausgezeichnet und im Frühjahr 2008 mit
der weiteren Planung beauftragt.
neu gestaltete Garten vor dem Verbinderbau
zum Kornhaus.
Soweit historische Elemente wie der Brunnen,
der Garten oder sonstige Ausstattungsgegen-
stände neu zu errichten waren, wurde Wert
auf die Ablesbarkeit als neu interpretierte Ein-
bauten gelegt.
Das vorhandene Wildpflaster wurde erhalten
und ergänzt, jedoch mit ruhigerer Oberfläche
im historischen Wildverband neuverlegt, der
Verlauf der Entwässerungsrinnen entspricht
den historischen Linien.
Ein Brunnen aus Meißner Granit bildet Blick-
fang und Treffpunkt vor dem Dom. Er greift
die historische Lage und Drehung wieder
auf und zeigt sich gestalterisch deutlich als
neuer Einbau.
Leitideen des Beitrages waren der respektvolle
Umgang mit der historischen Substanz und
eine klare Formensprache für die erforderli-
chen neuen Einbauten.
Die Einheit des Domplatzes und der ruhige
Grundcharakter, welcher die Gebäude in den
Vordergrund rückt, sollten gewahrt und ge-
stärkt werden. Später hinzugekommene Ein-
bauten wie der Sockel auf der Domnordseite
und der Gehweg vor den Domherrenhäusern
sowie
störende
Ausstattungsgegenstände
wurden entfernt. Es entstand eine großzügi-
ge, ruhige Pflasterfläche mit den historischen
Rinnengliederungen und weitgehend frei von
festen Einbauten.
Akzente bilden zum einen die vorhandenen
Bäume und der am ursprünglichen Ort neu
interpretierte Brunnen, zum anderen der
Alle neuen Ausstattungsgegenstände zeich-
nen sich durch ihre Materialität in dunklem
Stahl und eine klare, neue Formensprache vom
Bestand ab. Die zwei raumprägenden Linden
vor dem Dom blieben nach Abwägung der ver-
schiedenen historischen und naturschutzfach-
lichen Aspekte erhalten.
Der Parterregarten, der sich um 1900 vor dem
Verbinderbau befand, wurde als zeitgenössi-
sche Form eines Buchsknotenparterres neu ge-
staltet. Hier stehen strenge Formen im Dialog
mit blühenden Stauden wie Zierlauch, Herbst-
anemone, Glockenblumen, Veronika und Iris.
Die Grundausleuchtung des Platzes erfolgt
über die größtenteils bereits vorher vorhan-
denen Wandleuchten. Daneben werden die
Besonderheiten, wie der Dom, die Albrechts-
burg und der Brunnen, hervorgehoben.
Der Burgberg | Der Domplatz – Maßnahme und Gutachterverfahren
Der Burgberg | Der Domplatz – Maßnahme und Gutachterverfahren
Oben: Pflasterarbeiten
Unten: Historische Zisterne –
Erneuerung der Abdeckung
Brunnen, Neuinterpretation der bereits
vorhandenen Wasserstelle, der rote Granit
wird ruhig umspült
Stauden, die im Wechsel der Jahreszeiten
erneut blühen; Immergrüner Buchs gibt der
Pflanzfläche eine Grundstruktur
Historisches Pflaster im Wildverband
Baumbestand, Linden
Sitzbänke, Holzlatten auf
Stahlunterkonstruktion
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Der Domplatz – Genese
Dr. Hartmut Olbrich
sem Bereich tiefer, um die Ansicht des Domes
herauszustellen. Über den noch vorhandenen
Zisternen trat ein kleiner Ziehbrunnen an die
Stelle des Brunnenhauses.
1876 kam es zum Abriss der Schösserei, die
den Platz des ehemaligen burggräflichen
Schlosses einnahm. An ihrer Stelle errichtete
man den heutigen Burgkeller, entworfen und
realisiert durch den Landbaumeister Otto
Trobsch. Neben der schlichten Platzgestaltung
entstanden Rankgerüste sowie Pflanzbereiche
am Kornhaus, dem Verbinderbau und der
Albrechtsburg. Vor der Fürstenkapelle sowie
am Aufgang zum Domberg pflanzte man
zudem Bäume. In Verbindung mit dem nun
von mittelalterlichen Formen geprägten und
romantisch inszenierten Gesamteindruck des
Platzes sollten sie künftig Ehrwürdigkeit und
Alter des Ortes hervorheben.
In den eben erst fertiggestellten Platz griff
man allerdings schon ab 1890 wieder ein und
tauschte die bis dahin noch bestehenden höl-
zernen Wasserleitungen aus. Dabei stieß man
wohl auf historische Mauerzüge, denn kurze
Zeit später begannen mit dem Aufdecken der
Reste des mittelalterlichen Wohnturmes die
ersten größeren archäologischen Ausgra-
bungen im Schlosshof. Nach Beendigung der
Maßnahmen schloss man die Grabungsflächen
mit einem Basaltpflaster, so dass sich diese
gegenüber dem bestehenden Wildpflaster über
Jahre hinaus abzeichneten. Ab 1902 folgten
weitere Grabungen auf dem Domplatz und
einige Jahre später hatte man die Platzober-
fläche wohl so stark beeinträchtigt, dass man
ab 1912 wieder eine Neugestaltung des Plat-
zes vorsah. Ab 1914 begann die Ausführung,
wobei erneut das Geländeniveau partiell bis zu
50 cm abgetragen wurde und man erstmals
Der Meißner Domplatz gehört zu den historisch
bedeutendsten Plätzen Sachsens. Dennoch fand
seine Geschichte, soweit sie die Freifläche und
nicht die Randbebauung betraf, bisher kaum
Beachtung. Im Vorfeld der anstehenden Neu-
gestaltung des Platzes wurde deshalb seine
Geschichte und gestalterische Genese anhand
von archivalischen Quellen, Planunterlagen
und Fotografien aufgearbeitet.
Ausgehend von einer groß angelegten Umge-
staltung im Zusammenhang mit dem Bau der
Fürstenkapelle an der Westfront des Domes
ab 1450 kam es zur Nivellierung unterschied-
licher Ebenen und Terrassen, wobei man die
bis dahin bestehende Bebauung im mittleren
und unteren Teil des Platzes abtrug. Noch um
1632 zeigt ein historischer Plan auf dem Platz
keine Bebauung, jedoch eine bestehende
Abtrennung zwischen dem Schlosshof vor
der Albrechtsburg und dem Domplatz. Sie
markiert die Grenze zwischen dem Besitz
der Kurfürsten und dem Bereich des Meißner
Bischofs, die das Areal des Dombergs unter
sich teilen mussten. Wie eine eingezeichnete
Mauer verdeutlicht, bestand die Absicht,
diese Mauer bis an den westlichsten Strebe-
pfeiler der Fürstenkapelle zu verschieben und
somit den Schlosshof vor der Albrechtsburg
zu vergrößern.
Mit dem Einrichten der Porzellanmanufaktur
in der Albrechtsburg im Jahr 1710 kam es zu
baulichen Veränderungen. Ab 1722 entstanden
bereits ein neues Brennhaus sowie ein als
„Massen Horten“ benannter Schuppen zwischen
der Albrechtsburg und dem Kornhaus, der
wohl als Lagerort für die zur Herstellung von
Porzellan notwendigen Erden diente. Steigen-
der Platzbedarf in der Manufaktur führte zu
einer weiteren Verdichtung des Schlosshofes.
In der Folge musste die Abgrenzung zu Dom-
platz immer weiter nach Westen verschoben
werden. Zudem errichtete man Torwächter-
häuser, welche die zunehmend hohen Sicher-
heits- und Geheimhaltungsansprüche der
Manufaktur gewährleisten sollten. Mit Entste-
hen der Manufaktur muss westlich der Fürs-
tenkapelle zudem ein Brunnenhaus bzw. ein
Löschwasserhaus auf dem Platz entstanden
sein, deren Gestalt nur durch historische
Abbildungen überliefert ist. Noch heute befin-
det sich dort eine aus zwei Kammern beste-
hende unterirdische Zisterne.
Die Gewährleistung einer funktionierenden
Wasserversorgung mit Druckleitungen aus
hölzernen Röhren spielte schon im Mittelalter
für die landesfürstlichen, burggräflichen und
geistlichen Hofhaltungen eine zentrale Rolle.
Nähere Untersuchungen dazu liegen jedoch
nicht vor, aber für das frühe 18. Jahrhundert
geben Quellenhinweise Auskunft: Durch den
hohen Wasserbedarf der Manufaktur kam es
zu Versorgungsengpässen, so dass August der
Starke 1730 verfügte, dass die Manufaktur
an die bestehende Hauptröhre des „Schloß-
Röhrwassers“ angeschlossen werden sollte,
während man sie bislang nur mit dem Über-
schusswasser aus einem großen Trog im Nord-
hof versorgt habe. Demnach wurde das Wasser
aus dem Trog erst an die Manufaktur abgege-
ben, wenn der Trog voll war, denn es sollte im-
mer ausreichend Löschwasser zur Verfügung
stehen. Den Befehl führte man aus und in der
Folgezeit wurden die Versorgungswege mit
Wasser auf dem Domplatz immer komplexer,
was jedoch 1773 einen verheerenden Brand in
der Albrechtsburg nicht verhindern konnte. Um
1800 brach man das bisherige Brunnenhaus
bzw. Löschwasserbecken westlich der Fürsten-
kapelle ab und errichtete ein flaches Becken,
dessen Gestalt uns anhand historischer Fotos
überliefert ist.
Mit dem Auszug der Manufaktur wurde das
Kornhaus ebenso wie die Albrechtsburg nach
1860 umgebaut. Nach Abbruch der alten
Manufakturgebäude entstand der Verbin-
derbau im neogotischem Stil. Anschließend
widmete man sich in den 1870er Jahren der
Umgestaltung des Domplatzes, wobei man das
bereits bestehende Wildpflaster aufnahm und
neu verlegte. Dabei brach man auch die Mauer
zwischen Schlosshof und Domplatz ab und
errichtete einen lichten Zaun auf gemauerten
Sockeln. Dieser trennte erneut den Schlosshof
vom Domplatz, er bestand jedoch nur kurze Zeit.
Im Bereich des Schlosshofes legte man einen
Garten vor dem Verbinderbau an, trennte
diesen durch ein Gitter vom neu gepflaster-
ten Hof ab und weihte mit Fertigstellung am
8. November 1876 das Denkmal für Albrecht
den Beherzten ein. Im Anschluss daran folgte
abschnittsweise die Neugestaltung des Dom-
platzes mit dem aufgenommenen und wieder
verwendeten Wildpflaster. Das Brunnenbecken
aus der Zeit um 1800 trug man dabei voll-
ständig ab und legte das Bodenniveau in die-
abgesetzte Gehwege entlang der Häuser
anlegte. Zuvor führten die Platzebenen direkt
bis an die Häuserfronten heran. Zwischen
1922 und 1938 folgte dann auch eine Um-
pflasterung des Schlosshofes, wobei man
eine Terrasse entlang der Nordseite des Do-
mes errichtete und einen Teil des Gartens
vor dem Verbinderbau preisgab. Erst nach
Fertigstellung des Schlosshofes verschob
man das Denkmal von Albrecht dem Be-
herzten an die westliche Giebelwand der
Albrechtsburg, woraufhin sich dessen Stand-
ort bis zur jüngsten Platzgestaltung im Pflas-
ter abzeichnete.
Bis in die jüngste Zeit reichten neuerliche Ver-
änderungen: zwischen 1959 und 1963 kam
es zu umfangreichen Ausgrabungen auf dem
Domplatz. Die Arbeiten an der Kanalisation
führten zu erheblichen Eingriffen in die Pflas-
terdecke und den archäologischen Befund.
Um die Verschiedenartigkeit der Maßnahmen
und die komplexen Vorgänge zu veranschau-
lichen, entstanden neben einer schriftlichen
Ausarbeitung auch Übersichtskartierungen zum
Kenntnisstand der unter- und oberirdischen
Befunde, an deren Zusammenstellung ver-
schiedene Institutionen mitwirkten. Eingetra-
gen wurden die bislang erfolgten archäolo-
gischen Ausgrabungen mit den aufgedeckten
Mauerzügen, die Platzierung der aus Plänen
bekannten historischen und modernen Was-
serzu- bzw. -ableitungen. Daneben geben
Kartierungen Auskunft über die bekannten
historischen Abtragungen der Bodenniveaus
im 19. und 20. Jahrhundert, über das Alter des
bestehenden Pflasters sowie die historischen
Beleuchtungskonzepte, die bisherige Platzbe-
grünung und die Platzmöblierung.
Der Burgberg | Der Domplatz – Genese
Der Burgberg | Der Domplatz – Genese
Oben: Ansicht der Albrechtsburg mit dem Garten
vor dem Verbinderbau im Jahr 1922
Unten: Ansicht des Domplatzes während der
Umgestaltung mit Brunnenhaus um 1870
Die Albrechtsburg mit den Brennöfen
für den Manufakturbetrieb
Plan von F. C. Pressler von 1839

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Baubegleitend zu Leitungsverlegungen und
Pflasterarbeiten auf dem Domplatz von
Meißen wurden durch das Landesamt für
Archäologie Sachsen archäologische Unter-
suchungen durchgeführt.
Umfangreiche frühere archäologische Unter-
suchungen fanden zwischen 1959 und 1963
unter der Leitung von Werner Coblenz, dem
Direktor des Dresdner Landesmuseums für
Vorgeschichte, und dem Bauforscher Herbert
Küas statt. Diese konnten durch weitere Aus-
grabungen in den letzten Jahrzehnten immer
wieder ergänzt werden. Die von März bis
Dezember 2009 gewonnenen Ergebnisse ver-
vollständigen das Bild.
Ein bronze- und eisenzeitlicher
Herrschaftssitz?
Menschen haben sich nicht erst im Mittelalter
die besondere Lage des Meißner Burgberges
zu Nutze gemacht. Tatsächlich reicht die
Besiedlung des markanten Felssporns bis in
die späte Bronze- und frühe Eisenzeit zurück
(1200 – 500 v. Chr.). Bereits Johannes Deich-
müller war 1910 bei seinen Grabungen im
Domchor auf Scherben der frühen Eisenzeit
gestoßen. Weiter im Norden, im Vorhof der
heutigen Albrechtsburg, gelang es Coblenz,
unter hochmittelalterlichen Mauerzügen noch
Gruben und Pfostenspuren der späten Bronze-
und frühen Eisenzeit zu beobachten und um-
fangreiches Keramikmaterial zu bergen, das
typische Schalen, Tassen, Terrinen und Vor-
ratstöpfe umfasst. Weitere Gruben der Eisen-
zeit kamen 1991 beim Einbau einer Fußboden-
heizung im Südflügel-Keller der Dompropstei
(Domplatz 7) zum Vorschein.
Warum die spätbronze-/früheisenzeitliche
Besiedlung auf dem Meißner Burgberg nach
wenigen Jahrhunderten, spätestens am Aus-
gang der frühen Eisenzeit, abgerissen ist,
bleibt rätselhaft. Jedenfalls scheint das etwa
220 x 150 m große Plateau seit der Eisenzeit
nicht mehr bewohnt gewesen zu sein.
Die mittelalterliche Burg
Die von der ältesten Burg eingenommene
Fläche hatte ursprünglich kleinere Ausmaße,
die Randbereiche sind im Laufe des Mittelal-
Der Domplatz – Archäologie
Dr. Thomas Westfalen und Dr. Daniela Gräf
ters und in der Neuzeit stark durch Aufschüt-
tungen erhöht worden.
Im inneren Burgbereich konnte durch die Gra-
bungen von Werner Coblenz unter der heuti-
gen Hofpflasterung vor dem Dom eine dichte
Bebauung aus gut erhaltenen hölzernen Wohn-
häusern und Bohlenwegen nachgewiesen
werden, die sich in den Zeitraum von der Burg-
gründung kurz vor 930 bis ins 12. Jahrhundert
datieren lässt. Auffällig ist die hervorragen-
de Erhaltung der Baustrukturen, die auf eine
lokale Besonderheit zurückzuführen ist. Das
ursprüngliche Relief des Burgberges war ge-
rade an dieser Stelle durch eine flache, was-
serundurchlässige Senke geprägt, sodass sich
Hölzer und andere organische Materialien in
den feuchten Bodenschichten erhalten konn-
ten. Nur so ist erklärlich, warum sich hier auf
engstem Raum Reste von über 50 Häusern
dokumentieren ließen. Die relativ kleinen Häu-
ser lagen dicht an dicht beiderseits eines etwa
3,5 m breiten Bohlenweges, über den das In-
nere des Burgberges erschlossen wurde. Die
dichte Bebauung und die Hausgröße entspre-
chen dem Siedlungsmuster anderer zeitglei-
cher, als Burgen oder Frühstädte bezeichneten
Siedlungen Mitteleuropas.
Die ältesten archäologisch nachweisbaren
steinernen Befestigungsteile der Burg Meißen
stammen aus der Zeit um 1100. Damals wurde
der zentrale Siedlungsbereich aus hölzernen
Häusern und Wegen, die im 10. Jahrhundert
entstanden waren, durch einen steinernen
Turm überbaut, der zusätzlich durch eine
polygonale Außenmauer gesichert worden ist.
Der Turm zeigt einen leicht trapezförmigen
Grundriss von etwa 11 bis 12,2 x 11,4 m Außen-
durchmesser und eine Wandstärke von 3 bis
3,1 m. Er kann aufgrund seines Grundrisses als
Wohnturm eingeordnet werden.
Die Burg Meißen wurde möglicherweise bei
den durch die „Annales Reinhardsbrunnensis“
1189 überlieferten Auseinandersetzungen zwi-
schen dem Markgrafen Albrecht von Meißen
und seinem Vater, bei denen jener die väterli-
chen Burgen besetzt hatte, geschleift. Es kann
auch nicht ausgeschlossen werden, dass die
Burg Meißen bei Spannungen zerstört wor-
den ist, als Kaiser Heinrich VI. die Mark Meißen
Links: In der zweiten Besiedlungsphase sind
im Inneren der Burg erstmalig Gebäude und
Befestigungen aus Stein fassbar
Rechts: Freigelegte Brennofenfundamente
während der Baumaßnahme 2009
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Burgberg Meißen, Bauphase 2 (1090 – 1200)
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Archäologisch untersuchtes
Wohnquartier mit planmä-
ßiger Holzbebauung
Steinerne Turmbefestigung
des Markgrafen
Steinerner romanischer
Dombau
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6
7
Nicht vollständig untersuchte
Mauerreste an der Südseite
des Domes, Reste eines
Bischofsschlosses(?)
Osttor zum bischöflichen
Bereich(?)
Rekonstruierte Trennmauern
Nachgewiesene Teile der Steinbefestigung
Westliche und südliche
Außenmauern des
bischöflichen Bereiches
Urkundlich belegter
Burggrafenhof
Steinerne Bebauung
Nachgewiesene Holzhäuser
Nachgewiesene Bohlenwege
Rekonstruierte Bohlenwege
Rekonstruierte Holzhäuser
8
Außenmauer / Burgwall
8
1195 als erledigtes Reichslehen einzog.
Als Ersatz für die abgetragenen Bauten diente
ein Neubau, dessen Reste unter dem heutigen
Domplatz und der Albrechtsburg erhalten sind.
In diesem Bereich ist um 1200 eine Doppel-
turmanlage aus stark gemörteltem Mauerwerk
als repräsentativer Wohnturm angebaut wor-
den, die bis etwa 1500 bestanden hat.
Im Inneren der Burg befand sich nach der
historischen Quellenlage außerdem der „Rote
Turm“. Dieser Bergfried wurde im Jahre 1292
aus dem Lehnsverband des Hersfelder Klos-
ters gelöst und dem Markgrafen Friedrich
dem Freidigen übereignet und im späten
15. Jahrhundert abgebrochen. Auch beim der-
zeitigen Wissensstand bleibt die Frage offen,
ob es sich bei diesem Bauwerk um die archäo-
logisch untersuchte Doppelturmanlage nörd-
lich des Doms oder um eine weitere, bislang
noch nicht erfasste Turmbefestigung im süd-
östlichen Bereich der Burganlage handelt.
Aus dem dritten Herrschaftsbereich haben sich
weitere bauliche Reste erhalten. Zum Burggra-
fenhof gehörten ab etwa 1150 nach urkund-
licher Überlieferung Palas und Kapelle. Am
westlichen Rand des Plateaus dicht neben dem
heutigen Westzugang konnten bei archäologi-
schen Ausgrabungen Teile des burggräflichen
Hofs aus dem 13. Jahrhundert mit steinernem
Bergfried und Ringmauer freigelegt werden,
der zum Burgplateau hin zusätzlich durch
einen Außengraben geschützt war. Bei dem
Bergfried handelt es sich um den „Weißen
Turm“, der noch auf der Stadtansicht des Hiob
von Magdeburg aus dem Jahre 1558 in der
Nähe des westlichen Haupttores abgebildet ist.
Nachdem die Burggrafen 1426 ausgestorben
waren, wurden die übrigen burggräflichen Ge-
bäude anderweitig genutzt. Um 1600 wird mit
dem Abriss des Turms begonnen.
Brennofenfundamente der ersten Meißner
Porzellanmanufaktur gefunden
Von besonderem Interesse für die Stadtge-
schichte Meißens ist der aktuelle Fund zweier
original erhaltener Fundamente von Brenn-
öfen zur Porzellanherstellung. Auf dem Dom-
berg wurde das erste europäische Porzellan in
Serie hergestellt. Die 1710 gegründete Meißner
Porzellanmanufaktur erstreckte sich über die
Albrechtsburg bis zu Räumen im Kornhaus.
Zwischen den beiden Gebäuden lag ab 1722,
erweitert 1733, das Brennhaus der Manufak-
tur. Dieses Brennhaus verfügte laut eines Plans
von 1836 über vier große Rundöfen zum Bren-
nen der Ware. Bei den jetzt durchgeführten,
baubegleitenden Ausgrabungen konnten die
Fundamente zweier dieser jeweils dreistöcki-
gen Öfen auf dem Domplatz freigelegt werden.
Die Fundamente haben einen Durchmesser
von 7,5 m. Durch jeweils fünf, in die ca. 1,8 m
starke Außenwand des Ofens integrierte Feu-
erstellen wurden die Öfen, zunächst mit Holz,
ab 1839 mit Steinkohle beheizt.
Der etwa 10 cm große Schreibgriffel, eine Glasperle
und eine kleine silberne Schnalle sind Funde der
Ausgrabung 2009. Zahlreiche weitere Kleinfunde
werden zur Zeit restauriert.
Der Burgberg | Der Domplatz – Archäologie
Der Burgberg | Der Domplatz – Archäologie

