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Nummer 57, seit 1999

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Ein Projekt der JVA Chemnitz „Selfie ohne Handy“
Alle Fotos, JVA-C, Susanne Koch, Dipl. Kunsttherapeutin
(HL/Mitglied der Projektgruppe) Geht das überhaupt und was hat die Sache mit dem Strafvollzug zu tun und über-
haupt sind Gedanken, die bestimmt viele bewegen, wenn man davon hört. Wir haben hier nicht zur Verfügung das
allseits beliebte und schnell mal nebenbei gezückte Medium … das Handy und auch keine Kamera mit klappbarem
Display und demzufolge auch keine Möglichkeit, ein Selfie zu knipsen. In knapp 36 Stunden lernt man jedoch im
Projekt „Selfie ohne Handy“ ein solches ohne technische Hilfsmittel, wie beschrieben, selbst zu erstellen. Das dazu
natürlich eine Menge Kreativität, Sachverstand und Geduld vonnöten sind, kennt man unter Rücksichtnahme des
Aufwandes und der Zeit fast als selbsterklärend verstehen. Darum wird auch die Bezeichnung „Selfie“ dem Ganzen
nicht ansatzweise gerecht, Selbstporträt trifft es eher. Wenn der Begriff der Cyanotypie vollkommen fremd ist, dem
sei hier mitgegeben, dass wir als vollkommen Außenstehende und doch Interessierte genau diese alte Fototechnik
unter der fachkundigen Anleitung von Herrn Bachler, seines Zeichens Fotokünstler, und Frau Koch, unserer Kunst-
therapeutin, genau diese im Kurs erlernt haben. Alles in allem gilt unser Dank den oben benannten Personen, es
war aufschlussreich, interessant, lehrreich und hat großen Spaß gemacht.

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Haft Leben
3
„Ellis“ Kaffeekränzchen
……..…..……..…...……..
4
Gedanken, Träume und die Realität
….
5 bis 8
Gastkolumne aus der „Posaune“
..…..…..……
9
Die GMV informiert
.…………….…...……..…..……
10
Älter in der JVA - was nun?
……..…....
12 bis 13
Die neue Drogenpolitik
…………………..………..
14
§ 109 StVollzG
.…………….…..…………….
15 und 16
Internationaler Frauentag - anders!
..……....
17
Neu! Die HL-Mädels-Seiten
……………
18 und 19
Thema: Telefonieren
…...……………
20 und 21
Mülltrennung mal ganz anders
………..….…….
22
Post an die HL - Redaktion
………………..…....
24
Kirche 2018
………...…………..……………………….
25
HL - Preisrätsel
...….…...…..………………
26 und 27
Nach(t)gedanken
.……..……………………...……..
28
Impressum
….………...………..…………………….....
29
HL - Rezepte
…….……….……..……………………….
31
HL - Rätsel
…….……………………...
30 und 32 bis 34
Die Redaktion „HaftLeben“
bedankt sich bei
Harald Wenzel
für das uns zur Verfügung
gestellte Titelbild
„Ohne Namen“.
Der „HaftLeben“-Spruch des Quartals
stammt diesmal aus der Feder von Gustav
Radbruch (1878 - 1949), einem deutschen
Politiker und Rechtswissenschaftler.
Es gibt kein besseres Mittel,
das Gute in den
Menschen zu wecken,
als sie so zu behandeln,
als wären sie schon gut
.
Inhaltsverzeichnis
Wir wünschen Kathleen,
Jenifer und Gabriele alles Gute
für die Zukunft!
Danke für eure Mitarbeit in der
Redaktion „HaftLeben“.

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 57, Juni 2018
4
„Ellis“ Kaffeekränzchen
Halli, hallo und ein kräftiges Miau,
hier geht’s ja zu wie in einem Bienenhaus. Ich habe
keine Ruhe mehr – ihr nervt mich!
Mein Katervater hätte gesagt, dass ihr alle mal einen
richtigen Kater braucht.
Ich habe sozusagen seit September, nicht nur wegen
eurem verkürzten Aufschluss, Dauer-Katzen-Migräne!
Dieses blöde Gequatsche und die nervende Musik –
in jedem Raum zudem eine andere, bringen mich um
meinen Katzen-Verstand! Ich bin sensibel – merkt
euch das! Es wird Zeit, dass ihr wieder regelmäßig zu
euren, wie ihr sagt, Freizeitaktivitäten gehen könnt.
Nicht nur für mich sind diese Aktivitäten wichtig! Miau,
Miau. Doch die Zeiten stimmen nicht mehr, früher in
den Aufschlusszeiten wart ihr weg und jetzt nervt ihr
mich, vermehrt!
Geht mal zu euren Chefs und sagt denen, dass die
Freizeitaktivitäten alle sein müssen - wegen der Elli -
die kennen mich! Kein Aufschluss – so gut wie keine
Freizeitaktivität, da ist was faul - das stinkt!
Die da oben müssen doch alle schlafen, irgend-
jemand muss doch mal merken, dass die Nutzung der
Freizeitangebote deutlich rückläufig ist. Hallo, miau
und schnurr!
Ich finde es auch gut, wenn es endlich, wie die
großen Kätzchen sagen, wieder Umschluss gibt. Am
besten alle in einen Raum, ein Sender Musik – schon
ist Ruhe im Haus! Schnurr schnurr – Urlaub könnte
so schön sein. Das mautze ich!
Diese Hetzerei in den zwei Stunden Aufschluss muss
wirklich schlimm sein. Letzthin standen da einige rum
und wisst ihr, was eine gesagt hat, na dann lest mal
und merkt es euch! „Im Aufschluss muss ich meine
Post abholen und bestenfalls auch gleich beant-
worten. Blöd, dass die Post nur abends angenommen
wird. Systemfehler! Dann soll/möchte ich mich noch
duschen und mir mein Abendessen zubereiten. Ich
bin allein auf der Bude und das ist manchmal auch
eine Extrabestrafung. Ja, ich will vielleicht noch ein
bissl mit meinen Mädels quatschen, wo soll ich da
noch „
Freizeitaktivitäten
“ reinquetschen?
Mit Resozialisierung, also „
schrittweise Wiederein-
gliederung von Straftätern in die Gesellschaft“
hat das
überhaupt gar nix zu tun, vielmehr mit schrittweiser
Entsozialisierung!“
Ups, ist die sauer, miau. Ob ich zu der mal schnurren
und kuscheln geh – besser nicht, bis deren Laune
sich gebessert hat. Blöde Frage, ob die Recht hat –
woher soll ich das denn wissen?“
Dann jammert sie noch, dass die wirklich coolen
Sachen, wie Zumba oder Disco, seit 2017 nicht mehr
stattfinden. Warum eigentlich nicht?
Was fragst du mich? Gut ich bin zwar der heimliche
Boss hier, doch leider weiß das hier niemand und so
kann ich nichts ändern, obwohl ich es soooo sehr
möchte - schade. Letzthin bin ich so zum „Neubau“
runtergeschlurft, so richtige Lust hatte ich auch nicht,
aber was soll ich machen. Jedenfalls habe ich da ein
lauschiges Plätzchen entdeckt. Richtig schön und
ruuuuuhig, sage ich euch.
Das war dort sogar lustig, ich aale mich so auf den
warmen Platten der Freiterrasse und sehe doch, wie
mich einige Kinder
von den Gefangenen
durch
die
Glas-
scheibe
anstieren.
Ich
mache
einen
Buckel
oder
zwei,
drei und mautze wie
blöde, schnurre ohne
Pause – doch sie kommen nicht. Warum? Hallo, hallo
– hallo nun kommt doch endlich, hier draußen sind
Bänke für euch und Spielgeräte und viele schöne
Plätze! Nun werde auch ich stutzig und springe mal
rein, im verglasten Dienstzimmer beobachte ich
weiter und werde dort wie immer ignoriert, mögen die
keine Katze?
Wieder raus und schon lausche ich heimlich dem
Gespräch von ein paar Frauen. Eine sagt: „Wann
dürfen wir die Terrasse beim Besuch nutzen? Ist die
nur zum Anschauen da? Macht auf jeden Fall was her
- die Besucher sind jedes Mal entzückt und staunen
über unsere tolle neue JVA!
Meinen Besuchern kann ich wenigstens mitteilen,
sagt eine andere, dass die Terrasse nur zur Show
gehört. Alle anderen Besucher der JVA werden ganz
sicher nicht darauf hingewiesen und so wird der
Eindruck vermittelt, dass die JVA Chemnitz wahn-
sinnig modern und fortschrittlich sei - was leider nicht
ganz so stimmt! Die nächste sagt: „Äußerlich, sicher -
auch dank der tollen Neubauten - aber die internen
Strukturen sind meines Erachtens ausbaufähig. Was
nutzen die ganzen Neubauten, wenn sie nicht genutzt
werden können?“
Die scheint sich auszukennen – die hat Ahnung.
Es wird noch weiter gelästert und meine Ohren stellen
sich auf Vorfreude.
Auch der neue offene Vollzug, das neue Mutter-und
Kinder-Haus bzw. die Eröffnung von beiden in einem
weiteren Neubau, hinter den Mauern und nicht bei
den sieben Zwergen, steht noch immer in den
Sternen, sagt eine. Das habe ich in der Menschen-
zeitung mit den zwei Buchstaben F und P ganz
anders gelesen, denke ich, da hat wohl irgendjemand
(in Dresden?) in den Sternen gelesen. Mal sind es die
baulichen Umstände, mal der Personalmangel - die
wieder mal zur Verschiebung des Eröffnungstermines
führen, sagt eine von den Frauen. Kann ja sein oder?
Ich jedenfalls habe gelesen, dass die JVA hier in
Chemnitz, Sachsen den besten Personalschlüssel hat
- auf 100 Gefangene kommen hier 46 Bedienstete!
Wer‘s glaubt wird selig – ich jedenfalls habe so viele
noch nicht mal beim Essen gesehen. Da würde die
Unruhe ja gar kein Ende mehr nehmen!
Macht‘s gut – ich verdrück mich an ein ruhiges
dunkles Plätzchen und träume von wilden weißen
Katern und dann …!?
Miau, miau – nun wünsche ich euch allen(!) noch
einen schönen Sommer!
Eure Elli

Haft Leben
5
Gedanken, Träume und die Realität
Eine eigene Erfahrung
(HL/GK)
Die erlebte Zeit in der Parallelwelt hinter
Gittern war geprägt von den Hochs und Tiefs der
eigenen Seele, der immer wiederkehrenden Fragen:
was habe ich alles falsch gemacht im Leben, warum
geschieht das alles, wo ist der Sinn des Lebens, wenn
man erkennt, dass dieses aufgezwungene Dasein mit
der Wirklichkeit und den täglichen Anforderungen des
freien Lebens nichts gemein hat. Immer wieder kreisen
die Gedanken um Wünsche und Hoffnungen für sich
und die Familie – was versäumt wurde, ob die alten
Eltern diese Last, vor allem die seelische, noch lange
ertragen werden; wie geht man mit seinen Kindern um,
die lange auf den gelebten Alltag mit der Mama
verzichten
mussten
und
welche
Chancen
der
Resozialisierung, der Wiedereingliederung gibt es
wirklich, wie werden diese umgesetzt, die Frage:
bekomme ich eine reelle Chance, damit ich meine
Familie unterstützen und selbst wieder sinnvoll leben
kann. Im geschlossenen Vollzug kann man sich helfen,
indem man sich Informationen über Gesetze und
Landtagsbeschlüsse besorgt, Kontakte zu Hilfs-
organisationen wie dem Schwarzen Kreuz, TÜV
Rheinland
usw.
in
Anspruch
nimmt.
Man motiviert sich selbst und ist davon überzeugt,
dass
einem
Unterstützung
zuteil
wird.
Dann kommt der Tag, man darf die Anstalt verlassen,
geht entweder in den offenen Vollzug oder wird
entlassen. Hier liegt schon eine große Differenzierung!
Ein weiterer Punkt ist die Öffentlichkeit und der Fakt,
ob der Prozess publiziert wurde oder nicht, denn
Google vergisst nichts. Wer seinen Namen im Netz mit
einem Strafverfahren verbunden vorfindet, hat so gut
wie keine Chance, will er/sie eine andere Tätigkeit als
am Fließband zu arbeiten oder Regale aufzu-
schlichten.
Die Vereinbarungen des Justizministeriums, dem
Landtag und der Agentur für Arbeit bezogen auf einen
nahtlosen
Übergang,
Hilfe,
Förderung
und
Unterstützung sieht in der Realität anders aus.
Solange man im offenen Vollzug ist, gibt es sowieso
NICHTS! Weder ALG I noch ALG II, man wird ja von
der JVA versorgt! Es fragt dabei keiner, wer das
Benzin bezahlt oder das Bahnticket, um von A nach B
zu kommen oder wer das Essen bezahlt, wenn man
am Wochenende zu Hause ist. Ich kann nun
nachvollziehen, wie Beschaffungskriminalität oder
Schwarzfahren zustande kommt. Denn die Ämter
muss man ja besuchen – persönlich, um sich arbeits-
suchend zu melden, um Formulare oder Anträge zu
erhalten, um sich beraten zu lassen – und am
Wochenende, wenn man Ausgang hat, benötigt man
etwas zum Essen. Jetzt könnte man sagen, dass man
zum Mindestlohn bei einer Zeitarbeitsfirma arbeiten
kann – was aber auch nicht so einfach ist, wenn man
noch in der JVA ist und auch nicht für jedermann
geeignet, weil man sich unter Umständen den
Anspruch auf ALG oder einer höher qualifizierten
Arbeit dadurch erschwert. Auskunft über eine solche
mögliche Problematik bekommt man natürlich nicht,
das erfährt nur, wer sich einen Anwalt für Sozialrecht
hinzuzieht.
Grundsätzlich stehen Ansprüche an die Agentur
für Arbeit oder das Jobcenter erst dann zur
Verfügung, wenn man den Entlassungsbeschluss
hat! Vorher befindet man sich im sozialen
Niemandsland
.
Es fragt auch keiner, ob man vielleicht umziehen muss
und dadurch Kosten entstehen. Glücklich - wer eine
Familie im Hintergrund hat, welche die finanzielle
Unterstützung
leisten
kann.
Selbst
wenn
man
Eigeninitiative
entwickelt
und
einen
möglichen
Arbeitsplatz
hat,
trotz
Führungszeugnis
und
eventueller Presse im Internet, darf man nicht
erwarten,
dass
die
Leistungen
des
Sozial-
gesetzbuches, wie sie dort verankert sind, erfüllt
werden – und das Grundgesetz (Recht auf Wieder-
eingliederung und Resozialisierung) scheint es bei den
Behörden schon gar nicht zu geben. Denn wer eine
bestimmte Altersgrenze überschritten hat und länger
nicht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht, kann
selbst – sowie auch der Arbeitgeber Antrag auf
Förderung des Arbeitsplatzes stellen. Kommt noch
eine körperliche Beeinträchtigung hinzu, können bis zu
100 % des Arbeitsentgelts gefördert werden. Der
Zeitraum dafür beläuft sich auf 6 Monate bis 3 Jahre.
Ebenso soll es Umschulungen geben, wenn man in
seinem alten Beruf nicht mehr arbeiten kann. Aber
leider sind dies alles Ermessensentscheidungen, die
man nötigenfalls durch das Sozialgericht erstreiten
muss. In den Monaten, die dies in Anspruch nimmt, ist
man zwar verhungert – aber wen interessiert das?
Vielmehr wird man „bestraft“, wenn man bei der
Agentur für Arbeit alles angibt was man gelernt hat
und was man kann – denn dann wird einem sogleich
die Qualifikation/Überqualifizierung eingetragen – und
so kommt es, dass einem von der zuständigen
Sachbearbeitern, die den Fall kennt, die den Eintrag
ins Führungszeugnis vorliegen hat, eine Bewerbung in
einer Bank andient, just in der Stadt, wo der medial
geführte Prozess stattfand und man wegen Betrug
verurteilt wurde…
Mir fehlen da die Worte, mal abgesehen davon, dass
eine Mitarbeiterin der Agentur für Arbeit wissen sollte,
dass eine Bank kraft Gesetz eine Person, die wegen
einem Betrugsdelikt verurteilt ist, gar nicht einstellen
darf … wie war das doch gleich mit dem Einhalten von
Gesetzen oder vielleicht sollte so mancher Mitarbeiter
der Agentur für Arbeit eine Umschulung machen…
Soviel zu den Träumen und Hoffnungen, Gesetzen
und der Realität, die alles erhoffte zur Fiktion werden
lässt.
Es bleibt dann die Frage: Möchte man den Menschen,
die im Gefängnis sind und waren, egal ob schuldig
oder unschuldig, überhaupt eine Chance geben, um
wieder Fuß zu fassen – oder sind diese ganzen
Gesetze, Vereinbarungen und Fördertöpfe auch
wieder nur für die „anderen“ gedacht, um die Fiktion
aufrecht zu erhalten, dass wir in einem rechts-
staatlichen Sozialstaat leben?

