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Bergbaumonographie
Landesamt für Umwelt und Geologie
Oberbergamt
Freistaat
Sachsen
Bergbau in Sachsen
Band 13
Die Kaolinlagerstätten des
Kemmlitzer Reviers

Impressum
Bergbau in Sachsen, Band 13
Die Kaolinlagerstätten des Kemmlitzer Reviers
Titelbild:
Heidrun Anger (2006) Montage aus folgenden Bild-
quellen: (oben) Siegfried Pfeil (2004): Tagebau Gröppen-
dorf; (unten von links nach rechts.) Karl-Heinz Hennig,
Manfred Störr, (1986): Kaolinite from porphyry Kaolin;
Kemmlitz, GDR (S. 74); Siegfried Pfeil (2002): Zyklon,
Schlämmerei Gröppendorf; Staatl. Porzellan-Manufaktur
Meissen GmbH, Pressefoto: Sortimentauswahl
Herausgeber:
Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie (LfUG)
Öffentlichkeitsarbeit
Zur Wetterwarte 11, 01109 Dresden
eMail: Abteilung1.LfUG@smul.sachsen.de
(kein Zugang für elektronische signierte sowie für ver-
schlüsselte elektronische Dokumente)
Sächsisches Oberbergamt
Kirchgasse 11, 09599 Freiberg
Autoren:
Dipl.-Geol. Günter Schwerdtner; Dipl.-Geol. (FH)
Heidrun Anger; Prof. Dr. habil. Manfred Störr
Redaktion:
Dr. Peter Wolf, LfUG, Referat Rohstoffgeologie
Halsbrücker Str. 31a, 09599 Freiberg
eMail: Abteilung5.LfUG@smul.sachsen.de
(kein Zugang für elektronische signierte sowie für ver-
schlüsselte elektronische Dokumente)
Redaktionsschluss:
Januar 2007
Druck:
Versand:
Saxoprint GmbH,
Enderstraße 94, 01277 Dresden
Tel.: 0351/2044-369 Fax: 0351/2044-366
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Diese Veröffentlichung wird im Rahmen der Öffentlich-
keitsarbeit des Sächsischen Landesamtes für Umwelt
und Geologie sowie des Sächsischen Oberbergamtes
herausgegeben. Sie darf weder von Parteien noch von
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nicht in einer Weise verwendet werden, die als Partei-
nahme der Ämter zugunsten einzelner Gruppen verstan-
den werden kann. Den Parteien ist es gestattet, die Ver-
öffentlichung zur Unterrichtung ihrer Mitglieder zu ver-
wenden.
Copyright:
Diese Veröffentlichung ist urheberrechtlich geschützt. Al-
le Rechte, auch die des Nachdrucks von Auszügen und
der fotomechanischen Wiedergabe, sind den Herausge-
bern vorbehalten.
Gedruckt auf 100% Recyclingpapier
Oktober 2007
L VI-4-1/13
ISBN
3-9811421-1-X
978-3-9811421-1-2
Das Sächsische Landesamt für Umwelt und Geologie ist
Union Druckerei
Diese Veröffentlichung kann gegen 12,50 EURO bei der
Saxoprint GmbH bezogen werden.
zu einer bevorstehenden Wahl darf die Veröffentlichung
im Internet
(www.smul.sachsen.de/lfug).

1
Die Kaolinlagerstätten des
Kemmlitzer Reviers
Bergbaumonographie
G. SCHWERDTNER, H. ANGER, M. STÖRR
Freiberg 2007

2

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3
Vorwort
Die Verbreitung von Kenntnissen über die geowissen-
schaftlichen Grundlagen, den Bergbau und die Aufbe-
reitung von mineralischen Rohstoffen, zu rohstoffgeo-
logischen Aspekten unserer Alltagsgegenstände so-
wie über den Umgang mit Bergbaufolgen in Sachsen
ist das erklärte inhaltliche Ziel der Schriftenreihe
„Bergbau in Sachsen“.
Das klassische Porzellanland Deutschland ist mit
einer wertmäßigen Gesamtproduktion von 2,1 Milliar-
den Euro (2001; entspricht etwa einem Umsatz von
550.000 t Hart- und Sanitärporzellan) eines der gro-
ßen Erzeugerländer der Welt. Zirka ein Drittel der in
dieser Gesamtmasse enthaltenen Kaoline stammen
aus dem Kemmlitzer Revier, zwischen Leipzig und
Meißen gelegen.
Seit etwa 120 Jahren erfolgt hier die bergmännische
Gewinnung und Aufbereitung von Kaolinen im indus-
triellen Maßstab. Gegenwärtig werden im Kemmlitzer
Revier jährlich ca. 300.000 t Rohkaolin gefördert und
rund 80.000 t Schlämmkaoline verschiedener Qualität
produziert.
Prof. Reinhard Schmidt
Präsident des Sächsischen Oberbergamtes
Kaoline oder „Porzellanerden“ sind in so genannten
Verwitterungslagerstätten konzentriert. Reste von
derartigen Verwitterungsbildungen über meist feld-
spatreichen Ausgangsgesteinen finden sich auch in
anderen Teilen Sachsens; der Raum um Kemmlitz
zeichnet sich jedoch durch eine Konzentration mäch-
tiger, vorwiegend kaolinitischer Verwitterungskrusten
besonders aus.
Neben acht inzwischen abgebauten historischen La-
gerstätten und deren Gewinnungs- und Aufberei-
tungstechnologien wird auch die moderne Gewinnung
und Verarbeitung in nunmehr noch drei Lagerstätten
von Insidern sachkundig erläutert. Zur Hydrogeologie
des Reviers wird ebenso Stellung genommen wie zur
Planung und Durchführung von Rekultivierungsarbei-
ten.
Der Erfahrungsschatz des Autorenteams überspannt
mehrere Betriebsperioden und reicht bis in den Be-
reich der Tonmineralforschung. Allen Beteiligten ist für
das Zustandekommen dieses weiteren Bandes der
Bergbaumonographien zu danken.
Hartmut Biele
Präsident des Sächsischen Landesamtes
für Umwelt und Geologie

4
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung................................................................................................................................................7
1.1 Einleitung..................................................................................................................................................7
1.2
Überblick zur Geologie der Nordwestsächsischen Senke .......................................................................9
2
Zur Entdeckung, Erkundung und Untersuchung der Lagerstätten.........................................................12
2.1
Von den Anfängen im 18. Jahrhundert bis 1883....................................................................................13
2.2 Zeitraum 1883 bis 1918..........................................................................................................................15
2.3 Zeitraum 1918 bis 1945..........................................................................................................................15
2.4 Zeitraum nach 1945 ...............................................................................................................................16
2.4.1 Suche und Vorerkundung.......................................................................................................................16
2.4.2 Betriebliche geologische Erkundung......................................................................................................17
2.5
Entwicklung von Untersuchungskapazitäten..........................................................................................19
2.6
Vergleichbarkeit der Bohr- und Untersuchungsergebnisse ...................................................................19
2.6.1
Zum Einfluss der Bohrverfahren.............................................................................................................20
2.6.2 Kleintechnische Aufbereitung.................................................................................................................20
2.6.3
Chemische und keramtechnische Untersuchungsmethoden.................................................................20
3 Genese der Kaolinlagerstätten...............................................................................................................21
3.1
Allgemeines zur Genese und historischer Abriss der Erforschung der Kaoline ....................................21
3.2 Plattentektonik und Kaolingenese..........................................................................................................23
3.3
Alterseinstufung der Kemmlitzer Kaoline auf Grundlage geologischer Beobachtungen .......................23
3.4
Bemerkungen zur Kaolinlagerstättengenese .........................................................................................27
3.4.1 Präkaolinisierung....................................................................................................................................27
3.4.2 Kaolinisierung.........................................................................................................................................28
3.4.3 Postkaolinisierung..................................................................................................................................29
3.4.4 Das Kemmlitzer Kaolinprofil...................................................................................................................30
4 Mineralbestand der Kemmlitzer Kaoline................................................................................................30
4.1 Allgemeines............................................................................................................................................30
4.2 Mineralogische Zusammensetzung der Kemmlitzer Kaoline.................................................................31
4.2.1 Kaolinit....................................................................................................................................................31
4.2.2 Illit-Montmorillonit-Mixed-Layer-Mineral.................................................................................................31
4.2.3 Quarz......................................................................................................................................................37
4.3 Mineralverteilung in den Kornfraktionen.................................................................................................38
4.4
Die Kemmlitzer Schlämmkaoline und ihre keramischen Eigenschaften................................................38
5
Verbreitung, geologischer Bau und Stoffbestand der Lagerstätten des Kemmlitzer Reviers................42
5.1
Die Lagerstätte Fichtegraben Neusornzig..............................................................................................43
5.2
Die Lagerstätte Tiefbau Glückauf Kemmlitz...........................................................................................47
5.3
Die Lagerstätte Fortschritt Kemmlitz ......................................................................................................50
5.4 Die Lagerstätte Frieden Kemmlitz..........................................................................................................52
5.5 Die Lagerstätte Wachberg Glossen.......................................................................................................57
5.6 Die Lagerstätte Einheit Börtewitz...........................................................................................................58
5.7
Die Lagerstätte Karl Marx Börtewitz.......................................................................................................61
5.8
Die Lagerstätte Tagebau Glückauf Querbitzsch ....................................................................................65
5.9 Die Lagerstätte Gröppendorf..................................................................................................................68
5.10 Die Lagerstätte Schleben/Crellenhain....................................................................................................75
5.11 Ressourcen............................................................................................................................................78
6
Wirtschaftliche und technische Entwicklung der Kaolinindustrie im Kemmlitzer Revier........................80
6.1 Zur Entwicklung der Unternehmen.........................................................................................................81
6.1.1 R
IEDEL-SEOK-KKW Werk I ....................................................................................................................81
6.1.2
W
OLF-Porzellanwerk Kahla-KKW Werk II ..............................................................................................82
6.1.3
T
HOMAS/STARKE-Erbslöh-KKW Werk III .................................................................................................84
6.1.4
H. v. M
AYENBURG-BAENSCH-SEOK-KKW Werk IV..................................................................................84
6.1.5
Zur Wirtschaftsorganisation und Produktionsentwicklung im Zeitraum nach 1945 ...............................85

5
6.2
Zur Entwicklung der Gewinnungstechnologien .....................................................................................86
6.2.1 Tiefbau...................................................................................................................................................86
6.2.2 Tagebau.................................................................................................................................................88
6.3
Zur Entwicklung der Aufbereitungstechnologie......................................................................................90
6.3.1
Von den Anfängen bis Mitte der 1950er Jahre ......................................................................................90
6.3.2
Mitte der 1950er Jahre bis 1990 ............................................................................................................93
6.3.3 Der Zeitraum ab 1991............................................................................................................................94
7 Hydrogeologie........................................................................................................................................98
8 Wiedernutzbarmachung.......................................................................................................................102
Literaturverzeichnis..............................................................................................................................................107
Abbildungsverzeichnis.........................................................................................................................................112
Tabellenverzeichnis .............................................................................................................................................114
Abkürzungsverzeichnis........................................................................................................................................115
9 Zusammenfassung/Summary..............................................................................................................107

6

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7
Einleitung
Die Verwendung von Tonrohstoffen zur Herstellung
keramischer Erzeugnisse hat eine lange Tradition. So
erreichte in Mitteleuropa schon um das Jahr 2000 vor
der Zeitenwende die Töpferkunst einen beachtlichen
Entwicklungsstand. Während damals die Menschen
lernten, aus Lehmen und Tonen irdene Gefäße und
andere Gegenstände zu formen und zu brennen,
nutzt man heute veredelte Kaoline zur Herstellung
von Porzellan, Hochspannungsisolatoren und Molsie-
ben. Dazwischen liegen Entwicklungsabschnitte, in
denen Menschen versuchten, mit Hilfe alchimistischer
oder später wissenschaftlich begründeter Überlegun-
gen aus verfügbaren Rohstoffen Erzeugnisse herzu-
stellen, die für die Gesellschaft nützlich waren, wenn
man beispielsweise an die Erfindung des europäi-
schen Porzellans denkt.
Das erste Auffinden von Kaolinvorkommen in
Deutschland hat mit Beginn des 18. Jahrhunderts
eingesetzt. E. W. von T
SCHIRNHAUS und J. F. BÖTT-
GER
experimentierten seit 1706 mit verschiedenen
„Erden“, bevor ihnen 1709 unter Verwendung von
Kaolinen aus Aue und Colditz die Herstellung von
weißem Porzellan gelang. Das Kaolinvorkommen von
Seilitz bei Meißen wurde 1764 entdeckt, in Thüringen
wurden um 1760 und nördlich von Halle 1771 Kaoline
gefunden (L
ANGE 1984). Die in der ersten Hälfte des
19. Jahrhunderts einsetzende Entwicklung einer fein-
keramischen Industrie förderte die Suche und das
Nutzbarmachen von Kaolinlagerstätten. Der Bedarf
an Kaolin nahm zu, neben der Keramik benötigte man
diesen Rohstoff vor allem zur Papier- und Farbenher-
stellung. Es entwickelte sich gegen Ende des 19.
Jahrhunderts ein Wirtschaftszweig, der sich mit der
bergmännischen Gewinnung und der Aufbereitung
von Kaolinen befasste.
Anliegen dieses Bandes soll es vor allem sein, die
Geologie der Kaolinlagerstätten und die Entwicklung
der Kaolingewinnung im Gebiet um Kemmlitz in NW-
Sachsen (Abb. 1) darzustellen.
Das Kemmlitzer Kaolinrevier stellt in Deutschland das
Gebiet mit den bedeutendsten feinkeramischen Kao-
linen dar. Begründet liegt dies in einer Reihe spezifi-
scher Eigenschaften, die diese Kaoline besonders
verwendungsfähig für verschiedene Porzellane und
andere feinkeramische Erzeugnisse machen. Die Ka-
oline enthalten als Wertstoff neben Kaolinit noch Illit-
Montmorillonit-Mixed-Layer-Minerale, die dem Kaolin
eine günstige Bildsamkeit und hohe Trockenbiegefes-
tigkeit verleihen, damit werden die Verarbeitungsei-
genschaften von Drehmassen günstig beeinflusst. Für
die Verarbeitung der Kaoline in Gießmassen ist da-
gegen die niedrige Viskosität bestimmter Kaolinsor-
ten, positiv beeinflusst durch geringe Gehalte an or-
ganischen Substanzen, maßgebend. Äußerst niedrig
liegen mit <0,6 % die Gehalte an färbenden Fe- und
Ti-Schadstoffen, weshalb die bei 1410°C gebrannten
Kaoline einen sehr hohen Weißgrad besitzen. In der
Summe dieser Eigenschaften liegt der Grund, wes-
halb die Kemmlitzer Kaoline zu den Hauptbestandtei-
len feinkeramischer Massen zählen. Damit wurden
seit Beginn des 20. Jahrhunderts gleichzeitig die
Technologie der Porzellanherstellung und die Qualität
des deutschen Porzellans sehr stark durch die
Kemmlitzer Kaoline beeinflusst.
Abb. 1: Kaolinrevier Kemmlitz in Sachsen
Die Kaoline um Kemmlitz entstanden durch Verwitte-
rung während der Oberkreide und des Tertiärs aus
permischen Porphyren. Aus dem flächenhaften Wir-
ken der Verwitterungsfaktoren resultiert eine relativ
weite Verbreitung der so entstandenen Lagerstätten.
Nach der Kaolinbildung erfolgten jüngere bruchtekto-
nische Bewegungen, die zu einer Zerteilung des Ge-
bietes in verschiedene Schollen führte. Dabei wurden
einzelne Krustenteile gehoben, hier fiel die weiche
Kaolinrinde der Abtragung zum Opfer. Andere wurden
konserviert und blieben erhalten. Diese Bereiche bil-
den die heutigen Kaolinlagerstätten, die beginnend im
19. und verstärkt im 20. Jahrhundert Gegenstand in-
tensiver bergbaulicher Nutzung wurden. Das gegen-
wärtig bekannte Areal mit wirtschaftlich bedeutenden
Kaolinlagerstätten umfasst eine Fläche von etwa 40
km². In diesem Gebiet wurden insgesamt ca. 75 Mio. t
Kaolin erkundet, von denen in den vergangenen 160
Jahren ca. 31 Mio. t abgebaut wurden.
In Tab. 1 wird eine Übersicht zu den Dimensionen der
behandelten Lagerstätten sowie den Mengen an Kao-
lin gegeben. Diese Angaben sollen eine Vorstellung
von der Größe der Lagerstätten vermitteln. Die tech-
nologisch gewinnbaren Vorräte betragen erfahrungs-
gemäß etwa 60 bis 80 % der genannten geologischen
Vorräte. Die Abbauverluste konzentrieren sich haupt-
sächlich auf in Sicherheitspfeilern blockierte Vorräte.
1.1
1 Einführung

8
Gleichzeitig enthält Tab. 1 Angaben zur Rohkaolin-
förderung und der Produktion von Schlämmkaolin
ausgewählter Jahre, die die Entwicklung dieses Wirt-
schaftszweiges im 20. Jahrhundert widerspiegeln. Die
Bedeutung des Kemmlitzer Gebiets geht daraus her-
vor, dass hier vorwiegend keramische Kaoline ge-
wonnen werden. Für die deutsche Porzellanprodukti-
on von gegenwärtig knapp 50.000 t deckt der Kemm-
litzer Kaolin einen Anteil von ca. 40-50 % des Kaolin-
bedarfs. Eine zunehmende Menge wird für die Erzeu-
gung fertiger Pressmassen eingesetzt, die weltweit
verarbeitet werden. Der Kaolin spielt also eine indus-
triell bedeutende Rolle.
Tab. 1: Übersicht zu Lagerstättendimensionen und Kaolinmengen, Zeitraum der Lagerstättennutzung sowie
Entwicklung der Förderung von Rohkaolin und der Produktion von Schlämmkaolin in den Kemmlitzer
und Börtewitzer Kaolinwerken im Zeitraum 1900 bis 2000
Kap.
Lagerstätte
Fläche mit >10 m
mächtigem Kaolin
(in Tm
2
)
Mittlere
Mächtigkeit
(m)
Geologische
Vorräte
(Dichte = 1,9)
(Tt)
Zeitraum der
Lagerstätten-
nutzung
5.1 Fichtegraben Neusornzig
20 12 450 1840-1964
5.2
Tiefbau Glückauf Kemmlitz
260
25
12.800
1883-1974
5.3 Fortschritt Kemmlitz
50 21 2.000 1921-1972
5.4 Frieden Kemmlitz
180 25 8.500 1924-2004
5.5 Wachberg Glossen
50 14 1.350 1898-1958
5.6 Einheit Börtewitz
190 23 8.300 1901-1963
5.7
Karl Marx Börtewitz
210
16
6.400
1920-1972
5.8
Tagebau Glückauf Querbitzsch
300
15
8.500
1959-2003
5.9 Gröppendorf
330 18 11.300 ab 1972
5.10 Schleben/Crellenhain
300 25 14.200 ab 2004
Jahr
Rohkaolinförderung (t)
Schlämmkaolinproduktion (t)
1900 34.000 8.500
1920 113.000 29.000
1940 284.000 78.000
1960 453.000 129.000
1980 525.000 156.000
2000 386.000 90.000
Wissenschaftliche Untersuchungen und genetische
Interpretationen der Kaoline und ihrer Lagerstätten
begannen im 18. Jahrhundert und wurden seither
fortgesetzt, ein Überblick hierzu wird bei S
TÖRR
(1983) und LANGE (1984) sowie im Kap. 3 dieser Ar-
beit gegeben. Nach ersten lokalen Bohrungen auf
Kaolin in den Anfangsjahren der Kaolingewinnung er-
folgten umfangreichere Erkundungsarbeiten erst,
nachdem sich die Kaolingewinnung als Wirtschafts-
zweig etabliert hatte, im Zeitraum nach dem 1. Welt-
krieg. Geologische Sucharbeiten und die betriebliche
Lagerstättenerkundung wurden seit Ende der 50er
Jahre des vergangenen Jahrhunderts intensiviert.
Durch diese Arbeiten wurde Vorlauf an erkundeten
Vorräten geschaffen und eine Vielzahl von Erkennt-
nissen zu Struktur und stofflicher Zusammensetzung
der Lagerstätten gewonnen. Detaillierte geologische
Untersuchungen wurden immer mehr zur Grundlage
für die Betriebs- und Abbauführung gemacht. Eine
Auswertung dieser Ergebnisse soll in der vorliegen-
den Arbeit dergestalt erfolgen, dass die relevanten
geologischen Daten zu den Lagerstätten dargestellt
werden.
Ausgehend von untertägiger Kaolingewinnung und
einfachen Schlämmverfahren in der Gründerzeit ent-
wickelte sich im Kemmlitzer Gebiet kontinuierlich ein
leistungsstarker Wirtschaftszweig mit modernster
Bergbau- und Aufbereitungstechnik. Diese historische
Entwicklung in ihren einzelnen Etappen darzustellen
und damit für die nachfolgende Zeit zu dokumentie-
ren, ist ebenfalls unser Anliegen, und es werden die
wesentlichen Fakten zur Entwicklung der Unterneh-
men und der Technologie erläutert.
Die Autoren danken Herrn Dr. O. H
IEBER, Geschäfts-
führer der AKW Kick GmbH & Co. KG, Hirschau für
die Unterstützung bei der Bearbeitung der Monogra-
phie. Durch Herrn Dr. H. W
ALTER wurde die Übersicht
zur Geologie der NW-Sächsischen Senke (Kap. 1)
erarbeitet, wofür ihm unser Dank gilt. Unserem
Kemmlitzer Kollegen H. K
IRMSE ist für die Unterstüt-
zung bei der Abfassung der Kapitel zu Aufbereitungs-
technik und Herrn E. M
ARX ist ebenso im Kapitel zur
Entwicklung der Untersuchungskapazitäten zu dan-
ken. Die Abbildungen zu Kap. 5.1 bis 5.7 fertigte in
dankenswerter Weise Herr S. P
FEIL an. Den Herren

9
K.-H. JAHN, Prof. P. BANKWITZ und Herrn H. BIELA
danken wir für die Durchsicht von Teilen des Manu-
skriptes und helfende Hinweise.
1.2
Überblick zur Geologie der Nord-
w
estsächsischen Senke
(H. WALTER)
Die Bergbauregion um Kemmlitz liegt im Naturraum
des Nordsächsischen Platten- und Hügellandes, das -
im Zentrum des „Sächsischen Hügellandes“ gelegen -
auch als „Sächsische Gefildezone“ bezeichnet wird
(N
EEF in MANNSFELD 1992). Ausgangsprodukte der
dort gewonnenen Kaoline sind vulkanische Gesteine
des Rotliegend der Nordwestsächsischen Senke (frü-
her auch als Nordwestsächsischer Vulkanitkomplex
bezeichnet).
Die Nordwestsächsische Senke bildete sich im unte-
ren Perm diskordant über variszischen Großstruktu-
ren des
Nordsächsischen Schiefergebirges
(B
ER-
GER
& DOCEKAL 1997) beeinflusst von Kreuzungsbe-
reichen SW-NO und SO-NW-streichender tektoni-
scher Strukturen und wurde mit dem Abtragungs-
schutt des variszischen Gebirges in Verbindung mit
einem intensiven Vulkanismus verfüllt. Teile des
Nordsächsischen Schiefergebirges treten auf einer
SW-NO-streichenden Achse bei Otterwisch-Haini-
chen, an der Deditzhöhe bei Grimma und am Collm-
bergzug westlich Oschatz zutage und trennen eine
nordwestliche von einer südöstlichen Teilsenke. We-
sentliche Grundgebirgseinheiten der Umgebung der
Nordwestsächsischen Senke sind das Granulitgebir-
ge mit seiner (?) kambrisch bis unterkarbonen Schie-
ferhülle (B
ERGER et al. 1997) im Süden sowie die
nördlichen Ausläufer des Nossen-Wilsdruffer Schie-
fergebirges in der Elbezone (K
URZE et al. 1997) im
Osten.
Eine ausführliche Beschreibung des geologischen
Aufbaus des
Rotliegend
der Nordwestsächsischen
Senke findet sich in W
ALTER (2006). Entgegen Kon-
zepten, die die Füllung dieser Senke als „Vulkanit-
komplex“ mit vorwiegend tektonischen Kontakten
zwischen den einzelnen Einheiten ansahen, lässt sich
heute eine kartierbare lithostratigraphische Abfolge
von vulkanischen, pyroklastischen und sedimentären
Gesteinen bestätigen. Die Verbreitung der wichtigsten
lithostratigraphischen Einheiten zeigt sich schema-
tisch in Abb. 2. Abweichend zu den Angaben der ers-
ten sächsischen Landeskartierung werden in der Ab-
folge des Unterrotliegend die „Kohren“-, „Rochlitz“-,
„Oschatz“- und „Wurzen“-Formation unterschieden,
die Teile der alten Gliederung in Unteres Tuffrotlie-
gendes, Rochlitzer Quarzporphyr, Oberes Tuffrotlie-
gendes und Pyroxenquarzporphyre mit Pyroxengra-
nitporphyren (zuletzt P
IETZSCH 1962) reflektieren. Ein
sicherer Nachweis von Oberrotliegend - für Grob-
klastika bei Mügeln (z. B. K
RAFT & SCHRÄBER 1968)
oder bei Brandis (z. B. E
ISSMANN 1970) verschiedent-
lich vermutet - ist für die Nordwestsächsische Senke
bisher nicht erbracht worden.
Die
Kohren-Formation
(anteilig „Unteres Tuffrotlie-
gendes“ nach P
IETZSCH 1962) besteht lithologisch aus
einer Fanglomerat-Sandstein- und Schluffsteinfolge in
Verzahnung mit sauren, intermediären sowie basi-
schen Pyroklastiten („Lastauer Tuff“, „Rüdigsdorfer
Tuff“) und Vulkaniten. Der „Leisniger Porphyr“ als be-
deutendstes dieser Glieder kann als Lavadom über
100 m (S
IEGERT 1899) mächtig werden. Ferner schal-
ten sich Andesitoide (frühere Bezeichnung „Porphyri-
te“) ein. Bedeutende Mächtigkeiten erreichen sie im
Altendorf-Regiser Vulkanitkomplex und in der Gers-
dorfer, Zschaitzer und Oschatzer Eruptionszone.
Nach G
LÄSSER 1977, 1983 sind diese an zwei nahezu
parallel verlaufende erzgebirgische Bruchzonen ge-
bunden. Die Gesamtmächtigkeit der Kohren-Forma-
tion erreicht 150 bis 200 m. Die in den Sedimenten
unterschiedlicher Lebensräume sporadisch nachge-
wiesene Fossilführung besteht aus einer Flora, die
biostratigraphisch nur unscharf auf den Grenzbereich
Karbon/Perm hinweist (D
ÖRING 1973; BARTHEL 1976).
Die
Rochlitz-Formation
entspricht dem „Rochlitzer
Quarzporphyr“ oder dem Rochlitz-Ignimbrit im enge-
ren Sinne. Die Ignimbrit-Natur des Rochlitz-Ignimbrits
hat S
ÄRCHINGER (1966) erstmals erkannt (RÖLLIG et
al. 1970). Der mehrphasige Aufbau des Ignimbrits in
lithologische Untereinheiten leitet sich aus unter-
schiedlichen Modalbeständen ab, die sich gleichfalls
in etwas abweichenden mikromagnetischen Eigen-
schaften widerspiegeln (E
IGENFELD & MARLE 1980).
Jede dieser Einheiten baut sich jeweils aus Absätzen
mehrerer Einzeleruptionen auf. E
IGENFELD (1978)
versucht, den Ignimbritkörper nach den Absonde-
rungsformen, dem Quarzgehalt, dem Verschwei-
ßungsgrad und der Einsprenglingsdichte in vier Ein-
heiten zu untergliedern: Döbeln-(Rochlitz-)Einheit,
Geithain
-
Einheit, Großbothen-Einheit und Lampers-
dorf-Einheit (ursprünglich „Oschatzer Serie“ bei
E
IGENFELD 1978). Letzterer Typ besitzt eine etwas
abweichende petrographische Ausbildung zu den üb-
rigen Vorkommen des Rochlitzer-Ignimbrits. Dies und
die regional isolierte Lage am Nordrand der Nord-
westsächsischen Senke lassen derzeit keinen li-
thostratigraphischen Vergleich zu. Die Gesamtmäch-
tigkeit der Rochlitz-Formation kann 400 m betragen.
Aufgrund dieser Mächtigkeit und der weitflächigen
Verbreitung markiert die Rochlitz-Formation einen
sehr wichtigen lithostratigraphischen Leithorizont in
der Nordwestsächsischen Senke.
Zur
Oschatz-Formation
(anteilig Oberes Tuffrotlie-
gendes nach P
IETZSCH 1962) zählen heute die „Saal-
hauser“ und „Meltewitzer Schichten“, die bei E
ISS-
MANN
(1970) als Teile der „Rochlitzer Folge“ angese-
hen wurden. Hinzu kommen die „Salbitzer Schichten“,

image
10
Abb. 2: Geologische Übersichtsskizze zur Nordwestsächsischen Senke ohne tertiäre und quartäre Sedimente.
Geologische Grenzen in Anlehnung an L
ORENZ, W. & ŠKVOR, V. (Hrsg.) Geologische Karte der DDR
1 : 200000, Blätter M-33-I Leipzig, Nord, M-33-II Finsterwalde, M-33-VII Karl-Marx-Stadt und M-33-VIII
Dresden-Chabařovice, ZGI Berlin, ÚÚG Praha 1964-1978; Interpretation H. Walter 2003
Fossilfundpunkte in der Oschatz-Formation: I. Saalhausen bei Oschatz, II. Vorwerk Haida bei Lim-
bach; III. Grabung Börtewitz; IV. Wolftitz; V. Buchheim
Fossilfundpunkte in silifizierten Rotliegend-Geröllen quartärer Kiese: 1. ehem. Kiesgrube Clennen, 2.
Brunnenbohrung am Kaolin-Tagebau „Glückauf“ 1988, 3. ehem. Kiesgrube Schlagwitz-Mügeln, 4.
Kiesgrube Luppa (Brandschiefergerölle), 5. Kiesgrube Bockelwitz
die sich nach Z
IEBELL (1974) unter der Zechstein- und
Buntsandstein-Bedeckung der Mügelner Senke mit
den Saalhauser Schichten im Norden verzahnen.
Kennzeichnend für die Glieder der Oschatz-Forma-
tion ist die gemeinsame lithostratigraphische Position
über dem Rochlitz-Ignimbrit. Durch die mangelhafte
Aufschlusssituation war der Zusammenhang dieser
petrogenetisch und faziell unterschiedlichen Bildun-
gen lange Zeit verborgen geblieben. Bohrungen der
SDAG Wismut (S
ELZOW et al. 1972; BRÄUER 1977)
vermitteln heute den Eindruck von einer durchgehend
flächenhaften Verbreitung der Oschatz-Formation