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Bereits 1863, als nach dem Umzug der Porzel-
lanmanufaktur die Albrechtsburg restauriert
wurde, gab es erste Anstrengungen, das bis-
her vernachlässigte Areal unterhalb von Burg,
Kornhaus und ehemaligem Bischofsschloss
aufzuwerten. Entsprechend den romantischen
Auffassungen des ausgehenden 19. Jahrhun-
derts war es damals das Anliegen, mit der
Gestaltung eines Wegesystems erlebbare „land-
schaftliche Bilder“ zu schaffen.
Mit der teilweisen Revitalisierung der Wege-
anlage zur Erschließung und Erlebbarkeit des
Meißner Burgberges knüpfen die jüngsten
Baumaßnahmen an dieses landschaftshisto-
rische Erbe an. Hierzu gehörte zunächst die
statisch-konstruktive Sicherung und denk-
malgerechte Sanierung der in großen Teilen
einsturzgefährdeten Stützmauern am Burg-
berg sowie die Reparatur der in Funktion
befindlichen Wege- und Treppenanlagen, wie
beispielsweise der zur Leipziger Straße.
Wichtigster und für die Öffentlichkeit attrak-
tivster Bestandteil dieses Wegesystems ist
jedoch der historische Rundweg, der jetzt in
seinen wesentlichen Teilen wiederhergestellt
ist. Dieser „Obere Promenadenweg“ führt
entlang der Außenmauern von Kornhaus,
Der Rundweg und die Wiederherstellung
historischer Wegeführungen am Burgberg
Angela Böhme
Albrechtsburg und Dom bis zu den Stufen des
Amtsgerichts und kann sowohl von der Stadt
Meißen als auch vom Domplatz aus erreicht
werden. Wesentliche Abschnitte sind mit einer
wassergebundenen Wegedecke ausgeführt
(damals bezeichnet als Steinschlag und Kies).
Verweilpunkte für den Besucher werden durch
gezielte Materialwechsel im Boden, Sicht-
schneisen durch den Baumbestand und Infor-
mationselementen gestalterisch wie funktional
herausgestellt, so etwa am aus Bruchstücken
von Meißner Porzellan bestehenden „Scherbel-
berg“, der sich im 18. Jahrhundert an der Nord-
seite der ehemaligen Manufakturgebäude
angehäuft hat.
Nicht zuletzt durch die konsequente Beibehal-
tung der prägenden Gestaltungselemente des
19. Jahrhunderts, wie geschmiedete Geländer
und Sandsteinstufen, ist die Revitalisierung
des Rundweges ein wesentlicher Beitrag zur
Gartendenkmalpflege.
Ein weiterer Abschnitt der Herstellung von
historischen Wegen am Burgberg wird sich
anschließen. In Zusammenhang mit der Er-
richtung des Parkhauses und des Schrägauf-
zuges sind am Nordhang des Burgberges Ver-
bindungen zwischen Meisatal und Rundweg
geplant.
Der Burgberg | Der Rundweg
Der Burgberg | Der Rundweg
Links: Rundweg mit Sicht zur Meißner Altstadt
Mitte: Treppenanlage zum Domplatz
Rechts: Sanierte Stützmauer
Linke Seite: Rundweg Elbseite

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Der neue Eingang
Architektur: Alexander Krippstädt und Ralph Hengst . Licht: Sabine Soeder und Helmut Angerer
Die Albrechtsburg Meissen hat einen neuen
Eingang bekommen; ein Portal, das dem
Besucher schon von Weitem eine Geste des
Willkommens bietet. Dies wurde nicht nur
durch die funktionale Umstrukturierung der
Erdgeschossräume des Schlosses notwendig,
ein dem Museumsschloss angemessener Ein-
gang war schlichtweg nicht vorhanden.
Die Neueinordnung des Schlosseingangs durch
die Verlagerung in die Westgiebelwand be-
wirkt eine veränderte Wahrnehmung bereits
vom Domvorplatz aus gesehen. Durch die
Überhöhung des neuen Eingangs mit einem
vor die Fassade gestellten Portal wird ein per-
spektivisches Gleichgewicht der Eingänge von
Dom und Schloss erreicht. Das neue Portal
wird durch seine zeitgemäße formale Gestal-
tung, die im Kontrast zum Gesamtensemble
steht, vom Besucher besser wahrgenommen.
Vor die in der Historie mehrfach überformte
Giebelfassade ordnet sich das deutlich der
Gegenwart zuzuschreibende Portal neu ein
und schreibt die bauliche Entwicklung der
Gesamtanlage fort. In Dimension und Propor-
tion nimmt der neue Eingang Bezug auf die
vorhandene Fassadengliederung und schafft
einen Spannungsbogen zwischen der anzu-
strebenden visuellen Hervorhebung und einer
angemessenen Zurückhaltung gegenüber dem
herausragenden Kulturdenkmal. Durch seine
transparente Ausführung lässt das Material
des Portals die dahinter liegende Fassaden-
gliederung erkennen.
Technologisch wie konstruktiv stellte sich das
neue Portal schnell als sehr anspruchsvoll
heraus. Allein die Größe der Verglasung mit
einer Höhe von sieben Metern stellte die Bau-
leute vor große Herausforderungen, ist doch
die Zufahrt zum Domplatz verwunden und
führt durch zwei enge Torhäuser. Schließlich
hob man die Glasscheibe auf die Zugangsbrü-
cke und hatte nur noch eine Torhausdurch-
fahrt zu meistern.
Erschließung | Der Neue Eingang
Erschließung | Der Neue Eingang
Links und Rechts:
Montage der Glasscheibe für das Portal

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Zweiter Kernpunkt des umgesetzten Entwur-
fes ist der Umbau der Durchgangstreppe vom
Schlosshof zum Schlosspark auf ihr annä-
hernd historisches Maß. Vormals wurde das
Erdgeschoss durch diese Treppe zweigeteilt,
die logische Abfolge der Wegebeziehungen
zwischen den Funktionen war gestört. Die
Konzentration der Funktionen Zugang/Kasse/
Café und die Querung zu den Ausstellungen
führte zu einer räumlich unbefriedigenden,
engen Situation. Durch vergangene Umbauten
wurde zudem eine räumliche Einengung des
Treppenraumes erzeugt.
Die Einordnung des neuen Haupteingangs am
Westgiebel ermöglicht nun eine neue Glieder-
ung dieser Treppen- und Durchgangssituation,
dadurch konnte auch eine Entflechtung der
Funktionen erreicht werden. Die annähernde
Rückführung der Treppe und der Einbau einer
Podestebene wertet das Treppenhaus durch
jetzt wieder mögliche lange Durchblicke
räumlich auf. Sehr spannend gestaltete sich
der Rückbau der in den 1880er Jahren einge-
bauten Treppe, war doch hier der im Schloss
noch vorgefundene Porzellanbruch zum Ver-
füllen des darunterliegenden Hohlraums be-
nutzt worden, der nun wieder ans Tageslicht
trat. Vom großzügigen neuen Entree aus sind
alle Funktionen für den Besucher direkt er-
reichbar. Es übernimmt eine zentrale Verteiler-
funktion und bündelt die Wegeführungen: den
Auf- und Abgang vom kleinen Wendelstein,
den Zugang zur Wechselausstellung sowie den
Weg durch die Rote Halle und zum Aufzug.
Die für das Schloss wichtigen Funktionen wie
Kasse, Shop und Café werden aufgewertet
und es wird eine zentrale Zugangskontrolle
ermöglicht. Die mächtigen Pfeiler in der Mitte
des Entrees gruppieren den Raum logisch in
Empfang, Wegeverteilung und Café. Beibehal-
ten wurde der für das Erdgeschoss typische
Sandsteinboden aus quadratischen Platten. Er
gibt den Räumen eine gewisse Robustheit und
trägt in großem Maß zum Erleben der Jahr-
hunderte überdauernden Bauweise bei. Einzige
Ausnahme bildet der Ziegelplattenboden, des-
sen Farbe der Roten Halle ihren Namen gibt.
Der bislang fehlende Museumsshop wurde im
Verbinderbau direkt im Anschluss an das En-
tree eingeordnet. Eine große Herausforderung
stellte hier der durch das zwei Meter dicke
Mauerwerk zu schaffende Durchbruch dar. Mit
Diamanten bestückte Seilsägen durchtrenn-
ten das Mauerwerk und gaben so einen Blick
auf die exzellent aus Bruchstein hergestellte
Schlossgiebelwand frei. Faszinierend ist die
Qualität der Schichtung der Bruchsteine, die
in großer Gleichmäßigkeit über die gesamte
Mauerdicke ausgeführt worden war.
Erschließung | Der Neue Eingang
Erschließung | Der Neue Eingang
Mitte: Neuer Zugang zum Sonderausstellungs-
bereich im Erdgeschoss
Unten: Toiletten im Kellergeschoss
Durchgangstreppe im Bau
Wanddurchbruch zum Museumsshop
Der neue Eingang mit Stahl-Glas-Portal

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Links: Die Beleuchtung im Entree
Rechts: Tresen im Entree
Die Aufgabe des Lichts im Entree besteht darin,
einen einladenden Raum zu schaffen und den
Besucher durch die verschiedenen Bereiche
zu führen. Der große rechteckige Raum wird
durch zwei sehr kräftig ausgeprägte Mittel-
pfeiler und die schlichten Gewölbe geprägt.
Drei verschiedene Lichtkomponenten kamen
zum Einsatz: Die schlichten scheibenförmi-
gen Pendelleuchten wurden an den Gewölbe-
schnittpunkten angeordnet. Sie enthalten zwei
Lichtelemente: Der Indirektanteil nach oben
hellt die Gewölbedecken auf, dadurch wird der
Rhythmus der Quer- und Längsachsen erleb-
bar. Der Direktanteil der mattweißen Pendel-
leuchten nach unten hellt den Tresenbereich
bzw. den Boden und den Cafébereich auf. Die
Leuchtdichte an der Decke führt den Besu-
cher, vom Eingang kommend, zunächst zu den
Kassen- und Informationstresen. Die Nischen
erhielten kleine Wandleuchten, die ebenfalls
nach oben und nach unten strahlen. Dadurch
wird der Raum zu den Fenstern weitergeführt
und bei Dämmerung bzw. Dunkelheit durch die
Leuchten akzentuiert. Die Tresenarbeitsflächen
erhalten eine eigene Beleuchtung, die in die
obere Ablage integriert wird. Die gleichen Pen-
delleuchten wie im Entree führen den Besucher
auch vom „Besonderen Gemach” in das „Kleine
Gemach”. Hier werden durch das Nischenlicht
zudem die Nische und das Fenster hervorge-
hoben. In der Roten Halle wird die Triolux, die
Leuchte, die bereits im Großen Wendelstein
zum Einsatz gekommen ist, eingesetzt. Sie er-
laubt eine Aufhellung der Decke und der Ver-
kehrsflächen. Im Zentrum wird die Decke noch
über eine Leuchte auf dem Garderobenschrank
unterstützt. Die Einbauten aus weißem Mine-
ralwerkstoff im Entree und in der Roten Halle
erinnern durch die Wirkung ihrer harten, aber
tiefen Oberfläche an die Zeit des Schlosses als
Porzellanmanufaktur.
Dieser Kanon setzt sich in den funktional um-
gestalteten Untergeschossräumen fort, im
ehemaligen Manufakturkeller ist die neue WC-
Anlage mit einer frei im Gewölbe stehenden
weißen Box eingeordnet worden. Alle Wände
beschränken sich in ihrer Höhe auf den ein-
gestellten Raumkörper, auf diese Weise bleibt
die ursprüngliche Raumhülle unberührt und
damit weiterhin für den Besucher erlebbar.
Als Zeuge der Zeit als Porzellanmanufaktur ist
hier noch ein Absetzbecken erhalten, das eine
Fensternische räumlich umfängt. Eine Rinne
im Sandsteinboden verrät den Weg der über-
schüssigen Porzellanmasse hierher. Die tech-
nischen Einbauten bleiben für den Besucher
unsichtbar. Um die Zuluft über die gesamte Län-
ge in das Gewölbe blasen zu können, wurden
in der Aufschüttung unter den Sandsteinplat-
ten Kanäle zur Be- und Entlüftung des neuen
WC-Bereichs eingebaut. Damit ist gewährleis-
tet, dass sich im Kellergewölbe keine Feuchtig-
keit auf den Wänden sammelt und zu Schä-
den führt. Die Luft wird innerhalb der WC-Box
über Schattenfugen wieder abgesaugt und ins
Freie geführt.
Erschließung | Der Neue Eingang
Erschließung | Der Neue Eingang

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Als erster Schlossbau auf deutschem Boden
dokumentiert die Albrechtsburg Meissen einen
neuen Anspruch repräsentativer Bedürfnisse:
weg von wehrhaften Burgen, zwischen denen
man unterwegs war, um das Land zu verwal-
ten und zu regieren, Gericht zu halten und
die Keller zu leeren – hin zu festen, ständigen
Regierungssitzen mit mehr Bequemlichkeit,
Luxus
und
Repräsentationsmöglichkeiten.
Dies ist Ausdruck eines neuen Selbstbewusst-
seins und neuen Denkens, welches man später
Renaissance nannte.
Dieses neue Bedürfnis nach Repräsentation
zeigt sich nicht nur in einem veränderten An-
spruch an Gestaltung und an Bauformen, son-
dern auch in innovativen Baukonstruktionen.
So sollten etwa die Fassaden ebenmäßig sein
und nur durch horizontale Gesimse und profi-
lierte Gewände gegliedert werden – sie sollten
weniger wehrhaft als vielmehr eindrucksvoll
sein. Der beauftragte Werkmeister Arnold von
Westfalen war daher bemüht, bei den Fassa-
den, die eine enorme Höhe bis zu 37 Metern
über dem Bergsporn erreichen, ohne äußere
Strebepfeiler auszukommen. Um den Schub
der Gewölbe in den Geschossen aufzunehmen,
vergrößerte er mit steigender Geschosszahl die
Wandstärke nach innen: Die Horizontalkräfte
aus Gewölbeschub und Kippmoment befinden
sich so im Gleichgewicht – Strebepfeiler sind
nicht mehr erforderlich.
Der Aufzug im historischen Abortschacht
Lars-Olaf Schmidt und Boris Harbaum
Ebenso war er bemüht, vorspringende Aborter-
ker zu vermeiden, nicht zuletzt um die neuen
Fassaden sauber zu halten: Die Aborte sind
innen liegend in gewaltigen Mauerschächten
angelegt – einer im Südflügel und einer im
Westflügel. Dabei sind die einzelnen Aborte ge-
schossweise so versetzt, dass von allen Sitzen
der freie Fall bis zur Sohle gewährleistet bleibt.
Das Prinzip ist ebenso einfach wie das der nach
oben größer werdenden Wandstärken – und
erfordert ebenfalls eine genaue Planung der
Geschossgrundrisse und der Bauausführung.
Der Aufbau
Der untere Teil des Schachtes im Westflügel
ist ein 7,0 x 3,5 Meter großer Raum, der durch
seine Höhe von 13 Metern eine beachtliche
Dimension aufweist. Hier sind in Höhe des
Erdgeschosses gewölbte Bögen eingefügt, die
die aufgehenden Scheidwände tragen und so
den Schachtquerschnitt zunächst vierfach,
später fünffach teilen. In diesen Schachtkam-
mern sind die einzelnen Sitze in den Geschos-
sen versetzt übereinander eingebaut. Einer der
Schächte ist bis über die Dachfläche geführt
und dient so der Entlüftung. In den Geschos-
sen stellen sich die Aborte als kleine Kammern
mit hölzernen Sitzen dar. Die Sitzöffnung wird
mit einem Deckel geschlossen. Die schwarze
Tiefe ist von hier aus (im 3. Obergeschoss über
30 Meter) nur zu erahnen. Die Wände weisen
Erschließung | Der Aufzug im historischen Abortschacht
Erschließung | Der Aufzug im historischen Abortschacht
Links: Wandfliese aus Meissner Porzellan
mit einem Zitat aus dem Rezept von 1709
zur Porzellanhersstellung
Rechts: Planung Zugang 1. Obergeschoss mit
Aufzugstür
Unten: Bodenfliesen aus Böttger-Steinzeug
Linke Seite: Vertikalschnitte der Aufzugsanlage

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die Spuren jahrhunderte langer Benutzung
auf. Die Schachtsohle besaß einen Ablauf und
wurde vermutlich bei Bedarf ausgeschaufelt.
Die beiden Abortschächte sind nach dem glei-
chen Prinzip errichtet. Der südliche ist regel-
mäßig, der westliche durch den Gebäudeknick
unregelmäßig angelegt. In den westlichen
Abortschacht wurde in einer früheren Bau-
maßnahme ein Lastenaufzug eingebaut. Dazu
errichtete man innerhalb des Abortschachtes
einen neuen freistehenden Schacht, der bis in
Höhe des 1. Obergeschosses führt. Der Maschi-
nenraum befand sich auf dem Schachtkopf
und war vom Trompeterstuhl aus direkt zu-
gängig. Um den Aufzugsschacht an die Ge-
schosse anzubinden, wurden die Scheidewän-
de hier durchbrochen und die so geschaffenen
horizontalen Verbindungen als Vorräume aus-
gebildet. Die Konstruktionen ab dem 2.Oberge-
schoss blieben ohne Veränderung.
Der Einbau des Aufzuges – neue Funktion
in altem Schacht
Seit geraumer Zeit war klar, dass im Zusam-
menhang mit der geplanten Intensivierung
der musealen Nutzung der Albrechtsburg der
Bedarf nach einer barrierefreien Erschließung
des gesamten Schlosses entstehen würde, je-
doch wurde bald deutlich, dass dafür eine mit
allen Planungsbeteiligten – insbesondere dem
Landesamt für Denkmalpflege – sorgfältig ab-
gestimmte bauliche Lösung gefunden werden
musste. Nach einer intensiven Planungsphase
konnte schließlich 2009 der Aufzug erneuert
und dabei bis in das 3. Obergeschoss verlän-
gert werden.
Im Januar 2008 begann ein Team aus Archi-
tekten, Statikern und Aufzugsplanern mit der
Umsetzung des Planungsauftrages. Da die pla-
nerischen Rahmenbedingungen zuvor bereits
in enger Abstimmung mit dem Landesamt für
Denkmalpflege klar definiert worden waren,
konnten die Belange des Denkmalschutzes
von Anfang an berücksichtigt werden. Einer-
Zugang 3. Obergeschoss mit Aufzugstür
aus Messing nach Fertigstellung
seits mussten beim Einbau des Aufzugs und
seiner technischen Komponenten sowie bei
der Herstellung der neuen Zugänge im 2. und
3. Obergeschoss Eingriffe in die Bausubstanz
in sensiblen Bereichen möglichst vermieden
werden. Andererseits sollte der Aufzug in sei-
ner baulichen Durchbildung der Funktion als
öffentliche Erschließung einem Museum von
europäischem Rang gerecht werden.
Der Aufzug wurde in einen bestehenden
Schacht mit einem sehr unregelmäßigen
Schachtquerschnitt eingebaut. Aufgrund der
beengten Verhältnisse im Schacht und der
äußerst geringen Überfahrt im Schachtkopf-
bereich musste vom Aufzugsbauer eine tech-
nische Sonderlösung entwickelt werden, die
durch eine geschickte Anordnung der tech-
nischen Komponenten die komplizierte Geo-
metrie des historischen Schachtes optimal
ausnutzt. Dennoch musste im Zuge der Roh-
bauarbeiten der Schacht im oberen Bereich
unterhalb des historischen Schachtgewölbes
vorsichtig erweitert werden, um anschließend
das Traggerüst des Aufzuges und den Fahrkorb
aufnehmen zu können. Da die historischen
Gewölbekappen aus Gründen des Denkmal-
schutzes nicht angetastet werden durften,
waren in diesem Bereich umfangreiche stati-
sche Sicherungsmaßnahmen erforderlich.
Eine besondere Herausforderung bei der Aus-
führung der Rohbauarbeiten stellte vor allem
der Rückbau der historischen Mauerwerksub-
stanz im Bereich des 3. Obergeschosses dar.
Weil die Schlosskapelle mit ihren wertvollen
figürlichen Wandbemalungen unmittelbar an-
grenzt, mussten die Arbeiten absolut erschüt-
terungsfrei erfolgen, um die erst vor kurzem
restaurierten Wandbereiche der Schlosskapelle
nicht zu gefährden.
Die Lage der Zugänge in den drei Obergeschos-
sen wurde unter Berücksichtigung der kom-
plizierten Schachtgeometrie so gewählt, dass
sie zum einen über historische Fenster eine
angemessene natürliche Belichtung erhalten,
und zum anderen nur an untergeordnete Er-
schließungsbereiche der Burg angeschlossen
sind. Die eigentlichen Ausstellungsräume der
Burg bleiben dadurch in ihrer räumlichen
Integrität unangetastet.
Gestalterisch stellen die Kabine und die jeweili-
gen Zugangssituationen eine Einheit dar. Dabei
wurden sie so dimensioniert, dass im Bereich
der Aufzugsportale auch für Menschen mit
eingeschränkter Mobilität ausreichend Bewe-
gungsfläche vorhanden ist. Die Materialkom-
bination aus rotbraunem Böttgersteinzeug für
den Boden, weißer Kalkglätte für Wand und
Decke und Messing für die Portale und die Ka-
bine korrespondiert mit der Farbigkeit der an-
grenzenden Räume des Schlosses. Hochwertige
Porzellanelemente an einigen Wandbereichen
der Zugänge in den oberen Geschossen geben
einen Hinweis auf die frühere Nutzung des
Schlosses als Porzellanmanufaktur.
Erschließung | Der Aufzug im historischen Abortschacht
Erschließung | Der Aufzug im historischen Abortschacht
Links: Blick in den noch bestehenden
historischen Abortschacht im Südflügel
Rechts: Blick in den umgebauten Aufzugsschacht,
von unten nach oben fotografiert

