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Sachbericht Gedenkwochenende „Hoyerswerda 91: Erinnerungen –
Einsichten
– Perspektiven“
Vom 17.09. bis zum 19.9.21 wurde ein vielseitiges Programm kreiert, um auf die
pogromartigen Ausschreitungen vor dreißig Jahren in Hoyerswerda aufmerksam zu machen
und
unterschiedlichste
Zielgruppen
anzusprechen. Los ging es bereits am
13.09.
mit
der
im
Lausitzcenter
aufgebauten Ausstellung
„Wir waren
Kollegen“, die Portraits ehemaliger
Vertragsarbeiter*innen aus Hoyerswerda
darstellt, auf ihr damaliges Leben in der
DDR zurückblickt und einen Eindruck ihrer
heutigen Lebensumstände vermittelt. Wir
danken recht herzlich dem Fotografen
Aghi und der Journalistin Julia Oelkers für
die Ausarbeitung und freuen uns, die
Ausstellung im nächsten Jahr an einem
anderen Ort zeigen zu können. Im
Lausitzcenter besuchten ca. 5 Personen
pro Stunde (18*50 pro Tag= 900 Personen
insgesamt) die Ausstellung, die am 17.09.
mit einem Gesprächsrundgang offiziell
eröffnet wurde. Daran nahmen ca. 25
Gäste teil.
Im ersten Obergeschoss der Lausitzhalle
wurde am gesamten Wochenende die
bestehende Ausstellung
„Hoyerswerda
1991“
gezeigt, die die Ereignisse im
September
1991
in
Hoyerswerda
detailgetreu beschreibt.
Um
17
Uhr
begann
das
erste
Podiumsgespräch in der Lausitzhalle.
Etwa
100
Personen
lauschten
den
Redebeiträgen
von
Anetta
Kahane,
Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung,
Geert Mackenroth (Ausländerbeauftragter
des Freistaates Sachsen) und von Dr.
Löffle
r,
Leiter
der
sächsischen
Landeszentrale für politische Bildung.
Daneben sprachen Vertreter*innen aus
Rostock,
Mölln
und
Solingen
über
(kommunale)
Erinnerungskultur,
Betroffenenperspektiven
und
Zukunftswünsche.

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Am Samstag startete das Gedenken mit einem criticial walk um 11:30 Uhr durch die Stadt. An
verschiedenen
Stationen
wurde
Halt
gemacht, u.a. am Polizeirevier und am
Denkmal, und es kamen unterschiedliche
Menschen zu Wort, die kritisch auf die
Ereignisse und Reaktionen zurückblickten.
Auch Betroffenen (rechtsextremer Gewalt)
wurde gedacht. Circa 140 Personen
nahmen am Mahngang teil.
Um 15.00 Uhr fand das Podiumsgespräch:
»Das war schön und am Ende schlimm«
Vertragsarbeit in der DDR mit ca. 35
Teilnehmenden statt. Neben zwei kurzen Filmvorführungen berichteten Phương Thanh Nguyễn
und Phương Thúy Nguyễn über ihre Eltern(generation), vietnamesische Vertragsarbeitende.
Moderiert durch Dr. Grit Lemke kamen ebenfalls David Macou (Entsandter der sog.
Madgermanes aus Maputo/Mosambik) und Julia Oelkers zu Wort.
Um 17 Uhr schloss sich die offizielle Gedenkveranstaltung an, an welcher ca. 60 Personen
teilnahmen. Zu Beginn wurde der Film „1991“ von Falk Hoysack gezeigt, der eine künstlerische
Auseinandersetzung mit den Geschehnissen von 1991 in Hoyerswerda darstellt. Anschließend
wechselten sich Oberbürgermeister Ruban-Zeh und David Macou mit Redebeiträgen zum
damals Erlebten, zur aufrichtigen Anteilnahme und Zukunftswünschen ab. Anschließend gab
es noch einen offiziellen Pressetermin beider Vertreter am Denkmal.
19 Uhr lud Pfarrer Jörg Michel zur
Podiumsdiskussion »Das habe ich
nicht gewusst…« –
Die Verarbeitung
der
Ereignisse
von
1991
in
Hoyerswerda.
Erste
Podiumsgäste
waren der Historiker und Stadtrat Dr.
Christoph Wowtscherk, die beiden
Stadträte Ralph Haenel und Frank
Hirche sowie ein Mitglied der ehem.
Initiative
Pogrom
91,
welcher
krankheitsbedingt seinen Vater zur
Vertretung
schickte.
Anschließend
wurde die Runde geöffnet und das
Publikum konnte Fragen stellen und Meinungen äußern. Mit ca. 35 Gästen kamen viele neue
Informationen und Perspektiven „an den Tisch“.
Auch der Sonntag beinhaltete verschiedene Formate zum Austausch und Perspektivwechsel.
Um 9:30
Uhr lud Pfarrer Michel zum Gottesdienst „Meins Bruders Hüter sein“ ins
Martin-Luther-
King Haus. 31 Gäste nahmen daran teil. Thematisiert wurde u.a. der Blick auf Nächstenliebe
in den verschiedenen Religionen; die Kollekte wurde gesammelt für die nach Mosambik
zurückgekehrten ehemaligen Vertragsarbeiter*innen.
Um 11 Uhr sowie um 19 Uhr fanden die jeweils ausgebuchte Buchpremiere inkl. szenischer
Lesung von
Dr. Grit Lemke´s „Kinder von Hoy. Freiheit, Glück und Terror“
mit jeweils 90
Teilnehmenden statt. Sehr plastisch wurden das Leben in der wachsenden zweiten
sozialistischen Wohnstadt, aber auch die Septemberereignisse durch Interviews mit

