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Cornelia Schuricht & Sabine Zubrägel (2011)
QUALITÄTSKRITERIEN FÜR ANGEBOTE ZUR GESUNDHEITSFÖRDERUNG AN
SÄCHSISCHEN SCHULEN
EINLEITUNG
Im Rahmen der Strukturierung der Schulischen Gesundheitsförderung in Sachsen wurde die
Landesarbeitsstelle Schule-Jugendhilfe Sachsen e.V. (LSJ) im Jahr 2009 mit der Leitung des
Qualitätszirkels zur Erstellung von Qualitätskriterien für Angebote zur Gesundheitsförderung
an Schulen im Auftrag des Sächsischen Ministeriums für Kultus und Sport (SMK) übertragen.
Alle wichtigen Akteure und Kompetenzen, einschließlich der schulischen, die in diesem
Bereich in Sachsen tätig sind, sind in diesem Zirkel vertreten. Folgende Institutionen arbeiten
im Qualitätszirkel mit:
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Universitäts KrebsCentrum Dresden; Fachstelle für
Suchtprävention SLS e.V.; Sächsische Landesärztekammer (Präventionsausschuss);
Kinder- und Jugendärztlicher Dienst Landeshauptstadt Dresden; Unfallkasse Sachsen;
Sächsische Landesvereinigung für Gesundheitsförderung e.V. (SLfG); Gemeinschaftsschule
Oederan; Heisenberggymnasium Leipzig; Technische Universität Dresden, Institut für
Pädagogische Psychologie und Entwicklungspsychologie; Deutsche Gesellschaft für
Ernährung e.V., Sektion Sachsen; Vernetzungsstelle für Kita- und Schulverpflegung.
Aussagen zur Qualität von Schulischer Gesundheitsförderung
müssen heutzutage
einen ganzheitlichen Zugang auf unterschiedlichen Handlungsebenen haben. Die
vorliegende Arbeit konzentriert sich auf die projekt- und angebotsbezogene Ebene.
Qualität von Angeboten zur Schulischen Gesundheitsförderung ist nicht erst seit der Vielzahl
von Anbietern und Projekten ein berechtigtes Anliegen. Die Schwierigkeit einer klaren
Definition liegt auch darin, dass Qualität von allen Akteuren und Beteiligten immer wieder
anders definiert wird.
Die Verständigung über eine einheitlichere Betrachtung von Qualität und deren Indikatoren
würde also helfen, die Kommunikation zwischen allen Beteiligten zu verbessern, die internen
und
auch
organisatorischen
Verbindlichkeiten
und
Inhalte
der
schulischen
Gesundheitsförderung immer auch bezogen auf Lehrplaninhalte besser umzusetzen. Die
Qualitätskriterien
für
Angebote
zur
Gesundheitsförderung
beschreiben,
wie
ein
Projekt/Angebot beschaffen sein muss, um den Anforderungen einer qualitativ hochwertigen
Schulischen Gesundheitsförderung gerecht zu werden.

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Zweck
Die Kriterien sollen allen an Schule Beteiligten ermöglichen, sich an klar formulierten
Anhaltspunkten zur Qualität von Angeboten und
Maßnahmen der Schulischen
Gesundheitsförderung zu orientieren. Des Weiteren können die Qualitätskriterien als
inhaltlicher Referenzrahmen und somit als Planungsinstrument für das schulinterne
Qualitätsmanagement sowie für die Sicherung und Weiterentwicklung ihrer Aktivitäten der
Schulischen Gesundheitsförderung verwendet werden.
Konkret sollen die Qualitätskriterien alle Beteiligten in der Schulischen Gesundheitsförderung
(Lehrerkollegien, Schulleitungen und Anbieter von Projekten) unterstützen, die richtigen
Angebote, Projekt- und Angebotsinhalte und Vorgehensweisen auszuwählen und
transparent
zu
kommunizieren.
Weiterhin
ermöglicht
die
Orientierung
an
den
Qualitätskriterien
eine
möglichst
einfache
Handhabung,
altersspezifische
Einsatzmöglichkeiten und eine hohe Anpassbarkeit an individuelle Rahmenbedingungen.
Die durch den Qualitätszirkel erarbeiteten Instrumente wie die Kernziele und später
hinzukommende Checklisten sollen durch ihre Anwendung und Umsetzung (Vereinfachung
der Arbeit der Schulen bei der Beurteilung von angebotenen Projekten und bei der
Konzeption eigener Projekte) zu einer höheren Verbindlichkeit nach Innen und Außen
beitragen.
Basis der Qualitätskriterien
Als erste Voraussetzung für die Arbeit an den Qualitätskriterien wurden gemeinsame bzw.
einheitliche Begriffsdefinitionen für diesen Bereich festgelegt und damit die Basis für eine
klare Qualitätsdiskussion geschaffen. Als Grundlage für eine fundierte und sich ganzheitlich
am Schüler orientierende Gesundheitsförderung wurde der Kompetenzansatz und die
salutogenetische Perspektive gewählt. Durch die neuen kompetenzorientierten Kriterien und
Kernziele soll versucht werden, die Qualität von projekt- und angebotsorientierter
Gesundheitsförderung
durch
die
Formulierung
gemeinsamer
Lernziele
in
allen
Bildungsphasen zu sichern. Die in den Kernzielen formulierten Kompetenzerwartungen
verstehen sich im Kontext eines ganzheitlichen Bildungsanspruches, der nicht nur die
kognitive sondern auch die emotionale und soziale Dimension beinhaltet. Damit soll den
Schülern ein mehrperspektivischer Zugang zur Gesundheitsförderung ermöglicht werden.

