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Prof. Dr. Klaus Stanek
Tel:
+49(0)3731/392981
TU Bergakademie Freiberg
Fax:
+49(0)3731/393597
Institut für Geologie
e-mail
stanek@geo.tu-freiberg.de
Bernhard-von-Cotta-Str.2
09596 Freiberg
Bericht
zum Projekt
Junge (känozoische) tektonische Entwicklung in
Kristallingebieten in Sachsen
Abschlussbericht
Auftraggeber: Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie
Halsbrücker Str. 31
09599 Freiberg
Bearbeiter: Prof. Dr. habil. Klaus Stanek
Datum: 25. November 2013
………………………………….
Prof. Dr. Klaus Stanek
Die Ressourcenuniversität. Seit 1765.

 
Känozoische tektonische Entwicklung Sachsen
1
Projekt
Junge (känozoische) tektonische Entwicklung der
Kristallingebiete in Sachsen
Abschlussbericht 25.11.2013
Der FuE-Vertrag zwischen SLfUG und der TU Bergakademie wurde am 23.4.2012
unterzeichnet. Im vorliegenden Abschlussbericht werden die Ergebnisse der vier verschiedenen
Sub-Projekte dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1.
Einleitung und Aufgabenstellung
2.
Ausführliche Zusammenfassung
2.1. Geomorphologische Indices für neotektonische Bewegungen (vollständiger Bericht
siehe Anlage 1)
2.2.
Datierung neotektonisch relevanter Ereignisse
2.2.1. Palynologische Untersuchungen von tertiären Karbonatkarst-Schlotten im Erzgebirge
(vollständiger Bericht siehe Anlage 2)
2.2.2. Ar/Ar-Altersdatierungen
2.3. Tektonische Dokumentation post-Kretazischer tektonischer Strukturelemente (siehe
auch Anlage 3)
2.3.1. Bruchtektonik des Lausitzer Basementblocks
2.3.2. Bruchtektonik in der Elbe-Zone
2.3.2. Bruchtektonik im Erzgebirge
3.
3D-Modell Zittauer Becken (vollständiger Bericht siehe Anlage 4)
4.
Relative Altersfolge der post-Kretazischen Bruchstörungen in Sachsen
5.
Literaturverzeichnis
Anlagenverzeichnis
Anlage 1:
Recent tectonics in the Eger rift (Saxony and NW Czech Republic): Insights
from geomorphic indices (L. Andreani, K. Stanek, R. Gloaguen)
Anlage 2.1.: Biostratigraphische Analyse von Subrosionsstrukturen in erzgebirgischen
Kalken
(M. Geißler, J. Rascher)
Anlage 2.2.:
Ar/Ar-Analytik (Diagramme der Messergebnisse) (J. Pfänder, K. Stanek)
Anlage 3:
Tektonische Dokumentation von post-kretazischen Störungen (K. Stanek)
Anlage 4:
3D-Modell des Zittau-(Turov-Hradek) Beckens (V. Geißler)

Känozoische tektonische Entwicklung Sachsen
2
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1:
Übersicht zur Lage der Kristallingebiete Sachsens und deren tektonische Grenzen
(Ausschnitt aus Geologische Karte von Deutschland - Schriel 1930)
Abb. 2:
Oberflächenrauigkeit (SR)
Abb. 3:
Topografischer Posionsindex (TPI)
Abb. 4:
Beispiel für Streifenprofile: NNW-streichende Profile über Egergraben und Erzgebirge.
Abb. 5:
Abstrahierte Verebnungsflächen im südlichen Sachsen und dem nördlichen Böhmen.
Abb. 6:
Karte des Oberflächen-Index (SI) von Sachsen.
Abb. 7:
Neotektonisches Schema nach geomorphologischen Indices für das südliche Sachsen
und nördliche Böhmen
Abb. 8:
Übersichtskarte mit den Probenahmepunkten in Kartsschlotten der 6. Sohle, Bergwerk
Lengefeld.
Abb. 9:
Beispiele für Pollen und deren Bestimmung
Abb. 10:
Übersicht zur Lage von tektonische Störungszonen im Bereich des
LausitzerAntiklinoriums
Abb. 11:
Übersicht über die tektonischen Gräben in Miozänen Braunkohlenhorizonten der
Niederlausitz (Kupetz et al. 1989)
Abb. 12:
Cunewalder Querstörung nach gravimetrischen Daten
Abb. 13:
Beispiel für die Struktur der Lausitzer Überschiebung bei Doubice (aus Malkovsky
1987)
Abb. 14:
Verebnungsfläche auf Kreidesandstein im Gebiet südlich und östlich Pirna
.
Abb.15:
Interpretation seismischer Ereignisse in Westsachsen (links: Scheidewig 2007, rechts
Jakob 2009)
.
Abb. 16:
Modell der Störungen und deren relative Altersfolge aus dem Gebiet südlich Aue.
Die orange Flächen (1) stellen die jüngsten Kataklasezonen dar. Etwas älter sind NNW-
streichende sinistrale Blattverschiebungen (2). Rot - NE-gerichtete Abschiebungen vom
Typ „Roter Kamm“ (3). NE-streichende Blattverschiebungen mit hydrothermaler
Mineralisation (4) sind die ältesten beobachteten Störungen.
Abb. 17:
Modell der tektonischen Störungen im Zittau-Turov-Hradek-Becken

 
Känozoische tektonische Entwicklung Sachsen
3
1. Einleitung und Aufgabenstellung
Kenntnisstand zu känozoischen Deformationen in Sachsen
Nach dem “Lexikon der Erde” (
http://www.geodz.com/deu/d/Neotektonik)
wurde “...der
Begriff
Neotektonik
... erstmalig von Obruchev (1948) definiert, der darunter die Deformationen
der Erdkruste verstand, die zwischen dem Ende des Tertiärs und der ersten Hälfte des Quartärs
stattgefunden haben. Andere Wissenschaftler verwenden den Begriff für spröde und duktile
Deformationen, die den Zeitabschnitt Neogen bis Gegenwart umfassen. Wie weit der mit der
Vorsilbe "neo" bezeichnete Zeitraum der "jüngeren" Deformationsgeschichte in die geologische
Vergangenheit zurückreicht, wird bislang sehr unterschiedlich gehandhabt. Im geologischen
Sprachgebrauch setzt sich die Definition durch, deren Argumente von Steward & Hancock
(1994) zusammengefasst wurden: Neotektonik ist der Zweig der Tektonik, der sich mit den
Bewegungen und Kräften in der Erdkruste befasst, die im gegenwärtig herrschenden
tektonischen Regime Krustenspannungen und Deformationsstrukturen erzeugen, die den
derzeitig vorherrschenden Deformationszustand einer Region charakterisieren. Eine
neotektonische Deformationsphase kann bereits in der geologischen Vergangenheit eingesetzt
haben und unter den selben Rahmenbedingungen bis in die Gegenwart andauern. Dies bedeutet,
dass, abhängig vom tektonischen Regime, neotektonische Deformationsphasen in
unterschiedlichen Regionen zu verschiedenen Zeiten begonnen haben können und je nach
Region, unter der Voraussetzung eines unveränderten tektonischen Spannungsfeldes,
unterschiedlich lange Zeiträume umfassen. Mit dieser Definition wird die Zuordnung des
Begriffs Neotektonik zu einer bestimmten Zeit vermieden....”.
Diese Zeit-ungebundene Anwendung des Begriffes “Neotektonik” zugrunde legend, werden im
vorliegenden Bericht Deformationen des sächsisch-nordböhmischen Raumes betrachtet, die
nachweislich seit Ende der Oberkreide das cadomisch-varistische Basement und das
mesozoisch-tertiäre Deckgebirge beeinträchtigt haben. Als zeitliche Untergrenze werden die
tektonischen Aktivitäten bei etwa 75 Ma betrachtet, die Ausgangspunkt für die Entstehung der
Aufrichtungszone am Harznordrand sehr wahrscheinlich der Lausitzer Überschiebung waren
(Vogt et al., 2004).
Informationen zu rezenten Krustenbewegungen liegen - bedingt durch seismische Aktivität
(Schwarmbeben im Vogtland) und den intensiven Bergbau, vor allem für den westsächsischen
Raum vor. Geodätische Konsequenzen rezenter Krustenbewegungen wurden von Wittenburg et
al. (1997) untersucht. Die an der Finne-Gera-Jáchimov-Störungszone (siehe Abb.1) postulierten
rezenten tektonischen Bewegungen werden unter verschiedenen Gesichtspunkten diskutiert
(Bankwitz, Gross, Bankwitz 1993; Brause 1995,1999; Wittenburg 1991, 1997). Es wurden auf
der Basis von Lagemessungen unterschiedliche Stressregime südwestlich und nordöstlich der
Störung postuliert. Der südwestlich der Gera-Jàchimov-Störung gemessene extensionale Stress
kann erhöhte hydraulische Durchlässigkeit bewirken. Diesem Stressfeld wird die relative
Hebung des südwestlichen Blockes relativ zum nordöstlich angrenzenden Gebiet
zugeschrieben. Für den östlichen Block interpretiert Wittenburg (1997) einen kompressiven
Stress mit N-S verlaufender Hauptachse, welche eine Aktivierung und Öffnung von NE-SW
verlaufenden Störungen und Kluftzonen zur Folge hat. Ähnliche Verhältnisse lassen sich -
bisher ohne Beleg - für den Lausitzer Hauptabbruch vermuten.

Känozoische tektonische Entwicklung Sachsen
4
Moderne Möglichkeiten der Messung geringster Strain-Raten bietet die Vernetzung von
SAPOS-Stationen in sächsischen und umliegenden Gebieten auf der Grundlage von ITRF-
Lösungen (ITRF - International Terrestial Reference Frame: Zeitbezogene (Jahresmittel)
geodätische Referenzen zur Positionierung von Messstationen). Daneben gibt es die
Möglichkeit der aktuellen Messungen von Strainraten durch Feinnivellements und Tiltmeter-
Messungen in Grubenbauen und Bohrungen. Diese Messungen lassen in Verbindung zu den
o.g. Vernetzungen und anderen geologischen Beobachtungen Rückschlüsse auf pulsartige
tektonische Aktivitäten im Untersuchungsbegiet zu (Košták et al. 2011).
Zur Erweiterung der bisher existierenden Datenbasis wurden im vorliegenden Bericht vier
Themengebiete bearbeitet, die mit neotektonischen Prozessen in Sachsen in unmittelbarem
Zusammenhang stehen:
1. Quantitative geomorphologische Analyse digitaler Höhendaten zur Kartierung rezenter und
subrezenter (störungsgebundener) Hebungen von Krustenblöcken;
2. Datierung von tektonisch relevanten Prozessen (Karstschlotten in Lengefeld, Tertiärvulkanite
in der Oberlausitz und dem Erzgebirge);
3. Dokumentation von repräsentativen Aufschlüssen zur Kinematik von tektonischen
Störungen;
4. Dreidimensionale Modellierung des Zittauer Tertiärbeckens.