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Die Sanierung des Großen Wendelsteins
Architektur: Günter Donath
. Licht: Sabine Soeder und Helmut Angerer
Die Bausubstanz, die wir heute vor uns haben,
ist geprägt durch die Architekturformen des
ausgehenden 15. Jahrhunderts und die Er-
neuerung von 1855. Die Bauschäden an den
Konstruktionen hatten inzwischen jedoch ein
Ausmaß angenommen, das eine Sanierung
dringend erforderte.
Vordergründig fielen in den beiden oberen
Geschossen zunächst Nässeschäden an den
Brüstungen auf. Diese Schäden waren auf
Undichtigkeiten der Bleiverglasungen zurück-
zuführen, die sowohl eine Folge der Alterung
der Firniskitte im Bleisteg als auch der kon-
struktiv unzulänglichen und durchgerosteten
Metallrahmen der Fenster waren, sowie auf
Bauwerksrisse und offene Fugen in den Werk-
steinen. In der Nähe der Wandöffnungen und
deren Umgebung fand man im Steinwerk der
Gewände Rissbilder, die sich auch durch die
Brüstungsfelder zogen und in den unter den
Stufen liegenden Zellengewölben ihre Fortset-
zung fanden.
Überlagerte man die Rissbilder, ergab sich ein
Rissverlauf, der in etwa parallel zur Gebäu-
deflucht des Mittelbaus lag und sich über die
offenen Loggien der Burg bis zum nördlichen
Querhausarm des Doms erstreckte. Die Risse
am Hauptgesims und am sechsteiligen Gewölbe
über dem 3. Obergeschoss jedoch resultierten
aus dem Kriech- und Schwindverhalten des
Betonbalkens am Dachfuß und aus Windlasten.
Steinschäden an den Werksteinen der Fens-
ter waren auf rostende eiserne Klammern
zurückzuführen, die den Stein zertrieben. Die
Provenienz der von unten nach oben zuneh-
menden Bauwerksrisse ist inzwischen nahezu
eindeutig geklärt. Sie sind nicht auf Versagen
des Baugrundes oder der Gründung zurück-
zuführen, sondern werden durch Wind und
thermisch-hygrisch induzierte Bauwerksbewe-
gungen hervorgerufen. Letztere sind deshalb
besonders groß, weil sich der filigrane Turm
mit seiner großen, Wärme abgebenden und
aufnehmenden äußeren Oberfläche stärker
bewegt als die massiven Wandpfeiler des an-
grenzenden Hauptbaukörpers. Um Messwerte
eines Jahresdurchganges zu erhalten, wurden
die Bauwerksbewegungen des Wendelsteins
seit September 2004 in einem Messprogramm
erfasst. Die bisher gemessene Elongation be-
trug in allen untersuchten Rissen max. 1,9 mm.
Etwa das Doppelte dieses Wertes ist als Betrag
für die horizontale Verschiebung des obersten
äußersten Mauerwerkspunktes anzusetzen.
Zu den vorgenommenen Bauwerksuntersu-
chungen gehörten auch restauratorische und
gefügekundliche Untersuchungen. Die petro-
graphische Untersuchung des Baugesteins
ergab, dass es sich um einen Elbsandstein
Postaer Varietät handelt. Als Austauschma-
terial empfahl sich die Verwendung von Elb-
sandstein Reinhardsdorfer Varietät. In der
Form, in der er heute ausgeliefert wird, hat
dieser sehr große Ähnlichkeit mit dem hier
untersuchten Sandstein. Die Fassungsunter-
suchungen brachten wertvolle Hinweise für
die Erneuerung der Farbfassung im Inneren
des Wendelsteins. Diese folgt den Untersu-
chungsergebnissen, indem eine steinsichtige
Werksteinarchitektur präsentiert wird, streng
beschnitten zu den weißen Putzflächen hin, im
Steinton lasiert und mit betonten Fugen.
Baustatische Konsolidierung
Vorgeschlagen wurde ein differenziertes,
schrittweises Herangehen ganz im Sinne einer
behutsamen Baureparatur, in der nicht so viel
wie möglich, sondern nur so viel wie nötig
getan wird.
Die statische Ertüchtigung erfolgte in der
Dachgeschoss-Ebene. Hier wurde der vorhan-
dene Ringanker an die als Scheibe konstruktiv
ausgebildete Zerrbalkenebene des hinter dem
Wendelstein befindlichen Dachtragwerkes
Erschließung | Die Sanierung des Großen Wendelsteins
Erschließung | Die Sanierung des Großen Wendelsteins
Aufnahme der Baustruktur der
Wendelstein-Wandkonstruktionen
Oben: Risse in den Zellengewölben; Zustand 2006
nach Abnahme des Putzes
Unten: Steinmetzarbeiten
Linke Seite: Großer Wendelstein

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angehängt. Weiterhin wurde der vorgelagerte
mittlere Polygonpfeiler mittels zweier Anker-
stäbe an den vorhandenen Ringanker ange-
bunden. Dieser Maßnahme schloss sich eine
Überwachungsmessung des Wendelsteins an.
Gemessen werden die Bewegungen des Tur-
mes: Verändert sich das Gefüge in einem auf
zehn Jahre angesetzten Zeitraum nicht oder
nur unwesentlich, besteht auch auf längere
Sicht kein weiterer Handlungsbedarf.
Sanierung von Steinwerk, Putz und Gewölbe
Große Bereiche der Gewölbe- und Wandputze
waren durchfeuchtet und versalzt; sie wurden
partiell ersetzt. Die Steinrestaurierung geschah
so, dass alle für die Bauwerksbewegung not-
wendigen Fugen im Steinwerk und an der
Treppenspindel durch Verbleien geschlossen
wurden. Sich ständig wieder aufs Neue ein-
stellende Bauwerksrisse haben durch Putz-
schnitte definierte Verläufe erhalten, während
das Mauerwerk in diesen Bereichen durch
Verpressen mit weich eingestellten Schaum-
bzw. Zellulosefasermörteln verfüllt wurde.
Abgängige Mauerwerkskompartimente der
Zellengewölbe erhielten eine Sicherung mit
Inox-Mikronadeln.
Die Sanierung der Stufenanlage
Die originalen Sandstein-Stufenkanten waren
nur noch teilweise erhalten. Wegen der großen
Breite der Trittstufen waren diese zweiteilig
gearbeitet – dem ca. 24 cm breiten profilierten
Stufenbart aus Sandstein, dessen nach vorn
leicht anschwellendes sattelförmiges Profil
noch an den weniger begangenen Außenwand-
auflagern erhalten geblieben ist, und dem an-
schließenden Auftritt, der nur aus den, auf die
darunterliegende Gewölbeoberseite aufgesetz-
ten Bruchstein-Aufmauerungen und einem
Estrich besteht.
Estrichflächen und Stufenbärte wurden bei
jüngeren Sanierungen mehrfach ausgetauscht
bzw. erneuert und boten mit ihren Ausplatzun-
gen und den verschiedenfarbigen Flickstellen
ein ästhetisch unbefriedigendes Bild. Die aus
dem Bestand herausgeschnittenen Stufenbärte
waren durch nur 14 cm tiefe Werksteinteile aus
einem weichen und mit Ziegelsteinen hinter-
mauerten Sandstein ersetzt worden, der inzwi-
schen stark ausgetreten ist und partiell durch
Neuteile ausgetauscht werden musste. Diese
Neuteile waren mit den verbliebenen Frag-
menten der Originalstufen am Wandauflager
über einen Stufenfalz anzuschließen und zu
verkleben. An der Spindel wurde die Stoßfuge
als Bewegungsfuge verbleit. Der ursprünglich
historische Estrich (opus caementitium) war
in den 1890er Jahren durch dicke, blaugraue
Zementflächen ersetzt worden, die fast alle
stark gerissen und mehrfach geflickt waren.
Hier wurde der Ersatz des Estrichs diskutiert.
Es zeigte sich jedoch, dass beim mechanischen
Abnehmen des Zementestrichs die weichen
gotischen Backsteine der Zellengewölbe zer-
stört würden. Deshalb wurde darauf verzich-
tet und eine Estrichsanierung durchgeführt.
Über den sanierten Estrich hinweg wurde eine
acrylharzgebundene Beschichtung gezogen,
der Steinmehl aus extra dafür gemahlenen
verschiedenfarbigen Sandsteine zugesetzt
wurde. Um ein unangenehmes Glänzen der
Acrylatschicht zu vermeiden, wurde die Ober-
fläche gestrahlt. Neben der notwendigen Tritt-
festigkeit konnte damit ein ästhetisch hervor-
ragendes Ergebnis erreicht werden, bei dem
zum einen die originalen Befunde alle bewahrt
blieben und die Stufen ein dem spätgotischen
Original sehr nahe kommendes Bild erreicht
haben.
Erneuerung der Verglasung
Natürlich wirkten sich alle Bauwerksbewe-
gungen auch in den Fensteröffnungen aus,
die nun ihrerseits die unmittelbar an die Ge-
wände angedübelten Metallrahmen und deren
Verglasungen stauchten und verformten. Die
schräg verlaufenden Sturzriegel waren gebro-
chen, die überbelasteten Mittelpfosten zeigten
Querzugsrisse. Handbreite Risse waren gegen
eindringendes Wasser notdürftig mit Schaum-
stoff ausgestopft oder gar ausgeschäumt wor-
den. Das neue Konzept sah vor, aus filigranen
Edelstahlprofilen konstruierte Rahmen in das
Lichte der Öffnungen hineinzustellen. Schmale
Bleistreifen dichten die Bewegungsfuge zwi-
schen dem Sandsteingewände und den neuen
Rahmen und ermöglichen so Bauwerksbewe-
gungen, ohne die Verglasungen zu beeinträch-
tigen. Der Betrachter kann nun erkennen, dass
die Verglasungen der Fensteröffnungen eine
spätere bauliche Zutat darstellen und nicht
zum spätgotischen Bild des Baus gehören.
Etwa 85% der alten Rundscheiben konnten
wieder verwendet werden.
Die Tür zur Plattform III musste erneuert wer-
den und die Blechtüren zur Plattform I wurden
durch eine Verglasung ersetzt, die der ursprüng-
lichen architektonischen Idee der offenen, nicht
verschlossenen Baustruktur sehr nahe kommt.
Lichtkonzept
Das Licht unterstreicht durch präzise Licht-
führung den architekturgeschichtlich heraus-
ragenden Raum des Großen Wendelsteins,
Raumwirkung und Raumgeometrie werden
mittels verschiedener Lichtkomponenten un-
terstützt und erlebbar gemacht. Durch das fein
differenzierte Miteinander der einzelnen Licht-
qualitäten erstrahlt der Raum bei Dunkelheit in
seiner Einzigartigkeit.
Die Lichtkomponenten bestehen im Einzelnen
aus dem Stufenlicht, dem Wandlicht und dem
so genannten Seelenlicht in der aus drei Säu-
len aufgelösten Treppenspindel.
Das Stufenlicht steht für innovative, höchste
Ansprüche in der Lichttechnik – jede Abdeckung
wurde auf die jeweils individuelle Stufengeo-
metrie abgestimmt und berechnet. So passt
sich die Licht-Schattenkante der gekrümmten
Stufengrundrissgeometrie an. Durch die ver-
schiedenen Leuchtenausschnitte wird die indi-
viduelle konkave bzw. konvexe Form der Stufen
nachgeformt. Durch die Wandeinbauleuchten,
bei denen das Licht direkt auf die Stufen fällt,
wird der Besucher nicht geblendet.
Das Wandlicht wurde eigens für den Großen
Wendelstein entwickelt. Hier wurden drei
verschiedene Komponenten in einer Leuch-
te vereint: Die Leuchte besitzt eine Indirekt-
komponente, welche nach oben strahlend die
Gewölbedecke aufhellt. Dabei wurde mittels
innovativer Erkenntnisse der Lichttechnik die
abdeckende Maske so entwickelt, dass die
Licht-Schattenkanten dem Gewölbe und der
Krümmung des Raumes folgen. Die Direkt-
komponente nach unten hellt zusätzlich die
Stufen auf. Das kleine leuchtende Fenster lässt
die Leuchte selbst ein wenig aufscheinen und
dient zusätzlich der Sicherheitsbeleuchtung.
Das „Seelenlicht“ bringt den vertikalen Raum
der aufgelösten Spindel zum Leuchten, so wird
dieser bautechnisch und architektonisch sehr
besondere Raum erlebbar. Das Licht wird durch
eine Leuchte mit engstrahlender Strahlungs-
geometrie erzeugt, die im oberen Abschluss
der Krone angeordnet ist.
Erschließung | Die Sanierung des Großen Wendelsteins
Erschließung | Die Sanierung des Großen Wendelsteins
Spindel im 1. Obergeschoss
Linke Seite oben: Kuppel
Linke Seite Mitte: Krone
Linke Seite unten: Beleuchtung

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Hier sind die Verletzungen nach Sanierung der
Dachkonstruktion und der Holzbalkendecke
mit eingreifender Schwammsanierung beson-
ders groß. Die Holzkassettendecken erfuhren
eine Trockenreinigung.
Alle Neuholzteile wurden durch spezielle Beizen
farblich an die Altholzbereiche angepasst. An
den Wänden und an den Zellengewölben der
Fensternischen erfolgten nach der Sicherung
der Befunde partielle Putzreparaturen. Die
Werksteine der Fensterbögen und Türgewände
wurden restauriert. Die Fassung der Putzflä-
chen erfolgte in Kalkfarben in gebrochenem
Weiß, die der Werksteine und Steinbänke in
der Art von Kalkschlämmen im Sandsteinton.
An den mit Profilierungen, geschnitzten Teilen
und geschmiedeten Beschlägen versehenen
Eichenholztüren wurden u.a. Brüche und ge-
löste Holzverbindungen repariert, fehlende
Teile ergänzt und die Holzoberflächen ab-
schließend mit einer mageren Schellackmat-
tierung versehen. Die Beschläge und Schlösser
wurden gereinigt, entlackt und entfettet, feh-
lende und stark schadhafte Teile nach Original
Die Baumaßnahmen in den Räumen
der drei Ausstellungsgeschosse
Dr. Steffen Delang und Jens-Uwe Anwand
ergaben sich allerdings Korrekturen bei der
Gestaltung gemalter Türgewände, bei Wand-
pfeilern und Grat- oder Rippenendigungen.
Verschiedene zusätzlich ermittelte Farbbe-
funde, die nicht in bekannte Zusammenhänge
einzuordnen waren, wurden dokumentiert.
Ähnlich verfuhr man auch in den Räumen der
unteren Etagen mit einfachen Wandfassungen.
Meist bestanden diese aus Kombinationen von
weißem Fond und Gliederungen in gelblichem
oder rötlichem Ocker. Die Nachuntersuchungen
ergaben geringe Abweichungen in den Ton-
werten der ockerfarbigen Partien. Je nach kon-
kreter Befundlage, die sich von Raum zu Raum
jeweils anders darstellt, wurden die Farben
korrigiert. Wo sie nicht dem Befund entsprach
oder bei der letzten Erneuerung fehlerhaft
und für die Architekturwirkung ungünstig
beschnitten worden war, erfolgte eine Korrektur
in der Fassung gliedernder Bauteile wie Rippen,
Schäfte, Dienste oder Gewände.
Die denkmalpflegerischen Instandsetzungen im
3. Obergeschoss waren am umfangreichsten.
nachgefertigt. Alle Eisenteile erhielten einen
Farbauftrag aus Eisenoxid-Schwarz und eine
konservierende Beschichtung.
Umfangreiche Eingriffe erfolgten außerdem
beim Einbau der technischen Anlagen. Außer
der Erneuerung der Elektro- und Beleuch-
tungsanlage sowie der Sicherheitstechnik mit
Brandmelde-, Einbruchmelde- und Videoüber-
wachungsanlage wurde im 3. Obergeschoss
eine Heizungsanlage zur Klimastabilisierung
erforderlich. Zur Minimierung weiterer Eingriffe
in den Bestand der Wände wurden sämtliche
Leitungen in der Fußbodenebene verlegt. Dazu
mussten die Holzböden komplett, die Böden
aus Sandsteinplatten und Fliesen partiell auf-
genommen werden. Nach Einbau der Installa-
tionen konnten die restaurierten Böden wieder
vollständig verlegt werden. Die Neuholzteile
erhielten eine Retusche aus Positivbeizen,
die Oberflächen eine Beschichtung aus Hart-
wachsöl, die Steinoberflächen wurden mecha-
nisch gereinigt.
Im 1. und 2. Obergeschoss waren ebenfalls
umfangreiche Eingriffe für den Einbau der
Die Rahmenbedingungen für den denkmal-
pflegerischen Umgang mit den Innenräumen
der Albrechtsburg sind vielfältig. Über viele
Jahrzehnte wurde versucht, die maltechno-
logisch komplizierten Historiengemälde des
späten 19. Jahrhunderts samt den dekorativen
malerischen Raumausstattungen dieser Zeit zu
konservieren. Zahlreiche der Nebenräume und
die meisten Räume im 3. Obergeschoss besit-
zen jedoch keine so aufwändige Ausgestaltung.
Gerade bei den Räumen in der obersten Etage
war schon nach 1965 die Befundlage und die
Erhaltung der Wandfassungen aus dem späten
19. Jahrhundert so schlecht, dass man verein-
fachend den Resten früherer Fassungen zu
folgen versuchte. Um die restauratorischen
Möglichkeiten der späten 1960er Jahre und
die wirtschaftlichen Gegebenheiten dieser Zeit
wissend, war daher auch hier eine konsequen-
te Nachuntersuchung geboten. Grundsätzlich
konnten die vorhandenen Wandfassungen,
meist aus der Mitte des 17. Jahrhunderts, in
ihrer restaurierten Form bestätigt werden, es
Ausstellungsebenen | Baumaßnahmen
Ausstellungsebenen | Baumaßnahmen
Links: Nachtigallenstübchen
im 3. Obergeschoss
Rechts: Restaurierte Türgewände
im 2. Obergeschoss
Restaurierungsarbeiten in der Kleinen Tafelstube

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Große Hofstube im 1. Obergeschoss