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verschiedenen
Bürger*innen
beschrieben. In der ersten Lesung
haben viele für das Buch Interviewte
ihre Aussagen selbst vorgetragen,
so auch David Macou.
Um
15
Uhr
ging
es
im
Gesprächsnachmittag »Anders sein
Damals wie heute? Erinnern aus
migrantischer Perspektive« um die
Sichtweisen von Migrant*innen auf
die
Ereignisse
von
1991,
Rassismuserfahrungen
und
Zukunftsperspektiven.
Veranstalter*innen
waren
das
Kulturbüro Sachsen e.V., Da Most, KOMMIT und Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen e.V.
Außerdem berichtete Lydia Lierke von ihr zugetragenen Erfahrungen, die sie im Buch „Erinnern
stören: Der Mauerfall aus
migrantischer und jüdischer
Perspektive“
zusammenfasste.
Eter
Hachmann
moderierte;
Gäste
waren
Hamida
Taamiri (KOMMIT Bautzen),
Natalia
Dies
(KOMMIT
Bautzen), Douha Al-Fayyad
(TU
Dresden),
Danny
Kretschmer (Student); ca. 20
Personen lauschten den Ausführungen gespannt und wurden ermuntert, Fragen zu stellen.
Die
Veranstalter*innen
blicken
auf
ein
qualitativ
hochwertiges
und
vielseitig
perspektivöffnendes Wochenende mit tollen Gästen, Redebeiträgen und einer angemessenen
Diskussionskultur zurück. Sie schätzen ein, dass das Hauptziel, ein öffentliches Bewusstsein
für eine noch zu stärkende lokale Erinnerungskultur hervorzubringen, entstanden ist bei den
Teilnehmenden. Alllerdings erhofften sie sich auch mehr Teilnehmende. Insgesamt haben sich
über 1500 Personen mit den Ereignissen von 1991 auseinandergesetzt. Ein erster Impuls in
Richtung
„Betroffenenperspektive
einnehmen“
konnte
gesetzt
werden;
weitere
Veranstaltungen werden folgen, um der Thematik nachhaltig gerecht zu werden. Sehr positiv
ist die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteur*innen mit der Stadtverwaltung zu bewerten,
die auch über das Gedenkwochenende hinaus fortbestehen bleibt. Erste Schwerpunkte zur
weiteren Zusammenarbeit werden die Dokumentation des Wochenendes, ein Spendenaufruf
für die Madgermanes in Mosambik und die Planung der folgenden Gedenktage sein.

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Broschüre mit Veranstaltungsprogramm
Auch die Lokal- sowie überregionale Presse berichtete intensiv über das Wochenende, ein
Ausschnitt befindet sich im Anhang.
Unseren
Projektpartner*innen,
Unterstützer*innen
und
Fördermittelgeber*innen/
Sponsor*innen danken wir sehr!

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