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Känozoische tektonische Entwicklung Sachsen
5
Neotektonische Strukturen in Sachsen - ein Überblick
Die rezente Krustenstruktur Mitteleuropas wird von NW-SE, NE-SW, E-W und N-S
streichenden Bruchelementen beherrscht, die sowohl geophysikalisch als auch im geologischen
Kartenbild nachweisbar sind und sowohl kretazische als auch jüngere Sedimente versetzen. Die
Grenzen des Bearbeitungsgebietes im vorliegenden Bericht werden durch die NW-SE
streichenden überregionale Störungszonen von Gera-Jachimov, der Elbezone (Lausitzer
Überschiebung) und des Lausitzer Hauptabbruchs gebildet. Diese Störungszonen sollen
varistisch angelegt und nachfolgend bis in jüngste Zeit mehrfach reaktiviert worden sein
(Brause, 1990). Ein vertikaler Versatz bis zu mehreren Kilometern wird sowohl an der
Fränkischen Linie (Peterek et al., 1997) als auch am Lausitzer Hauptabbruch (Brause &
Hirschmann, 1964, Krentz 2008, Krentz et al., 2010) beobachtet.
Zwischen Fränkischer Linie und Lausitzer Hauptabbruch erstreckt sich der NE-SW-streiche
Eger-Graben
, das zweite wichtige Strukturelement der betrachteten Region. Der Egergraben
(Abb. 1) gehört zum Europäischen Känozoischen Rift-System (Ziegler, 1992; Kley & Voigt
2008). Der ENE-WSW streichende Egergraben soll im frühen Tertiär an der Nahtstelle von
Saxothuringikum und Moldanubikum/Tepla-Barrandium angelegt und durch melilitithische
Subvulkanite markiert sein (Ulrych & Pivec 1997. Die Riftstruktur hat eine Länge von etwa 300
km (Lausitzer Hauptabbruch bis zur Fränkischen Linie) und erreicht im zentralen Bereich eine
Breite von etwa 50 km. Die känozoischen Sedimenten umfassen eine Periode von dem späten
Eozän bis in das frühe Pliozän (Malkovsky 1987), die rezente Zeit ist durch tiefgreifende
Erosion geprägt. Der basische bis intermediäre Vulkanismus erreichte sein Maximum vor etwa
35 bis 25 Ma. Die jüngste vulkanische Aktivität konnte im westlichen Rift im Mittelpleistozän
nachgewiesen werden (Ulrych and Pivec, 1997; Ulrych et al., 1999; Wagner et al., 2002).
A b b . 1:
Übersicht zur Lage
der Kristallingebiete Sachsens und deren tektonische Grenzen (Ausschnitt aus Kleine Geologische Karte von
Deutschland, Preußische Geologische Landesanstalt, Schriel 1930)
E - Erzgebirge; LÜ - Lausitzer Überschiebung (Elbezone); L - Lausitzer Granodioritmassiv

Känozoische tektonische Entwicklung Sachsen
6
2. Ausführliche Zusammenfassung
2.1. Geomorphologische Indices für neotektonische Bewegungen
Die geomorphologische Analyse wurde auf der Basis von Radar-Daten (SRTM - 90 m Pixel)
und ASTER GDEM Worldwide elevation data (25-30 m Pixel) durchgeführt. In einigen
Detailgebieten konnte auf das 20-m-DGM des SLfUG zurückgegriffen werden.
Zur geomorphologischen Analyse wurde das Software-Paket TecDEM genutzt. In diesem
Software-Paket sind traditionelle und neue Methoden der geomorphologischen Analyse
zusammengefasst, die eine relativ schnelle, numerische Beurteilung von verschiedenen
Oberflächentypen in einer relativ großen Fläche ermöglichen (Shahzad & Gloaguen, 2011a, b).
Die Methoden, Aussagen und Grenzen des Modells sowie mögliche Fehlerquellen sind im
ausführlichen Bericht in Anlage 1.1 dargestellt. Die Anlagen 1.2 bis 1.7 bestehen aus Karten der
geomorphologischen Indices für das Gebiet von Sachsen im Maßstab 1:400.000.
Folgende geomorphologische Indices wurden herangezogen:
Hypsometrisches Integral
: Verteilung von Oberflächen(-volumen) über und unter einem basalen
Referenzniveau;
Oberflächenrauigkeit:
Quotient aus analysierter topografischer Fläche und der anteiligen
flachen bzw. horizontalen Fläche; zeigt rezente oder ältere Verebnungsflächen
Topografischer Positionsindex:
Verhältnis der Höhe eines Pixels zu der mittleren Höhe einer
definierten Nachbarschaft (Zelle); zeigt den Grad der Einschneidung durch das Drainage-
System;
Oberflächen-Index:
Kombination von Hypsometrischen Integral, Oberflächenrauigkeit und
Altitude, um den Grad der Erosion (Alter und Grad der Hebung oder des base level Abfalls);
Swath (Streifen) Profile
: Streifen über die orogene Morphologie mit Angabe der maximalen und
minimalen Höhen; zeigt die Lage alter Oberflächen sowie Gebiete mit unterschiedlichem Grad
der Einschneidung des Drainage-Netzes bzw. Hebung von Blöcken;
Flussprofile (Drainage-Netz und Längsprofile)
: Charakterisierung von Einzugsgebieten und
deren Asymmetrie, Knickpunkten (mögliche aktive Störungen und base lavel Abfall;
Im Folgenden werden Ausschnitte aus dem Ergebnisbericht (Anlage 1.1.) dargestellt.

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Känozoische tektonische Entwicklung Sachsen
7
Abb. 2:
Oberflächenrauigkeit (SR)
Generell bedeuten die Werte “1" flache Ebenen “>1" zunehmend erosive Einschnitte. Die SR-
Werte entlang der streichenden Erstreckung des Erzgebirges zeigen komplexe Muster. Die
Anomalien werden einmal durch den erosiven Einschnitt der Gewässer verursacht, zeigen aber
auch strukturelle Kontrolle. Es können drei “Blöcke” ausgehalten werden, die von Ost nach
West durch Elbe-, die Flöha-, die Gera-Jáchymov- und die Mariánské-Lázně-Störungszone
begrenzt werden. Jede dieser Störungszonen (SZ) markiert eine Diskontinuität auf der SR-
Karte. Darüber hinaus erkennt man ein generelles Abfallen der SR-Werte von SW nach NE. Die
westliche Region zwischen der Gera-Jáchymov- und der Mariánské-Lázně-SZ weist hohe SR-
Werte (1.008 to 1.010) auf, die durch Einschnitte vor allem der zwickauer Mulde verursacht
werden. Der mittlere Teil zur Flöha-SZ zeigt moderate Werte (~1.006) bezogen auf die Preßnitz
und ihre Nebenflüsse. Östlich der Flöha-SZ sind die höchsten Werte an den Erzgebirgsabbruch
gebunden. Das ist mehr auf die Topografie denn auf den Erosionsschnitt von Flüssen
zurückzuführen. Die nördlich anschließenden Gebiete zeigen generell flache Morphologie mit
SR-Werten zwischen SR<1.003 (Freiberg - Meißen) und SR<1.001 (nördliche Oberlausitz).

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Känozoische tektonische Entwicklung Sachsen
8
Abb. 3:
Topografischer Posionsindex (TPI)
Der TPI betont morphologische Unterschiede. Die anomalen TPI-Werte werden durch das
strukturelle Inventar kontrolliert. Geringe TPI-Werte in Tallagen zeigen vier typische Trends:
NE-SW (050) ist der Trend des Egergrabens und der Zentralböhmischen Scherzone;
NW-SE (135 - 155) ist die Richtung der bekannten Störungszonen von Mariánské-
Lázně, der Flöha- oder Gera-Jáchymov-Störungszone;
N - S (350-010) ist definiert durch gradlinige Flussläufe im zentralen Teil des
Erzgebirges;
E - W (080-100) ist definiert durch die lokale Ausrichtung von Flussläufen im
westlichen Teil des Erzgebirges und im Plateau der Oberlausitz und von Česka Lipa.
Die Südrandstörung des Erzgebirges ist klar belegt durch die Kombination von extrem hohen
(>150) und niedrigen (< -150) TPI-Werten. Die Mariánské-Lázně-Störung ist ebenfalls sehr gut
belegt. Sie begrenzt das Kaiserwald-Plateau und das Erzgebirge im Westen, ihre Spur lässt sich
bis in den Raum Plauen verfolgen.