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technischen Anlagen erforderlich. Im Unter-
schied zum 3. Obergeschoss stellen die hier
vorhandenen aufwändigen Raumfassungen,
die eine Lage der Anschlüsse für Vitrinen und
Präsentationselemente allein nach den Prämis-
sen der Ausstellungskonzeption nicht zulas-
sen, andere Anforderungen an den Einbau der
technischen Anlagen. Gleichzeitig standen die
Baubeteiligten vor der Frage, wie es überhaupt
möglich ist, in diesen historischen Räumen zu
bauen: in unmitelbarer Nähe von Wandma-
lereien und Farbfassungen, aufwändigen Holz-
bödenund ornamentierten Bodenfliesen, Mö-
beln und Skulpturen Maßnahmen auszuführen,
die mit Staub und Schmutz einhergehen, Zug-
luft und Erschütterungen verursachen können
und Feuchte einbringen. Außer den üblichen
Schutzmaßnahmen, wie Abdeckungen von
Bauteilen, temporärer Ersatz von Türen durch
Bauzeittüren usw. waren daher Spezialverpa-
ckungen für besonders schützenswerte Objekte
erforderlich. Da insbesondere die Räume mit
Wandbildern und Farbfassungen selbst schüt-
zenswerte Objekte darstellen, wurde hier der
unmittelbare Baubereich eingehaust, d.h. es
wurde ein Raum im Raum geschaffen. Am Ende
aller Baumaßnahmen standen dennoch um-
fangreiche Reinigungsarbeiten: Sie erfolgten
unter restauratorischer Begleitung. Flankiert
wurden die Reinigungsarbeiten von konser-
vatorischen Maßnahmen an Wandbildern und
Farbfassungen. Dies ist auch Bestandteil des
begonnenen, umfangreichen und langjährigen
Restaurierungsprogrammes, das für eine dau-
erhafte Erhaltung der Wandbilder und Farbfas-
sungen unverzichtbar ist.
Die Ausführung von Baumaßnahmen in histo-
rischen Räumen stellt für alle Baubeteiligten
eine besondere Herausforderung dar: Neben
den Parametern der technischen Anlagen, dem
vorbeugenden Brandschutz, der Beachtung
raumklimatischer Zusammenhänge sind vor
allem genaue Kenntnisse der vorhandenen
Konstruktionen, Bauteile und Bauteiloberflä-
chen und -untergründe erforderlich. Nur so ist
es möglich, weitestgehend bestandsschonend
Verlegetrassen zu planen, Einbauteile vor-
zusehen bzw. an der richtigen Stelle mit den
Baumaßnahmen zu beginnen. Wesentliche
Voraussetzungen beim Treffen von Entschei-
dungen waren daher die restauratorischen
Sondierungen und Untersuchungen wie auch
die Kenntnisse und Erfahrungen des Archi-
tekten – so ist etwa für die Planung von
Anschlüssen für Vitrinen und für Beleuchtung
zu beachten, dass Hohlräume und Schächte,
vermauerte Kammern und unbekannte Gewöl-
be wie auch von Anstrichen verdeckte Wand-
bilder vorhanden sind. Hinzu kommt, dass
nach Öffnung der Baukonstruktion aufgrund
neuer Befunde oder bisher nicht einsehbarer
Konstruktionen Verlegetrassen und Anschlüsse
zu modifizieren und anzupassen sind. Ohne um-
sichtiges Arbeiten, ohne innovative Lösungen,
ohne konstruktive Abstimmungen und Ent-
scheidungen und vor allem ohne funktionie-
rende Kommunikation aller Baubeteiligten ist
ein solches Vorhaben nicht denkbar.
Ausstellungsebenen | Baumaßnahmen
Oben: Folieneinhausung zum Schutz der
historischen Wandbilder vor Staub
Mitte: Freilegung der historischen Terracotta-
Böden bei der Restaurierung der Bodenfliesen
im Großen Saal
Unten: Schlingrippengewöbe im Wappensaal
Rechte Seite: Restaurierte Felderdielung in der
Ratsstube im 3. Obergeschoss
Ausstellungsebenen | Baumaßnahmen

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Herausforderung Raumklima -
Chancen und Risiken bei der Substanzsicherung
Jens-Uwe Anwand
Ausgangspunkt aller Überlegungen war die bis-
herige und künftige Nutzung der historischen
Räume: Die Kellergeschosse und das Erdge-
schoss werden durch die große Bauwerksmasse
mit relativ kleinen Räumen und kleinen Fenster-
öffnungen bestimmt. Im Erdgeschoss sind
nunmehr Kasse, Shop und Café sowie der Son-
derausstellungsbereich und Verwaltungsräume
untergebracht. Veranstaltungsbereiche und
weitere Nebenräume finden sich in den Keller-
geschossen. Daraus resultieren vergleichsweise
3. Obergeschoss ist nur durch eine Holzbalken-
decke vom Dachraum getrennt und weist daher
einige Besonderheiten eines Dachgeschosses
auf. Im 1. bis 3. Obergeschoss findet die neue
Dauerausstellung ihren Platz, wie Untersu-
chungen ergeben haben, ist eine Beheizung
jedoch nicht möglich.
Aus konservatorischen Gründen wurde daher
eine Temperierung der drei Obergeschosse
diskutiert: Es galt, im 1. und 2. Obergeschoss die
vorhandenen Wandbilder und Farbfassungen
zu sichern und im 3. Obergeschoss die kost-
baren, reich profilierten Holzkassettendecken
dauerhaft zu erhalten.
Nicht nur die Zeit hat an den Wandbildern und
Farbfassungen im 1. und 2. Obergeschoss Spuren
hinterlassen, sondern auch die Geschichte ihrer
Restaurierung. Die Wandbilder zeigen eine
Schadensentwicklung, deren Ursachen zu un-
tersuchen waren, um weitere restauratorische
Eingriffe zu minimieren und den Bestand
weitestgehend im Original zu erhalten.
Den konkreten Planungen gingen detaillierte
bauklimatische Untersuchungen voraus, die
das Landesamt für Denkmalpflege Sachsen be-
gleitete. Unter Berücksichtigung der baulichen
und meteorologischen Gegebenheiten wurden
die thermisch-hygrischen Bedingungen in den
kritischen Räumen analysiert. Dazu standen
beispielsweise die Daten der Langzeit-Klima-
messungen von September 1997 bis Mai 2001
zur Verfügung und auch die Klimaverhältnisse
unmittelbar an den Wandbildoberflächen waren
mit Hilfe der Thermohygrographie bestimmt
worden. Ebenfalls planungsvorbereitend wur-
den zudem Archivalien ausgewertet, der Schich-
tenaufbau der Wandmalereien untersucht und
auch die künftig zu erwartenden Besucher-
zahlen prognostiziert.
Die Messungen ergaben, dass im 1. und
2. Obergeschoss grundsätzlich ähnliche bau-
klimatische Verhältnisse und ausgewogene
Raumklimawerte herrschen. Allerdings zeigte
sich auch, dass für die Oberflächen der Wand-
bilder und Farbfassungen regelmäßig kritische
Situationen eintreten: Bei dem besonders
heiklen Klimawechsel vom Winter zum Früh-
jahr lag die auf den Bauteiloberflächen gemes-
sene relative Luftfeuchte 10 bis 20 Prozent über
dem Normalwert von ca. 60 Prozent, in Aus-
nahmefällen stieg sie sogar auf 100 Prozent.
Dies führte nachweisbar zur Kondensation
direkt auf den Wandbildern und Farbfassungen,
was als wesentliche Schadensursache vermutet
wurde. Als problematisch hat sich unter ande-
rem der Schichtaufbau der Wandmalereien und
Farbfassungen erwiesen. So besteht die Grun-
dierung aus Substanzen wie Dextrin, die sofort
auf Feuchteveränderungen reagieren – jeder
Feuchteeintrag verursacht eine Volumenvergrö-
ßerung, die darüber befindliche Malschichten
aufsprengen könnte. Die entstehenden Mikro-
risse verstärken den Feuchteeintrag. Diese
Feuchteanlagerung tritt bereits vor Erreichen
der Taupunkttemperatur ein und beginnt ab
einer relativen Luftfeuchtigkeit von ca. 65 bis
70 Prozent. Die Oberflächenkondensation bei
Erreichen der Taupunkttemperatur ist in diesem
Zusammenhang als Extremereignis einzustu-
fen, das jedoch ausreicht, um irreversible
Schäden an Wandbildern und Farbfassungen
zu verursachen.
Folglich wurde zur Klimastabilisierung der
Einsatz
einer
Heizungsanlage
untersucht.
Diese sollte den Anstieg der relativen Raum-
luftfeuchte über den kritischen Wert von
70 Prozent verhindern. Da bereits eine Erhö-
hung der Raumtemperatur um durchschnitt-
lich 0,5 bis 2,5 Kelvin ausreichen würde, um die
relative Luftfeuchte auf 70 Prozent zu begren-
zen, wäre eine niedrig dimensionierte Hei-
zungsanlage vorzusehen, deren Steuerwert die
relative Luftfeuchte und nicht die Raumtem-
peratur ist: Ändert sich das Innenklima, wird
durch moderate Erwärmung der Raumluft die
relative Luftfeuchte unter dem kritischen Wert
von 70 Prozent gehalten. Entspannt sich das
Raumklima wieder, endet die Wärmezufuhr
automatisch. Im Jahresgang ergäbe sich eine
gleichmäßigere Raumlufttemperatur. Ein zu
starkes Abkühlen der Räume würde vermieden,
gleichzeitig würde die innere Oberflächen-
temperatur der Bauteile angehoben, was die
Erscheinungen von Oberflächenkondensation
drastisch reduzieren würde.
Auf dieser Basis erfolgte eine so genannte
Gebäudesimulation durch die TU Dresden, um
die Planung einer solchen „restauratorischen
Klimastabilisierung“ zu unterstützen. Dabei
wurde anhand eines Computermodells und
unterschiedlicher Berechnungsprogramme die
Veränderung des Raumklimas in Abhängigkeit
von der Veränderung des Außenklimas simuliert
– wahlweise mit und ohne zusätzliche Wärme-
Ausstellungsebenen | Herausforderung Raumklima
Ausstellungsebenen | Herausforderung Raumklima
Oben: Heizzentrale im Kellergeschoss
Unten: Einbau eines Bodentanks für
Elektroanschlüsse
Linke Seite: 3. Obergeschoss
Wiederverlegung der Felderdielung nach
Einbau der Installationen im Fußboden
unproblematische Anforderungen an Raum-
temperatur und Luftfeuchte, denen bei regel-
mäßiger Lüftung mit einer herkömmlichen
Heizungsanlage entsprochen werden kann.
Differenzierter stellt sich die raumklimatische
Situation in den Obergeschossen dar. So be-
stehen das 1. und 2. Obergeschoss aus aufge-
lösten Konstruktionen mit großen gewölbten
Räumen und großen Fensteröffnungen. Hier
haben sich die großformatigen Wandbilder und
die aufwändigen Farbfassungen erhalten. Das

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| 47
zufuhr. Die Ergebnisse der Gebäudesimulation
stützten die bisherigen Planungsannahmen.
Die durch die Temperierung bewirkte Absen-
kung der Raumluftfeuchte – also die trock-
neren Zustände – sowie deren Auswirkungen
auf die Wandbilder und Farbfassungen wur-
den dann in Zusammenarbeit mit der Hoch-
schule für Bildende Künste Dresden untersucht
und ein Klimakammerversuch durchgeführt.
Dabei erfolgten makroskopische Beobach-
tungen an einem ausgewählten Bereich der
Wandmalereien, einer Sockelgestaltung mit
vorliegendem typischem Schadensbild. Die
wechselnden Werte der relativen Luftfeuchte
wurden in der Klimakammer im komprimier-
ten Jahreslauf erzeugt. Nach Auswertung der
Ergebnisse musste festgestellt werden, dass ein
Absenken der relativen Luftfeuchtigkeit durch
die angedachte Klimastabilisierung nicht ge-
eignet ist, die Wandmalereien zu bewahren,
da trocknere Raumluftzustände zu perma-
nenten Spannungen in der Malschicht führen.
Aufgrund der Stellungnahmen der Hochschule
für Bildende Künste Dresden und des Landes-
amtes für Denkmalpflege Sachsen fiel die
Entscheidung, auf eine Klimastabilisierung zu
verzichten. Stattdessen wird nun eine konti-
nuierliche Pflege zum Erhalt der Wandbilder
durchgeführt, deren Ziel heißt: Konservieren
statt Restaurieren.
Alle im 1. und 2. Obergeschoss ausgeführten
planungsvorbereitenden Untersuchungen er-
folgten auch im 3. Obergeschoss. Im Unter-
schied zu den beiden anderen Etagen ergaben
sich jedoch zwei wesentliche Unterschiede.
Zum einen wurden im 3. Obergeschoss keine
Wandbilder ausgeführt und die dekorativen
Farbfassungen sind seit den 70er Jahren des
20. Jahrhunderts nicht mehr vorhanden.
Wesentlich ist jedoch der zweite Unterschied:
Während die Raumdecken der anderen Ge-
schosse gewölbt sind, schließen die Räume des
3. Obergeschosses mit profilierten Holzkasset-
tendecken zum Dachraum ab. Dies ist deshalb
bedeutsam, weil die extremen Temperatur-
schwankungen im Dachraum aufgrund gerin-
ger Dämmung der Holzbalkendecken nicht nur
das Raumklima, sondern auch die Holzbalken-
decken selbst belasten.
Dadurch sind die Räume von Bauteilen mit
sehr unterschiedlichen bauklimatischen Eigen-
schaften geprägt: Wände aus Mauerwerk und
Fenstergewände aus Sandstein stehen auf der
einen, profilierte Holzbalkendecken und Holz-
fußböden auf der anderen Seite. Daraus erge-
ben sich sehr differenzierte Anforderungen an
das Raumklima. Die Fenstergewände und die
Außenwände mit geringer Dicke erfordern eine
eher geringe Raumluftfeuchte zur Vermeidung
von Kondensationserscheinungen und Folge-
schäden wie Schimmelbildung, Farbablösungen
oder Putzabplatzungen. Die Holzbalkendecken
und Holzfußböden hingegen erfordern eine
eher höhere Raumluftfeuchte, damit das Holz
nicht zu stark austrocknet und Folgeschäden
wie Rissbildung und Schäden an Farbfassungen
vermieden werden. Weder durch das ruhende
Raumklima noch durch den künftigen Ausstel-
lungsbetrieb dürfen diese Bauteile geschädigt
werden. Der untere Wert der relativen Raum-
luftfeuchte soll deshalb mindestens 40 Pro-
zent betragen, in Räumen mit farbig gefassten
Holzbalkendecken mindestens 50 Prozent. Der
obere Wert wird mit 70 Prozent festgelegt.
Die Raumluftzustände dürfen sich nur lang-
sam ändern.
Wie bei den beiden anderen Obergeschossen
reicht bereits eine Erhöhung der Raumtempe-
ratur um durchschnittlich 0,5 bis 2,5 Kelvin aus,
um einen maximalen Wert von etwa 70 Prozent
relativer Luftfeuchte zu sichern. Allerdings darf
hier die Erhöhung der Raumtemperatur nicht zu
einem Absinken der relativen Raumluftfeuch-
te unter 40 bzw. 50 Prozent führen. Der ver-
gleichsweise geringe Wärmeeintrag soll durch
eine niedrig dimensionierte Heizungsanlage
realisiert werden, deren Steuerung an den Wert
der relativen Luftfeuchte gekoppelt ist und nicht
an die Raumtemperatur. Steigt die relative Luft-
feuchte durch sinkende Raumtemperatur, wird
die Heizung aktiviert, bevor der kritische Wert
von 70 Prozent erreicht wird. Sinkt die relative
Luftfeuchte unter die Grenzwerte von 40 bzw.
50 Prozent, wird die Wärmezufuhr automatisch
unterbrochen. Das Absinken der Raumtempe-
ratur wird dabei in Kauf genommen – lediglich
in den Räumen mit ungefassten Holzdecken ist
Frostfreiheit zu garantieren, sodass zum Schutz
der Anlage und Baukonstruktion eine minimale
Raumlufttemperatur von 5°C vorgesehen ist.
Allein in den Räumen des Südflügels mit seinen
farbig gefassten Holzdecken ist zur Einhaltung
der unteren Grenze von 50 Prozent auch ein
Absinken der Raumtemperatur unter 5°C zu-
gelassen. Der Frostschutz wird hier durch den
Einsatz von Wasser-Glykolgemisch als Heizme-
dium sichergestellt.
Der moderate Wärmeeintrag führt zu einer
durchgängig gleichmäßigeren Raumlufttem-
peratur und verhindert ein zu starkes Abkühlen
der Räume, gleichzeitig wird die innere Oberflä-
chentemperatur der Bauteile angehoben. Die so
stabilisierte Raumlufttemperatur und -feuchte
reduziert die Erscheinungen von Oberflächen-
kondensation drastisch und vermeidet Schim-
melbildung. Unvermeidbare Kondensatanrei-
cherungen an den Fenstergewänden werden
in Kauf genommen, da das Kondensat durch
den Einbau von Bodenkonvektoren vor den
Fenstern nach kurzer Zeit wieder abtrocknen
kann. Die raumklimatischen Forderungen für
die Holzbauteile werden eingehalten. Für die
Auswertung der ausgeführten Untersuchungen
sowie der erstellten Gebäudesimulation wur-
den die Anforderungen und Auswirkungen der
Klimastabilisierung zusammengefasst und für
folgende Bauteile bewertet: Wände, Holzbal-
kendecken ohne Farbfassungen, Holzbalken-
decken mit Farbfassungen, Gewölbedecken in
den Nischen der Fenster, Holzfußböden, Stein-
fußböden und Türen. Das Ergebnis zeigt, dass
die Klimastabilisierung bei den raumabschlie-
ßenden Bauteilen nur geringe Veränderungen
bewirkt, die jeweils im Bereich der denkmal-
pflegerischen Vertretbarkeit liegen.
Auf dieser Grundlage fiel die Entscheidung, das
Raumklima mit den geschilderten technischen
Mitteln zu stabilisieren: Es wurde eine Warm-
wasserheizungsanlage kleiner Leistung zur Zu-
führung von Wärme umgesetzt. Zur Wärmeab-
gabe an den Raum dienen Bodenkonvektoren
mit mechanischer Auftriebsunterstützung, die
meist im Fensterbereich angeordnet sind. Die
Heizungssteuerung erfolgt, in Abhängigkeit
zur relativen Luftfeuchte der Räume, mittels
temperaturkompensierter Feuchtefühler. Aus-
geführt sind außerdem Schutzmaßnahmen zur
Verringerung des Risikos von Schädigungen der
Baukonstruktion durch austretendes Wasser im
Havariefall (thermographische Untersuchung,
leitungsbegleitende
Leckageüberwachung).
Das Raumklima ist nach Einbau der Anlage zu
kontrollieren und auf die erforderlichen Werte
für das Gesamtgebäude nach tatsächlicher
Beeinflussung des Raumklimas durch das
Außen- und Innenklima einzustellen.
Das Ziel des im Jahresgang gleichmäßigeren
Raumklimas wird unterstützt durch weitere
Maßnahmen:
Verbesserung der Wärmedämmung der
Decke zum Dachraum (Auflage aus Leicht-
lehmziegeln / Schüttung an den Balkenauf-
lagern / Winddichtung )
Instandsetzung der Fenster (Verhinderung
des Eindringens von Schlagregen insbeson-
dere auf der Westseite, jedoch Erhaltung
der Fugenlüftung in den Räumen)
Reduzierung der solaren Einstrahlung durch
die Fenster mittels Schutzverglasung gegen
infrarote und ultraviolette Lichtstrahlen
Vermeidung von unerwünschten Luftströ-
mungen aus den Wendelsteinen durch Ein-
bau von selbstschließenden Türmechanismen
an den Geschosszugängen
Insgesamt wurden damit Lösungen gefunden,
die zwar Kompromisse erfordern, die aber zu-
sammen der denkmalgerechten Nutzung die-
nen und den Bestand des ersten deutschen
Schlossbaues langfristig sichern.
Ausstellungsebenen | Herausforderung Raumklima
Ausstellungsebenen | Herausforderung Raumklima
Oben: Parkettrestaurierung
Mitte: Restaurierte Felderdielung
Unten: Elektroinstallationen in der Fußbodenebene
Oben: Schacht für Steigleitungen
Unten: Bodenkonvektor – Abdeckung
aus Sandstein