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Struktur
Um dem Qualitätsbegriff in der Schulischen Gesundheitsförderung Systematik und
Fassbarkeit zu verleihen, wurden zunächst jene Handlungsfelder definiert und gewichtet, in
denen sich die Qualität von Schulischer Gesundheitsförderung, bezogen auf Angebote und
Projekte, überhaupt zeigen kann. Die folgenden drei Handlungsfelder sind für die Schulische
Gesundheitsförderung in Sachsen relevant:
Ernährungs- und Verbraucherbildung
Bewegung und Sport
Lebenskompetenzen
Die erarbeiteten Qualitätskriterien sind gültig für alle Angebote und Projekte der Schulischen
Gesundheitsförderung und können damit auf alle drei Handlungsfelder bezogen werden.
Sie beschreiben die wichtigsten Anhaltspunkte, welche Qualität ein Angebot oder eine
Maßnahme aufweisen sollte. Es ist klar, dass nicht jedes Angebot immer alle Kriterien
erfüllen kann. Es geht dabei um ein Unterstützungsinstrument, welches den Beteiligten und
den Akteuren jeweils ihre Qualität in den für sie wichtigsten Kriterien zur Orientierung
aufzeigen soll.
Auf der Basis von wissenschaftlichen Grundlagen, Literatur- und Praxisrecherchen in der
Gesundheitsförderung sowie der bereits in Sachsen entwickelten Qualitätskriterien zur
Berufsorientierung haben wir zehn Qualitätskriterien mit zugehörigen Qualitäts- und
Ausschlussmerkmalen, sowie Kernziele in den drei relevanten Handlungsfeldern erarbeitet,
von denen wir überzeugt sind, dass sie bedeutsame und zentrale Aspekte zur Qualität von
Angeboten der Schulischen Gesundheitsförderung beschreiben.
Die Kernziele für die einzelnen Handlungsfelder beschreiben die Kompetenzerwartungen
bzw. die bei den Schülern zu erreichenden Lernziele. Die Verbindung der Kernziele und der
Qualitätskriterien findet sich in der Projektgestaltung wieder. Inhalte und Kernziele sollten
aufeinander abgestimmt sein. Die Projektumsetzung, bzw. die Methoden und die Inhalte
sollten sich in den für das Projekt relevanten Qualitätskriterien wiederfinden.

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Die zehn Qualitätskriterien im Überblick
1. Kompetenzansatz
2. Handlungsorientierung
3. Subjektorientierung
4. Umgang mit Heterogenität
5. Ganzheitliche Persönlichkeitsbildung
6. Lebensweltbezug
7. Zusammenarbeit aller Akteure
8. Prozessorientierung/Einbettung
in
das
Schulprogramm
(Konzeption
zur
Gesundheitsförderung)
9. Transparenz und Partizipation
10. Nachhaltigkeit (bezogen auf Schule)

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Projektidee
Qualitätskriterien
Kompetenzansatz
Handlungsorientierung
Subjektorientierung
Umgang mit Heterogenität
Ganzheitliche Persönlichkeitsbildung
Nachhaltigkeit
Zusammenarbeit aller Akteure
Prozessorientierung
Lebensweltbezug
Transparenz und Partizipation
Prozessorientierung/ Einbettung in das Schulprogramm
HF Lebenskompetenzen
HF EVB
HF Bewegung/Sport
Kernziele
(Lernziele/Kernkompetenzen für das Handlungsfeld)
Projektidee: Projektziele
Teilziele
(Lernziele für das Projekt)
Projektumsetzung
(Projektmethode und Projektinhalt)

