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Fachbegleitung
Naturschutzförderung
Schriftenreihe, Heft 27/2014

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Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 2
Naturschutzfachliche Begleitung zu den
Maßnahmen der naturschutzgerechten
Grünland- und Ackerbewirtschaftung des
Entwicklungsprogramms für den
ländlichen Raum im Freistaat Sachsen
2007–2013
Anna Hüttinger, Michael Deussen, Ronny Goldberg, Anja Koch, Martin Mathaj, Tanja Schwarzbach

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 3
Inhalt
1
Einführung ............................................................................................................................................................. 10
2
Naturschutzförderung in Sachsen ....................................................................................................................... 10
2.1
Überblick ................................................................................................................................................................. 10
2.2
Naturschutzgerechte Grünland- und Ackerbewirtschaftung .................................................................................... 12
2.3
Aufgabe und Konzeption der naturschutzfachlichen Begleitung .............................................................................. 15
3
Grobuntersuchungen ............................................................................................................................................ 17
3.1
Grünland .................................................................................................................................................................. 17
3.1.1
Methode .................................................................................................................................................................. 17
3.1.2
Ergebnisse und Diskussion ..................................................................................................................................... 19
3.2
Acker ....................................................................................................................................................................... 26
3.2.1
Methode .................................................................................................................................................................. 26
3.2.2
Ergebnisse und Diskussion ..................................................................................................................................... 29
4
Detailuntersuchungen Grünland .......................................................................................................................... 37
4.1
Methode .................................................................................................................................................................. 37
4.2
Ergebnisse und Diskussion ..................................................................................................................................... 39
5
Einzelfallstudien .................................................................................................................................................... 48
5.1
Grünland .................................................................................................................................................................. 48
5.1.1
Maßnahme
Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Nutzungspause
(G5) - Wiesenknopf-Ameisenbläulinge
und Vegetation ........................................................................................................................................................ 48
5.1.2
Maßnahme
Hutung mit Schafen und Ziegen (Dauergrünlandflächen)
(G7a) –Vegetation ...................................... 55
5.1.3
Maßnahme
Hutung mit Schafen und Ziegen (Heideflächen)
(G7b) –Tagfalter, Heuschrecken und Vegetation ...... 61
5.1.4
Maßnahme Anlage von Bracheflächen und Brachestreifen im Grünland (G9) – Vegetation ................................... 69
5.2
Acker ....................................................................................................................................................................... 73
5.2.1
Maßnahme
Bearbeitungspause im Frühjahr
(A2) – Avifauna .................................................................................. 74
5.2.2
Maßnahme Anlage von Bracheflächen auf Ackerland – Selbstbegrünung (A3a) – Vegetation und Laufkäfer ........ 76
5.2.3
Maßnahme
Anlage von Bracheflächen auf Ackerland mit Einsaat kräuterreicher Ansaatmischungen
(A3b) –
Vegetation und Kontaktbiotope ............................................................................................................................... 81
5.2.4
Maßnahme
Naturschutzgerechte Ackerbewirtschaftung
(A4) – Rebhuhn ............................................................... 86
5.2.5
Maßnahme
Naturschutzgerechte Ackerbewirtschaftung
(A4) – Vegetation und Laufkäfer ..................................... 88
6
Zusammenfassung ................................................................................................................................................ 93
6.1
Grünland .................................................................................................................................................................. 93
6.2
Acker ....................................................................................................................................................................... 95
7
Literaturverzeichnis .............................................................................................................................................. 99
8
Anhang ................................................................................................................................................................... 102

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 4
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1:
Entwicklung des Förderflächenumfangs der naturschutzgerechten Grünland- und Ackernutzung ............. 14
Abbildung 2:
Gekennzeichnete Förderfläche Anlage von Bracheflächen und Brachestreifen auf Ackerland (A3) ........... 15
Abbildung 3:
Übersicht der in den Grobuntersuchungen Grünland kartierten Flächen .................................................... 20
Abbildung 4:
Anteil der wertvollen Grünland-Biotoptypenfläche (laut SBK) (links) sowie der FFH-Lebensraumtypen
(rechts) an der im Rahmen der Grobuntersuchungen kartierten Fläche ..................................................... 21
Abbildung 5:
Anzahl Positivarten auf den in den Grobuntersuchungen Grünland mit dem Frischwiesen-Bogen
kartierten Transekte .................................................................................................................................... 22
Abbildung 6:
Anzahl Positivarten auf den in den Grobuntersuchungen Grünland mit dem Feuchtwiesen-Bogen
kartierten Transekte .................................................................................................................................... 23
Abbildung 7:
Anzahl Positivarten auf den in den Grobuntersuchungen Grünland mit dem Bergwiesen-Bogen
kartierten Transekte .................................................................................................................................... 23
Abbildung 8:
Verteilung der Stufen der Ist-Bewertung bei den Grobuntersuchungen Grünland über alle untersuchten
(Teil-)Flächen einer Maßnahme .................................................................................................................. 24
Abbildung 9:
Gesamtbewertung der im Rahmen der Grobuntersuchungen begutachteten Flächen ............................... 26
Abbildung 10: Maßnahmefläche
Anlage von Bracheflächen und Brachestreifen mit Selbstbegrünung
(A3a) in der
Bergbaufolgelandschaft bei Hoyerswerda ................................................................................................... 27
Abbildung 11: Mitarbeiter des LfULG bei der Kartierung im Rahmen der Grobuntersuchungen ........................................ 28
Abbildung 12: Übersicht der in den Grobuntersuchungen Acker gesichteten Flächen (links) und kartierten Flächen
(rechts) ........................................................................................................................................................ 29
Abbildung 13: Flächenanteile der Biotoptypen in ha an der in den Grobuntersuchungen erfassten Ackerfläche .............. 30
Abbildung 14: Anzahl der kartierten Positivarten in den Grobuntersuchungen Acker ........................................................ 31
Abbildung 15: Verteilung der Stufen der Ist-Bewertung der Grobuntersuchungen Acker über alle untersuchten Flächen
einer Maßnahme ......................................................................................................................................... 32
Abbildung 16: Echter Frauenspiegel (
Legousia speculum veneris
), eine auch auf Förderflächen in Sachsen
wiederentdeckte Art .................................................................................................................................... 32
Abbildung 17: Beeinträchtigung durch Bodenverdichtung/Befahrung und direkte Schädigung von Vegetation auf einer
Untersuchungsfläche (A3a) im Grobmonitoring Acker ................................................................................ 34
Abbildung 18: Gesamtbewertung der im Rahmen der Grobuntersuchungen Acker begutachteten Flächen ..................... 35
Abbildung 19: Extensiv genutzter wildkrautreicher Acker mit Feld-Rittersporn (
Consolida regalis
) ................................... 36
Abbildung 20: Übersicht der in den Detailuntersuchungen Grünland kartierten Flächen ................................................... 37
Abbildung 21: Anteil der wertvollen Biotoptypen (gemäß Biotoptypenschlüssel der Selektiven Biotopkartierung) bzw.
der FFH-Lebensraumtypen an den Untersuchungsflächen der Detailuntersuchungen Grünland ............... 39
Abbildung 22: Artenzahlen der im Rahmen der Detailuntersuchungen Grünland durchgeführten
Vegetationsaufnahmen ............................................................................................................................... 40
Abbildung 23: Verteilung der Arten mit Nährstoffzeigerwerten nach ELLENBERG in den im Rahmen der
Detailuntersuchungen durchgeführten Vegetationsaufnahmen .................................................................. 41
Abbildung 24: Anteil der Untersuchungsflächen der Detailuntersuchungen Grünland mit Funden von RLS-
Pflanzenarten .............................................................................................................................................. 42
Abbildung 25: Summe der Artenzahlen Tagfalter (links) und Heuschrecken (rechts) ........................................................ 43
Abbildung 26: Widderchen (Zygaena spec.) auf einer Untersuchungsfläche ..................................................................... 44
Abbildung 27: Prozentualer Anteil der Flächen mit Artnachweisen von Widderchen ......................................................... 44
Abbildung 28: Dukaten-Feuerfalter (
Lycaena virgaureae
) ................................................................................................. 45
Abbildung 29: Prozentualer Anteil der Flächen mit RLS-Artenzahlen Tagfalter (links) und Heuschrecken (rechts) .......... 46
Abbildung 30: Prozentualer Anteil der Flächen mit Rote-Liste-Artenzahlen Widderchen................................................... 47
Abbildung 31: Übersicht der in den Einzelfallstudien Grünland kartierten Flächen ............................................................ 48
Abbildung 32: Wiesenknopfvorkommen auf einer Untersuchungsfläche ........................................................................... 49
Abbildung 33: Untersuchungskomponenten der Einzelfallstudie G5 ................................................................................. 51
Abbildung 34: Heller und Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling (
Phengaris teleius, P. nausithous
) ............................... 52
Abbildung 35: Blick auf eine G7a-Fläche ........................................................................................................................... 55

