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KLASSE
DAS MAGAZIN FÜR SCHULE IN SACHSEN
Ein
Zehn außergewöhnliche
Haus voller
Schulprojekte
Ideen
aus Sachsen
2/2016

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KLASSE
2 / 2016
»Unsere Schule – ein Denkmal?« Diese Frage stellten sich im ver-
gangenen Schuljahr die Schüler der 49. Grundschule in Dresden.
Kurz zuvor war deren Schulgebäude des Bautyps »Dresden At-
rium«, ein Schulbau in DDR-Plattenbauweise, unter Denkmal-
schutz gestellt worden. Der Schulleiter Uwe Schmidt und zwei
Eltern ergriffen daraufhin die Initiative und meldeten ihre Schule
zum PEGASUS-Projekt an.
Ein Jahr später sind kleine und große Bauwerke aus Modellziegeln
und Pappe entstanden. »Wir erhofften uns, dass die Schüler das
Prinzip eines Denkmals anhand der eigenen Schule besser nach-
vollziehen und damit ihr Geschichtsbewusstsein stärken können«,
sagt Uwe Schmidt. Es hat funktioniert. In den Schülern ist ein
Grundbewusstsein für Denkmäler entstanden.
Genau das möchte das PEGASUS-Projekt, das vor 20 Jahren in
Neapel entstand, erreichen: Kindern und Jugendlichen soll das In-
teresse am eigenen kulturellen Erbe näher gebracht werden. Seit
1998 ist »PEGASUS – Schulen adoptieren Denkmale« ein Säch-
sisches Landesprogramm. »Jede Schule kann sich für das Projekt
bewerben«, sagt Ralf Seifert, Referent im Sächsischen Staatsminis-
terium für Kultus. »Dazu muss lediglich ein zweiseitiges Formular
ausgefüllt werden. Projektinhalt muss ein Denkmal aus Sachsen
sein, an dem ein Schuljahr lang kontinuierlich gearbeitet wird.
Wer dann tatsächlich bei PEGASUS mitmachen darf, entscheidet
eine Fachjury.« Jährlich gehen bis zu 50 Bewerbungen ein. Wer
ausgewählt wird, erhält in der Regel eine Prämie in Höhe von 500
Euro.
Die 49. Grundschule bewarb sich und wurde zu PEGASUS zuge-
lassen. Mit der Prämie konnten sie das Projekt finanzieren. Zwei
Eltern betreuten die AG PEGASUS, die fortan einmal im Monat
für Zweit- und Viertklässler stattfand. »So kleinen Kindern ein
Denkmal und all seine Facetten näherzubringen, ist gar nicht so
einfach«, sagt Schulleiter Schmidt. »Die Eltern, die die AG leite-
ten, mussten mit viel Fingerspitzengefühl vorgehen. Mit trockener
Theorie und Bauplänen erreicht man in diesem Alter noch nicht
viel.« Vielleicht waren aus diesem Grund bislang überwiegend
weiterführende Schulen im PEGASUS-Projekt vertreten. »Doch
auch Grundschulen sind ausdrücklich zum Mitmachen aufgeru-
fen«, sagt Ralf Seifert. »In den letzten Jahren stieg die Zahl der
teilnehmenden Grundschulen bereits. Wir wünschen uns, dass es
noch mehr werden.«
Uwe Schmidt und sein Eltern-Team haben die Aufgabe hervorra-
gend gemeistert. Die Schüler waren schnell Feuer und Flamme für
die Historie ihrer Schule. »Dieser Sprung in der Geschichte war
für die Schüler ganz entscheidend, um die Tragweite besser ver-
stehen zu können«, sagt Schmidt. Derzeit bereiten sich die Schüler
auf die Denkmalmesse in Leipzig im November 2016 vor.
Ein Stück Geschichte
Das PEGASUS-Projekt bringt seit 20 Jahren
Schülern das Interesse für Denkmäler näher.
TEXT: MARIA GRAHL,
KLASSE-REDAKTION;
FOTO: ANDRÉ FORNER
Und die Chancen sind besser denn je. Denn gab es bisher nur 14 Prämien zu gewinnen, sind es in diesem
Jahr erstmals 23. Das Bewerbungsformular zum Download finden Sie unter:
www.schule.sachsen.de/pegasus
PEGASUS – Schulen adoptieren Denkmale:
Bewerbungsschluss für das Schuljahr 2016/2017 ist der 10. Juni 2016.
Anmeldung
Die Schüler der 49. Grundschule Dresden machten das eigene Schulgebäude zum Denkmalschutzprojekt.

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KLASSE
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Liebe Leserinnen und Leser,
unsere Schulen sind immer auch ein Spiegelbild unserer Gesell-
schaft. Momentan erleben wir das sehr deutlich. Der gesell-
schaftliche Wandel, der sich gerade vollzieht, zeigt sich auch
hier. Wir haben eine unerwartet hohe Zuwanderung durch die
Flüchtlinge und eine deutlich gestiegene Geburtenrate. Damit
fallen die Schülerzahlen und der Bedarf an Lehrern in den nächs-
ten Jahren schon drastisch höher aus als bisher berechnet.
Angesichts dieser Situation ist es beeindruckend, was viele Leh-
rer und Schüler täglich neben der eigentlichen Unterrichtsarbeit
leisten. Und genau das würdigt unser Sächsischer Schulpreis
2016. Die zehn Schulen, die jetzt in der Endauswahl stehen, stel-
len wir mit ihren außergewöhnlichen Projekten in diesem Heft
vor (ab Seite 6).
Hervorragend arbeiten auch weiterhin unsere Deutsch-als-
Zweitsprache-Lehrer, die in vielen Fällen äußerst inhomogene
Klassen unterrichten. Wir begleiten das DaZ-Lehrerteam der
138. Oberschule in Dresden durch seinen Arbeitstag und zeigen
dabei die drei Stufen der Integration (Seite 10).
Wann immer ich Schulen besuche, an denen Flüchtlingskinder
lernen, erlebe ich eine beispielgebende Willkommenskultur. Lei-
der gibt es jedoch auch Schüler, die sich gegenüber rechtsextre-
mem Gedankengut offen zeigen. Sie sind eine Minderheit, aber
sie sind da. Mir ist es wichtig, dass sich alle Lehrer dem Thema
stellen und offensiv mit den Schülern sprechen. Dafür stärken
wir gemeinsam mit der Robert Bosch Stiftung und der TU Dres-
den die Lehrerinnen und Lehrer mit dem Projekt »Starke Lehrer
– starke Schüler« gegen Rechtsextremismus. Einen dieser Leh-
rer, er unterrichtet am BSZ 7 für Elektrotechnik der Stadt Leip-
zig, haben wir genauer gefragt, warum er beim Projekt dabei ist
und was ihn bewegt (Seite 5).
Herzlichst Ihre
Brunhild Kurth
Sächsische Staatsministerin für Kultus
Inhalt
Meldungen
Seite 4
Aus Lehrersicht
Seite 5
Lehrer Frank Böhme nimmt an einem Pilotprojekt teil
Titelgeschichte
Seite 6
Der Sächsische Schulpreis 2016: die Finalisten
Ein Tag in Bildern
Seite 10
Zu Besuch an einer DaZ-Schule in Dresden
Aus Schülersicht
Seite 11
Ein Schaustellerkind erzählt aus seinem Schulalltag
Interview: Dr. Guido Prohdehl
Seite 13
So steht es um die Lehrergesundheit in Sachsen
Recht und Ordnung
Seite 14
Eine nette Geste: Geschenke an Lehrer
Der
KLASSE
-Fragebogen
Seite 15
Al Di Meola, Jazz-Gitarrist
Impressum
Seite 4
5
10
EDITORIAL/INHALT