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 57, Juni 2018
6
Foto: Free, Jazi, flickr.com
Gedanken, Träume und die Realität
(HL/AL)
Nun sitze ich hier und überlege, was ich
zum Thema „Gedanken-Träume-Realität“, schrei-
ben soll. Zum einem ist es mir mal eben zu sehr
persönlich und naja, wer setzt sich schon gern mit
sich selbst auseinander, manchmal gefällt einem
der vorgehaltene Spiegel ja auch nicht. Die
Gedanken, die einen natürlich vorrangig hier in Haft
beschäftigen, drehen sich natürlich darum, wie
komme ich am schnellsten hier wieder raus *grins*.
Im Verlauf meines Aufenthaltes hier in Haft habe
ich damit begonnen, eine Reise in mein eigenes
ICH zu unternehmen. Ich habe viele Bücher
darüber gelesen und ich habe mich beim
Achtsamkeitskurs von Frau Hupfer angemeldet,
sehr oft ging ich auch zum autogenen Training und
zum Rosenkranzgebet bei Pfarrer Bernhardt und
nahm viele andere Freizeitmaßnahmen wahr. Da
ich ADHS‘ler bin, habe ich mir eine externe
Beratungsstelle in Chemnitz gesucht und nach
erfolgreicher Finanzierung durch eine Stiftung
erfolgte ein wirklich gutes Coaching für ADHS‘ler im
Erwachsenenalter.
Mittlerweile habe ich gelernt, wann immer ich unter
starken Stress stehe, ich in Konflikte verwickelt bin
oder schmerzliche Erfahrungen gemacht habe,
mich nach innen zu wenden oder auch zu
meditieren. Ich gestehe, dass ich mich zum
meditieren sehr disziplinieren muss. Die Meditation
hilft mir aber, eine Verbindung zu meiner eigenen
spirituellen Kraft herzustellen. Es macht mich
ruhiger, ausgeglichener und gelassener. In solchen
Übungen
trete
ich
in
Kontakt
zu
meinem
Unterbewusstsein und ich habe meist Zugang zu
höherem
Wissen
und
kann
somit
logische
Zusammenhänge besser erkennen. Es weist mir
den Weg für Alltagsituation oder wie es in Zukunft
für mich weitergeht. Seitdem sehe ich alles um
mich herum positiver und optimistischer, vor allem
auch im Haftalltag. Ich habe erkannt, dass dies
meine Entscheidung ist und auch die, mich selbst
positiver zu sehen.
Alles beginnt bei uns selbst und mit den
persönlichen Entscheidungen, die wir treffen, soll
heißen, wir haben immer die Wahl.
Andere zu verstehen und zu lieben beginnt damit,
dass man sich selbst versteht und liebt.
Jeder von uns kann dazu beitragen, unseren
Kindern eine bessere Welt zu hinterlassen, eine
Welt die stärker darauf vertraut, dass in jedem von
uns starke Kräfte schlummern, die uns lehren zu
lieben und uns im positiven Sinn zu verwandeln.
Diese Reise zu meinem inneren ICH war die
wichtigste Reise überhaupt, vor allem war es die
einzige Reise…
(HL/HD)
Keiner kann durch das Leben gehen,
ohne ein gewisses Maß an Schmerz zu erleiden.
Kein Leben verläuft erfolgreich und glatt. Es
werden
dir Grenzen
aufgezeigt
und deiner
Entfaltung Riegel vorgeschoben. Doch jede dieser
Krisen hält die Chance bereit, dir die Frage: Wer
bin ich? erneut zu stellen. Schließlich bist du ein
besonderes Individuum und die anderen sind es
gleichfalls. Aber pass auf! Die Einflüsse der Fremd-
bestimmung sind gewaltig und verlockend. Deshalb
bedarf es immer wieder der Konflikte und Krisen,
damit du wach wirst und nein sagst. Nur du allein
kannst deine Realität, Gedanken und Träume zu
deinen eigenen Paradigma des Lebens und des
eigenen sein Individuell auf dich ausrichten. Sei wie
ein Phönix, der aus der Asche kam und kein
Monument des Wahnsinns. Ich glaube, dass der
Mensch seine Illusionen aufgeben muss, die ihn
versklaven und lähmen, dass er sich der
Wirklichkeit in sich und außerhalb seiner selbst
bewusst werden muss, um eine Welt aufzubauen,
die der Illusionen nicht mehr bedarf. Freiheit und
Unabhängigkeit kann man nur erlangen, wenn man
die Ketten der Illusion sprengt.
Foto: Free, Fotolia_Stephan_Siedler

Haft Leben
7
Gedanken, Träume und die Realität
Träume zerstört - doch Realität?
(HL/StrAnd)
Acht Monate Haft, so heißt es für
Robert K. (Name geändert) welcher wegen „Beför-
derungserschleichung“ verurteilt worden ist. Trotz
einem festen Arbeitsverhältnis lebt Robert K. am
Existenzminimum und kann sich die „Wucherpreise“
der hiesigen Verkehrsbetriebe nicht leisten.
Als ihn selbst zwei empfindliche Geldstrafen nicht
bremsten, bekam er eine Haftstrafe von insgesamt
acht Monaten. Hier stellt sich mir die Frage, ob
Freiheitsstrafen das Armutsrisiko erhöhen oder darf
Armut legitime Folge der Strafe sein und vor allem
wer ist betroffen?
Primär muss man erwähnen, dass man nicht einfach
straffällig wird. Straffällige sind ein Produkt ihrer
Umgebung. Im Laufe des Lebens hat eine straffällig
gewordene
Person
bestimmbare
und
teilweise
negative Verhaltensweisen angenommen. Es trifft
mitunter meist nur Arme, da sie wie o. g. Geldstrafen
nicht bezahlen können. Da geht es u. a. um
Schwarzfahren, Fahren ohne Führerschein, kleinere
Körperverletzungen oder Diebstähle.
So sagt z. Bsp. Prof. Dr. Bernd Maelicke
"Menschen
wegzusperren ist einfach und führt meistens zu
nichts".
Der Berliner Professor Dr. Heinz Cornel verlangt,
dass sich alle Interventionen daran messen lassen
müssen, dass sie der sozialen Gerechtigkeit und der
Vermeidung von Leid verpflichtet sind - nicht einer
Tradition des vergeltenden Strafens, des Einsperrens
und der Herrschaft der Privilegierten. Gerade bei
Menschen, die sozial integriert sind, ist Haft absolut
KONTRAPRODUKTIV.
Hierzu sollte besser selektiert werden und eventuell
auch mal hinterfragt werden, weshalb Menschen
straffällig geworden sind und nicht im Vornherein alle
über den gleichen Kamm scheren.
Hier müsste es lauten
"Alternativen schaffen statt
Angst schüren"
.
Dr. Thomas Galli war Gefängnisdirektor in Sachsen
und ist jetzt als Rechtsanwalt in Augsburg tätig. Seit
vielen Jahren hat auch er sich in der Öffentlichkeit
immer
dafür
ausgesprochen,
gesellschaftliche
Alternativen zu Haft und Gefängnisunterbringung zu
schaffen. Im Nachwort seines aktuellen Buches "Die
Gefährlichkeit des Täters" beschreibt er sinnvolle
Alternativen zur Haft - aufgrund seiner jahrelangen
Sachkenntnis von deren Folgen für die davon
Betroffenen und für die Gesellschaft.
Wer kennt nicht die Geschichte von Uli Hoeneß,
welcher aufgrund von 29 Mio. € (Gegenstandswert
von Robert K. waren wenige Hundert Euro!)
Steuerhinterziehung „nur“ 21 Monate in Haft war,
davon nach kürzester Zeit in den offenen Vollzug
gelangte und auch da sofort eine adäquate
Lockerungsform erhielt. Vergleicht man dies mit dem
Schwarzfahren von Herrn Robert K., welcher
aufgrund seines nicht vorhandenen Status in der
oberen Gesellschaft acht Monate erhielt, so sieht man
hier, wie paradox und ungerecht in Deutschland
gehandelt wird.
KEIN Mensch wird durch Wegsperren besser. Strafe
heilt kein schädigendes Verhalten. Absurd und radikal
ist es, Menschen wegzusperren, die nicht schwer-
kriminell sind. Derzeit werden (mindestens!) 90 %
aller Gefangenen ihrer Freiheit beraubt, ohne dass es
sinnvoll - angemessen und menschlich ist. Staatliche
Gewalt überträgt sich immer auch auf die Menschen.
Wer bis zur Inhaftierung noch nicht im völligen
sozialen Abseits lebt, kommt im Gefängnis in
entsprechende Kreise. Wer vorher kein Kontakt mit
Drogen hatte, wird ihn dort, auch ungewollterweise,
haben. Man kommt "krimineller" heraus als man rein
gegangen ist - aufgrund der willkürlichen Mischung
der einzelnen Täter und deren Straftaten. Aber hierfür
kann Haft keine Lösung sein, ganz im Gegenteil.
Wenn man schon vorher Probleme hatte, zurechtzu-
kommen, so steht man nach der Haft noch mehr im
Abseits.
In Justizvollzugsgesetzen steht: „
Den schädlichen
Folgen der Haft ist entgegenzuwirken“.
Der
Gesetzgeber gibt also zu, dass Haft geeignet ist,
Schaden zuzufügen, den die Gesellschaft tragen
muss. Aber manch Richter ist so versessen auf‘s
Strafen, dass das den restlichen Menschen egal ist.
Die Strafe bemisst sich auch hier bekanntlich nach
der Schwere der Schuld. Fernab also von jeglicher
Realität, so der Vergleich.
Ein
Hauptzweck
der
Strafe
soll
bekanntlich
"Resozialisierung" sein. Ginge es
wirklich darum,
müsste sich die Länge der Strafe nach der Zeit
richten, die man braucht, um einen Menschen so zu
behandeln, dass er nicht wieder straffällig wird. Nach
der Haft ist es noch schwieriger, in der Gesellschaft
wieder Fuß zu fassen. Hinzu kommt, dass der
Strafvollzug jährlich mehrere Milliarden Euro kostet.
Ausbildungs-
und
Behandlungsmaßnahmen
in
offenen Strukturen sind außerhalb des Gefängnisses
erfolgversprechender, fruchtbarer und wirkungsvoller.
Gemeinnützige
Tätigkeiten
mit
alternativen
ambulanten Maßnahmen sind sinnvoller als Strafe,
sowohl für die betroffenen Menschen als auch für ihr
soziales Umfeld und für die Gesellschaft.
Solche
alternativen
Maßnahmen
sowie
mehr
Unterstützung für Opfer und deren Angehörige sind
sinnvoller
als
kostenintensiver
Freiheitsentzug.
Tilgung uneinbringlicher Geldstrafen durch gemein-
nützige Arbeit.
Allerdings ist es notwendig, dass die Gesellschaft
alles tut, um Gewalt grundsätzlich zu verhindern. Dies
bedeutet,
das
gesellschaftliche
Miteinander
zu
verbessern - anstatt die Lösung des Problems mit
stetigen Freiheitsentzug zu belasten.
Letztendlich gilt es zu erwähnen, dass es weitaus
effektivere
Möglichkeiten
gibt,
mit
Menschen
umzugehen, welche Normen verletzen und um eine
Wiedergutmachung anzustreben.