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 5
Abbildung 36: Anzahl Arten der Vegetationsaufnahmen der Einzelfallstudie Hutung Dauergrünland sowie der
Detailuntersuchungen Grünland.................................................................................................................. 57
Abbildung 37: Anteil der Rote-Liste-Arten der Einzelfallstudie Hutung Dauergrünland sowie der Detailuntersuchungen
Grünland ..................................................................................................................................................... 58
Abbildung 38: Entwicklung der Artenzahlen pro Vegetationsaufnahme im NSG Großer Weidenteich .............................. 59
Abbildung 39: Entwicklung der für den FFH-Lebensraumtyp „Kalk-Trockenrasen“ (LRT 6210) typischen Arten pro
Vegetationsaufnahme (A und B) im NSG Großer Weidenteich ................................................................... 60
Abbildung 40: Entwicklung der für den FFH-Lebensraumtyp „Flachland-Mähwiesen“ (LRT 6510) typischen Arten pro
Vegetationsaufnahme (A und B) im NSG Großer Weidenteich ................................................................... 61
Abbildung 41: Entwicklung der Biotoptypenanteile auf den Untersuchungsflächen der Einzelfallstudie Hutung
(Heideflächen) ............................................................................................................................................. 63
Abbildung 42: Entwicklung der Artenzahlen pro Vegetationsaufnahme (50 m²) von 2002 bis 2010 auf den
Untersuchungsflächen der Einzelfallstudie Hutung Heideflächen ............................................................... 65
Abbildung 43: Entwicklung der Anzahl der für den FFH-Lebensraum „Trockene Heiden“ typischen Arten (ohne
Kryptogamen) pro Vegetationsaufnahme (50 m²) von 2002 bis 2010 auf den Untersuchungsflächen
der Einzelfallstudie Hutung Heideflächen .................................................................................................... 66
Abbildung 44: Entwicklung der Tagfalter-Artenzahlen von 2002, 2004 und 2010 auf den Untersuchungsflächen der
Einzelfallstudie Hutung Heideflächen .......................................................................................................... 67
Abbildung 45: Entwicklung der Heuschrecken-Artenzahlen von 2002, 2004 und 2010 auf den Untersuchungsflächen
der Einzelfallstudie Hutung Heideflächen .................................................................................................... 67
Abbildung 46: Anteil der nachgewiesenen Biotoptypen und FFH-Lebensraumtypen in der Einzelfallstudie
Bracheflächen im Grünland (G9) auf den geförderten Flächen (links) und den Vergleichsflächen
(V, rechts) (% sowie Anzahl der Teilflächen) .............................................................................................. 72
Abbildung 47: Übersicht über die Lage der in den Einzelfallstudien Acker kartierten Flächen in Sachsen ........................ 73
Abbildung 48: Maßnahmefläche
Anlage von Bracheflächen auf Ackerland – Selbstbegrünung
(A3a) .............................. 77
Abbildung 49: Ackerröte (
Sherardia arvensis)
................................................................................................................... 79
Abbildung 50: Maßnahmefläche
Anlage von Bracheflächen auf Ackerland – Selbstbegrünung
(A3a) als Beispiel für
mangelnden Umbruch ................................................................................................................................. 81
Abbildung 51: Verteilung der angrenzenden Biotop- und Landnutzungstypen laut BTLNK ............................................... 85
Abbildung 52: Verteilung der angrenzenden Biotoptypen aus der selektiven Biotopkartierung ......................................... 86
Abbildung 53: Maßnahmefläche
Naturschutzgerechte Ackerbewirtschaftung
(A4) ........................................................... 88
Abbildung 54: Vergleich von Artenzahl und Shannon-Diversitäts-Index der Vegetationsaufnahmen für die
untersuchten Maßnahme-Flächen (A4) und konventionell genutzten Vergleichs-Flächen (V) .................... 89
Abbildung 55: Visualisierung der Ähnlichkeiten zwischen den Vegetationsaufnahmen ..................................................... 90
Abbildung 56: Arten- und Individuenzahlen an Laufkäfern je Untersuchungsfläche .......................................................... 91
Abbildung 57: Konventionell bewirtschaftete Vergleichsfläche mit Wintergetreide ............................................................ 91