11
zwischen Oschatz im Nordosten und Frohburg im
Südwesten mit lateralen faziellen Vertretungen der
unterschiedlichen sedimentären, pyroklastischen und
vulkanischen Ablagerungen. Grobklastische Schüt-
tungen finden dabei sowohl am Südwestrand (Mess-
tischblätter Leisnig und Mügeln-Oschatz) wie auch im
Norden (Wermsdorfer Wald: „Meltewitzer Schichten“)
der Senke als Schutt- und Schwemmfächerablage-
rungen Verbreitung. Diese gehen zu den beckeninne-
ren Bereichen hin in Stillwasserablagerungen vom
Typ Salbitz und moorähnlichen Ablagerungen vom
Typ Saalhausen über. Zu ihnen gehören die fossilfüh-
renden Folgen von Börtewitz bzw. die Brandschiefer
von Oschatz-Saalhausen. Amphibien und Arthropo-
denreste lassen neuerdings einen biostratigraphi-
schen Vergleich mit der Oberen Goldlauter-Formation
im Thüringer Wald zu (W
ERNEBURG in WALTER 2006).
Vielfach sind Pyroklastite eingeschaltet, die in Rich-
tung Mügeln und Kemmlitz in reine Vulkanite, den
„Kemmlitzer Porphyr“, übergehen. Seit R
ÖLLIG (1976)
gilt dieser als hauptsächliches Edukt der kaoliniti-
schen Kaoline, dem wichtigsten Rohstoff der Kemm-
litzer Lagerstätten.
In die Oschatz-Formation gehören auch die Intrusion
des „Grimmaer Porphyrs“ östlich von Grimma und
westlich Wermsdorf sowie pyroklastische Ablagerun-
gen in südwestlichen Teilen der Nordwestsächsi-
schen Senke. Letztere entsprechen dem „Oberen
Tuffrotliegenden“
PIETZSCHs (1962), zu dem auch der
als Werkstein geschätzte „Rochlitzer Tuff“ zählt.
Unter der
Wurzen-Formation
werden heute die
mächtigen Extrusiv- und Intrusivgesteine zwischen
Wermsdorf, Leipzig und Eilenburg verstanden, die
früher unter petrographischer Bezeichnung als Pyro-
xenquarzporphyre und Pyroxengranitporphyre (z. B.
P
IETZSCH 1962) zusammengefasst wurden. Sie bilden
den jüngsten Teil der Rotliegend-Ablagerungen in der
Nordwestsächsischen Senke, finden aber im Wesent-
lichen in der nordwestlichen Teilsenke ihre Verbrei-
tung. Die Mächtigkeit der Wurzen-Formation beläuft
sich auf mehrere 100 m. Sie wurde bisher nicht
durchteuft. W
ENDT et al. (1995) leiten aus Rb/Sr-,
Sm/Nd- und U/Pb-Datierungen ein Alter von 287 ± 3
Ma für die Platznahme dieser Vulkanite ab.
Intraignimbritisch bilden sich nach G
LÄSSER (1977,
1983) die Andesitoide („Porphyrite“) der Nordrand-
sowie der Ganziger Eruptionszone. Postignimbritisch
dringen auf meist NW-SE-streichenden Elementen
die intrusiven „Pyroxengranitporphyre“ sowie ver-
schiedene Andesitoidgänge auf (G
LÄSSER 1983). Un-
terschiedliche Gangstrukturen durchschlagen im Kon-
text mit den verschiedenen tektonischen Aktivitäten
auch die jeweils älteren Gesteine in der südöstlichen
Teilsenke sowie in deren Umgebung. Bekannt sind
Lamprophyr-, Porphyroid-, Aplit- und Pechsteingänge.
Ihr Alter lässt sich nicht näher spezifizieren.
Von Nordosten werden die Gesteine des Rotliegend
durch Sedimente des
Zechsteins
in einer kontinental
beeinflussten Randausbildung (S
CHUSTER 1933, ULL-
RICH
1964) sowie des
Buntsandsteins
überlagert.
Erosionsreste sind in Form der Bornaer und der Mü-
gelner Senke erhalten. Beide Vorkommen werden in
ihrer Längsausdehnung durch WNW-ESE- bis E-W-
streichende Störungen konturiert. Die Mächtigkeiten
des Zechsteins können hier um 100 m, die des Bunt-
sandsteins bis zu 55 m erreichen.
Die
kretazisch-tertiäre Verwitterung
(s. u.) hat die
an der Erdoberfläche anstehenden Schichtglieder in
unterschiedlichem Maße erfasst. Eine Zusammenstel-
lung der wichtigsten Ausgangsgesteine mitteldeut-
scher Kaolinvorkommen liefert L
EHMANN (1984).
Von den glasarmen Vulkaniten der Nordwestsächsi-
schen Senke ist insbesondere der „Kemmlitzer
Porphyr“ zu nennen, bei dem es sich nach R
ÖLLIG
(1976) um eine Lavavarietät handelt. Auf ihm sind die
Lagerstätten Frieden, Gröppendorf, Schleben u. a.
entwickelt. Die Rohstoffeigenschaften des Kaolins
werden in Kap. 4 beschrieben. Weitere Kaoline glas-
armer Vulkanite sind vom „Gattersburger Porphyr“
(Oschatz-Formation), „Seifersdorfer Porphyr“ (Koh-
ren-Fm.) bei Seifersdorf und Schönerstedt bekannt.
Der „Leisniger Porphyr“ (Kohren-Fm.) lieferte meist
grobsandig-grusige Zersätze durch mechanischen
Zerfall in Verbindung mit Feldspatkaolinisierung
(H
OHL & WILSDORF 1966). Lediglich von einem Vor-
kommen bei Leisnig sind nach LEHMANN rotbraune
und rotgelbe tonig-sandige Kaoline bekannt. L
EHMANN
(1984) vermutet, dass die reiferen Abschnitte des
Verwitterungsprofils überwiegend erosiven Prozessen
zum Opfer gefallen sind. Damit könnte die Beobach-
tung im Einklang stehen, dass im Verbreitungsgebiet
des „Leisniger Porphyrs“ keine Tertiärrelikte beobach-
tet werden.
Kaoline auf sauren Übergangsmagmatiten kennt man
vom „Grimmaer Porphyr“ (Oschatz-Fm.) bei Förstgen,
Grechwitz und Zeunitz südöstlich von Grimma sowie
vom „Pyroxengranitporphyr“ (Wurzen-Fm.) bei Alten-
bach südwestlich von Wurzen.
Kaoline auf glasigen Vulkaniten (Ignimbrite, Ge-
steinsgläser, Pyroklastite) zeichnen sich durch ihren
wechselhaften Mineralbestand und einen erhöhten
Gehalt an Mixed-Layer-Tonmineralen aus. Eine grö-
ßere Bedeutung besaßen die Kaoline auf dem weit-
flächig verbreiteten Ignimbrit der Rochlitz-Formation,
dem „Rochlitzer Porphyr“. Lagerstätten sind nach
L
EHMANN aus Ballendorf westlich Colditz, Dürrweitz-
schen nordwestlich von Leisnig und Hohnbach süd-
westlich von Colditz bekannt. Solche Kaoline finden
sich auch im Kemmlitzer Revier (Kap. 5). Weitere La-
gerstätten bzw. Kaolinvorkommen sind vom „Dornrei-
chenbacher Porphyr“ sowie vom „Buchheimer

12
Porphyr“ (beide Oschatz-Fm.) bekannt. Die Pyroxen-
quarzporphyre (Wurzen-Fm.) lieferten Kaoline bei
Hohburg, Brandis und Nerchau (S
TÖRR 1983, LEH-
MANN
1984). Kaoline auf Andesitoiden der Wurzen-
Formation kennt man auch aus dem Verband der La-
gerstätte Dürrweitzschen (S
TÖRR 1983) sowie aus
dem Verband der Lagerstätte Gröppendorf (Kap. 5.9).
Zur jüngeren Überdeckung der Nordwestsächsischen
Senke gehören tertiäre Sedimente des
Oligo- bis
Miozäns
. Die Aufschlussverhältnisse in den wenigen
zugänglichen Vorkommen zeigen, dass diese Tertiär-
relikte abrupte laterale Begrenzungen besitzen, die
erosiv sind. Die Vorkommen sind autochthon gebildet
worden. Um glazigen verlagerte Schollen handelt es
sich bei ihnen nicht. Altersgleichheit und die ver-
gleichbare Ausbildung von eingelagerten Braunkoh-
lenflözen sowie der sie begleitenden Sedimente brin-
gen L
OTSCH et al. (1969) zu der Annahme, dass die
heute isolierten Tertiärvorkommen primär in einem
Nordwestsächsischen Schuttfächer zusammenhin-
gen. Paläobotanische Untersuchungen (M
AI & WAL-
THER
1983) stützen die von LOTSCH et al. (1969) ge-
troffene Alterseinstufung. Auffällig ist die Bindung die-
ser reliktischen Tertiärvorkommen an Hochlagen des
wenig zersetzten Porphyrs.
Die Profile setzen sich meist aus Mittel- und Grob-
sanden sowie Feinkiesen zusammen. Teilweise sind
diese Klastite zu Tertiärquarziten umgewandelt. Ihr
Vorkommen in teils mächtigen Lagern bot einst an
mehreren Stellen - so bei Gröppendorf und Glossen
sowie am Wermsdorfer Wald - Anlass zu bergmänni-
scher Gewinnung. Die Sandabfolgen können unter-
schiedlich mächtige Braunkohlenflöze begleiten, wie
sie beispielsweise aus Bohraufschlüssen nördlich und
südlich von Mügeln bekannt sind. Vereinzelte Kohle-
einlagerungen treten auch an der Basis der den Kao-
lin überlagernden Sande der Lagerstätte Gröppendorf
auf. Bei Seelitz sind dagegen mehrere Meter mächti-
ge Tone nachgewiesen worden, die vermutlich einst
das Liegende der hier erodierten Flöze bildeten. Die
isolierten Erosionsreste tertiärer Sedimente finden im
gesamten Untersuchungsgebiet Verbreitung, nehmen
aber von Norden nach Süden bis Südwesten flächen-
haft ab. Sie können im Kemmlitzer Lagerstättenrevier
bis zu 10 m mächtig sein.
Jüngere Bildungen sind pleistozäne Sedimente des
Elster-
und möglicherweise des
Saaleglazials
mit ih-
ren Moränen und Beckenschluffablagerungen bis ca.
30 m Mächtigkeit. Auf den Hochflächen nördlich und
nordwestlich von Mügeln wurden über glazilimnischen
Sedimenten zwei (?) insgesamt bis zu 20 m mächtige
Moränenablagerungen erbohrt, von denen der Ge-
schiebemergel an der Basis dem Elsterglazial (? g E
2) angehören dürfte (W
ALTER 1990). Das saalezeitli-
che Alter des darüber folgenden Geschiebelehms ist
nicht sicher zu belegen. Möglicherweise handelt es
sich bei ihm auch nur um einen sekundär entkalkten
Abschnitt im Top der Elstermoräne.
Glazigene Stauchungsprozesse führten an verschie-
denen Stellen zur Deformation der Kaolinoberflächen.
Neben Einmuldungsstrukturen bis 5 Meter Tiefe, die
mit quartären Sedimenten gefüllt sind, finden sich di-
apirartige Aufpressungen des Kaolins in gleicher
Größenordnung. Besonders intensiv sind diese Struk-
turen vor Tertiärrelikten mit Tertiärquarziten ausgebil-
det, die der vorrückenden Eisfront einen Widerstand
entgegen gesetzt haben (Lagerstätte Gröppendorf,
Kap. 5.9), oder in der Lagerstätte Hohburg, wo eine
Stauchung des Kaolins am Porphyrmassiv des „Klei-
nen Berges“ erfolgte.
Im Kemmlitzer Lagerstättenrevier sind außerdem
jungpleistozäne und holozäne Rinnenbildungen nach-
weisbar, die zur Konturierung der Kaolinlager beitra-
gen (s. Kap. 5 und 7). Eine Besonderheit in ihnen
sind fossilführende Gerölle aus silifiziertem Rotlieg-
endmaterial, die Hinweise auf das verdeckte spätgla-
ziale Drainagesystem geben. Hochflächen und Tal-
flanken werden durch Lösse und Lösslehme des
Weichselglazial
s abgedeckt. Letztere können insbe-
sondere an Leehängen beträchtliche Mächtigkeiten
bis zu 15 m erreichen. In Bachtälern finden holozäne
Auensedimente Verbreitung.
Die Lösse auf den Hochflächen bilden die Grundlage
für sehr fruchtbare Ackerböden mit einer intensiven
landwirtschaftlichen Nutzung seit dem frühen Mittelal-
ter. Mit dem Bergbau auf Steine-Erden-Rohstoffe
(einstiger Bergbau auf Schottergesteine und Tertiär-
quarzite, Ton- und Kaolingruben) entwickelten sich
konkurrierende Nutzungsansprüche für die einzelnen
Flächen heraus, die den Kemmlitzer Kaolinbergbau
bis in die heutige Zeit begleiten.
2
Zur Entdeckung, Erkundung und
Untersuchung der Lagerstätten
Hinsichtlich der Entdeckung und Erkundung der Kao-
linlagerstätten des Kemmlitzer Reviers lassen sich
mehrere Etappen zeitlich unterscheiden und inhaltlich
charakterisieren. Sie sollen einleitend kurz erwähnt
und anschließend näher erläutert werden.
- Von den Anfängen im 18. Jahrhundert bis 1883:
In diese Zeit fallen erste Entdeckungen von Kaolin
(weiße Erde, Porzellanerde) im sog. Rost bei Pomm-
litz und um Kemmlitz. Im Jahre 1816 wird im so ge-
nannten Fichtegraben bei Neusornzig ein Kaolinvor-
kommen entdeckt und ab 1840 durch die Porzellan-
manufaktur Meißen genutzt.

13
- Zeitraum 1883 bis 1918:
Funde von Kaolin auf den Feldern der Gutsbesit-
zer R
IEDEL und WOLF führten 1883 und 1886 zur
Einrichtung erster Abbaue und einfacher
Schlämmanlagen. In der Folgezeit wurden auch
Kaolinvorkommen auf den Fluren Börtewitz und
Baderitz erschlossen und abgebaut.
- Zeitraum zwischen 1918 und 1945:
In den vorangegangenen drei Jahrzehnten hatte
sich die bergmännische Kaolingewinnung und
Verarbeitung zu Schlämmkaolinen im Kemmlitzer
Revier zu einem Wirtschaftszweig entwickelt, der
für die feinkeramische Industrie Deutschlands zu-
nehmend an Bedeutung gewann.
- Zeitraum nach 1945:
Nach der Wiederaufnahme der Kaolinproduktion
nach dem 2. Weltkrieg, dem Zusammenschluss
der ehemaligen privaten Kemmlitzer und Börtewit-
zer Kaolinwerke und deren Überführung in Volks-
eigentum widmete man ab Mitte der 50er Jahre
der weiteren geologischen Erkundung verstärkte
Aufmerksamkeit.
2.1
Von den Anfängen im 18. Jahrhundert
bis 1883
Die Nutzung von Rohstoffen aus dem Kemmlitzer
Raum für feinkeramische Erzeugnisse, d. h. Produkte
mit heller Brennfarbe, lässt sich bis ins 18. Jahrhun-
dert zurückverfolgen. Sie dürfte im Zusammenhang
stehen mit der Erfindung des europäischen Porzel-
lans 1709 in Meißen und der im Jahre 1774 erfolgten
Gründung einer Fayence-Manufaktur im Schloss Hu-
bertusburg in Wermsdorf durch den Grafen Marcolini.
Es kann als sicher gelten, dass seit dieser Zeit mit
Erden aus der Umgebung von Kemmlitz und aus dem
nahe gelegenen sog. „Rost“, einem zwischen den Or-
ten Glossen und Pommlitz verlaufenden kleinen Tal,
experimentiert wurde. Am Südhang dieses Tales tre-
ten der Porphyr sowie dessen kaolinitische Verwitte-
rungskruste zu Tage und fanden offenbar Verwen-
dung.
So wird in einem Bericht von 1814 ein Masseversatz
erwähnt, der u. a. „Glossener Erde“ neben Colditzer
Ton, Nerchauer Sand und Dölzner Kreide enthält. Um
1822 wird Heinrich Gottlieb Kühn, der schon seit 1817
im Auftrag der Königlichen Porzellanmanufaktur Mei-
ßen die Untersuchung des Kaolinvorkommens Fich-
tegraben Neusornzig durchführte und ausgewertet
hatte, mit der Überprüfung und Unterstützung der
Hubertusburger Manufaktur beauftragt. Seine Tätig-
keit in Hubertusburg galt vor allem der Qualitätsver-
besserung der Erzeugnisse, die beim gegebenen
Masseversatz offenbar nicht zufrieden stellend war,
sowie der Rentabilität, da die Manufaktur zeitweilig
mit Verlusten arbeitete.
Im „Hauptbericht über die Steingutmanufaktur Huber-
tusburg vom 19. Juli 1826“ berichtet K
ÜHN (1828),
dass er eine Suche und Untersuchung aller unbe-
kannten Erden um Wermsdorf bis Sornzig initiiert hat,
indem die „Lokaladministratoren“ angewiesen wur-
den, Proben von Erden, die weiß bzw. hell sind, ein-
zusenden. Für ihre Mühe bei der Gewinnung oder bei
guter Beschaffenheit wurde eine Vergütung in Aus-
sicht gestellt. In einem Journal wurde dokumentiert,
dass von mehreren Seiten Proben eingegangen sind.
Besonders reine und umfangreiche vom Dorfe
Kemmlitz, anscheinend in ähnlicher Beschaffenheit
wie in Sornzig. Diese Untersuchungen wurden im
Herbst 1826 fortgesetzt. Nach K
ÜHN (1828) wurden
„durch Schürfen und Bohren beim Dorfe Kemmlitz
Erdablagerungen näher untersucht, in Verbindung mit
zersetztem Porphyr, wo sie vollkommene Übergänge
bilden“ (Bericht vom 3. Juni 1827). Eine Mächtigkeit
von über 8 Ellen und mehr Verbreitung wird festge-
stellt, damit wird die Versorgung der Manufaktur Hu-
bertusburg als gesichert angegeben. Es schließt sich
eine lange Reihe von Prüfungen an. Unter Zusatz von
„mürbem Feldspat-Porphyr“, Kemmlitzer Erde sowie,
der Duktilität wegen, Erde von Mahlis werden ausge-
zeichnete Steingutproben gewonnen, die dem engli-
schen Steingut nicht nachstehen. Versuche zur Mas-
seherstellung wurden durchgeführt; durch „Trocken-
Pochen und Nass-Mahlen“ wurde der grusig verwit-
terte Porphyr, auf erforderliche Feinheit gebracht, zu
⅜ Bestandteil der Masse.
Am 22. April 1828 kann K
ÜHN berichten, dass durch
die Veränderung der Masse bei Einsatz von „ausge-
schlämmter hochfeuerbeständiger Kemmlitzer Erde“
und halbverwittertem Kemmlitzer Porphyr eine besse-
re Qualität erreicht wurde, es konnten weiße Probe-
teller hergestellt werden. Die Massezusammenset-
zung wird angegeben mit:
5 Teilen roher Kemmlitzer Erde
2 Teilen desgl. Glossener Erde
1 Teil desgl. Pommlitzer Erde.
Als Flussmittel wurde, wie schon erwähnt, ein aufge-
mahlener Porphyr von grünlich-weißer Farbe zuge-
setzt. Dem Sächsischen König wurden daraus herge-
stellte Probeteller übergeben (K
ÜHN 1828).
Die Gewinnung von Kaolin bei Kemmlitz für die Hu-
bertusburger Manufaktur erfolgte bis 1848, zu diesem
Zeitpunkt wurde der Betrieb eingestellt. Erst später,
1883 durch W. R
IEDEL und 1886 durch F. WOLF, wur-
de eine verstärkte bergmännische Gewinnung von
Kaolin im Kemmlitzer Gebiet aufgenommen.

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14
Die Entdeckung eines weiteren Kaolinvorkommens
erfolgte anlässlich einer Lokalrevision des Stiftes
Sornzig bei Mügeln im Jahre 1816. Durch den
Schriftsekretär Hauptmann F
LACHS wurde in einem
zum Klostergute gehörenden Wäldchen bei Baderitz,
dem sog Fichtegraben (früher auch Fichtengrund),
eine weiße Erde gefunden. Eine entnommene und in
Dresden untersuchte Probe erbrachte hinsichtlich
Brennfarbe und Feuerbeständigkeit eine gute Quali-
tät. Daraufhin wurden einige Zentner dieser Erde ab-
gegraben und in der Königlichen Porzellanmanufaktur
in Meißen Versuche damit durchgeführt. Eine erste
Voruntersuchung des Vorkommens (K
ÜHN 1817)
durch 10 Bohrungen ist dokumentiert (Abb. 3 und 4).
Nach den insgesamt recht günstig ausgefallenen Un-
tersuchungen wollte die Manufaktur das Erdenlager
erwerben, der Kontrakt kam allerdings aufgrund von
Unstimmigkeiten, insbes. zum Grundzins, nicht zum
Abschluss. Erst im Jahre 1836 wurde die Lagerstätte
durch weitere Schurfschächte seitens der Königlichen
Porzellanmanufaktur Meißen eingehender untersucht
und 1837 mit dem Stifte Sornzig ein Vertrag über die
Nutzung abgeschlossen. Das Teufen eines Schach-
tes erfolgte ab 1839, so dass gegen Ende 1840 mit
der Förderung von Kaolin begonnen wurde.
Hinweise auf Kaolin im Gebiet westlich von Kemmlitz
wurden auch im Zuge der Geologischen Landesauf-
nahme Sachsens, die in der 2. Hälfte des 19. Jahr-
hunderts erfolgte, gewonnen. Die Kartierung des
Messtischblattes Mutzschen (Nr. 29) wurde durch
S
IEGERT (1884) abgeschlossen. In den „Erläuterungen
zur Geologischen Spezialkarte“ finden sich Bemer-
kungen zum Auftreten von Kaolin als Verwitterungs-
bildung des Rochlitzer Quarzporphyrs an verschiede-
nen Lokalitäten, so z. B. zu verschiedenen Fundstel-
len in einem kleinen Tal westlich von Kemmlitz.
Abb. 3: Titelblatt des Untersuchungsberichtes Fich-
tegraben Neusornzig, K
ÜHN (1817)
Abb. 4: Situationsplan des Fichtengrundes mit Lage der 1817 niedergebrachten Bohrungen

15
2.2
Zeitraum 1883 bis 1918
Das letzte Drittel des 19. Jahrhunderts ist in Deutsch-
land durch eine starke industrielle Entwicklung ge-
kennzeichnet, davon wird ebenfalls die feinkerami-
sche Industrie erfasst. Der Bedarf an Rohstoffen fällt
zusammen mit dem Bestreben verschiedener Grund-
eigentümer im Kemmlitzer Raum, die auf ihren Fel-
dern bekannt gewordenen Kaolinvorkommen einer
Nutzung zuzuführen. Ein Abbau von Kaolin erfolgte
1883 durch den Gutsbesitzer Wilhelm R
IEDEL in
Kemmlitz. Der Rohkaolin wurde über einen ca. 1 km
westlich des Ortes gelegenen Schacht gefördert und
mittels Pferdegespannen abtransportiert (vgl. Abb.
59). Auch der Gutsbesitzer Ferdinand W
OLF ließ um
1885 auf seinen Feldern westlich von Kemmlitz Boh-
rungen niederbringen, mit denen Kaolin besonders im
Bereich der sog. Ziegenbergschlucht nachgewiesen
wurde. Seine Bestrebungen zur Nutzung dieses Vor-
kommens führten zum Aufschluss durch einen Stol-
len, über den der gewonnene Kaolin abgefördert wur-
de. In den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts wurden
im Gelände nördlich von Kroptewitz eine Reihe von
Bohrungen geteuft, die als „Gruhls Bohrungen“ in den
Erläuterungen zur Geologischen Spezialkarte, Blatt
Mutzschen erwähnt sind und zwischen 10 und 20 m
Kaolin nachgewiesen haben, ohne das Liegende zu
erreichen (S
IEGERT 1916). In diese Zeit fallen auch
Bohrungen nordwestlich des Ortes Börtewitz, mit de-
nen ebenfalls ein Vorkommen an Kaolin an der Ver-
bindungsstrasse Börtewitz–Querbitzsch gefunden
wurde. Durch Erkundungsbohrungen auf den Feldern
der Gutsbesitzer T
HOMAS (Rittergut Börtewitz) und
STARKE auf ihren Fluren nordöstlich von Börtewitz
wurde vor allem im Bereich des als „Rummliche“ be-
zeichneten Talabschnittes des Kemmlitzbaches Kao-
lin nachgewiesen, der in der Zeit nach dem 1. Welt-
krieg Gegenstand des Abbaues werden sollte.
Zusammenfassend kann man feststellen, dass im
Zeitraum 1883 bis zum Beginn des 1. Weltkrieges im
Kemmlitz-Börtewitzer Gebiet eine Reihe Kaolinvor-
kommen durch Bohrarbeiten aufgefunden und durch
bergmännische Arbeiten erschlossen wurden. Man
kann davon sprechen, dass sich in dieser Zeit hier
der Wirtschaftszweig Kaolinindustrie etabliert hat. Zur
Entwicklung der einzelnen Unternehmen wird im Kap.
6 berichtet.
2.3
Zeitraum 1918 bis 1945
Umfangreiche Erkundungsarbeiten durch Bohrungen
erfolgten vor allem in den 20er und 30er Jahren des
vergangenen Jahrhunderts. Die zunehmende techni-
sche Ausrüstung und Kapazitätserweiterung der Be-
triebe, insbesondere die aus dem Familienbetrieb
R
IEDEL hervorgegangene „Sächsische Elektro-Osmo-
se-Kaolinwerke GmbH (SEOK)“ erforderte, für einen
längeren Zeitraum abbauwürdige Kaolinvorräte nach-
zuweisen.
Tab. 2:
Übersicht zu Erkundungsbohrungen auf Kaolin im Kemmlitzer Revier in den Jahren 1918–1940
Flur
Lokalität
Jahr
Umfang und Bezeichnung der Bohrung
Bohrteufe
Kemmlitz
Südlich Gut Riedel 1918 III-IX 5-20 m
1921
14, 18, 19
max. 50 m
1929 A-F 20-50 m
1934 G-P 20.50 m
Östlich Gut Riedel
1934
Q-U
40-60 m
Tiefbaufeld d. SEOK
Fläche südlich des Abbaufeldes
1928
Untertage-Bohrungen 1-12 auf 1.-3. Sohle
13-18
15-30 m
Börtewitz
Nordöstlich d. Ortes sog. Rummliche
1921
3-17
20-30 m
1924 1-34 10-35 m
1937 1-13
1937 56-67 15-35 m
1940 1-16
Nördlich d. Ortes
1936
Untertage-Bohrungen 1-7 auf 2. Tiefbau-Sohle
15-20 m
Nordwestlich d. Ortes
1937
68-75
30-45 m
1938 103-115 20-50 m
Querbitzsch
Östlich d. Ortes Wolffersdorf’sches Feld
1936
Untertage-Bohrungen 21-27 auf Erkundungsstre-
cken
10-25 m
1937 28-55 20-40 m
Glossen
Gebiet westlich des Wachberges
1926
6-12
10-25 m
Pommlitz
Nördlich d. Straße Mügeln-Ablass
1937/38
76-99
25-50 m

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16
Aus der Übersicht zu den zwischen 1918 und 1940
durchgeführten Erkundungsbohrungen (Tab. 2) ergibt
sich, dass auf Veranlassung der vier kaolinproduzie-
renden Unternehmen des Kemmlitzer Reviers auf den
Fluren Kemmlitz, Börtewitz, Querbitzsch, Pommlitz
und Poppitz insgesamt ca. 240 Bohrungen mit etwa
5000 Bohrmetern zu Erkundungszwecken geteuft
worden sind. Damit wurden in reichlich vier Jahrzehn-
ten mit rel. wenig Aufwand sowohl fördernde Abbau-
stätten vorrats- und qualitätsmäßig abgesichert als
auch perspektivisch zu nutzende Lagerstätten orien-
tierend untersucht.
Neben Übertage-Bohrungen wurden mehrfach auch
Erkundungsstrecken aufgefahren und von diesen Un-
tertagebohrungen geteuft. Die analytischen Untersu-
chungen an den erbohrten Kaolinen erfolgten in den
Betriebslaboratorien bzw. für die zur SEOK gehören-
den Lagerstätten später im Zentrallabor der Zettlitzer
Kaolinwerke in Merkelsgrün bei Karlsbad.
Aufmerksamkeit wurde auch der Untersuchung der in
den aufgeschlossenen Lagerstättenteilen anstehen-
den Rohkaoline geschenkt. Zur Problematik einer
qualitätskonstanten Produktion sind schon in einem
Merkblatt „Wissenswertes über SEOK-Kaoline“ aus
den 30er Jahren Feststellungen enthalten, die in spä-
teren Jahren an Bedeutung gewinnen sollten. Beson-
ders die Erkenntnis, dass trotz gleicher chemischer
Zusammensetzung der Kaoline (seinerzeit vorwie-
gend als Tonsubstanz in der rationellen Analyse aus-
gewiesen) die wesentlichen physikalischen Eigen-
schaften wie Plastizität, Trockenbiegefestigkeit oder
Verflüssigung große Unterschiede aufweisen, führte
zu der Notwendigkeit, eingehende Untersuchungen
der durch Strecken aufgeschlossenen Kaoline durch-
zuführen. Inhomogenitäten und wechselnde stoffliche
und technologische Eigenschaften innerhalb der im
Abbau befindlichen Lagerstätten machten eine Be-
probung der anstehenden Rohkaoline und der kar-
tenmäßigen Darstellung der ermittelten Werte not-
wendig (Abb. 5).
Die Ergebnisse wurden genutzt, um durch entspre-
chende Belegung von Abbauorten im Tiefbaufeld eine
Rohkaolinmischung zu fördern, die es ermöglichte,
die Qualität der Schlämmkaoline zu vergleichsmäßi-
gen. Der Abbau erfolgte damit nicht mehr ausschließ-
lich nach bergtechnischen Gesichtspunkten.
2.4
Zeitraum nach 1945
2.4.1
Suche und Vorerkundung
Verstärkte Aktivitäten zur Lagerstättenerkundung im
Kemmlitzer Revier erfolgten in den 50er Jahren. So
wurde vom Betrieb Vereinigte Kemmlitzer Kaolinwer-
ke 1955 bei der damaligen Staatlichen Geologischen
Kommission, Außenstelle Freiberg, die Durchführung
geologischer Erkundungsarbeiten mit dem Ziel bean-
tragt, für 25 Jahre Kaolinvorräte nachzuweisen. Diese
Arbeiten wurden in den Jahren 1958 bis 1961 reali-
siert. Auf dem rd. 6 km² großen Bohrfeld (Abb. 6)
wurden insgesamt 220 Bohrungen mit ca. 6000
Bohrmetern niedergebracht, wobei die Bohrlochab-
stände zwischen 100 und 300 m lagen (B
ÖHME 1966).
Abb. 5: Ausschnitt aus dem Grubenriss des Gottes-
Segen-Schachtes Kemmlitz 2. Sohle. Dar-
stellung physikalischer Kennwerte (S
CHMU-
CKER
, 1943)
Weitere großräumige Sucharbeiten auf Kaolin erfolg-
ten im Auftrag der Kemmlitzer Kaolinwerke 1988 und
1989 durch den VEB Geologische Forschung und Er-
kundung, Betrieb Freiberg, nördlich und nordöstlich
des Kemmlitzer Kaolinabbaugebietes (W
ALTER 1990).

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17
Abb. 6: Kartenskizze Suchgebiete auf Kaolin 1959-1961 und 1988-1989
Abb. 7: Bohrbrigade der Abt. Geologie Kemmlitz am
Tagebau Karl Marx, 1963
2.4.2 Betriebliche geologische Erkundung
Mit der Bildung einer Geologischen Abteilung im VEB
Vereinigte Kemmlitzer Kaolinwerke im Jahre 1962
wurde die Grundlage für die Durchführung betriebli-
cher geologischer Erkundungsarbeiten auf den in Ab-
bau befindlichen Lagerstätten geschaffen. Die Zu-
ständigkeit der Abteilung erstreckte sich auch auf die
übrigen Kaolinwerke der DDR und später auch auf
die Glassandbetriebe. Hauptaufgabe war dabei die
detaillierte Erkundung und Neuberechnung der in den
Vorfeldern der fördernden Tagebaue anstehenden
Kaolinvorräte, um aussagekräftige Kenntnisse zur
Lagerstättenmorphologie und zur Qualitätsverteilung
zu gewinnen, die dann zunehmend die Grundlage für
die Tagebauentwicklung und die Abbau- und damit
Qualitätssteuerung bildeten. Die Bohrkapazität der
mit zwei Autobohrgeräten ausgerüsteten Abteilung
betrug um 4000 Bohrmeter pro Jahr, die zur Realisie-
rung dieser Zielstellung zur Verfügung standen. Die
Abb. 7 zeigt ein betriebseigenes Autobohrgerät im
Einsatz. In diesem Zeitraum wurden auch die Lager-
stätten Gröppendorf und Schleben/Crellenhain als
Ersatzlagerstätten neu erkundet, Vorräte in Höhe von
ca. 25 Mio. t berechnet und durch die Zentrale Vor-
ratskommission (ZVK) der DDR bestätigt (S
CHWERDT-
NER 1968, PENTZEL 1989).

