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Vereinbarung
zur Durchführung der Initiative
Abschluss und Anschluss – Bildungsketten
bis zum Ausbildungsabschluss
zwischen der Bundesrepublik Deutschland (Bund),
vertreten durch
das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
und das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS),
der Bundesagentur für Arbeit (BA),
vertreten durch
die Regionaldirektion Sachsen (RD Sachsen),
und dem Freistaat Sachsen,
vertreten durch
das Staatsministerium für Kultus (SMK),
das Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (SMWA),
das Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (SMWK),
das Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz (SMS) und
den Geschäftsbereich Gleichstellung und Integration im
Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz (SMGI)

2
I.
Präambel
Grundlage für die gesellschaftliche Teilhabe ist eine stabile berufliche Integration.
Voraussetzung dafür sind eine begründete Berufswahlentscheidung und gesicherte
Anschlüsse, die allen jungen Menschen individuelle Wege zu ihrem Berufsziel eröffnen.
Gemeinsames Ziel von Bund und Freistaat Sachsen ist es, allen jungen Menschen die
Voraussetzungen für einen nahtlosen Übergang von der Schule in den Beruf zu schaffen.
Dabei soll allen jungen Menschen mit ihren individuellen Voraussetzungen und unabhängig
von ihrer Herkunft der Zugang in ein Studium oder in die berufliche Ausbildung geebnet und
eine
bedarfsorientierte
Unterstützung zur Erreichung ihres
Ausbildungsabschlusses
gewährleistet werden.
Ökonomische Inhalte sind ein wesentlicher Bestandteil schulischer Bildung im Freistaat
Sachsen und somit in das Konzept schulischer Allgemeinbildung auch jeder Einzelschule
integriert. Die Verpflichtung für die Schulen zur Zusammenarbeit mit berufsbildenden
Schulen und Partnern aus der Wirtschaft ist im Sächsischen Schulgesetz verankert. An allen
Schulen gibt es Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner für die Berufs- und
Studienorientierung.
Die partnerschaftliche Abstimmung zwischen dem Bund, der Sächsischen Staatsregierung
und der RD Sachsen dient der Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufträge nach dem Schulgesetz
sowie nach den Vorgaben des Dritten Buches Sozialgesetzbuch (SGB III) und unterstützt die
Handlungsfelder des Strategiepapiers der Bundesagentur für Arbeit „Perspektive 2025 –
Fachkräfte für Deutschland“. Zentrale gemeinsame Ziele sind die Verbesserung der
Berufswahlkompetenz, das Erreichen der Ausbildungsreife bzw. der Studierfähigkeit sowie
der gelingende Übergang von der Schule in den Beruf oder das Studium.
Der Anspruch, mit Kompetenzen und Ressourcen verantwortungsbewusst umzugehen und sie
so einzusetzen, dass eine möglichst große und nachhaltige Wirkung entsteht, hat bereits in der
Vergangenheit dazu geführt, dass Bund, Länder und BA den Einsatz ihrer Förderinstrumente
sehr eng abstimmen. Die gemeinsame Initiative „Abschluss und Anschluss – Bildungsketten
bis zum Ausbildungsabschluss“ (Initiative Bildungsketten) resultiert aus dem Anspruch, das
Engagement in der Fläche weiter zu verstärken und inhaltlich nach vergleichbaren
Qualitätsmaßstäben
zu
strukturieren,
um
Berufs-
und
Studienorientierung,
Übergangsmanagement vor Ort und Integration in Ausbildung aktiv voranzubringen.
Der Bund und der Freistaat Sachsen bewerten die Umsetzung der Initiative Bildungsketten als
Beispiel einer sehr gelungenen Kooperation. Beide verfolgen gemeinsam das Ziel, im

3
Zusammenwirken mit der BA (vertreten durch die RD Sachsen) ein gemeinsames,
aufeinander abgestimmtes Maßnahmenbündel zur Unterstützung des Übergangs Schule –
Beruf umzusetzen.
II.
Ziele
Ziel der Initiative Bildungsketten ist es, den Anteil der jungen Menschen, die eine Ausbildung
oder ein Studium erfolgreich abschließen, weiter zu erhöhen. In der Initiative Bildungsketten
werden durch ein abgestimmtes und kohärentes Vorgehen von Bund, Land und BA die in
dieser Vereinbarung beschriebenen Förderinstrumente weiter optimiert.
III. Ausgangslage
Konsens aller beteiligten Akteure ist es, bereits in der Schule die Potenziale junger Menschen
zu wecken und zu erkennen, die Berufs- und Studienorientierung zu stärken und
praxisorientiert zu gestalten sowie die Übergangsperspektiven von Schule in eine
Berufsausbildung oder in ein Studium zu verbessern.
Im Koalitionsvertrag für die 18. Legislaturperiode ist unter dem Leitsatz „Chance Beruf“
vereinbart, möglichst jedem ausbildungsfähigen und -willigen jungen Menschen ein Angebot
einer betrieblichen Berufsausbildung zu ermöglichen, sofern er dies wünscht.
In der „Allianz für Aus- und Weiterbildung“ wird von Bund, Sozialpartnern und Ländern das
Ziel weiterverfolgt, Berufs- und Studienorientierung an allen allgemeinbildenden Schulen
verbindlich und systematisch durchzuführen. Es wurde vereinbart, dass die Länder aufbauend
auf ihren jeweiligen Programmen und Strukturen sowie in Zusammenarbeit mit dem Bund ein
kohärentes Konzept für die Berufs- und Studienorientierung und den Übergang von der
Schule in den Beruf entwickeln. Die Umsetzung erfolgt unter enger Einbindung aller Akteure
vor Ort. Es geht vor allem darum, die Potenziale junger Menschen früh zu erkennen und eine
individuelle, kontinuierliche Unterstützung bei der Berufs(wahl)orientierung sicherzustellen.
Dies ist gerade auch für junge Menschen mit Behinderung bzw. sonderpädagogischem
Förderbedarf oder mit Migrationshintergrund als wesentliche Grundlage für einen möglichst
gelingenden
Start in das Berufsleben von besonderer Bedeutung. Im Zuge einer umfassenden,
bedarfsorientierten Berufsberatung werden Länder und BA zudem dafür sorgen, dass künftig
die duale Ausbildung stärker als Perspektive auch an Gymnasien vermittelt wird.
Mit der „Empfehlung zur Optimierung und Vereinheitlichung der schulischen Angebote im
Übergangssystem“ verständigte sich die Kultusministerkonferenz (KMK) auf eine dualisierte
Ausbildungsvorbereitung, die auf die Ziele und Inhalte der Ausbildungsberufe ausgerichtet ist

4
und differenzierte Angebote mit einem flexiblen Instrumentarium anbietet, die zum Abschluss
einer anerkannten Berufsausbildung führen bzw. Anschlussfähigkeit gewährleisten (Beschluss
der KMK vom 10. Oktober 2013).
Im Freistaat Sachsen wurde die Berufs- und Studienorientierung beginnend mit der
Einführung der neuen Lehrpläne 2004 grundlegend strukturell überarbeitet und systematisiert.
Neben der Förderung der ökonomischen Bildung ist die Verbesserung der Passfähigkeit vieler
Einzelprojekte und Initiativen eine dauerhafte Aufgabe. Jede Schule arbeitet mittlerweile auf
Grundlage eines schuleigenen Konzepts zur Berufs- und Studienorientierung, welches an den
Kernzielen
1
der Berufs- und Studienorientierung der einzelnen Schularten und Klassenstufen
ausgerichtet und Teil des Schulprogramms ist. Dieses sieht im Anschluss an die berufliche
Frühorientierung (Phase des Sensibilisierens) in unteren Klassenstufen systematisch
aufeinander aufbauende Standardelemente (Phasen des Informierens, Konkretisierens und
Entscheidens) von der 7. Jahrgangsstufe bis zum jeweiligen Schulabschluss vor. Die Berufs-
und Studienorientierung ist an den Grundsätzen der Chancengerechtigkeit, insbesondere der
Inklusion und der Geschlechtergerechtigkeit, ausgerichtet.
Die Berufswahlkompetenz und Ausbildungsreife der Schülerinnen und Schüler nachhaltig zu
verbessern, ist bereits langjähriges Ziel der Sächsischen Staatsregierung und der RD Sachsen.
In der gemeinsamen Vereinbarung von 2009 werden die Verantwortung der Schulseite für die
Steuerungs- und Koordinierungsprozesse zur Berufs- und Studienorientierung im SMK
festgehalten und Aussagen zur Zusammenarbeit mit den Ministerien und weiteren
Kooperationspartnern getroffen.
2
Beide Partner eint insbesondere das Bestreben, die Anzahl der Schulabgänger ohne
Hauptschulabschluss zu reduzieren und die Übergänge in den Beruf zu verbessern. Mit dem
Ziel, alle Schulen dabei zu unterstützen, die Berufs- und Studienorientierung zu optimieren
und die individuelle Förderung für die einzelne Schülerin und den einzelnen Schüler noch
zielgerichteter auszugestalten, haben das SMK und die RD Sachsen am 1. April 2015 eine
gemeinsame Landesförderkonzeption
3
unterzeichnet.
Mit dieser Landesförderkonzeption ist die gemeinsame Ausgestaltung des Berufs- und
Studienorientierungsprozesses entsprechend den gesetzlichen Aufträgen sowie die Förderung
ergänzender Berufsorientierungsmaßnahmen für die Jahre 2015 bis 2020 festgeschrieben.
1
Vgl. zu Kernzielen nach Schultypen und Klassenstufen in Sachsen URL:
www.bildungsketten.de/_media/Bildungsketten_Vereinbarung_Sachsen_Anlage_1.pdf
(Zugriff: 13. Juni 2017).
2
Vgl. zur Vereinbarung
URL:
www.bildungsketten.de/_media/Bildungsketten_Vereinbarung_Sachsen_Anlage_2.pdf
(Zugriff: 13. Juni 2017).
3
Vgl. zur Landesförderkonzeption
URL:
www.bildungsketten.de/_media/Bildungsketten_Vereinbarung_Sachsen_Anlage_3.pdf
(Zugriff: 13. Juni 2017).

5
Darin sind die Aufgaben und Angebote der beiden Partner Schule und RD Sachsen klar
definiert.
Aus
dem
Anspruch
heraus,
mit
Kompetenzen
und
Ressourcen
verantwortungsbewusst umzugehen und sie so einzusetzen, dass eine möglichst große und
nachhaltige Wirkung entsteht, arbeiten SMK und RD Sachsen kontinuierlich und auf allen
Ebenen zusammen, planen Maßnahmen gemeinsam und stimmen den Einsatz ihrer
Förderinstrumente ab.
IV. Gegenstand der Vereinbarung
Zentraler Gedanke zur Erreichung der Ziele der Initiative Bildungsketten ist die gemeinsame
Verantwortung des Bundes, des Landes und der BA für die Begleitung und Unterstützung von
jungen Menschen im Übergang Schule – Beruf bzw. Schule – Studium. Diese findet ihren
besonderen Ausdruck in der vorliegenden Vereinbarung, in der die einzelnen Beiträge der
Vertragspartner festgelegt sind. Die Grundlagen für diese Vereinbarung bilden das
Gesamtkonzept des Bundes zur „Weiterentwicklung und Ausweitung der Initiative
Bildungsketten“
4
und die Landesförderkonzeption „Erfolgreicher Übergang Schule – Beruf“
5
.
Um die Instrumente und Maßnahmen in einen systemischen Bezug zur Landesförderung zu
bringen und eine nachhaltige strukturelle Entwicklung zu unterstützen, vereinbaren Bund und
der Freistaat Sachsen:
1.
Maßnahmen und Instrumente der Berufs- und Studienorientierung
Zentrale Ziele im Freistaat Sachsen sind die Verbesserung der Kompetenzen hinsichtlich
Berufs- oder Studienwahl, das Erreichen der Ausbildungsreife bzw. der Studierfähigkeit sowie
der gelingende Übergang von der Schule in den Beruf über eine Ausbildung oder ein Studium.
Als Grundlage für eine systematische Berufs- und Studienorientierung ist die Erarbeitung
eines schuleigenen Konzeptes für alle Schulen verpflichtend. Es stellt die Basis für die
Zusammenarbeit mit allen Partnern der Berufs- und Studienorientierung dar. Übergreifende
Orientierung geben die inhalts- und altersspezifisch abgestimmten Kernziele. Die von den
Schulen erstellten Konzepte müssen sich an diesen Kernzielen für die jeweilige Schulart und
Klassenstufe orientieren und mit den von den Agenturen für Arbeit erstellten Konzepten
abgestimmt sein.
Die Agentur für Arbeit hat nach § 33 SGB III den gesetzlichen Auftrag, junge Menschen und
Erwachsene durch Berufsorientierung auf die Berufswahl vorzubereiten. Hierzu gibt sie
4
Vgl. zum Weiterentwicklungskonzept des Bundes URL:
www.bildungsketten.de/_media/Bildungsketten_Vereinbarung_Sachsen_Anlage_4.pdf
(Zugriff:
13. Juni 2017).
5
Vgl. zur Landesförderkonzeption
URL:
www.bildungsketten.de/_media/Bildungsketten_Vereinbarung_Sachsen_Anlage_3.pdf
(
Zugriff: 13. Juni 2017).

