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25 Jahre · 1992 – 2016

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1992
2016

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25 Jahre „Tag der SachSen“
2
Vorworte
6
1992 – Freiberg
10
1993 – görlitz
14
1994 – annaberg-Buchholz
18
1995 – rochlitzer Muldental
22
1996 – Torgau
26
1997 – Plauen
30
1998 – hoyerswerda
34
1999 – riesa
38
2000 – Zwickau
42
2001 – Zittau
46
2002 – döbeln
50
2003 – Sebnitz
54
2004 – döbeln
58
2005 – Weißwasser
62
2006 – Marienberg
66
2007 – reichenbach/V.
70
2008 – grimma
74
2009 – Mittweida
78
2010 – Oelsnitz/erzgeb.
82
2011 – Kamenz
86
2012 – Freiberg
90
2013 – Schwarzenberg
94
2014 – großenhain
98
2015 – Wurzen
102
2016 – Limbach-Oberfrohna
106
Löbau in Vorbereitung auf den 26. „Tag der Sachsen“
110
Kuratorium „Tag der Sachsen“
112
Sächsische Medien zeigen Flagge
120
Vereine über ihre langjährige Teilnahme am „Tag der Sachsen“
InhaltsverzeIchnIs

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2 |
25 Jahre Tag der Sachsen
Grusswort
Liebe Leserinnen und Leser,
Freunde und Förderer des „Tages der Sachsen“,
immer mehr, immer schneller, alles zugleich scheinen zunehmend mehr Charakteristika
unseres Lebens zu werden. Umso wichtiger ist, von Zeit zu Zeit eine kleine „Rast“ einzule-
gen und sich besondere Ereignisse nochmals ins Gedächtnis zu rufen. Dies wollen wir mit
dieser Broschüre tun.
Vor 25 Jahren wurde der „Tag der Sachsen“ aus der Taufe gehoben und hat sich innerhalb
kürzester Zeit zum größten Fest der Vereine und Verbände unseres Landes entwickelt. All-
jährlich feiern wir Sachsen unseren Tag in einer anderen Stadt oder Gemeinde unseres
Freistaates. Jeder „Tag der Sachsen“ hatte sein eigenes Gesicht, war so vielfältig und facet-
tenreich wie das Leben selbst in unserem Land. Jeder einzelne hat uns die Schönheiten
und Besonderheiten der verschiedenen Regionen unserer Heimat nahegebracht. Was mich
besonders freut, ist, dass es bei aller Vielfalt über zweieinhalb Jahrzehnte gelungen ist, den
Grundgedanke unseres Festes zu bewahren: Ein Fest, das
von
Bürgern
für
Bürger gestal-
tet wird, das vom ehrenamtlichen Engagement lebt und damit zugleich ein Ausdruck der
Identifikation mit unserem jungen, alten Freistaat, seiner Kultur und Kunst und seinem
vielfältigen Brauchtum ist. Auch darauf können wir Sachsen wirklich stolz sein! Mein Vor-
gänger im Amt des Kuratoriumspräsidenten, Landtagspräsident a. D. Erich Iltgen, formu-
lierte einmal: „Was unseren Tag der Sachsen so einzigartig macht ist, dass er keine von oben
verordnete Fröhlichkeit ist, sondern ein Fest, das von ‚unten nach oben‘ organisiert wird,
das von den Vereinen und Verbänden unseres Landes getragen und gestaltet wird.“ Deshalb
möchte ich an dieser Stelle auch den tausenden Mitgliedern der Vereine und Verbände, die
uns und unseren Gästen alljährlich diesen Tag gestalten, meinen herzlichsten Dank sagen.
Ohne sie, ohne ihr ehrenamtliches Engagement ist unser „Tag der Sachsen“ nicht vorstell-
bar! Ebenso herzlich danke ich den Mitgliedern des Kuratoriums und des Präsidiums des
Kuratoriums, die die Vorbereitungen maßgeblich unterstützen und die jeweiligen Ausrich-
ter mit Rat und Tat und ihren langjährigen Erfahrungen begleiten.
Ich lade Sie nun ein, sich beim Lesen der Broschüre selbst ein Bild davon zu machen, was
unsere sächsischen Vereine und Verbände gemeinsam mit den Ausrichterstädten und
Regionen in den vergangenen 25 Jahren an Lebensfreude und Lebensart vermittelt, Inte-
ressantem und Wissenswertem gestaltet, und wie viel Kreativität, Innovations- und auch
Improvisationskraft sie dabei gezeigt haben.
Dies alles lässt bei mir nicht den leisesten Zweifel, dass auch der 25. „Tag der Sachsen“ in
Limbach – Oberfrohna und noch viele weitere „Tage der Sachsen“ deutlich machen können:
So
sind wir Sachsen!
Ihr Dr. Matthias Rößler
Präsident des Kuratoriums „Tag der Sachsen“
Präsident des Sächsischen Landtags
Daten aus dem
politischen Leben
seit 1990
Mitglied des SLT
1994–2002
Sächsischer
Staatsminister für Kultus
2002–2004
Sächsischer
Staatsminister für Wissen-
schaft und Kunst
2005–2007
Obmann
der cdU-Fraktion in der
enquete-Kommission „de-
mografische entwicklung“
des Sächsischen Landtags
2008–2009
stellv. Vor-
sitzender der cdU-Fraktion
im Sächsischen Landtag
seit 2009
Präsident des
Sächsischen Landtags
Dr. Matthias Rößler
Präsident des Kuratoriums
„Tag der Sachsen“, Präsident
des Sächsischen Landtags
Foto: Jürgen-Michael Schulter

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25 Jahre Tag der Sachsen
| 3
Grusswort
Liebe Leserinnen und Leser,
Was ist Heimat? Der „Tag der Sachsen“ gibt nun zum 25. Mal die Antwort: Heimat heißt,
eingebunden zu sein: durch Familie, Freunde und Nachbarn, durch Wohnen, Leben und
Arbeiten, durch Geschichte und Tradition, Brauchtum und Neuerungen, Natur und Kultur,
Sprache und Mentalität. All das ist für uns Heimat. Eine Heimat, auf die wir stolz sein kön-
nen und in der wir Gäste aus aller Welt herzlich willkommen heißen.
Dass sich unser Freistaat beim „Tag der Sachsen“ von seiner besten Seite zeigt, ist den vielen
Bürgerinnen und Bürgern zu verdanken, die dieses Fest gestalten. Sie sind engagiert als
Unternehmer, in Vereinen und Verbänden, in Kunst, Kultur und Sport. Ihnen gilt dafür
mein herzlicher Dank. Der „Tag der Sachsen“ ist eine Einladung an die Sachsen, aber auch
an unsere Gäste, die vielen Facetten unseres Freistaates kennenzulernen.
Wenn wir auf 25 Jahre „Tag der Sachsen“ zurückblicken, führt uns das nicht nur auf eine
geographische Reise durch unseren Freistaat, sondern auch auf eine Reise durch die Zeit. Es
waren 25 Jahre, in denen sich unser Land und unsere Städte gut entwickelt haben.
Danken möchte ich heute auch dem Kuratorium „Tag der Sachsen“, das unser größtes
Vereins-,Volks- und Heimatfest ins Leben gerufen hat und Jahr für Jahr begleitet. Der
Staatsregierung war es immer wichtig, den „Tag der Sachsen“ finanziell und organisatorisch
gut zu unterstützen, damit sich Sachsen in seiner ganzen Vielfalt präsentieren kann. Ich
sage: Herzlichen Glückwunsch, „Tag der Sachsen“!
Stanislaw Tillich
Ministerpräsident des Freistaates Sachsen
Daten aus dem
politischen Leben
1987
Beitritt zur cdU
03/1990–10/1990
Mitglied der ersten frei
gewählten Volkskammer
1991–1994
Beobachter im
europäischen Parlament
05/2002
ernennung zum
chef der Staatskanzlei durch
georg Milbradt
11/2004
Berufung zum
Staatsminister für Umwelt
und Landwirtschaft
ab 28. Mai 2008
Ministerpräsident des
Freistaates Sachsen
seit 2008
Vorsitzender der Sächsischen
Union, dem Landesverband
der cdU deutschlands
Vollständiger Lebenslauf unter
www.ministerpraesident.
sachsen.de/174.htm
Stanislaw Tillich
Ministerpräsident des
Freistaates Sachsen
Foto: Jürgen Jeibmann

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4 |
25 Jahre Tag der Sachsen
Grusswort
Liebe Freunde des „Tages der Sachsen“,
Schon vor 102 Jahren, vom 4. bis zum 6. Juli, feierten die Dresdner mit ihren Gästen aus ganz Sachsen
den sogenannten „Sachsentag“. Als Ideengeber und Organisator des Festes gilt der Heimatschrift-
steller Adolph Ziesche. Seine Absicht war es: Wenden und Vogtländer, Oberlausitzer und Alten-
burger, Meißner und der Erzgebirgler zu einer sächsischen Familie zu vereinen und gemeinsam zu
feiern. 36 Abordnungen aus allen Regionen Sachsens präsentierten in farbenprächtigen Bildern beim
Festumzug ihre Heimat. Der erste Sachsentag 1914 sollte über viele Jahrzehnte der Einzige bleiben.
Kriege und Diktaturen des 20. Jahrhunderts verhinderten, dass der Sachsentag zu einer Tradition
werden konnte. Beide – ideologisch zentralistisch strukturierten Diktaturen – hatten kein Interesse,
die landsmannschaftlichen Traditionen eines der ältesten deutschen Kulturländer zu erhalten bzw.
zu fördern. Das Gegenteil war beabsichtigt: alles Sächsische sollte mit der Zeit aus dem Bewusstsein
der Menschen gelöscht werden.
Erst mit der erfolgreichen friedlichen Revolution 1989, die nicht zufällig von Sachsen ausging, und der
glücklichen Wiedervereinigung unseres Vaterlandes nach 45 Jahren Teilung entstand das Land Sachsen
neu und wurde Teil der föderalen Gliederung der Bundesrepublik Deutschland. Endlich durften die
Sachsen wieder Sachsen sein und sich öffentlich zu ihrer landsmannschaftlichen Zugehörigkeit und zu
ihrem Land bekennen. Schon nach wenigen Monaten nach der offiziellen Wiedervereinigung am 3. Ok-
tober 1990 entstand eine reiche Vereins- und Verbandslandschaft ganz ohne staatliche Gängelei. Viele
regionale Feste entstanden neu oder organisierten sich wieder. Als Beispiel möchte ich das Dresdner Elb-
hangfest nennen, das schon im ersten Jahr nach der Wiedererrichtung des Landes Sachsen die Dresdner
und ihre Gäste zu einem Kulturfest einlud.
Es war mit Händen greifbar, die Sachsen wollten wieder an die vergangenen reichen Traditionen der
Fest- und Feierkultur anknüpfen und es war der Ministerpräsident Prof. Kurt Biedenkopf, der die
identitätsstiftende Wirkung des Festgedankens aufnahm und die praktische Umsetzung veranlass-
te. Nach wenigen Wochen der Vorbereitung konstituierte sich am 2.2.1992 ein Kuratorium, beste-
hend aus 124 gewählten Vertretern von Vereinen und Verbänden sowie Institutionen. Einstimmig
wurde der Vertreter des Landesfremdenverkehrsverbandes Sachsen Erich Iltgen zum Präsidenten
des Kuratoriums „Tag der Sachsen“ gewählt. Zum kommissarischen Geschäftsführer wurde Herr
Eberhard Opl aus der Staatskanzlei berufen. In der Gründungsversammlung sprach der Minister-
präsident den Wunsch aus: der „Tag der Sachsen“ soll „ein großes Heimat-und Volksfest von Bürgern
organisiert für Bürger“ werden. Noch in der gleichen Sitzung erhielt die Bergstadt Freiberg, nach-
dem es sich in einer geheimen Wahl unter 6 Bewerbern durchgesetzt hatte, den Auftrag, den „1.Tag
der Sachsen“, wie er zukünftig heißen sollte, durchzuführen. Freibergs Oberbürgermeister Konrad
Heinze schlug vor das Fest vom 4.9.–6.9.1992 unter dem Motto „ Glück auf! Sachsen“ durchzufüh-
ren. Bemerkenswert war auch der Beschluss des Kuratoriums: dass der „Tag der Sachsen“ weder ein
Jahrmarkt noch ein Fest der Schausteller oder Werbeveranstaltung für Unternehmen sein soll.
Es war eine großartige organisatorische Leistung der Freiberger Stadtverwaltung unter ihrem
Organisationsleiter Michael Gerats, dass der „1. Tag der Sachsen“ nicht nur zu einem Höhepunkt
für das wiedererblühte Vereinsleben, sondern auch zu einem identitätsstiftenden Fest für 250.000
Sachsen und ihre Gästen wurde. Seitdem hat sich das Fest fortentwickelt und ist nun zu einem wun-
derschönen Strauß 25 bunter Blumen geworden.
Erich Iltgen
Erich Iltgen
Landtagspräsident a. d.
Präsident des Kuratoriums „Tag
der Sachsen“ a. d.
Foto: privat
Daten aus dem
politischen Leben
1989/90
Moderator runder Tisch
Bezirk dresden,
Leiter Sächsisches Forum,
Landesstrukturbeauftragter
der arbeitsgruppe Landtag
1990–2009
Präsident des
Sächsischen Landtags
1991–2005
Moderator des
landesweiten runden Tisches
gegen gewalt

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25 Jahre Tag der Sachsen
| 5
Grusswort
Liebe Leserinnen und Leser,
Als meine Frau und ich nach meiner Nominierung als Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten
von Anfang September bis Mitte Oktober 1990 im ersten freien „Wahlkampf“ das Land bereisten, be-
gegneten wir neben vielem Neuen auch einer eindrucksvollen Gemeinsamkeit unter den Sächsinnen
und Sachsen. Sie waren stolz auf ihr Land und dankbar für den Halt, den seine rund tausendjährige
Geschichte ihnen in der Zeit der sozialistischen Herrschaft geboten hatte: durch seine Kultur, seine in
Jahrhunderten gewachsenen handwerklichen Fähigkeiten, seine frühen und führenden industriellen
Leistungen ebenso wie seine bergbauliche Tradition. Sie wussten um seine in ganz Europa und der
Welt geachteten und bewunderten Künstler und Wissenschaftler, um die Bedeutung des kulturellen
und politischen Erbes, das ihnen die Wettiner hinterlassen hatten, und um die Schönheit, die sich
seine Landschaften trotz der industriellen Verwüstungen hatten erhalten können. Ihr Denken war
geprägt von den Beiträgen, die ihre Vorfahren im 19. Jahrhundert zur Bewältigung der großen so-
zialen Frage und zur Befreiung des industriellen Proletariats für die arbeitenden Menschen geleistet
hatten, lange ehe sie durch die kommunistische Diktatur missbraucht wurden.
Es war auch dieser Stolz auf ihr Land und die durch die Landesgeschichte begründeten Gemein-
samkeiten, die es ihnen leichter machten, zwischen Vergangenheit und Zukunft, über die Zeit der
Trennung hinaus, Brücken zu schlagen und die neue deutsche Einheit anzunehmen. Mit der Zeit
wurde es ein gemeinsames Erleben, an dem wir, die aus dem Westen Deutschlands nach Sachsen
gekommen waren, teilhaben konnten. Wenn wir wollten, konnten wir dabei auch lernen, was es
bedeutet, in einem Land zu leben, das, wie der Westen Deutschlands es sah, neu in die alte Bundes-
republik gekommen war. In Wirklichkeit gehörte es neben Bayern zu den ältesten deutschen Landen.
All das ging mir durch den Kopf, als mich Hans Werner Wagner aufsuchte. Er diente damals noch
als Abteilungsleiter in der Staatskanzlei, später war er ihr Leiter. Wagner hatte wohl ebenfalls darüber
nachgedacht, wie man der sächsischen Gemeinsamkeit einen würdigen Ausdruck verleihen könne.
Als Ergebnis trug er mir seine Idee vor, ihr durch ein jährliches Volksfest Rechnung zu tragen. Er
wollte es „Tag der Sachsen“ nennen. Mir gefiel die Idee und ich bat ihn, daran weiter zu arbeiten.
Wie immer waren die Skeptiker zunächst in der Mehrheit. Bis unser Landtagspräsident Erich Iltgen
von der Sache hörte. Er war nicht nur als Präsident des Landtages, sondern auch als Förderer des
Tourismus von der Idee angetan. Bald wuchs die Schar der Befürworter. Das Ergebnis kennen wir:
Seit 1992 feiern wir Anfang September den „Tag der Sachsen“. Nur einmal, 2002, fiel das Fest dem
Jahrhundert-Hochwasser zum Opfer, das Döbeln heimgesucht hatte. Zwei Jahre später konnte die
Stadt doch noch ihre Gastfreundschaft beweisen. Die Konkurrenten hatten ihre Bewerbungen zu-
gunsten Döbelns zurückgezogen.
Über den ersten „Tag der Sachsen“ in Freiberg habe ich in meinem Tagebuch notiert: „Am Wochen-
ende der (erste) „Tag der Sachsen“ in Freiberg. Rund 300.000 Menschen kamen, um ihn zu feiern.
Noch selten habe ich so viele freundliche, optimistische und offene Gesichter gesehen wie an diesen
Tagen. Obwohl das Wetter an den ersten beiden Tagen schlecht war, war die Stimmung gut. Herrliche
Konzerte im Dom, die Auszeichnung unserer Olympiateilnehmer, ein Besuch im Asylbewerberheim
und vieles mehr standen auf unserem Programm. Höhepunkt war für Ingrid und mich der Fest-
gottesdienst im Dom und die Predigt Bischof Hempels. Am Beispiel des Damaskus-Erlebnisses des
Saulus erläuterte er den Charakter der Wende. Sie sei, so Hempel, immer mit einer Krise verbunden,
wenn es sich um eine wahre Wende handelt. Durch diese Krise gehen wir.“ Inzwischen haben wir
viele Krisen überwunden. Aber immer wieder haben wir auch Mut gefasst. In diesem Jahr sind es
25 Jahre, dass wir uns zum „Tag der Sachsen“ treffen. Möge er in Limbach-Oberfrohna so fröhlich
und so ernst zugleich ausfallen wie der erste in Freiberg. Wenn wir wollen, schaffen wir auch das –
dieses Jahr und in den kommenden 25 Jahren.
Mit einem herzlichen Glück auf
Ihr Kurt Biedenkopf
Daten aus dem
politischen Leben
1976–1990
abgeordneter
des deutschen Bundestages
1990
gastprofessor an der
Leipziger Universität
10/1990–04/2002
Ministerpräsident des
Freistaates Sachsen
10/1990–10/2004
Landtagsabgeordneter
des Freistaates Sachsen
12/1991–10/1995
Vorsitzender des cdU-
Landesverbandes Sachsen
Vollständiger Lebenslauf unter
www.biedenkopf-kurt.de/
Tabellarischer Lebenslauf
Prof. Dr. Kurt Biedenkopf
Ministerpräsident Sachsen a. d.
Foto: W. Leuschner

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6 |
25 Jahre Tag der Sachsen
FreIberG
glück auf Sachsen! in der Silberstadt –
Freiberg hat bewiesen: „Sachsen lebt“
1992 war alles neu: Sachsen war nach seiner
praktischen Auflösung während der DDR-Zeit
gerade erst offiziell als Freistaat wiedererstan-
den. Für viele Sachsen waren die Jahre nach der
politischen Wende voller Brüche und Unsicher-
heit. Ein so riesiges Volksfest in einer kleinen
Stadt – gestaltet von Sachsen für Sachsen –
hatte es bis dato nicht gegeben. Dass das Kura-
torium von fünf Bewerbern gerade Freiberg den
Zuschlag für den 1. Tag der Sachsen gab, muss
wohl an der wirtschaftlichen und kulturellen
Bedeutung gelegen haben, die die alte Bergstadt
seit jeher für Sachsen hatte. Schließlich waren
es die Silberfunde im Jahr 1168 und das erste
große Berggeschrey, die Sachsen im Mittelalter
zur Blüte verholfen hatten. Und offenbar trau-
te man es gerade den Freibergern zu, diesen
enormen Kraftakt zu stemmen – denn zwischen
der Entscheidung und dem Fest lag nur ein
halbes Jahr.
Eine gute Wahl, denn die Premiere des Tags
der Sachsen vom 4. bis 6. September 1992 war
gleich ein voller Erfolg: 250.000 Sachsen folg-
ten der Einladung in die Silberstadt und er-
lebten drei Tage lang die Vielfalt Sachsens an
einem Ort. Sie spiegelte sich vor allem in den
weit mehr als 500 Vereinen und 8.000 Aktiven
wider, die aus allen Teilen des Freistaates nach
Sachsen gereist waren, um sich und ihr Wir-
ken mit Bühnenprogrammen und Ständen zu
präsentieren. Die Vereine waren es auch, die
den Höhepunkt des Wochenendes maßgeblich
mitgestalteten: den Festumzug am Sonntag mit
über 2500 Mitwirkenden und zehntausenden
Freibergern und ihren Gästen, die die Stra-
ßen säumten. In vielen bunten Bildern ließen
Vereine, Musik- und Sportgruppen sächsische
Geschichte und Geschichten lebendig werden
und zeigten landestypisches Brauchtum wie die
Trachten der Lausitzer Sorben oder die Berg-
bau- und Hüttentradition, die wohl nirgendwo
in Sachsen so lebendig ist wie beim Gastgeber
selbst – in der Silberstadt Freiberg.
„Sachsen lebt“, hatte der damalige Ministerprä-
sident Kurt Biedenkopf nach dem Festumzug
gesagt. Die Parade sei für ihn Ausdruck von
Optimismus und Engagement der Sachsen ge-
wesen. Dies habe sein Geheimnis in der großen
Freiwilligkeit der Teilnahme gehabt. „Hier wur-
de mit wenigen Mitteln viel in Gang gesetzt.“
Und auch für das gesamte Fest zog der erste
Ministerpräsident des noch jungen Freistaates
damals eine durchweg positive Bilanz und be-
tonte auch seine Bedeutung jenseits des Feierns
erprobt von der 800-Jahr-
Feier 1986 haben die Freiberger
eine glänzende Premiere des
Sachsentages hingelegt.
Zum Festumzug platzte
nicht nur der Obermarkt
fast aus allen Nähten.
Fakten zum
Tag der Sachsen
Premiere
des
Sachsentages
250.000 Besucher
Festumzug
mit
2.500 Teilnehmern
Mehr als
500 Vereine
Mehr als
1.500 Einzel-
veranstaltungen

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25 Jahre Tag der Sachsen
| 7
04. bIs 06.09.1992 FreIberG
Durchaus traditionell in
Freiberg: der Freiberger
Faschingsklub (FKK) – hier
überrascht er während
des Festumzugs Minister-
präsident Kurt Biedenkopf.
für das (Wieder-)Zusammenwachsen der Men-
schen: „Der 1. Tag der Sachsen war als Demons-
tration sächsischer Identität ein voller Erfolg.“
Schon bei der Premiere war klar geworden, dass
es beim Tag der Sachsen um viel mehr als bloß
ums Feiern geht. Die Stadt Freiberg war – wie
alle Ausrichterstädte nach ihr – drei Tage lang
die heimliche Hauptstadt Sachsens und Treff-
punkt für Politik, Kultur und Wirtschaft. Da-
von zeugten auch die zahlreichen Prominenten,
die sich in der Bergstadt ein Stelldichein gaben:
Neben Kurt Biedenkopf waren unter anderem
Norbert Blüm und Gregor Gysi zu Gast. Zu den
kulturellen Höhepunkten zählte ein Konzert
der Kammerphilharmonie des Mitteldeutschen
Rundfunks im Dom St. Marien.
Treffpunkt für die Wirtschaft war die Leis-
tungs- und Verkaufsschau rund um den Schüt-
zenhausplatz an der B173. Auf einer Fläche
von 7.500 Quadratmetern versammelten sich
fast 200 Aussteller aus nahezu allen Branchen
des sächsischen Gewerbes und der Industrie –
vom traditionellen Handwerksbetrieb bis zum
Hightech-Unterneh
men. Sie setzten erfolgreich
ein Zeichen des wirtschaftlichen Aufschwungs
und lockten an jedem der drei Messetage rund
15.000 Besucher an.
Vor allem dank des unermüdlichen Engage-
ments hunderter ehrenamtlicher Helfer und der
Unterstützung durch Einheiten der Bundeswehr
fiel die Bilanz des 1. Tags der Sachsen – obwohl
die Organisatoren nur wenige Monat Zeit hatten
und auf keinerlei Erfahrungen zurückgreifen
konnten – fast makellos aus. Fast, denn das Wet-
ter meinte es nicht allzu gut mit Freiberg. Vor
allem an den ersten beiden Tagen machten ein
Kälteeinbruch und immer wieder starker Regen
den Aktiven und Besuchern zu schaffen. Doch
die ließen sich die Laune nicht verderben und
wurden dafür am Sonntag, dem Tag des großen
Festumzugs, mit Sonnenschein belohnt.
Organisation und Pannen am Tag „X“
Der erste Tag der Sachsen war keine Heraus-
forderung, sondern ein große Aufgabe. Keiner
hatte Erfahrung und dadurch redeten auch
nur ganz
wenige hinein in die Organisation.
Im Februar
bekam Freiberg für das erste Sep-
temberwochenende den Zuschlag und damit
ging es los. Bühnen- und Auftrittsorte galt es
festzulegen. Bühnentechnik war noch Man-
gelware. Hallen und größere Räume wurden
Beliebte und begehrte
Erinnerungsstücke an den
ersten Tag der Sachsen:
Engel und Bergmann.
Foto: Pressestelle

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8 |
25 Jahre Tag der Sachsen
04. bIs 06.09.1992 FreIberG
Untrennbar mit Freiberg
verbunden: die Berg- und
Hüttenparade. Mehrere hun-
dert Mitglieder der Histori-
schen Freiberger Berg- und
Hüttenknappschaft gestalte-
ten den Festumzug mit, dem
voraus natürlich das Freiber-
ger Wappen getragen wurde.
Fotos: harald Börner,
Freiberger Fotofreunde
nach Antrag vergeben und die Antragsteller
waren glücklich, wenn sie eine Zusage erhiel-
ten. Anspruchsdenken war fehl am Platze!
Verständigung während der Festtage unter den
technischen Kräften war im Vergleich zu heu-
te nur schwer möglich und so war man mehr
als dankbar, als das Nachrichtenbataillon der
Bundeswehr aus Leipzig den Funkverkehr über-
nahm. Im August gab es dafür sogar eine Ex-
traübung in Freiberg. Auch Feldjäger aus Fran-
kenberg und Soldaten aus Marienberg standen
mit Mann und Fahrzeug zur Seite und es waren
eher zu viele Hilfskräfte in dem Bereich, was
aber keinen Schaden nahm. Schlimmer war
das Wetter, das am Freitag und Sonnabend
regnerisch – winterlich war und so viele „Frei-
luftgedanken“ ertrinken und erfrieren ließ. Da
kaum eine Bühne überdacht war, flüchteten
alle auf den Posttruck, der an der Rathaussei-
te stand und eigentlich nicht als Bühne geplant
war. Nonstop moderierten dort Hans-Joachim
Wolfram und Christine Errath einfach
live und mit viel Engagement. Den
Technikern wurde die Kälte mit
ordentlichem Rum „versüßt“.
Und so war man für den Sonn-
tag schon euphorisch auf den
Festumzug eingestimmt, denn
die Sonne kam zaghaft aus den
Wolken. Stellflächen wurden be-
zogen, Marschbegleiter und Posten
verteilt und alle Funknetze zusammengeschal-
tet, was die Konsequenz hatte, dass man mit
den Außenbereichen mehrere Stunden keinen
Kontakt hatte. Bildübertragung gab es so gut
wie nicht. Nur der mdr hatte eine zaghafte Live-
übertragung vom Obermarkt. Zwei Moderato-
ren gaben nach bestem Wissen Auskunft über
das, was vorbeilief. Da einem von beiden dabei
die Moderationsblätter aus der Mappe fielen,
erzwang dies Improvisation vom Feinsten. Klar
war die Ansage des im Polizeirevier stationier-
ten Umzugsleiters, dass an der Ehrentribüne
ohne Halt vorbei zu marschieren ist. Es ist ja
ein „guter“ Brauch, Präsente an die VIPs zu
übergeben. Immer wieder stockte oder zerriss
der Festumzug, so dass über Funk gehandelt
wurde, um ihn geschlossen zu halten. Gleich zu
Beginn zerriss beim ersten Pferdefuhrwerk das
Geschirr. Kommando per Funk: Nach rechts
herausnehmen, flicken, eingliedern und weiter!
Es klappte auch das. Bei einem Blick auf den
Fernseher gewahrte der Koordinator, dass vor
der VIP-Tribüne eine bayrische Kapelle stehen-
geblieben war, um ein Ständchen zu bringen.
Musiker und Dirigent trugen die klassischen
Hüte der Bajuwaren. Im Organisationsbüro
kam Hektik auf, also schnell der Funkspruch
an den Posten am Rathaus: „Nimm dem klei-
nen Verrückten den Taktstock aus der Hand“.
Die Antwort lautete: „Geht nicht!“ – „Warum
nicht?“ – „Es ist der Ministerpräsident!“