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hülle, Ausstellungsinhalt und Ausstellungs-
architektur schaffen atmosphärisch stimmige
Bilder. Die reflektierende Oberfläche der
Museumsgestaltung unterstützt dabei die vor-
handene Raumwirkung, die aufgrund der kom-
plexen Durchgestaltung von Geometrie und
Oberfläche der einzelnen Räume diese immer
wieder anders erscheinen lässt. Die Ausstel-
lungsarchitektur ist in Abgrenzung zu den sehr
detailreichen Ausformulierungen der Räume
bewusst zurückhaltend und abstrakt gehalten:
Zwischen alter und neuer Architektur generiert
sich damit ein Maximum an Dialektik. Bei der
Ausarbeitung der einzelnen Präsentationsele-
mente wird ein Schwerpunkt auf das Heraus-
arbeiten dramaturgischer Momente gelegt: So
wird zum Beispiel eine szenische Bebilderung
einer Bergparade – das Original weist eine
Länge von 38 Metern auf – in ein kinetisches
Panorama übersetzt; der Besucher sieht die
Bergmänner an sich vorbeiziehen.
Licht
Die Lichtgestaltung in den Ausstellungsebenen
unterscheidet zwei Prinzipien: die allgemeine
Beleuchtung der Räume und die spezifische
Ausleuchtung der Exponate. Die allgemeine
Beleuchtung der Räume folgt der Maxime,
keine durchgehende Helligkeit in den Räumen
erzeugen zu wollen. Gleiches ist bereits in der
Architektur Arnold von Westfalens angelegt:
Szenografisch gesetzte Öffnungen im Bestand
lassen vielfältige Lichtstimmungen entstehen
– immer wieder tritt das Licht, einem gebün-
delten Lichtkegel ähnlich, durch die sehr prä-
zise gesetzten Öffnungen. Die Räume wirken
aufgrund unterschiedlicher Tageslichteinfälle
zu verschiedenen Tageszeiten vollkommen
anders, was zu einem äußerst subtilen und
charmanten Bild führt. Durch die Dramaturgie
des Lichts steigert Arnold von Westfalen die
Dramaturgie seiner Architektur in erheblichem
Maße. Das Kunstlicht soll im Falle eines partiell
Detailansicht – Spiegelung im Stelenfuß
Rechte Seite: Lichtstele für die Ausstellungsräume
Die Ausstellungsgestaltung
Prof. Carsten Gerhards und Andreas Glücker
Ausstellungsebenen | Ausstellungsgestaltung
Architektur
Das architektonische Konzept für die Präsenta-
tionselemente der Ausstellung sieht ein Ein-
bringen einer neuen Schicht in das Haus vor:
Nach dem Bau im 15. Jahrhundert und der
historistischen Auskleidung des Hauses im
19. Jahrhundert wird nun eine dritte, zeitge-
nössische Komponente in das Haus eingetra-
gen. Die virtuose plastische Durcharbeitung,
die Vielfarbigkeit und letztendlich auch die
Vielzahl irrationaler Details der Albrechtsburg
bedürfen einer solchen Setzung, die sich selbst-
bewusst in den Räumen artikuliert und sich
klar vom Bestand trennt: Eine klare und kräfti-
ge Sprache, die mit den visuell stark prägenden
Räumen des Bestands einen Umgang findet
und bestenfalls eine Balance mit ihnen eingeht.
Dabei reflektiert die Ausstellungsarchitektur
Themen, die bereits in der bestehenden Archi-
tektur Arnold von Westfalens angelegt waren
und interpretiert diese neu: Orthogonalität /
Skulpturalität, Symmetrie / Asymmetrie, Licht /
Schatten und Maßstab.
Die Präsentationselemente nehmen diese The-
men in ihrer Formensprache auf. Innerhalb
der Räume sind sie so platziert, dass sie sich
an strukturellen und optisch prägenden Be-
zugspunkten des Bestands orientieren. Wo es
aufgrund der Präsentationsform der Expona-
te möglich ist, folgt ihre Höhenentwicklung
dem Prinzip, Blicke auf Wandgemälde oder
Gewölbeansätze freizugeben. Die Oberflächen
der Elemente bestehen aus Aluminium, das
eine matt-reflektierende Charakteristik auf-
weist. Um eine Allansichtigkeit der Exponate
zu gewähren, sind die Vitrinenausschnitte in
den Körpern fünfseitig mit einer glänzend-
reflektierenden Charakteristik ausgestattet. Die
reflektierende Hüllfläche der abstrakten Körper
spiegelt Strukturen, Texturen und die Eigenfar-
bigkeit des Bestandes wieder.
Die Ausstellungsarchitektur geht so einen Ca-
mouflage- Effekt mit dem bestehenden Gebäude
ein und wird Bestandteil ihrer Umgebung. Raum-
Ausstellungsebenen | Ausstellungsgestaltung

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flächigerer Bereiche wie im Fall der Gewölbe
eingesetzt; Direktkomponenten kommen ver-
stärkt dort zum Einsatz, wo gezielt ein Wandge-
mälde oder ein Detail des Hauses – wie die dem
Bestand vorgelagerten Figuren in der „Großen
Hofstube“ – hervorgehoben werden soll. Daher
sind die Leuchtentypen in Varianten entwickelt,
mit speziell für die verschiedenen Montageorte
entwickelten Lichteinsätzen. So kann etwa die
horizontal orientierte Pendelleuchte in einem
Fall ausschließlich indirekt leuchten, an einem
anderen Ort erhält sie darüber hinaus eine zu-
sätzliche Lichtkomponente für die Akzentuie-
rung eines freistehenden Exponats oder einen
zusätzlichen Lichteinsatz für die Aufhellung
von Wandbildern. Die Leuchten sind entspre-
chend den spezifischen Anforderungen in den
Räumen verortet und bilden mit der Ausstel-
lungsarchitektur stimmige Kompositionen. Die
Leuchten selbst sind radikal abstrakt gehalten
und in Analogie zur Ausstellungsarchitektur
ausgestaltet. Wie diese artikulieren sie sich
als Mobiliar und sind gewollt und in aller Ent-
schiedenheit als neue Schicht zu verstehen.
Ausstellungsebenen | Ausstellungsgestaltung
Präsentationselemente in der Entwurfsphase,
Großer Gerichtssaal im 2. Obergeschoss
Ausstellungsebenen | Ausstellungsgestaltung
Präsentationselemente in der Entwurfsphase,
Vorsaal am Kleinen Wendelstein
im 2. Obergeschoss
Rechte Seite: 2. Kurfürstenzimmer im
1. Obergeschoss mit Interieur
starken Tageslichteintrags dieses nicht flächig
überstrahlen oder gar die natürliche Wirkung
durch Erhellen sämtlicher Raumnischen negie-
ren. Ziel der Allgemeinbeleuchtung ist es viel-
mehr, im Einklang mit dem Tageslicht atmo-
sphärisch stimmige Raumbilder zu erzeugen.
Der reine Kunstlichtfall zeichnet sich durch
eine warme und zurückhaltende Beleuchtung
aus. Wenig Lichtmengen, vorwiegend indirekt
ausgerichtet, in Verbindung mit der Beleuch-
tung von Exponaten innerhalb der Vitrinen,
schaffen einen warmen und atmosphärischen
Gesamteindruck. Die Leuchten wurden als eine
Gruppe von sechs Elementen entwickelt: Zwei
Pendelleuchten (vertikal / horizontal orientiert),
eine Stehleuchte, zwei Wandleuchten und eine
Bodenleuchte. Diese sechs Typen wurden ent-
wickelt, weil jeder Typus eigene Fähigkeiten
hinsichtlich seiner Lichtqualitäten hat. Nur ein
Zusammenspiel durch auf die Raumsituation
zugeschnittene Lichtqualitäten bzw. Leuchten
lassen ein optimiertes Ergebnis erwarten. Die
Leuchten sind in unterschiedlichen Graden mit
Indirekt– und Direktanteilen versehen: Indi-
rektkomponenten werden bei der Beleuchtung

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Die exponierte Lage der Albrechtsburg führte
zwangsläufig zu einem erhöhten Reparatur-
aufwand, insbesondere an den hoch aufragen-
den Gebäudeteilen wie den Lukarnen (Dach-
erkern), Türmen und Dächern, die sich als
besonders anfällig erwiesen. Meist waren es
die Frühjahrs- und Herbststürme, die größere
Schäden verursachten. Allein für den Zeitraum
von Mitte des 16. Jahrhunderts bis Anfang des
18. Jahrhunderts werden in den Bauakten in
regelmäßigem Abstand sehr umfangreiche
Reparaturarbeiten erwähnt. Feuchtigkeit führte
immer wieder zu neuen Schäden im Gebäude,
wobei naturgemäß die Holzbalkendecken über
dem 3. Obergeschoss und der Dachfuß beson-
ders stark betroffen waren.
Dadurch entstanden nahezu ideale Wachs-
tumsbedingungen für den Echten Haus-
schwamm, der von dort aus leicht zu den ein-
gemauerten Balkenköpfen der Deckenbalken,
zum Sparrenfuß und den Schwellen im Dach-
fußpunkt vordringen konnte. Bei früheren
Sanierungen hatte man das nicht vollständig
erkannt; der Sanierungserfolg war natürlich
immer nur von kurzer Dauer, wenn man sich
mit dem Erneuern der Sparrenfüße und Bal-
kenköpfe begnügte.
Bevor jedoch an eine Wiederherstellung der
Standsicherheit gedacht werden konnte, muss-
ten die Probleme der Holzschutzmittel, die in
den 1970er Jahren auf die Dachkonstruktion
aufgebracht wurden, gelöst werden. Ange-
wendet wurde dann erfolgreich das Vakuum-
Waschverfahren, das sich als ein geeignetes
System zur Dekontaminierung durchgesetzt
hatte. Die Raumluftmessungen nach Been-
digung der Reinigungsarbeiten ergaben nur
noch Restwerte, deren Konzentration in dieser
Größenordnung nun nicht mehr das eigentli-
che Problem darstellte.
Für die Wiederherstellung der Standsicher-
heit waren nicht nur umfangreiche statisch-
konstruktive Maßnahmen erforderlich; gleich-
zeitig waren auch die geltenden Regeln zur
Schwammsanierung zu beachten. Aufgrund
ihres hohen Stellenwertes in der europäi-
schen Bau- und Kunstgeschichte weisen die
Baukonstruktionen der Albrechtsburg jedoch
Besonderheiten auf, die zur Einschränkung
der Anwendung der DIN-Normen und Richt-
linien führen mussten. Zur Erhaltung der
denkmalgeschützten
Bausubstanz
wurden
deshalb alternative Methoden in Betracht ge-
zogen: Heißluftverfahren und Begasung mit
Methylbromid. Der Schwammsanierung lag
folgendes Konzept zugrunde: Austausch der
zerstörten Bauteile entsprechend der statisch-
konstruktiven Erfordernisse aufgrundlage des
Holzschutzgutachtens, aber immer unter dem
Aspekt der Minimierung des Rückschnitts und
der Eingriffe in den Bestand. Durch eine dichte
Dachdeckung und durch Herstellen eines
belüfteten Zwischenraums zwischen dem Pfei-
lerkopf des Wandpfeilers und der Dachdeckung
Das Dach und die Holzbalkendecke
Günter Donath
Baukonstruktion | Das Dach und die Holzbalkendecke
Baukonstruktion | Das Dach und die Holzbalkendecke
Links oben: Mittelbau, Decke über dem
3. Obergeschoss: Anschluss der erneuerten
Balkenköpfe mit Schiffskehlenprofil an die
Bestandsbalken
Links unten: Obergeschoss, Anschluss Kapellen-
turm – Schwellenkranz
Rechts: Detailschnitt der Holzbalkendecke über
dem 3. Obergeschoss
Linke Seite: Restaurierte Dachkonstruktion des
Westflügels mit Lehmdecke und Laufstegen

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wurde das Eindringen von Feuchte verhindert.
Dazu wurden baukonstruktive Lösungen wie
eine intensive Belüftung der Fußpunkte durch
Traufenzuluft, die Luftumspülung der Balken-
köpfe und die Querbelüftung des gesamten
Dachraumes umgesetzt, die dem Echten Haus-
schwamm die Lebensgrundlagen entziehen.
Ein weiteres Ziel war es, die Tauwasserfreiheit
der Konstruktionen zu gewährleisten. Zur Ver-
meidung der Sommerkondensation wurden
folgende Gegenmaßnahmen angewandt: Klima
stabilisierung des 3. Obergeschosses durch
Raumheizung und damit verbunden die Erwär-
mung der inneren Oberflächen thermisch träger
Bereiche und Einbau einer Wärmedämmung
über der Holzbalkendecke zur Verringerung der
Wärmeverluste und eine weitere Dämpfung der
Jahresschwingung der Raumlufttemperatur.
Für die Sanierung aller tragenden Holzbauteile
wurde in folgenden Schritten vorgegangen:
partieller Ersatz der statisch-konstruktiv not-
wendigen Bauteile und Austausch der ge-
schädigten Hölzer der Sanierung aus dem
19. Jahrhundert durch nachprofilierte neue,
widerstandsfähige Hölzer (Lärche auf den
Pfeilerköpfen, Weißtanne für die Deckenbalken
und Sparren, Eichenholz für die Schwellen).
Der konstruktive Anschluss der mitunter bis zu
fünf Meter langen Deckenbalkenköpfe erfolgte
über mehrfach gestufte liegende Blätter, deren
Abstufung der Profilfolge der Bestandsbalken
folgte. Sie wurden mit ihnen verleimt und zu-
sätzlich durch eingeleimte Schubverdübelun-
gen gesichert.
Zur Übertragung der Biegezugspannungen
wurden Oberzüge angeordnet. Das Anschäften
der Balkenköpfe war dort kompliziert, wo sich
die Bestandsbalken im Laufe der Jahrhunderte
durch Austrocknung oder Durchbiegung ver-
formt hatten. Die geometrisch exakt durch-
gebildeten Prothesen mussten durch einen
Holzbildhauer nachgearbeitet werden. Dabei
wurden auch die Deckenbalkenprofile im Be-
reich der holzschutztechnisch zu behandeln-
den Schnittstellen gründlich gereinigt, um
Verfärbungen und Schmutzrändern beim Ver-
laufen der Holzschutzmittel vorzubeugen. Bei
den Sparrenanschäftungen wurden die his-
torischen Anblattungen wiederholt. Dadurch
konnte der Ersatz auf jene Konstruktionsglie-
der beschränkt werden, die bereits bei voran-
gegangenen Reparaturen dem Originalbestand
hinzugefügt waren, und der Rückschnitt in das
Originaltragwerk auf ein Minimum reduziert
werden.
In den Schnittstellen oder an den Flanken zu
auszuwechselnden Holzteilen wurden in die
Bestandsbalken Plastikinjektoren eingeschla-
gen, über die eine Niederdruckverpressung
mit bekämpfend und vorbeugend wirksamen
zugelassenen
Holzschutzmitteln
durchge-
führt wurde. Die Injektoren verbleiben im Be-
stand, um jederzeit eine spätere Nachbehand-
lung zu ermöglichen. Die Bauwerkseingriffe
der 1960/70 er Jahre im Dachraum wurden
durchweg zurückgebaut. Lediglich in dem im
19. Jahrhundert komplett erneuerten Dach-
stuhl des Westflügels wurden die Sparren über
stehende Blätter mit Stabdübeln und Sicher-
ungsbolzen angeschuht. Bis auf wenige Aus-
nahmen musste nahezu der gesamte Bestand
an Deckenbalken und Sparren repariert wer-
den. Besonders kompliziert gestaltete sich der
komplette Ersatz des Schwellenwerkes und der
Sparrenfüße bei den hohen, nahezu ständig
windbelasteten Turmhelmen.
Von den Räumen im 3. Obergeschoss aus
sichtbare Ergänzungen und Anschäftungen
erhielten – soweit sie nicht farbig gefasst
sind – eine mittels speziellem Beizsystem dem
Aussehen der patinierten Bestandskonstruk-
tionen angepasste Farbgebung. Bekleidende
und nicht tragende Teile wie die Kassetten-
bretter der Deckenfelder stammten meist
aus der Erbauungszeit und waren wegen
ihrer Bemalungen mit höheren denkmalpfle-
gerischen Anforderungen bedacht. Deren
Behandlung erfolgte entweder in situ (bei
Heißluftbehandlung) oder nach Ausbau ex-
tern (bei Begasung mit Methylbromid). Bei
der Mauerwerkssanierung wurde wie folgt
vorgegangen: Putzabbruch und Auskratzen
der Fugen des Mauerwerks im Bereich von
1,50 Meter vom Befallsende, Einbau von
Durchwuchssperren mittels chemischer Be-
handlung zur Trennung von sanierten und
nicht sanierten Mauerwerksbereichen und
Einbau von Walzbleilagen auf den Mauer-
schwellen der Massivbaukörper.
Besonderer Wert wurde auf die Sanierung der
Pfeilerköpfe der Wandpfeiler gelegt. Die Mau-
erwerksoberfläche war erst nach Abbau der
älteren Lattungen zu erreichen. Die Fugen im
Bruchsteinmauerwerk wurden tief ausgekratzt,
die verrotteten Gerüststangen oder andere von
der mittelalterlichen Bauphase bisher in situ
belassene Holzreste ausgebaut und Fehlstellen
mit Granit- oder Syenitsteinen ausgezwickt.
Dem Mörtel wurde ein Holzschutzmittel zu-
gesetzt. Traglatten mit Distanzstücken aus
Eichenholzkeilen wurden mittels Klebedübel
auf den Mauerkronen befestigt; darüber wurde
die Lattung angebracht. Eine spezielle Detail-
lösung an der Traufe ermöglicht nun eine
dauerhafte Luftführung zwischen dem Pfeiler-
mauerwerk mit dem Lattensystem und der
Dachhaut. Auch bei Undichtigkeiten oder
Eindringen von windgetriebenem Schnee kann
diese Zone wieder austrocknen. Die seitlichen
Anschlüsse an das aufgehende Wangenmau-
erwerk der Lukarnen wurden besonders sorg-
fältig ausgebildet.
Die Fugen im Steinwerk wurden mit Blei ver-
stemmt. Erstmals seit mehr als 500 Jahren er-
hielten die exponierten Dächer der Albrechts-
burg eine organisierte Dachentwässerung mit
Rinnen und Fallrohren. Damit konnte dem
bisherigen starken Durchfeuchten der Außen-
wände und der seitlich schräg ausgestellten
Wandfüße und Fundamente durch das von den
Dächern ablaufende Regenwasser vorgebeugt
werden. Die vorgehängten Rinnen wurden
konstruktiv durch Rundstahleinlagen in der
Wulst verstärkt, die Rinneisen besonders ange-
fertigt und durch Verkürzung deren Abstände
so ausgebildet, dass die Rinne im Notfall bei
Reparaturen auch begangen werden kann. Nur
in den konstruktiv erneuerten Bereichen wurde
eine teilweise in Mörtel verlegte Dachdeckung
aus roten Biberschwanzziegeln ausgeführt.
Um die neuen Dachflächen zu beleben, griff
man dabei auf verschiedene Chargen der Zie-
gelherstellung zurück. So wurde versucht, sich
der plastischen Wirkung der spätgotischen
Dachdeckung mit ihren polygonal geschnit-
tenen und bis zu 2,8 cm starken Handstrich-
Tonziegeln anzunähern.
Baukonstruktion | Das Dach und die Holzbalkendecke
Baukonstruktion | Das Dach und die Holzbalkendecke
Oben rechts: Holzbalkendecke im Kaminzimmer,
3. Obergeschoss
Unten: Sanierung der Pfeilerköpfe des Wand-
pfeilersystems. Der untere Bereich ist bereits
saniert und mit der neuen Unterkonstruktion
für die Traufenzuluft versehen; der obere Teil
zeigt unsaniertes Mauerwerk. In der Bildmitte
sind die gekehlten Ortgang-Werksteine zu
sehen, unter die die Dachdeckung geführt wird.
Links: Probeachse mit dem später ausgeführten
Dachrinnensystem. Die untere Ziegelschicht
ruht auf einer in Dreiecksform gekanteten
Lüfterleiste.
Rechts: Erneuerte Sparrenfüße aufgrund von
Befall durch Echten Hausschwamm