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18
Zwischen 1992 und 2004 erfolgten weitere Verdich-
tungsbohrungen u. a. in bestimmten Bereichen der
Lagerstätten Gröppendorf, Schleben/Crellenhain, Ta-
gebau Frieden und Tiefbau Glückauf Südfeld. Sie
dienten der Klärung von Detailfragen zur Abbaufüh-
rung und Qualitätssicherung. Bohrungen zur Einrich-
tung von insgesamt 30 Grundwassermessstellen
wurden zwischen 1991 und 2003 im Gebiet von
Gröppendorf und Schleben/Crellenhain geteuft. Im
Jahre 2000 wurde das Feld Schleben 3 durch acht
Bohrungen mit ca. 400 Bohrmetern erkundet und die
Kaoline eingehend stofflich und technologisch unter-
sucht (A
NGER 2001).
Als weitere Aufgabe der Betriebsgeologie gestaltete
sich die Bemusterung der in Abbau befindlichen La-
gerstättenbereiche. Diese Arbeiten leiteten sich aus
den ständig gestiegenen Anforderungen der kerami-
schen Industrie nach Qualitätsverbesserung und ganz
besonders nach Qualitätskonstanz der aufbereiteten
Rohstoffe ab, die wiederum aus dem erhöhten Me-
chanisierungs- und Automatisierungsgrad im Indust-
riezweig Feinkeramik resultierten. Hierfür bilden mög-
lichst qualitätskonstante Rohstoffe eine Vorausset-
zung, um effektiv zu produzieren (B
AUTZE &
SCHWERDTNER 1972). Dem gegenüber stehen die ab-
zubauenden und in unterschiedlichem Maße inhomo-
genen Lagerstätten mit lokal variabler Mineral-, che-
mischer und Korngrößenzusammensetzung. Durch
Beprobung der einzelnen Abbauschnitte in den Tage-
bauen, kleintechnische Aufbereitung und analytische
Untersuchung der Proben wurden Informationen zur
Qualitätsverteilung in den Abbaubereichen gewon-
nen, die die Grundlage für die Abbausteuerung bilde-
ten. Die Bemusterungsarbeiten erfolgten je nach Ab-
baufortschritt der Tagebaue 1-2 mal jährlich, ihre Er-
gebnisse wurden im Zeitraum 1962 bis 1990 in zahl-
reichen Berichten vor allem durch A. C
HODURA doku-
mentiert. In Abb. 8 wird als Beispiel ein Ausschnitt ei-
ner Auswertung von Bemusterungsergebnissen auf
fotografischer Grundlage dargestellt. Diese Arbeiten
und ihre Auswertung wurden seit ihrer Einführung
1962 modifiziert, verbessert und ihr Ablauf beschleu-
nigt. Die gegenwärtige Verfahrensweise der Ab-
bausteuerung wird bei der Lagerstätte Gröppendorf
erläutert.
Die Abteilung Geologie der Kemmlitzer Kaolinwerke
wurde seit 1962 kontinuierlich erweitert, sie umfasste
1989 insgesamt 18 Beschäftigte, davon 6 Hoch- und
Fachschulabsolventen sowie eine Bohrbrigade mit 8
Arbeitskräften. Die Abteilung Geologie betreute ne-
ben den Kemmlitzer Abbauen auch die Betriebe Ca-
minau, Seilitz-Löthain, Salzmünde mit Spergau und
Roßbach und die Quarzwerke in Weferlingen und
Hohenbocka mit einer Jahresproduktion von ca. 250
Tt Schlämmkaolin, ca. 70 Tt weißbrennendem Ton
und ca. 800 Tt Quarzsand. 1990 wurde die Abteilung
aufgelöst. Die Abbaubetreuung und Qualitätssiche-
rung in Kemmlitz wird seither von einem Geologen
und einem leistungsfähigen Betriebslabor realisiert.
Abb. 8: Darstellung von Bemusterungsergebnissen des Tgb. Frieden Kemmlitz (C
HODURA 1981)

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19
2.5 Entwicklung von Untersuchungskapazi-
täten
In den Anfangsjahren der Kaolingewinnung wurden
empirische Untersuchungen zur generellen Eignung
der Kaoline für die Herstellung bestimmter Produkte
vorgenommen, wie im Kap. 2.1 ausgeführt. Ende des
19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wurden chemi-
sche und rationelle Analysen und keramtechnische
Untersuchungen in Speziallaboratorien, z. B. bei Prof.
S
EEGER, Berlin oder Dr. STOERMER, Berlin durchge-
führt (Abb. 9).
Abb. 9: Kopie einer Rationellen Analyse aus dem
Labor Dr. S
TOERMER Berlin von 1900
Einfache Prüfungen zur Kontrolle der Schlämmkaoli-
ne wurden in den Betrieben vorgenommen. L
ANGE
(1984) erwähnt ein 1927 in der SEOK Kemmlitz be-
findliches Labor für Qualitätsüberwachung und For-
schung/Entwicklung. Nach Fusion der SEOK mit den
Zettlitzer Kaolinwerken erfolgte ein wesentlicher Teil
der Untersuchungen im Zentrallabor des Unterneh-
mens in Merkelsgrün bei Karlsbad. Die Firma W
OLF
errichtete wahrscheinlich in den 30er Jahren ein be-
scheidenes Labor, das ab 1951 zum Labor der nun-
mehr Vereinigten Kemmlitzer Kaolinwerke erweitert
wurde. 1960 erfolgte der Neubau eines Betriebsla-
bors für die VKKW am Standort des Hauptwerkes. An
Untersuchungen wurden u. a. die klassische Silikat-
analyse, Sieb- sowie Sedimentationsanalysen nach
A
NDREASEN und wesentliche keramtechnische Be-
stimmungen (TBF, Verflüssigung, Trocken- und
Brennschwindungen etc.) ausgeführt. Die Ausrüstung
des Labors mit Anlagen zur Röntgendiffraktometrie
(HZG 1) erfolgte 1965 und zur Röntgenfluoreszenz-
analyse (VRA 20) 1981, weiterhin wurden 1980 ein
Atomabsorptions-Spektralphotometer und 1984 ein
Plangitterspektrograph zur Spurenelementbestim-
mung angeschafft.
Nach 1990 wurden die Ausrüstungen des Labors
durch modernste Analysentechnik effizienter gestal-
tet. Ersatzinvestitionen erfolgten für die RFA durch
Anschaffung eines PW 1660 (Fa. P
HILIPS) sowie
eines Sedigraphen 5100, Micromeritics, (M
ARX &
S
CHWERDTNER 1999). Ab 1998 wurden Geräte zur
Kohlenstoffanalyse mittels RC-412 (Fa. LECO) und
zur dilatometrischen Bestimmung des Wärmeaus-
dehnungskoeffizienten eingesetzt.
Nicht unerwähnt bleiben soll der Aufbau einer klein-
technischen Aufbereitungsanlage für Kaoline in der
Abt. Forschung/Entwicklung im Jahre 1962. Damit
wurde erstmals die Möglichkeit geschaffen, größere
Mengen von Probematerial aus Erkundungsbohrun-
gen und Tagebaubemusterungen im Wesentlichen
analog zur industriellen Aufbereitung zu bearbeiten.
Für die chemischen und keramtechnischen Folgeun-
tersuchungen wurde somit ein der betrieblichen Auf-
bereitung entsprechendes Material gewonnen, außer-
dem konnten aufbereitungstechnische Parameter wie
z. B. Masseausbringen, Sedimentations- und Filtrati-
onsverhalten der Kaoline besser charakterisiert wer-
den.
Im Rahmen längerfristiger Forschungsarbeiten erfolg-
te seit 1963 eine eingehende Bearbeitung der Minera-
logie der Kemmlitzer wie auch der anderen Kaoline
der DDR. Diese Arbeiten wurden in enger Zusam-
menarbeit zwischen der Universität Greifswald, Sekti-
on Geologische Wissenschaften, und den Kemmlitzer
Kaolinwerken durch M.
STÖRR und Mitarbeiter durch-
geführt. Neben der quantitativen Mineralanalyse der
verschiedenen Kaoline wurden vor allem die Relatio-
nen zwischen Mineralphasen und bestimmten stoffli-
chen und technologischen Eigenschaften und Verhal-
tensweisen der Kaoline untersucht (S
TÖRR 1983).
2.6
Vergleichbarkeit der Bohr- und Unter-
suchungsergebnisse
Bei der Beurteilung der Vergleichbarkeit der in vorlie-
gender Arbeit angegebenen Daten aus einer Zeit-
spanne von über 100 Jahren sind die Veränderungen
der Verfahren zur Probengewinnung (Bohrverfahren,
Aufbereitung der Bohrproben) als auch die Untersu-
chungsmethodik der Proben selbst zu berücksichti-
gen. Anzustreben ist, dass die im Kleinmaßstab er-

20
zeugten Bohr- und Bemusterungsproben dem im
Produktionsprozess hergestellten Kaolin entsprechen.
Ein Problem ist der im Körnungsbereich des Trenn-
schnitts vorhandene Feinquarz, der je nach Auf-
schluss und Trennschnitt z. T. im Wertstoff enthalten
sein kann und dann sowohl Zusammensetzung als
auch Eigenschaften entsprechend modifiziert.
2.6.1
Zum Einfluss der Bohrverfahren
Die ersten „Bohrungen“ im 19. und Anfang des 20.
Jahrhunderts waren Handschachtungen. Die auf die-
se Weise gewonnenen Proben entsprachen den
bergmännisch gewonnenen Kaolinen. Die in dieser
Zeitspanne mit Spirale oder Schappe niedergebrach-
ten Handbohrungen verursachten bereits eine mehr
oder weniger ausgeprägte mechanische Beeinflus-
sung des Bohrgutes, dessen Umfang jedoch nicht
eingeschätzt werden kann. Der Einsatz von maschi-
nellen und Autobohrgeräten nach 1950 bewirkte je
nach Wassergehalt der zunächst mit Spirale erbohr-
ten Kaoline eine mehr oder weniger deutliche Korn-
zerkleinerung des Quarzes und der Kaolinitverwach-
sungen. Dementsprechend besitzen solche Proben
zu hohe Quarz- bzw. zu geringe Wertstoffgehalte im
Feinkornbereich. Auch die technologischen Daten
sind entsprechend modifiziert, z. B. geringere Viskosi-
tät.
Seit Ende der 60er Jahre werden Kernbohrungen ge-
teuft, nachdem Vergleichsbohrungen (S
CHWERDTNER
1968) die Unzulänglichkeiten der Spiralbohrungen
gezeigt hatten. Seitdem wurde der Kaolin immer im
Kern erbohrt. Dabei kamen verschiedene Verfahren
zum Einsatz. Zunächst (bis 1997) wurde mit Schwe-
restange, später (ab 1998) im Rammkernverfahren
mit Pressluft gebohrt. Zwischenzeitlich wurden auch
Kernbohrungen mit Spülung getestet, so 1979 in der
Lagerstätte Einheit, 1989 und 1994 in der Lagerstätte
Gröppendorf, 1995 im Umfeld der Lagerstätte Schle-
ben/Crellenhain, 2000 im Feld Schleben 3. Die Kern-
gewinne der Spülbohrungen waren z. T. gering, je
nach Art der eingesetzten Spülung und Festigkeit des
erbohrten Kaolins. Demgegenüber ist der Kerngewinn
bei Trockenbohrungen 100 %.
2.6.2 Kleintechnische Aufbereitung
Um die Qualität des Kaolins von Bohr- oder Bemuste-
rungsproben beurteilen zu können, ist eine Abtren-
nung des Wertstoffs (Feinkornanteil) auf eine solche
Weise erforderlich, dass dieses gewonnene Material
mit dem in der betrieblichen Aufbereitung (früher Ge-
rinne, später Hydrozyklone) hergestellten Kaolin ver-
gleichbar ist. Dies ist dann relativ einfach mit Siebung
erreichbar, wenn im Trennkornbereich zwischen
Feinkorn (Wertstoff) und Grobkorn ein ausgeprägtes
Minimum im Kornanteil vorhanden ist. Der im Kemm-
litzer Kaolin enthaltene feinkörnige Quarz liegt im
Körnungsbereich des Trennschnitts. Je nach einge-
setzter Klassiertechnik wird der Quarz mehr oder we-
niger vollständig ausgetragen. Besonders durch Sie-
bung bei 63 μm oder 36 μm ist stets mehr Quarz im
Feingut enthalten als im Betriebsprodukt.
Seit Anfang der sechziger Jahre wurde der erbohrte
Kaolin in einer kleintechnischen Anlage aufbereitet.
Der Kaolin wurde in einem Tonauflöser dispergiert,
der Sand über Siebe und die Schluffe mit verschiede-
nen Zyklonen abgetrennt. Danach erfolgt die Entwäs-
serung der Kaolin-Suspension mittels Sedimentation
und Filtration. Stärkere Quarz-Zerkleinerungen gab
es im energiereichen Tonauflöser besonders dann,
wenn die Festigkeit der Aggregate feinstkörniger
Quarze geringer war. Mit der Umstellung der Produk-
tion von Läuterwäschen zu Waschtrommeln wurde
1992 der Feinstquarz-Anteil im Schlämmkaolin weiter
verringert. Dementsprechend wurde in der kleintech-
nischen Anlage der Tonauflöser durch eine Klein-
Waschtrommel ersetzt und die Hydrozyklone entspre-
chend angepasst. Auf diese Weise gelang eine gute
Übereinstimmung von kleintechnischer mit großtech-
nischer Aufbereitung.
2.6.3
Chemische und keramtechnische
Untersuchungsmethoden
Die chemische Analysentechnik wechselte in den
70er Jahren von der klassischen nasschemischen zur
automatisierten Röntgenfluoreszenz-Analyse (RFA).
Hierbei sind für die meisten Elemente keine nen-
nenswerten systematischen Fehler festzustellen, so
dass die Angaben von 1950 bis Mitte der 70er Jahre
mit den neueren chemischen Analysen vergleichbar
sind.
Wesentliche Veränderungen gab es in der Methodik
für die Ermittlung technologischer Kennwerte. Beson-
ders zur Bestimmung der Verflüssigungseigenschaf-
ten und der Trockenbiegefestigkeit (TBF), für die kei-
ne einheitlichen Normen (DIN bzw. TGL in der DDR)
existieren, wurden sehr unterschiedliche Methoden
angewandt. Da zumeist auch keine Angaben zur Pro-
benvorbereitung mit den Kenndaten verknüpft sind,
können die Daten aus verschiedenen Laboratorien
und Zeiten nur schwer miteinander verglichen wer-
den. Eine Einbindung von sogen. „Altuntersuchun-
gen“ in neuere Erkundungen, z. B. für die Erstellung
von Qualitätskarten (vgl. Kap. 5.9) für die einzelnen
Abbauschnitte, ist dann nur über Rückstellproben und
Korrekturen möglich (A
NGER 1992).

21
3
Genese der Kaolinlager-
stätten
3.1
Allgemeines zur Genese und historischer
Abriss der Erforschung der Kaoline
Kaoline sind weltweit verbreitet und werden in vielen
Ländern der Erde abgebaut. Ihre geologische Erfor-
schung ist mit der Nutzung eng verbunden. Aus Chi-
na, dem Land der urspünglichen Verwendung des
Kaolins für die Porzellanherstellung, stammt der Na-
me kaòling, der einen Berg bei King-tê-tschên be-
zeichnet, aus dem ein weißes Gestein für die Herstel-
lung von Porzellan gewonnen wurde. Dieser Name
wurde später auf die weiße Erde übertragen, mit der
in Europa weißes Porzellan erzeugt wurde, seither
wird das Gestein, dessen Tonmineralanteil vornehm-
lich aus dem Mineral Kaolinit besteht, als Kaolin be-
zeichnet. Die Primär- oder auch Muttergesteine sind
zumeist umgewandelte Magmatite, Metamorphite
oder Sedimentite, daraus entstandene Kaoline stellen
also Residualgesteine dar. Man bezeichnet diese
auch als primäre Kaoline, im Gegensatz zu den se-
kundären Kaolinen (Sedimenten), die durch Umlage-
rung aus den primären entstanden. Bei den Sedimen-
ten ist es oft schwierig zu entscheiden, ob es sich um
Residuen (z. B. kaolinisierte Arkosen) handelt oder ob
der Kaolinit auch sedimentiert wurde (z. B. bei kaoli-
nithaltigen Sanden). Echte Sedimente (schluffige To-
ne) sind z. B. die grobkörnigen, zu >90 % aus Kaolinit
bestehenden sekundären Kaoline von Georgia (USA).
Die Kemmlitzer Kaoline sind Residuen. Die nachfol-
gende Behandlung der Genese der Kaolinlagerstätten
bezieht sich daher nur auf die Bildung residualer Kao-
line.
Der namensgebende, stabile (energieärmere) Kaolinit
entsteht aus instabilen (energiereicheren) Mineralen
wie Feldspäten, Dreischichtsilikaten, Chloriten, Ge-
steinsgläsern, Hornblenden, Augiten etc., sobald die-
se Bedingungen ausgesetzt sind, in denen sie instabil
werden. Solche veränderten Bedingungen können
verursacht sein durch exogene Einflüsse (Verwitte-
rung bzw. Bodenbildung, Grundwasserströmungen in
tieferen Bereichen) oder durch endogene Einflüsse
(hydrothermale, postvulkanische und metasomatische
Gesteinsveränderungen). Oft ist es schwierig, die
wirksamen Prozesse einzuengen und zu definieren
auch deshalb, weil die Kaolinmuttergesteine zumeist
sehr viel älter als die Kaoline sind und vor der eigent-
lichen Kaolinisierung, d. h. der chemischen und mine-
ralogischen Umsetzung der instabilen Phasen zu Ka-
olinit schon eine lange Entwicklung durchmachten,
die Einfluss auf die Kaolinisierung nahm (z. B. Intensi-
tät der Phasenumsetzung, Vollständigkeit bzw. Mäch-
tigkeit der Kaolinisierung).
Die sehr umfangreiche Diskussion zur Kaolingenese
in der deutschen Literatur beginnt mit A. G. W
ERNER
(1791), der die These aufstellte, dass Kaolinerde
durch Verwitterung aus feldspatreichen Gesteinen
entsteht. Diese Auffassung fand im 19. Jahrhundert
weite Anerkennung (u. a. M
ITSCHERLICH 1835, BI-
SCHOF
1847, SAUER 1889). Gleichzeitig entstanden
aber auch andere Hypothesen, die als kaolinisierende
Agenzien natürliche Thermen fanden wie bei D
AU-
BREE (1857). L. VON BUCH (1824) hatte im Halleschen
Porphyrkaolin Flussspat gefunden, den er durch
Flusssäuredämpfe gebildet sah. Vielfach wurde der
Kaolin auch direkt mit pneumatolytischen Prozessen
in Verbindung gebracht wie die zur Kaolinbildung bei
der Entstehung von Zinngreisen vor allem in Cornwall
(u. a. B
LUM 1843, COLLINS 1887).
Mit der Auffindung neuer Kaolinlager im 19. Jahrhun-
dert, insbesondere auch der Kemmlitzer, und der ver-
stärkten Suche nach weiteren Kaolinlagerstätten wur-
de die Genesediskussion verstärkt. Im Mittelpunkt
standen dabei folgende Fragen:
-
Erfolgt die Kaolinisierung von oben nach unten
(Verwitterung) oder von unten nach oben (post-
magmatisch)? Wegen der unzureichenden Auf-
schlussverhältnisse wusste man nicht, ob der Kao-
lin zur Teufe in frisches Primärgestein überging
oder nicht.
-
Was sind die kaolinisierenden Agenzien und wie
unterscheiden sich die Prozesse der „normalen“
Verwitterung (geringmächtige, aufgelockerte, gru-
sige Produkte mit fixiertem Eisen) von der Kaolini-
sierung (Gefüge fest, Eisen abgeführt).
-
Breiten Raum nahm die Diskussion über die geo-
logischen Bedingungen der Kaolinisierung und ih-
rer zeitlichen Einstufung ein.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts werden in Hunderten
von Publikationen die verschiedenen Auffassungen
dargelegt und diskutiert, die zumeist auch die Kemm-
litzer Kaoline mit einbezogen. Erwähnt werden sollen
hier nur einige wenige Autoren wie R
ÖSLER (1902,
1908a, b) und W
EINSCHENK (1897, 1903), die jedwede
Kaolinisierung auf postvulkanische, pneumatolytische
und pneumatohydratogene Prozesse zurückführten,
nicht zuletzt damit begründet, dass in Kemmlitz Kao-
line mit >10 m Mächtigkeit angetroffen worden waren.
In starkem Maße wurde, besonders in Deutschland,
die Kaolinisierung mit der Braunkohlenbildung in Ver-
bindung gebracht. Den Exponenten dieser Richtung,
S
TREMME (z. B. 1908, 1909, 1912) und STAHL (1911),
gelang es, in Deutschland folgende Auffassung
durchzusetzen:
-
Die Kaolinisierung ist durch die Kohlensäure der
Braunkohlenwässer unter der reduzierenden Wir-
kung der Huminsäure erfolgt (mit experimentellen
Belegen).
-
Die Kaoline sind altersmäßig besonders an die

22
Zeiten der Braunkohlenbildung gebunden (damals
vor allem als Oligozän angesehen), und in ihrer
Verbreitung sind sie an die Randbereiche der
Braunkohlenmoore sowie an isolierte Moore ge-
bunden.
Als wenig gehörte Gegenstimmen zu diesen Auffas-
sungen führten B
ARNITZKE (1909) und DAMMER (1910)
paläogeographische und geomorphologische Aspekte
ins Feld, die die Kaolinisierung vor die Zeit der
Braunkohlenbildung in die Oberkreide bis insbeson-
dere Eozän verlegten. Diese Auffassungen wurden
von v. F
REYBERG (z. B. 1923, 1927) weitergeführt, der
mit der Analyse der alten Landoberflächen Thürin-
gens belegen konnte, dass die Kaolinisierung vor den
ältesten Braunkohlenbildungen begonnen haben
muss, weil Umlagerungsprodukte der Kaoline bereits
im Liegenden der eozänen Braunkohlen vorkommen.
Er sah die Kaolinisierung in Sachsen-Thüringen als
regionale Verwitterung auf einer alten Landoberfläche
an und stufte sie zeitlich ab Oberkreide (Senon) bis
ins Jungtertiär hinein ein. Den Kaolinisierungsprozess
hat
V. FREYBERG nicht behandelt. Die in Sachsen und
Böhmen von PIETZSCH (1913) beschriebene präce-
nomane Verwitterungskruste (Rotlehme) wurde von
den meisten Autoren dieser Zeit als eigenständig be-
trachtet und nicht direkt mit den weit verbreiteten,
weißen Kaolinen in Verbindung gebracht.
Gestützt auf Geländeuntersuchungen brachte W
AL-
THER
(1921) in die Diskussion, dass an der Wende
Kreide-Tertiär in Mitteldeutschland eine ausgedehnte
und mächtige, rot gefärbte Verwitterungsdecke (Late-
rit) gebildet worden sei, deren oberster roter Teil im
Tertiär abgetragen wurde, und nur der untere
gebleichte Teil (Kaoline) erhalten sei. Diese Auffas-
sungen wurden ebenfalls von H
ARRASSOWITZ (1913,
1916, 1922, 1926) entwickelt, der paläogeomorpholo-
gische, paläoklimatologische und regionalgeologische
Daten interpretierte und die Kaoline als spezifische
Teile der Laterite ansah. Er kam zu folgender stra-
tigraphischen Einteilung, die prinzipiell bis heute Gül-
tigkeit hat:
1. Kretazo-tertiäre Gruppe
Tertiäre Laterite
. Jungtertiäre Verwitterungslagerstätten (z. B.
Laterite vom Vogelsberg)
. Präoligozäne Verwitterungslagerstätten (La-
teritisierung mit anschließender Rohhumus-
degradierung = Kaolinisierung)
Kretazische Laterite mit Resten der präceno-
manen roten Verwitterungskruste in Sachsen
und Böhmen
2. Gruppe (vor allem in Schlesien)
3. Einzelvorkommen (Jura, Lias, Perm).
In dieser Zeit wurde auch die stoffliche Entwicklung
der Verwitterungsprofile auf Grundlage chemischer
Daten präzisiert, und es entstanden die Begriffe: sial-
litisch (gesättigt und ungesättigt) sowie allitisch. Die
Spezifik der damaligen deutschen Theorien zur Kao-
lingenese war die Verknüpfung der Kaolinisierung mit
der Kohlebildung, was bei den ausländischen Kaoli-
nen nur untergeordnete Bedeutung hatte. Deshalb
ging man dort nur von den beiden grundsätzlichen
Möglichkeiten - Verwitterung oder hydrothermal - aus.
Schon G
INSBURG (1911/12) hatte klar ausgesprochen,
dass die Kaolinisierung unter atmosphärischen Be-
dingungen rezent zwar nicht bei uns, wohl aber in den
tropischen und subtropischen Gebieten zu finden sei.
H
ARASSOWITZ hat dann das häufige gemeinsame Auf-
treten von Kaolin und Kohle darauf zurückgeführt,
dass in Perioden tektonischer Ruhe bei feucht-
warmen Klimaten solche Bedingungen entstehen, die
sowohl zur Kaolinisierung als auch zur Kohlebildung
führen. Den Einfluss der Huminsäuren auf die Kaoline
schloss er aber nicht aus, sondern ordnete ihm Sub-
stanz verändernde Bedeutung zu. Dieser Stand ist
die Grundlage der neueren Betrachtungsweisen.
Seit den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts sind eine
Fülle von Sachverhalten und Daten hinzugekommen,
so dass sich eine Reihe ergänzender Feststellungen
ergeben. Heute sind weltweit Hunderte, z. T. sehr
große Kaolinlagerstätten erkundet und Tausende von
Vorkommen bekannt, so dass sowohl über Verbrei-
tung als auch Bau der Lagerstätten ein guter Über-
blick besteht.
Eine Kenntniserweiterung der letzten Jahrzehnte be-
steht in der Erforschung des Tonmineralbestandes
der Kaoline, der die Abfolgen der Mineralumwandlung
besser verdeutlicht als die summarischen chemi-
schen Daten. Geochemische und isotopengeochemi-
sche Untersuchungen erbrachten neue Aspekte der
Genese, der Alterseinordnung und geologischen Po-
sition der Lagerstätten. Und schließlich forderten die
modernen Aufbereitungs- und Verarbeitungstechno-
logien präzisere Angaben zur Mineralausbildung der
Rohstoffe, weil nur ganz bestimmte Lagerstätten die-
se maximalen Anforderungen erfüllen. Stand vor 100
Jahren die Frage nach der prinzipiellen Entstehung
und Alterseinordnung der Kaolinkrusten im Mittel-
punkt, so sind es gegenwärtig Fragen der Genese
von Kaolinen mit ganz bestimmten technischen
Eigenschaften.
Die Kemmlitzer Kaoline rechnen zu den höchstwerti-
gen keramischen Kaolinen der Welt, und daher sind
gerade hier Fragen der Genese äußerst schadstoff-
armer (Fe, Ti) Kaoline mit optimalen feinkeramischen
Verarbeitungseigenschaften bearbeitet worden, auf
die in den folgenden Abschnitten eingegangen wird.

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23
3.2
Plattentektonik und Kaolingenese
Bis vor wenigen Jahrzehnten war es kompliziert, die
Kaolinlagerstätten in solche paläogeographische Po-
sitionen zu bringen, deren Entstehungsgebiete in tro-
pisch-subtropischen Regionen lagen. Erst auf der
Grundlage der Plattentektonik gelang dies in über-
zeugender Weise. So haben B
ARDOSSY (1982) und
B
ARDOSSY & ALEVA (1990) paläogeographische Kar-
ten der Verbreitung von Karst- und Lateritbauxiten
entworfen. Unter Verwendung dieser Daten sind die
in Abb. 10 dargestellten Skizzen mit den Positionen
der Kaoline entstanden. Man erkennt, dass sich die
Kaoline in das plattentektonische Geschehen so ein-
ordnen wie auch die Bauxite. Beide Verbreitungsge-
biete sind jedoch nicht identisch. Die Kemmlitzer Kao-
line ordnen sich in die Oberkreide-Tertiär-Position ein
wie die meisten mitteleuropäischen Kaoline.
Mitteleuropa war demnach seit dem Jungpaläozoikum
bis ins Tertiär, während der gesamten Zeitspanne, im
tropisch-subtropischen Bereich gelegen, ohne die
früher anzunehmenden Polwanderungen vorausset-
zen zu müssen. Eine intensive chemische Verwitte-
rung war stets dann möglich, wenn das Klima feucht
genug war. Damit scheiden die ariden tropischen
Trockenperioden aus, und es verbleiben die von H
A-
RASSOWITZ
(1926) ausgehaltenen Perioden der Kaoli-
nisierung.
Abb. 10: Positionen von Bauxiten und Kaolinen in Bezug zu speziellen plattentektonischen Positionen von Kar-
bon (oben, links) Perm (oben, rechts), Lias/Jura (unten, links) und Mittlere Kreide (unten, rechts), er-
gänzt nach B
ARDOSSY (1982) und BARDOSSY & ALEVA (1990).
- Bauxit,
●●
- Kaolin
3.3
Alterseinstufung der Kemmlitzer Kaoline
auf Grundlage geologischer Beobach-
tungen
Zahlreiche neuere Bohrergebnisse und Untersuchun-
gen ermöglichen die Präzisierung der Alterseinstu-
fungen der einzelnen Lagerstätten. Generell sind die
Deckschichten stratigraphisch positioniert; sie werden
bei den einzelnen Lagerstätten (Kap. 5.) näher be-
handelt. In Kemmlitz besitzen alle Muttergesteine
Perm-Alter, und die Deckschichten sind Miozän bis
Quartär einzustufen. D. h. die Kaolinisierung ist des-
halb im langen Zeitraum zwischen Perm und Miozän
erfolgt. Alle weiteren im Kemmlitzer Revier auffindba-
ren Hinweise für eine Altersbegrenzung wie Störun-
gen sind indirekt und selbst keine stratigraphischen
Zeitmarken. Wenn die Zeitspanne, in der die Kaolini-
sierung stattfand, enger eingegrenzt werden soll, so

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24
sind die Kaoline der näheren und weiteren Umgebung
in die Betrachtungen einzubeziehen.
In Europa sind die Kaoline an varistische und ältere
Massive geknüpft (Abb. 11), deren geologisch-tekto-
nische postvaristische Entwicklung ähnlich ist. Auf
dem Böhmischen Massiv sind die Kaoline insbeson-
dere an die Ränder zu den benachbarten Senken,
Binnensenken (z. B. Pilsner Becken) und dem N-Böh-
mischen Tertiärgraben (z. B. Karlsbader Gebiet) ge-
bunden (Abb. 12). Das Sächsisch-Thüringisch-Anhal-
tinische Verbreitungsgebiet ist am N-Rand des Böh-
mischen Massivs zur Norddeutsch-Polnischen Senke
gelegen. Von der differenzierten Entwicklung dieser
beiden Einheiten hängt die Entstehung und Erhaltung
der Kaoline ab, wie die genetische Profilabfolge der
Abb. 13 zeigt. Das dargestellte Gebiet ist etwa zwi-
schen den beiden in Abb. 12 eingezeichneten
Schnittspuren A-B und C-D gelegen.
Abb. 11: Hauptsächliche
Kaolinverbreitungsgebiete
in Europa (dunkel markiert) und die Verbrei-
tungsgebiete von Bauxiten (umgrenzte Are-
ale). Von links: Iberisches Massiv, Armori-
kanisches Massiv und Cornwall, Zentral-
massiv, Rheinisches Schiefergebirge, Böh-
misches Massiv, Baltischer Schild, Ukraini-
sches Massiv, Süd-Ural.
In den meisten Profilen sind es varistisch gefaltete
und/oder permisch bis alttriassische Gesteine, auf
denen die Kaoline entwickelt sind. Nur in Berzdorf
sind oberoligozän/untermiozäne Vulkanoklastite als
jüngste Muttergesteine kaolinisiert. Differenzierteres
Alter zeigen die Deckschichten der Kaoline, das von
Oberkarbon (Zwickau) bis Cenoman (Elbegebiet),
Eozän/Oligozän/Miozän und Quartär im gesamten
Gebiet reicht (Abb. 14). Vergleicht man die zeitliche
Einordnung der Deckschichten mit der Kaolinitführung
der Sedimente aus den Binnenbecken und aus der
nördlich angrenzenden Norddeutsch-Polnischen Sen-
ke, so ist eine gute Parallelität mit der Kohlebildung
ersichtlich. Aus diesem Gesamtgeschehen kann man
die von H
ARASSOWITZ (1926) aufgestellten Kaolinisie-
rungsperioden für dieses Gebiet bestätigen.
Abb. 12: Kaolinverbreitungsgebiete auf dem Böhmi-
schen Massiv und seiner Umrandung.
In Sachsen ist die älteste kaolinitische Verwitterung
im Liegenden des Karbons von Zwickau vorhanden
(S
TÖRR & HOTH in Vorbereitung). Die Kaolinisierung
reicht bis ins Rotliegend, wie die Kaolinitführung in
den Sedimenten anzeigt. Reliktische Kaolinkrusten
obertriasisch/liasischen Alters sind bislang nicht nach-
gewiesen worden, wohl aber enthalten die kontinenta-
len Sedimente der angrenzenden Sedimentbecken
deutliche Gehalte an Kaolinit, was auf die Kaolinitbil-
dung auf den Festländern hinweist. Nach mineralogi-
schen Untersuchungen haben sich die präcenoma-
nen „Rotlehme“ als eindeutige Kaoline mit erhöhtem
Fe
2
O
3
-Gehalt erwiesen (STÖRR & RUCHHOLZ 1975).
Während die bisher genannten Kaoline nur lokale
Verbreitung besitzen, sind die von tertiären Schichten
bedeckten Kaoline in Mitteldeutschland am weitesten
verbreitet. Die Frage ist, wann beginnt und wann en-
det die Kaolinisierung sowohl für das gesamte Gebiet
als auch für die einzelne Lagerstätte. Kaolinit ist in al-
len vorkommenden kontinentalen Sedimenten als
dominierender Ton-Bestandteil enthalten. In der hö-
heren Oberkreide kommen im behandelten Gebiet
solche Gesteine aber nicht vor, so dass es hinsicht-
lich der Kaolinitführung eine Lücke gibt (Abb. 14). Da-
für sind die Sedimente des gesamten Tertiärs, vor al-
lem des NW-Sächsischen und des Lausitzer Schutt-
fächers und vieler kleiner Binnenbecken bis ins Plio-
zän stark Kaolinit-führend (S
TARKE 1970, FELDHAUS &
S
TÖRR 1978). Daraus ist zu folgern, dass die Fest-
landsbereiche des betrachteten Areals während der

image
25
gesamten Zeitspanne eine Kaolinisierung aufwiesen,
die während der Peneplainisierungsperioden F1-F5
(s. Abb. 13) intensiver wirkte, also mächtigere Kaoline
erzeugte. Diese wurden in Hebungsperioden z. T.
wieder abgetragen und lieferten den Kaolinit der ter-
restrischen Sedimente (wie auch den Quarzsand).
Abb. 13: Genetische Profilschnitte N-S vom Zentrum zum N-Rand des Böhmischen Massivs
F1-F5: Bezeichnung der Peneplains nach G
ELLERT (1958)

image
26
Zwickau
Halle
Spergau
Röblingen
NW-
Sachsen
Kemmlitz
Meißen-
Gebiet
erodiert
erodiert
erodiert
erodiert
erodiert
erodiert
erodiert
Ober
Unter
Ober
Unter
Ober
Mittel
Unter
Malm
Dogger
Lias
Maastricht
Campan
Santon
Coniacc
Turon
Cenoman
Alb
Apt
Barreme
Hauterive
Valendis
Pliozän
Miozän
Oligozän
Eozän
Paleozän
erodiert
erodiert
erodiert
erodiert
erodiert
erodiert
Elbtal-
Gebiet
Lausitz
Berzdorf
Zittau
Kaolinit
in
Sedimenten
Kohle-
Bildung
Ost-
Thüringen
Intensität
Kaolinisierung
Abb. 14: Stratigraphische Position der Verwitterungsprofile und Deckschichten zwischen Halle und Berzdorf
C - Kohlebildung
Eine große Rolle für die Erhaltung nutzbarer Kaoline,
sowohl im regionalen als auch im lokalen Maßstab,
besitzt die im mittleren Tertiär einsetzende Bruchtek-
tonik. Dadurch wurden abgesenkte Kaolinbereiche
vor der Erosion geschützt, so dass sie heute meist
mächtigere Teile der Lagerstätten bilden, wie sie von
S
CHWERDTNER (1967) in der Lagerstätte Glückauf
(Kap. 5.8) und von A
NGER (1991) in der Lagerstätte
Gröppendorf (Kap. 5.9) nachgewiesen werden konn-
ten. Auch W
ALTER (1991) fand in den nördlich Mügeln
erkundeten Lagerstätten Göttsch und Langenbruch
entsprechende Störungen, die für die Erhaltung die-
ser Lagerstättenkörper von Bedeutung sind. Bezie-
hungen zwischen tektonischen Elementen verschie-
dener Ordnung zur Verbreitung von Kaolinen und von
Tertiärsedimenten werden von W
ALTER (1991, 1996)
dargestellt.
Der Zusammenhang von Störungen und intensiverer
Kaolinisierung im Bereich dieser Störungen wurde
vielfach belegt oder vermutet. Schon C
OHEN & DEEKE
(1889) fanden in Bornholm, dass die Kaolinisierung
des Rönne-Granits besonders im Bereich von Stö-
rungen tiefgründiger sei, weil die Oberflächenwässer
besser zirkulieren können. Besonders deutlich war
der Zusammenhang im Eibenstocker Granit (L
EH-
MANN
& STÖRR 1984), wo in der Umgebung von Stö-
rungen die Kaolinisierung über 100 m tief erfolgte,
während nur wenige Meter neben den Störungen na-
hezu frischer Granit anstand. Die Ursachen für diese
„leichtere“ Kaolinisierung werden in der Bildung von
Mikrorissen besonders in den Feldspäten gesehen,
so dass die Mineralumsetzung von einer großen
Oberfläche aus geschehen kann. Solche Mikrorissbil-
dungen sind neben einer Häufung von Klüften in der
Umgebung von tektonischen Brüchen zu erwarten. Im
Kemmlitzer Gebiet konnten derartige Zusammenhän-
ge nur vermutet und konstruiert werden. Im Gegen-
satz zu den Graniten sind im Porphyr und in den
Ignimbriten besonders die Feldspäte der Grundmasse
sehr feinkörnig (im Bereich von 10 bis 50 μm), und
die Porosität der frischen Muttergesteine ist z. T. er-
heblich. Auch Untersuchungen zur Klufthäufigkeit in
den Kemmlitzer Kaolinen (B
REDAHL 1975) ergaben
keine deutlichen Zusammenhänge zwischen Kaolin-
mächtigkeit und Klüftung. Wodurch die starke Mor-
phologie der Liegendbegrenzung der Kaoline bedingt
wird, bleibt, von den genannten Störungen abgese-
hen, noch offen.
Neu sind auch Beiträge zur absoluten Altersbestim-
mung der Kaoline. In Kemmlitz untersuchten R
ÖSLER,
P
ILOT & STARKE (1976) K-Ar-Alter der Illit-Montmoril-
lonit-Mixed-Layer-Minerale aus dem Tagebau Glück-