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 6
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1:
Überblick über die Naturschutzfördermaßnahmen der sächsischen Förderrichtlinien ................................... 11
Tabelle 2:
Übersicht zu Maßnahmen der Naturschutzgerechten Grünland- und Ackerbewirtschaftung der Richtlinie
AuW/2007 ...................................................................................................................................................... 12
Tabelle 3:
Kategorien des Ist-Zustands bei den Grobuntersuchungen ........................................................................... 17
Tabelle 4:
Kategorien des Ist-/Ziel-Vergleichs bei den Grobuntersuchungen ................................................................. 18
Tabelle 5:
Untersuchungsbestandteile und Methoden der Grobuntersuchungen Grünland ........................................... 19
Tabelle 6:
Übersicht der in den Grobuntersuchungen Grünland begutachteten Flächen ............................................... 20
Tabelle 7:
Übersicht der häufigsten Beeinträchtigungen auf untersuchten Maßnahmeflächen der Grob-
untersuchungen Grünland mit Flächenanteilen in % ...................................................................................... 25
Tabelle 8:
Untersuchungsbestandteile und Methoden der Grobuntersuchungen Acker ................................................. 28
Tabelle 9:
Übersicht der in den Grobuntersuchungen Acker gesichteten und kartierten Flächen .................................. 29
Tabelle 10:
Übersicht der häufigsten Beeinträchtigungen auf untersuchten Maßnahmeflächen der Grob-
untersuchungen Acker mit Flächenanteilen in % ........................................................................................... 33
Tabelle 11:
Untersuchungsbestandteile und Methoden der Detailuntersuchungen Grünland .......................................... 38
Tabelle 12:
Untersuchungsbestandteile und Methoden der Einzelfallstudie G5 - Wiesenknopf-Ameisenbläulinge und
Vegetation ...................................................................................................................................................... 50
Tabelle 13:
Untersuchungsbestandteile und Methoden der Einzelfallstudie Hutung Dauergrünland................................ 56
Tabelle 14:
Untersuchungsbestandteile und Methoden der Einzelfallstudien Hüteschafhaltung (NAK) und
Hutung mit
Schafen und Ziegen - Hutung von Heideflächen
(G7b) (RL AuW/2007) ........................................................ 62
Tabelle 15:
Bewertung der 2010 erfassten LRT Trockene Heiden (LRT 4030) auf den 1 ha großen Maßnahmeflächen
(M) und Vergleichsflächen (V) der Einzelfallstudie Hutung (Heideflächen) .................................................... 64
Tabelle 16:
Anzahl Rote-Liste-Arten Tagfalter und Heuschrecken 2002, 2004 und 2010 auf den Untersuchungsflächen
der Einzelfallstudie Hutung Heideflächen ...................................................................................................... 68
Tabelle 17:
Untersuchungsbestandteile und Methoden der Einzelfallstudie Bracheflächen im Grünland (G9) – Flora,
Vegetation ...................................................................................................................................................... 70
Tabelle 18:
Übersicht zur letzten Nutzung zum Zeitpunkt der Untersuchungen der Flächen der Einzelfallstudie
Bracheflächen im Grünland (G9) ................................................................................................................... 70
Tabelle 19:
Untersuchungsbestandteile und Methoden der Einzelfallstudie
Bearbeitungspause im Frühjahr
(A2) –
Avifauna ......................................................................................................................................................... 75
Tabelle 20:
Untersuchungsbestandteile und Methoden der Einzelfallstudie
Anlage von Bracheflächen auf Ackerland –
Selbstbegrünung
(A3a) – Vegetation und Laufkäfer ...................................................................................... 78
Tabelle 21:
Gefährdete Arten aus den Transektkartierungen ........................................................................................... 79
Tabelle 22:
Erfassungs- und Bewertungsergebnisse der Laufkäferuntersuchungen der Einzelfallstudie zur
Maßnahme A3a ............................................................................................................................................. 80
Tabelle 23:
Untersuchungsbestandteile und Methoden der Einzelfallstudie Anlage von Bracheflächen auf Ackerland
mit Einsaat kräuterreicher Ansaatmischungen (A3b) – Vegetation und Kontaktbiotope ................................ 83
Tabelle 24:
Untersuchungsbestandteile und Methoden der Einzelfallstudie Naturschutzgerechte Acker-
bewirtschaftung (A4) – Rebhuhn .................................................................................................................... 87
Tabelle 25:
Untersuchungsbestandteile und Methoden der Einzelfallstudie
Naturschutzgerechte
Ackerbewirtschaftung
(A4) – Vegetation und Laufkäfer ................................................................................. 89
Tabelle 26:
Spezifische Zuwendungsvoraussetzungen der betrachteten Maßnahmen .................................................. 102
Tabelle 27:
Kategorien der erfassten Beeinträchtigungen bei den Grobuntersuchungen ............................................... 106
Tabelle 28:
Artenliste für die Erfassung von extensiv genutztem Grünland frischer Standorte (GM) ............................. 108
Tabelle 29:
Bewertungsschema Ist-Zustand für die Erfassung von extensiv genutztem Grünland frischer
Standorte (GM) ............................................................................................................................................ 111
Tabelle 30:
Übertragungsschema bei Zielstellung sonstiges extensiv genutztes Grünland frischer Standorte (GY) ...... 111
Tabelle 31:
Artenliste für die Erfassung von Bergwiesen (GB) ....................................................................................... 112
Tabelle 32:
Bewertungsschema Ist-Zustand für die Erfassung von Bergwiesen (GB) .................................................... 114
Tabelle 33:
Artenliste für die Erfassung von Feuchtgrünland (GF) ................................................................................. 115

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 7
Tabelle 34:
Bewertungsschema Ist-Zustand für die Erfassung von Feuchtgrünland (GF) .............................................. 117
Tabelle 35:
Übertragungsschema bei Zielstellung GFY.................................................................................................. 117
Tabelle 36:
Artenliste für die Erfassung von Äckern (UA) ............................................................................................... 118
Tabelle 37:
Bewertungsschema Ist-Zustand für die Erfassung von Äckern .................................................................... 120
Tabelle 38:
Prozent-Anteil der untersuchten Flächen je Maßnahme, auf denen in den Transekten der
Grobuntersuchungen Acker Rote-Liste-Pflanzenarten erfasst wurden ........................................................ 121
Tabelle 39:
Einzelfallstudie G5 - Ameisenbläulings-Nachweise je Untersuchungsfläche mit Einschätzungen zum
Populationszustand, zur Habitateignung und zu Veränderungen gegenüber den Ergebnissen des
FFH-Artmonitorings 2004/05 ........................................................................................................................ 122
Tabelle 40:
Einzelfallstudie A3b - Liste der verwendeten Saatgutmischungen (Varianten 1 bis 4) bei der Maßnahme
Anlage von Bracheflächen und Brachestreifen auf Ackerland mit Einsaat kräuterreicher
Ansaatmischungen
(A3b) in der Variante „Gebietsheimisches Saatgut“ ...................................................... 123