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25 Jahre Tag der Sachsen
| 9
04. bIs 06.09.1992 FreIberG
Stadtgründer Otto der Reiche
war im Festumzug ebenso
vertreten wie Mozart,
Stanzerl und Salieri – dar-
gestellt von Schauspielern
des Freiberger Theaters.
Schnappschüsse des Sachsen-
tages erinnerten an Höhe-
punkte und Begebenheiten.
Organisatoren erinnern sich
Konrad Heinze, Oberbürgermeister 1990–2001
Es war eine aufregende Zeit damals. Wir als Or-
ganisatoren mussten viel lernen und konnten
Erfahrungen sammeln, die Besucher fühlten
sich wohl. Die Premiere war dann gelungen mit
nachhaltiger Wirkung. Die Vereine fanden ein
ausgezeichnetes Podium. Neben den vielen Be-
suchern aus ganz Sachsen, den vielen Vereinen,
war die Staatsregierung sehr prominent vertre-
ten. Neben Ministerpräsident Kurt Biedenkopf
waren u a. auch Landtagspräsident Erich Illtgen
und Bundesminister Norbert Blüm zu Gast.
Letzterer zeigte sich ehrlich begeistert: „Schön
habt ihr es hier!“. Aber das Wichtigste war: Die
Bürgerinnen und Bürger nahmen das Fest als
ihr
Fest an. Inzwischen war ich auf vielen Ta-
gen der Sachsen. Jeder Veranstalter hatte andere
Ideen und Schwerpunkte gesetzt und der Rah-
men wurde immer größer, die Rundfunkstati-
onen meldeten sich entschieden zu Wort, aber
eines wurde immer deutlich: Der Stolz der Sach-
sen auf ihre Heimat und auf das Geschaffene.
Andreas Schwinger, Kulturamtsleiter
Am 23. Februar 1992 bekam Freiberg den Zu-
schlag für den 1. „Tag der Sachsen“. Wir hatten
also exakt 192 Tage Zeit für die Vorbereitung,
die dann aber auch irgendwie geklappt hat.
Große Medienbühnen gab es noch nicht. Vie-
les spielte sich im wahrsten Sinne des Wortes
„open air“ ab, denn diese Tage waren extrem
nass und kalt, was aber die Teilnehmer nicht
davon abhielt, am Sonntag einen bunten und
erlebnisreichen Festumzug zu gestalten, der
vielen noch in Erinnerung ist.
Prof. Dr. Hans Michael Eßlinger, Sprecher der Ge-
schäftsführung der Freiberger Brauhaus GmbH
Mit dem ersten Tag der Sachsen betraten wir alle
Neuland – man konnte die Spannung überall
spüren. Für den Festabend im Bierzelt hatte das
Freiberger Brauhaus extra ein Holzfass, Zapf-
besteck und Lederschürzen organisiert. Als der
Hahn im Fass und der erste Bierdruck weg war,
stellte ich erschrocken fest, dass die Fasspfeife
fehlt. Da habe ich fix meinen Kugelschreiber
benutzt, um den Korken einzuschlagen. Land-
tagspräsident Erich Iltgen hat spontan gelacht.
Thomas Mielenz
Was die Freiberger und das Organisationsteam
leisteten, kann man aus heutiger Sicht als sensa-
tionell bezeichnen. Als damaliger Angehöriger
der Bundeswehr und Einwohner von Freiberg
war ich als Verbindungsoffizier zum Organisa-
tionsbüro eingesetzt. Es war eine wunderschö-
ne Aufgabe. Die Bundeswehr wollte sich in den
neuen Ländern natürlich von der besten Seite
zeigen. Deshalb gab es nur eine Devise: „Geht
nicht – gibt es nicht“.

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10 |
25 Jahre Tag der Sachsen
GörlItz
Unter dem Motto „Wir in Sachsen“ feierten die görlitzerinnen
und görlitzer drei tolle Tage mit ihren gästen
Görlitz war als zweite Stadt Austragungsort
des „Tages der Sachsen“. Ohne damals so ganz
genau zu wissen, was alles an Arbeit auf sie zu-
kommt, hatte sich die Stadt Görlitz im Sommer
1992 um die Ausrichtung des „Tages der Sach-
sen“ 1993 beworben und erhielt im September
1992 prompt den Zuschlag.
Etwa zwölf Monate Zeit war vorhanden, um
den „Tag der Sachsen“ vorbereiten zu können.
Alle, die mitmachten, waren voller Elan und
Tatendrang sowie vom Miteinander und
Engagement der Bürgerschaft begeistert. Die
Organisatoren sagten kurz vor dem Startschuss
der Sachsentage 1993: „Es hat Spaß gemacht!
Wir haben vieles gelernt und dazugewonnen.
Wir können allen sächsischen Kommunen gu-
ten Herzens empfehlen, sich um die Ausrich-
tung des ,Tages der Sachsen‘ in den nächsten
Jahren zu bewerben. Wir wünschen dem Fest,
dass es zu einer guten Tradition im Freistaat
werde und allen ein gutes Gelingen.“
Die Neißestadt stand vom 3. bis 5. September
1993 im Mittelpunkt der Öffentlichkeit und
erlebte eine Aufmerksamkeit, die zuvor wohl
selten diese Größenordnung erreicht hatte.
Mehr als 1.000 Veranstaltungen, rund 800 Ver-
eine, 300 sächsische Aussteller auf der „Großen
Wirtschafts- und Verkaufsausstellung“ auf dem
Görlitzer Flugplatz sowie eine Vielzahl großer
und kleiner Höhepunkte – die Görlitzerinnen
und Görlitzer hatten sich bestens auf das größte
sächsische Volksfest vorbereitet. Alles war –
soweit es ging – bis ins kleinste Detail geplant.
Hochrangige in- und ausländische Gäste wur-
den empfangen. Vertreter der Partnerstädte von
Görlitz wurden begrüßt. Printmedien, Rund-
funk und Fernsehen berichteten aus Görlitz.
Auch wenn es an allen drei Tagen regnete,
Erich Iltgen, damals Präsident
des Kuratoriums „Tag der
Sachsen“, eröffnete die
Sachsentage in Görlitz.
Im Sachsenclub standen
Persönlichkeiten aus
verschiedensten Reihen
des öffentlichen Lebens
Rede und Antwort.
Herzliche Begrüßung des
damaligen Ministerpräsiden-
ten Professor Kurt Bieden-
kopf mit Gattin Ingrid (links:
OB a. D. Matthias Lechner)
Fotos: Stadt görlitz
Fakten zum
Tag der Sachsen
etwa 270.000 Besucher
(140.000 allein am Sonn-
tag) und cirka 12.000
gäste aus Polen
Mehr als
50 Ver-
anstaltungsorte
Festumzugsteilnehmer:
144 Verbände/Vereine,
3.800 Personen
Rund 50 Medien
(Presse,
Funk und Fernsehen) mit
170 Mitarbeitern
Bierausschank:
rund 45.000 Liter an
allen drei Tagen
Niederschläge:
13,8 mm/qm an den
drei Festtagen, das
sind ca. 25 Prozent des
Monatsmittels

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25 Jahre Tag der Sachsen
| 11
03. bIs 05.09.1993 GörlItz
Auf der Bühne wurde ein
buntes Programm mit Trach-
ten und Brauchtümern aus
Sachsen präsentiert.
Foto: Stadt görlitz
hielt es niemanden davon ab, ausgiebig und
fröhlich zu feiern.
„Dass der ‚Tag der Sachsen‘ diesmal in Görlitz
stattfindet, also mitten in der Euroregion Neiße,
gibt ihm ein besonderes Gewicht. Böhmen,
Schlesier und Sachsen, Menschen aus Po-
len, Deutschland und aus der Tschechischen
Republik sollten in der Brückenstadt Görlitz
ge meinsam für ein wahrlich ‚grenzenloses‘
Fest die Chance ergreifen“, sagte der damalige
Ministerpräsident Prof. Dr. Kurt Biedenkopf
in seinem Grußwort im Jahr 1993.
Mit dem Anschnitt eines 30 Meter langen
Mohnstollens durch den damaligen Oberbür-
germeister Matthias Lechner auf dem Gelände
des Marktkauf-Einkaufszentrums im Görlitzer
Stadtteil Königshufen wurde am Freitagnach-
mittag das Festprogramm der Sachsentage
eröffnet. Es gab Politiker zum Anfassen, die
im „Sachsen Club“ – einem Zelt auf dem Un-
termarkt – über aktuelle politische Themen
diskutierten. 370 Rekruten der Bundeswehr
legten im Görlitzer Stadtpark anlässlich des
Festes ihr feierliches Gelöbnis ab. Klassik- und
Rockkonzerte, Auftritte von prominenten und
weniger bekannten Künstlern auf verschiede-
nen Bühnen, Spielmannszüge, Jugendorchester
und Unterhalter präsentierten ihr Können im
Festgebiet. Zahlreiche Handwerker und Händ-
ler boten ihre Waren feil. Selbst der Sport kam
an diesem Wochenende nicht zu kurz: Im Sta-
dion der Freundschaft fanden Wettkämpfe in
der Leichtathletik und im Bogenschießen statt.
Ein internationaler Mannschaftsstaffellauf über
eine Strecke von rund 70 Kilometern führte
durch die Euroregion. Bei einem Fußballturnier
spielten Landesbedienstete, Görlitzer Stadträte
und Angestellte der Stadtverwaltung.
Görlitz hatte kein
Maskottchen,
aber
eine Plakette, auf der
der reichenbacher Turm und die
Wappentiere abgebildet sind.
Peterskirche, Dicker Turm
und Schönhof in Görlitz.
Fotos: Sabine Wenzel,
egZ, rainer Weisflog (v. l.)

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12 |
25 Jahre Tag der Sachsen
03. bIs 05.09.1993 GörlItz
Oberbürgermeister a. D.
Matthias Lechner übergab den
Staffelstab
für den „Tag der Sach-
sen 1994“ an den damaligen Bür-
germeister der Stadt anna berg-
Buchholz, Klaus hermann.
Riesenrad auf dem Obermarkt,
mittelalterliches Flair in der
altstadt – es ist für alle beim
altstadtfest etwas dabei.
Fotos: Stadt görlitz
Höhepunkt war der Fest-
umzug mit bunten und ein-
drucksvollen Schau bildern
am Sonntag. Es zeigten
sich auch Tänzerinnen des
Görlitzer Theaters.
die Presse war überall live dabei.
Fotos: rolf Ullmann
Glanzvoller Höhepunkt war am Sonntag der
„Große Festumzug“, der über verschiedene
Straßen der Innenstadt verlief. Die Stadt präsen-
tierte sich in verschiedenen Blöcken: das histo-
rische Görlitz wurde in 22 Bildern dargestellt,
500 Kinder dokumentierten Lebensfreude und
Ausgelassenheit durch Gesang, Tanz, Musik
und Spiele. Es waren außerdem dabei: 40 Schüt-
zengesellschaften des sächsischen Schützenver-
bandes, Sportvereine, Feuerwehren, Karnevals-
gesellschaften aus Sachsen, caritative Vereine
und Gruppen, Handel, Handwerk sowie viele
mehr.
„Dass es solch ein fröhliches Fest doch öfter
in Görlitz geben könnte“, sagten sich die Gör-
litzerinnen und Görlitzer, die nach diesen drei
tollen Tagen noch gänzlich begeistert waren
und in vergnügter Feierlaune schwelgten. Und
tatsächlich war das dann auch der Grundstein
für das Altstadtfest, welches seitdem jedes Jahr –
zuerst am zweiten Septemberwochenende spä-
ter am letzten Augustwochenende – drei Tage
lang stattfindet und sich zum größten Volksfest
in Ostsachsen entwickelt hat. Tausende Gäste
sind dabei, wenn sich Plätze und Straßen der
Altstadt in ein mittelalterliches Festgebiet ver-
wandeln. Seit einigen Jahren findet im polni-
schen Teil der Europastadt – in Zgorzelec – zur
gleichen Zeit auch das Jakuby-Fest statt und
bereichert die Festtage nochmals.
Görlitz feiert gern! Das zeigen die zahlreichen
Veranstaltungen, die sich in den letzten zwei

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25 Jahre Tag der Sachsen
| 13
03. bIs 05.09.1993 GörlItz
Mit einem Besuch des
Schlesischen Christkindel-
marktes stimmen sich die
Görlitzerinnen und Görlitzer
sowie viele Gäste auf die
Adventszeit ein.
Fotos: Stadt görlitz
Töpferware und ein buntes
Programm mit Tradition –
jedes Jahr beliebt beim
„Schlesischen Tippelmarkt“
Jahrzehnten in der Neißestadt fest etabliert
haben. Dazu zählen u. a. das Internationale
Straßentheaterfestival ViaThea, der Schlesische
Tippelmarkt, das Altstadtfest oder der Schlesi-
sche Christkindelmarkt. Sie begeistern jährlich
tausende Besucher und tragen wesentlich zur
konstanten touristischen Entwicklung der Stadt
bei. Auch weitere Veranstaltungen, wie z. B. die
jährlich stattfindenden Görlitzer Jazztage, der
Tag der offenen Sanierungstür oder der Tag
des offenen Denkmals werden mit viel bürger-
schaftlichem Engagement und Freude vorberei-
tet und finden großen Zuspruch.
Görlitz fasziniert! Die östlichste Stadt Deutsch-
lands an der Neiße ist architektonisch von be-
merkenswerter Schönheit und bietet ein einzig-
artiges Ambiente. Der historische Altstadtkern
mit seinen verwinkelten Gassen, reich verzier-
ten Fassaden, den für die ehemalige Tuchma-
cherstadt typischen Hallenhäusern, massiven
Befestigungs- und Wehranlagen und ehrwür-
digen Kirchen lädt zu einer einzigartigen Ent-
deckungsreise durch die Vergangenheit ein.
Auf wenigen hundert Metern lassen sich hier
Bauwerke der Spätgotik, der Renaissance, des
Barocks und des Jugendstils bewundern.
Görlitz ist immer eine Reise wert! Nicht nur
die 4.000 Einzeldenkmäler aus den verschie-
densten Zeitepochen locken viele Touristen in
die Neißestadt. Internationale Filmregisseure
entdeckten die Neißestadt als authentische und
wandelbare Filmkulisse und realisierten hier
in den letzten Jahren zahlreiche, zum Teil os-
carprämierte Produktionen. Sie schätzen nicht
nur die inspirierende Atmosphäre der Stadt,
sondern ganz besonders auch die Gast-
freundlichkeit der Görlitzer.
Mehr über Görlitz zu
erfahren gibt es unter
www.goerlitz.de
Görlitz wird beim ViaThea
Straßentheaterfestival zu einer
großen bunten Theaterfreilichtbühne.
Medaille zum Tag
der Sachsen in Görlitz.

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14 |
25 Jahre Tag der Sachsen
annaberG-buchholz
3. Tag der Sachsen
vom 2. bis 4. September 1994
Der Tag der Sachsen war für Annaberg-Buch-
holz „das Ereignis“ der 90er Jahre und ist bis
heute den Einwohnern und Gästen noch in sehr
guter Erinnerung. Gleichzeitig eröffnete er den
Reigen weiterer großer Feierlichkeiten in der
Stadt, wie der 500-Jahr-Feier von Annaberg im
Jahr 1996 und der 500-Jahr-Feier von Buchholz
im Jahr 2001. Danach wurden u. a. der 450. To-
destag des berühmten deutschen Rechenmeis-
ters Adam Ries im Jahr 2009 sowie der 500.
Geburtstag der bedeutenden Bortenverlegerin
und Montanunternehmerin Barbara Uthmann
im Jahr 2014 mit großen Festen begangen.
Mit seinem großen organisatorischen Aufwand,
seinem Konzept sowie seinen Abläufen und In-
halten trug der Tag der Sachsen maßgeblich
dazu bei, dass sich Einwohner und Gäste viel
stärker der großen kulturhistorischen Schätze
bewusst wurden, die es in Annaberg-Buchholz
und in Sachsen gibt. Die Identifikation mit der
eigenen Stadt und Region ist seither gewachsen.
Vieles, was zum Tag der Sachsen Premiere fei-
erte, wirkt bis heute fort.
Annaberg-Buchholz stand 1994 vor der Auf-
gabe, den 3. Tag der Sachsen zu gestalten. Die
Vorbereitungen dazu begannen bereits mit dem
Besuch des 2. Tages der Sachsen in Görlitz. Dort
sammelten Vertreter der Stadt Erfahrungen,
führten zahlreiche Gespräche und verschafften
sich einen Eindruck von jenen Voraussetzun-
gen, die für ein erfolgreiches Fest notwendig
sind. In der Folge nahm am 8. November 1993
ein eigenes Organisationsbüro im städtischen
Kulturzentrum Haus des Gastes Erzhammer
seinen Betrieb auf. Dort wurden Konzepte für
Veranstaltungen, Logistik, Verkehr und Park-
Präsentation der Annaberg-
Buchholzer zum Tag der
Sachsen 1993 in Görlitz
(li.)
Klöpplerin und Bergmann –
Maskottchen des Tages
der Sachsen in Annaberg-
Buchholz 1994
(re.)
Fotos: Stadt annaberg-Buchholz,
Matthias Förster
Fakten zum
Tag der Sachsen
300.000 Besucher
740 Vereine
15.000 akteure
17 Bühnen
30.000 Parkplätze
10.000 m² Wirtschaftsschau
mit 230 ausstellern
über
4.000 Teilnehmer
am Festumzug
1.200 Teilnehmer
der Bergparade

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25 Jahre Tag der Sachsen
| 15
02. bIs 04.09.1994 annaberG-buchholz
Blick auf die Annaberger
Altstadt und den Schutzteich,
in der Mitte die „St. Annen-
kirche“, links hinten der
Stadtteil Buchholz
Luftbild: dirk rückschloss,
annaberg-Buchholz
plätze, aber auch für eine gute Präsentation der
eigenen Stadt entwickelt. Elf Arbeitsgruppen
sorgten dafür, dass alles in gute Bahnen ge-
lenkt wurde. Das Team knüpfte Verbindungen
zu sächsischen Vereinen, zur Geschäftsstelle
des Tages der Sachsen, zu Medien, Firmen und
Sponsoren, zu ehrenamtlichen Helfern und vie-
len weiteren Partnern.
Erwartet wurden rund 300.000 Besucher sowie
über 1.200 Veranstaltungen an 50 verschiede-
nen Orten der Stadt. Der logistische Aufwand
war immens. In Annaberg-Buchholz reagierten
die Verantwortlichen um Oberbürgermeister
Klaus Hermann und Organisationschef Eck-
hard Tanzhaus mit viel Enthusiasmus auf die
großen Herausforderungen. Unter der Über-
schrift „Wir schaffen das!“ entwickelte sich in
der Stadt in wenigen Wochen ein großes Ge-
meinschaftsgefühl.
Image und Bekanntheit gesteigert –
Belebung für den Tourismus
Im Mittelpunkt stand das Bestreben, den säch-
sischen Vereinen sowie allen weiteren Gäs-
ten, Prominenten und Medienvertretern ein
guter Gastgeber zu sein, gleichzeitig aber die
traditionsreiche Berg- und Adam-Ries-Stadt
Annaberg-Buchholz in einer guten und einla-
denden Weise zu präsentieren. Schon die Mas-
kottchen des 3. Tages der Sachsen, Klöppelfrau
und Bergmann, zeigten das Typische der Erzge-
birgsregion, die über Jahrhunderte von Bergbau
und textilem Gewerbe geprägt war. Tradition
und Brauchtum spielten deshalb auch an den
Festtagen eine zentrale Rolle. Im Umfeld des
bekannten Frohnauer Hammers, dem ersten
Technischen Museum in Sachsen, entstand an
geschichtsträchtiger Stätte ein bergmännisches
Bläserquintett der Berg-
kapelle Frohnau/Annaberg-
Buchholz e.V. (heute Berg-
musikkorps „Frisch Glück“
Annaberg-Buchholz e.V.)
vor dem Modell des
Annaberger Bergaltars
(li.)
Festumzug zum Tag
der Sachsen 1994 in
Annaberg-Buchholz
(re.)

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16 |
25 Jahre Tag der Sachsen
02. bIs 04.09.1994 annaberG-buchholz
Modell der Barbarine in der
Wolkensteiner Straße
(li.)
Portal der „St. Annen-
kirche“
(Mi. o.)
MP Kurt Biedenkopf am
Frohnauer Hammer
(Mi. u.)
Schneiderwerkstatt für den
Tag der Sachsen
(re. o.)
Sachsenclub zum Tag der
Sachsen
(re. u.)
Fotos: Stadt annaberg-Buchholz,
Matthias Förster
Zentrum. Im Herzen der Altstadt sowie an an-
deren Orten lockten Sachsenpromenade, drei
musische Zentren sowie der Sachsenclub. Da-
rüber hinaus zogen die Sächsische Agrarstraße,
die Wirtschaftsausstellung sowie das zentrale
Festgelände auf dem überdachten Markt und in
der Innenstadt Hunderttausende in ihren Bann.
Diese Struktur erwies sich nicht nur kulturhis-
torisch, sondern vor allem logistisch und tou-
ristisch als sehr praktisch. Besucher und Gäste
wurden auf diese Weise nicht nur zu den zahl-
reichen Präsentationen sächsischer Vereine ge-
führt, sondern lernten – sozusagen ganz neben-
bei – solche touristischen Glanzlichter wie die
sehenswerte Altstadt, „St. Annenkirche“, Erzge-
birgsmuseum und Adam-Ries-Museum sowie
die sehenswerten Besucherbergwerke kennen.
Das Gesamtkonzept, das aus den Präsentati-
onen sächsischer Vereine und Firmen, großer
medialer Events, typisch erzgebirgischen Tra-
ditionen und regionalem Brauchtum, dem rie-
sigen Festumzug, der großen Bergparade sowie
den touristischen Glanzlichtern der Stadt be-
stand, ging auf. Über 300.000 Besucher wurden
angelockt. Die Medien verwendeten in ihrer
Berichterstattung immer wieder Superlative:
„Besucherrekord zum Tag der Sachsen“, „An-
naberg-Buchholz als Metropole aller Sachsen“,
„Wir feierten drei Tage und Nächte“, war zu
lesen. Im Blick auf Image und Bekanntheit war
der 3. Tag der Sachsen ein Fest, das die Erzge-
birgsstadt neben Themen wie Adam Ries, Berg-
parade, Weihnachtsmarkt und KÄT überregio-
nal sehr bekannt machte.
Festumzug – kulturhistorischer Streifzug
durch Sachsen und das erzgebirge
Das absolute Highlight des 3. Tages der Sachsen
in Annaberg-Buchholz bildete der große Fest-
umzug am 4. September 1994. Auf einer Länge
von mehreren Kilometern präsentierten sich
Hunderte sächsische Vereine. Das Spektrum
reichte von Heimat- und Traditionsvereinen
über Schützen-, Karnevals- und Sportvereine
bis hin zu Hilfsorganisationen sowie weiteren
Vereinen und Verbänden. Aus allen Regionen
Sachsens gab es Präsentationen. Für den zünf-
tigen musikalischen Rahmen sorgten 27 Kapel-
len. Besonders intensiv hatte sich Annaberg-
Buchholz als Gastgeberstadt auf den Festumzug
vorbereitet. 23 verschiedene Bilder rückten u. a.
Stadtgeschichte und Industrialisierung, die Ent-
wicklung des weltweiten Handels, die Zerstö-
rung von Buchholz im Jahr 1945 sowie Stadt-
schönheiten und Naturschätze, Weihnachtsland
und Volkskunst in den Blickpunkt der Öffent-
lichkeit. Besucher erfuhren auf diese Weise vom
großen Silberfund im Jahr 1491, von den Stadt-

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25 Jahre Tag der Sachsen
| 17
02. bIs 04.09.1994 annaberG-buchholz
Übergabe des Staffelstabes
für den Tag der Sachsen 1993
vom Görlitzer OB (links) an
den Annaberg-Buchholzer OB
Klaus Hermann (rechts) im
Hintergrund Landtagspräsi-
dent Erich Iltgen
(li. o.)
Festumzug zum
Tag der Sachsen 1994
in Annaberg-Buchholz
Fotos: Stadt annaberg-Buchholz,
Matthias Förster
gründungen Annaberg (1496) und Buchholz
(1501), von der Blüte des Bergbaus sowie von
der Gründung der bekannten Annaberger KÄT
im Jahr 1519. Weitere Themen waren die Ent-
stehung der Klöppel- und Posamentenindust-
rie, der Stadtbrand von 1604, der Dreißigjähri-
ge Krieg und das amerikanische Konsulat von
1879–1908 sowie die Vereinigung von Anna-
berg und Buchholz, die im Jahr 1945 von der
sowjetischen Stadtkommandantur initiiert wur-
de. Vom riesigen Kostümfundus, der auf diese
Weise entstand, profitiert Annaberg-Buchholz
noch heute, u. a. zu den regelmäßigen Klos-
terfesten, zum Barbara-Uthmann-Jubiläum im
Jahr 2014 sowie zur 650-Jahr-Feier Cunersdorf,
die 2017 im Stadtteil Cunersdorf gefeiert wird.
Tradition und aufbruch
als zentrales Motto bis heute
Die Impulse, die unter dem damaligen Motto
„Tradition und Aufbruch“ vom 3. Tag der Sach-
sen in Annaberg-Buchholz ausgehen, wirken
noch heute in die Zukunft fort. Neben Investi-
tionen, die damals auch mit Hilfe von Förder-
mitteln auf den Weg gebracht wurden, ist es vor
allem das Vertrauen in die eigene Kraft, das die
Einwohner der Stadt bis heute motiviert, aktiv
und in vielfältiger Weise für ihre Region, für
Einwohner und Gäste zu wirken. Das zeigt sich
u. a. an den vielfältigen städtebaulichen Initia-
tiven, die Annaberg-Buchholz inzwischen in
ein „erzgebirgisches Schmuckkästchen“ ver-
wandelt haben, an drei ausgelasteten Gewer-
begebieten und der Erschließung eines neuen
Industriegebietes, an sanierten Kindertages-
stätten und Schulen, Kultur- und Sportstätten.
Auch im Tourismus gibt es erfreuliche Ten-
denzen. Die städtischen Museen verzeichnen
seit 2014 wieder Besucherzuwächse. Im Jahr
2015 wurde die Stadt mit ihrem Weihnachts-
markt von den Bürgern zur „Best Christmas
City“ gekürt. Die Annaberger KÄT, das größte
Volksfest des Erzgebirges feiert im Jahr 2020 ihr
500. Jubiläum. Bergbauliche Traditionen und
typisches Brauchtum sind lebendiger denn je
und locken in jedem Jahr unzählige Besucher
in die Erzgebirgsstadt. „St. Annenkirche“ und
Frohnauer Hammer, Erzgebirgs- und Adam-
Ries-Museum, drei Besucherbergwerke, aber
auch Klosterfest und Bauernmarkt,
KÄT und Weihnachtsmarkt, Klöp -
pel- und Schnitzertage, Mode-
nacht und Piazza, Internatio-
nale Mineralienbörse sowie
örtliche Traditionsfeste sind
dabei besondere Anziehungs-
punkte. Annaberg-Buchholz
das heißt: Leben, wo andere
Urlaub machen.
Medaille zum
Tag der Sachsen in
Annaberg-Buchholz