27
auf. Die ermittelten Modellalter lagen z. T. höher als
die Altersdatierungen der unverwitterten Porphyre,
und das berechnete Isochronenalter bewegt sich bei
125 ± 20 Ma, also Oberster Jura und Unterkreide. Un-
tersuchungen des Rb-Sr-Alters von Mixed-Layer-Mi-
neralen aus Kemmlitz (G
ILG et al. 1999) ergaben
Werte von 220 ± 28 Ma, also Trias-Jura-Alter. Beiden
Bestimmungen ist gemeinsam, dass die Bildung des
Mixed-Layer-Minerals sehr viel früher erfolgt sein
müsste als die Kaolinisierung, die für Oberkreide-Mio-
zän angesetzt wird. Von G
ILG et al. (1999) werden da-
für mineralgenetische Erklärungen gegeben dahinge-
hend, dass durch K-Zufuhr über eine Zeitspanne von
>100 Ma eine Illitisierung von primär vorhandenem
Smektit erfolgte. Auf die Möglichkeit, dass die Mixed-
Layer-Minerale tatsächlich älter sind als die Kaolini-
sierung, wird im Abschn. 3.4 noch eingegangen.
3.4
Bemerkungen zur Kaolinlagerstätten-
genese
Die Zeitspanne von der Entstehung der Kaolin-Mut-
tergesteine bis zum jetzigen Zeitpunkt kann man in
Bezug auf die Gesamtprozesse der Kaolingenese in
drei Phasen teilen:
Präkaolinisierung: Die Phase von der Entstehung
des Muttergesteins bis zur Kaolinisierung;
Kaolinisierung: Die Phase der Umwandlung der
Muttergesteinsminerale in Kaolinit-Minerale;
Postkaolinisierung: Die Phase der Beeinflussung/
Veränderung der Kaoline nach ihrer Genese.
Während dieser drei Phasen existieren zahlreiche
Prozesse und Veränderungen, die letztendlich die
Kaolinlagerstätten und die Qualität der Rohstoffe
nachhaltig beeinflussen.
3.4.1 Präkaolinisierung
Unter Präkaolinisierung soll die Zeitspanne von der
Entstehung des Muttergesteins bis zur Kaolinisierung
verstanden werden, während der auf das ursprüngli-
che Muttergestein unterschiedliche Prozesse einwirk-
ten, die Einfluss sowohl auf den nachfolgenden Pro-
zess der Kaolinisierung als auch auf die Ausbildung
und Zusammensetzung der Kaoline selbst haben.
Diese Einflüsse werden vielfach außer Acht gelassen.
Hierzu gehören
-
Makroskopische tektonische Beanspruchungen
der Muttergesteine (Störungen, Klüftungen)
-
Pipeartige Gesteinszertrümmerungen aufgrund
endogener Kräfte
-
Stoffumwandlungen in vulkanischen Gesteinen
(tiefthermale Kristallisation vulkanischer Gläser zu
feinstkörnigen Quarz-Feldspat-Verwachsungen)
-
Mikroriss-Bildung in den Mineralen, beginnend mit
der Abkühlung magmatischer Gesteine oder durch
spätere Beanspruchungen (z. B. Mikrorisse in
Feldspäten oder sphärische Mikrorisse in Ge-
steinsgläsern)
-
Metasomatische Veränderungen der Primärge-
steine wie Stoffabfuhr (z. B. Fe-Laugung) oder Mi-
neralausscheidungen auf den Mikrorissen (z. B.
„Serizit-Füllung“ der Feldspäte des Lausitzer Gra-
nodiorits, Illit-Montmorillonit-Mixed-Layer auf den
sphärischen Mikrorissen im Meissner Pechstein, il-
litische und chloritische Feldspat-Umwandlungen -
Propylitisierung (z. B. im Halleschen Porphyr)
-
Gesteinsverwitterungen und Bodenbildungen,
wenn das Gestein an der Erdoberfläche lag
-
Bildung von Ganggesteinen mit deutlich anderen
Verwitterungseigenschaften als die verbreiteten
Muttergesteine.
Im Falle der Kemmlitzer bzw. Nordwestsächsischen
Kaoline reicht diese „präkaolinische“ Zeitspanne vom
höheren Rotliegend bis zur Kreide, also etwa 200 Mil-
lionen Jahre. Eine lange Zeit, während der die an-
schließend kaolinisierten Gesteine relativ nahe der
Erdoberfläche lagerten, über lange Zeiten sogar ohne
wesentliche Bedeckung, so dass hier lokal auch älte-
re Gesteinsverwitterungen nicht auszuschließen sind,
wie bereits früher verschiedentlich angenommen
wurde (z. B. W
ALTHER 1921).
Auf Beziehungen zwischen präkaolinischen tektoni-
schen Störungszonen und der Anordnung von Kaolin-
lagerstätten wurde mehrfach hingewiesen
(S
CHWERDTNER 1967, WALTER 1991, WALTER 1996).
Vergleiche der Klüftung von Porphyren mit der von
Kaolinen im Raum Kemmlitz (B
REDAHL 1975) erbrach-
ten keinen signifikanten Beleg für eine intensivere
Kaolinisierung bei stärkerer Klüftung. Die Möglichkeit,
dass pipeartige Trümmerzonen eventuell zu mächti-
gerer Kaolinisierung beitrugen, um so die wannenar-
tigen Kaolinvertiefungen zu erklären, wurde noch
nicht geprüft.
Hingewiesen werden soll auf die Möglichkeit der Mi-
xed-Layer-Bildung vor der Kaolinisierung, wie sie von
S
TÖRR (1983) ausführlich dargestellt wurde. Auch in
vielen, relativ frischen Porphyren NW-Sachsens und
des Meissner Gebiets sind deutliche Anteile von sol-
chen Mixed-Layer-Mineralen enthalten, wie sie auch
in den Kaolinen vorkommen. Es ist daher wahrschein-
lich, dass zumindest ein Teil der Illit-Montmorillonit-
Mixed-Layer-Minerale bereits vor der Kaolinisierung
gebildet wurde. Der Mechanismus der Genese dieser
Minerale ist nur lückenhaft bekannt. Es existieren of-
fenbar sowohl im Porenraum gewachsene Kristallite
(SEM-Aufnahmen von Poren zeigen die büschelig
hineinragenden Mixed-Layer-Nadeln) als auch derbe
Massen verfilzter Nädelchen, wie sie für Pseudo-
morphosen typisch sind. In Kemmlitz stehen außer-
halb der Kaoline schwach verwitterte Ignimbrite an,

28
bei denen die deutlich sichtbaren ursprünglichen
Glaspartien vollständig in dunkelgrünes Mixed-Layer-
Mineral umgewandelt sind (nähere Angaben zur Mi-
neralogie dieses Minerals vgl. Abschn. 4.3). An dieser
Probe haben G
ILG et al. (1999) ein Sr/Rb-Alter von
220 Ma ermittelt. Es ist wahrscheinlich, dass hier die
Umwandlung des Ignimbrit-Gesteinsglases zu dem
Mixed-Layer-Mineral bereits unmittelbar nach der Ab-
lagerung des Ignimbrits in Zusammenhang mit post-
vulkanischen metasomatischen Prozessen (Propyliti-
sierung) erfolgte. Die Mixed-Layer-Bildung ist nicht
auf diesen speziellen Prozess beschränkt, sondern
stets dann möglich, wenn es die geochemischen und
thermodynamischen Bedingungen zulassen, also in
NW-Sachsen auch während der Frühphasen der exo-
genen Kaolinisierung. Dann können sich natürlich
auch Mischalter ergeben, wenn an solchen Mischun-
gen Isotopenaltersbestimmungen realisiert werden.
Die Mixed-Layer-Bildung vor der eigentlichen Kaolini-
sierung hat vielfache Bedeutung, weil diese Minerale
relativ stabil sind und im Kaolinisierungsprozess erst
in fortgeschrittenen Phasen abgebaut werden.
3.4.2 Kaolinisierung
Unter Kaolinisierung soll der Prozess intensiver che-
mischer Verwitterung verstanden werden, in dem eine
Umwandlung der Muttergesteinsminerale in die Kaoli-
nit-Minerale Kaolinit und Halloysit z. T. über Zwi-
schenphasen erfolgt. Der Kaolinisierungsprozess fin-
det dann statt, wenn die erforderlichen thermodyna-
misch-geochemisch-geologischen Bedingungen er-
füllt sind, ein komplexer, nur unvollkommen erforsch-
ter Prozess, von dem hier nur einige wesentliche As-
pekte angeführt werden können. Voraussetzung ist
die Anwesenheit von Wasser in den Poren, Mikroris-
sen etc. der Muttergesteinsminerale und Einstellung
solcher Aktivitäten, unter denen die Mutterminerale
instabil und die 14 Masse-% H
2
O enthaltenden Kaoli-
nitminerale stabil sind. Die Einstellung dieser Mikro-
bedingungen ist mit einem feuchten, warmen Klima
und anderen Makrobedingungen verknüpft, insbeson-
dere Perioden tektonischer Ruhe mit geringer Erosi-
on, in denen die Verwitterung bis zur Peneplainisie-
rung führen kann. Von der Verwitterung werden alle
Gesteine erfasst, und es bilden sich je nach Primär-
gestein sehr unterschiedliche Residuen. Primärge-
steine mit vorwiegend stabilen Phasen wie Quarz und
Glimmer verändern sich nur wenig, und die Minerale
bleiben als Verwitterungsreste beständig. Kaoline bil-
den sich dort, wo Muttergesteine mit hinreichend in-
stabilen Phasen vorkommen, die während ihrer De-
struierung spezifische Mikromilieus ausbilden, in de-
nen sich die entsprechenden beständigen Phasen
bilden. In früh instabil werdenden basischen Minera-
len (Mg-, Fe-Silikate) bilden sich oft Fe-, Mg-haltige
Dreischichtsilikate wie Nontronit oder Fe-Montmorillo-
nite. In Na-, Ca-Silikaten bilden sich Beidellit und in K-,
Fe-, Mg-Silikaten Illite oder Illit-Montmorillonit-Mixed-
Layer-Strukturen. Diese Dreischichtsilikate sind selbst
unterschiedlich stabil und werden im Laufe der Kaoli-
nisierung wieder abgebaut. Sind die primären Minera-
le relativ beständig, wie die Kalifeldspäte, so bilden
sich in ihnen oft direkt Kaolinit-Minerale.
Das sich in den ersten Verwitterungsphasen ausbil-
dende Mikromilieu in den einzelnen Primärmineral-
partikeln ist im Wesentlichen von deren Ionenangebot
bedingt. Mit der Destruierung der Primärminerale und
dem Wachstum der Verwitterungsneubildungen ver-
ändert sich das Mikromilieu. Ein Teil der freiwerden-
den Ionen (Fe, Mg, K) wird früh in das Gitter der Neu-
bildungen (Nontronit, Fe-Smektit, I-M-Mixed-Layer)
eingebaut, während andere Ionen (Ca, Na) nur adsor-
ptiv auf den Oberflächen der Neubildungen fixiert
oder abgeführt werden. Mit der Abfuhr der freiwer-
denden Ionen ändert sich das Mikromilieu, es verän-
dern sich mit den Konzentrationen auch die Ionenakti-
vitäten, und es werden z. T. die früher gebildeten
Neubildungen unbeständig und andere Phasen be-
ständig (z. B. K-reichere I-M-Mixed-Layer). Dieser
mehr oder weniger kontinuierliche Prozess der Ver-
änderung des Mikromilieus im Inneren der Primärmi-
neralpartikel schreitet fort, bis diese abgebaut sind
und schließlich die Beständigkeit des Kaolinit/Halloy-
sit erreicht ist. Die Kaolinitbildung erfolgt dann auf
Kosten der vorher entstandenen Phasen oder in sol-
chen Primärmineralen, die bis dahin noch beständig
waren, wie K-Feldspäte. Das Ionenangebot steuert
die thermodynamischen Bedingungen, während auf
die Kinetik der Umsetzung neben der Temperatur
auch die Dimensionen bzw. Oberflächen (Mikrorisse)
der reagierenden Primärminerale einwirken. Aus dem
„reifen“ Kaolinprofil sind dann die Alkalien und Erdal-
kalien sowie Eisen weitgehend und die Kieselsäure
teilweise abtransportiert. Die Neubildungen bestehen
nur noch aus Al, Si und Wasser (Kaolinit/Halloysit).
Die Abführung der Ionen wird häufig auf Fließvorgän-
ge von Wasser in den verwitternden Gesteinen be-
schränkt, wobei meist mit einer fortschreitenden Ver-
witterung von oben nach unten auch eine entspre-
chende Drainage verknüpft wird. Es soll hier aber le-
diglich darauf hingewiesen werden, dass zumindest in
den ersten Phasen die Ionendiffusion eine große Rol-
le spielt, die dafür sorgt, dass sich das Mikromilieu in
den Primärmineralen einstellen und auch kontinuier-
lich ändern kann. Wann in dem Gesamtprozess der
Kaolinisierung die Porenwasserströmung für den
Ionentransport die Ionendiffusion überflügelt, ist in
Gesteinen unterschiedlicher Durchlässigkeit variabel.
Es scheint aber, dass für die Tiefe der Kaolinisierung
der Ionendiffusion eine größere Rolle zugeschrieben
werden muss als bisher üblich war. Wie die Kaoline
im Einzelnen zusammengesetzt sind, hängt somit in
entscheidendem Maße von den Mikrobedingungen
ab, die sich in den Muttergesteinen ausbilden.
In den im Raum Kemmlitz vorkommenden Mutterge-

29
steinen sind die in den Ignimbriten und z. T. in Gang-
gesteinen vorkommenden Glasphasen recht instabil.
Sie zersetzen sich sehr früh, und auf den z. T. sphäri-
schen Mikroklüften bilden sich unter basischen Mik-
robedingungen Dreischichtsilikate, insbesondere Ka-
lium-haltige Illit-Montmorillonit-Mixed-Layer-Minerale,
die ihrerseits in der weiteren Verwitterung relativ be-
ständig bleiben. Ähnlich verhalten sich Plagioklase,
die jedoch Kalium-ärmere, also Montmorillonit-reiche-
re Mixed-Layer-Minerale oder Smektite bilden. Diese
sind weniger beständig, verwittern ihrerseits, und es
bildet sich Kaolinit. Der Kalifeldspat ist so beständig,
dass er noch existiert, wenn die Montmorillonit-reiche-
ren Mixed-Layer-Minerale bereits teilweise oder voll-
ständig kaolinisiert sind. Die Umsetzung des Kalifeld-
spates erfolgt also relativ spät, und zumindest in
Kemmlitz geht er direkt in Kaolinit über. Das frei wer-
dende Kalium wird abgeführt oder z. T. in den Illit-
Montmorillonit-Mixed-Layer-Mineralen oder den
Smektiten fixiert. Auch die frei werdenden Kieselsäu-
ren, Mg- und Fe-Verbindungen werden im Verwitte-
rungsprozess abgeführt. Auf diese Weise entsteht ein
zoniertes Kaolinprofil (Kap. 3.4.4).
3.4.3 Postkaolinisierung
Unter Postkaolinisierung soll die Beeinflussung oder
Veränderung der Kaoline nach ihrer Entstehung ver-
standen werden. Dabei kann man unterscheiden zwi-
schen Prozessen, die die Kaoline stofflich verändern,
und Prozessen, die die entstandenen Kaoline entwe-
der erhalten oder sie erodieren.
Für die Erhaltung der Kaoline spielt das tektonische
Geschehen eine Hauptrolle. Generell werden die
Verwitterungskrusten in den Hebungsgebieten ero-
diert und bis auf mehr oder weniger große Relikte der
tiefer reichenden kaolinisierten Bereiche abgetragen,
wie es in Kemmlitz der Fall ist. Es verbleiben so die
wannenartigen einzelnen Kaolinlagerstätten, zwi-
schen denen die festen nicht kaolinisierten Mutterge-
steine aufragen. Postkaoline Störungen (Miozän/Plio-
zän) führen dazu, dass an den gehobenen Gebieten
bereits ab Miozän Erosion erfolgte, bzw. dass an den
eingesunkenen Bereichen die Kaoline erhalten blie-
ben, wie es bei den einzelnen Lagerstätten beschrie-
ben wird (Kap.5). In Kemmlitz spielen auch glazigene
Erosionen und durch die Eisauflage bedingte Ver-
schuppungen von glazigenen Sedimenten mit dem
Kaolin und sogar diapirartige Kaolinaufragungen in
die pleistozänen Sedimente eine Rolle. Quartäre
Flüsse erodierten große Teile der Lagerstätten, so
dass die Kaoline an den Flanken der Rinnen aus-
streichen. In Senkungsgebieten, wie dem Weißelster-
becken, sind die Kaoline von tertiären Deckschichten
bedeckt, so dass die Kaoline vor der flächenhaften
Erosion geschützt und erhalten wurden.
Stoffliche Veränderungen beeinflussen die Verwen-
dung der Kaoline. Zu unterscheiden sind: Substanz-
Einträge und Laugungen (organische Substanz,
Eisenphasen, lösliche Salze) und Substanzumwand-
lungen (z. B. Kaolinit-Wachstum). Für die Kemmlitzer
Kaoline spielen die Substanz-Einträge und Laugun-
gen eine gewisse Rolle. Der Anteil organischer Sub-
stanz kann im Kemmlitzer Kaolin bis zu 2 Masse-%
betragen. Es handelt sich vorwiegend um variable
Huminstoffe (nach der Löslichkeit um 65 % Hymato-
malan- und 35 % Huminsäuren) ähnlicher Zusam-
mensetzung wie die Huminstoffe der überlagernden
Braunkohlen. Da die Kaolinisierung vor der Kohlenab-
lagerung stattfand, kann davon ausgegangen werden,
dass die im Kaolin vorhandenen organischen Sub-
stanzen aus den Mooren oder auch aus den Kohlen
in den Kaolin migrierten. Die Huminstoffe besitzen
kolloidale Verteilung, und ihr Eintrag kann sowohl
durch Diffusion als auch durch Strömung erklärt wer-
den. Im Kaolin ist die organische Substanz kolloid
verteilt, sie färbt den Kaolin je nach Anteil hell-
bräunlich bis braun. Man kann zwei Verteilungstypen
erkennen: Bei von Tertiär bedeckten Kaolinen sind
die Gehalte oben höher und nehmen nach unten ab,
bei den mit Quartärablagerungen bedeckten oder na-
he der Oberfläche ausstreichenden Kaolinen ist es
umgekehrt, dann sind die Werte oben kleiner und
nehmen nach unten zu. Hier wurde die organische
Substanz ausgelaugt.
Höhere Eisengehalte finden sich an Lagerstättenrän-
dern und in quartärbedeckten Kaolinen. Manchmal
sind solche Partien durch Goethit gelblichbraun ge-
färbt. Hier sind offenbar aus den benachbarten
Schichten die Fe-Verbindungen als Kolloide in den
Kaolin migriert. Im Gegensatz dazu sind in tertiärbe-
deckten Kaolinen lösliche Fe-Verbindungen (meist als
Sulfat) in den Kaolin eingetragen. Die tertiären, be-
sonders die braunkohleführenden Schichten, aber
auch die im Bereich solcher Schichten liegenden
Kaoline enthalten oft Pyrit (z. T. idiomorphe Kristalle),
der nach Verwitterung meist Gips und Goethit bildet,
z. T. aber bleiben, je nach den hydrogeologischen
Verhältnissen, die Fe- und Sulfat-Ionen gelöst und
werden mit dem Grundwasser in den oder im Kaolin
transportiert. Nach Änderung der Löslichkeitsbedin-
gungen und des Redox-Potentials, z. B. an Wasser-
Austrittsstellen oder nach Verdunstung von Poren-
wasser auf länger stehenden Tagebauwänden fallen
verschiedene Fe-Sulfate aus und bilden manchmal
deutlich sichtbare Ausblühungen (S
TÖRR et al. 1983).
Häufig ist es Jarosit - oft Mischkristalle mit Natro- oder
Calcio-Jarosit (Fe
2+
3
Ca)
x
(Fe
3+
3
K, Na)
n-x
[(OH)
6
/(SO
4
)
2
]
- der schwefelgelbe Ausblühungen bildet. Im Kemm-
litzer Revier sind Fe-Sulfate und Gips nur selten und
in geringem Maße vorhanden.

30
3.4.4 Das Kemmlitzer Kaolinprofil
Die genetischen Prozesse der Kaolinisierung und die
ausgeführten Mineralanalysen ergeben für die Kaoli-
ne des Kemmlitzer Gebiets folgende Zonierung des
Kaolinprofils:
- Kaolin-Deckschichten (Quartär, Tertiär/Miozän)
Tertiär: z. T. miozäne Sande, manchmal eingekie-
selt und früher als Quarzit gewonnen (Glossener
Quarzit), z. T. Sande mit Braunkohle. Tertiäre
Schichten sind im Kemmlitzer Gebiet nur sehr lo-
kal ausgebildet.
Quartär: Sande, Löße und Mergel, häufig mit den
oberen Partien des Kaolins verschuppt.
- Kaolinit-Zone: Kaolinisierung der Kalifeldspäte zu
nahezu Fe-freien Kaoliniten und Abbau der unbe-
ständigeren Mixed-Layer-Minerale zu Fe-haltigen
Kaoliniten.
Aus dem Tertiär in den Kaolin migriert: organische
Substanzen (Humussäuren) und selten Fe-Verbin-
dungen (Sulfid-Sulfat).
Aus dem Quartär in den Kaolin migriert: Fe-Ver-
bindungen.
- Dreischichtsilikat-Zone: Neubildung von Drei-
schichtmineralen aus basischen Feldspäten, Ge-
steinsglas und anderen unbeständigen Mineralen
der Ignimbrite, Porphyrite und Gänge. Beginnende
Umsetzung (Kaliumeinbau) der Montmorillonit-rei-
chen Mixed-Layer-Minerale.
- Vergrusungs-Zone, Gesteinsverband mechanisch
aufgelockert, relativ hohe Porosität und Durchläs-
sigkeit, oft gebleicht, beginnende Tonmineralneu-
bildung (Illit-Montmorillonit-Mixed-Layer-Minerale).
- Primärgesteins-Zone, durch die Kaolinisierung
selbst nicht beeinflusst, jedoch durch präkaoline
Prozesse vielfach verändert, z. B. postvulkani-
sche, metasomatische Mineralumwandlungen
(Chlorit und Dreischichtsilikate in Ignimbriten), tek-
tonische Gesteinsbeanspruchungen und Mikro-
rissbildung.
Diese genetischen Besonderheiten führen zu einer
spezifischen Mineralparagenese in den kaolinisierten
Muttergesteinen, wie im Kap. 4 ausgeführt wird.
4
Mineralbestand der Kemmlitzer
Kaoline
4.1 Allgemeines
Die Kaoline des Gebietes um Kemmlitz entstanden
aus sauren Eruptivgesteinen, Rhyolithen, die früher
als „Rochlitzer Porphyr“ zusammengefasst wurden
(vgl. Kap. 1). Es handelt sich dabei insbesondere um
Kemmlitzer Porphyr (Lava Typ) und Ignimbrit (Tuff mit
unterschiedlichem Verschweißungsgrad und variab-
len Anteilen an Gesteinsglas). Untergeordnet kom-
men auch kaolinisierte vitrophyrische, basischere
Ganggesteine, die die Eruptiva durchsetzen, und
mächtigere andesitische Gesteine, Porphyrite, als
Edukte der Kaoline vor (vgl. Lagerstätte Gröppendorf,
Kap. 5.9). Die Hauptmasse der industriellen Kaoline
wird aus den Rohkaolinen auf Kemmlitzer Porphyr (in
vorliegender Arbeit kurz als Porphyr-Kaolin bezeich-
net) gewonnen und untergeordnet aus den in Lager-
stätten partienweise auftretenden kaolinisierten
Ignimbriten (Ignimbrit-Kaolin), wie bei den einzelnen
Lagerstätten (Kap. 5.) angegeben ist. Je nach petro-
graphischer Zusammensetzung und der Struktur der
Primärgesteine bilden sich daraus unterschiedlich zu-
sammengesetzte Kaoline, die je nach Mineralbestand
auch spezifische aufbereitungs- und verarbeitungs-
technische Eigenschaften besitzen. Detaillierte Anga-
ben hierzu sind in der zusammenfassenden Arbeit
von S
TÖRR (1983) gegeben.
Die beiden im Kemmlitzer Raum überwiegend anste-
henden Kaolin-Varietäten können wie folgt charakte-
risiert werden:
Porphyr-Kaoline:
Sie sind reich an aus K-Feldspat
gebildetem Kaolinit und enthalten nur wenig Illit-Mont-
morillonit-Mixed-Layer-Minerale (<5 %) sowie als Ver-
witterungsrest Quarz (Tab. 3). Die Kaoline sind relativ
homogen. Wegen ihrer besseren Durchlässigkeit sind
Anteile organischer Substanz in den Kaolin migriert.
Sehr selten kommen Fe-Sulfate vor.
Ignimbrit-Kaoline
mit ursprünglich unterschiedlichen
Verschweißungsgraden und demgemäß variierenden
Anteilen von Gesteinsglas oder deren Entglasungs-
produkten (Feldspat/Quarz). Aus dem Gesteinsglas
bildeten sich größere Anteile Kalium-reichere Illit-
Montmorillonit-Mixed-Layer-Minerale (z. T. vor der
Kaolinisierung), die z. T. zu Fe-haltigem Kaolinit um-
gesetzt wurden, z. T. aber wegen ihrer Beständigkeit
neben dem Kaolinit erhalten blieben. Aus dem K-
Feldspat bildeten sich Fe-freie Kaolinite. Weiterhin ist
reliktischer Quarz enthalten. Die Ignimbrit-Kaoline
sind wechselhaft zusammengesetzt, es variieren alle
Bestandteile verhältnismäßig stark (Tab. 3).

31
Tab. 3: Zusammensetzung der Kemmlitzer Rohkao-
line (Masse-%)
Porphyr-
Kaolin
Ignimbrit-
Kaolin
Rohkaoline
Kaolinit 28-45 10-35
I-M Mixed-Layer
<10
5-35
Quarz 50-70 55-75
Organische Substanz
<0,5
ca. 0,3
<2 21-25 29-46
2-6,3 18-24 7-10
6,3-20 3-10 5-6
20-63 8-11 10-13
63-200 8-15 5-10
200-630 11-18 10-30
630-2000 15-25 6-10
>2000 1-4 1-2
Schlämmkaoline, einstufig hydrozyklonklassiert
Kaolinit 65-80 20-40
I-M Mixed-Layer
5-12
50-60
Quarz 10-20 15-25
Al
2
O
3
25-35 22-25
K
2
O 0,1-0,5 0,5-5
Fe
2
O
3
0,2-0,6 1,2-3
Org. Substanz
0,1-0,6
0,1-0,3
4.2
Mineralogische Zusammensetzung der
Kemmlitzer Kaoline
Die Kaoline der verschiedenen Lagerstätten des
Kemmlitzer Gebietes enthalten die nachfolgend näher
beschriebenen Bestandteile (Anmerkungen zur Ana-
lysenmethodik finden sich am Schluss des Kap. 4):
Hauptbestandteile
Kaolinit
Illit-Montmorillonit-Mixed-Layer-Minerale
Quarz
Nebenbestandteile
Feldspat
Anatas
Eisenoxidhydrate
organische Substanz
Spurenminerale
4.2.1 Kaolinit
Der Kaolinit dominiert in den Kaolinen. Er bildet vor-
wiegend pseudohexagonale, meist zu größeren Parti-
keln verwachsene Kristallite, wie sie in Abb. 15 zu
sehen sind. Diese Kaolinite sind überwiegend rein
und entsprechen nahezu der theoretischen Zusam-
mensetzung, wie aus den Mikroanalysen (Abb. 15) zu
entnehmen ist. In diesem Kaolinit wurden nur kleine
Mengen Fe analysiert, und auch Kalium kommt meist
in kleinen Anteilen von 0,1 bis 0,2 % in einzelnen
Blättchen bzw. Aggregaten vor. Neben dem üblichen
Kaolinit sind im TEM noch sehr dünne, oft unregel-
mäßig begrenzte Blättchen mit kaolinitischer Zusam-
mensetzung aber etwas höheren K
2
O-, MgO- und
Fe
2
O
3
- Gehalten erkennbar (s. Abb. 16).
Auch aus der Röntgenanalyse ergibt sich eine Diffe-
renzierung des Kaolinits in zwei Spezies. Die Profil-
analyse (K
RUMM 1994) des 1. Basisreflexes ergibt
zwei Reflexe von
d = 7,15-7,16 Å und d = 7,21-7,23 Å.
Die aus diesen Reflexen berechneten CSD-Werte
(coherend-scuttering-domains) lassen zwei Gruppen
erkennen: 65 Å und 180-220 Å. Diese Werte zeigen,
dass zwei unterschiedlich dimensionierte Kaolinit-Va-
rietäten auftreten, wie sie schon in den TEM-Bildern
sichtbar wurden. In einzelnen Präparaten wurde typi-
scher röllchenformiger Halloysit in geringen Anteilen
festgestellt.
4.2.2 Illit-Montmorillonit-Mixed-Layer-Mineral
In den Kemmlitzer Kaolinen sind so genannte Illit-
Montmorillonit-Mixed-Layer-Minerale enthalten, die
zuerst von S
TÖRR & SCHWERDTNER (1966) in der La-
gerstätte Tagebau Glückauf Querbitzsch festgestellt
wurden. Es handelt sich um Dreischichtsilikate, in de-
nen variable Anteile von Glimmer/Illit-Schichten und
Montmorillonit-Schichten gemischt angeordnet sind,
daher die Bezeichnung „gemischte Schichten“,
„Wechsellagerungen“ oder „Mixed-Layer“. Sie treten,
wie schon erwähnt, verstärkt in den Ignimbrit-Kaoli-
nen auf und dort vor allem in den umgewandelten
glasigen Tuff-Partikeln, aus denen fast reine I-M-ML
separiert werden konnten (Abb. 17 und 18). Neben
wenigen Kaoliniten sind auf den TEM-Bildern vor al-
lem die oft sehr lang gestreckten Leistchen zu erken-
nen, die für die Illit-Montmorillonit-Mixed-Layer-Mine-
rale typisch sind. Diese Leistchen besitzen meist Illit-
Schichtanteile von >60 % und <40 % Montmorillonit-
Schichtanteile. Dementsprechend sind die Kaliumge-
halte hoch (>3,5 %), wie aus den Mikroanalysen her-
vorgeht. Sie enthalten den Hauptteil des in den Pro-
ben vorkommenden Fe
2
O
3
- und MgO-Gehalts. Wei-
terhin treten unregelmäßig begrenzte dünne Blätt-
chen auf, bei denen der Illit-Schichtanteil <60 % und
die Montmorillonit-Schichtanteile >40 % sind. Diese
Partikel enthalten entsprechend weniger K
2
O.