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Känozoische tektonische Entwicklung Sachsen
9
Abb. 4:
Beispiel für Streifenprofile: NNW-streichende Profile über Egergraben und Erzgebirge.
Diese Profile erlauben ein Vergleich der Topografie und Tektonik entlang des Streichens des
Erzgebirges (Die geographische Lage der Profile ist im Textteil der Anlage 1.1. dargestellt).
In jedem der Profile ist der Erzgebirgsabbruch topografisch klar markiert. Die Höhendifferenz
zwischen nördlichem und südlichem Rand des Erzgebirges ist im östlichsten Profil am größten
(~ 500 m) und verringert sich nach Westen (~ 200 m).
In allen Profilen erscheint der Erzgebirgsblock nach Nordwest gekippt. In den Profilen 2 und 3
ist die nördliche Randstörung des Egergrabens (“Erzgebirgsstörung - ES”) durch einen scharfen
Geländeabfall markiert. Alle Profile zeigen eine relativ gut erhaltene Paläo-Oberfläche
(“UPS”), deren unterschiedliche Höhenlage weist auf verschiedene Hebungsraten des
Erzgebirges von Ost nach West hin.
Der NW-Rand des Erzgebirges und Übergang zum nordsächsischen Tiefland variiert ähnlich
wie die Grabensegmente von Ost nach West. Das östlichste Segment (3) weist eine schwach
konkav-gekrümmte kontinuierliche Fläche bis zu 80 km nördlich der ES auf. Der Übergang
zum nordsächsischen Flachland ist kaum merkbar.
Das zentrale Segment zeigt eine ähnliche Form, jedoch kann eine topografische Hochfläche
(Marienberg Hochfläche) anhand des Einschnitt-Grades und verschiedener flacher Profilanteile
differenziert werden. Die Niederung von Chemnitz-Plauen vermittelt zum nordsächsischen
Flachland.
Das westliche Profil zeigt an der NW-Seite des Erzgebirges eine stärker konkave Oberfläche
mit einer stark eingeschnittenen Oberfläche (Eibenstock-Hoch) und einem nördlich
anschließenden flachen Teil (Chemnitz-Plauen-Niederung). Die konkave Form ist
unterbrochen von flachen Anteilen, deren Höhenlage sich nach Süden bis den Kaiserwald
verfolgen lässt. Das könnte eine alte einheitliche Verebnungsfläche sein. Die Chemnitz-Plauen-
Niederung ist in diesem Profil gut abgrenzbar und liegt etwas höher als das nordsächsische

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Känozoische tektonische Entwicklung Sachsen
10
Flachland.
Abb. 5:
Abstrahierte Verebnungsflächen im südlichen Sachsen und dem nördlichen Böhmen.
Die älteste Fläche (UPS) ist nur im westlichen Erzgebirge und reliktisch im zentralen Teil
(Marienberger Block) nachweisbar und zeigt vermutlich einen früheren Beginn der Hebung in
diesem Gebiet an (westlicher und zentraler Erzgebirgsblock). Die anderen beiden Flächen sind
sowohl westlich als auch östlich der Elbe nachweisbar, wenn auch in unterschiedlichen
Höhenlagen. Das kann bedeuten, das die Intensität der tektonisch bedingten Hebung von West
nach Ost abnimmt.

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Känozoische tektonische Entwicklung Sachsen
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Abb. 6:
Karte des Oberflächen-Index (SI) von Sachsen.
Die meisten Gebiete in Nordsachsen weisen eine steady-state-Topografie auf. Die SI-Werte
zwischen -0,05 und +0,05 zeigen eine ausgeglichene extrem flache und kaum durch das
Drainage-Netz eingeschnittene Oberfläche an (z.B. zeigt die Elbe nördlich von Meißen keine
merkbare Erosion an). Dagegen zeigen die positiven SI-Werte der südlich anschließenden
Gebiete des mittleren und westlichen Erzgebirges Relikte einer initial flachen Oberfläche, die
sich rezent in einer ausgesprochenen Hochlage befindet. Die höchste Fläche (UPS in Abb. 5) ist
reliktisch entlang der sächsisch - böhmischen Grenze südlich Eibenstock und Marienberg
erkennbar. Die topografische Hochlage wird durch SI-Werte um 0,2 charakterisiert.
Die Chemnitz-Plauen Niederung als auch die gekippte Oberfläche in der Umgebung von
Freiberg weisen geringere SI-Werte auf; die Flächen sind ebenfalls gut erhalten, haben aber
nicht die Höhenlage der vorher genannten UPS-Flächen. Negative SI-Werte in Chemnitz-
Plauen und östlich von Freiberg weisen auf eine starke erosive Einschneidung durch das
Gewässersystem durch eine Veränderung des base levels hin. Gerade der östlich Teil des

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Känozoische tektonische Entwicklung Sachsen
11
Erzgebirges zeigt eine topografische Reorganisation durch river capturing während der
glazialen Einschneidung der Elbe an.
Abb. 7:
Neotektonisches Schema nach geomorphologischen Indices für das südliche Sachsen
und nördliche Böhmen
Die Interpretation der geomorphologischen Indices zeigt die wichtigsten tektonischen
Diskontinuitäten in der Umgebung des Egergrabens. Die Entwicklung der Topografie des
betrachteten Gebietes erscheint geomorphologisch sehr jung. Der Egergraben ist als NE-
streichendes Strukturelement bis in die jüngste Zeit in das Pleistozän aktiv. In den
angrenzenden Gebieten sind Verebnungsflächen erhalten geblieben, die durch geringe
topographische Unterschiede und einen geringen Grad der Einschneidung des gewässernetzes
charakterisiert sind. Diese Verebnungsflächen sind auch durch reliktische base levels in den
untersuchten Flussprofilen definiert.
Neben dem Egergraben und seinen Randstörungen wird die rezente Morphologie durch die
NW-streichenden Elemente überregionaler Störungszonen geprägt: Mariánské-Lázně-, Gera-
Jáchymov-, Flöha- und Elbe-Störungszonen. Der Lausitzer Hauptabbruch scheint in der
jüngsten geomorphologischen Entwicklung weniger aktiv zu sein.

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Känozoische tektonische Entwicklung Sachsen
12
Abkürzung der Störungsnamen: EFZ - Elbe fault zone, FFZ - Flöha fault zone, GJFZ -
Gera-Jáchymov fault zone, KHF - Krušné Hory fault (Erzgebirgsstörung), LuF - Lusatian fault,
MLF - Mariánské-Lázně fault, OFZ - Eger fault zone.
2.2. Datierung neotektonisch relevanter Ereignisse
Begleitend zur geomorphologischen Analyse der neotektonischen Aktivitäten in Sachsen sollten
relevante Prozesse datiert werden, um so einen zeitlichen Rahmen zu setzen und einzelne
Ereignisse möglicherweise zu differenzieren. Im Rahmen des vorliegenden Projektes wurden
zwei Methoden angewandt. Sedimentäre Füllungen von Karstschlotten im Metakarbonatkörper
von Lengefeld sollten mittels palynologischer Datierungen ein Minimalalter für die Entstehung
des Karstes und damit der Zeit des Absinkens des Grundwasserniveaus geben. Ar/Ar-
Datierungen an Tertiär-Vulkaniten, die auf die Paläo-Oberfläche ausgeflossen waren oder
zumindest in unmittelbarer Oberflächennähe intrudierten, sollten einen Anhaltspunkt zum Alter
dieser Oberflächen geben bzw. die Bewegungen an der Lausitzer Überschiebung
charakterisieren.
2.2.1. Palynologische Untersuchungen von tertiären Karbonatkarst-Schlotten im Erzgebirge
Die Karstschlotten des Metakarbonatkörpers Lengefeld scheinen an tektonische Elemente
gebunden zu sein, die den gesamten
Körper durchziehen (siehe Abb. 8). Die
Füllungen der meist röhrenförmigen
Schlotten sind stark Hellglimmer-
führend und geschichtet. Der
sedimentären Eintrag der
Karstschlotten enthält lokal
paläobotanische Relikte, die von Herrn
Blumenstengl (Jena) bestimmt wurden.
Abb. 8:
Übersichtskarte mit den
Probenahmepunkten in Kartsschlotten
der 6. Sohle, Bergwerk Lengefeld.
Probepunkte der Karstsedimente (blaue
handgeschriebene Nummern) und
Dokumentation der zugehörigen
tektonischen Elemente (K. Stanek
2013).

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Känozoische tektonische Entwicklung Sachsen
13
Abb. 9:
Beispiele für Pollen und deren Bestimmung
Die Schlottenfüllungen in der Kalklagerstätte Lengefeld/“Neues Lager“ können nach den
palynologischen Befunden (ausführlicher Bericht siehe Anlage 2.1.) dem mittleren Eozän
(höheres Lutetium bis tieferes Bartonium), einem Zeitabschnitt innerhalb der Sporomophenzone
SPP 15D bis zur Zone SPP 16 zugeordnet werden, d. h. etwa einem absoluten Alter von ca. 40
bis 42 Ma.
Das entspricht einer sedimentären Sequenz, die vor der Hauptphase des Vulkanismus im
Egergraben (und im südlichen Erzgebirge) in den Karstschlotten eingetragen wurde. Zeitlich
liegen die Karstablagerungen wesentlich vor der Ablagerung der Sedimente der Stare Sedlo-
Schichten in den Cheb- und Sokolov-Becken (Malkowsky 1987, Peterek et al. 2011 und Zitate
dort). Stratigraphisch sind die Stare Sedlo-Schichten dem oberen Eozän zugeordnet. In diesen
obereozänen Zeitraum könnten auch die Sedimente gehören, die die basaltischen Flows im
Erzgebirge (Scheibenberg) unterlagern (pers. Komm. Peter Suhr 2013).
Die Karstablagerungen in der Grube Lengefeld gehören damit zu den ältesten tertiären
Sedimente im Gebiet des Erzgebirges.

Känozoische tektonische Entwicklung Sachsen
14
2.2.2. Ar/Ar-Altersdatierungen
Das Projekt sieht vor, oberflächlich extrudierte Laven sowie die Störung durchschlagenden
Vulkanite als Zeitmarker für tektonische Aktivitäten mittels Ar/Ar zu datieren. Die
Datierungsmethode beruht auf dem Zerfall der Isotope
40
K zu
39
Ar. Diese Isotopensysteme
haben relativ geringe Schließungstemperaturen (ca. 300 °C) und bieten so die Möglichkeit,
oberflächennahe Prozesse zu quantifizieren. Die Ar/Ar-Analytik (Aufbereitung, Neutronen-
Bestrahlung, Abklingzeit, Messung) ist sehr zeitaufwendig und benötigt mindestens ein halbes
Jahr Vorlauf. Deshalb mussten im vorliegenden Projekt die Altersdatierung parallel zu den
geomorphologischen Untersuchungen ausgeführt werden. Die Ergebnisse der
geomorphologischen Untersuchungen konnten deshalb nicht in die Auswahl der Probepunkte
der Altersdatierung einfließen.
Die im vorliegenden Projekt untersuchten Proben sind ausnahmslos tertiäre basische Vulkanite,
deren Extrusion an tektonischen Elementen sowie auf Paläo-Oberflächen lokalisiert ist. Die
Ar/Ar-Abkühlalter der Vulkanite sind auf Grund der geringen Mächtigkeit der magmatischen
Körper und der schnellen Abkühlung nahezu identisch mit der Zeit der Extrusion und stellt ein
Mindestalter für die Aktivitätsphase der tektonischen Elemente dar.
Die ersten vier Proben (B14a, B15, B24, B30c, siehe Tabelle 1) sind Biotit-führende Tephrite
und Basalte mit erhöhten Ti- und K-Gehalten aus dem Bereich des mittleren und östlichen
Erzgebirgskammes. Der Biotit wurde separiert und für die sehr genaue Datierung genutzt. Die
Proben stammen aus kleinen subvulkanischen Körpern, die in ENE-Richtung entlang des
Erzgebirgsabbruchs angeordnet sind. Diese Vulkanite gehören zur Vulkan-Provinz des
Egergrabens und sind in die Nähe der Verebnungsfläche vor Einbruch des Egergrabens (oder
der Hebung des Erzgebirges) extrudiert.
Die Proben 100630A und 111104C stammen aus kleinen Staukuppen parallel zur Lausitzer
Überschiebung (siehe Tab. 1). Die Extrusivkörper sind im Gelände in Steinbrüchen
aufgeschlossen. Beide Gesteine sitzen dem Lausitzer Granodiorit auf, sind feinkörnig bis glasig
und führen Sandstein-Xenolithe. Diese Alter sollen ebenfalls einen Zeitmarker für die
Bewegung an der Lausitzer Überschiebung (Mindestalter) setzen.
Die Proben aus der Umgebung des Berzdorfer Beckens sind sowohl aus Bohrungen als auch aus
der Deckenabfolge der basischen Vulkanite genommen. Diese Proben sollen das Alter der
Pälao-Oberfläche vor Beckenbildung ergeben.