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 57, Juni 2018
8
Gedanken, Träume und die Realität
Nach einem schwedischen Märchen
und von einer beeindruckenden
Frau…
(HL/StrAnd)
Eines schönen Sommertages,
zur Mittagszeit, war im Wald Ruhe eingekehrt und
alles schlief.
Da sprang ein junges, keckes Eichhörnchen über
die Bäume und rief: „Sagt mir, was ist eigentlich
das Leben?“
Alle, die dies hörten, waren betroffen über solch
eine schwierige Frage und überlegten.
Ein lustiger Schmetterling flog von einer Blüte zur
anderen: „Das Leben ist bunt, voller Freude und
Sonnenschein.“
Am Bach schleppte eine Ameise ihre Last: „Das
Leben ist voller Mühe und harter Arbeit.“
Eine Rose war gerade dabei, ihre Knospe zu
öffnen: „Das Leben ist Entwicklung.“
Der Maulwurf steckte seinen Kopf aus der Erde:
„Das Leben ist ein Kampf im Dunkeln.“
Eine fleißige Biene flog von Blume zu Blume: „Das
Leben ist ein Wechsel von Arbeit und Vergnügen.“
Tief verwurzelt stand eine alte Weide, gebogen
vom Wind und Sturm in vielen Jahren: „Das Leben
ist ein sich Beugen unter einer höheren Macht.“
Ein Adler drehte majestätisch seine Kreise: „Das
Leben ist ein Streben nach oben.“
Eine Regenwolke zog vorbei: „Das Leben besteht
aus vielen Tränen.“
Ein Hase sprang vorüber: „Das Leben ist
Veränderung, deren Richtung jeder wählen kann.“
Der Fluss schäumte auf und warf sich mit aller
Macht gegen das Ufer: „Das Leben ist ein
vergebliches Ringen um Freiheit.“
Die Gespräche zogen sich über Stunden hinweg,
bis in die Nacht hinein. Beinahe wäre ein Streit
entbrannt. Ein Uhu flog lautlos durch den Wald:
„Das Leben ist, Gelegenheiten zu nutzen, wenn
andere noch schlafen.“
Ein Mann auf dem Nachhauseweg sagte vor sich
hin: „Das Leben ist die ständige Suche nach der
Liebe und dem Glück und manchmal eine Kette
von Enttäuschungen.“
Da zog die Morgenröte auf und sprach: „So, wie
ich der Beginn eines neuen Tages voller
Überraschungen bin, so ist jedes Leben eine
einzigartige Geschichte.“
(HL/bekannt)
Es gibt viele Gedanken, die einem
hier durch den Kopf gehen. Wann kommt man raus?
Wie geht es draußen weiter? Wie geht es der
Familie? Und was machen die Kinder? Klar, schreibt
und telefoniert man auch mit Freunden oder der
Familie, trotzdem macht man sich einfach Gedanken
und diese beschäftigen einen auch jeden Tag aufs
neue. Denn es gibt einfach so viele Dinge die einen
hier drin durch den Kopf gehen und die einem hier
drin erstmals richtig bewusst werden.
Auch Träume hat hier, glaube ich, jeder. Ich träume
davon, bald hier rauszukommen, um endlich meine
Familie wieder in die Arme zu nehmen. Hier drin
träume
ich, dass endlich
wieder
ordentliche
Aufschlusszeiten angeordnet werden. Ich brauche
die einfach, um mich mit Freundinnen zu unter-
halten, um vielleicht endlich die Welt retten, anstatt
immer nur eingesperrt zu sein. Auch wäre es schön,
wenn alles mal ein bisschen leichter wäre.
Nur leider sieht die Realität hier drin ganz anders
aus. Beschissene Aufschlusszeiten, wenig Frei-
zeitaktivitäten und zum Schluss muss man sich hier
drin auch noch übel in Geduld üben, die ich
eigentlich nicht habe. Zudem muss man hier drin ja
zu allem und jeden Schei… einen schriftlichen
Antrag stellen. Mir scheint, dass ganze Wälder in
den JVAs „beantragt“ werden. Wie man ja weiß, sind
sie zudem hier drin ja nicht die schnellsten. Das ist
erst richtig nervig! Man ist einfach zu viel allein auf
Zelle, das Essen ist hier auch nicht grad so
besonders
und
dann
gibt
es
auch
noch
eingeschränkte Besuchszeiten u.v.m.. Also es ist
hier alles nicht so einfach!
SCHLUSSWORT:
Die Zeit hier drin ist nicht immer leicht, man versucht
halt das Beste daraus zu machen.
Ich jedenfalls möchte diese Anstalt in diesem Leben
als Insassin nicht mehr besuchen.
Irgendwann wird alles besser, ob früher oder später,
ob in Gedanken, Träumen oder schlussendlich in
der Realität.
Foto: Free, Schweden_Erich_Westendarp_pixelio.de
Foto: Archiv, HL

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Haft Leben
9
Gastkolumne aus der „Posaune“
Seid nett zueinander
(Quelle: Maike Winnemuth – Stern 23/2017,
gelesen in „Posaune“ Juli 2017)
(leicht bearbeitet, HL/AL)
Gelegentlich höre ich,
ich sei zu nett. Ich nicke dann immer und frage
nicht weiter nach. Keine Ahnung, was genau
gemeint ist: Nett im Sinne von nachsichtig?
Altersmilde? Erregungsmüde? Fein, würde mich
freuen, daran habe ich lange genug gearbeitet.
Andererseits ist „nett“ ja meist alles andere als nett
gemeint. Nett ist ein bisschen doof, nett ist harmlos/
rückgratlos, nett ist langweilig, nett ist anbiedernd,
nett hält die andere Wange hin. Nett, das liegt
irgendwo zwischen Verachtung und Mitleid. Wie
nett. Nett heißt die kleine Schwester von scheiße.
Dabei finde ich nett in Zeiten wie diesen regelrecht
heldenhaft
. Nett ist nicht etwa der Weg des
geringsten
Widerstands,
nett
ist
der
Widerstand.
Der Widerstand gegen die bequeme
Wut, die schnelle Pöbelei, den wohlfeilen Witz, die
angestrengte Coolness, das Recht des Stärkeren.
Laut sein ist leicht, egoman ist jeder Säugling. Nett
sein ist etwas für Fortgeschrittene, für die Profis im
Fach Zivilisation. Nett ist das Größte, was man als
Mensch erreichen kann. Nett erfordert Anstrengung
und Disziplin, Geduld und Erfahrung, Empathie und
Humor. Nett ist der moderne Zehnkampf des
Lebens.
Und es sagt alles über unsere Zeit, dass
bedingungslose Freundlichkeit für die meisten
Leute nur noch lachhaft ist. Oder vielleicht doch
nicht?
Verständnis für die Bedürfnisse, Ängste, Dumm-
heiten, Irrtümer, Empfindlichkeiten, Unsicherheiten,
Idioten der anderen haben. Nicht aus Überlegen-
heit, sondern weil man darin die eigenen
Bedürfnisse, Ängste, Dummheiten et cetera et
cetera erkennt. Nett sein bedeutet Großzügigkeit im
Wissen, dass man selbst oft genug auf Groß-
zügigkeit und Barmherzigkeit angewiesen war. Nett
sein bedeutet, ganz prinzipiell an mildernde
Umstände bei der Beurteilung anderer interessiert
zu sein – irgendwann wird man selbst wieder vor
Gericht stehen.
Also lassen wir doch einfach in unsere Welt etwas
Wärme, Witz (idealerweise der Witz über sich
selbst),
Wohlwollen
(Vertrauensvorschuss
für
andere), Wahrhaftigkeit (sich preisgeben) und
Achtsamkeit (Hingucken, zuhören, Fragen stellen,
wissen wollen).
Das wäre schon ganz
nett
für den Anfang.
Quelle: Unicode Emoji

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 57, Juni 2018
10
Die GMV informiert
(HL)
Die GMV (
G
efangenen
M
it
V
erantwortung)
vertritt die allgemeinen Anliegen der Gefangenen
gegenüber der Anstaltsleitung. Speziell die Telio-
Tarife, die utopisch hoch sind, sind uns ein Dorn im
Auge!
Laut
Anstaltsleitung
erfolgt
eine
Neuverhandlung der Tarife erst im 3. Quartal 2018.
In der JVA Zeithain liegen die Minutenpreise auf
eine Festnetznummer zzt. bei 0,029 € pro Minute.
Bei uns sind es 0,14 €/min. Der Minutenpreis für
Telefonate auf das Mobilnetz/Handy belaufen sich
in Zeithain auf 0,09 €/min und bei uns dagegen auf
0,20 €/min. Was das mit Gleichbehandlungsprinzip
innerhalb der JVAs
Sachsens bzw. mit der
Gleichstellung und Anpassung an das Leben
außerhalb der Anstalt zu tun hat und wie sich das
mit den niedrigen Löhnen, die durch Arbeit in den
Betrieben zu erzielen sind, vereinbar ist, ist fraglich.
Daher
bedarf
es
hinsichtlich
dessen
einer
Anpassung.
Auch die Eröffnung des offenen Vollzuges ist
angesichts der ohnehin mehr als angespannten
Personalsituation ein heikles Thema. Der von der
Anstaltsleiterin festgelegte Termin für Juli 2018 wird
zeigen, ob und wie sich der bestehende Personal-
mangel auf den geschlossenen Vollzug auswirkt.
Leider ist es so, dass die Themen angesprochen
werden, eine lange Wartezeit haben.
So zum Beispiel auch die Zulassung eines dritten
Paares an Turnschuhen für den Sportbereich.
Angesprochen wurde dieses Thema bereits im
Dezember 2017. Bis heute haben wir keine
verbindliche
Antwort
von
der
Anstaltsleitung
bekommen.
Auch die Einrichtung von Waschmaschinen und
Trocknern auf den Stationen ist geplant. Allerdings
ist es fraglich, wie dieses Konzept in Verbindung
mit den Aufschlusszeiten und der Tatsache, dass
die Geräte in den Einzelduschen aufgestellt
werden, umgesetzt werden soll.
Außerdem haben wir das Problem mit den
Matratzen der Motivationsstation (Tausch) ange-
sprochen. Die Weiterleitung an die Wirtschafts-
abteilung ist bereits erfolgt.
Ein weiteres Thema ist die Teilnahme der GMV-
Mitglieder an der Küchenkommission, die laut
Hausordnung alle 6 bis 8 Wochen stattfinden soll.
Seit mehreren Monaten sind unsere Anträge auf
Teilnahme unbeantwortet geblieben. Das WARUM
ließ sich trotz Nachfragen bisher nicht klären.
Weitere Themen, wie z. B. die Beschilderung der
Zufahrtsstraßen
zum
Be-
sucherzentrum
und
die
gerade
am
Wochenende
dürftige Verkehrsanbindung
des
öffentlichen
Nahver-
kehrs, Gespräche mit der
Firma
Massak
und
die
Einrichtung
des
Senders
3-Sat
für
ALLE
Gefangenen (v.a. bei den Leihfernsehern), sind in
Arbeit.
Foto, offener Vollzug, HL/LR 05/2018
Leserbrief an die GMV
(HL/Redaktionell bearbeitet)
Die Gefangenen-
mitverantwortung soll eine „Mitverwaltung“ innerhalb
der JVAs darstellen. Oft werden Mitverwaltungen -
auch solche außerhalb von Gefängnismauern - als
korrupte Handlanger der Administratoren/Leitungen
bezeichnet. Das trifft jedoch nicht immer zu, denn
speziell hier in Haft spiegelt die Mitverwaltung auch
immer eine Haltung der Gefangenen wider. Im Prinzip
funktioniert die Gefangenenmitverantwortung wie
andere Mitverwaltungen draußen auch, denn wir
Gefangenen unterscheiden uns kaum von anderen
Menschen da draußen. Jeder ist - mehr oder weniger
- bestrebt, es sich da, wo man ist, einigermaßen
bequem einzurichten. Da ticken die Gefangenen wie
der Großteil der Bevölkerung draußen auch und
denkt eher an die naheliegenden und lösbaren
Probleme,
die
einen
beschäftigen
-
gänzlich
unpolitisch - nur auf die naheliegenden Vorteile bzw.
Erfolge, die man für sich und maximal noch für seine
Familie erkämpfen/ erreichen kann. Übrigens ist die
Gefangenenmitverantwortung keine Errungenschaft
der Gefangenen, die erkämpft werden musste. Was
soll einem damit vermittelt werden?
Es wird einem vermittelt, dass man aus seinen
eigenen Reihen einen Verantwortlichen gewählt
habe, der nun fortan meine Interessen vertreten soll.
An diesen Jemand werde ich dann auch jederzeit
verwiesen,
wenn
ich
mit
Interessen
oder
Beschwerden komme - sei es mal wieder das
widerwärtige Haftessen, Wünsche für den Massak-
Katalog oder der überteuerte Telio-Tarif sowie
ausgefallene Veranstaltungen usw.
Name der Redaktion bekannt
Anmerkung der Redaktion „HaftLeben“
Im Gegensatz zur Meinung der Verfasserin sind wir
überzeugt, dass die Gefangenenmitverantwortung
wichtig und notwendig ist, nur wer Vorschläge
einbringt, kann auch Änderungen erwarten! Auch
wir wissen leider, dass sich die „Mühlenräder“ in
der JVA nur sehr langsam drehen.
Trotzdem ist sinnvolle Kritik ist immer angebracht,
aber sie muss konstruktiv sein und wir von der
Redaktion „HaftLeben“ unterstützen das
ausdrücklich!

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Haft Leben
11
Alle Fotos: Free, Pixabay
Älter in der JVA - was nun?
1.
Ausgangslage
(HL - StrAnd)
Im Strafvollzug sind immer mehr
Menschen inhaftiert, die bereits das Rentenalter
erreicht haben. Seit der Jahrtausendwende hat sich
der Anteil der über Sechzigjährigen mehr als
verdoppelt. Auch hier in Haft?
Über den Anteil von Inhaftierten mit Pflegegrad
liegen keine spezifischen Erkenntnisse vor. Es ist
aber davon auszugehen, dass bedingt durch das
Alter und der anzunehmenden Voralterung der
Zielgruppe (z. B. durch Drogen- und Alkohol-
missbrauch etc.) ein pflegerischer Unterstützungs-
bedarf vorliegt bzw. nach der Entlassung im
Kontext
einer
selbstständigen
Versorgung
offenkundig wird. Im Jahr 2016 waren 243
Gefangene über 60 Jahre alt. Es wird davon
ausgegangen, dass bei ca. 1/5 ein besonderer
Betreuungsbedarf
im
Übergangsmanagement
besteht.
Nach oft jahrelanger Inhaftierung haben ältere
Inhaftierte häufig keinerlei soziale Kontakte, auf die
sie in Freiheit zurückgreifen könnten. Sie sind
schwer vermittelbar, denn Alten- und Pflege-
einrichtungen fehlt spezielles know how zum
Umgang mit Menschen, die oft jahrelang inhaftiert
waren und jeglichen Anschluss an die heutige Zeit
verloren haben.
Verstärkt werden diese Umstände durch die
Stigmatisierung des Personenkreises. Die Bericht-
erstattung der Medien, das Suggerieren einer stetig
wachsenden
Kriminalitätsbelastung
sowie
das
Skandalisieren von Einzelfällen verstärken die
Aufnahmeproblematik in den Einrichtungen der
Altenhilfe. Zudem kann es Sicherheitsbedenken bei
ambulanten Pflegeleistungen im Individualwohn-
raum geben.
Den betreuten Wohneinrichtungen der freien
Straffälligenhilfe fehlen i. d. R. spezielle Konzepte,
um den Hilfsbedarfen älterer Menschen gerecht zu
werden. Zudem sind sie leistungsrechtlich als
Übergangseinrichtungen
konzipiert.
Bei
der
Zielgruppe
ist
aber
häufig
eine
langfristige
Beheimatung angezeigt, die von den zuständigen
Leistungsträgern nicht finanziert werden kann. Im
Ergebnis ist die Bereitschaft zur Aufnahme sehr
gering.
Der im Jahr 2013 vorgelegte Abschlussbericht der
Arbeitsgruppe "alte Gefangene" listet Erfordernisse
im Übergangsmanagement bereits auf. Seither ist
die Kooperationsvereinbarung über die Integration
von Strafgefangenen und Sicherungsverwahrten in
Ba-Wü hinzugekommen. Diese berücksichtigt die
speziellen
Bedürfnisse älterer
Haftentlassener
bisher nicht. Daher möchte die Straffälligenhilfe das
Übergangsmanagement
für
diese
Zielgruppe
spezifisch ausgestalten. Für diesen Personenkreis
ist eine rechtzeitig einsetzende, standardisierte
Entlassungsvorbereitung enorm wichtig. Sie muss
eine
Einschätzung
des
Hilfebedarfs,
die
Einbeziehung
nachbetreuender
Einrichtungen
sowie die Abklärung der Kostenübernahme leisten.
Dazu braucht es spezielles Fachwissen.
Gleiches gilt für Inhaftierte mit diagnostizierten oder
vermuteten psychischen Störungen. Für diese
Personengruppe ist es nach Strafhaft besonders
schwierig, eine bedarfsgerechte Betreuung sicher-
zustellen. Gründe hierfür liegen zum einen in der
leistungsrechtlichen
Beantragung
der
Hilfen
während der Haftzeit, zum anderen in der
fehlenden Transparenz hinsichtlich geeigneter
Einrichtungen
der
Sozialpsychiatrie
und
insbesondere in den sehr individuellen Hilfe-
bedarfen der Zielgruppe. Klassische Wohnein-
richtungen der Straffälligenhilfe verweigern häufig
die Aufnahme dieses Personenkreises. Sie fühlen
sich hier nicht ausreichend qualifiziert. Aufgrund
der unklaren Fallzahlen schlägt die Straffälligenhilfe
vor, nachstehendes Konzept ggf. nach einem Jahr
für diese Zielgruppe zu öffnen.