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 8
Abkürzungsverzeichnis
A1
Maßnahme
Überwinternde Stoppel
(RL AuW/2007)
A2
Maßnahme
Bearbeitungspause im Frühjahr
(RL AuW/2007)
A3a
Maßnahme
Anlage von Bracheflächen und Brachestreifen auf Ackerland – Selbstbegrünung
(RL AuW/2007)
A3b
Maßnahme
Anlage von Bracheflächen und Brachestreifen auf Ackerland – Einsaat kräuter-
reicher Ansaatmischungen
(RL AuW/2007)
A3c
Maßnahme
Anlage von Bracheflächen und Brachestreifen auf Ackerland – Ansaatmischun-
gen von Kulturarten in unterschiedlichen Mengenverhältnissen
(RL AuW/2007)
A3d
Maßnahme
Anlage von Bracheflächen und Brachestreifen auf Ackerland – Selbstbegrünung
mit Rotationsansatz
(RL AuW/2007)
A4
Maßnahme
Naturschutzgerechte Ackerbewirtschaftung mit Einschränkung von Pflanzen-
schutzmitteln und Vorgaben zu angebauten Kulturen
(RL AuW/2007)
BT
Biotoptyp
ELER
Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des Ländlichen Raumes
EPLR
Entwicklungsprogramm für den ländlichen Raum im Freistaat Sachsen 2007-2013
FFH-RL
Richtlinie 92/43/EWG des Rates zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wild-
lebenden Tiere und Pflanzen – sog. Fauna-Flora-Habitat-(FFH-)Richtlinie
G1a
Maßnahme
Extensive Grünlandwirtschaft – Weide
(RL AuW/2007)
G1b
Maßnahme
Extensive Grünlandwirtschaft – Wiese
(RL AuW/2007)
G2
Maßnahme
Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht vor erster Nutzung
(RL AuW/2007)
G3a
Maßnahme
Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht – Erste Nutzung ab
15. Juni
(RL AuW/2007)
G3b
Maßnahme
Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht – Erste Nutzung ab
15. Juli
(RL AuW/2007)
G4
Maßnahme
Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht – Aushagerung
(RL
AuW/2007)
G5
Maßnahme
Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht – Nutzungspause
(RL AuW/2007)
G6
Maßnahme
Naturschutzgerechte Beweidung mit später Erstnutzung
(RL AuW/2007)
G7a
Maßnahme
Naturschutzgerechte Beweidung – Hutung mit Schafen und Ziegen – Hutung
von Dauergrünlandflächen
(RL AuW/2007)
G7b
Maßnahme
Naturschutzgerechte Beweidung – Hutung mit Schafen und Ziegen – Hutung
von Heideflächen
(RL AuW/2007)
G9
Maßnahme
Anlage von Bracheflächen und Brachestreifen im Grünland
(RL AuW/2007)
G10
Maßnahme
Umwandlung von Ackerland in Dauergrünland
(RL AuW/2007)
LfULG
Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
LRT
Lebensraumtyp gemäß Anhang I FFH-Richtlinie
NAK
Programm „Naturschutz und Erhalt der Kulturlandschaft“ (Vorläuferprogramm der RL AuW
im EPLR 2000-2007)
RL NE/2007
Richtlinie „Natürliches Erbe“
RL AuW/2007
Richtlinie „Agrarumweltmaßnahmen und ökologische Waldmehrung“
RL WuF/2007
Richtlinie „Wald und Forstwirtschaft“

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 9
RLS
Rote Liste Sachsens (Farn- und Samenpflanzen: SCHULZ, D. 1999; Heuschrecken: BÖRNER,
J. et al. 1994; Tagfalter: REINHARDT, R. 2007; Biotoptypen: BUDER, W., UHLEMANN, S. 2010;
Pflanzengesellschaften: BÖHNERT, W. et al. 2001)
RLD
Rote Liste Deutschlands (Pflanzen: LUDWIG & SCHNITTLER 1996)
SächsNatSchG Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege im Freistaat Sachsen (Sächsisches Natur-
schutzgesetz)
S5
Maßnahme
Anlage von Grünstreifen auf dem Ackerland
(RL AuW/2007)

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 10
1 Einführung
Zahlreiche geschützte und gefährdete Biotope und Arten des Offenlandes sind auf eine ihren Ansprüchen
entsprechende Bewirtschaftung angewiesen. Weil die erwünschte naturschutzgerechte Nutzung oder Pflege
unter heutigen Aufwands- und Erlösbedingungen nicht wirtschaftlich ist, werden verschiedene flächenbezoge-
ne Fördermöglichkeiten angeboten.
Der Naturschutzförderung wird in Sachsen zur Umsetzung von Maßnahmen des Naturschutzes und der Land-
schaftspflege ein hoher Stellenwert eingeräumt. So ist im Sächsischen Naturschutzgesetz (SächsNatSchG)
der Vorrang vertraglicher Vereinbarungen im § 3 festgeschrieben.
Ein Teil der Fördermaßnahmen im Freistaat Sachsen wird von der Europäischen Union (EU) aus dem europä-
ischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) kofinanziert. Diese Maßnah-
men sind im „Entwicklungsprogramm für den ländlichen Raum im Freistaat Sachsen 2007–2013“ (EPLR) be-
schrieben (SMUL 2009). Die EU schreibt für die von ihr kofinanzierten Programme eine Begleitung und Be-
wertung vor. Neben den naturschutzfachlichen Begleituntersuchungen, die in diesem Heft behandelt werden,
werden auch die landwirtschaftlichen Auswirkungen der Maßnahmen und die Wirksamkeit der stoffeintragsmi-
nimierenden Bewirtschaftung, bezogen auf ihre abiotischen Zielstellungen durch das LfULG untersucht. Die
Untersuchungsergebnisse dienen insbesondere auch dazu, die Naturschutzförderung für die nächste Förder-
periode weiterzuentwickeln, ggf. Maßnahmen anzupassen oder neue Fördermaßnahmen zu konzipieren.
In dem vorliegenden Heft der Schriftenreihe werden die Konzeption der naturschutzfachlichen Begleituntersu-
chungen zu den Maßnahmen der naturschutzgerechten Grünland- und Ackernutzung, die angewandten Un-
tersuchungsmethoden und die Ergebnisse der Ersterfassungen vorgestellt. Für diese Publikation wurden Teile
der Berichte der im Rahmen der Begleituntersuchungen beauftragten Studien verwendet (siehe Quellenver-
zeichnis).
2 Naturschutzförderung in Sachsen
2.1 Überblick
Seit dem Jahr 2007 erfolgt die Naturschutzförderung in Sachsen über die Richtlinie „Natürliches Erbe“
(NE/2007) sowie Teile der Richtlinien „Agrarumweltmaßnahmen und ökologische Waldmehrung“ (AuW/2007)
und „Wald und Forstwirtschaft“ (WuF/2007).
Ein großer Teil der in den Richtlinien enthaltenen Maßnahmen wird über den Europäischen Landwirtschafts-
fonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) kofinanziert. Umgesetzt wird die ELER-Förderung in
Sachsen mit Hilfe des Entwicklungsprogramms für den ländlichen Raum (EPLR). Im EPLR sind die einzelnen
Maßnahmen und deren Ziele konkret beschrieben. Von Bedeutung für den Naturschutz sind vor allem die
Ziele Kulturlandschaftsschutz und nachhaltige Sicherung der natürlichen biologischen Vielfalt (vgl. Förderpor-
tal Sachsen zur ELER-Förderung 2007–2013
http://www.smul.sachsen.de/foerderung/238.htm).