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18 |
25 Jahre Tag der Sachsen
rochlItzer Muldental
Von aussichtsturm bis Zeitreise –
Bei uns können Sie was erleben!
erstmals feierte eine ganze region
den Tag der Sachsen
Steckenpferd der Region zwischen Rochlitz, Pe-
nig und Burgstädt ist ihre mehr als 1.000jährige
Geschichte. Deren Zeitzeugen sind noch heute
an vielen Stellen im Rochlitzer Muldental und
Chemnitztal zu entdecken. Alte Burgmauern,
denen neues Leben eingehaucht wird, kultu-
relle Kleinode und jede Menge idyllische Natur
sorgen für unvergessliche Erlebnisse und erhol-
same Momente – so auch beim Tag der Sachsen
1995. Klar, dass dabei die Feier zur erstmali-
gen Erwähnung der so genannten Reichsburg
Rochlitz vor 1.000 Jahren der Schwerpunkt der
Festveranstaltungen war. Eine ganz besondere
Herausforderung für die Organisatoren war es,
dass nicht ein Ort, sondern eine ganze Region
Gastgeber war.
„Für unsere Region war so ein großes Volksfest
absolutes Neuland. Unter Leitung des
Landkrei-
ses Mittweida, vier Städten und drei Gemeinden,
unterstützt von zahlreichen Organisationen,
Firmen und Vereinen, so auch dem Heimat-
und Verkehrsverein ,Rochlitzer Muldental‘ e. V.,
konnte ein abwechslungsreiches Programm
in allen Orten dargeboten werden. Leider war
der Tag der Sachsen durch das plötzliche Hoch-
wasser der Zwickauer Mulde getrübt. Das zum
Glück ‚kleine‘ Hochwasser konnte uns aber
nicht vom Feiern abhalten. Und so begrüßten
wir rund 350.000 Besucher in unserer Region“,
erinnert sich Dorothea Palm, Geschäftsführerin
des Heimat- und Verkehrsvereins „Rochlitzer
Muldental“ e.V. zurück.
Höhepunkt vom Tag der Sachsen 1995 im
Rochlitzer Muldental war zweifelsohne der gro-
ße Festumzug. Die mehrstündige, farbenpräch-
tige Parade zog sich über vier Kilometer durch
Rochlitz. Rund 60.000 Schaulustige säumten ih-
ren Weg. Sie sahen ein lebendiges Bild der säch-
sischen Geschichte und Gegenwart, u. a. mit
Töpferinnen aus Penig, Bäckern und Steinmetz-
ten aus Rochlitz oder dem Stuhlbauerhandwerk
in Geringswalde.
Mehr als 1.000 Jahre geschichte sind
immer ein guter grund zum Feiern
Überhaupt wird im Rochlitzer Muldental und
Chemnitztal gerne gefeiert. Viele Vereine und
Umzug der Schützenge-
sellschaften beim Tag der
Sachsen 1995 in Penig.
Foto: archiv Stadt-
verwaltung Penig
Fakten zum
Tag der Sachsen
Jahr:
1995
Besonderheit:
nicht
eine einzelne Stadt,
sondern eine region war
austragungsort – nämlich
die Kommunen rochlitz,
Penig, Wechselburg, Lun-
zenau, Seelitz, gerings-
walde und aitzendorf in
Zusammenarbeit mit dem
Landkreis Mittweida
rund
350.000 Besucher
Festumzug:
4 km lang,
60.000 Schaulustige
Anlass:
Feier zur erst-
maligen erwähnung der
reichsburg rochlitz vor
1.000 Jahren
getrübt durch hochwasser
in der gesamten region

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25 Jahre Tag der Sachsen
| 19
01. bIs 03.09.1995 rochlItzer Muldental
Die „Performance zum Stein“
bringt den Porphyr jedes Jahr
zum Leuchten und Klingen.
Foto: gabriele Ottich
Zu besonderen Anlässen ent-
steigt der Lebendige Fürsten-
zug zu Dresden seinem
berühmten Wandbild.
Foto: gabriele Ottich
Akteure machen jedes Fest unvergesslich – so
zum Beispiel den Tag der Gesundheit, der je-
des Jahr im Juni zu Ehren des in der Region
geborenen Naturheilkundlers Friedrich Eduard
Bilz gefeiert wird.
Auf besondere Kulissen hat es der Mittelsäch-
sische Kultursommer e.V. abgesehen. Er bringt
bei der „Performance zum Stein“ jedes Jahr im
Juni die bizarr anmutenden Steinbrüche auf dem
Rochlitzer Berg zum Leuchten und Klingen.
Auch historische Gemäuer werden von ihm gern
mit Musik zum Leben erweckt, beispielsweise bei
den „Wechselburger Klosterklängen“ in der ro-
manischen Basilika oder bei der „Irischen Nacht“
im Schloss Rochsburg. Und beim Historischen
Marktfest Wechselburg im August entführt er die
Besucher zusammen mit den Bewohnern des be-
schaulichen Ortes in vergangene Zeiten.
Die Kreativität der Menschen vor Ort kennt
kaum Grenzen – und so haben sie kurzerhand
sogar den Fürstenzug zu Dresden lebendig
werden lassen. Zu besonderen Anlässen sind
94 Darsteller, 45 Pferde und ein Hund unter-
wegs, um acht Jahrhunderte sächsischer Ge-
schichte zu veranschaulichen.
Zu Besuch in
historischen Kleinoden
Die Hügel und schroffen Felsen entlang der
Flüsse waren die idealen Bauplätze für Klöster
und majestätische Burgen. Als unverfälschte,
mittelalterliche Anlage präsentiert sich Schloss
Rochlitz seinen Besuchern. Stolz, geheimnisvoll
und auch ein wenig düster wacht es über die
gleichnamige Stadt. Seine Mauern können von
einer 1000-jährigen Geschichte erzählen: von
Kaisern, Königen und Fürsten, aber auch jenen,
die für ihr Wohl zu sorgen hatten.
In vielen Räumen und der funktionstüchtigen
Schwarzküche können Sie Einiges erleben und
ausprobieren. Angebote wie „Unterwegs mit
dem Kerkermeister“, „Kochen wie im Mittel-
alter“ oder „Drauf geschissen …“ sind in der
Tourist-Information buchbar.
Ein wahrhaft märchenhafter Blickfang ist
Schloss Rochsburg. Es präsentiert sich seit über
800 Jahren mit seinen imposanten Innenhöfen,
Wehrgang, Schlosskapelle und Museum. Ritter
Günther und seine „Kollegen“ laden immer wie-
der zu vielseitigen Veranstaltungen für die ganze
Das idyllische Grün des
Wechselburger Schlossparks,
schroffe Felsen und die
mächtige Kulisse des Roch-
litzer Schlosses
beeindrucken
bei einer Schlauchboottour.
Foto: heimat- und Verkehrsverein
„rochlitzer Muldental“ e.V.

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20 |
25 Jahre Tag der Sachsen
01. bIs 03.09.1995 rochlItzer Muldental
Der Taurasteinturm bietet in
Burgstädt herrlich Ausblicke.
Foto: heimat- und Verkehrsverein
„rochlitzer Muldental“ e.V.
Ein wahrhaft märchenhafter
Anblick ist Schloss Rochsburg
in Lunzenau.
Foto: gotthard Ladegast
Der Walderlebnispfad
Wechselburg zählt zu
den schönsten Familien-
wanderwegen in Sachsen.
Foto: Bianka Behrami
Im Chemnitztal fallen
sofort die „Strudeltöpfe“
als besondere Gesteins-
formationen ins Auge.
Foto: archiv gemeinde claußnitz
Familie ein. Geheimtipp ist eine Ausstellung
mit Kostümen aus über tausend Jahren euro-
päischer Mode. Für sie wurden 10.000 Kilo-
meter Nähfaden, drei Kilometer Stoff und
500 Meter Spitze verarbeitet. 800 Knöpfe mit
Knopflöchern waren zu bewältigen und dabei
wurden tausende Nadeln verschlissen.
Die Basilika Wechselburg aus dem 12. Jahrhun-
dert ist dank ihrer Porphyr-Elemente nicht nur
beispielhaft für die Architekturgeschichte der
Region, sondern beherbergt mit ihrem wuch-
tigen Lettner wohl auch eines der kostbarsten
romanischen Kunstwerke der Welt.
Seit 1993 beherbergen die Räume neben der
Basilika ein Benediktinerkloster, das vom bay-
erischen Kloster Ettal aus gegründet wurde. In
Wechselburg sind damit zum ersten Mal in der
Geschichte Benediktinermönche.
Zeit zum durchatmen in der natur
Tulpenbaum, Trompetenbaum oder Kuchen-
baum heißen die seltenen Bäume, die gleich
neben der Basilika den Wechselburger Schloss-
park zu einem ganz besonderen Kleinod
machen. Er wurde als barocker Landschafts-
park im englischen Stil von den Schönburgern
angelegt.
Nicht nur an der Basilika, sondern auch sonst
werden Sie bei uns oft auf den Rochlitzer
Porphyr treffen. Seine Heimstätte ist der
Rochlitzer Berg, der einst aus der Asche und
den Glutwolken eines Vulkans entstand und
seit kurzem Teil des Nationalen Geoparks
„Porphyrland. Steinreich in Sachsen“ ist. Mit
353 Metern über Meeresniveau, gekrönt von
einem Aussichtsturm und reichlicher Bewal-
dung, ist der Rochlitzer Berg die höchste Er-
hebung zwischen der Leipziger Tieflandsbucht
und dem Erzgebirgsvorland – und ein herr-
liches Ziel für ausgedehnte Spaziergänge.
Wenn Sie eine herrliche Aussicht über die
Region genießen möchten, lohnt sich ein Auf-
stieg auf den Friedrich-August-Turm auf dem
Rochlitzer Berg. Oder Sie erklimmen den Tau-
rasteinturm, der den Wettinhain in Burgstädt
krönt, der u. a. mit seinem Barfußpfad ein be-
liebtes Ziel für Familien ist.
Außergewöhnliche Gesteinsformationen, die
so genannten „Strudeltöpfe“, fallen bei einem
Ausflug durch das Chemnitztal sofort ins Auge.
Sie sind für ganz Deutschland einzigartig und
„bevölkern“ den Chemnitzfluss.
aktive erlebnisse
Die abwechslungsreiche Landschaft ist auch
wie geschaffen für aktive Erlebnisse. Rad- und

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25 Jahre Tag der Sachsen
| 21
01. bIs 03.09.1995 rochlItzer Muldental
Medaille zum Tag
der Sachsen im
Rochlitzer Muldental.
Das Göhrener Viadukt
zwischen Wechselburg und
Lunzenau ist die drittgrößte
Eisenbahnsteinbrücke in
Sachsen.
Foto: Gotthard ladegast
Die Bilz-Region lädt zu vielen
aktiven Erlebnissen ein.
Foto: Bianka Behrami
Am Museumsbahnhof
Markersdorf-Taura tuckern
Sie mit Schienentraktor
„Paul“ durch die Landschaft.
Foto: Bianka Behrami
Wanderwege gibt es viele. Aber im Rochlitzer
Muldental und Chemnitztal können Sie Ihre
Touren durch die Natur ideal mit Entdeckun-
gen rund um Geschichte und Technik ver-
binden. Also radeln Sie doch einfach mal von
Schloss zu Schloss und erahnen Sie die Ge-
schichte unserer Vorfahren. Erkunden Sie tech-
nische Denkmäler wie den Museumsbahnhof
Markersdorf-Taura und das Göhrener Viadukt.
Begeben Sie sich auf die Spuren des Rochlitzer
Porphyrs oder genießen Sie einfach die Idylle
der Natur.
Auf einer Länge von rund 2,7 Kilometern ver-
mittelt der Porphyrlehrpfad seinen Besuchern
Wissen über die Entstehungsgeschichte des
Rochlitzer Berges mit seinem Porphyrtuff, die
Abbaumethoden, das Leben und die Arbeit der
Steinmetze, bedeutende Bauten und interessan-
te geschichtliche Hintergründe. Ergänzt wird er
von der rund 13 Kilometer langen Erlebnistour
Seelitz – dem Porphyr auf den Fersen sowie
dem 9,5 Kilometer langen Walderlebnispfad
Wechselburg, einem der schönsten Familien-
wanderwege in Sachsen.
Aktive Erlebnisse stehen übrigens auch in der
Bilz-Region im Mittelpunkt, die die Städte
Burgstädt, Lunzenau und Penig miteinander
verbindet. Ihr Namensgeber ist der Sächsische
Naturheilkundler Friedrich Eduard Bilz, der
hier geboren wurde. Das Angebotsspektrum
der Bilz-Region ist sehr vielfältig – von öffent-
lichen Rad- und Wandertouren über Tipps zu
heimischen Kräutern und gesunder Ernäh-
rung sowie regionalen Schlemmereien bis hin
zum jährlichen Tag der Gesundheit ist für alle
Altersgruppen etwas dabei. Beliebt ist auch die
Bilz-Route mit einer Strecke von 35 Kilometern.
erlebnisangebote für alle
Die Schätze der Natur schmecken, Geheimnisse
aus der Vergangenheit lüften, gemeinsam wan-
dern und einfach einen unvergesslichen Tag
verbringen – all das kann man in unserer Regi-
on mit unseren vielfältigen Erlebnisangeboten –
egal ob in Familie, mit Freunden oder Kollegen
oder zum Kindergeburtstag. Alle Angebote gibt
es bei uns auf der Internetseite.
Kontakt:
Tourist-Information
„Rochlitzer Muldental“
Markt 1
09306 Rochlitz
Telefon (03737) 783 222
Internet:
www.rochlitzer-muldental.de

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22 |
25 Jahre Tag der Sachsen
torGau
große Kreisstadt im Landkreis nordsachsen
5. Tag der Sachsen vom 6. bis 8. September 1996
Vorbereitung und ablauf
des 5. Tages der Sachsen
Mit Beschluss des Kuratoriums „Tag der Sach-
sen“ am 03.09.1994 in Annaberg-Buchholz
erhielt Torgau den Zuschlag zur Ausrichtung
des 5. Tages der Sachsen. Als erste Maßnahme
wurde ein Festkomitee unter Leitung des Bür-
germeisters, ein Arbeitsstab mit 13 Arbeits-
gruppen und ein Organisationsbüro mit Sitz
im Kulturhaus gebildet. Als Leiter des Arbeits-
stabes und des Organisationsbüros wurde vom
Bürgermeister für den Zeitraum ab September
1995 bzw. hauptamtlich ab 01.01. bis 31.10.1996
der Amtsleiter des Bauverwaltungsamtes ein-
gesetzt. Die Arbeitsgruppen beinhalteten die
Schwerpunkte Programmgestaltung, Sicher-
heit, Technik, Festumzug, Finanzen, Verkehr,
Teilnehmerbetreuung, Stadtbild, Entsorgung,
Versorgung, Gästebetreuung, Besucherunter-
bringung und Pressebüro. Den Arbeitsgrup-
pen und dem Organisationsbüro wurden mit
Unterstützung des Arbeitsamtes 27 fachlich
qualifizierte und hochmotivierte ABM-Kräfte
zugewiesen. Mit den Ausrichtern des 4. Tages
der Sachsen, der Region Rochlitz, wurde sofort
Verbindung aufgenommen und ein Besuch
mit Erfahrungsaustausch vereinbart. Ebenso
waren Einladungen zur Eröffnung des 4. Tages
der Sachsen, zum gemeinsamen Empfang des
Präsidenten des Kuratoriums und Präsidenten
des Sächsischen Landtages und des Vorsitzen-
den des Festkomitees und Landrates des Land-
kreises Mittweida und zum Empfang des Mi-
nisterpräsidenten sehr hilfreich, um Kontakte
herzustellen und um Organisation und Abläufe
kennenzulernen. Anlässlich der Übergabe des
Staffelstabes an Torgau zur Abschlussveranstal-
tung auf der mdr-Bühne in Rochlitz erhielt der
Torgauer Bürgermeister Wolfgang Gerstenberg
mit seinem Ausspruch: „Das Beste an Sach-
sen sind die Sachsen“ auf die Frage des mdr-
Reporters, was ihm spontan zu Sachsen einfällt,
Beifallsstürme.
Die schmucken Hostessen
in den Stadtfarben waren
ein echter Blickfang.
Fotos: Stadtarchiv Torgau
Fakten zum
Tag der Sachsen
310.000 Besucher
547 beteiligte Vereine
mit ca. 12.500 Mitgliedern
ca.
1.120 Einzelveran-
staltungen
und auftritte an
92 Veranstaltungsorten
3 Medienbühnen
mit PSr,
mdr und antenne Sachsen
Wirtschaftsausstellung
mit 102 ausstellern, davon
24 Unternehmen aus Torgau
ca. 4 km langer Festum-
zug
mit 3.383 beteiligten
Personen aus 189 Vereinen

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25 Jahre Tag der Sachsen
| 23
06. bIs 08.09.1996 torGau
Zu den 20 Bildern des Fest-
umzuges, die die geschichtli-
chen Höhepunkte der Gast-
geberstadt präsentierten,
gehörte auch der Besuch von
König Friedrich II., König von
Preußen, 1760 in Torgau.
Fotos: Stadtarchiv Torgau
Bei einem Arbeitsbesuch des Präsidenten in
Torgau wurden erste Gedanken zu Veranstal-
tungsschwerpunkten und -orten vorgestellt,
die dann die Grundlage für die weitere Arbeit
bildeten. In regelmäßigen Abständen wurde
in der Sächsischen Staatskanzlei in Dresden
vor dem Präsidium des Kuratoriums „Tag der
Sachsen“ über den Stand der Vorbereitung be-
richtet. Anleitung und Unterstützung gab es
auch von der Geschäftsstelle „Tag der Sachsen“
bei der Sächsischen Staatskanzlei, die zur über-
regionalen Sponsorengewinnung, Werbung
und Unterstützung des Organisationsbüros die
Werbeagentur McCann-Erickson aus Dresden
beauftragt hatte.
Für die regionale Arbeit mit den Sponsoren
konnte das „Neue Torgauer Kreisblatt“ ge-
wonnen werden. Zur Einstimmung und Wer-
bung für den 5. Tag der Sachsen wurden am
07.05.1996 und am 08.08.1996 in Dresden
Pressekonferenzen und am 14.08.1996 ein Jour-
nalistentag in Torgau durchgeführt.
Die unmittelbare Vorbereitung war insbeson-
dere geprägt von der Schaffung der technischen
und organisatorischen Voraussetzungen, der
Klärung und Abstimmung der Standorte, vor
allem für die Medien-Bühnen, und der Be-
arbeitung der Teilnahmeanträge der Vereine.
Auf der Grundlage der vom Freistaat ausgereich-
ten Fördermittel in Höhe von 1 Mio. DM konn-
ten notwendige infrastrukturelle Voraussetzun-
gen geschaffen werden, wie z. B. die Errichtung
bzw. Befestigung von Parkplätzen, die Sanie-
rung einer öffentlichen Toilette, die Sanierung
von städtischen Turnhallen zur Unterbringung
der Vereine, eine neue Straßenbeleuchtung in
der Breiten Straße, die touristische Ausschil-
derung und die Installierung von Elektro-
anschlüssen an Veranstaltungsstandorten. Auch
machte sich nach der Auswertung des vorange-
gangenen 4. Tages der Sachsen in Rochlitz eine
Verdichtung bzw. Kürzung des Festumzuges
erforderlich. Außer im historischen Teil musste
Luftbildaufnahme von
Torgau zum Tag der Sachsen,
mit überdachtem Markt
und Händlerstraßen.
Fotos: Stadtarchiv Torgau

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24 |
25 Jahre Tag der Sachsen
06. bIs 08.09.1996 torGau
Impressionen vom Festumzug
Im Jahr 1711 besuchte
der russische Zar Peter I.
Torgau anlässlich der
Verheiratung seines Sohnes
mit Charlotte von Braun-
schweig-Wolfenbüttel und
traf dabei auch den Univer-
salgelehrten Leibniz.
(li.)
1267 erste urkundliche
Erwähnung von Torgau
als Stadt.
(o. re.)
Die ehemalige
freiwillige „Freiwillig
Turn-Feuerwehr“.
(u. re.)
Fotos: Stadtarchiv Torgau
die Anzahl der Vereinsteilnehmer im Fest-
umzug auf annähernd 5 Personen beschränkt
werden; 234 Vereine mit 6.541 Teilnehmern im
Festumzug hätten zu einer Überschreitung der
„Schmerzgrenze“ von 3,5 km Länge und einer
Dauer von 3 Std. geführt. Daraufhin zogen 29
Vereine ihre Teilnahme zurück. Mit letztlich
3.383 Teilnehmern aus 189 Vereinen und ca.
4 km Festumzugslänge bei einer Festumzugs-
strecke von nur 3,5 km wurde dennoch der Tor-
gauer Festumzug ein großer Erfolg.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass
mit dem 5. Tag der Sachsen das bisher größte
Volksfest in der Geschichte Torgaus stattgefun-
den hat.
Inhaltliche Besonderheiten
Als eine Besonderheit schon bei der Vorbe-
reitung muss die Einrichtung einer mit vier
ABM-Kräften besetzten und mit mehreren In-
dustrie-Nähmaschinen ausgerüsteten Schnei-
derwerkstatt genannt werden, die von der AG
Festumzug für die Herstellung von diversen
historischen Kostümen und von der AG Stadt-
bild für das Nähen von ca. 15 km Wimpelketten
und 87 Fahnen genutzt wurde.
Davon ausgehend, dass der „Tag der Sachsen“
als ein Fest der Bürger des Freistaates und größ-
tes Fest der sächsischen Verbände und Vereine
konzipiert ist, war die Beteiligung der Schweiz
(Berner Oberland/Tourismus Vertretung), Ita-
lien (Südtirol/Folklore-Programm) und Frank-
reich beim 5. Tag der Sachsen in Torgau etwas
Spezifisches. Insbesondere der mehrmalige
Auftritt und die Teilnahme am Festumzug der
Folkloregruppe aus dem Berner Oberland mit
ihren überdimensionalen Kuhglocken war sehr
beeindruckend und ein mit viel Beifall bedach-
ter echter Höhepunkt.
Eine regionale Besonderheit zum 5. Tag der
Sachsen war die Teilnahme bzw. die Präsenz
der Torgauer Geharnischten, der ältesten Bür-
gerwehr Deutschlands, bei mehreren festlichen
Anlässen.
Auch ein Fußball-Nachtturnier mit Mannschaf-
ten aus Torgau, Sindelfingen, Leipzig-Land,
Borna, Gera, Chemnitz, Weißenfels und von
Bull Köln war etwas Besonderes.
Ebenso bleibt die beeindruckende komplette
Überdachung des gesamten Torgauer Markt-
platzes mitsamt der Bühne von Radio PSR
unvergesslich.

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25 Jahre Tag der Sachsen
| 25
06. bIs 08.09.1996 torGau
Torgau ist eine attraktive
Renaissance- und Reforma-
tionsstadt. Luther besuchte
über 60 mal die Stadt und
weihte 1544 die evangelische
Torgauer Schlosskirche als
ersten Kirchenbau ein.
Foto: Stadtarchiv Torgau
Persönliche erinnerungen und Meinungen
Aus einem Interview der „Sächsischen Zei-
tung“ mit Erich Iltgen, Präsident des Kura-
toriums „Tag der Sachsen“ und Präsident des
Sächsischen Landtages:
Das fünfte Sachsenfest ist Geschichte. Wo reihen
Sie es als Präsident des Kuratoriums „Tag der
Sachsen ein?
Torgau war ein Erlebnis, die Or-
ganisation war auf der Höhe, wie auch der Ab-
lauf des beeindruckenden Festumzuges zeigte.
Erfahrungen der früheren Feste flossen ein, das
schmälert aber nicht die Leistung der Torgauer
Organisatoren. Ihnen gilt unser Dank.
Aus einem Interview der „Torgauer Allgemei-
nen“ mit Erich Iltgen, Präsident des Kurato-
riums „Tag der Sachsen“ und Präsident des
Sächsischen Landtages:
Sie sind also rundum zufrieden?
Torgau hat alle
Erwartungen erfüllt. Man merkt hier auch, dass
diese Stadt mit ELBE DAy und Luther-Festi-
vitäten über sehr viel Feier-Erfahrung verfügt.
Ein dickes Lob an die Organisatoren!
Auszug aus den Dankesworten des Torgauer
Bürgermeisters Wolfgang Gerstenberg an die
Torgauer Bürger in der „Torgauer Allgemeinen“:
Die Vorbereitung des 5. Tages der Sachsen war
das Werk von Vereinen, Sponsoren und der
Stadtverwaltung. Alle gemeinsam haben eine
Arbeit geleistet, die beispielhaft ist. Aber diese
Arbeit allein hätte nicht den Erfolg des größten
Festes in der Geschichte Torgaus hervorbringen
können. Es war die Bürgerschaft unserer Stadt,
die sich mit dem Tag der Sachsen1996 in Torgau
verbunden fühlte und dafür gesorgt hat, dass
wir nun gemeinsam eine positive Bilanz ziehen
können. Ihnen, meine lieben Bürgerinnen und
Bürger, möchte ich auf das herzlichste danken.
Trotz mancher Erschwernisse und Probleme,
die solch ein großes Fest für die Bewohner, vor
allem in der Innenstadt, mit sich bringt, haben
sie alle mit dazu beigetragen, dass unser Tag der
Sachsen ein voller Erfolg für unsere Heimat-
stadt werden konnte.
Aus einem Interview der „Torgauer Allgemei-
nen“ mit Jürgen Sommer, Leiter des Arbeits-
stabes und des Organisationsbüros:
Was gefiel Ihnen persönlich am
Sachsentag am besten?
Die Eröffnungs- und die
Abschlussveranstaltung,
außerdem der Festum-
zug am Sonntag. Auch
die tolle Stimmung über-
all hat mich begeistert.
Medaille zum Tag
der Sachsen in Torgau.

