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Flexibles Jugendmanagement
- Abschlussbericht Juli 2012 -

| 3
Evaluation des Projektes
„Flexibles Jugendmanagement“
Abschlussbericht
- Juli 2012 -
„Ich habe das Wochenende viel über Vorurteile gelernt -
Demokratie ist mein neues Lieblingswort“
Zitat eines Jugendlichen bei der Aktion „Rock dein Projekt“
(FJM Sächsische Schweiz-Osterzgebirge)
Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz
Parkstraße 28 · 09120 Chemnitz
e-mail: sascha.roesch@lja.sms.sachsen.de
web:
http://www.sms.sachsen.de/11234.html

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Vorwort
3
1
Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Projekt im Überblick
4
2
Resümee: Zwei Menschen – Zwei Fragen
6
2.1
Das FJM aus der Perspektive zweier Kommunen
6
2.2
Das FJM aus der Perspektive zweier Landkreise
8
2.3
Das FJM aus der Perspektive zweier Kreisjugendringe
9
3 Evaluationsergebnisse
14
3.1
Zentrale Fragestellungen – Thesen
14
3.2
Überprüfung der Rahmenziele
15
3.2.1
Rahmenziel 1: Jungen Menschen sind die Unterstützungsmöglichkeiten
durch das FJM besser bekannt. Die Fachkräfte des FJM verstehen sich als sozialräumliche Netzwerker.
15
3.2.2
Rahmenziel 2: Die Interaktion zwischen den Fachkräften im FJM und
der Zielgruppe findet statt.
16
3.2.3
Rahmenziel 3: Die Interaktion zwischen den Fachkräften im FJM und den Angebotsstrukturen
der Kreisjugendringe/Pro Jugend e.V. findet statt.
18
3.2.4
Rahmenziele 4 und 5: Durch das FJM gelingt es, jugendaffine Angebote zu ermöglichen,
zu unterstützen sowie zu begleiten. Mittels des FJM werden nachhaltige
Demokratiebildungsprozesse bei jungen Menschen angestoßen.
19
3.2.4.1
Praxisbericht des FJM Erzgebirgskreis – best practice
19
3.2.4.2
Praxisbericht des FJM Görlitz – best practice
24
3.2.4.3
Praxisbericht des FJM Landkreis Leipzig – best practice
29
3.2.4.4
Praxisbericht des FJM Meißen – best practice
33
3.2.4.5
Praxisbericht des FJM Sächsische Schweiz-Osterzgebirge – best practice
39
3.2.4.6 Ergebnisse
48
4 Literatur
49
5 Anhang
50
Inhaltsverzeichnis

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| 5
Vorwort
„Sachsen – kein Platz für Extremismus und Gewalt“, so lautete das Motto des 1. Kommunal-
forums am 15.11.2007 in Riesa. Im Ergebnis wurde im Sächsischen Staatsministerium für
Soziales und Verbraucherschutz das Rahmenkonzept „Flexibles Jugendmanagement als
Beitrag der Kinder- und Jugendhilfe zur Demokratiebildung und Demokratieerziehung“
entwickelt.
Wir legen Ihnen hiermit den Abschlussbericht der begleitenden Evaluation und damit span-
nende und interessante Erkenntnisse vor. Ganz bewusst kommen mittel- und unmittelbar
Beteiligte zu Wort – insofern ist der Bericht geprägt von zahlreichen Eindrücken der eigent-
lichen Akteure, nämlich denen der Kinder und Jugendlichen. Die Praxisdokumentationen
entstammen der Feder der Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter. Damit erhalten Sie
auch ein Einblick in die Arbeit des Gesamtprojektes.
Bei der Konzipierung des Projektes waren insbesondere zwei Gedanken handlungsleitend:
Zum einen sollte die Jugendverbandsarbeit als essentieller Ort der Demokratiebildung eine
Stärkung erfahren, zum anderen sollten die Beteiligungsmöglichkeiten von Kindern und
Jugendlichen – als zunehmend kleiner werdende Gruppe an der Gesamtbevölkerung –
gestärkt werden. Das Flexible Jugendmanagement sollte dabei an bestehende Jugendhil-
festrukturen andocken und als ergänzendes, unterstützendes Angebot agieren. Ein we-
sentliches methodisches Anliegen war es, junge Menschen zu ermutigen, den ersten Schritt
zu machen – und ihnen damit die Möglichkeit zu eröffnen, sich aus eigener Motivation
Begleiter und Unterstützer für ihr Vorhaben zu suchen.
Insofern freut es mich, in den Praxisberichten zu lesen, dass das Flexible Jugendmanage-
ment als Selbstaktivierungsprojekt funktioniert hat. Darüber hinaus – auch das ein wesent-
liches Ergebnis der Evaluation – haben die Projektmitarbeitenden es ausgezeichnet ver-
standen, jungen Menschen bei der Wahrnehmung ihrer Mitbestimmungs- und
Mitgestaltungsrechte hilfreiche Mentoren zu sein. Die Rolle des Mentors war dabei ähnlich
facettenreich wie die eines Managers: Sie reichte vom Moderator über den Dialogvermitt-
ler bis zum Koordinator. Entsprechend bunt gestalteten sich die Aktionen und Projekte,
allen Vorhaben gemeinsam war jedoch das Moment der Mitbestimmung und damit der
Demokratiebildung.
Mit dem Flexiblen Jugendmanagement ist es somit gelungen, die lokale Identifikation
junger Menschen zu fördern und zu stärken. Es hat sich gezeigt, dass es sinnvoll ist, Kindern
und Jugendlichen – neben den Basisstrukturen der Jugendarbeit – in ihren unmittelbaren
Lebenswelten (temporäre) Beteiligungs- und Aktivierungsmöglichkeiten einzuräumen,
damit sie Mitbestimmung und -gestaltung erleben können.
Nicht zuletzt konnten durch das Flexible Jugendmanagement kommunal Verantwortliche
sensibilisiert werden, Angebote für Kinder und Jugendliche als Notwendigkeit eines funk-
tionierenden Gemeinwesens anzuerkennen.
Der Bericht gliedert sich in drei Abschnitte: Vorangestellt – im ersten Abschnitt – finden
sich die wesentlichen Erkenntnisse aus dem bisherigen Projektverlauf, daran schließen sich
im zweiten Abschnitt Resümees zum Projekt aus verschiedenen Perspektiven an. Abschlie-
ßend werden im dritten Abschnitt die Evaluationsergebnisse dargestellt, bei denen gleich-
falls die Schlüsse aus dem Zwischenbericht vom Juni 2010 Eingang finden.
Allen Beteiligten – den Projektmitarbeitenden, den Verantwortlichen in den Kommunen
und bei den Trägern vor Ort, aber ganz besonders den Kindern und Jugendlichen selbst
– sage ich herzlichen Dank für ihre Bereitschaft, Demokratie lebendig werden zu lassen.
Auch durch dieses Engagement bleibt Sachsen ein lebenswertes Land, in dem kein Platz
für Extremismus und Gewalt ist.
Regina Kraushaar
Abteilungsleiterin Jugend und
Familie, Integration und Teilhabe,
Sächsisches Staatsministerium
für Soziales und Verbraucherschutz

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1
Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem
Projekt im Überblick
Ausgehend von der bisherigen Projektlaufzeit lassen sich folgende Erkenntnisse festhalten:
(1)
Das Projekt FJM konnte sich als ergänzendes und unterstützendes Angebot etablieren
und wird von jungen Menschen gut angenommen.
Insbesondere durch die Beglei-
tung, Unterstützung aber auch zum Teil durch die Initiierung von Aktionen sowie
Projekten werden junge Menschen, hauptsächlich Jugendgruppen, erreicht. Das FJM
bietet Kooperationspartnern geeignete Ermöglichungs-, Unterstützungs- sowie
Begleitungsstrukturen. Ferner wurde durch das FJM eine Vernetzung von losen
Gruppen/ Initiativen mit Vereinen und Verbänden befördert.
(2)
Die Einbindung des FJM in die Gesamtstruktur der Kreisjugendringe ist zweckmäßig.
Aus zweifacher Sicht: Zum einen konnte – insbesondere in der Anlaufphase – auf ein
bestehendes Netzwerk von Trägern sowie auf vorhandene Ansprechpartner zurück-
gegriffen werden. Zum anderen entstanden durch die Verzahnung positive Synergie-
effekte innerhalb des Projektträgers – auch zu anderen Handlungsfeldern der Jugend-
hilfe.
(3)
Der im FJM erprobte methodische Ansatz der Komm-Struktur hat sich grundsätzlich
bewährt.
Komm-Struktur meint in dem Projekt, dass Kinder und Jugendliche aus einer
gewissen Selbstinitiative die Fachkräfte des FJM ansprechen, um in ihrem unmittel-
baren Lebensumfeld Veränderungsprozesse in ihrem Sinn einzuleiten. Dazu bedarf es
einen hohen Bekanntheitsgrad der Fachkräfte, welcher wiederum einer aktiven
Öffentlichkeitsarbeit voraussetzt
1
. Dieser wurde erreicht durch die Interaktion mit
verschiedenen Akteuren, die maßgeblich die Lebenswelt von jungen Menschen be-
stimmen. Dies waren zum einen Orte der Jugendarbeit, Gemeindeverwaltungen, aber
auch – wenn es zweckmäßig erschien – Schule als Lebensraum. Die Sozialisations-
instanz Schule nimmt zunehmend – gerade in ländlichen Regionen – einen breiteren
Raum innerhalb des Tagesrhythmus von Kindern und Jugendlichen ein
2
. Demzufolge
ist die verbleibende (Frei)zeit für die Wahrnehmung anderweitiger Angebote geringer.
Gepaart mit dem veränderten Freizeitverhalten junger Menschen
3
gestaltete sich der
notwendige „Erstkontakt“ zur Zielgruppe oftmals schwierig. Hier haben die o. g.
Akteure in einigen Regionen zum Teil eine Brückenfunktion eingenommen. Vor dem
Hintergrund, dass die Veränderung von Lebenswelten und -bedingungen Kinder und
Jugendlicher nicht primär in der Institution Schule ihre Definition erfahren, sondern
dies in erster Linie im unmittelbaren Lebensumfeld geschieht, müssen die Dörfer,
Gemeinden sowie Städte als Gestaltungsraum in den Blick genommen werden.
(4) Das FJM trägt zu einer Stärkung der Lebens- und Sozialräume von Kindern und Ju-
gendlichen bei. Daneben bewirkt das FJM eine Sensibilisierung kommunaler Entschei
dungsträger im Hinblick auf die Belange junger Menschen. Durch die Realisierung von
Angeboten in den Dörfern, Gemeinden und Städten erfahren die unmittelbaren Le-
bens- und Sozialräume von Kindern und Jugendlichen eine Aufwertung, womit eine
Verbesserung der Lebensqualität von jungen Menschen einhergeht. Gleichfalls wird
mit den Projekten und Aktionen durch die selbstbestimmte und selbstgestaltete Teil
habe am gesellschaftlichen Miteinander lokale Identifikation gefördert – was gerade
in den ländlichen Räumen angesichts der demografischen Entwicklung
4
zunehmend
wichtiger wird. Das FJM leistet einen Beitrag dazu, eine Vielfalt an Jugendaktivitäten
zu erhalten sowie Gleichaltrigenerfahrung und -gesellung zu ermöglichen. Insofern
werden ländliche Räume durch das FJM aufgewertet. Bei kommunalen Entscheidungs-
1
vgl. Aussage aus einem Interniew mit dem des FJM im Erzgebirge, Januar 2010; „ Erst wenn die Jugendlichen mit dem Namen ein
Gesicht verbinden, dann rufen sie an“.
2
Stichworte: Ganztagsschulentwicklung, verlängerte Fahrtwege durch Schulzusammenlegungen an zentralen Orten
3
Beispielhaft sei hier auf die gestiegene Häufigkeit der jugendlichen Internetnutzung verwiesen.
4
Stichworte: Jugend als gesellschaftliche Minderheit, Abwanderung und Vereinzelung von Jugendlichen

| 7
trägern wurde immer wieder dafür geworben, die Einbindung von Angeboten für
Kinder und Jugendliche als Notwendigkeit eines funktionierenden Gemeinwesens
anzuerkennen sowie entsprechende Aktionen und Projekte aktiv in die Gemeinschaft
des Ortes zu integrieren. Die öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten der Fachkräfte
des FJM, insbesondere die persönliche Vorstellung bei kommunalen Verantwortungs-
trägern, haben sich ausgezahlt: Das Verantwortungsbewusstsein einiger Kommunen
für die Belange junger Menschen konnte dadurch gestärkt werden.
5
(5)
Mittels des FJM werden Demokratiebildungsprozesse initiiert.
Wesentlicher inhaltlicher
Schwerpunkt des FJM ist die Begleitung, Unterstützung sowie die Beteiligung an der
Umsetzung von jugendaffinen Projekten und Aktionen. Signifikantes Moment inner-
halb der Projekte und Aktionen ist, Kindern und Jugendlichen einen selbstbestimmten,
strukturellen und insbesondere erlebbaren Raum für die Mitbestimmung und Mitge-
staltung zu geben. Angesichts die unmittelbaren Beteiligung von Beginn an, können
junge Menschen die Wirkung ihres Einflusses erleben. Sie erfahren, Transparenz
entsteht durch Mitbestimmung sowie Mitgestaltung. Ausgehend von diesen Selbst-
erfahrungen in punkto demokratische Spielregeln
6
ist einzuschätzen, dass Demokra-
tiebildungsprozesse bei Kindern und Jugendlichen angestoßen werden. Die Realisie-
rung dieser Vorhaben benötigt im Regelfall zusätzliche finanzielle Mittel, die nur durch
das gezielte Akquirieren über andere Förderprogramme und -aktionen (z.B. LAP,
Europäischer Sozialfond: Programm Stärken vor Ort im Erzgebirge u.a. Kleinprojekte-
fonds) sichergestellt werden konnten.
(6)
Das FJM, bzw. der methodische Ansatz des Projektes, ist als ein die Jugendhilfe-
struktur unterstützendes Ergänzungsangebot innerhalb der Bedarfsplanungen der
Landkreise vorstellbar, wobei gegenwärtig die Landesfinanzierung auf gleichem
Niveau eine wesentliche Grundvoraussetzung darstellt.
Es ist einzuschätzen, dass
angesichts der angespannten Haushaltslage in den sächsischen Gebietskörper-
schaften derzeit eine nachhaltige Implementierung des FJM ohne die finanzielle
Unterstützung des Freistaates scheitern würde. Insofern sollte die Haushaltsperiode
2013/14 genutzt werden, die Überführung des Projektes in die örtliche Jugendhilfe-
planung vorzubereiten. Dabei sollten auch notwendige Projektkosten im Sinne Punkt
(5) angemessen berücksichtigt werden.
(7)
Eine sachsenweite Vernetzung der Projekte war für die fachliche Weiterentwicklung
im Kontext regionaler Umsetzbarkeiten zielführend.
Mittels der fachlichen Begleitung
und Steuerung in der Pilotphase durch das Landesjugendamt war es zum einen
möglich, den Fachdiskurs zum Ansatz der Komm-Struktur zu führen, zum anderen
konnten im Ergebnis dessen regionale Anpassungen des Rahmenkonzeptes umgesetzt
werden. Im Sinne der Subsidiarität sollte nach der Pilotphase ab 2013 für die Koordi-
nierung dieses Netzwerkes ein anderer Rahmen gefunden werden. Die Anbindung
dieser Aufgabe bei einem überörtlich agierenden freien Träger der sächsischen
Jugendhilfelandschaft unter Beteiligung des Landesjugendamtes wird als zweck-
dienlich eingeschätzt.
Im Sinne einer Aktivierung ländlicher Räume sind ausgehend von den Punkten (1) bis (7)
sowie auf der Basis des Rahmenkonzepts verbindliche Standards abzuleiten und mittels
einer Orientierungshilfe durch den LJHA zu verabschieden. Nur somit kann eine effektive
Implementierung dieses Handlungsansatzes im Freistaat Sachsen sichergestellt werden.
5
vgl. Kapitel 3.1
6
Die Reflexion dieser Selbsterfahrungen wird im Kapitel 4.3.4. mittels der O-Töne von jungen Menschen abgebildet.

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2
Resümee: Zwei Menschen - Zwei Fragen
2.1
Das FJM aus der Perspektive zweier Kommunen
In welchem Kontext sind Sie als kommunal Verantwortlicher mit dem Flexiblen Jugend-
management in Berührung gekommen?
„Das Anliegen einer Skatebahn wurde an die Stadt Pegau in den letzten 10-15 Jahren des
Öfteren herangetragen. Immer wieder haben sich Jugendgruppen aus dem Interesse he-
raus zusammengefunden, die eine Skatebahn wollten. Wir haben das auch schon einmal
gemacht – ist aber missglückt, weil nach 2 Jahren kein Interesse mehr vorhanden war und
die kostenintensive Anlage durch Randalierer zerstört wurde. Insofern standen wir der
neuerlichen Anfrage sehr skeptisch gegenüber. Deswegen haben wir als Stadt gesagt, wir
werden sehr gern unterstützen, aber wir werden nicht diejenigen sein, die wieder eine
Skateanlage errichten. Das war natürlich für die Jugendlichen zunächst etwas enttäu-
schend, denn sie sind wahrscheinlich mit anderen Erwartungen auf die Stadt zugekommen.
Doch die Jugendlichen haben nicht aufgegeben, sondern suchten sich Partner – was ich
sehr gut fand. Einen Partner fanden sie im Flexiblen Jugendmanagement, einen anderen
in der Kirchgemeinde. Mit diesen Partnern hat man sich dann wiederum an die Stadt ge-
wandt, weil man natürlich für die Realisierung ein Grundstück braucht. Das war dann der
Punkt, bei dem die Stadt gesagt hat: Diesen Part können wir tragen; hier muss die Stadt
kein Geld in die Hand nehmen – hier gilt es nur, gemeinsam mit den Jugendlichen und den
Partnern eine geeignete Fläche zu suchen. In Folge gab es eine Vorstellung des Konzeptes
durch die Jugendlichen im Bauausschuss. Das haben die jungen Menschen sehr gut und
selbstbewusst gemacht. Bei der Aushandlung der in Frage kommenden Fläche mussten
die verschiedenen Interessen, wie Wünsche der Jugendlichen kontra Umgebung, Lärm-
schutz etc., berücksichtigt werden. In der Konsequenz konnte sich erst nach einem sehr
langen Aushandlungsprozess auf ein geeignetes Grundstück geeinigt werden. Diese Fläche
hat den großen Nachteil, dass sie nicht befestigt ist. Das heißt, die große Aufgabe der Ju-
gendlichen und der Partner wird es sein, die entsprechenden Mittel zu besorgen. Hier gilt
es, in nächster Zeit verschiedenste Aktivitäten – auch mit Hilfe der Stadt – in die Wege zu
leiten.“
Hat sich Ihr Bild von Jugend verändert?
„Da ich selbst in einem Verein in Pegau sehr aktiv bin, kenne ich viele Jugendlichen, die sich
ohnehin engagieren. In dieser Hinsicht hat sich mein Bild nicht geändert. Ich kenne aber
auch andere Jugendliche. Mit Blick auf die Skatergruppe handelt es sich um sehr aktive
Kinder und Jugendliche, die sich überaus um ihre Sache bemüht haben und sich nicht durch
den einen oder anderen Rückschlag oder Misston aus der Spur bringen lassen haben. Die
Partner, also die Kirchgemeinde und das Flexible Jugendmanagement, waren gute Unter-
stützer und Begleiter. Denn ohne den Rückenhalt und ohne vorherige Absprache mit den
Partnern wäre ein so selbstbewusstes Auftreten der Jugendlichen mit Sicherheit nicht
möglich gewesen.“
Gunther Grothe
Leiter des Bauamtes
Stadt Pegau
(Landkreis Leipzig)

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In welchem Kontext sind Sie als kommunal Verantwortlicher mit dem Flexiblen Jugend-
management in Berührung gekommen?
„Die Stadt Lugau hat sich am Wettbewerb „MitmachPreis 2011“ beteiligt und mit dem Pro-
jekt „sCHILLer Platz“ gewonnen. Der Wettbewerb wurde durch den Landespräventionsrat
in Kooperation mit dem Kinder- und Jugendring Sachsen sowie dem Kreisjugendring Erz-
gebirge initiiert und war eingebettet in den Jugendbeteiligungstag: Was wollt ihr? - Mit-
bestimmung von Jugendlichen im Erzgebirgskreis, welcher am 11.Oktober 2011 in Oelsnitz
stattfand. Dieser Beteiligungstag wurde maßgeblich durch die Mitarbeiterinnen und Mit-
arbeiter des Flexiblen Jugendmanagements gestaltet und umgesetzt. Die Auswahl der
Preisgewinner erfolgte durch eine Jugendjury. Mit dem Preis wurde die Stadt dafür ausge-
zeichnet, dass sie die Potenziale von Jugendbeteiligung erkannt hat. Der „sCHILLer Platz“
wurde den Jugendlichen von der Stadt bewusst zentrumsnah zur Verfügung gestellt. Wir
haben die Erfahrung gemacht, dass es wichtig ist, junge Menschen von Anfang an zu be-
teiligen und ihnen nicht nur vorgesetzte Verantwortung zu geben - auch wenn sich die
Interessen der Jugendlichen manchmal mit den Interessen der übrigen Bürger überschnei-
den. Den Platz haben die Jugendlichen selbst gestaltet: So entstanden in den letzten drei
Jahren eine Dirt-Strecke für BMX Räder, eine Skateanlage, deren Startrampe auf einem
ausgedienten Sparkassencontainer platziert ist, ein Basketballkorb, eine Tischtennisplatte
sowie viele Sitzgelegenheiten und Unterstellmöglichkeiten.“
Hat sich Ihr Bild von Jugend verändert?
„Nein, meine Wahrnehmung von Jugend hat sich vielmehr bestätigt bzw. bestärkt. Ich
denke, es ist wichtig, einen Rahmen zwischen den Polen „Machen-lassen“ und „Grenzen-
setzen“ abzustecken. Dabei sollte man auch immer im Blick haben, dass in der Jugendpha-
se das Ausprobieren dazugehört und für die Entwicklung normal ist. Insofern ist Toleranz
ein weiterer Aspekt. Vor diesem Hintergrund gibt es in Lugau einen regelmäßig stattfin-
denden „Jugendstammtisch“, bei dem junge Menschen mit kommunalen Verantwortungs-
trägern einen Dialog auf Augenhöhe führen können, um ihre Belange einzufordern – auf
der anderen Seite aber auch die Einwände anderer akzeptieren zu lernen.“
Thomas Weikert
Bürgermeister
Stadt Lugau
(Erzgebirgskreis)

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2.2
Das FJM aus der Perspektive zweier Landkreise
Wie schätzen Sie die Wirkung des Projektes hinsichtlich der Demokratiebildung bei jungen
Menschen ein?
„Der Bedarf für ein Unterstützungsinstrument – wie das Flexible Jugendmanagement – ist
ganz klar vorhanden. Mit dem Flexiblen Jugendmanagement geht eine Stärkung der über-
wiegend ehrenamtlich Tätigen beim Kreisjugendring Erzgebirge e. V. einher. Vor dem Hin-
tergrund der Zusammenführung von ehemals vier Kreisjugendringen und der damit ver-
bundenen Zentralisierung bedarf es bei der Größe des Landkreises hauptamtliche
Ansprechpartner vor Ort. Hier konnte das Projekt eine wesentliche Unterstützung leisten.
Die Anbindung beim Kreisjugendring Erzgebirge e. V. als Dachverband der in der Jugend-
arbeit tätigen Vereine und Verbände war und ist die richtige Entscheidung: Denn dies ist
ein wichtiger Ort der Demokratiebildung – hier werden Prozesse in Gang gebracht sowie
junge Menschen zum Nach- und Mitdenken angeregt. Insbesondere innerhalb von Aktio-
nen und Projekten mit Beteiligungscharakter erleben Jugendgruppen Erfahrungen im
Kontext von Demokratiebildung. Gleichwohl sich die Komm-Struktur in der Praxis als
schwierig erwiesen hat, haben wir die Erfahrung gemacht, dass interessante Projekte gut
geeignet sind, junge Menschen zu erreichen und zum mitwirken zu gewinnen.“
Ist aus Ihrer Sicht eine Einbindung des FJM in die Jugenhilfeplanung des Landkreises vor-
stellbar?
„In der aktuellen Jugendhilfeplanung des Landkreises ist eine Stelle im Rahmen des Flexi-
blen Jugendmanagements vorgesehen. Ferner ist eine Weiterführung im Zuge der Fort-
schreibung geplant. Vorbehaltlich einer Weiterfinanzierung durch den Freistaat Sachsen
könnte der für eine landkreisweite Umsetzung notwendige Stellenumfang erhalten werden,
was wünschenswert wäre.“
Wie schätzen Sie die Wirkung des Projektes hinsichtlich der Demokratiebildung bei jungen
Menschen ein?
„Im Flexiblen Jugendmanagement wurden eine Reihe von Beteiligungsprozessen initiiert
und umgesetzt In diesen Prozessen konnten demokratische Entscheidungen durch die
Jugendlichen selbst getroffen werden. Gerade durch das Aufstellen und das Einhalten von
Regeln machen die jungen Menschen eine wichtige Selbsterfahrung: Am Tun merkt man,
wie schwierig oftmals demokratische Entscheidungen sind. Aber insbesondere dadurch
werden demokratische Prozesse auf anderen Ebenen nachvollziehbar und die Jugendlichen
können ein Verständnis dafür entwickeln. Mit dem Einbringen ihrer eigenen Ideen wird
den jungen Menschen aufgezeigt, dass Beteiligung lohnenswert ist: Durch mein Einbringen
kann ich eine Veränderung im Gemeinwesen bewirken – ich kann das umsetzen, was mir
gefällt.“
Ist aus Ihrer Sicht eine Einbindung des FJM in die Jugenhilfeplanung des Landkreises vor-
stellbar?
„Die Jugendhilfeplanung des Landkreises ist ausgehend vom Bedarf flexibel. Das Jugend-
amt ist bemüht, das Projekt Flexibles Jugendmanagement nachhaltig zu gestalten, wobei
eine weitergehende Kofinanzierung durch den Freistaat wünschenswert wäre.“
Matthias Weisbach
Leiter Sachgebiet „Kindertagesstätten/
Jugendarbeit“
Landkreis Erzgebirgskreis
Dörte Hoh
Fachberatung
§§ 11 bis 14 SGB VIII
Landkreis
Sächsische Schweiz-Osterzgebirge