Känozoische tektonische Entwicklung Sachsen
15
Tab. 1: Probeliste der mittels Ar/Ar-Methode datierten Gesteine. Die hellblau hinterlegten Proben
stammen aus dem Erzgebirge, gelb hinterlegten aus dem Bereich der Lausitzer Überschiebung und die
grün hinterlegten Proben aus dem Berzdorfer Becken.
Probe
Lokalität /
UTM-Koordinaten 33U
Gestein
tektonische
Indikation
Bemerkung / Alter
1
B14a
SW’ Blumenau
378437 / 5613650
Nephelini
t
Erzgebirgsabbruch
30,71 ± 0,15 Ma (Biotit)
2
B15
SW’ Blumenau
378439 / 5613761
Basalt
Erzgebirgsabbruch
50,663 N 13,28 E
30,65 ± 0,13 Ma (Biotit)
3
B24
NW’ Oberwiesenthal
353019 / 5589823
Tephrit
Erzgebirgsabbruch
50,442 N 12,93 E
30,69 ± 0,14 Ma (Biotit)
4
B30c
Eisensteinberg
(W’ Neudorf)
340371 / 5594531
Tephrit
Erzgebirgsabbruch
50,481 N 12,75 E
30,61 ± 0,16 Ma (Biotit)
5
100630A
Pinsenberg
Altendorf (Sebnitz)
Basanit
Lausitzer
Überschiebung
31,2±0.2 Ma (WR)
6
111104C
südlich Hartha (Zittau)
484786 / 5632701
Basanit
Lausitzer
Überschiebung
30.4±0.2 Ma (WR)
7
070213B
Spitzberg, Deutsch-
Paulsdorf
Basanit
Gangspalte, prä-
Berzdorfer Becken
31.88±0.07 Ma (WR)
8
060927C1
Steinberg, Ostritz
493017 / 5652077
Basanit
prä-Berzdorfer
Becken
32.81±0.47 MA (WR)
9
05-3
Tagebau Berzdorf
Brg. 5389, 93m
Basanit
Berzdorfer Becken
prä-Becken
30.38±0.21 Ma (WR)
10
060927A
Deutsch-Ossig,
Basaltrücken
Basanit
Berzdorfer Becken
prä-Becken
29.71±0.19 Ma (WR)
Aus den in der Tabelle 1 dargestellten Werten muss davon ausgegangen werden, dass der
Hauptanteil der vulkanischen Aktivität - zumindest in dem untersuchten Gebiet - um etwa 30
Ma im unteren Oligozän (Rupelian) zu verzeichnen ist. Das deckt sich auch mit Datierungen
aus dem Böhmischen Mittelgebirge (Ulrych et al. 2006, 2011).

Känozoische tektonische Entwicklung Sachsen
16
Das bedeutet, dass die Extrusion auf der Verebnungsfläche “2" (post-UPS) erfolgte und folglich
die Hebung des Erzgebirges bzw. Senkung des Egergrabens jünger sein muss.
2.3.
Tektonische Dokumentation post-Kretazischer tektonischer Strukturelemente
Wie aus der geomorpholgischen Analyse hervorgeht, ist der Egergraben das beherrschende
neotektonische Element in Sachsen und seiner weiteren Umgebung. Deshalb lag es nahe,
tektonische Modelle aus dem Egergraben als Arbeitshypothese zu übernehmen und auf die
nördlich angrenzenden Gebiete zu übertragen und zu testen (Špičáková, et al. 2000):
NW-streichende Störungen sind häufig reaktivierte varistische Störungen, die während
des Neogens bis in das Pliozän aktiv waren;
NE-streichende Störungen sind die rezent prominentesten Störungen als Randstörungen
des Egergrabens (einige Autoren vermuten auch hier eine “deep-seated, lithospheric-
scale boundary between the Saxonthuringian and Moldanubian” - z.B. Babuška &
Plomerová, 2001);
E-W-streichende Störungen spielen eine große Rolle in der Anlage von lokalen
Sedimentationszentren. Diese Störungen sind während des späten Oligozäns und frühen
Miozäns als Abschiebungen aktiv (Uličný et al., 2000; Rajchl & Uličný, 2000). Man
kann die E-W streichenden Störungen auch im Basement außerhalb des Egergrabens
verfolgen.
N-S-streichende Störungen werden gelegentlich beschrieben, scheinen keinen Einfluss
auf die Beckensedimente zu besitzen und erscheinen teilweise morphologisch
nachgezeichnet. Bisher wird die Altersstellung und Kinematik kontrovers diskutiert.
Im Südteil von Sachsen sollen im vorliegenden Bericht Störungen beschrieben werden, die
durch repräsentative Aufschlüssen sowohl regional als kinematisch nachgewiesen sind. Die
Störungen müssen im Gelände eindeutig durch eine Harnischfläche oder Versatz geologischer
Einheiten erkennbar sein. Sie werden nach ihrer Raumlage (Streichen, Fallen), dem
Bewegungssinn (nach kinematischen Indikatoren auf der Harnischfläche) und nach den auf der
Störungsfläche plastisch deformierten Mineralen charakterisiert. Die letztgenannte Beobachtung
lässt Schlüsse zum Temperaturregime und damit zur Teufenlage der Störung bei der Entstehung
zu. Ein kurze Einführung in die im Bericht verwandte Form der Darstellung von
strukturgeologischen Raumdaten ist in der Anlage 3 gegeben.
Die Störungen werden regional orientiert von Nordost (Lausitz), südostsächsische
Tertiärbecken, Elbezone nach Südwest (Erzgebirge) beschrieben. Die zugehörige tektonische
Dokumentation ist in der Anlage 3 dargestellt.

Känozoische tektonische Entwicklung Sachsen
18
2.3.1. Bruchtektonik des Lausitzer Basementblockes
Der Lausitzer Basementblock -LB - (Lausitzer Granodioritmassiv und nördlich vorgelagerte
Grauwackensequenzen) wird traditionell zwischen zwei NW-streichenden Bruchlinien definiert,
an denen die Cadomischen Granodiorite und Grauwacken gegen mesozoische Sedimente
versetzt sind.
Die südwestliche Grenze des LB wird durch die Westlausitzer Störung gebildet. Diese Störung
ist varistisch als grünschieferfazielle dextrale Verschiebung des Erzgebirges gegen das
Lausitzer Granodioritmassiv angelegt. Parallel zu dieser Störungszone wurde in der Oberkreide
die
Lausitzer Überschiebung angelegt,
eine markante tektonisch Linie innerhalb des
südwestlichen Randes des Lausitzer Granodioritmassives. Der Versatz der Cenomanen
Kreidebasis des auf der Lausitzer Hochscholle liegenden Weißiger Becken wird im Vergleich
zur Tieflage in der Region Pirna auf etwa 700 bis 1000 m geschätzt.
Die nordöstliche Begrenzung des LB, der
Lausitzer Hauptabbruch,
ist der südöstliche Teil des
Mitteldeutschen Hauptabbruches und trennt die Mesozoische Nordsudetische Mulde (NE) vom
Lausitzer Granodioritmassiv und dem Görlitzer Schiefergebirge (Abb. 10). Die Sprunghöhe der
Störung erreicht etwa 1000-1200 m in der Oberkreide (Turon). Der vertikale Versatz nimmt von
SE nach NW ab. Die jüngsten Bewegungen entlang der Störungszone wurden in das
Obermiozän bis Pliozän gestellt und erfassen Grabenbildungen (Gräben von Weißwasser,
Nochten, Kausche, Calau) nördlich des Hauptabbruches. Der Hauptabbruch wurde durch eine
NE-SW gerichtete Kompressionsphase im Miozän mehrfach versetzt
(http://www.regionalgeologie-ost.de/Einfuehrung.htm).
Im Südosten teilen die nordöstlichen Ausläufer des Eger-Grabens den östlichen Teil des
Lausitzer Granodioritmassivs (Seidenberger und Rumburker Granit, Isergebirgsgneise) von der
westlich gelegenen Haupteinheit. Der Ausläufer des Egergrabens ist markiert durch Anlage von
oligo-miozänen tektonischen Einbruchsbecken. Im Granodiorit wird die nordwestliche
“Grabenschulter” nach der Interpretation gravimetrischer Daten als “Ebersbacher Störung”
definiert (Conrad et al., 1983). Geomorphologisch kann man diese “Grabenschulter” nur
bedingt nachvollziehen. Nach Westen ist die Grabenschulter als morphologisch markanter
Abbruch der Erzgebirgsscholle (“Erzgebirgsstörung - Krušne Horý Fault”) ausgebildet und
erreicht hier Sprunghöhen von mehreren hundert Metern.
Die nordwestliche Grenze des Lausitzer Granodioritmassivs wird, je nach Betrachtungsweise,
durch die Hoyerswerdaer Querstörung bzw. die Finsterwalder Störungszone gebildet (siehe
Abb. 10). Für beide Störungen liegen bisher keine Daten zur Kinematik vor. Nach bisherigen