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 57, Juni 2018
12
Älter in der JVA - was nun?
2. Konzept
Dies beinhaltet die zwei operativen Bausteine
„KOORDINIERUNG ÜBERGANGS-
MANAGEMENT“ und „NACHSORGE“, die
strukturell unterschiedlich verankert sind.
Zielgruppen sind:
- ältere Gefangene, die nach Haft ohne fremde
Unterstützung dauerhaft nicht leben können
- Personen mit dem Ziel der Beheimatung
- jüngere Gefangene, die einen Pflegebedarf
aufweisen.
2.1. Zentrale Koordinierung des Übergangs-
managements
In
vier
Einrichtungen
aus
dem
Netzwerk
Straffälligenhilfe
(Ba-Wü)
wird
je
eine
Koordinierungsstelle mit einem Stellenumfang von
insgesamt 150 % geschaffen. Die Verteilung der
Stellen und damit Zuständigkeit orientiert sich an
den Regierungspräsidien. Die jeweiligen AKA-
Anteile
richten
sich
nach
den
örtlichen
Gegebenheiten. Eine gute Erreichbarkeit der
Justizvollzugsanstalten wird somit sichergestellt.
2.2. Qualifizierung, Coaching und Ergebnis-
sicherung
Damit Inhaftierte zielführend in Einrichtungen der
Altenhilfe
vermittelt
bzw.
ambulante
Dienste
organisiert
werden
können,
müssen
die
eingesetzten Koordinatoren über Kenntnisse der
Hilfelandschaft und insbesondere über das Dritte
Pflegestärkungsgesetz (PSG III) verfügen. Hierzu
erfolgt zu Beginn der Tätigkeitsaufnahme eine
zweitägige Schulung, im Weiteren steht ein
Pflegemanager für Rückfragen zur Verfügung.
Zielgruppe sind hierbei Fachkräfte aus den JVAs,
der freien Straffälligenhilfe und Einrichtungen der
ambulanten und stationären Altenhilfe.
2.3. Nachsorge der Haftentlassenen
Die Betreuung der Haftentlassenen am späteren
Wohnort erfolgt im Rahmen der Netzwerkstruktur
des Nachsorgeprojektes Chance (soweit keine
Betreuung in einer betreuten Wohneinrichtung in
Frage kommt). Hierbei können auch Aufgaben an
die regionalen zuständigen Vereine übertragen
werden, die bereits vor Haftentlassung entstehen.
Zum
Beispiel
begleiteter
Besuch
einer
Altenhilfeeinrichtung).
Zentrale
Funktion
der
Nachsorge
ist
dabei
die
Betreuung
der
Haftentlassenen in Einrichtungen der Altenhilfe
bzw. im Individualwohnraum. Weitere Aufgaben
können
beispielsweise
Geldverwaltung
und
Schuldenberatung sein. In beiden Konstellationen
ist ein enger Kontakt mit den Anbietern der
Pflegeleistungen
zu
halten,
um
diese
bei
auftretenden Problemen zu unterstützen. Damit
sollen Vorbehalte abgebaut und letztlich die
Chance einer Aufnahme in einer Pflegeeinrichtung
erhöht werden.
Durch die Nachsorge der Haftentlassenen werden
Vorbehalte aufgebaut und letztlich die Chance
einer Aufnahme in eine Pflegeeinrichtung erhöht.
Ebenso können im Rahmen der Nachsorge
ambulante Pflegeleistungen koordiniert werden, um
ein dauerhaftes Wohnen im Individualwohnraum zu
ermöglichen.
2.4. Einbindung von Ehrenamtlichen
In
die
Nachsorge
können
Ehrenamtliche
eingebunden
werden.
Diese
können
über
Freizeitangebote und Gesprächsangebote der
Isolierungs- und Vereinsamungstendenzen ent-
gegenwirken. Für die Haftentlassenen können sie
eine wichtige Orientierung im Alltag darstellen und
konkrete Unterstützungsleistungen bei Begleitung
zu Arztterminen etc. anbieten.

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Haft Leben
13
Älter in der JVA - was nun?
Die Inselstation
Alter schützt vor Straftat nicht
.
(HL/StrAnd unter Verwendung von Unterlagen aus
dem
Netzwerk
Straffälligenhilfe,
Baden-
Würtemberg)
Die Justiz in Deutschland hat
es zunehmend mit alten
Menschen
zu
tun,
die
Straftaten begangen haben.
Es
ist
die
Folge
des
demografischen
Wandels.
Mehr Menschen werden älter
und sind körperlich in der
Lage, Straftaten zu begehen.
Es
sind
allerding
selten
Gewaltverbrechen, die von
der
reiferen
Gesellschaft
verübt wird. Eher Ladendiebstähle, Verkehrsdelikte
wie Trunkenheit am Steuer oder Steuer- und
Wirtschaftsstraftaten.
Doch wie sind „Seniorinnen“ in Haft untergebracht.
Wie ist die Anstalt darauf vorbereitet, gibt es
Resozialisierungsangebote
für
ältere
Straf-
gefangene? Wie schaut es mit der Pflege-
bedürftigkeit in Haft aus usw?
Hierfür haben wir folgenden Text von Frau Seifert
in Auszügen abgedruckt:
Die Insel heißt Insel, weil sie eben Insel heißt-
ne….
(Definition von Fr. Seifert in Bezug auf die
Bedeutung des Namens)
Auf der Inselstation sind Frauen untergebracht, die
aufgrund ihres Alters einen anders gestalteten
Tagesablauf benötigen, die wegen physischer und
psychischer Probleme Schwierigkeiten bei der
Bewältigung des Haftalltags haben sowie Frauen,
bei
denen
im
Regelvollzug
Schwierigkeiten
innerhalb der Hierarchie ihrer Mitgefangenen
auftreten.
Auf der Inselstation stehen hierfür neun Hafträume
zur Verfügung, welche altersgerecht mit Haltegriff
und Sitzerhöhung am WC sowie Keilkissen und
Haltegriff
am
Bett
ausgestattet
sind.
Im
Duschbereich sind Haltegriff sowie ein Dusch-
hocker vorhanden. Die medizinische Versorgung
auf
der
Inselstation
ist
stets
durch
den
Medizinischen
Dienst
(welcher
auch
bei
Antragstellung mit einbezogen wird) gewährleistet.
Bei
Bedarf
kann
die
Einbringung
eines
Pflegedienstes geprüft werden.
Die Frauen sollen mind. 3 bis max. 18 Monate auf
der Inselstation verbleiben. Die Probephase beträgt
sechs Wochen.
Hierbei sollen sich die älteren Damen in die
Wohngruppe einleben und vorgegebene Regeln
und Strukturen kennenlernen. Nach dieser Zeit wird
über den weiteren Verbleib auf dieser Station
entschieden.
Bei
Aufnahme
auf
die
Inselstation müssen
bestimmte
Kriterien
erfüllt
sein.
Die
Frauen
sollen
über
ausreichend
Deutschkennt-
nisse sowie über Entwick-
lungsperspektiven verfügen.
Eine
Teamfähigkeit
muss
gegeben
sein.
Es
sollen
keine
Sicherungsmaßnah-
men in Verbindung mit der
Unterbringung
vorhanden
sein. Frauen mit Suchtkrankheiten können nur mit
Krankheitseinsicht
und
nach
entsprechender
Diagnostik aufgenommen werden. Die auf der Insel
befindlichen Gefangenen müssen sich bereit
erklären, auf Gewaltanwendung, Unterdrückung
oder Manipulation Schwächerer zu verzichten und
sich
aktiv
mit
sich
selbst
und
anderen
auseinanderzusetzen. Konflikte müssen ausge-
halten und mit kommunikativen Mitteln gelöst
werden.
Eine verbesserte Selbst- und Fremdwahrnehmung,
die Bejahung des eigenen Körpers, der Umgang
mit
Emotionen,
das
Erlernen
sozialer
Kompetenzen, die Arbeit an der Delinquenz, an
geistigen und körperlichen Defiziten sowie die
Förderung der Verantwortungsübernahme und der
Vermittlung von Regeln, Normen und Werten sollen
als Behandlungsziel erreicht werden.
Einmal pro Woche findet die Gruppenmaßnahme
„Gedächtnistraining“ statt. Weiterhin wird regel-
mäßig durch den psychologischen Dienst die
Behandlungsmaßnahme „Achtsamkeitstraining“
angeboten.
Aller
zwei
Wochen
bietet
eine
ehrenamtliche Mitarbeiterin einen Strickkurs an. In
den Sommermonaten sollen sich die Frauen
eigenständig an der Pflege und Erhaltung des
Sinnesgarten beteiligen. Der Sinnesgarten lädt
zudem zum Verweilen und Ruhen ein. Die darin
gepflanzten Kräuter können zum Verzehr genutzt
werden.
Die Inselstation soll eine Art
Zuflucht/Insel
für all
diejenigen sein, bei denen im
„Ozean“
einer
Strafvollzugsanstalt aufgrund ihrer physischen und
psychischen Symptome die Gefahr besteht, in den
Stromschnellen“
des Haftalltags unterzugehen.
Ihnen soll ein besonderer Schutz und Unter-
stützung zuteilwerden, ihre Haftzeit zu absolvieren,
ohne Schaden an ihre Persönlichkeit zu nehmen.
Foto: Archiv, HL

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 57, Juni 2018
14
Die neue Drogenpolitik
(HL/AL)
Nach wie vor gibt es in vielen Bereichen
von Drogenhilfe, -prävention und -recht einen
deutlichen Reformbedarf, sowohl im Hinblick auf
legale Drogen als auch auf illegale Substanzen.
Während
mittlerweile
auch
konservative
Politiker*innen nicht müde werden zu betonen,
dass Drogenkonsumierende nicht kriminalisiert
werden sollen, steigt gleichzeitig das Ausmaß der
polizeilichen Repression immer weiter an. Ein in
2016 beschlossenes Gesetz, das im November
2016 in Kraft getretene „Neue-psychoaktive-Stoffe-
Gesetz“ (NpSG) zeigt hingegen eine weitere
Paradoxie deutscher Drogenpolitik auf: Zwar gab
es zweifellos Handlungsbedarf, die zahlreichen neu
auf dem Markt auftauchenden synthetischen
Drogen einer Regulierung zu unterziehen und der
darin enthaltene Passus, den Besitz von Mengen
zum Eigenbedarf nicht zu bestrafen, ist ein
begrüßenswerter Teil der neuen Regelung.
Die deutsche Drogenpolitik darf nicht länger von
parteipolitischen Interessen gelenkt werden (wie
z. B. im Amt des/der Drogenbeauftragten) – dafür
ist das Drogenproblem, und zwar in Bezug auf
legale wie auf illegale Substanzen, zu ernst, als
dass
man
immer
wieder
Parteipolitik
über
schulbuch-basierte Empfehlungen der Fachleute
stellt. Der weiteren Steigerung der Strafverfolgung
bei Drogendelikten liegt vermutlich – zumindest
teilweise – ein geradezu hanebüchenes Motiv
zugrunde: Aus Polizeikreisen ist zu hören, dass
bestimmte Reviere gerne zeitweise ihre Aktivitäten
stärker auf Drogenkontrollen verlagern, um ihre
Statistik aufzuhübschen.
Da es sich bei der „Rauschgiftkriminalität“ um
Kontrolldelikte handelt, die nahezu ausschließlich
von der Polizei zur Anzeige gebracht werden, wenn
bereits verbotene Substanzen gefunden wurden,
beläuft sich die Aufklärungsquote auf nahezu 100
Prozent. Hier wird also im Namen eines frag-
würdigen internen „Erfolgsdrucks“ Politik auf
Kosten von häufig sonst völlig unbescholtenen
Bürgern gemacht, die niemanden außer maximal
sich selbst schädigen, gibt es wahrlich sinnvollere
Möglichkeiten. Gerade in der heutigen Zeit gibt es
wahrlich
sinnvollere
Möglichkeiten,
Polizei-
kapazitäten und -kompetenzen einzusetzen. Dies
zeigt auch ein weiteres Mal eindringlich die
Notwendigkeit einer wirklichen, gesetzlich fest
verankerten
Entkriminalisierung
von
Drogen-
konsumierenden auf. Die strafrechtliche Verfolgung
des Drogenbesitzes ist nicht nur weitgehend
wirkungslos, sondern auch in höchstem Maße
unglaubwürdig und historisch überholt. Es wird Zeit,
dass sich drogenpolitisch Verantwortliche ihrer
ideologischen Scheuklappen entledigen.
Gleichzeitig
darf
man
von
einer
Drogen-
beauftragten erwarten, dass sie eine substanz-
übergreifende Drogenpolitik entwickelt, mit offenen
Diskursen über Zugangsbeschränkungen, Quali-
tätskontrollen und gesundheitlichen Aufklärungs-
strategien. Eine Politik also, die den Verbraucher-
und Jugendschutz in den Mittelpunkt rückt. Passiert
dies nicht, muss man sich über alternative
Strukturen
Gedanken
machen,
wie
diese
drogenpolitische Arbeit im Gesundheitsministerium
umorganisiert werden kann.
Foto: Free, Pixabay