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| 11
2.3
Das FJM aus der Perspektive zweier Kreisjugendringe
Ist die Intention des FJM aufgegangen? (Was hat aus Ihrer Sicht funktioniert, was hat weni-
ger funktioniert?)
„Es kann konstatiert werden, dass das Flexible Jugendmanagement sich in den vergange-
nen drei Jahren sehr gut im Landkreis Meißen etabliert hat. Das FJM stärkt die Arbeit des
KJR als Dachverband für Jugend- und Jugendverbandsarbeit, indem durch die beiden Kol-
leginnen personelle - dadurch zeitliche und fachliche Ressourcen - für die Aktivierung und
Begleitung ehrenamtlichen Engagements zur Verfügung stehen. Das FJM ist heute ein
fester Bestandteil der KJR-Arbeit und nahezu unverzichtbar geworden, wenn es darum
geht, kurzfristige ehrenamtliche Projekte zu begleiten und zu unterstützen bzw. in Punkto
Toleranz- und Demokratievermittung. Der KJR wie auch das FJM profitieren gegenseitig
voneinander. Das FJM kann auf die bestehenden Netzwerkstrukturen, die durch den KJR
aufgebaut und gepflegt werden (Mitgliederversammlung, Arbeitsgemeinschaften der
Fachkräfte im Landkreis, landespolitische Netzwerke etc.), zurückgreifen und der KJR kann
gemeinsam mit dem FJM u. a. Ehrenamt beraten, fördern und landkreisweite Projekte be-
gleiten und weiterentwickeln.
Die KOMM-Struktur hat sich durch die verstärkte Fokussierung auf die Presse- und Öffent-
lichkeitsarbeit in der Anfangsphase als gut umsetzbar erwiesen. Sicherlich verstehen wir
KOMM-Struktur nicht im Sinne von „immer reell über die Türschwelle kommen“. Vielmehr
bedeutet Kommen, dass Jugendliche und junge Erwachsene um das Angebot des FJM
wissen und es telefonisch, per Internet oder auf anderen Wegen anfragen und daraus dann
ein weiterführender Kontakt entsteht. Das setzt die Initiative der Nutzerinnen und Nutzer
voraus und fördert somit eigenständiges Handeln und Engagement.
Die Etablierung des FJM als ergänzendes und unterstützendes Angebot ist geglückt. Trotz
anfänglichen Misstrauens der etablierten Jugendhilfestrukturen im Landkreis konnte
schnell und sicher eine Abgrenzung zur klassischen Jugend- und Jugendverbandsarbeit
getroffen werden. Das FJM beinhaltet keine Beziehungsarbeit! Das FJM berät und unter-
stützt und leitet im Idealfalle eine Verstetigung des ehrenamtlichen Engagements in Form
einer Vereinsgründung o. ä. ein. Danach kann es möglich sein, dass der neu gegründete
Verein sich dem KJR als Dachverband anschließt. Danach geht die kontinuierliche Betreu-
ung und Beratung unserer Mitglieder weiter. Ebenso unterstützt das FJM einzelne Projekte
durch eigenständige fachliche Inputs zu Themen wie Toleranz und Demokratiebildung.
Das FJM kooperiert mit den bestehenden Mitgliedsstrukturen sowie mit anderen Vereinen,
Gruppen und Verbänden im Landkreis, die evtl. noch nicht im KJR angegliedert sind, und
bringt dadurch die Jugendlichen bzw. Heranwachsenden mit den Strukturen des KJR in
Kontakt.
Das FJM leistet einen unschätzbaren Beitrag bezüglich Demokratiebildung und zur Aufklä-
rungsarbeit bzgl. aktueller rechtsextremistischer Tendenzen im Landkreis und ist gegen-
wärtig stärker denn je für entsprechende themenspezifische Informationsveranstaltungen,
Aufklärungsworkshops, von Jugendlichen und Jugendvereinen/-verbänden (Junge Ge-
meinden, Offene Jugendhäuser…) angefragt. Das FJM koppelt entlang artikulierter Bedar-
fe seine Kenntnisse der Projektarbeit mit vorhandenen Fachkräften und engagierten Ju-
gendlichen im gesamten Landkreis, entwickelt Projektideen mit und berät zu
Projektbeantragungen und leistet dadurch wiederum vernetzende Arbeit.
Da der KJR Meißen sehr stark wert legt auf die Abgrenzung zu bestehenden Projekten und
darauf, dass das FJM keine fehlenden Strukturen kompensieren kann, ist es schwer, wenn
hauptamtliche Fachkräfte in einigen Planungsregionen fehlen, dort an ehrenamtliche Ak-
teurinnen und Akteuren heranzukommen. Falls das Projekt FJM nicht über den Kontakt zu
Gemeindeverwaltungen oder andere Bindeglieder publik gemacht werden kann, fehlt der
Einstieg in die einzelnen Regionen.“
Ulrike Worbs-Reichenbach
Koordinatorin
Kreisjugendring Meißen e. V.

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Schätzen Sie ein, dass das FJM zu einer Stärkung des KJR beigetragen hat und wenn ja,
woran wird das aus Ihrer Sicht deutlich?
„Aus dem Projekt ergibt sich ein Mehrwert für den Kreisjugendring. Die Landkreisfläche
hat sich verdoppelt, die Koordinatorin ist nach wie vor allein. Mit den Jugendmanagern
können bestimmte Themen einfach ausführlicher bearbeitet werden. Insbesondere wenn
Anfragen zum Thema Rechtsextremismus kommen, stehen mit den Flexiblen Jugendma-
nagern kompetente Ansprechpartner zur Verfügung. Innerhalb des Kreisjugendringes
findet eine Kooperation statt. Der KJR kann die Ehrenamtlichen beraten und unterstützen,
die Flexiblen haben die Ressourcen, um Prozesse ein Stück weit zu begleiten, also zeitlich
abgeschlossene Prozesse im Bereich Ehrenamt können durch die Flexiblen Jugendmanager
begleitet werden. Das FJM ist mittlerweile in vielen Kommunen des Landkreises als Binde-
glied zwischen dem Kreisjugendring - der Netzwerkarbeit, politische Lobbyarbeit und
Beratung macht - und den Jugendlichen vor Ort - die noch nicht organisiert, aber trotzdem
ehrenamtlich engagiert sind - tätig. Einen extremen Zugewinn sieht der KJR Meißen auch
in der Unterstützung durch Recherche, der Umsetzung von diversen Schulungen und an-
deren Formen rund um das Thema Rechtsextremismus. Gerade im Landkreis Meißen sind
in einigen Regionen rechtsextreme Strukturen stark präsent sind. Dem gilt es mit dem FJM
einen starken Gegenpol zu bieten. Mittlerweile werden die Mitarbeiterinnen des FJM u. a.
von Jugendgruppen der Evangelischen Jugend, von Fachkräften der Jugendarbeit, von
Jugendlichen, die sich mit diesem Thema z. B. innerhalb der Jugendfeuerwehr oder der
THW-Ortsgruppe auseinander setzen wollen, zu zahlreichen Workshops, Filmbesprechun-
gen oder zu Beratungen angefordert.“
Ist die Intention des FJM aufgegangen? (Was hat aus Ihrer Sicht funktioniert, was hat weni-
ger funktioniert?)
„Die spezifischen Projekt-Rahmenbedingungen und erforderliche vorbereitende Aktivitä-
ten des Flexiblen Jugendmanagements erfordern einen hohen Zeitaufwand und begrün-
den unter anderem eine längere Projektlaufzeit als die gegebenen 19 Monate:
Flächenhafte Ausdehnung des Landkreises erfordert eine hohe Mobilität der Mitar-
beiter sowie der interessierten Jugendlichen (bessere Erreichbarkeit über zwei Stand-
orte)
Strukturelle Unterschiede im Bereich der Jugendhilfe sowie regionale Besonderheiten
innerhalb des Landkreises
Zeitintensive Recherchen zur aktuellen Angebotsstruktur der Jugendhilfe im Land-
kreis, vorhandene Jugendtreffs, -gruppen und -vereinen und dem jeweiligen Bedarf
Erarbeitung einer fundierten Übersicht zu finanziellen Fördermöglichkeiten für Pro-
jekte von Jugendlichen (fehlende Projektmittel zur Anschubfinanzierung)
Regelmäßige, zielgruppenorientierte Öffentlichkeitsarbeit zur Bekanntmachung des
Projekts notwendig (Kommunikation der Chancen, Arbeitsansätze und Rahmenbe-
dingungen)
Gespräche zu Chancen und Risiken der Zusammenarbeit, Zuständigkeiten, Koopera-
tionsmöglichkeiten sowie Abgrenzung der Aufgabenbereiche mit anderen Trägern
der Jugendhilfe
Ausloten unterschiedlicher Zugangswege zu Jugendlichen und Jugendinitiativen
(persönliche Ansprache, Nutzung neuer Kommunikationsmedien)
Die Themenvielfalt der Projektanfragen von Jugendlichen erfordern eine große Bandbrei-
te an fachlichen und fachübergreifenden Kenntnissen sowie Erfahrungen der Mitarbeiter
des Flexiblen Jugendmanagements bzw. Kooperation mit anderen Bereichen der Jugend-
arbeit, z.B. Jugendverbandsarbeit. Als beispielhafte Projektthemen seien benannt:
Rolf Adam
Koordinator
Jugendring
Oberlausitz e. V.

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Unterstützung bei der Ideenfindung und Projektumsetzung für Freizeitaktivitäten
von Jugendlichen für Jugendliche
Beratung und Begleitung beim Aufbau von Beteiligungsmöglichkeiten in der Gemein-
de
Mitgliedergewinnung; Nachwuchsakquise in Jugendclubs
Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten zum Erhalt bzw. Aufbau von Jugendclubs
bzw. –vereinen
Organisatorische Beratung bei der Planung von Jugendarbeit im Verein
Unterstützung bei der Beantragung von Projektmitteln u.ä.
Die Feststellungen, dass
insbesondere im ländlichen Raum jugendspezifische Angebote und jugendkulturel-
le Gelegenheiten nur mangelhaft vorhanden sind bzw. ganz fehlen,
es immer weniger junge Menschen gibt und demzufolge auch die Anzahl derer sinkt,
die selbst Initiative ergreifen
und die Einführung eines landesweiten Projekts mit klingendem Namen als Antwortversuch
darauf, um diesen Missstand zu beheben, schafft noch lange keine Problemlösung oder
Abhilfe bestehender Missstände. Das Flexible Jugendmanagement, in 5 Landkreisen Sach-
sens installiert, eint das Programm und den Namen, aber längst keine einheitliche Umset-
zung. Berücksichtigt man die regionalen Besonderheiten, unterschiedlichen Startbedin-
gungen sowie das Selbst- und Projektverständnis der Umsetzenden, wird schnell deutlich,
dass es nicht das Flexible Jugendmanagement gibt. Von den Erfahrungen der bereits 2009
gestarteten Modellprojekte in Sachsen ließ sich daher auch nur bedingt profitieren.
Die alles bestimmende Frage war und ist noch jene: nach der Erreichbarkeit der Jugendli-
chen und den Zugangswegen. Auf der einen Seite sollen die Jugendlichen eigenständig
den Weg zu uns finden, nicht auf Angebote reagieren, sondern selbst agieren und Bedarfe
mitteilen, auf der anderen Seite, wie sollen sie jemanden ansprechen, von dessen Existenz
sie gar nicht wissen. Hinzu kommt das fehlende Vertrauen in die ernstgemeinten Hilfeab-
sichten offizieller Stellen, die nicht selten auf konkreten Erfahrungen der letzten Jahre be-
ruhen. Einige Initiativen äußerten sich zu diesem Thema. Sie haben aufgrund negativer
Erlebnisse aufgegeben nach Unterstützungsmöglichkeiten zu fragen und sich stattdessen
(mal mehr, mal weniger erfolgreich) selbst gekümmert.
Die Gespräche mit Jugendlichen im Landkreis offenbarten gravierende Unterschiede zwi-
schen Süd, Mitte und Nord hinsichtlich des Vorhanden- und Bekanntseins verlässlicher
Ansprechpartner zu Belangen junger Menschen. Sicherlich u.a. geschuldet der Kreisge-
bietsreform und den unterschiedlichen strukturellen Bedingungen in der Jugendhilfe vor
2008, kommen im ehemaligen NOL-Kreis die Jugendlichen offener und unvoreingenom-
mener auf uns zu, nicht selten durch Hinweise und Altkontakte zu ehemaligen Verantwort-
lichen der präventiven Jugendhilfe.
Die Anliegen der Jugendlichen sind vielfältig und drehen sich zu Beginn der Kontakte meist
um die finanzielle Absicherung von Ideen, Projekten und Räumen. Erst im zweiten Schritt,
wenn ein ernsthaftes Interesse an den Belangen der Jugend erfahren wird, kommen ande-
re, tiefergehende Fragen, Probleme und Missstände ins Gespräch. Das weist darauf hin,
dass eine projektbezogene, zeitlich eingegrenzte Zusammenarbeit möglich, aber nicht
ohne Beziehungsarbeit umsetzbar ist. Nur selten konnten bisher Anfragen der Jugendlichen
mit einem einzigen Telefonat oder Termin für beide Seiten zufriedenstellend beantwortet
werden.

| 14
Ein neues Projekt wie das Flexible Jugendmanagement ist nicht nur in der Startphase, aber
besonders dann, auf bestehende Strukturen, vorhandene Angebote und etablierte Träger
der Jugendhilfe angewiesen. Als zusätzliches, ergänzendes Angebot in der Kinder- und
Jugendarbeit kann und soll es nur dort greifen, wo Bedarfe augenscheinlich sind und an-
gemerkt werden. Neben den Jugendlichen selbst, können auch Interessierte aus den Ge-
meinden und Akteure der Jugendhilfe diese mitteilen. Das Interesse wurde zwar vielerorts
bekundet und Zusammenarbeitswünsche artikuliert, aber konkretes Handeln blieb bis auf
wenige Ausnahmen bisher aus. Diese Erfahrungen weisen auf die Notwendigkeit eines
offensiveren Auftretens unsererseits hin. Die persönliche Ansprache und Vorstellung wer-
den im weiteren Projektverlauf darum forciert und ausgebaut.
Mit Blick auf die Zielgruppe der Jugendlichen und Jugendinitiativen widerspricht eine
derartige Vorgehensweise den Grundsätzen der Projektidee, insbesondere der Kommstruk-
tur. Das Flexible Jugendmanagement reagiert auf Anfrage, d.h. Jugendliche kommen mit
ihrer Idee auf uns zu und holen sich eine zeitlich begrenzte, projektbezogene Unterstüt-
zung nach Maß. Nach dem Motto: „Eigene, handgemachte Ideen leben länger“, greift die-
ser Ansatz vielfältige Erkenntnisse zur Persönlichkeitsentwicklung und Jugendkulturarbeit
auf. Er fordert und fördert kreative Strategien in der Zielerreichung, der Ideenumsetzung,
der Projektwege und der Kommunikation. Motivation, Durchhaltevermögen, Kreativität
und Problemlöseverhalten, Kooperationswille, Einsatzbereitschaft sowie Verantwortungs-
gefühl sind nur einige der Fähigkeiten, die nachhaltig erworben und gefestigt werden,
wenn intrinsisches Handeln den Anstoß für Projekte gibt.
Der Kommstruktur sollte unbedingt weiter nachgegangen werden, auch wenn die Etab-
lierung dieser, bei den Umsetzenden zunächst genau die Fähigkeiten voraussetzt, die sie
letztlich bei der Zielgruppe fördern soll. Die Umsetzung der Kommstruktur ist für alle Be-
teiligten eine große Herausforderung, die es nicht kurzfristig, aber langlebig zu entwickeln
gilt. Die im ersten Halbjahr des Projekts eingegangenen Anfragen bestätigten das Konzept
des Flexiblen Jugendmanagements, zeigte es doch das vorhandene Interesse und die Ak-
tivitäten von Jugendlichen und Jugendinitiativen im ländlichen Raum des Landkreises
Görlitz. Sowohl die Vielfalt der Ideen, als auch die räumliche Verteilung der Initiativen wa-
ren breitgefächert und für die Projektmitarbeiter eine große Anforderung an das mitge-
brachte know-how. Insbesondere durch die enge Verzahnung mit der Jugendverbandsar-
beit konnte dieses gewinnbringend eingesetzt und synergetisch genutzt werden. Eine
Zusammenarbeit, die sich bewährt sowie gegenseitig befruchtet.“
Schätzen Sie ein, dass das FJM zu einer Stärkung des KJR beigetragen hat und wenn ja,
woran wird das aus Ihrer Sicht deutlich?
„Der Jugendring Oberlausitz e.V. hatte bereits sehr frühzeitig sein Interesse an der Durch-
führung des Flexiblen Jugendmanagements im Landkreis Görlitz bekundet. Die Ausge-
staltung der bestehenden Jugendhilfestruktur im ehemaligen Landkreis NOL und später
im neuen Landkreis Görlitz boten nicht genügend Kapazitäten, um ehrenamtliche Jugend-
gruppen, -initiativen und -clubs ausreichend und intensiv zu unterstützen. Im stark ländlich
geprägten Landkreis Görlitz war es trotz zahlreicher Projekte nicht möglich, eine flächen-
deckende Versorgung zu gewährleisten. Diese strukturelle Benachteiligung fand in der
bisherigen Förderung kaum Berücksichtigung. Das bedeutete für Jugendliche in einigen
ländlichen Regionen, wenn sie nicht selbst aktiv werden, haben sie auch keine Möglichkei-
ten, Angebote der Jugendarbeit zu nutzen. Sie sind also gezwungen, sich ihre Freizeit selbst
zu organisieren. Genau an dieser Stelle sehen wir den größten Unterstützungsbedarf, der
durch das Flexible Jugendmanagement abgedeckt werden kann. Leider sind wir erst im
Juni 2011 in den Genuss einer Förderung bekommen, so dass der Zeitraum, in dem sich das
Projekt entfalten konnte, noch sehr gering ist.

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Bereits jetzt kann man aber feststellen, dass die Arbeit der Projektmitarbeiter auch Syner-
gieeffekte für die Verbandsarbeit hat. Durch die Arbeit der Mitarbeiter erfolgte eine aktu-
elle Bestandserhebung der ehrenamtlichen Jugendclubs. Bei den angefragten Kontakten
konnte in den darauffolgenden Gesprächen immer wieder festgestellt werden, dass es bei
den Clubs und Initiativen meist auch immer Probleme beim Vereins- und Steuerrecht gab.
Dies erforderte wiederum einen erhöhten Beratungsbedarf durch die Verbandsarbeit. Die
Kontakte führten weiter auch dazu, dass vor Ort intensiver über die Möglichkeiten der
Jugendhilfe informiert werden konnte und diese so praktischer wahrgenommen wurden,
als über die bisher üblichen Wege der Öffentlichkeitsarbeit. Das führte auch zu mehr Ver-
ständnis über die Verbandsarbeit und damit auch die Arbeit des Dachverbandes. Es gab
einigen Vereinen den Anlass, einen Antrag um Aufnahme in den Jugendring Oberlausitz
e.V. zu stellen. Die Erkenntnisse des Flexiblen Jugendmanagements helfen dem Jugendring
Oberlausitz e.V. bei der Ausrichtung seiner inhaltlichen Arbeit bis hin zur Planung entspre-
chender Weiterbildungsangebote für Ehrenamtliche. Die aufgenommenen Bedarfe können
in dem Prozess der Jugendhilfeplanung mit eingebracht werden und liegen somit näher
an den Interessen der Zielgruppe.
Das Flexible Jugendmanagement hält bei seiner Arbeit die Kontakte zu anderen Trägern
der Jugendarbeit und ist intensiv in die bestehenden Netzwerke im Landkreis eingebunden,
u.a. auch dem Demokratienetzwerk. Das ermöglicht auch die Inhalte der Verbandsarbeit
beständig mit einzubringen und natürlich auch wieder Rückkopplungen für die eigene
Arbeit der Verbandsarbeit zu ziehen. Das befördert eine bessere Interessenvertretung der
Mitglieder. Das ist bei der sehr geringen Förderung der Verbandsarbeit im Landkreis eine
enorme Unterstützung. Die enge Vernetzung des Projektes Flexibles Jugendmanagement
mit der Verbandsarbeit ergibt sich schon aus den fließend übergehenden Aufgaben- und
Problemfeldern. Von daher werden dabei beide Seiten gestärkt.“

| 16
3 Evaluationsergebnisse
3.1
Zentrale Fragestellungen - Thesen
Bei der Erarbeitung und Umsetzung des Konzeptes zum FJM orientierten wir uns an fol-
genden vier Thesen:
a)
Wenn junge Menschen um Unterstützungsmöglichkeiten hinsichtlich der Umsetzung
ihrer Ideen und kulturellen Bedürfnisse wissen, nehmen sie diese auch wahr – sofern
sie genügend motiviert sind.
b)
Junge Menschen brauchen ideenbezogene Ermutigung sowie situationsbezogene
Unterstützung bei der Umsetzung ihrer kulturellen Bedürfnisse.
c)
Wenn Jugendliche voneinander wissen, können sich subkulturelle Gemeinschaften
bilden.
d)
Die Angebotsstrukturen der Kinder- und Jugendringe benötigen sachbezogene
Informationen zu den kulturellen Bedürfnissen von jungen Menschen sowie eine
situationsbezogene Fachberatung.
Von diesen Thesen leiteten wir Rahmenziele ab, die innerhalb der fachlichen Projektbeglei-
tung zu überprüfen waren. Diese Ziele orientieren sich prozesshaft am zeitlichen Verlauf
des Projektes (z.B. Rahmenziel 1 ist vordergründig in der ersten Projektphase relevant). Auf
der Grundlage der klassischen Zielpyramide entwickelte das Landesjugendamt ein Instru-
ment, mit dem die Zielerreichung und damit die Wirksamkeit des FJM überprüft werden
kann:
Rahmenziel
=
Schwerpunkte
(Was soll erreicht werden?)
Handlungsziel = Inhalte
(Wie und mit welchen Mitteln soll das erreicht werden?)
Kriterien = Ergebnis
(Woran wird deutlich, dass das Ziel erreicht ist?)
strukturell
(Was wurde gemacht?)
methodisch
(Wie wurde es gemacht?)
Abbildung 2: Instrument zur Überprüfung der Zielerreichung, LJA 2009

| 17
3.2
Überprüfung der Rahmenziele
3.2.1
Rahmenziel 1: Jungen Menschen sind die Unterstützungsmöglichkeiten durch das
FJM besser bekannt. Die Fachkräfte des FJM verstehen sich als sozialräumliche
Netzwerker.
Das FJM startete im Jahr 2009 als ein neues Projekt und vorerst an drei Pilotstandorten; in
den Landkreisen Erzgebirgskreis, Meißen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.
7
Dass
ein neues Projekt einer intensiven Öffentlichkeitsarbeit bedarf, um bekannt zu werden und
dies eine wesentliche Grundlage für den weiteren Projektverlauf und letztendlich für die
Zusammenarbeit mit den Zielgruppen ist, war allen am Projekt Beteiligten von Beginn an
bewusst. Darüber hinaus basiert das FJM auf einer Komm-Struktur und kann dementspre-
chend Adressaten nur dann erreichen, wenn diesen bewusst ist, dass es Unterstützungs-
möglichkeiten durch das FJM gibt. Somit war in der Startphase oberstes Ziel, das Projekt in
den Landkreisen bekannt zu machen.
Alle Standorte verfügen über eine Homepage:
Erzgebirgskreis:
http://www.kjr-erz.de/
Meißen:
http://kjr-meissen.de/flexiblesjugendmanagement/index.html
Sächs. Schw.-Osterzg.:
http://www.jugend-ring.de/
Görlitz:
http://www.flexjuma.jugendring-oberlausitz.de/
Leipzig:
http://www.fjm-lkleipzig.de/home/
Die öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten in den Pilotprojekten waren sehr vielfältig: So
wurden Flyer, Postkarten, Plakate, Visitenkarten, give-aways etc. entwickelt und an ver-
schiedene Zielgruppen (Kinder und Jugendliche, Bürgermeister und andere politisch Ver-
antwortliche, Institutionen innerhalb und außerhalb der Jugendhilfe u.a.) verteilt, um einen
Zugang zu erhalten.
Zahlreiche Veröffentlichungen in lokalen, regionalen und überregionalen Printmedien,
welche diesem Bericht als Anhang beigefügt sind, dokumentieren die Pressearbeit. Im Pi-
lotprojekt des Erzgebirgskreises wurde unter anderem auch das Medium Radio genutzt,
um auf das Projekt aufmerksam zu machen.
„Durch bestehende Netzwerke und Kooperationen konnte
das Projekt bekannt gemacht werden und erste Anfragen erreichen uns.“
(Team des FJM im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Januar 2010)
Daneben erfolgte die persönliche Vorstellung des Projektes durch die darin beschäftigten
Fachkräfte in Jugendclubs, bei Bürgermeistern, in Arbeitsgruppen und Kooperationsver-
bänden der Jugendhilfe und bei Jugendstammtischen. Die Vorstellung hatte einen dop-
pelten Effekt: Zum Einen lernten die Projektmitarbeiter die Angebote und Fachkräfte im
Landkreis kennen, zum Anderen konnten sich die Fachkräfte (ebenso wie Kinder und Ju-
gendliche) über die Intentionen des Projektes informieren. Damit verbinden sie das Projekt
mit Gesichtern. Diese Gespräche wurden ferner genutzt, um das neue Projekt in bestehen-
de Netzwerke zu integrieren. Durch die Informationen ergaben sich konkrete Nachfragen
seitens junger Menschen, aber auch von in der Jugendhilfe Beschäftigten bezüglich Un-
terstützung und Beratung.
Anzumerken ist, dass bei Vorstellungsrunden mit potentiellen Kooperationspartnern und
bei kommunalpolitischen Entscheidungsträgern oftmals nach der Laufzeit des Projektes
und die damit verbundene Nachhaltigkeit gefragt wurde.
7
Im Jahr 2011 sind die Landkreise Leipzig und Görlitz hinzugekommen.