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Ein grundsolides Bauwerk – Risssanierung
Bernd Eckoldt
Immer wieder aufs Neue faszinierend ist die
Solidität des Baukörpers der Albrechtsburg
Meißen. Diese Solidität zeigt sich in den ver-
wendeten Materialien und im hohen Niveau
der handwerklichen Verarbeitung dieser.
Unter Verwendung von Vorgängerbauten, wel-
che sich in den Kellergeschossen noch heute
sichtbar abzeichnen, wurde der Baukörper der
Albrechtsburg noch weiter talwärts über den
Abhang hinausgeschoben und konsequent auf
den anliegenden Felsen gegründet. Dies ist in
einigen Bereichen des Kellers direkt sichtbar
und wurde durch Baugrunderkundungen im-
mer wieder nachgewiesen bzw. bestätigt. Die
einzige Ausnahme war der Strebepfeiler am
Westgiebel, welcher nach dem Abriss des einst
nebenstehenden Brennhauses ergänzt wurde.
Das grundsätzlich Neue und sowohl gestal-
terisch wie konstruktiv Beeindruckende beim
Bau der Albrechtsburg war, dass im Gegensatz
zu den sonst notwendigen äußeren Strebe-
pfeilern, welche den horizontal wirkenden
Gewölbeschub der Decken aufnehmen, Arnold
von Westfalen die aufgehenden Außenwän-
de nach innen hin verstärkte und durch das
somit nach oben hin zunehmende Eigenge-
wicht den Gewölbeschub überdrückte, um die
Standsicherheit zu gewährleisten.
Das Mauerwerk, welches nach oben hin bis zu
4,00 m dick ist, wurde einschalig als kompak-
tes Mischmauerwerk vollfugig mit einer beein-
druckend guten Mörtelqualität errichtet. Dies
konnte im Vorfeld der Sanierungsmaßnahmen
durch eine Vielzahl von Kernbohrungen erkun-
det werden.
Bemerkens- und sehenswert sind die grazilen
und gewagten Zellengewölbekonstruktionen,
welche vom gekonnt spielerischen und meis-
terhaften Umgang der Baumeisters in seinem
Fachgebiet zeugen.
Nicht zuletzt beeindrucken die noch über-
wiegend erhaltenen und teilweise aus vier
Einzelholzquerschnitten zusammengesetzten
Holzbalkendecken und die aufliegenden Dach-
konstruktionen.
Tragwerksrelevante Einwirkungen
in der Vergangenheit
Bis zur Fertigstellung des Bauwerks gab es
Bauunterbrechungen, welche wahrscheinlich
nicht ohne Auswirkungen auf die Bausub-
stanz blieben. Das Gebäude wurde in seiner
ursprünglichen Bestimmung als Wohnschloss
kaum genutzt. Daher diente es u.a. als Speicher
und Beherbergungsstätte. Damit einher gingen
Zeiten der Verwahrlosung des Baus, Brand-
schäden (1773) sind bekannt, wie auch starke
Beschädigungen während des Dreißigjährigen
Krieges (Belagerung/Beschießung 1645). Ende
des 17. Jahrhunderts erfolgten Instandset-
zungen, danach stand die Albrechtsburg leer
vor und ab 1710 wirkte sich die Nutzung als
Porzellanmanufaktur durch die Umbauten, die
Erschütterungen und anderweitige Beanspru-
chungen negativ auf die Bausubstanz aus. Die
sich nach dem Auszug der Porzellanmanufaktur
anschließende Generalinstandsetzung und
gleichzeitige Umnutzung zum Museum war
1881 abgeschlossen und ist insgesamt positiv
für das Bauwerk zu sehen, wurde aber nicht
in allen Bereichen fachgerecht und auf Dau-
erhaftigkeit bedacht umgesetzt. Dies betrifft
insbesondere die Holztragwerke und den, nach
dem Abriss des Brennhauses zur Stabilisierung
angesetzten Strebepfeiler am Westgiebel.
Danach sind bis Ende des 20. Jahrhunderts
nur punktuelle Sanierungen und Reparaturen
bekannt. Diese Zeit war geprägt von fehlender
Baupflege, teilweise in der Mangelwirtschaft
der DDR begründet. Davon waren besonders
die Holztragwerke der Dächer und Decken
sowie die Mauerwerksbereiche im 3. Oberge-
schoss betroffen.
Zustand nach 500 Jahren Standzeit
Im Jahre 1998 erfolgte eine Bauzustandser-
mittlung und Begutachtung der Holzbalken-
decken über dem 3. Obergeschoss sowie der
Dachtragwerke durch. Die gewonnenen Er-
kenntnisse zeigten, dass die bereits bekannten
Zerstörungen weiter zugenommen hatten.
Nach notwendigen Sofortmaßnahmen, der
Entlastung und teilweisen Notabstützung von
Tragwerksteilen, war dies die Grundlage für
weitere Planungen.
Ausgehend von Schadenskartierungen, Unter-
lagenrecherchen, Materialproben sowie wei-
tergehenden Untersuchungen kristallisierten
sich seit 2002 sieben Bereiche heraus, welche
über die einzelnen Etagen gleiche, in ihrer In-
tensität jedoch unterschiedliche Schäden bzw.
Schadensmerkmale aufwiesen.
Diese Schadensschwerpunkte wurden be-
sonders untersucht und bewertet. Die daraus
abgeleiteten baulichen Maßnahmen dienten
der Sicherung und Stabilisierung bzw. waren
Ertüchtigungen, um die Standsicherheit wei-
terhin zu gewährleisten. Dabei war es das
Anliegen, das Gebäude in seinem Gefüge und
Gleichgewicht so wenig wie möglich zu stören.
Einige dieser Maßnahmen werden nachfolgend
beschrieben.
Besondere Bereiche notwendiger
Ertüchtigungen
Der Bereich des Westgiebels war durch nach
oben hin zunehmende Risse in allen aufgehen-
den Etagen gekennzeichnet. Diese traten im-
mer wieder in neu verputzten bzw. malermäßig
instand gesetzten Bereichen auf, dies wurde
seit 2005 durch das Rissverhalten der ständig
überwachten rissüberbrückenden Gipsmarken
zielgerichtet beobachtet. Die Rissweiten nah-
men innerhalb des Messzeitraumes zu. Die
überwiegend senkrechten Risse konzentrierten
sich in den Fensternischen und waren auch im
Anschluss der ersten, parallel zur Außenwand
liegenden Innenwand vorhanden. Im 3. Ober-
geschoss und im Dachgeschoss sind fassa-
denseitig Ausbauchungen der Westgiebel-
wand sichtbar.
Verschiedenste Faktoren haben zu den vorhan-
denen Schädigungen geführt. Nachfolgend
wird nur auf die zwei Hauptursachen einge-
gangen. Nach dem 1860 erfolgten Abriss des
Brennhauses stand der Westgiebel frei und
war nicht mehr durch das Nachbargebäude ge-
stützt. Zur Giebelstabilisierung errichtete man
einen außen angesetzten Strebepfeiler. Die
Gründung dieses Strebepfeilers wurde jedoch
nicht bis zum tragfähigen Baugrund geführt,
sondern endete oberhalb. So hatte dieser Stre-
bepfeiler die Wirkung eines „Rucksacks“, wel-
cher den Giebel ungünstig belastete und vom
Gebäude wegzog. Um dem weiteren Ablösen
des Giebels entgegenzuwirken und den Bau-
zustand zu stabilisieren, erfolgte 1987 eine
Baugrundinjektage. Doch auch nach dieser
Baugrundstabilisierung kam der Giebel nicht
zur Ruhe:
Durch Baugrunduntersuchungen wurde fest-
gestellt, dass auch die Injektage von 1987
nicht bis auf den tragfähigen Felshorizont
ausgeführt wurde, auf welchem das übrige
Gebäude gegründet ist. Zwischen Unterkante
der vorhandenen unstetigen Injektion und dem
Fels wurde ein Konglomerat aus Schluff und
unvermörtelten Bruchsteinen erkundet. Diese
Schichten hatten keine ausreichende Tragfä-
higkeit und waren zudem aufgrund der brei-
igen Schluffkonsistenz noch leicht verformbar.
Weiterhin wurden nun die Aufnahme und der
Baukonstruktion | Ein grundsolides Bauwerk – Risssanierung
Baukonstruktion | Ein grundsolides Bauwerk – Risssanierung
Querschnitt Injektage unter dem Strebepfeiler
am Westgiebel
Übersicht Schadensbereiche
1) Großer Wendelstein
2) Kleiner Wendelstein
3) Westgiebel
4) Übergang West- zu Nordflügel
5) Nordflügel
6) Kapellenturm
7) Südflügel
Linke Seite: Ansicht Westgiebel
mit Strebepfeiler

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Lastfluss der horizontalen und vertikalen Ge-
wölbelasten im 2. Obergeschoss rechnerisch
überprüft. Die Berechnungen zeigten, dass die
Resultierende aller Lasten außerhalb der inne-
ren, jedoch in der äußeren Kernweite (d/3) lag,
so dass klaffende Fugen planmäßig auftreten
mussten, die Standsicherheit jedoch gegeben
war. Das hieß, dass die nicht zusätzlich ver-
stärkten oder durch Anbauten stabilisierten
Randpfeiler die Horizontallasten noch nie riss-
frei aufnehmen und abtragen konnten.
Die rissfreie Aufnahme der Gewölbelasten im
Mittelpfeiler ist nur gewährleistet, wenn der
Strebepfeiler statisch mitwirken kann. Ein aus-
reichender Verbund zwischen diesem Pfeiler
und dem Giebel schien aufgrund der Rissfrei-
heit in der Anschlussfuge gegeben zu sein, der
Schwachpunkt war seine Gründung.
Die Stabilisierung des Westgiebels erfolgte
durch mehrere Einzelmaßnahmen:
Injektage des Baugrundes unterhalb des
Strebepfeilers bis zur Felsoberkante mit
vorheriger Manschettenrohrinjektion als
Injektionswiderlager,
Rückhängungen des Giebels in Höhe der
Geschossdecken,
Rückhängungen in den Pfeilerbereichen zur
Aktivierung möglichst großer Bauteilmas-
sen, welche dem horizontalen Gewölbeschub
entgegenwirken,
eine Querverspannung des Giebels direkt
unterhalb der Traufe.
Der Wappensaal im Nordflügel wurde erst
1524 eingewölbt. Zu diesem Zeitpunkt war die
äußere Gebäudehülle (Außenwände und Dach)
bereits seit über 20 Jahren vollendet.
Bei notwendigen Freilegungsarbeiten zur
Schwammsanierung im 3. Obergeschoss stieß
man auf die, über bzw. auf die Schlingrippen-
gewölbe des Wappensaales gewölbten, einen
Stein (16 cm) dicken Kappengewölbe. Diese
flachen Gewölbe überspannen einen beträcht-
lichen Hohlraum, welcher offensichtlich nicht
aufwendig verfüllt werden sollte. Bei den Frei-
legungsarbeiten wurden Schädigungen sicht-
bar, teilweise gaben Gewölbebereiche nach bzw.
kam es zum Teileinsturz in der Nord-Ost-Ecke.
Die sehr flachen Gewölbekappen, welche nur
stumpf gegen die Außenwände stoßen, sind
sehr anfällig auf das Entweichen der Auflager,
was in der Vergangenheit erfolgte und an
diversen Rissbildern ablesbar und nunmehr zur
Ruhe gekommen ist. Ursachen dafür waren
u.a. Zerstörungen, Verwahrlosung und Schä-
digungen am Dachstuhl. Schadensfördernd
wirkten weiterhin die sehr flache Gewölbe-
geometrie und das nicht vorhandene Ein-
binden der Kappen in die darunter liegenden
Schlingrippengewölbe.
Durch die Entlastung (Herausnahme der in sich
verzahnten Auffüllung im Zuge der Schwamm-
sanierung) entfiel die stabilisierende Wirkung
der Auffüllung, es traten andere Belastungs-
bilder auf und Erschütterungen wurden unver-
meidlich in die desolaten Kappen eingetragen,
so dass es zu weiteren Deformationen sowie
Bauteilversagen kam. Das hatte vor zwei
Jahren eine Sperrung des darunterliegen-
den Ausstellungsraumes im 2. Obergeschoss
(Wappensaal) und damit auch das Wegräumen
der Skulpturen aus einzelnen Raumbereichen
zur Folge.
Weiterhin wurde umgehend der sehr tief
reichende Hohlraum unter der teileingestürz-
ten Entlastungskappe bis ca. 1,0 m unter die
Entlastungskappe mit sehr leichten, lastvertei-
lenden und dämpfenden Styroporflocken auf-
gefüllt, um bei weiterem Bersten ein Durch-
Grundriss 1. Obergeschoss Kapellenturm,
Schnitt mit Sanierungslösung
schlagen des abstürzenden Mauerwerkes durch
das Schlingrippengewölbe zu verhindern. Die
Styroporflocken dienten gleichzeitig als last-
verteilender Unterbau für die Arbeitsebene
aus Schaltafeln, sie wurden jeweils vor dem
abschließenden Verschluss der Kappen abge-
saugt. Nach Diskussion mit allen Planungs-
beteiligten und dem Bauunternehmer kam
die nachfolgend beschriebene anspruchsvolle
Variante zur Ausführung, welche den größten
Substanzerhalt garantierte.
Im Abstand von 50 cm wurden Spanten über
eine kleine Öffnung eingebracht und an einer
über der Kappe liegenden Trägerlage abgehan-
gen. Diese, der ursprünglichen Gewölbeform
nachempfunden Spanten wurden vorerst nur
soweit nach oben gezogen, dass sich das je-
weilige Kappengewölbe punktuell auflegte. Der
Einbau der Spanten erfolgte nacheinander im
Schutz der jeweils schon eingebauten. Danach
wurden Auflagerwinkel im Außenmauerwerk
verankert und die Kappenauflager mit Mörtel
unterstopft. Nun erfolgte eine gründliche Rei-
nigung der Gewölbekappen mit Staubsauger
und Druckluft, zugesetzte nicht vermörtelte
Fugen wurden ausgekratzt. Die Auflager ent-
lang der Schlingrippengewölbe wurden begut-
achtet und teilweise ertüchtigt. Im Anschluss
daran konnten abschnittsweise und gleichmä-
ßig die Spanten mit den Gewindestäben an-
gezogen werden. Das Anziehen erfolgte unter
ständiger Kontrolle und größter Vorsicht, bis
man die ursprüngliche bzw. idealisierte Gewöl-
belinie erreichte.
In diesem unterstützten Zustand konnte von
der Oberseite her neu verfugt werden. Danach
wurden offene Fugen unterseitig ausgedrückt.
Nach Erhärtung des Fugenmörtels konnten die
Spanten entlastet und herausgenommen wer-
den, die Einbringöffnung wurde geschlossen.
Die Bauausführung erfolgte sehr gewissenhaft
unter ständiger ingenieurtechnischer Kontrolle
und Begleitung, schrittweise Kappe für Kappe.
Durch Nachkontrollen mit Infrarotvideokame-
ratechnik, welche durch die dafür vorgesehe-
nen Leerrohre bis in den Gewölbezwischenraum
eingeschoben und mittels Gestänge geführt
bzw. geschwenkt wird, können Gipsmarken,
verfugte Altrisse, ertüchtigte Kappenauflager
und die Kappengewölbeunterseiten jederzeit
in Augenschein genommen werden.
1961 barst in der Kapelle des 1. Obergeschosses
eine Sandsteinsäule. Trotz 1963 erfolgter
Sanierung barst 1964 eine zweite Säule im
1. Obergeschoss. 2004 wurden Abplatzungen
an einer Säule im 2. Obergeschoss sowie neue
und sich bewegende Risse entdeckt. Dies waren
eindeutige Hinweise für statisch-konstruktive
Schwachpunkte im Bereich des Kapellenturmes.
Die Standsicherheit befand sich auf einem sehr
geringen Sicherheitsniveau.
Rissweiten und Temperaturmessungen über
einen Zeitraum von 12 Monaten zeigten Ab-
hängigkeiten auf. Hauptsächlicher Grund für
die Standsicherheitsprobleme war jedoch der
horizontale Versatz im vertikalen Lastabtrag in
der Decke über dem 1. Obergeschoss mit dar-
aus resultierenden sehr großen Horizontalkräf-
ten in der Fußbodenebene des 1. Obergeschos-
ses. Die nach dem Bersten der ersten Säule
1963 durchgeführte Sanierung verbesserte die
Gesamttragwirkung nur unwesentlich, sodass
weitere Schäden auftraten. Es wurde zwar
schon damals eine Ertüchtigung in der Fuß-
bodenebene des 1. Obergeschosses erwogen,
jedoch noch nicht für notwendig erachtet.
Durch statische Berechnungen konnte nun
der Tragwerkszustand erfasst, das vorhandene
Sicherheitsniveau ermittelt, die zurückliegen-
den Versagensfälle simuliert und mögliche
Maßnahmen zur Erhöhung des Sicherheits-
niveaus aufgezeigt werden.
Die 2008 ausgeführte vorgespannte Um-
schnürung des Kapellenturmes in Höhe des
Fußbodens des 1. Obergeschosses hebt das
Sicherheitsniveau je nach Lastfall um 25 bis
35 Prozent. Dabei erfolgten die Gebäudeein-
griffe nur von der Fassadenseite her.
In Kernbohrungen, welche außenwandparallel
um den Kapellenturm in der Fußbodenebene
des 1. Obergeschosses angeordnet wurden,
umschließen eingemörtelte Spannstähle den
Baukörper und werden über Umlenkkörper
senkrecht in Massivbauteilen, welche im Ge-
bäude liegen, rückgehangen. Die Rückhängun-
gen wurden mit Verpresskörpern, welche eben-
falls von der Fassade her eingebracht wurden,
im Mauerwerk ausgebildet.
Die nun zum Abschluss gekommenen statisch-
konstruktiven Baumaßnahmen hatten nicht
den Anspruch, jeden Riss, jede Unzulänglichkeit
zu beseitigen, dies wäre ohnehin nicht mög-
lich und wirtschaftlich nicht sinnvoll. Das Ziel
war die Behebung von Schäden, welche hin-
sichtlich der Standsicherheit und Gebrauchs-
tauglichkeit nicht vertretbar waren, sowie die
solide Konservierung des Ist-Zustandes dieses
grundsoliden Gebäudes für weitere Generati-
onen. Dies war oft ein interdisziplinärer Ab-
wägungsprozess, an welchem Bauherr, Nutzer,
Planer und Sonderfachleute beteiligt waren. In
dessen Folge wurden z.B. Bauwerkseingriffe
zurückgestellt und stattdessen Messeinrich-
tungen für Verformungsdauermessungen in-
stalliert, so dass bei sich verschlechternden
Bauwerkszuständen ggf. weitere Sanierungs-
und Ertüchtigungsmaßnahmen zur Ausfüh-
rung kommen können, die Eingriffe aber stets
auf ein Mindestmaß reduziert bleiben.
Baukonstruktion | Ein grundsolides Bauwerk – Risssanierung
Baukonstruktion | Ein grundsolides Bauwerk – Risssanierung
Spanten nach dem Einbau und vor dem Anziehen
Oben: 1961 Geborstene Sandsteinsäule
Unten: geborstene Sandsteinsäule,
Detailansicht
Während dem Anziehen der Spanten an einer Kappe
Ankerlage Kapellenturm,
Grundriss 1. Obergeschoss