6
umfassend Auskunft und Rat zu Fragen der Berufswahl, über Berufe sowie deren
Anforderungen und Aussichten, über Wege und Förderung der beruflichen Bildung sowie
über beruflich bedeutsame Entwicklungen in den Betrieben, Verwaltungen und auf dem
Arbeitsmarkt. Die Agenturen für Arbeit stimmen ihr Konzept zur Berufs- und
Studienorientierung regelmäßig mit den schuleigenen Konzepten aller Schulen ihres
Zuständigkeitsbereiches ab. Das schulische Konzept zur Berufs- und Studienorientierung
berücksichtigt die personellen sowie medialen Angebote der BA zur Berufs- und
Studienorientierung, des Berufsorientierungsprogramms des BMBF (BOP) sowie der
Berufsorientierungsmaßnahmen nach § 48 SGB III (BOM) und die Dienstleistungen der
Beratung nach §§ 29 und 30 SGB III und der Ausbildungsvermittlung nach § 35 SGB III der
BA.
Betriebspraktika sind wegen ihrer besonderen Wirksamkeit und Praxisnähe obligatorisch und
im Rahmen der Schulordnungen geregelt. Jede Schülerin und jeder Schüler soll während ihrer
bzw. seiner Schulzeit mindestens ein Betriebspraktikum ableisten. Sofern für Schülerinnen
und Schüler des Gymnasiums ein zweites Praktikum vorgesehen ist, wird dieses vorrangig im
Sinne der Studienorientierung ausgerichtet und möglichst an Hochschulen durchgeführt.
Hierzu wird eine enge Zusammenarbeit mit den Universitäten und Hochschulen gepflegt.
An den Ober- und Förderschulen erfolgt die Durchführung der Betriebspraktika als schulische
Veranstaltungen in Form von „Blockpraktika“ oder „Praxistagen“.
Bei den Betriebspraktika von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem
Förderbedarf wird die Spezifik des jeweiligen Förderschwerpunktes berücksichtigt und auf
die Zusammenarbeit mit relevanten Partnern (z. B. Träger der Jugendhilfe und der
Eingliederungshilfe, Integrationsfachdienst, Rehabilitationspartner) geachtet.
In der Sekundarstufe I der Ober- und Förderschulen sowie in den Sekundarstufen I und II der
Gymnasien sind Berufs- und Studienorientierung fester Bestandteil des Unterrichts.
Grundlegende Kenntnisse über die Wirtschafts- und Arbeitswelt werden sowohl
fachübergreifend als auch in einzelnen Fächern vermittelt. Im Rahmen von Praxiserfahrungen,
Schülerbetriebspraktika und Projekten der Berufs- und Studienorientierung, die vor allem auf
Kooperation mit regional ansässigen Unternehmen beruhen, lernen die Schülerinnen und
Schüler Berufsbilder und mögliche Ausbildungsbetriebe kennen.
6
6
Vgl. zur grafischen Darstellung des Unterstützungssystems in Sachsen URL:
www.bildungsketten.de/_media/Bildungsketten_Vereinbarung_Sachsen_Anlage_5.pdf
(Zugriff:
13. Juni 2017).

7
1.1
Praxisberater an Schulen
Ziel:
Das SMK und die RD Sachsen setzen seit dem Jahr 2013 das Projekt „Praxisberater an
Schulen“ auf der Grundlage des Sächsischen Schulgesetzes sowie der Vorgaben gemäß §§ 33
und 48 Sozialgesetzbuch Drittes Buch (SGB III) um. Aufgabe des Projektes ist es, im
Rahmen des Prozesses der Berufs- und Studienorientierung in den Klassenstufen 7 und 8 eine
umfassende Analyse der Potenziale jeder Schülerin und jedes Schülers durchzuführen, auf
deren Grundlage ein passgenaues Angebot zur Förderung und Forderung erstellt wird.
Insgesamt wird im Schuljahr 2016/2017 an 117 Oberschulen das Projekt „Praxisberater an
Schulen“ umgesetzt.
7
Für das Schuljahr 2017/2018 ist geplant, das Projekt an weiteren
24 Oberschulen auszubauen. Es erfolgt bedarfsorientiert und auf freiwilliger Basis.
Inhalte:
Praxisberaterinnen und Praxisberater sind bei einem Bildungsträger fest angestellte
Fachkräfte aus den Bereichen Pädagogik, Sozialpädagogik oder Soziale Arbeit sowie
Fachkräfte mit Ausbildereignungsprüfung. Auf der Grundlage ihrer Berufserfahrung und nach
einer tätigkeitsvorbereitenden Fortbildung arbeiten sie eng mit den Klassenlehrerinnen und
Klassenlehrern, den Fachlehrerinnen und Fachlehrern, den Lehrkräften für Berufs- und
Studienorientierung, den Berufsberaterinnen und Berufsberatern sowie allen für Berufs- und
Studienorientierung Verantwortlichen zusammen. Sie
-
sind an der jeweiligen Schule in Vollzeit tätig.
-
haben
die
Aufgabe,
die
systematische
und
individualisierte
Berufs-
und
Studienorientierung für alle Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 7 und 8 ihrer
Schule zu unterstützen.
-
führen auf der Grundlage ihres erworbenen Expertenwissens im Zertifikatskurs und den
damit verbundenen Instrumenten das Potenzialanalyseverfahren „Kompetenzanalyse
Profil AC Sachsen“ für alle am Projekt teilnehmenden Schülerinnen und Schüler der
Klassenstufe 7 ihrer Einsatzschule durch und befördern die Weiterarbeit an der Schule mit
den gewonnenen Ergebnissen durch die Erstellung individueller Entwicklungspläne für
jede Schülerin und jeden Schüler. Darin enthalten sind die Ausgangslage, die
individuellen Ziele und zielführenden Maßnahmen der Berufs- und Studienorientierung
für die Schülerin und den Schüler, die zum Beispiel die Eltern in der Umsetzung auch mit
begleiten.
7
Übersicht der Praxisberaterschulen,
URL:
www.bildungsketten.de/_media/Bildungsketten_Vereinbarung_Sachsen_Anlage_6.pdf
(Zugriff: 13. Juni 2017).

8
-
arbeiten eng mit den Eltern, der Klassenlehrerin / dem Klassenlehrer und der
Berufsberatung bei der Verwirklichung des Entwicklungsplans zusammen.
-
koordinieren in Abstimmung mit allen relevanten Partnern der jeweiligen Schule alle
Angebote und Aktivitäten, die einer zielgerichteten Berufs- und Studienorientierung in
den Klassenstufen 7 und 8 zuträglich sind.
-
wählen auf Grund der Ergebnisse der Potenzialanalyse für die Schülerinnen und Schüler
geeignete Module aus und führen diese in der Klassenstufe 8 durch. Dazu gehören z. B.
Betriebserkundungen und Erkundungen in Beruflichen Schulzentren, zusätzliche
Ferienpraktika, Berufsfelderkundungen und soziokulturelle Berufsorientierung für
Familien mit Migrationshintergrund.
-
überprüfen die Wirksamkeit der durchlaufenen Maßnahmen und übergeben den
Entwicklungsplan am Ende der Klassenstufe 8 an die Berufsberaterin oder den
Berufsberater.
Beteiligung:
Die gemeinsame Maßnahme „Praxisberater an Schulen“ wird durch
Landesmittel und BA-Mittel im Landesprojekt sowie durch ESF-Mittel und Mittel der BA im
ESF-Ausbauprojekt finanziert. Für die ESF-Vorhaben können im Zeitraum 2014
2020
jährlich ca. vier Mio. Euro, paritätisch finanziert durch SMK (ESF-Mittel) und RD Sachsen,
eingesetzt werden. Landesmittel für das Projekt „Praxisberater“ werden entsprechend der
Doppelhaushalte umgesetzt, so dass für 2017 und 2018 Projektmittel zur Verfügung stehen.
Es ist geplant, auch in den darauf folgenden beiden Doppelhaushalten Projektmittel
vorzuhalten.
Diese Planung beruht auf zwei Sachverhalten:
a) Die „Landesförderkonzeption für die Jahre 2014 bis 2020“ des SMK und der RD Sachsen
zielt auf diesen Zeitraum ab und setzt das Projekt „Praxisberater an Schulen“ als ein
Schwerpunktthema im Bereich der Berufs- und Studienorientierung.
b) Die ESF-Förderung darf nur ergänzend zu Landesmitteln eingesetzt werden.
ESF-Mittel für das Projekt „Praxisberater an Schulen“ sind bis 2021 kalkuliert. Es ist geplant,
nach Auslaufen der ESF-Förderung das Projekt vorrangig für Oberschulen in die
Landesförderung zu überführen.
1.2
Berufswahlpass und Berufswahlsiegel
Ziel:
Durch geeignete Maßnahmen wird die stringente und konsequente Berufs- und
Studienorientierung an Schulen strukturiert sowie gewürdigt und bekannt gemacht.

9
Inhalte:
Der Berufswahlpass wurde im Schuljahr 2006/2007 schrittweise eingeführt. Es gibt
ihn in einer Variante für Ober- und Förderschulen sowie für das Berufsvorbereitungsjahr
(BVJ) und in einer Variante für Gymnasien. Seit dem Schuljahr 2014/2015 wird er
flächendeckend an den Förderschulen und Oberschulen genutzt. Ausgehend vom
Berufswahlpass wurde für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf
im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung das Portfolio „Mein Ordner Leben und Arbeit“
entwickelt und im Schuljahr 2014/2015 an den entsprechenden Schulen eingeführt. Die
derzeitige Aktualisierung des Berufswahlpasses durch die Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG)
Berufswahlpass wird vom Freistaat Sachsen begrüßt und unterstützt.
Darüber hinaus besteht im Freistaat Sachsen für Schülerinnen und Schüler mit
Migrationshintergrund
die
Möglichkeit,
den
Berufswahlpass
bereits
in
der
Vorbereitungsklasse zu nutzen. Für diese Zielgruppe wurde das „Ergänzungspaket für
Vorbereitungsklassen“ sowie eine „Handreichung für Lehrer zum Berufswahlpass in den
Vorbereitungsklassen“ erarbeitet und erprobt.
Ein wichtiges schulisches Instrument der Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung ist das
Qualitätssiegel für Berufs- und Studienorientierung. Es dient den Schulen als Gradmesser für
das Erreichte sowie als weiterer Ansporn und es trägt Wettbewerbscharakter. Mit dem Siegel
wird die stringente und konsequente Berufs- und Studienorientierung einer Schule gewürdigt,
bekannt gemacht und weiterempfohlen. Die Verleihung des Siegels im Rahmen eines
Zertifizierungsverfahrens ist seit 2007 an einheitliche Kriterien gebunden.
Beteiligung:
Die Mitarbeit von Vertreterinnen und Vertretern des Freistaates Sachsen in den
bundesweiten Netzwerken zum Berufswahlpass und zum Berufswahlsiegel sichert die
Einhaltung
und
kontinuierliche
Weiterentwicklung
der
zugrunde
liegenden
Qualitätsstandards. Eine Beauftragte des Landes ist als Mitglied in der BAG Berufswahlpass
an der Entwicklung des neuen Gesamtkonzepts Berufswahlpass beteiligt, das vom BMBF
gefördert wird.
Im Rahmen der jährlichen Förderaktion für Berufswahlpässe werden im Schuljahr 2016/2017
insgesamt 3.000 Berufswahlpässe durch die RD Sachsen finanziert. Dafür werden in diesem
Jahr insgesamt 15.000 Euro zur Verfügung gestellt.
1.3
Entdecken individueller Talente
Wie im Kapitel III beschrieben, findet ausgehend von den Kernzielen in den Klassenstufen 5
und 6 der allgemeinbildenden Schulen eine Phase der Sensibilisierung für die Arbeitswelt