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26 |
25 Jahre Tag der Sachsen
Plauen
„Plauen hat viele gesichter“ – unter diesem
Motto präsentierte sich die Spitzenstadt …
Im Jahr 1997 hat die Stadt ihr 875-jähriges
Jubiläum begangen und war im selben Jahr
Gastgeber für den sechsten „Tag der Sachsen“.
Bis heute war Plauen damit der westlichste
Gastgeber für das größte Volksfest im Freistaat.
Im Schnittpunkt zwischen Thüringen, Sachsen,
Bayern und Böhmen hat Plauen dem Tag der
Sachsen damit einen neuen Akzent verliehen.
Die Figuren „Vater und Sohn“ des Zeichners
Erich Ohser, der unter seinem Pseudonym
e.o.plauen die Geschichten dieser beiden lie-
benswerten und sympathischen Zeitgenossen
schuf, führten durch die Festtage, hüpften über
Plakate und Flyer, zierten T-Shirts, Kaffee-
töpfe, Luftballons und Pins und wurden somit
zum Wahrzeichen für den Tag der Sachsen in
Plauen. Bei Spitzen-Wetter begrüßte die Spit-
zenstadt rund 380.000 Besucher.
das Programm
An über 50 Veranstaltungsorten im gesamten
Stadtgebiet wurden Unterhaltung, Spaß und
Spiel für Groß und Klein geboten. Der gesam-
te Innenstadtbereich war zum Festgelände
umfunktioniert worden. Neben den üblichen
Medienstandorten und den Vereinsbühnen
sorgten Historischer Markt, Handwerkermarkt
und Handwerkerstraße mit vogtländischen
Handwerkern für vogtländisches Flair, an an-
derer Stelle fesselten internationale Klänge aus
Plauens Partnerstädten oder anderen befreun-
deten Regionen Europas die Zuschauer. Erst-
mals fand die mit Spannung erwartete Wahl der
Spitzenprinzessin statt, die seither als Repräsen-
tantin der Spitzenstadt unterwegs ist.
der große Festumzug
Der Höhepunkt im Festprogramm war wie je-
des Jahr der große Festumzug am Sonntag. Er
führte auf einer Strecke von rund vier Kilo-
metern durch die Stadt, war 9 Kilometer lang,
hatte stolze 6662 Teilnehmer aus 260 Vereinen
und dauerte vier Stunden.
Der Festumzug teilte sich in fünf große Gestal-
tungsblöcke auf: 875 Jahre Plauen – Gesichter
einer Stadt; Plauen/Sachsen – Tor zu Europa;
Sachsens Jugend – Lebensfreude pur; Sachsens
Vereine – Stark, mit vielen Gesichtern; Tag der
Sachsen 1998 – Hoyerswerda.
Ein Streifzug durch die 875-jährige wechsel-
hafte Geschichte Plauens war der erste Block.
Beginnend mit der Weihe der Johanniskirche
Katja Balzer, Plauens 1. Spit-
zenprinzessin, nach ihrer
Wahl mit Ministerpräsident
Prof. Kurt Biedenkopf
Foto: Stadt Plauen, © Schubert
Großer Festumzug
am Sonntag.
Foto: Stadt Plauen, © Schubert
Fakten zum
Tag der Sachsen
Festumzug:
9 km lang,
6.662 Teilnehmer aus 260
Vereinen
50 Veranstaltungsorte
380.00 Besucher
„Vater und Sohn“
Figuren
des Zeichners erich Ohser
führten durch die Festtage
Festplakette
war
aus Plauener Spitze,
auflage 250.000 Stück

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25 Jahre Tag der Sachsen
| 27
05. bIs 07.09.1997 Plauen
Impressionen vom Tag
der Sachsen Plauen 1997
Fotos: Stadt Plauen, © Schubert
1122, in deren Weiheurkunde Plauen erstmals
erwähnt wurde, führte er in verschiedenen
Bildern von den Anfängen der Stadtgeschich-
te bis in die Neuzeit und zur Rolle der Stadt
Plauen während der Friedlichen Revolution im
Herbst 1989.
Festplakette
Wie es sich für die Spitzenstadt Plauen gehört,
war die Festplakette natürlich aus Plauener
Spitze. Das heißbegehrte Souvenir des sechs-
ten Tages der Sachsen war in einer Stück-
zahl von 250.000 hergestellt und berechtigte
zur kostenlosen Nutzung der Parkplätze und
der Verkehrs mittel – Straßenbahn und Bus-
pendelverkehr von den Parkplätzen in die
Innenstadt –, zum Besuch aller Veranstaltungen
und zur Toilettenbenutzung.
Fördermittel anlässlich des
„Tages der Sachsen“
Nachhaltig eingesetzt hat man in Plauen die
vom Freistaat Sachsen erhaltenen Fördermittel
in Höhe von einer Million Mark in Vorberei-
tung des „Tages der Sachsen“. Weitere 400.000
Mark hatte die Stadt bereitgestellt. Dafür wur-
den zahlreiche Baumaßnahmen zur Verschöne-
rung und auch Sanierung der Stadt im Vorfeld
in Angriff genommen.
Der Plauener Rathausturm wurde im Inneren
ausgebaut und für die Öffentlichkeit zugänglich
Impressionen vom Tag
der Sachsen Plauen 1997
Foto: Stadt Plauen, © Schubert

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28 |
25 Jahre Tag der Sachsen
05. bIs 07.09.1997 Plauen
Plauen – Altes Rathaus 2
Foto: Manfred Lohse
Spitzenmuseum
Foto: ellen Liebner
Die Plauener Innenstadt
Foto: andreas Wetzel
gemacht. Erstmals konnten die Besucher zum
Tag der Sachsen auf den 64-Meter-Riesen stei-
gen und Plauen von oben betrachten. Bis heute
bietet die Stadt Plauen Führungen auf den Rat-
hausturm an.
Die Festhalle als große Veranstaltungshalle der
Stadt Plauen erhielt ein dringend notwendiges
„Elefantentor“, der Sanitärtrakt der größten
Sporthalle und einzigen Dreifeldturnhalle der
Stadt zum Zeitpunkt wurde komplett saniert
und die Marktstraße mitten im Stadtzentrum
und im Festgebiet hat eine neue Beleuchtung
erhalten. Entstanden war ebenso eine neue
öffentliche Toilettenanlage in der Innenstadt.
Die größte Sportanlage der Stadt Plauen, das
Vogtlandstadion, erhielt eine 700-Lux-Flut-
lichtanlage.
die Stadt Plauen
Plauen – „Hauptstadt des Vogtlandes“, 1997
noch kreisfrei und heute Große Kreisstadt, war
Gastgeber des 6. Tages der Sachsen und zählt
heute rund 65 000 Einwohner.
Wegen ihrer bezaubernden Plauener Spitze
ist die Stadt seit mehr als 100 Jahren über die
Grenzen Deutschlands hinaus bekannt. Wie ein
roter Faden zieht sich die Spitzenstickerei durch
die Stadtgeschichte und führt noch heute auf
die Laufstege der Modewelt. Ein Muss für je-
den Plauen-Besuch ist ein Blick in das deutsch-
landweit einzigartige Spitzenmuseum im Alten
Rathaus. Dort kann man sehen, dass Plauen
schon immer ein Händchen für die filigrane
Stickkunst hatte. In der Schaustickerei dagegen
kann man erleben, wie auf traditionellen Ma-
schinen zarte Fäden Millimeter um Millimeter
zu Kunstwerken aus Tüll und Spitze wachsen.
Echt Spitze ist in Plauen im Übrigen auch die
bereits 1122 geweihte St. Johanniskirche mit ih-
ren zwei Türmen, das älteste Gebäude der Stadt.
Unmittelbar daneben fällt ein weiteres Bauwerk
ins Auge – das Konventsgebäude. Es ist das ein-
zige erhaltene Gebäude des Deutschen Ritter-
ordens in Mitteldeutschland und wurde in den
vergangenen Jahren aufwendig restauriert.
Staffelstabübergabe
(v.r.n.l.) –
Plauens OB dr. rolf Magerkord,
Landtagspräsident erich Iltgen,
OB hoyerswerda
Foto: Stadt Plauen, © Schubert

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25 Jahre Tag der Sachsen
| 29
05. bIs 07.09.1997 Plauen
Konventsgebäude
Foto: andreas Wetzel
Wende-Denkmal
Foto: andreas Wetzel
Malzhaus
Foto: engelmann design
Das spätgotische Rathaus aus dem Jahr 1382 gilt
heute als Wahrzeichen der Stadt. Seinen Renais-
sancegiebel erhielt es allerdings erst 1548; auch
die schöne Kunstuhr mit ihren mechanisch be-
wegten Figuren stammt aus jener Zeit. Ein wei-
teres Kleinod der Plauener Stadtgeschichte sind
die Weberhäuser am Mühlgraben. Sie stammen
noch aus dem 15. Jahrhundert und werden der-
zeit von Kunsthandwerkerinnen mit Leben ge-
füllt. Ein Spaziergang durch dieses älteste Stück
Plauen fasziniert Einheimische wie Gäste.
Im barock-rustikalen »Malzhaus«, in dessen
Grundmauern Reste der alten Plauener Burg-
anlage erhalten geblieben sind, bietet heute
ein soziokulturelles Zentrum Raum für Ver-
eine und Veranstaltungen unterschiedlicher
Art. Alljährlich von September bis November
zieht der Plauener Folkherbst Liebhaber der
Folkmusik aus allen Teilen Deutschlands in die
Vogtlandmetropole. Der Sieger dieses renom-
mierten Wettbewerbs erhält den Eisernen Ever-
steiner, den einzigen Europäischen Folkmusik-
preis, der in Deutschland vergeben wird.
Sein großstädtisches Flair erhielt Plauen wäh-
rend
der Blütezeit der Spitzenherstellung um
1900, immerhin hatte die Stadt 1912 stolze
128.000 Einwohner. Um die Übersee-Geschäfte
besser abwickeln zu können, gab es sogar ein
amerikanisches
Konsulat. Plauens damaliger
Reichtum
offenbart sich in zahlreichen Häusern
und Villen im Jugendstil. Heute laden belebte
Geschäftsstraßen ebenso wie kleine Boutiquen
in der Altstadt zum Flanieren und urige Gast-
häuser und Cafés zum Verweilen ein.
Traditionsreich sind auch die frühklassizis-
tischen Gebäude in der Nobelstraße, die das
Vogtlandmuseum beherbergen. Hier erfährt
man alles Wissenswerte über Geschichte und
Kultur der Region. Gleich nebenan widmet
sich das Erich-Ohser-Haus dem bekannten
Sohn der Stadt, dem Zeichner und Cartoonis-
ten Erich-Ohser (1903–1944). Seine charman-
ten „Vater und Sohn-Geschichten“, die er unter
dem Pseudonym „e.o. plauen“ veröffentlichte,
begleiten noch heute viele durch Kindheit und
Jugend.
Am 7. Oktober 1989 fand in Plauen die erste
Massendemonstration auf dem Ge-
biet der ehemaligen DDR statt,
bei der die Staatsmacht zu-
rückweichen musste, zwei
Tage vor den weithin be-
kannten Ereignissen in
Leipzig, die schließlich die
Entscheidung
brachten.
Plauen sieht sich seither als
„Stadt der Wende“.
Medaille zum Tag der
Sachsen in Plauen

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30 |
25 Jahre Tag der Sachsen
hoyerswerda
Kuck mal. hoyerswerda – Wojerecy
So lautete das Motto des Tages der Sachsen in
Hoyerswerda. Vom 4. bis zum 6. September
1998 fand er statt und die Hoyerswerdaer, die
dabei waren, schwärmen noch heute davon.
Dabei gab es 1998 nicht wenige, die dem größ-
ten Sächsischen Volksfest, dessen 7. Auflage in
Hoyerswerda stattfinden sollte, mit Skepsis ent-
gegen sahen.
Ziemliche Skepsis und keine besonders hohe
Erwartung an die Zukunft bestimmten da-
mals das Lebensgefühl vieler Hoyerswerdaer.
Die Gründe dafür waren vielfältig: Durch den
Strukturwandel im Lausitzer Braunkohle-
revier und durch die Schließung von Tagebau-
en hatten viele ihre Arbeit verloren. Das neue
Kraftwerk in Schwarze Pumpe, das 1998 ans
Netz gegangen war, benötigte weitaus weniger
Arbeitskräfte als vor der Wende. Hohe Arbeits-
losigkeit und Abwanderung waren bittere
Folgen für die Stadt. Zudem war Hoyerswerda
stigmatisiert – die ausländerfeindlichen Über-
griffe vom September 1991 wirkten lange nach.
Die Einwohnerzahl der ehemals jungen und
stolzen Kohle- und Energiestadt war von über
74 000 im Jahr 1980 auf rund 55 000 im Jahr
1998 gesunken. Eine Trendwende war noch
nicht sichtbar.
1996 bewarb sich die Stadt Hoyerswerda um die
Ausrichtung des Tages der Sachsen 1998. Zwei
Ziele verfolgten die Stadtväter damals: Zum
einen sollten sich die Gäste aus nah und fern
überzeugen, was Hoyerswerda wirklich zu bie-
ten hat – und den Hoyerswerdaern selbst sollte
der Tag der Sachsen zeigen, was sie – trotz aller
Probleme – auf die Beine stellen können.
Hoyerswerda bekam den Zuschlag und zu-
Mit bunten Blüten, stadt-
prägenden Bauten sowie
großen und kleinen Ballons
präsentierte sich Hoyers-
werda in allen Publikationen
zum Tag der Sachsen (links).
Die beiden Fotos rechts
(Archiv Stadtmuseum) bewei-
sen: Das Fest wurde genau so
bunt, wie die Werbeagentur
das voraus gesehen hatte.
Fakten zum
Tag der Sachsen
Festumzug:
3,8 km lang;
4.800 Mitwirkende in
39 Bildern
276 Veranstaltungen
und
542 Stände mit Waren und
Schlemmereien
15.902 Sachsentag-
Plaketten
wurden verkauft
436.00 Besucher
wurden gezählt
100 Tonnen Müll
fielen an

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25 Jahre Tag der Sachsen
| 31
04. bIs 06.09.1998 hoyerswerda
Festumzüge sind immer
und überall etwas Beson-
deres. In Hoyerswerda und
Umgebung werden sie oft
durch die Festtagstrachten
und die Darbietungen der
sorbischen Mitbürger
be reichert, so auch hier.
Foto: archiv Stadtmuseum
gleich die Gelegenheit, im Jahr 1997 in Torgau
zu „hospitieren“ um zu kucken, wie man so ein
großes Fest feiert.
Das Jahr 1998 brachte einen kleinen „Bau-
boom“ in die Stadt. Mit Fördermitteln des
Freistaates Sachsen wurde das Bahnhofsge-
bäude saniert. Das Neue Rathaus erhielt eine
frische Fassade, die Stadt bekam ein touristi-
sches Leitsystem, die Stadtverwaltung konnte
sich über die Verstärkung durch 15 temporäre
Mitarbeiter freuen, unter den Vereinen brach
ein regelrechter Wettbewerb um die beste Prä-
sentation aus, der Saal der Sparkasse, in dem
das Pressezentrum untergebracht werden
sollte, wurde fertiggestellt – und Hoyerswer-
da durfte sich über ein reges Medieninteresse
und endlich wieder über eine positive Bericht-
erstattung freuen.
Dann kam das erste September-Wochenende
1998. Die Sonne schien und lockte bereits am
Freitagnachmittag zahlreiche Besucher in die
Stadt an der Schwarzen Elster. Um die Wege
zwischen Alt- und Neustadt zu verkürzen, hatte
die Bundeswehr eine Ponton-Brücke über den
Fluss gelegt, diese wurde sofort in Beschlag
ge-
nommen. Tausende waren unterwegs zwischen
Alt- und Neustadt – und direkt entlang der
Schwarzen Elster lockte die Schlemmermeile.
Die tolle Stimmung hielt das ganze Wochen-
ende über an, Petrus ließ es nur manchmal und
nur leicht tröpfeln und zum 3,8 kilometerlan-
gen Festumzug mit 4 800 Mitwirkenden und
39 Bildern war der Regen auch schon wieder
vorbei. Von den Parkplätzen im Außenbereich
verkehrten 49 Shuttlebusse fast rund um die Uhr.
Allein das Bahnhofsfest zählte 60 000 Besucher,
Dieses Festumzugsbild
aus dem Jahr 1998 zeigt
die Nordseite des Markt -
platzes so, wie sie künftig
aussehen sollte. Wenige Jahre
später war das Realität.
Foto: archiv Stadtmuseum

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32 |
25 Jahre Tag der Sachsen
04. bIs 06.09.1998 hoyerswerda
Marktplatz mit Kindern
Foto: © Pressestelle
Große Liegende
Foto: © Pressestelle
Schloss
Foto: © rico hofmann
die zum Teil auch mit Sonderzügen angereist
waren. An 542 Ständen wurden Waren und
Schlemmereien angeboten, 276 Veranstaltun-
gen lockten die Besucher, 15 902 Sachsen-Tag-
Plaketten wurden verkauft. Insgesamt wurden
436 000 Besucher gezählt – und später von den
Kollegen der Städtereinigung fast 100 Tonnen
Müll in Rechnung gestellt.
Die Rechnung der Stadtverwaltung war aufge-
gangen, die Hoyerswerdaer sprachen tagelang
von nichts anderem als von „ihrem Sachsen-
tag“. „Es war ein unvergessliches Fest, das hat
unsre Stadt gebraucht!“ resümierte der dama-
lige Oberbürgermeister Horst-Dieter Brähmig.
Erich Iltgen, Landtagspräsident a. D., schätzte
ein: „Die Stadt Hoyerswerda war ein hervor-
ragender Gastgeber und der Organisationsstab
hat eine beeindruckende organisatorische Leis-
tung vollbracht.“
Was ist geblieben von der
Begeisterung vom Tag der Sachsen
1998 in hoyerswerda?
Größer sind wir seit 1998 nicht geworden,
aktuell zählt Hoyerswerda um die 34 000 Ein-
wohner. Das Selbstbewusstsein der „Hoyers-
werdschen“ ist jedoch nicht mehr so ange-
schlagen. Vor den Toren der Stadt entsteht mit
dem Lausitzer Seenland eine neue Landschaft,
deren touristische Anziehungskraft bereits jetzt
weithin ausstrahlt. Lausitz-Center, Lausitzhalle,
Lausitzbad, Zoo, Kino, Kulturfabrik, Seenland-
Klinikum, die Brigitte-Reimann-Bibliothek,
Schulen mit Profilen, die wesentlich über das
„normale“ sächsische Bildungsangebot hinaus
gehen, ein breites kulturelles und sportliches
Vereinsleben, flexible Kinderbetreuungsmög-
lichkeiten und eine immer attraktiver werdende
Grünraumgestaltung – das sind die Dinge, die
neu geschaffen oder erhalten wurden.
In der Altstadt präsentiert sich – kleinstäd-
tisch aber hell und freundlich – der historische
Marktplatz mit seinen schön restaurierten Bür-
gerhäusern, der Postmeilensäule, dem Sorben-
brunnen und natürlich dem Rathaus. Unweit
davon befindet sich die älteste Straße Hoyers-
werdas, die „Lange Straße“. Hier bezaubern auf
einer Länge von 220 m Länge liebevoll restau-
rierte eingeschossige Handwerkerhäuschen aus
dem 18. Jahrhundert, die in dieser Form selten
in Deutschland zu finden sind.
Doch auch die Neustadt kann sich sehen
lassen – trotz des massiven Rückbaus von

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25 Jahre Tag der Sachsen
| 33
04. bIs 06.09.1998 hoyerswerda
Medaille zum Tag der
Sachsen in Hoyerswerda
Lausitzhalle
Foto:© rico hofmann
Wohnhäusern. Die beiden Großvermieter
Woh nungsgesellschaft und Lebensräume
Hoyerswerda haben Großes geleistet. Über
90 Prozent der Häuser sind saniert. Vielerorts
entstanden attraktive Parkanlagen, die von den
Bürgern gut angenommen werden. Und: Es gibt
dort neue Eigenheimstandorte, denn zentrums-
naher Wohnraum ist wieder sehr gefragt. Das
gilt nicht nur für die ältere Bevölkerung, das gilt
auch für junge Familien. Sie schätzen die kur-
zen Wege zur Schule, zum Sportverein, zu den
Kulturstätten oder zum Einkaufen.
Insgesamt sind seit der Wende 86,6 Millionen
Euro in die Erneuerung und Sanierung der
Stadt geflossen, sowohl Fördermittel von Land
und Bund als auch Eigenmittel der Stadt oder
Mittel privater Investoren.
Jüngste Beispiele für die Stadtgestaltung sind
die Sanierung bzw. der Neubau des Bürger-
zentrums in der Altstadt oder die Sanierung
von zwei Grundschulen in der Neustadt sowie
das Altstädter Eck, eine Baumaßnahme der
Lebensräume Hoyerswerda e.G.. Es entstanden
in unmittelbarer Nähe zum Marktplatz attrak-
tive Wohnungen, sowohl in Einzel- als auch in
Reihenbebauung. Eine große Baulücke in der
Altstadt konnte dadurch geschlossen werden,
Alt- und Neustadt werden wieder enger zusam-
menrücken –ganz ohne Ponton-Brücke.
Was ist noch geblieben?
In manch älterem Auto liegt noch im hinte-
ren Sichtbereich ein „Hoydi“, ein Sachsentag-
maskottchen. In manchen Haushalten und
Büros gibt es noch Sachsentag-Tassen – und
immer wenn uns Hoyerswerdschen so etwas be-
gegnet, huscht ein Lächeln über unsere Lippen.
Der Organisationschef des Tages der Sachsen
von 1998 hieß Stefan Skora. Er ist jetzt Ober-
bürgermeister von Hoyerswerda.

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34 |
25 Jahre Tag der Sachsen
rIesa
„riesa ist riesig“ hieß es in der Sportstadt an der
elbe, mit neuer SachSenarena und 495.000 gästen
Der 8. Tag der Sachsen in der aufstrebenden
Sport- und Kulturstadt Riesa brach nochmals
alle Rekorde. Mit 495.000 Besuchern wurde
vom 3. bis 5. September 1999 eine nie zuvor
erreichte Gästezahl für diese Veranstaltung ver-
meldet. 665 Vereine und Verbände beteiligten
sich, auch das ein neuer Höchstwert. Und drei
Tage lang durchgängig schönes Wetter –das war
nach den Erfahrungen der Vorjahre ebenfalls
eine Premiere. „Riesa wird riesig“ hatten die
Organisatoren als Motto ausgegeben – unter-
stützt von drei Affen, die in Abwandlung des
bekannte Slogans „Nichts hören, nichts sehen,
nichts sagen“ zum „Sehen – Hören – Weiter-
sagen“ aufforderten.
Riesa ist spätestens seit Mitte der 1990er Jahre
bekannt dafür, immer etwas anderes als die an-
deren zu versuchen – und meist gelingt es auch.
So wurde die Hauptbühne des MDR im Gegen-
satz zu allen bisherigen Sachsenfesten erstmals
nicht auf dem zentralen Platz der Stadt, sondern
in einer großen Mehrzweckhalle platziert. Die
Eröffnung des Tages der Sachsen war zugleich
auch die Eröffnung der SACHSENarena – die
neue Halle mit der MDR-Bühne bildete einen
der stärksten Magneten des Festwochenendes.
Hier präsentierten sich Volksmusikgrößen wie
Stefanie Hertel und Hansi Hinterseer, liefen am
Sonnabend namhafte Künstler wie Roland Kai-
ser, Nicole und Patrick Lindner bei der „Nacht
des deutschen Schlagers“ auf. Zeitweise musste
der Einlass limitiert werden, weil zu viele Men-
schen gleichzeitig neugierig auf das neue Bau-
werk und die dort stattfindende Show waren.
Letztlich kamen aber alle in den Genuss der
Eröffnungsstunden und des Schnupperns in
Riesas neuem Veranstaltungstempel.
Der Tag der Sachsen 1999 stellte damit den
Beginn der bis heute andauernden Erfolgsge-
schichte der Riesaer Arena dar, in der zahlrei-
che Weltstars aus Pop, Rock, Musical, Klassik
sowie jede Menge Sportgrößen zu Gast waren,
in der jährlich mehrere nationale und interna-
tionale Meisterschaften in den verschiedensten
Sportarten stattfinden.
Der Auftritt von Emanuel yarbrough, mit rund
320 kg seinerzeit der schwerste Sumo-Ringer
der Welt, gab beim Tag der Sachsen schon einen
Ausblick auf die einige Wochen später stattfin-
dende Sumo-Weltmeisterschaft. yarbrough ent-
hüllte die größte Nudelpackung der Welt und
überreichte „Landesmutter“ Ingrid Biedenkopf
eine fünf Kilogramm schwere Sumo-Packung
Schlagersänger Roland Kaiser
und Emanuel Yarbrough,
schwerster Sumo-Ringer
der Welt.
Fotos (2): A. Schröter
Fakten zum
Tag der Sachsen
665 Vereine
nahmen
offiziell in riesa teil
260 Händler
sorgten –
nicht gerechnet der agrar-
und Schlemmermarkt – für
das leibliche Wohl und viele
andere angebote
Insgesamt
13 Besucher-
parkplätze für 60.000
Gäste
standen am Stadt-
rand und in nachbargemein-
den zur Verfügung
In elf Schulen
mit 177
Klassenzimmern übernachte-
ten ca. 2.500 Teilnehmer
80 Mitarbeiter
sorgten im
Org.-Büro dafür, dass alles
fast reibungslos funktionierte
70 Mitarbeiter
waren drei
nächte in Folge jeweils von
1.00 bis 5.00 Uhr mit der
Müllentsorgung beschäftigt

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25 Jahre Tag der Sachsen
| 35
03. bIs 05.09.1999 rIesa
Ein gut gelaunter
Wolfgang Stumph und die
beliebte Schlemmermeile
Fotos (2):
A. Schröter
der berühmten Riesaer Teigwaren. Direkt vor
der Arena lockte die sächsische Agrar- und
Schlemmermeile, die mit 107 Anbietern eben-
falls einen neuen Rekord vermelden konnte.
Am Elbufer präsentierten sich derweil die Win-
zer der nahe gelegenen Elbweindörfer.
Bürgerstolz auf Stadtentwicklung
Der Riesaer Rathausplatz als wichtigster Treff-
punkt der Stadt war hingegen den Vereinen
sowie beim großen Fest der Chöre vor allem
Gesangsformationen aus nah und fern vorbe-
halten. Den spektakulären und emotionalen
Höhepunkt bildete das Konzert von vier sächsi-
schen Sinfonieorchestern am Sonnabend. Mehr
als 140 Musiker rissen die Zuschauer mit Melo-
dien aus Oper, Operette und Musical zu Begeis-
terungsstürmen hin.
Vier Radiosender- und sieben Vereins-Bühnen
waren über das gesamte Innenstadtgebiet ver-
teilt. Das verlangte Ausdauer, dennoch wa-
ren alle Veranstaltungsorte gut und leicht er-
reichbar, trotz der flanierenden Massen auch
fast ohne menschlichen Stau. Überall waren
zahlreiche heimische Akteure aus Kultur und
Sport und hunderte sächsische Vereine prä-
sent. Daneben gab es natürlich auch nationale
und internationale Pop- und Rockgrößen sowie
manche Stars und Sternchen des TV-Showge-
schäftes zu erleben.
Die Riesaerinnen und Riesaer nutzten das gro-
ße Fest vor allem, um den hunderttausenden
Besuchern aus ganz Sachsen, aber auch aus
den umliegenden Bundesländern ihre neu er-
strahlende Stadt zu zeigen. Knapp ein Jahrzehnt
nach der Wiedervereinigung fanden sich nur
noch wenige Spuren der grauen Industriestadt,
die jahrzehntelang vor allem durch die Schlo-
te des Stahl- und Walzwerks und eine generell
stark industrielle Prägung bekannt war – mit
allen ungünstigen Folgen auch für die Umwelt
und das Lebensklima in Riesa.
Der Niedergang der stadtprägenden Stahl-
industrie hatte fast jede Riesaer Familie ge-
troffen. Doch längst waren deutliche Zeichen
des Aufschwungs erkennbar: Stahl und andere
Industrie prägen die Stadt in moderner Form
nach wie vor. Dazu waren große Teile der In-
frastruktur erneuert, das Stadtbild freundlicher,
die Zuversicht zurückgekehrt. Das einstige
Mauerblümchen an der Elbe, bisher geografisch
Die größte Nudel-
packung der Welt
Foto:
A. Schröter
Erinnerung an die Fern-
eisenbahn und Sachsens
Kurfürsten im Festumzug
Foto:
A. Schröter, H. Berthold

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36 |
25 Jahre Tag der Sachsen
03. bIs 05.09.1999 rIesa
Der Riesaer Riese ging dem
Umzug entschlossen voran.
Foto: h. Berthold
Gestandene Herren erinner-
ten an Riesas Tradition der
Sportakrobatik.
Foto: h. Berthold
und touristisch kaum wahrgenommen, wuchs
zu nie zuvor gekannter Blüte. Wenige Tage vor
dem Sachsenfest waren die „Elbquelle“, Europas
größte Eisenskulptur, geschaffen von Prof. Jörg
Immendorff, sowie in unmittelbarer Nachbar-
schaft die Erlebnisgastronomie „Riesenhügel“
eröffnet worden – stadtbildprägende Solitäre an
exponierter Stelle und sofort Anziehungspunkt
für die Besucher und ein wichtiger Bereich des
Festgeschehens. Sogar die Deutsche Bahn woll-
te nicht zurückstehen und brachte unmittelbar
vor den Festivitäten die Modernisierung der
Riesaer Bahnhofshalle zum Abschluss.
Diesen Aufschwung in der Elbestadt krönte
nun das dreitägige Sachsenfest – und die rund
40.000 Riesaer zeigten voller Stolz und neuem
Selbstbewusstsein ihre Stadt. Auch die zahlreich
angereisten Politiker mit Ministerpräsident
Kurt
Biedenkopf und Landtagspräsident Erich Iltgen
an der Spitze, waren begeistert. „Riesa war noch
nie so schön wie heute“, sagte Iltgen.
Sportverrückte überall
Vor allem die Hinwendung der kommunalen
Strategie zur Stadt des Sports und der Veran-
staltungen prägte auch den Tag der Sachsen.
Wolfram Köhler, 1. Bürgermeister der Stadt
und zugleich Geschäftsführer der städtischen
Förder- und Verwaltungsgesellschaft Riesa
mbH (FVG), trieb diese Entwicklung sowohl
langfristig als auch explizit bei der Vorbereitung
des Sachsentages voran. Die Organisation stellte
für die FVG die bis dahin größte Herausforde-
rung der noch jungen Unternehmensgeschichte
dar. Übrigens: Zum 11. Tag der Sachsen 2003 in
Sebnitz leistete die FVG Riesa auch wesentliche
Unterstützung für die Stadt am Rande der Säch-
sischen Schweiz.
Das sportverrückte Riesa konnte man an al-
len Ecken und Enden des Festareals erleben
– vor allem natürlich im Sportzentrum Pausit-
zer Delle und auf der angrenzenden Pausitzer
Straße – neben klassischen Wettbewerben im
Volleyball, Fußball, Kegeln und Leichtathletik
fanden hier volkssportliche Bob-Anschubwett-
kämpfe, lustige Spiele wie „Bungee-Handball“
sowie die Sachsenmeisterschaften im Beach-
handball und im Gewichtheben statt. Auf der
Elbe wetteiferten schlanke Drachenboote im
Takt der Trommeln um den Sieg im Sachsencup.
Auf der Goethestraße direkt in der Innenstadt
hatten vor allem die meist jüngeren, abenteu-
erlustigen Besucher ihren Spaß. Bei der Action-
„Sehen – Hören – Weiter-
sagen“ – dieses Motto ver-
körperten die Maskottchen
des Sachsentages.
Foto:
A. Schröter

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25 Jahre Tag der Sachsen
| 37
03. bIs 05.09.1999 rIesa
Bobanschubtraining
für jedermann.
Die Sportbegeisterung der
Stadt spielte auch beim Fest-
umzug eine große Rolle.
Riesas OB Dr. Horst Barth
reichte den Staffelstab
an Erich Iltgen und Zwickaus
OB Dietmar Vettermann
(v.l.n.r.) weiter.
Fotos (3): a. Schröter
karawane des Stadtjugendreferates fegten Ska-
ter und Biker über die Rampen. Im Innenhof
des ältesten Klosters der Mark Meißen ging es
hingegen mittelalterlich zu, mit historischem
Handwerk, zeitgemäßer Musik und einer sehr
beliebten Badestube. Und zum Motto der drei
Tage passte auch die Würdigung der „riesigen“,
in diesem Fall also längsten Sachsen, die mit
1,97m (weiblich) und 2,15 m vermessen wur-
den. Kurt Biedenkopf, bekanntlich kein Recke
von Gestalt, ließ sich prompt eine „Hitsche“
reichen, um den Siegern „auf Augenhöhe“ gra-
tulieren zu können.
dreistündiger Umzug
Der große Festumzug am Sonntag bildete für
Organisatoren wie Beteiligte vor allem auf
Grund der hochsommerlichen Temperaturen
eine besondere Herausforderung. Vom Sport-
zentrum Pausitzer Delle zogen die rund 6.000
Teilnehmer in einer weiten Schleife über den
Lutherplatz, die Robert-Koch-Straße, Klötzer-
straße und Alexander-Puschkin-Platz zur
Friedrich-Engels-Straße. Links und rechts der
Strecke war natürlich kein Platz mehr zu er-
gattern. In mehreren Reihen hintereinander
drängten sich die Zuschauer.
Die Geschichte Riesas von der Klostergrün-
dung über den stadtprägenden Eisenbahnan-
schluss, die folgende Industrialisierung und die
DDR-Vergangenheit bis zum Aufschwung der
Gegenwart spielte natürlich eine herausragende
Rolle. Außerdem präsentierten sich auf der mehr
als dreistündigen Mammutveranstaltung rund
230 Vereine aus dem gesamten Freistaat sowie
Unternehmen, Institutionen, Schulen und Kin-
dereinrichtungen. Angeführt wurde der Zug
natürlich vom Riesaer Riesen, dem Maskottchen
der wahrhaft „riesig“ auftrumpfenden Stadt.
Als Riesas Oberbürgermeister Dr. Horst Barth
den Staffelstab an Zwickaus Stadtoberhaupt
Dietmar Vettermann weiterreichte, hatte Riesa
in der Tat ein tolles neues Kapitel seiner Ge-
schichte geschrieben. Und aus der touristischen
Randlage ist man mittlerweile
längst heraus – der Tag der
Sachsen 1999 gab dafür
wichtige Impulse.
Medaille zum Tag der
Sachsen in Riesa.