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»Als wenn es Kirchenfenster weren« –
Restaurierung der Glasmalereien
Günter Donath
Gotik deutlich absetzende Architekturformu-
lierungen. Die Wandflächen bilden ein ruhiges,
ausgleichendes Gegengewicht zum unruhig
wirkenden Vor- und Zurückspringen und Über-
eckstellen der Baukörper.
Bis auf wenige Fensteröffnungen in den Un-
tergeschossen besitzen alle Wandöffnungen
Fenstergewände aus unterschiedlich großen
Werksteinen aus Sandstein der Reinhardsdorfer
oder Postaer Varietät mit nahezu gleichen
Profilfolgen. Sie sind auf ihrer Innenseite mit
Nuten und Steinfalzen für den Anschlag höl-
zerner Fensterrahmen oder für die Felder der
Bleiverglasungen versehen. Die große Zahl
der teilweise schwerwiegenden Bauschäden
machte jedoch deutlich, dass man damals bei
der Steinauswahl vor allem bei den Fenster-
pfosten nicht besonders sorgfältig vorgegan-
gen ist und zugunsten der leichteren Bearbeit-
barkeit wenig Wert auf die Homogenität der
Quader und eine hohe Steinfestigkeit gelegt
hatte. Inzwischen war der Stein des Bogen-
werks der äußeren Vorhangbögen und der
Bogenstücke des „Maßwerkes“ stark verwit-
tert und zermürbt. Vertikale Risse durchzogen
auch die Fensterpfosten, die offenbar wegen
des „Nachgebens“ der geborstenen obersten
Gewändestücke plötzlich Druckkräfte aufneh-
men mussten. Bei den jüngeren Restaurierun-
gen wurden diese Schäden nicht komplett be-
hoben. Man begnügte sich mit dem Einsetzen
von Vierungen aus ganz weichem Sandstein
(ab 1870), dem Verschließen der Fehlstellen mit
Zement oder mit selbst entwickelten Steiner-
satzmörteln (seit den 1960er Jahren) und der
statischen Ertüchtigung der einsturzgefähr-
deten Fensterpfosten durch das raumseitige
Anschrauben von Stahlprofilen. Die steinkon-
servatorischen Maßnahmen der seit 2006 bis
2008 durchgeführten Restaurierungsaufgabe
konzentrierten sich neben der Wiederherstel-
lung der Formschlüssigkeit und der Verbes-
serung der hydrophoben Eigenschaften der
äußeren Steinoberflächen in den schlagregen-
beanspruchten Bereichen und einer generellen
Erneuerung der Verfugungen und Abdichtung
zum Stein hin vor allem auf den bestandscho-
nenden, behutsamen Austausch der nicht
mehr tragfähigen Gewändewerksteine, der
vermorschten Maßwerkteile und der Reparatur
der geborstenen Fensterpfosten.
Die Fensterkonstruktion und die tief gekehlten
Sandsteingewände bilden in bauphysikalischer
Hinsicht ein System, das sich einigermaßen im
Gleichgewicht befindet. Deshalb war nicht von
einer Veränderung der bestehenden Wärme-
dämmung der Fenster auszugehen; diese wür-
de eine Verstärkung des Wärmedurchgangs
durch die bauklimatischen Schwachstellen
und dadurch Kondensationsprobleme bewir-
ken. Die in den 1870er Jahren eingebauten
Holzfenster wurden 100 Jahre später durch
Eichenholz-Verbundfenster mit einer äußeren
Bleirauten- und inneren Klarverglasung restlos
ersetzt. Diese waren inzwischen alle reparatur-
bedürftig. Die Fensterflügel waren verquollen
und nicht mehr schlagregendicht, die bleiver-
glasten Bahnen hatten sich verwölbt; einzelne
Scheiben zeigten Sprünge und das Bleinetz
Risse. Darüber hinaus erfüllten die Fenster
nicht die konservatorischen Anforderungen
hinsichtlich ihrer Beeinflussung des Raum-
klimas und boten nicht den erforderlichen
Schutz der Wandmalereien vor schädigenden
Einflüssen des Sonnenlichtes. Die Erneuerung
der Fenster war eine handwerklich-restaurato-
rische Aufgabe, die nur von erfahrenen Hand-
werkern ausgeführt werden konnte. Zwingend
vorgeschrieben war der weitestgehende Erhalt
des Bestandes. Ziel war es, die baukonstrukti-
ven Mängel der Fenster zu beseitigen und die
bauphysikalischen und konservatorischen Be-
dingungen zu verbessern: Die Holz-Verbund-
fenster sollten zunächst schlagregendicht sein
und mussten gleichzeitig aber die vorhandene
Fugendurchlässigkeit gewährleisten. Wo er-
forderlich sollten sie den nötigen Schutz vor
direkter Sonneneinstrahlung bieten und
sie durften sich nur an bestimmten, aus
bauklimatischer Sicht ausgewählten Stellen
öffnen lassen.
Zum Instandsetzen der Bleiverglasung gehörte
der Ausbau der Bleiverglasung durch vorsich-
tiges Lösen der Glashalteleisten aus Holz und
Die Albrechtsburg besitzt etwa 225 mehr oder
weniger bedeutende Fensteröffnungen, die den
Fassaden ihr unverwechselbares Bild verleihen.
„Das Schloß hat so hohe Fenster, als wenn es
Kirchenfenster weren…“ bemerkte bereits 1617
Philipp Hainhofer in seinem Reisetagebuch. Im
Lauf der Zeit sind diese Fenster jedoch verän-
dert worden: sie wurden aus statischen oder
funktionalen Gründen wieder vermauert oder
neu geschaffen. Ihre Größe, Anordnung und
vielfältige Gestaltung war jedoch nicht zufällig
gewählt, ihr liegen hochkomplexe Überlegun-
gen zugrunde: Mit einem vielgestaltigen For-
menapparat konnten nicht nur die verschie-
denen Funktionen der dahinter angeordneten
Räume ablesbar gemacht werden, sondern sie
wurden auch nach ihrer Bedeutung von unten
nach oben hierarchisiert.
Das wird bei den zum Elbtal weisenden Fas-
saden besonders deutlich: In den beiden
Untergeschossen finden wir die schmalen,
hochrechteckigen Wandöffnungen der Schieß-
scharten. Darüber folgt als nächstes Geschoss
eine Zone, in der Verwaltungsräume unterge-
bracht waren. Diese Zone ist als Erdgeschoss
vom Burghof her erlebbar. Ihre Funktion wird
durch ganz einfache, jedoch unterschiedlich
gestaltete Vorhangbogenmotive der Fenster
charakterisiert. Erst darüber folgen die beiden
Hauptgeschosse mit den breiten, vierbahni-
gen Vorhangbogenfenstern. Die Wichtigkeit
der beiden Geschosse wird wiederum diffe-
renziert durch die unterschiedliche Höhe der
Fenster. Ganz eindeutig ist also das 1. Ober-
geschoss das Bedeutendere. Darüber folgt nun
das Dachgeschoss mit den hohen, spitzigen
Lukarnen, in denen nochmals zwischen der
Befensterung des offenbar als Wohngeschoss
geplanten 3. Geschosses und des darüber
befindlichen Dachbodens unterschieden wird.
In der Dachfläche selbst finden sich noch
kleine dreieckige Gauben, die Licht und Luft
in die oberste Dachbodenebene bringen soll-
ten. Mit der Idee der an der Außenkante der
Strebepfeiler angeordneten, wie „Membranen“
gespannten Wandflächen der Fassaden gelan-
gen dem Baumeister Arnold von Westfalen
ganz eigenständige, sich von der traditionellen
Baukonstruktion | Restaurierung der Glasmalereien
Baukonstruktion | Restaurierung der Glasmalereien
Kapelle im 1. Obergeschoss mit den Fenstern NII, SII und SIII (von links nach rechts)
Rechte Seite: Das Fenster NII in der Kapelle

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der Bleihaften, die Erneuerung der alten Haf-
ten, die Reinigung der Antikglassscheiben, das
Planieren der Scheiben und das komplette Neu-
kitten der Felder, beidseitig mit Spezialkitt oder
mit traditionellem Leinöl-Kreide-Kitt. Das Blei-
netz wurde durch ein Nachlöten der Rauten-
kreuzungen repariert, Bleibrüche wurden mit
Zinnbrücken stabilisiert. Um ein einheitliches
Bild aller Verglasungen zu erhalten, mussten
die neuen Lötstellen künstlich patiniert wer-
den. Der Hauptgrund für die Erneuerung der
Verglasungen der wieder hergestellten Felder
war jedoch ein massiver Belag an Oxyden und
Karbonaten auf den Bleiruten, der sich weder
durch biologisch-chemische Lösungen, noch
durch mechanische Mittel entfernen ließ. Es
handelte sich dabei um hochgiftige Bleiweiß-
verbindungen. Nur durch den Ersatz ließ sich
dieses Problem beheben. Ein Ausbau und Ersatz
der bestehenden 3 mm starken Klarverglasung
war nicht generell vorgesehen und wurde nur
bei Glasreparaturen erforderlich. Falls Schei-
ben ausgewechselt werden mussten, durfte für
die innere Scheibe immer nur gezogenes Glas
verwendet werden. Lediglich bei den Fenstern
mit erhöhten thermischen Anforderungen,
das sind alle Fenster im 3. Obergeschoss und
ausgewählte Bereiche im Erdgeschoss, wurden
die inneren Scheiben durch das Sonnenlicht
reflektierende Verbundsicherheitsgläser mit
Infrarot-und Ultraviolettbeschichtung ersetzt.
Zum Leistungsumfang der Tischlerarbeiten am
Rahmen- und Flügelwerk der Fenster gehörten
sowohl das vollständige Entfernen der Altan-
striche an Holz- und Beschlagteilen als auch
die Neubeschichtung mit diffusionsoffenen
Lasuren und eine Sättigung und Festigung der
Rahmen und Fensterflügel mit heißem Halböl.
Die Holzreparaturen umfassten auch die par-
tielle Erneuerung schadhafter Teile durch Er-
satzstücke in gleicher Holzart und Maserung,
die Verleimung abgespalteter Holzpartien und
beschädigter Profile mit wasserfestem Weiß-
leim, den Ersatz der Wetterschenkel durch
Austausch profilgleicher Nachbauten in gut
abgelagertem, luftgetrocknetem Eichenholz
und den Ersatz defekter Zapfen. Die äußere
Bleiverglasung erhielt umlaufend eine neu
profilierte Verleistung.
Bei allen Fenstern war nachträglich vor Ort in
das jeweils unten liegende Rahmenstück ein
zusätzlicher Falz zur Wasserableitung einzu-
fräsen und durch in den Blendrahmen geführte
Bohrungen zu entwässern. Grundsätzlich er-
hielten alle äußeren Rahmen der Verbundfens-
terkonstruktionen kleine Ausfräsungen unten
und oben zur Entspannung des Scheibenzwi-
schenraumes. Die Schlitze sind mit feiner Gaze
gegen das Eindringen von Schmutz und Insek-
ten gesichert. Um künftig schlagregendicht zu
sein, erhielten alle besonders beanspruchten
Fenster eine innere Kunststoffdichtung, die
jedoch nur an drei Seiten ausgeführt wurde.
Damit ist immer noch ein kleiner Anteil an
Fugenlüftung erhalten geblieben. Diese „Un-
dichtigkeit“ der Fenster ist jedoch äußerst
wichtig für das sich über Jahrhunderte einge-
stellte Raumklima.
Ein weiteres Thema war die Sicherung und
Restaurierung der drei zweibahnigen, über
4,70 m hohen Fenster der Schlosskapelle. Die
Ausgestaltung der Kapelle einschließlich der
Fenster gehört nachweislich zur Konzeption der
künstlerischen Ausschmückung der Albrechts-
burg von Wilhelm Rossmann von 1874. Die
Glasmalereien an zwei Fenstern der Kapelle
wurden bis 1878 von der Glasmalerei Türcke
in Zittau geschaffen. Das dritte Fenster wurde
erst 1895 durch die Werkstatt von Alexander
Linnemann hergestellt. Im Fenster NII sind in
den Feldern der 3. Zeile die Propheten Jesaja
und Jeremia, im Fenster SII die Propheten
Daniel und Hesekiel vor Teppichbehängen und
reichem Architekturwerk stehend dargestellt.
Unterhalb der Figuren füllen Wappenschilde
mit dynastischem Bezug zum Haus Wettin die
Flächen. Das Fenster SIII zeigt die „Kleinen Pro-
pheten“ vor Weinlaub und Trauben. Alle drei
Fenster sollten eine neue isothermale Schutz-
verglasung erhalten. Die Glasmalerei hatte
infolge einer in den 1980er Jahren gewählten
Restaurierungsweise gelitten und musste nun
nach den Richtlinien des Corpus Vitrearum
Mediae Aevi (CVMA) erst einmal „entrestau-
riert“ werden. Seinerzeit hatte man versucht,
die Glasmalereien durch eine in den Stein-
falz gestellte Schutzverglasung vor weiteren
Schäden zu bewahren. Die originalen Fenster
hatte man zerteilt und die einzelnen Felder der
Bahnen in massive, viel zu groß dimensionier-
te Winkelstahlrahmen mit Holzverleistungen
eingepasst. Dabei wurden die historischen
Glasfelder „passend“ gemacht: d.h., die als
überflüssig angesehenen seitlichen Rand-
streifen wurden einfach abgeschnitten. Die
Stahlrahmen selbst dübelte man über seit-
lich angebrachte Stahllaschen in die histori-
schen Sandsteingewände. Nicht nur die wenig
denkmalgerechte Präsentation der originalen
Glasmalereien, sondern auch Verfärbungen
(Vergilbungen) bei den damals verwendeten
Kunstharzen, sich ablösende Carnauba-Wachs-
beschichtungen und neue Sprünge und Brüche
der Scheiben machten eine erneute Restaurie-
rung und vor allem fachgerechte Sicherung
der Fenster dringend erforderlich.
Die gewählten Restaurierungsmethoden folg-
ten neuesten wissenschaftlichen Erkenntnis-
sen. Die in Rahmen eingefassten Felder der
Bleiverglasungen und die äußere Verglasung
waren fachgerecht vorsichtig auszubauen.
Bauzeitlich mussten die Fensteröffnungen
mit einfachen Scheiben verschlossen werden.
Die historischen Quereisen waren von Hand
zu entrosten und mit einem Bleimennige-
Anstrichsystem vor Korrosion zu schützen. Am
Fenster SIII waren die Bolzen der Quereisen zu
verlängern, bei den Fenstern SII und NII durch
Anbringen von U-Haltern die konstruktiven
Voraussetzungen zur Aufnahme der geplanten
isothermischen Schutzverglasung zu schaffen.
Die neu einzubauende Außenschutzverglasung
bestand aus einer 4 mm starken Verglasung
aus Verbundsicherheitsglas mit einem histo-
rischen Vorlagen folgenden Rauten-Bleinetz,
die seitlich in den Steinfalz eingesetzt und mit
Trass-Kalkmörteln unter Tierhaarzusätzen ein-
geputzt wurde.
Die originalen Bleiverglasungen mit den Glas-
malereien mussten nach dem Herausnehmen
aus den alten Metallrahmen nach den Festle-
gungen des CVMA restaurieren werden (etwa
durch Erneuerung der Klebungen der Sprünge
durch Verwendung eines geeigneten Klebers,
Abnahme des Epoxidharzüberzuges vom Ge-
sicht des Jesaja in NII, Fixierung des sich ablö-
senden Schutzüberzuges aus Klarlack u.a.m.).
Durch vorsichtiges Erwärmen der Wachsüber-
züge über Heizplatten bzw. Heizspatel konnten
diese partiell „bildsam“ gemacht und wieder
aufgeschmolzen werden. Ein Abnehmen der
Wachse hätte eine Zerstörung der Glasma-
lereien bedeutet, denn an der Rückseite der
Wachse hafteten abgelöste Pigmente der ori-
ginalen Schwarzlotmalereien. Gemäß den Vor-
gaben des CVMA sollten die Glasmalereischei-
ben mittels C-Profilen aus Kupfer neu gerahmt
werden. Seitlich waren Bleiblechstreifen anzu-
löten, um störende Lichtschlitze abzudecken.
Nach Rücktransport in die Kapelle wurden
die Originalverglasungen auf die verlängerten
Stehbolzen bzw. U-Halterungen montiert und
mit neuen Deckschienen mit Keilverschluss be-
festigt. Ein hinreichend großer Abstand oben
und unten sorgt für eine ausreichende Hin-
terlüftung zwischen den beiden Glasebenen,
während das ablaufende Kondenswasser durch
schmale flache Wasserkästen aus Bleiblech auf
der Fensterbank aufgefangen wird. Die nach
innen gesetzten wertvollen Glasmalereien sind
nun durch eine äußere Schutzverglasung dau-
erhaft geschützt.
Oben: Isothermale Schutzverglasung der
Kapellenfenster
Unten: Detail eines Kapellenfensters nach der
Sanierung
Baukonstruktion | Restaurierung der Glasmalereien
Baukonstruktion | Restaurierung der Glasmalereien
Oben: Zweibahniges Fenster im 3. Obergeschoss
Unten: Bestandszeichnung
Rechts: Bleiverglasung mit Rundscheiben

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Die Fassaden der Albrechtsburg erhielten
1965/66 einen neuen Putz und eine neue Farb-
fassung. Um 1991-1994 erfolgte eine umfas-
sende Putzreparatur, bei der die Farbfassung
wiederhergestellt wurde. Im Laufe der Jahre
zeigten die Fassaden eine Vielzahl von Schäden
und Mängeln, hauptsächlich Schäden am Putz
und an der Farbfassung. Die Schäden wurden
langfristig beobachtet. In den vergangenen
Jahren haben sich die Schäden verstärkt. In
einigen Fassadenbereichen waren bereits par-
tielle Putzreparaturen ausgeführt worden.
Zur Beseitigung dieser Schäden waren und
sind umfassende Sanierungsmaßnahmen an
den Fassaden erforderlich wie auch die Erneu-
erung der Farbfassung im Kontext mit der be-
nachbarten Domplatzbebauung. Die Sanierung
erfolgte in einem ersten Schritt auf der Hof-
seite, die talseitigen Fassaden folgen zu einem
späteren Zeitpunkt.
Im April / Mai 2009 wurde zur Erkundung der
Festigkeit des vorhandenen Putzes, der Unter-
grundbeschaffenheit und der Schädigungen
ein Gutachten erstellt.
Die Auswertung dieses Gutachtens ließ erken-
nen, dass das Mauerwerk aus Bruchsteinen
einschließlich des Versetzmörtels zwar stabil,
als Putzgrund jedoch problematisch ist auf-
grund der vorhandenen Reparaturstellen aus
Ziegelsteinen (Zwicker, kleinere Stellen, be-
reichsweise
großflächige
Ausmauerungen).
Das aufgebrachte Putzsystem wies aufgrund
des fehlenden Spritzbewurfes eine verminderte
Untergrundhaftung (Bildung von Hohlstellen)
auf, des Weiteren aufgrund der stark unter-
schiedlichen Putzstärke eine unterschiedliche
Witterungsbeständigkeit (Bildung von Rissen).
Verstärkt wurden diese Mängel durch Feuch-
teschäden: eindringendes Niederschlagswasser
durch Risse, Spritzwasser unter und über vor-
springenden Bauteilen (Gesimsen, Sohlbänken,
Versätzen), aufsteigende Feuchte und Spritz-
wasser im Sockelbereich. Aufgrund der expo-
nierten Lage war die Schädigung durch Wind
und Wetter bereichsweise sehr unterschiedlich.
Die Anstriche der Putzflächen waren spröde,
die der Sandsteinflächen wiesen umfangreiche
Mängel infolge schlechter Untergrundhaftung
auf, insbesondere am Großen Wendelstein.
Hier sind darüber hinaus sandsteineigene Salze
vorhanden, die an den Stellen mit Anstrich-
mängeln an die Oberfläche diffundieren.
Im Juni / Juli 2009 erfolgte die Prüfung aller
Putzflächen hinsichtlich Festigkeit, Untergrund-
haftung, Rissen und andere Schadensbilder.
Folgende Maßnahmen leiteten sich daraus ab:
Putzreparatur gering geschädigter Flächen
am Kleinen Wendelstein und am Großen
Wendelstein bis zum Anschluss an den Dom,
vollständige Putzerneuerung der stark
geschädigten Flächen am Mittelbau und am
Westflügel einschließlich des großen Giebels.
In Abstimmung mit dem Landesamt für Denk-
malpflege ergaben sich zur beabsichtigten
Verfahrensweise doch notwendige Änderun-
gen. Da sich seit den Farbuntersuchungen von
1965 und den Nachuntersuchungen 1991 die
technischen Möglichkeiten der Befundauf-
nahme entscheidend verbessert hatten und
außerdem 1991 nur ein Teil der nach 1965 ver-
bliebenen Putzreste betrachtet werden konnte,
entschloss man sich im Sommer 2009 nach
Entfernung des schadhaften Putzes nochmals
zu Nachuntersuchungen. Diese an der Hoffas-
sade durchgeführten Beobachtungen mach-
ten es erforderlich, das bisherige Bild und die
Erkenntnisse
zur
Fassungsgeschichte
der
Albrechtsburg zu korrigieren.
Es zeigte sich, dass die 1965 wie auch 1991
gefundenen grauen Fassungen doch einer spä-
teren Zeit angehören, vermutlich den Erneue-
rungen der Albrechtsburg im 17. Jahrhundert.
Die Ursprungsfassung des Bauwerkes bestand
aus einer weißen Kalkfassung über einem dün-
nen Putz, der auf einer sehr bewegten Mau-
erwerksoberfläche lag. Die Sandsteinpartien
waren ohne Farbe. Auch die charakteristischen
weißen Fugenstriche gehörten nicht zu dieser
ersten Fassung.
In Auswertung dieser Ergebnisse und in Über-
einstimmung mit dem verfolgten Konzept
untersuchte man, ob man die Fassaden der
Albrechtsburg in der nunmehr exakt zu bele-
genden Erstfassung erscheinen lassen könnte.
Damit hätten sich allerdings schwerwiegende
konservatorische Probleme an den Sandstein-
partien ergeben. Die Versuche, den Sandstein
wieder in seiner natürlichen Farbigkeit erschei-
nen zu lassen, führten nur um den Preis größe-
rer Verluste an seinen originalen Oberflächen
zum Erfolg. So hat man sich schließlich dazu
entschieden, das bisherige Erscheinungsbild
der Albrechtsburg nur zu erneuern, also ähn-
lich zu verfahren wie nach 1991.
Somit präsentiert sich das Bauwerk in einer
Farbigkeit, welche einer Interpretation des
17. Jahrhunderts entspringt, grundsätzlich
aber auch einen hell wirkenden Baukörper
meint. Die durch unterschiedliche Verwitte-
rung und Zerstörung unansehnlich geworde-
nen Sandsteinteile hatte man, dem Zeitgeist
entsprechend, durch eine graue, wohl das
Aussehen des Steines imitierende Farbe mit
Fugenstrichen kaschiert. Diese Farbfassung
steht aber keinesfalls für eine barocke Neuin-
szenierung der Albrechtsburg, sie zeigt vielmehr
das Bekenntnis zur Tradition und versucht die
Wahrung der Kontinuität im Erscheinungsbild
dieses für die sächsische Geschichte und die
Wettiner so bedeutsamen Bauwerkes. Letzt-
Die Fassade – Maßnahme
Jens-Uwe Anwand und Dr. Steffen Delang
Baukonstruktion | Die Fassade – Maßnahme
Baukonstruktion | Die Fassade – Maßnahme
Sanierung der Fassaden am Mittelbau
und am Großen Wendelstein
Oben: Westansicht der Fassade
Unten: Wappenhalter am Westgiebel