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1. Kompetenzansatz
Angebote und Projekte zur Schulischen Gesundheitsförderung sind so zu gestalten, dass
Sach-, Personal- und Sozialkompetenz gleichermaßen gefördert werden. Nur so gelingt der
Aufbau einer umfassenden Handlungskompetenz für die eigene Gesundheit, die
Gesundheitskompetenz
.
Begründung
Nach der WHO-Definition zur „Health-Literacy“ von 1998 wird unter
Gesundheitskompetenz
die Fähigkeit verstanden, situationsangepasste und das heißt immer wieder neuartige, auf
die
Verbesserung/Erhaltung/Wiederherstellung
der
eigenen
Gesundheit
bezogene
Handlungen zu generieren, d.h. sie zu planen, auszuführen und zu kontrollieren.
Eine Teilkompetenz ist die Fähigkeit zur angemessenen Wahrnehmung und Bewertung der
eigenen gesundheitlichen Situation. Eine zweite Teilkompetenz ist die Fähigkeit und
Bereitschaft, die eigene Situation zielgerichtet und schrittweise auf eine höhere Qualität der
Gesundheit zu verändern (vgl. Tramm und Rebmann 1999).
Diese Definition steht im Einklang mit dem Kompetenzmodell nach Roth (Roth 1971).
Dabei bezeichnet der Begriff der Sachkompetenz das Wissen sowie die allgemeine kognitive
Leistungsfähigkeit des Individuums, basierend auf sacheinsichtigem Denken und Handeln.
Sie umfasst zudem die Methodenkompetenz, also die Fähigkeit und Bereitschaft des
Menschen, bereichsübergreifende Strategien und Methoden anzuwenden. Sozialkompetenz
umfasst sowohl kooperatives und solidarisches als auch kommunikatives Handeln,
wohingegen Selbstkompetenz die Fähigkeit und Bereitschaft zu kritischer und kreativer
Selbstbestimmung bezeichnet.
„Gesundheitskompetenz entsteht nicht in einem isolierten persönlichen Rahmen, sondern in
einem sozialen Kontext“ (vgl. Bundesamt für Gesundheit, Schweiz 2006). Ausgehend vom
Setting-Ansatz ist die Schule, neben anderen Sozialisationsinstanzen wie z.B. die Familie,
der Ort, der für den Erwerb von Gesundheitskompetenz in den Altersstufen 6 bis 18 Jahre
eine bedeutende Rolle spielt. Damit ist Gesundheitsförderung ein grundlegendes
Bildungsthema im Setting Schule.
Beispielhafte Hinweise
Die Angebote und Maßnahmen geben den Schülern die Gelegenheit, Einblicke in
vielfältige Themen der Gesundheitsförderung in allen Handlungsfeldern zu gewinnen.
Beispielsweise
lernen
sie
Informations-
oder
Recherchemöglichkeiten
über
Suchterkrankungen, über deren Ursachen und Möglichkeiten der Vermeidung kennen.

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Sie erlernen die Herstellung verschiedener Speisen oder informieren sich über
Möglichkeiten der sportlichen Betätigung in ihrer Umgebung.
Die Angebote und Maßnahmen erfordern und ermöglichen es den Schülern mit
anderen Menschen zu interagieren.
Die Angebote sind so aufgebaut, dass sie die Schüler herausfordern. Zum Beispiel
lernen sie Verantwortung für ihren Körper zu übernehmen.
Die Angebote sind so zu gestalten, dass alle drei Kompetenzen möglichst gemeinsam
erworben werden können. Sie bieten Möglichkeiten zur Interaktion, beziehen
Erfahrungen der Schüler ein, ermöglichen Wissenserwerb und praktisches Handeln.
Ausschlussmerkmale
Unklare Formulierung der Ziele des Angebots. Es bleibt unklar, was die Schüler genau
lernen sollen.
Fehlende Anleitung von Gruppenarbeiten. Die Schüler erhalten keine Gelegenheit, ihre
sozialen Kompetenzen zielgerichtet weiterzuentwickeln.
Die Aufgabenstellung innerhalb einer Maßnahme stellt für die Schüler eine Über- oder
Unterforderung dar. Sie sind nicht motiviert. Das ist zum Beispiel gegeben, wenn
Themen der Sexualpädagogik die altersmäßige Entwicklung der Schüler nicht
berücksichtigen.
Die
Angebote
zielen
lediglich
auf
die
Weiterentwicklung
eines
einzelnen
Kompetenzbereichs (z.B. der Sachkompetenz) ab, beispielsweise beinhaltet ein
Angebot zur Drogenprävention nur Vorträge von Experten und die Ausgabe von
Materialien an die Schüler.

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2. Handlungsorientierung
Angebote und Projekte zur Gesundheitsförderung gestalten sich handlungsorientiert, indem
sie den Schülern die handelnde Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt ermöglichen. Der
Einsatz von handlungsorientierten Methoden ist (im Unterricht und außerunterrichtlich) so
einzubinden, dass erworbenes Wissen systematisiert, angewendet und gewonnene
Erfahrungen reflektiert werden können.
Begründung
Bei einer Handlung treten Person und Umwelt in ein Wechselwirkungsverhältnis. Das Prinzip
der Handlungsorientierung nimmt diesen Sachverhalt auf und berücksichtigt dabei die
spezifischen Besonderheiten von Person und Umwelt.
Handlungsorientierte Methoden in der Gesundheitsförderung sind gekennzeichnet durch die
Verknüpfung von praktischen Erfahrungen in authentischen Lernumgebungen mit
gesundheitsbezogenen Wissensbeständen und mit gesundheitsbiografischer Reflexion. Der
Wechsel von Abstraktionsebenen trägt zur Flexibilisierung und langfristigen Anwendbarkeit
von Wissen bei. Dadurch wird ein nachhaltiger Kompetenzerwerb gefördert. Die
Handlungsorientierung
ist
somit
notwendige
Bedingung
für
den
Erwerb
von
Gesundheitskompetenz.
Beispielhafte Hinweise
Die Angebote zur Gesundheitsförderung ermöglichen den Schülern praktische
Erfahrungen in authentischen Lernumgebungen. Dies können beispielsweise reale
Betriebe (z.B. obst- und gemüseproduzierende Betriebe), Lehrküchen oder der
Schulzirkus (Bewegung und Sport) oder auch Lernumgebungen, wie sie in
Rollenspielen simuliert werden, sein.
Die handlungsorientierten Methoden (z.B. Rollenspiele, Wettbewerbe, Projekte) stehen
nicht für sich, sondern sind in ein curriculares Gesamtkonzept eingebunden, d.h., sie
werden sowohl als Bestandteil des Unterrichts als auch außerunterrichtlicher Projekte
vor- und nachbereitet. Nur so kann eine umfassende Systematisierung aller
Erkenntnisse und Erfahrungen gelingen.
Das Lernen im Modell (z.B. Rollenspiele, Planspiele) wird genau wie das Lernen in der
Realität (z.B. Exkursionen, Praxisanteile) immer um ein Lernen am Modell bzw. an der
Realität ergänzt.
Die Angebote zur Gesundheitsförderung geben den Schüler die Gelegenheit, ihr
theoretisches Wissen, ihre Neigungen und Interessen in der Realität zu überprüfen.