 
........
........
........
........
........
........
........
........
........
........
........
........
........
........
..........................
Trias
cadomischeGranodiorite,
cadomischeGranodiorite
allgemein
(Anatexite)
sog. Ostlausitzer
Granodiorit
Abb.10: Übersicht zur Lage von tektonische Störungszonen im Bereich des Lausitzer Antiklinoriums
Darstellung ohne Sedimente des Känozoikum
(nach G. MÖBUS 1964, G. HIRSCHMANN & H. BRAUSE 1969; D. LEONHARDT 1995; O. KRENTZ et al. 2000)
(modifiziert aus
http://www.regionalgeologie-ost.de/Einfuehrung.htm)
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B
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O
N
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NO
RDS
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S
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KE
Tertiär
Vulkanite (ungegl.)
Tertiär
Tuffe
Oberkreide
Jura
Zechstein
Rotliegend
Silesium
Dinantium
Devon
Silur
Ordovizium
Ordovium bis
Devon
Kambrium
variszische
Granite
Rumburger
Granit u.ä.
Großenhain
Torgau-Doberluger
Synklinorium
Kontaktmeta-
morphe Grau-
wacke
Proterozoikum
(Grauwacke)
Ebersbacher Störung
Bautzen
Görlitz
Elsterwerda
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L
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Finsterwalder Störungszone
Kamenz
Großräschen
Innerlausitzer Störung (NE-Ast)
Dresden
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Westlausitzer
Störung
L
aus
itzer
Übers
c
hiebung
20 km
Känozoische tektonischeE ntwicklung Sachsens
19

Känozoische tektonische Entwicklung Sachsen
20
Kartendarstellungen sind die Hoyerswerdaer Querstörung und einige untergeordnete Störungen
gleicher Streichrichtung im jüngsten Tertiär aktiv gewesen und haben den Lausitzer
Hauptabbruch scheinbar sinistral versetzt (Kupetz et al., 1988; Göthel 1998).
Ziel der Untersuchungen zur känozoischen Bruchtektonik ist die Charakterisierung von
Störungszonen, eine Abschätzung zum relativen Alter der Störungen und deren Verbreitung im
Lausitzer Granodioritmassiv. Als älteste zeitliche Begrenzung der zu untersuchenden Störungen
wurden die oberkretazisch-frühtertiäre Aktivität entlang der Lausitzer Überschiebung und am
Lausitzer Hauptabbruch gesetzt. An beiden Störungen erfassen die Bewegungen
oberkretazischen Gesteine, weisen somit ein Maximalalter von etwa 75-65 Ma auf (Wende
Kreide /Tertiär) auf.
Prä-Mesozoisch angelegte Störungen
Die eingangs beschriebenen NW- und NE-streichenden regionalen Störungen, welche das
Lausitzer Granodioritmassiv begrenzen, sind zum Teil in einem höheren Temperaturregime bei
einer Überlagerung von etwa 10 km gebildet worden. Typische Beispiele finden sich in
mehreren Aufschlüssen (Dokumentation siehe Anlagen). Eine südöstliche Fortsetzung der
Westlausitzer Störung ist an der Autobahn A4 bei Weixdorf aufgeschlossen. Hier können
mehrere Aktivitätsphasen nachgewiesen werden. Nach einer kataklastisch-mylonitischen
Deformation mit Ausbildung einer grünschieferfaziellen Foliation im Granodiorit (varistisch?)
treten Harnische mit tonigen Letten auf, die vermutlich im Meso-Känozoikum durch eine
Reaktivierung der Störungen entstanden sind (Anlage 3-2). Diese relativ breiten Zonen enger
Klüftung und Störungen lassen sich an sporadischen Aufschlüssen über den Dresdener
Flugplatz in die Dresdener Heide und in südöstlicher Richtung bis über den Stolpener Granit
hinaus verfolgen (Müller, 1956).
Für das Gebiet des Lausitzer Hauptabbruches liegen keine Aufschlussdaten vor, es wird aber
von einer primär-varistischen Anlage dieser Störung als (dextrale?) Blattverschiebung
ausgegangen.
Einen ähnlichen, aber etwas “kühleren” Temperaturbereich repräsentieren NE-gerichtete
Störungen im Steinbruch Kindisch. Die Störungsflächen sind mit Chlorit und Quarz besetzt. Die
Hauptdeformation konzentriert sich auf eine NE-streichende Mylonit- und Kataklasitzone, in
der der Granodiorit stark hydrothermal alteriert ist bzw. die Klüfte mit Karbonat verheilt sind.
Der Granodiorit wird von mehreren basanitischen Gangscharen durchschlagen, welche von der
Mylonitzone sinistral versetzt werden (Anlage 3-3). Die Basanitgänge zeigen ein monotones N-
S-Streichen und haben ein vorläufiges Alter von etwa 400 Ma (pers. Mitteilung Jörg Pfänder
2013). Die Störungen sind sehr wahrscheinlich varistisch angelegt. Untergeordnet treten
dextrale Seitenverschiebungen gleicher Streichrichtung auf, die kältere Bedingungen anzeigen
und damit jünger sind Eine ähnliche varistische Alterseinstufung haben NE-streichende
Mylonitzonen im Granodiorit südlich von Löbau (Strumpf et al., 1992).
Meso-Känozoisches Störungsinventar
Der Zeitmarker für die zeitliche Einstufung von “jungen” Störungen bildet im vorliegenden
Bericht der regionale Versatz von mesozoischen Sedimenten gegen Lausitzer Granodiorite am
Ende der Oberkreide. Dabei wurden wie im Fall der Lausitzer Überschiebung und des Lausitzer
Hauptabbruches ältere Störungszonen reaktiviert.

Känozoische tektonische Entwicklung Sachsen
21
NW-SE streichende Störungen
Wie schon für den Weixdorfer Aufschluss beschrieben (Anlage 3-2) repräsentieren die
Störungen in den Tonsteine und Tuffiten (Devon?) am Grenzübergang Ludwigsdorf (Görlitz -
Anlage 3-4) einen ähnlichen Temperaturbereich (tonige Letten). Diese Störungen indizieren
eine relativ kühle, junge dextrale Bewegung an der Innerlausitzer Störung. Das Alter der
Bewegung kann als post-kretazisch angenommen werden. Gestützt wird diese Annahme durch
die grabenartig tektonisch begrenzten Reste kretazischer Sedimente nordwestlich der
Innerlausitzer Verwerfung. Im Steinbruch Schwarzkollm wird der Kontakt zwischen
Cadomischen Granodiorit und Grauwacken sinistral versetzt. Es gibt kaum plastisch
deformierte Minerale als Harnisch-Belege, auch hier muss die Bewegung unter relativ
oberflächennahen Bedingungen erfolgt sein (Anlage 3-5).
Die strukturgeologischen Verhältnisse an der Lausitzer Überschiebung differieren in einzelnen
Aufschlussgebieten und sind vermutlich abhängig von der Rheologie der kretazischen
Sedimente und von der Reichweite der individuellen Störungsfläche. Im nordwestlichen Teil
des Untersuchungsgebietes wurde durch die OPAL-Trasse 2010 die Lausitzer Überschiebung
bei Oberau aufgeschlossen (Anlage 3-6). Der Meißner Hornblende-Biotit-Granit ist hier auf
flach lagernde Pläner-Mergel aufgeschoben. Die Aufschiebung wird begleitet von einer
störungsparallelen, etwa 30 m mächtigen Engkluftzone in den Mergeln. Der Mergel ist
unmittelbar unter der Störungsfläche kataklasiert und zu Störungsletten verformt. Die Harnische
in den Letten belegen eine steile Aufschiebung nach WSW. Dieser tektonischen Richtung sind
im Granodiorit untergeordnete NE-streichende Blattverschiebungen zuzuordnen. Die anderen
Versatzflächen im Granodiorit zeigen sich dagegen meist dunkel glänzend und chloritisiert und
sind wahrscheinlich älter. Südwestlich, am entgegengesetzten Rand der Elbtalkreide, ist im
Tännicht-Tal und angrenzenden Taleinschnitten der Augengneis auf den Plänermergel
aufgeschoben und hat diesen in eine steile Lagerung aufgeschleppt (Anlage 3-6).
Ein zweites Aufschlussgebiet der Lausitzer Überschiebung liegt zwischen dem Pillnitzer Sporn
bei Oberpoiritz und dem Kirnitzschtal. Östlich von Pillnitz wird die morphologisch
herausgehobene Front des Lausitzer Granodiorits von jungen Kerbtälern durchbrochen. In
diesen Kerbtälern sind engständige Kluftzonen und Störungen parallel zur NW-streichenden
Lausitzer Überschiebung aufgeschlossen. Die Engkluftzonen reichen etwa 300 Meter
(aufgeschlossen) in den Granodiorit hinein und sind teilweise durch Karbonat belegt. Das deutet
darauf hin, dass die Fläche post-kretazisch geöffnet waren. Die Engkluftzonen werden durch
NE-streichende strike-slip Störungen versetzt. Die Harnische der dextralen, NE-gerichteten
Störungen sind mit Letten besetzt und lassen auf eine geringe Bildungstemperatur schließen
(Anlage 3-7). Untergeordnet treten die Letten-führenden Harnische auch in der NW-Richtung
auf, so dass man von einer Reaktivierung der älteren Störungen ausgehen muss.
Am Breiten Stein und bei Hohnstein spricht die Lage der Schichtung in den Sandsteinen und
das Auftreten von jurassischen Sedimenten im Störungsbereich für eine Aufschleppung der
kretazischen Sandsteine an der Störung. Eine ähnliche strukturelle Position wird mit der
Aufschleppung von jurassischen Eisenerzen von der Hocksteinschenke beschrieben (Müller &
Wächter 1970). Bemerkenswert ist das Auftreten von stark silifizierten Sandsteinen vor allem
in Bereichen der Kreuzung der Lausitzer Überschiebung mit NE-streichenden jüngeren
Störungen wie nördlich des Breiten Steins (Borsberg-Störung) und an der Ostrauer Mühle
(vermutete Kirnitzschtal-Störung) (siehe Anlage 3-8). Diese NE-Störungen sind hier zumindest

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Känozoische tektonische Entwicklung Sachsens
22
Abb. 11:
Übersicht über die tektonischen
Gräben in Miozänen Braunkohlenhorizonten
der Niederlausitz (Kupetz et al. 1989):
A: Interpretation als Extensionsstrukturem am
Ende sinistraler Blattverschiebungen (Kim &
Sanderson 2006)
B: Extensionsbrüche (Fiederstörungen) zwischen
Dextralen Blattverschiebungen (Krentz et al. 2010)
A
B
Ca - Calauer Graben
Dr - Drehnaer Graben
Ka - Kauschauer Graben
No - Nochten Graben
Re - Reddener Graben
Ww - Weißwasser Graben
Zi - Zimnitzer Graben