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Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 11
Tabelle 1: Überblick über die Naturschutzfördermaßnahmen der sächsischen Förderrichtlinien
Richtlinie AuW
Richtline NE
Richtlinie WuF
Finanzierung
Teil A, Naturschutzgerechte Bewirt-
schaftung und Gestaltung von
Ackerflächen (Maßnahmen
A.1–A.4)
Teil G, Naturschutzgerechte Grün-
landbewirtschaftung und Pflege
(Maßnahmen G.2–G.9)
Teil A, Investive Maßnahmen zur
Sicherung der natürlichen biologi-
schen Vielfalt:
A.1 Biotopgestaltung
A.2 Anlage von Gehölzstrukturen
des Offenlandes
A.3 Technik und Ausstattungsge-
genstände
A.4 Investive Artenschutzmaßnah-
men
Teil C, Naturschutzberatung und
Öffentlichkeitsarbeit:
C.1 Naturschutzberatung für Land-
nutzer
C.2 Öffentlichkeits- und Bildungsar-
beit
Teil A, Einbringung standortgerech-
ter Baumarten:
A.2a Förderung der Einbringung
von standortheimischen Laubbaum-
arten und Weißtanne (in Schutzge-
bieten ohne konkrete Fachplanung
und in erfassten wertvollen Bioto-
pen)
Teil D, Investive Vorhaben zur
Förderung von struktureller Vielfalt
und natürlichem Arteninventar
(Maßnahmen D.2.1–D.2.4)
75–90 % EU,
10–25 % Freistaat
Sachsen
Teil T, Naturschutzgerechte Teich-
bewirtschaftung (Maßnahmen T.2–
T.5)
Teil B: Wiederkehrende Maßnah-
men zur Sicherung der natürlichen
biologischen Vielfalt:
B.1 Spezifische Maßnahmen der
naturschutzgerechten Nutzung und
Pflege von Grünland- und Ackerflä-
chen
B.2 Obstgehölzschnitt
B.4 Wiederkehrende Artenschutz-
maßnahmen
Teil D: Komplexvorhaben des Na-
turschutzes
Teile A und C.2 außerhalb der
Gebietskulisse ländlicher Raum
100 % Freistaat
Sachsen
Die Förderung der naturschutzgerechten Bewirtschaftung und Pflege über die Richtlinie AuW/2007, Teile A, G
und T, sowie Richtlinie NE/2007, insbesondere Teil B.1, zielt vor allem darauf ab,
einen günstigen Erhaltungszustand der Lebensraumtypen der FFH-Richtlinie Anhang I und weiterer beson-
ders schutzbedürftiger Biotope zu wahren oder wiederherzustellen,
einen günstigen Erhaltungszustand der Arten der FFH-Richtlinie Anhänge II und IV und Arten der Vogel-
schutz-Richtlinie Anhang I sowie weiterer besonders schutzbedürftiger Arten zu wahren oder wiederherzu-
stellen,
die Kohärenz von Natura 2000-Gebieten einschließlich der Umsetzung des landesweiten Biotopverbundes
sicherzustellen.
In diesem Rahmen sind die Einzelmaßnahmen mit ihren spezifischen Zuwendungsvoraussetzungen auf un-
terschiedliche Ansprüche verschiedener FFH-Lebensraumtypen und Biotoptypen sowie schutzbedürftiger
Arten ausgerichtet (nachzulesen auch unter:
http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/18220.htm).
Über
die Naturschutzfachliche Stellungnahme, die obligatorischer Antragsbestandteil für die Naturschutzmaßnah-
men ist, wird gewährleistet, dass die Förderung zielgerichtet erfolgt. Für die förderwürdigen Flächen sind in
der Naturschutzfachlichen Stellungnahme die geeignete Maßnahme und die einzelflächenbezogene Zielstel-
lung festgelegt. Bei Flächen mit Entwicklungspotenzial ist ein Zustand als Ziel aufgeführt, der in realistischer

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 12
Zeit, d. h. in einem Zeithorizont von etwa 10 Jahren, voraussichtlich zu erreichen ist. Es ist auch möglich, dass
sich die Zielstellung auf angrenzende Flächen bezieht, die zum Beispiel aufgrund des Düngeverzichts vor
Stoffeinträgen geschützt werden sollen.
Zum Erhalt der natürlichen biologischen Vielfalt sowie zum Erhalt von typischen Landschaftsbildern und der
historisch gewachsenen Kulturlandschaft werden über die Richtlinie NE/2007 im Teil A verschiedene investive
Maßnahmen und im Teil B.4 auch wiederkehrende Artenschutzmaßnahmen gefördert. Die Förderung von
investiven Naturschutzmaßnahmen im Wald erfolgt über den Teil D der RL WuF/2007.
Mit den Maßnahmen der Naturschutzberatung und Öffentlichkeitsarbeit (Teil C der Richtlinie NE/2007) wird
eine Erhöhung der Akzeptanz für Naturschutzziele, eine umfangreichere und zielgenauere Inanspruchnahme
der angebotenen Naturschutzfördermaßnahmen sowie eine Effizienzsteigerung bei der Maßnahmeumsetzung
angestrebt. Neben den sächsischen Richtlinien bestehen für Naturschutzvorhaben weitere Fördermöglichkei-
ten des Bundes oder der EU. Entsprechende Projekte können ergänzend über den Teil D der Richtlinie
NE/2007 finanziert werden.
2.2 Naturschutzgerechte Grünland- und Ackerbewirtschaf-
tung
Diese Maßnahmen werden in erster Linie durch die Richtlinie AuW/2007 gefördert. Ziel ist es, wertvolle ge-
nutzte Offenlandbiotope bzw. -habitate zu erhalten oder zu entwickeln. Dadurch sollen Lebensräume insbe-
sondere für gefährdete Pflanzen- und Tierarten bereitgestellt werden. Die Bewirtschafter verpflichten sich, für
mindestens fünf Jahre an der Maßnahme teilzunehmen und erhalten dafür einen finanziellen Ausgleich für die
entstandenen Mehraufwendungen und Ertragseinbußen.
Tabelle 2: Übersicht zu Maßnahmen der Naturschutzgerechten Grünland- und Ackerbewirtschaftung
der Richtlinie AuW/2007
Maßnahmekürzel
Maßnahmebeschreibung
G Naturschutzgerechte Grünlandbewirtschaftung und Pflege
G2
Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht vor erster Nutzung
G3
Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht
G3a
Erste Nutzung ab 15. Juni
G3b
Erste Nutzung ab 15. Juli
G4
Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht – Aushagerung
G5
Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht – Nutzungspause
G6
Naturschutzgerechte Beweidung mit später Erstnutzung
G7
Naturschutzgerechte Beweidung – Hutung mit Schafen und Ziegen
G7a
Hutung von Dauergrünlandflächen
G7b
Hutung von Heideflächen