10
statt. Mit der Klassenstufe 7 beginnt die Phase des Reflektierens. Die nachfolgend
beschriebenen Maßnahmen unterstützen diesen Prozess.
1.3.1 Potenzialanalyse
Ziel:
Voraussetzung für eine nachhaltige und erfolgreiche individuelle Förderung ist die
Feststellung der Ausgangslage sowie des Standes der Kompetenzentwicklung für jede
Schülerin und jeden Schüler. Mit einem landesweit einheitlichen Potenzialanalyseverfahren
kann die individuelle Förderung stärkenorientiert und zielgerichteter vorgenommen werden.
Die Rückmeldung an Schülerinnen und Schüler sowie Eltern erfolgt umfassend,
wertschätzend und neutral, d. h. schul- und leistungsunabhängig. Die Ergebnisse der
Potenzialanalyse werden für eine passgenaue Berufs- und Studienorientierung genutzt,
wecken Interesse bei Schülerinnen und Schülern für berufliche Aspekte und erhöhen die
Orientierung im Prozess der Persönlichkeitsentwicklung.
Mit einem einheitlichen Potenzialanalyseverfahren kann und soll mehr Stringenz und
Handlungssicherheit bei allen Beteiligten erreicht werden. Deshalb haben das SMK und die
RD Sachsen gemeinsam die Einführung eines landeseinheitlichen Potenzialanalyseverfahrens
im Freistaat Sachsen vorbereitet und begleitet.
Inhalte:
Das Potenzialanalyseverfahren „Kompetenzanalyse Profil AC Sachsen“ erfüllt die
Qualitätsstandards des BMBF für Potenzialanalysen. Es verfolgt die Grundsätze
„Ganzheitlichkeit“, „Stärkenorientierung“ und „Individualisierung“, indem es im
überfachlichen Bereich z. B. Merkmale der Sozialkompetenz, der Methodenkompetenz sowie
von personalen Kompetenzen erfasst.
Der Einsatz des landeseinheitlichen Potenzialanalyseverfahrens begann 2014 pilotartig an
50 Oberschulen. Seit dem Schuljahr 2016/2017 wird es an insgesamt 123 Oberschulen
genutzt. Darüber hinaus steht das Verfahren allen anderen interessierten Oberschulen,
Förderschulen und Gymnasien zur Nutzung offen. Für Schülerinnen und Schüler mit
sonderpädagogischem Förderbedarf im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung können auch
andere geeignete Potenzialanalyseverfahren (MELBA, MELBA SL) genutzt werden. Für
Träger im Projekt „Praxisberater“ ist die Nutzung des Verfahrens „Profil AC Sachsen“ ohne
zusätzliche Kosten möglich.
Beteiligung:
Das BMBF stellt ab Schuljahr 2019/2020 aus dem BOP Mittel zur
Durchführung
von
Potenzialanalysen
durch
Bildungsträger
an
Oberschulen
ohne
Praxisberaterinnen und Praxisberater bereit, siehe hierzu Kapitel VI.1.

11
Bis zum Start 2019 stellt das BMBF für die Durchführung der Potenzialanalysen im Rahmen
des
BOP
im
Umfang
des
Landeskontingents
sowie
der
Unterstützung
des
ESF-Bundesprogramms Berufseinstiegsbegleitung finanzielle Mittel mit der vorgegebenen
Obergrenze zur Verfügung.
1.3.2
komm auf Tour“
Ziel:
Als frühzeitiges Präventions- und Einstiegsangebot zur Stärkenentdeckung, Berufs- und
Studienorientierung und Lebensplanung für Jugendliche ab der 7. Klassenstufe kann und soll
„komm auf Tour“ Schülerinnen und Schüler zur dualen Ausbildung motivieren. Damit trägt
das Projekt perspektivisch auch zur Fachkräftesicherung bei.
Inhalte:
„komm auf Tour“ ist eine ideale Ergänzung für das Projekt „Praxisberater an
Schulen“. Studien der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) belegen, dass
eingeschränkte Berufsperspektiven vor allem bildungsbenachteiligte Jugendliche in ihrer
persönlichen Lebensgestaltung negativ beeinflussen. Deshalb sind die Entwicklung
realisierbarer Zukunftsperspektiven und die Ausprägung eines gesunden Selbstbewusstseins,
das auf Vertrauen in die eigenen Stärken beruht, wirkungsvolle Präventivmaßnahmen.
Über den Erlebnisparcours hinausgehend, soll das Projekt die regionale Zusammenarbeit von
Schulen, Eltern sowie außerschulischen Partnerinnen und Partnern der Berufsorientierung und
Lebensplanung fördern.
Beteiligung:
Mit Unterstützung der BZgA und der RD Sachsen konnte in den Jahren
2014/2015 im Freistaat Sachsen erstmalig in acht Landkreisen das Projekt „komm auf Tour –
meine Stärken, meine Zukunft“ realisiert werden. Zur Verstetigung dieser Maßnahme stehen
Mittel bis maximal 260.000 Euro pro Jahr zur Verfügung, paritätisch finanziert durch SMK
und RD Sachsen.
1.4
Sammeln von Praxiserfahrungen
Aufbauend auf den Ergebnissen der Potenzialanalyse schließen sich entsprechend den
Kernzielen
das
berufliche
Informieren
und
sich
Ausrichten
an,
dazu
zählen
Berufswelterkundungen und erste Einblicke in die Arbeitswelt.
1.4.1 Schau rein!
Ziel:
Mit der flächendeckenden Berufsorientierungsinitiative „Schau rein! Woche der offenen
Unternehmen Sachsen“ wird Jugendlichen ab Klassenstufe 7 praktische Berufs- und
Studienorientierung vor Ort geboten. Ziel ist es, Schülerinnen und Schülern sowie

12
Unternehmerinnen und Unternehmern Gelegenheit zu geben, die Vorstellungen und
Erwartungen des jeweils anderen aus erster Hand kennenzulernen.
Inhalt:
Für eine Woche öffnen Firmen und Institutionen ihre Türen und laden die
Schülerinnen und Schüler ab Klassenstufe 7 ein, sich über Berufe zu informieren,
verschiedene Tätigkeitsprofile in der Praxis anzuschauen und praktisch auszuprobieren.
Davon profitieren beide Seiten. Schülerinnen und Schüler kommen mit Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern,
Ausbilderinnen
und
Ausbildern
und
Auszubildenden
ins
Gespräch.
Unternehmen lernen den zukünftigen Mitarbeiterinnen- und Mitarbeiter-Nachwuchs kennen.
Mit „Schau rein!“ haben Jugendliche die Chance, sich frühzeitig über Ausbildungs- und
Studienmöglichkeiten in ihrer Region zu informieren und damit die Weichen für ihre
berufliche Zukunft zu stellen.
Beteiligung:
„Schau rein! Woche der offenen Unternehmen Sachsen“ ist eine langjährige
Initiative der Sächsischen Staatsregierung (SMK, SMWA), der RD Sachsen und der
sächsischen Kammern, die von den Unternehmen und Schulen gut angenommen wird und zu
einer jährlich steigenden Teilnehmerzahl führt.
Das BMBF stellt ab Schuljahr 2019/2020 aus dem Landeskontingent des BOP Mittel zur
Vorbereitung und Durchführung dieser Maßnahme bereit, siehe hierzu Kapitel VI.1.
1.4.2 Werkstatttage
Ziel:
Auf der Grundlage der Ergebnisse der Potenzialanalyse schließen sich ab der
Klassenstufe 8 Werkstatttage an. Im Mittelpunkt steht das erste Erkunden von Berufsfeldern,
um Vorstellungen über die beruflichen Interessen zu entwickeln.
Inhalt:
Werkstatttage wenden sich an Schülerinnen und Schüler ab Klassenstufe 8. Das
praktische Erproben von Berufsfeldern in Berufsbildungsstätten entsprechend den Leitlinien
des
Berufsorientierungsprogramms
des
BMBF
(BOP)
fördert
den
individuellen
Berufswahlprozess. Damit wird das Angebot nach BOM (Nr. 1.4.3) so ergänzt, dass ein
flächendeckendes Angebot entsteht.
Beteiligung:
Das BMBF stellt ab dem Schuljahr 2019/2020 aus dem BOP Mittel zur
Durchführung
von
Werkstatttagen
durch
Bildungsträger
an
Oberschulen
ohne
Praxisberaterinnen und Praxisberater bereit, siehe hierzu Kapitel VI.1.
1.4.3 Berufsorientierungsmaßnahmen nach § 48 SGB III (BOM)
Ziel:
Ein zentrales Anliegen ist es, die Förderstrukturen des Freistaates Sachsen mit denen der
RD Sachsen zu harmonisieren. In der am 1. April 2015 unterzeichneten gemeinsamen

13
Landesförderkonzeption für die Jahre 2014 bis 2020 ist die Verzahnung der Maßnahmen und
Projekte der vertieften Berufsorientierung und Berufswahlvorbereitung gemäß § 48 SGB III
mit den Fördergegenständen des Landes-ESF-Programms beschrieben.
Inhalt:
Die Agenturen für Arbeit setzen in den Schulen das seitens der RD Sachsen
formulierte Mindestangebot je Schulart verpflichtend um. Ergänzt wird dieses durch optionale
und zusätzliche Angebote der Berufsorientierung der regionalen Agentur für Arbeit und durch
Beauftragung
Dritter
im
Rahmen
der
vertieften
Berufsorientierung
und
Berufswahlvorbereitung nach § 48 SGB III. Nachfolgende Kernelemente, von denen
möglichst viele Bestandteile einer Maßnahme sein sollten, stellen wesentliche Bausteine von
Berufsorientierungsmaßnahmen dar
8
:
-
Umfassende Informationen zu Berufsfeldern (allgemein und speziell)
-
Interessenerkundung
-
Vertiefte Eignungsfeststellung durch Einsatz von Kompetenzfeststellungsverfahren
-
Strategien zur Berufswahl und Entscheidungsfindung
-
Fachpraktische Erfahrungen durch Einbindung des Lernortes Betrieb/betriebliche Praktika
-
Reflexion von Eignung, Neigung und Fähigkeiten zur Verbesserung der
Selbsteinschätzung
-
Realisierungsstrategien
-
Sozialpädagogische Begleitung und Unterstützung während der Maßnahme
Die Angebote zur Berufsorientierung sowie die Beratungsangebote der jeweils zuständigen
Agentur für Arbeit sind Bestandteil des schuleigenen Konzeptes der Berufs- und
Studienorientierung.
Beteiligung:
Projekte der vertieften Berufsorientierung und Berufswahlvorbereitung richten
sich grundsätzlich an alle Schülerinnen und Schüler allgemeinbildender Schulen.
Berufsorientierungsmaßnahmen sollen spätestens ab der Klassenstufe 7 systematisch mit dem
Ziel durchgeführt werden, die individuellen Kompetenzen, Perspektiven und Möglichkeiten
aufzuzeigen und einen zielsicheren Übergang in die duale Ausbildung oder ein Studium
vorzubereiten. Darüber hinaus tragen sie dazu bei, die Quoten der Schulabschlüsse zu
erhöhen.
8
Vgl. Bekanntmachung SMK über Teilnahmewettbewerb zu Vorhaben der vertieften Berufsorientierung an allgemeinbildenden Schulen
URL:
www.bildungsketten.de/_media/Bildungsketten_Vereinbarung_Sachsen_Anlage_7.pdf
sowie an Förderschulen URL:
www.bildungsketten.de/_media/Bildungsketten_Vereinbarung_Sachsen_Anlage_8.pdf
(Zugriff:
13. Juni 2017).