| 18
„Zu Beginn unserer Arbeit war es wichtig, sich [...] den freien Trägern des Landkreises
vorzustellen und ihnen die Konzeptinhalte des Flexiblen Jugendmanagements zu
vermitteln sowie Vorbehalte abzubauen.“
(Team des FJM im Landkreis Meißen, Januar 2010)
Retrospektiv betrachtet waren insbesondere die persönlichen Vorstellungen bei den haupt-
amtlich in der freien Jugendhilfe Beschäftigten außerordentlich wertvoll; dadurch konnten
Vorbehalte (FJM als Konkurrenz zu bestehenden Angeboten) ab- und Vertrauen aufgebaut
werden.
Durch die Klarstellung, dass das FJM als ergänzendes Unterstützungsangebot ar-
beitet und keine vorhandenen Strukturen ersetzen soll, wurde es zunehmend als Ressour-
ce erkannt und wahrgenommen
. Dabei gibt es in allen Landkreisen regionale Unterschie-
de.
Insgesamt ist einzuschätzen, dass Multiplikatoren und junge Menschen das Angebot des
FJM annehmen und sich gemeinsame Vorhaben entwickelten.
Positiv ist die Erkenntnis, dass das FJM unterstützend bei vom SMS initiierten Projekten im
Bereich der Demokratiebildung, z.B. Hoch vom Sofa innerhalb des Programms „TeilHABE
ist mehr als TeilNAHME“, mitwirkte. Mit Hilfe diese Verknüpfung ergeben sich aus Sicht der
Fachbehörde wertvolle Synergien.
Fazit:
Durch die professionelle Umsetzung der Öffentlichkeitsarbeit ist es in allen Pro-
jektstandorten gelungen, jungen Menschen sowie Fachkräften die Unterstützungs
möglichkeiten, welche durch das FJM vorhanden sind, bekannt zu machen. Das
Angebot des FJM wird angenommen. Es ist erkennbar, dass die Projektmitarbeiter
in Netzwerke eingebunden sind. Sowohl die örtlichen Planungsträger als auch die
Anstellungsträger kommen übereinstimmend zu der Einschätzung, dass das
avisierte Rahmenziel vollumfänglich erreicht wurde.
3.2.2
Rahmenziel 2: Die Interaktion zwischen den Fachkräften im FJM und der
Zielgruppe findet statt.
„Erst wenn die Jugendlichen mit dem Namen ein Gesicht verbinden, dann rufen sie an.“
(Team des FJM im Erzgebirgskreis, Januar 2010)
Diese Zielstellung steht in einem unmittelbaren Zusammenhang mit dem zuvor beleuch-
teten Rahmenziel. Resultierend aus der breit angelegten Öffentlichkeitsarbeit wird seitens
aller Praktiker eingeschätzt, dass das Projekt beim Großteil der Jugendlichen im jeweiligen
Landkreis bekannt ist. Das Projekt basiert konzeptionell auf einer Komm-Struktur, das heißt:
Grundsätzlich sollen die jungen Menschen den ersten Schritt machen und den Kontakt zu
den Projektmitarbeitern aufnehmen. Dass dies nur funktioniert, wenn neben dem Projekt
auch die dahinter stehenden Personen bekannt sind, wurde im bisherigen Verlauf deutlich.
Trotz dieser umfänglichen Öffentlichkeitsarbeit war es somit in der Praxis zunächst unum-
gänglich, Zugangsschwellen bei den jungen Menschen abzubauen. Es zeigte sich, dass es
in der Anfangsphase sinnvoll und erforderlich war, mit Jugendlichen direkt vor Ort in Kon-
takt zu kommen. Dementsprechend wurden in den Pilotprojekten verschiedene Methoden
herausgearbeitet, um mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. Dieses gegenseitige
Kennenlernen war notwendig, um die Komm-Struktur zu aktivieren. Nunmehr wird seitens
der Praktiker eingeschätzt, dass die Jugendlichen in der Lage sind, ihre Ideen selbst zu
artikulieren und um Unterstützung bei den Fachkräften des FJM anzufragen. Gleichwohl
erfolgt der Zugang zur Interaktion oftmals noch über haupt- oder ehrenamtlich in der Ju-
gendhilfe Beschäftigte, die den Jugendlichen bereits bekannt sind. Ein Indiz dafür ist auch
die Aussage einer Jugendamtsmitarbeiterin, welche in ihrer Einschätzung so weit geht, „[...]
dass nur über die Interaktion zwischen den Fachkräften des FJM und den Angebotsstruk-
turen – oft auch über den Kreisjugendring hinaus – überhaupt die Interaktion zwischen

| 19
den Flexiblen Jugendmanagern und den Jugendlichen zustande kommt.“ (Mitarbeiterin
eines Jugendamtes, Mai 2010). Es gibt aber auch Einschätzungen, dass die Idee des Kon-
zeptes von Beginn an grundsätzlich funktioniert hat: „Womit wir nicht unbedingt so ge-
rechnet haben, weil wir diesem Punkt zu Anfang auch etwas kritisch gegenüber standen,
ob sich Jugendliche tatsächlich selbst auch an das Flexible Jugendmanagement wenden.
Wir haben aber wirklich ganz konkrete, auch landkreisweite Situationen, wo sich tatsächlich
Jugendgruppen ganz selbständig an die Jugendmanager gewandt haben – was nicht un-
bedingt so zu erwarten war.“ (Mitarbeiterin eines Jugendamtes, Mai 2010).
Als sehr nutzbringend hat es sich erwiesen, die Fachkräfte des FJM bei den Kreisjugendrin-
gen anzubinden. Diese Träger sind bereits in Netzwerke integriert und verfügen damit über
eine Vielzahl von Ansprechpartnern. Insbesondere über innerverbandliche Strukturen
gelingt es gut, Jugendliche über das Angebot des FJM zu informieren und eine unkompli-
zierte Weiterleitung zu vermitteln.
Der Umfang einer Interaktion mit den Jugendlichen ist verschiedenartig: Dabei macht es
einen großen Unterschied, ob beispielsweise gemeinsam eine Konzeption für ein Schüler-
café entwickelt wird, wofür mehrere intensive Arbeitsschritte notwendig sind, oder ob
lediglich ein einmaliger Beratungsbedarf an die Projektmitarbeiter herangetragen wird.
Die Spanne in den Projektstandorten reichte weit: Von einer reinen Vermittlerfunktion bis
zu einer kurzzeitigen Begleiterfunktion mit intensiven Kontakten zu den Jugendlichen.
Insbesondere durch das Initiieren von Projekten, z.B. DOMINO im Erzgebirgskreis, bieten
sich jedoch hervorragende Gelegenheiten, mit den Jugendlichen in Kontakt zu treten.
Die Anliegen, mit denen sich Jugendliche an die Fachkräfte gewandt haben, waren sehr
vielschichtig:
In Meißen suchte eine Jugendgruppe für sich eine Skaterhalle, um zu trainieren. Hier
unterstützen die Jugendmanager die Gruppe dabei, geeignete Räumlichkeiten zu
finden.
In Strehla wurde einer Jugendgruppe bei der Erstellung eines Finanzierungskonzepts
für ein Sommerfestival geholfen.
Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge wurde gemeinsam mit Jugendlichen
eine Zukunftswerkstatt unter dem Motto „Orte ändern dich“ durchgeführt.
Im Erzgebirgskreis baten Jugendliche häufig um Unterstützung bei der Planung von
Aktivitäten, u.a. in rechtlichen und finanziellen Belangen.
Ein weiterer Punkt, den die Projektmitarbeiter anstreben, ist die Vernetzung der Jugendli-
chen untereinander.
„[...] insbesondere im Elbe-Röder-Dreieck wird durch das FJM eine Vernetzung
der Jugendclubs angeregt, beginnend mit einem gemeinsamen Fußball- und
Volleyballturnier.“
(Mitarbeiterin eines Jugendamtes, Mai 2010)
Durch gemeinsame jugendeinrichtungsübergreifende Aktionen sollen die Kommunikation
und der Austausch Jugendlicher untereinander angeregt werden. Es bleibt abzuwarten,
ob die Ausgangsthese, wenn Jugendliche voneinander wissen, können sich subkulturelle
Gemeinschaften bilden, letztendlich trägt.
Fazit:
Die Komm-Struktur musste zunächst aktiviert werden. Die These, dass Beziehungs-
arbeit mit jungen Menschen Zeit und Kontinuität braucht, wird durch das Projekt
ausdrücklich bestätigt. Eine Anbindung der Fachkräfte des FJM bei den Dachver-
bänden ist angesichts der vorhandenen Kontakte förderlich für die Interaktion mit
der Zielgruppe. Den Jugendlichen bekannte Bezugspersonen, z.B. Jugendclubmit-
arbeiter, sind häufig Türöffner für die Interaktion mit den Fachkräften. Die Anliegen,
mit denen sich die Jugendlichen an die Fachkräfte wenden, sind sehr vielfältig.

| 20
3.2.3 Rahmenziel 3: Die Interaktion zwischen den Fachkräften im FJM und den Ange-
botsstrukturen der Kreisjugendringe/Pro Jugend e.V.
8
findet statt.
„Mit den Angeboten vom Jugendring findet eine sehr gute Zusammenarbeit statt, zum
Beispiel bei den Jugendleiterschulungen ist das Thema Demokratiebildung durch das FJM
ganz einfach vertreten.“
(Mitarbeiterin eines Kreisjugendringes, Mai 2010)
Die Angebotsstrukturen der Kinder- und Jugendringe benötigen sachbezogene Informa-
tionen zu den kulturellen Bedürfnissen von jungen Menschen sowie eine situationsbezo-
gene Fachberatung – so eine These, die unseren Konzeptüberlegungen zu Grunde lag.
In Auswertung der Experteninterviews ist festzustellen, dass durch das Einbinden der Pro-
jektmitarbeiter in Netzwerke von Beginn an das Zusammenkommen und der Austausch
mit anderen Professionellen gegeben waren. Hieraus entstanden in der Praxis erste Pro-
jekte. Die Ressourcen der Fachkräfte des FJM werden von den Untergliederungen der Kreis-
jugendringe genutzt.
„[...] gerade von den Vereinen wurde es angenommen, zum Beispiel haben sie
Fortbildungsangebote mit uns gemeinsam organisiert [...].Es gab auch schon sehr viele
gemeinsame Anknüpfungspunkte, wo man über Sachen gesprochen hat, die man
zukünftig gemeinsam machen könnte.“
(Mitarbeiter eines Kreisjugendringes, Mai 2010)
Durch das FJM ergibt sich zum Einen ein Mehrwert für die Projektträger, aber auch ein
Vorteil für die Jugendhilfestruktur des Landkreises durch den ergänzenden Charakter des
Angebotes: „Die [in anderen Aufgabenbereichen der Leistungsfelder §§ 11, 13 SGB VIII
angestellten, S.R.] Sozialarbeiter, vor allem auch die in großen Räumen unterwegs sind,
haben ihren Clubs [...] definitiv gesagt, wenn ihr Hilfe und Unterstützung bei größeren or-
ganisatorischen Dingen braucht, könnt ihr euch an das FJM wenden. Das ist insbesondere
für die Sozialarbeiter, die in größeren Räumen unterwegs sind, ein Stück Entlastung und
Unterstützung. Insgesamt ist das ein großer Vorteil, den das Projekt FJM bringt.“ (Mitarbei-
terin eines Kreisjugendringes, Mai 2010). Im Zuge der Verwaltungs- und Funktionalreform
sind die Landkreise flächenmäßig größer geworden; mithin sind die Wege für die Mitarbei-
ter der Kreisjugendringe erheblich länger. Die im FJM beschäftigten Mitarbeiter können
sich über die Grenzen der Altlandkreise hinaus einen Überblick über vorhandene Angebots-
und Einrichtungsstrukturen verschaffen – das ist eine große Chance des FJM, so die Ein-
schätzung der Anstellungsträger.
In den neu gefassten sächsischen Regelungen zur Jugendleiter-Ausbildung wurde erstma-
lig ein Modul zur Demokratiebildung verankert. Gegenstand dieses Ausbildungsmoduls
sind die Vermittlung von Methoden und Projekten zur Beteiligung von Kindern und Ju-
gendlichen, der Umgang mit verfassungsfeindlichen Erscheinungen und Tendenzen sowie
die Beurteilung dieser. Bei der inhaltlichen Ausgestaltung des in Rede stehenden Ausbil-
dungsmoduls wirken die Fachkräfte des FJM mit.
Eine Aussage zum strategischen Ziel des Projektes, mit der Stärkung der Jugendverbands-
arbeit die gesellschaftliche Teilhabe junger Menschen zu fördern, kann momentan noch
nicht getroffen werden, denn, so eine Mitarbeiterin eines Jugendamtes im Mai 2010: „[es]
braucht [...] einfach noch längere Zeit, um gute Strukturen hervorzubringen, die zur Stär-
kung der Jugendverbandsarbeit führen.“
8
Bis zum 31.12.2011 wurde das FJM im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge in Kooperation zweier Träger, dem Jugendring
Sächsische Schweiz-Osterzgebirge e.V. und dem Pro Jugend e.V., umgesetzt. Seit 01.01.2012 ist das FJM vollumfänglich beim Jugend-
ring angebunden.

| 21
Fazit:
Eine Kommunikation, Abstimmung und Kooperation zwischen den Fachkräften
des FJM und den Angebotsstrukturen der Kreisjugendringe findet in jedem Fall
statt. Die strukturelle Stärkung wirkt sich positiv auf die Arbeit der Dachverbände
aus.
3.2.4
Rahmenziele 4 und 5: Durch das FJM gelingt es, jugendaffine Angebote zu ermög-
lichen, zu unterstützen sowie zu begleiten. Mittels des FJM werden nachhaltige
Demokratiebildungsprozesse bei jungen Menschen angestoßen.
Anders als bei den vorstehend genannten Punkten, wird im Folgenden eine Zusammen-
stellung von Best-Practice-Projekten des Flexiblen Jugendmanagements in den jeweiligen
Landkreisen vorgenommen. Die Projektbeschreibungen und die Reflexionen erfolgen
direkt durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des FJM. Mittels der Praxisberichte soll
zum einen die Vielfältigkeit der Handlungsansätze illustriert werden, zum anderen soll
hieraus ableitend eine Zielüberprüfung erfolgen:
3.2.4.1 Praxisbericht des FJM Erzgebirgskreis – best practice
von Sina Bonitz, Isabel Knoch, Melissa Roscher und Oliver Seidel
Projekt „Cross over Trails“
Der erste Kontakt mit der Jugendgruppe „Cross over Trails“ entstand 2010 im Rahmen des
Jugendbeteiligungsprojekts Domino. Die damals 15 bis 19-jährigen Jugendlichen aus Dre-
bach bewarben sich mit ihrer Projektidee: Die Leidenschaft zum BMX-Fahren motivierte
die Jugendlichen auf einem privaten Gelände eine waghalsige BMX-Strecke zu errichten.
Das hohe Engagement für diesen Sport veranlasste die Jugendjury das Projekt „Cross over
Trails“ zu fördern. In den kommenden Wochen betreuten die flexiblen Jugendmanager das
Projekt in der Umsetzung. Dazu zählten Einkäufe der Baumaterialien und Tipps über die
Haftpflicht, wie z.B. das Anbringen von Warnschildern. Durch den niederschwelligen Zu-
gang entstand mit der Zeit eine Vertrauensbasis, so dass die Jugendgruppe das FJM kon-
taktierten als sich Nachbarn beim Referat Jugendhilfe (Jugendamt Erzgebirgskreis) über
die Strecke beschwerten (Komm-Struktur). Das Referat wusste von der temporären Betreu-
ung des Projekts durch das FJM und setzte sich mit den Mitarbeitern in Verbindung. Im
Zuge von Gesprächen mit der Jugendgruppe und dem Referat Jugendhilfe konnte das
Problem zeitnah gelöst werden. Die Mitarbeiter kontaktierten Bewohner der benachbarten
Crossstrecke und versuchten eine Vermittlerposition einzunehmen, um die Interessen der
Jugendlichen zu vertreten. Da die Gespräche von Seiten der Erwachsenen abgebrochen
wurden, entschlossen sich die Jugendlichen die Strecke zu verlagern. Eigenständig arran-
gierten sie erfolgreiche Gespräche mit dem Bauamt und dem Bürgermeister in Drebach.
Die Stecke kann auf ein kommunales Gelände verlegt werden. Der Bürgermeister beauf-
tragte eine Mitarbeiterin, die für die Kinder- und Jugendarbeit in der Gemeinde zuständig
ist, das Jugendprojekt zu betreuen und eine neue Gruppe jüngerer Menschen in das Projekt
zu involvieren. Die Gemeindemitarbeiterin, die mit dem FJM kooperiert, informierte die
Mitarbeiter des FJM. Darauf folgten Treffen mit den Jugendlichen, der Gemeindemitarbei-
terin und dem FJM. Zeitgleich wurde das Projekt „Jugend for Domino“ 2011 durchgeführt,
bei dem die Cross over Trails den ersten Platz belegten. Durch die finanzielle Zuwendung
konnte der „Umzug“ der Strecke gedeckt werden.
Die direkte Beteiligung der Jugendlichen an der Mitgestaltung ihres Lebensumfeldes er-
folgt über einen niederschwelligen Ansatz. Indem ihnen die Möglichkeit gegeben wird
eigene Ideen zu realisieren, beteiligen sie sich an der Gestaltung des Gemeinwesens. Das
Anliegen des Projekts ist es Jugendliche zu motivieren, sich für ihre Ideen einzusetzen und
das Projekt umzusetzen. Bei diesem fungierten die flexiblen Jugendmanager als Begleiter

image
image
| 22
und Ansprechpartner, wenn die jungen Menschen Unterstützungsleistungen benötigen
und diese anzeigen. Da es sich bei den „Cross over Trails“ um eine lose Jugendgruppe
handelt und das Engagement für den BMX-Sport vorhanden war, handelt es sich nicht im
klassischen Sinne um ein Angebot des FJM, sondern um eine Unterstützung bei situativen
Herausforderungen. Die Methoden beziehen sich auf eine motivierende Gesprächsführung
zwischen den Beteiligten, der Gruppenarbeit und Interessenvertretung. Es zeigte sich, dass
sich die Jugendlichen in dem Kleinprojekt ausprobieren, verwirklichen und Selbstkompe-
tenzen erlernen konnten, wie zum Beispiel Interessen, Meinungen und Ziele entwickeln
Die jungen Männer suchten eigenständig den Kontakt zum Bürgermeister sowie zum Bau-
amt, um ihre Probleme zu artikulieren. Erst bei Verunsicherung, z.B. Pachtvertrag für das
Gelände, baten sie beim FJM um Unterstützung. Darüber hinaus zeigte sich im Laufe der
Zeit, dass der Unterstützungsbedarf abnimmt, weil sie selbstständig und selbstverantwort-
lich ihr Projekt umsetzen. Die Jugendlichen bedanken sich für die Hilfe und äußerten „Es
ist gut, dass es so was gibt!“.
Durch die Kooperation mit den kommunalen Partnern ist es dem FJM möglich, die Jugend-
lichen zeitnah zu unterstützen und mit den ansässigen Vereinen vertraut machen. Für das
Jahr 2012 steht eine Zusammenarbeit mit den Jugendlichen im Rahmen von Domino sowie
die vertraglichen Regelungen mit der Gemeinde Drebach an.
Filmprojekt zum Thema Mobbing
im Jugendtreff Wolkenstein
Zu Beginn der Tätigkeit im FJM erfolgte die Kontaktaufnahme mit verschiedenen Mitglied-
sorganisationen des Kreisjugendring Erzgebirge e.V.. Dazu zählt unter anderem der Jugend-
treff Wolkenstein. Nach mehreren Besuchen und kleineren Unterstützungsangeboten
(Beantragung von Fördermitteln beim Referat Jugendhilfe; Unterstützung bei der Öffent-
lichkeitsarbeit etc.) wurde mit der Clubleitung (Vorstand) beschlossen, einen Workshop zu
organisieren, der den Nachwuchs des Clubs mit einbindet und frische, neue Ideen generiert.
Dazu veröffentlichte der Jugendtreff eine kleine Einladung im Stadtanzeiger Wolkenstein
und lud alle Mitglieder und andere Jugendliche des Ortes ein.
Der Verein „Wolkensteiner Jugendtreff“ besteht bereits seit 20 Jahren, hat natürlicherwei-
se mehrere Generationswechsel hinter sich und weiß, dass er sich um Nachwuchs intensiv
kümmern muss. Der Verein zählt zirka 40 Mitglieder, wovon ungefähr 20 aktiv dabei sind.
Vorrangig ist der Club Freizeittreff und Aufenthaltsort. Die älteren Jugendlichen organisie-
ren mehrmals im Jahr Discoveranstaltungen und Bandabende. Zu den Rahmenaufgaben
gehören zudem das Instandhalten und die Wartung der Clubräume (kleinere Reparaturen
und Renovierungsarbeiten). Weiterhin veranstaltet der Club die Wolkensteiner Sport- und
Fun-Tage: Ein Fuß- und Volleyballturnier, bei dem Freizeitmannschaften aus Wolkenstein
der Umgebung teilnehmen können. Die Jugendlichen finanzieren den Treff zu 100 % selbst,

image
| 23
erhalten von der Stadt etc. keine ideelle oder auch finanzielle Unterstützung. Sie beantra-
gen Fördergelder aus verschiedenen Töpfen und kontaktieren Sponsoren, wenn nötig.
Im November 2010 organisierte das FJM - auf Wunsch und in Absprache mit der Jugend-
treffleitung - eine Zukunftswerkstatt, an der sich 17 Teilnehmer und Teilnehmerinnen im
Alter zwischen 12 und 21 Jahren beteiligten: Diese Methode besteht aus mehreren Phasen.
Im Warm-Up versucht man, durch eine kleine Teamübung ein Vertrauensverhältnis und
Lockerheit herzustellen. In der Kritikphase, die hier mit Hilfe einer „Klagemauer“ durchge-
führt wurde, findet man heraus, was die Jugendlichen betrifft; sie bekommen den Kopf für
Neues frei. In der Phantasie- oder Spinn-Phase geht es darum, eine Gegenwelt zur Kritik
darzustellen. Diese wurde mit Hilfe eines Brainstormings zu „Was wünsche ich mir im Ju-
gendtreff“? durchgeführt. In der vorletzten, der Umsetzungsphase, wurde mit der Punkt-
entscheidung herausgefiltert, welche dieser Ideen am wichtigsten und auch realisierbar
sind. Den Ausstieg organisiert man mit einer Feedback-Runde zum Thema „Wie geht’s
weiter mit den Ideen?“.
Die Ergebnisse des Workshops im November ergaben, dass sich die Jugendlichen haupt-
sächlich ein Filmprojekt und gemeinsame Ausflüge, Club-Partys, Breakdance und weitere
Workshops wünschten. Gemeinsam einigten sich die Jugendlichen mit dem FJM darauf,
zwei dieser Wünsche schnell anzugehen: das Filmprojekt und den Breakdance Workshop
(auf letzteres wird hier aus Platzgründen nicht weiter eingegangen). In den darauffolgenden
Wochen und Monaten organisierte das FJM alle weiteren Projekttreffen zur Erstellung eines
Kurzfilms, in denen genau geschaut wurde, zu welchem Thema der Film sein soll, welche
Dinge für ein Filmprojekt benötigt würden (Ideensammlungen) und was in welcher Rei-
henfolge (Meilensteinplan) zu tun sei. Die Jugendlichen, die an diesem Projekt teilnahmen
(zirka 10, im Alter zwischen 12 und 21) füllten alle diese Pläne selbst mit Inhalten. So ent-
standen ein umfassender Projektmanagement-Plan mit eigenen Szenen (Storyboard), ei-
nem Drehplan, Ideen zur Entwicklung von Sound, Techniklisten und der Finanzierungspla-
nung.
Von Anfang des Jahres bis zirka März 2011 erfolgte eine spezifische Eingrenzung des Pro-
jekts (durch Kooperation mit der Diakonie Marienberg) und die Sponsorensuche begann
(Jugendliche liefen von Unternehmen zu Unternehmen, um ihr Anliegen vorzubringen).
Zeitgleich wurde ein Storyboard erstellt. Von Mai bis Juli 2011 wurden 10 Szenen gedreht.
Zudem konnten die Teilnehmenden Fachwissen und Fähigkeiten erlangen, indem sie an
einem Schauspiel-Workshop, einer Besichtigung des Erzgebirgsfernsehens und einem
Sound-Workshop teilnahmen. Im September/Oktober 2011 konnte der Film gemeinsam
mit dem Kooperationspartner „Mittleres Erzgebirgsfernsehen“ geschnitten und für die
Premiere vorbereitet werden, die dann im November 2011 (genau 1 Jahr nach Projektbe-
ginn) im Jugendtreff stattfand. Zirka 50 Besucher, Sponsoren, Eltern, Projektbeteiligte und
Freunde nahmen die „exklusive“ Einladung an.
Eine Mitarbeiterin des FJMs fungierte größtenteils als Begleiterin dieses Prozesses, der von
Anfang an als offener gehandhabt wurde. Dabei unterstützte sie die Jugendlichen bei der
Ideensammlung, Strukturierung, Planung und Umsetzung des Filmprojekts. Die Erstellung
des Kurzfilms erfolgte in vollkommener Eigenregie der Jugendlichen. In wöchentlichen
Workshops á 1,5 bis 2 Stunden wurden alle Punkte demokratisch besprochen und entschie-
den. Große Unterstützung benötigten die Jugendlichen bei Drehbuch und Szenenentwick-
lung, bei der Zusammenstellung von Technik und Sound, beim eigenen Dreh (Schauspie-
lerei) und beim Filmschnitt. Weitere Aufgaben des FJMs bezogen sich auf die
Kommunikation mit verschiedensten Projektpartnern (Schulsozialarbeit der Diakonie Ma-
rienberg; CVJM Computerclub Chemnitz; Theaterpädagogin; Band; Mittleres Erzgebirgs-
fernsehen; Sponsoren) und der Sicherstellung der Mobilität der Jugendlichen. Die Organi-
sation der Projekttreffen und die dabei notwendige kontinuierliche Motivation standen im
Fokus.