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Die Angebote ermöglichen eine Verknüpfung der aktuell gewonnenen gesundheits-
bezogenen Erfahrungen mit den individuellen Wünschen, Interessen, Einstellungen
und Entwicklungen in der eigenen Gesundheitsbiografie.
Ausschlussmerkmale
Die Angebote stehen für sich. Es findet keine unterrichtliche Einbettung im Sinne einer
Vor- und Nachbereitung bzw. einer systematischen Aufarbeitung der gewonnenen
Erkenntnisse und Erfahrungen statt.
Die Schüler werden nicht zur Reflexion über ihre in der Realität oder im Modell
gewonnenen Erfahrungen angeregt. Theoretisches Lernen wird nicht mit praktischem
Lernen verbunden und umgekehrt.
Aufgaben/Anforderungen der Angebote können nicht authentisch bearbeitet werden.
Beispielsweise wird keine Teamarbeit zugelassen, oder auf bereits erworbenes Wissen
kann nicht zurückgegriffen werden.
Den Angeboten fehlt Methodenvielfalt.
Die Angebote ermöglichen den Schülern keine, oder nur eine eingeschränkte
handelnde Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt. Der Lernprozess wird nicht
abgeschlossen.

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3. Subjektorientierung
Angebote und Projekte zur Gesundheitsförderung gestalten sich so, dass sie einen
biografischen Bezug ermöglichen und die individuelle Persönlichkeit der Schüler gleichsam
als Ausgangspunkt und Ziel aller Bildungsprozesse im Bereich Gesundheitsförderung
begreifen.
Begründung
Die Gesundheitsbiografie ist immer ein individueller Prozess. Sie beschreibt die
gesundheitliche Entwicklung als Summe der äußeren Einflüsse und der physischen und
psychischen Kondition sowie deren Wechselwirkungen.
Allen Schülern ist die praktische und theoretische Auseinandersetzung mit der eigenen
Gesundheit zu ermöglichen. Nur so werden sie befähigt, die eigenen Ressourcen zu
erkennen und zu reflektieren und gegebenenfalls Handlungsalternativen zu entwickeln.
Daraus erwächst ein individuelles Gesundheitsverhalten. Damit sich die Kinder und
Jugendlichen angesprochen und ernst genommen fühlen, muss ihre individuelle Verfassung
und die aktuelle Lebenssituation berücksichtigt und thematisiert werden. Denn nur wenn
Schüler die Angebote zur Gesundheitsförderung als subjektiv bedeutsam wahrnehmen und
ihre Wissensstrukturen Anknüpfungspunkte für nachfolgende Lernprozesse aufweisen,
können die Angebote ihr ganzes Potenzial entfalten.
Beispielhafte Hinweise
Die Angebote und Maßnamen zur Gesundheitsförderung beziehen sich auf die
Lebenswelt und die individuelle Verfassung der Schüler. Dies gibt ihnen die
Gelegenheit, ihre eigenen Ressourcen in den Prozess einzubringen und zu stärken.
Jeder Schüler setzt sich mit seiner eigenen Gesundheitsbiografie auseinander.
Projekte und Angebote vermitteln Hilfen und bieten den Rahmen, um die eigene
Biografie zu reflektieren.
Regelmäßiges Feedback unterstützt die Schüler bei der
Entwicklung von Gesundheitskompetenz.
Falsche
bzw.
enttäuschte
Erwartungen
im
Zusammenhang
mit
der
Gesundheitsbiografie werden im Sinne eines Lernens aus Fehlern als wichtiger
Erkenntnisgewinn gekennzeichnet und für das weitere Gesundheitsverhalten nutzbar
gemacht. Beispielsweise, dass man Gewicht nicht allein durch Diäten reduzieren kann,
sondern eine sinnvolle Verbindung zwischen gesunder Ernährung und Bewegung
finden muss.

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Ausschlussmerkmale
Das Angebot ist nicht altersgerecht und nicht auf die Lebenswelt der Schüler bezogen.
Die Schüler werden mit Misserfolgserlebnissen und auftretenden Frustrationen allein
gelassen.
Reflexionsprozesse der Schüler werden nicht angeregt und nicht unterstützt.
Den Schülern steht kein geeigneter Ansprechpartner zur Verfügung.
Negative Erfahrungen der Schüler werden nicht berücksichtigt.