Känozoische tektonische Entwicklung Sachsen
23
als Alttertiär zu datieren.
Man muss folglich davon ausgehen, dass die spät-kretazische Lausitzer Überschiebung im
Gebiet Pirna - Bad Schandau von jüngeren, NE-streichende Störungen versetzt wird. Im
Aufschluss kann das im Finstergrund bei Pillnitz belegt werden (Anlage 3-7).
Eine ähnliche tektonische Situation ist im Zittauer Gebirge zwischen Oybin (Teufelsmühle) und
dem Pfaffenstein (Kohouty Vrch) auf tschechischem Gebiet anzutreffen. Die
Aufschiebungsfront der Lausitzer Überschiebung wird hier durch stark verkieselte
konglomeratische Sandsteine markiert. Der Sandstein (und Granodiorit) wird von NE-
streichenden Blattverschiebungen durchschlagen. Die größte Dichte dieser Störungsflächen
kann im Gebiet nördlich von Lückendorf beobachtet werden, was wahrscheinlich zur
Abtragung des silifizierten Sandsteins geführt hat. Die “Lücke” in der Sandsteinfront hat zur
Hypothese der “Lückendorfer Störung” geführt (Kasinski & Panasiuk, 1987). Es handelt sich
nach aktuellen Kartierungen aber um keine einzelne Fläche, sondern um eine mehrere hundert
Meter breite, NE-streichende Störungszone mit diskretem, dextralen Versatz (siehe Anlage 3-9).
Nach Bohrdaten bildet die Störungszonen wahrscheinlich einen tektonischen Graben, der sich
nach NE in das Becken von Hradek fortsetzt. Auch im nördlich anschließenden Gebiet werden
NW-streichende, mehrere Kilometer aushaltende Quarzgänge bei Rumburk durch die NE-
streichenden strike-slip Störungen versetzt (Anlage 3-10).
Die direkte Fortsetzung der NE-streichenden Störungen im Zittauer Becken wird durch jüngere
NW-streichende Störungen unterbrochen, die zu einer Hebung der Kreidesandsteine gegenüber
dem nördlichen prä-kretazischen Basement geführt hat. Diese Hebung wird durch Basislagen
des Phonoliths dokumentiert, die über die jüngeren Störungen hinweg eine Höhendifferenz von
ca. 300 m anzeigen und kontinuierlich in das Zittauer Becken abfallen (Anlage 3-9). Im
Aufschluss wird diese Hebung durch eine Serie von “kalten” S-fallenden Engkluftzonen
markiert. Die sehr junge Hebung wurde bereits von Staff (1914) und von Pietzsch (pers.
Mitteilung P. Suhr) vermutet.
Die geologische Übersichtskarte 1:400.000 von Sachsen weist im nordwestlichen Lausitzer
Granodioritmassiv mehrere markante NE-gerichtete Störungen auf, die in der streichenden
Erstreckung von der Elbe-Zone bis zum Lausitzer Hauptabbruch reichen und diesen versetzen
(vereinfacht Abb. 10). In Aufschlüssen konnten diese Störungszonen während des bisherigen
Berichtszeitraumes nicht dokumentiert werden.
Folgt man den Kartendarstellungen von Kupetz et al. (1989) und Göthel (1998), versetzen die
NE-streichenden Störungen den Lausitzer Hauptabbruch sinistral. Nördlich dieser Versätze sind
durch großflächige Aufschlüsse in Braunkohletagebauen Grabenstrukturen nachgewiesen
worden (Viete 1960, Viete 1961, Krentz 2008, Krentz et al., 2010). Die Gräben werden als
konjugierte Fiederstörungen zwischen dextralen Blattverschiebungen (Krentz et al., 2010)
interpretiert. Ein anderes Modell zur Erklärung der Extensionsstrukturen könnte die Anlage von
Extensionsgräben (als “wing cracks”) am Ende von NE-streichenden Blattverschiebungen (Kim
& Sanderson, 2006) sein. Auf dieses Modell könnten auch Aufschiebungsstrukturen im 2.
Lausitzer Flöz im Tagebau Welzow hinweisen. Die Kartierung (fortlaufender Baggerschnitt)
und Auswertung dieser Daten steht noch aus (Bachelorarbeit Erik Seiert 2014). Hier werden die
Deformationen in das Miozän (post-2.Flöz) gestellt (pers. Mitteilung Christiane Stanulla,
Vattenfall 2013).

Känozoische tektonische Entwicklung Sachsen
24
Ähnliche Extensionstrukturen (NE-gerichtete Abschiebungen) konnten auch in den quartären
Kieslagen der Neiße-Terrasse im Tagebau Berzdorf nachgewiesen werden. Hier sind eindeutig
quartäre tektonische Versätze dokumentiert (Anlage 3-11).
E-W streichende Störungen
E-W streichende Störungen sind durch die Braunkohlenerkundung und den Bergbau im Zittau-
Turover Becken nachgewiesen worden (Autorenkollektiv 1978, 1988). Die Hauptstörung, die
den sogenannten Zittauer Granitrücken nach Norden begrenzt, durchschlägt das Zittauer
Oberflöz. Damit ist sie jünger als diese palynologisch als Miozän datierte Flözgruppe. Die
Störung setzt sich nach Osten in den Tagebau Turov als Hauptstörung fort (Vacl 1998). Die
Versatzbeträge an der Störung liegen zwischen 60 und 80 m. Im Tagebau Turov konnten die
Störung im Aufschluss dokumentiert werden. Die Störungsfläche ist mit einem Harnisch aus
tonigem und kohligem Material besetzt. Westlich von Zittau läuft die Störung bei
Mittelherwigsdorf aus. Das Schema der Störungen des Zittauer Beckens ist in Abb. 17
dargestellt.
Eine ebenfalls E-W-streichende wasserführende Störung hat im Tagebau Berzdorf (südlich
Görlitz) scheinbar das NE-gestreckte Becken versetzt. Diese Störung kann als östliche
Fortsetzung der Cunewalder Störung betrachtet werden, die den gesamten Zentralteil der
Lausitz durchschneidet und im Tal bei Cunewalde durch Maare charakterisiert ist.

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Känozoische tektonische Entwicklung Sachsen
25
Abb. 12: Cunewalder Querstörung (rot-gestrichelt) und die Ebersbacher Störung (blau-
gestrichelt) nach gravimetrischen Daten und zum Teil morphologischen Indices
2.3.2. Bruchtektonik in der Elbe-Zone
Der tektonische Übergang zwischen dem aktuellen Lausitzer Basementblock und der Elbezone
kann in der Lausitzer Überschiebung gesehen werden. Ein Teil der spröden, post-kretazischen
Deformation ist bereits vorangehenden Kapitel beschrieben worden und soll hier nur noch
erwähnt werden. Die oberkretazische Lausitzer Überschiebung als klassisch beschriebene
oberkretazsich-frühtertiäre Überschiebung des Lausitzer Granodiorits auf kretazische
Sandsteine verbunden mit einer Schleppung der Sandsteine (siehe exemplarisch Abb. 12) kann
für die Region zwischen dem Zittauer Gebirge - Hohnstein bis zum Breiten Stein nordöstlich
Pirna nachgewiesen werden.

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Känozoische tektonische Entwicklung Sachsen
26
Abb. 13:
Beispiel für die Struktur des
Lausitzer Überschiebung bei Doubice
(aus Malkovsky 1987)
Man muss damit rechnen, dass die “Überschiebung” in der Höhe der Autobahnbrücke Dresden
endet und die Deformation, verbunden durch eine NE-streichenden Störung, durch NE-
gerichtete Überschiebung der Coswiger Orthogneisen und einer Aufschleppung der
kretazischen Sedimente akkommodiert wird.
Zu den jüngeren Störungen entlang der Lausitzer Überschiebung gehört die Aufschiebung in
Oberau (Anlage 3-6). Sie repräsentiert eine kalte junge Bruchstörung, an der das Lausitzer
Basement über die Kreide-Sandsteine gehoben wurde. Kinematische Ähnlichkeit besteht zu den
vermutlich pliozänen Hebung der Kreide-Sandsteine gegen die Lausitz im Zittauer Gebirge
(Anlage 3-9).
Parallel (NW-SE) zur Lausitzer Überschiebung sind im Granodiorit in geeigneten Aufschlüssen
östlich von Dresden vermutlich tertiäre Engkluftzonen und Störungen zu beobachten. Diese
Engkluftzonen setzen sich im Kreidesandstein bei Borsberg und Liebethal nicht fort (siehe
Anlagen 3-8, 3-12). Hierfür kann es zwei Erklärungen geben: Die Engkluftzonen sind älter als
die kretazischen Sandsteine (wenig wahrscheinlich), oder an der Borsberger Störung hat es
einen sinistralen Versatz gegeben, der die südliche Fortsetzung der Engkluftzonen nach Nordost
verschoben hat. Diese Interpretation würde sich mit dem in den Karten verzeichneten miozänen
Versatz der Lausitzer Hauptverwerfung decken.
Diese sinistrale Bewegung könnte auch die postulierten Blockrotationen der Sandsteine östlich
und südlich von Pirna erklären. Nach der geomorphologischen Analyse ist hier eine plio-
pleistozäne Verebnungsfläche an gekrümmten Störungen geteilt und nach Ost gekippt worden
(siehe Anlage 3-8 und Abb. 13).