32
Abb. 15: HRSTEM-Aufnahme von Kaolinit (K) aus Kaolin auf Kemmlitzer Porphyr mit typischen Verwachsun-
gen von sechsseitigen Kaolinitblättchen.
Tab. 4a: Die Mikroanalysen der Analysepunkte 102A bis 102F geben die chemische Zusammensetzung der in
Abb. 15 mit Pfeil gekennzeichneten Stellen mit einem Durchmesser von ca. 0,1 μm in Gew.-% der
Elemente an.
I02A
K
I02B
K
I02C
K
I02D I02E
K
I02F
K
O 52,4 50,6 52,1 51,2 51,4
Si 24,1 25,7 25,1 25,3 25,5
Al 22,0 22,0 22,1 22,3 22,3
Fe 0,2 0,2 0,2 0,4 0,2
Mg 0,3 0,2 0,1 0,0 0,1
Ca 0,2 0,3 0,2 0,1 0,0
K 0,1 0,1 0,2 0,1 0,2
Na 0,1 0,1 0,0 0,2 0,1
S 0,4 0,2 0,0 0,0 0,0
Cl 0,3 0,5 0,0 0,3 0,2
P 0,0 0,0 0,0
zu dünn
0,2 0,0

33
Abb. 16: HRSTEM-Aufnahme von Kaolinit (K) aus Kaolin auf Kemmlitzer Porphyr mit typischen Verwachsun-
gen von sechsseitigen Kaolinitblättchen und dünnem, unregelmäßig begrenztem Kaolinit (B, D, E, G)
und Mixed-Layer (A).
Tab. 4b: Die Mikroanalysen der Analysenpunkte 103A bis 103G (unten) geben die chemische Zusammenset-
zung der in Abb. 16 mit dem Pfeil gekennzeichneten Stellen mit einem Durchmesser von ca. 0,1 μm in
Gew.-% der Elemente an.
I03A
ML
I03B
K
I03C
K
I03D
K
I03E
K
I03F
?
I03G
K
O 52,1 50,1 48,4 49,1 51,5 44,9 49,0
Si 24,3 25,5 26,6 24,8 25,0 24,0 26,6
Al 13,9 20,2 23,5 21,5 21,4 18,2 23,0
Fe 1,0 0,1 0,2 0,7 0,3 2,9 0,6
Mg 0,7 1,1 0,2 1,0 0,0 5,4 0,1
Ca 1,3 0,9 0,2 0,5 0,0 0,1 0,0
K 4,1 0,4 0,4 0,7 0,0 0,9 0,0
Na 0,0 0,4 0,2 0,4 0,4 0,0 0,3
S 1,2 0,3 0,0 1,2 0,0 0,2 0,0
Cl 0,4 0,0 0,0 0,1 0,5 0,7 0,2
P 1,2 1,2 0,4 0,0 0,8 0,0 0,4

34
Abb. 17: HRSTEM-Aufnahme von vorwiegend leistchenförmigem Illit-Montmorillonit-Mixed-Layer (A, B, C, E, F,
G, H, I, L) und blättchenförmigem Mixed-Layer (D,K) aus Ignimbrit-Kaolin.
Tab. 5a: Die Mikroanalysen der Analysenpunkte S2 A bis S2 L geben die chemische Zusammensetzung der
mit dem Kreis in Abb. 17 gekennzeichneten Stellen mit einem Durchmesser von ca. 0,1 μm in Atom-%
der Elemente an. Die daraus berechneten modellierten Mineralformeln sind in Tab. 6 angegeben.
ML Kemmlitz <2 μm
Element MLKEM MLKEM MLKEM MLKEM MLKEM MLKEM MLKEM MLKEM MLKEM MLKEM MLKEM
S2A S2B S2C S2D S2E S2F S2G S2H S2I S2K S2L
O 55,23 54,79 55,01 59,96 49,26 51,01 57,21 62,06 58,92 53,97 56,23
Na 0,03
0,30 1,78 0,70 1,45
2,01 0,01
Mg 2,57 1,23 1,03 1,34 3,09 1,02 1,66 0,35 0,44 2,86 1,77
Al 10,47 15,31 13,73 12,37 15,55 15,45 13,15 10,17 11,18 10,61 14,05
Si 25,68 24,68 24,63 23,18 25,23 22,79 22,98 23,72 24,73 23,65 24,27
P 0,24 0,43 1,10 0,65 0,18 0,40
0,40 0,01 0,18
S
0,13 0,36 0,05
0,05 0,08 1,04 0,23
Cl 0,24 0,54 0,92 0,27 0,28 0,81 0,28
K 3,23 3,13 2,67 1,42 3,77 5,89 4,74 2,33 2,60 3,22 3,66
Ca 0,21 0,15 0,05
Ti 0,01 0,34 0,09
Zr
Mn
Fe 2,83 1,71 2,05 0,62 0,97 2,00 0,66 1,43 1,52 2,43 0,78

35
Abb. 18: HRSTEM-Aufnahme von vorwiegend leistchenförmigem Illit-Montmorillonit-Mixed-Layer (A, B, D, E, I,
K, L) und blättchenförmigem Mixed-Layer (C, F, G, H) aus Ignimbrit-Kaolin.
Tab. 5b: Die Mikroanalysen der Analysenpunkte S5A bis S5L geben die chemische Zusammensetzung der mit
dem Kreis in Abb. 18 gekennzeichneten Stellen mit einem Durchmesser von ca. 0,1 μm in Atom-% der
Elemente an. Die daraus berechneten modellierten Mineralformeln sind in Tab. 6 angegeben.
ML Kemmlitz <2 μm
Element MLKEM MLKEM MLKEM MLKEM MLKEM MLKEM MLKEM MLKEM MLKEM MLKEM MLKEM
S5A S5B S5C S5D S5E S5F S5G S5H S5I S5K S5L
O 55,50 62,61 59,26 60,42 61,05 54,99 62,94 61,03 62,21 60,84 59,20
Na 0,63 0,19 1,05
1,09 1,16 0,44 0,57 0,03
Mg 1,88 1,15 1,68 1,35 1,42 1,64 1,22 2,09 1,60 0,21 1,78
Al 12,84 10,04 11,60 11,34 11,55 12,79 10,51 9,70 11,91 11,68 11,10
Si 24,23 21,81 22,51 22,75 21,58 25,82 20,84 22,11 20,34 21,07 23,90
P 0,19 0,09 0,15 0,59
0,25 0,32
S 0,50 0,13 0,22 0,26
0,07
Cl 0,02 0,06 0,38 0,11 0,24 0,09 0,15 0,80 0,41
K 3,27 2,90 2,52 2,97 3,08 3,54 3,70 2,85 3,40 3,09 2,62
Ca 0,45 0,20 0,04 0,00
0,05 0,19 0,12
Ti 0,05
0,04 0,33 0,12
Zr
Mn
Fe 0,44 1,61 0,86 0,78 0,45 0,83 0,29 1,78 0,60 1,47 0,77

36
Um diese Aussagen statistisch abzusichern, wurden
von dieser Probe mehr als 100 Mikroanalysen, oft
mehrere von einem Partikel aufgenommen, die
Schicht-Ladung berechnet und in das Ladungs-Drei-
eck nach K
ÖSTER (1977) eingezeichnet. Daraus geht
hervor (Abb. 19, oben), dass fast alle Analysen auf
einer Linie liegen, die vom Montmorillonit-Feld (10-20
% Illit-Schichten) bis zum Glimmer/Illit mit 90-100 %
Illit-Schichten reicht. Die dargestellte Häufigkeitsver-
teilung der Schichtverteilung (Abb. 19 unten, links)
zeigt, dass die meisten Partikel zwischen 40 und 60
% Illit-Schichten enthalten. Die Beziehung zwischen
Morphologie und Zusammensetzung ist weniger deut-
lich, wenn auch die illitischen Partikel überwiegend
Leistchen bilden und die montmorillonitischen Partikel
meist unregelmäßige Blättchen, wie aus Abb. 19 un-
ten rechts sichtbar ist.
Ladung
der
Oktaederschicht
Ladung der Tetraederschicht
Si
IV
Zwischenschichtladung
0,0
0,4
0,8
0,2
0,6
1,0
14,0
14,2
14,4
14,6
14,8
15,0
15,2
15,4
15,6
15,8 16,0
2,0
2,2
2,4
2,6
2,8
3,0
3,2
3,4
3,6
3,8
4,0
5,2
5,6
6,0
6,4
6,6
6,8
6,2
5,8
5,4
5,0
Ladung
der
Oktaederschicht
Ladung der Tetraederschicht
Si
IV
Zwischenschichtladung
0,0
0,4
0,8
0,2
0,6
1,0
0,0
0,4
0,8
0,2
0,6
1,0
14,0
14,2
14,4
14,6
14,8
15,0
15,2
15,4
15,6
15,8 16,0
2,0
2,2
2,4
2,6
2,8
3,0
3,2
3,4
3,6
3,8
4,0
5,2
5,6
6,0
6,4
6,6
6,8
6,2
5,8
5,4
5,0
5,2
5,6
6,0
6,4
6,6
6,8
6,2
5,8
5,4
5,0
diSV-ML
illite
ML10
ML20
ML30
ML40
ML50
ML60
ML70
ML80
ML90
diSV-ML
illite
ML10
ML20
ML30
ML40
ML50
ML60
ML70
ML80
ML90
ML30 - 30 % Illit-Anteil an der Wechsellagerung
Montm.
ML30
ML60
ML90
frequency
ML Kemmlitz < 2 μm
IS-ML
Montm.
ML30
ML60
ML90
frequency
shape
lath-like
platy
Abb. 19:
Ladungsdreieck nach K
ÖSTER mit den
eingezeichneten aus den Mikroanalysen
berechneten Schichtladungen (Tab. 6)
und die Häufigkeit der Mixed-Layer (ML-)
-Zusammensetzung in 10er-Stufen %-
Anteil Illit-Schichten (unten, links) sowie
die Häufigkeit der blättchen- bzw. leisten-
förmigen Individuen.
Röntgenographisch drücken sich die unterschiedli-
chen Illit-Montmorillonit-Verhältnisse in den d
Werten
des 1. Röntgen-Basisreflexes aus (Abb. 20):
Typ I: Illit-reiche ML (<40 % Montmorillonit, >60 % Il-
lit)
lufttrockene Probe: starker Reflex bei d 10-11 Å
Äthylenglykol behandelte Probe: Quellung auf
10-14 Å
K-Gehalte 5-7 %
Mg-Gehalte: 2-3 %
Typ II: Montmorillonit-reiche ML (>40 % Montmorillo-
nit, <60 % Illit)
lufttrockene Probe: starker Reflex bei d 12-13 Å
Äthylenglykol-behandelte Probe: Quellung auf
15-17 Å
K-Gehalte: <5 %
Mg-Gehalte: 2-3 %
Innerhalb der Lagerstätten variieren die Schichtver-
hältnisse der Mixed-Layer-Minerale. Es existieren Be-
reiche, in denen die Illit-reichen Varietäten dominie-

37
ren, und solche, in denen die Montmorillonit-reichen
vorherrschen. Meist scheint dies mit unterschiedli-
chen Muttergesteinen zu korrespondieren. Auch die
zuweilen auftretenden grünlichen, grauen oder bräun-
lichen Gänge führen unterschiedlich zusammenge-
setzte Mixed-Layer-Minerale.
4.2.3 Quarz
Quarz tritt in den Kaolinen in drei Formen auf:
Einsprenglings-Quarze
der Porphyre bzw. Ignimbri-
te sind idiomorph, meist magmatisch korrodiert und in
den Fraktionen >200 μm enthalten. Sie werden durch
die Aufbereitung ausgetragen.
Grundmasse-Quarze
, die als einzelne Individuen in
den feineren Kornfraktionen bis herab zu 2 μm enthal-
ten sind. Sie bilden aber zumeist mehr oder weniger
fest verkittete Aggregate, die bis mehrere mm
Durchmesser besitzen können und durch die Aufbe-
reitung je nach Trennschnitt ausgetragen werden. Die
feinen Quarzkörnchen werden durch die Aufbereitung
nur teilweise entfernt.
Sekundäre Quarzausscheidungen
, die z. T. bereits
im Porphyr entstanden und dann manchmal mit Achat
oder Quarzkristallen gefüllte Konkretionen bilden.
Teilweise existieren aber auch verkieselte Partien, die
mit der Kaolinisierung zusammenhängen. Die gröbe-
ren Quarzausscheidungen werden durch die Aufbe-
reitung ausgetragen.
Tab. 6:
Aus den Mikroanalysen berechnete Strukturformeln für das I-M
M
ixed-
L
ayer Mineral aus
K
emmlitz,
1. Teil: Aufnahme I02, Spektren S2A bis S2L (Abb. 17)
2. Teil: Aufnahme I05, Spektren S5A bis S5L (Abb. 18)
ML Kemmlitz < 2 μm
ML40
VS-ml
VS-ml
ML35
ML80
Illit
ML65
ML05
ML15
ML55
ML60
Element/
Charge
MLKEM
S2A
MLKEM
S2B
MLKEM
S2C
MLKEM
S2D
MLKEM
S2E
MLKEM
S2F
MLKEM
S2G
MLKEM
S2H
MLKEM
S2I
MLKEM
S2K
MLKEM
S2L
Interlayer
0,537
0,522
0,444
0,428
0,772
0,944
0,736
0,386
0,445
0,662
0,621
Ca
2+
0,031
0,000
0,000
0,000
0,020
0,000
0,000
0,000
0,008
0,000
0,000
Mg
2+
0,033
0,079
0,054
0,150
0,000
0,000
0,000
0,000
0,030
0,016
0,078
Na
+
0,004
0,000
0,000
0,048
0,241
0,100
0,000
0,000
0,000
0,153
0,001
K
+
0,469
0,443
0,390
0,230
0,510
0,844
0,736
0,386
0,407
0,493
0,541
Mn
2+
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
Fe
2+
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
Octahedra-layer
Al
3+
1,252
1,661
1,604
1,747
1,521
1,481
1,607
1,618
1,619
1,247
1,666
Fe
3+
0,411
0,242
0,299
0,100
0,131
0,287
0,102
0,237
0,238
0,372
0,115
Fe
2+
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
Mg
2+
0,340
0,095
0,096
0,067
0,418
0,146
0,258
0,058
0,039
0,422
0,184
Ti
4+
0,000
0,001
0,000
0,000
0,000
0,049
0,014
0,000
0,000
0,000
0,000
Mn
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
n
VI
2,003
2,000
2,000
1,914
2,070
1,962
1,981
1,913
1,896
2,041
1,965
Tetrahedra-layer
Fe
3+
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
Al
3+
0,269
0,506
0,402
0,253
0,584
0,734
0,434
0,068
0,130
0,378
0,411
Si
4+
3,731
3,494
3,598
3,747
3,416
3,266
3,566
3,932
3,870
3,622
3,589
O
2-
10
10
10
10
10
10
10
10
10
10
10
OH
-
2 2,0 2 2 2 2 2 2 2 2 2
F
-
XII-Charge
0,601
0,601
0,498
0,578
0,792
0,944
0,736
0,386
0,482
0,678
0,699
VI-Charge
5,669
5,905
5,904
5,675
5,793
5,789
5,698
5,682
5,648
5,700
5,713
IV-Charge
-6,269
-6,506
-6,402
-6,253
-6,584
-6,734
-6,434
-6,068
-6,130
-6,378
-6,411
total charge
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000

38
Fortsetzung Tab. 6
ML Kemmlitz < 2 μm
ML50
ML40
ML50
ML35
ML45
ML40
ML35
ML45
ML65
ML60
ML30
Element/
Charge
MLKEM
S5A
MLKEM
S5B
MLKEM
S5C
MLKEM
S5D
MLKEM
S5E
MLKEM
S5F
MLKEM
S5G
MLKEM
S5H
MLKEM
S5I
MLKEM
S5K
MLKEM
S5L
Interlayer
0,608
0,566
0,609
0,531
0,575
0,601
0,667
0,588
0,656
0,661
0,480
Ca
2+
0,015
0,034
0,007
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,009
0,033
0,019
Mg
2+
0,000
0,000
0,018
0,040
0,047
0,000
0,000
0,038
0,052
0,000
0,039
Na
+
0,096
0,033
0,172
0,000
0,000
0,087
0,000
0,074
0,000
0,098
0,005
K
+
0,497
0,499
0,412
0,491
0,528
0,514
0,667
0,476
0,596
0,530
0,417
Mn
2+
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
Fe
2+
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
Octahedra-layer
Al
3+
1,631
1,475
1,582
1,638
1,684
1,605
1,650
1,315
1,649
1,621
1,574
Fe
3+
0,067
0,277
0,141
0,129
0,077
0,120
0,052
0,297
0,105
0,252
0,123
Fe
2+
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
Mg
2+
0,286
0,198
0,257
0,183
0,197
0,238
0,220
0,311
0,228
0,036
0,244
Ti
4+
0,008
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,007
0,055
0,000
0,000
0,019
Mn
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
n
VI
1,991
1,950
1,980
1,950
1,957
1,963
1,930
1,979
1,983
1,909
1,960
Tetrahedra-layer
Fe
3+
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
Al
3+
0,319
0,251
0,316
0,238
0,298
0,252
0,244
0,306
0,437
0,384
0,194
Si
4+
3,681
3,749
3,684
3,762
3,702
3,748
3,756
3,694
3,563
3,616
3,806
O
2-
10
10
10
10
10
10
10
10
10
10
10
OH
-
2 2,0 2 2 2 2 2 2 2 2 2
F
-
XII-Charge
0,623
0,600
0,633
0,571
0,622
0,601
0,667
0,626
0,717
0,693
0,538
VI-Charge
5,696
5,651
5,683
5,667
5,675
5,651
5,577
5,680
5,720
5,691
5,655
IV-Charge
-6,319
-6,251
-6,316
-6,238
-6,298
-6,252
-6,244
-6,306
-6,437
-6,384
-6,194
total charge
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
0,000
4.3
Mineralverteilung in den Kornfraktionen
In Tab. 7 sind Beispiele der Mineralverteilung in den
Kornfraktionen von geschlämmten Kaolinen zusam-
mengestellt.
Mit der Kornklassierung werden die Bestandteile der
feinen Kornfraktionen angereichert und von dem
Grobkorn abgetrennt. Je nach der angewandten
Technologie werden die Trennschnitte spezifisch ge-
staltet, so dass Modifizierungen der speziellen Mine-
ral- und Kornverteilung möglich werden (vgl. Kap. 6.).
Die Verhältnisse in den feinsten Kornfraktionen <2 μm
werden dabei aber nicht oder nur wenig beeinflusst.
Der Kaolinit ist Hauptbestandteil der Kornfraktionen
<20 μm, das Mixed-Layer-Mineral ist in den feinsten
Kornfraktionen angereichert, 2/3 in den Kornfraktio-
nen <0,63 μm bzw. >90 % in den Kornfraktionen <2
μm. Der Quarzgehalt nimmt zu den gröberen Korn-
fraktionen hin zu. Nur sehr selten ist er <2 μm. Ent-
sprechend den kaolinisierten Muttergesteinen existie-
ren deutliche Unterschiede in der Mineralverteilung in
den Kornfraktionen innerhalb der Lagerstätten, wie
aus den in Tab. 7 zusammengestellten Beispielen
hervorgeht.
4.4
Die Kemmlitzer Schlämmkaoline und ihre
keramischen Eigenschaften
Die Kemmlitzer Schlämmkaoline werden ein- oder
mehrstufig hydrozyklonklassiert und kommen ent-
sprechend den Kundenwünschen granuliert oder ge-
mahlen und mit erforderlichem Feuchtegehalt in den
Handel. Nachfolgend werden einige wichtige substan-
tielle und technologische Eigenschaften und deren
Beziehungen zur mineralogischen und chemischen
Zusammensetzung zusammengefasst.

image
image
image
39
Abb. 20: Beispiele der Röntgentexturaufnahmen der Mixed-Layer Typen.
Oben: ML-Typ I, ca. 10 % in der Probe, obere Kurve: Äthylenglykol, untere: lufttrocken.
Unten: ML-Typ II, ca. 9 % in der Probe, obere Kurve: Äthylenglykol, untere: lufttrocken.
Tab. 7: Mineralgehalte der Kornfraktionen in %. Die Angaben unter Fraktion geben den Mineralanteil in der
Fraktion wieder, der unter „Probe“ auf die Gesamtprobe umgerechnet ist
Schlämmkaolin aus Kemmlitzer Porphyr (Probe G4-2)
Fraktion μm Kornanteil
ML Kaolinit Quarz
%
Fraktion Probe Fraktion Probe Fraktion Probe
<0,63 23,7 21 5,0 79 18,7 - 0,0
0,63-2,0 35,2 9 3,2 80 28,1 11 3,9
2,0-6,3 31,9 + 0,3 71 22,0 28 8,9
>6,3 9,2 - 0,0 14, 1,3 86 7,9
Gesamtprobe 100,0
8,5
70,1
20,7
In Gesamtprobe bestimmt
9
71
20

image
image
image
image
image
image
image
image
40
Schlämmkaolin aus Kemmlitzer Porphyr (Probe G4-6)
Fraktion μm Kornanteil
ML Kaolinit Quarz
%
Fraktion Probe Fraktion Probe Fraktion Probe
<0,63 13,6 15 2,0 85 11,6 - 0,0
0,63-2,0 29,3 9 2,6 86 25,2 5 1,5
2,0-6,3 42,1 + 0,8 76 32,0 11 9,3
>6,3 15,0 - 0,0 62 9,3 38 5,7
Gesamtprobe 100,0
5,4
78,1
16,5
In Gesamtprobe bestimmt
ca. 5
79
16
Schlämmkaolin aus Ignimbrit (Probe G4-7)
Fraktion μm Kornanteil
ML Kaolinit Quarz
%
Fraktion Probe Fraktion Probe Fraktion Probe
<0,63 45,9 31 14,3 69 31,6 - 0,0
0,63-2,0 35,9 11 4,0 87 31,2 2 0,7
2,0-6,3 16,2 + 0,1 82 13,2 18 2,9
>6,3 2,0 - 0,0 36 0,7 64 1,3
Gesamtprobe 100,0
18,4
76,7
4,9
In Gesamtprobe bestimmt
24
71
5
Die Aufbereitungstechnologie ist einerseits darauf ge-
richtet, die Wertstoffe, insbesondere Kaolinit, anzu-
reichern und vom gröberkörnigen Quarz zu trennen
und andererseits darauf, durch spezielle Behandlun-
gen (Scherbeanspruchungen, Ozonbehandlung,
Feinstkornklassierung) spezifische Eigenschaften zu
betonen. Auf der Grundlage der beiden Grundtypen
von Rohkaolin in den Gruben können bestimmte Mi-
schungen hergestellt werden, so dass verschiedene
Qualitäten erzeugt werden können, die für bestimmte
Einsatzgebiete optimal sind. Wegen der geringen
Schadstoffgehalte (Fe
2
O
3
, TiO
2
), der guten Verflüssi-
gung bei optimaler Scherbenbildung, guten Werten
für die Trockenbiegefestigkeit und günstigen Brenn-
eigenschaften werden die Kemmlitzer Kaoline insbe-
sondere für weißbrennende keramische Produkte,
vor allem für Porzellan, Sanitärkeramik und Fliesen,
verwendet (S
CHWERDTNER & STÖRR 1983). In Tab. 8
sind die wichtigsten Kenndaten der industriellen
Schlämmkaoline zusammengefasst. Die Sorten KFL,
MEKA, BZ, OKA, und ARCANO werden auf der Basis
von Porphyr-Kaolinen hergestellt. Die Sorte EKA-S
enthält einen größeren Anteil Ignimbrit-Kaolin. Von
der ARCANO-Serie werden weitere Varietäten er-
zeugt, die für spezielle, neue keramische Fertigungs-
technologien besonders geeignet sind, wie Druck-
guss.
Abb. 21: Profilanalysen der 1. Basisreflexe der ML-
Minerale aus den Aufnahmen von Abb. 20.
Oben: ML-Typ I, Unten: ML-Typ II

41
Tab. 8:
Kenndaten der industriellen Schlämmkaoline nach den aktuellen Datenblättern
Sorten
MEKA
BZ
OKA
KFL
EKA-S
Arcano
STA
Chemische Analyse
SiO
2
% 56,0 54,0 52,0 59,9 57,5 52,1
Al
2
O
3
% 31,0 32,5 34,0 28,5 28,5 33,8
Fe
2
O
3
% 0,29 0,31 0,33 0,28 1,10 0,35
TiO
2
% 0,16 0,16 0,17 0,15 0,17 0,17
CaO
%
0,17
0,18
0,18
0,15
0,25
0,18
MgO
%
0,20
0,22
0,23
0,17
0,62
0,22
K
2
O % 0,20 0,22 0,24 0,18 1,75 0,24
Na
2
O % 0,01 0,01 0,01 0,02 0,05 0,05
GV
%
11,8
12,3
12,8
10,6
10,0
12,9
Fluor
ppm
190
210
230
180
380
220
Mineralogische Analyse
Quarz
%
21
17
11
28
19
12
Kaolinit
%
72
75
80
65
56
80
Illit-Montmorillonit-Mixed-Layer
%
7
8
9
7
24
8
Kalifeldspat
%
0
0
0
0
1
0
Korngrößenanteile
>45 μm
%
0,30
0,15
0,05
1,2
0,4
0,05
<2 μm
%
58
64
69
50
66
73
d
50
- Wert
μm
1,50
1,15
1,00
2,10
0,90
0,85
Viskosität nach Lehmann
opt.Elektrolytgehalt
%
0,25
0,30
0,35
keine
keine
0,15
1.Auslaufzeit
sec
17
23
29
Angabe Angabe
23
Thixotropiekoeffizient
0,92
0,95
0,97
0,96
Scherbenstärke nach 30 min
mm
4,5
4,0
3,8
2,6
Trockenbiegefestigkeit
Prüfkörper stranggezogen
N/mm
2
5,0
Prüfkörper gegossen
N/mm
2
3,0 3,5 4,0
2,0 5,3
Schwindung
Trockenschwindung
%
4,0
4,0
4,0
4,5
6,0
4,0
Brennschwindung (1410°C)
%
11,0
12,0
12,5
7,5
10,0
12,0
Gesamtschwindung
%
14,5
15,5
16,0
11,5
15,5
15,5
Brennfarbe (1410°C)
%
91
91
90
92
57
90
Einsatzgebiete
Drehmasse
+
+
++
++
+
Gießmasse
+
++
++
++
++
Pressmasse
+
+
++
++
Druckgießen
+
+
Geschirrporzellan
++
++
++
++
Sanitärkeramik
++
Fliesen
++
Elektrokeramik
++
Glasuren
++

42
Besonderheiten der Kemmlitzer Kaoline sind neben
den geringen Schadstoffgehalten die Anwesenheit
der Illit-Montmorillonit-Mixed-Layer-Minerale (ML) und
von feinkörnigem Quarz. Bei letzterem handelt es
sich um die feinkörnigen (<63 μm) Grundmassequar-
ze, die sich beim Brennen gut in der Glasphase auf-
lösen. Mit Hilfe des Illit-Montmorillonit-Mixed-Layer-
Minerals lassen sich viele der keramischen Eigen-
schaften steuern. Es hat besonderen Einfluss auf die
Trockenbiegefestigkeit (TBF) und die rheologischen
Eigenschaften. Mit zunehmendem Anteil steigt die
TBF von ca. 2 N/mm² bei der Sorte KFL mit 7 % ML
auf 5,0 N/mm² bei EKA-S mit 24 % ML. Auch die
rheologischen Eigenschaften ändern sich mit zuneh-
mendem ML-Anteil. Während die Sorte EKA-S höher
plastischer Kaolin ist, besitzen die anderen Sorten
mittlere Plastizität, bei Auslaufzeiten zwischen 17 und
29 sec., bei niedrigen Elektrolytgehalten der Schlicker
und relativ guten Scherbenbildungen und Scherben-
festigkeiten. Die im Kaolin enthaltene organische
Substanz wirkt als Schutzkolloid und beeinflusst die
Viskosität sehr positiv, die Kaoline sind leicht verflüs-
sigbar.
Durch Scherbehandlung der Filterkuchen im Aufbe-
reitungsprozess werden die gröberkörnigen Kaolinit-
Aggregate und -Verwachsungen zerteilt und die
Korngröße des Kaolinits verfeinert. Der Kornanteil <2
μm der Sorte ARCANO erhöht sich dadurch auf 73
%. Gleichzeitig verändern sich auch die TBF und die
rheologischen Eigenschaften. Die TBF wächst um 1
auf 5 N/mm². Die Auslaufzeit wird geringer von 29 auf
23 sec., aber die Scherbenbildung nimmt ab auf 2,6
mm. Die Brennfarben der bei 1410
o
C gebrannten
Scherben ist bedingt durch die geringen Gehalte an
Fe
2
O
3
+ TiO
2
= ca. 0,5 % reinweiß (Weißgrad >90
%). Beim Elektroporzellankaolin EKA-S sinkt die
Brennfarbe infolge des zunehmenden Schadstoffan-
teils (1,3 %) auf 57 %. Hierbei ist der höhere Fe
2
O
3
-
Gehalt an das ML-Mineral gebunden.
Die Produktentwicklung ist darauf gerichtet, dass mit-
tels Mischung von Rohkaolinen aus verschiedenen
Abbauorten der Gruben konstante primäre Aus-
gangsqualitäten erreicht werden (S
TÖRR &
SCHWERDTNER 1973). Durch Zusammenführung sol-
cher Ausgangsmischungen bestimmter Mineralzu-
sammensetzung werden die Standardqualitäten mit
spezifischen verwendungstechnischen Parametern
erzeugt (BZ, KFL, OKA, MEKA, EKA-S), durch weite-
re technologische Behandlung (Scherung, Feinst-
kornseparation) können den Kundenanforderungen
entsprechende Produkte hergestellt werden, z. B.
Druckgusskaoline mit geringerer Viskosität und höhe-
rer Scherbenbildung oder die Serie ARCANO für
Pressmassen mit speziellen Eigenschaften.
Anmerkungen zur Untersuchungsmethodik
Die
Korngrößenfraktionierung
erfolgte in Atterberg-
zylindern nach Dispergierung mit Laborrührer, 10000
Umdr./min. insgesamt 60 min. in 0,01 N Ammoniaklö-
sung. Die Feststoffe wurden durch Filtration auf
Membranfiltern mit 0,45 μm Porenweite gewonnen.
Die
Mineralidentifizierung
erfolgte röntgenogra-
phisch mittels Pulver- und Textur-Aufnahmen. Zur
Identifizierung der quellfähigen Minerale wurden die
Texturpräparate lufttrocken und nach Äthylenglykol-
Behandlung untersucht (Reflexanalyse mit dem Pro-
gramm „WinFit 1.2 Stefan“, Krumm, Erlangen). Zur
semiquantitativen Mineralgehaltsermittlung wurden
von den Gesamtproben und den Kornfraktionen die
Intensitäten der jeweils drei stärksten Röntgenreflexe
der identifizierten Minerale gegen Eichmischungen
ausgewertet. Weiterhin wurden für die Mineralbe-
stimmung DTA- sowie TG- und DTG-Analysen heran-
gezogen.
Für die
HRSTEM-Untersuchungen
wurden Suspen-
sionspräparate auf Kohle-Filme präpariert und ener-
giedispersive Elektronenstrahl-Mikroanalysen von
ausgewählten, mit Buchstaben gekennzeichneten
Partikeln angefertigt. Von den Analysen sind die
Spektren abgebildet und die berechneten Elementge-
halte angegeben. Bei den sehr dünnen Partikeln ist
die Ausbeute an Sekundärelektronen z. T. recht ge-
ring, so dass die Messfehler relativ groß sind. Diese
Daten sind auf den Analysenblättern mit einem
„ “
gekennzeichnet. Unter Berücksichtigung dieses
Sachverhaltes wurden jedoch für die Interpretation
diese Daten mit herangezogen. Besonders beim
Schwefel und Chlor liegen die Messwerte zu hoch,
weil das Untergrundrauschen ähnlich groß ist und ei-
ne Untergrundkorrektur nicht erfolgt.
5
Verbreitung, geologischer Bau
und Stoffbestand der Lagerstätten
des Kemmlitzer Reviers
Im Gebiet um Kemmlitz sind auf einer Fläche von et-
wa 40 km² die anstehenden Rotliegend-Vulkanite un-
terschiedlich stark kaolinitisch verwittert (siehe Abb.
22). Innerhalb dieses Areals wechseln Bereiche, in
denen die Verwitterungskruste bis 70 m mächtig wird,
mit solchen, in denen Kaoline völlig fehlen oder nur
wenige Meter mächtig sind. Auf Ursachen dieser un-
gleichmäßigen Verbreitung wurde im Kap. 3 schon
eingegangen. Neben den primär verschieden tief kao-
linisierten Muttergesteinen haben bruchtektonische
Bewegungen, die jünger als die Kaolinisierung sind,
sowie pleistozäne Erosionsvorgänge einen Hauptein-
fluss auf den Erhaltungsgrad der Verwitterungskruste
ausgeübt. Als wirtschaftlich interessante Teile von

image
image
image
43
kaolinitischen Verwitterungskrusten, die als Lagerstät-
ten zu definieren sind, kann man lokale Bereiche an-
sehen, die neben einer bestimmten Flächengröße ei-
ne mittlere Mächtigkeit an qualitätsgerechtem Kaolin
von mindestens 10 m haben, deren Deckgebirge 20
m nicht überschreiten und deren Mindestmächtigkeit
an den Lagerstättenrändern zumindest 3 m betragen
sollte. Im Kemmlitzer Revier wurden seit 1840 zehn
verschiedene Lagerstätten mit wirtschaftlichem Erfolg
bergbaulich genutzt. Diese Lagerstätten befanden
sich zum einen in einem südlichen Areal im Wesentli-
chen zwischen den Orten Kemmlitz, Neusornzig, Bör-
tewitz und Querbitzsch. Erst in jüngerer Zeit (ab
1964) wurde ein nördliches Kaolinverbreitungsgebiet
zwischen den Orten Gröppendorf, Glossen, Schleben
und Mügeln-Crellenhain erkundet und später er-
schlossen. Beide Teilgebiete werden durch die Döll-
nitzrinne als ein Element junger pleistozäner Erosion
und Sedimentation getrennt.
Nachfolgend werden die einzelnen Lagerstätten des
Gebietes beschrieben mit folgender Untergliederung
der Kapitel: Erkundung, Geologie, Stoffbestand und
Abbau. Aus dem Kartenausschnitt in Abb. 22 ersieht
man die Lage des Kemmlitzer Reviers, während ein
Überblick zur Verbreitung der behandelten Lagerstät-
ten der Abb. 23 zu entnehmen ist. Die Legende für al-
le graphischen Darstellungen im Kap. 5 enthält Abb.
24.
Abb. 22: Übersichtskarte mit Lage des Kemmlitzer Kaolinreviers
5.1
Die Lagerstätte Fichtegraben Neusornzig
Die Kaolinlagerstätte Fichtegraben liegt unmittelbar
nördlich des Ortes Neusornzig am Westhang des Ha-
senbachtales. Der eigentliche Fichtegraben bildet ein
schluchtartiges etwa NW-SE-verlaufendes Trockental
mit mehreren seitlichen Verästelungen, etwa 10 bis 12
m in die umgebende Hochfläche eingeschnitten.
Zur Erkundung der Lagerstätte
Durch eine erste Erkundung mittels Schurf und 10
Bohrungen (K
ÜHN 1817) wird eine Flächengröße des
untersuchten Vorkommens von 340 mal 50 Ellen (190
x 28 m) ermittelt. Weitere 5 Schurfschächte, mit Boh-
rungen kombiniert, werden 1836 geteuft. In deren Er-
gebnis wird eine Mächtigkeit des Lagers von mindes-
tens 12 m genannt, ohne dass damit die Gesamt-