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38 |
25 Jahre Tag der Sachsen
zwIckau
Stadtfest der automobil- und robert-Schumann-Stadt
ist ein fröhliches Kind des Sachsen-Tages nr. 9
„Spaß hautnah – Party pur – DU mittendrin!“ –
das ist seit vielen Jahren das Motto des größ-
ten Open-Air-Sommerfestes der Zwickauer
und ihrer Besucher. Das viertägige Zwickauer
Stadtfest ist überaus beliebt, sehr individuell
und aus dem Veranstaltungsplan längst nicht
mehr wegzudenken.
2016 feiern die Zwickauer es bereits zum
15. Mal und wie immer am dritten Augustwo-
chenende. Ihren Ursprung hat die Super-Som-
mersause im 9. „Tag der Sachsen“, für den die
Automobil- und Robert-Schumann-Stadt vom
1. bis zum 3. September 2000 Gastgeber war.
Höhepunkte des dreitägigen Volksfestes der
Sachsen, an dem auch Ministerpräsident Prof.
Kurt Biedenkopf mit Familie teilnahm, waren
unter anderem die Krönung der sächsischen
Erntekönigin, die Aufführung von Carl Orffs
„Carmina Burana“ in der neuen Stadthalle, ein
ökumenischer Gottesdienst auf dem gerade erst
fertiggestellten Hauptmarkt, der Festumzug mit
rund 6000 Teilnehmern sowie die Abschluss-
veranstaltung mit der Übergabe des Staffelsta-
bes an Zittau als Ausrichterstadt des 10. „Tages
der Sachsen“. Eine ausgelassene Feuertaufe für
den nagelneuen Hauptmarkt vor dem Rathaus –
der fortan zum Party- und Festplatz Nr. 1 wer-
den sollte – gab es am Samstagabend mit einem
mitreißenden Auftritt der PRINZEN aus Leip-
zig als bekannteste sächsische Popgruppe.
Vielbeachtet waren zudem der Start der „Kara-
wane für mehr Kinderfreundlichkeit 2000“ am
zweiten Festtag in Zwickau, die durch mehre-
re Städte der Bundesrepublik führte oder die
Pflanzung von fünf Platanen am Dr.-Fried-
richs-Ring. Damit erhielt Zwickau Anschluss
an die Deutsche Alleenstraße. Ein wichtiges
Angebot war das Talkcafé des „Sachsenclubs“ in
der Hochschulbibliothek der Westsächsischen
Hochschule Zwickau (FH). Es bot die Gelegen-
heit, mit hochrangigen sächsischen Politikern
ins Gespräch zu kommen.
An den liebevoll und über einen langen Zeit-
raum vorbereiteten Festumzug in Zwickau er-
innern sich viele Menschen noch heute, denn
über ihm standen im wahrsten Wortsinne
dicke Regenwolken. Rund 6000 Teilnehmer
von 320 Vereinen hatten sich angesagt, begleitet
von 190 Tieren – von Pferd bis Taube – sowie
360 Fahrzeugen. Als der Umzug begann, kannte
auch der Regen kein Aufhalten mehr. Das trieb
so manchem Teilnehmer, Organisator und Zu-
schauer Tränen der Enttäuschung und Wut auf
den Wettergott in die Augen.
Die Länge des Zuges betrug knapp fünf Kilo-
meter. Sein erster Teil zeigte Leben und Histo-
rie der Stadt Zwickau in 13 Bildern. Hier wirk-
ten auch Vertreter von Partnerstädten mit. Der
zweite Teil wurde mit einem Bild aus Zittau,
der Gastgeberstadt des 10. „Tages der Sach-
sen“, eröffnet. Diesem folgen elf Bilder, die das
Typische im Vereinsleben aus den Kulturräu-
men Sachsens repräsentierten. Der dritte Teil
beschrieb die Vielfalt des sächsischen Vereins-
Konsequent sächsisch: der
Hauptact am Samstagabend
vor dem Zwickauer Rathaus.
Die PRINZEN sorgten als
Sachsens populärste Band
für Mega-Stimmung.
AUTOMOBIL- UND
ROBERT-SCHUM ANN-STADT
Ein wichtiges Stück Stadt-
geschichte erschien aus An -
lass des Tages der Sachsen.
Neben einer Zeittafel mit den
Ereignissen der ersten zehn
Jahre nach der Wende und
Statements von Zwickauer
Bürgern enthält die 144-sei-
tige Broschüre Texte von
Autoren, die zu den aktiven
Gestaltern der Entwicklung
ihrer Stadt gehören.

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25 Jahre Tag der Sachsen
| 39
01. bIs 03.09.2000 zwIckau
Impressionen vom Zwickauer
Stadtfest 2015: Die
liebevoll erhaltenen histo-
rischen Gebäude auf dem
Hauptmarkt bieten einen
unverwechselbaren und
be zaubernden Rahmen für
Open-Air-Veranstaltungen.
lebens. Augenzwinkernd resümierte der da-
malige Oberbürgermeister Rainer Eichhorn
in seinem Dankschreiben an die Beteiligten
später: „Wir wissen, dass sich das Wetter nicht
beschwören lässt und der Regen pünktlich zum
Festumzug anfing und genauso pünktlich auf-
hörte. Da haben wir wohl alle mitgefühlt. Sieht
man es aber positiv, hat uns auch das Sympa-
thien eingebracht. Auch hier haben wir uns be-
wiesen, denn: bei schönem Wetter kann jeder.“
Fortsetzung folgt bis in die gegenwart:
Sachsentag als Inspiration für’s Stadtfest
Inspiriert von der logistischen Meisterleis-
tung des in elf Arbeitsgruppen agierenden
Org.-Teams, mehr aber noch beeindruckt von
der Begeisterung der Menschen, reifte in der
Folgezeit die Idee, den „Tag der Sachsen“ in
Zwickau dauerhaft nachklingen zu lassen. Die
ausgelassene Feststimmung, das kunterbunte
fröhliche Treiben sollten keine „große Eintags-
fliege“ bleiben! Viel zu beeindruckend war das
Erlebte. Zudem hatten die Zwickauer und ihre
Gäste ein ums andere Mal erstaunt festgestellt:
die fast 900-jährige Altstadt bietet ein überaus
zauberhaftes Ambiente für Bühnen, Stände und
ein vieltausendköpfiges feierlauniges Publikum.
„Wenn wir ein so großes Fest für alle Sachsen
gestemmt haben, sollte es uns möglich sein, ein
jährliches Stadtfest für Einheimische und Som-
mergäste auf die Beine zu stellen! Das organi-
satorische Know-how und die Strukturen dafür
haben wir“, war die einhellige Meinung vieler
damals schon im Org.-Team sitzender Macher.
Zwei Jahre später war es dann so weit: das erste
Zwickauer Stadtfest ging sozusagen als neuge-
borenes Kind des großen Sachsentages über die
drei innerstädtischen Bühnen auf dem Haupt-
markt, dem Domhof und dem Kornmarkt. Das
geschah nach einem natürlich deutlich „abge-
speckten“, aber in Anlehnung an die Grund-
prinzipien des „Tages der Sachsen“ in Zwickau
konzipierten Programms.
Leider lief die Stadtfest-Premiere anders als
gedacht, denn auch hier spielte das Thema
„Wasser“ wieder eine traurige Rolle: was als
fröhliches Volksfest geplant war, wurde über-
schattet von den Ereignissen der Jahrhundert-
flut jener Tage im August 2002! So wurde das
erste Zwickauer Stadtfest zur Benefizveranstal-
tung, in der sich die Zwickauer solidarisch mit
der Stadt Grimma zeigten. Doch in den Folge-
jahren stand partylaunigen Festen für Jung und
Alt nichts mehr im Wege. Bis heute erhalten
hat sich die vom Sachsentag übernommene
Idee, ortsansässigen und regionalen Vereinen
und Verbänden mit dem Stadtfest ein Podium
zu bieten, in dem sie einmal im Jahr einem so
großen Publikum die Ergebnisse ihrer Freizeit-
aktivitäten präsentieren können.
Kreativer Marathon im Vorfeld:
Von Zwickau-cd bis „Schwan robert“
Doch noch einmal ein Blick zurück: Nach dem
aufregenden Sprung ins Jahr 2000 begann für
die Organisatoren im Frühjahr die heiße Phase.
Mit ideenreichen Aktionen holten sie die Bür-
ger der Stadt und der Region mit ins „Vorberei-
tungsboot“.
Die CD „Zwickau – Glück Auf Songs für Zwi-
ckau“ mit 13 Produktionen wurde am 8. März
der Öffentlichkeit vorgestellt. Neun Titel davon
waren für einen Wettbewerb zum „Zwickau-
Song“ für den 9. „Tag der Sachsen“ in Zwi-
ckau entstanden. Dafür wurden Musikstücke
gesucht, die eigens für das größte Volks- und
Heimatfest Sachsens produziert werden sollten
und einen Bezug zur Robert-Schumann-Stadt
Ein Symbol, das für sich
spricht: Viele große und klei-
ne Füße eilen zur größten
Open-Air-Sause der Stadt.
Schwan Robert war das all-
seits beliebte Maskottchen
des Tages der Sachsen 2000
in Zwickau.
Ihn gab es als
Plüschtier und Schlüsselanhänger
(Festplakette). Zudem zierte
das Zwickauer Wappentier
auch zahlreiche Souvenirs.

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40 |
25 Jahre Tag der Sachsen
01. bIs 03.09.2000 zwIckau
haben. Als DER „Zwickau-Song“ war daraus
der Titel „Zwickau – Glück Auf!“ der Gruppe
„Happy Feeling“ hervorgegangen. Zur Berei-
cherung der musikalischen Palette steuerten
bekannte Zwickauer Interpreten eigene Titel
bei: Regina Thoß, Stefan Malzdorf, Karel Hu-
linský sowie Gitte & Klaus. Einen ersten großen
Werbeeinsatz hatte die frischgepresste Scheibe
wenig später bei der Internationalen Touris-
musbörse in Berlin am Stand des Tourismus-
verbandes Westsachsen/Zwickau e. V.
Ebenfalls absolut öffentlichkeitswirksam ge-
staltete sich einen Monat später, am 10. April,
die Auszeichnung der Gewinner des Fotowett-
bewerbs unter dem Motto „Zwickau“. Sie
erfolgte während der Eröffnung einer viel-
beachteten Wanderausstellung mit dem Titel
„Zwickau 2000 – Bilder einer l(i)ebenswerten
Stadt“ im stark frequentierten Einkaufstempel
„Glück-Auf-Center“. Der Fotowettbewerb war
eine Gemeinschaftsaktion der Stadt Zwickau
mit den dort ansässigen Fachmärkten GLOBUS
und ALPHA-TECC. Auch das Motto „Zwickau
2000 – Glück auf“ des Zwickauers Albrecht
Schmutzler stammte aus einem Wettbewerb.
Neun Tage später wurde es besonders aufre-
gend. Vertreter der Stadt um Oberbürgermeis-
ter Rainer Eichhorn hatten einen Ortstermin
im Gebäude des Sächsischen Landtages in
Dresden. Dort fand am 19. April die Auftakt-
pressekonferenz zum 9. „Tag der Sachsen“ statt.
Zwickau stellte den Vorbereitungsstand vor.
An diesem Tag hatte auch „Schwan Robert“
sozusagen seinen ersten „Auftritt“. Das Mas-
kottchen war zuvor von den Zwickauern auser-
koren worden, um fortan als Sympathiewerber
für ihre Stadt zu „agieren“. Zu diesem Zeitpunkt
hatte das Zwickauer Org.-Team auch schon
vorläufige Zahlen zu verkünden, denn termin-
gerecht zum 31. März 2000 hatten sich 888
Vereine und Verbände, darunter 343 für den
Festumzug, im Zwickauer Organisationsbüro
aus allen Teilen des Freistaates gemeldet. Somit
stand einem bunten Mix für das große sächsi-
sche Vereinsfest nichts im Wege.
Am 1. Juli zeigte man im Autohaus Lueg Teile
von Bildern aus dem Festumzug, Kostüme und
Requisiten. Der „Tag-der-Sachsen-Flyer“ und
andere Publikationen, erstellt von der Firma
Ö-Konzept, wurden vorgestellt. „Schwan Ro-
bert“ wurde hier erstmals in der Plüschfigur-
Variante präsentiert und verkauft. Zehn Tage
später flog das Maskottchen dann als Schlüssel-
anhänger in Form einer Comicfigur in Zwickau
ein. Zum großen Sachsentag machte „Schwan
Robert“ zunächst als Eintrittsplakette seinen
Job, zählte hernach jedoch noch viele Jahre spä-
ter zu den begehrtesten Zwickau-Souvenirs.
ganz schön nachhaltig:
Sachsentag als Initialzündung
für stadtbildprägende Bauten
So nachhaltig, wie das Fest selbst, waren auch
die Resultate eines regen Baugeschehens, das
seinerzeit mit Blick auf den Sachsentag in
Zwickau einsetzte. Bis heute erfreuen sich die
Zwickauer und ihre Gäste an Objekten, die
das Stadtbild grundlegend veränderten und
verschönten. Ein Blick in die Stadtchronik be-
weist: Besonders kurz vor dem „Tag der Sach-
sen“ nahm die Freude der Zwickauer über den
wunderschönen Wandel des Stadtantlitzes gar
kein Ende: Schlag auf Schlag feierten sie am
15. Juli ein Fest zur Einweihung des Haupt-
marktes nach Abschluss der 15-monatigen Um-
bauarbeiten, mit einen „Tag der offenen Tür“
am 6. August die feierliche Schlüsselübergabe
für die neu errichtete Stadthalle im Glück-Auf-
Blick auf das historische
und doch sehr moderne
Rathaus im Herzen der
Automobil- und Robert-
Schumann-Stadt. Die fast
900-jährige Stadt liegt in
sattem Grün und bietet
für Einheimische und Gäste
viel Erholsames. Ganz in der
Nähe: das Muldeparadies.
Fakten zum
Tag der Sachsen
595.000 Besucher
über
1000 Veranstal-
tungen auf 26 Bühnen,
sieben davon waren
Medienstandorte
fünf Kilometer langer
Festumzug gestaltet
von
ca.
6000 Personen aus
rund 320 Vereinen
Komplett ausgebucht waren
die
1600 Unterkünfte
in Zwickauer hotels und Pen-
sionen,
in 19 Schulen
gab
es
3500 Übernachtungen

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25 Jahre Tag der Sachsen
| 41
01. bIs 03.09.2000 zwIckau
Center und am 23. August die Einweihung des
Alten Gasometers in der Kleinen Biergasse als
soziokulturelles Bürgerzentrum in Trägerschaft
des Vereins Buntes Zentrum e. V.
Stadthalle und Gasometer: Beide Gebäude sind
schon durch ihre äußere Form als Rundbau-
ten ein Hingucker. Beide Locations bestanden
mit dem „Tag der Sachsen“ ihre Feuertaufe in
Sachen Event-Tauglichkeit. Ohne sie wäre heu-
te das Veranstaltungsleben der Stadt gar nicht
mehr vorstellbar. Ebenfalls aus dem Herzen
der Stadt in keiner Weise wegzudenken sind
die Zwickau-Arcaden als innerstädtische Ein-
kaufspassage, Aktions- und Ausstellungsfläche,
deren Einweihung am 24. August – und damit
eine Woche vor dem Großevent – das neue jun-
ge Erscheinungsbild Zwickaus komplettierte.
Junges Neues kam somit zu liebevoll erhalte-
nem Alten und prägt seither das besondere
Flair, für das Events und Feste im jahrhun-
dertealten Zwickau so beliebt sind. Ebenfalls
im Jahr 2000, und zwar am 8. Juni, hatten die
Zwickauer bereits ein Richtfest für den Ergän-
zungsbau der Priesterhäuser am Domhof ge-
feiert. Während diese Bauten zu den ältesten
erhaltenen Wohnbauten Deutschlands zählen,
fanden nach Fertigstellung des modernen An-
baus die stadtgeschichtlichen Sammlungen dort
ihren Platz. Diese erzählen heute die Geschichte
einer Stadt, die zunächst mit Silber-, später mit
Steinkohlenbergbau und in ihrer jüngeren His-
torie mit Automobilbau zunächst zu Wohlstand
und später zur Weltbekanntheit kam und die im
Jahr 2018 ihr 900-jähriges Stadtjubiläum feiern
wird.
Überhaupt hatte die Stadt bis dato schon einige
Höhepunkte erlebt: die feierliche Eröffnung des
Johannisbades, das im Rahmen des URBAN-
Projektes saniert wurde, die Einweihung des
supermodernen „Hauses der Sparkasse“ an der
Crimmitschauer Straße/Ecke Moritzstraße im
Monat Mai oder die Eröffnung des Besucher-
zentrums des externen Expo-2000-Projektes
„Nahverkehrssystem Euregio Egrensis“ (Egro-
Net). Wesentlichster Punkt des einzigartigen
Zwickauer Projektes Stadt- und Regionalbahn,
das ein Jahr zuvor auf die Gleise geschickt wur-
de, ist die Verknüpfung von Regionalbahn- und
Straßenbahnverkehr durch ein sogenanntes
„Drei-Schienen-Gleis“.
Zum Fest fuhr der RegioSprinter halbstündlich
und war damit eine tolle Ergänzung zum sorg-
fältig geplanten Shuttle-Verkehr.
event mit Schubkraft
für die region:
Bleibende effekte
bis in die gegenwart
Der 9. „Tag der Sachsen“ im
Jahr 2000 brachte ein Novum
mit sich: Erstmals war eine Groß-
stadt Ausrichterstadt. Lange haben die
Zwickauer diesem Wochenende entgegengefie-
bert. Viele Monate hatten sie sich darauf vorbe-
reitet, Gastgeber eines Festes zu sein, das ihre
Stadt in diesen Dimensionen noch nie zuvor er-
lebt hat. Mit ca. einer halben Million Besucher
hatte Zwickau gerechnet, tatsächlich kamen
595.000 Menschen. Schönster Lohn für die Or-
ganisatoren war der Blick in die Gesichter der
Menschen, die ausgelassen und voller Freude
die unzähligen Angebote annahmen.
Darin waren sich die Zwickauer also einig: Der
„Tag der Sachsen“ hat einen besonderen posi-
tiven Effekt gebracht: Die hier lebenden Men-
schen, die Unternehmen, Institutionen und
Einrichtungen, die Geschäftsinhaber, die Mitar-
beiter in den Ämtern der Stadtverwaltung, sind
einander näher gekommen. Viele neue Verbin-
dungen wurden geknüpft, ja auch Freundschaf-
ten entstanden durch die Arbeit. Es ergaben
sich Kontakte in andere Städte Sachsens und
nach anderswo.
Der Sachsentag brachte eine beflügelnde Schub-
kraft für die Stadt mit sich, denn Zwickau hatte
sich in Siebenmeilenstiefeln zu einem Reiseziel
gemausert, das Besuchern fortan viel Sehens-
und Erlebenswertes bieten konnte.
Was die Folgejahre deutlich zeigten: Nach-
haltigkeit war das anfangs erklärte Ziel und
tatsächlich lebte und lebt die Automobil- und
Robert-Schumann-Stadt noch lange von der
Saat und den Früchten jener Zeit.
Staffelstabübergabe:
Der Präsident des Kura-
toriums „Tag der Sachsen“
und Landtagspräsident
Erich Iltgen übergaben den
Staffelstab an Jürgen Kloß,
Oberbürgermeister der
nächs ten Ausrichterstadt
Zittau. Bildmitte: Rainer
Eichhorn, Oberbürgermeister
der Stadt Zwickau.
(li.)
Stadtimpression
aus den neugebauten
Zwickau-Arcaden.
(re.)
Medaille zum Tag der
Sachsen in Zwickau

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42 |
25 Jahre Tag der Sachsen
zIttau
„historisch und lebendig im dreiländereck“
10. Tag der Sachsen vom 7.– 9. September 2001
entdecken sie geschichte und
geschichten im dreiländereck
Malerisch liegt die Stadt am Fuße des Gebirges,
welches ihren Namen trägt. In den Cafés am
Marktplatz sitzen Besucher und Einheimische
in der Sonne. Hektik scheint hier ein Fremd-
wort zu sein. Gemütlich geht es zu in Zittau.
Wer Großstadttrubel und -aufregung sucht, ist
hier ganz sicher falsch. In Zittau und dem Zit-
tauer Gebirge suchen Touristen eher eine Aus-
zeit vom Alltagsstress. Langeweile kommt hier
dennoch niemals auf, denn wer mit offenen
Augen durch Zittau geht, kann viele spannende
Entdeckungen machen. Beispiele gefällig?
Auf der Zittauer Neustadt, unweit des gewal-
tigen, den Platz prägenden mittelalterlichen
Marstalls, steht das Wohnhaus Christian Gott-
lieb Pribers. Der Name ist heute kaum noch be-
kannt und doch hat es Priber in seiner Zeit zu
einer gewissen Berühmtheit gebracht. 1733 ließ
der Gelehrte seine Frau und seine sieben Kinder
im Zittauer Heim zurück, ging nach Amerika
und lebte dort unter den Cherokee Indianern.
Er half ihnen beim Umgang mit den weißen
Siedlern und zog sich damit wohl den Unmut
eben jener Pioniere zu, denn er wurde gefangen
genommen und starb bald darauf in der Haft.
Das abenteuerliche Leben dieses bemerkens-
werten Zittauers wird 2016 Thema zahlreicher
Aktivitäten sein: das Schauspiel-Ensemble des
Gerhart-Hauptmann-Theaters bringt „Die Le-
gende des Priber“ als Sommertheater auf die
idyllische Waldbühne in Jonsdorf, eine große
gemeinsame Ausstellung der Städtischen Mu-
seen Zittau und des Museums Weimar macht
Leben und Werk Pribers erlebbar und interna-
tionale Gäste werden in die Stadt kommen und
zu Gesprächsrunden und Lesungen einladen,
darunter der amerikanische Schriftsteller und
Journalist John Jeremiah Sullivan.
Eine abenteuerliche Reise ganz anderer Art
hat die bedeutendste Sehenswürdigkeit der
Stadt Zittau zu bewältigen gehabt, bevor sie
ihren Ausstellungsort in der Kirche zum Hei-
ligen Kreuz gefunden hat. Das Große Zittauer
Fastentuch wurde 1472 hergestellt und ver-
hüllte ursprünglich in der Fastenzeit den Al-
tar der Zittauer Hauptkirche St. Johannis. Die
Bezeichnung „groß“ ist hier wörtlich zu neh-
men, denn das kunstvoll bemalte Tuch erzählt
in Bildern die Biblische Geschichte auf einer
Fläche von 8,20 mal 6,80 Metern. Dass dieses
Blick entlang der Johanniskir-
che zur Burgruine Oybin (li.)
Foto: Thomas glaubitz
Lindenstraße – Blick zum
Besserschen Haus und
zur Klosterkirche (re.)
Foto: Thomas glaubitz
Fakten zum
Tag der Sachsen
330.000 Besucher
ca.
1.300 Einzelveran-
staltungen
an 90 Ver-
anstaltungsorten
700 Vereine,
davon 120
aus Zittau nahmen am Tag
der Sachsen teil
Festumzug mit 57 auf-
wendigen Bildern,
die die
geschichte Zittaus ebenso
wiederspiegelten, wie die
bunte Vielfalt der Vereine
und Bildungseinrichtungen;
ca. 5.000 Personen, 400
Fahrzeuge und knapp 200
Tiere nahmen am Umzug teil
1.400 Betten
in der Stadt
und Umgebung für Besucher,
desweiteren wurden die
Mitglieder von 143 Vereinen
mit
4.000 Personen
in
21 Schulen, Turnhallen und
Kindergärten untergebracht
und versorgt

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25 Jahre Tag der Sachsen
| 43
07. bIs 09.09.2001 zIttau
prächtige Tuch uns heute noch seine Schönheit
zeigen kann, ist nicht selbstverständlich, denn
nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Tuch
erst versteckt, später zusammengefaltet an ver-
schiedenen Orten aufbewahrt und musste wohl
sogar einmal als Zelt für eine russische Dampf-
sauna herhalten, dann verlor sich seine Spur.
Erst viele Jahre später wurde die ramponierte
Kostbarkeit im Depot des Museums entdeckt,
aufwändig restauriert und der Öffentlichkeit
zurückgegeben.
Doch nicht nur architektonische, kunsthisto-
rische und kulturelle Entdeckungen bietet die
Stadt, die ob ihrer Pracht und Schönheit im
Mittelalter von ihren Nachbarstädten – sicher
nicht ganz neidlos - den Beinamen „die Reiche“
bekam. Zittau ist ideal als Ausgangspunkt für
spannende Ausflüge zu den nahen Nachbarn in
Polen und Tschechien, ein gut ausgebautes Rad-
wegenetz lädt Sportler wie Familien zum sport-
lichen Erkunden der Gegend ein und das nahe
Zittauer Gebirge ist ein Paradies für Wanderer
und Kletterfreunde. Sogar professionelle Sport-
lerinnen und Sportler kommen immer wieder
in den Naturpark. Im August trifft sich die Elite
des Cross-Triathlon-Sports nun schon traditio-
nell am Olbersdorfer See vor den Toren Zittaus.
Beim Schwimmen im See, dem Lauf über unbe-
festigte Gebirgswege und rasanten Mountain-
bike-Abfahrten wurden in diesem Jahr sogar
die Europameisterschaften ausgetragen.
Konzert am
Großen Fastentuch
Foto: Thomas glaubitz
Schmalspurbahn
Foto: rene egmont Pech
Rathaus
Foto: Thomas glaubitz
Johanniskirche und Rathaus
Foto: Thomas glaubitz
Reiseangebote und
Informationen:
Tourist-Information Zittau
03583/752200
www.zittau.de