14
Mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds können im ESF-Förderzeitraum 2014 bis 2020
durch das SMK „Maßnahmen der Berufsorientierung“ mit bis zu 16,7 Mio. Euro gefördert
werden.
Die RD Sachsen finanziert die genannten Maßnahmen in vergleichbarer Höhe mit. Die für die
Durchführung der Maßnahmen notwendige Kofinanzierung wird durch die Agenturen für
Arbeit in ihren jährlichen Haushaltsplänen im erforderlichen Umfang berücksichtigt.
1.4.4 Lernen in Unternehmen der Land-, Forst- und Milchwirtschaft sowie des Gartenbaus
Ziel:
Das Lernen in Unternehmen der Land-, Forst- und Milchwirtschaft sowie des
Gartenbaus trägt dazu bei, ein realistisches Bild dieses Wirtschaftsbereiches zu vermitteln.
Dabei werden die Schülerinnen und Schüler für die vielfältigen Aufgaben, Probleme und
Chancen der Landwirtschaft und des ländlichen Raumes sensibilisiert, es wird Verständnis für
die natürlichen Lebensgrundlagen des Menschen vermittelt und es werden Möglichkeiten der
Verbindung von Theorie und Praxis aufgezeigt und berufsorientierend eingewirkt.
Inhalt:
Gegenwärtig finden in Sachsen pro Jahr ca. 2.000 Maßnahmen in 320
landwirtschaftlichen Betrieben statt, an denen ca. 30.000 Kinder und junge Menschen
teilnehmen. An unterschiedlichen Lernorten wie beispielsweise Agrargenossenschaften,
Gärtnereien oder Haupterwerbslandwirten haben sie die Chance, durch Anschauung sowie
direktes Erleben und Handeln praxisnahes Wissen und Können über die Landwirtschaft zu
erwerben. Das Projekt „Lernerlebnis Bauernhof“ will den Bildungs- mit dem Agrarbereich
besser vernetzen, Landwirtschaftsbetriebe verstärkt in die Wahrnehmung allgemeinbildender
Schulen, aber auch des Vorschulbereichs, rücken sowie eine Struktur zur Verfügung stellen,
die für Kindergruppen und Schulklassen Besuche in landwirtschaftlichen Betrieben
ermöglicht, vereinfacht oder vermittelt.
Beteiligung:
Die gemeinsame Vereinbarung des SMK und des SMUL vom 12. Januar 2015
bildet die Basis für die Zusammenarbeit zwischen Kindertageseinrichtungen und
allgemeinbildenden Schulen einerseits sowie Unternehmen der Land-, Forst- und
Milchwirtschaft und des Gartenbaus andererseits.
1.4.5 Schülerfirmen
Ziel:
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwerben Fähigkeiten und Fertigkeiten im
Bereich unternehmerischen Handelns und erweitern ihre sozialen Kompetenzen.
Inhalte:
Schülerfirmen sind Schulprojekte mit pädagogischen Zielsetzungen. Sie vermitteln
unternehmerische Bildung, tragen zur individuellen Berufs- und Studienorientierung bei,
verbessern
die
Beschäftigungsfähigkeit
und
setzen
wichtige
Impulse
für
die

15
Persönlichkeitsentwicklung. Im Rahmen des Projektes werden durch die beteiligten
Schülerinnen und Schüler Produkte geplant, produziert und verkauft bzw. Dienstleistungen
angeboten. Dabei orientiert sich die Schülerfirma an marktwirtschaftlichen und/oder
gesellschaftlich relevanten Regeln und Gegebenheiten.
Die Schülerinnen und Schüler erhalten Unterstützung durch externe Partnerinnen und Partner
und/oder beratende Lehrerinnen und Lehrer sowie gegebenenfalls durch die Praxisberaterin
oder den Praxisberater.
Beteiligung:
In den Schuljahren 2015/2016 und 2016/2017 förderte das SMK die
Konsolidierung bzw. die Neugründung von Schülerfirmen finanziell mit insgesamt bis zu
100.000 Euro. Das BMBF stellt ab dem Schuljahr 2019/2020 aus dem BOP Mittel bereit, die
durch die „Servicestelle Schülerfirmen“ für die Durchführung von Einzelprojekten betreut
werden, siehe hierzu Kapitel VI.1.
1.5
Gymnasiastinnen und Gymnasiasten
Ziel:
Vor dem Hintergrund vielfältiger Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten wächst die
Bedeutung einer individuellen Berufs- und Studienorientierung, um unnötigen Wechseln des
Studiengangs bzw. Studienabbrüchen vorzubeugen.
Inhalte:
Eine systematische Gestaltung der Berufs- und Studienorientierung am Gymnasium
erfordert nach der Phase der Sensibilisierung für die Arbeitswelt, beispielsweise durch
Betriebserkundungen in den Klassenstufen 5 und 6, eine individuelle Herangehensweise ab
Klassenstufe 7. In einer Pilotphase soll die Potenzialanalyse in Anlehnung an das Profil AC
Sachsen an sächsischen Oberschulen mit Schülerinnen und Schülern von ca. 50 Gymnasien in
öffentlicher und freier Trägerschaft durch externe Bildungsträger durchgeführt werden.
Zeitgleich erfolgt die Nutzung des Berufswahlpasses zur Sicherung der Ergebnisse der
Potenzialanalyse und zur weiteren Selbsterkundung.
In der Klassenstufe 8 lernen die Schülerinnen und Schüler in zweiwöchigen Werkstatttagen in
überbetrieblichen Berufsbildungsstätten mindestens vier verschiedene Berufsfelder kennen
und sammeln erste praktische Erfahrungen.
Die Erkenntnis der eigenen Stärken und Fähigkeiten bildet die Grundlage für eine gezielte
Auswahl des obligatorischen zweiwöchigen Schülerbetriebspraktikums in Klassenstufe 8, 9
oder 10, welches tiefere Einblicke in die Berufs- und Arbeitswelt vermittelt und dazu beiträgt,
eigene Berufsvorstellungen zu entwickeln. Darüber hinaus haben alle Schülerinnen und
Schüler die Möglichkeit, sich ab Klassenstufe 7 im Rahmen zusätzlicher Praktika sowie der
jährlich stattfindenden Wochen der offenen Unternehmen über weitere Berufe zu informieren.

16
Ab Klassenstufe 9 begleitet eine Berufsberaterin oder ein Berufsberater der Bundesagentur für
Arbeit die Gymnasiastinnen und Gymnasiasten im individuellen Berufswahlprozess. Die
duale Berufsausbildung wird dabei als gleichberechtigte Möglichkeit neben dem Studium für
einen Einstieg in das Berufsleben dargestellt. Unter anderem soll sichergestellt werden, dass
auch Schülerinnen und Schüler, die bereits nach der Klassenstufe 10 das Gymnasium
verlassen, Klarheit in Bezug auf ihren beruflichen Werdegang haben.
Ergänzend wird für die Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe II ab dem Schuljahr
2017/2018 der fächerverbindende Grundkurs „Auf dem Weg ins Berufsleben“ angeboten, der
auf einem höheren Anspruchsniveau vertiefte Kenntnisse zum Ergründen des eigenen
Potenzials, zu den vielfältigen Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten und den
erforderlichen Voraussetzungen sowie zu den Anforderungen der Arbeitswelt mit dem Ziel
einer fundierten Berufs- bzw. Studienwahlentscheidung in den Fokus rückt. Die Option für
ein zweites Praktikum, welches insbesondere der Studienorientierung dient und vorzugsweise
an Hochschulen durchgeführt wird, ist in der Schulordnung Gymnasien verankert.
Besonders leistungsstarke Schülerinnen und Schüler können seit 2005 – bereits vor dem
Erreichen des Abiturs – ein Frühstudium an einer regionalen Universität oder Hochschule
absolvieren mit Anerkennung der Studien- und Prüfungsleistungen.
§ 47 der Schulordnung Gymnasien Abiturprüfung (SOGYA) bietet zudem die Möglichkeit
zur Erarbeitung einer besonderen Lernleistung in Kooperation mit außerschulischen Partnern.
Sie stellt einen selbst gewählten, aber auch selbst verantworteten Beitrag zur Erhöhung der
Studierfähigkeit dar.
Beteiligung:
Zur Deckung des zusätzlichen Bedarfs an Berufs- und Studienorientierung an
Gymnasien stellt das SMK jährlich ab dem Schuljahr 2015/2016 ca. 100.000 Euro an
Landesmitteln zur Verfügung, die den Schulen nach Antragstellung zugewiesen werden.
Das BMBF unterstützt die Pilotphase zur Einführung von Potenzialanalyse und
Werkstatttagen mit Mitteln aus dem BOP, siehe hierzu Kapitel VI.1.
2.
Individuelle Begleitung der jungen Menschen am und im Übergang Schule – Beruf
2.1
Berufseinstiegsbegleitung (BerEb)
Ziel:
Im Freistaat Sachsen werden Berufseinstiegsbegleiterinnen und Berufseinstiegsbegleiter
an fast allen Ober- und Förderschulen eingesetzt, um Schülerinnen und Schüler, die
voraussichtlich
Schwierigkeiten
beim
Erreichen
des
Haupt-
oder
gleichwertigen
Schulabschlusses und beim Übergang von der allgemeinbildenden Schule in Ausbildung

17
haben werden, individuell zu unterstützen und dadurch die berufliche Eingliederung zu
erleichtern.
Inhalte:
Die Begleitung beginnt in der Vorabgangsklasse und wird nach Verlassen der
allgemeinbildenden Schule während der Ausbildungssuche und in der Anfangsphase der
Berufsausbildung weitergeführt. Unter Berücksichtigung der persönlichen Stärken, Interessen
und Fähigkeiten legen die Berufseinstiegsbegleiterinnen und Berufseinstiegsbegleiter
gemeinsam mit den Teilnehmenden fest, wie diese Unterstützung im Einzelnen aussieht. Im
Freistaat Sachsen findet die Betreuung durch den oder die BerEb einschließlich Durchführung
der PA nur für abschlussgefährdete Schülerinnen und Schüler statt.
Beteiligung:
Ab Beginn Jahrgang 2012/2013 konnte unter Nutzung des Landes-ESF und mit
Kofinanzierung der RD Sachsen die BerEb im Freistaat Sachsen flächendeckend abgesichert
werden. Jede Förderschule und jede Oberschule mit förderungsbedürftigen Schülerinnen und
Schülern wurde in das Programm aufgenommen.
Für den ESF-Förderzeitraum 2014 bis 2020 wird die BerEb durch die BA und aus
ESF-Mitteln
des
Bundes
finanziert.
Im
Rahmen
des
ESF-Bundesprogramms
Berufseinstiegsbegleitung sind für die Schuljahre 2014/2015 bis 2018/2019 jährlich ca. 2.100
Teilnehmerplätze für die Berufseinstiegsbegleitung vorgesehen. Die Auswahl der Schulen
erfolgte durch die RD Sachsen in Abstimmung mit dem SMK. Unabhängig von der
Rechtsgrundlage ist für die Vergabe der Aufträge die BA zuständig.
Die Fortführung einer Form der Berufseinstiegsbegleitung nach Auslaufen der derzeitigen
Bundesförderung wird durch die Partnerinnen und Partner geprüft.
2.2
Berufsberatung nach § 33 SGB III
Ziel:
Die Berufsberatung der Agenturen für Arbeit in Sachsen zielt darauf ab, junge
Menschen entsprechend ihrer Neigung, Eignung und Leistungsfähigkeit unter Beachtung der
Beschäftigungsmöglichkeiten zu beraten und bei der Berufswahl zu unterstützen. Die
Berufsberaterin oder der Berufsberater bzw. die akademische Beraterin oder der akademische
Berater berät Schülerinnen und Schüler aller Schularten, Auszubildende, Studierende und
Hochschulabsolventen sowie junge Menschen, die erstmals eine Berufsausbildung anstreben
oder sich beruflich neu orientieren wollen.
Inhalte:
An allen Schulen sowie an den Berufsinformationszentren (BiZ) wird in
berufsorientierenden Veranstaltungen über die Zugangsvoraussetzungen und Anforderungen
der Berufe, den regionalen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt, die Praxis in den verschiedenen
Berufen, Bildungswegen und Studiengängen, Förderungsmöglichkeiten, Spezialisierungs- und