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44
mächtigkeit an Kaolin durchbohrt worden wäre (SELB-
MANN
1836). Angaben zur Erkundung und zum Auf-
schluss der Lagerstätte sind auf einem Grubenriss
von 1874 (Abb. 25) dokumentiert.
Einzelne Bohrungen wurden 1874 westlich und 1922
östlich des Fichtegrabens geteuft, um eine Ausdeh-
nung des Lagers in diese Richtungen zu ermitteln. Mit
der Bohrung 1/22 wurden 22 m Kaolin nachgewiesen,
eine für damalige Verhältnisse bedeutende Mächtig-
keit. Durch später aufgefahrene Vorrichtungs-, Abbau-
und Untersuchungsstrecken wurde die Lagerstätte
über eine Fläche von etwa 12 500 m
2
aufgeschlossen.
Abb. 23: Karte der Pleistozänbasis mit den Kaolinlagerstätten im Kemmlitzer Revier (A
NGER 2005)

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45
Abb. 24: Legende für die im Kap. 5 enthaltenen gra-
phischen Darstellungen
Abb. 25: Ausschnitt aus dem Grubenriss von 1874,
Titel mit Jahresangaben zur Entdeckung
und Erschließung der Lagerstätte Fichte-
graben.
Zur Geologie der Lagerstätte
Nach S
IEGERT (1885) ist das Kaolinlager auf Rochlit-
zer Quarzporphyr (nach heutiger Klassifizierung
„Kemmlitzer Porphyr“) entwickelt, „von oben herein zu
Porzellanthon kaolinisiert“. Es handelt sich hier um
eine typische muldenförmige Verwitterungslagerstätte
von relativ geringer Ausdehnung. Pleistozäne Schich-
ten, die sich aus Lehm, Sand und Kies zusammen-
setzen und zwischen 1,5 und 18 m mächtig sind, bil-
den das Deckgebirge. Dabei wurden die geringen
Mächtigkeiten auf der Sohle des Fichtegrabens ge-
funden, während das Profil einer 1874 am Westrand
des Lagers geteuften Bohrung 16,7 m Pleistozän und
4,5 m nicht durchbohrten Kaolin aufweist (Abb. 26).
Abb. 26: Profil einer Bohrung von 1874 am Westrand
des Fichtegrabens.
In horizontaler Richtung bilden sowohl grusiger Por-
phyrzersatz als auch farbiger rostbrauner Kaolin die
Begrenzung des bauwürdigen Lagers, in den 1864
aufgefahrenen Untersuchungsstrecken als „ganz un-
brauchbare gefärbte Erde“ bezeichnet. Diese Situati-
on liegt an der Westflanke der Lagerstätte vor, wäh-
rend an der Süd- und Ostflanke der Kaolin erodiert
und pleistozäne Sedimente abgelagert wurden. Geo-
elektrische Sondierungen durch M
ÜNZBERGER (1985)

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46
machen eine Fortsetzung der Lagerstätte in nördliche
Richtung über die Strasse Mügeln-Leisnig hinweg
wahrscheinlich.
Zum Stoffbestand der Lagerstätte
Bei der Lagerstätte Fichtegraben handelt es sich um
einen Kaolin, der im abgebauten oberen Teil des
Verwitterungsprofils fast ausschließlich aus Kaolinit
neben wenig Dreischicht-Silikaten sowie residualem
Quarz besteht und stellenweise in wechselnder, aber
geringer Menge Goethit enthält. Die in Tab. 9 aufge-
führten chemischen Analysen der Kornfraktion <36
μm stehen für einen schadstoff- und alkaliarmen Kao-
lin der Lagerstätte Fichtegraben.
K
ÜHN (1817) beschreibt, wie das aus dem ersten,
1817 angelegten Schurf gewonnene, rohe Haufwerk
von Hand geschieden wurde, indem man von unter-
schiedlich großen Stücken den sichtbaren, auf Klüften
konzentrierten, gelben Goethit mit Messern abschab-
te.
Tab. 9: Chemische Analysen von einstufig HZ-
klassierten Kaolinen Fichtegraben aus den
Jahren 1959 und 1962, Labor Kemmlitz
Parameter
1959 (%)
1962 (%)
SiO
2
54,24 52,51
Al
2
O
3
32,41 33,24
Fe
2
O
3
0,34 0,23
TiO
2
0,08 0,07
CaO n. b. 0,34
MgO n. b. 0,24
K
2
O 0,23 0,30
Na
2
O 0,01 0,02
Glühverlust 12,32 12,75
Das so gewonnene gereinigte Material wurde in der
Königlichen Porzellanmanufaktur in Meißen feinstge-
schlämmt, wobei der ausgeschlämmte Anteil bis 32 %
der rohen Erde betrug. Mit diesem Material wurden
Probeporzellane hergestellt. In acht verschiedenen
Versuchsmassen setzte man neben variierenden
Mengen Sornziger Erde auch solche von Seilitz ein,
als Flussmittel verwendete man Feldspat und Kalk.
Aus dem Bericht von K
ÜHN soll folgende zusammen-
fassende Beurteilung der eingesetzten Sornziger Er-
de zitiert werden:
„Die Massen aller dieser Probepor-
zellane hatten sich zwar etwas schwer arbeiten las-
sen, waren aber demohngeachtet weder beim Trock-
nen, noch dem Verglühen und Gutbrennen merklich
gerissen. Die Probeporzellane an Tellern und Kannen
zeigten einen hohen Grad an Weiße und einen schö-
nen glatten Spiegel (.....), dergestalt, daß sie dem
gewöhnlichen Porzellane nichts nachgaben.“
Durch
diese Ergebnisse, sowohl die Größe des Vorkom-
mens als auch die Verwendbarkeit des Kaolins betref-
fend, war 1817 die Grundlage für umfangreiche Akti-
vitäten zur Nutzung der Lagerstätte Fichtegraben
Neusornzig durch die Königliche Porzellanmanufaktur
zu Meißen gelegt worden.
Zum Abbau der Lagerstätte
Mit dem Abteufen eines Schachtes im Fichtegraben
wurde im Jahre 1839 begonnen, er erreichte eine Tie-
fe von 12,46 m. Im Dezember 1840 wurde der erste
Kaolin gefördert. In den folgenden Jahrzehnten wur-
den vom Schacht aus in verschiedenen Richtungen
Strecken aufgefahren, insgesamt 180 m in Nord-Süd-
und 115 m in West-Ost-Richtung. Förderschacht und
Hauptstrecken wurden mit Bruchsteinen ausgemau-
ert, die Firsten teilweise mit Granitplatten verzogen.
Abbaustrecken wurden in Holz ausgebaut. Die Kao-
lingewinnung erfolgte im Pfeilerbruchbau (Kap. 6.2.1).
Dabei wurden durch Richtstrecken 30 m lange und 10
m breite Pfeiler vorgerichtet, die Abbauorte erreichten
2,5 m Höhe, teilweise auch mehr. Nach Rückbau der
Abbaustrecken ging das Hangende zu Bruch. Die
wahrscheinliche Lagerstättengrenze und die Lage der
Hauptstrecken und Abbaue ist in Abb. 27 dargestellt.
Abb. 27: Lagerstätte Fichtegraben Neusornzig mit
Bohrungen und Streckenauffahrungen.

47
Die Grube Fichtegraben war zumeist mit 3-5 Gruben-
arbeitern belegt. Der Abbau erfolgte jedoch nicht
ganzjährig, vielmehr oblag den Beschäftigten auch
die Aufbereitung des zwischengelagerten Rohkaolins.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Rohkaolinför-
derung wie nachfolgend genannt:
1841
5 t
1880
224,2 t
1842
7 t
1890
279,4 t
1860
106,6 t
1900
228,1 t
1870 218,8 t
Im Vertrag von 1838 war als Preis für 20 Zentner
durch Handscheidung gereinigte rohe Erde 12 Gro-
schen Sächsischen Geldes vereinbart worden, das
die Königliche Porzellanmanufaktur Meißen an das
Klostergut Sornzig als Grundzins zu zahlen hatte.
Nach Inbetriebnahme des Schachtes war nach 1840
unweit des Fichtegrabens im Hasenbachtal eine „Kö-
nigliche Porzellanwäsche“ errichtet worden. Das da-
mals angewendete Aufbereitungsverfahren be-
schreibt E
DLER (1927) folgendermaßen:
„In einem mit Wasser gefülltem Bottich wurden drei
Zentner Rohmasse mit Schaufeln umgerührt. Wäh-
rend der grobe Sand am Boden liegen blieb, floss die
Kaolinmilch durch ein Rohr aus dem Gefäß über ein
Sieb in einen Steinbehälter. Hier setzte sich der feine
Sand ab. Durch Weiterleiten in drei Holzrinnen lagerte
sich der Schluff ab. Von hier gelangte die Masse in
ein Sammelbassin. Mittels eines Senkrohres lief das
Wasser ab. Den Kaolin zogen die Arbeiter in Kübeln
mit einer Winde auf den Boden und gossen ihn in
kleine poröse Schamottekapseln. Diese standen auf
Horten, worunter Schüsseln das abtropfende Wasser
auffingen. Der Kaolinschlamm trocknete an der Luft
zu sogenannten ´Brotchen´. Im zerstampften Zustand
wurden diese in Fässer oder Säcke gefüllt und durch
Fuhrwerke in das 30 km entfernte Meißen gefahren.“
Da diese Art der Gewinnung von Schlämmkaolin auf
die Dauer recht uneffektiv war, wurde der Betrieb
1903 eingestellt. Seither erfolgte die Aufbereitung der
„Sornziger Erde“ in der Manufaktur Meißen. Im Jahre
1964 wurde auch der Grubenbetrieb beendet, Ver-
wahrungsarbeiten durchgeführt. Schließlich wurde
1972/73 der Fichtegraben mit Abraum aus dem nahe
gelegenen Kemmlitzer Tagebau „Frieden“ verfüllt und
auf diesem Terrain landwirtschaftliche Nutzfläche
gestaltet. Damit endete ein Zeitraum von fast 160
Jahren, von der Entdeckung 1816 bis zur Rekultivie-
rung 1973, der durch vielfältige Aktivitäten zur Nut-
zung einer kleinen Lagerstätte für eines der hochwer-
tigsten keramischen Erzeugnisse, für Meißner Porzel-
lan, gekennzeichnet war.
5.2
Die Lagerstätte Tiefbau Glückauf
Kemmlitz
Die Lagerstätte Tiefbau Glückauf Kemmlitz liegt zwi-
schen den Orten Kemmlitz und Querbitzsch. Die Ge-
ländeoberfläche ist gekennzeichnet durch ein flaches,
leicht nach Süden und Osten abfallendes Terrain, von
220 m NN im Norden auf etwa 200 m NN im Süden.
In der Nordhälfte schneidet sich von Osten her die
Ziegenbergschlucht, ein kleines Trockental, in das
Gelände ein. Auf dieser Lagerstätte erfolgte seit 1883
bzw. 1886 der Abbau von Kaolin im Gebiet um
Kemmlitz durch die Gutsbesitzer R
IEDEL und WOLF
(Näheres hierzu in Kap. 2 und 6).
Zur Erkundung der Lagerstätte
Erstmalig werden von S
IEGERT (1884) in den Erläute-
rungen zur Geologischen Karte, Blatt Mutzschen
mehrere Bohrungen im Gebiet westlich von Kemmlitz
als „Wolfs Bohrlöcher“ erwähnt, davon eins mit >20,9
m „Porzellanerde“. Verwiesen wird vom gleichen
Autor auf einen Versuchsschacht von Riedel aus dem
Jahre 1883, von dem ausgehend erste Streckenauf-
fahrungen erfolgten. Dokumentiert sind 12 Untertage-
Bohrungen, die 1928/29 auf der 1. bis 3. Sohle des
Tiefbaus geteuft wurden, sowie weitere 6 Erkun-
dungsbohrungen im Gelände südlich des bisherigen
Abbaufeldes (Tab. 2).
Im Zeitraum des Kaolinabbaus wurden bereits von
S
CHMUCKER (1943a) und später von A. CHODURA neu
aufgefahrene Strecken beprobt und die gewonnenen
Ergebnisse als eine Grundlage für die Abbauführung
verwendet. Auf Basis aller vorliegenden Daten wur-
den von H
AUPT (1963) 2,9 Mio. t Vorräte berechnet
und durch die ZVK bestätigt. Nochmalige Erkun-
dungsbohrungen im Bruchfeld des inzwischen stillge-
legten Tiefbaus und eingehende stoffliche und tech-
nologische Untersuchungen erfolgten 1982, 1985 und
1998 mit dem Ziel, Entscheidungsgrundlagen für den
Abbau der Restvorräte in einem aufzuschließenden
Tagebau zu gewinnen (C
LAUS 1987, ANGER 1998a).
Zur Geologie der Lagerstätte
Der Hauptteil der Lagerstätte besteht aus Porphyr-
Kaolin, nur im Nordteil steht Ignimbrit-Kaolin an. Die
Lagerstätte weist eine Längserstreckung in NW-SE-
Richtung von ca. 900 m auf, besitzt damit eine herzy-
nische Streichrichtung. Ihre Ausdehnung quer dazu
beträgt im Süden um 100 m, weitet sich im Norden
aber auf etwa 350 bis 400 m aus. Die Mächtigkeiten
an Kaolin liegen im Allgemeinen zwischen 10 und 50
m, die größten Mächtigkeiten treten dabei im zentra-
len Teil der Verwitterungsmulde auf. Sowohl im Nord-
als auch im Südteil der Lagerstätte wird die Mulde
von Rücken aus unvollständig zersetztem Porphyr

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48
durchzogen, damit verbunden sind verminderte Kao-
linmächtigkeiten.
Die Liegendhöhen im Muldentiefsten reichen bis etwa
155 m NN im Süd- und Mittelfeld der Lagerstätte und
auf 165 bis 170 m NN im Nordteil. Der Kaolin ist hier
in Mächtigkeiten zwischen 40 und 50 m ausgebildet,
während über den unvollständig kaolinisierten Rü-
cken reduzierte Mächtigkeiten zwischen 18 und 30 m
vorliegen. Das pleistozäne Deckgebirge ist bis max.
20 m mächtig, es besteht vorwiegend aus Löß- und
Geschiebelehm, letzterem sind gelegentlich Schmelz-
wassersande eingelagert. Die Lagerstätte wird im E,
W und SW von morphologisch heraustretendem gru-
sig verwittertem Porphyr begrenzt, der stellenweise
noch von wenigen Metern Kaolin überlagert wird. In
NW-Richtung ist eine Fortsetzung tiefgründig kaolini-
sierter Bereiche des Porphyrs in der Lagerstätte Ta-
gebau Glückauf Querbitzsch zu verfolgen (Kap. 5.8).
Die SE-Begrenzung wurde durch Erosionsvorgänge
im Pleistozän gestaltet. Die hier abgelagerten bis 25
m mächtigen Sande und Kiese sind der sog. Börte-
witz-Kemmlitzer Rinne zuzuordnen.
Am südwestlichen Lagerstättenrand ist ein stark Mi-
xed-Layer-haltiger Kaolin in einer Mächtigkeit bis
max. 25 m, wie er für ein ignimbritisches Primärge-
stein typisch ist, entwickelt. Die Morphologie der La-
gerstätte wird in Abb. 28 dargestellt, dabei zeichnen
sich die unvollständig kaolinisierten Porphyrrücken
durch geringere Kaolinmächtigkeiten ab.
Eine Serie SW-NE verlaufender geologischer Schnitte
stellen Bau, laterale Begrenzung und Höhenpositio-
nen der einzelnen Lagerstättenteile dar (Abb. 29). Auf
der Lagerstätte Tiefbau Glückauf Kemmlitz war über
eine Fläche von ca. 260 000 m
2
Kaolin in einer Mäch-
tigkeit von größer als 10 m entwickelt.
Zum Stoffbestand der Lagerstätte
Der Tonmineralbestand der Kaoline der Lagerstätte
Tiefbau Glückauf Kemmlitz ist durch das Vorherr-
schen von Kaolinit gekennzeichnet, daneben tritt in
unterschiedlicher Menge Illit-Montmorillonit-Mixed-
Layer-Mineral auf. Die Tab. 10 gibt einen Überblick
zum Mineralbestand der Lagerstätte, wobei zwischen
deren Nord- und Südfeld unterschieden wird.
Für die Lagerstätte Tiefbau Glückauf Kemmlitz lassen
sich verschiedene Rohstoffvarietäten ausweisen, die
für bestimmte Feldesteile typisch sind. Sie unter-
scheiden sich in der Zusammensetzung und in den
technologischen Eigenschaften und sind vor allem auf
Variationen beim Mineralbestand zurückzuführen. Die
Tab. 11 enthält einige relevante aufbereitungstechno-
logische und keramische Parameter, die Ergebnisse
basieren auf Bemusterungsarbeiten und Erkun-
dungsbohrungen (M
EHRHEIM & CLAUS 1982).
Abb. 28: Lagerstätte Tiefbau Glückauf Kemmlitz. Kar-
te der Kaolinisopachen.
Die Rohkaoline der Lagerstätte Tiefbau Glückauf
Kemmlitz wurden zu Schlämmkaolinen verarbeitet,
die im Laufe des Abbaus unter verschiedenen Han-
delsbezeichnungen liefen, jahrzehntelang aber be-
kannt waren als die Sorten MEKA und OKA, die vor
allem in der feinkeramischen Industrie Einsatz fan-
den.
Zum Abbau der Lagerstätte
In der Lagerstätte Kemmlitz Tiefbau Glückauf wurde
von 1883 bis 1974 Kaolin abgebaut, sie umfasst die
ehemaligen Gruben von R
IEDEL (später Oberwerk der
SEOK) mit Eigen- und Degenfeld sowie von W
OLF
(Kemmlitzer Kaolinwerke GmbH). Nach 1945 wurden
beide Gruben durch den VEB Vereinigte Kemmlitzer
Kaolinwerke unter den Bezeichnungen Grube Glück-
auf und Grube Freundschaft betrieben.

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49
Tab. 10: Mineralbestand von Kaolinen der Lagerstätte Tiefbau Glückauf Kemmlitz. Bestimmungen: Nordfeld:
S
TÖRR 1968, Südfeld: Labor Kemmlitz 1982, gemessen an kleintechnisch aufbereiteten Proben, ein-
stufig hydrozyklonisiert
Nordfeld Südfeld
Mineral Mittelwert Streubereich Mittelwert Streubereich
Kaolinit 68 58-72 72 64-76
I-M Mixed-Layer
15
12-21
6
3-10
Quarz 17 14-22 22 15-26
Kalifeldspat 0 0 0-1
Tab. 11: Verschiedene Parameter von kleintechnisch aufbereiteten Kaolinen aus Teilfeldern der Lagerstätte
Tiefbau Glückauf Kemmlitz
Feldesteil
K
2
O Festst. n. 24 h Presszeit Filterleistung TBF
(%) (%) (h) (kg/m
2
h) (kp/cm
2
)
Nordfeld und Freundschaftsfeld
0,5-1,5
14-16
1,0-1,5
50-70
25.30
Mittelfeld
0,2-0,3
17-21
0,3-0,6
80-120
6-9
Südfeld 0,3-0,5 15-20 0,5-1,0 n. b. 10-15
Abb. 29: Lagerstätte Tiefbau Glückauf Kemmlitz. Geologische Schnitte SW–NE

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50
Grube Glückauf
Die genaue Lage der ersten Abbaustellen von 1883
ist nicht bekannt, sie befanden sich aber nördlich des
Weges von Kemmlitz nach Querbitzsch. Ein 35 m tie-
fer Schacht wurde 1898 geteuft, und ab 1903 erfolgte
die Abförderung des Rohkaolins über einen zwi-
schenzeitlich aufgefahrenen 600 m langen Förderstol-
len zur Schlämmerei in Kemmlitz, später wurde ein
Teil des gewonnenen Rohkaolins in dem um 1910 in
unmittelbarer Schachtnähe errichteten und bis 1934
betriebenen Oberwerk aufbereitet. Um 1919 wurde
der Abbau auf das Gelände südlich des Weges
Kemmlitz-Querbitzsch (das sog. Degenfeld) ausge-
weitet. Abgebaut wurde die Lagerstätte vom Hangen-
den her in einer 1. bis 5. Sohle im Pfeilerbruchbau-
Verfahren über einen NN-Höhenbereich zwischen
204 m im N bzw. 199 m im S bis zu einer mittleren
Höhe der 5. Abbausohle von 182 m NN. Danach wur-
de der Abbau im Südfeld gestundet, im Nordteil der
Lagerstätte dagegen der Abbau der 6. und 7. Sohle
vollzogen.
Grube Freundschaft
1886 begründete der Gutsbesitzer W
OLF auf seinen
Feldern westlich von Kemmlitz einen Kaolinabbau.
1898 bestehen zwei Stollen, durch die in unterschied-
lichen Höhen von der sog. Ziegenbergschlucht her
die Lagerstätte angefahren wurde. Abgebaut wurde
ebenfalls in mehreren Sohlen vom Hangenden her,
dazu wurden zwischen 1901 und1905 mehrere flache
Schächte geteuft. Der gewonnene Rohkaolin wurde
ab 1907 mit einer elektrischen Grubenbahn mit Ober-
leitung zur Aufbereitung in Kemmlitz transportiert.
Zwischen 1909 und 1922 wurde ein Lagerstättenteil
im Tagebau gewonnen. Ein 9 m tiefer Schacht wurde
1925 geteuft, der Zugang zur oberen Sohle auf 187 m
NN erfolgte über eine 60 m lange, im festen Gestein
getriebene Strecke. Um 1951 wurden die tieferen
Sohlen durch einen Schrägschacht erschlossen. 1957
wurde der separate Betrieb eingestellt, der weitere
Abbau des Freundschaftsfeldes erfolgte über die Ein-
richtungen der Grube Glückauf.
Der Tiefbau wurde aus Gründen der Rationalisierung
1974 geschlossen (Abb. 30) und anschließend ver-
wahrt. Ein Neuaufschluss des Südfeldes der Lager-
stätte mit dem Ziel, die noch anstehenden Restvorrä-
te in einem Tagebau zu gewinnen, wurde 1987 be-
gonnen und nach der Privatisierung des Betriebes im
Jahre 1990 eingestellt.
5.3
Die Lagerstätte Fortschritt Kemmlitz
Die Kaolinlagerstätte liegt unmittelbar südlich des Or-
tes Kemmlitz, ihre Nordspitze befindet sich bereits un-
ter ehemaligen Betriebsanlagen des Kemmlitzer
Hauptwerkes. Sie ist vor allem im Bereich des flach
geneigten NW-Hanges des Kemmlitzbaches ausge-
bildet und reicht mit ihrer Südostspitze bis ins Zent-
rum des Kemmlitzbachtales.
Abb. 30: Am 28.10.1974 wurde der letzte Zug Roh-
kaolin aus dem Tiefbau Glückauf gefördert
Zur Erkundung der Lagerstätte
In den Jahren 1918, 1921 und 1929 wurden insge-
samt 15 Bohrungen im Lagerstättenbereich geteuft.
Zusammen mit weiteren 10 Bohrungen aus dem Jahr
1934 lag somit ein ausreichender Kenntnisstand vor,
einen Aufschluss der Lagerstätte durch Abteufen des
„Gottes-Segen-Schachtes“ vorzunehmen, der 1936
erfolgte. Bei Vorrichtungsarbeiten aufgefahrene Stre-
cken wurden bemustert (S
CHMUCKER 1943b) und die
Resultate genutzt, um qualitätsgerechte Rohkaoline
zu fördern. Die 1959 im Bruchfeld des Tiefbaus und
südlich davon niedergebrachten 10 Bohrungen sollten
klären, ob für die Gewinnung der noch anstehenden
Restvorräte ein Tagebauaufschluss gerechtfertigt ist.
Geologischer Bericht und Vorratsberechnung
(S
CHWERDTNER 1960) wurden durch die ZVK bestä-
tigt. Es wurden 1,5 Mio. t Kaolin ausgewiesen, davon
0,6 Mio. t gewinnbar.
Zur Geologie der Lagerstätte
Die Lagerstätte ist auf Kemmlitzer Porphyr entwickelt.
Sie weist die Form einer schmalen NW-SE gestreck-
ten Verwitterungsmulde auf. Ihre Erstreckung in die-
ser Richtung beträgt ca. 450 m, ihre Abmessung quer
dazu in SW-NE liegt zwischen 100 und 200 m. Die
Kaolinmächtigkeiten betragen im Wesentlichen 5 bis
30 m, in Bohrung 18/21 wurde max. 52,0 m Kaolin
erbohrt. Die Verteilung der Mächtigkeiten im Lager-
stättenbereich ist in der Karte der Isopachen des Kao-
lins (Abb. 31) dargestellt.

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51
Abb. 31: Lagerstätte Fortschritt Kemmlitz. Karte der
Kaolinisopachen
Die Hangendfläche des Lagers ist flach nach SE ge-
neigt und fällt von 178 m NN im N auf etwa 172 m NN
im S ab. Das Liegende der Lagerstätte weist ein stark
wechselndes Relief auf, es ist im Wesentlichen in
Höhenbereichen zwischen 160 und 140 m NN aus-
gebildet, im Extremfall erreicht die Basis der Kaolini-
sierung in Bohrung 18/21 die NN-Höhe 123 m. Die la-
teralen Begrenzungen des Lagerstättenkörpers sind
unterschiedlich gestaltet. An der SW-Flanke begrenzt
ein Porphyr-Rücken das Kaolinlager (in Bohrungen
nachgewiesen und beim untertägigen Abbau ange-
fahren). Gänzlich anderer Natur ist die Ostflanke der
Lagerstätte. Hier erfolgt ein Wechsel zu einem py-
roklastischen Ausgangsgestein, das neben Feldspat
wahrscheinlich auch Pyroxen und Glimmer führt. Die-
ses verwitterte zu einem tonreichen Zersatzgestein,
das reichlich Hämatit und Illit führt und überwiegend
rotbraun und kräftig grün gefärbt ist. Wahrscheinlich
handelt es sich hierbei um Rotliegendsedimente, wie
sie ähnlich in einem ca. 700 m südwestlich gelegenen
Aufschluss unverwittert anstehen.
An der Westflanke der Lagerstätte sind Teile der Kao-
linkruste jungen Erosionsvorgängen zum Opfer gefal-
len. Eine die Lagerstätte begrenzende Erosionsrinne
enthält eine Wechsellagerung von Kies, Sand, kohle-
führendem Ton sowie als „steinige Letten“ bezeichne-
ten Sedimenten (wahrscheinlich Geschiebemergel).
Kiese und Sande sind wasserführend, diese Schich-
ten sind der sog. Börtewitz-Kemmlitzer Rinne zuzu-
rechnen (vgl. Kap. 7). Ein geologischer Schnitt W-E
stellt die erläuterte Situation dar (Abb. 32).
Abb. 32: Lagerstätte Fortschritt Kemmlitz. Geologischer Schnitt W-E
Zum Stoffbestand der Lagerstätte
Mineralkomponenten des Kaolins sind neben Quarz
vor allem Kaolinit als Haupttonmineral, daneben tritt
wenig Illit-Montmorillonit-Mixed-Layer-Mineral auf. In
der Übergangszone zum festen Primärgestein sind
Relikte von angewitterten Feldspäten zu beobachten.
Typische Analysedaten sind in Tab. 12 zusammen-
gestellt.
Der ausschlämmbare Anteil des Rohkaolins liegt im
Mittel bei 30 % (Tab. 13, Spalten 1 und 2). Die an der
Ostflanke der Lagerstätte anstehenden schadstoffrei-
chen, tonigen Zersatzgesteine (Tab. 13, Spalten 3
und 4) wurden nicht abgebaut.
Der gewonnene Schlämmkaolin zeichnete sich vor al-
lem durch niedrige Fe
2
O
3
- und K
2
O-Gehalte aus, die
im Mittel bei 0,35 bzw. 0,25 % lagen. Erhöhte Gehalte
an diesen Komponenten traten dagegen lediglich in
den Randbereichen der Lagerstätte auf. Das
Schlämmprodukt wies ein sehr günstiges Entwässe-
rungsverhalten (kurze Presszeiten der klassierten
Suspension auf der Filterpresse) sowie gute Verflüs-
sigungseigenschaften des Gießschlickers auf.