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KLASSE
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IMPRESSUM
Herausgeber:
Sächsisches Staatsministerium für Kultus (SMK),
Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Carolaplatz 1, 01097 Dresden |
Redaktion:
Manja Kelch
(V. i. S. d. P. )
, Telefon: (0351)564 25 16, E-Mail: klasse@
smk.sachsen.de, Twitter:
www.twitter.com/bildung_sachsen;
Nicole Kirchner,
Peter Stawowy, stawowy media |
Mitarbeit an dieser Ausgab
e: Beate Diederichs,
Maria Grahl, Louisa Hantsche, Sebastian Martin, Anikó Popella |
Fotos:
An-
dré Forner, Anja Jungnickel, Mike Hillebrand, Robert Reinhold, (S. 6) (S. 14),
(S.15); Fotolia/frender (S.6), Fotolia/DragonImages (S. 14) |
Gestaltung:
Tony
Findeisen, stawowy media | Auflage: 40.000 Exemplare | Druck: SDV Direct
World GmbH |
Verteilerhinweis:
Die Informationsschrift wird von der Sächsi-
schen Staatsregierung im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit herausgegeben. Sie
darf weder von Parteien noch von Wahlhelfern zum Zwecke der Wahlwerbung
verwendet werden.
Soziales Engagement wird belohnt. Seit 2011 wird einmal im Jahr
der Sächsische Bürgerpreis verliehen, der mit 5.000 Euro dotiert ist.
Mit diesem Preis sollen Projekte, Initiativen, Institutionen und Ein-
zelpersonen in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt werden,
die sich in besonderer Weise sozial engagiert haben. Vergeben wird
der Preis in fünf Kategorien. An Schulen richtet sich insbesondere
die Preiskategorie »Engagement in der Schule für Demokratie und
Toleranz«. Vorschlagsberechtigt sind die Oberbürgermeister der
kreisfreien Städte und die Landräte. Alle Bürgermeister in Sach-
sen sind aufgerufen, gute Projekte bei ihrem Landrat einzureichen.
Verliehen wird der Preis vom Freistaat Sachsen gemeinsam mit der
Stiftung Frauenkirche Dresden und der Kulturstiftung Dresden der
Dresdner Bank. Für den Sächsischen Bürgerpreis können noch bis
31. Mai 2016 Nominierungen erfolgen.
E
SÄCHSISCHER BÜRGERPREIS 2016
Nominierung gestartet
Die Kultusministerkonferenz hat eine neue Handreichung für
Schulen entwickelt, mit der sie bei Schülern mehr Verständnis für
Menschen mit Demenz schaffen will. Die Erkrankung entwickelt
sich zunehmend zu einer sozialen, politischen und ökonomischen
Herausforderung. Aus diesem Grund soll sich auch der Lern- und
Lebensort Schule verstärkt der Problematik zuwenden. Die neue
Handreichung hilft Lehrern bei der Umsetzung des Themas De-
menz im Unterricht. In der Handreichung finden sich deshalb
zahlreiche Verweise auf weiterführende Literatur, Bildmaterial,
Filme, Arbeitshilfen und Links zum Thema.
E
VERSTÄNDNIS FÜR MENSCHEN MIT DEMENZ
Neue Handreichung für
den Unterricht
Handreichung der Kultusministerkonferenz
»Verständnis für Menschen mit Demenz«:
www.bildung.sachsen.de/blog/wp-content/
uploads/2016/04/2015_12_15-Handreichung-De-
menz-2.pdf
Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsfor-
schung München: »Verständnis für Menschen mit
Demenz – eine Herausforderung für allgemein- und
berufsbildende Schulen«:
www.isb.bayern.de/download/15925/handrei-
chung_demenz.pdf
Hamburger Institut für berufliche Bildung:
»Materialsammlung: Demenz im Unterricht«:
www.hibb.hamburg.de
MELDUNGEN
Etwa die Hälfte aller Krebserkrankungen wäre durch einen
gesünderen Lebensstil vermeidbar. Um das Bewusstsein dafür
schon bei Schülern zu schärfen, bietet das Universitätsklinikum
Dresden in Zusammenarbeit mit dem Staatsministerium für
Kultus und dem »Mit Köpfchen gegen Krebs – Aufklärung für
Kinder und Jugendliche e.V.« ein Projekt für Schüler der 7. und
8. Klasse an.
Die Teilnahme am Projekt ist kostenlos und mit wenig Zeitauf-
wand in den Unterricht integrierbar. In einer Unterrichtsstunde
wird ein kurzer Lehrfilm gezeigt. Im Anschluss an das Video
füllt die Klasse einen Online-Fragebogen aus, der den derzeiti-
gen durchschnittlichen Gesundheitsstand der Schüler ermittelt.
Im nächsten Projektschritt sollen diese in einer Gesundheits-
werkstatt die Krebsvorsorge in die Tat umsetzen. Das heißt: Ei-
nen Monat lang für fünf bis zehn Minuten pro Woche arbeitet
die Klasse an einem Schutzfaktor gegen Krebs. Es geht es also
darum, wie man Krebs vorbeugen kann: zum Beispiel, indem
man nicht raucht, auf die Ernährung achtet und Sonnencreme
benutzt. Diese Faktoren halten die Projektteilnehmer auf einem
Poster fest. So sind die wichtigsten Maßnahmen zur Krebsprä-
vention auch nachhaltig für die ganze Klasse präsent.
E
KREBSVORSORGE
Schulprojekt für den
Biologie-Unterricht
Weitere Infos zum Projekt unter:
www.krebscentrum.de/0701.asp
Die Anmeldung zum Projekt ist online oder
telefonisch möglich:
praevent
ions zentrum@krebscentrum.de,
0351/ 458 74 46
Nähere Information zur Ausschreibung gibt es
im Internet:
www.freistaat.sachsen.de/Buergerpreis.htm

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as Schlimmste für ihn wäre das
Wegblicken. Das Schweigen und
damit stille Tolerieren. Deshalb
nimmt Frank Böhme jedes Wortgefecht
auf, wenn er mit fremdenfeindlichem oder
rassistischem Gedankengut konfron-
tiert wird – wie neulich, als ein Schüler
in einer Debatte Flüchtlinge diffamierte.
Der 31-Jährige ist Gemeinschaftskunde-
und Ethiklehrer am Berufsschulzentrum
»Robert Blum« in Leipzig. 420 Schüler
lernen in dem Plattenbau – darunter an-
gehende Bürokräfte, Holzbearbeiter und
Lagerfachhelfer. Nur wenige würden eine
rechtsextreme Weltanschauung offen zei-
gen, sagt Frank Böhme. In einigen Köp-
fen gärt diese aber vielleicht.
»Schulen sind immer auch ein Spiegelbild
der Gesellschaft«, sagt Kultusministerin
Brunhild Kurth. »Wenn fremdenfeind-
liches Gedankengut im Elternhaus oder
Freundeskreis gepflegt wird, dann brin-
gen Schüler dieses auch mit in die Schu-
le.« Dem SMK sind im vergangenen Jahr
an sächsischen Schulen 46 Vorfälle mit
einem rechtsextremen Hintergrund be-
kannt geworden. In dieser Statistik tau-
chen allerdings kaum fremdenfeindliche
Äußerungen wie die im Unterricht von
Frank Böhme auf. Der Gemeinschafts-
kundelehrer reagierte damals sofort. Er
wollte wissen, wie sich der Schüler selbst
fühlen würde, wenn man ihn diffamieren
und seine Rechte einschränken würde.
Das zog.
Weiterbildung im Modellprojekt
Rico Behrens hält deshalb eine direkte Re-
aktion des Lehrers für wichtig. Nur nicht
ignorieren, heißt seine Devise. Der Politik-
didaktiker von der TU Dresden leitet das
Projekt »Starke Lehrer – starke Schüler«,
mit dem sich die Robert Bosch Stiftung
und das SMK gegen Rechtsextremismus
an Berufsschulen engagieren – in den Ein-
richtungen, in denen viele junge Menschen
die letzte schulische Pädagogik erhalten.
In Workshops werden derzeit 26 Lehrkräf-
te aus ganz Sachsen über moderne Formen
rechtsextremer Jugendkultur informiert.
Es geht um Musik, Codes, Verhaltensmus-
ter und vieles mehr. Denn kaum ein Nazi
trägt heute noch Bomberjacke und Sprin-
gerstiefel. Das Erscheinungsbild ist unauf-
fällig geworden.
In dem Modellprojekt erarbeiten sich die
Teilnehmer zudem mit externen Fachleu-
ten individuelle Strategien, um bei kom-
plexen Themen wie Fremdenfeindlichkeit
und Rechtsextremismus gut vorbereitet
argumentieren zu können. Ein weiterer
Schwerpunkt ist die Vernetzung der Leh-
rer untereinander sowie mit Akteuren eta-
blierter Initiativen.
Argumente als Rüstzeug
Auch Frank Böhme vom Berufsschulzent-
rum »Robert Blum« in Leipzig nimmt an
den Workshops teil. Freiwillig. Als politisch
interessierter Mensch sei er von Anfang an
begeistert gewesen, als ihm der Schulleiter
die Weiterbildung angeboten habe, sagt
er. Das im Projekt erworbene Wissen will
er seinen Kollegen weiterreichen. Schließ-
lich steht er als Gemeinschaftskunde- und
Ethiklehrer seltener vor den Klassen, und
kann deshalb Schülern mit einer rechtsext-
remen Gesinnung nu eingeschränkt Paroli
bieten. Andere Fachlehrer könnten da häu-
figer mit Argumenten intervenieren.
Frank Böhme geht es neben der Aufklä-
rung der Schüler zudem darum, Vorur-
teile im Lehrerzimmer abzubauen. Denn
auch manche seiner Kollegen sorgt sich,
wenn Flüchtlinge in ihre Nachbarschaft
ziehen. »Sie sind nicht fremdenfeindlich«,
sagt der 31-Jährige. »Sie haben aber Be-
rührungs- und Verlustängste.« Und ge-
nau das ist der Nährboden, der vielleicht
den demokratischen Erziehungsauftrag
verhindert. Deshalb duckt sich Frank
Böhme auch im Lehrerzimmer nicht weg
und nimmt jedes Rededuell gern an.
AUS LEHRERSICHT
Nur nicht ignorieren
Frank Böhme nimmt am Modellprojekt »Starke Lehrer –
starke Schüler« teil. In dieser Weiterbildung lernt der Berufs-
schullehrer, wie er fremdenfeindlichen Sprüchen im Unterricht
mit den richtigen Worten begegnen kann.
TEXT: SEBASTIAN MARTIN,
KLASSE-REDAKTION;
FOTO: ANJA JUNGNICKEL
Weitere Informationen
zum Projekt
»Starke Lehrer – starke Schüler« unter:
www.bosch-stiftung.de/content/
language1/html/66320.asp
AUS LEHRERSICHT
D
Frank Böhme möchte lernen, wie
er mit fremdenfeindlichen Sprü-
chen im Unterricht besser umgeht.