18
Weiterbildungsmöglichkeiten sowie zu den Einstellungschancen und beruflichen Perspektiven
informiert.
Beteiligung:
Aufbauend auf berufsorientierende Veranstaltungen werden unabhängige
individuelle Beratungen zur beruflichen Orientierung und Entscheidungsfindung sowohl an
den Schulen als auch in den Agenturen für Arbeit angeboten. Die Berufsberatung gibt
Auskunft und Rat zur Berufswahl, beruflichen Entwicklung und zum Berufswechsel, zur Lage
und Entwicklung des Arbeitsmarktes und der Berufe, zu den Möglichkeiten der beruflichen
Bildung, zur Ausbildungs- und Arbeitsplatzsuche und zu Leistungen der Arbeitsförderung.
Sie erstreckt sich auch auf die Unterrichtung und Beratung zu Fragen der schulischen
Bildung, soweit sie für die Berufswahl und die berufliche Bildung von Bedeutung sind.
2.3 „Produktives Lernen“
Ziel:
Besondere Bildungsangebote werden Schülerinnen und Schülern unterbreitet, deren
Abschluss gefährdet ist und die bereit sind, besondere Anstrengungen zu unternehmen. Ziel
des „Produktiven Lernens“ ist es, abschlussgefährdete Hauptschülerinnen und Hauptschüler
mit einem stärker praxisbezogenen Bildungsangebot zu einem dem Hauptschulabschluss
gleichgestellten Abschluss zu führen und sie bei der Entwicklung konkreter beruflicher oder
schulischer Anschlussperspektiven zu unterstützen.
Inhalte:
„Produktives Lernen“ im Freistaat Sachsen ist ein besonderes zweijähriges
Bildungsangebot in den Klassenstufen 8 und 9 des Hauptschulbildungsgangs von
Oberschulen. Grundlage sind eine veränderte Stundentafel, individualisierte Curricula und
insgesamt sechs durch die Schülerinnen und Schüler selbst gewählte Praxisplätze. Die
Lehrkräfte im „Produktiven Lernen“ absolvieren eine intensive dreijährige Fortbildung.
Die durchschnittliche Erfolgsquote der Schülerinnen und Schüler, die bis zum Ende der
Klassenstufe 9 im Bildungsangebot lernen, beträgt 75 Prozent.
Es nehmen sachsenweit acht Oberschulen in Brennpunktgebieten teil. Die unterrichtenden
Lehrkräfte und die Schülerinnen und Schüler kommen sowohl aus der Standortschule als auch
aus umliegenden Schulen.
Beteiligung:
Das Bildungsangebot wird aus Landes-ESF-Mitteln und Mitteln des Freistaates
Sachsen gefördert. Die Kosten beliefen sich für die gesamte Laufzeit in der letzten
Förderperiode (bis zum Schuljahr 2013/2014) auf ca. drei Mio. Euro (jeweils ca. 50 Prozent
Landesmittel und ESF-Mittel). In der neuen ESF-Förderperiode besteht ein Anschlussprojekt,
das mit insgesamt fast 500.000 Euro bis Juli 2017 gefördert wird. Nach Auslaufen der

19
ESF-Förderung soll das Bildungsangebot im Zuge der Novellierung des Schulgesetzes in das
Regelsystem überführt werden. Entsprechend notwendige Haushaltsmittel sind eingeplant.
3.
Berufsvorbereitung
Die Bevölkerungsentwicklung im Freistaat Sachsen vollzieht sich regional und lokal sehr
unterschiedlich.
In
den
letzten
zehn Jahren
verringerte
sich
die
Anzahl
der
Schulabsolventinnen und Schulabsolventen um rund 40 Prozent. Der Ausbildungsmarkt
wandelte sich daher von einem Nachfrage- in einen Angebotsmarkt, was auch Auswirkungen
auf berufsvorbereitende Unterstützungsangebote hat.
3.1
Berufsvorbereitungsjahr (BVJ)
Ziel:
Im BVJ werden Schülerinnen und Schüler, die trotz vieler Bemühungen ohne Abschluss
die allgemeinbildende Schule verlassen und zu Beginn der Berufsschulpflicht kein
Berufsausbildungsverhältnis nachweisen können, bei der Berufswahl unterstützt und auf den
Übergang in eine berufliche Ausbildung vorbereitet.
Inhalt:
Das BVJ ist eine einjährige Vollzeitschule. Die Schülerinnen und Schüler erwerben
berufliche Orientierung in zwei Berufsbereichen (z. B. Holztechnik und Metalltechnik). Der
Unterricht umfasst einen berufsübergreifenden Bereich (allgemeine Fächer), einen
berufsbezogenen Bereich (Lernfelder der einzelnen Berufsbereiche) sowie Angebote im
Wahlpflichtbereich. Die seit dem Schuljahr 2006/2007 laufende sozialpädagogische
Betreuung im BVJ hat sich als unverzichtbare Unterstützung erwiesen. Auf Grund des
Ausbaus vielfältiger Förderinstrumente für abschlussgefährdete Förder- und Oberschülerinnen
bzw. Förder- und Oberschüler münden derzeit nur noch Schülerinnen und Schüler mit
vielfältigen Beeinträchtigungen in das BVJ.
Seit mehreren Jahren läuft an ausgewählten Beruflichen Schulzentren der Schulversuch
„Gestrecktes Berufsvorbereitungsjahr“ (GBVJ) für Schulentlassene der Oberschule bzw.
Förderschule zur Lernförderung ohne Schulabschluss, die auf Grund ihres sozialen
Entwicklungsstandes und ihres Leistungsvermögens nicht in der Lage sind, das einjährige
BVJ mit Erfolg zu besuchen. Durch eine Streckung der theoretischen Anteile über zwei Jahre,
die Erhöhung der praktischen Anteile durch verstärktes Lernen in den Werkstätten und
Laboren der Beruflichen Schulzentren, ein verlängertes Betriebspraktikum im ersten
Schuljahr sowie drei Praxistage pro Woche im Betrieb im zweiten Schuljahr soll für diese
Jugendlichen der Übergang von der Schule zur beruflichen Ausbildung erleichtert werden.
In dem Teilprojekt „Gestrecktes Berufsvorbereitungsjahr in kooperativer Form“ (KBVJ) des
Schulversuchs wird die Kooperation zwischen Schulen zur Lernförderung und beruflichen

20
Schulzentren erprobt. Zielgruppe für dieses Teilprojekt sind Schülerinnen und Schüler der
Schulen zur Lernförderung, die keinen Hauptschulbildungsgang besuchen. Durch eine
kontinuierliche Begleitung des Übergangs, eine gezielte Verknüpfung von schulischen
Inhalten (der Klassenstufe 9 der Förderschulen und des Berufsvorbereitungsjahres) und eine
individuell abgestimmte Berufsorientierung unter Beachtung des sonderpädagogischen
Förderbedarfs werden sie so gefördert, dass sie am Ende der zweijährigen Phase sowohl
Ausbildungsreife erlangen, als auch einen dem Hauptschulabschluss entsprechenden
Bildungsstand erwerben können. Die Schülerinnen und Schüler entscheiden sich im
2. Halbjahr der Klassenstufe 8 für die Teilnahme an der kooperativen Organisationsform. Die
Kooperation beginnt in der Klassenstufe 9. Schülerinnen und Schüler der Schulen zur
Lernförderung besuchen in der Regel an einem Unterrichtstag die berufsbildende
Schule/berufsbildende Förderschule, wo sie unter Anleitung der Lehrerinnen und Lehrer im
berufsbezogenen
Bereich
lernen
und
arbeiten.
Im
sich
anschließenden
Berufsvorbereitungsjahr besuchen die Schülerinnen und Schüler die berufsbildende
Schule/berufsbildende Förderschule und erwerben einen Bildungsstand, der dem des
Hauptschulabschlusses entspricht. Dabei erhalten sie sonderpädagogische Unterstützung von
Lehrerinnen und Lehrern der Schule zur Lernförderung.
Ab dem Schuljahr 2018/2019 ist die Überführung des GBVJ/KBVJ in die Regelausbildung
vorgesehen.
Beteiligung:
Für die Unterstützung der Schulträger bei der sozialpädagogischen Betreuung
aller Schülerinnen und Schüler im BVJ sowie für die Betreuung der Schülerinnen und Schüler
in den Betriebspraktika im zweijährigen BVJ stellt der Freistaat Sachsen aus Landesmitteln
im Doppelhaushalt 2017/2018 insgesamt über 6,7 Mio. Euro zur Verfügung.
3.2
Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen (BvB) nach §§ 51 ff. SGB III
Ziel:
Mit einer BvB wird vorrangig die Vorbereitung und Eingliederung in Ausbildung für
junge Menschen ohne berufliche Erstausbildung, die ihre Vollzeitschulpflicht erfüllt und in
der Regel das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, angestrebt. Daneben kann auch die
Vorbereitung einer Beschäftigungsaufnahme ein paralleles Ziel sein, wenn die Aufnahme
einer Berufsausbildung wegen in der Person liegender Gründe nicht möglich ist.
Inhalte:
Zu den wichtigsten Aufgaben der BvB gehört es, den Teilnehmenden die
Möglichkeit zu geben, ihre Fähigkeiten, Fertigkeiten und Interessen hinsichtlich einer
möglichen Berufswahl zu überprüfen und zu bewerten, sich im Spektrum geeigneter Berufe
zu orientieren und eine Berufswahlentscheidung zu treffen. Darüber hinaus sollen den

21
Teilnehmenden die erforderlichen Kenntnisse und Fertigkeiten für die Aufnahme einer
beruflichen Erstausbildung (ggf. auch durch den Erwerb eines Hauptschulabschlusses oder
eines gleichwertigen Schulabschlusses) oder – sofern dies (noch) nicht möglich ist – für die
Aufnahme einer Beschäftigung vermittelt werden, um sie damit möglichst nachhaltig in den
Ausbildungs- und/oder Arbeitsmarkt zu integrieren.
Beteiligung:
Die Agenturen für Arbeit in Sachsen werden das gesetzliche Regelinstrument
BvB auch künftig im erforderlichen Umfang anbieten, um insbesondere nach Erfüllung der
allgemeinen Schulpflicht noch nicht ausbildungsreife junge Menschen auf eine nachfolgende
Berufsausbildung vorzubereiten.
3.3
Einstiegsqualifizierung (EQ) nach § 54a SGB III
Ziel:
Betriebe führen junge Menschen mit erschwerten Vermittlungsperspektiven im Rahmen
einer EQ an eine Ausbildung in ihrem Betrieb heran. Die Förderung einer betrieblichen
Einstiegsqualifizierung soll ermöglichen, dass mehr jüngere Menschen mit erschwerten
Vermittlungsperspektiven eine betriebliche Berufsausbildung aufnehmen und diese
Ausbildung im Erfolgsfall verkürzt wird. Die Einstiegsqualifizierung ist als Leistung im
Vorfeld der Aufnahme einer Berufsausbildung dem Bereich Berufsausbildungsvorbereitung
zuzuordnen.
Inhalt
: Zielgruppen sind Ausbildungsbewerberinnen und Ausbildungsbewerber, die bis zum
30. September keine Ausbildungsstelle finden konnten, sowie junge Menschen, die aktuell
noch nicht in vollem Umfang für eine Ausbildung geeignet, lernbeeinträchtigt oder sozial
benachteiligt sind. Junge Menschen und Betriebe haben die Möglichkeit, Fähigkeiten und
Fertigkeiten über einen Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten im täglichen Arbeitsprozess zu
erproben und zu beobachten. Wenn erforderlich, können junge Menschen während der
Teilnahme an EQ zusätzlich durch ausbildungsbegleitende Hilfen (abH) unterstützt werden.
Beteiligung
: Bedarfsorientierte Förderung durch die Agentur für Arbeit bzw. die Jobcenter.
EQ hat sich als Instrument zur effektiven Berufsvorbereitung direkt im Betrieb bewährt und
soll künftig noch verstärkter zur Anwendung kommen.
4.
Förderung der Berufsausbildung
4.1
Assistierte Ausbildung (AsA)
Ziel:
Ziel der AsA ist der Übergang von lernbeeinträchtigten und sozial benachteiligten
Schülerinnen und Schülern in eine betriebliche Berufsausbildung nach Verlassen der
allgemeinbildenden Schule, deren erfolgreichen Abschluss und die nachhaltige Integration in
den ersten Arbeitsmarkt. Mit der AsA wird in Sachsen die Erwartung verknüpft, künftig mehr