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Aus Sicht des FJMs erlangten die jungen Teilnehmenden verschiedenste Kompetenzen. Sie
setzten sich bspw. freiwillig mit dem Thema Außenseiter (Mobbing, Ausgrenzung) ausein-
ander. Dies war besonders wichtig, da eine Teilnehmerin im Projekt selbst Opfer dieser
Einwirkungen von schulischer Seite aus ist. Sie übten Toleranz und konnten im Zeitrahmen
des Projekts zunehmend besser mit Konflikten umgehen. Sehr fordernd erschien zudem
während des gesamten Projekts die Übernahme von Verantwortung für eigenes Handeln,
für Abläufe und Programmpunkte. Die Jugendlichen lernten praktisch unterschiedliche
Standpunkte anzunehmen und fair zu sein im Verhandeln von Interessen (Teamwork, Ko-
operation, Geduld, Durchhaltevermögen). Spezifisches Wissen erlangten sie über die prak-
tischen Workshops in Medienkompetenz, Erstellung von Drehbüchern, Filmen, Flyern,
Sponsorenschreiben, im Schauspielern, durch die Organisation von Veranstaltungen u.v.m..
Als Rückmeldung von den älteren Clubmitgliedern lässt sich ein gesteigertes Selbstbe-
wusstsein, Selbstvertrauen und das Einbringen eigener Interessen des Nachwuchses nach-
weisen.
Im Bezug auf positive Effekte der im November 2010 durchgeführten Zukunftswerkstatt
äußerten die Jugendlichen folgende Aussagen:
„es wird mal was gemacht“
„man konnte ‚normal‘ reden“
„ die Meinung von jedem Einzelnen wurde beachtet“
„gut, dass endlich etwas „jugendliches“ für die Jugend im Club stattfindet“
In einer E-Mail einer Teilnehmerin am Filmprojekt vom Februar 2012 wurde sinngemäß
angefragt, wann denn endlich die Mitarbeiterin des FJMs wieder vorbeikommen könnte,
ihnen fiele einfach kein neues Projekt ein und sie bräuchten dabei Hilfe.
Das Filmprojekt des Jugendtreff Wolkenstein ist sicherlich eines der Vorzeigeprojekte des
FJMs Kreisjugendring Erzgebirge e.V.. Trotz dessen gibt es einige Punkte, die über den Ge-
samtprojektverlauf verbessert werden könnten: Zum einen ist ein Projekt mit Jugendlichen
über ein gesamtes Jahr sehr schwierig organisierbar für die Mitarbeiter (sie haben noch
weitere Projekte in Betreuung). Die Motivation lässt nach zirka 6 Monaten bei sehr jungen
Jugendlichen (12-16, die die Hauptzielgruppe des FJMs sind) stark nach. Die Verantwortung
und Umsetzung des Projekts gestaltet sich schwieriger. Weiterhin ist die Zusammenarbeit
mit anderen Projektpartnern, mit Fachwissen, zeitaufwendig. Bei den Jugendlichen wurde
ein großer Bedarf geweckt, den es nun zu erfüllen gilt.
Funktioniert haben die Methodik der Zukunftswerkstatt und die Einbeziehung aller Klub-
mitglieder in den Prozess; diese unterstützen dadurch das Projekt über die gesamte Strecke
und bewerteten es als sehr positiv. Mit Hilfe einer kontinuierlichen Begleitung wurde ein
hohes Vertrauen zur Mitarbeiterin aufgebaut, das als Grundlage für weitere Projekte dient.
Eine Wiederholung desselben Projekts strebt das FJM momentan nicht an, jedoch um-
schließt die Planung für 2012 mit den älteren Jugendlichen (ab 18), verstärkt die jüngere
Generation in gemeinsame Aktionen einzubinden. Dazu stehen ab Mai 2012 verschiedens-
te Aktionen an, z.B.: ein gemeinsamer Filmabend, eine Kletteraktion im Hochseilgarten
oder auch ein Camping-Wochenende. Somit sollen die Jugendlichen befähigt werden
zunehmend auch ohne die Unterstützung des FJMs gemeinsam Aktionen (jüngere und
ältere) zu organisieren, damit demokratische Werte weiterhin für sie praktisch erlebbar
werden.

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Jury - Schulung“ innerhalb des
Beteiligungsprojektes „Jugend for Domino“
Mitbestimmungsrecht und aktive Mitgestaltung in der Gesellschaft ist ein hohes Gut der
Demokratie. Auf dieser Grundlage entstanden Ideen, wie engagierte Jugendliche aus dem
Erzgebirgskreis sich aktiv an demokratischen Entscheidungsprozessen beteiligen können.
Dafür prädestiniert ist das das Beteiligungsprojekt „Jugend for Domino“. Hierfür werden
Jugendliche im Alter zwischen 12 und 25 Jahren gesucht, die sich mit einer Projektidee
bewerben, beziehungsweise in der Jugendjury über die Vergabe der Fördergelder ent-
scheiden. Ein grundlegender Faktor des „Jugend for Domino “-Projekts ist die Jugendjury
inklusive der Schulung von Juroren.
Im Jahr 2010 führte das FJM des Kreisjugendrings Erzgebirge e.V. erstmals das Beteiligungs-
projekt „Jugend for Domino“ durch. Damit wurde das sich zunächst an urbanen Jugend-
und Subkulturen in Dresden orientierende Projekt auf die ländliche Erzgebirgsregion über-
tragen und mittels intensiver Begleitung durch das Kulturbüro Dresden gelang die
Umsetzung vor Ort.
Nach dem großen Erfolg des Pilotprojektes 2010 war Bedarf und die Nachfrage für eine
Weiterführung des Beteiligungsprojektes im Jahr 2011 vorhanden. Hieraus lässt sich auch,
die sich entwickelnde Komm-Struktur für das FJM erkennen. Ziel ist es, Jugendlichen Mög-
lichkeiten zu zeigen, sich aus ihrer originären Lebenswelt heraus, aktiv einzubringen, bei
Lösung von Herausforderungen sowie bei der Umsetzung von Ideen unternehmend mit-
zugestalten. Langfristig soll damit auch eine positive Veränderung der Möglichkeiten im
Spektrum der Kultur- und Freizeitangebote, gerade im ländlichen Raum des Erzgebirgs-
kreises herbeigeführt werden.
Konzeptionell war angedacht, dass sich Jugendliche aus Eigeninitiative für die Beteiligung
in der Jury bewerben. Dazu startete eine flächendeckende Öffentlichkeitsarbeit und inten-
sive Pressearbeit für die Zielgruppe und deren Multiplikatoren. Die Mitarbeiter des FJM
versuchten in 74 Gemeinden und Kleinstädten des Erzgebirgskreises, in Jugendtreffs, an
Schulen, bei freien Trägern der Jugendhilfe und durch viele persönliche Kontakte eine
Vielzahl von Jury-Interessenten zu gewinnen. Im Zuge der Öffentlichkeitsarbeit meldeten
sich Jugendliche für die Mitwirkung zur Jury-Schulung an. Als Resultat konnte eine nach
Alter, Geschlecht, sozialer und kultureller Herkunft, heterogen-zusammengesetzte Jury, ca.
8-10 Personen, im Alter zwischen 13 bis 21 Jahren für die Ausbildung zu Juroren gewonnen
werden.
Die Form und Durchführung der Jury-Schulung ist darauf ausgerichtet, die individuellen
Kompetenzen jedes Einzelnen besser kennen zu lernen und eine gute Motivationsstruktur
für die bevorstehenden Aufgaben zu etablieren. Dazu wurden verschiedene Methoden der
Gruppenarbeit durchgeführt. Da dies einen entsprechenden Zeitumfang benötigt, haben
alle vor Ort übernachtet, um ohne Zeitdruck arbeiten zu können. Des Weiteren lernten die
Teilnehmenden Regeln und Bedeutung des demokratischen Handelns kennen, ermittelten
ihre eigenen Vergabekriterien und übten öffentliche, respektvolle Diskussion miteinander.
Nach erfolgreicher Beteiligung an der Jury-Schulung hatten die Teilnehmer das Wissen
erworben, durch die erarbeiteten Vergabekriterien und den Gebrauch des individuellen
Mitbestimmungsrechts, die Projekte in einem demokratischen Entscheidungsprozess aus-
zuwählen. So konnten sehr unterschiedliche Projektbewerbungen aus dem gesamten Erz-
gebirgskreis durch die Vergabe von Fördergeldern unterstützt werden.
Durch zahlreich anwesendes Publikum, den vielen interessanten Projektideen und durch
die öffentlichkeitswirksame Durchführung der Veranstaltung ist eine positive und nachhal-
tige Resonanz in der Bevölkerung, bei Vereinen und auch bei jugendpolitischen Entschei-
dungsträgern entstanden. Daher sollte das Projekt längerfristig fortgeführt und nach Mög-

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lichkeit als feste Größe im Erzgebirgskreis etabliert werden. Verändert werden könnte das
Volumen der Fördergelder für die Projektideen; zum Beispiel durch Akquise von Sponsoren,
um das Budget der Vergabesumme aufzustocken. Hinsichtlich der Erweiterung der Kom-
petenzen bei den am Projekt beteiligenden Jugendlichen lassen sich positive Diversitäts-
merkmale und breitere Gestaltungsdimensionen verzeichnen. Gewinn ist eine signifikante
Mitarbeits- und Organisationsbereitschaft. Jugendliche sind motivierter sich anderweitig
gesellschaftlich oder politisch einzubringen und Verantwortung zu übernehmen. Zum
Beispiel durch die Bereitschaft im eigenen Verein Aufgaben zu übernehmen. Fazit: bessere
Identifikation mit Inhalten, stärkere Akzeptanz und Zugehörigkeit. Dies lässt sich auch an
dem sehr hohen (fast 100%) Beteiligungsanteil bei den Nachtreffen für geförderte Projek-
te und Jurymitglieder ablesen.
Die Rückmeldung der Jugendlichen zu der Frage „Was war für dich als Jurymitglied beson-
ders wichtig“ enthielten folgende Aussagen:
„damit meine Meinung wahrgenommen wird und ich die für mich richtigen Projekte
unterstütze“
„gut fand ich die Gleichberechtigung der Teilnehmer“
„Aktiv gestalten, weil man selber mal die Möglichkeit hat die Jugend zu fördern mit
seiner Entscheidung.“
„Jugendlichen wird heutzutage nichts mehr zugetraut, da man davon ausgeht, die
[Jugendlichen] können eh nichts.“
„Das man ernst genommen wird, das zugehört wird und man ausreden kann“
„Das man ordentlich und freundlich diskutieren kann“
„mal neue Leute kennenlernen und Spaß haben“
3.2.4.2 Praxisbericht des FJM Görlitz – best practice
von Chris Fobo, Andrea Hiekisch, Sebastian Höbler und Jens Zschernig
Aufbruch der Görlitzer Jugend,
Teilprojekt „Projektschmiede Machwerk“
Im Herbst 2011 startete die Initiative „Aufbruch der Görlitzer Jugend“. Vier junge Menschen
begeben sich zu diesem Zeitpunkt in das Rathaus der Stadt Görlitz und machen sich für
den Wunsch nach Raum und Aktionen für und von Jugendlichen stark. Auf der Suche nach
Jugendkultur in Görlitz, spezifischen Angeboten, weiteren Interessierten, Vereinen und
Mitstreitern laden sie in Folge im realen und virtuellen Raum zu einen „kreativen Netz“,
initiieren und erfahren so eine noch nicht dagewesen lebendige Beteiligung. Über 700
Mitglieder zählt in kürzester Zeit ihre Facebook-Gruppe. Aktive, Bremser, Kritiker und Be-
fürworter agieren gemeinsam, diskutieren, entwickeln und verwerfen. Mittels eines flash-
mobs bei einer Stadtratssitzung im Rathaus Görlitz gelang es dem Aufbruch der Görlitzer
Jugend jetzt auch in das öffentliche Bewusstsein ihrer Stadt zu treten. Fraktionen im Stadt-
rat, Bürger und Zeitungsleser positionieren sich anschließend und öffnen damit der Jugend
eine erste Tür zu einem neuen Raum. Die Idee einen neuen offenen Ort für Jugendliche in
Görlitz zu errichten nimmt Gestalt an. Der erste Meilenstein einer Jugendbeteiligung ist
somit erreicht und benötigt in der Weiterführung, die Unterstützung von Erfahrenen, von
neuen Netzwerkpartnern aus den Bereichen Politik, Kultur, Jugendarbeit und Stadtent-
wicklung sowie finanzielle Ressourcen.
Das Anliegen vom Aufbruch des Görlitzer Jugend ist es, den begonnenen Prozess der Be-
teiligung in ihrer Stadt weiterzuführen und ihre Forderungen und Wünsche aktiv in die
Stadt mit einzubringen und umzusetzen. Aus diesem Grund entstand die Idee gemeinsam
mit dem FJM den Aufruf zur Interessensbekundung „Weiterentwicklung der Kinder- und
Jugendhilfe in der außerschulischen Jugendbildung“ wahrzunehmen. Den Antrag auf den
Weg zu bringen und das Projekt „Projektschmiede Machwerk“ umzusetzen.

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Um den Prozess weiterzuführen und wachsen zu lassen, bedarf es künftig finanzieller und
personeller Ressourcen, die sich hinter die Initiatoren vom Aufbruch der Görlitzer Jugend
stellen. Mit dem gemeinsam gestellten Projektantrag „Projektschmiede Machwerk“ soll
genau dieser von Jugendlichen initiierte Prozess fortgeführt werden.
Mit dem Projekt werden folgende Ziele verfolgt:
den eigenen von Jugendlichen angestoßenen Prozess am Laufen halten, auf ein festes
Fundament stellen sowie Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen und begleiten
Aufbau eines „Kreativen Netzwerks“ mit neuen ungewöhnlichen Partnern
Mitwirkungs- und Gestaltungschancen für Jugend erlebbar werden zu lassen
Regionale Verbundenheit junger Menschen vor Ort zu fördern
Einbeziehung der Jugend als wichtigen und ernstzunehmenden Partner in die politi-
schen Entscheidungsprozesse
Entstehung eines neuen Raum zur Entfaltung und Mitgestaltung in Kultur, Freizeit,
Sport sowie Stadtentwicklung und Jugendpolitik
Die Rolle des FJMs in dem Gesamtprojekt „Aufbruch der Görlitzer Jugend“ besteht darin
als teilnehmender Beobachter den Prozess zu begleiten, jederzeit als Ansprechpartner zur
Verfügung zu stehen und bei Bedarf aktiv den Prozess mitzugestalten. In dem Teilprojekt
„Projektschmiede Machwerk“ sind wir aus der Rolle des teilnehmenden Beobachters und
Ansprechpartner direkt in dem Projekt als Partner, Projektbegleiter einbezogen.
Das Projekt „Aufbruch der Görlitzer Jugend“ ist ein laufender, sich entwickelnder Prozess.
Bei Bedarf kann die Unterstützung des FJMs angefragt werden. Wir sind regelmäßig in den
entstandenen Netzwerken aktiv und stehen beratend zur Seite. Bei dem Antrag „Projekt-
schmiede Machwerk“ sind wir federführend in Erscheinung getreten. Es erfolgte mit dem
Kooperationspartner goerlitz 21 e.V. eine intensive Projektplanung und Antragstellung
beim BMFSJ.
Mit dem geplanten Projektstart zum 01.06.2012 beginnt nach der gemeinsamen Projekt-
beantragung die konkrete Umsetzung des Projekts „Projektschmiede Machwerk“. Als Ope-
ner wird ein open space zum Thema „Jugend und Görlitz – Tag des Aufbruchs“ initiiert, der
Jugend, Politik, Wirtschaft, Kultur, Soziales, Verwaltung, Bildung und Wissenschaft in einen
„Mega“-log zusammenführt. Die Projektschmiede Machwerk greift Ergebnisse auf und
entwickelt daraus konkrete Projekte. Die Jugend ist sowohl künftiger Nutzer, als auch Ide-
engeber, Organisator und Macher. Das FJM und seine Projektpartner übernehmen vorran-
gig die Aufgabe, die Interessierten zu befähigen, selbstständig Projekte erfolgreich umzu-
setzen, sie sind Mentor, Dialogvermittler, Ermutiger und Moderator.
Die Erfahrung bisher hat gezeigt, dass es für das Projekt und seine Entwicklung sowie für
seine Initiatoren notwendig sein kann, den Prozess aus „gebührendem“ Abstand zu verfol-
gen, den Überblick zu behalten und nur bei Bedarf lenkend und leitend einzugreifen. Ein
vorschnelles Reagieren auf vermeintliche Krisen hätte in diesem Projekt Wachstum sogar
verhindert bzw. gebremst. Die Rolle und Funktion des FJMs gilt es deshalb in jedem Projekt
regelmäßig zu reflektieren und zu überprüfen. Manchmal ist weniger eben mehr!
Mit dem Gang in das Rathaus der Stadt Görlitz und der Vision von Jugendkultur und -freizeit
auf einem Gelände nach Maß begann das Projekt „Aufbruch der Görlitzer Jugend“. Die
Jugendlichen nahmen bzw. nehmen das Heft selbst in die Hand! Sie artikulieren ihre Wün-
sche gegenüber der Politik, Verwaltung und den Bürgern ihrer Stadt. Sie suchten selbstän-
dig Mitstreiter für ihre Ideen, gründeten Netzwerke und fordern die Stadt auf, die Interessen
der Jugendlichen ernst zu nehmen. Sie arbeiten kontinuierlich, leisten Überzeugungsarbeit
und planen und konzipieren um ihre Stadt für sich selbst erlebbar zu machen. Sie beteiligen
sich am politischen Geschehen und treten in einen Dialogprozess mit ihr. Ein Prozess der
nicht durch Experten ins Leben gerufen sondern eigenständig initiiert wurde, zeugt von
einer starken Kompetenzentwicklung.

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Jugendclub sucht Mitstreiter – Bad Muskau
Im Rahmen einer Informationsveranstaltung der Verbandsarbeit des Jugendrings Oberlau-
sitz e.V. wurden der Vorstandsvorsitzende und ein weiteres Mitglied des Jugendclubs auf
das Projekt FJM aufmerksam. Im anschließenden persönlichen Gespräch formulierten die
Jugendclubmitglieder ihr vordergründiges Anliegen und wünschten einen gemeinsamen
Termin vor Ort im Jugendclub.
Seit 2009 stehen den Jugendlichen neue Räumlichkeiten zur Verfügung. Das hat sich jedoch
noch nicht rumgesprochen. Der Umzug aus einer baufälligen Villa, in der es immer etwas
zu machen gab, das die Jugendlichen zusammengeschweißt hat und eine fast zweijährigen
Zwangspause, war für das Clubleben nicht förderlich. Zitat Vorstandsvorsitzender: „Es brach
fast alles zusammen, viele Mitglieder sprangen ab.“ Zitat Mitglied: „Wir würden gerne wie-
der wie früher Konzerte, Clubfeste, Grillabende, Projekte und vor allem tägliche Öffnungs-
zeiten bieten, damit die Leute wissen, dass im Club was passiert.“ Doch dazu sind neue und
engagierte Mitstreiter nötig und frische Ideen. Zitat Vorstandsvorsitzender: „Uns alten
Hasen fehlt die Zeit und Kraft, weil wir alle arbeiten gehen und meist nur an den Wochen-
enden im Ort sind.“
Mittlerweile haben die 21 Mitglieder drei Räume im neuen Vereinshaus des Ortes in Eigen-
initiative umgestaltet. Das Clubleben ist wieder angelaufen. Jetzt wo der Club endlich ein
sicheres Domizil hat, wollen die Jugendlichen das Geschaffene erhalten und Angebote
ausbauen sowie neue umsetzen. Um jüngere und kreative Köpfe für eine aktive Mitarbeit
zu gewinnen, setzt der Club nun auf frischen Wind und Angebote für jedes Alter. Es werden
händeringend neue Mitglieder gesucht.
Zunächst standen die Mitarbeiter des FJMs den Jugendlichen beratend und informations-
gebend zur Seite. Welche Motivation haben die Mitglieder des Jugendclubs, welche Ziele
haben sie und welche Wirkung erhoffen sie sich von dem Projekt? Wie kommt man über-
haupt von der groben Idee zu einem Projekt: Konkretisierung der Idee, Projektskizze, Kon-
zept, Aktivitätenliste, Zeitplan, Finanzierung, Projektpartner, Erreichbarkeit der Zielgruppe
usw. Langfristig sollte dieses Vorgehen praktische Kenntnisse und Erfahrungen vermitteln,
um künftig selbständig weitere eigene Ideen erfolgreich umzusetzen. Als Resultat der ers-
ten Treffen und einer gemeinsamen Reflexion ergab sich die Frage, ob mit dem geplanten
Projekt überhaupt die gewünschte Wirkung erzielt werden kann. Passt das Projekt zum
Ziel?
Zu diesem Zeitpunkt der Zusammenarbeit übernahm das FJM eine moderierende Funktion
und setzte mit allen Clubmitgliedern eine Ideenwerkstatt um. Die Ergebnisse deuteten
darauf hin, dass es vorrangig um die Wiederbelebung des Clublebens gehen müsste, bevor
sich neue Interessenten überhaupt für eine dauerhafte Mitgliedschaft werben lassen. Die
Ideen und geplanten Aktionen wollten die Jugendlichen in Eigenregie organisieren. Das
FJM zog sich deshalb zeitweise aus der unmittelbaren Zusammenarbeit zurück. Verabredet
war ein weiterer loser Kontakt über Email und Wiedereinstieg bei Bedarf bzw. im Frühjahr
2012, um den Erstgedanken eines KunstProjekts zur Mitgliedergewinnung erneut aufzu-
greifen. Die Aufgaben des FJMs beinhalten die Motivationsarbeit, Stärkung des Durchhal-
tevermögens, Begleitung und Beratung der Jugendlichen.
Partner wurden über das FJM bisher nicht hinzugezogen. Die notwendigen Kontakte zu
anderen Vereinen im Haus, um einen gemeinsamen Tag der offenen Tür zu planen oder
sich an einem historischen Weihnachtsmarkt im Ort zu beteiligen, übernahmen die Jugend-
lichen eigenständig. In der Umsetzungsphase des Kunst-Projekts werden die Jugendlichen
zwecks Zusammenarbeit an ortsnahe Schulen sowie die Stadtverwaltung herantreten.

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Beim ersten Treffen mit drei jugendlichen Clubmitgliedern wurde die Idee des Kunst-Pro-
jekts von den Jugendlichen im Groben erläutert. Durch Verständnisfragen konkretisierte
sich diese im weiteren Verlauf, es entstanden ein Zeitstrahl, auf dem wichtige Meilensteine
festgehalten wurden und ein Kurzkonzept mit Zielen, Zielgruppen usw..
Bei den Mitarbeitern des FJMs entstand zunehmend der Eindruck, dass die Idee eines Kunst-
Projekts zur Mitgliedergewinnung nicht von allen Clubmitgliedern getragen wird und
scheinbar andere Ideen favorisiert werden, aber nicht aufgegriffen wurden. Der notwen-
dige Rückhalt im Club und das damit einhergehende fehlende Engagement sowie die all-
gemein unzufriedene Stimmung erforderten eine gemeinsame Reflexion und Motivations-
klärung. Dabei wurde deutlich, dass es nur einige wenige aktive Mitglieder gibt, das
Clubleben sehr eingeschlafen ist, gemeinsame Aktionen sich auf Fernsehen und sporadi-
sches Computer und Karten spielen beschränken. Mit Hilfe der Szenariotechnik wurden
sowohl positive, als auch negative Entwicklungsmöglichkeiten des Clubs erarbeitet. Wie
verläuft die weitere Entwicklung des Jugendclubs im günstigsten Fall und wie im schlimms-
ten Fall und was sind förderliche und was sind hemmende Faktoren? Den Jugendlichen
war nach diesem Treffen klar, dass zunächst das Clubleben attraktiver werden muss, damit
sich neue Jugendliche für eine Mitgliedschaft interessieren. Es wurde geplant, die anste-
hende Vollversammlung zu nutzen, um die Situation offen anzusprechen und mit allen
sowie der Unterstützung des FJMs einen Ideenfindungsprozess anzustoßen.
Mit der Frage: „Was wäre wenn ab 2012 unser Club seine Tore schließt?“ erfolgte der Einstieg
in eine rege Diskussion, mit anschließendem Brainstorming wurden alle Ideen gesammelt
und in kleinerer Runde aufgearbeitet. Danach hingen die Ideen zwei Wochen im Club aus,
mit der Bitte an alle Mitglieder, sich als Interessent und/oder Organisator einzutragen. Die
Ideen umfassten verschiedenste gemeinsame Aktionen, Ausflüge, geselliges Beisammen-
sein u.a. Aus der Auswertung der Eintragungen ergab sich eine Prioritätenliste. Manche
Ideen wurden aufgrund fehlender Eintragungen zunächst auf Seite gelegt. Dazu wurde ein
Zeitplan bzw. Jahresveranstaltungskalender zur groben Orientierung erstellt.
Obwohl auch Stimmen laut wurden, die an einer eigenständigen Umsetzung zweifelten,
sprach sich die Mehrheit dafür aus, zunächst ohne das FJM weiterzumachen. Es wurde
vereinbart, dass wir unverbindlich über Email in Kontakt bleiben, Informationen weiterlei-
ten und bei Bedarf Unterstützung angefragt werden kann. Ein Kontakt zwischendurch
bestand bspw. darin, dass das FJM über den Verteiler für den Bürgermeisterpokal noch
teilnehmende Mannschaften wirbt. Der Jugendclub des Ortes war Organisator des Fuß-
ballturniers. Für das Frühjahr 2012 wurde ein nächstes Treffen anvisiert, Themen: aktueller
Stand im Club, allgemeine Stimmung, umgesetzte Aktionen und Kunst-Projekt zur Mitglie-
dergewinnung. Die Terminanfrage ist mittlerweile seitens des Jugendclubs bei uns einge-
gangen.
Mit der neuen Terminanfrage kam folgende Rückmeldung: „Bei uns läuft es mehr oder
weniger. Es laufen im Moment einige Planungen für gemeinsame Aktivitäten. Der Bürger-
meisterpokal ist nicht wirklich nach meinen Vorstellungen verlaufen (…). Wir wollen dem-
nächst auch wieder anfangen regelmäßig Fußball zu spielen. Damit dies funktioniert soll
ein Termin am Wochenende gefunden werden, ich befinde mich diesbezüglich noch in
Abstimmungen mit dem Hallenwart. Soweit zur aktuellen Situation. Wir können uns gerne
wieder treffen allerdings kann ich prinzipiell nur freitags bzw. am Wochenende. Meldet
Euch einfach wenn ihr einen Termin ins Auge gegriffen habt.“ (Zitat Vorstandsvorsitzende)
In diesem Projekt wurde bisher der Ansatz der Komm-Struktur vollständig umgesetzt. Die
Jugendlichen sind die Akteure und haben seit Beginn das Heft in der Hand. Die Herange-
hensweise des FJMs hat sich bewährt: aufmerksam zuhören, Gesamteindruck gewinnen,
mit Fragen die Idee konkretisieren, Zielvorstellungen reflektieren, persönlichen Eindruck
schildern, Kritisches benennen, Alternativen erarbeiten, Möglichkeiten aufzeigen.