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Haft Leben
15
§ 109 StVollzG
§ 109 StVollzG auf gerichtliche
Entscheidung
(HL/WoM)
Wenn man sich nicht mehr zu
helfen weiß:
Antrag gem. § 109 StVollzG auf gerichtliche
Entscheidung
Heute
mal
etwas
zum
Thema
gerichtliche
Entscheidung nach § 109 StVollzG (§ 114 StVollzG
Gerichtliche Entscheidung) sowie zur Beschwerde
gem.
§
108
StVollzG.
Ihr
seid
mit
einer
Entscheidung
der
Anstalt
unzufrieden,
habt
berechtigte Zweifel an der Rechtsmäßigkeit dieser
Entscheidung?
Nicht nur Häftlinge haben Rechte und Pflichten
einzuhalten,
sondern
auch
die
Haftanstalt.
Willkürliche Entscheidungen passieren zu oft,
weshalb es die Möglichkeit der gerichtlichen
Entscheidung des § 109 StVollzG und der
Beschwerde nach § 108 StVollzG gibt.
Viele Häftlinge wissen dies nicht und nehmen die
Entscheidung hin, weshalb es nun zu diesem Artikel
kommt.
Die folgenden Zeilen sollen euch helfen, das
Verfahren zu verstehen und auch anzuwenden.
WICHTIG:
Form- und fristgemäß den Antrag nach § 109
StVollzG innerhalb von 14 Tagen einreichen (gem.
§ 112 StVollzG)!
Bei unverschuldeter Versäumnis kann innerhalb von
zwei Wochen nach Wegfall der Verhinderung mit
Begründung
beantragt
werden,
den
Antrag
nachholen zu dürfen.
Der § 108 StVollzG gibt den Gefangenen das Recht,
sich mit seinen Beschwerden und Wünschen an den
Anstaltsleiter zu wenden. Der § 109 StVollzG
hingegen ermöglicht es dem Gefangenen, bei
Gericht
einen
Antrag
auf
Entscheidung
einzureichen, wenn er der Ansicht ist, dass er durch
eine Maßnahme der Haftanstalt oder gerade deren
Ausbleiben in seinen Rechten verletzt ist. Dies muss
er in den Antrag auch geltend machen.
In besonderen Eilfällen besteht die Möglichkeit des
Antrags einer einstweiligen Anordnung nach
§ 114 StVollzG zusätzlich zum Antrag nach § 109
StVollzG. Über diesen wird schneller entschieden,
um dem Gefangenen rechtzeitigen Rechtsschutz zu
gewährleisten, bis endgültig über die Hauptsache
(den Antrag nach § 109 StVollzG) entschieden ist.
Eine erfolgreiche Entscheidung im Eilrechtsschutz
deutet
zudem
auf
Erfolgsaussichten
in
der
Hauptsache
hin.
Es
muss
jedoch
gründlich
dargelegt werden, warum Eilbedürftigkeit vorliegt,
ansonsten besteht kein Grund für das Gericht, nicht
auf die Entscheidung in der Hauptsache zu warten.
Anbei die wichtigen Normen sowie ein Musterantrag
auf gerichtliche Entscheidung und auf einstweilige
Anordnung.
§ 108 StVollzG
(1) Der Gefangene erhält Gelegenheit, sich mit
Wünschen, Anregungen und Beschwerden in
Angelegenheiten, die ihn selbst betreffen, an den
Anstaltsleiter
zu
wenden.
Regelmäßige
Sprechstunden
sind
einzurichten
(Leitersprechstunde).
(2) Besichtigt ein Vertreter der Aufsichtsbehörde die
Anstalt,
so
ist
zu
gewährleisten,
dass
ein
Gefangener sich in Angelegenheiten, die ihn selbst
betreffen, an ihn wenden kann.
(3) Die Möglichkeit der Dienstaufsichtsbeschwerde
bleibt unberührt
§ 109 StVollzG
(1) Gegen eine Maßnahme zur Regelung einzelner
Angelegenheiten auf dem Gebiet des Strafvollzuges
oder des Vollzuges freiheitsentziehender Maßregeln
der Besserung und Sicherung kann gerichtliche
Entscheidung beantragt werden. Mit dem Antrag
kann auch die Verpflichtung zum Erlass einer
abgelehnten
oder
unterlassenen
Maßnahme
begehrt werden.
(2) Der Antrag auf gerichtliche Entscheidung ist nur
zulässig, wenn der Antragsteller geltend macht,
durch die Maßnahme oder ihre Ablehnung oder
Unterlassung in seinen Rechten verletzt zu sein.
(3) Dient die vom Antragsteller begehrte oder
angefochtene Maßnahme der Umsetzung des § 66c
Absatz 1 des Strafgesetzbuches im Vollzug der
Sicherungsverwahrung
oder
der
ihr
vorausgehenden
Freiheitsstrafe,
so
ist
dem
Antragsteller für ein gerichtliches Verfahren von
Amts wegen ein Rechtsanwalt beizuordnen, es sei
denn, dass wegen der Einfachheit der Sach- und
Rechtslage die Mitwirkung eines RA nicht geboten
erscheint
oder
es
ersichtlich
ist,
dass
der
Antragsteller seine Rechte selbst ausreichend
wahrnehmen kann. Über die Bestellung und einen
Widerruf entscheidet der Vorsitzende des nach
§ 110 zuständigen Gerichts.

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 57, Juni 2018
16
§ 109 StVollzG
§ 112 StVollzG
(1) Der Antrag muss binnen zwei Wochen nach
Zustellung oder schriftlicher Bekanntgabe der
Maßnahme oder ihrer Ablehnung schriftlich oder zu
Protokoll der Geschäftsstelle des Gerichts gestellt
werden.
(2) War der Antragsteller ohne Verschulden
verhindert, die Frist einzuhalten, so ist ihm auf
Antrag Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zu
gewähren.
(3) Der Antrag auf Wiedereinsetzung ist binnen
zwei Wochen nach Wegfall des Hindernisses zu
stellen. Die Tatsachen zur Begründung des Antrags
sind bei der Antragstellung oder im Verfahren über
den Antrag glaubhaft zu machen. Innerhalb der
Antragsfrist ist die versäumte Rechtshandlung
nachzuholen. Ist dies geschehen, so kann die
Wiedereinsetzung auch ohne Antrag gewährt
werden.
(4) Nach einem Jahr seit dem Ende der
versäumten Frist ist der Antrag auf Wieder-
einsetzung unzulässig, außer wenn der Antrag vor
Ablauf der Jahresfrist infolge höherer Gewalt
unmöglich war.
§ 114 StVollzG
(1) Der Antrag auf gerichtliche Entscheidung hat
keine
aufschiebende
Wirkung.
(2) Das
Gericht
kann
den
Vollzug
der
angefochtenen Maßnahme aussetzen, wenn die
Gefahr besteht, dass die Verwirklichung eines
Rechts des Antragstellers vereitelt oder wesentlich
erschwert wird und ein höher zu bewertendes
Interesse
an
dem
sofortigen
Vollzug
nicht
entgegensteht. Das Gericht kann auch eine
einstweilige Anordnung erlassen;
§ 123
Abs. 1 der
Verwaltungsgerichtsordnung
ist
entsprechend
anzuwenden. Die Entscheidungen sind nicht
anfechtbar; sie können vom Gericht jederzeit
geändert oderaufgehoben werden.
(3) Der Antrag auf eine Entscheidung nach
Absatz 2 ist schon vor Stellung des Antrags auf
gerichtliche Entscheidung zulässig.
So könntet ihr euch verhalten, wenn ihr euch
bspw. durch eine Maßnahme der Haftanstalt
ungerecht behandelt fühlt:
1) Beschwerde an die Haftanstalt gem. § 108
StVollzG.
2) Wenn ihr eine gerichtliche Entscheidung
einholen wollt, dann ist der Antrag nach § 109
StVollzG, der innerhalb von 2 Wochen einzureichen
ist, das richtige.
3) Wenn die Zeit zur Entscheidung drängt, weil die
Maßnahme der Haftanstalt in Kürze durchgesetzt
wird, sollte über einen Eilantrag gem. § 114
StVollzG (zusätzlich zum Antrag nach § 109
StVollzG) nachgedacht werden. Für diesen müssen
die
besonderen
Gründe
für
eine
schnelle
Entscheidung
ausführlich
dargelegt
werden.
4) Zu bedenken: Bei einem verlorenen Antrag habt
ihr die Kosten zu tragen - laut Erfahrung 35 €. Bei
erfolgreichem Antrag erhaltet ihr 25 €. Ein zu
vorschneller Gang zum Gericht muss zudem nicht
immer förderlich sein und sollte der letzte Ausweg
sein.
Lasst euch vorher kompetent beraten!
Musteranträge sind zu erfragen!
Anmerkung der Redaktion „HaftLeben“:
Wie immer garantieren wir für nichts und
verweisen ausdrücklich auf unser Impressum
siehe S. 29!
Wir ersetzen keine anwaltliche Beratung!
Alle Fotos: Archiv, HL

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Haft Leben
17
Internationaler Frauentag - anders!
Demo als Solidarität mit den
Gefangenen-Gewerkschafterinnen
in der JVA Chemnitz
(HL/AL, bearbeitet, und GG/BO Jena) Anlässlich
des Frauentags am 8. März sind am Sonntag, dem
11. März 2018 um die 250 Leute aus
verschiedenen Städten und von verschiedenen
Gruppen und Organisationen dem Aufruf der
Solidaritätsgruppen der Gefangenen-Gewerkschaft
gefolgt und zur Frauen-JVA Chemnitz gezogen. Die
Demonstration war ein starkes Zeichen der
Solidarität
zwischen
drinnen
und
draußen,
zwischen
Basisgewerkschaften,
verschiedenen
Gruppen und Bewegungen.
Schon vor einem Jahr gab es eine ähnliche
Demonstration zur Unterstützung der GG/BO in der
JVA Chemnitz. Im diesjährigen Aufruf der GG/BO-
Solidaritätsgruppen aus Jena, Leipzig und Berlin
wurde vor allem auf die Proteste der Gefangenen in
der JVA Chemnitz aufmerksam gemacht, die die
Folgen von Überbelegung und Personalmangel
ausbaden müssen.
Die Demonstration wurde neben der Basis-
gewerkschaft FAU von zahlreichen Initiativen aus
Sachsen und Thüringen unterstützt.
Am Tag selbst versammelten sich etwa 250 Leute.
Sie zogen mit zahlreichen Transparenten und
Fahnen vom Campus der TU Chemnitz über die
Reichenhainer Straße in Richtung JVA. Es gab
eine
lange
Zwischenkundgebung
auf
dem
Parkplatz gegenüber der JVA auf der anderen
Seite
der
Schnellstraße
und
eine
zweite
Kundgebung unmittelbar vor dem ehemaligen
Besuchereingang der JVA in der Reichenhainer
Straße 236.
Über Botschaften auf Transparenten und Plakaten,
in
Sprechchören
und
in
Redebeiträgen
protestierten die Demonstranten*innen gegen die
Unterdrückung und Ausbeutung von Frauen, gegen
die Isolation und Ausbeutung in Knästen, gegen
Polizeigewalt und vieles mehr.
Zahlreiche Frauen standen in den Fenstern ihrer
Zellen, winken und jubelten zur Demo zu, tanzten
zur Musik und klatschten zu gefängniskritischen
Redebeiträgen.
In einigen Redebeiträgen, u. a. von Lisa aus der
JVA Köln und von der GG/BO-Soligruppe Jena,
wurde den inhaftierten Frauen Mut und Kraft für
ihre weiteren Proteste gewünscht.
Die Demonstration war vielfältig, kraftvoll, solida-
risch, kreativ und wird uns in Erinnerung bleiben.
Sehr zur Freude aller Beteiligten.
Anmerkung der Redaktion: Auf Wunsch der
Gefangenengewerkschaft GG/BO, Gewerkschaft
FAU verweisen wir auf die Bilder und Gegen-
darstellung zur feministischen GGBO-Demonstra-
tion
in
Chemnitz
im
Internet
unter:
https://
dresden.fau.org/2018/03/bilder-und-gegendarstellung-zur-
feministischen-ggbo-demonstration-gestern-in-chemnitz/
Quelle:
http://gefangenensolijena.noblogs.org/post/2018/03/14/bericht-
von-der-zweite-frauenkampftags-demonstration-in-solidarität-mit-den-
gefangenen-gewerkschafterinnen-in-der-jva-chemnitz/
Fotos: 1. GG/BO, Jena, 2. und 3. Fotografie-Kollektiv
"Arbeiter*innenfotografie / FAU Dresden"

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 57, Juni 2018
18
Fotos: Deavita.fr
Neu bei uns!
Die HL-Mädels-Seiten
Heute: Gesichtspeeling gegen Pickel
selber machen
(HL/GR/WOM)
Salz im Peeling hat einen doppelt
positiven Effekt bei unreiner Haut. Erstens rubbeln
die feinen Körner die abgestorbenen Hautzellen ab
und legen so die Poren frei und zweitens wird die
Haut besser durchblutet und der Hautstoffwechsel
wird angeregt.
Um gleichzeitig die gestresste Gesichtshaut zu
pflegen, werden dem Gesichtspeeling weitere
Zutaten beigefügt wie Milch als Feuchtigkeits-
speicher oder Honig zur Desinfektion. Peelings, die
Quark oder Joghurt enthalten, sollte man bei
Pickeln
und Mitessern
nicht anwenden, da
Milchprodukte Keime beinhalten können, die nicht
in offene Wunden geraten sollten.
Gesichtspeeling gegen Pickel und unreine Haut
selber machen:
2 Esslöffel Meersalz
1 Teelöffel Milch
1 Esslöffel Honig
Zubereitung und Anwendung:
alle Zutaten in eine Schüssel geben und
gründlich vermischen, bis ein zähflüssiger
Brei entstanden ist
falls die Masse zu dünnflüssig ist, etwas
Meersalz dazu geben
wird die Paste zu krümelig, dann mit Milch
verdünnen
Paste mit kreisenden Bewegungen vorsichtig
auf das Gesicht auftragen/einmassieren
Mund- und Augenpartie aussparen
drei Minuten einwirken lassen
mit reichlich lauwarmen Wasser abspülen
danach mit Feuchtigkeitscreme eincremen
Anti-Pickel-Maske gegen unreine Haut selber
machen
Die Tomaten-Quark-Maske hilft gegen unreine
Haut und Mitesser. Quark wirkt kühlend. Das in den
Tomaten enthaltene Lycopin desinfiziert die Haut
und der Honig wirkt antibakteriell.
2 Tomaten
1 Esslöffel Honig
1 Esslöffel Magerquark
Zubereitung und Anwendung:
Tomaten, Honig und Quark in einen hohen
Rührbecher geben und alles mit einem
Pürierstab
gut
durchmischen,
bis
eine
homogene, streichfähige Masse entstanden
ist
auf Gesicht auftragen (Augen-und Mund-
partie aussparen)
10 Minuten Einwirkzeit
mit Kosmetiktuch entfernen und mit lau-
warmem Wasser abspülen
bei wöchentlicher Anwendung sollten sich
bereits nach drei oder vier Wochen die ersten
Erfolge einstellen