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44 |
25 Jahre Tag der Sachsen
07. bIs 09.09.2001 zIttau
Spielmannszug vor der Kon-
zertbühne am Salzhaus. (li. o.)
Ministerpräsident Kurt
Biedenkopf und Ober-
bürgermeister Arnd Voigt
eröffnen den Tag der
Sachsen in Zittau. (re. u.)
Die Freude war riesig, als die Entscheidung
fiel, dass die Stadt Zittau Ausrichter des 10. Ta-
ges der Sachsen sein wird. Gegen Freiberg und
Altenberg hatte sich die Stadt im Dreiländereck
durchgesetzt.
Der Werbeslogan hieß „Historisch und leben-
dig im Dreiländereck“. Damit wurde signa-
lisiert, dass die Bürger stolz auf die mehr als
750jährige Geschichte ihrer Stadt sind. Als
Maskottchen wirkte wieder das berühmte Zit-
tauer Zwiebelchen. Seine Feuertaufe hatte es
zur 2. Sächsischen Landesgartenschau, welche
1999 in Zittau und Olbersdorf stattfand.
Im Vorfeld des 10. Tages der Sachsen wurden
viele Projekte der Stadt Zittau vorallem in der
Infrastruktur fertiggestellt. Der Zittauer Bahn-
hof wurde saniert und der Bahnhofsvorplatz
völlig neugestaltet. Im Weinaustadion konnte
die historische Tribüne übergeben werden. Die
Neustadt mit dem altehrwürdigen Salzhaus er-
strahlte wieder im neuen Glanz. Ebenfalls neu-
gestaltet wurde der Ottokar Platz am Stadtring.
Zum ersten Mal trug das große Event interna-
tionalen Charakter. Polnische und tschechische
Nachbarn wurden intensiv in die Gestaltung
mit einbezogen. Hierbei wurde deutlich, dass
Zittau nicht mehr am Rande, sondern mitten in
Europa liegt.
Das Festgebiet erstreckte sich von der histori-
schen Innenstadt über die große Schlemmer-
meile Weinauallee bis in die grüne Lunge der
Stadt, die Weinau. Lassen wir ein paar Zahlen
sprechen, die die Größe der Veranstaltung ver-
anschaulichen. Vom 7. bis 9. September 2001
besuchten 330.000 Besucher den 10. Tag der
Sachsen. Mit ca. 1.300 Einzelveranstaltungen
an 90 Veranstaltungsorten konnte ein riesiges
Angebot für die Besucher geschaffen werden.
Insgesamt 700 Vereine, davon 120 aus Zittau,
nahmen an dem größten Volksfest Sachsens
teil und präsentierten den interessierten Besu-
Maskottchen des Tages der
Sachsen war das Zittauer
Zwiebelchen, eine Figur, die
Zittaus Rolle als Gartenstadt
symbolisert. (li. u.; Grafik)
alle Fotos: Stadtverwaltung Zittau

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25 Jahre Tag der Sachsen
| 45
07. bIs 09.09.2001 zIttau
Medaille zum Tag der
Sachsen in Zittau
chern ihre Arbeiten bzw. Angebote. Auch die
Gaumenfreuden kamen nicht zu kurz. Neben
der Schlemmermeile in der Weinauallee, luden
unzählige Stände, kleine Kneipen, Cafes und
Restaurants zur Einkehr ein. Für jede Alter-
gruppe und für jeden Geschmack war etwas
dabei. Ein absolutes Highlight im Programm
war der Festumzug am Sonntag. Aufwendige
57 Bilder, die die Geschichte Zittaus ebenso
wiederspiegelten, wie die bunte Vielfalt der
Vereine und Bildungseinrichtungen. Eine Viel-
zahl kultureller und sportlicher Gruppen zogen
gemeinsam mit benachbarten und befreunde-
ten Städten über den Zittauer Ring. Insgesamt
nahmen ca. 5.000 Personen, 400 Fahrzeuge und
knapp 200 Tiere am Umzug teil.
Aufgrund der besonderen Lage der Stadt Zit-
tau im Dreiländereck wurde der Umzug in
drei Sprachen gestaltet. Die Besucher wur-
den in 1.400 Betten in der Stadt und Umge-
bung untergebracht. Desweiteren wurden
die Mitglieder von 143 Vereinen mit 4.000
Personen in 21 Schulen, Turnhallen und
Kindergärten untergebracht und versorgt.
An diesen drei Tagen haben sich auch gleich
mehrere hochrangige Persönlichkeiten aus
Wirtschaft und Politik in das Gästebuch der
Stadt Zittau eingtragen. Darunter waren der
damalige Ministerpräsident Herr Prof. Kurt
Biedenkopf, der Landtagspräsident Herr Erich
Iltgen, der Staatsminister Herr Dr. Georg Brüg-
gen, der damalige Staatsminister für Bundes-
und Europaangelegenheiten Herr Stanislaw Til-
lich und der frühere Sächsische Staatsminister
für Finanzen Herr Dr. Thomas De Maiziere.
Die Bewältigung der Besucherströme war
eine große Herausforderung der Organisato-
ren. 25 Außenparkplätze mit 4800 Stellflächen
und 2 Parkplätze für Reisebusse mit 100 Stell-
flächen wurden für die Besucher bereitgestellt.
70 geschulte freiwillige Hostessen betreuten die
Besucher und waren somit Bindeglied zwischen
den Organisatoren und den Gästen.
Das kulturelle Herz von Sachsen schlägt in
Zittau, so betitelte die Sächsische Zeitung das
Festwochenende und sie hatte recht. Die Stadt-
väter waren sich sicher, dass die Besucher die
Stadt in guter Erinnerung behalten.
Nun sind schon wieder 15 jahre ins Land ge-
gangen, seit Zittau ganz am südöstlichen
Zipfel des Freistaates Sachsen den Tag
der Sachsen ausrichten konnte. Viel ist
seitdem geschehen und wir möchten
Sie einladen, unserer Stadt im Drei-
ländereck doch einen Besuch abzu-
statten. Es lohnt sich ohne Frage.
Spectaculum auf
dem Marktplatz (re.)
Foto: Thomas glaubitz
Impressionen vom
Festgeschehen. (li.)
Fotos: Stadtverwaltung Zittau

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46 |
25 Jahre Tag der Sachsen
döbeln
döbeln war die einzige Stadt,
die zur Jahrhundertflut 2002 geschmückt war
Als Sachsen im August 2002 von einer Flutka-
tastrophe von bis dahin nicht gekanntem
Ausmaß heimgesucht wurde, gehörte Döbeln
zu den am stärksten betroffenen Städten. Die
gesamte historische Altstadt und viele andere
Stadtteile waren betroffen. Insgesamt wurden
Schäden von etwa 154 Millionen Euro ermittelt.
Etwa 311,5 Hektar der Stadt waren überflutet,
645 Häuser betroffen. Aus allen Hochwasser-
gebieten des Landkreises Döbeln mussten etwa
162.000 Tonnen Schlamm und Müll entsorgt
werden.
Mitunter war in diesen Tagen der etwas sarkas-
tische Spruch zu hören: „Döbeln ist die einzige
Stadt, die zur Jahrhundertflut 2002 geschmückt
hatte.“ Es war schon ein bizarrer Anblick, wenn
über Schlammhaufen und riesigen Bergen mit
Hochwassermüll fröhlich Wimpelketten im
Wind flatterten. Döbeln wollte im September
2002 den 11. Tag der Sachsen ausrichten. Die
Vorbereitungen liefen auf Hochtouren, das Pro-
gramm stand, die technischen Abstimmungen
für die Veranstaltungsstandorte bekamen den
letzten Schliff, jeder Umzugsteilnehmer war
eingetaktet und der Druck der 50.000 Pro-
grammhefte hatte begonnen. Gespannte Vor-
freude war überall in der Stadt zu spüren. Dann
kam jener verheerende Montag im August 2002.
Das Hochwasser der Freiberger Mulde erreichte
Döbeln in den späten Nachmittagsstunden des
12. August 2002. Zwischen 16.00 und 17.00 Uhr
mussten erste ufernahe Straßenabschnitte ge-
sperrt werden. In den frühen Morgenstunden
des 14. August 2002 war die Freiberger Mulde
größtenteils in ihr altes Flussbett zurückge-
kehrt. In der Zeit dazwischen waren weite Teile
der Innenstadt zwischen 2,50 und 3,00 Meter
hoch überflutet. An der an der Ritterstraße ge-
Auf dem Obermarkt, einem
der zentralen, großen Plätze
in Döbeln sollte zum Tag der
Sachsen die MDR-Bühne ste-
hen.
Knapp vier Wochen davor
wälzten sich hier die Fluten der
Freiberger Mulde durch. Selbst
das Taubenmädchen, eine Skulp-
tur des Schlegelbrunnens, scheint
darüber fassungslos zu sein.
Seite 47 unten:
An der Staupitzmühle (dunk-
les Dach in der Bildmitte
rechts) befindet sich eine
Hochwassertafel.
dort sind
die höchststände der Freiberger
Mulde seit 1815 vermerkt. die
3,84 Meter vom august 2002
liegen deutlich über allen
anderen Markierungen.
Fakten zum
Tag der Sachsen
auf Grund der Flut im
August 2002
musste der
Tag der Sachsen in döbeln
abgesagt werden
etwa 311,5 Hektar
der
Stadt waren überflutet
der Gesamtschaden
be-
trug ca. 154 Millionen euro
645 Häuser
waren
betroffen
der höchste in der döbelner
altstadt gemessene
Wasser-
stand
betrug
3,84 Meter

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25 Jahre Tag der Sachsen
| 47
2002 döbeln
Das Stiefelchen ist der
kleine Bruder des Döbelner
Riesenstiefels, eines echten
über drei Meter großen
Stulpenstiefels.
Zum Tag der
Sachsen war das Stiefelchen
überall in döbeln und Sachsen
präsent. heute ist es noch als
Souvenir, beispielsweise als
Schlüsselanhänger oder Plüsch-
stiefel beliebt.
legenen Staupitzmühle wurden 3,84 Meter ge-
messen. Anders als an großen Flüssen, wie der
Elbe oder dem Rhein, gibt es an der Freiberger
Mulde nur eine sehr geringe Vorwarnzeit, das
Wasser ist sehr schnell da. Die Freiberger Mul-
de gilt als der am schnellsten fließende Fluss in
Europa. Die Döbelner hatten 2002 kaum Zeit,
auf die Wassermassen zu reagieren.
Die Helfer kämpften mit Situationen, die wohl
nur wenige von ihnen vorher so erlebt hatten.
Die Boote, die zur Verfügung standen, waren
teilweise der starken Strömung nicht gewach-
sen und wurden ständig beschädigt. Unter
der Wasseroberfläche befanden sich Ver-
kehrsschilder, Metallzäune und viele andere
Hinder nisse, die den Booten zum Verhängnis
wurden. Vorrangig mussten Menschen gerettet
werden, die schwer krank waren und dringend
ärztliche Betreuung oder notwendige Medika-
mente benötigten. Andere Menschen schweb-
ten in Lebensgefahr, weil es sehr ungewiss
war, wie lange ihr Haus noch den Fluten
standhalten würde.
Die Wimpelketten für den Tag
der Sachsen hingen bereits,
wie hier am Niedermarkt, als
die Wassermassen kamen.
Später hieß es dann in einer Form
von galgenhumor: „döbeln war
die einzige Stadt, die zur Jahr-
hundertflut geschmückt hatte.“

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48 |
25 Jahre Tag der Sachsen
2002 döbeln
1, 2: Sämtliche Geschäfte und
Büros, wie hier am Nieder-
markt und in der Bäcker-
straße waren im Erdgeschoss
und mitunter in der 1. Etage
zerstört.
3:
Insgesamt waren vom Jahrhun-
derthochwasser 2002 in döbeln
645 häuser betroffen.
Beson-
ders stark beschädigt war
dieses Wohn- und Geschäfts-
haus am Niedermarkt
4, 5: Überall im betroffenen
Gebiet lag der Schlamm
20 bis 30 Zentimeter hoch.
Zuerst mussten regelrechte gas-
sen geschaffen werden, um eine
geordnete Beräumung organisie-
ren zu können. aus den hoch-
wassergebieten des gesamten
damaligen Landkreises döbeln
wurden 162.000 Tonnen
Schlamm und Müll entsorgt.
ein erheblicher Teil davon
stammte aus der Stadt döbeln.
Als das Wasser dann weg war, gab es erst ein-
mal ein Aufatmen. Die Realität aber war bruta-
ler, als man es sich vorstellen kann, wenn man
es nicht mit eigenen Augen gesehen hat. Das
Ausmaß der Verwüstung war unfassbar und
unvorstellbar.
Wohnungen, Geschäfte, Gaststätten und Fir-
men waren zerstört, zahlreiche Straßen und
Brücken unpassierbar. Nicht nur alle Lampen,
auch das Leben im Stadtzentrum war erlo-
schen. Menschliches Leid, Verlust an Hab und
Gut, tonnenweise Schlamm und unzählige
Bauschäden waren das traurige Resultat dieser
Naturkatastrophe.
Es ist sicherlich überall schlimm, die Folgen
einer solchen Naturkatastrophe mit ansehen zu
müssen, aber besonders schrecklich ist es, wenn
man das in der eigenen Stadt miterleben muss,
in der man aufgewachsen ist, in der man lebt
und an der man hängt.
Überall, wo man hinschaute, war Schlamm. In
den Gesichtern der Menschen stand das Entset-
zen und riesige Fassungslosigkeit.
Die Flutwellen waren das eine. Das andere war
eine Welle der Hilfsbereitschaft. So viel Solida-
rität und Mitmenschlichkeit wie in jenen Tagen
hat Döbeln wohl nie zuvor erfahren. Die Döbel-
nerinnen und Döbelner werden diese Solidari-
tät und Mitmenschlichkeit auch nie vergessen.
Es ist erstaunlich, welche Entfernungen und
Widrigkeiten Menschen auf sich nahmen,
um zu helfen. Aus allen Teilen Deutschlands
kamen sie und wie die Freunde aus Döbelns
tschechischer Partnerstadt Vyskov auch aus
dem Ausland. Es fiel auf, dass sich viele junge
Leute an den Aufräumungsarbeiten beteiligten.
Nachbarn, Freunde, ehemalige Arbeitskolle-
gen, aber auch völlig Unbekannte fragten nicht
lange. Viele motivierte Hände packten an. Der
in Anspielung auf den Döbelner Riesenstiefel
gewählte Slogan zum Tag der Sachsen „Nach
Döbeln stiefeln,“ bekam in der Gummistiefel-
version so eine ganz neue Bedeutung.
Schmale Straßen verbinden
in der Döbelner Altstadt
die dominierenden Plätze.
das Wasser wurde hier mit
großer Kraft hineingepresst und
beschleunigte, wie in einer düse.
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25 Jahre Tag der Sachsen
| 49
2002 döbeln
Mit enormer Energie und
sehr viel Unterstützung
von überallher haben die
Döbelner ihre Stadt wieder
aufgebaut.
der Freistaat Sach-
sen investiert in den hochwasser-
schutz in döbeln etwa 55 Millio-
nen euro. heute ist döbeln wieder
attraktiv, liebens- und lebenswert.
Zahlreiche Rettungskräfte kamen im Zuge der
Aufräumungsarbeiten zum Einsatz. Neben
Feuerwehren und THW-Kräften aus der Stadt
und dem Landkreis waren dies Einsatzzüge aus
ganz Deutschland.
Zur Betreuung und Verpflegung der Bevölke-
rung waren Sanitätszüge der Johanniter-Un-
fallhilfe, des DRK und der Bergwacht vor Ort.
Sie gaben in den Tagen nach der Flut in Döbeln
unter anderem etwa 66.000 Essensportionen
aus. Daraus lässt sich erahnen, wie viele Men-
schen in Döbeln mit anpackten.
Zusätzliche Polizeikräfte sorgten u.a. dafür, dass
kein Verkehrschaos in der Stadt entstand und,
dass die Sicherheit im Katastrophengebiet auf-
rechterhalten wurde.
Viele andere Kommunen unterstützten Döbeln.
Bund und Freistaat Sachsen stellten schnell und
unkompliziert Finanzmittel zur Verfügung.
Die einzigartige Spendenbereitschaft von Pri-
vatpersonen, Unternehmen und Institutionen
war und ist für die Döbelner Grund zu großer
Dankbarkeit. Es war beeindruckend, mit wel-
cher Hartnäckigkeit Spenden gesammelt wur-
den, um den Döbelnern einen Wiederanfang zu
ermöglichen.
In einer solchen Situation war die Absage des
11. Tages der Sachsen, die am 15. August 2002
erfolgte, nur eine Randnotiz und Formalie.
Wer die Tage nach der Flutkatastrophe erlebt
hat, weiß in welch trostlosem Zustand die Stadt
war. Die Flutkatastrophe beendete nicht nur ab-
rupt alle Vorbereitungen auf den Tag der Sach-
sen, sie zerstörte auch einen großen Teil der
Stadt, an feiern war nicht zu denken.
Doch der unbändige Überlebenswille der
betroffenen Menschen und die ehrliche An-
teilnahme und grenzenlose Hilfsbereitschaft
Nichtbetroffener machten es möglich, dass die
Stadt wieder aufgebaut werden konnte. Das Zu-
sammengehörigkeitsgefühl war beispielhaft!
Eine zusätzliche Motivation war die einstim-
mige Entscheidung des Kuratoriums am 7. Sep-
tember 2002: Döbeln erhielt den
Zuschlag für den Tag der
Sachsen 2004. Mit den
Erfahrungen aus den Vor-
bereitungen für 2002
wollten die Döbelner
einen neuen Anlauf
unternehmen, das Kura-
torium schenkte ihnen
das nötige Vertrauen.
Medaille zum geplanten Tag
der Sachsen in Döbeln 2002

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50 |
25 Jahre Tag der Sachsen
sebnItz
die Seidenblumenstadt
in der Sächsischen Schweiz
Sebnitz wurde im 12./13. Jahrhundert von frän-
kischen Bauern gegründet. Seinen Namen er-
hielt der Ort von dem gleichnamigen Bach. Bis
zur Mitte des 13. Jahrhunderts war Sebnitz eine
Ackerbürgerstadt, d. h. Handel, Handwerk und
Landwirtschaft prägten das Wirtschaftsleben.
Die Leineweberei nahm dabei eine hervorra-
gende Stellung ein. Noch heute stehen an der
Bergstraße und an der Obergasse einige Um-
gebindehäuser, die einst von Webern und ihren
Familien bewohnt wurden.
So begann der Werdegang der in diesem Jahr
775jährigen Geschichte von Sebnitz. Die heu-
tige Große Kreisstadt Sebnitz zählt knapp
10.000 Einwohner. Die Stadt Sebnitz mit ihren
Ortsteilen Altendorf, Hainersdorf, Hertigs-
walde, Hinterhermsdorf, Lichtenhain, Mitteln-
dorf, Ottendorf, Saupsdorf und Schönbach liegt
inmitten der unvergleichlichen Landschaft der
Sächsischen und Böhmischen Schweiz.
Wanderparadies Sebnitz und Umgebung
Sebnitz lädt zum Wandern und Spazieren ein
und bietet mit dem „Aktivwegesystem“, dem
Trimmpfad und Kneippbecken sowie schier
unzähligen Kilometern gepflegter Wege Mög-
lichkeiten zum aktiven Aufenthalt in der Natur,
Wandern, Radfahren, Nordic Walking oder
Wintersport.
Familien in Sebnitz
Familien sind in Sebnitz und ihren Ortsteilen
gern gesehen, deshalb sind in vielen Erleb-
nisbereichen die speziellen Bedürfnisse für
Eltern mit Kindern besonders berücksichtigt
und attraktive Spiel- und Abenteuerspielplätze
für nahezu alle Altersgruppen werden ange-
boten.
Sebnitzer Marktplatz
Foto: Stadtverwaltung Sebnitz
Fakten zum
Tag der Sachsen
255.000 Besucher,
Besucherrekord für ein
Fest in Sebnitz
Drei Medien- und
zehn Vereinsbühnen
100 ha
Festgelände
Verkaufsstände
in allen Talstraßen
Schausteller mit Riesen-
rad
im Bahnhofsgelände

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25 Jahre Tag der Sachsen
| 51
05. bIs 07.09.2003 sebnItz
Grundschule
Schandauer Straße
Foto: Stadtverwaltung Sebnitz
Staatlich anerkannter erholungsort
Beliebt ist Sebnitz auch als Wellnessoase: der
staatlich anerkannte Erholungsort bietet mit
dem Dr. Petzold–KräuterVitalbad Sebnitz beste
Angebote für einen entspannten und wohl-
tuenden Aufenthalt. Im Sommer ist das Freibad
beliebter Treffpunkt der Sebnitzer und Urlauber
aus der Region.
Umgebindehaus
Pfarrgasse 1
Foto: Stadtverwaltung Sebnitz
Dr. Petzold-Kräuter Vitalbad
Foto: Touristinformation Sebnitz
Sächsische Schweiz
Foto: Tourismus und Stadtmar-
keting Sebnitz, S. Kleinert

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52 |
25 Jahre Tag der Sachsen
05. bIs 07.09.2003 sebnItz
Blumenmädchen
Foto: Stadtverwaltung Sebnitz
Fanfarenzüge auf dem
Marktplatz in Sebnitz
Foto: Stadtverwaltung Sebnitz
Kunst und Kultur in Sebnitz
Kunst- und Kulturliebhaber können in der
Schauwerkstatt „Deutsche Kunstblume Seb-
nitz“, den Städtischen Sammlungen, der Neu-
mannmühle im Kirnitzschtal und weiteren
Museen in der Stadt und den dazugehörigen
Ortsteilen verweilen und sächsisches Brauch-
tum und Tradition erkunden.
Im Zentrum steht das Kunstblumenhandwerk,
welches seit 1834 in Sebnitz beheimatet, die
Stadt über Jahrzehnte prägte und gestaltete.
Festlichkeiten in Sebnitz
Sebnitz und seine Ortsteile sind bekannt da-
für, große und kleine Festlichkeiten zu planen,
organisieren und letztendlich zu feiern. Unver-
gesslich ist sicherlich der im Jahr 2003 begange-
ne „Tag der Sachsen“.
Vom 5. bis 7. September 2003 fand das größ-
te sächsische Fest, der „Tag der Sachsen“, in
Sebnitz statt. Mit einem Besucherrekord von
255.000 Besuchern geht er in die Geschichts-
bücher von Sebnitz ein.
Kunstblumenhandwerk
Foto: Tourismus und Stadt-
mar keting Sebnitz

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25 Jahre Tag der Sachsen
| 53
05. bIs 07.09.2003 sebnItz
Riesenrad zum Tag der
Sachsen in Sebnitz
Foto: Stadtverwaltung Sebnitz
Fanfarenzug zum Tag der
Sachsen in Sebnitz
Foto: Stadtverwaltung Sebnitz
Zum 12. Tag der Sachsen gab es warmes Wetter
und viel Sonnenschein. Auf drei Medienbüh-
nen und zehn Vereinsbühnen fanden Veranstal-
tungen statt. Fast einhundert sächsische Vereine
gestalteten die Tage mit. Das Festgebiet um-
fasste ca. 100 ha. In allen Talstraßen der Stadt
wurden, beginnend von der Gärtnerei Klein am
Hainersdorfer Weg bis Parkplatz Blumenstraße
Bühnen und Verkaufsstände in dichter Folge
aufgebaut. Im Bahnhofsgelände, das durch den
Abriss des Güterbahnhofes größer geworden
war, hatten Schausteller u. a. mit einem Riesen-
rad ihren Platz.
Am Sonntag, dem 7. September 2003, fand der
Festumzug statt, der die Geschichte und Ge-
genwart von Sebnitz widerspiegelte. Unzählige
Zuschauer säumten die Straßen.
Auch in den Folgejahren konnte Sebnitz sein
Können beim Ausrichten von kleineren und
größeren Festlichkeiten unter Beweis stellen.
Bestes Beispiel ist das im Jahr 2012 stattgefun-
dene Landeserntedankfest.
Im Jahr 2016 fand vom 17. bis 19. Juni das
Sebnitzer Stadtfest anlässlich des 775jährigen
Stadtjubiläums und vom 22. bis 27. Juni der
116. Deutsche Wandertag statt. Beide Veran-
staltungen haben mit je einem Festumzug wie-
der zahlreiche Gäste, Urlauber und Wander-
freunde angelockt.
Medaille zum Tag der
Sachsen in Sebnitz
Stadtansicht
Foto: Stadtverwaltung Sebnitz

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54 |
25 Jahre Tag der Sachsen
döbeln
Tag der Sachsen 2004 in döbeln
doppelt gelingt besser
Nachdem der Tag der Sachsen 2002 dem Jahr-
hunderthochwasser zum Opfer fiel, nahm die
Stadt Döbeln am ersten Septemberwochen-
ende 2004 einen zweiten Anlauf, um das
größte Volksfest des Freistaates auszurichten.
Man konnte auf den Erfahrungen für 2002
aufbauen, als alles schon fertig vorbereitet
war und eigentlich nur noch das Fest selbst
fehlte. Diesmal wollten die Döbelner das zum
großen Abschluss bringen, was Jahre vorher
begonnen wurde. Unter dem Motto „Doppelt
gelingt besser“ präsentierte sich Döbeln als
lockere und entspannte Gastgeberstadt des 13.
Tages der Sachsen.
Lange war auf diesen Zeitpunkt akribisch,
aber auch ideenreich hingearbeitet worden, im
Grunde genommen begannen die Vorberei-
tungen ja bereits im Jahr 2000, als Döbeln in
Zwickau den Zuschlag für den Tag der Sachsen
2002 erhielt.
Damals startete man mit einer kleinen Truppe,
später agierten neun Arbeitsgruppen, während
des Festes sorgten dann etwa 2.500 Perso-
nen für einen reibungslosen Ablauf. Darunter
waren Hostessen, Bühnenverantwortliche, Poli-
zeikräfte, Parkplatzhelfer und viele mehr.
Die Döbelner sahen die Ausrichtung des Tages
der Sachsen als Chance und Herausforderung
zugleich. Sie wollten ein tolles Fest organisie-
ren und bis dahin die Folgen der Jahrhundert-
flut 2002 beseitigen. Beides gelang. Seit dem
September 2002 war in Döbeln außerordent-
lich viel geschehen, die enormen Schäden der
Katastrophe im Stadtbild kaum noch sichtbar.
Das war das Ergebnis des gewaltigen Willens
und Fleißes der Döbelner, aber auch der un-
glaublichen Hilfe von überall her.
Im Vorfeld wurde stets betont, dass man sich
mit einem stimmungsvollen Fest für die über-
wältigende Hilfe bedanken wollte. Das war für
die Döbelner ein Grund, sich besonders reinzu-
knien in die Vorbereitungen.
Bei schönstem Sommerwetter um die 26 Grad
kamen insgesamt ca. 400.000 Besucher aus
ganz Sachsen und darüber hinaus. Sie erlebten
Döbeln von seiner besten Seite, als liebens- und
lebenswerte Stadt.
641 sächsische Vereine und Verbände mit ca.
25.600 Aktiven präsentierten sich auf 17 Büh-
nen und 32 weiteren Veranstaltungsorten. Das
In Sebnitz erhielt der da-
etwa 115 Hektar große Festgebiet bot dafür
malige Döbelner Bürgermeis-
ter Axel Buschmann (2. v. l.)
aus den händen von Landtags-
präsident erich Iltgen (Mitte) und
dem Sebnitzer Bürgermeister
Mike ruckh (re.)
den Staffel-
stab für den Tag der Sachsen
2004 in Döbeln.
(Bild li.)
Das Stiefelmaskottchen,
die Schutzpatronin Doblina,
Schuhmachermeister Reichel
und die Stiefelkinder
stimmten
schon 2003 die Sachsentagsbe-
sucher in Sebnitz auf den Tag der
Sachsen in döbeln ein. (Bild re.)
Fakten zum
Tag der Sachsen
etwa
400.000 Besucher
Döbeln
war die erste Stadt,
die den
Tag der Sachsen
zum zweiten Mal
vor-
bereitete
641 sächsische Vereine und
Verbände mit ca.
25.600
Aktiven
präsentierten sich
17 Bühnen
und
32 wei-
tere Veranstaltungsorte
waren in dem
115 Hektar
großen
Festgebiet
integriert
5.600 Teilnehmer
aus
240 Vereinen, Verbänden
und gruppen gestalteten
den
vier Kilometer
langen Umzug

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25 Jahre Tag der Sachsen
| 55
03. bIs 05.09.2004 döbeln
Sonniges Wetter und
ausgelassene Stimmung
waren im gesamten
Festgebiet zu erleben.
günstige Bedingungen. Döbeln besitzt in der
Innenstadt mehrere große Plätze, die Wege da-
zwischen sind kurz. Die Besucher mussten also
keine weiten Wege zwischen den Bühnen und
Veranstaltungsorten in Kauf nehmen.
Die verkehrsgünstige Lage Döbelns hatte einen
Besucheransturm wahrscheinlich gemacht. In-
nerhalb einer Autostunde ist Döbeln für etwa
3,2 Millionen Menschen erreichbar. Sollten nur
10 % davon den Weg nach Döbeln wählen, so
kämen etwa 320.000 Menschen in die Stadt. Da-
rauf musste man sich vorbereiten.
Während des Festes wurden ein innerer und
ein äußerer Sperrkreis eingerichtet. Die Döbel-
nerinnen und Döbelner waren bereit, hier die
notwendigen Einschränkungen in Kauf zu neh-
men. Den Besuchern standen 21 ausgewiesene
Parkplätze zur Verfügung. Im 15-Minuten-Takt
brachten insgesamt 60 Busse die Besucher ins
Festgebiet und natürlich wieder zurück. Die
Bahn setzte zusätzliche Nahverkehrszüge ein.
In Schulen und vielen anderen Einrichtungen
standen 5.102 Übernachtungsplätze für die
Teilnehmer zur Verfügung. In die Arbeit der
Prächtige Gründerzeit-
gebäude bildeten in Döbeln
die Kulisse zum Festumzug.