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Känozoische tektonische Entwicklung Sachsen
27
Abb. 14:
Verebnungsfläche auf Kreidesandstein im Gebiet südlich und östlich Pirna
.
Die Oberfläche ist gestört und nach Ost gekippt. Die Aufragung westlich des Oberlausitz
Plateaus ist der Höhenzug des Breiten Steins und besteht aus silifiziertem Sandstein (Abb. 7 aus
Anlage 1).
Größere Bedeutung für die Elbezone haben N-S und untergeordnet E-W streichende Kluftzonen
und spröde Störungen. Diese können sowohl Basement-Gesteine wie den Monzonit im
Weißeritz-Tal betreffen als auch kretazische Sandsteine (Anlage 3-12a). Im Weißeritz-Tal
betreffen die N-S streichenden Störungen eine mehrere hundert Meter breite Zone, die durch
aufgelassene Steinbrüche gut nachweisbar ist. Diesen N-S streichenden Zonen sitzen auch
ergiebige Brunnen der ehemaligen Felsenkeller-Brauerei Dresden-Plauen auf (pers. Mitteilung
M. Schauer 2010).
Orthogonale Bruchflächen können in den kretazischen Sandsteinen von Liebethal bis an die
tschechische Grenze auf der westelbischen Seite dokumentiert werden (Anlage 3-12b+c). Hier
können auch im morphologischen Reliefbild N-S bis NNE-streichende “Flächenzonen”
ausgehalten werden. Mit Annäherung nach Norden an die Lausitzer Überschiebung dominieren
dann NW-streichende Kluftscharen (Anlage 3-13). Möglicherweise ist das auch ein Effekt des
Canyon-artigen Einschnitts des Elbtals (base level drop) und der rückschreitenden Erosion des
Sandsteins.
2.3.3. Bruchtektonik im Erzgebirge
Die Störungssysteme im metamorphen Erzgebirgskristallin sind schon auf Grund ihrer

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Känozoische tektonische Entwicklung Sachsen
28
Lagerstättenführung vielfältig untersucht worden. Stellvertretend sollen hier die Arbeiten von
Kuschka (1994) und Steinborn (2008) genannt sein, die einen regionalen Überblick zu den
Störungen im Erzgebirge und den überlagernden Sedimentbecken gegeben haben.
Der vorliegende Bericht konzentriert sich auf die Untersuchung der durch die
geomorphologische Untersuchung (Anlage 1.1) favorisierten Störungszonen. Folgt man der
Interpretation von Abbildung 7 (S.12), so sollten vor allem reaktivierte NW-SE streichende
Störungen und untergeordnet Störungen parallel zum Egergraben auftreten. E-W sowie N-S
streichende Störungen sind nach geomorphologischen Indikationen vorhanden, deren regionale
Wirksamkeit muss noch geprüft werden.
Der westliche Erzgebirgsblock wird im Westen von der Mariánské-Lázně - Störung, im Osten
durch die Gera-Jáchimov - Störung begrenzt. Die Mariánské-Lázně - Störung ist bis in jüngste
Zeit zumindest in dem Teilstück der Plousnice-Störung aktiv. Auf tschechischem Gebiet wird
hier das Becken von Cheb gegen das Sokolov-Becken abgegrenzt (Schunk et al., 2003;
Bankwitz et al., 2003). Eine Fortsetzung der Störung auf deutschem Gebiet wird vermutet,
konnte bisher im Gelände nicht nachgewiesen werden. Die seismische Aktivität spricht aber für
eine rezente Fortsetzung der Störung bis in den Raum nordöstlich von Plauen (Abb. 15).
.bbA
15:
Interpretation seismischer Ereignisse in
Westsachsen (links: Scheidewig 2007, rechts Jakob 2009)
.
In Abb. 15 (links) scheint die Forstsetzung der Mariánské-Lázně - Störung seismisch indiziert
zu sein. Das gelb markierte Kästchen lokalisiert die tektonische Interpretation oben rechts. Im
rechten Bild der Abb. 15 dominieren zwischen Aue und Zwickau strike-slip-Bewegungen in
NW- oder NE-Richtung (Gera-Jachimov). Westlich Zwickau setzt sich die N-S bzw. E-W-
Richtung der Blattverschiebungen durch.

image
Känozoische tektonische Entwicklung Sachsen
29
Die vorliegenden seismischen Daten lassen sich im Bereich der NNW streichenden
Mariánské-Lázně - Störung bei Novy Kostel und deren Verlängerung in das Vogtland mit
morphologischen Phänomenen gut korrelieren. Für eine abschließende Beurteilung fehlen
strukturgeologische Daten bzw. die Interpretation von hochauflösenden Fernerkundungsdaten.
Der NW-streichende Bereich von Herdflächenlösungen wird vorläufig als Parallelstörung der
Gera-Jáchimov-Störung interpretiert. Hier sind vor allem im Zwickauer Raum ergänzende
strukturgeologische Untersuchungen notwendig, um die seismischen Daten mit relativer
Sicherheit interpretieren zu können.
Die östliche Begrenzung des westlichen Erzgebirgsblockes wird durch die Gera-Jáchimov-
Störungszone gebildet. Sie stellt wahrscheinlich die südöstliche Fortsetzung der Finne-Störung
dar (Malz & Kley 2012). Problematisch erscheint der Vergleich der Kinematik der beiden
Störungen: die Finne-Störung wird als kompressive Struktur verstanden, während die Gera-
Jachimov-Störung im Wesentlichen als extensive Struktur betrachtet wird.
Eine der wesentlichen und bekanntesten Störungen in der Gera-Jáchimov-SZ sind Störungen
vom Typ “Roter Kamm”. Der Rote Kamm ist eine NW-streichende Störungszone, die
nordwestlich von Schlema in den phyllitischen Serien aufsitzt und sich durch den Auerhammer
Granit ca. acht Kilometer nach SE verfolgt werden kann (Hiller & Schuppan (2008). Nach
Geländeaufnahmen konnten im streichenden Verlauf der Störung mehrere Splays und parallele
Störungen kartiert werden, deren relative Altersfolge in Abb. 16 dargestellt ist.
Abb. 16:
Modell der Störungen und deren relative Altersfolge aus dem Gebiet südlich Aue.
Orange - jüngste Kataklasezonen (1). Etwas älter sind NNW-streichende sinistrale Blattverschiebungen
(2). Rot - NE-gerichtete Abschiebungen vom Typ „Roter Kamm“ (3). NE-streichende
Blattverschiebungen mit hydrothermaler Mineralisation (4) sind die ältesten beobachteten Störungen.
Der Rote Kamm weist einen Abschiebungsbetrag von mehreren hundert Metern auf (Hiller &
Schuppan, 2008). Die Störungszone besteht im Granit aus einer mehrere Meter mächtigen
Brekzienzone, die zum Rand abnehmend vollständig silifiziert ist. Die im Aufschluss Schacht
371 in Schlema beobachteten Harnische belegen eine Abschiebung (Anlage 3-14). In der

Känozoische tektonische Entwicklung Sachsen
30
frischen Auffahrung (Umfahrung Marcus-Semmler-Stolln 2013) sind an diese Abschiebungen
geöffnete, Wasser-führende Küfte gebunden. Problematisch erscheint in Verbindung mit dieser
Abschiebung das Auftreten der Brekzienzone. Möglicherweise ist die Brekzienzone an eine
ältere Aufschiebung gebunden, die von der kartierten Abschiebung reaktiviert wurde. Zu der
kartierten Extensionsstruktur passen zwanglos die konjugierten SW-fallenden Störungen
nordöstlich des Roten Kammes.
Wenn die Abschiebungen vom Typ “Roter Kamm” eine ältere Aufschiebung (Kompression am
Ende der Oberkreide?) reaktivierte, kann ihnen unter Vorbehalt ein tertiäres Alter zugeordnet
werden. Der duktil deformierte Quarz weist aber noch auf eine Anlage der Störung im
Krustenniveau von etwa 2-4 km Tiefe hin. Die NW-streichenden Abschiebungen werden jedoch
von kataklastisch ausgebildeten Störungen in NE-SW-Richtung durchschlagen (Abb. 16). Die
spröde Deformation von Quarz in den Kataklasezonen belegt eine oberflächennahe
Deformation. Diesen Störungen sitzen einige Brunnen des Kurbades Schlema auf (pers.
Mitteilung A. Hiller, 2013).
Die Störungen am Roten Kamm finden ihre Fortsetzung nach SE in der Rittergrüner Störung
(Lagerstätte Pöhla) bis in das Gebiet um den Fichtelberg. Die Breite der Gera-Jáchimov-SZ
kann an dieser Stelle mit etwa 2-4 km angenommen werden.
Im zentralen (Marienberger) Erzgebirgsblock setzt sich das spröde Störungsinventar der Gera-
Jáchimov-SZ fort. In einem instruktiven Aufschluss im Gneis von Dörfel können sowohl die
NW-streichenden Blattverschiebungen als auch jüngere SW-fallende Abschiebungen kartiert
werden. Die jüngsten Störungen sind NW-gerichtete Abschiebungen, die möglicherweise
konjugierte Störungen zur Nordrand-Störung des Egergrabens darstellen. Diese Störungen sind
lokal mit Fluorit besetzt (Anlage 3-15).
Der zentrale (Marienberger) Erzgebirgsblock wird im Osten durch die sogenannte Flöha-
Störungszone begrenzt. Im Gelände konnten bisher - auch auf Grund der Aufschlusssituation -
sehr wenige Störungen dokumentiert werden. Im Kartenbild (GK100 Erzgebirge, 1995) wird
der metamorphe Komplex des zentralen Erzgebirges von einer SW-fallenden
Abschiebungszone durchschlagen. Konjugiert dazu schiebt die Warmbader Störungszone nach
NE ab. Das Alter dieser Abschiebungen ist nicht sicher. Eindeutig jünger ist in diesem Block
die Nordrand-Störung des Egergrabens.
Im Gegensatz zu der Kartendarstellung können in Aufschlüssen um das Thermalbad Wiesenbad
fast ausschließlich NE-streichende strike-slip Störungen kartiert werden Die Abschiebungen
scheinen zumindest in diesem Gebiet mechanisch nicht relevant zu sein. (Anlage 3-16).
Im östlichen Block konnten bisher keine post-kretazischen Störungen sicher nachgewiesen
werden. Hinweise auf aktive N-S Strukturen gibt von Sandstein-Xenolithen in den
hydrothermalen Gängen um Schlottwitz (Kuschka 1994). N-S streichende Gangstrukturen im
Freiberger Revier gehören relativ zu den jüngsten mineralisierten Störungen, können bisher
aber nicht datiert werden.
In einem Aufschluss östlich von Freiberg sind überwiegend NE-streichende sinistrale strike-slip
Bewegungen belegt. Diese lassen sich auf Grund ihrer Harnisch-Ausbildung einem
oberflächennahen Krustenniveau zuordnen und könnten unter Vorbehalt mit den NE-
streichenden Störungen der Lausitz parallelisiert werden.