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Haft Leben
19
Neu bei uns!
Die HL-Mädels-Seiten
Die Anti-Pickel-Maske mit Petersilie
Petersilie ist reich an Vitaminen und hilft, die
verstopften Hautporen zu reinigen. Apfelessig wirkt
antibakteriell und desinfiziert. Außerdem wirkt er
adstringierend und trocknet die Pickel aus.
Haferflocken wirken wie ein sanftes Peeling und
eliminieren abgestorbene Hautzellen, so dass sie
die Poren nicht mehr verstopfen können. Eiweiß
liefert Proteine.
3 Esslöffel gehackte Petersilie
1 Esslöffel Apfelessig naturrein
1 Teelöffel grobe Haferflocken
1 Ei
knapp 100 ml Wasser
Zubereitung und Anwendung:
Eiweiß vom Eigelb trennen
Eigelb in eine Schüssel geben
Wasser erhitzen (muss nicht kochen, sollte
aber heiß sein)
gehackte Petersilie zusammen mit dem
Wasser in einen hohen Rührbecher füllen
und mittels Pürierstab mischen bis ein grüner
Brei entsteht
Brei abkühlen lassen, bis er lauwarm ist
dann Eiweiß, Haferflocken und Apfelessig
dazugeben, durchmischen und auf das
Gesicht auftragen
20 Minuten Einwirkzeit
mit warmem Wasser gründlich abspülen
Hautpflege zum Poren verkleinern
Große Poren entstehen in der Regel, wenn die
Haut zu viel Talg produziert und die Poren
verstopfen. Da es schwieriger ist, große Poren zu
verkleinern oder zu kaschieren,
sollte man
versuchen, dem Hautproblem vorzubeugen.
Dazu die Haut regelmäßig morgens und abends
gründlich reinigen. Einmal wöchentlich ein Peeling
verwenden.
Die Mandel-Gesichtsmaske
1/3 Tasse Mandeln
Wasser
Zubereitung und Anwendung:
Mandeln klein mahlen
mit soviel Wasser mischen, dass ein streich-
fähiger Brei entsteht
auf die großporigen Stellen des Gesichtes
auftragen
30 Minuten Einwirkzeit
mit lauwarmem Wasser abspülen

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 57, Juni 2018
20
Bundesverfassungsgericht zum Thema - Telefonie
Neues vom Bundesverfassungs-
gericht zum Thema Telefonie/Telio/
Kosten
Pressemitteilung Nr. 104/2017 vom 28.11.2017
Beschluss vom 08.11.2017: 2 BvR 2221/16
(HL/GR) Mit heute veröffentlichtem Beschluss
hat die zweite Kammer des zweiten Senats des
Bundesverfassungsgerichts
einer
Verfassungs-
beschwerde stattgegeben, die sich gegen die Höhe
der Telefongebühren in einer JVA richtete. Es
verstößt gegen das verfassungsrechtliche Resozia-
lisierungsgebot, wenn die wirtschaftlichen Interes-
sen eines Gefangenen missachtet werden, indem
der geltend gemachte Anspruch auf Anpassung der
Telefongebühren lediglich mit dem Hinweis auf die
mit einem privaten Telekommunikationsanbieter
langfristig eingegangene Vertragsbindung abge-
lehnt wird.
Sachverhalt:
Der Beschwerdeführer war Strafgefangener in einer
JVA in Schleswig-Holstein. Diese verfügt über ein
Insassentelefonsystem, das von einem privaten
Telekommunikationsanbieter auf Grundlage eines
mit
dem
Land
Schleswig-Holstein
langfristig
geschlossenen
Vertrages
betrieben
wird.
Alternative Telefonnutzungsmöglichkeiten bestehen
für die Insassen der JVA nicht. Im Juni 2015 führte
der Anbieter einen Tarifwechsel durch, was für den
Beschwerdeführer erheblich höhere Kosten mit sich
brachte. Sein an die JVA gerichteter Antrag, die
Telefongebühren an diejenigen außerhalb der
Anstalt anzupassen und dabei seine finanziellen
Interessen zu wahren, wurde abgelehnt. Den
Antrag auf gerichtliche Entscheidung wies das
Landgericht zurück; die Rechtsbeschwerde zum
Oberlandesgericht blieb ebenfalls ohne Erfolg.
Mit
seiner
Verfassungsbeschwerde
rügt
der
Beschwerdeführer vornehmlich die Verletzung auf
Resozialisierung (Art. 2 Abs. 1 in Verbindung mit
Art. 1 Abs. 1 GG) wesentliche Erwägungen der
Kammer:
Die Verfassungsbeschwerde ist zulässig und
begründet. Der angegriffene Beschluss des OLG
missachtet die aus dem Resozialisierungsgebot
erwachsenden Anforderungen an die Wahrung der
finanziellen Interessen von Strafgefangenen.
1.
Zwar müssen Telekommunikationsdienst-
leistungen den Gefangenen nicht entgeltfrei zur
Verfügung gestellt werden. Allerdings dürfen die
Gefangenen auch nicht mit Entgelten belastet
werden, die, ohne dass verteuernde Bedingungen
und
Erfordernisse
des
Strafvollzuges
dies
notwendig machten, deutlich über den außerhalb
des Vollzuges üblichen liegen. Auch mit dem
verfassungsrechtlichen Grundsatz der Verhältnis-
mäßigkeit, der es gebietet, Strafe nur als ein in
seinen negativen Auswirkungen auf die Persön-
lichkeit des Betroffenen nach Möglichkeit zu
minimierendes Übel zu vollziehen, wäre dies nicht
vereinbar. Aus diesen Bindungen kann sich die
Anstalt nicht nach Belieben lösen, indem sie für die
Erbringung von Leistungen Dritte einschaltet. Lässt
die JVA Leistungen durch einen privaten Betreiber
erbringen, auf den die Gefangenen ohne eine am
Markt frei wählbare Alternative angewiesen sind,
muss sie sicherstellen, dass der ausgewählte
private Anbieter die Leistungen zu marktgerechten
Preisen erbringt. Dabei ist die Beurteilung, ob die
Preise des privaten Anbieters noch marktgerecht
sind, eine Vertragsbindung der Anstalt an den
Anbieter
nicht
maßgeblich.
Auch
erfolglose
Bemühungen um Tarifanpassungen im Vertrags-
verhältnis zu dem Anbieter entbinden die JVA nicht
von ihrer Fürsorgepflicht für die Gefangenen.
2.
Das OLG hat die Frage der Angemessenheit
der
Telefontarife
ausdrücklich
offengelassen.
Hierdurch hat es die finanziellen Interessen des
Beschwerdeführers missachtet und ihn dadurch in
seinem Grundrecht auf Resozialisierung (Art. 2
Abs. 1 in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 GG) verletzt.
Das Festhalten am Vertrag, den das Justiz-
ministerium mit einer Laufzeit von 15 Jahren
ausgehandelt hat und dessen Kündigung es auch
nicht beabsichtigt, hindert die JVA nicht daran, dem
Beschwerdeführer
marktgerechte
Preise
in
Rechnung zu stellen oder ihm kostengünstigere
Alternativen der Telefonnutzung anzubieten.
Wo bleiben die neuen Tarife/Anbieter?
weiter Seite 21

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Haft Leben
21
Bundesverfassungsgericht zum Thema - Telefonie
Das Thema überteuerte Telefonkosten ist nicht neu
und der Anstaltsleitung bereits seit längerem
bekannt. Auch die GMV hat dieses Thema bereits
mehrfach angesprochen
- leider mit immer
wechselnden
Mitgliedern
-
so
kann
kein
durchgängiges Dranbleiben realisiert werden. Die
Strategie der JVA Chemnitz (und auch anderer
JVAs) scheint weiterhin das Vertrösten, Hinhalten
und Beschwichtigen zu sein. Hat bis dato auch
immer hervorragend funktioniert. Da sich immer
nur
einzelne
Personen
entweder
über
Leitersprechstunde oder via GMV mit diesem
Problem an die Anstaltsleitung gewandt haben und
diese dann ebenfalls vertröstet und beschwichtigt
wurden bis zu ihrer Entlassung oder Verlegung,
konnte bis heute auch hier in Chemnitz leider keine
kostengünstigere Alternative eingefordert werden.
Derzeit ist die GMV auch wieder an diesem Thema
dran, wird jedoch ebenfalls wieder einmal seit
längerem hingehalten.
Es ist klar, dass der Vertrag mit Telio nicht von
heute auf morgen lösbar/aufkündbar ist.
Dennoch ist die JVA, laut o. g. Urteil, dazu
verpflichtet, uns, den Gefangenen, eine Alternative
anzubieten, deren Preise marktgerecht sind.
Derzeit sind die Telefonkosten noch minütlich
getaktet und werden (wie vor 20 Jahren) nach
Entfernung zum Zielort berechnet, das kann man
eindeutig nicht marktgerecht nennen. Heutzutage
telefoniert jeder Kommunikationsteilnehmer via
Flatrate, selbst im europäischen Ausland werden
keine Rooming-Gebühren mehr berechnet/sind
nicht mehr zulässig.
Dabei ist nicht zu vergessen, dass Gefangenen
deutlich weniger Geld zur Verfügung steht als dem
Kommunikationsteilnehmer
außerhalb
einer
Anstalt.
Die übliche Ausrede „man wäre vertraglich an den
Anbieter gebunden“ kann ergo nicht unser Problem
sein (siehe Urteil) und die JVA müsste in dem Fall,
dass sie den alten Anbieter behalten (Telio),
entweder mit diesem neue Tarife verhandeln oder
(wäre Telio nicht bereit niedrigere Preise zu
verhandeln), die Telefongebühren zu subven-
tionieren.
Die Preise von Telio sind seit Jahren nicht
marktgerecht und somit sittenwidrig, die Anstalt
könnte sich gerichtlich mit Telio auseinandersetzen.
Wenn das Justizministerium Verträge aushandelt,
die über 10 oder 15 Jahre bindend sind, ist auch
dies nicht zu Lasten der Gefangenen zu legen.
Gerade in der Telekommunikationsbranche wird es
niemanden geben, der solch langfristig bindenden
Verträge unterzeichnet, da eben gerade diese
Branche extrem schnelllebig ist.
Wir haben hier lediglich die Leitersprechstunde, die
GMV und letztlich den § 109, um endlich einmal
lösungsorientiert und zielführend über das leidige
und
altbekannte
Thema
Telefonkosten
zu
diskutieren bzw. via gerichtlicher Entscheidung
(§ 109) auch etwas Druck auszuüben auf die stets
langsam arbeitenden Mühlen der Justiz.
Seit Jahren wird leider nur tatenlos mit den
Schultern gezuckt und die Ausrede benutzt, dass
die JVA die Tarife nicht mache bzw., dass die JVA
an vertragliche Vereinbarungen gebunden sei. Ja,
das ist die JVA, darf aber nicht auf den Schultern
der Gefangenen ausgetragen werden.
Wir hoffen sehr, dass dieses Thema bald der
Vergangenheit angehört. Schließlich haben wir
inzwischen 2018! Was kosten heute denn noch
Festnetzgespräche? Oder anders gefragt?
Wer hat heutzutage noch 3-stellige
Telefonkosten oder wer wird heutzutage noch
nach Minutentakt abgerechnet?
RICHTIG!
Kein Mensch!
Offensichtlich werden Gefangene hier nicht dazu
gezählt!
Anmerkung der Redaktion:
Einiges davon wurde
über die GMV bereits eingebracht, siehe dazu
Seite 10, „Die GMV informiert“, dieser Ausgabe.

Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 57, Juni 2018
22
(HL, StrAnd)
Manche Dinge lernt man erst im
Gefängnis. Damit meine ich unter anderem die hiesige
Form der Müllentsorgung. Hierzu muss man wissen,
dass schon allein aufgrund der Hygiene etwaige Dinge
wie zum Beispiel Brot, Eier, Obst, Verpackungen,
benutzte
Damen(hygiene)artikel
etc.
irgendwann
entsorgt werden müssen.
Jedoch
scheint
hier
in
der
JVA
Chemnitz
„Mülltrennung sowie richtige Müllentsorgung“ für
manche gänzlich unbekannt sein. Außerdem müssen
die Wege stets gefegt werden und überhaupt erschlägt
einen sonst die Langeweile.
Was steckt hinter dem sehr fragwürdigen Verhalten
solcher Bewohner?
Hier mal ein kleiner Einblick über die
„Entsorger“
bei
welchen
im
Großen
und
Ganzen
12
Arten
festzustellen waren. Anmerkung der Schreiberin:
Die Tierfreundin
Die armen Tierchen draußen. Täglich müssen sie um
das Überleben kämpfen. Was ist schon dagegen
einzuwenden, wenn ich den Ratten, Tauben, Mäusen
usw. das Leben erleichtere und für ausreichend
Nahrung sorge?
Die Naturfreundin
Die Umgebung meines Haftraumes ist schon trostlos
genug. Ein wenig Abwechslung muss her. Also
Fenster auf und alles entsorgen, was geht. Die Kulisse
verändert sich zusehends, denn hier scheint es viele
Naturfreunde zu geben. Für einen Naturmenschen wie
mich ist das ein ständig neues Erlebnis.
Die Forscherin
Schon in der Schule haben wir gelernt, dass
verschiedene
Objekte
unterschiedliche
Flug-
eigenschaften haben.
Nach unzähligen Tests am
mehr oder weniger lebenden Gegenstand bin ich zu
der Feststellung gekommen, dass eine mit Wasser
gefüllte Tasse (o. ä. gefülltes Objekt) wesentlich
schneller fliegt als eine zerrissene Zeitung. Das gilt im
Übrigen auch für die in der Luft- und Raumfahrt so
wichtigen Sinkgeschwindigkeiten.
Die Menschenfreundin
Große Zuneigung hege ich für die Frauen an der
täglichen Müllfront, den Hofarbeiterinnen. Wo kein
Müll, da auch keine Front. Wo es keine Front gibt,
existieren auch keine Jobs und somit auch keine
Bezahlung für jede tapfere Kameradin. Folglich fühlen
sich scheinbar viele verpflichtet, Dreck aus dem
Fenster zu werfen und so den Arbeitsplatz der
Hofarbeiterinnen zu sichern.
Die Menschenhasserinnen
Ich muss hier auf der Bude hocken und die
Hofarbeiterinnen treiben sich den ganzen Tag an der
frischen Luft herum. Was für eine Ungerechtigkeit.
Wenn es ihnen schon so gut geht, dann sollen sie
auch hart für ihr Geld arbeiten. Vielleicht verpasst man
der einen oder anderen ja auch gleich ein neues
farbliches Outfit?
Die Sportliche
Hinter meinem Schrank oder Schreibtisch verbleibend,
leicht geduckt, auf einem Bein hockend, dass andere
in einer perfekten Gerade abgespreizt, ziele ich
haarscharf durch die Gitter. Guter Ersatz für den ab
und an ausfallenden Sport.
Die Freestylerin
Gewisse Wurftechniken von Brot, Verpackungen,
Damen(hygiene)artikeln oder ähnlichem müssen stets
neu entwickelt werden. Warum dies nicht gepaart mit
Toilettenpapier aus dem Handstand aus durch die
Gitter?
Die Bücherfreundin
Niemals würde ich auf die Idee kommen, selbst etwas
aus dem Fenster zu werfen. Daher beobachte ich zu
gern meine „Nachbarinnen“ und hole mir Anregungen,
denn wie soll ich sonst zu meinem zweiten Buch
kommen? Titel: „Müllentsorgung durch das Gitter für
Fortgeschrittene.“
Die Klangfreundin
Ich find´s schön, wie´s herrlich schallt, wenn unten was
auf´s Pflaster knallt.
Habt ihr mal auf die unterschiedlichen Töne geachtet,
wenn die Wurfobjekte auf die Erde klatschen?
Die Philosophin
Frei nach dem alten Griechen Plato heißt es doch so
schön: „
Ich schmeiße, also bin ich.“
Was damals gut war, kann doch heute nicht verkehrt
sein oder?
„Ich muss alles von mir schmeißen, egal ob meine
Geschichte, meine Schuld oder auch mein Brot.“
Die Spirituelle
Der Herr sprach
„Ich bin das Brot.“
Etwas von mir ist folglich auch in jedem Stück Brot.
Wenn ich das Brot von der Enge der Mauern befreie,
so befreie ich auch mich. Ich bin das Brot, manchmal
auch die Wurst oder auch der restliche Müll.
Hauptsache draußen.
Die Reinlichen
Die Entsorgung von Putzwasser (wir gehen mal davon
aus, dass es das ist!) muss ja auch irgendwie
bewerkstelligt werden. Warum nicht zwei Fliegen mit
einer Klatsche schlagen? „
Putzwasser“
rausschütten
und die darunter liegenden Fensterbänke gleich mit
säubern.
Ob diese Beschreibung des erlauchten Kreises der
Wurffanatiker vollständig ist, kann ich nicht sagen,
da, wie in jeder wissenschaftlichen Erhebung, ein
gewisser Fehlerquotient enthalten ist. Was aber
wäre, wenn es eines Tages keine Fenster mit
vollem Ausblick in den Zellen mehr gäbe?
Zum Glück ist es NOCH nicht soweit und deshalb
„genieße“ ich noch den Ausblick auf die mit
Sicherheit
weiterhin
trainierenden
Wurfspezialisten.
Mülltrennung mal ganz anders

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Haft Leben
23
HL - Songtext
Kontra K
Album Gute Nacht
Song: Einfach
[Hook]
Es wäre so einfach, wenn du einfach machst
Anstatt dich nur zu fragen, wie ein andrer es schafft
Es wäre so einfach, wenn du nicht mehr quatschst
Und anstatt was du sagst lieber ganz einfach
machst
Denn sogar der Meister ist öfter gescheitert
Als jeder von uns allen es schon jemals versucht
hat
Die Spitze des Eisbergs ist nur, was du siehst
Doch nicht, wie viel Schutt und Dreck darunter noch
liegt
[Post-Hook/Drop]
Es wäre so einfach
[Part 1]
So viel Energie, die sinnlos verpufft, wenn wir
rumsteh'n
Dumm rumreden über tausend Pläne
Denn es ist leichter sich aufzuhäng'n
Über das Hundeleben, in dem wir zugrunde geh'n
Als den Arsch hochzukriegen und ein Mann zu sein
Was für ein Macher muss an Kindern noch die
Gramms verteil'n?
Denn der Pusher pusht die Jungs und ihr Potenzial
Macht ein'n Weg für sie klar und nicht die
Mannschaft klein
Doch manche verschlafen so fest ihr Talent
Dass für die Aufwachschelle, die sie brauchen, eine
Hand nicht reicht
Und klar, ich weiß, ihr habt's nicht leicht
Doch erzähl mir nix von Jobs, die nicht da sind, weil
Es gibt noch so viel zu tun, dass ein Tag nicht reicht
Ein Jahr nicht reicht, nicht mal ein ganzes Leben für
all das, was noch an Arbeit bleibt
Und der Erfolg macht dich nicht gratis high
Man muss der Zeit davon renn'n und ihn bezahl'n
mit Fleiß, ey
[Hook]
Es wäre so einfach, wenn du einfach machst
Anstatt dich nur zu fragen, wie ein andrer es schafft
Es wäre so einfach, wenn du nicht mehr quatschst
Und anstatt was du sagst lieber ganz einfach
machst
Denn sogar der Meister ist öfter gescheitert
Als jeder von uns allen es schon jemals versucht
hat
Die Spitze des Eisbergs ist nur, was du siehst
Doch nicht, wie viel Schutt und Dreck darunter noch
liegt
[Post-Hook/Drop]
Es wäre so einfach
[Part 2]
Ganz egal, was du machst, aber mach was – richtig
Denn nur, was man gibt, ist das, was man auch
zurückkriegt
Manchmal kann das Leben einen so von oben
herab
Behandeln als ob es eine arrogante Bitch ist,
vergiss nicht:
Wichtig ist ackern wie ein Tier, dann wird es schnell
zu 'nem Kätzchen
Das sich dir einfach hingibt
Und jede Tür geht auf, wo du hinwillst, denn „Geht
nicht.“ gibt's nicht
Fäuste wie Stahl und die Haut auf ihn wie
Schleifpapier
Die Arbeit ehrlich und mein Händedruck zeigt es dir
Sechs Uhr bereit – Bauarbeiterstyle
Leg ein'n Berg in meinen Weg und ich schaufel' ihn
mir frei
Für Pausen keine Zeit, keine Zeit zu entgleisen
Wer selber nix ranschafft, muss andre beneiden
Genug auf dem Tisch, du musst nur danach greifen
Nur unter Druck trennt sich die Spreu von dem
Weizen, hah
[Hook]
Es wäre so einfach, wenn du einfach machst
Anstatt dich nur zu fragen, wie ein andrer es schafft
Es wäre so einfach, wenn du nicht mehr quatschst
Und anstatt was du sagst lieber ganz einfach
machst
Denn sogar der Meister ist öfter gescheitert
Als jeder von uns allen es schon jemals versucht
hat
Die Spitze des Eisbergs ist nur, was du siehst
Doch nicht, wie viel Schutt und Dreck darunter noch
liegt
[Post-Hook/Drop]
Es wäre so einfach
Es wäre so einfach, wenn du einfach machst
Es wäre so einfach
Quelle: https://genius.com/Kontra-k-einfach-lyrics
Foto: Metrolyrics

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 57, Juni 2018
24
Foto: Archiv „HL“
Post an die Redaktion „Haft Leben“
Leserbrief zum
Langzeit-Besucherraum
Seit nunmehr über 5 Monaten ist das neue
Besucherzentrum in Betrieb. Meines Wissens sollte
es dort nun auch einen Langzeit-besuchsraum
geben. Kann sein, dass ich da vielleicht etwas
falsch verstehe, aber sollte dieser Raum nicht auch
für Paare zur Verfügung stehen?
Derzeit
finden
dort
lediglich
Familientreffen
statt.
Oder
hat
von euch schon
einmal
jemand
Besuch
vom
Partner
im
Langzeit-
besuchsraum gehabt?
Und was gibt es dafür überhaupt wieder für
Bedingungen,
die
erfüllt
sein
müssen?
Auch da sagt jeder etwas anderes. Mal muss man
verheiratet sein - wer ist bitte heutzutage gleich
verheiratet?
Dann reicht Verlöbnis - aber wie soll ich das
nachweisen?
Andere wiederrum meinen, dass man ein Jahr
zusammen-gewohnt haben muss - ich kann doch
auch getrennt lebend 10 Jahre eine feste
Beziehung führen…Ist der Raum denn nun
überhaupt für Paare vorgesehen oder ist Chemnitz
da etwas prüde?
So viele Fragen und keiner hat eine wirkliche
Antwort darauf!
Leserbrief vom Team der
Suchtberatung
Liebe Frauen der JVA Chemnitz,
wir haben den Leserbrief in der letzten HaftLeben
gelesen und wollen uns an dieser Stelle zu Wort
melden.
Zum
Jahreswechsel
2017/2018
konnten
wir
aufgrund der äußeren Rahmenbedingungen für
drei Monate keine Beratungsgespräche mehr in der
JVA anbieten. Die daraus resultierenden Folgen für
die inhaftierten Frauen waren und sind uns
bewusst.
Am
Ende
hat
sich
all
das
Hoffen
und
Daumendrücken gelohnt – seit Februar können alle
Belange rund ums Thema Suchtmittel wieder
besprochen werden. An dieser Stelle wollen wir
uns bei allen Beteiligten bedanken, dass wir nach
unserer „Abwesenheit“ so herzlich aufgenommen
wurden und Sie sich alle sehr verständnisvoll
zeigten.
Natürlich ist vieles liegen geblieben – vermutlich
haben fast alle von unserer Warteliste gehört. Wir
sind
dabei,
diese
so
schnell
wie
möglich
abzuarbeiten. Wartezeiten sind leider nach wie vor
unvermeidbar.
Das Team der externen Suchtberatung
Soziales Kompetenztraining
(HL/redaktionell bearbeitet) Der Kurs soziales
Kompetenztraining
wurde
mir
zu
meiner
Vollzugsplanung sozusagen „empfohlen“. Anfangs
dachte ich, mhmh was soll ich dort, sowas braucht
doch kein Mensch. Also meldete ich mich dort
freiwillig an…
Gleich
beim
ersten
Treffen
mussten
wir
„Rollenspiele“ machen und dies ist nun mal gar
nicht so mein Ding. Aber mit jeder folgenden
Sitzung merkte ich, dass doch alles nicht so
schlimm war, was von uns gefordert wurde. So
hatten wir Gelegenheit uns mal mit uns selbst
auseinanderzusetzen und auch über viele Dinge,
die einen selbst betrafen, nachzudenken.
Frau Blinne und Frau Bonitz haben den Kurs super
geleitet und uns alles verständlich rübergebracht
und
uns
zum
Nachdenken
angeregt
Hausaufgaben gab es auch
.
In den Sitzungen bin ich mir über vieles bewusst
geworden und ich kann nun endlich sagen, ICH
WEISS, WAS ICH WILL. Selbst die Rollenspiele,
auf die ich so gar keine Lust hatte, haben mir am
Ende nichts mehr ausgemacht. Im Gegenteil, ich
hatte viel Spaß daran und konnte über so manche
Situationen lachen. Dies lag sicher auch daran,
dass es eine schöne Gruppe war und dass wir uns
alle sehr gut verstanden. So war es einfacher, sich
etwas zu öffnen und auch über private Dinge
leichter zu sprechen ohne Angst zu haben, dass
etwas nach draußen getragen wird oder dich einer
komisch anschaut.
Ich kann es nur jedem weiterempfehlen, sich für
das
nächste
soziale
Kompetenztraining
einzutragen… vor allem wenn es jemandem
„empfohlen“ wird ;). An dieser Stelle möchte ich
mich recht herzlich bei Frau Blinne und bei Frau
Bonitz für alles bedanken, machen Sie einfach
weiter so!
Name: Redaktion bekannt

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Haft Leben
25
Kirche 2018
Ich habe einen Traum –
I have a dream
In meinem Zimmer hatte ich lange das Poster von
Martin Luther King hängen. Darauf stand der Satz“
I have a dream‘“ des vor 50 Jahren ermordeten
Martin Luther King. In den Medien wurde an
seinem Todestag vielfach daran erinnert. Auch an
seine wohl berühmteste Rede, gehalten vor über
250.000 Schwarzen und Weißen vor dem Lincoln
Memorial in Washington im August 1963. ‚I have a
dream‘ – „Ich habe einen Traum, dass eines Tages
wirklich kleine schwarze Jungen und Mädchen mit
kleinen weißen Jungen und weißen Mädchen als
Schwestern und Brüder Hände halten können.“ Zu
seiner Zeit war dies ein unmöglicher Gedanke.
Dennoch: Martin Luther King hatte diesen Traum
von Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit für jeden
Menschen, egal welcher Hautfarbe oder sozialer
Herkunft. Dieser Traum ist noch nicht ausgeträumt.
Der Traum vom Frieden ist scheinbar so alt wie die
Menschheit. Der Traum ist aber auch schon
Wirklichkeit geworden:
Eine Trennung zwischen Staaten wurde 1989
aufgehoben, einen Friedensvertrag zwischen Nord-
und Südkorea soll es noch in diesem Jahr geben.
Geschieht
eine
solche
Bemühung
nur
aus
materialistischen
Gründen
oder
steckt
mehr
dahinter? Ich hatte den Traum der Vision einer
Wiedervereinigung nicht. Viele andere schon.
War es die Sehnsucht, endlich ungehindert
Verwandte im anderen Staat besuchen zu können?
War es die Vision des Friedens untereinander? All
das schien bis 1989 ebenso unmöglich zu sein wie
der
Wunsch
von
Martin
Luther
King
um
zwischenmenschliche
Begegnungen
und
den
Frieden untereinander.
In der Osterzeit hören wir bei Gottesdiensten immer
wieder „Friede sei mit euch!“ – das sind die Worte
Jesu an seine Freunde, den Jüngerinnen und
Jüngern, bei der ersten Begegnung mit ihnen nach
seiner Auferweckung vom Tod. „Friede sei mit
euch!“ – gleich mehrfach ist diese Zusage, dieses
Segenswort Jesu im Evangelium, der Frohen
Botschaft bezeugt.
Das Wort Jesu ist nicht nur Zusage. Dort, wo Jesus
erscheint, wo er, wie im Evangelium der Osterzeit,
in die Mitte der Jüngerinnen und Jünger tritt, ist
Friede kein leeres Wort, sondern eine konkrete
Erfahrung, Wirklichkeit.
Eine Wirklichkeit, an die Martin Luther King im
Gedanken von Gott geglaubt hatte. Aus diesem
Geist Jesu heraus hat er gelebt, gehofft, und
gebetet,
auch gegen alle Widerstände, die
schließlich zu seiner Ermordung geführt hatten.
Die Bilder und Filmsequenzen in der Bericht-
erstattung zu Martin Luther King haben mich wieder
an das Poster erinnert und mich berührt und
nachdenklich gestimmt. Da ist einer, der hat die
Botschaft von Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit
nicht nur als undurchführbare Vision geträumt. Ich
frage
mich:
Wo
kann
ich
diesen
Traum
weiterträumen? Wo lebe ich diesen Traum vom
Frieden im kleinen Umfeld meinen zwischen-
menschlichen Begegnungen? Ist so etwas nicht
auch in der JVA möglich? In diesem Sinne: Der
Friede sei mit euch.
Pater Bernhard SDB
Katholischer Seelsorger
Fotos, free, Pixabay

Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 57, Juni 2018
26
Haft Leben-Preisrätsel
1. Ein Flugblatt bezeichnet man neudeutsch
auch gerne als ...?
A: Surfer
B: Skater
C: Flyer
D: Schwimmer
2. Die Augen welches Tieres haben eine
Reflexionsschicht, die das natürliche Restlicht
verstärkt?
A: Maulwurf
B: Fliege
C: Hamster
D: Katze
3. Was wird im Krankenhaus eingegipst, wenn
der Arzt einen Bruch des Radius diagnostiziert?
A: Unterarm
B: Schulter
C: Rippe
D: Zeh
4. Joseph-Ignace Guillotin, nach dem die
Guillotine benannt wurde, war ein ...?
A: Arzt
B: Verbrecher
C: Priester
D: Richter
5. Besonders schönes Wetter gibt es oft im ...?
A: Jungfrauenfrühling
B: Kleinkinderwinter
C: Altweibersommer
D: Großväterherbst
6. Wofür wird laut einem weit verbreiteten
Hinweisschild in vielen Gaststätten keine
Haftung übernommen?
A: Bierpreise
B: Salmonellenvergiftung
C: aufdringliche Kellner
D: Garderobe
7. Meint man etwas wirklich ernst, heißt es
umgangssprachlich oft: "Ja, wirklich, ..."?
A: echt Leder
B: 100 % Seide
C: reine Baumwolle
D: ohne Flachs
8. Wen erkennt man am grünen Kopf?
A: Stockente
B: Lattenschwan
C: Plankenhuhn
D: Brettergans
9. Was ist unter anderem in den Varianten B, HB,
F und H erhältlich?
A: Druckerpapier
B: Bleistifte
C: Kontaktlinsen
D: Elektrokabel
10. Bei welchem Freizeitsport entscheidet die
Nähe zur "Sau" über einen Sieg?
A: Minigolf
B: Boule
C: Billard
D: Kegeln
11. Ein Streit mit dem Ehepartner liegt einem
manchmal noch recht lange wie ...?
A: Kalzium in den Knochen
B: Silber um den Hals
C: Blei im Magen
D: Gold am Finger
12. Was lernen Krankenschwestern in ihrer
Ausbildung?
A: Verein gründen
B: Verband wechseln
C: Fraktion verlassen
D: Gesellschaft auflösen
13. Ein Meisterkoch sollte seinen
Lieblingsschüler nicht ...?
A: in die Pfanne hauen
B: durch den Mixer drehen
C: im Schnellkochtopf garen
D: in die Mikrowelle sperren

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Haft Leben
27
14. Was gibt es in den gängigen Größen 70 bis
110 zu kaufen?
A: Hüte
B: Gürtel
C: Schals
D: Krawatten
15. Wegweisende Erfindungen gelten häufig
als ..?
A: radplatzend
B: traktorbröckelnd
C: bahnbrechend
D: schiffberstend
Verschiedene Preise u. a.
(Produktbeispiele)
Aus allen Einsendungen mit mindestens
acht richtigen Antworten werden die
Gewinnerinnen gezogen. Meistens eine
Gewinnerin pro Station. Es gilt dabei der
Zeitpunkt der Abgabe.
Leider nur für die JVA Chemnitz!
Wie mache ich mit?
Die Lösungen bitte auf dem Lösungsbogen
ankreuzen und mit Name, Haftraumnummer,
Alter sowie ob Raucher oder Nichtraucher
angeben.
Lösungsblatt
ausschneiden
und
in
den
Briefkasten der Redaktion (z. B. Ausgang zum
Hof) bis zum
16.08.2018
einwerfen.
Name, Vorname:
________________________________________
Haftraum: __________
Alter:
__________
Nichtraucher
Raucher
JUN
2018
A
B
C
D
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
Die Redaktion dankt dem Sponsor Rudolf H.
für die zur Verfügung gestellten Preise!
HaftLeben-Preisrätsel

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 57, Juni 2018
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Nach(t)-gedanken
Ein Gefängnis gibt es nicht nur in
Chemnitz!
Über Gefängnisse in Sachsen, Deutschland und der
Welt zu berichten ist im Moment gerade eine
„Modeerscheinung“.
Schlagzeilen wie:
„Personalnot in Gefängnissen führt zu höherem
Sicherheitsrisiko“
„Meuterei in Haftanstalt: Angeklagte
schweigen“
„Ins Frauengefängnis sollen Männer ziehen“
„Umzug: Inhaftierte Mütter künftig außerhalb
der Mauern“
„Immer mehr Senioren hinter Gittern“
„Schwarzfahren“ soll keine Straftat mehr sein
„Gefängnisausbrüche in Berlin: «Haus der
offenen Tür»“
„Kriegsflüchtlinge - weniger Straffällig“
„Ich habe einen Menschen getötet – heute
helfe ich Jugendlichen“
So oder so können wir es fast täglich lesen oder in
diversen Medien sehen. Doch die „Wahrheit“ oder
was sich wirklich hinter den berüchtigten Mauern
abspielt, kennen wohl die Wenigsten – und das ist
gut so, oder?
Steht's bemüht
Naja, ganz so einfach wie bei einer Beurteilung wird
es
nicht.
Bei
allem
Verständnis
für
die
Personalsituation in der JVA ist es für mich als
Ehrenamtlicher noch schwerer. Ich arbeite hier im
Normalfall einmal in der Woche für 1,5 Stunden,
leider plus einer Warte- und Laufzeitzeit vor und nach
der Freizeitmaßnahme „Gefangenenzeitung
HaftLeben“.
Die neue Torwache ist eben nicht nur schön.
Oft überlege ich, nicht nur in der Nacht, ist die
Auswahl der Texte richtig. Kritisieren wir zu viel oder
gar zu wenig, wie manche meinen. Was ist richtig.
Einen „neuen“ Text abdrucken, der in der
„HaftLeben“ schon vor einigen Jahren so abgedruckt
wurde oder?
Fragen über Fragen, manche davon senden wir als
Redaktion an die Anstaltsleitung, manche davon
werden
beantwortet,
manche
leider
nicht.
Einfach ist so eine Kommunikation also nicht. Es gibt
eben viel zu tun und so wichtig ist eine Gefangenen-
zeitung ja auch nicht, oder?
C’est la
.
Wikipedia schreibt dazu: Der Ausspruch
C’est la vie [sɛlaˈvi] kommt aus dem Französischen
und heißt auf Deutsch wörtlich übersetzt „Das ist das
Leben“, was so viel bedeutet, wie „So ist es halt“ .
Es wird besser, irgendwann,
ich glaube fest daran!
Neues von der BAG-S
Bundesarbeitsgemeinschaft für Straffälligenhilfe e.V.
schreibt in ihrem April Newsletter u. a. über eine
Landkarte
(http://landkarte-kinderrechte.de/
jva_besuchszeiten.html) zu Besuchszeitenregelungen
für
Kinder
inhaftierter
Eltern.
Monitoring-Stelle
UN-Kinderrechtskonvention
ver-
öffentlicht
neue
Landkarte
zu
Besuchszeiten-
regelungen für Kinder inhaftierter Eltern.
Die neue Landkarte der Monitoring-Stelle UN-Kinder-
rechtskonvention
des
Deutschen
Instituts
für
Menschenrechte bildet ab, welche Regelungen bei
Besuchen von Kindern bei ihrem inhaftierten Elternteil
in den 16 Bundesländern gelten. Grundlage hierfür
bilden eine Auswertung der Monitoring-Stelle der
Justiz- und Strafvollzugsgesetze der 16 Länder sowie
Ergebnisse
einer
schriftlichen
Befragung
der
Landesjustizministerien.
Das Ergebnis: Wie oft und wie lange Kinder ihren
inhaftierten Vater oder ihre inhaftierte Mutter sehen
können, ist davon abhängig, in welchem Bundesland
die Haftstrafe angetreten wird.
Laut UN-Kinderrechtskonvention (UN-KRK) hat jedes
Kind das Recht auf einen regelmäßigen, persönlichen
und direkten Kontakt mit beiden Elternteilen – so
steht es in Artikel 9 der Konvention. Mit Ratifikation
der UN-KRK hat sich Deutschland dazu verpflichtet,
die Vorgaben der Konvention für alle Kinder in
Deutschland zu verwirklichen.
Die Zeitschrift „European Journal of Parental
Imprisonment“ ist seit neuestem auch auf Deutsch
erhältlich. Sie wird von COPE (Children of Prisoners
Europe) herausgegeben und gibt gute Einblicke in der
Welt von Kindern, deren Eltern inhaftiert sind.
Die Zeitschrift erscheint zweimal jährlich und hat sich
das Ziel gesetzt, die Probleme von Kindern
inhaftierter Eltern aufzugreifen und dafür zu sorgen,
dass die Anliegen der Betroffenen berücksichtigt
werden.
http://childrenofprisoners.eu/wp
-content/
uploads/2015/03/EJPI_05_2017-GERMAN_Web.pdf
http://childrenofprisoners.eu/wp
-content/
uploads/2015/03/EJPI_06_2017-GERMAN_Web.pdf
Mit lieben Grüßen, Ihr manchmal schlafloser,
Lutz Richter

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Haft Leben
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HL - Impressum
Auflösung des Rätsels aus „HaftLeben“ 01-2018
1 - B, 2 - A, 3 - A,
4 - B, 5 - C, 6 - D,
7 - C, 8 - D, 9 - A,
10 - B, 11 - C, 12 - D,
13 - D, 14 - C, 15 - XXX
Gewonnen haben diesmal:
EG: Teresa W.
Stat. 1: Therese W.
Stat. 2: Anabell B.
Stat. 3: Caroline W.
Stat. 4: Carola W.
Stat. 5: Kristin D.
Stat. 6: Keine Beteiligung
Stat. 7: Yvonne S.
Haus III: Anna-M. S.
Haus IV: Sarah T.
(Alle Stationsangaben gültig zum Zeitpunkt der
Abgabe)
Herzlichen Glückwunsch!
Reproduktionen von Artikeln, auch nur auszugs-
weise, nur mit schriftlicher Genehmigung der
Redaktion „HaftLeben“ und gegen kostenfreie
Zusendung eines Belegexemplars.
Für namentlich gekennzeichnete Beiträge (alle
angegebenen Kürzel sind mit Klarnamen hinter-
legt), übernimmt die Redaktion lediglich die
presserechtliche Verantwortung, diese müssen
nicht unbedingt die Meinung der Redaktion
wiedergeben.
Bei eingesandten Manuskripten und
Leserbriefen setzen wir das Einverständnis zum
honorarfreien Abdruck und zur sinnwahrenden
Kürzung voraus.
Für eingesandte Manuskripte, Briefe und Unter-
lagen jeglicher Art wird keine Haftung über-
nommen.
Herausgeberin:
Frau König-Bender,
Anstaltsleiterin der JVA Chemnitz (V. i. S. d. P.)
HL-Redaktionsteam: AL, DA, GR, HD, KG,
StrAnd, WoM
Betreuer:
Herr Richter
ehrenamtlicher Betreuer
Frau Gläser
ehrenamtliche Betreuerin
Frau Böttcher
Bedienstete, JVA-Chemnitz
E-Mail:
HaftLeben@T-Online.de oder
HaftLeben@Live.de
Redaktionsschluss für die Ausgabe 03/2018:
26.08.2018
Bild: Lizenzfrei Pixelio.de
Anschrift der JVA und der Redaktion:
Justizvollzugsanstalt Chemnitz
Redaktion der Gefangenenzeitung „HaftLeben“
Thalheimer Straße 29
09125 Chemnitz

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 57, Juni 2018
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HL - Rätsel
HL -
Rätsel

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Haft Leben
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HL - Rezepte
Bilder ähnlich, Quelle:
www.Chefkoch.de
Quarksahnetorte mit Mandarinen
Für den Boden
1 Päckchen Kathi Tortenmehl
3 Eier,
200 g Butter
2 Eßl. Wasser
Für den Belag
2 kl. Dosen Mandarinen
250 g Schlagsahne
500 g Quark
500 g Naturjoghurt
2 Päckchen Gelatine
ca. 100 g Zucker (je nach Geschmack)
2 Eier
Zubereitung
Tortenboden laut Packung zubereiten und abkühlen lassen
Eier trennen und das Eiweiß steif schlagen
Quark, Zucker, Joghurt zu einer Masse rühren
Schlagsahne steif schlagen und vorsichtig unterheben
Mandarinen gut abtropfen lassen und dann unter die Masse heben
Eiweiß unter die Masse heben
Gelatine nach Anleitung zubereiten und auch unter die Quarkmasse heben
die Quarkmischung auf den Tortenboden verteilen und ab in den Kühlschrank
(am besten über Nacht)
max. 1 h vor dem Verzehr aus dem Kühlschrank holen
Bitte Reihenfolge einhalten!
GR/WOMs - Tortelloni - Salat (frisch Käse/ Rindfleisch)
für 3-4 Personen
Zutaten:
2x Tortelloni frisch (gekühlt)
1x Creme Fraiche
1x Saure Sahne
3 Frühlingszwiebelstangen (
NICHT
! Lauch=Porree!)
1x Schinken gekocht
bisschen Würzwunder (Salz & Pfeffer)
Zubereitung:
Zunächst schneidest du den Schinken in Würfel und schneidest die Lauchzwiebeln klein.
Dann schüttest du die saure Sahne und das Creme Fraiche dazu.
Danach würzt du noch ein bisschen mit Würzwunder ab.
Und zum Schluss machst du die Tortelloni warm und schüttest sie dann dazu.
Guten Appetit!

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
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Haft Leben
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HL - Rätsel

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© HaftLeben 02-2018
HaftLeben 02-2018 (Foto-Quelle: Pixelio.de powerd by „HaftLeben“)
HaftLeben 02-2018 (Free, Pixabay_Thommas68_Budapest_buckled-book)
HaftLeben 02-2018 (Free, Pexels powerd by „HaftLeben“)

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Ich hasse dich, ich hasse dich,
oh mein Gott, ich liebe dich.
Kurt Cobain (1967-1994)
I like it when you smile, but i love it when
I´m the reason.
Ich mag es wenn du lächelst, aber ich liebe es
wenn ich der Grund dafür bin.