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 13
Maßnahmekürzel
Maßnahmebeschreibung
G9
Anlage von Bracheflächen und Brachestreifen im Grünland
A Naturschutzgerechte Bewirtschaftung und Gestaltung von Ackerflächen
A1
Überwinternde Stoppel
A2
Bearbeitungspause im Frühjahr
A3
Anlage von Bracheflächen und Brachestreifen auf Ackerland
A3a
Selbstbegrünung
A3b
Einsaat kräuterreicher Ansaatmischungen
A3c
Ansaatmischungen von Kulturarten in unterschiedlichen Mengenverhältnissen
A3d
Selbstbegrünung mit Rotationsansatz
A4
Naturschutzgerechte Ackerbewirtschaftung mit Einschränkung von Pflanzenschutzmitteln und Vorgaben zu an-
gebauten Kulturen
Alle spezifischen Zuwendungsvoraussetzungen der in diesem Bericht betrachteten Maßnahmen finden sich in
Tabelle 26 im Anhang.
Bei fast allen Maßnahmen der naturschutzgerechten Grünlandbewirtschaftung ist ein Verzicht auf Stickstoff-
dünger, auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel, auf Reliefmelioration und auf Umbruch vorgeschrie-
ben. Die einzige Ausnahme stellt die Maßnahme
Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht
vor erster Nutzung
(G2) dar, bei der nach der ersten Nutzung eine Stickstoff-Düngung erlaubt ist. Je nach
Maßnahme kommen dazu Vorgaben zum Nutzungszeitpunkt und zur Art der Nutzung.
Bei den Maßnahmen der naturschutzgerechten Ackernutzung kann man zwischen Maßnahmen unterschei-
den, bei denen es nur innerhalb eines bestimmten Zeitraumes Einschränkungen in der Bewirtschaftung gibt
(Überwinternde Stoppel, Bearbeitungspause im Frühjahr) und solchen, die ganzjährig wirken (Bracheflächen,
Naturschutzgerechte Ackerbewirtschaftung).
Einen Gesamtüberblick über die Entwicklung des Förderflächenumfangs seit dem Jahr 2000 von Maßnahmen
des Förderprogramms "Naturschutz und Erhalt der Kulturlandschaft (NAK)" (2000-2006) und der Richtlinie
AuW (ab 2007) bietet Abbildung 1.

image
Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 14
Abbildung 1: Entwicklung des Förderflächenumfangs der naturschutzgerechten Grünland- und
Ackernutzung
Mit der Förderung der naturschutzgerechten Grünland- und Ackernutzung über die Richtlinie AuW/2007 wer-
den mehr als 14 % des sächsischen Grünlandes, aber nur ca. 0,6 % des sächsischen Ackerlandes erreicht
(Stand 2011). Damit liegt der Umfang der naturschutzgerecht bewirtschafteten Grünlandflächen über dem des
Vorgängerprogramms (NAK), obwohl von den Antragstellern und von den Naturschutzbehörden die gegen-
über dem vorherigen Förderprogramm unflexibleren Vorgaben (z. B. Termine und Anzahl der Nutzungen
schon in der Maßnahme vorgegeben) als nachteilig angesehen werden. Auch bei den Maßnahmen der natur-
schutzgerechten Ackernutzung ist eine stetige Steigerung des geförderten Flächenumfangs zu sehen. Dies ist
aber auch darin begründet, dass seit 2007 das Spektrum der Fördermaßnahmen erweitert wurde und nun
auch Maßnahmen angeboten werden, bei denen es nur innerhalb eines bestimmten Zeitraumes Einschrän-
kungen in der Bewirtschaftung gibt.
Insgesamt ist die Bereitschaft der Landnutzer zur Teilnahme insbesondere an den Maßnahmen A3 –
Anlage
von Bracheflächen und Brachestreifen auf Ackerland
oder A4 –
Naturschutzgerechte Ackerbewirtschaftung
mit Einschränkung von Pflanzenschutzmitteln und Vorgaben zu angebauten Kulturen
auf Grund der oftmals
gegebenen wirtschaftlich attraktiveren Optionen einer uneingeschränkten Nutzung nach wie vor relativ gering.