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4. Umgang mit Heterogenität
Die Angebote und Maßnahmen zur Gesundheitsförderung berücksichtigen die Heterogenität
(z.B. unterschiedlicher gesundheitlicher Status, unterschiedlicher kultureller/religiöser
Hintergrund) der Schüler und nutzen diese zum Vorteil aller.
Begründung
Obwohl die Kinder und Jugendlichen einer Klassenstufe hinsichtlich ihres Alters durchaus
vergleichbar sind, unterscheiden sie sich in vielerlei Hinsicht: Bereits äußerlich wahrnehmbar
sind dabei Unterschiede in ihrem Geschlecht, in ihrer Ethnie oder ihren körperlichen
Gegebenheiten. Darüber hinaus bestehen Unterschiede im Bezug auf Lebensstil, kulturelle
und familiäre Hintergründe, sexuelle Orientierung und religiöse Glaubensrichtung. Im
Zusammenhang mit der Gesundheitsförderung ist weiterhin die Berücksichtigung
unterschiedlicher Erfahrungen von Belang. Angebote zur Gesundheitsförderung müssen
dieser Heterogenität gerecht werden und diese nicht nur tolerieren, sondern die
vorhandenen Unterschiede zum Vorteil aller nutzbar machen. Dieser Ansatz sieht vor, dass
Schüler die vorhandene Vielfältigkeit positiv wahrnehmen und erleben, indem jeder seine
individuellen Ressourcen einbringen kann. Auf diese Weise können ein tolerantes und
rücksichtsvolles Verhalten im Umgang miteinander eingeübt und eine positive Haltung in
Bezug auf Wertevielfalt gefördert werden.
Beispielhafte Hinweise
Die Angebote wenden sich in allen Bestandteilen gleichermaßen an Mädchen und
Jungen. Eine klassische Geschlechterdifferenzierung, die traditionelle Rollenmuster
reproduziert, ist zu vermeiden.
Die Angebote ermöglichen allen Schülern eine gleichberechtigte Teilnahme. Sie sind
für alle Schüler unabhängig von Geschlecht und kulturellem oder religiösem
Hintergrund gleichermaßen attraktiv und zugänglich.
Die Angebote berücksichtigen die Unterschiedlichkeit der Schüler in Bezug auf ihre
individuellen Lebenswelten und enthalten daher Differenzierungsmöglichkeiten.
Ausschlussmerkmale
Die Angebote wenden sich explizit nur an einen Teil der Schüler, während andere
gleichzeitig ausgeschlossen werden. So stehen sie beispielsweise jeweils nur
Mädchen oder Jungen offen und verfestigen dadurch bestehende Rollenmuster. Oder
sie grenzen einzelne Schüler aufgrund ihrer kulturellen oder ethnischen Zugehörigkeit,
ihrer religiösen Orientierung oder ihrer sozialen Herkunft aus.

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Die Angebote verdeutlichen nicht, wie sie der Heterogenität der Schüler gerecht
werden.

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5. Ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung
Die Angebote und Projekte zur Gesundheitsförderung
haben die ganzheitliche
Persönlichkeitsentwicklung der Lernenden zum Ziel. Sie sind daher so zu gestalten, dass im
Zuge des Kompetenzerwerbs immer alle innerpsychischen Prozesse (Kognition, Motivation
und Emotion) angesprochen sowie die handelnde Auseinandersetzung mit der Umwelt
gefördert werden.
Begründung
Im Gesundheitsverhalten konkretisieren sich Sach-, Sozial- und Personalkompetenz (vgl.
Ziegelmann 2002). Damit gehen die so genannten innerpsychischen Prozesse der Kognition,
Motivation und Emotion einher (Becker, Oldenbürger & Piehl 1987). Um die Schüler
ganzheitlich zu fördern, müssen die Angebote zur Gesundheitsförderung sie sowohl in
kognitiver als auch in motivationaler und emotionaler Hinsicht ansprechen.
Gesundheitsförderung, mit dem Ziel der Erlangung von Gesundheitskompetenz, ist nicht auf
das Kinder- und Jugendalter beschränkt, sondern ein das gesamte Leben begleitender
Prozess. Im Kinder- und Jugendalter ist jedoch ein besonderer Schwerpunkt zu setzen.
Motivationale Faktoren erlangen somit eine besondere Bedeutung.
Angebote zur Gesundheitsförderung müssen somit – neben der reinen Wissensvermittlung –
insbesondere die motivationalen und emotionalen Grundlagen für eine lebenslange
Auseinandersetzung mit der eigenen Gesundheit legen.
Beispielhafte Hinweise
Die Angebote vermitteln Wissen über verschiedene Gesundheitsaspekte. Gleichzeitig
stellen sie auf Seiten der Schüler die Bereitschaft her, sich mit diesen Informationen
auseinander zu setzen.
Die Angebote zur Gesundheitsförderung vermitteln nicht nur Wissen und ermöglichen
handelnde Erfahrungen in Bezug auf die eigene Gesundheit, sondern fördern
zusätzlich die Bereitschaft der Schüler, sich mit dem Thema Gesundheit auseinander
zu setzen. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund wichtig, dass es vielfältige,
freiwillig wahrzunehmende Angebote gibt.
Die Angebote umfassen Methoden, die den Schülern helfen, ihre individuellen
Fähigkeiten, Ressourcen und Potentiale zu erkennen. Aus
der evtl. frustrierenden
Einsicht seiner eigenen Schwächen kann dann die Bereitschaft erwachsen bzw.
gefördert werden, an seinen eigenen Schwächen zu arbeiten.