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52
Tab. 12: Korngrößenanalysen der Rohkaoline (30
Einzelanalysen) der Lagerstätte Fortschritt
Kemmlitz. Labor Kemmlitz, 1963
Kornfraktion Mittelwert Streubereich
(mm) (%) (%)
3,0-1,0 14,6 11,3-19,1
1,0-0,3 21,2 17,8-24,2
0,3-0,09 15,4 11,6-17,5
0,09-0,04 7,4 4,9-8,3
0,04-0,02 4,4 3,2-5,9
0,02-0,01 4,0 2,8-5,2
0,01-0,005 3,4 2,0-4,4
0,005-0,001 10,5 8,3-12,8
<0,002 19,5 17,7-23,1
Zum Abbau der Lagerstätte
Ein erster Versuch, die Lagerstätte durch einen Ta-
gebau zu erschließen, erfolgte 1890, wurde jedoch
schon ein Jahr später wegen Unrentabilität wieder
aufgegeben. In die Zeit um 1921 fällt ein erneuter
Aufschluss der Lagerstätte durch Abteufen des ersten
„Gottes-Segen-Schachtes“, der jedoch nur kurze Zeit
Bestand hatte. Im Jahre 1936 wurde dieser Schacht
zum zweiten Male geteuft. Mittels Untersuchungsstre-
cken wurde die Lagerstätte danach zum Untertage-
abbau vorbereitet, parallel dazu wurde im nördlichen
Lagerstättenteil auch Kaolin im Tagebaubetrieb ge-
wonnen, wie die aus dem Jahre 1946 stammende
Abb. 33 belegt. Der Abbau im Tiefbau, ab 1947 als
„Grube Fortschritt“ geführt, erfolgte bis auf das Ni-
veau der 3. Sohle (165 m NN) und wurde bis zum
Jahre 1963 betrieben.
Ab 1960 wurden die unterhalb von 165 m NN anste-
henden, gewinnbaren Restvorräte von etwa 0,6 Mio. t
im Tagebaubetrieb gewonnen. Der dazu aufge-
schlossene Tagebau „Fortschritt“ förderte bis zur Aus-
tonung im Jahre 1972. Der relativ „magere“ Rohkaolin
der Lagerstätte wurde über den gesamten Abbauzeit-
raum als Mischungskomponente zusammen mit Roh-
kaolinen aus den Lagerstätten Tiefbau Glückauf
Kemmlitz und später auch Tagebau Glückauf Quer-
bitzsch im Hauptwerk Kemmlitz aufbereitet und zur
Produktion der Schlämmkaolinsorten OKA und MEKA
eingesetzt.
Abb. 33: „Gottes-Segen-Schacht“
Kemmlitz,
etwa
1946. Tiefbau und Tagebau wurden gleich-
zeitig betrieben
5.4
Die Lagerstätte Frieden Kemmlitz
Die Kaolinlagerstätte liegt unmittelbar südöstlich des
Ortes Kemmlitz, der überwiegende Teil davon befin-
det sich auf Flur Baderitz. Die Lagerstätte ist an der
Nordflanke einer als Stieglitzberg bezeichneten An-
höhe ausgebildet und erstreckt sich mit ihrem West-
teil bis in den Bereich des Kemmlitzbachtales. Die
Geländehöhen fallen von 210 m NN im S auf etwa
180 m NN im N und W ab.
Tab. 13: Chemische Zusammensetzung von Schlämmkaolinen (kleintechnisch aufbereitet) der Lagerstätte
Fortschritt Kemmlitz (1 und 2) und von tonigen Zersatzgesteinen der Ostflanke der Lagerstätte (3 und
4). Analysen Labor Kemmlitz 1964 (Angaben in %)
Parameter
Mittelwerte Schlämmkaolin
Tonige Zersatzgesteine Ostflanke
Zentralteil
Randbereiche
Rotbraunes Material
Graugrünes Material
(1) (2) (3) (4)
SiO
2
57,2 60,2 63,8 73,5
Al
2
O
3
30,1 27,7 17,8 14,2
Fe
2
O
3
0,32 0,42 5,25 2,40
TiO
2
0,17 0,18 0,64 0,68
CaO 0,45 0,61 0,90 0,87
MgO 0,12 0,12 2,25 1,77
K
2
O 0,23 0,28 4,30 3,47
Na
2
O 0,01 0,01 0,33 0,29
Glühverlust 11,3 10,6 4,47 3,58

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53
Zur Erkundung der Lagerstätte
Erste Hinweise auf ein Kaolinvorkommen am Stieg-
litzberg auf der Gemarkung Baderitz dürften in den
Anfangsjahren des 20. Jahrhunderts mit einigen Boh-
rungen gewonnen worden sein, eine genaue Datie-
rung ist nicht mehr möglich. Am 13.05.1907 wird der
Berginspektion Freiberg mitgeteilt, dass am Fuß des
Stieglitzberges ein Versuchsstollen auf Flurstück 130,
Baderitz in Richtung auf eine Bohrung mit 18 m Kao-
lin getrieben wird. Auf der gleichen Parzelle wird 1908
ein Versuchsschacht geteuft. Weitere 3 bis 4 Ver-
suchsschächte auf benachbarten Parzellen werden
im Jahre 1913 genehmigt. Verschiedene Bohrungen
sowie ein neuer Versuchschacht wurden aus dem
Jahre 1918 erwähnt. Diese überlieferten Angaben be-
legen, dass die Lagerstätte im genannten Zeitraum
durch eine Kombination von Bohrungen und Schurf-
schächten erkundet worden ist.
Für die planmäßige Weiterführung des 1953 auf der
Lagerstätte erschlossenen Tagebaus Frieden wurde
eine Detailerkundung notwendig, die in den Jahren
1960/61 mit insgesamt 33 Bohrungen erfolgte und
umfangreiche stoffliche und technologische Untersu-
chungen einschloss (S
CHWERDTNER 1962). Geologi-
scher Bericht und Vorratsberechnung wurden durch
die ZVK bestätigt, es wurden 5,4 Mio. t Bilanz- und
2,4 Mio. t Außerbilanzvorräte nachgewiesen. In den
Folgejahren wurden weitere Bohrarbeiten vor allem
zur Klärung von Fragen der Qualitätsentwicklung rea-
lisiert und in mehreren Berichten dokumentiert (A
SS-
MUS
& CHODURA 1977, ANGER 1998b).
Zur Geologie der Lagerstätte
Die Lagerstätte besitzt die Form einer W-E gestreck-
ten Verwitterungsmulde auf Kemmlitzer Porphyr. Die
W-E-Erstreckung beträgt ca. 700 m, in N-S-Richtung
im Mittel um 300 m. Die Mächtigkeiten an Kaolin lie-
gen im überwiegenden Teil der Lagerstätte zwischen
30 und 40 m, maximal wurden im Westteil der Lager-
stätte bis 60 m Kaolin erbohrt (Bhg. U/34). In den
Randbereichen betragen die Mächtigkeiten 5-15 m.
Die Flächengröße des Lagers mit einer Kaolinmäch-
tigkeit >5 m liegt bei 210 000 m².
Der Lagerstättenkörper ist zwischen 120 und 180 m
NN entwickelt. Strukturell zeichnet sich seine Unterla-
ge als W-E streichende tief reichend kaolinisierte Mul-
de deutlich ab. Hier liegt die Kaolinbasis zwischen
120 und 130 m NN (Abb. 34). Ein Anstieg der Flan-
ken erfolgt im S bis auf ca. 180 m, im N bis auf ca.
160 m NN. Die laterale Begrenzung der Lagerstätte
ist differenziert gestaltet. Im Süden bildet ausstrei-
chendes Festgestein die Begrenzung des nutzbaren
Kaolinlagers, das von einem im Mittel 3-6 m mächti-
gen, vorwiegend graugrünen, sandigen und stark to-
nigen illitisch-montmorillonitischen Ignimbrit-Zersatz
überlagert wird.
Abb. 34: Lagerstätte Frieden Kemmlitz. Isohypsen der Kaolinbasis und Zahlenangaben zu den NN-Höhen der
Pleistozänbasis.

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54
Abb. 35: Lagerstätte Frieden Kemmlitz. Geologischer Schnitt S-N
Die Ostbegrenzung der Lagerstätte wird durch einen
Festgesteinsrücken gebildet, der stellenweise zu Ta-
ge ausstreicht und zuoberst aus grusig zersetztem
Kemmlitzer Porphyr besteht. An der Nordflanke wur-
de ein Teil der Lagerstätte durch pleistozäne Erosion
abgetragen. Über 30 m mächtige Sande und Kiese,
die der sog. Börtewitz-Kemmlitzer Rinne zugerechnet
werden, begrenzen hier die Lagerstätte abrupt. Die
Westbegrenzung erstreckt sich teilweise bis unter be-
bautes Gelände, bevor ein grusig verwitterter Por-
phyrrücken die Lagerstätte flankiert. Die erläuterte Si-
tuation, insbesondere zur Gestaltung der Kaolinbasis
und der lateralen Begrenzung der Lagerstätte, ist in
Abb. 34 mit punktuellen Angaben zu NN-Höhen des
Hangenden dargestellt. Ein geologischer Schnitt S-N
verdeutlicht die erläuterte Situation (Abb. 35).
Überdeckt wird der Lagerstättenbereich von pleisto-
zänen Ablagerungen. Die Schichtenfolge wird im geo-
logischen Normalprofil der Lagerstätte Frieden
Kemmlitz in Abb. 36 dargestellt.
Die Gesamtmächtigkeit an Pleistozän im Lagerstät-
tenbereich liegt im Wesentlichen zwischen 8 und 15
m, im erodierten Bereich am Nordrand der Lagerstät-
te steigt sie auf 20 bis über 30 m an. Im geologischen
Normalprofil erkennt man unter aushaltender Bede-
ckung von Lößlehm ein wechselndes Auftreten von
Geschiebelehm bzw. -mergel, z. T. geröllführenden
Schmelzwassersanden sowie Ton, der in lokalen Be-
reichen als Bänderton ausgebildet ist. Die altersmä-
ßige Einstufung erfolgte analog, wie sie von B
ÖHME
(1966) für das Gebiet westlich Kemmlitz vorgenom-
men wurde.
Zum Stoffbestand der Lagerstätte
Die Lagerstätte Frieden Kemmlitz ist durch eine in-
tensive kaolinitische Verwitterung aus Kemmlitzer
Porphyr hervorgegangen, dessen ehemalige Feld-
spatanteile vollständig zu Kaolinit umgewandelt wur-
den. Illit-Montmorillonit-Mixed-Layer-Minerale sind im
Hauptteil der Lagerstätte nur sehr untergeordnet ver-
treten, lediglich in den südwestlichen Randbereichen
erlangen sie Bedeutung. Ein Beispiel für die intensive
und verhältnismäßig gleichförmige Kaolinisierung
über einen Vertikalbereich von 46,3 m zeigt die Boh-
rung 174/76, deren Ergebnisse in Tab. 14 enthalten
sind.
Abb. 36: Lagerstätte Frieden Kemmlitz. Geologisches
Normalprofil

55
Tab. 14: Vertikalprofil der Bohrung Kemmlitz Tgb. Frieden 174/76. Chemische Analysen von Rohkaolinen und
kleintechnisch aufbereiteten Kaolinen (Labor Kemmlitz, 1974).
Rohkaolin
Teufe SiO
2
Al
2
O
3
Fe
2
O
3
TiO
2
CaO MgO K
2
O Na
2
O GV <2 μm F24 PZ FL
m % % % % % % % % % %
4,7-10,0 73,9 18,1 0,21 0,22 0,65 0,30 0,14 0,02 6,91 20,1
10,0-19,5 75,1 16,4 0,20 0,21 0,61 0,19 0,14 0,02 6,28 14,5
19,5-29,5 76,2 16,4 0,23 0,19 0,53 0,19 0,12 0,01 5,85 17,0
29,5-36,0 75,2 16,6 0,28 0,21 0,53 0,37 0,18 0,01 6,35 20,4
36,0-45,0 75,0 17,0 0,31 0,21 0,53 0,30 0,21 0,01 6,30 15,9
45,0-51,0 72,4 18,2 0,33 0,22 0,53 0,37 0,24 0,01 7,01 14,5
Kleintechnisch aufbereiteter Kaolin
4,7-10,0 53,2 32,5 0,37 0,24 0,88 0,13 0,13 0,01 12,3 45,8 19,1 40 109
10,0-19,5 54,3 31,6 0,31 0,23 0,90 0,12 0,14 0,04 12,1 40,8 17,5 37 121
19,5-29,5 53,9 32,2 0,37 0,24 0,91 0,13 0,21 0,01 12,1 47,8 16,8 40 107
29,5-36,0 53,1 32,5 0,43 0,22 0,95 0,17 0,24 0,01 12,5 46,9 15,7 41 97
36,0-45,0 52,4 32,2 0,54 0,24 0,97 0,19 0,32 0,01 13,2 44,5 18,6 38 107
45,0-51,0 53,6 31,3 0,47 0,21 0,91 0,19 0,41 0,01 11,9 41,9 18,5 38 101
F 24 - Feststoffgehalt nach 24 Stunden Sedimentationszeit (%)
PZ - Presszeit auf einer Filterpresse (min)
FL - Filterleistung bei der Vakuumfiltration (kg/m
2
h)
<2 μm - Kornanteil <2 μm (%)
Tab. 15: Chemische Zusammensetzung und Korngrößenanalysen von Rohkaolinen der Lagerstätte Frieden
Kemmlitz: Varietäten F1 bis F3 sowie der in den Bereichen Gelbes Feld und SW-Rand anstehenden
nicht bauwürdigen Rohkaoline (Mittelwerte), Analysen Labor Kemmlitz, 1976
Parameter (%)
Varietät F1
Varietät F2
Varietät F3
Gelbes Feld
SW-Rand
SiO
2
75,5 74,1 73,2 74,4 75,5
Al
2
O
3
15,8 16,6 17,6 16,1 14,4
Fe
2
O
3
0,38 0,24 0,28 1,89 0,90
TiO
2
0,21 0,18 0,18 0,20 0,20
CaO 0,74 0,69 0,68 0,62 0,79
MgO 0,31 0,31 0,29 0,34 0,51
K
2
O 0,19 0,21 0,37 0,23 3,44
GV 6,17 6,38 6,81 6,34 4,29
Korngrößen (μm)
<2 19,9 22,2 26,8 13,2 18,8
2-6,3 14,2 13,3 13,1 12,3 11,8
6,3-11,2 3,1 2,4 1,9 4,3 1,8
11,2-20 2,5 2,0 1,7 3,7 1,6
20-36 2,2 2,1 2,0 3,5 1,7
36-63 3,0 2,5 2,3 3,7 2,5
63-90 4,3 3,9 3,8 6,0 3,9
90-300 11,1 12,1 12,4 12,3 12,9
300-1000 18,1 18,5 21,1 18,4 21,4
>1000 21,3 20,8 14,7 22,4 23,1
Die Entwicklung der chemischen Komponenten im
Profil wird sowohl für Rohkaolin als auch für klein-
technisch aufbereiteten Kaolin angegeben. Die für die
Kaolinisierung relevanten Hauptkomponenten Al
2
O
3
und K
2
O streuen über das gesamte Vertikalprofil von
46,3 m nur relativ gering, wenn man von leicht erhöh-
ten Al
2
O
3
-Gehalten im Rohkaolin des oberen und un-
teren Bereiches absieht. Beim K
2
O-Gehalt zeichnet
sich zum Liegenden hin ein leichter Anstieg ab. Die in
Tab. 14 enthaltenen Ergebnisse belegen einen annä-
hernd homogenen Aufbau, wie er für größere Teilbe-
reiche der Lagerstätte typisch ist.
Daneben treten jedoch sowohl in vertikaler als auch
in horizontaler Richtung Differenzierungen auf, die es
ermöglichen, verschiedene Kaolinvarietäten auszu-
gliedern. Sie unterscheiden sich sowohl im makrosko-
pischen Bild (Farbe, Struktur, Beimengungen) als
auch in den stofflichen Parametern (Tab. 15 und 16).
In verschiedenen Parametern extreme bis zur Unbau-
würdigkeit abweichende Kaoline konzentrieren sich
auf den SW-Rand der Lagerstätte (Übergang zu stark
Mixed-Layer-haltigem Ignimbrit-Kaolin) und auf das
sog. „Gelbe Feld“, einem im nordöstlichem Lagerstät-
tenteil liegendem Bereich, der durch sehr starke Goe-

56
thit-Konzentrationen charakterisiert ist. Die mittlere
chemische Zusammensetzung dieser mit Maximal-
gehalten von 4 % K
2
O und 3% Fe
2
O
3
unbauwürdigen
Kaoline ist ebenfalls in Tab. 15 angegeben.
Mit Weiterführung des Abbaus im Tagebau in den
70er Jahren erfolgte die Einrichtung eines weiteren
Tiefschnittes zwischen 144 und 135 m NN, gleichzei-
tig wurden Teile des sog. Gelben Feldes mit Fe
2
O
3
-
Gehalten bis zu einem Grenzwert von 1,2 % mit her-
eingewonnen. Die vorwiegend im 6. Schnitt anste-
hende Kaolinvarietät F3 war vor allem durch einen
erhöhten Feinstkornanteil <2 μm bei günstigen che-
mischen und keramischen Eigenschaften charakteri-
siert. Der Verschnitt beider Varietäten diente einer
möglichst umfassenden Nutzung der aufgeschlosse-
nen Kaoline und damit der Reduzierung von Vorrats-
verlusten. Der leicht negative Einfluss auf die Para-
meter Fe
2
O
3
-Gehalt, Kornanteil <2 μm, Filterleistung
bei der Vakuumfiltration war akzeptabel (Tab. 17).
Tab. 16: Chemische Zusammensetzung und technologische Parameter verschiedener Kaolinvarietäten der La-
gerstätte Frieden Kemmlitz. Kleintechnisch einstufig hydrozyklonisierte Proben, Mittelwerte aus jeweils
25 bis 30 Einzelbestimmungen. Analysen Labor Kemmlitz, 1976.
Parameter (%)
Varietät F1
Varietät F2
Varietät F3
Vorherrschende Farben des Rohkaolins
Grauweiß z. T. gelblich
Hellbraun, bräunlich
Braun
Al
2
O
3
30,0 31,8 32,5
Fe
2
O
3
0,6 0,4 0,3
K
2
O 0,17 0,25 0,20
Glühverlust 11,6 12,0 12,2
Kornanteil <2 μm
40
56
64
Filterleistung Vakuum (kg/m
2
h)
120
90 45
Trockenbiegefestigkeit (N/mm
2
)
3
8 12
Verflüssigung (verbale Angabe)
Schlecht
Mittel
Sehr gut
Tab. 17: Entwicklung der Parameter Kornanteil <2
μm, Fe
2
O
3
-Gehalt und Filterleistung bei der
Vakuumfiltration des Schlämmkaolins
WOLFKA im Zeitraum 1965 bis 1980
Jahr Kornanteil
<2 μm
(%)
Fe
2
O
3
-Gehalt
(%)
Filterleis-
tung
(kg/m
2
h)
1965 39,8 0,28 (0,20-0,38) 133
1966 40,3
1967 39,9
1968 42,9
1969 42,6
1970 43,0 0,29 (0,22-0,41) 120
1971 45,4
1972 44,5
1973 44,0
1974 45,7
1975 45,8 0,37 (0,29-0,49) 107
1980 46,3 0,48 85
Zum Abbau der Lagerstätte
Mit dem Aufschluss der Lagerstätte wurde 1908 be-
gonnen, die Förderung erfolgte mehrere Jahrzehnte
lang über Stollenbetrieb bzw. Schacht, erst 1953
wurde zur Rohkaolingewinnung im Tagebaubetrieb
übergegangen. Einem Befahrungsbericht von 1921 ist
zu entnehmen, dass über einen Stollen Rohkaolinför-
derung aus einer oberen Sohle erfolgte, es waren
sechs Arbeitskräfte beschäftigt. 1924 erfolgte der
Aufschluss der sog. Baderitzgrube. Aus dem Tiefbau
wurde bis zum Jahre 1960 gefördert. Den Rohkaolin
gewann man im Pfeilerbruchbau vom Hangenden her
in mehreren Abbauscheiben bis einschließlich Teilen
einer 5. Sohle (vgl. Kap. 6.2.1). Der Aufschluss des
Nordwest-Feldes der Lagerstätte erfolgte 1953 durch
den Tagebau „Frieden“. Der Tagebau wurde nach
Süden und Osten erweitert, der Abbau erfolgte in 6
Abbauschnitten bis auf teilweise 136 m NN vorwie-
gend mit Eimerkettenbaggern und Abförderung über
Bandanlagen. Teile des Bruchfeldes der ehemaligen
Baderitzgrube wurden durch den Tagebau überbag-
gert, um die noch anstehenden Restvorräte zu ge-
winnen.
Der Regelbetrieb wurde 1990 eingestellt. Nach Abriss
der 1959 am Tagebaurand errichteten und inzwi-
schen verschlissenen Schlämmerei wurde 1999 mit
dem Abbau des so genannten Sportplatzpfeilers
(Westfeld) begonnen und ein Großteil des hier noch
anstehenden Kaolins mit günstigen Verflüssigungsei-
genschaften mittels Universalbaggern gewonnen, per
Lkw zur Schlämmerei Gröppendorf transportiert und
dort mit verschlämmt. Im Jahre 2004 wurde der Ab-
bau nach Erreichen der Bebauungsgrenzen einge-
stellt. Zur Böschungsstabilisierung wurden Stützkör-
per aus Mineralgemisch eingebracht. Nach entspre-
chendem Grundwasseranstieg soll hier ein Badesee
entstehen (vgl. Kap. 7 und 8).

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57
5.5
Die Lagerstätte Wachberg Glossen
Etwa 1 km südwestlich von Glossen befand sich am
Wachberg eine Kaolinlagerstätte, die über einen Zeit-
raum von etwa sechs Jahrzehnten durch mehrere Un-
ternehmen bergbaulich genutzt wurde. Das nördlich
der Strasse Mügeln-Ablaß liegende Gelände weist
Höhen zwischen 219 m NN im S und 190 m im N auf.
Im Norden schließt sich der sog. Rost an, ein kleines
SW-NE streichendes Tälchen, an dessen Südostflan-
ke (vgl. Kap. 2.1) vermutlich schon im 18. Jahrhun-
dert Kaolin, damals als „Glossener Erde“ bezeichnet,
für die Fayencefabrik in der Hubertusburg zu Werms-
dorf gegraben wurde (K
ÜHN 1828).
Zur Erkundung der Lagerstätte
Einige Bohrungen auf dieser Lagerstätte dürften ge-
gen Ende des 19. Jahrhunderts den Nachweis von
Kaolin erbracht haben, denn 1898 wurde durch die
Fa. E. Riedel, Kemmlitz, ein erster Förderschacht ge-
teuft. Die Fa. SEOK Kemmlitz veranlasste 1926 eine
Reihe von Bohrungen, um die Südbegrenzung der
Lagerstätte zu ermitteln. An der Westflanke des La-
gers wurden 1943 sieben Bohrungen geteuft, um eine
mögliche Ausdehnung in dieser Richtung zu erkun-
den. Nach Einstellung des Abbaus wurden zur Klä-
rung von Nachnutzungsmöglichkeiten 1967 noch fünf
Kontrollbohrungen niedergebracht.
Zur Geologie der Lagerstätte
Die Kaolinverbreitung in einer Mächtigkeit von mehr
als 5 m erfasst eine unregelmäßig begrenzte Fläche
in einer Ausdehnung von etwa 400 m jeweils in N-S-
und W-E-Richtung. Der Bereich der Kaolinisierung
liegt zwischen 205 m und 163 m NN. Die relativ stark
wechselnden Kaolinmächtigkeiten zwischen wenigen
Metern und maximal 44 m werden durch mehrere Rü-
cken aus unvollständig kaolinisiertem Porphyr be-
dingt. So wurde im Mittelteil der Lagerstätte eine steil-
herzyn streichende „Versteinerungszone“ festgestellt,
die einen westlichen Teil vom Hauptteil des Lagers
trennt. Generell wird der Kaolin zum Liegenden hin
härter und geht in die tonmineralärmere, zunehmend
Feldspat führende grusige Zersatzzone über. Teilwei-
se treten zum Liegenden hin unvollständig verwitterte,
als „ziegelrot“ bezeichnete Kaoline auf.
Das pleistozäne Deckgebirge besteht aus Löss- und
Geschiebelehm, dem geringmächtige Sand- und
Kieslagen eingeschaltet sind. Es ist im Wesentlichen
zwischen 4 und 10 m mächtig, nimmt aber in südli-
cher und östlicher Richtung zu (z. B. die östlich lie-
gende Bhg. 5/67 mit 21,0 m Pleistozän über 11,0 m
Kaolin). In den Abb. 37 und 38 wurden die Kaolin-
verbreitung in Mächtigkeitsabstufungen sowie ein
Schnitt N-S durch das Lager dargestellt.
Abb. 37: Lagerstätte Wachberg Glossen. Karte der
Kaolinisopachen
Abb. 38: Lagerstätte Wachberg Glossen. Geologischer Schnitt N–S

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58
Zum Stoffbestand der Lagerstätte
Die gewonnenen Rohkaoline wurden im gemahlenen
Zustand vor allem für Steinguterzeugnisse (Colditz)
und Ofenkacheln (Mügeln) eingesetzt, fanden aber
auch für andere baukeramische Erzeugnisse Ver-
wendung. Untersuchungsergebnisse aus dieser Zeit
liegen nicht mehr vor. Aus den Kontrollbohrungen
1967 wurden zu Vergleichszwecken Proben klein-
technisch aufbereitet und analysiert. Die Daten zei-
gen (Tab. 18), dass in der Lagerstätte neben kaoliniti-
schen Kaolinen mit verhältnismäßig geringen Gehal-
ten an Alkalien und Erdalkalien und demzufolge nied-
riger TBF auch solche mit erhöhtem Mixed-Layer-
Gehalt anstehen.
Tab. 18: Chemische Zusammensetzung und TBF
von Kaolinen der Lagerstätte Wachberg
Glossen. Proben kleintechnisch aufbereitet.
Analysen Labor Kemmlitz, 1967.
Parameter Schurf
1967
Bhg. 8/67
Bhg. 7/67
SiO
2
(%)
57,4
56,1-58,01
60,2-63,8
Al
2
O
3
(%)
29,1
28,8-30,5
24,4-26,1
Fe
2
O
3
(%)
0,70
0,36-0,60
0,52-0,88
TiO
2
(%)
0,11
0,15-0,17
0,16-0,18
CaO (%)
0,41
0,40-0,59
0,44-0,55
MgO (%)
0,42
0,05-0,17
0,40-0,46
K
2
O (%)
0,64
0,16-0,18
1,19-4,15
Na
2
O (%)
0,01
0,01-0,02
0,02-0,20
GV (%)
10,6
10,2-11,3
7,5-10,1
TBF (N/mm
2
) n.
b. 0,4-0,5 4,0-5,2
Zum Abbau der Lagerstätte
Am Abbau der auf den Gemarkungen Glossen und
Poppitz verbreiteten Lagerstätte waren die folgenden
drei Unternehmen beteiligt (Abb. 37):
a) Firma Emil Riedel, später SEOK Kemmlitz
Durch die Fa. Riedel wurden zur Erschließung der
Lagerstätte 1898 ein Förder- und ein Wetterschacht
aufgefahren (Gemarkung Poppitz, Flurstück 19), der
aber 1904 bereits wieder abgeworfen wurde. Danach
wurde auf der Gemarkung Glossen, Flurstück 140,
Kaolinabbau sowohl im Tiefbau als auch in einem
Tagebau betrieben. Im Jahre 1931 wurde der Betrieb
eingestellt.
b) Firma Ofenfabrik Mügeln
Die Kaolingrube der Ofenfabrik Mügeln auf Flur Pop-
pitz, Flurstück 20, wird erstmals 1898 erwähnt. Es
wurde ein 22 m tiefer Förder- und Fahrschacht ge-
teuft, daneben existierte ein Fluchtschacht. Das
Hauptabbaugebiet der Ofenfabrik befand sich im
Südostteil der Lagerstätte. Abgebaut wurden die 1.
bis 3. Sohle vollständig und die 4. Sohle teilweise.
1925 war ein neuer 26 m tiefer Förderschacht geteuft
worden. Etwa 1942/43 wurden die Gewinnungsarbei-
ten eingestellt.
c) Firma Colditzer Steingutfabrik AG
Durch diesen Betrieb wurde nach fündigen Bohrun-
gen 1922 das Abbaurecht auf der Gemarkung Glos-
sen, Flurstück 142, erworben und ein 27 m tiefer Ver-
suchsschacht niedergebracht. Die Abbaue der Coldit-
zer Steingutfabrik befanden sich im nördlichen Teil
der Lagerstätte; es wurde die 1. bis 3. Sohle abge-
baut. Die Abb. 39 zeigt Übertageeinrichtungen zur
Verladung des Kaolins. Der Rohkaolin wurde über ein
Tagesfallort mittels Haspel abgefördert.
Abb. 39: Lagerstätte Wachberg Glossen. Förder- und
Verladeeinrichtungen 1935
1941 erfolgte der Aufschluss eines Tagebaus im Süd-
westteil des Vorkommens. Um 1945 wurde der Abbau
zeitweilig unterbrochen, in den Folgejahren aber wie-
der aufgenommen und teilweise auf das ehemalige
Abbaufeld der Ofenfabrik Mügeln (Reste der 4. Sohle)
ausgedehnt.
Der Kaolinabbau auf der Lagerstätte Wachberg Glos-
sen wurde 1958 endgültig eingestellt.
In den Folgejahren wurden das durch den angewand-
ten Pfeilerbruchbau entstandene Bruchgelände sowie
die Restlöcher der Tagebaue verwahrt, zeitweilig als
Deponieraum genutzt und danach rekultiviert.
Eine detaillierte Darstellung zur Entwicklung des Ab-
baugeschehens im genannten Zeitraum ist in der von
I
LSCHNER (1975) erarbeiteten bergschadenskundli-
chen Analyse enthalten, der die o. g. Fakten ent-
nommen wurden
5.6
Die Lagerstätte Einheit Börtewitz
Die Lagerstätte befindet sich unmittelbar nordwestlich
des Ortes Börtewitz. Die Geländehöhen des hier

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59
flachwelligen Geländes liegen um 220 m NN und fal-
len nach N und S leicht ab.
Zur Erkundung der Lagerstätte
Erste Bohrungen zwischen Börtewitz und Kroptewitz
wurden bereits vor 1884 niedergebracht. Entspre-
chende Hinweise finden sich in den „Erläuterungen
zur Geologischen Spezialkarte, Blatt Mutzschen“ (S
IE-
GERT 1884). Mit insgesamt 19 Bohrungen wurde 1898
der SE-Teil der Lagerstätte untersucht, auf dieser
Grundlage erfolgten Aufschluss und Abbau des La-
gers. Ein umfangreiches Bohrprogramm erfolgte
1936/37 durch insgesamt 25 Bohrungen mit dem Ziel,
das Abbaufeld in westliche Richtung zu erweitern.
Überlegungen zu einem eventuellen Tagebauauf-
schluss wurden 1958 durch ca. 40 Bohrungen im
Nordteil der Lagerstätte überprüft, führten aber zur
Ablehnung eines Neuaufschlusses.
Zur Geologie der Lagerstätte
Das Primärgestein der Lagerstätte bildet der Kemm-
litzer Porphyr, der unterschiedlich intensiv kaolinisiert
wurde. Im Lagerstättenkörper befinden sich in ver-
schiedenen Bereichen sowohl stärker feldspatführen-
de felsige Partien als auch Zonen mit kräftiger Rotfär-
bung aufgrund unvollständiger Enteisenung beim Ka-
olinisierungsprozess. Die Lagerstätte ist in NW-SE-
Richtung gestreckt und weist somit ein flachherzynes
Streichen auf. Ihre Längserstreckung beträgt etwa
800 m, während die Ausdehnung quer zum Streichen
mit ca. 350 m angegeben werden kann. Die genannte
Streichrichtung ist besonders an der Achse der tief-
gründigen Verwitterungsmulde im südlichen Lager-
stättenteil zu erkennen. Hier erreichen die Kaoline
Mächtigkeiten zwischen 30 und maximal 39 m (Bhg.
75/37), während der kaolinisierte Bereich nördlich und
östlich davon zwischen 10 und 20 m mächtig ist (Abb.
40).
Die Begrenzung der Lagerstätte wird an ihrer Ost-,
Süd- und Westflanke von heraustretendem Porphyr
gebildet, wobei allerdings im SE die Grenze nicht ge-
nau fixiert ist. Am SW-Rand begrenzen unvollständig
kaolinisierte Gesteine mit hohen Eisen- und Alkali-
gehalten die abbauwürdigen Kaoline, wahrscheinlich
handelt es sich hierbei um vulkanogene Rotliegend-
Sedimente. Darauf deuten zumindest Bezeichnungen
in den Schichtenverzeichnissen von 1938 wie „Ton
graublau fett“ und „Letten graugelb mit Kaolinstreifen“
hin. Das Material wurde als unbauwürdig beurteilt.
Das Normalprofil des pleistozänen Deckgebirges
kann bei einer mittleren Mächtigkeit von 12,5 m wie
folgt angegeben werden:
Lößlehm, schluffig, gelbbraun
3-5 m
Geschiebelehm, sandig, steinig,
z. T. tonig, grau
2-6 m
Schmelzwassersande, fein- bis grobkörnig,
z. T. kiesig
0-5 m.
Abb. 40:
Lagerstätte Einheit Bör-
tewitz. Karte der Kaolini-
sopachen

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60
Auf den Erhaltungsgrad der Lagerstätte haben plei-
stozäne Erosionsvorgänge starken Einfluss, das gilt
ganz besonders für den Nordteil der Lagerstätte. Hier
liegt eine Auswaschungsrinne vor, deren Bildung
durch Schmelzwässer erklärt werden kann (Abb. 41).
Die entstandene etwa 10-12 m tiefe Kroptewitzer Ero-
sionsrinne wurde nachfolgend mit verschiedenkörni-
gen Sanden und Kiesen aufgefüllt.
Während im übrigen Lagerstättenbereich die NN-
Höhen der Kaolinoberfläche um 205 m liegen (mit
Schwankungen zwischen 203 und 208 m NN), wurde
im SW-NE verlaufenden Rinnenbereich der Kaolin auf
unter 200 m NN, in einzelnen Kesseln auf unter 195
m NN abgetragen (Abb. 42). Die stark wasserführen-
den Sedimente der Erosionsrinne dürften auch die
Ursache für die reichlich zusitzenden Wässer im Tief-
bau „Einheit“ gewesen sein (vgl. Kap.7).
Abb. 41: Lagerstätte Einheit Börtewitz. Isohypsen der
Pleistozänbasis im Bereich der Erosiosrinne
Abb. 42: Lagerstätte Einheit Börtewitz. Geologischer
Schnitt N-S
Zum Stoffbestand der Lagerstätte
Hinsichtlich ihres Mineralbestandes und der chemi-
schen Zusammensetzung unterscheiden sich die Ka-
oline der Lagerstätte Tiefbau Einheit Börtewitz nur
unwesentlich von der weiter nördlich liegenden La-
gerstätte Tiefbau Glückauf Kemmlitz (vgl. Kap.5.2),
sofern man von einem im Mittel leicht erhöhten Anteil
an Alkalien absieht, der bei den keramischen Eigen-
schaften zu einer etwas höheren TBF führte.
Eine intensive stoffliche und keramtechnische Unter-
suchung erfolgte an insgesamt 70 Proben aus 10 Er-
kundungsbohrungen, die 1937 im westlichen Lager-
stättenbereich geteuft worden waren und in einem
Bericht durch S
CHMUCKER (1941) ausgewertet wur-
den. Die nachfolgenden Angaben zur Bewertung der
Kaoline basieren vor allem auf dem genannten Be-
richt. Da sich die in den Jahren 1938/39 im Zentralla-
bor der Zettlitzer Kaolinwerke AG in Merkelsgrün an-
gewandte Untersuchungsmethodik heute nicht mehr
ermitteln lässt, sind die angegebenen Zahlenwerte als
Orientierung anzusehen. Auszugsweise wird aus der
verbalen Beurteilung der Ergebnisse durch S
CHMU-
CKER
zitiert:
„Chemische Zusammensetzung der Feinkaoline
(Kornanteil <0,063 mm der Rohkaoline)
Al
2
O
3
32,0-34,0 %
Fe
2
O
3
0,30-0,45 %
TiO
2
0,08-0,12 %
Alkalien
0,30-0,40 %
In der chemischen Zusammensetzung fällt vor allem
der sehr niedrige Gehalt an im Brande verfärbend
wirkendem Eisen- und Titanoxyd auf. Hierin liegt die
Ursache der reinweißen Brennfarbe dieser Produkte.
Lediglich in den tiefsten Bereichen der Bohrungen
beim Übergang in die unvollständig kaolinisierten
Porphyrgesteine ist ein Ansteigen des verunreinigen-
den Eisenanteiles sowie der Alkalien festzustellen.
Die Erdalkalien sind in nur sehr geringer Quantität
vorhanden.
Keramtechnische Eigenschaften der Feinkaoline
Gießfähigkeit:
Zur Erzielung des günstigsten Ver-
flüssigungsstadiums benötigen die Kaoline außer