22
junge Menschen mit Startschwierigkeiten direkt in betriebliche Ausbildung zu vermitteln und
zu einem erfolgreichen Berufsabschluss zu führen.
Inhalte:
Mit dieser Förderung wurde ab 1. Mai 2015 eine weitere Regelleistung des SGB III
mit einem präventiven Ansatz zur Stärkung nachhaltiger dualer Ausbildung eingeführt. Im
Freistaat Sachsen wurden bereits im Jahr 2014 mit dem Programm „Vorrang für duale
Ausbildung“ des SMWA in Zusammenarbeit mit der RD Sachsen vergleichbare Maßnahmen
entwickelt und ab März 2015 umgesetzt. Die Maßnahmen wurden aus Landes-ESF-Mitteln
finanziert und stehen für Eintritte in den Jahren 2015 und 2016 zur Verfügung. Mit Beginn
des Ausbildungsjahres 2017 wird die AsA nach § 130 SGB III sachsenweit umgesetzt.
Die AsA beinhaltet die individuelle, kontinuierliche Begleitung und Förderung junger
Menschen von der Ausbildungssuche bis zum erfolgreichen Ausbildungsabschluss.
Gegenstand der Förderung können die Vorbereitung auf die Ausbildungsaufnahme (z. B.
Berufsorientierung, Profiling, Bewerbungstraining) sowie Unterstützung während der
Ausbildung und zur Arbeitsaufnahme sein.
Darüber hinaus können auch Betriebe bei administrativen und organisatorischen Aufgaben im
Zusammenhang mit der Anbahnung und Durchführung der betrieblichen Ausbildung
unterstützt werden.
Beteiligung:
Ab 2017 werden die sächsischen Arbeitsagenturen und Jobcenter im Rahmen
verfügbarer Haushaltsmittel bedarfsgerechte Platzkapazitäten für AsA nach § 130 SGB III
entsprechend den gesetzlichen Regelungen vorhalten.
In Abstimmung mit den sächsischen Arbeitsagenturen und Jobcentern werden für über die
gesetzlichen Regelungen hinausgehende Zielgruppen und Inhalte aus Landes-ESF-Mitteln
und Mitteln des Freistaates Sachsen über das SMWA ergänzende wirtschafts- bzw.
branchennahe Projekte gefördert.
4.2
Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen
4.2.1 Projekt „Prävention von Lehrabbrüchen“ (PraeLab)
Ziel:
Durch das Projekt „Prävention von Lehrabbrüchen“ (PraeLab) soll eine Senkung der seit
Jahren anhaltend hohen Vertragslösungsquote im Bereich der dualen Ausbildung erreicht
werden. Damit wird ein wichtiger Beitrag zur Sicherung des Fachkräftebedarfs erbracht.
Inhalte:
Durch die Etablierung eines „Frühwarnsystems“ soll es Personen in der Bildungs-
und Berufsberatung ermöglicht werden, junge Menschen mit Ausbildungsabbruchrisiko

23
schneller zu identifizieren und wirksame Beratungs- und Unterstützungsmaßnahmen
anzubieten.
PraeLab richtet sich an alle Auszubildenden, die eine Fachklasse in der Berufsschule
besuchen. Mit Hilfe eines webbasierten Kompetenzanalysetools erfolgt die Identifizierung
von Auszubildenden mit einem erhöhten Abbruchrisiko.
Im Anschluss erfolgen individuelle Gespräche mit der Berufsberaterin oder dem
Berufsberater, in denen die Ergebnisse ausgewertet und entsprechende Hilfeangebote wie zum
Beispiel die Unterstützung durch Senior Expertinnen und Experten der Initiative
„Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen“ (VerA), Assistierte Ausbildung (AsA) oder
ausbildungsbegleitende Hilfen (abH) unterbreitet werden.
Beteiligung:
Im Schuljahr 2015/2016 wurde das Projekt im Landkreis Zwickau und der Stadt
Chemnitz in enger Zusammenarbeit zwischen den Berufsschulen und den Arbeitsagenturen
erprobt. In 2017 wird auch an Berufsschulzentren der Stadt Leipzig PraeLab eingeführt. Über
eine Flächeneinführung wird voraussichtlich Ende 2017 entschieden.
4.2.2 „Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen“ (VerA)
Ziel:
Durch die Unterstützung von berufs- und lebenserfahrenen Senior Expertinnen und
Senior Experten sollen die Ausbildungsqualität gesteigert, der Ausbildungserfolg gesichert
und Ausbildungsabbrüche vermieden werden.
Inhalte:
Im Rahmen des vom BMBF geförderten Projekts VerA werden Auszubildende durch
ehrenamtliche Ausbildungsbegleiterinnen und Ausbildungsbegleiter des Senior Experten
Service begleitet. Das auf Freiwilligkeit und „Hilfe zur Selbsthilfe“ basierende Coaching-
Programm ergänzt die Ausbildungsberatung der Kammern und soll nach einer Aufgaben- und
Schnittstellenklärung eng an die Regelstruktur angebunden werden.
Beteiligung:
Im vom BMBF bis 2018 geförderten Projekt VerA sollen die derzeitigen
jährlichen Fallzahlen von über 100 Begleitungen, sofern erforderlich und möglich, weiter
ausgebaut werden.
4.2.3 Ausbildungsbegleitende Hilfen (abH)
Ziel:
abH zielen darauf ab, jungen Menschen, die besonderer Hilfen bedürfen, die Aufnahme,
Fortsetzung sowie den erfolgreichen Abschluss einer betrieblichen Berufsausbildung in
anerkannten Ausbildungsberufen zu ermöglichen. Darüber hinaus unterstützen sie bei der
Aufnahme und Absolvierung einer Einstiegsqualifizierung mit dem Ziel, die Chancen auf
einen Übergang in eine sich anschließende Berufsausbildung zu verbessern.

24
Inhalte:
abH beinhalten vor allem Elemente des Stützunterrichtes zum Abbau von Sprach-
und Bildungsdefiziten, zur Förderung fachtheoretischer Fertigkeiten, Kenntnisse und
Fähigkeiten
sowie
zur
sozialpädagogischen
Begleitung
zur
Sicherung
des
Ausbildungserfolges. Um die Teilnehmenden auf die wachsenden Anforderungen z. B. im
Bereich der Selbstorganisation und Problemlösung in der Arbeitswelt vorzubereiten, ist die
Entwicklung
und
Förderung
von
Schlüsselkompetenzen
als
berufsübergreifende
Kompetenzen ein wichtiger Bestandteil.
Beteiligung:
SMK und RD Sachsen haben vereinbart, das Angebot auch künftig gemeinsam
als wichtige Unterstützungsleistung in der Berufsausbildung, insbesondere bei Arbeitgebern,
bekannt zu machen. Hierzu bieten die Agenturen für Arbeit und Jobcenter abH als
vermittlungsunterstützende Leistung aktiv bei Arbeitgebern an. Das SMK unterstützt die
Nutzung von abH durch regelmäßige Information der Berufsschulzentren (BSZ). Die
Agenturen für Arbeit und Jobcenter werden auch in den nächsten Jahren ein bedarfsgerechtes
Angebot vorhalten.
5.
Besondere Zielgruppen
5.1
Inklusion
Ziel:
Grundsätzlich stehen die Maßnahmen der vertieften beruflichen Orientierung allen
Schülerinnen und Schülern unabhängig von der Schulart zur Verfügung. Schülerinnen und
Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Förderschwerpunkt (FSP) geistige
Entwicklung benötigen darüber hinaus eine kontinuierliche Unterstützung.
Ein weiteres Ziel ist die bedarfsorientierte Weiterentwicklung des Angebots an
Ausbildungsregelungen nach §§ 66 BBiG/42m HwO.
Inhalte:
Für die betroffenen jungen Menschen sollen Möglichkeiten und Wege für eine
zukünftige Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt bzw. Alternativen zu einer
Beschäftigung in Werkstätten für behinderte Menschen gefunden und ausgestaltet werden.
Entsprechende Maßnahmen werden im Freistaat Sachsen seit dem Schuljahr 2011/2012
flächendeckend
durchgeführt.
Gefördert
werden
die
Bestandteile
Potenzialanalyse,
Unterstützerkreis, Praxistage/Praktika, Praxisauswertung und Fallberatung einschließlich der
Übergangsbegleitung in Beschäftigung durch die Integrationsfachdienste.
Im Rahmen der Allianz zur Beschäftigungsförderung von Menschen mit Behinderung setzen
sich die Allianzpartner für die verstärkte betriebliche Erstausbildung von jungen Menschen
mit Behinderung ein. Mit der Entwicklung des Zukunftskonzepts für berufsbildende Schulen
in Sachsen erfolgt die Absicherung des erforderlichen Berufsschulunterrichts.

25
Beteiligung
: Die Umsetzung erfolgte seit dem Schuljahr 2011/2012 auf Grundlage einer
gemeinsamen Vereinbarung zwischen dem SMS, dem SMK, der RD Sachsen und dem
Kommunalen Sozialverband (KSV) bis zum Schuljahr 2016/2017 entsprechend der Richtlinie
Initiative Inklusion des BMAS (Handlungsfeld 1) aus Mitteln des Ausgleichsfonds.
Ab dem Schuljahr 2017/2018 werden Maßnahmen der vertieften Berufsorientierung als
ESF-Fördermaßnahme des Landes durchgeführt. Die Kofinanzierung erfolgt gemäß
§ 48 SGB III durch die Bundesagentur für Arbeit.
5.2
Gewinnung
von
Studienaussteigerinnen
und
Studienaussteigern
für
die
Berufsausbildung
Ziel:
Studienaussteigerinnen und Studienaussteiger erhalten eine systematische Beratung und
Vermittlung in Ausbildung und Beruf.
Inhalte:
Studienaussteigerinnen und Studienaussteigern soll der Weg in eine qualifizierte
Ausbildung und damit zu einer beruflichen Perspektive eröffnet werden. Diese Gruppe bietet
ein hohes Potenzial für die Schließung der wachsenden Fachkräftelücke auf der mittleren
beruflichen Qualifikationsebene.
Die Agenturen für Arbeit vereinbaren hierzu mit den in ihrem Bezirk ansässigen Hochschulen
Kooperationen, um dem Personenkreis adressatengerechte Beratungs-, Vermittlungs- und
Förderangebote unterbreiten zu können. Dies soll durch eine flächendeckende und nachhaltige
Implementierung von Informations- und Beratungsangeboten aller Netzwerkpartner an den
Hochschulen umgesetzt werden. Dazu wurde in Sachsen ein Pilotprojekt initiiert, das
mögliche Wege aufzeigen und ein umsetzungsreifes Konzept für alle Hochschulen zur
Verfügung stellen soll.
Beteiligung:
Die
Zusammenarbeit
der
Hochschulen
mit
den
Beratungs-
und
Vermittlungsdiensten der örtlichen Arbeitsagenturen ist nach Abstimmung zwischen der RD
Sachsen und dem SMWK im Sächsischen Hochschulentwicklungsplan 2025 verankert.
Darüber hinaus prüft der Freistaat Sachsen ein Leuchtturmprojekt zur Gewinnung von
Studienaussteigerinnen und Studienaussteigern für die duale Ausbildung, in dem alternative
Qualifizierungswege in der beruflichen Bildung aufgezeigt werden. Für dieses in
gemeinsamer Verantwortung von SMK, SMWK und RD Sachsen zu entwickelnde
Leuchtturmprojekt stellt das BMBF bei Vorlage eines abgestimmten Konzeptes Mittel zur
Verfügung.