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Ausschlussmerkmale
Die Angebote zielen einseitig nur auf einen der genannten innerpsychischen Prozesse
ab. Auch wenn es in der Natur der Sache liegt, dass in schulischen Lernprozessen der
kognitive Anteil überwiegt, ist darauf zu achten, dass motivationale und emotionale
Aspekte - wenn auch nicht gezielt vermittelt - zumindest mit aufgegriffen werden.
Wissen über Gesundheit wird nur in der Theorie vermittelt. Es enthält keinerlei
konkrete
Anknüpfungspunkte,
die
die
Schüler
zu
einer
selbstständigen,
weiterführenden
Informationsbeschaffung
und
gesundheitsbezogenem
Handeln
motivieren könnten.
Die Angebote lassen die Bedeutung der Gesundheit im Alltag und deren lebenslange
Relevanz nicht erkennen.

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6. Lebensweltbezug
Angebote zur Gesundheitsförderung knüpfen an die Lebenswelt der Schüler an und
beziehen regionale Kooperationspartner und Angebote ein. Lernprozesse im Bereich
Gesundheitsförderung beziehen sich auf konkrete Entwicklungsanforderungen und finden an
realen Lernorten oder innerhalb von authentisch gestalteten Lernumgebungen statt.
Begründung
Lebensweltbezug ist durch Relevanz und Problembezug der Lernsituation gekennzeichnet.
Angebote zur Gesundheitsförderung sind für Schüler immer dann relevant, wenn sie –
beispielsweise durch die Aktivierung des entsprechenden Vorwissens und einem engen
Bezug zur derzeitigen Lebenswelt – eine subjektive Bedeutsamkeit erlangen. Andererseits
sind Lebensweltbezüge so auszuwählen oder zu gestalten, dass sie gegenwärtigen
und
zukünftigen Anforderungssituationen weitgehend entsprechen. Durch die Einbindung
regional agierender Kooperationspartner und Angebote zur Gesundheitsförderung werden
regionale Aspekte berücksichtigt und individuelle Lebensweltbezüge authentischer
hergestellt.
Dabei ist zu beachten, dass alle Handlungsfelder der Gesundheitsförderung - die
Ernährungs- und Verbraucherbildung, Bewegung und Sport sowie Lebenskompetenzen -
Berücksichtigung finden.
Beispielhafte Hinweise
Angebote zur Schulischen Gesundheitsförderung knüpfen an die Lebenswelt der
Schüler an. Beispielsweise können Veranstaltungen wie Lernen im Obst und
Gemüsebaubetrieb
einen
authentischen
Zugang
zur
Ernährungs-
und
Verbraucherbildung eröffnen. Durch diesen Bezug zur Lebenswelt wird Wissen
vermittelt, aber auch vorhandene Wissensbestände aktiviert.
Angebote umfassen auch Exkursionen, wie beispielsweise auf einen (Lern)Bauernhof.
Sie bieten den Schülern die Möglichkeit, durch eigene Anschauung ein komplexes und
ganzheitliches Bild der strukturellen Zusammenhänge von Gesundheit und bestimmten
Themen wie z.B. Ernährung oder Bewegung zu erhalten.
Handlungsorientierte Methoden, wie das Rollen- oder Planspiel, sind ebenfalls
authentisch gestaltet. So sind die gestellten Aufgaben auch in der Realität vorstellbar
und knüpfen an das Vorwissen und die Interessen der Schüler an.
Regionale Kooperationspartner beziehen sich auf die Lebenswelt und stellen
authentische Bezüge her, beispielsweise wird regelmäßige Verkehrsunfallprävention
durch die örtliche Polizei angeboten.

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Ausschlussmerkmale
Angebote zur Gesundheitsförderung beziehen reale Lernorte oder konkrete
Entwicklungsanforderungen nicht ein.
Die Angebote zur Gesundheitsförderung weisen keine oder nur minimale subjektive
Bedeutsamkeit auf. Beispielsweise wird das Thema Krebs nur allgemein behandelt
ohne persönliche und altersgemäße Bezüge wie zum Rauchen oder zum
Sonnenschutz herzustellen.
Die Angebote zur Gesundheitsförderung berücksichtigen regionale Gegebenheiten
nicht, beispielsweise beziehen die Angebote im Handlungsfeld Bewegung und Sport in
Mittelgebirgsregionen die Möglichkeit des Wintersports nicht ein.