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Als Professionelle eine kritische Rückmeldung zur Projektidee bzw. dem geeigneten Zeit-
punkt beizutragen, halten wir aufgrund dieser Erfahrung für eine wichtige Aufgabe. Wobei
die weitere Zusammenarbeit unabhängig von der Gegenreaktion der Jugendlichen erfol-
gen muss. Das Projekt bleibt in den Händen der Initiatoren, auch wenn es unsererseits
Bedenken hinsichtlich der Wirksamkeit des Projekts gibt, die Jugendlichen jedoch eine
andere Meinung vertreten. Die zeitlichen Abstände der Treffen vor Ort (ca. 14-tägig) waren
von den Jugendlichen gewählt, so blieb ihnen Zeit selbständig aktiv zu werden und zu
diskutieren, ohne das Gefühl zu haben, rechenschaftspflichtig zu sein. Aus unserer Sicht
waren sie teilweise zu weit gesteckt, so dass die Befürchtung bestand, die aufkeimende
Euphorie und Motivation verebbt wieder. Der „kreativen Schaffenspause“ nach dem Prozess
der Ideenfindung und der Veranstaltungsplanung sahen wir eher skeptisch entgegen, war
ja das ursprüngliche Ziel, über ein Kunst-Projekt neue Mitglieder zu werben, noch nicht in
Angriff genommen worden.
Schaffen es die Jugendlichen ihre Ideen für gemeinsame Aktionen umzusetzen? Wächst
das Interesse an einem aktiven Clubleben? Beteiligten sich mehr Mitglieder an der Organi-
sation? Und vor allem werden sie sich im Frühjahr wirklich mit einem neuen Terminwunsch
an uns wenden? Viele offene Fragen, die wir aushalten mussten! Aber selbst wenn das
Projekt hier beendet gewesen wäre, werten wir dieses als erfolgreich! Das „heimliche“ Ziel
der Jugendlichen war ein aktives Clubleben, gemeinsame Aktionen und mehr Interesse
und Engagement der Mitglieder. Besser wäre, wenn dazu gar keine neuen Mitglieder nötig
sind, sondern die „alten“ aktiv werden.
Aktuell: Ein neuer Termin ist verabredet. Der Jugendclub hat sich selbständig bei uns ge-
meldet. Das Projekt geht weiter! Wir sind neugierig! Überrascht wurden wir von der zahl-
reichen und regen Beteiligung der anderen Clubmitglieder am Ideenfindungsprozess. Die
Jugendlichen äußerten sich anschließend sehr positiv zum Verlauf der Diskussion. Sie sei
ruhiger als sonst, alle wurden gehört, ernstgenommen und berücksichtigt. In ähnlichen
Prozessen sei es wohl bisher oft zu Streitereien und Unzufriedenheit gekommen. Einige
wenige würden sich eben durchsetzen und andere kaum zu Wort kommen lassen. Nach-
dem sich mehr Jugendliche als erwartet in die Aktivitätslisten eingetragen hatten, war das
Selbstvertrauen recht hoch, einige der Ideen auch in Eigenregie umsetzen zu können. Es
war eine positive Aufbruchsstimmung entstanden. Mehr als die drei üblichen Akteure wa-
ren motiviert, sich aktiv einzubringen. Da bisher eher ein zeitlich begrenzter Projektab-
schnitt beobachtet werden konnte, lassen sich zur Kompetenzerweiterung nur wenig Aus-
sagen treffen. Mit der Moderation des Ideenfindungsprozesses durch das FJM würden wir
uns wünschen, eine Möglichkeit zur Gestaltung von Gruppenprozessen unter Berücksich-
tigung der Gruppendynamik vorgestellt zu haben. In Verbindung mit den angewandten
Methoden, z.B. Brainstorming, Szenariotechnik, Visualisierung, haben die Jugendlichen
verschiedene Varianten kennen gelernt und können sie vielleicht auch in anderen Situati-
onen einsetzen.
Wie war das Feedback der Teilnehmenden?
„Die haben Euch zugehört, das war wirklich mal ruhig, sonst geht bei solchen Ver-
sammlungen immer alles drunter und drüber!“
„Da ist ja mal was bei rum gekommen, fast jeder hat irgendeine Idee aufgeschrieben.
Manche haben auch beim Nachbarn abgekuckt!“
„Gut dass man das mal sieht, so ein Kalender taugt was, wenn was drin steht!“
„Wie wir sehen uns erst im Frühjahr wieder! Selbständig umsetzen, wir wissen doch
wie das läuft. Wenn‘s drauf ankommt, kriegt wieder keiner den Arsch hoch.“
„Das kriegen wir jetzt hin, ist doch eigentlich nur ein Termin zu vereinbaren.“

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3.2.4.3. Praxisbericht des FJM Landkreis Leipzig - best practice
von Cornelia Klinger, Ulrike Läbe und Andreas Rauhut
Projekt RASTLOS-
Musik- und Kulturfestival
ie MitarbeiterInnen des FJM trugen die Idee, eine größere Veranstaltung am Jahresende zu
organisieren, an eine schon bestehende Gruppe Jugendlicher heran. Der Kontakt zu dieser
Gruppe bestand bereits. In einem ersten Treffen wurden die Vorschläge der Jugendlichen
gesammelt und es entstand die Idee eines Musikfestivals. Die Jugendlichen wollten neben
dem musikalischen Aspekt auch einen Bildungsanteil in das Festival einbringen bzw. sollte
anderen jungen Menschen die Möglichkeit gegeben werden, sich in verschiedenen Ange-
boten auszuprobieren und so Lust auf alternative Freizeitbeschäftigungen zu bekommen.
So entstand die Idee der Workshops und Diskussionsrunden.
In erster Linie ging es den jugendlichen Organisatoren darum, ein Freizeitangebot für Ju-
gendliche in der Stadt Bad Lausick zu initiieren. Die Möglichkeiten, sich als Jugendlicher in
Bad Lausick zu bewegen oder gar sich einzubringen sind sehr gering. Die Angebote sind
nahezu ausschließlich auf älteres Publikum ausgerichtet. Stadtverwaltung sowie Einwohner
sind wenig sensibel für Belange Jugendlicher. Sie werden häufig als störend empfunden.
Mit dem Festival wollen die Jugendlichen ihrer Stadt zeigen, dass auch sie Einwohner der
Stadt sind und das Gemeinschaftsleben und Freizeitangebot der Stadt bereichern können.
Orientiert an den Interessen und Bedürfnissen der Jugendlichen wurden 2 Workshops und
2 Diskussionsrunden organisiert: Breakdance, DJing, Politik in der Musik und rechte Struk-
turen im Landkreis.
Das FJM gab die Initialzündung, indem es den Jugendlichen die Möglichkeit bot, mit seiner
Unterstützung ein größeres Projekt zu organisieren. Im weiteren Verlauf waren die Mitar-
beiterInnen als Begleiter und Unterstützer beteiligt. Sie unterstützten hauptsächlich bei
öffentlichen Terminen und Besprechungen, z.B. Stadtrat, Bürgermeister. Weiterhin gaben
sie Hinweise, was bezüglich Sicherheit und Technik zu beachten ist. Die inhaltliche Gestal-
tung lag ausschließlich in den Händen der Jugendlichen. Partner des Projektes waren der
Kinder- und Jugendring Landkreis Leipzig, das AWO Kinder- und Jugendhaus sowie der
Lokale Aktionsplan. Als Zielgruppe der Veranstaltung wurden Jugendliche ab 16 Jahren
aus Bad Lausick und Umgebung sowie aus dem Landkreis Leipzig Land angesprochen. Seit
Oktober 2011 kam die Gruppe wöchentlich einmal zu Planungstreffen zusammen. Darin
wurden aktuelle Fragen geklärt, die nächsten Planungs- und Organisationsschritte bespro-
chen, Aufgaben verteilt. Nachdem von den Jugendlichen eine Festival-Seite auf Facebook
erstellt wurde, konnten interessierte Jugendliche über einen Namen abstimmen. Mitte
November stand dann auch dieser fest: RASTLOS.
Am 24.11.2011 stellten die jugendlichen Organisatoren ihr Vorhaben im Bad Lausicker Stadt-
rat vor. Ihr Anliegen war es, den Stadträten zu zeigen, dass es engagierte Jugendliche in
Bad Lausick gibt und hofften darauf, in ihrem Vorhaben und Bemühungen ernst genommen
zu werden. Der erste Schritt in Richtung Sensibilisierung für jugendliche Belange ist damit
getan. Zukünftig hoffen wir auch auf tatkräftige Unterstützung seitens der Kommune. Die
jungen Organisatoren nahmen Kontakt zu Bands auf, erstellten und verteilten den Flyer,
organisierten Getränke und bereiteten einen Imbiss vor, dekorierten die location, richteten
das Festival inhaltlich aus und übernahmen in kleinen Teams am Abend des Festivals die
Verantwortung an Bar und Garderobe.

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In einem Auswertungstreffen wurden Themen wie Zusammenarbeit, Pannen, Konflikte
aber natürlich auch Dinge, die gut gelaufen sind reflektiert und Schlüsse für die Organisa-
tion eines nächsten Festivals gezogen. Gemeinsam wurde mit viel Begeisterung RASTLOS-
Reloaded 2012 als Open Air beschlossen.
Es ist dem FJM sehr gut gelungen, die Jugendlichen zu unterstützen, zu begleiten und ih-
nen Freiraum zu geben, sich und ihre Ideen einzubringen und umzusetzen. Im Auswer-
tungstreffen wurden Positives und Negatives kritisch reflektiert. Verbesserungswürdig ist
die Kooperation mit der Stadt Bad Lausick. Die Stadträte sowie die Mitarbeiter müssen
weiter sensibilisiert werden für jugendliche Belange und die Ressource in dem jugendlichen
Engagement erkennen. Bedeutend für die Nachhaltigkeit und Wirksamkeit von Jugendbe-
teiligungsprojekten ist die Akzeptanz und die Anerkennung seitens der Gemeinde. Veran-
staltungen „von Jugendlichen für Jugendliche“ werden von der Zielgruppe gern und in-
tensiv genutzt. Jugendliche wollen gehört werden, beteiligt sein und in ihren Anliegen
ernst genommen werden. In diesem Fall wollten die Jugendlichen eindeutig Initiatoren
und nicht bloße Konsumenten sein. Zu erkennen war eine zunehmende Übernahme von
Verantwortung und eigenverantwortlichem Handeln. Die jugendlichen Organisatoren
gingen mit einem gesteigerten Selbstbewusstsein aus der Veranstaltung. Insbesondere
auch aufgrund von vielen positiven Rückmeldungen der Festivalbesucher.
Das RASTLOS-Festival war der Startpunkt für die Gründung einer Breakdance-Gruppe,
welche sich seit dem regelmäßig im Kinder- und Jugendhaus trifft und bereits weitere
Mitglieder, die sonst keinen Kontakt zueinander haben, vereint. Das Training der Teilneh-
merInnen wird von der Leiterin des Kinder- und Jugendhauses als eine Bereicherung für
Jugendliche eingeschätzt.
Hier einige Kommentare der jugendlichen Organisatoren:
„Das Festival sollte zeigen, dass es in Bad Lausick und Umgebung auch noch Jugend-
liche gibt, an die gedacht werden soll“
„Wir wollten etwas von Jugendlichen für Jugendliche machen.“
„Sonst gibt es nur Angebote für Alte“
„Auch die Idee mit den Workshops war uns wichtig, weil wir nicht nur Musik anbieten
wollten“
„Leider hat die Stadt nur gute Worte gefunden – die unterstützenden Taten blieben
aus… das wünschen wir uns fürs nächste Mal“
„Es war eine große Erfahrung für mich, weil hab sowas zum ersten Mal gemacht und
war echt überrascht, dass wir das in der kurzen Zeit so bekannt gemacht haben.“
„War auch sehr glücklich, dass so viele da waren. Hätte ich ehrlich nicht mit gerech-
net.“
„Also von mir aus ist alles nach meiner Vorstellung abgelaufen.“
„Ziele wurden soweit auch erreicht. Hatten Spaß. Ne Menge Erfahrung gesammelt.
und lassen es bei Rastlos 2.0 so richtig krachen :D.“
Projekt „Eine Skateanlage für Pegau“
Im Juli 2011 lasen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des FJM einen Zeitungsartikel, in
dem es um eine Gruppe junger Skater aus Pegau ging. Die Jugendlichen (13-15 Jahre) der
sognannten „BlackBoardKrew“ brachten in dem Artikel ihren Wunsch nach einer Skatean-
lage in Pegau zum Ausdruck. An das FJM wurde herangetragen, dass der Jugendwart der
Evangelischen Jugendarbeit im Leipziger Land bereits mit den Jugendlichen Kontakt auf-
genommen hatte und gemeinsam mit dem Pegauer Pfarrer das Projekt „Eine Skateanlage
für Pegau“ unterstützt. Das FJM kontaktierte die Kirchgemeinde und die Jugendlichen der
BlackBoardKrew. Es wurde sichtbar, dass die Jugendlichen schon sehr aktiv geworden wa-
ren. So hatten sie bereits ein Gespräch mit dem Bürgermeister von Pegau gehabt; sich
überlegt, wie ihre Skateanlage aussehen könnte; eine Liste mit möglichen Standorten und

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eine Auflistung von Sponsoren der Stadt Pegau erstellt, bei denen sie bereits um Unter-
stützung gebeten hatten.
Anliegen des Projekts ist es, dass die Jugendlichen vor Ort eine Skateanlage haben. In Pegau
gibt es eine recht große Skategemeinschaft, die ihrem Hobby gern im Wohnort nachgehen
möchten, um nicht erst auf Skateanlagen nach Leipzig fahren zu müssen. Wie in vielen
Kommunen gibt es auch in Pegau keine ausreichenden Freizeitangebote für Jugendliche.
Die Altersgruppe zwischen Kindergarten- und Erwachsenenalter wird selten bedacht. Durch
das Projekt sollen die Jugendlichen außerdem gelebte Demokratie erfahren, in dem sie
von Beginn an im Projekt eingebunden sind, die Anlage selbst mit bauen und ihre Idee in
einer Bürgerversammlung und im Stadtrat vorstellen. In der Region Pegau gibt es außer-
dem neonazistische Gruppierungen. Eine lebendige Skatekultur im Ort kann Cliquen mit
rassistischer Einstellung etwas entgegensetzen.
Das FJM fungierte beim Projekt als Vorbereiter, Umsetzer und Begleiter gleichermaßen.
Von Anfang an wurde eng mit den Jugendlichen und den Kooperationspartnern vor Ort
(z.B. dem Ev.-Luth. Kirchspiel Pegau, Arche Pegau – Christliche Wohngruppe) zusammen-
gearbeitet.
Hier einige Meilensteine aus dem Projektverlauf:
September 2011: Antrag LAP
Das FJM schrieb gemeinsam mit der Kirchgemeinde einen Antrag auf Förderung vom Lo-
kalen Aktionsplan. Ziel war es, die Skateanlage in einem Selbstbauworkshop gemeinsam
mit den Jugendlichen zu errichten. Somit würden diese von Beginn an eingebunden sein
und sich mit der Skateanlage noch viel stärker identifizieren. Der Antrag wurde mit einer
Summe von 16.300 Euro bewilligt.
September 2011: Vorstellen des Projektes vor dem Bauausschuss
Im September trafen sich die Kooperationspartner und 15 Jugendliche. Das Projekt wurde
von den Jugendlichen im Bauausschuss mit Vertretern der Kirchgemeinde und dem FJM
vorgestellt. Der Bauausschuss machte deutlich, dass er das Projekt unterstützt.
September bis Oktober 2011: Besuch unterschiedlicher Skateanlagen
In den folgenden Wochen besuchten die Jugendlichen gemeinsam mit dem FJM mehrere
Skateanlagen in Leipzig, um einen Eindruck und Infos von Experten aus der Skateszene
zum Bau einer Skateanlage zu erhalten. So entstand die Zusammenarbeit mit dem Heizhaus
Leipzig, einer Indoor-Skateanlage. Zwei Mitarbeiter des Heizhaus Leipzig sagten ihre Un-
terstützung beim Bau der Skateanlage und der vorausgehenden Ideenwerkstatt zu.
7. Oktober 2011: Ideenwerkstatt
Im Oktober wurde die Ideenwerkstatt durchgeführt. Ziel sollte es sein, zu erarbeiten, wie
die Skateanlage aussehen soll. Es nahmen 17 Jugendliche daran teil. Im Anschluss sprach
der Verantwortliche von „Hoch vom Sofa“ mit den Jugendlichen über einen geplanten
Antrag und über die Möglichkeit der Jugendlichen mit nach Dresden fahren zu können,
um in der Jury von „Hoch vom Sofa“ zu sitzen. Zwei der Jugendlichen erklärten sich bereit,
nach Dresden zu fahren.
Im Oktober 2011: Bauworkshop
fand ein viertägiger Bauworkshop statt. Das Heizhaus Leipzig hatte 3 Personen vom Mel-
lowpark Berlin für den Bauworkshop gewinnen können, unter anderem den aktuellen BMX-
Weltmeister. Unter Anleitung der Bauleiter halfen die Jugendlichen bei den Bauarbeiten
mit. Die Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit der MIBRAG ein Bild vom Projekt bzw. vom Bau-
workshop. Den Jugendlichen wurde wenige Wochen danach ein Scheck von 2000 Euro von
der MIBRAG überreicht. Der Großteil der Einzelteile für die Elemente war nach der Bauwo-
che fertig gestellt. Seitdem sind sie in einer Halle untergebracht, bis sie am jeweiligen Stand-
ort montiert werden können. Einige Elemente nutzen die Jugendlichen bereits jetzt.

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10. Dezember 2011: „Hoch vom Sofa!“
Die Jugendlichen entschlossen sich, bei „Hoch vom Sofa!“ einen Antrag für eine Sitzecke
aus Holz für die Skateanlage mit dem Titel „Erst skaten, dann Päuschen“ zu stellen. Diese
Sitzecke soll so gebaut sein, dass sie auch als Skateelement genutzt werden kann. Zwei
Jugendliche fuhren zur Jurysitzung nach Dresden. Die BlackBoardKrew Pegau war unter
den Gewinnern und erhielt 2000 Euro für ihre Sitzecke.
Dezember 2011: Bürgerversammlung
Im Dezember 2011 fand eine Bürgerversammlung im Rathaus statt. Es konnte Klaus Farin
vom Archiv der Jugendkulturen gewonnen werden. Er erklärte, was eine Skateanlage bzw.
die Jugendkultur, die sich damit in der Kommune etabliert, für eine Stadt oder Region
bewirken kann, insofern die Skateanlage von der Gemeinde getragen und auch von den
Bürgern unterstützt wird. Bei der Bürgerversammlung stellten die Jugendlichen den bis-
herigen Projektablauf vor. Anschließend wurden vom Bauamtsleiter mögliche Standorte
für die Skateanlage aufgezeigt und mit den Anwesenden besprochen. Von allen Anwesen-
den wurde ein Standort favorisiert.
März 2012: Begehung des Standortes
Im März 2012 wurde die Fläche mit den Jugendlichen und einer regionalen Baufirma an-
gesehen und vermessen, die anbot, einen Großteil der Betonierung kostenlos zu überneh-
men.
Ausblick
Die Einweihung des Skateparks wird für September 2012 anvisiert. Bis dahin müssen noch
etliche bürokratische Hindernisse genommen und die Fläche betoniert werden. Zurzeit
werden für die Betonierung Sponsoren und Stiftungen zur Finanzierung angefragt. Es sind
außerdem noch ein bis zwei Tage eingeplant, an denen die Jugendlichen mit den Bauex-
perten die Elemente zusammenbauen und am Standort montieren.
Besonders gut fanden wir den Aktionismus, das Engagement und eigenverantwortliche
Handeln der Jugendlichen – zumindest von der Kerngruppe. Gut funktionierte von Beginn
an die Vernet-zung mit Kooperationspartnern und dass uns Experten im Bau von Skatean-
lagen (Mellowpark Berlin) bei die Bauwoche unterstützten. Von der Stadt Pegau wünschen
wir uns mehr Wertschätzung und Unterstützung des Skateprojektes. Leider erleben wir in
den Kommunen zu oft, dass Jugendliche als Störfaktor angesehen und derartige Jugend-
projekte nicht als Chance für die Kommune begriffen werden. Eine Wiederholung eines
derartigen Projektes wird nun bereits in Kitzen und in Markranstädt mit Kooperationspart-
nern geplant. Es wird in Zukunft darauf geachtet, die Organisation der Fläche möglichst
vor oder zeitgleich mit der Planung der Skateanlage zu beginnen. Der bürokratische Auf-
wand bzgl. des Bauantrags etc. wurde beim Projekt in Pegau vernachlässigt.
Während des Projektes wird deutlich, dass vor allem eine Kerngruppe der Jugendlichen
bereit ist, für ihr Ziel viel zu tun. Es ist spürbar, dass jene Jugendliche, die sich unbedingt
die Skateanlage wünschen, viel eigene Ideen zur Umsetzung des Projektes haben und in
hohem Maß eigenverantwortlich handeln.
O-Töne von Yves, Richard, Max und Jonas (BlackBoardKrew, Pegau):
Wie seht ihr das Projekt bisher? Was fandet gut? Was fandet ihr schlecht?
„Wir fanden das Projekt bisher positiv. Dafür dass wir die Skateanlage seit 2 Jahren
wollen, sind wir jetzt schon weit.“
„Das Projekt ist bisher gut gelaufen, aber es die letzten zwei Monate war jetzt leider ne
Pause. Im Moment können wir Jugendlichen eben nicht viel machen.“
„Es ist cool, dass es solche Organisationen wie das „FJM“ oder „Hoch vom Sofa“ gibt, die
uns unterstützen. Wir wüssten sonst nicht wie wir da rangehen sollen.“
„Wir fanden die Bauwoche cool. Das hat gut funktioniert und ging schnell.“

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„Was uns nicht gefiel, waren die Gespräche mit dem Bürgermeister und mit Leuten
von der Stadt. Die verliefen so zäh. Und wir fühlen uns von der Stadt nicht ernst ge-
nommen.“
Was hättet ihr euch gewünscht?
„Wir hätten uns gewünscht, dass alles schneller geht. Vielleicht waren da unsere Er-
wartungen auch zu hoch.“
Was wünscht ihr euch?
„Das alles schneller geht und der Skatepark bald steht.“
„Skaten gehen. Also dass der Park bald steht. Und dass die Bürger hier in der Stadt
toleranter sind.“
„Dass die Bürger nicht so aggressiv sind und sich mehr in uns Jugendliche reinver-
setzen.“
3.2.4.4 Praxisbericht des FJM Meißen – best practice
von Marlen Teuchert und Romy Völker
Das Flexible Jugendmanagement (FJM) des Landkreises Meißen unterstützt, berät und
begleitet die Strukturen der Jugend- und Jugendverbandsarbeit. Dies geschieht meistens
in einem zeitlich befristeten Rahmen, was sich aber bei einem entstehenden guten Kontakt
durchaus wiederholen kann. Gemeinsam mit den haupt- und ehrenamtlichen AkteurInnen
des Landkreises Meißen möchte das FJM junge Menschen bei ihrer Entwicklung zu eigen-
ständigen, kritischen sowie demokratischen Persönlichkeiten begleiten und eine Alterna-
tive zu den Angeboten menschenverachtender Ideologien bieten.
Es gilt jedoch zu beachten, dass die Mitarbeiterinnen des FJM lediglich unterstützend oder
ggf. ergänzend im Landkreis agieren und nicht als omnipotenter Ersatz für fehlende per-
sonelle Strukturen tätig bzw. angefordert werden können. Das heißt, das FJM definiert sich
als landkreisweites ergänzendes Angebot zu den hauptamtlichen AkteurInnen vor Ort, die
in persönlicheren Beziehungen zu den einzelnen Jugendlichen stehen. In diesem Sinne
erfolgen die Unterstützung und Beratung von jungen Menschen, Fachkräften oder politi-
schen EntscheidungsträgerInnen auf der Basis der Nachfrage bzw. Bedarfsanzeige.
Filmbesprechungen
Die Mitarbeiterinnen des FJM führen landkreisweit themenspezifische Filmnachmittage
bzw. -abende mit anschließender moderierter Gruppendiskussion durch. Hierfür werden
sie zum einen von haupt- und ehrenamtlichen Fachkräften der Jugend- und Jugendver-
bandsarbeit angefordert, um über aktuelle Nachrichten und Themen, mit denen sich Kin-
der bzw. Jugendliche aktuell beschäftigen (wollen) zu sprechen, zu arbeiten sowie neue
Impulse zu setzen. Dies geschieht auch, wenn das FJM aufgrund seiner fachlichen Kompe-
tenz Bedarfe erkennt bzw. diskriminierende oder rassistische Äußerungen/ Erscheinungs-
formen wahrnimmt.
Zum anderen werden die Projektmitarbeiterinnen zunehmend von den Kindern und Ju-
gendlichen selbstständig für ein bestimmtes Thema angefragt und angefordert. Zuweilen
entsteht aus einer Filmbesprechung heraus auch der Wunsch der jungen Menschen ge-
meinsam mit dem FJM ein Thema intensiver mittels eines Workshops zu bearbeiten. Filme
sind eine ausgezeichnete Möglichkeit niederschwellig mit Kindern und Jugendlichen zu
bestimmten Themen ins Gespräch und arbeiten zu kommen. Nachdem man gemeinsam
in gemütlicher Kinoatmosphäre einen Film angesehen hat, steigt man anschließend ge-
meinsam mit den TeilnehmerInnen in eine Gruppendiskussion ein. Diese kann mittels