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Ausgezeichnete Schule
52 Schulen haben sich mit ihren Projekten um den Sächsischen Schulpreis
2016 beworben. Die Bandbreite der Projekte ist riesig und zeigt
eindrucksvoll, wie lebendig Schulalltag in Sachsen gestaltet wird.
VON SEBASTIAN MARTIN,
KLASSE
-REDAKTION; ILLUSTRATION: ROBERT REINHOLD
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TITEL

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TITEL
S
ie nimmt Platz in der ersten Rei-
he, packt das Schreibzeug aus und
wartet auf die gleich beginnende
Präsentation. Irina Schenk wird sich No-
tizen machen und Nachfragen stellen.
Der Referentin des Kultusministeriums
geht es dabei um Kriterien wie Nachhal-
tigkeit, Partizipation und die Förderung
individueller Lernprozesse. Je besser sie
das Projekt bewertet, desto mehr Chan-
cen hat die Schule auf den Sächsischen
Schulpreis.
Zehn Schulen haben sich für die Fi-
nalrunde qualifiziert. Und sie alle hof-
fen auf einen der sechs mit insgesamt
19.000 Euro dotierten Preise, mit denen
das SMK besonderes Engagement der
Schulen würdigt. »In unseren Schulen
gibt es eine Vielzahl außergewöhnlicher
Projekte, die nachhaltig sind, individuelle
Lernpotenziale berücksichtigen und das
Schulklima verbessern«, sagt Kultusmi-
nisterin Brunhild Kurth.
Davon berichtet auch Irina Schenk, Ko-
ordinatorin des Sächsischen Schulpreises
im Kultusministerium. Schon die Fina-
listen aus den 52 Bewerbern herauszu-
filtern, sei der Jury schwer gefallen, sagt
sie. Heftige, aber konstruktive Diskussio-
nen hätte es zwischen den Vertretern des
SMK, der Sächsischen Bildungsagentur,
des Bildungsinstituts sowie des Landes-
eltern- und Landesschülerrates gegeben.
Schließlich sei die Bandbreite der einge-
sendeten Projekte riesig. Sie reicht von
Theaterprojekten, die die ganze Schule
umfassen und seit Jahren das Kultur-
leben der Region bereichern, bis hin zu
Tandemprojekten, wo Schüler sich im
Unterricht gegenseitig unterstützen.
Verbesserung der Schulqualität
Eins ist bei allen Projekten aber gleich:
Sie brauchen engagierte Lehrer als Mo-
toren. Das betont auch Heiko Vogel.
Er leitet die Kurfürst-Moritz-Schule in
Boxdorf, die vor zwei Jahren mit dem
Showtanzprojekt »Rock Challenge« ei-
nen der Hauptpreise gewonnen hat. Die
Auszeichnung sei eine tolle Anerkennung
schulischer Arbeit gewesen, sagt Vogel.
Seitdem wird er regelmäßig von Kollegen
aus anderen Schulen angesprochen, wie
so ein gesamtschulisches Projekt über so
viele Jahre gelingt.
Wichtig ist aus seiner Sicht, dass die
Lehrer offen für Neues sind und an ei-
nem Strang ziehen. Sie würden von der
Zusammenarbeit ja auch profitieren, sagt
Heiko Vogel. Zwar sei viel Lehrer-En-
gagement nötig, doch der Aufwand mit
der Zeit überschaubar. Und wenn alles
erst einmal laufe, dann mache es richtig
Spaß, so der Schulleiter der Kurfürst-Mo-
ritz-Schule. Deshalb motiviert er seine
Kollegen in den Gesprächen auch immer,
gesamtschulisch Projekte wie die »Rock
Challenge« anzugehen und so die Schul-
qualität zu verbessern.
Ermutigen soll auch der aller zwei Jahre
vergebene Sächsische Schulpreis. Er soll
die positiven Beispiele sichtbar machen
und Anstoß sein, damit sich auch ande-
re Schulen auf den Weg begeben. Am 23.
Mai wird er zum dritten Mal vergeben.
»Die Projekte müssen das pädagogische
Konzept und die Alltagskultur an der
Schule nachhaltig mitbestimmen«, er-
klärt Irina Schenk. Außerdem sollten sie
möglichst viele Akteure einbeziehen – an-
gefangen von den Schülern und Lehrern,
bis hin zu externen Partnern.
Gymnasium
Dresden-Klotzsche
Mit einer etwas romantisch klingenden Idee ging es vor 20 Jahren los. Am Gym-
nasium Dresden-Klotzsche wollten einige Schüler der Oberstufe damals für die
Jüngeren im Haus ein Zeltlager organisieren. Was sie nicht ahnten: Es war der
Startschuss für das Projekt »Schüler für Schüler«, bei dem heute ausgewählte
Zehntklässler nach einer einjährigen Vorbereitungsphase bei selbst organisierten
Klassennachmittagen und Exkursionen Schüler der 5. Klasse betreuen sowie am
Ende des Schuljahres stundenweise unterrichten. Aus Sicht von Projektleiter Mi-
chael Krieg ist das für beide Jahrgänge eine interessante Sache. Denn während die
Zehntklässler sich freiwillig als Lehrer ausprobieren, so Verantwortung überneh-
men und eigene Potenziale ausschöpfen können, freuten sich die Fünftklässler,
nicht nur von Erwachsenen betreut zu werden.
»Schüler
für Schüler«
Oberschule
Leubnitz
Wer auf alte Fotos blickt, der erkennt den Pausenhof der Oberschule Leubnitz kaum wieder.
Aus dem tristen Appellplatz ist längst ein attraktiver Lernort geworden. Und das in bester Do-
It-Yourself-Manier. Seit 1992 haben ihn die Schüler umgestaltet und so soziale wie handwerk-
liche Kompetenzen trainiert. In Kooperation mit den Lehrern, Eltern sowie externen Partnern
entstanden ein Klassenzimmer im Grünen, ein Naturlehrpfad, eine Grillecke, eine Bühne und
vieles mehr. Der Pausenhof sei aus dem Schulalltag nicht mehr wegzudenken, sagt Schulleiter
Andreas Wimmer. Und selbst im Ort ist der Platz vor seinem Fenster eine feste Größe gewor-
den. Denn neben dem praxisnahen Unterricht, Ganztagsangeboten und Schulfeiern findet zum
Beispiel auch der Leubnitzer Weihnachtsmarkt auf dem Pausenhof der Oberschule statt. »Die
Schule entwickelt sich zu einem kulturellen Zentrum unseres Ortsteiles«, sagt Wimmer.
»Schüler
verbessern und
verschönern ihr Lernumfeld selbst«