61
einem Sodazusatz auch die Beigabe einer geringen
Menge von Natriumwasserglas. Die Gießfähigkeit war
als nur mittelmäßig zu bewerten. Zum Erreichen eines
gut gießbaren Schlickers wurden größere Mengen an
Wasser (50,0-51,5 %) benötigt, welche das spezifi-
sche Gewicht der Gießschlicker reduzierten.
Ansaugefähigkeit:
Die erschlämmten Feinkaoline
ergeben nach 10 Minuten Ansaugezeit in einer Gips-
form Prüfkörper von mittlerer Scherbenstärke, wie
solche bei gut plastischen Kaolinen resultieren.
Rohbruchfestigkeit:
Die RBF-Bestimmung als Maß
der Bindefähigkeitsprüfung ergibt im Durchschnitt Re-
sultate, welche höher als jene von handelsüblichen
Börtewitzer und Kemmlitzer Meka Kaolinen liegen.
Beachtenswert ist auch hier die hohe RBF, welche
die Rohstoffe aus den tiefsten Bohrlagen aufweist.
Schwindwerte:
Die Feinkaoline ergaben die typi-
schen höheren Trockenschwindungen der Porphyr-
kaoline. Die Brennschwindungen liegen in den für
SEOK-Kaoline üblichen Grenzen.
Brennfarbe:
Die Brennfarbe ist bei nahezu allen Kao-
linen bei SK 14 (1410 °C) sehr schön weiß. Lediglich
die unvollkommen zersetzten Kaoline tiefster Zonen
einiger Bohrlöcher zeigen Verfärbungen, verursacht
von Eisenverbindungen oder von Kohlenstoffeinlage-
rungen, die infolge des niederen Feldspatschmelz-
punktes eingeschlossen sind und nicht mehr aus-
brennen können.“
Zum Abbau der Lagerstätte
Ein erster Schacht zur Erschließung der Lagerstätte
wurde 1898 auf 28 m Teufe niedergebracht und Stre-
cken aufgefahren, dieser Schacht musste jedoch we-
gen nicht zu beherrschender Wasser- und Schwimm-
sandeinbrüche bald aufgegeben werden (I
LSCHNER
1983). Einen zweiten 19 m tiefen Schacht teufte man
1900 ca. 100 m südlich davon; es wurde eine erste
Sohle aufgefahren und ab 1901 Kaolin gefördert. Der
Abbau erfolgte in den ersten Jahrzehnten im sog.
Claus- oder Mittelfeld, erst in den 30er Jahren wurde
ein Aufschluss des Ostfeldes (Lagerstättenteil östlich
der Straße Börtewitz-Querbitzsch) vorgenommen.
Insgesamt erstreckte sich der Abbau von der 1. bis
zur 4. Sohle (NN-Höhenbereiche 209 bis 189 m), letz-
tere wurde allerdings nur teilweise gewonnen. Wäh-
rend der gesamten Abbauzeit waren für diese Grube
starke Wasserzuflüsse typisch, auf deren Ursachen
oben verwiesen wurde. Der geförderte Rohkaolin
wurde mittels Grubenbahn vom Schacht zur etwa 1
km entfernten unmittelbar südlich von Querbitzsch lie-
genden Schlämmerei transportiert. Der Abbau wurde
1963 vor allem aus Kostengründen eingestellt, die
Grubenbaue verwahrt und der Schacht verfüllt.
5.7
Die Lagerstätte Karl Marx Börtewitz
Die Kaolinlagerstätte Karl Marx Börtewitz liegt im
Kemmlitzbach-Tal zwischen den Orten Börtewitz und
Kemmlitz. Von alters her wird dieser Talabschnitt als
so genannte „Rummliche“ bezeichnet. Die Lagerstätte
ist vor allem in der bis 250 m breiten flachen Talsenke
des Kemmlitzbaches ausgebildet, erstreckt sich je-
doch mit ihren Randzonen bis in die Bereiche der
nordwestlichen und südöstlichen Talhanglagen. Die
Geländehöhen liegen in Talmitte um 185 m und stei-
gen an den Talflanken auf 205 bis 210 m NN an.
Zur Erkundung der Lagerstätte
Schon S
IEGERT (1884) erwähnt in den „Erläuterungen
zur Geologischen Spezialkarte des Königreiches
Sachsen“ ein am rechten Kemmlitzbach-Hang nord-
östlich von Börtewitz durch mehrere Bohrungen nach-
gewiesenes „Porzellanthonlager“. Die Entdeckung der
Lagerstätte - besser wohl Aktivitäten zur Nutzung
eines bekannten Vorkommens - soll auf die Gutsbe-
sitzer T
HOMAS und STARKE aus Börtewitz zurückge-
hen, die 1919 mit der Kaolingewinnung auf ihren
Flurstücken begannen. Eine erste etwas umfassende-
re Erkundung der Lagerstätte erfolgte 1924 mit 22
Bohrungen, die von P
RIEHÄUSSER (1925) in einem
Gutachten ausgewertet wurde. Eingehend wird der
geologische Bau der Lagerstätte beschrieben, dage-
gen fehlen analytische Untersuchungen. Es wurden
1,2 Mio. m
3
Kaolinvorräte berechnet. Die Ergebnisse
dürften auch zu der Überlegung geführt haben, im
zentralen Teil der Lagerstätte 1928 einen Tagebau
aufzuschließen.
Weitere Erkundungen wurden 1937 und 1940 mit zu-
sammen 20 Bohrungen vorgenommen, sie konzent-
rierten sich auf den West- und Nordwestteil der La-
gerstätte. Nachdem der zentrale Teil des Lagers
weitgehend abgebaut war, mussten die im NW-Feld
und später auch die im Ostfeld noch anstehenden
Vorräte eingehend, d. h. in erster Linie hinsichtlich
ihrer Qualität erkundet werden. Dazu wurden in meh-
reren Etappen in den Jahren 1963, 1965 und 1969
insgesamt 28 Bohrungen niedergebracht und das
gewonnene Probematerial kleintechnisch aufbereitet
sowie analytisch untersucht.
Zur Geologie der Lagerstätte
Die auf Kemmlitzer Porphyr entwickelte Lagerstätte
ist vor allem in der Talsenke des Kemmlitzbaches
ausgebildet. Die Ausdehnung beträgt in West-Ost-
Richtung ca. 700 m und in Nord-Süd-Richtung zwi-
schen 200 und 300 m. Die Lagerstätte hat die Form
eines unregelmäßigen linsenförmigen Körpers, lokale
Einbuchtungen an den Rändern führen besonders im
Ostteil der Lagerstätte zu einem ungleichförmigen
Randverlauf. Die Kaolinmächtigkeiten liegen zwi-

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62
schen 5 und 25 m. Im Zentralteil der Verwitterungs-
mulde erreicht die Kaolinbasis NN-Höhen von 160 bis
170 m, vereinzelt auch darunter (z. B. Bhg.112/64
157,5 m). In den Randlagen steigt das Liegende des
Lagerstättenkörpers an, so werden an der Nordwest-
flanke um 180 m NN und an der Südostflanke bis 190
m NN erreicht (Abb. 44). Die Flächengröße des Are-
als mit einer Kaolinmächtigkeit >5 m betrug ca.
230.000 m
2
. Hinsichtlich der Ausbildung der Kaolin-
oberfläche war eine auffällige Analogie zur Oberflä-
chenmorphologie des Geländes erkennbar (Abb. 43).
Abb. 43: Lagerstätte Karl Marx Börtewitz. Isohypsen der Pleistozänbasis
Abb. 44: Lagerstätte Karl Marx Börtewitz. Isohypsen der Kaolinbasis

image
63
Abb. 45: Lagerstätte Karl Marx Börtewitz. Geologischer Schnitt NW–SE
Pleistozäne Erosion führte zu einer SW-NE strei-
chenden flachen Erosionsmulde im kaolinisierten Un-
tergrund, die sich im Zentralteil von 190 m NN in SW
auf 178 m NN in NE absenkt. Quer zu dieser Rich-
tung steigen die Flanken dieser Erosionsmulde auf
NN-Höhen von 185 m (NW) und 195 m (SE) an. Ein
ähnliches Bild zeigte (vor Aufschluss des Tagebaues)
das Oberflächenrelief des Geländes. Der Verlauf des
Kemmlitzbaches korrespondiert mit der Achse der
Erosionsmulde. Der Schichtenaufbau des Pleistozäns
im Lagerstättenbereich ist durch eine Abfolge von
Lösslehm (3-5 m), geringmächtigem Geschiebelehm
bzw. -mergel (1-2 m) und tonigem bis sandigem
Schluff (0,5-2 m) gekennzeichnet. Lokal finden sich
an der Basis der Abfolge bis max. 1 m mächtige ge-
röllführende Kiese. Die Lagerstätte Karl Marx Börte-
witz wird allseitig von heraustretenden Porphyrhoch-
lagen begrenzt. Hinsichtlich der Gestaltung der Flan-
ken sind markante Unterschiede festzustellen (Abb.
44 und 45).
Im W- und E-Teil der Lagerstätte fällt die Unterkante
des Kaolins flach, mit ca. 10 bis 15° Neigung zum
Zentralteil hin ein. Anders dagegen an der Süd- und
Nordwest- bzw. Nordostflanke der Lagerstätte. Die
enge Scharung der Höhenlinien belegt hier ein relativ
steiles Einfallen der Grenze zwischen Kaolin und un-
vollständig verwittertem Gestein (um 45 bis 50°). Ver-
schiedene Strukturelemente der Lagerstätte lassen
sich den tektonischen Hauptrichtungen des behandel-
ten Gebietes zuordnen:
Die West-Ost-Streckung der Gesamtlagerstätte; in
Verbindung damit ist ihre verhältnismäßig steil ein-
fallende W-E-streichende Südbegrenzung zu se-
hen.
NW-SE-streichende Zonen im Muldentiefsten, in
denen die intensive Kaolinisierung bis unter 160 m
NN reicht.
Ebenfalls um NW-SE-streichende, relativ steil ein-
fallende Flanken im Nordteil der Lagerstätte.
Diese Beobachtungen lassen darauf schließen, dass
tektonische bzw. bruchtektonische Vorgänge an der
Bildung und Gestaltung der Lagerstätte beteiligt sind,
auch wenn der direkte Nachweis, wie etwa in der La-
gerstätte Tagebau „Glückauf“ westlich Kemmlitz
(S
CHWERDTNER 1967) hier nicht mehr zu führen ist.
Zum Stoffbestand der Kaoline
Makroskopisch bildet der anstehende Kaolin als Ver-
witterungsprodukt des Kemmlitzer Porphyrs die Tex-
turmerkmale seines Ursprungsgesteins ab. In der
dichten kaolinisierten Grundmasse liegen 1-5 mm
große eckige Quarze, z. T. in Form von Dihexaedern
neben vollständig kaolinisierten Feldspateinsprenglin-
gen. Insgesamt bildet der Kaolin eine weiche krümlige
Masse, deren Färbung zwischen weiß, gelblich, grau
und braun - jeweils in verschiedenen Farbtönen -
wechselt. Lokal intensivere Gelbfärbung deutet auf
erhöhte Goethitanteile, stärker dunkelbraune Färbung
auf Anreicherungen von organischer Substanz hin.
Gelegentlich finden sich harte, durch infiltrierte Kie-
selsäure verfestigte gang- oder knollenförmige Ab-
scheidungen, sowohl grobkristallin als auch chalze-
donartig ausgebildet. Die Klüftung des Primärgesteins
und die eingelagerten, bis dm-starken ehemaligen
Ganggesteine sind zumeist gut erkennbar. Die Kaoli-
ne der Lagerstätte Karl Marx Börtewitz werden hin-
sichtlich ihres Mineralbestandes durch die Paragene-
se Kaolinit, Illit-Montmorillonit-Mi-xed-Layer und
Quarz geprägt. Die Zusammensetzung der anstehen-
den Rohkaoline des Hauptteiles der Lagerstätte so-
wie deren Randzonen, in denen generell, bedingt
durch reliktischen Feldspat bzw. erhöhte Illit-
Montmorillonit-Anteile, erhöhte Alkaliführung vorliegt,
ist in Tab. 19 zusammengestellt.
Die Korngrößenverteilung der Rohkaoline im Zentral-
teil der Lagerstätte wird in Tab. 20 angegeben. Die
Verteilung der Fraktionen ist durch zwei Maxima
(Grobkorn >0,09 mm und Feinstkorn <0,005 mm)
charakterisiert.
Die Kaoline der Lagerstätte wurden seit 1921 für die
Herstellung von Schlämmkaolinen genutzt. Die in
Tab. 21 zusammengestellten Daten resultieren aus
kleintechnisch aufbereiteten Proben von geologi-
schen Untersuchungen verschiedener Lagerstätten-
bereiche, sie sind auf industriell aufbereitete Kaoline
übertragbar.

64
Tab. 19: Typische Werte für Mineralbestand und
chemische Zusammensetzung der Rohkao-
line der Lagerstätte Karl Marx Börtewitz.
Zentralteil Randbereiche
Minerale (%) (%)
Kaolinit 45 33
I-M Mixed-Layer
5
12
Quarz 50 50
Feldspat 0 5
Chemische Parameter
SiO
2
76,5 77,0
Al
2
O
3
16,8 14,7
Fe
2
O
3
0,2 0,4
TiO
2
0,1 0,1
CaO 0,2 0,2
MgO 0,1 0,15
K
2
O 0,15 2,05
GV 5,8 5,2
Tab. 20: Korngrößenanalysen der Rohkaoline der
Lagerstätte Karl Marx Börtewitz
Kornfraktion (mm)
Mittelwert
(%)
Streubereich
(%)
3,0-1,0 19,5 17,3-21,8
1,0-0,3 21,5 20,0-24,3
0,3-0,09 17,0 16,1-18,8
0,09-0,04 7,3 6,7-8,4
0,04-0,02 1,8 1,5-2,5
0,02-0,01 4,0 3,2-5,3
0,01-0,005 5,5 5,0-6,4
0,005-0,002 9,0 7,5-10,7
<0,002 14,8 13,5-17,2
Zum Abbau der Lagerstätte
Im Jahre 1920 begann im Südteil der Lagerstätte auf
Flurstück Nr. 195, Flur Börtewitz, der Abbau durch
Stollenbetrieb. Der Abbau erfolgte zunächst auf der 1.
und 2. Sohle, ab 1928 wurde eine 3. Abbausohle ein-
gerichtet. Nach der Übernahme des Betriebes durch
die Firma Erbslöh Geisenheim wurde 1928 der erste
Kaolintagebau im damaligen Kemmlitz-Börtewitzer
Revier aufgeschlossen. Er lag im Gelände zwischen
Kemmlitzbach und bisherigem Tiefbaufeld. Ein noch-
maliger Versuch, 1930 im NW-Feld einen Schacht
abzuteufen, scheiterte wegen zu starker Wasserzu-
flüsse (ein 1. Versuch war bereits 1923 unternommen
worden).
Zwischen den Jahren 1928 und 1957 erfolgte die
Rohkaolinförderung aus Tief- und Tagebau. Die För-
derung aus dem Tiefbau wurde 1957 aus Rationali-
sierungsgründen eingestellt, und die gesamte Rohka-
olinmenge wurde nunmehr aus dem Tagebau „Karl
Marx“ gefördert (Abb. 46). 1964 begann der Abbau
des NW-Feldes der Lagerstätte, dazu war die Verle-
gung der die Lagerstätte querenden Reichsbahnstre-
cke erforderlich, die 1963/64 realisiert worden ist. Ab
1968 wurden auch die im Ostfeld noch anstehenden
Restvorräte gewonnen, dazu war der Erwerb und Ab-
riss der ehemaligen Abdeckerei Dorn notwendig. Der
Tagebau „Karl Marx“ wurde 1972 wegen Erschöpfung
der greifbaren Vorräte geschlossen. Das Tagebau-
restloch wurde in der Folgezeit zunächst für den be-
trieblichen Wasserkreislauf bzw. später als industriel-
les Absetzbecken genutzt.
Der Rohkaolin der Lagerstätte Karl Marx Börtewitz
wurde in erster Linie zur Produktion der Schlämmkao-
linsorte „BZ“ (von „Börtewitz“ abgeleitet) verwendet.
Daneben wurde eine Teilmenge als Rohkaolin vor al-
lem zur Fliesenherstellung abgesetzt (im Mittel 30
Tt/a).
Tab. 21: Mineralbestand und chemische Zusammensetzung von Schlämmkaolinen der Lagerstätte Karl Marx
Börtewitz (in %)
Zentralteil Randbereiche
Minerale Mittelwert Streubereich Mittelwert Streubereich
Kaolinit 77 74-79 71 65-73
I-M Mixed-Layer
11
6-14
15
10-20
Quarz 12 10-14 12 10-15
Feldspat 0 2 1-5
Organische Substanz 0,4 0,3-0,6 0,,4 n. b.
Chemische Parameter
SiO
2
53,5 51,0-54,5 56,1 54,6-58,7
Al
2
O
3
32,5 31,3-33,6 31,0 29,8-32,5
Fe
2
O
3
0,4 0,45
TiO
2
0,2 0,2
CaO 0,3 0,3
MgO 0,25 0,3
K
2
O 0,3 0,1-0,4 1,5 0,8-3,5
GV 11,8 14,2-12,2 10,1 8,8-10,6

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65
Abb. 46: Tagebau Karl Marx Börtewitz 1965. Freile-
gung und Rohkaolingewinnung erfolgten
mittels Eimerkettenbagger, die Abförderung
über Förderbandanlagen.
5.8
Die Lagerstätte Tagebau Glückauf
Querbitzsch
Die Lagerstätte Tagebau Glückauf liegt zwischen den
Orten Querbitzsch (im Westen), Kemmlitz (im Osten)
und Pommlitz (im Norden). Das Gelände steigt von
Süden nach Norden von 215 m auf 220 m NN leicht
an. Die höchste Erhebung ist der Pappelberg mit
227,3 m NN im Osten (Abb. 23).
Zur Erkundung der Lagerstätte
Die Untersuchungsarbeiten in der Lagerstätte Tage-
bau Glückauf reichen bis in die Jahre 1935/36 zurück.
Zu diesem Zeitpunkt war eine Erkundungsstrecke aus
dem Tiefbau Glückauf in das angrenzende „Wolffers-
dorf´sche Feld“ aufgefahren worden. Von dieser Er-
kundungsstrecke wurden Querschläge getrieben und
Bohrungen ins Hangende und Liegende geteuft. Die
eigentliche Erkundung der Lagerstätte begann 1937/
38, es wurden 53 Bohrungen mit 1649 Bohrmetern
niedergebracht (s. Tab. 2). Auf der Grundlage der
Bohr- und Untersuchungsergebnisse war die Aus-
dehnung der Lagerstätte mit Ausnahme des Nordost-
feldes in groben Zügen geklärt.
Im Rahmen von Sucharbeiten 1958-1961 durch E
ISS-
MANN und BÖHME wurde das gesamte Umfeld des be-
reits bestehenden Tagebaus in Richtung Norden bis
Pommlitz, nach Westen und Süden abgebohrt (B
ÖH-
ME
1966). Von 1963 bis 1983 erfolgte eine Verdich-
tung des bestehenden Bohrnetzes durch die geologi-
sche Abteilung des Kaolinwerkes. Von den einzelnen
Bohretappen wurden die Bohr- und Untersuchungs-
ergebnisse in verschiedenen Berichten zusammenge-
fasst, z. B. P
ORSCHE (1967) und FRANZ (1974); eine
Auswertung aller Vorfeldbohrungen bis zum Jahr
1983 mit Berechnung der Vorräte im unverritzten La-
gerstättenteil erarbeitete P
ENTZEL (1983).
Von 1984 bis 1986 wurden einzelne Bohrungen im
Tagebau zur Qualitätssteuerung und 1990 Verdich-
tungsbohrungen im Tagebauvorfeld, nördlich der
Straße bis Pommlitz, geteuft und die Vorräte berech-
net (A
NGER 1990a). 1995 war geplant, das Restloch
des Tagebaus Glückauf als Hausmülldeponie zu nut-
zen. Aus diesem Grund teufte HGN Hydrogeologie,
NL Torgau, im Auftrag des Abfallverbandes Nord-
westsachsens 7 Bohrungen zur Klärung des Unter-
grundes im Tagebau. Von 1936 bis 1995 wurden im
Lagerstättenbereich 531 Bohrungen mit insgesamt
12.747 Bohrmetern geteuft. 6 Bohrungen von 1982
bis 1995 im Tagebau und im unmittelbaren Tagebau-
umfeld wurden als Grundwassermessstellen ausge-
baut.
Auf Grund der starken Qualitätsschwankungen inner-
halb des Tagebaus erfolgte seit 1966 eine detaillierte
Bemusterung der angeschnittenen Abbauböschun-
gen. Die Ergebnisse wurden in kleineren Bemuste-
rungsberichten für die Abbausteuerung von A. C
HO-
DURA
(1966–1992) und H. ANGER (ab 1992) zusam-
mengestellt. Die stoffliche Variabilität stellte an Er-
kundung, laufende Abbaubemusterung und Gewin-
nung hohe Anforderungen, um Schlämmkaoline mit
konstanten Qualitäten erzeugen zu können. Innerhalb
dieser Lagerstätte wurden mehr Bohrungen als in den
anderen Lagerstätten des Kemmlitzer Reviers ge-
teuft, so dass der mittlere Bohrlochabstand von West
nach Ost bei 25 m, in Streichrichtung der Kaolinmul-
den bei 50 m liegt.
Zur Geologie der Lagerstätte
Im Nordosten und Westen wird die Lagerstätte durch
aufragende Liegendrücken begrenzt, im Süden ste-
hen kaolinisierte Sedimente und Pyroklastite des Rot-
liegend an. Die Südostgrenze bildet das ehemalige
Tiefbaufeld Glückauf. Im Norden geht die Lagerstätte
Tagebau Glückauf in den Lagerstättenteil Pommlitz
über, die Nordgrenze wird durch einen Liegendrücken
gebildet. Beide Lagerstättenteile werden von der
Straße Querbitzsch-Mügeln (S37) gequert. Die Ge-
samtgröße der Lagerstätte beläuft sich auf 1100 m
von Nord nach Süd und 300-500 m von West nach
Ost (Abb. 23 und 47).
Die Hauptstreichrichtung der Lagerstätte ist NNW-
SSE. Die Lagerstätte wird durch eine Störung (Strei-
chen 170°, Einfallen 65°E) in ein Haupt- (oder West-)
und ein Ostfeld getrennt (S
CHWERDTNER 1967). An
dieser Störung wurde im Kaolin ein Mächtigkeits-
sprung von 25 m festgestellt. Im Bereich der Störung
ist im Nordostfeld eine kleine Mulde mit dem Liegen-

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66
den <175 m NN und einer Kaolinmächtigkeit >30 m
nachgewiesen (Abb. 47), während westlich der Stö-
rung angewitterter Ignimbrit ansteht (Abb. 48). Beim
weiteren Abbau in Richtung Norden konnte diese Stö-
rung jedoch nicht weiter verfolgt werden. Steile Flan-
ken lassen zwar Störungen vermuten, sind jedoch
auch in anderen Kaolinlagerstätten typisch, ohne
dass Störungen erkannt werden konnten, z. B. exis-
tieren vergleichbar steile Flanken an der Ostbö-
schung im Hauptfeld des Tagebaus Gröppendorf
(Abb. 53). Im Ostfeld lässt sich eine weitere Störung
vermuten, denn hier stehen Kaoline an, die aus un-
terschiedlich ausgebildeten Edukten hervorgegangen
sind, so dass das Ostfeld in ein Nordost- und ein
Südostfeld (das sog. „Grüne Feld“) unterteilt wird.
Das Haupt- oder Westfeld umfasst den größten Teil
der Lagerstätte. Im Zentralteil des Hauptfeldes wur-
den zwei größere Mulden mit dem Liegenden des
Kaolins <190 m NN nachgewiesen, wobei das Mul-
dentiefste bei <163,5 m NN (Bohrung 48/64) nicht er-
reicht wurde; die Kaolinmächtigkeit beträgt in diesen
Mulden >30 m (größte erbohrte bauwürdige Kaolin-
mächtigkeit: 37,6 m/Brg. 425/79 - Kaolin nicht durch-
teuft). Die West-Ost Ausdehnung dieser Mulden ist
relativ gering (Abb. 47).
Abb. 47: Liegendiso-
hypsen des bauwürdigen
Kaolins der Lagerstätte
Tagebau Glückauf Quer-
bitzsch

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67
Abb. 48:
Geologischer Schnitt im
Zentralteil der Lagerstätte
Tagebau Glückauf Quer-
bitzsch, Bereich der
nachgewiesenen Stö-
rung, nach S
CHWERDTNER
(1967).
Deckgebirge
Die Kaolinoberfläche ist durch pleistozäne Erosion
und Ablagerung sehr stark geprägt, besonders im
Nordwesten des Tagebaus, wo der Kaolin bis zum III.
Kaolinabbauschnitt (204 m NN), z. T. bis zum IV.
Schnitt (196 m NN) erodiert wurde.
Das Deckgebirge besteht im Hangenden aus 3-10 m
weichselzeitlichem Lößlehm. Darunter sind Geschie-
belehm bzw. -mergel ausgebildet (Elster I- bzw. Elster
II-Glazial). Im Nordwesten des Tagebaus ist die Quer-
bitzscher Rinne (Elster I) angeschnitten. Vor Ablage-
rung der relativ mächtigen (15 und 25 m) Mergel und
Lockersedimente (überwiegend Sande und Kiese,
wenig Gerölle) wurde der Kaolin bis 196 m NN ero-
diert. Tertiäre Ablagerungen (Miozän) wurden im
Zentralteil der Lagerstätte als quarzitische Sande
bzw. Quarzite angetroffen (Bereich der nachgewiese-
nen Störung).
Zum Stoffbestand der Lagerstätte
Der Kaolin entstand aus Ignimbrit. Auf Grund des un-
terschiedlichen Verschweißungsgrades und den da-
von abhängenden Anteilen von Glasphase sowie
einer differenzierten Zusammensetzung der Quarz-
Feldspat-Grundmasse des Ignimbrits besteht die La-
gerstätte aus unterschiedlich ausgebildeten Kaolinen.
Generell weisen die Kaoline gegenüber den Kaolinen
aus dem Kemmlitzer Porphyr einen erhöhten Anteil
an Mixed-Layer-Mineralen in der Dreischichtsilikat-
Zone (DS-Zone) auf, besonders hohe Anteile wurden
im Südostfeld der Lagerstätte nachgewiesen (Kaolin-
varietät Eka, grün). Im Unterschied zu den Lagerstät-
ten auf Kemmlitzer Porphyr ist zum Liegenden hin
eine >10 m mächtige DS-Zone ausgebildet, mit einem
erhöhten Anteil an ML-Mineralen und unvollständig
verwitterten Feldspatresten (Kaolinvarietät Eka,
braun).
In den einzelnen Lagerstättenteilen wurden verschie-
dene
Rohkaolinvarietäten
ausgehalten (z. B. „Eka,
grün“), die für die Herstellung unterschiedlicher
ge-
schlämmter Kaolinsorten
(z. B. „EKA-S“) eingesetzt
wurden. Entsprechend ihrer Ansprache und ihres
Einsatzes wurden folgende Varietäten abgebaut:
Varietät Meka (Hauptfeld und Nordostfeld)
Varietät Eka, braun (tiefere Schnitte und Westrand
Hauptfeld)
Varietät Eka, gelb (Hauptfeld, Übergangsbereich
zum Liegendrücken im Osten)
Varietät Eka, grün (Südostfeld)
Rohkaolin für Absatz (Nordostfeld).
Der Kaolin der Meka-Varietät nimmt den größten An-
teil in der Lagerstätte ein, in deren unterem Teil Kao-
lin mit erhöhtem Anteil an Dreischichttonmineralen
(>18 %) und einem geringen Anteil an unvollständig
verwittertem Feldspat (Eka, braun) ansteht. In den
Randbereichen mit geringeren Kaolinmächtigkeiten
ist Meka nicht ausgebildet, hier steht bzw. stand Eka
braun direkt an. Der Kaolin im Übergangsbereich zum
Liegendrücken zwischen Haupt- und Nordostfeld
(Eka, gelb) weist ebenfalls erhöhte ML-Gehalte sowie
unvollständig kaolinisierte Feldspatreste auf (Tab.
22).
Die Besonderheit des Kaolins im Tagebau Glückauf
besteht darin, dass dieser gegenüber dem Kaolin aus
anderen Lagerstätten z. T. deutlich höhere Gehalte
an Dreischichttonmineralen (Meka-Varietät bis 15 %
und Eka-Varietät >18 %) aufweist. In Abhängigkeit
vom ML-Anteil verändern sich die keramischen
Eigenschaften (vgl. Kap. 4). Die TBF wächst mit zu-
nehmendem ML-Gehalt und die Verflüssigung wird
schlechter. Der Kaolin aus dem Tagebau Glückauf
wurde bis 1992 zur Verbesserung der TBF als Zu-
mischmasse zum Kaolin aus den Tagebauen Frieden
und Gröppendorf zur Herstellung der Handelssorte
MEKA eingesetzt.
Aus Sicht der Endproduktpalette des Kemmlitzer Kao-
linwerkes war der Kaolin aus dem Nordostfeld mit
dem geringsten Anteil an färbenden Oxiden und dem
niedrigsten Gehalt an Kalium der beste Kaolin aus
dem Tagebau Glückauf. Aus den Varietäten Eka,
braun, gelb und grün wurde bis 1996 die Spezialsorte
EKA-S (Einsatz in der Elektrokeramik) produziert. Da
heute lediglich noch die Sorte Eka, grün im Südost-
feld ansteht, wird diese Spezialsorte mit verschiede-
nen Kaolinen der anderen Tagebaue verschnitten.

68
Tab. 22: Durchschnittswerte der Kaolin-Varietäten, am abgeschlämmten Kornanteil (<36 μm) bzw. am Rohkao-
lin ermittelt (in %)
Mittelwerte <36μm
Mittelwerte Rohkaolin
Hauptfeld
NE- Feld SE- Feld
Hauptfeld NE- Feld
SE- Feld
Meka
Eka, braun
Eka, gelb Meka
Eka, grün
Meka
Meka
Eka, grün
Al
2
O
3
31,0 29,6 26,9 31,3 24,8 13,9 15,8 15,2
Fe
2
O
3
0,66 0,74 1,14 0,44 2,71 0,39 0,28 1,47
TiO
2
0,13 0,12 0,12 0,12 0,12 0,10 0,11 0,11
MgO 0,28 0,28 0,37 0,24 1,17 0,14 0,08 0,50
K
2
O 1,08 1,42 3,46 0,49 4,47 0,73 0,37 3,62
Q 20 22 20 23 14 60 50 45
K 68 56 43 69 33 32 40 17
ML 12 20 25 8 48 8 8 25
F 0 2 12 0 5 0 2 13
Zum Abbau der Lagerstätte
Der Kaolin wurde von 1959 bis 1992 mit Eimerketten-
baggern bzw. mit Universalbaggern abgebaut, an-
fänglich über Silo und Tunnelstrecke des Tiefbaues
Glückauf abgefördert und ab 1963 mittels E-Lok zur
Aufbereitung ins Werk IV, südöstlich von Querbitzsch
transportiert. Von dort wurde die klassierte Suspensi-
on in einer Rohrleitung nach Kemmlitz gepumpt, als
Zumischmasse zu den Suspensionen der Kaoline aus
den Tagebauen Frieden und Gröppendorf zur weite-
ren Aufbereitung. 1992 wurde der kontinuierliche Ab-
bau eingestellt. Die Kaoline der einzelnen Varietäten
wurden mit Universalbaggern abgebaut und mit LKW
nach Kemmlitz bzw. nach Gröppendorf transportiert,
auf verschiedenen Rohkaolinhalden zwischengelagert
und von dort bei Bedarf zur weiteren Verarbeitung
(Verschlämmen des Kaolins für die Handelssorte
EKA-S) bzw. für den Versand des Rohkaolins per
Bahn oder LKW entnommen. Der letzte Abbau im
Nordostfeld erfolgte 1996. Im Hauptfeld wurde im
Herbst 2002 der letzte Kaolin der Varietät Meka ab-
gebaut und auf verschiedenen Halden zwischengela-
gert. Im Dezember 2002 wurde die Pumpe der offe-
nen Wasserhaltung abgeschaltet. Zuvor waren einige
Böschungen abgeflacht und stabilisiert worden. Heute
haben sich zwei Seen gebildet, die durch einen
Damm voneinander getrennt sind (Kap. 8).
Im Tagebau Glückauf sind von 1959 bis 2003 insge-
samt 2,83 Mio. t Rohkaolin gefördert worden, die Ab-
raumbewegung belief sich auf 2,25 Mio. m
3
.
5.9
Die Lagerstätte Gröppendorf
Die Lagerstätte Gröppendorf liegt östlich des Döllnitz-
tales zwischen den Orten Glossen (im Süden), Gröp-
pendorf (im Norden) und Schleben (im Osten). Der
Tagebau hat seinen Namen durch den Aufschluss auf
Gröppendorfer Flur, wobei sich der größte Teil auf
Glossener Flur befindet (Abb. 23). Ein Teil der Lager-
stätte liegt auf der Gemarkung Schleben.
Zur Erkundung der Lagerstätte
Im Verlauf der Suche nach geeigneten Rohstoffen für
die Steingutmanufaktur Hubertusburg (vgl. Kap. 2.1)
wurden 1824 zwischen Glossen/Gröppendorf und
zwischen Glossen/Schleben Kaoline gefunden. D
OU-
AY
(1814-1834) beschrieb diese Fundstätten in zwei
Hohlwegen. Es wurden Schürfe und kleine Schächte
angelegt, der Kaolin wurde im Versatz geprüft. Da die
gebrannten Probekörper ockerfarbene und braune
Punkte aufwiesen, erfolgte kein Abbau.
Erst 1939 wurde zwischen den Orten Glossen und
Gröppendorf, veranlasst durch Dr. E. H. R
ICHTER, ein
Schacht geteuft, der Abbau erfolgte ab 1941. Die ers-
ten Bohrungen, die im Süden der Lagerstätte liegen,