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lich wollten Kurfürst Johann Georg I. und
sein Sohn bei den Erneuerungsarbeiten nach
den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges
kein neues oder modernisiertes Schloss, man
wollte das Herrschaftssymbol der Vorväter nur
reparieren und in jenes Aussehen versetzen,
das – wie man glaubte – es einst gehabt haben
müsse. Insofern bedeutet die notwendige Kor-
rektur keine grundsätzliche Abkehr vom denk-
malpflegerischen Ziel.
Die verfolgte Präsentation der Albrechtsburg
in ihrer spätgotischen Erscheinung war nicht
erreichbar, war aber bereits nach Abschluss der
Erneuerungsarbeiten 1971 nicht erreicht wor-
den, weil der ermittelte Befund damals nicht
präziser bestimmbar war und irrtümlicher-
weise für die Erstfassung gehalten wurde. Wir
haben jedoch ein Abbild des Bauwerkes aus
dem 17. Jahrhundert gewonnen, das eben-
so das ursprüngliche Bild meint und sich auf
dieses bezieht.
Weiter wurde festgelegt, dass der neue Putz die
Struktur des spätgotischen Putzes aufweisen
und zur Annäherung an das spätgotische Er-
scheinungsbild stein- bzw. wandfolgend aufge-
bracht werden sollte. Der Putzaufbau selbst sollte
als zeitgemäßes Kalkputzsystem mit geringen
Zementanteilen ausgeführt werden – mit Putz-
deckung der Steine und nur partiell mit dünn-
schichtigen Anschlüssen an die Werksteine.
Weitere Prämissen waren die Putzzusammen-
setzung nach Sieblinie und Korngrößenvertei-
lung der Befunduntersuchung, der Putzauftrag
durch Anwerfen und Abziehen mit der Kelle
von Hand, die wandfolgende Ausführung mit
lebendigem Erscheinungsbild durch kurze un-
gleichmäßige Kellenzüge mit verschiedenen
Richtungen sowie eine angemessene Rauheit
der Oberfläche. Anhand von Probeflächen wur-
den Varianten der Ausführung geprüft.
Der zeitaufwändige Wechsel zwischen Probe-
flächen, Abstimmungen, Festlegungen wei-
terer Schritte bis zum gültigen Ergebnis
erforderte untersuchungsparalleles Beginnen
unstrittiger Leistungen sowie abschnittsweises
Arbeiten: Der Bereich Mittelbau zwischen den
Wendelsteinen war der erste Abschnitt, zeit-
gleich erfolgte die Putzreparatur am Großen
Wendelstein bis zum Anschluss an den Dom.
Unstrittige Arbeiten waren die Instandsetzung
des Putzgrundes durch Auszwicken größe-
rer Schad- und Fehlstellen im Mauerwerk,
Schließen der Fugen und Sanierung der Risse
sowie der Abgleich zu starker Unebenheiten
mit Trasskalkmörtel. Danach folgte nach dem
Spritzbewurf das Auftragen des Unterputzes
im Kalkzementputzsystem wandfolgend in
nahezu gleichmäßiger Stärke, im Sockelbereich
als mehrlagiger Sanierputz. Nur bei beson-
ders problematischen Putzgründen wurde ein
Armierungsgewebe in die Oberseite des Unter-
putzes eingebettet.
Nach Festlegung der auszuführenden Putz-
und Farbfassung begannen die noch ausste-
henden Oberputzarbeiten: Das Auftragen des
Oberputzes erfolgte wandfolgend in nahezu
gleichmäßiger Stärke, die Oberfläche wurde
entsprechend der festgelegten Probeflächen
als Rapputz ausgeführt, d.h. mit der Kelle abge-
zogen. Die Putzflächen sind an die Werksteine
aus Sandstein und an die Kappleisten der Ab-
deckungen aus Walzblei bündig angearbeitet,
die umlaufenden Putzfaschen um die Gewände
der Vorhangbogenfenster wurden als erhaben
stehende glatte Zierfaschen mit Pfeilspitzen
an den Vorhangbögen als Imitation der Werks-
fläche ausgeführt.
Die Werksteinoberflächen wurden von Ver-
schmutzungen, Algen und Moosen gereinigt.
Fest haftende Anstriche blieben jedoch erhal-
ten, ebenso festsitzende Zementergänzungen.
Größere Schad- und Fehlstellen wurden in
Vierungstechnik, kleinere Stellen mit Restau-
riermörtel
bestandsidentisch
geschlossen,
offene und schadhafte Fugen erhielten eine
Füllung mit einem mineralischen Fugenmörtel,
vorspringende Gesimse wurden mit Walzblei
abgedeckt. Die Ausnahme sind hier die Relief-
platten des Großen Wendelsteines: Seit der
Restaurierung der Reliefplatten in den 1990er
Jahren (Austausch einzelner Platten durch
Kopien, Abnahme der Ölfarben des 19. Jahr-
hunderts, Auftrag neuer Beschichtung, stein-
graue Lasur als Opferschicht, ist eine erneute
Schadensentwicklung zu beobachten. Es zeigen
sich partielle bis flächige Salzausblühungen
teilweise mit Steinschädigung, insbesondere
auf der besonnten Seite. Für diese Reliefplatten
wurde vom Gerüst eine Bestandsaufnahme der
Schäden in Verbindung mit einer Restaurie-
rungskonzeption erstellt. Nach dieser Konzep-
tion sind die Maßnahmen zu einem späteren
Zeitpunkt vorgesehen.
Nach den erforderlichen Standzeiten der ferti-
gen Putzflächen erfolgte die Beschichtung mit
einem Sol-Silikat-Beschichtungssystem. Die
Werksteinoberflächen erhielten eine zusätzli-
che Grundierung mit Silangrund als Unterhyd-
rophobierung zur Verhinderung der Kristallisa-
tion der im Sandstein vorhandenen natürlichen
Salze, die während der Austrocknungsprozesse
infolge natürlicher Bewitterung entstehen.
Baukonstruktion | Die Fassade – Maßnahme
Oben: Beschichtungsarbeiten am
Großen Wendelstein
Unten: Reliefplatte am Großen Wendelstein
Rechte Seite: Wasserspeiher am Großen
Wendelstein

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Projektbeteiligte
Fakten | Projektbeteiligte
Fakten | Projektbeteiligte
BAUHERR
Freistaat Sachsen
Sächsisches Staatsministerium
der Finanzen
Staatsminister der Finanzen
Prof. Dr. Georg Unland
Abteilungsleiter Landesvermögen und
Staatshochbau N.N.
Staatsbetrieb Sächsisches
Immobilien- und Baumanagement (SIB)
Geschäftsführer Prof. Dieter Janosch
Unternehmensbereich
Planungs- und Baumanagement
Unternehmensbereichsleiter
Volker Kylau
Niederlassung Dresden 1
Niederlassungsleiter LBD Ludwig Coulin
Projektleitung
LBD Ludwig Coulin, BD Christa Röthle
Matthias Butze
Prüfbeauftragte
Kathrin Schubert
Technik
Dr. Volker Fischer, Volker Mitschke, Klaus Rompe,
Jürgen Zitzelsberger, Veit Seidel, Jörg Schaus
Ingenieurbau
Werner Proske, Angela Böhme
PLANUNGSBÜROS
Albrechtsburg
Architektur Gesamtgebäude
Jens-Uwe Anwand, Büro für Architekturplanung und Denkmalpflege,
Dresden .
Architektur Entree
Raum und Bau Architekten, Dresden .
Lichtplanung Entree
Arbeitsgemeinschaft
Lichtraum Sabine Soeder, Dresden und Conceptlicht Traunreut .
Architektur Aufzug
dd1 Architekten, Dresden
Architektur Ausstellungsgestaltung und Lichtplanung für Museumsräume
Gerhards & Glücker Architekten und
Designer, Berlin .
Architektur Gr. Wendelstein
Architekturbüro Donath, Wilsdruff .
Ausführungsplanung/Bau-
überwachung Dachsanierung und Decke über 3. OG und Bauüberwachung Fenstersanierung
Architekturbüro
Donath, Wilsdruff .
Bauüberwachung Entree und Aufzug
P + P Schwarzenberger, Dresden .
Bauphysik Gebäude
Dr.-Ing. Henning Löber, Dresden .
Planung und Leitung Restaurierung Wandbilder
Susanne Launer, Dresden
Tragwerksplanung
Engelbach und Partner, Dresden .
Holzschutzgutachten
. Ingenieurbüro für Bauwerksdiagnose Wolf-
ram Knobel, Chemnitz .
Vermessung
Jan Herrmannek, Dresden .
Planung Elektrotechnik
ETB Kießling GmbH, Meißen
Planung Sicherheitstechnik
Militzer und Pieper, Dresden .
Planung HLS
Ing.-büro Meisel, Meißen .
Planung Aufzug
IB Petzold und Partner, Dresden .
Sicherheitskoordinator
Bauberatung Leubnitz, Dresden .
Projektsteuerung, Kosten
und Termine
Bauconzept Ingenieure Architekten GmbH, Dresden .
Denkmalpflege
Landesamt für Denkmalpflege
Sachsen, Dresden .
Domplatz
Planung Verkehrsanlagen/Freianlagen
Lohrer.Hochrein Landschaftsarchitekten,
München
Bauüberwachung
Arnold Consult AG, Meißen .
Tragwerksplanung
Engelbach und Partner, Dresden
Archäologie
Landesamt für Archäologie, Dresden .
Planung Wasserhaushalt
Geomontan, Großschirma .
Vermessung
Jan Herrmannek, Dresden .
Planung Elektrotechnik
ETB Kießling GmbH, Meißen .
Planung Wasserversorgung und
Abwasseranlagen
Arnold Consult AG, Meißen .
Rundweg und Wegeführung am Burgberg
Planung und Bauüber-
wachung Rundweg
GMG Ing.- GmbH, Dresden .
Planung Entwässerung Verkehrsbau Rundweg .
GKW Ingenieure,
Dresden .
Planung Wegeführung Meisatal
Freiraumplanung mit System, Dresden
AUSFÜHRENDE FIRMEN
Bauhauptleistungen
Neue Bau Lockwitzgrund GmbH, Dresden .
Schwammsanierung
DEBAS GmbH, Plauen
Restaurierung Holzböden
Kreativ Innenausbau GmbH, Brand-Erbisdorf ST Langenau .
Gewölbesanierung
SchneiderBau, Dresden .
Gerüstbau
Söll GmbH, Jahnsdorf .
Gerüstbau
BSB Bau- und Spezialgerüstbau, Schmölln
Fenstersanierung
Uwe Schott Tischlermeister, Burgstädt .
Bleiverglasungen
Glaskunst Buhlig, Schwarzenberg
Steinsanierung Fenster
Kunz Bau- und Denkmalpflege, Lichtenstein .
Elektroinstallationen
Elektro Dresden-West
GmbH, Dresden .
Elektroinstallationen
Elektro-Bau Kusche, Lommatzsch .
Sicherheitstechnik
SINA GmbH, Dresden
Heizungsanlagen
HOR-Wärme GmbH, Triebischtal .
MSR-Technik
Johnson Controls Systems und Service GmbH,
Leipzig .
Aufzugsanlage
ORBA, Reichenbach/Vogtland
Natursteinarbeiten
H. Witschel, Großenhain .
Naturstein-
arbeiten
Volker Schulze, Dürrröhrsdorf-Dittersbach .
Bauhauptleistungen
Neue Bau Lockwitzgrund GmbH, Dresden
und Bau Dresden Gruna, Dresden .
Zimmerer- und Holzbauarbeiten
Zimmereihandwerk „Aufbau“ GmbH, Chemnitz
Dekontaminierung
BHD GmbH Bautenschutz, Dresden .
Schwammsanierungen
Bennert GmbH, Hopfgarten
Rohbau- und Putzarbeiten
. Baugeschäft Illgen, Riesa .
Dachdeckerarbeiten
Elsner Dachdecker GmbH, Grimma
Klempnerarbeiten
Uwe Pawlak, Dresden und Boehme, Dresden .
Steinmetzarbeiten
Tobias Neubert, Halsbrücke
Bleiverglasungen
Volker Kutzner, Leipzig .
Restaurierung Türen
O. Ehrhardt, Dresden .
Gerüstarbeiten
Firma Raetz,
NL Sachsen, Hochkirch .
Fassadenputz
Bau-Hauf, Coswig .
Sanitär/Heizung
Tankanlagen und Wassertechnik, Zehren
Lüftung
Kluge Klima-Filtertechnik, Dresden .
Fliesen und Platten
Vogt Naturstein und Denkmalpflege, Roitschen
Restaurierungsarbeiten Fliesen
J. Weigel, Chemnitz .
Verblechungen
Mühlhans, Dresden .
Malerarbeiten
Löwen-
Restaurierung, Flöha .
Parkettrestaurierung
Parkett Kleditzsch, Pockau .
Restaurierung Dielung und Parkett
Steffi
Flade, Semmelsberg .
Restaurierung Leistungen Schlosser
M. Beier, Meißen .
Malerarbeiten
Jens Müller, Burkau/OT
Jiedlitz .
Stahl-Glas-Portal
MBM Metallbau Dresden GmbH, Dresden .
Estricharbeiten
Tittmann-Fußböden-Sprotta
GmbH, Doberschütz/OT Sprotta .
Tischlerarbeiten
Wolfgang Brendel, Meißen .
Putzarbeiten
Raue Bauunternehmung
GmbH, Käbschütztal .
Tischlerarbeiten
Tischlerei Engelstädter Matthias Fischer, Dresden .
Museumsterrazzo
Leon-
hard Weiss Fußbodentechnik, Göppingen .
Tischlerarbeiten Innenausbau
Hofmann & Großmann GmbH, Ottendorf-
Okrilla .
Porzellantafeln
Staatliche Porzellanmanufaktur Meissen GmbH, Meißen .
Treppenhubtische
Mettenmeyer
GmbH & Co. KG, Geseke .
Spezialsicherungen
Stump Spezialtiefbau GmbH, Chemnitz; Pressbau Erfurt GmbH, Erfurt
und Spesa GmbH, Schrobenhausen .
Bauhauptleistungen und Schlosserarbeiten
Fuchs und Girke, Ottendorf-Okrilla
Malerarbeiten
Schmalhofer KG, Dresden .
Metallbauarbeiten
Metallbau Göbel GmbH, Glashütte .
Restaurierung
Wandmalereien
Susanne Launer, Dresden .
Restauratorische Untersuchungen
Restauratoren E. Schirmer und
O. Ander, Dresden und Restaurator Gunter Preuß, Klipphausen .
Restaurierung Glasmalereien Kapelle
Glasmalerei
Fred Krönke, Dresden .
Präsentationselemente Vitrinen
Barth Innenausbau KG, Brixen/Bressanone Italien .
Grafik-
produktion
Eicher Werkstätten GmbH & Co. KG, Kernen im Remstal .
Hardware für Ausstellung
cat-x exhibitions
Prix KG, Wien Österreich .
Leuchten
Metallkonstruktionen Birke GmbH, Pegau; LMT GmbH, Hilpoltstein; Lichtbau
Ch. Schneider-Moll, Berlin; Lichtfabrik Halotech, Innsbruck Österreich .
Wegebau Rundweg
Baufirma Günter Otto,
Stauchitz .
Pflasterarbeiten Domplatz
Rüdiger Paatz, Dresden .
Tiefbauarbeiten Domplatz
Plambeck ContraCon
GmbH, Meißen
GEBäUDEDATEN
DER ALBRECHTSBURG
Nutzfläche
6.366 m
2
davon Ausstellungsfläche
5.140 m
2
Technische Funktionsfläche
147 m
2
Verkehrsfläche
857 m
2
Nettogeschossfläche
7.370 m
2
Bruttogeschossfläche
11.307 m
2
Bruttorauminhalt
84.874 m
3
Gesamtbaukosten
26 Millionen Euro
(1993 bis 2011)
BAUKOMMISSION
Leiterin der Baukommission
BD Elke Mühlbauer
Staatsbetrieb SIB Zentrale
Teilnehmer der Baukommission
Bettina Gabriel, Torsten Wolle
Staatsbetrieb SIB Zentrale
Claudia Geck, Anja Kahl
Sächsisches Staatsministerium der Finanzen
LBD Ludwig Coulin, BD Christa Röthle,
Werner Proske, Matthias Butze
SIB Niederlassung Dresden I
Dr. Christian Striefler, BD Peter Dietz
Sylvia Wagner, Dr. Simona Schellenberger
Staatsbetrieb Staatliche Schlösser,
Burgen und Gärten Sachsen, Zentrale
Uwe Michel, Peter Math
Staatlicher Schlossbetrieb
Albrechtsburg Meissen
Dr. Steffen Delang, Christine Kelm
Landesamt für Denkmalpflege Sachsen
Steffen Wackwitz
Stadt Meißen
Baukommission - von links oben nach rechts unten:
Werner Proske, Dr. Steffen Delang,
Dr. Christian Striefler, Peter Math, Bettina Gabriel,
Christine Kelm, Peter Dietz, Torsten Wolle,
Matthias Butze, Claudia Geck, Christa Röthle,
Dr. Simona Schellenberger, Uwe Michel,
Anja Kahl, Elke Mühlbauer

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| 71
LITERATURNACHWEIS
Wanckel, Otto und Gurlitt, Cornelius:
Die Albrechtsburg zu Meißen.
Dresden 1895.
Gurlitt, Cornelius:
Beschreibende Darstellung der älteren Bau
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Mrusek, Hans-Joachim (Hrsg.):
Die Albrechtsburg zu Meißen.
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Czeczot, Ursula:
Die Meißner Albrechtsburg.
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Albrechtsburg Meißen. Ursprung und
Zeugnis sächsischer Geschichte.
Halle 1997.
Donath, Günter:
Baubericht zu den Arbeiten an der
Albrechtsburg in den Jahren 2002 bis
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In: Monumenta Misnensia. Jahrbuch für Dom
und Albrechtsburg zu Meißen 6 (2003/2004),
S. 182–191 und 7 (2005/2006), S. 209–221
Grotegut, Einhart:
„Verschütteter“ und „Tiefer Keller“.
Bauhistorische Untersuchungen im
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In: Jahrbuch der Staatlichen Schlösser, Burgen
und Gärten Sachsen 13 (2005), S. 57–63.
Vötsch, Jochen:
Die Albrechtsburg in Meißen im Spiegel der
kursächsischen zentralen Finanzverwaltung
1549 bis 1750.
In: Monumenta Misnensia. Jahrbuch für Dom
und Albrechtsburg zu Meißen 7 (2005/2006),
S. 168–173.
Wittig, Martin:
Die Bautätigkeiten Markgraf Wilhelms I. von
Meißen im 14. und 15. Jahrhundert auf dem
Burgberg zu Meißen.
In: Monumenta Misnensia. Jahrbuch für Dom
und Albrechtsburg zu Meißen 8 (2007/2008),
S. 196–202.
Donath, Günter und Donath, Matthias:
Der Große Wendelstein der Meißner
Albrechtsburg.
Ergebnisse der bau- und kunsthistorischen
Forschung.
In: Monumenta Misnensia. Jahrbuch für Dom
und Albrechtsburg zu Meißen 8 (2007/2008),
S. 203–224.
Eckoldt, Bernd:
Die statisch-konstruktive Sicherung des
Westgiebels der Meißner Albrechtsburg.
In: Monumenta Misnensia. Jahrbuch für Dom
und Albrechtsburg zu Meißen 8 (2007/2008),
S. 239–243.
Fakten | Literatur- und Bildnachweis
Quellennachweis
BILDNACHWEIS
Rainer Böhme, Dresden
Titelbild, 7. + 8. Umschlagseiten
Seite 2, 4, 8, 16, 23–29, 31–33, 36–49, 51,
54, 55, 60, 61, 63–67, 70
Lars-Olaf Schmidt, dd1 architekten
Plan 2. Umschlagseite
Jens-Uwe Anwand, Dresden
3.– 6. Umschlagseite
Frank Helms, Dresden Seite 22 und 23
SLUB/Deutsche Fotothek
Seite 13 Kupferstich von Christian Gottlieb
Werner Nr.180 878
Seite 18 Ansicht der Albrechtsburg mit Garten
vor dem Verbinderbau 1922 DF 305 646
Ansicht des Domes nach der Umgestaltung
nach 1870 DF: SLUB 235 874
Seite 19 Plan des Domplatzes von 1839/40,
F.C. Pressler Nr. 107 471
Schlösserland Sachsen – Albrechtsburg Meissen
Seite 14 Radierung von Alt, 1835
Ursula Hochrein, München Seite 17
Landesamt für Archäologie (LfA) Dresden
Seite 20 Bild mit Funden, Ursula Wohmann,
Daniela Gräf
Seite 21 Brennofenfundament, Daniela Gräf
Plan Burgberg Meißen, Daniela Görtz,
Arne Schmidt-Hecklau, Daniela Gräf
Boris Harbaum, Dresden Seite 30 und 31
Jörg Schöner, Dresden Seite 34 und 52
Günter Donath, Wilsdruff
Seite 35, 53–55, 62, 63
Christian Gahl, Berlin Seite 36
Andreas Glücker, Berlin Seite 50
Bernd Eckoldt, Dresden Seite 56–59
Glasmalerei Fred Krönke, Dresden Seite 62
SIB Seite 68