Känozoische tektonische Entwicklung Sachsen
31
3. 3D-Modell Zittauer Becken
Ausgehend von den tektonischen Untersuchungen am Südrand des Zittauer Beckens im
Sandstein des Zittauer Gebirges soll die Struktur des Zittau-Turov-Beckens in einem 3D-GIS

Känozoische tektonische Entwicklung Sachsen
32
dargestellt werden. Dabei sollte versucht werden, die randlichen tektonischen Strukturen in das
Becken zu übertragen.
Für die Modellierung der einzelnen Beckenteile stehen folgende Ausgangsdaten zur Verfügung:
Der Westteil des Beckens (Zittauer Becken) ist durch ein dichtes Netz von Bohrungen aus der
Vorfelderkundung für das BKW Olbersdorf bekannt. Die Daten sind zum größten Teil digital
aufbereitet und in die UHYDRO-Datenbank implementiert.
Darüber hinaus existieren eine Serie von Profilschnitten (Autorenkollektiv 1988, Raitel 1995,
Vacl 1998), die georeferenziert wurden und im GIS und GOCAD dargestellt werden können.
Mit Hilfe der Profilschnitte können auch Bohrungen korrigiert werden, die das “Liegende
Tertiär” nicht erreicht haben.
Für den Westteil des Beckens (Zittauer Becken) werden fünf stratigraphische Flächen
ausgehalten:
- Liegendes Quartär (wird nur lokal bei Mächtigkeit > 10 m rekonstruiert)
- Liegendes Zittauer Hauptflöz
- Liegendes Zittauer Unterflöz
- Hangendes Zittauer Vulkanite
- Liegendes sedimentäres Tertiär (“Granitoberfläche”)
- Kreide-Hangend- und Liegendgrenze südlich der Lausitzer Überschiebung
Die Erkundungsdaten im Ostteil des Beckens (Turov-Becken) sind durch Kasinski (2000) in
Form eines Atlas aufbereitet worden. Schwierig ist hier der stratigraphische Vergleich, da
Kasinski (2000) für die stratigraphische Gliederung nicht die Flözunterkante annimmt, sondern
das Normalprofil in einzelne sedimentäre Sequenzen gliedert, deren Höhenlage nicht ohne
Weiteres in das Modell übernommen werden kann. Die einzelnen Flächen sind von Kasinski
mit Hilfe einer “surfer”-Software ohne Rücksicht auf tektonische Elemente und Modell-
Randbedingungen interpoliert worden. Deshalb muss darauf verzichtet werden, die Kasinski-
Darstellungen ohne größere Überprüfung und gegebenenfalls Korrekturen in das Modell zu
übernehmen. Diese Daten sollen mit Hilfe von Bohrdaten des PGI Wroclaw korrigiert werden.
Dazu wird ein gemeinsames Projekt angestrebt.
Für das auf tschechischem Gebiet anschließende Teilbecken von Hradek liegen die Karte und
Profilschnitte (Bohransatzpunkte und Profilschnitte) zum Manuskript eines nicht zur Verfügung
stehenden Erkundungsberichtes vor (Vacl 1998). Diese Daten wurden mit den tektonischen
Elemente aus den tektonischen Kartierungen und den Erkundungsberichten auf deutscher Seite
abgeglichen.
In Anlage 3-18 ist das tektonische Schema dargestellt, welches die Grundlage für das 3D-
Modell bildet.

image
Känozoische tektonische Entwicklung Sachsen
33
Abb. 17:
Modell der tektonischen Störungen im Zittau-Turov-Hradek-Becken
Das tektonische Modell des Zittauer Beckens basiert auf der Kartierung von strike-slip
Störungen, die die Aufschiebungsfront der Lausitzer Überschiebung durchschlagen und
versetzen. Eine zweite Datenbasis sind die Bohrungen der Braunkohlenerkundung in der
Umgebung von Zittau und Befahrungen im Tagebau Turov östlich von Zittau (Republik Polen).
Die Bohrergebnisse belegen, dass nördlich der Lausitzer Überschiebung keine kretazischen
Sedimente auftreten. In den ältesten Teilen des Beckens lagert ein prä-Basalt-Flöz (prä-30 Ma)
dem granitischen Basement auf. Die Bohrungen zeigen weiterhin, dass die Tieflagen der
rezenten Beckenstruktur durch N- bzw- S-gerichtete Abschiebungen begrenzt sind. Diese
Abschiebungen werden zeitlich mit den strike-slip Störungen korreliert und als ein konjugiertes
System von strike-slip Störungen mit Abschiebungen in pull-apart-Strukturen interpretiert.
Sowohl die Abschiebungen als auch die NE-streichenden Randstörungen durchschlagen das mit
Miozän datierte Oberflöz des Beckens. Das belegt ein ober- bis post-miozänes Alter der
Beckenstrukturen.
Problematisch ist die nördliche Begrenzung des Beckens. Hier liegen keine Daten vor. Aus
wenigen Basement-Aufschlüssen auf polnischem Gebiet und Altbohrungen wurde hier eine
Begrenzung durch jüngere NW-streichende strike-slip Störungen angenommen.
Im Süden wird das Becken lokal durch NW-streichende steile Aufschiebungen begrenzt. Das
sehr junge Alter dieser Hebung wird durch die instabilen Blockmeere am Nordhang z.B. des
Töpfers und schmale Erosionskessel südlich der Störung belegt (Anlage 3-9).

Känozoische tektonische Entwicklung Sachsen
34
4. Relative Altersfolge der post-Kretazischen Bruchstörungen in Sachsen
Die im Folgenden dargestellte relative Altersabfolge basiert auf Feldbeobachtungen,
Ableitungen aus der geomorphologischen Analyse sowie wenigen Literaturdaten. Zur Übersicht
der Interpretation sieh auch Anlage 3-19.
Die relative Altersabfolge wird von jüngeren zu älteren Störungsereignissen dargestellt.
1. NE-SW gerichtete Kompression (Pliozän?)
Zu dieser jüngsten Phase gehören als Hauptkomponenten die Randstörungen des Egergrabens,
die einen Versatz von mehreren hundert Metern verursacht haben (NW-SE-Extension).
Kompressive Elemente sind in der Heraushebung des Zittauer Gebirges an NW-streichenden
Aufschiebungen und die Störung in Oberau nördlich von Dresden zu stellen. Ähnliche
Bewegungen mit ähnlichen Versatzbeträgen wurden im Pliozän für den Harz beschrieben
(König et al. 2011).
Die Südrandstörung des Erzgebirges ist klar belegt durch die geomoerphologische Analyse
sowie Beschreibungen der Störung aus den nordböhmischen Braunkohlentagebauen. Hie wird
für das junge Alter der Störung vor allem mit dem wenig verwitterten klastischen Eintrag vom
Erzgebirge argumentiert. Konjugierte, NW-fallende Abschiebungen im Erzgebirge gehören
vermutlich zu diesem Extensionssystem. Die laterale Ausdehnung dieser letztgenannten
Störungen kann noch nicht sicher belegt werden.
Die NNW-streichende Mariánské-Lázně-Störung ist ebenfalls sehr gut belegt. Sie begrenzt das
Kaiserwald-Plateau und das Erzgebirge im Westen, ihre Spur lässt sich bis in den Raum Plauen
verfolgen. Hier wird der östliche Block bis in jüngsten Zeit über mehrere hundert Meter gegen
den westlichen angehoben und lokal durch eine Blattverschiebung versetzt.
Für eine abschließende Beurteilung fehlen auf deutschem Gebiet strukturgeologische Daten
bzw. die Interpretation von hochauflösenden Fernerkundungsdaten.
Zeugen einer Verebnungsfläche vor der Entstehung des Egergrabens findet man in den
reliktisch erhaltenen Paläo-Oberflächen im westlichen und mittleren Erzgebirge. Das konkrete
Alter dieser alten Flächen ist noch ungeklärt.
2. N-S streichende Störung
Diese Störungen erscheinen als “kalte”, relativ junge Störungen. Sie sind latent in vielen
Aufschlüssen beschrieben. Bisher gibt es zu diesen Störungen keine systematischen
Untersuchungen, obwohl besonders im westlichen und zentralen Erzgebirge morphologische
Indikationen für die Existenz von solchen Strukturen vorliegen. Die N-S streichenden
Störungen durchschlagen sowohl Basement-Gesteine als auch die überlagernden kratzischen
Sandsteine. Beobachtungen zu N-S streichenden Flächensystemen in tertiären Lockegesteinen
liegen noch nicht vor. Die Alterstellung ist noch unklar.
3. Post-miozäne NNW-SSE gerichtet Kompression
Zu dieser Richtung der Hauptspannungsachse gehören lokale NW-streichende strike-slip
Störungen. Diese Störungen können sowohl im Erzgebirge als auch in der Lausitz beobachtet
werden, stellen möglicherweise reaktivierte ältere Störungen dar. Die Störungen versetzen die
Beckenränder in der Ostlausitz. Möglicherweise sind auf diese Bewegungen auch die einige
Grabenbildungen in den miozänen Flözen der Niederlausitz zurückzuführen. Im Berzdorfer
Becken waren NW-streichende Störungen im Nordfeld hydrogeologisch interessant, da sie nach

Känozoische tektonische Entwicklung Sachsen
35
Anschnitt monatelang gleichbleibend Wasser und Störungsletten förderten (pers. Komm. E.
Raitel 2012).
4. Post-30 Ma N-S gerichtete Kompression
Die Drehung im Stress-Feld führt zur Anlage von NE-SW-streichenden strike-slip Störungen.
Im Bereich der ostlausitzer Tertiärbecken folgen die Beckenränder dieser Richtung. Der
sinistrale Versatz findet sich auch an der Bohrsberg-Störung und der Hoyerswerdaer
Querstörung im Lausitzer Block wieder. Ebenfalls sinistral versetzt wird die Lausitzer
Überschiebung im Gebiet Ostrauer Mühle und des Zittauer Gebirges.
Ausgehend von den dislozierten miozänen Kohleflözen in Zittau und Berzdorf können diese
Störungen nicht älter als 20 Ma sein.
Genetisch verbunden mit den sinistralen Blattverschiebungen sind E-W streichende
Abschiebungen, die vor allem in den ostlausitzer Becken dokumentiert sind. Hier versetzen die
Abschiebungen im Zittauer Becken (Zittauer Granitrücken) alle Flöze um bis zu 40 m. Im
westlichen Teil des Egergrabens sind diese Störungen vor allem aus dem Most-Becken
beschrieben (Uličný et al., 2000). Geomorphologisch wirksam erscheint eine E-W streichende
Störung nur nördlich des Sokolov-Beckens im westlichen Erzgebirge.
5. Post-Kretazische bis früh-Tertiäre NE-SW gerichtete Kompression
Zu diesem Deformationsereignis müssen die Lausitzer Überschiebung und der Lausitzer
Hauptabbruch als “pop-up” Struktur (Voigt 2009) gerechnet werden. Die Zuordnung einer
frühen Überschiebung in der Gera-Jachimov-SZ ist noch fraglich.
Ebenfalls problematisch hinsichtlich der Alterstellung erscheinen die NW-SE streichenden
Abschiebungen vom Typ “Roter Kamm” im Erzgebirge.

Känozoische tektonische Entwicklung Sachsen
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