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TITEL
Dietrich-Heise-Schule,
Freie Evangelische
Schule Görlitz
Als Blinden trifft Bartimäus ein schweres Schicksal. Er wird von der Gesellschaft
geächtet und ausgeschlossen. Doch er gibt die Hoffnung nicht auf und will in Jeri-
cho den Wanderprediger Jesus treffen. Wie die Geschichte ausgeht, das erfährt man
im Musical »Bartimäus« – dem jüngsten Stück, das die Dietrich-Heise-Schule in
Görlitz auf die Bühne gebracht hat. Seit zehn Jahren werden in der christlich gepräg-
ten Bildungseinrichtung Musicals einstudiert. In Musik wird der Gesang geübt, in
Deutsch das Schauspiel geprobt, im Sport die Akrobatik trainiert und im Fach Wer-
ken werden die Kulissen gebaut. Auch die Ganztagsangebote sind in das Projekt ein-
gebunden. Die Schülerzeitung schreibt über die Stücke. Dieses Jahr haben die Nach-
wuchsjournalisten in ihrem Blatt etwas ganz Besonderes zu berichten: Denn diesmal
kooperierte die Grundschule mit dem Görlitzer Theater, das laut der pädagogischen
Mitarbeiterin Kathleen Siekierka zur Premiere von »Bartimäus« ausverkauft war.
»Musical«
Julius-Mosen-
Gymnasium
Oelsnitz/Vogtland
Bevor sich die Neuntklässler mit der eigenen Berufs- und Studienwahl beschäftigen werden,
geht es 2.000 Jahre zurück in die Vergangenheit – in die Welt der griechischen Mythologie.
»Im Olymp da ist die Hölle los«, heißt das Stück, das sie aufführen. Für die 67 Schüler vom
Julius-Mosen-Gymnasium in Oelsnitz ist es der Höhepunkt des Jahrgangskonzepts, bei dem
sie von der fünften bis zur zehnten Klasse jeweils ein anderes Projekt pro Schuljahr stem-
men. Los geht es mit den Bläser- und Freiarbeitsklassen. Durch das gemeinsame Musizieren
bzw. das selbstständige Lösen ausgewählter Lerninhalte werde in den ersten drei Jahren
der Zusammenhalt, die Arbeitsbereitschaft und das Konzentrationsvermögen gefördert, er-
klärt Lehrerin Lydia Solondz-Lorenz. In Klasse acht absolvieren die Schüler ein einwöchiges
Praktikum in einem Altenpflegeheim, einer Förderschule oder ähnlichen Einrichtungen in
der Region. Ein Jahr später folgt das Theaterprojekt, das mit einem öffentlichen Auftritt am
König-Albert-Theater in Bad Elster endet und stets die Zuschauer begeistert.
»Jahrgangskonzept«
Der eine fühlt sich benachteiligt, der andere wurde angerempelt – Auseinander-
setzungen entstehen schnell im Schulalltag. Wie Kinder ihre Konflikte selbst und
ohne Gewalt lösen, das lernen sie im Streitschlichter-Projekt an der Grundschule
»Löwenzahn« in Großpösna. Mit Erfolg: »Das Schulklima ist ruhig, die Pausen
laufen geordnet ab«, sagt Schulleiterin Sibylle Jaszovics. Sie und ihre Kollegen en-
gagieren sich seit zehn Jahren für dieses Projekt. Jeden Montag finden Gesprächs-
kreise statt, in denen aktuelle Probleme thematisiert werden. Hat die Lösung eines
Streits nicht so lange Zeit, soll ein Taschenbuch mit deeskalierenden Strategien
helfen. Das hat jeder Schüler einstecken. Außerdem gibt es sechs gewählte Streit-
schlichter, die für ihre Aufgabe ausgebildet werden und im Alltag mit ihren Müt-
zen und Buttons gut erkennbar sind. Sie sollen in Stresssituationen gerufen werden
und durch ihre speziellen Trainings zwischen den Streitparteien vermitteln.
»Streitschlichter«
Grundschule
Löwenzahn, Großpösna
Gymnasium
Am Breiten Teich,
Borna
Die externe Evaluation hatte Handlungsbedarf gezeigt. Margitta Schade wollte aber
nicht allein entscheiden. Also lud die Schulleiterin Lehrer, Schüler und Eltern zu
einer Klausurtagung ein. Gemeinsam wollte sie über die Schulentwicklung diskutie-
ren. Mit ihren 60 Gästen machte sie fünf Schwerpunkte für die weitere Arbeit aus
– darunter die Stärkung der Schülermitwirkung. Ein Jahr später waren vielen Ideen
bereits umgesetzt. Der Schülerrat organisiert jetzt selbstständig außerschulische Hö-
hepunkte, die Rolle des Schülersprechers ist gestärkt und für das Streitschlichter-
Projekt wurden neue Schüler gewonnen. »Das Projekt läuft solange, bis alle Vor-
schläge umgesetzt wurden«, sagt Margitta Schade heute. Sie hofft, dass dies bis Ende
des Schuljahres der Fall ist. Zu Beginn des neuen Schuljahres wird die Arbeitsgruppe
»Schulprogramm« die Erfüllung aller Vorhaben prüfen und eine interne Evaluation
vornehmen. Und wenn sie Bedarf feststellt, wird es eine neue Klausurtagung geben.
»Klausurtagung«