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speziell dafür von den Mitarbeiterinnen des FJM entwickelten Arbeitsblättern begleitet,
unterstützt und gefördert werden.
Die Filme und deren themenspezifischen Inhalte, welche die Mitarbeiterinnen des FJM für
ihre Angebote nutzen, sind vielseitig und für alle Altersgruppen einsetzbar. Inhaltlich set-
zen sich die Kinder und Jugendlichen so z.B. mit Themen wie Toleranz, Freundschaft, Vor-
urteile, Außenseiterrollen, Konfliktbewältigung, Rassismus, Migration, eigener Identität,
Zivilcourage, Rechtsextremismus, Nationalsozialismus, eigenen Wertvorstellungen und
Alltagsrassismus in Deutschland auseinander.
Die Filmbesprechungen bieten den Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit in einem
geschützten Raum, sich in Form von Gesprächen, im Dialog oder innerhalb der Diskussi-
onsrunde zu den genannten Themen miteinander auseinanderzusetzen. Anhand allgemei-
ner Problemfelder und konkreter Arbeitsaufträge gelingt es so, miteinander in Kontakt zu
treten und an einer gemeinsamen Ergebnis- oder Lösungsfindung konstruktiv zu arbeiten.
In der Auseinandersetzung mit anderen lernen Kinder und Jugendliche, die/den andere/n
aussprechen zu lassen, sich die Meinung anderer anzuhören, die eigene Meinung vor an-
deren öffentlich und sachlich zu formulieren sowie zu vertreten und sich an demokratischen
Entscheidungsfindungen sowie -prozessen zu beteiligen, diese verstehen und akzeptieren
zu können sowie im Alltag anzuwenden.
Die Filmbesprechungen werden sehr gut von Kindern und Jugendlichen angenommen
und auch gewünscht. Insbesondere in den Ferien werden die Mitarbeiterinnen des FJM
vielfach angefordert. Die Filmbesprechungen sind ein sehr gutes Mittel, um mit jungen
Menschen zunächst in Kontakt zu treten, denn sie werden gern und oft konsumiert. Die
Mitarbeiterinnen lassen die Filme jedoch nicht unkommentiert und unbearbeitet stehen.
Jeder Film wird unmittelbar nach seinem Ende mit den TeilnehmerInnen besprochen und
miteinander diskutiert. Im Rahmen der Diskussionen zeigt sich immer wieder, dass den
Kindern und Jugendlichen, die behandelten Themen nicht unbekannt sind und eine ganz
persönliche Meinung zu den gezeigten Dingen haben.
Die jungen Menschen fordern nicht selten im Nachhinein eine oder mehrere Filmbespre-
chung(en) mit den Mitarbeiterinnen des FJM an oder wünschen sich einen aktiven Work-
shop. So konnten beispielsweise im Zuge von Filmbesprechungen ein Zivilcourage-Work-
shop sowie Workshops und Informationsabende zum Thema Rechtsextremismus realisiert
werden.
Filmbesprechung konkret
„Schwarz auf Weiß“ (2009) von Günter Wallraff
Günter Wallraff ist ein deutscher Enthüllungsjournalist, der ein Jahr lang inkognito durch
ganz Deutschland reiste. Außergewöhnlich hierbei ist, dass er dies mit Afro-Perücke und
schwarz-bemalter Haut tat. Als Kwami Ogonno begibt er sich in die verschiedensten All-
tagssituationen – er möchte eine Wohnung anmieten, bewirbt sich um einen Job, begibt
sich auf Stadtfeste, erledigt Behördengänge, besucht ein Fußballspiel, usw.. Der Film do-
kumentiert diese Situationen. Das Ergebnis ist ein zuweilen erschreckender Film, der zeigt,
wie tolerant Deutsch(e)land gegenüber Menschen mit anderer Hautfarbe tatsächlich ist.
Als Somalier Kwami erfährt Günter Wallraff immer wieder Ausgrenzung, Ignoranz und (Be-)
Drohungen. Nur in einzelnen und den seltensten Fällen gehen Menschen auf ihn zu oder
wird couragiert ihm gegenüber gehandelt.
Am Ende des Filmes war der Raum zunächst von betretener Stille erfüllt – es war eine Mi-
schung aus Entsetzen, Enttäuschung, Scham und Traurigkeit. Bereits während des Filmes
wendete sich eine Jugendliche an die Mitarbeiterin des Flexiblen Jugendmanagements
und erkundigt sich danach, wann denn der Film gedreht wurde. Die Erschütterung über

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die Aktualität der eben gesehenen Szenen steht ihr förmlich ins Gesicht geschrieben. Sie
ist es auch, welche die Stille durchbricht und ihre Enttäuschung über den intoleranten
Umgang mit Kwami mit den anderen Jugendlichen zu thematisieren beginnt. Daraus ent-
steht eine lange und sehr rege Diskussion über bestehende Vorurteile gegenüber Men-
schen mit anderer Hautfarbe in Deutschland. Gleichzeitig tauschen sich die Jugendlichen
darüber aus was Zivilcourage in diesem Zusammenhang bewirken kann bzw. wie coura-
giertes Handeln in der Realität aussehen und umgesetzt werden kann.
Hierbei wird deutlich, dass die Jugendlichen dieses Thema sehr ernst nehmen und sich
auch in mancher alltäglichen (persönlichen) Situation – z.B. auf dem Schulhof – durchaus
mehr Zivilcourage wünschen und zukünftig anwenden wollen. Fazit der Diskussion ist: Das
jede/r einen Beitrag für couragiertes Handeln und vorurteilsfreien Umgang miteinander
leisten kann!
Projekt „Aktival24 – Wir packen‘s an!
Jugendliche im Landkreis Meißen“
Basierend auf den Erfahrungen im Landkreis Meißen mit der 48h-Aktion des Sächsischen
Landjugend e.V. hat sich die Arbeitsgemeinschaft „Jugendarbeit im Landkreis Meißen“ im
November 2010 dafür entschieden, ab 2011 einen eigenen Aktionstag mit regionalem Be-
zug zu organisieren. Das Projekt wurde vom Kreisjugendring Meißen e.V. initiiert, vom
Landkreis Meißen und der Sparkasse Meißen unterstützt und vom Flexiblen Jugendma-
nagement praktisch umgesetzt. Als erster Unterstützer konnte Landrat Arndt Steinbach
gewonnen werden: „Die Schirmherrschaft für „Aktival24“ übernehme ich im Jahr 2011 gern,
zumal die Zielstellung des Projektes junge Menschen für das ehrenamtliche Engagement
zu motivieren, besonders im Jahr des Ehrenamtes eine anspruchsvolle Aufgabe ist“.
Ziel ist es, Kindern und Jugendlichen den Spaß am freiwilligen Engagement in der Gruppe
zu vermitteln und sie zur Gestaltung ihres unmittelbaren Lebensumfelds sowie des Ge-
meinwesens zu motivieren. Dabei sollen sie selbständig – bei Bedarf mit Unterstützung
von haupt- und ehrenamtlichen AkteurInnen – Ideen entwickeln, Notwendigkeiten erfah-
ren, ggf. Arbeitsmittel organisieren und einfach aktiv werden. Weiterhin beinhaltet das
Projekt die Ziele, die gegenseitige Anerkennung junger Menschen untereinander zu fördern
und der Öffentlichkeit zu zeigen, dass im Landkreis Meißen zahlreiche Jugendliche aktiv
sind und die Kommunikation zwischen den Generationen funktioniert.
In diesem Sinne gibt es seit 2011 immer am ersten Samstag im Mai einen Aktionstag, der
den Kindern und Jugendlichen öffentlichen Raum für ihr Engagement, ihre Ideen und de-
ren Umsetzung bietet. Angesprochen sind alle Kinder und Jugendlichen des Landkreises
Meißen sowie alle Gruppen, die sich im Rahmen der Mobilen oder Offenen Jugendarbeit
bewegen sowie in der Jugendverbandsarbeit, in Vereinen und in Jugendklubs aktiv sind.
Im Mai 2011, war es erstmals soweit: insgesamt 14 Jugendgruppen beteiligten sich im ge-
samten Landkreis Meißen am Projekt „Aktival24“. Die teilnehmenden Jugendlichen enga-
gierten sich tatkräftig bei der Verschönerung ihres Lebensumfeldes. Mit dabei waren Kin-
der- und Jugendgruppen aus Offenen Jugendhäusern sowie verschiedenen
(selbstverwalteten) Jugendclubs: die „Schmali-Brigade“ vom Schmalen Haus in Meißen,
der Kidstreff des Jesuszentrums in Meißen, der Kinder- und Jugendtreff des U-Punkt, der
U-Punkt Jugend e.V., das Jugend- und Freizeitzentrum Gröditz, der KIZ-Treff Weinböhla,
das Conny-Wessmann-Haus in Großenhain, das Familienzentrum in Großenhain, „De Wilden
Gröditzer“ sowie die Jugendclubs aus Stroga, Strauch, Görzig, Wildenhain und der Jugend-
club Impuls aus Großenhain. Mit jeder Menge guter Laune und einer ordentlichen Portion
jugendlichem Engagement wurden Jugendclubräume renoviert, der Frühjahrsputz absol-
viert, Dachrinnen angebracht, Straßen gesäubert, ein Abenteuer-Spielplatz im Wohngebiet
verschönert, Außengelände bereinigt u.v.m. Insgesamt ca. 200 Kinder und Jugendliche

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waren mit viel Eifer und Spaß vollkommen in ihre Aktionen vertieft. Bei den einzelnen
Aktivitäten wurden die Gruppen von den Sozialarbeitern vor Ort unterstützt.
Das FJM war an dem „Aktival24“-Tag unterwegs und besuchte die einzelnen Gruppen, um
mit den Jugendlichen zum Thema Ehrenamt ins Gespräch zu kommen, die einzelnen Ak-
tionen zu dokumentieren sowie sich für das jugendliche Engagement zu bedanken.
Unser Fazit: Wenn junge Menschen die Chance und die Unterstützung für ehrenamtliches
Engagement bekommen und Anerkennung dafür erfahren, nehmen sie diese Aufgabe gern
an und gestalten ihre Lebensumwelt maßgeblich mit! In diesem Sinne betrachten wir den
Aktionstag „Aktival24“ im Jahre 2011 als vollen Erfolg! Gegenwärtig können wir für 2012
bereits 19 Jugendgruppen – also ca. 300 Kinder und Jugendliche – verzeichnen, die sich
bei „Aktival24“ angemeldet haben und mit ihrem Engagement beteiligen werden.
Demokratiecamp in Görlitz
Im Oktober 2011 verbrachten 30 Kinder und Jugendliche, zwischen 11 und 16 Jahren, ihre
Ferienfreizeit im „Erlebniscamp für Zivilcourage und Mitbestimmung“ in Görlitz. Der Kreis-
jugendring Meißen e.V. organisierte das Demokratiecamp und führte es gemeinsam mit
seinen Kooperationspartnern – der Mobilen Jugendarbeit Radebeul, dem KIZ-Treff Wein-
böhla, dem Offenen Haus Lommatzsch, dem Schmalen Haus Meißen, dem Deutschen Kin-
derschutzbund Nossen sowie dem FJM des Landkreises Meißen – durch. Die jungen Men-
schen, die aus verschiedenen sozialen Verhältnissen sowie unterschiedlichen Lebens- und
Altersstrukturen kamen, verbrachten insgesamt vier Tage miteinander.
Im Alltag zeigt sich immer häufiger, dass junge Menschen, die aus verschiedenen Regionen
des Landkreises Meißen kommen, sich nur sehr selten bis gar nicht kennenlernen. Wenn
Kontakt zu Gleichaltrigen bzw. anderen Kindern oder Jugendlichen besteht, so beschränkt
sich dieser vorrangig auf das gewohnte Umfeld. Entsprechend konzentrieren sich auch die
Freizeitaktivitäten der jungen Menschen auf den Heimatort – z.B. die Kleinstadt oder das
Dorf – in dem sie wohnen und leben. Die jungen Menschen kommunizieren und agieren
immer seltener miteinander und bleiben lieber „unter sich“. Ignoranz, Intoleranz, uncoura-
giertes Miteinander einzelner (regionaler) Jugendgruppen sowie der Rückzug in die eige-
nen vier Wände – z.B. das Kinderzimmer – sind die Folge.
Die Auseinandersetzung und der Austausch bezüglich der Ideen, Meinungen und Stand-
punkte anderer junger Menschen finden immer seltener statt oder fehlen bereits jetzt
gänzlich. Die Konsequenzen werden im Alltag deutlich. Die Kinder und Jugendlichen sind
diskussionsmüde. Demokratischen (Entscheidungs-)Prozessen stehen sie daher schnell
unaufgeschlossen gegenüber, da sie ihnen zu langwierig und unnötig erscheinen. Junge
Menschen tolerieren immer seltener die Meinung anderer, akzeptieren mehrheitlich ge-
troffene Entscheidungen nicht und reagieren somit zunehmend frustriert, kompromisslos
sowie intolerant anderen gegenüber.
Innerhalb des Demokratiecamps wurden die Distanzen der Kinder und Jugendlichen unter-
schiedlicher Regionen des Landkreises Meißen aufgebrochen und überwunden. Denn die
jungen Menschen begaben sich gemeinsam in verschiedenste sozialpädagogische Grup-
penprozesse, die die Mitbestimmung, das couragierte Handeln und somit demokratische
(Entscheidungs-)Prozesse beim Einzelnen sowie innerhalb der Gruppe förderten. Spielpä-
dagogik, soziale Gruppenarbeit, ein Filmabend mit anschließender Gruppendiskussion und
ein Planspiel zum Thema gesellschaftliche Teilhabe und Beteiligung waren Methoden, die
im Rahmen des Demokratiecamps angewandt wurden, um bei den Kindern und Jugend-
lichen Verständnis für die Themen Mitbestimmung, Demokratie, Zivilcourage und Toleranz
zu entwickeln. Aber vor allem, um positive Erfahrungen damit für sie erlebbar, begreifbar
und somit sich selbst handlungsfähig zu machen. So wurde im Rahmen der verschiedenen

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Gruppenprozesse dem einen und der anderen sehr schnell bewusst, dass Vorurteile nicht
immer stimmen. Vorurteile und Klischees geraten bei näherer Betrachtung durchaus ins
Wanken und können im Alltag wiederlegt werden. Den Kindern und Jugendlichen war am
Ende des Demokratiecamps bewusst geworden, dass die Schwächen und Stärken eines
Einzelnen, dessen Ressourcen, dessen Ideen und die gemeinsame Realisierung unabhängig
vom Bildungsstand, vom Alter oder der Gemeinde sind, aus der ein Kind/ ein Jugendlicher
kommt. Gegenseitige Akzeptanz, ein toleranter, vorurteilsfreier Umgang miteinander und
demokratische Entscheidungen sind hierbei wichtig und durchaus von Bedeutung, damit
alle gleichberechtigt beteiligt werden können.
Da die TeilnehmerInnen hier auf andere junge Menschen trafen, die ihnen nicht unmittel-
bar aus ihrem Alltag bekannt waren, spielte die Angst vor Ablehnung oder nicht wahrge-
nommen zu werden eine wichtige Rolle. Diese galt es abzubauen, indem von Beginn an
eine Gruppendynamik geschaffen wurde, die bekannte soziale sowie emotionale Kontak-
te benötigt und gleichzeitig neue aufbaut. Anfängliche Scheu und Gehemmtheit kann
gegenüber der/m „Unbekannten“ überwunden werden – ein aktiver (Meinungs-)Austausch
sowie ein toleranter und akzeptierender Umgang der Einzelnen untereinander werden
stattdessen gefördert.
Mitbestimmung und Zivilcourage sind zwei Themen, denen sich das Netzwerk für Demo-
kratie und Courage e.V. (NDC) seit mehreren Jahren verbunden fühlt und sich aktiv im
Bereich demokratiefördernder Bildungsarbeit engagiert. Ausgebildete ReferentInnen ge-
hen vor Ort und arbeiten gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen zu Themen wie z.B.
Alltagsrassismus, Vorurteile und Klischees sowie Mitbestimmung. Dieses Angebot machte
sich das Flexible Jugendmanagement des Landkreises Meißen zunutze und holte das NDC
nach Görlitz. Einen ganzen Tag lang arbeiteten die ReferentInnen aktiv mit den jungen
Menschen zum Thema „Chancen, Interessen und Einflussmöglichkeiten in unserer Gesell-
schaft“. Den Rahmen für das Thema bildete das Planspiel des NDC mit dem Namen „Mo-
nolizien“ .
9
Nach Beendigung des Spiels diskutierten die Kinder und Jugendlichen angeregt, welche
Chancen und Handlungsmöglichkeiten sie in der Gesellschaft wahrnehmen. Welche For-
men der Teilhabe und Beteiligung an einer Gesellschaft existieren und aktiv wahrgenom-
men werden können. Die jungen Menschen setzten sich hier sehr bewusst mit ihren ganz
persönlichen Zukunftswünschen und -vorstellungen auseinander. Dabei diskutierten sie
miteinander, was sie ihrer Meinung nach für Verwirklichungsmöglichkeiten haben und wie
sie diese wahrnehmen können. Die Diskussion war stellenweise sehr emotional. Die Kinder
und Jugendlichen beschäftigten sich sehr intensiv mit dem Thema. Interessant hierbei war,
wie behutsam und positiv argumentiert wurde. Gegensätzliche Meinungen wurden nicht
einfach übergangen oder abgetan, sondern die jungen Menschen führten ihre Diskussio-
nen auf der Basis eines Dialogs.
Zentrale Themen des Demokratiecamps waren Mitbestimmung und Zivilcourage. Dem-
entsprechend führte das FJM des Landkreises Meißen einen themenspezifischen Filmabend
mit anschließender Filmbesprechung durch. Gezeigt wurde der Film „Davids wundersame
Welt“ (2003). Der Film spielt im London der 60er-Jahre. Hier lebt der elfjährige David Wise-
man mit seiner Familie in einem Arbeiterviertel. Die jüdische Familie flüchtete vor den
Nationalsozialisten nach England. Die Nachbarschaft verhält sich ihr gegenüber eher ver-
halten. Teilweise ablehnend. Die Situation ändert sich als nebenan eine farbige jamaikani
9
„Den Bewohnerinnen und Bewohnern von Monolizien geht es gar nicht so schlecht. Aber die Situation ist nicht mehr so rosig, wie
noch vor ein paar Jahren. Die Bevölkerung wird zunehmend unzufriedener, „Monoliziens Fortschrittspartei“, die mit absoluter Mehr-
heit ins Parlament gewählt wurde, muss etwas tun. Doch ihre Methoden, mit den Problemen umzugehen, wirken sich für einige
Bewohnerinnen und Bewohner des Landes äußerst diskriminierend aus. In welche Richtung die Entwicklung geht und wie sie endet,
habt ihr bei diesem Planspiel selbst in der Hand...“

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sche Familie einzieht – die Familie Samuel. Die vorurteilsbeladenen Nachbarn können Far-
bige noch weniger ausstehen als Juden. Dies hält David jedoch nicht davon ab, heimlich
zu den Samuels zu gehen und sich mit ihnen anzufreunden. Davids Eltern verhalten sich
anfänglich ebenfalls reserviert – dennoch freunden sich die Familien schließlich an. Die
Situation eskaliert als eines Nachts das Haus von den Samuels in Flammen steht. David kann
die Familie Samuel gerade noch rechtzeitig warnen und somit retten. Diese Situation bricht
bei Davids Vater das Schweigen – er ruft alle zu couragiertem Handeln auf. Der Film macht
vor allem auf bestehende Vorurteile sowie intolerantes Verhalten gegenüber Menschen
mit anderer Hautfarbe deutlich. Dramatischer noch, dass der unreflektierte Umgang mit
Vorurteilen zuweilen zu kompletter Ausgrenzung oder gar der Androhung sowie Ausübung
von Gewalt gegenüber „Anderen“ enden kann.
Den Mädchen und Jungen fiel es nicht schwer, in die anschließende Filmdiskussion einzu-
steigen: „Der Film spielt zwar früher, aber wenn man heute mal so guckt, dann sind die
Leute auch heut manchmal noch so und das schlägt dann auch bei manchen ohne Grund
in Wut und Hass um.“ Die Kinder und Jugendlichen sind sehr schnell beim Thema Zivilcou-
rage angekommen und jede/r kann aus eigener Erfahrung erzählen, dass Ausgrenzung
nicht unbedingt einer anderen Hautfarbe bedarf, sondern dass Ausgrenzung und Diskri-
minierung auch in der Schule stattfinden kann. Gründe hierfür können die „falsche“ Klei-
dung oder fehlende Coolness sein. Zivilcourage beginnt hier für viele der Kinder und Ju-
gendlichen, in dem sich einfach jemand an die Seite des Ausgegrenzten stellt und für alle
anderen deutlich macht: „Na und, ich finde dich nett!“ Die Mädchen und Jungen waren sich
einig, dass couragiertes Handeln ganz einfach sein kann. Dass es aber auch Mut und Selbst-
sicherheit voraussetzt: „Manchmal muss man sich einfach in die Lage desjenigen versetzen
und dann muss man eben handeln, wie es einem möglich ist.“ Fazit der teilnehmenden
Kinder und Jugendlichen: Ausgrenzung, Intoleranz und Rassismus sind kein Grund für Ge-
walt! Couragiert Handeln kann jeder und sollte jeder! Denn wer weiß, wann du jemanden
brauchst, der sich für dich einsetzt und dir hilft?!
Im Rahmen einer Stadtführung hörten die Kinder und Jugendlichen einiges über die „Ge-
teilte Stadt“, Görlitz auf der einen und Zgorzelec auf der anderen Seite. Hierbei erfuhren
die TeilnehmerInnen, dass der alltägliche Umgang zwischen polnischen und deutschen
BürgerInnen, ein von Toleranz und Akzeptanz geprägtes Miteinander ist. Ausgrenzung und
Rassismus spielen in der Stadt selbst kaum eine Rolle. Die Menschen begegnen sich in ihrem
Alltag und haben hier miteinander zu tun. Dadurch konnten in den letzten Jahren Vorur-
teile abgebaut und ein toleranter Umgang miteinander aufgebaut werden. Am Nachmittag
kam es im Jugendhaus „Ca-Tee-Drale“ zur Begegnung zwischen den jungen Menschen aus
dem Landkreis Meißen und den Jugendlichen aus der Stadt Görlitz. Die Jugendlichen ka-
men untereinander ins Gespräch und verbrachten teilweise ihre Freizeit miteinander. Sei
es beim Klettern an der hauseignen Kletterwand, bei einem gemeinsamen Stadtbummel
oder das man sich darauf einigte, die Gespräche am Abend bei Spiel und Spaß fortzusetzen.
Den Jugendlichen wurde durch diese Begegnung bewusst, dass ein offener Umgang mit
„Anderen“, einen selbst reicher an Erfahrungen und (Er-) Kenntnissen machen kann.
Gesamtfazit zu den vorgestellten Projekten des FJM Meißen
Die Rückmeldungen der hauptamtlichen Fachkräfte und KooperationspartnerInnen sind
sehr positiv. Allen gemeinsam ist, dass sie beobachtet haben, dass die Kinder und Jugend-
lichen nicht nur während der einzelnen Projekte/ Aktionen sehr positiv miteinander argu-
mentierten, sondern diese Form des Miteinander Kommunizierens und Agierens auch in
ihren Alltag übernehmen. Bei ihren Argumentationen ist es den jungen Menschen wäh-
rend/ nach den Projekten/ Aktionen vor allem wichtig, bei den anderen TeilnehmerInnen/
Mitmenschen Verständnis zu erzeugen anstatt auf Konfrontation zu gehen.
Des Weiteren wird das FJM-Team zunehmend von Kindern und Jugendlichen Junger Ge-
meinden, von Jugendgruppen aus Jugendclubs sowie Offenen Jugendhäusern angefordert,
um mit ihnen einen Themennachmittag/-abend explizit zu den Themen Demokratie, Zi-

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vilcourage und Toleranz durchzuführen und zu den Themen Rechtsextremismus und (All-
tags-)Rassismus aufzuklären, da wir ihr Interesse geweckt haben.
Weiterhin bekommen wir die Rückmeldung, dass sich Jugendliche gern engagieren und
auch engagieren möchten. Nur wird dieses Engagement nur selten anerkannt. Wodurch
sich entweder Frust oder eine ablehnende Haltung bei den jungen Menschen gegenüber
(ehrenamtlichem) gesellschaftlichem Engagement einstellt. Insbesondere bei Aktival24
zeigt sich, dass Jugendliche sich umso stärker engagieren und beteiligen, wenn sich jemand
auch die Zeit für sie und ihre Ideen nimmt und dieses anerkennt. So ist Aktival24 noch gar
nicht richtig beendet, da beginnen schon die Ideen fürs kommende Jahr zu entstehen,
werden weiterentwickelt oder gar noch am darauffolgenden Wochenende realisiert.
In diesem Zusammenhang versteht sich das FJM als eine Art Selbstaktivierungsprojekt,
welches junge Menschen zu selbstbewusstem und selbstständigem Handeln in der demo-
kratischen Gemeinschaft motiviert und Mut zur Selbstbeteiligung macht. Die Mitbestim-
mung/ -gestaltung ihrer Lebenswelt ist der Grundstein des Verstehens und Erlernens von
gesellschaftlicher Teilhabe und demokratischen Prozessen. Insofern kann bestätigt werden,
dass das FJM durch die Ermöglichung jugendaffiner Angebote Demokratiebildungsprozes-
se bei jungen Menschen anstößt.
3.2.4.5 Praxisbericht des FJM Sächsische Schweiz-Osterzgebirge – best practice
von Annika Deichsel, Kristin Katzschner, Jenny Eibig und René Schlaf
Leitziel des FJM im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ist es, die Teilhabe und
Partizipation sowie das ehrenamtliche Engagement junger Menschen zu fördern und nach-
haltige Demokratiebildungsprozesse anzuregen. Um direkt auf die Zielgruppe abgestimm-
te Freizeitmöglichkeiten zu entwickeln und zu stärken, ist es Voraussetzung, die Bedarfe
der Jugendlichen zu kennen. Dafür wurden vielfältige Projekte und Angebote bspw. Ju-
gendbefragungen, Jugendstammtische, Demokratie-Workshops u.a. durch das FJM inner-
halb der Modellphase entwickelt und im Landkreis umgesetzt.
Exemplarisch wird im Folgendem das Projekt „Jugendstammtisch“ als „best practice“ vor-
gestellt und es folgen weitere Projektdarstellungen zum Open Space „Jugend gestaltet
Stadt(t) gestalten zulassen“, sowie zum Beteiligungsprojekt „Rock dein Projekt“.
Projekt „Demokratie erlebbar machen: Jugendstammtisch“
Die Idee, Jugendliche aus der Gemeinde Dohma an einen Tisch zu bringen, ist aus verschie-
denen Treffen und Gesprächen zwischen den Mitarbeiterinnen des FJM und den Mitglie-
dern des Jugendclubs gewachsen. Ziel war es, heraus zu finden wie die Jugendlichen in
der Gemeinde ihre Freizeit verbringen und wo ihre Interessen liegen. Gleichzeitig sollte ein
Austausch zwischen den Jugendlichen der Gemeinde stattfinden und gemeinsam nach
Ideen für Aktivitäten und Projekten geschaut werden, bei deren Umsetzung die Jugendli-
chen selbst Initiative ergreifen.
Durch die Einladung zum Jugendstammtisch erhielten alle Jugendlichen im Alter von 14-27
Jahren die Möglichkeit sich über jugendspezifische Angebote zu äußern, mögliche Verän-
derungsprozesse in Gang zu bringen und an der Weiterentwicklung ihres sozialen Umfeldes
mitzuwirken. Die Jugendlichen beteiligen sich dadurch an der Gestaltung des gesellschaft-
lichen Miteinanders. Nachfolgend werden die Handlungsziele noch einmal konkretisiert:

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Die Jugendlichen
nutzen den Jugendstammtisch um ihre Bedürfnisse/Ideen zu äußern,
lernen das Projekt FJM kennen,
lernen sich innerhalb der Gemeinde gegenseitig kennen und knüpfen neue Kontakte,
kommen in Kontakt mit den Kommunalpolitikern vor Ort,
setzen sich im Rahmen des Stammtisches kritisch mit ihrem Lebensumfeld auseinan-
der,
bringen Ideen zum örtlichen Jugendclub bzw. eigene Ideen für Projekte oder Aktivi-
täten zum Stammtisch ein,
wollen diese Ideen weiterplanen und konkret umsetzen,
nutzen das Beratungs- und Unterstützungsangebot des Flexiblen Jugendmanage-
ments bei der Umsetzung ihrer Projektideen,
erwerben vielfältige Kompetenzen bei der Organisation und Umsetzung ihrer Ideen.
Das Gemeinwesen
setzt sich mit Bedürfnissen von Jugendlichen und dem Thema Jugendtreff auseinan-
der,
wird durch eine aktive Teilnahme der Jugendlichen der Gemeinde verändert und be-
reichert.
Vorbereitung
Der erste Kontakt zu Jugendlichen der Gemeinde Dohma entstand durch Anfrage der Mo-
bilen Jugendarbeit, die den örtlichen Jugendclub regelmäßig aufsucht. Die Jugendlichen
wollten ihren Ort beleben und benötigen dafür Unterstützung, die über das reine Aufsu-
chen hinaus geht. Daraufhin gab es mehrere Treffen mit Jugendlichen der Gemeinde ins-
besondere mit den verbliebenen Mitgliedern des Jugendclubs und mit dem Bürgermeister.
Nach dem die Idee entstanden war alle Jugendlichen einzuladen, unterstützte das Flexib-
le Jugendmanagement die Jugendlichen u.a. bei der Konzeption, der Öffentlichkeitsarbeit,
dem Druck von Einladungskarten und der Moderation des Jugendstammtisches. Die Ge-
meinde und der Bürgermeister unterstützten das jugendliche Engagement und verschick-
ten beispielsweise die Einladungsflyer über die Gemeindeverwaltung an alle Haushalte in
denen Jugendliche leben.
Ablauf
Nach einer Vorstellungs- und Kennenlernenrunde hatten die Jugendlichen angelehnt an
die Methoden „WorldCafè“ und „Zukunftswerkstatt“ die Möglichkeit, eine Ist-Analyse der
Gemeinde Dohma zu erstellen. Dann ging es in die Kritikrunde und im dritten Schritt war
Zeit Visionen und neue Ideen für den Ort zu spinnen. Anschließend wurden die Ergebnisse
von den MitarbeiterInnen des FJM als Moderatorinnen zusammengefasst und gemeinsam
mit den Jugendlichen vorgestellt. Danach blieb Zeit für die Planung weiterer konkreter
Schritte und der Festlegung von Verbindlichkeiten.
Nachbereitung:
Die Jugendlichen erhalten weitere Unterstützung, Beratung und Begleitung bei ihren viel-
fältigen Ideen für den Ort. Für eine langfristige dauerhafte Begleitung des Jugendclubs
werden die MultiplikatorInnen, die den Jugendclub regelmäßig aufsuchen wieder stärker
mit einbezogen. Es ist denkbar weitere Jugendstammtische in der Gemeinde durchzufüh-
ren um den Austausch zwischen Jugendlichen und Gemeindevertretern zu intensivieren.
Im Nachgang des Projektes findet eine Evaluation durch das Projekt Flexibles Jugendma-
nagement statt.
Zitate von Jugendlichen zum Jugendstammtisch allgemein
„guter Austausch von Jung und Alt“
„Konkrete Vorschläge für die Zukunft“
„Neue Mitglieder für Jugendclub gefunden“
„zusammen Konzepte entwickeln und erneuern“

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„Nutzungskonzept für Club erstellen“ und „in X mehr Verantwortung übernehmen“
„gute Zusammenarbeit mit projekt Flexjuma“
Zitate von Jugendlichen zum Jugendstammtisch in Bezug auf ihren Ort
I love Dohma
Was gefällt Euch in der
Gemeinde?
Wo sind gute Plätze?
Meckerecke
Was stört Euch, was findet
ihr an Dohma schlecht?
Wo sind schlechte Plätze?
Spinnbereich
Welche Ideen habt ihr für
die Gemeinde Dohma?
gute Plätze:
JC
privater Treff bei
Jugendlichen zu
Hause
Konsum
Buswendeplatz
Fußballplatz
Sportplatz
Haus des Bürgermeis-
ters
Gemeindeverwaltung
Heide
Kindergarten
Dohma hat nahezu
nur gute Plätze,
dennoch gehört auch
der Buswendeplatz zu
einem der besten
Plätze, da man hier die
Schnittstelle nach
außen hat.
Spannung zw. Rechts
- Links
wenig Achtung vor
dem, was getan wird
Jüngere haben Angst
vor Älteren
Zu wenige Leute im JC
Fehlender Zusammen-
halt
Viel reden, nichts
machen
Fehlendes Engage-
ment
Zu hohe Erwartungen
an den JC
Club: gegeneinander
arbeiten von Vor-
stand vs. Mitglieder
schlechte Plätze:
Naziclub
aller 1-2 Monate Event
im Club (z.B. Grillen,
Singstar)
Vielfältige Themen-
abende & Spezielle
Kursangebote (Graffiti
Workshop) neue Ideen
Freiluftkino &
Proberaum
Internetpräsenz
2. Volleyballfeld
Bessere Organisation
& mehr Mitglieder
werben
Piaggo als Einkaufs-
fahrzeug
Neue Tür für den JC
Fenster sicher, Neue
Toiletten
Sportplatz verlagern
(mit JC zusammen
legen)
Tischtennisplatten
vom Sportplatz hier
her holen
Feste Öffnungszeiten
Zitate von Jugendlichen nach dem erfolgreichen Jugendstammtisch:
Zum Jahresende wollte ich euch noch einmal einen kurzen Bericht senden. Nach unserem
Stammtisch ist der Jugendclub wieder aufgeblüht. Wir haben nun wirklich jede Woche
mindestens ein- bis zweimal auf. Wir haben bis dato einen Singstar-Abend und einen Filma-
bend veranstaltet. Beides auf seine Weise sehr erfolgreich. Wir machen wieder Umsatz.
Unsere Jugend spielt sich auch immer mehr ein. Absprachen funktionieren (nicht immer
aber fast :) also bis jetzt bin ich zufrieden.“
Fazit
Durch den Jugendstammtisch entstanden neue Ideen und Projekte für die Gemeinde. Die
Jugendlichen und Vertreter der Gemeinde kamen in Kontakt und dieser besteht weiter fort.
Der Jugendclub hat sich wieder für neue Mitglieder geöffnet und ist für die Jugendlichen
der Gemeinde wieder attraktiv. Es fanden daraufhin neue Vorstandswahlen statt und es
wurde eine neue Nutzungsvereinbarung mit der Gemeinde vereinbart und unterschrieben.
Regelmäßig finden Themenabende und Veranstaltungen statt, die von und für Jugendliche
des Ortes interessant sind.

image
| 44
Die Ergebnisse zeigen, dass diese Form eine gute Möglichkeit ist die Bedarfe von Jugend-
lichen zu erfassen und die Eigeninitiative Jugendlicher zu stärken ihr Lebensumfeld aktiv
mitzugestalten. „Jugendstammtische“ in dieser und ähnlicher Form wurden mit Unterstüt-
zung des FJM auch in anderen Gemeinden in Kooperation mit der mobilen Jugendarbeit
oder anderen Partnern durchgeführt. Es ist möglich die Methode jederzeit speziell auf die
Gegebenheiten vor Ort anzupassen und anzubieten.
Projekt „Rock dein Projekt
(Aller guten Dinge sind drei: 2010-2012)“
Kinder und Jugendliche sind Teil unserer Gesellschaft. Gesellschaftliches Engagement setzt
voraus, dass man sich als Teil dieser sieht und es sich lohnt, sich für diese zu engagieren.
Jugendliche sind allerdings von Entscheidungsprozessen, die sie und ihr eigenes Umfeld
betreffen, oftmals ausgeschlossen. Dies trägt dazu bei, dass junge Menschen oft wenig
Verständnis für demokratische Entscheidungsprozesse haben. Für sie gibt es einfach zu
wenige Gelegenheiten, Demokratie mit ihren Möglichkeiten der Entscheidung und Betei-
ligung aktiv zu nutzen. Diese verallgemeinerte Feststellung erfährt man auch im Landkreis
Sächsische Schweiz-Ostergebirge.
Deshalb ist es wichtig diese Prozesse Jugendlichen zugänglich zu machen, insbesondere
im ländlichen Raum. „Rock dein Projekt“ bietet dafür die ideale Plattform. Erstmals wurde
dieses Beteiligungsprojekt im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge 2010 durchge-
führt. Es dient als Anschubsprojekt und soll Jugendliche dazu motivieren, die Bereitschaft
für eine aktive Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu entwickeln.
Diese Methode zur aktiven Beteiligung von jungen Menschen wurde vom Kulturbüro Dres-
den e.V. konzipiert und seit mehreren Jahren erfolgreich durchgeführt. Eine Ausbreitung
der Methode in andere Landkreise findet seit einigen Jahren statt. In unserem Landkreis
soll sich „Rock dein Projekt“ - bei Weiterführung des Flexiblen Jugendmanagements eta-
blieren und fester Bestandteil der Jahresplanung des FJM werden. Das FJM schafft die Rah-
menbedingungen für die Umsetzung des Projektes.
Bei den Jugendlichen der Region soll Toleranz gefördert und das Verständnis für demokra-
tische Strukturen vermittelt werden. „Rock dein Projekt“ ist eine Möglichkeit der Partizipa-
Ergebnisse / Fazit – Was wird wie umgesetzt:
Feste Öffnungszeiten für den Jugendclub:
ein Tag in der Woche, dazu wird
die Nutzungsvereinbarung geändert bzw. erst einmal von allen gelesen –
die Jugendlichen setzen sich mit Bürgermeister in Verbindung
Tür und Fenster sichern, Toiletten: Unterstützung durch Gemeinde
zugesichert
Sportplatz verlagern / 2.Volleyballfeld / Tischtennisplatten:
Sportplatz
verlagern ist vorerst nicht möglich, aber Tischtennisplatte kann bei
weiterer Nichtnutzung an den JC gebracht werden und zum Thema
Volleyball am JC soll es ein weiteres Gespräch mit der Gemeinde geben
Events
: vielfältig und neu für den Ort schaffen
Termin
für nächstes Treffen:
3.10.11 im Jugendclub
Thema wird sein: Wahl eines Vorstandes für den Jugendclub neue
vielfältige Events, bei denen neue Mitglieder und weitere Mitstreiter
geworben werden sollen.

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tion, welche Jugendliche nutzen können, um an demokratischen Prozessen teilzuhaben
bzw. diese auszuprobieren. Durch o.g. Projekt wird den Jugendlichen Demokratie als All-
tagskonzept vermittelt. Durch die Teilhabe an einem wirklich vorgelebten und selbst er-
lebten demokratischen Prozess, fällt es ihnen leichter Beteiligungsmöglichkeiten in ihrem
Alltag zu erkennen und für sich zu nutzen. Neben dem Erlernen und Umsetzen demokra-
tischer Prozesse lernen und erweitern die Jugendlichen ihre sozialen Kompetenzen wie z.B.
kommunikative Fähigkeiten, Teamfähigkeit, Kritikfähigkeit und Toleranz.
Im Folgenden werden die Handlungsziele für 2012 dargestellt:
Die Jugendlichen engagieren sich ehrenamtlich in ihrer Freizeit am Jury-Wochenende
und sind anerkannt.
Die Jugendlichen sind ehrenamtlich in ihrem Gemeinwesen aktiv und nutzen das Be-
ratungsangebot um ihre Projektideen umzusetzen.
Jugendlichen nutzen „Rock Dein Projekt“ um Fördermittelvergabeprozesse nachzu-
vollziehen und selbst anzuwenden.
Jugendiche rechnen die Fördermittel selbständig ab und lernen den sinnvollen Um-
gang damit.
Die Jugendlichen fühlen sich wohl und tolerieren unterschiedliche Lebensentwürfe.
Am Jury-Wochenende werden Entscheidungsprozesse demokratisch ausgehandelt
und Kriterien erarbeitet.
Bei der Jurysitzung werden Regeln, Vergabeschlüssel, Bewertungskriterien und der
Ablauf durch die Jugendlichen angewendet.
Jugendliche wenden die erlebten Demokratiebildungsprozesse an.
Jugendliche erweitern durch ihre Ideen und Projekte die Angebotsvielfalt in ihrem
Gemeinwesen.
Durch „Rock Dein Projekt“ werden ehrenamtliche Strukturen/ Initiativen/ Verbände
im Landkreis durch einen einfachen Zugang zu Fördermitteln unterstützt.
Vorbereitung:
In der ersten Hälfte des Jahres geht es darum, Rahmenbedingungen zu klären, einen Kos-
ten- und Finanzierungsplan und ein Teilkonzept aufzustellen, sowie Kooperationspartner
zu gewinnen, Sponsoren für den Fördertopf zu akquirieren und Öffentlichkeitsarbeit für
das Projekt zu starten. Dabei gilt es, zur Bekanntmachung des Projektes, Flyer und Plakate
zu entwerfen, Presseartikel zu schreiben und „Rock dein Projekt“ in AGs nach § 78 SGB VIII
vorzustellen, um Multiplikatoren zu gewinnen. Wichtig ist das gezielte Ansprechen der
Zielgruppe, um interessierte junge Menschen (14-27 Jahre) für die Jugendjury zu gewinnen.
Die TeilnehmerInnen können sich mit Hilfe des Flyers oder online über die Homepage des
Jugendrings bewerben. Auch die Jugendgruppen, welche sich mit ihrer Projektidee be-
werben können, müssen gezielt und mit Hilfe von Multiplikatoren angesprochen werden.
Diese können dann den kurzen Förderantrag stellen. „Rock dein Projekt“ bietet eine Platt-
form einerseits für Jugendliche, die gerne organisieren/ planen und beispielsweise kultu-
relle Ideen haben, die sie gerne mal umsetzen wollen. Andererseits werden auch Jugend-
liche angesprochen, welche gerne darüber entscheiden wollen, welche neuen Projekte im
Jugendbereich umgesetzt werden sollen.
Durchführung:
Der Schwerpunkt des Projektes liegt auf dem Bildungswochenende für die ca. 10 Jugend-
lichen aus dem Landkreis. Dieses Wochenende steht unter dem Motto „Gewusst wie- de-
mokratisch leben und handeln“. Es wird sowohl in Kleingruppen als auch in der Großgrup-
pe mit einem umfangreichen Methodenmix gearbeitet. Ein Schwerpunkt des Workshops
ist das Thema „Beteiligung“. Hier soll den jungen Menschen sichtbar gemacht werden, wo
und wie sie sich bereits demokratisch in ihrem Alltag beteiligen und wo und wie sie es noch
tun können. Der Höhepunkt dieses Wochenendes ist die Erarbeitung der Fördermittelkri-
terien für „ihren Fördertopf“ und der Vergabeschlüssel, nach denen sie die eingegangenen
Jugendprojekte bewerten wollen. Diese sind Grundlage für die öffentliche Jurysitzung.
Hier können die Jugendlichen, ihre am Bildungswochenende erworbenen Kenntnisse und

image
| 46
Fähigkeiten in einem demokratischen Miteinander ausprobieren und öffentlich diskutieren.
Die Jugendjury bekommt im Vorfeld die Projektanträge, damit sie einen ersten Eindruck
über die eingereichten Projektanträge bekommen können. In der öffentlichen Jurysitzung
stellen die Jugendlichen, welche sich für die Projekte beworben haben, ihre Idee, fetzig in
zwei Minuten vor. Danach hat die Jugendjury kurz die Möglichkeit Rückfragen zu stellen.
Dann folgt die Beratung über die einzelnen Projekte vor dem Publikum. So dass Entschei-
dungen, aber auch der Diskussionsprozess der Jury durchgehend transparent sind und für
die Antragsteller, als auch für das Publikum nachvollziehbar.
Nachbereitung:
Die Beratung, Unterstützung und Umsetzung der geförderten Projektideen werden nach-
haltig durch das Flexible Jugendmanagement und deren Kooperationspartner abgesichert.
Für die Jury und die Bewerber wird es ein Auswertungstreffen geben. Einerseits ist dies für
die Projektantragssteller wichtig, da diese ihre Abrechnungsmodalitäten klären können
und nicht geförderte Projekte können durch uns neu motiviert werden. Andererseits er-
möglicht das Treffen, der Jury den Abend zu reflektieren. Im Nachgang zu der Veranstaltung
findet eine Evaluation durch das FlexJuMa statt.
Zitate von Jugendlichen aus den öffentlichen Jurysitzungen:
„100€ gibt’s für Euch als Startkapital“, „Ich find´s genial, dass ihr so einen umfangrei-
chen Projektantrag habt.“, „Wir fördern hier aber kein Bier, deshalb gibt´s kein Geld für
Getränke!“
„Der Hinweis fürs nächste Mal: Wofür soll das Geld genau ausgegeben werden und
das bitte transparenter machen. Man braucht als Jury immer genaue Infos!“. „Wir müs-
sen gucken was jetzt Phase ist!“
Zitate von Jugendlichen von den Jurywochenenden:
„Mir hat eigentlich alles gefallen: die Leute, die ,Arbeit´ und die Süßigkeiten“
„Ich bin zufrieden mit meiner Arbeit als Jurymitglied“
„Ich habe das Wochenende viel über Vorurteile gelernt“, „Demokratie ist mein neues
Lieblingswort“
„Das müssen wir jetzt erst mal ausdiskutieren, ob wir das alle wirklich wollen…“
Fazit
Die Durchführung im ersten Jahr hat gezeigt, dass es sinnvoller ist, „Rock dein Projekt“ in
der Mitte des Jahres durchzuführen, damit die Jugendgruppen im Sommer noch Zeit ha-
ben, ihre Projekte umzusetzen und bei uns abzurechnen. Ein Ziel von „Rock dein Projekt“
war und ist es auch, dass Jugendliche, welche im einem Jahr die Seite als Projektantragstel-
ler kennen gelernt haben, sich im nächsten Jahr als Jurymitglied bewerben. Durch „Rock
dein Projekt“ wird den beteiligten Jugendlichen Demokratie als Alltagskonzept vermittelt.
Die Ausstrahlung der geförderten Einzelprojekte in die jeweiligen Sozialräume stellt darü-
ber hinaus eine zielgerichtete und nachhaltige Wirkungsebene dar. Die geförderten Pro-

image
| 47
jekte setzen ihre Ideen nach der Jugendjury um, so dass „Rock dein Projekt“ auch über den
Aktionszeitraum hinaus in den Gemeinden wirksam ist. Durch die vielfältigen Ideen der
Jugendlichen erlebt das Gemeinwesen eine Aufwertung des sozialen und kulturellen Mit-
einanders. Die Jugendlichen sind zudem in der Lage demokratische Prozesse zu verstehen
und diese auf ihren Alltag anzuwenden. „Rock dein Projekt“ soll ein fester Bestandteil der
Demokratiearbeit im Rahmen des FJM werden.
Projekt Open Space Pirna
„Jugend gestaltet Stadt(t) gestalten zu lassen
Am 24.03.2012 hat der Jugendring und das FJM die Veranstaltung Open Space Pirna „Ju-
gend gestaltet Stadt(t) gestalten zu lassen!“ im Herder Gymnasium umgesetzt. „Open
Space“ kann dabei mit „Freiraum“ übersetzt werden. Der Jugendring Sächsische Schweiz-
Osterzgebirge e.V. und die Stadt Pirna wollten die Anliegen der Jugendlichen erfahren. Um
bedarfsgerecht zu arbeiten, ist es eine Voraussetzung zu wissen, was die Jugendlichen
wollen. Dafür war die Open Space-Veranstaltung ein geeigneter Rahmen.
Das Anliegen der Open Space-Veranstaltung war, Jugendliche, die in Pirna leben oder einen
Großteil ihrer Zeit dort verbringen, mit anderen interessierten Bürgern, Vertretern der Stadt
und der Jugendarbeit in Kontakt zu bringen. Dies sollte in einem offenen Rahmen stattfin-
den in dem sich alle Beteiligten auf Augenhöhe begegnen. Das Leitthema „Jugend gestal-
tet Stadt(t) gestalten zu lassen!“ bietet Gestaltungs- und Mitsprachemöglichkeiten für Ju-
gendliche in Pirna. Dabei bringen die Jugendlichen ihre Themen selbst ein, organisieren
sich in Arbeitsgruppen, legen Arbeitsschritte fest, erstellen Handlungspläne und benennen
Verantwortliche.
Der Partner des FJM beim Open Space war die Stadtverwaltung von Pirna. Das FlexJuMa
war dabei Vorbereiter, Umsetzer und Begleiter.
Handlungsziele für das FJM waren bei diesem Projekt:
Jugendliche, sowie verschiedene Jugendgruppen, Vereine, MultiplikatorInnen und
politische Verantwortliche nehmen am Open Space teil,
die Jugendlichen bringen ihre Anliegen und Themen aktiv ein,
das Interesse der Jugendlichen soll geweckt werden, ihre Ideen im Nachgang umzu-
setzen,
Jugendliche werden für ihr Engagement in ihrem Ort gewürdigt und anerkannt,
durch ihre Ideen soll die Angebotsvielfalt in der Stadt Pirna erweitert werden,
die Jugendlichen sollten neue Initiativen, Partner und Gruppen kennenlernen,
der Jugendring und das FJM setzen einen Impuls in der Jugendarbeit, um neue Netz-
werke anzuregen.
Vorbereitung
Im Vorfeld wurde die Methode Open Space im Pirnaer Stadtrat präsentiert und in enger
Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung umgesetzt. Um den Bedarf der jungen Men-
schen zu erfahren, wurde diese Methode gewählt, da sie den TeilnehmerInnen eine hohe
Beteiligung und Selbstorganisation ermöglicht. Es gibt ein Leitthema, welches dringend,
breit angelegt, komplex und wichtig ist. In diesem Fall ist das Leitthema: Jugend bewegt
etwas in der Stadt Pirna. Die Zielgruppe waren Jugendliche, welche einen Großteil ihrer
Zeit in Pirna verbringen, sei es durch Schule, Ausbildung, Arbeit oder in ihrer Freizeit. Um
die Zielgruppe zu erreichen wurden 1.400 Jugendliche im Alter von 16 bis 21 Jahre ange-
schrieben und eingeladen. Zusätzlich hat der Jugendring Informationsstände an den Pir-
naer Schulen angeboten und in der Innenstadt - in öffentlichen Einrichtungen - Plakate
aufhängen lassen. Die Stadt Pirna organisierte eine Pressekonferenz und alle Pirnaer Ver-
eine und Initiativen im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit, sowie die Stadträte der de-

image
| 48
mokratischen Parteien, erhielten eine Einladung. Die geeigneten Räumlichkeiten wurden
im Herder Gymnasium angemietet und ein erfahrener Moderator von der Friedrich-Ebert-
Stiftung gewonnen.
Ablauf
Der Moderator erklärte die Methode und anschließend brachten die Jugendlichen ihre
Themenvorschläge ein. In Workshop-Gruppen wurde mit allen Interessierten das entspre-
chende Thema besprochen und analysiert. Es wurde nach Lösungsansätzen gesucht und
es sind Handlungs-planungen entstanden in denen Verantwortliche benannt und erste
Schritte festgelegt wurden. Bei der Umsetzung des Projektes konnten die TeilnehmerInnen
völlig frei ihre Anliegen einbringen, sich in Gruppen organisieren und Diskussions- und
Pausenzeiten festlegen. Neben organisatorischen Aufgaben war das FJM bei der Veranstal-
tung vor Ort, sorgte für einen reibungslosen Ablauf und war Ansprechpartner für die Be-
teiligten. Die Veranstaltung war gut organisiert und durchgeführt und verlief reibungslos.
Es gab 38 Teilnehmer, davon waren 28 Jugendliche, sechs Berufstätige und vier Senioren.
Von Seiten der Stadt Pirna war der Bürgermeister anwesend, ebenso wie einige Stadträte
und Politiker. Außerdem waren elf Vereine bzw. Initiativen vertreten.
Nachbereitung
Das FJM stellte die Ergebnisse der Veranstaltung für alle Beteiligten zusammen, schreibt
die Workshop-Gruppen gezielt an, trifft Terminvereinbarungen, begleitet und unterstützt
die Gruppen bei der Umsetzung. Die Methode „Open Space“ wurde gut aufgenommen
und die Jugendlichen nutzten die Chance, ihre Themen und Interessen ohne bürokratische
Hürden oder Verwaltungsstrukturen einbringen zu können. Open Space eignet sich sehr
gut um Ideen zu sammeln, erste Konzepte zu erstellen, Mistreiter zu finden und sich mit
anderen Gruppen und Verantwortlichen zu vernetzen. Die Jugendlichen erlebten Politiker
und Bürger hier als offene, interessierte Ansprechpartner und Mitstreiter.
Rückmeldungen der Partner/ TeilnehmerInnen
„Open Space hat uns gezeigt, was die Jugendlichen in unserer Stadt sich wünschen,
was sie auch selbst in die Hand nehmen wollen. Jetzt sind wir gespannt auf die weite-
re Initiative der Gruppen, die sich an dem Tag gefunden haben.“ (Stadtverwaltung)
Von den 38 Teilnehmern füllten 19 Personen einen Feedbackbogen aus. Davon würden
18 Personen wieder an einer Open Space-Veranstaltung teilnehmen, während eine Person
sich nicht sicher war („mal sehen“). Ihre Stimmung zur Veranstaltung empfanden, laut Fra-
gebogen, fünf Personen als „gut“, zwei Personen als „gut“ bis „sehr gut“ und zwölf Personen
als „sehr gut“.
Auf die Frage „Was hat Dir besonders gefallen?“, antworteten die jugendlichen Teilnehmer:
„offenes freundliches Umfeld, gute Versorgung der Teilnehmer“ und „die Offenheit
der Anwesenden“
„neue Kontakte knüpfen, sehen was andere Menschen über Pirna denken und welche
Probleme sie sehen, es gab gute Lösungsvorschläge“
„Workshops, die alle Jugendlichen gemeinsam erdachten und mitgestalteten“
„Es gibt Themen an denen weitergearbeitet wird, die Jugendliche interessieren“
„Keiner hat sich um eine Meinungshoheit bemüht“ und „die verschiedenen Meinun-
gen“
„entspannte Gespräche mit konstruktiven Gedanken, die wirklich umsetzbar schei-
nen“ und „offene Gespräche, nette Atmosphäre, gute Ideen – die hoffentlich ange-
packt werden von uns allen“
„Wie viele Menschen da waren und die Themen die besprochen wurden“
„Ideen, Organisation, Freundlichkeit der Mitarbeiter, Moderation und damit verbunde-
ne Erklärung der Methode“