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56 |
25 Jahre Tag der Sachsen
03. bIs 05.09.2004 döbeln
Der Döbelner Riesenstiefel
wurde 1925 als ein hervor-
ragendes Beispiel traditio-
neller, sächsischer Hand-
werksleistung gefertigt.
Seine Schafthöhe beträgt
3,70 Meter und seine
Sohlenlänge 1,90 Meter.
Im Großen Sitzungssaal des
Döbelner Rathauses kann
er heute besichtigt werden.
Die Türme der Nicolaikirche
(li.) und des Rathauses (re.)
dominieren die Silhouette
der Stadt Döbeln im Tal der
Freiberger Mulde.
(Bild li.)
Von den furchtbaren Zer-
störungen der Flut 2002 war
zum Tag der Sachsen 2004
kaum noch etwas sichtbar.
auch nach dem Junihoch wasser
2013 bauten die döbelner ihre
Stadt wieder auf. der Obermarkt
mit dem rathaus (ob. Bild) und
das Stadttheater erstrahlen heute
in neuem glanz. (Bilder re.)
Rettungs-und Sanitätsdienste waren 298 Kräfte
einbezogen. Die Müllbeseitigung erfolgte je-
weils in den Nachtstunden. Insgesamt waren
62 Tonnen Müll in kürzester Zeit zu beräumen
und zu entsorgen, was mit 114 Arbeitskräften
und der entsprechenden Technik geschah.
Die Organisation funktionierte reibungslos.
Während des Festes und auch danach bekamen
die Veranstalter viel lobende Worte und Aner-
kennung zu hören.
Auf den 17 Vereinsbühnen und den vier
Medienbühnen von MDR, Hitradio RTL, PSR/
RSA und Jump war ein Feuerwerk der Kultur zu
erleben. 81 Teilnehmer gestalteten die beliebte
Sächsische Agrar- und Schlemmermeile an der
Staupitzstraße.
Der Mittelaltermarkt fand im Klosterviertel
ein geeignetes Ambiente. Über 500 Auftritte
von Vereinen und professionellen Künstlern
boten für jeden Geschmack das Richtige und
zeit weise, speziell am Samstag, war es in der
Stadt so eng, dass kaum noch ein Apfel hätte zu
Boden fallen können.
Auch die über 270 Vereine und Verbände, die
sich mit ihren Präsentationsständen auf den
Straßen und Plätzen eingerichtet hatten, waren
rundum zufrieden, hatten Zuspruch und haben
sich in Döbeln wohlgefühlt.
Höhepunkte des Tages der Sachsen waren
neben der Eröffnungs- und der Abschluss-
veranstaltung beispielsweise das große Ge-
meinschaftskonzert des Landes-, Musik- und
Spielleuteverbandes Sachsen und des Sächsi-
schen Blasmusikverbandes mit 13 mitwirken-
den Gruppen, die romantische Chornacht, das
phantastische Feuerwerk und natürlich der
große Festumzug am Sonntagnachmittag.

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25 Jahre Tag der Sachsen
| 57
03. bIs 05.09.2004 döbeln
Das Stadtbad mit saniertem
Hallenbad, Freibad und Sauna
ist bei döbelnern und gästen
gleichermaßen beliebt. (Bild li. o.)
Seit 2007 fährt durch Döbeln
wieder die traditionelle
Pferdestraßenbahn.
ein sehr
engagierter Verein organisiert die
touristischen Fahrten und betreibt
das Pferdebahnmuseum. (Bild li. u.)
Die Färberhäuser am Ober-
werder unmittelbar am
nördlichen Arm der Freiber-
ger Mulde
stellen ein Stück des
alten döbelns dar, wie es vor der
gründerzeit existierte. (Bild re.)
Insgesamt 5.600 Teilnehmer aus 240 Vereinen,
Verbänden und Gruppen sorgten auf der rund
vier Kilometer langen Umzugsstrecke für Stim-
mung. 38 Musikkapellen, über 200 Fahrzeuge,
85 Pferde, 36 Hunde, 20 Kleintiere, zwei Greif-
vögel, ein Esel und ein Kalb ergänzten das bunte
Bild.
Jeder, der bereits einmal einen ähnlichen Um-
zug vorzubereiten hatte, weiß, welche organisa-
torische und logistische Leistung sich dahinter
verbarg.
Die Stadtwerke Döbeln waren dabei ein eben-
so verlässlicher und kompetenter Partner für
die Stadt wie die Döbelner Wohnungsbau-und
Verwaltungsgesellschaft, die maßgeblich die
Teilnehmer- und Gästebetreuung organisierte.
Viele weitere Partner waren bereit, die Heraus-
forderungen mitzutragen.
Eine Vielzahl von Unternehmen und Einrich-
tungen unterstützten aktiv den Tag der Sachsen.
Sie taten das, indem sie Personal abstellten, in-
dem sie Fahrzeuge, Gerätschaften oder Arbeits-
leistungen ganz unterschiedlicher Art kostenlos
oder kostengünstig zur Verfügung stellten. In
erheblichem Maß stellten Sponsoren finanzielle
Mittel zur Verfügung. Ohne diese leistungsfähi-
gen Partner wäre das größte Volksfest Sachsens
nicht zu dem Erfolg geworden.
Der Tag der Sachsen brachte für Döbeln zu-
nächst einmal eine Unmenge Arbeit, aber in der
Durchführung auch das Gefühl, dass Großes
möglich ist, wenn alle – Stadt, Unternehmen
und Bürger – an einem Strang ziehen.
Döbeln hat bei den 400.000 Gästen ganz sicher
einen sehr positiven Eindruck hinterlassen.
Viele kennen Döbeln nun als eine wirklich
schöne und freundliche Stadt, die man unbe-
dingt noch einmal (oder besser mehrfach) be-
suchen muss.
Jeder, der zum Tag der Sachsen in Döbeln war,
konnte feststellen, die Döbelner sind leistungs-
fähig beim Wiederaufbau nach der Flut, sie
können aber genauso gut eines der größten
Volksfeste Deutschlands ausrichten.
Das war eine kaum zu überbietende
Werbung für Döbeln.
Medaille zum Tag
der Sachsen in Döbeln

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58 |
25 Jahre Tag der Sachsen
weIßwasser/o.l.
Unerwartete Vielfalt in der region
rund um Weißwasser/O.L.
Am östlichen Zipfel des Freistaates Sachsen ge-
legen, schmiegt sich die Stadt sanft an die süd-
lichen Ausläufer des Muskauer Faltenbogens.
Weißwasser/O.L.
(www.weisswasser.de)
ist eine
besondere Stadt inmitten einer vielschichtigen
und kontrastreichen Landschaft. Umrahmt
wird sie von unzähligen Seen, Kieferwäldern
sowie blühenden Heidelandschaften.
Aufgrund der Randlage manchmal etwas ver-
gessen und auch vernachlässigt, schreiben die
Menschen der Region ihre eigene Geschichte.
Es ist eine, die kaum wie eine andere in den
letzten 25 Jahren von tiefgreifenden wirtschaft-
lichen Veränderungen hier in der Oberlausitz
geprägt wurde.
Einst bekannt als eines der weltweit großen
Zentren für Glas, existiert dieser Industrie-
zweig in und um Weißwasser/O.L. nahezu
nicht mehr. Die Glasindustrie und die Ener-
giewirtschaft (Braunkohletagebau und Braun-
kohlekraftwerk) – zwei Wirtschaftsfaktoren, die
so weit zusammenschrumpften, dass sich mit ih-
nen die Einwohnerzahl der Stadt innerhalb von
25 Jahren von ehemals 38.000 auf inzwischen
nur noch knapp 17.000 Menschen reduzierte.
Doch immer häufiger kommen Menschen mitt-
lerweile wieder zurück in ihre alte Heimat.
Weißwasser/O.L. hat sich verändert. Die Rah-
menbedingungen für verschiedenste Interessen
und Lebensmodelle der Menschen sind hervor-
ragend und mittlerweile oft Grund für das Zu-
rückkehren oder aber auch die Entscheidung,
gleich hier zu bleiben. Eine offene Willkom-
menskultur und immer breitere Möglichkeiten
der Mitgestaltung im gesellschaftlichen Leben
zeugen davon.
Viele Akteure in der Stadt und der Region arbei-
ten eng zusammen und stellen sich geschlossen
der Vielzahl von Aufgaben und Herausforderun-
gen. Das ist die eigentliche Stärke dieser Stadt.
Wandbild Schwimmerin
in Weißwasser
Foto: © Torsten Pötzsch
Fakten zum 14. Tag
der Sachsen 2005
Willkommensbekennt-
nis
durch Zustimmung
aller Fraktionen aus dem
Stadtrat
278.000 Besucher
Höhepunkte
und Fakten:
· 20 Bühnen
· 915 Veranstaltungen
· 570 Stände im
Festgebiet
· 5.900 Teilnehmer
· Schaustellermarkt
auf 17.000 m²
· Sorbisches dorf
· Indianer- und cowboy-
gebiet mit Bühne im
Jahnpark
· Mittelaltermarkt
mit Bühne
Festumzug
· 31 Bilder
· Umzugslänge: 3.858 m
· Beteiligte Vereine: 652
· akteure: 23.000

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25 Jahre Tag der Sachsen
| 59
02. bIs 04.09.2005 weIßwasser/o.l.
Eishockey
auf dem Totenteich
Tierpark Weißwasser
Naturbad Jahnbad
Weißwasser
Welpenliga-Turnier 2015
Fotos: © Torsten Pötzsch (5)
Sportstadt Weißwasser/O.L.
Die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung spie-
len eine zentrale Rolle für die Lebensqualität
einer Stadt – in Weißwasser/O.L. ist es vor al-
lem der Sport.
So sind rund 3.000 Weißwasseranerinnen und
Weißwasseraner unterschiedlichster Alters-
gruppen in 20 verschiedenen Vereinen und
über 30 Sportarten organisiert.
Die überregional bekannteste und wahrschein-
lich auch beliebteste Sportart der Region ist
Eishockey. Der im Jahr 1932 gegründete Eis-
sportverein Weißwasser war schon 1939 Schle-
sischer Meister und errang 25 Meistertitel in der
ehe maligen DDR. Heute spielen die Lausitzer
Füchse
(www.lausitzer-fuechse.de)
in der
DEL 2 und locken in der Saison mehrere Tau-
send Besucher am Wochenende in die Eisarena
Weißwasser/O.L. Sie sind der sportliche Bot-
schafter einer ganzen Region – der Oberlausitz.
Den Eishockeymannschaften aller Altersklassen
und Freizeitsportlern steht seit dem 23. August
2013 eine moderne Eisarena
(www.eisarena-
weisswasser.de) zur Verfügung. Der intensiven
Nachwuchsarbeit kommt in allen Sportvereinen
der Stadt eine ganz besondere Bedeutung zu.
Tierpark und Jahnbad
In einem großzügig angelegten Tierpark inmit-
ten der Stadt
(www.tierpark-weisswasser.de)
er-
warten den Besucher 300 Tiere in 62 Arten und
Rassen aus allen Teilen der Welt. Begehbare
Anlagen ermöglichen den direkten Kontakt zu
einigen dieser Tiere.
Aktuell haben Kängurus und Erdmännchen
ein neues Zuhause gefunden und begeistern
speziell die kleinen Besucher.
Panoramafoto Weißwasser
Foto: © Torsten Pötzsch

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60 |
25 Jahre Tag der Sachsen
02. bIs 04.09.2005 weIßwasser/o.l.
Kromlauer Park am Morgen
Foto: © Torsten Pötzsch
Anradeln 2015
hier im Muskauer Park
Foto: © Torsten Pötzsch
Nostalgiezug Wald-
eisenbahn Muskau
Foto: © Waldeisenbahn
Muskau gmbh
Direkt neben dem Tierpark befindet sich ein
Naturbad – das Jahnbad
(www.weisswasser.de/
node/1690). Das Bad ist mit einem Kinder-
strand, Rutschen, einem Spielplatz und Strand-
körben besonders für Familien interessant.
Drei Beachvolleyballplätze, Fußballtore und
eine Tischtennisplatte laden auch Sportbegeis-
terte in dieses sehr schöne Areal ein. Auch für
das leibliche Wohl der Besucher wird in einem
Kiosk mit warmen und kalten Speisen gesorgt.
Waldeisenbahn Muskau
Eine große Attraktion der Stadt und eine Be-
sonderheit in der Region ist die Waldeisen-
bahn Muskau
(www.waldeisenbahn.de).
Die
600-Millimeter-Schmalspurbahn ist die größte
(Streckennetz und Fahrzeugbestand) ihrer Art
in Deutschland. Sie verbindet Weißwasser/O.L.
mit dem „Geopark Muskauer Faltenbogen“
(www.muskauer-faltenbogen.de).
Ihre Gleise
führen zu einem einzigartigen Rhododen-
dronpark
(www.kromlau-online.de)
in der
Parkge meinde Kromlau sowie dem berühmten
UNESCO-Welterbe Fürst-Pückler-Park
(www.
muskauer-park.de) in der Stadt Bad Muskau.
Ab Frühjahr 2017 können die Gäste auf einer
dritten Bahnroute die kontrastreiche Region
erkunden. Sie gelangen an einen spannenden
Aussichtspunkt – dem „Turm am Schweren
Berg“
(www.weisswasser.de/node/1689).
Ge-
legen ist dieser im Süden der Stadt direkt am
aktiven Braunkohletagebau mit dem Blick
auf rekultivierte Flächen und das Kraftwerk
Boxberg/O.L. am Horizont – eine Aussicht wie
auf einen anderen Planeten.
die UneScO ist hier zu hause
Die Besonderheiten und die Einzigartigkeit der
Region sind auch der UNESCO (Organisation
der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissen-
schaft und Kultur) nicht verborgen geblieben.
Es gibt in der Region Weißwasser drei
UNESCO-Label. Seit 1996 ist es das „UNESCO
Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und
Teichlandschaft“
(www.biosphärenreservat-ober
-
lausitz.de). Im Jahr 2004 zählte dann auch
der Fürst Pückler Park Bad Muskau zum
„UNESCO-Welterbe Muskauer Park“
(www.
muskauer-park.de) dazu. Und im November
des Jahres 2015 beschloss die UNESCO auf
ihrer Vollversammlung in Paris die Gründung
einer neuen Kategorie – die UNESCO GLOBAL
GEOPARKS. Weltweit 120 Geoparks
(www.
globalgeopark.org) wurden aufgenommen und
darunter auch der „Geopark Muskauer Falten-
bogen“. Seine Bezeichnung lautet „UNESCO
Global Geopark Muskauer Faltenbogen“
(www.muskauer-faltenbogen.de).
Maskottchen zum
Tag der Sachsen.
Foto: © Klaus günther

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25 Jahre Tag der Sachsen
| 61
02. bIs 04.09.2005 weIßwasser/o.l.
Blick auf Weißwasser
Foto: © Torsten Pötzsch
Turm am schweren Berg
Foto: © Torsten Pötzsch
natur und Freizeit im einklang
Mit Wald, Wasser und viel Sonnenschein geseg-
net, leben die Weißwasseraner sehr gern in ih-
rer Stadt. „Hier hat jeder seinen Teich“ pflegen
die Einheimischen zu sagen. Grund sind die
unzähligen Gewässer direkt in der Stadt und
der näheren Umgebung, wie der „Landschafts-
park Bärwalder See“ mit dem größten See Sach-
sens
(www.baerwalder-see.eu).
Durch das touristisch voll erschlossene Rad-
wegenetz
(www.urlaubsreich-aktiv.de)
kann die
Region auch mit dem Fahrrad mühelos erkun-
det werden.
Eine abwechslungsreiche Freizeitgestaltung bie-
tet die Stadt für seine Einwohner und Besucher
mit dem Glasmuseum, einer Schwimmhalle,
dem bereits erwähnten Naturbad – das Jahn-
bad, dem Naherholungsgebiet am Braunsteich
mit Übernachtungsmöglichkeiten im Kinder-
erholungszentrum
(www.kiezbraunsteich.de)
sowie der breiten sportlichen Vielfalt.
Lebenswerte Stadt
Trotz früherer industrieller Prägung ist Weiß-
wasser/O.L. eine kleine, überschaubare, lebens-
und liebenswerte Stadt mit einer guten sozialen,
wirtschaftlichen und kulturellen Infrastruktur
und einer bizarren Schönheit.
Ihre Menschen wohnen in aufwändig sanierten
Häusern im Innenstadtbereich, in sanierten
und teils umgebauten Neubauquartieren sowie
in ruhigen Eigenheimsiedlungen. Wohnort-
nahe Schulen und Kitas, ein modernes Kran-
kenhaus, eine Stadtbibliothek, Fachgeschäfte
und Einkaufszentren machen Weißwasser/O.L.
zu einem attraktiven Zuhause.
Besucher in unserer heimatstadt
Gäste nehmen Weißwasser/O.L. stets positiv
wahr. Sie wird als saubere, grüne, funktionale
und freundliche Kleinstadt mit zahlreichen
Schönheiten bezeichnet.
Beim „Tag der Sachsen“ 2005 oder der Veranstal-
tung „Deutschlands aktivste Stadt“ 2012 – wo-
bei Weißwasser/O.L. sich mit der thüringischen
Stadt Meiningen den ersten Platz teilte – konn-
ten die Besucher den spürbaren Teamgeist und
das positive Lebensgefühl der Ein-
wohner der Stadt wahrnehmen.
Sie sind herzlich eingeladen
sich selbst ein Bild zu machen.
Erkunden Sie die Region mit
dem Fahrrad, der Waldeisen-
bahn, per Auto, mit dem Boot
oder zu Fuß.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
Medaille zum Tag der
Sachsen in Weißwasser

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62 |
25 Jahre Tag der Sachsen
MarIenberG
15. Tag der Sachsen vom 1.–3. September 2006
Wir feierten mit vereinten Kräften!
Bergstadt Marienberg –
Im erzgebirge ankommen
10 Jahre – wie die Zeit vergeht – und noch
immer ist wohl allen Marienbergerinnen und
Marienbergern der Tag der Sachsen 2006 in
unserer schönen Bergstadt in guter Erinnerung.
Mehr als zwei Jahre intensive Vorbereitung
durch die Stadtverwaltung und zahlreiche eh-
renamtliche Unterstützer, vor allem die Ver-
eine der Stadt, haben sich am Ende ausgezahlt.
Ein rundum gelungenes Festwochenende mit
einem bunten und vielfältigen Programm, bei
dem ein Höhepunkt auf den nächsten folgte,
ließ bei den Besuchern keine Wünsche offen.
Nur das Wetter war uns Marienbergern nicht
ganz bis zum Schluss gewogen, doch davon
ließen sich die Teilnehmer und Zuschauer des
Festumzuges am Sonntagnachmittag die gute
Stimmung nicht verderben.
Viel ist in der Zeit vor dem Tag der Sachsen in
Marienberg passiert: Straßen wurden gebaut
und neue Parkplätze geschaffen, um die Infra-
struktur für das Großereignis vorzubereiten.
Aber auch zwei neue museale Einrichtungen,
das Bergmagazin mit dem Museum sächsisch-
böhmisches Erzgebirge und der Stadtbibliothek
sowie das Besucherbergwerk Pfergegöpel auf
dem Rudolphschacht im Ortsteil Lauta konnten
rechtzeitig vor dem Tag der Sachsen eröffnet
werden. Viele Gäste nutzten die Möglichkeit,
um die Einrichtungen gleich mit zu besichti-
gen. Außerdem konnte pünktlich zum Tag der
Sachsen die neue Stadthalle ihrer Bestimmung
übergeben werden. Sie hat sich bis heute als
Veranstaltungsort in der Region einen Namen
gemacht . Doch vor allem die vielen Initiativen
Einzelner sind der eigentliche Wert, den der
Tag der Sachsen in Marienberg hinterlassen hat
und der bis heute nachwirkt. Die Gründung
der Marienberger Bergsänger geht auf das Er-
eignis zurück, aber auch die Aktivitäten von
Gewerbetreibenden, die verschiedene Tag-der-
Sachsen-Produkte entwickelten und natürlich
die engagierten Anwohner im Stadtzentrum,
die ihre Häuser festlich schmückten, sind nur
einige Beispiele dafür.
Feierliche eröffnung
Freitagnachmittag, 1. September 2006 – es
war ein großer Andrang vor der Bühne von
Radio PSR, als Bürgermeister Thomas Wittig,
Landtagspräsident Erich Iltgen und Minis-
terpräsident Georg Milbradt gemeinsam mit
Fakten zum
Tag der Sachsen
280.000 Besucher
650 Vereine
300 Präsentationsstände
110 ha Festgelände
20 Bühnen
(davon
5 Medienbühnen)
4.717 Teilnehmer
am
Festumzug
mit 259 Bildern
und einer
Länge von 5 km
Landtagspräsident Erich
Iltgen erklärt den 15. Tag
der Sachsen in Marienberg
für eröffnet.
Herzog Heinrich der Fromme
mit seiner Gemahlin
Katharina von Mecklenburg
zur Eröffnung.
Fotos: J. görner

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25 Jahre Tag der Sachsen
| 63
01. bIs 03.09.2006 MarIenberG
Festumzug
– Marienberg
begrüßt seine gäste
Foto: J. görner
Maskottchen Herzog Heinrich
als räuchermann.
Ministerpräsident Prof. Dr.
Georg Milbradt
freut sich
über seinen Plüsch-heinrich,
das Maskottchen zum Fest
Foto: J. görner
Stadtgründer Herzog Heinrich dem Frommen,
dargestellt von Günter Reichel, den 15. Tag der
Sachsen feierlich eröffneten. Die Marienberger
Bergsänger, die sich anlässlich dieses Großer-
eignisses zusammengefunden hatten, traten ge-
meinsam mit der Pobershauer Bergkapelle und
dem Posaunenchor Marienberg auf. Es folgte
ein abwechslungsreiches Eröffnungsprogramm
Marienberger Vereine – von Tanz über sport-
liche Darbietungen und Gesang.
Am Abend folgte dann ein weiteres besonderes
Ereignis: Erstmalig fand am Eröffnungstag ein
Bergmännischer Zapfenstreich statt. Vor der
Kulisse des Zschopauer Tores, einem Wahrzei-
chen unserer Stadt, marschierten 250 Trach-
tenträger vom Sächsischen Landesverband der
Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine e. V.
auf, die im Fackelschein für Gänsehautgefühl
bei den Zuschauern sorgten. Der Zapfenstreich
folgt einem strengen Ablauf: Nach dem Auf-
marsch erklingt zunächst „Der Bergmanns-
gruß“. Nach der Abnahme der Parade beginnt
der Zapfenstreich mit Serenadeklängen. Ihnen
schließt sich das Gebet an. Es folgt die National-
hymne, bevor die Bergleute zu den Klängen des
Steigerliedes wieder abmarschieren.
erlebnis Festgelände
Zu den Besonderheiten auf dem 110 ha großen
Festgelände gehörte zweifelsohne die Sächsi-
sche Agrar-, Schlemmer- und Reisemeile auf
dem Areal der Erzgebirgskaserne. Die 700 m
lange Strecke war gesäumt von mehr als 90 An-
bietern – damals eine Rekordbeteiligung. Sie
lockten mit einem breiten Angebot regionaler
Produkte. Natürlich durfte der Buttermilch-
Aufmarsch zum Bergmän-
nischen Zapfenstreich.
Foto: J. görner

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64 |
25 Jahre Tag der Sachsen
01. bIs 03.09.2006 MarIenberG
Festgelände – Blick in die
Zschopauer Straße zur
Kirche St. Marien
Das Männerballett vom
Marienberger Carneval-
Verein 1984 e.V. sorgt für
Gaudi zur Eröffnung
Die Mädels von der Tanz-
gruppe Liviland bringen die
Gäste richtig in Schwung
Fotos: J. görner
getzen als erzgebirgischer Klassiker hier nicht
fehlen. Dass das Festgebiet zum Teil auf dem
Gelände einer Kaserne lag, war wohl bislang
einmalig. Die gute und freundschaftliche Zu-
sammenarbeit zwischen Stadt und Bundeswehr
bot die Möglichkeit, das Kasernengelände für
die Besucher zugänglich zu machen. Auch die
Präsentationsstände der Bundeswehr wurden
sehr gut angenommen, außerdem befand sich
das Koordinationsbüro der Polizei, die das Fest
mit 150 Beamten absicherte, auf dem Areal. Be-
reits am Vorabend des Tages der Sachsen fand
zudem die feierliche Vereidigung von 188 Rek-
ruten statt.
Aber auch der Schaustellerbereich, das Count-
rydorf und der Mittelaltermarkt kamen bei den
Gästen gut an. Bei Feuershows, Barbarenkämp-
fen und Dudelsackmusik kam keine Langeweile
auf und das Riesenrad im Schaustellerbereich
bot – vor allem nach Sonnenuntergang – einen
beeindruckenden Blick über das Festgelände.
Die Medienbühnen warteten mit bekannten
Künstlern wie HADDAWAy, REDNEX, US 5
und RIGHT SAID FRED auf und sorgten bis
spät in die Nacht für ausgelassene Stimmung.
Auf den anderen Bühnen reihten sich die Auf-
tritte sächsischer Vereine mit den verschiedens-
ten Tanz- und Gesangspräsentationen lückenlos
aneinander. Auch Theaterstücke und sportliche
Vorführungen wurden geboten.
gold für sächsische Vereine
Zum ersten Mal in der Geschichte des Tages der
Sachsen wurden im Jahr 2006 Vereine mit dem
Preis „Sachsens VereinsGold“ ausgezeichnet.
Zur Auszeichnungsveranstaltung am Samstag-
nachmittag sagte Ministerpräsident Prof. Dr.
Georg Milbradt: „Die Arbeit der Vereine, ge-
tragen von ihren ehrenamtlichen Mitgliedern,
kann nicht hoch genug bewertet werden. Mit
dem neuen Preis soll diese Leistung für das
Gemeinwesen eine Würdigung erfahren.“ Die
Erstplatzierten in den Kategorien Kultur, Sport,
Soziales und Natur-Umwelt-Heimat konnten
sich über einen Zuschuss von 1.500 Euro für die
Vereinskasse freuen. 250 Vereine aus ganz Sach-
sen hatten sich für den Preis beworben.
Die Klöppelgruppe vom
Heimatverein aus dem
Ortsteil Satzung zeigt das
Handwerk
Foto: J. görner

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25 Jahre Tag der Sachsen
| 65
01. bIs 03.09.2006 MarIenberG
Medaille zum Tag der
Sachsen in Marienberg
Maskottchen Herzog
Heinrich vor dem Modell
des Zschopauer Tores im
Eröffnungsfahrzeug
Festumzug – Die Schönburger
Fahnenschwinger
Fotos: J. görner
Festumzug – Besiedlung
der Region.
Foto: d. Oehme
Blick vom Kirchturm
St. Marien über die Innen-
stadt.
Foto: d. Oehme
höhepunkt Festumzug
Ein buntes Spektakel bot der 5 km lange Fest-
umzug am Sonntagnachmittag, an dem sich
4.717 Mitwirkende beteiligten. Viele Schau-
lustige hatten sich schon Stunden vorher die
besten Plätze gesichert. In 259 thematischen
Bildern wurden die Geschichte der Bergstadt
und der Region, das Vereinsleben entlang der
Silberstraße und das Leben im Erzgebirge in
Vergangenheit und Gegenwart dargestellt. Im
Eröffnungsfahrzeug begrüßte natürlich Stadt-
gründer Herzog Heinrich der Fromme die
Gäste. Einblicke in das einstige Arbeitsleben
der Bergleute, die Stadtgründung am 27. April
1521, aber auch die vier großen Stadtbrände
wurden gezeigt. Bergkapellen aus Sachsen und
Tschechien durften hier natürlich nicht fehlen.
Neben Gründung der Garnison (Marienberg ist
bis heute Garnisonsstadt) und der industriellen
Entwicklung nach dem Untergang des Berg-
baus, präsentierten sich im Block „Marienberg
der Gegenwart“ unter anderem die Kinderta-
gesstätten und Unternehmen der Stadt.
Staffelstab an reichenbach übergeben
Zur Abschlussveranstaltung am Sonntagabend
auf der Bühne des MDR dankte Bürgermeister
Thomas Wittig allen Beteiligten für die Unter-
stützung und sagte, dass dieses Wochenende
viel Bleibendes in Marienberg hinterlässt. Nicht
nur die vielen Investitionen in die Stadt waren
damit gemeint, sondern auch die Initiativen vie-
ler Einzelner in Marienberg werden noch lange
nachwirken, womit er recht behalten sollte.
Der Präsident des Kuratoriums Erich Iltgen
übernahm dann die Stafette mit den Wimpeln
der letzten 15 Ausrichterstädte und übergab sie
dem Oberbürgermeister der Stadt Reichenbach,
Herrn Dieter Kießling. Mit einem Knall been-
dete der Marienberger Schützenverein offiziell
den 15. Tag der Sachsen.
Auf ein Wiedersehen in unserer
schönen Bergstadt Marienberg!