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TITEL
Peter-Apian-
Oberschule Leisnig
Die Jugend hat die Macht übernommen – zumindest für ein paar Stunden im Leisni-
ger Rathaus. Im Stadtrat sitzen diesmal die Neuntklässler der Peter-Apian-Oberschule.
Es geht um einen neuen Skateplatz, eine bessere Beleuchtung der Schulwege oder die
Sanierung des Freibades. Das Planspiel ist der Höhepunkt eines jährlich stattfindenden
Projektes, bei dem die Schüler durch ihr eigenes Handeln lernen und die Generationen
voneinander profitieren sollen. Aufmerksam hört sich Bürgermeister Tobias Goth die
Anträge und Anfragen der Fraktionen an, die die jugendlichen Stadträte zuvor mit Hilfe
erfahrener Bürgervertreter ausgearbeitet haben. Die Schüler wiederum spüren durch das
Planspiel, dass nicht jeder Wunsch sofort umsetzbar ist und nur konstruktive Diskussi-
onen zielführend sind. »Man muss überzeugen können und Wissen über eine bestimmte
Sache haben«, sagt Schulleiterin Kristin Dorias-Thomas. »Dann macht politische Mitbe-
stimmung Spaß, wird live erfahrbar und günstigenfalls in die Wirklichkeit umgesetzt.«
»Der
Jugendstadtrat Leisnig – eine aktive Form der Mitbe-
stimmung der Jugendlichen auf kommunaler Ebene«
Regenbogenschule,
Schule für geistig
Behinderte, Döbeln
Die Aufnahme läuft, jetzt muss es rocken. Der Drummer drischt auf das Schlagzeug und
der Bassist rammt die Akkorde. Christian Frenzel ist zufrieden. Er ist einer der beiden
Verantwortlichen, die vor sechs Jahren das Projekt Schulband an der Regenbogenschule
in Döbeln initiierten – einer Bildungseinrichtung für geistig Behinderte. In der Werkstu-
fe ab Klasse zehn lernen die Jugendlichen seitdem zunächst verschiedene Instrumente
kennen, damit sie bald eigene oder gecoverte Songs gemeinsam spielen können. Das
Projekt wirke den körperlichen, sprachlichen und motorischen Handicaps der Schüler
entgegen, erklärt Christian Frenzel. Die Bandarbeit sei zudem ein wichtiger Baustein für
die Entwicklung des Selbstbewusstseins. Denn das gemeinsame Musizieren entwickle
Sozialkompetenz und begleite die Schüler zum Erfolg sowie zur Erlangung von Aner-
kennung – wie beim Tag der offenen Tür an der Regenbogenschule oder beim Musikfest
in Grimma. Und auch eine eigene CD wird die Schulband stolz in den Händen halten.
»Schulband«
Gymnasium
Marienberg
Es ist der Motor für eine ganze Region. Seit 1997 findet am Gymnasium Marienberg der
Kulturversuch statt, der jedes Jahr ein anderes Thema aufgreift – wie 2015 die Bewerbung
des Erzgebirges als Weltkulturerbe. 26 Projekte organisierten die Zehntklässler mit Hilfe
der Lehrer und externer Partner. Eine Woche lang wurde geklöppelt, genäht, gefilmt und
vieles mehr, um das Vorhaben der Montanregion zu unterstützen. Die Ergebnisse präsen-
tierten die Schüler vor einer Kommission der UNESCO. Aber auch die Menschen vor Ort
hatten sie im Blick. Denn während der Projektwoche veranstalteten sie auch eine Podiums-
diskussion, eine Theateraufführung und viele andere Programme, die das Gymnasium tra-
ditionell zum kulturellen Zentrum von Marienberg werden lassen. »In den Projektgrup-
pen als gleichberechtigte Partner respektiert zu sein, sich auf Augenhöhe zu begegnen und
tätig zu werden, bringt alle Beteiligten einander näher und stärkt das Selbstbewusstsein
und das gesellschaftliche Engagement der Schüler«, sagt Rektor Robby Buttke.
»Kulturversuch«
Johann-Walther-
Gymnasium,
Torgau
Martin Luther scheint heute den meisten Menschen fremd und fern zu sein. Doch vie-
les, was der Reformator vor 500 Jahren gesagt und angestoßen hat, ist immer noch ak-
tuell. Im Alltag, im gesellschaftlichen Miteinander – überall. Das zeigen die Schüler des
Johann-Walther-Gymnasiums in Torgau mit ihrem jahrgangsübergreifenden Musik-
theaterprojekt »Luther in mir«. Gemeinsam mit behinderten Menschen der Lebenshilfe
projizieren sie auf der Bühne historische Bilder aus der Zeit des Kirchenmannes auf ak-
tuelle Themen. Wie ein Puzzle setzen sie die Vergangenheit und Gegenwart zusammen.
Es geht um Toleranz, aber auch um Gott, Glaube, Moral, Politik und das Anprangern
von Missständen. Das kommt beim Publikum an. Seit der Uraufführung 2013 wird die
Theatergruppe regelmäßig gebucht. Der Lohn neben viel Applaus: »Theater verknüpft
Sprache, Musik, Tanz, Mimik und Gestik. Das gemeinsame Spiel fördert soziale und
kulturelle Fähigkeiten. Teamarbeit, Kommunikationsfähigkeit, flexibles Verhalten –
das sind alles Dinge, die im Schulalltag wie auch im späteren Leben gebraucht werden«,
sagt Schirmherrin und Kultusministerin Brunhild Kurth.
»Luther in mir«

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KLASSE
2 / 2016
297 Schulen in Sachsen bieten das Unter-
richtsfach »Deutsch als Zweitsprache«
(DaZ) an, eine von ihnen ist die 138.
Oberschule in Dresden. 46 von rund 340
Schülern besuchen hier im Stadtteil Gor-
bitz im Drei-Phasen-System den DaZ-
Unterricht. Sie kommen aus verschiedenen
Ländern wie Polen, Syrien, Libyen, Russ-
land, Portugal, Tschetschenien, Afghanis-
tan und den Balkanstaaten. Für Schulleiter
Frank Lotter und sein Lehrerteam ist das
eine große Herausforderung, denn wegen
des unterschiedlichen Wissensstands der
DaZ-Schüler müssen seine Lehrerinnen
und Lehrer differenziert unterrichten und
auf jeden ganz individuell eingehen.
9.10 Uhr, DaZ-Unterricht, Phase 1:
DaZ-Lehrerin Ivana Vujica erklärt einigen
Schülern an der Tafel die Uhr. Sie malt den
großen Zeiger auf die Vier und den kleinen
zwischen die Fünf und Sechs. »Wie spät ist
es?«, fragt sie. Hassan (11), Khaled (17)
und Yasin (13) wissen sofort die Antwort
und melden sich. Sie alle sind Schüler der
Phase 1, das heißt, sie werden ausschließ-
lich im Fach »Deutsch als Zweitsprache«
unterrichtet. Yasin aus Syrien ist gerade
seit zwei Monaten hier an der Schule und
spricht schon ganz gut Deutsch.
Selbstständige Textarbeit:
Auch wenn
Ivana Vujica an der Tafel arbeitet, hat sie
ihre andere Schülergruppe im Blick. Wäh-
rend die Schülergruppe vorn Sätze zur
Uhr aufschreibt, kontrolliert sie bei den
anderen Schülern den Fortschritt bei der
Übersetzungsarbeit. Es geht um einheimi-
sche Tiere, eine erste Vorbereitung auf den
Biologieunterricht.
Kooperation mit dem Kinder- und Ju-
gendhaus »InterWall«:
Zum Glück be-
kommt Ivana Vujica bei ihrer Arbeit
regelmäßig Unterstützung. Schulleiter
Frank Lotter ist sehr stolz auf die Zusam-
menarbeit mit dem benachbarten Kinder-
und Jugendhaus »InterWall«. Praktikan-
ten, die dort gerade eine Ausbildung zum
Erzieher machen, helfen hier im Unter-
richt mit. Und noch einen positiven Ne-
beneffekt erhofft sich Frank Lotter von
der Kooperation: »Wir versuchen damit
unsere DaZ-Schüler auch außerhalb der
Schulzeit erfolgreich zu integrieren, denn
sie können auch nachmittags Angebote
im »InterWall« wahrnehmen.«
10.20 Uhr, Klasse 9b, Mathematik:
Frau
Fritsch teilt die zensierte Klassenarbeit
aus. Thema »Quadratische Gleichungen«.
Andrii (17) aus der Ukraine ärgert sich ein
bisschen über die Zwei Minus. Seit einem
Jahr besucht er die 138. Oberschule. DaZ-
Unterricht braucht er keinen mehr – er
besucht in Phase 3 eine ganz normale Re-
gelklasse und fühlt sich in der Klasse sehr
wohl. Nächstes Jahr möchte er hier seinen
Realschulabschluss machen und, wenn es
klappt, noch das Abitur dranhängen.
11.15 Uhr, DaZ-Unterricht, Phase 2:
Bei
DaZ-Lehrerin Carina Hilgenberg herrscht
ein ständiges Kommen und Gehen. Ihre
Schüler befinden sich alle in Phase 2, das
heißt, sie besuchen bereits einige ausge-
wählte Unterrichtsfächer wie Sport, Kunst
oder Mathe in den Regelklassen. Heute
beginnt der Unterricht mit einem Spiel:
Rahaf (14) aus Palästina soll mit geschick-
ten Ja/Nein-Fragen das Tier, das hinter ihr
an der Tafel hängt, erraten. »Ist das Tier
groß?«, fragt Rahaf. »Ja«, schallt es im
Chor. Carina Hilgenberg lächelt zufrieden.
In kleinen Schritten
Ein Tag an der 138. Oberschule in Dresden, die seit September 2014 auch eine DaZ-Schule ist.
TEXT: NICOLE KIRCHNER,
KLASSE
-REDAKTION; FOTO: ANDRÉ FORNER
EIN TAG IN BILDERN