26
5.3
Integration junger Menschen mit Migrationshintergrund
Ziel:
Im Rahmen der Fachkräfteentwicklung geht es zum einen um die Fortsetzung der im
Herkunftsland begonnenen Bildungslaufbahn auf dem ersten oder zweiten Bildungsweg mit
dem Erwerb von sächsischen Schulabschlüssen und zum anderen um die Vorbereitung der
Aufnahme bzw. der nachhaltigen Integration in eine berufliche Ausbildung. Aktuell wird
davon ausgegangen, dass ein Drittel der erwachsenen Geflüchteten keine Schule oder nur eine
Grundschule besucht haben
9
und damit keine bzw. nur unzureichende Schulbildung
mitbringen. Daraus ergibt sich eine große Herausforderung bei der Integration junger
Geflüchteter zum Nachholen berufsbezogener Grundkenntnisse für den Übergang in den
Ausbildungs- und Arbeitsmarkt. Junge Menschen mit Migrationshintergrund, die aus ihren
Herkunftsländern keine ausreichende schulische Bildung mitbringen und denen es im
schulischen Regelsystem auf dem ersten oder zweiten Bildungsweg oder in anderen
Angeboten derzeit nicht möglich ist, sich nachholend zu bilden und die damit auch kaum
Möglichkeiten haben, erfolgreich eine berufliche Bildung aufzunehmen, verdienen besondere
Beachtung.
Inhalte:
Das Land sichert die Möglichkeiten der Erlangung bildungssprachlicher
Kompetenzen durch das Unterrichtsfach Deutsch als Zweitsprache (DaZ) ab, das in
Vorbereitungsklassen
und
schullaufbahnbegleitend
zusätzlich
zum
Regelunterricht
unterrichtet wird. Für die berufsschulpflichtigen jungen Menschen erfolgt die Entwicklung
der bildungssprachlichen Kompetenzen in den Vorbereitungsklassen mit berufspraktischen
Aspekten (VkbA).
Die BA unterstützt den Integrationsprozess mit den Regelinstrumenten BvB, EQ, AsA,
Maßnahmen nach § 45 SGB III (z. B. „Perspektive für junge Flüchtlinge“ – PerjuF) und
Kombinationsmaßnahmen bestehend aus Integrationskursen des Bundesamtes für Migration
und Flüchtlinge (BAMF) und Aktivierungsmaßnahmen nach § 45 SGB III. Darüber hinaus
entwickelt sie Kombinationsmaßnahmen bestehend aus den vom Freistaat Sachsen
geförderten Sprachkursen für die Personen mit Migrationshintergrund, die keinen Zugang zu
den Integrationskursen des Bundes haben. Die Landessprachkurse, die durch das SMGI zur
Verfügung gestellt werden, ergänzen die Spracherwerbsangebote des Bundes für jene
Gruppen, die keinen Anspruch auf Integrationskurse haben. Sie reichen bis zum Niveau B1
9
Vgl. Worbs, Susanne und Bund, Eva: Asylberechtigte und anerkannte Flüchtlinge in Deutschland: Qualifikationsstruktur,
Arbeitsmarktbeteiligung und Zukunftsorientierungen. BAMF-Kurzanalyse 1/2016. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Nürnberg
2016, sowie Brücker, Herbert: Typisierung von Flüchtlingsgruppen nach Alter und Bildungsstand. IAB Aktuelle Berichte 6/2016. Institut
für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Nürnberg 2016.

27
und sind damit ein Baustein für die nachfolgende berufsvorbereitende Bildung und das
Nachholen von Allgemeinbildung.
Beteiligung:
Da Sprachkenntnisse, Ausbildung und Arbeit die besten Schlüssel zur
Integration von Flüchtlingen sind, arbeiten das BAMF, die Integrationskursträger, das SMK,
SMS, SMWA, SMGI und die BA gemeinsam an der Bewältigung der aktuell gewaltigen
Herausforderungen im Zusammenhang mit der Zuwanderung. Durch die Zusammenarbeit
sollen bestehende Maßnahmen zur Integration weiterentwickelt und Förderlücken geschlossen
werden. Es wird geprüft, ob das von Baden-Württemberg im Auftrag des BMBF entwickelte
Verfahren „2P – Potenzial & Perspektiven“ im Land erprobt und eingeführt werden soll.
10
5.4
Angebote arbeitsweltbezogener Jugendsozialarbeit
Ziel:
Angebote
arbeitsweltbezogener
Jugendsozialarbeit
(Produktionsschulen
und
Jugendberufshilfe) nach § 13 SGB VIII sollen die Integrationschancen sozial benachteiligter
und/oder individuell beeinträchtigter junger Menschen in das System der Berufsausbildung
bzw. in das System der Erwerbsarbeit verbessern.
Inhalte:
Bei den Angeboten handelt es sich um subsidiär ergänzende sozialpädagogisch
begleitete Qualifizierungs- und Beschäftigungsvorhaben mit überwiegend fachpraktischer
Vermittlung. Sozial benachteiligte und/oder individuell beeinträchtigte junge Menschen
erhalten in einer Mischung aus praktischem Arbeiten, darauf ergänzendem Lernen und der
Einübung
sozialer
Kompetenzen
Angebote
zur
aktiven
Lebensbewältigung,
zur
Alltagsstrukturierung und zur Heranführung an die Anforderungen einer berufsvorbereitenden
Maßnahme. In Einzelfällen kann mit einer Schulfremdenprüfung der Schulabschluss
nachgeholt werden.
Beteiligung:
Der örtliche Träger der öffentlichen Jugendhilfe bzw. Träger der
Grundsicherung muss das Projekt befürworten. Soweit im begründeten Einzelfall junge
Menschen mit bestehender allgemeiner Schulpflicht am Projekt teilnehmen, ist die Teilnahme
mit der zuständigen Schulaufsichtsbehörde abzustimmen. Bei bestehender Berufsschulpflicht
ist die Teilnahme ebenfalls mit der zuständigen Schulaufsichtsbehörde abzustimmen.
10
Ein Analyseverfahren für neu Zugewanderte, das Potenziale erkennt. Es soll dazu beitragen, schulische und berufliche Wege zu planen, zu
steuern und zu fördern.

28
6.
Strukturen und Maßnahmen am Übergang Schule – Beruf
6.1
Regionale Koordinierungsstellen für Berufs- und Studienorientierung (RKO)
Ziel:
Das Schaffen und Weiterentwickeln von regionalen Kooperationsstrukturen im Freistaat
Sachsen im Bereich der schulischen Berufs- und Studienorientierung als erste Säule der
Fachkräftesicherung ist von zentraler Bedeutung für Schulen und Unternehmen in der Region.
Mit zunehmender Systematik und dem Einbinden regionaler Ressourcen können weitere
Synergieeffekte erzielt werden. Nur wenn sich eine Region/Gebietskörperschaft als
Verantwortungsgemeinschaft dieser Aufgabe widmet, sind eine nachhaltige Verankerung in
der Region und nachhaltige Ergebnisse für die Region erzielbar.
Inhalte:
Das Beachten von regionalen Bedürfnisse und Bedingungen ist eine entscheidende
Voraussetzung, wenn Bildungs- und Ausbildungswege von jungen Menschen bis hin zum
Ausbildungsabschluss möglichst erfolgreich und ohne Umwege oder Brüche gelingen sollen.
Seit Aufnahme der Tätigkeit der jeweiligen RKO arbeiten die Landkreise und kreisfreien
Städte mit den Arbeitsgremien des SMK und der RD Sachsen zusammen. Die RKOs
bewerten u. a. Förderanträge zur Berufs- und Studienorientierung unter regionalen Aspekten
oder initiieren nachhaltige Kooperationen zwischen Schulen und Unternehmen.
Die Förderung und finanzielle Unterstützung der RKOs trägt dazu bei, Strukturen zu
verfestigen und Förderinhalte zu institutionalisieren, so dass letztendlich die Landkreise und
die kreisfreien Städte die Bedeutung der Aufgabe erkennen und dauerhaft die erforderliche
Koordination leisten.
Beteiligung:
Im Ergebnis der im Jahr 2010 begonnenen Bemühungen arbeiten gegenwärtig in
sieben der 13 Landkreise bzw. kreisfreien Städte in Sachsen über ESF finanzierte Regionale
Koordinierungsstellen für Berufs- und Studienorientierung. In zwei weiteren Landkreisen
wird die Koordinierungsstelle intern vom Landratsamt getragen und finanziert. Im
Förderzeitraum Juli 2012 bis Juli 2016 sind dafür rund 2,9 Mio. Euro an ESF-Mitteln und
Landesmitteln zum Einsatz gekommen. Im Förderzeitraum 2017/2018 stehen rund 1,6 Mio.
Euro an ESF- und Landesmitteln zur Verfügung.
6.2
Einrichtung von Jugendberufsagenturen
Ziel:
Die Integration möglichst aller jungen Menschen in das Erwerbsleben kann nur
gelingen, wenn die dafür maßgeblichen Partner sowohl auf Landesebene als auch auf
regionaler Ebene eng und vertrauensvoll zusammenarbeiten. Sie setzen sich deshalb im
Rahmen
ihrer
Zuständigkeiten
und
Verantwortlichkeiten
dafür
ein,
dass
die
Jugendberufsagenturen im Freistaat Sachsen auf der Grundlage regionaler Vereinbarungen

29
weiterentwickelt werden, um die Übergänge von der Schule zur Ausbildung und von der
Ausbildung zum Beruf zu verbessern.
Inhalte:
Mit der Einrichtung von Jugendberufsagenturen wird eine Angebotsstruktur
angestrebt, die für junge Menschen gleichermaßen eine bedarfsgerechte Förderung und
Unterstützung im notwendigen Umfang durch die Instrumente des SGB II (Grundsicherung
für Arbeitssuchende) und SGB III (Arbeitsförderung) sowie SGB VIII (Kinder- und
Jugendhilfe) und SGB IX (Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen) ermöglicht.
Die wesentlichen berufsbezogenen Angebote der beteiligten Institutionen werden in der
Jugendberufsagentur gebündelt. Ein ganzheitlich orientiertes und institutionell abgestimmtes
Informations-, Beratungs-, Qualifizierungs- und Begleitangebot ermöglicht verbesserte
Unterstützungsleistungen und die schnelle Bereitstellung von Soforthilfen und -angeboten.
Durch den Aufbau bedarfsgerechter und effizienter Strukturen sowie der gemeinsamen
Abstimmung von Vorhaben zur Unterstützung junger Menschen sollen Doppelstrukturen
vermieden und Betreuungslücken geschlossen werden. Die Jugendberufsagentur ist ein
Kooperationsbündnis und keine neue Institution. Sie besitzt keine eigene Rechtsfähigkeit und
keine eigene Personalhoheit. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bleiben bei ihren
jeweiligen Arbeitgebern. Die an der Jugendberufsagentur beteiligten Institutionen bleiben für
die Steuerung ihres jeweiligen Einsatzes an Personal-, Sach- und Finanzmitteln in der
Kooperation und die damit erreichten Ergebnisse verantwortlich.
Beteiligung:
Zur Umsetzung und Weiterentwicklung von Jugendberufsagenturen im Freistaat
Sachsen haben Vertreterinnen und Vertreter der kommunalen Spitzenverbände, der RD
Sachsen, des SMK, des SMS und des SMWA eine landesweite Kooperationsvereinbarung
geschlossen.
11
In der Vereinbarung sind die Ziele einer Jugendberufsagentur, deren Aufgaben
und Grundsätze für die Beteiligten auf kommunaler Ebene wie auf der Landesebene benannt.
Sie lässt Raum für die konkrete Umsetzung in den kommunalen Gebietskörperschaften.
Maßgebliche Akteure vor Ort sind die Agenturen für Arbeit, die Jobcenter, die Schulen, die
Sozial- und Jugendämter sowie ergänzend im Bedarfsfall die sonstigen Reha-Träger.
Zwischen diesen sind insbesondere auf regionaler Ebene Kooperationen und enge
Abstimmungsprozesse in Form von Vereinbarungen erforderlich. Diese regionalen
Vereinbarungen enthalten verbindlich vereinbarte Ziele, Aufgaben und Strukturen und
werden an lokalen Handlungsbedarfen ausgerichtet. In diesen wird auch auf die Einbindung
weiterer Akteure in beratender Funktion verwiesen, wie zum Beispiel die Regionalen
11
Vgl. Kooperationsvereinbarung zur Umsetzung und Weiterentwicklung von Jugendberufsagenturen im Freistaat Sachsen URL:
www.bildungsketten.de/_media/Bildungsketten_Vereinbarung_Sachsen_Anlage_9.pdf
(Zugriff:
13. Juni 2017).