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7. Zusammenarbeit aller Akteure
Angebote und Projekte zur Gesundheitsförderung führen gezielt verschiedene Akteure bzw.
Institutionen zusammen.
Ziel ist eine umfassende und fachkompetente Gesundheitsförderung.
Begründung
Eine nachhaltige und umfassende Gesundheitsförderung gelingt am besten, wenn die
verschiedenen Akteure auf das gemeinsame Ziel einer umfassenden und fachkompetenten
Gesundheitsförderung hinarbeiten. Die Zusammenarbeit gestaltet sich effektiv, wenn die
Angebote und Maßnahmen der Gesundheitsförderung gut abgestimmt, koordiniert und
strukturiert sind. Schüler profitieren von einer solchen Zusammenarbeit, da sie
Gesundheitsförderung als gemeinsame Anstrengung von Schule, außerschulischen
Kooperationspartnern, ihren Eltern und nicht zuletzt sich selbst erleben. Auf diese Weise
wird der Wert der Gesundheitsförderung betont und zwar nicht nur als weiterer schulischer
Inhalt sondern als gesellschaftlich und politisch bedeutsamer Bildungsinhalt.
Beispielhafte Hinweise
Bei der Konzeption zur schulischen Gesundheitsförderung werden verschiedene
Partner
einbezogen,
die
das
Angebot
entsprechend
ihrer
Qualifikationen
vervollständigen.
Für eine umfassende Gesundheitsförderung werden Angebote von außerschulischen
Akteuren in allen drei Handlungsfeldern berücksichtigt werden.
Eltern werden explizit in die Angebote zur Gesundheitsförderung einbezogen,
beispielsweise gibt es thematische Elternabende oder Angebote werden mit und durch
qualifizierte Eltern gemacht.
Die Angebote bzw. die Partner sind sich ihrer Rolle in der Schulischen
Gesundheitsförderung bewusst. Die Angebote sind mit dem System Schule vertraut
und organisatorisch und finanziell „kompatibel“.
Zwischen der Schule und den außerschulischen Partnern gibt es schriftlich fixierte
Kooperationsvereinbarungen.
Ausschlussmerkmale
Einzelne Akteure übernehmen „fachfremde“ Aufgaben bzw. Aufgaben, für die andere
Institutionen besser geeignet wären.
Die entsprechende fachliche Qualifikation des Angebots ist nicht gegeben.

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Akteure verfolgen andere Interessen als vereinbart, z.B. werden im Sport unter dem
Deckmantel Bewegungsförderung Talentsichtungen durchgeführt oder Akteure
verfolgen finanzielle Interessen bzw. wollen eine spätere Bindung an eine Einrichtung
oder Unternehmen erreichen.
Es findet keine inhaltliche und organisatorische Abstimmung zwischen Schule und
Kooperationspartner statt. Die Ziele, die die Schule mit den Angeboten verfolgt, sind
unklar.
Kooperationsvereinbarungen bestehen auf dem Papier, werden aber nicht umgesetzt.
Eine Abstimmung der Angebote innerhalb der Schule erfolgt nicht, sie überschneiden
sich inhaltlich.

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8. Prozessorientierung / Einbettung in das Schulprogramm (Konzeption zur
Gesundheitsförderung)
Angebote zur Gesundheitsförderung orientieren sich an der Entwicklung der Schüler und
ergänzen einander im Zeitverlauf zu einer umfassenden Gesamtkonzeption zur
Gesundheitsförderung. Diese steht im Einklang mit dem Schulprogramm.
Begründung
Schulische Gesundheitsförderung ist ein pädagogischer Prozess. Seine zentrale Zielgröße
ist die individuelle Gesundheitskompetenz. Dieser Prozess, dessen Fortschreiten durch
Lernziele beschrieben ist, gliedert sich in Handlungsfelder und Bildungsphasen. Um sich
überhaupt mit Gesundheitsförderung zu beschäftigen, bedarf es der Einsicht, dass
Gesundheit ein maßgebliches Element eines jeden individuellen Lebensverlaufes darstellt
(vgl. Jakab 2010). Eine Sensibilisierung für diesen Sachverhalt sollte bereits im frühen
Kindesalter beginnen. Bestimmte Inhalte der Gesundheitsförderung (z.B. Prävention von
Teenager-Schwangerschaften, Drogenmissbrauch oder Essstörungen) sind in bestimmten
Altersbereichen besonders relevant. Gesundheitsförderung kann also als ein Prozess
verstanden werden, dessen Abfolge von Inhalten und Themen sich an der körperlichen und
geistigen Entwicklung der Schüler, deren Lebenswelt und Erfahrungen und nicht zuletzt an
ihrem Vorwissen orientiert. Um diesem Anspruch gerecht zu werden bedarf es einer
schlüssigen Konzeption zur Gesundheitsförderung für die Schule.
Beispielhafte Hinweise
Angebote zur Gesundheitsförderung orientieren sich an den vom Qualitätszirkel
„Schulische Gesundheitsförderung“ formulierten Kernzielen für die einzelnen
Handlungsfelder.
Die Angebote zur Gesundheitsförderung sind aufeinander abgestimmt und greifen
ineinander. Auf diese Weise ergibt sich ein systematisches Angebot in der Schulischen
Gesundheitsförderung, welches mit dem Schulprogramm der jeweiligen Schule im
Einklang steht. Auch hier können die Handlungsfelder und die Kernziele der
Schulischen Gesundheitsförderung als Anhaltspunkt dienen.
Ausschlussmerkmale
Die Angebote sind nicht auf den Entwicklungsstand der Schüler abgestimmt. Sie
knüpfen nicht an ihr Vorwissen an, nehmen ihre Interessen nicht auf oder beziehen die
gesundheitsbiografischen Erfahrungen der Schüler nicht ein.

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Die Angebote sind nicht aufeinander bezogen. Sie stehen für sich alleine und weisen
weder untereinander noch in Bezug auf die schuleigene Konzeption zur
Gesundheitsförderung wesentliche Bezüge auf.
Die Angebote weisen keine klare Zielführung auf. Sie sind beliebig.