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KLASSE
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E
nglisch fällt Franz leicht, in Physik
liebt er Experimente, Biologie mag
er weniger. Ein ganz normaler Schü-
ler. Doch eins unterscheidet den 12-Jähri-
gen von den meisten Altersgenossen: Er ist
ein Kind beruflich Reisender. Dazu zählen
Schausteller, Zirkusangehörige, ambulante
Händler und Puppenspieler. Franz‘ Eltern
und Großeltern betreiben eine mobile Waf-
felbäckerei, einen Eiswagen und ein Kin-
derkarussell. »Ich kam in Plauen zur Welt,
wo meine Eltern beim Pfingstvolksfest gas-
tierten. Seitdem begleite ich meine Familie
von Volksfest zu Volksfest«, erzählt Franz
Bretschneider. Viele jüngere Schausteller-
kinder bleiben während der Saison bei den
Großeltern und besuchen dort die Schule.
Doch für Franz war das nicht möglich, da
auch die Großeltern tourten. Erst seit den
letzten Jahren sind Oma und Opa weniger
unterwegs. Seitdem wohnt Franz teilwei-
se im Familienhaus in Chemnitz-Harthau
und besucht seine Stammschule, die Alt-
stadtschule Stollberg.
Von Schule zu Schule
Wenn im April die Volksfest-Saison be-
ginnt, fängt für Franz eine bewegte Zeit
an: Selten baut die Familie ihre Wagen
für länger als zwei Wochen an einem Ort
auf. So muss er alle 14 Tage eine andere
Schule besuchen, mit anderen Mitschü-
lern, Lehrern, Unterrichtsmethoden. Die
offiziell gewährten Reisetage kosten ihn
zudem Unterrichtszeit. Vor Ort besucht
er Oberschulen, die nahe den Festplätzen
gelegen sind. Oft sind das immer wieder
dieselben. Doch manchmal ist die entspre-
chende Klassenstufe voll und er muss an
eine weiter entfernte Schule ausweichen.
»Man ist eigentlich immer der Neue«, be-
richtet Franz. Er wirkt selbstbewusst und
pragmatisch, wurde aber trotz seines Auf-
tretens schon von Mitschülern gemobbt.
»Mobbing gibt es zum Glück nur ab und
zu. Dagegen halten wir Schaustellerkinder
zusammen. Oft reagieren die Mitschüler
aber auch sehr positiv auf uns«, sagt er.
Der mobile Lehrer
Thomas Carl nickt zu dem, was Franz
erzählt. Als langjährige mobile Bereichs-
lehrkraft kennt der 49-Jährige diese Erfah-
rungen. Seit 2004 unterstützt er die Kinder
der beruflich Reisenden bei ihrem Schulbe-
such und steht ihren Familien und Lehrern
beratend zur Seite. Momentan ist er für 62
sächsische Schaustellerkinder zuständig.
»Wenn wir unterwegs sind, besuche ich
zunächst den regulären Unterricht. Dann
gehe ich zu Herrn Carl in den Schulwagen,
wenn er ihn an dem Festplatz aufgestellt
hat, wo wir gerade sind. Dort arbeite ich
mit ihm an den Aufgaben des Schultage-
buchs, mache Hausaufgaben oder bereite
mich auf Tests vor«, sagt Franz. Im Schul-
tagebuch wird notiert, wann der Schüler
wo den Unterricht besucht und was er
dort gelernt hat. Auch ein individueller
Lernplan befindet sich darin. »Das Tage-
buch ist bundesweit einheitlich gestaltet,
obwohl jedes Bundesland sein eigenes Bil-
dungssystem hat«, betont Thomas Carl.
Der Schulwagen ist ein ehemaliger Wohn-
wagen mit Schreib-Ecke, den der Förder-
verein »Schulbildung von Schaustellerkin-
dern in Sachsen e. V.« unterhält und den
das SMK mit Unterrichtsmitteln ausge-
stattet hat.
Franz Bretschneider und seine Familie
schätzen es, dass ihnen Thomas Carl hilft.
Das Problem: Es gibt ihn nur einmal.
Carl hat eine Vollzeitstelle und fährt täg-
lich rund 200 Kilometer, arbeitet mit den
Schülern im Schulwagen oder besucht die
Schulen. Doch wenn mehrere Volksfeste
zugleich stattfinden, kann er nicht überall
vor Ort sein. »Er hängt dann meist einen
Plan an den Wagen, der zeigt, wann er da
ist«, sagt Franz. So lernen Schüler und
Lehrer, wenn beide auf Achse sind.
Franz Bretschneider reist mit seinen Eltern von Volksfest zu Volksfest.
AUS SCHÜLERSICHT
Weitere Informationen
zum Unter-
richt für Kinder beruflich Reisender unter:
www.schule.sachsen.de/2700.htm
Lernen auf Achse
Gestern Frühlingsfest in Chemnitz, heute Vogelschießen in Plauen, demnächst
Stadtfest in Freiberg: Schaustellerkinder kommen viel herum. Doch auch die-
se Kinder sind schulpflichtig. Wie organisieren sie erfolgreich ihren Schulalltag?
Franz Bretschneider erzählt über sein Schultagebuch, den Schulwagen – und den
Lehrer Thomas Carl.
TEXT: BEATE DIEDERICHS,
KLASSE
-REDAKTION; FOTO: MIKE HILLEBRAND

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Beim Sehtest wird die Sehschärfe überprüft.
Auch das räumliche Sehen wird getestet.
Zu Beginn der Vorsorge-Untersuchung wird ein
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Anamnese-Bogen ausgefüllt.
Burnout trifft nicht nur Lehrer
Arbeitsmediziner Dr. Guido Prodehl über Lehrergesundheit, typische Risikofak-
toren in der Schule und Lehrer, die über viele Jahre gesund durch den Schulall-
tag kommen.
INTERVIEW: NICOLE KIRCHNER,
KLASSE
-REDAKTION; FOTO: ANDRÉ FORNER
E
Sind Lehrer öfter krank als andere Berufsgruppen?
Dr. Guido Prodehl: Allgemein gültige Aussagen zum Gesund-
heitszustand der Lehrer im Verhältnis zu anderen Berufen sind
schwierig. Was man aber positiv hervorheben kann: Lehrkräfte
zeigen – mit wenigen Ausnahmen – häufiger gesundheitsförder-
liche Verhaltensweisen wie Sport oder Nichtrauchen als die All-
gemeinbevölkerung, sie haben einen günstigeren Body-Mass-In-
dex, sind seltener krankgeschrieben und allgemein zufriedener
mit ihrer beruflichen Tätigkeit. Es ergeben sich aber Zusammen-
hänge zwischen der Gesundheit und der Schulform.
E
Welche Zusammenhänge meinen Sie genau?
Uns fielen bei der Datenauswertung zwei Be-
sonderheiten auf: Der höchsten gesundheitli-
chen Gefährdung unterliegen die Lehrkräfte
an Oberschulen. Sie zeigen in den meisten
Arbeits-, Gesundheits- und Personenmerk-
malen die ungünstigsten Ausprägungen. Bei-
spielsweise sind sie weniger zufrieden mit dem
Lehrerberuf, besitzen höhere Blutdruck- und
Gesamtcholesterin-Werte, geben die meisten
Beschwerden, einschließlich Burnout-
Symptome, an und neigen häufiger zur
übersteigerten Verausgabung. Eine
zweite Besonderheit ergibt sich
für die Lehrkräfte an den För-
derschulen. Diese fielen inter-
essanterweise in unseren Un-
tersuchungen durch ihre hohe
berufliche Zufriedenheit, ein
günstiges arbeitsbezogenes
Verausgabungs-Belohnungs-
Verhältnis, einen geringen An-
teil an Beschwerden und ein ge-
ringes Burnout-Risiko positiv auf.
Im Vergleich zu den Lehrkräften
anderer Schularten waren anderer-
seits bei ihnen ein höherer Anteil
an Rauchern, erhöhte Glukosewerte (5 Prozent Diabetiker)
und somit auch ein auffälliges kardiovaskuläres Risiko zu ver-
zeichnen. Es werden die meisten Ausfalltage und die häufigste
Betroffenheit von Langzeiterkrankungen dokumentiert. Es ist
aber dabei zu beachten, dass der Anteil der schwerbehinderten
Lehrerinnen und Lehrer an Förderschulen besonders hoch ist.
E
Woran erkranken Lehrer am häufigsten?
Lehrkräfte fallen durch ihren bereits in jüngeren Jahren erhöh-
ten Blutdruck und ihre Beschwerden im Bereich des Herz-Kreis-
lauf-Systems, des Bewegungsapparats und der Atemwege auf.
Bei den Krankenkassen werden im Vergleich zum Durchschnitt
häufiger Atemwegs- und psychische Erkrankungen dokumen-
tiert. Geschlechtsunabhängig bestehen erwartungsgemäß Alters-
unterschiede vor allem bei den kardiovaskulären Risikofaktoren,
zum Beispiel Blutdruck, Herz-Kreislauf-Beschwerden, Body-
Mass-Index. Speziell ältere Lehrerinnen haben deutlich höhere
Blutdruck- und Gesamtcholesterin-Werte und geben eine geringe-
re Erholungsfähigkeit sowie Zufriedenheit an. Außerdem berichten
Lehrerinnen im Vergleich zu Lehrern häufiger ein Missverhältnis
von Verausgabung und Belohnung und, weisen einen höheren
Krankenstand auf, rauchen aber seltener.
E
Ist Burnout eine typische Lehrerkrankheit?
Für das Burnout-Syndrom beziehungsweise einzelne Burnout-
Symptome kann kein Unterschied zur Allgemeinbevölkerung
festgestellt werden.
E
Im Vergleich zu anderen Bundesländern: Wie steht es da
um die Gesundheit der sächsischen Lehrer?
Dazu sollten Sie folgendes wissen: Die Bundesländer ha-
ben deutschlandweit unterschiedliche Vorgehensweisen
in der betriebsärztlichen Betreuung der Lehrerinnen und
Lehrer realisiert. In Sachsen besteht die Besonderheit
einer »Vor-Ort- Betreuung«. Durch die Betriebsärzte
und Sicherheitsfachkräfte werden regelmäßige Be-
gehungen der Schulen durchgeführt und in diesem
Dr. Guido Prodehl
leitet seit
Januar 2016 gemeinsam mit
zwei weiteren Geschäftsführern
das Zentrum für Arbeit und Ge-
sundheit Sachsen. Das ZAGS
kümmert sich in Sachsen auch um
die Lehrergesundheit und bietet in
diesem Rahmen Vorsorge-Unter-
suchungen für Lehrer an.
INTERVIEW