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66 |
25 Jahre Tag der Sachsen
reIchenbach IM voGtland
das war der 16. Tag der Sachsen
vom 7. bis 9. September 2007 in reichenbach
Der 16. Tag der Sachsen in Reichenbach im
Vogtland ging am 9. September 2007 gegen
19.00 Uhr mit der Staffelstabübergabe an die
Stadt Grimma im Rahmen der Abschlussver-
anstaltung zu Ende.
Das Volks- und Vereinsfest in Reichenbach
prägten tolle Veranstaltungen, zahlreiche Höhe-
punkte auf den Medien- und Vereinsbühnen
und in allen Bereichen des Festgebietes sowie
eine schöne Stimmung.
Besucher zum 16. Tag der Sachsen
Neben der Nutzung der Großparkplätze und
des Shuttleverkehrs reisten während der drei
Veranstaltungstage viele Festbesucher mit
den eingesetzten Sonderbussen sowie mit der
Deutschen Bahn bzw. der Vogtlandbahn an.
Auch die Wernesgrüner Dampfzug-Sternfahrt
brachte zahlreiche Gäste in die Stadt und nach
dem Festumzug wieder zurück.
Am 7. September hatte Reichenbach ca. 45.000
Besucher. Am 8. September kamen ca. 120.000
Gäste und am 9. September ca. 130.000 Men-
schen zum Tag der Sachsen.
das konnten Sie in reichenbach
zum Tag der Sachsen erleben
Auf verschiedenen Medienbühnen wurden den
Gästen Programme, gespickt mit Musik von
Klassik bis Rock, gestaltet von nationalen und
internationalen Künstlern, präsentiert. The-
menbühnen zeigten die Vielfalt des sächsischen
Vereins- und Kulturlebens.
Von Schaustellern über mittelalterliches Trei-
ben, von Volkskunst bis zur Sächsischen
Agrar-, Schlemmer- und Reisemeile, für jeden
Geschmack war beim 16. Tag der Sachsen in
Reichenbach etwas dabei.
Kulinarische Köstlichkeiten gemischt mit tou-
ristischen Informationen und einem tollen
Festumzug in Reichenbach.
Die Freiwillige Feuerwehr
präsentierte im historischen
Teil das „brennende
Rathaus“.
Fakten zum
Tag der Sachsen
295.000 Besucher
5,1 km langer Festumzug
mit
5.141 Teilnehmern,
ca.
150 Tieren (Pferde, Ochsen,
Ziegen, hunde, geflügel)
und 282 dargestellte Bilder,
30 Musikkapellen
195 Gastronomen,
305 Händler
647 Vereine und
Einzeldarsteller
243 Programme
19 Vereins- und 3
Medienbühnen
1.000 Helfer

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25 Jahre Tag der Sachsen
| 67
07. bIs 09.09.2007 reIchenbach
Ein Sachsentag der kurzen
Wege, der unter dem Slogan
„Ankommen, Aussteigen,
Mitfeiern“ stand. Die Fest-
besucher orientierten sich
an den zahlreichen, gut
sichtbaren Wegweisern und
eroberten das Festgebiet.
Fotos im Beitrag: c. Steps, Stadt-
verwaltung, Fotoclub Vogtland,
F. Martin, K. Mahler, W. Zahn
Bühnenprogramm des Vogtland Radios lockten
die Besucher zur Sächsischen Agrar-, Schlem-
mer- und Reisemeile.
Ganz im Zeichen der Kinder und Familien
stand der Kinderbereich. Mit Unterstützung
der envia Mitteldeutsche Energie AG wurde
hier ein attraktives Kinderland, die „enviaM
Kinderwelt“, gestaltet.
Die Verbindung zwischen Schlemmermeile
und Kinderbereich war durch die große Blau-
lichtmeile hergestellt. Hier präsentierten sich
alle Organisationen, deren Kennzeichen das
Blaulicht ist. Sie gaben einen Einblick in die
Leistungsfähigkeit der Hilfs- und Rettungs-
dienste und zeigten modernste Technik.
Volksfeststimmung herrschte im Schausteller-
bereich. Vom Riesenrad aus gewann man einen
imposanten Blick auf das Festgelände.
Unter dem Slogan „Hier ist Sport zu Hause“
präsentierte sich der Landessportbund. Jeder
konnte u. a. die eigene Fitness testen und sich
im Wettkampf messen.
Der Landesvolleyballverband richtete die Sach-
senmeisterschaft im Beachvolleyball aus.
Zum Tag der Sachsen in Reichenbach war auch
das Mittelalter erlebbar, im Countrydorf
konnte
man in den „Wilden Westen“ eintauchen.
Das Handwerk hat im Vogtland, im Erzgebirge
und in ganz Sachsen Tradition. Die Reichenba-
cher hatten sich darüber hinaus Handwerker
aus Thüringen, Franken und Böhmen eingela-
den, die ihre Kunst präsentierten. Einen Quer-
schnitt durch die Gewerke und traditionelle
Handwerkstechniken der verschiedenen Regio-
nen gab es in der Handwerkermeile.
Der Dichter Maupassant formulierte: „Es sind
die Begegnungen mit Menschen, die das Leben
lebenswert machen.“ Getreu dieses Ausspruchs
waren alle Gäste zum 16. „Tag der Sachsen“
nach Reichenbach herzlich eingeladen.
Es war ein Sachsentag der kurzen Wege, der
unter dem einladenden Slogan „Ankommen,
Aussteigen, Mitfeiern“ stand.
Reichenbachs Altstadt
mit Peter-Paul-Kirche

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68 |
25 Jahre Tag der Sachsen
07. bIs 09.09.2007 reIchenbach
Auf 3 Medienbühnen und
19 Vereinsbühnen war Vielfalt
pur zu erleben. Auf den
Vereinsbühnen wurde ein
abwechslungsreiches
Programm des sächsischen
Vereins- und Kulturlebens
präsentiert.
(li.)
Der Festumzug Reichenbach
verabschiedete die Gäste bis
zur 5. Sächsischen Landes-
gartenschau 2009.
(re. o.)
Es gab die direkte Autobahnanbindung A 72,
Großparkplätze an den Bundesstraßen 94 und
173, Shuttlebetrieb von Sonderparkplätzen, Ein-
satz von Sonderbussen und Sonderzügen sowie
einen Bahnhof, der mitten im Festgebiet lag.
Auch Dampfzug-Nostalgie war zum Tag der
Sachsen in Reichenbach zu erleben.
Am 8. September fuhr ein Dampfzug als Son-
derfahrt von Dresden nach Reichenbach. Am
9. September gab es eine Dampfzug-Sternfahrt
mit Ziel Reichenbach im Vogtland.
Parkplatzsituation
Auf Grund des oft anhaltenden Regens war es
erforderlich, den Parkplätzen besondere Auf-
merksamkeit zu widmen.
Bereits nach dem ersten Tag waren einige der
Großparkplätze am Rand der Stadt nicht mehr
nutzbar. Durch großen Einsatz der Helfer gelang
es, weiterhin aus jeder Richtung Großparkplätze
zur Verfügung zu stellen. In den Gewerbegebie-
ten an der Zwickauer Straße sowie an der Auto-
bahnabfahrt Reichenbach wurden befestigte
Flächen als Parkmöglichkeiten aus gewiesen. Die
Variante B kam am Sonntag zum Tragen.
Aus Sicht der Polizei gab es keine besonderen
Vorkommnisse zum Tag der Sachsen in Rei-
chenbach. Auch die Einsätze des Sanitäts- und
Rettungsdienstes gingen nicht über ein Nor-
malmaß hinaus.
reichenbach heute
Reichenbach liegt im Nordosten des Vogtlandes
und zählt zu den ältesten Städten auf dem einst
von Vögten verwalteten Territorium. Die da-
mals wasserreichen Bäche gaben der Siedlung
den Namen.
Am 1. Januar 2016 fusionierten die Städte Rei-
chenbach und Mylau. In der neuen Stadt Rei-
chenbach leben rund 22.000 Menschen.
Der Wasserturm, Wahrzeichen von Reichen-
bach, wurde 1926 in nur knapp sechs Monaten
Bauzeit im Stil des Funktionalismus errichtet. Er
dient seitdem zur Wasserversorgung der Stadt.
Von der Aussichtsplattform in 26 Metern Höhe
kann der Besucher einen herrlichen Ausblick ins
Erzgebirge und obere Vogtland genießen.
Über die Stadtgrenzen hinaus bekannt sind
das Neuberin-Museum und das Neuberinhaus,
Veranstaltungshaus und Konzertsaal unter an-
derem der Vogtland Philharmonie Greiz/Rei-
chenbach und Sitz der Vogtland Kultur GmbH.
Diese Einrichtungen verdanken ihren Namen
der 1697 geborenen Friederike Caroline Neu-
Medaille zum Tag der
Sachsen in Reichenbach

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25 Jahre Tag der Sachsen
| 69
07. bIs 09.09.2007 reIchenbach
Park der Genaerationen
. (re.)
Der Postplatz in
Reichenbach.
(li. o.)
Blick auf Mylau mit
Stadtkirche
(li. u.)
Die evangelisch-lutherische
Stadtkirche Mylau ist ein
beeindruckendes neugoti-
sches Baudenkmal des
19. Jahrhunderts und prägt
die Silhouette der Stadt.
Ihr Vorgängerbau, die alte Kirche aus
dem 13. Jahrhundert (erste urkund-
liche erwähnung einer Kirche oder
Kapelle 1265). Sie musste mehrmals
für die ständig wach sende einwohner-
zahl umgebaut werden, bis sie 1887
abgetragen wurde, um dem heutigen
stattlichen Kirchenbau Platz zu
machen. nach drei Jahren Bauzeit fand
am 13. Oktober 1890 die Kirchweihe
statt. das kostbarste Objekt wurde aus
dem Vorgängerbau übernommen: die
Orgel, die der sächsische hof- und
Landorgelbauer gottfried Silbermann
1731 für 800 Taler erbaute. Beim
einbau der Orgel in den neuen Kir-
chenbau wurde diese nach dem Zeit-
geschmack mit einem neugotischen
gehäuse versehen. das Pfeifenwerk
mit 1155 Pfeifen blieb fast unverän-
dert, von den 21 registern wurden
im Laufe der Zeit drei ersetzt. eine
restaurierung der Orgel auf den
ursprünglichen Zustand wurde im
Jahre 1989 durchgeführt. Sie ist
heute in voller Schönheit zu bewun-
dern und ihr hervorragender Klang-
körper bei Konzerten zu hören.
ber, genannt die Neuberin. Als Schauspielerin
und Prinzipalin reformierte sie im 18. Jahr-
hundert die deutsche Theaterkunst. Zahlreiche
Bild-, Schrift-, Druck und Sachzeugen sowie
ein Stadtmodell anno 1740 zeigen in der stadt-
geschichtlichen Ausstellung Wissenswertes zur
Geschichte der Stadt Reichenbach
Hoch über der Mündung zwischen Göltzsch
und Raumbach wurde die Burg Mylau um 1180
auf einem Felssporn als Reichsdienstmannen-
sitz des Kaisers Barbarossa errichtet.
Knapp 200 Jahre später, im Jahre 1367, verlieh
Kaiser Karl IV. Mylau das Stadtrecht. Der Ein-
zug Kaiser Karl IV. wird zum alljährlich stattfin-
denden Burgfest nachgestaltet.
Die Burg Mylau ist die größte und am besten
erhaltene Burg des sächsischen Vogtlandes.
Vom Ortsteil Obermylau aus gelangt man über
den Höhenweg zur Göltzschtalbrücke, der
größten Ziegelsteinbrücke der Welt.
Die Stadtbibliothek, die den Namen des Rei-
chenbacher Schriftstellers und Bürgerrechtlers
Jürgen Fuchs trägt, zeichnet sich durch einen
großen und vielfältigen Medienbestand sowie
durch attraktive Veranstaltungen aus.
Lassen Sie die Seele baumeln in einer der Park-
anlagen unserer Stadt.
Das ehemalige Landesgartenschaugelände steht
heute als Park der Generationen jedermann zur
Verfügung. Für kleine Besucher gibt es zahlrei-
che Spielmöglichkeiten wie Hopser-, Mikado-
oder Wasserspielplatz sowie eine Skateranlage
für junge Sportler.
Der 126 Jahre alte, denkmalgeschützte Stadt-
park lädt durch seine Ruhe, seine Teiche und
dem alten Baumbestand zum Erholen ein.
Reichenbach, in der Vierländerregion Bayern,
Böhmen, Sachsen und Thüringen gelegen, „ver-
bindet Regionen“. Von der Stadt aus kann man
das reizvolle Vogtland, das Erzgebirge oder die
Bäderregion an der tschechischen Grenze prob-
lemlos erreichen. Mit der Vogtlandbahn gelangt
man in zahlreiche touristisch interessante Ziele
der Region. An der Sachsen-Franken-Magist-
rale gelegen, können die Oberzentren Zwickau,
Chemnitz und Dresden auch mit der Deut-
schen Bahn „erfahren“ werden.
Im Vogtland findet der Besucher ein gut aus-
gebautes Wanderwegenetz. Auf verschiedenen
Rundwanderwegen sowie auf dem Weg der Ja-
kobspilger, der „via imperii“, kann der Wande-
rer die vogtländische Natur genießen.
Über die Stadtgrenzen hinaus ist Reichenbach
für seine alljährlich stattfindenden Feste und
Veranstaltungen bekannt.
Nähere Information finden Sie unter:
www.reichenbach-vogtland.de

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70 |
25 Jahre Tag der Sachsen
GrIMMa
die Perle des Muldentals
„hunderttausende feierten in grimma
ihren weltoffenen Freistaat“
Es war das erfolgreichste Jahr seit langem –
Sachsens größtes Volksfest zog Hundert-
tausende in die Muldestadt. Der sächsische
Ministerpräsident Stanislaw Tillich lobte die
Gastfreundschaft: „Mit den internationalen
Begegnungen in Grimma trägt der ,Tag der
Sachsen‘ dazu bei, dass Europa weiter zusam-
menwächst.“ Weltoffen bewies die Ausrich-
terkommune auch, dass Sachsen wahrhaft ein
Land von Welt ist. Landtagspräsident und Chef
des Kuratoriums ,Tag der Sachsen‘, Erich Iltgen
war stolz auf die Landesfeststadt und bedankte
sich bei den Gästen und den Organisatoren für
die tolle Fete.
Insgesamt gestalteten 12.500 Teilnehmer von
647 sächsischen Vereinen und Blasmusikkapel-
len aus aller Welt die 567 hochwertigen Einzel-
veranstaltungen, Konzerte, Shows und fantasti-
schen Augenblicke. Für einen Paukenschlag bei
den Besucherzahlen sorgten vor allem die ein-
malige Lasershow, der leuchtende Bootskorso,
der traditionelle Festumzug und die vielen
prominenten Künstler. Für das Fest hat Grim-
ma das Motto „Für ein weltoffenes Sachsen“
gewählt, mit dem Ziel Gäste aus vielen Ländern
in die Stadt zu holen. Musiker aus über 20 Län-
dern hatten sich für das internationale Musi-
kantentreffen während des Tages der Sachsen
angekündigt. Siebzehn Bereiche, auch „Meilen“
genannt, luden zwischen Oberen Bahnhof und
Mulde zum Mitmachen ein. Grimma öffnete die
mittelalterlichen Tore und ließ nicht alltägliche
Einblicke zu. Romantische Innenhöfe, feudale
Bürgerhäuser und die beeindruckende Fluss-
landschaft wurden mit 670 bunten Ständen,
20 pulsierenden Bühnen und Freunden aus der
ganzen Welt geschmückt. Stars wie Mark Med-
lock, Monrose, die No Angels, Sydney young-
blood oder Culture Beat zogen an den Abenden
so viele Menschen in die Innenstadt, dass Be-
wegung nur noch mit dem Strom möglich war.
Ministerpräsident Stanislaw Tillich überreichte
15 sächsischen Vereinen das begehrte „Ver-
einsGold“, Wissenschaftsministerin Eva-Maria
Stange gab in Grimma den Startschuss für die
Imagekampagne des Studienstandortes Sach-
sen. Und der ehemalige Innenminister Albrecht
Buttolo ließ sich im berühmten Strandkorb von
Heiligendamm ablichten.
Motto des 17. Tages der Sachsen:
Für ein weltoffenes Sachsen
Mit einem französischen Arrangement aus
Hörgenuss und „Joie de palais“ überraschten
die Freunde aus Grimmas Partnerstadt Bron
Fakten zum
Tag der Sachsen
5.–7. September 2008
420.000 Besucher
12.500 Teilnehmer
von
647 sächsischen Vereinen
gestalteten Sachsens größtes
Volksfest 2008
50 Blasmusikkapellen
mit
1.800 Musikern aus sieben
nationen zum Internationa-
len Musikantentreffen
20 Bühnen
(vier Medien-
bühnen, drei Sportzentren)
567 Programmpunkte
Motto:
„Für ein weltoffe-
nes Sachsen“
3 Live-TV-Shows
135 akkreditierte Journalisten
Ausgaben
1,7 Millionen
euro, 340.000 euro Zu -
schuss, zusätzlich 700.000
euro projektgebundene Mittel
5 Großparkplätze
mit
50.500 Stellplätzen, 20.000
einfahrts genehmigungen
8 erste-hilfe-Stützpunkte,
300 Sanitäts- und rettungs-
geräte
Festumzug:
5.200 Teilneh-
mer, 250 Tiere, 200 Fahrzeuge,
5 Kilometer gesamtlänge
700 helfer im einsatz
670 Präsentationsstände
und händler
Wappen Gemeinde Grimma
Die Muldenperle war Bot-
schafterin für den Tag der
Sachsen in Grimma.
Foto: Stadt grimma

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25 Jahre Tag der Sachsen
| 71
05. bIs 07.09.2008 GrIMMa
S. 70 rechts:
Dichtes Gedränge
vor dem Rathaus. Es wurde
eng vor den Medienbühnen.
Foto: flashlight-Media/Stadt grimma
Das Thema Internationalität
bestimmte das Fest. Die Fah-
nenträger schwangen die
Wappen der Partnerstädte
und Ländern, die sich beim
Tag der Sachsen in Grimma
beteiligten.
Foto: Stadt grimma
an diesen Tagen. Französische kulinarische
Spezialitäten, gepaart mit feinstem New-
Orleans-Jazz, gehörten zum Programm. Die
kanadischen Mountys aus Grimmas Partner-
stadt Leduc sind noch vielen in guter Erin-
nerung. Deutsche Beiträge aus der Verbands-
gemeinde Rüdesheim gaben einen Überblick
über den Wein und die Musik. Mit Pauken-
schlag und Trommelwirbel marschierten die
Weingartener Freunde aus Baden-Württem-
berg mit ihrer traditionellen Stadtgarde zu
Pferd in Grimma ein.
Jede Menge los.
das waren die höhepunkte
Die Schlemmermeile in der Paul-Gerhardt-
Straße lud zum Naschen und Probieren säch-
sischer Spezialitäten ein. ENERGy Sachsen
brachte die Menge zum Tanzen. Direkt am
Muldeufer trumpfte der Radiosender mit dem
MusicDome bis spät in die Nacht auf. Den bes-
ten Platz in der Stadt sicherte sich die Medien-
bühne des MDRs auf dem Markt. Schlagerstars
wie Dschingis Khan, De Randfichten, Kathrin
& Peter, Kristina Bach, Cora, Andrea Jürgens,
Michael Heck, Olaf Berger, Tom Astor und
Comedian Ingo Oschmann machten den Markt
von Grimma zur zentralen Partymeile.
Hit Radio RTL Sachsen brachte Stars wie DSDS-
Gewinner Mark Medlock und die Popstars-
Sternchen „Monrose“ mit nach Grimma. Auf
dem Volkshausplatz begeisterten Radio PSR und
RSA Sachsen. Neben Liquido, Peter Schilling,
und Jürgen Drews begeisterten die „No Angels“.
Meisterschaften im Kutterrudern, Drachen-
bootrennen, Western- und Mittelalterspektakel
sowie Sport und vor allem die Darbietungen
der sächsischen Vereine machten das Volksfest
in Grimma ganz besonders.
Auf der Liederflutbühne fühlten sich zahlreiche
Künstler aus aller Welt wie zu Hause. Einen sel-
tenen Einblick gewährte der Schlosshof. Hier
erwarteten die Besucher Trommelwirbel, Klän-
ge des Schmiedehammers und der Duft von
deftigen Speisen und starken Getränken.
Einmalig in der Geschichte der Sachsen-Tage:
zwei Live-Shows und eine 48-Stunden-Ak-
tion! Unter dem Motto „Sachsen helfen Sach-
sen“ trommelte der Mitteldeutsche Rundfunk
im Rahmen der Eröffnungsshow „Die große
Kür für Grimma“ zahlreiche freiwillige Hel-
fer zusammen, um die marode Eissporthalle
auf Vordermann zu bringen. Der Zeitrahmen
war mit 48 Stunden knapp bemessen. An der
Seite des Eiskunstlaufpaares Aljona Savchen-
ko und Robin Szolkowy berichteten Reporter
live über das gesamte Wochenende hinweg zu
den Baufortschritten. Bis zur letzten Minute
Die Nacht wurde zum Tag.
Auf dem Floßplatz wurde
noch lange gefeiert.
Foto: Manfred Lohse
die Wahrzeichen grimmas ver-
einigen sich auf der Medaille.
Vier Jahre vor der Fertigstellung
der Pöppelmannschen Steinbrücke
konnte man schon erahnen, wie
das barocke Bauwerk aus dem
18. Jahrhundert in der Zukunft
aussehen soll. Schloss, Frauen-
kirche, Wappenstein und rat -
haus wurden verewigt.

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72 |
25 Jahre Tag der Sachsen
05. bIs 07.09.2008 GrIMMa
Fulminantes Finale: Die
„Große Kür für Grimma“
glückte. Innerhalb 48 Stun-
den konnte die Eissporthalle
durch viele Helfer saniert
werden.
Foto: Stadt grimma
Auf der Pöppelmannschen
Steinbrücke begegnete
man der Geschichte und
den Geschichten um die
berühmte Brücke.
Foto: flashlight-media/
Stadt grimma
Nicht nur Trubel:
Die Gastgeberstadt bot Zeit
und Raum zum Genießen.
Foto: redokart_david rieger
wurden Wände gesetzt, Leitungen verlegt, ge-
malert und installiert. In der Finalshow am
Sonntagabend konnten Moderator Axel Bult-
haupt und Oberbürgermeister Matthias Ber-
ger Publikum und Zuschauern das Ergebnis
präsentieren. Innerhalb eines Wochenendes
standen den Eissternchen des offiziellen Talent-
stützpunktes dank dem Einsatz vieler Helfer
eine neue Umkleidekabine, ein Athletikraum
und frisch renovierte Waschräume zur Verfü-
gung. Die Fassade strahlte im neuen Glanz. Lei-
der ist die Eissporthalle nicht mehr in Betrieb.
Schloss, Fluss und Pöppelmannsche Stein-
brücke boten die Kulisse für ein nächtliches
Philharmonic-Rock-Spektakel mit 1.000 Lich-
tern. Abschließender Höhepunkt war ein bun-
ter und aktionsreicher Festumzug, der 5.200
Menschen vereinte.
Selbst die stark vertretene Bundes- und Lan-
despolizei sowie der Rettungsdienst hatten ei-
nen leichten Job. Auf der größten Vereinsparty
Sachsens wurden neben zwei kleineren Ver-
kehrsunfällen noch zwei Körperverletzungen,
vier Sachbeschädigungen und neun Diebstähle
gemeldet. „Das gemeinsame Sicherheitskon-
zept der Stadt Grimma und der Polizeidirektion
Westsachsen hat sich bewährt“, freute sich der
Leiter der Polizeidirektion.
Maskottchenwahl
Bei der Maskottchenwahl zum Tag der Sach-
sen 2008 in Grimma setzte sich die Mulden-
perle gegen das Rathaus in Gummistiefeln
und das Modschegibchen durch. 44 Prozent
der Wähler stimmten für die sympathische
Perle. Die lebensgroße Muldenperle stellte die
Grimmaerin Katrin Schulze her. Die Perle hat
seit jeher einen tiefen Symbolcharakter.
Kein anderes Maskottchen könnte Grimma als
„Perle des Muldentals“ so gut repräsentieren.
Mit ihrem edlen Glanz wird Schönheit, Reich-
tum, Weisheit, Würde und Glück verbunden.
Die Perle strahlt so wundervoll wie die restau-
rierte Altstadt Grimmas nach den schweren
Flutkatastrophen und glänzt somit symbolisch
für eine wunderschöne Stadt, die sich nicht
unterkriegen lässt!

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25 Jahre Tag der Sachsen
| 73
05. bIs 07.09.2008 GrIMMa
Muldeschifffahrt an der Gat-
tersburg mit Hängebrücke.
Foto: Kati Lange/LTM
Kinder vor dem Rathaus
der Stadt Grimma
Foto: Benjamin Weinkauf/
Stadt grimma
grimma ist die Perle des Muldentals
Dass Johann Gottfried Seume, einer der be-
kanntesten Reiseschriftsteller des 18. Jahrhun-
derts, von Grimma aus seine Streifzüge durch
halb Europa startete, lag sicher nicht daran,
dass es hier an Arbeit, interessanter Geschich-
te und lieblicher Landschaft gefehlt hätte – im
Gegenteil. Heute zieht es Wanderer, Radfahrer
und Liebhaber des „schönen Lebens“ in diesen
Teil des Muldenlandes, der schon ein wenig was
vom Paradies hat.
Nur zwanzig Kilometer von Leipzig entfernt,
an der gleichnamigen Autobahnabfahrt von der
A 14 liegt Grimma: nahe genug an dieser Groß-
stadt und doch auch wieder genug entfernt.
Befragt man die über 800-jährige Geschichte
Grimmas, wird man Erstaunliches feststellen:
So ist die Stadt Geburtsort von Albrecht