image
Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 15
Abbildung 2: Gekennzeichnete Förderfläche Anlage von Bracheflächen und Brachestreifen auf Acker-
land (A3)
Foto: M. Deussen, Archiv Naturschutz LfULG
2.3 Aufgabe und Konzeption der naturschutzfachlichen Be-
gleitung
Für die aus dem ELER finanzierten und im EPLR beschriebenen Maßnahmen sind die Begleitung und Bewer-
tung sowie eine regelmäßige Berichterstattung an die EU verbindlich vorgeschrieben. Die Abteilung Natur-
schutz und Landschaftspflege des LfULG wurde vom SMUL mit der Durchführung naturschutzfachlicher Be-
gleituntersuchungen beauftragt. Weiterhin werden Bewertungsberichte von externen Evaluatoren zur Einfüh-
rung des EPLR (ex-ante-Bewertung), zur Halbzeit (mid-term-Bewertung) und nach Abschluss der Förderperi-
ode (ex-post-Bewertung) erstellt. Die Ergebnisse der naturschutzfachlichen Begleituntersuchungen werden
dafür mit einbezogen. Die in Bezug auf die Anpassung des laufenden EPLR und auf die Vorbereitung der
kommenden Förderperiode (2014–2020) wichtige Halbzeitbewertung fand im Jahr 2010 statt (SMUL 2010).
Die naturschutzfachlichen Begleituntersuchungen betrachten alle von der EU kofinanzierten Maßnahmen der
Naturschutzgerechten Grünland- und Ackerbewirtschaftung hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf Natur und
Biologische Vielfalt und liefern damit Grundlagen für die Berichterstellung. Außerdem sind aus den Ergebnis-
sen wichtige Hinweise für eine Anpassung und Weiterentwicklung der naturschutzorientierten Maßnahmen für
die Förderperiode ab 2014 abzuleiten.
Die Untersuchungen der Flächenmaßnahmen im Rahmen der Fachbegleitung Naturschutz setzen sich aus
den drei Komponenten Grobuntersuchungen, Detailuntersuchungen und Einzelfallstudien zusammen. Diese
bauen aufeinander auf oder ergänzen einander und unterscheiden sich durch die jeweilige Untersuchungstiefe
hinsichtlich ihrer quantitativen und qualitativen Aussagemöglichkeiten.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 16
In den Jahren 2008 bis 2011 fanden im Rahmen dieser Untersuchungen die Ersterfassungen statt. Damit
können vor allem Aussagen getroffen werden, ob die Maßnahmen auf geeigneten Flächen zur Anwendung
kommen. Geeignet sind insbesondere wertvolle Naturschutzflächen, die erhalten werden sollen, sowie Flä-
chen, die ein Entwicklungspotenzial besitzen. Bei einigen Untersuchungen werden zudem Vergleichsflächen
ohne Förderung nach derselben Methode untersucht (Mit-Ohne-Vergleich). Wo möglich, wurden Untersu-
chungen, die im Vorläuferprogramm NAK stattfanden, wiederholt, um Aussagen zur Entwicklung der Untersu-
chungsflächen bei einer bestimmten Maßnahme (temporale Vergleiche) treffen zu können. In den Jahren
2012/13 fanden Wiederholungserfassungen auf den Flächen statt, um Aussagen zur qualitativen Entwicklung
aller Flächen im Zeitverlauf treffen zu können.
1
In Anbetracht der für Veränderungen der Artenzusammenset-
zung kurzen Zeitspanne können jedoch nur Ansätze von Entwicklungen erwartet werden.
Die Basis der Untersuchungskonzeption bilden die so genannten Grobuntersuchungen, die durch Mitarbeiter
der Abteilung Naturschutz und Landschaftspflege des LfULG durchgeführt werden. Mit den Grobuntersuchun-
gen soll ein Überblick über die Wirksamkeit von Maßnahmen der naturschutzgerechten Grünlandbewirtschaf-
tung und der naturschutzgerechten Ackerbewirtschaftung auf den entsprechend geförderten Flächen gewon-
nen werden. Die Auswahl der Untersuchungsflächen für die Grobuntersuchungen Grünland erfolgte als lan-
desweite Zufallsstichprobe bezogen auf die Maßnahmen. Pro Maßnahme sollten möglichst 10 % der 2008
beantragten Flächen, mindestens jedoch 33 Einzelflächen erfasst werden. Maßnahmen, von denen 2008 lan-
desweit unter 33 Flächen beantragt wurden, wurden nach Möglichkeit weitgehend komplett erfasst (vgl. Tabel-
le 6). Weil die Untersuchungsmethodik auf die Bewertung der charakteristischen Pflanzenarten einer Fläche
ausgerichtet ist, werden bei Acker-Maßnahmen nur diejenigen Flächen betrachtet, die aufgrund ihrer Bewirt-
schaftungsvorgaben einen positiven Effekt auf die Ackerwildkrautflora erwarten lassen (s. 3.2.1). Bei Grün-
land-Maßnahmen werden dagegen alle Maßnahmen einbezogen (s. 3.1.1). Von 2008 bis 2011 fand insge-
samt auf 660 Grünlandflächen und auf 271 Ackerflächen eine Ersterfassung statt.
Die Detailuntersuchungen sollen vertiefte Ergebnisse zu häufig nachgefragten Grünland-Maßnahmen liefern.
Sie wurden als Werkverträge an Fachbüros vergeben. Dies betrifft die Maßnahmen
Naturschutzgerechte Wie-
sennutzung mit Düngungsverzicht und erster Nutzung ab 15.Juni
(G3a) bzw.
ab 15. Juli
(G3b),
Naturschutz-
gerechte Beweidung mit später Erstnutzung
(G6) und
Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsver-
zicht vor erster Nutzung
(G2). Außerdem werden Flächen ohne Förderung (I) und Flächen der Maßnahmen
Extensive Grünlandwirtschaft
(G1a, G1b) als Vergleichsflächen herangezogen. Je Maßnahme wurden in der
Ersterfassung landesweit 33 per Zufallstichprobe ermittelte Flächen aufgenommen (vereinzelt wurden Flächen
aufgrund von Nutzungsänderungen, Überbauung oder Herausnahme aus der Förderung nicht kartiert, sodass
sich z. T. eine abweichende Anzahl an Flächen je Maßnahme ergab). Ergänzt werden diese beiden Untersu-
chungskomponenten durch Einzelfallstudien. Diese sollen Aussagen zu denjenigen Maßnahmen und spezifi-
schen Zielstellungen ermöglichen, die durch die Grobuntersuchungen nicht bzw. nicht ausreichend einge-
schätzt werden können. Die Bearbeitung der Einzelfallstudien erfolgte vor allem über die Vergabe von Werk-
verträgen. Je nach Maßnahmeziel variieren hier Untersuchungsgegenstand und Methodik (siehe Kapitel 5).
Es handelt sich dabei meist um wenige Maßnahmeflächen in geringer räumlicher Entfernung, teilweise wer-
den auch ungeförderte Vergleichsflächen mit erfasst.
1
Bei Redaktionsschluss lag noch keine Auswertung der Wiederholungsuntersuchungen vor.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 17
3 Grobuntersuchungen
3.1 Grünland
3.1.1
Methode
Zur Bewertung dieser Flächen hinsichtlich des Pflanzenbestands wurden zunächst die vorhandenen FFH-
Lebensraumtypen (LRT) und Biotoptypen (BT) des Offenlands kartiert. Als Grundlage dafür dienten der Kar-
tier- und Bewertungsschlüssel für Offenland-Lebensraumtypen (LfULG 2009) und der Biotoptypenschlüssel für
den 2. Durchgang zur Aktualisierung der selektiven Biotopkartierung Sachsens (LfULG 2010). Um das Poten-
zial der Flächen abzubilden, wurden auch alle Entwicklungsflächen sowie potenziell wertvolle Biotoptypen
erfasst. Jeder deutlich als eigenständiger FFH-Lebensraumtyp, Biotoptyp oder Entwicklungsfläche kartierbare
Bereich wurde als Teilfläche abgegrenzt. Kleinflächige Lebensraum- oder Biotoptypen wurden nicht separat,
sondern nur als Nebencode einer Teilfläche unter Angabe des Anteils (%) erfasst.
Die Bewertung des Pflanzenbestands der (Teil-) Fläche erfolgte mit Hilfe der Transektmethode. Die Endpunk-
te der Transekte wurden mit D-GPS eingemessen, um bei der anstehenden Wiederholungserfassung die glei-
chen Transekte wiederzufinden. Entlang einer ca. 50 Schritte langen und ca. 2 m breiten Linie (Transekt) wur-
de die Häufigkeit von so genannten Positiv- und Negativarten erfasst. Positivarten sind hierbei Pflanzenarten,
die charakteristisch für Grünlandbiotope sind und die sich aufgrund von stetigem Vorkommen und Bestimm-
barkeit innerhalb der gesamten Vegetationsperiode als Indikatorarten eignen. Für die Biotoptypengruppen
„Frischwiese“ (GM), „Feuchtwiese“ (GF) und „Bergwiese“ (GB) wurden jeweils spezielle Artenlisten mit unter-
schiedlichen Schwellenwerten an Artenzahlen entwickelt. Anhand dieser Werte erfolgte eine Eingruppierung in
6 Bewertungsstufen (vgl. Tabelle 28 bis Tabelle 35 im Anhang).
Neben der Artenzahl fließen beim Grünland außerdem die Strukturparameter mittlere Bestandshöhe, Anzahl
der Stockwerke, Bestandsdichte, Verhältnis Gräser zu Kräuter und Strukturvielfalt (Wechsel von verschiede-
nen Ausbildungsformen) in die Bewertung des Ist-Zustandes der Fläche ein. Während bei der Artenzahl
Schwellenwerte für die 6-stufige Bewertung festgelegt wurden, erfolgt die Einschätzung der anderen Parame-
ter gutachterlich in jeweils drei Stufen (die Bewertungsschemata finden sich ebenfalls im Anhang unter den
o. g. Tabellen). Die Gesamtbewertung des Ist-Zustands der (Teil-)Fläche erfolgte ebenfalls gutachterlich an-
hand aller genannten Parameter. Diese kann von 1 – unzureichend bis 6 – hervorragend reichen (s. Tabelle
3).
Tabelle 3: Kategorien des Ist-Zustands bei den Grobuntersuchungen
Wert
Ist-Zustand
6
hervorragend
5
sehr gut
4
gut
3
mittelmäßig
2
schlecht
1
unzureichend