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Mit einem speziell für Lehrer angepassten pyscholo-
gischen Test werden Stressfaktoren abgefragt.
Neben der Blutdruckmessung wird außerdem mit
einem Bluttest die Nüchtern-Glukose ermittelt.
Zusammenhang wird die Gefährdungsbeurteilung der Lehrkräfte
aktualisiert. Wir bieten mit der Möglichkeit der arbeitsmedizini-
schen Vorsorge in den Schulen ein niederschwelliges Angebot an.
In anderen Bundesländern gibt es Zentren für Lehrergesundheit,
an denen die einzelnen Lehrkräfte untersucht und beraten werden
können. Aus diesem Grund halte ich es für schwierig, die Daten
aus den anderen Bundesländern zum Vergleich heranzuziehen.
E
Was genau passiert bei der Vorsorge-Untersuchung für Lehrer?
Eine arbeitsmedizinische Vorsorge für Lehrerkräfte beinhaltet
die Erhebung der Krankheitsgeschichte, einen Sehtest, eine Blut-
druckmessung, die Bestimmung der Fettstoffwechselparameter,
die Nüchtern-Glukose sowie die Erfassung der psychischen Be-
lastungen. Bei Vorlage des Impfausweises führen wir eine Impf-
beratung durch. Nach Abschluss der Vorsorge verschicken wir
einen persönlichen Befundbericht an jede Lehrkraft. Die Teil-
nahme an einer arbeitsmedizinischen Vorsorge für Lehrkräfte
ist bis auf die Vorsorge in G-Förderschulen freiwillig und kann
alle drei Jahre wiederholt werden.
E
Was passiert mit der arbeitsmedizinischen Beurteilung?
Grundsätzlich unterliegen die Betriebsärzte der ärztlichen
Schweigepflicht. Inhalte der Untersuchungen gelangen also we-
der an den Arbeitgeber noch an den Schulleiter. Während der
Untersuchung oder im Befundbericht sprechen wir Präventions-
empfehlungen aus oder verweisen an den Haus-/Facharzt.
E
Wie sieht das in der Praxis aus: Welche Angebote gibt es für
Lehrer, wenn sie Hilfe benötigen?
Wir beraten die Lehrer bereits zur Untersuchung individuell
über Möglichkeiten zur Verbesserung des Gesundheitszustan-
des. Je nach Bedarf kann das die Empfehlung zur Teilnahme an
einem Präventionskurs der Krankenkassen sein, bei auffälligen
Befunden raten wir zu einer weiteren Diagnostik beim Hausarzt
oder Facharzt. Über die Deutsche Rentenversicherung kann bei
entsprechender medizinischer Indikation auch ein Antrag auf
Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben oder ein Antrag auf
medizinische Rehabilitation durch den Betriebsarzt unterstützt
werden. Eine Besonderheit ist das Programm »Frühintervention
zum Erhalt der Erwerbsfähigkeit« (sog. FEE-Programm): Lehr-
kräfte, die von einer Erkrankung bedroht sind und bereits erste
Symptome zeigen, können an einer einwöchigen stationären/am-
bulanten Rehabilitation in Bad Gottleuba oder Leipzig teilneh-
men. In den folgenden drei Monaten werden Sie arbeitsbeglei-
tend einmal in der Woche circa zwei Stunden therapiert. Nach
sechs Monaten folgt ein Abschlusstag in der Reha- Einrichtung.
E
Als Lehrer muss man aber keine arbeitsrechtlichen Konsequen
-
zen fürchten, wenn man an so einem Programm teilnimmt…?
Nein, arbeitsrechtliche Konsequenzen drohen nicht. Bei Arbeits-
unfähigkeit übernimmt der Hausarzt Diagnostik und Therapie,
die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ist für sechs Wochen
durch den Arbeitgeber und im Anschluss durch die Krankenkasse
abgesichert. Die Teilnahme an
Präventionskursen findet in der
Freizeit der Lehrer statt. Bei ei-
ner medizinischen Rehabilitati-
on ist der Mitarbeiter ebenfalls
rechtlich und finanziell abge-
sichert. Sollte sich nach langer
Erkrankung das Leistungsbild
des Lehrers geändert haben,
besteht die Möglichkeit, den
Arbeitsplatz im Rahmen eines betrieblichen Eingliederungsma-
nagements anzupassen.
E
Stichwort Prävention: Wo müssen Lehrer besonders aufpas
-
sen, um nicht krank zu werden? Wie bleibt man als Lehrer
gesund?
Für Lehrer gelten ähnliche Empfehlungen wie für die Allgemein-
bevölkerung. Eine gesunde Lebensweise mit ausreichend körper-
licher Aktivität gilt als gesundheitsförderlich. Geringe Maßen an
Alkohol, Nikotinverzicht und das Einhalten des Normgewichts
fördern ebenfalls das gesunde Altern. Neben uns Betriebsärzten
bieten die Hausärzte sogenannte Check-up-Untersuchungen ab
dem 35. Lebensjahr an, die Teilnahme hieran ist ebenso anzura-
ten wie die Teilnahme an den entsprechenden Krebsvorsorgeu-
Untersuchungen. Im Arbeitsalltag bemerken wir, dass einige
Lehrer über gehäuftes Auftreten von Kopfschmerzen und Stimm-
schwierigkeiten klagen. Auf Nachfrage berichten einige Lehr-
kräfte über eine deutlich zu geringe Flüssigkeitsaufnahme. Es ist
ratsam im Lehrerberuf ausreichend zu trinken, da gerade durch
das lange Unterrichten vor der Klasse die Schleimhäute leicht
austrocknen können. Wesentlich für das Wohlbefinden am Ar-
beitsplatz ist der kollegiale Umgang an der Schule. Gute Kommu-
nikation, das Aufstellen und Einhalten klarer, nachvollziehbarer
Regeln im Schulalltag, gute Führung durch die Schulleitung und
Bewältigung der Probleme im Team tragen zur Arbeitszufrieden-
heit genauso bei wie der offene Umgang mit Lob und Kritik.
»LEHRKRÄFTE ZEIGEN – MIT WENIGEN
AUSNAHMEN – HÄUFIGER GESUNDHEITS-
FÖRDERLICHE VERHALTENSWEISEN.«
INTERVIEW
Beim abschließenden Arztgespräch werden die
persönlichen Risikofaktoren ausgewertet.