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9. Transparenz und Partizipation
Angebote und Maßnahmen zur Schulischen Gesundheitsförderung gestalten sich so, dass
die Schüler die Ziele, den Ablauf und die Bedeutung erkennen und verstehen. Dies gilt nicht
nur für einzelne Angebote und Maßnahmen, sondern bezieht sich auf den gesamten Prozess
der Schulischen Gesundheitsförderung.
Begründung
Den Schülern muss die Möglichkeit der Partizipation und ein Überblick über alle im
Zusammenhang mit der Gesundheitsförderung geplanten Angebote und Maßnahmen
ermöglicht werden. Unter dieser Voraussetzung kann gesundheitsbezogenes Handeln
generiert, selbst gesteuert, geplant, ausgeführt und kontrolliert werden. Nur so können sie
die eigenen Potentiale reflektieren und den weiteren Verlauf im Prozess der
Gesundheitsförderung aktiv mitgestalten.
Beispielhafte Hinweise
Den
Schülern
wird
die
Konzeption
zur
Schulischen
Gesundheitsförderung
altersentsprechend im Zusammenhang mit dem jeweiligen Angebot erläutert. Sie
erfahren in diesem Zusammenhang, durch welche Angebote diese Konzeption in
welcher Jahrgangsstufe umgesetzt wird. Externe Anbieter haben sich zu diesem
Zweck zuvor über die schuleigene Konzeption zur Gesundheitsförderung sowie die
curriculare Verankerung des geplanten Angebots informiert.
Die Schüler erhalten vor Beginn des Projekts einen Überblick über Ziele, Ablauf,
Bedeutung und Partizipationsgrad der einzelnen Maßnahme.
Die Schüler erhalten im Rahmen der Konzeptionserstellung zur Gesundheitsförderung
und vor der Durchführung von Projekten die Möglichkeit zur Partizipation.
Den Schülern wird die Vielfalt der Angebote verdeutlicht. Dadurch erhalten sie die
Möglichkeit, verschiedene Aspekte gesundheitsbezogenen Handelns kennen zu
lernen.
Ausschlussmerkmale
Die schuleigene Konzeption zur Gesundheitsförderung ist für Schüler und Eltern nicht
zugänglich.
Die schuleigene
Konzeption zur Gesundheitsförderung wird nicht wie geplant
realisiert.

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Die Schüler werden im Vorfeld der konkreten Angebote zur Gesundheitsförderung
unzureichend informiert. Ziele, Ablauf, Bedeutung und Partizipationsgrad des Angebots
für den Prozess der Gesundheitsförderung bleiben den Schüler unklar.
Die Schüler werden erst kurzfristig vor Beginn eines Projektes informiert. Eine
langfristige Planung findet nicht statt.

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10. Nachhaltigkeit (bezogen auf die Schule)
Die Angebote der Schulischen Gesundheitsförderung sind so gestaltet, dass sie nachhaltig
in die Konzeption zur Gesundheitsförderung integrierbar sind. Um dem Thema
Gesundheitsförderung
im
Setting
Schule
Nachhaltigkeit
zu
verleihen,
ist
die
Gesundheitsförderung mit ihren Handlungsfeldern vollständig in das Schulprogramm auf
Grundlage einer Konzeption zur Schulischen Gesundheitsförderung zu verankern.
Begründung
Nachhaltigkeit in der Gesundheitsförderung wird erreicht, wenn sie strukturiert und
kontinuierlich geplant und umgesetzt wird. Die Grundlage dafür bietet eine Konzeption zur
Gesundheitsförderung, die alle Bildungsphasen und Handlungsfelder berücksichtigt und
deren Inhalte abgestimmt sind und aufeinander aufbauen. In diesem Sinne sollen alle
Angebote und Projekte darauf abzielen, die im Lehrplan verankerten Themen und Inhalte zur
Gesundheitsförderung sinnvoll zu erweitern, auszubauen und zu ergänzen. Die Erarbeitung
einer Konzeption zur Gesundheitsförderung ist auch die Basis für ein Qualitätsmanagement.
Damit geht eine kontinuierliche Reflexion, Aktualisierung und Überarbeitung der Angebote
und Maßnahmen in den Handlungsfeldern einher.
Die Verankerung im Schulprogramm – der programmatischen Grundlage der Bildungsarbeit
an
der
Schule
-
ist
Voraussetzung
für
eine
nachhaltige
Realisierung
der
Gesundheitsförderung.
Beispielhafte Hinweise
Die Angebote werden regelmäßig auf ihre Qualität überprüft.
Die Angebote ergänzen sinnvoll die Lehrplaninhalte.
Bewährte Projekte werden als dauerhafte Angebote in die Konzeption integriert.
Ausschlussmerkmale
Die Angebote zur Gesundheitsförderung sehen keine Möglichkeit zur Verstetigung
(des Themas) vor, bzw. geben keinerlei Auskunft darüber, wie eine solche
sichergestellt werden kann.
Die Angebote stehen in keinem Zusammenhang mit den Themen und Inhalten des
Lehrplans.
Die Angebote sehen keine Zusammenarbeit mit den Lehrkräften vor, sondern
werden allein durch den Projektträger geplant und durchgeführt.
März 2011

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Literatur
Antonovsky, A.: Salutogenese.
Zur Entmystifizierung der Gesundheit
. Hrsg.: A. Franke,
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