| 49
Was hat Dir überhaupt nicht gefallen? :
„ein bisschen regere Beteiligung von Verantwortungsträgern“
„leider gab es zu wenig Jugendliche die nicht bereits schon irgendwie aktiv sind“
„zu wenig Jugendliche, nicht alle Vereine, welche Jugendarbeit durchführen, waren
anwesend
Anregungen und Verbesserungswünsche? :
„Ich hoffe das es solch eine Veranstaltung auch im nächsten Jahr nochmal gibt, dies
würde mich sehr freuen“ und „gern nochmal“
„mehr Zeit“
Fazit
Das erste Open Space in Pirna war ein Erfolg. Die Methode ist bei den Jugendlichen gut
angekommen, da sie den Tagesablauf selbst gestalten, sowie die besprochenen Themen
selbst einbringen konnten. Von den Beteiligten haben sich viele Jugendliche eingebracht,
die auch sonst in Jugendgruppen und -initiativen engagiert sind. Sehr gut funktioniert
haben die Anliegensammlung und die Workshop-Phasen inklusive Diskussion. Es gab wäh-
rend des Open Space erste Verknüpfungen zwischen Jugendlichen, Politikern und Initiati-
ven und positive Effekte durch das persönliche Kennenlernen. Dies erleichtert auch ein
erneutes Zusammenkommen. In den Diskussionsrunden fand der Austausch auf Augen-
höhe statt. Es wurden Berührungsängste gegenüber Vertretern der Stadt/ Politikern abge-
baut. Der Rahmen ermöglichte ein Zusammensitzen in einer lockeren Runde, dies senkt
die Hemmschwelle, Anliegen vorzubringen.
Wünschenswert wäre im Verhältnis zur geleisteten Öffentlichkeitsarbeit eine zahlenmäßig
höhere Beteiligung von Jugendlichen gewesen. Für eine effiziente Arbeit in den Workshops
war die Anzahl der anwesenden Jugendlichen jedoch optimal. Zurzeit ist kein weiteres
Open Space geplant. Allerdings besteht die Möglichkeit Open Space-Veranstaltungen auch
in anderen Städten des Landkreises durchzuführen.
Es entstanden an diesem Tag acht Workshops, die Themen reichten von unzureichenden
Busverbindungen, über Jugendmitbestimmung, Vernetzung der Jugendarbeit bis zur Be-
reicherung des Nachtlebens. In drei Gruppen entstanden Handlungsplanungen. Das FJM
unterstützt die beteiligten Gruppen bei der Umsetzung ihrer Ideen und versucht so dazu
beizutragen, dass sich aus der Veranstaltung konkrete Ergebnisse entwickeln.
3.2.4.6 Ergebnisse
Mit Blick auf die vorgestellten Projekte im Rahmen des FJM ist zu konstatieren, dass die
Angebote von der Zielgruppe sehr gut akzeptiert und angenommen wurden. Mit den An-
geboten erreichten die Fachkräfte des FJM im Regelfall motivierte Kinder und Jugendliche,
die sich engagieren wollten bzw. an der Umsetzung einer Idee bzw. eines Vorhabens ein
originäres Interesse hatten (z.B. Skatergruppe möchte [vorrangig] für sich einen Skatepark).
Insbesondere Jugendgruppen, aber auch Kooperationspartner erhielten durch das FJM
Ermögichungs-, Unterstützungs- sowie Begleitungsstrukturen. Hervorzuheben ist, dass der
Realisierung stets eine sorgsame Bedarfsabfrage und -einschätzung vorausging, wobei
sich hierbei verschiedener Methoden bedient wurden, z.B. teilnehmende Beobachtung
oder Befragung der potentiellen Zielgruppe. Größtmögliches Augenmerk lag darauf, den
Unterstützungs- oder Begleitungsbedarf gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen
bzw. den Kooperationspartnern auszuhandeln, nicht zuletzt, um das Selbstaktivierungs-
potential der jungen Menschen bestmöglich zu nutzen.

| 50
Die Umsetzung war in allen Phasen geprägt von einem hohen Maß an Beteiligung der
Kinder und Jugendlichen; zum aktiven Mitgestalten und zum „Sich-Einbringen“ wurde stets
motiviert. Die positiven Feedbacks der TeilnehmerInnen sind ein Indiz für die Akzeptanz
der Angebote sowie für eine große Passgenauigkeit zwischen der inhaltlichen Ausgestal-
tung der Angebote und den Bedürfnissen bzw. Erwartungen der Zielgruppe. Es bleibt
festzustellen, dass es durch das FJM gelungen ist, jugendaffine Angebote zu ermöglichen,
zu unterstützen und zu begleiten.
In den Projekten wurden eine Reihe von Ansätzen und Methoden der unmittelbaren Mit-
bestimmung und Mitgestaltung initiiert, mittels derer Kindern und Jugendlichen Selbst-
erfahrungen in punkto demokratische Spielregeln ermöglicht wurden. Insbesondere durch
das Fördern von Gesprächskultur in moderierten Gesprächsrunden, respektvollen Diskus-
sionen sowie das Herstellen von Dialogbereitschaft unter gleichberechtigter Beteiligung
aller Akteure wurde eine Akzeptanz des Gegenübers angeregt. Jungen Menschen konnte
durch die Beteiligungsprozesse ein selbstbestimmter, struktureller und insbesondere er-
lebbarer Rahmen gegeben werden. Sie konnten die Erfahrung machen, dass Transparenz
durch Mitbestimmung sowie Mitgestaltung entsteht.
Im Ergebnis wird durch die Fachkräfte des FJM signifikant festgestellt, dass bei den Jugend-
lichen eine Akzeptanz des Gegenübers entstanden ist. Zudem war in allen Fällen eine zu-
nehmende wertschätzende Streitkultur und eine gesteigerte Kritik- und Kompromissfähig-
keit charakteristisch. Hieraus ableitend, ist davon auszugehen, dass die Kinder und
Jugendlichen die gemachten (Demokratie)Erfahrungen in ihren individuellen Alltag über-
nehmen.

| 51
van Santen, E.
(2008):
Weniger Jugendliche, weniger Jugendarbeit? Demografische Veränderungen als Heraus-
forderung für die Jugendarbeit. In: Netzwerk für Kultur- und Jugendarbeit (Hrsg.): Fachtag
„Demografie und Jugendarbeit“ am 18. April 2008 in Chemnitz. Chemnitz 2008, S. 10-14.
Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz,
Landesjugendamt (2010):
Sozialstrukturatlas des Sächsischen Landesjugendamtes für den Freistaat Sachsen 2010.
4
Literatur

| 52
5
Anhang
Rahmenkonzept zum Flexiblen Jugendmanagement
Flexibles Jugendmanagement als Beitrag der Kinder- und Jugendhilfe zur Demokratiebil-
dung und Demokratieerziehung
1 Grundsätze
Bildung und Erziehung als gesetzlicher Auftrag der Kinder- und Jugendhilfe mit daraus
resultierenden Angeboten
für alle jungen Menschen
im Freistaat Sachsen benötigen
verlässliche, einer kontinuierlichen Weiterentwicklung unterliegende Strukturen.
Die politisch gewollte Mitgestaltung der Gesellschaft durch junge Menschen erfor-
dert zuverlässige Ansprechpartner für junge Menschen.
Demokratiebildung kann gelingen, wenn sie an vielfältigen, den örtlichen Gegeben-
heiten entsprechenden, Lernorten erfolgt. Dazu bedarf es der Schaffung von Zugän-
gen.
„Erziehung zur Demokratie“ erfordert ein kontinuierliches, programmatisches Mit-
einander der in der Erziehung stehenden Akteure vor Ort (Kommunen, Schule, Eltern,
Kirchen, weitere freie gesellschaftliche Kräfte).
Projekt- und Strukturförderungen bei der Demokratiebildung müssen sich sinnvoll
ergänzen.
2 Ausgangslage
Beim Vergleich der Strukturen und „Versorgungsdichten“ im Bereich der Kinder- und Ju-
gendhilfe im Freistaat Sachsen – hier insbesondere der Jugendarbeit und Jugend- sozial-
arbeit – ist ein deutlicher Stadt-Land-Gegensatz zu konstatieren. Dies zeigen z.B. der Sozi-
alstrukturatlas 2007 oder die Situationsbeschreibung 2008 zur Arbeitsmarktre form des
Landesjugendamtes.
Charakteristisch für den ländlichen Raum sind oftmals fehlende oder unzureichende ju-
gendkulturelle Angebote als Sinn und Identität stiftende Orte. Für die eingemeindeten
Gebiete um die urbanen Zentren der Großstädte von Sachsen sind es oftmals die feh lenden
infrastrukturellen Möglichkeiten, welche junge Menschen an der kulturellen Vielfalt nicht
teilhaben lassen können. Bedingt durch den tief greifenden infrastrukturellen Wandel
kommt bei jungen Menschen erschwerend eine fehlende Regionalperspektive hinzu.
Darüber hinaus ist festzustellen, dass antidemokratische und insbesondere rechtsextre-
mistische Organisationen in Sachsen seit einigen Jahren zunehmend Jugendliche als Ziel-
gruppe entdecken, um ihre Ideologien nachhaltig zu verbreiten. Sie bedienen sich dabei
jugendaffiner sowie jugendkulturell verpackter Aktivitäten (z.B. die so genannte „Schulhof-
CD“-Aktion, Skinhead-Konzerte, informelle Partys). Dadurch wird Jugendlichen der Einstieg
in die rechte Szene erleichtert. Außerdem wird mutmaßlich Sinn aufgezeigt, indem Ge-
meinschaft, Rituale, autoritäre Führung sowie hierarchische Strukturen in einem aggressi-
ven Zusammenschluss gegen Andere und Anderes in Aussicht gestellt werden. Der Reiz
der Abgrenzung gegenüber einer Erwachsenenwelt – die selbst zunehmend in einer Art
Jugendlichkeit verharrt – kann für junge Menschen eine zusätzliche Motivation bilden. In
Verbindung mit dem Fehlen alternativer, Identität stiftender Angebote vor Ort sind sie dann
besonders anfällig für rechtsextreme Ansprache.

| 53
3 Auftrag für die oberste Landesjugendbehörde
Das Sozialministerium als oberste Landesjugendbehörde hat deshalb die Notwendigkeit
gesehen, ein entsprechendes Grundkonzept für ein flexibles Jugendmanagement
zu erstellen. Dies erfolgte nicht zuletzt vor dem Hintergrund des Kommunalforums in Rie-
sa am 15.11.2007 und der daraus abgeleiteten Aufträge an die Ressorts der Staatsregierung
sowie in Umsetzung der Verpflichtungen, die der Freistaat nach § 82 SGB VIII zu erfüllen
hat. Die daraus resultierenden Aufgaben finden sich insbesondere in den §§ 11 bis 14
SGB VIII wieder.
Aus der beschriebenen Ausgangslage sind dabei insbesondere folgende Fragen abzuleiten:
Wie kann die Kinder- und Jugendhilfe mit ihrem gesetzlichen Auftrag und ihren Mög-
lichkeiten Identität stiftend wirken, Alternativen zu den unter 2 genannten „Angebo-
ten“ bieten und so (rechts)extremistischen Tendenzen bei Jugendlichen nachhaltig
entgegenwirken?
In welcher Form kann z. B. Jugendarbeit zukünftig für einen Teil der Jugendlichen noch
wirksamere Sozialisationshilfe leisten und förderliche Gesellungsformen schaffen?
Die Erstellung des Konzeptes beruht darüber hinaus auf den nachfolgenden Leitgedanken.
Sie resultieren aus langjährigen Erfahrungen im Bereich der Jugendarbeit und Jugendso-
zialarbeit, aus Erfahrungen der Fachkräfte vor Ort, den Erkenntnissen aus dem AGAG-Pro-
gramm sowie aus Gesprächen mit den Begleitern des Programms „WOS“:
Es fehlt für einen Teil der Jugendlichen in Sachsen zunehmend an sozialemotionalen
und sozialräumlichen Bindungen auf der Basis demokratisch-freiheitlicher Normen.
Es bedarf im Freistaat flächendeckend verlässlicher Strukturen, um Jugendarbeit und
Jugendsozialarbeit erfolgreich zu praktizieren.
Orte der Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit wirken Identität stiftend, denn über
diese wird der Herkunftsort attraktiv, werden Cliquen gebildet und belebt. Dies ist
wirksame Prävention, wie im Besonderen der milieubildende und milieuvermittelnde
Charakter der AGAG
1
-Projekte gezeigt hat.
Jugendarbeiter/-innen müssen sich als sozialräumliche Netzwerker verstehen, wenn
natürliche Gemeinschaften, etwa peers, zunehmend erodieren. Daraus ergibt sich ein
unmittelbarer jugendpolitischer Auftrag an die Professionellen im Handlungsfeld der
Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit.
Das Ernstnehmen der jugendlichen Sozialisationshintergründe, Auffassungen und
Motive ist Basisvoraussetzung für eine Auseinandersetzung mit Jugendlichen und für
die Möglichkeit der Veränderung von Einstellungen und Ansichten.
Es gilt, Gelegenheiten zu schaffen, damit junge Menschen ihr Bürgerrecht auf
Selbst- und Mitbestimmung einlösen können.
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Aktionsprogramm des Bundes gegen Aggression und Gewalt

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4 Beschreibung des Konzeptes
4.1 Vorbemerkung
In den innerhalb der Ausgangslage beschriebenen Regionen werden Räume und Struktu-
ren benötigt, in denen einerseits junge Menschen ihre individuellen Bedürfnisse artikulie-
ren und ausleben können, andererseits auch ihrer gesellschaftlichen Mitbestimmung und
Beteiligung Ausdruck verleihen können. Entsprechende Einrichtungen mit hauptamtlichen
Mitarbeitern sowie ehrenamtlich geführte bzw. selbstverwaltete Einrichtungen der Kinder-
und Jugendhilfe sind dafür unabdingbar.
Allerdings ist in den letzten Jahren im Rahmen des in den Kommunen vorherrschenden
Kostendrucks ein zunehmender Rückgang dieser Strukturen bzw. eine „Verehrenamtli-
chung“ der Jugendarbeit zu verzeichnen.
Zum einen ist es nicht immer notwendig (und von Jugendlichen zuweilen auch nicht er-
wünscht), die offene Jugendarbeit durch den Einsatz hauptamtlicher Kräfte zu betreiben.
Vielfach genügt ein zeitlich begrenzter Einsatz, um Probleme zu lösen, Impulse zu setzen
und das ehrenamtliche Engagement zu stärken, so dass die Jugendarbeit und Jugendso-
zialarbeit als demokratieförderndes Element wieder voll funktionstüchtig ist. Zum anderen
ist es für viele – insbesondere kleinere – Gemeinden ein (zu) hoher finanzieller Aufwand,
hauptamtliche Fachkräfte einzustellen.
Der Betrieb beispielsweise eines selbstverwalteten Jugendtreffs jedoch ist häufig prob-
lembehaftet. Durch Abwanderung, Überforderung, Ausscheiden oder mangelnde Motiva-
tion der ehrenamtlichen „Aktionäre“ kann ein jahrelang gut funktionierendes System in-
nerhalb kurzer Zeit so weit abgewirtschaftet und / oder in Verruf geraten sein, dass eine
Schließung für die kommunalen Verantwortungsträger unumgänglich scheint.
Ausgehend von diesen unterschiedlichen Situationen ist es sinnvoll und notwendig, wenn
in Zeiten des Umbruchs bzw. des Neuanfangs ein professioneller Jugendmanager oder
eine Jugendmanagerin für einen begrenzten Zeitraum in einer Stadt oder Gemeinde ein-
gesetzt wird. Fachliches Wissen und Können sollten sowohl den Jugendlichen als auch den
Stadt- und Gemeindeverwaltungen – mit jeweils unterschiedlichen Bedingungen – zur
Verfügung gestellt werden.
4.2 Zielsetzung
Die Unterstützung der Kommunen bei der Schaffung von verbindlichen personellen Res-
sourcen soll folgende Zielstellungen beinhalten:
das System der Kinder- und Jugendhilfe in Sachsen als demokratiebildendes Element
wird gestärkt,
die Alternativen zu den Angeboten extremistischer Strukturen sind jedem Jugendli-
chen zugänglich,
Jugendhilfe ist als Bildungsort außerhalb tradierter formeller Bildungsinstanzen
(z.B. Familie, Schule) manifestiert und wird nachhaltig weiterentwickelt, Jugendarbeit/
Jugendverbandsarbeit sowie Jugendsozialarbeit ermöglicht als basiskulturelles An-
gebot für Kinder und Jugendliche
die Entwicklung der eigenen Identität im Zusammenhang mit dem unmittelbaren
Wohnumfeld,
die Mitgestaltung und Mitbestimmung und das Erfahren von Anerkennung,
die Steigerung von Motivation für ehrenamtliches Engagement im Rahmen de-
mokratischer Strukturen.

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4.3 Aufgabenbeschreibung der Jugendmanager
Da in den Jugendringen (siehe auch Punkt 5) sowohl Jugendverbände, Vereine als auch
lnitiativgruppen vertreten sind, muss der Auftrag des Jugendmanagers klar definiert wer-
den. Ein flexibel ausgerichtetes Jugendmanagement sowie eine fachliche Be ratung, Be-
gleitung, Ermutigung und Anregung engagierter junger Menschen stellt eine der Kernauf-
gaben dar. Außerdem muss die Fachkraft Kooperationen mit den kommunalen
Verantwortungsträgern sicherstellen. Zur politischen Ebene (Bürgermeister, Kreis-/Stadt-/
Gemeinderat) muss sie Kontakt halten können, die Interessen der Kinder und Jugendlichen
einbringen und diese gegebenenfalls mit den jungen Menschen vertreten. Gibt es Projek-
te der Mobilen Jugendarbeit in der Region ist eine Kooperation anzustreben, da der Ju-
gendmanager in der Regel keine Einzelfallhilfe bzw. eine konti- nuierliche Begleitung von
Gruppen gewährleisten kann.
Auch eine direkte Fachberatung der örtlichen Jugendverbände (z. B. Jugendfeuerwehr)
soll, falls gewünscht, durch den Mitarbeiter erfolgen. Sowohl durch die Abstimmung des
hier vorgestellten Konzepts mit dem örtlichen Träger der öffentlichen Jugendhilfe als auch
durch die Gestaltung der praktischen Arbeit wird die jugendhilfeplanerische Verankerung
auf der örtlichen Ebene gesichert.
Damit wird auch die Möglichkeit geschaffen, dieses Konzept mit anderen Leistungen, Diens-
ten und Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe bzw. bei Bedarf auch darüber hinaus zu
vernetzen, um so nachhaltig zu wirken.
4.4 Struktur
Ausgehend von der Annahme, dass die kommunalen Verantwortungsträger, aber auch die
Jugendgruppen ein grundsätzliches Interesse an einer gelingenden Kinder- und Jugend-
hilfe im ländlichen und städtischen Raum und damit an der Möglichkeit eines zeitlich be-
fristeten Einsatzes einer hauptamtlichen Fachkraft haben, ist folgende Struktur vorgesehen:
Im Projekt „Flexibles Jugendmanagement“ sollen innerhalb der Landkreise und kreisfreien
Städte Fachkräfte bei den Stadt- und Kreisjugendringen fest angestellt werden, die von
den Gemeinden bzw. Jugendgruppen im Bedarfsfall angefordert werden können.
Die Stadt- und Kreisjugendringe sind eine wichtige Schnittstelle im Handlungsfeld der
Kinder- und Jugendhilfe in ländlichen und städtischen Strukturen. Sie sind die maßgeb-
lichen lnteressenvertreter der Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit vor Ort, insbesondere
der Jugendverbände, -vereine und -initiativen. Gerade Jugendverbände, in deren Struktu-
ren Jugendliche Partizipation sowie Demokratie erleben und erlernen können, sind präde-
stiniert, bei Jugendlichen ein politisches Bewusstsein jenseits politisch ex tremer Gesinnung
zu entwickeln.
Bis zu drei Fachkräfte könnten zu akzeptablen Bedingungen und mit einer angemessenen
zeitlichen Perspektive angestellt werden und gleichzeitig die Anforderungen der Jugend-
gruppen und der Gemeinden nach kurzen, flexiblen Einsätzen (mit überschaubarem finan-
ziellen Aufwand) erfüllen. Inwieweit dieses Interesse in eine tatsächliche Nachfrage ein-
mündet, wird in einer zeitlich angemessenen Projektphase erkundet und realisiert. Damit
soll auch ein Beitrag zur Stärkung der Jugendverbandsarbeit geleistet werden. Aufgabe
der Träger ist es, in enger Abstimmung mit dem Landesjugendamt entsprechende Stellen-
beschreibungen zu erstellen und die erforderlichen Fachkräfte einzusetzen.

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4.5 Trägerschaft
Die geplanten Personalstellen sollten bei den Stadt- und Kreisjugendringen der kreisfreien
Städte und Landkreise angesiedelt sein.
Die Dienst- und Fachaufsicht liegt bei den Stadt- und Kreisjugendringen, ebenso die Pro-
jektdokumentation und -auswertung. Die Aufgaben der Installierung und fachlichinhaltli-
chen Begleitung sowie der Wirksamkeitskontrolle und der Weiterentwicklung werden vom
Landesjugendamt geleistet. Dieses wirkt insbesondere auch mit, wenn es vor Ort zu Prob-
lemen in der Abstimmung, Umsetzung und Vernetzung der Maßnahmen kommen sollte.
Bewilligungsbehörde ist der Kommunale Sozialverband Sachsen.
4.6 Finanzierung
Grundlage der Förderung bildet die FRL des SMS zur Förderung der Weiterentwicklung der
Kinder- und Jugendhilfe im Freistaat Sachsen. Vorbehaltlich der zur Verfügung stehenden
Haushaltsmittel werden von den zuwendungsfähigen Personal- und Sachausgaben maxi-
mal 80% an Landesmitteln ausgereicht. Richtliniengemäß wird eine angemessene Eigen-
mittelbeteiligung des Zuwendungsempfängers innerhalb der Gesamtlaufzeit des Projektes
erwartet.
Personalausgaben sind bis zu einer Eingruppierung in die Entgeltgruppe E9 TV-L (ehema-
lige IVb BAT-Ost) förderfähig. Bei Neueinstellungen wird maximal Stufe 2 anerkannt.
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§ 16 TV-L
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verwiesen.
Darüber hinaus werden personenbezogene Sachausgaben bezuschusst. Im Haushaltsjahr
des Projektbeginns können maximal 15.000 € (davon maximal 5.000 € für Erstausstattung,
wie Technik oder Möbel) und in den Folgejahren maximal 10.000 € als zuwendungsfähige
Ausgaben anerkannt werden. Personenbezogene Sachausgaben sind insbesondere:
Öffentlichkeitsarbeit,
Fortbildung/Supervision/Fachliteratur,
Reisekosten,
anteilige Mieten,
Verwaltungspauschale bzw. -umlage (z.B. Telefon, Porto, Büromaterial, Gehaltsab-
rechnung).
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§ 16 TV-L Stufen der Entgelttabelle
(1) Die Entgeltgruppen 9 bis 15 umfassen fünf Stufen und die Entgeltgruppen 2 bis 8 sechs Stufen. Die Abweichungen von Satz 1 sind
im Anhang zu § 16 geregelt.
(2) Bei der Einstellung werden die Beschäftigten der Stufe 1 zugeordnet, sofern keine einschlägige Berufserfahrung vorliegt. Verfügen
Beschäftigte über eine einschlägige Berufserfahrung von mindestens einem Jahr aus einem vorherigen befristeten oder unbefriste-
ten Arbeitsverhältnis zum selben Arbeitgeber, erfolgt die Stufenzuordnung unter Anrechnung der Zeiten der einschlägigen Berufs-
erfahrung aus diesem vorherigen Arbeitsverhältnis. Ist die einschlägige Berufserfahrung von mindestens einem Jahr in einem Ar-
beitsverhältnis zu einem anderen Arbeitgeber erworben worden, erfolgt die Einstellung in die Stufe 2, beziehungsweise - bei
Einstellung nach dem 31. Januar 2010 und Vorliegen einer einschlägigen Berufserfahrung von mindestens drei Jahren - in Stufe 3.
Unabhängig davon kann der Arbeitgeber bei Neueinstellungen zur Deckung des Personalbedarfs Zeiten einer vorherigen beruflichen
Tätigkeit ganz oder teilweise für die Stufenzuordnung berücksichtigen, wenn diese Tätigkeit für die vorgesehene Tätigkeit förderlich
ist.

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Herausgeber:
Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz
Landesjugendamt
Parkstraße 28, 09120 Chemnitz
E-Mail: landesjugendamt@lja.sms.sachsen.de
www.lja.sms.sachsen.de
Redaktionsschluss:
Juli 2012
Bezug:
Dieses Broschüre wird kostenlos abgegeben.
Sie kann auch heruntergeladen werden unter
http://www.sms.sachsen.de/11229.html
.
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