30
Koordinierungsstellen. Ziel ist es, in Zeiten knapper werdender Ressourcen alle Aktivitäten
zur Berufs- und Studienorientierung transparent zu bündeln, um künftig eng und bestmöglich
mit den beteiligten Partnern die unterschiedlichen Angebote für junge Menschen passfähig
miteinander zu verbinden.
Im Schulgesetz wird geregelt, dass die personenbezogenen Daten von Schülerinnen und
Schülern und ihren Eltern an die Agenturen für Arbeit, die Jobcenter, die zugelassenen
kommunalen Träger und die örtlichen Träger der öffentlichen Jugendhilfe weitergegeben
werden dürfen, um die jungen Menschen im Berufsfindungsprozess aktiv ansprechen zu
können.
6.3
Fachkräfteallianz Sachsen
Ziel:
Mit der Fachkräfteallianz Sachsen wurde ein Gremium aus Vertreterinnen und
Vertretern der sächsischen Wirtschaft und von Wirtschaftsverbänden, der Sächsischen
Industrie- und Handelskammern, der Sächsischen Handwerkskammern, der Gewerkschaften,
der kommunalen Spitzenverbände, der BA und der Staatsregierung geschaffen, um auf
Landesebene Strategien und Maßnahmen zur Fachkräftesicherung im Freistaat Sachsen zu
entwickeln und umzusetzen. Gegenseitiger Austausch und Unterstützung, die Bündelung von
landesweiten und regionalen Aktivitäten sowie die Beratung der Staatsregierung haben das
Ziel, das vorhandene Fachkräftepotenzial noch besser zu erschließen und Fachkräfte für den
Standort Sachsen zu gewinnen bzw. im Freistaat zu halten.
Inhalte:
Die Fachkräfteallianz Sachsen ist ein Gremium aus 29 von der Staatsregierung
berufenen Mitgliedern. Ihre Aufgabe ist die Beratung von Maßnahmen und Zielen sowie die
Verabschiedung von Beschlüssen und Empfehlungen, deren Umsetzung die Adressatinnen
und Adressaten in ihren jeweiligen Wirkungsbereichen befördern. Das Gremium tagt in der
Regel zweimal jährlich zu den festgesetzten Themen.
Die Schwerpunkte der Fachkräfteallianz wurden in einer Gemeinsamen Erklärung vom
7. April 2016 festgelegt. Unter dem Motto „Kein Talent darf uns verloren gehen“ sind etwa
eine systematische Berufs- und Studienorientierung, die Qualität schulischer Bildung sowie
die Einmündung auch leistungsschwächerer junger Menschen in eine duale Ausbildung
wichtige Themen der Erklärung. Junge Menschen sind Teil des Handlungsfeldes zur besseren
Erschließung der vorhandenen Potenziale, weitere Handlungsfelder sind eine moderne Schul-
und Lernkultur sowie die Stärkung und Aufwertung der dualen Ausbildung. Auf der
Grundlage dieser gemeinsamen Erklärung hat die Fachkräfteallianz die Themen allgemeine

31
Schulbildung und duale Berufsausbildung als Schwerpunkte für ihre 4. Sitzung am
10. Mai 2017 beschlossen.
Auf der Grundlage der Fachkräfterichtlinie des SMWA haben sich neben der
Fachkräfteallianz auf Landesebene auch regionale Fachkräfteallianzen in den Landkreisen
und kreisfreien Städten konstituiert und ihre Arbeit aufgenommen. Nach der Aufstellung ihres
Handlungskonzeptes beraten und beschließen sie regionale Maßnahmen zur Sicherung des
Fachkräftebedarfs. Diese beinhalten auch die Übergänge von Schule in Ausbildung bzw.
Studium und Beruf. So haben z. B. die regionalen Fachkräfteallianzen in den Städten Leipzig,
Görlitz, Zittau, Freiberg und Chemnitz Projekte zur Fachkräftesicherung beschlossen, deren
Zielgruppen Schülerinnen und Schüler, Auszubildende und Studierende sind.
Beteiligung:
Die Mitwirkung der 29 Mitglieder der Fachkräfteallianz Sachsen gewährleistet
ein breites Bündnis der wichtigen Interessenvertreter und Akteure in Sachsen zur
Fachkräftesicherung. Die Beratung, Abstimmung und Umsetzung der Beschlüsse erfolgt in
enger Kooperation zwischen den Mitgliedern der Fachkräfteallianz und den zuständigen
Stellen der Staatsregierung. Die Umsetzung regionaler Interessen und Schwerpunkte wird
durch die regionalen Fachkräfteallianzen in den Landkreisen und kreisfreien Städten
gewährleistet. Weitere Beteiligte sind die Adressatinnen und Adressaten bzw. Teilnehmenden
der Maßnahmen und Projekte.
Auf der Grundlage der Fachkräfterichtlinie erfolgt die finanzielle Förderung aus
Landesmitteln des Freistaates Sachsen.
V.
Nachhaltigkeit
Eine Fortführung der mit Bundesmitteln aufgebauten oder unterstützten Maßnahmen,
insbesondere Potenzialanalyse und Berufseinstiegsbegleitung, wird durch den Freistaat
Sachsen nach Auslaufen der derzeitigen Bundesförderung vor dem Hintergrund der im
Übergangsbereich
vollzogenen
Entwicklung
geprüft
und
steht
unter
dem
Finanzierungsvorbehalt.
VI. Umsetzungsbegleitung
1. Verwaltung der Mittel aus dem BOP
Das BMBF stellt dem Freistaat Sachsen ab dem Schuljahr 2019/2020 zur Durchführung von
Potenzialanalysen und Werkstatttagen entsprechend der BOP-Förderrichtlinie (BOP-FRL)
einschließlich der Trägerschulungen Profil AC sowie anfallender Reisekosten für diese
berufsorientierenden Veranstaltungen außerhalb des Einzugsgebietes der Schulen finanzielle

32
Mittel für ca. 70 Oberschulen und ca. 50 Gymnasien zur Verfügung. Ab dem 1. Januar 2018
sind Anträge im BOP für Schulen in Sachsen vom Verfahren beim Bundesinstitut für
Berufsbildung ausgeschlossen. Auf der Grundlage einer neu zu erstellenden Förderrichtlinie
für den Freistaat Sachsen erfolgt die Ausschreibung bis spätestens 1. Juli 2018. Darüber
hinaus unterstützt das BMBF die bedarfsorientierte Förderung von Schülerfirmen ab dem
Kalenderjahr 2019 bis zu einer Gesamthöhe von 100.000 Euro pro Jahr. Zur Koordinierung
dieser Maßnahmen einschließlich der BOM-Maßnahmen nach § 48 SGB III werden drei
Sachbearbeiterstellen (entsprechend den drei großen Bereichen der SBA) in Verantwortung
des SMK installiert. Das BMBF unterstützt dies mit Mitteln in Höhe von 150.000 Euro
jährlich, beginnend ab dem 1. August 2018. Für „Schau rein“ stellt das BMBF Mittel in Höhe
von 225.000 Euro jährlich zur Verfügung. Die Bereitstellung der Mittel aus dem BOP
orientiert sich an Nr. 5.7 der BOP-FRL.
2. Monitoring
Der Freistaat Sachsen stärkt die Ergebnisverantwortung der Schulen durch geeignete
Controllingmaßnahmen und entwickelt sein Monitoring im Bereich des Übergangs von der
Schule in den Beruf kontinuierlich weiter.
Für die in diesem Abkommen beschriebenen und weiterzuentwickelnden Instrumente werden
relevante Indikatoren erfasst und ausgewertet, die eine Überprüfung der Zielerreichung der
Maßnahme ermöglichen.
Die Programmstelle Berufsorientierung im Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
unterstützt die inhaltliche Umsetzung des BOP.
3. Steuerungsgruppe
Die Verantwortlichen bei den Vereinbarungspartnern begleiten die Umsetzung der
Vereinbarung gemeinsam. Der Freistaat Sachsen und die RD Sachsen laden mindestens
einmal jährlich bzw. bedarfsbezogen zu Sitzungen ihrer Steuerungsgruppe „Bildungsketten
Sachsen“ ein, auf denen Stand und Fortgang der Vereinbarung erörtert werden. Dazu gehören
Qualitätssicherung und Weiterentwicklung der Maßnahmen sowie die Vermeidung von
redundanten Angeboten bei der Umsetzung der Vereinbarung. Die Abstimmung trägt zum
strategischen Austausch im Gesamtprozess bei, der durch die Bund-Länder-BA-Begleitgruppe
zur Initiative Bildungsketten zusammengefasst wird und von der Servicestelle Bildungsketten
beim BIBB unterstützt wird.

33
VII. Öffentlichkeitsarbeit
Die Vertragspartner vereinbaren, die Beteiligung der Vertragspartner im Rahmen der
Öffentlichkeitsarbeit und im Schriftverkehr jeweils zu verdeutlichen, soweit diese
Vereinbarung betroffen ist.
Bei allen Veranstaltungen, Veröffentlichungen und sonstigen Außendarstellungen zur
Vereinbarung wird auf die Förderung durch jeden der Vertragspartner in angemessener Weise
hingewiesen. Alle Vertragspartner werden angemessen in die Pressearbeit einbezogen.
Der Freistaat Sachsen und die RD Sachsen stellen sicher, dass die ausführenden Stellen den
Bund und die BA bzw. die RD Sachsen rechtzeitig über öffentlichkeitswirksame Anlässe
unterrichten und ihnen die Möglichkeit zur Mitwirkung geben. Bei der Gewährung von
Zuwendungen und im Falle von Zuweisungen sind die Zuwendungsempfängerinnen und
Zuwendungsempfänger/Endempfängerinnen
und
Endempfänger
zu
verpflichten,
in
Veröffentlichungen und sonstigen Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit des geförderten
Vorhabens auf die Förderung/Finanzierung des Bundes/der BA hinzuweisen. Hierfür sind
insbesondere
in
Bescheiden
und
sonstigen
Vereinbarungen
mit
der
jeweiligen
Zuwendungsempfängerin oder dem jeweiligen Zuwendungsempfänger die einschlägigen
Regelungen
aus
den
Musterzuwendungsbescheiden
bzw.
die
einschlägigen
Nebenbestimmungen
zu
übernehmen.
Einzelheiten
werden
für
die
einzelnen
Finanzierungsbereiche separat geregelt.
Die Servicestelle Bildungsketten ist für die übergreifende Öffentlichkeitsarbeit der Initiative
Bildungsketten verantwortlich. Ihre Angebote können bei der Information über Ziele und
Nutzen der Vereinbarung durch die Vertragspartner genutzt werden.
VIII. Inkrafttreten und Laufzeit
Die Vereinbarung tritt mit der Unterzeichnung in Kraft. Sie hat bis 31. Dezember 2020
Gültigkeit.
IX. Sonstige Bestimmungen
Die genannten Fördermittel und Stellen stehen unter dem Vorbehalt der Verfügbarkeit gemäß
den jährlichen Haushaltsplänen des Bundes und des Landes.
Für Änderungen und Ergänzungen sowie Nebenabreden ist die Schriftform erforderlich. Auf
dieses Formerfordernis kann nur schriftlich verzichtet werden.

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