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KLASSE
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Dürfen Lehrer Geschenke annehmen?
Sobald Geschenke in Verbindung zum
Beruf stehen und nicht vorher von der
Schulleitung abgesegnet worden sind,
dürfen sie nicht angenommen werden –
weder explizit, noch durch schlüssiges
Verhalten und egal, ob im Schulgebäude
oder zu Hause. Ein Geschenk gilt selbst
dann als angenommen, wenn es direkt
weiterverschenkt oder gespendet werden
soll. Bei sogenannten geringwertigen Auf-
merksamkeiten, also einfachen Reklame-
Artikeln wie Stiften oder Kalendern, gilt
die Zustimmung jedoch von vornherein
als erteilt. Sie können auch ohne Rück-
sprache mit der Schulleitung entgegenge-
nommen werden.
Warum darf man sich als Lehrer nichts
schenken lassen?
Lehrer haben einen staatlichen Auftrag,
der sachbezogen und unparteiisch erfüllt
werden muss. Der öffentliche Dienst ge-
nießt das Vertrauen der Bevölkerung. Das
grundsätzliche Verbot zur Annahme von
Geschenken und anderen Vorteilen soll
dieses Vertrauen schützen und den staatli-
chen Verwaltungsapparat funktionsfähig
halten. Schon der bloße Anschein, dass
Lehrer korrupt sein könnten, soll vermie-
den werden.
Gibt es eine finanzielle Höchstgrenze?
Eine Höchstgrenze ist nicht ausdrück-
lich festgelegt. Allerdings müssen sich die
Geschenke in einem allgemein üblichen
Rahmen bewegen. Da dieser nur schwer
bestimmbar ist, wird ein Wert von
etwa 70 Euro als Orientierungs-
hilfe angegeben. Geringwerti-
ge Aufmerksamkeiten sollten
nicht teurer als 20 Euro sein.
Die allgemeine Zustimmung
gilt nur, solange der Gesamt-
wert aller Aufmerksamkeiten
nicht über 60 Euro im Jahr liegt.
Was mache ich als Lehrer, wenn das Ge-
schenk über der Höchstgrenze liegt?
Liegt ein zustimmungspflichtiges Ge-
schenk über der zulässigen Höchstgren-
ze oder bestehen Zweifel hierüber, muss
vor der Annahme unbedingt die Ge-
nehmigung eingeholt werden. Wenn die
Zustimmung nicht rechtzeitig eingeholt
werden kann, so darf das Geschenk aus-
nahmsweise unter Vorbehalt angenom-
men werden. Für die Lehrer im Beschäf-
tigtenverhältnis ist der Schulleiter die
zuständige Stelle.
Eltern schenken mir Blumen. Muss ich
mir dafür den Kassenzettel zeigen lassen?
Nein, aber schauen Sie sich den Strauß
genau an: Liegt er höchstwahrscheinlich
über einem handelsüblichen Marktwert
von schätzungsweise 20 Euro, muss eine
ausdrückliche Zustimmung eingeholt
werden.
Gibt es Geschenke, die Lehrer prinzipiell
nicht annehmen dürfen?
Lehrer dürfen kein Geld annehmen. Eine
Ausnahme gilt allerdings für Auszeich-
nungen oder Preise, solange sie den Leh-
rer nicht in seiner objektiven Dienstaus-
übung beeinträchtigen
oder sonst der Ein-
druck der Befangen-
heit entsteht. Aber
auch hier muss
die Schulleitung in jedem Fall vorher zu-
stimmen.
Gibt es Konsequenzen für mich als
Lehrer, wenn ich das Geschenk doch
annehme?
Ein Verstoß gegen das Verbot ist ein
Dienstvergehen. Nicht verbeamteten
Lehrern und Auszubildenden drohen ar-
beitsrechtliche Sanktionen bis hin zur
Kündigung. Beamte müssen mit diszip-
linarischen Maßnahmen rechnen – was
sogar die Entfernung aus dem Beam-
tenverhältnis oder die Aberkennung des
Ruhegehalts bedeuten kann. Auch auf
strafrechtlicher Ebene kann eine Vor-
teilsnahme mit Geld- oder Freiheitsstra-
fe geahndet werden. Zudem kann der
Dienstherr oder Arbeitgeber sich einen
eventuell entstandenen Schaden ersetzen
und die Geschenke herausgeben lassen.
Zu bedenken ist ferner, dass sich auch der
Vorteilsgeber gegebenenfalls strafbar ma-
chen kann. Schon die staatsanwaltlichen
Ermittlungen bedeuten erhebliche Unan-
nehmlichkeiten für die Betroffenen.
An wen kann ich mich als Lehrer bei
rechtlichen Fragen dazu wenden?
Lehrer können sich an den Schulleiter
oder die Sächsische Bildungsagentur wen-
den.
Vielen Dank für die Blumen
Bald endet das Schuljahr. Immer wieder bei Eltern beliebt: eine kleine Aufmerksamkeit
für die Lehrerin oder den Lehrer. Auch wenn es eine nette Geste ist, dürfen Lehrer jedoch
nur in Ausnahmefällen Geschenke annehmen.
TEXT: LOUISA HANTSCHE,
KLASSE-REDAKTION
RECHT UND ORDNUNG

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KLASSE
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»Kommunikation als
Pflichtfach in der Schule«
Was macht einen guten Lehrer aus? Und einen guten Schüler? Mit dem
KLASSE
-
Fragebogen bitten wir Bildungsträger und Prominente aus Sachsen, uns einen
Einblick in ihre persönlichen Lernerfahrungen zu geben.
ANTWORTEN:
AL DI MEOLA, JAZZ-GITARRIST
Als ich klein war, wollte ich
Feuerwehrmann werden.
Meine Eltern wollten,
dass ich BWL studiere, wenn ich groß bin.
Als Schüler war ich gut in
Überall ganz okay, aber ich hatte nur meine
Musik im Kopf.
Heute bin ich gut in
Psychologie, Musik. Seit ich nach Deutschland gezogen
bin, interessiere ich mich sehr für die europäische Geschichte, die wir in
der Schule nur wenig behandelt haben.
Mein liebstes Schulfach war:
Biologie.
Das Schulfach, das ich überhaupt nicht mochte, war:
Algebra.
Das hat mich in der Schule am meisten genervt:
in keine Gruppe zu passen.
Das hat mir an Schule am besten gefallen:
Chor, Sport.
Ein guter Lehrer:
hat Geduld und die Fähigkeit, mir Dinge näher zu bringen,
die mich eigentlich nicht interessieren.
Ein guter Schüler:
hört zu und ist respektvoll dem Lehrer und den Mitschülern
gegenüber.
In meinem Leben will ich noch:
die Kunst der persönlichen Kommunikation per-
fektionieren. Meiner Meinung nach sollte heutzutage Kommunikation ein
Pflichtfach in der Schule sein, das schon im Grundschulalter gelehrt wird.
Am besten kann ich mich konzentrieren, wenn:
absolute Stille herrscht.
Mein Lieblingsbildungsort ist:
mein Musikstudio in Miami direkt am Strand.
Wenn ich meinen Beruf noch einmal wechseln würde,
dann würde ich Schönheitschirurg werden.
Als Ausgleich zu meiner Arbeit
muss ich Sport machen. Außerdem kaufe ich gerne Notenbücher
und lese sie, zum Beispiel im Flugzeug.
Ich liebe an meinem Job, dass
er Menschen glücklich macht und Emotionen herüberbringt, die
man mit Worten nicht ausdrücken kann. Seit ich 19 bin, verdiene ich Geld mit meiner Lei-
denschaft und habe die ganze Welt gesehen. Ich bin sehr dankbar dafür.
Ich verlasse nie das Haus ohne:
sicherzustellen, dass alles tiptop aufgeräumt ist.
Meine Kollegen/Freunde sagen von mir, dass ich:
mit meinem Perfektionismus in der Musik andere in
den Wahnsinn treiben kann.
Al Di Meola
,
ist ein weltbekannter Jazz-
Gitarrist. Der 1954 in New
Jersey geborene Musiker
kann mittlerweile auf eine
40 Jahre lange Karriere
im Musikgeschäft zurück-
blicken. Für sein virtuoses
Gitarrenspiel gilt Al Di
Meola in der Jazzszene als
Gitarrenheld. Sein aktuel-
les Album heißt »Elysium &
More« – eine Reise durch
sein Lebenswerk. Al Di
Meola ist mit einer Sächsin
aus Oederan verheiratet,
mit der er sich im Januar
2016 nochmal über Nach-
wuchs freuen konnte.
FRAGEBOGEN

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*Student der Kraftfahrzeugtechnik an der Westsächsischen Hochschule Zwickau
Alle sächsischen Hochschulen im Porträt: Studierende,
Absolventen, Studienberater und Professoren berich-
ten in Text und Ton von ihren Erfahrungen bei der Be-
rufs- und Studienwahl und geben wertvolle Tipps für
die Entscheidungsfindung.