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 18
Um eine Auswertung des Zustandes der untersuchten Flächen im Verhältnis zum naturschutzfachlich ange-
strebten Zielzustand zu ermöglichen, wurde für jede kartierte Fläche ein Ist-Ziel-Vergleich vorgenommen. Da-
zu wurde auf Grundlage der Bewertung des Ist-Zustands der (Teil-)Flächen abgeglichen, inwieweit das in der
Naturschutzfachlichen Stellungnahme genannte Ziel für die konkrete (Teil-) Fläche bereits erreicht ist (siehe
Tabelle 4). Für naturschutzfachlich hochwertige Zielbiotoptypen wie GMM entspricht der Wert der Ist-
Bewertung dem des Ist-Ziel-Vergleichs (z.B. Ist-Zustand 4 „gut“ – Ist-Ziel-Vergleich 4 „Differenz zum Zielzu-
stand mäßig“).
Weil aber nicht für alle Flächen ein aus naturschutzfachlicher Sicht optimaler Zustand (bezogen auf den jewei-
ligen Standort) in absehbarer Zeit (ca. innerhalb der nächsten 10 Jahre) realisierbar erscheint, wurde für diese
längerfristig zu entwickelnden Flächen ein niedrigschwelligeres Ziel festgelegt. Niedrigschwelligere Ziele sind
die Zielbiotope „sonstige extensiv genutzte Frischwiese potentiell wertvoll/wertvoll“ (GYM pw/w) oder „sonsti-
ges artenreiches Feuchtgrünland“ (GFY). Weil der Zielerreichungsgrad für solche niedrigschwelligeren Ziele
nicht 1:1 mit dem für höherwertige Zieltypen zur Verfügung stehenden Bewertungsschema ermittelt werden
kann, bedurfte es einer Übertragung (Übertragungsschemata s. Tabelle 30 und Tabelle 35 im Anhang).
Dadurch können auch Flächen, die aktuell keinen hochwertigen Ist-Zustand aufweisen, einen höheren Wert
beim Ist-/Ziel-Vergleich bekommen, wenn sie bereits weitgehend dem Zielbiotoptyp entsprechen. Das Ver-
hältnis zu hochwertigen Biotop- und Lebensraumtypen bei der Ist-Zustands-Bewertung bleibt dennoch ge-
wahrt.
Tabelle 4: Kategorien des Ist-/Ziel-Vergleichs bei den Grobuntersuchungen
Wert
Ist-/Ziel-Vergleich
6
keine bis geringe Differenzen zum Zielzustand
Ist-Biotop entspricht voll dem Ziel-Biotop; Fremdelemente* fehlen
5
Differenz zum Zielzustand gering
Ist-Biotop entspricht weitgehend dem Ziel-Biotop, Fremdelemente fehlen weitgehend
4
Differenz zum Zielzustand mäßig
Ist-Biotop entspricht annähernd dem Ziel-Biotop, Fremdelemente teilweise vorhanden, aber in geringer Menge
3
Differenz zum Zielzustand deutlich
Ist-Biotop entspricht nur teilweise dem Ziel-Biotop, Fremdelemente noch deutlich vorhanden
2
Differenz zum Zielzustand groß
Ist-Biotop entspricht kaum dem Ziel-Biotop, Fremdelemente in erheblichem Maß vorhanden
1
Differenz zum Zielzustand sehr groß
Ist-Biotop grundsätzlich anders als Ziel-Biotop; Fremdelemente dominieren oder sind prägend
* Der Begriff Fremdelemente steht ganz allgemein für alle bewertungsrelevanten Parameter. Entsprechend einer nicht optimalen Zielfor-
mulierung kann dies bedeuten, dass auch Negativelemente im tolerierbaren Maß biotoptypisch sind; eine Bewertung mit der maximalen
Stufe 6 wird dadurch möglich.
Waren Teilflächenbewertungen (bei unterschiedlichen Biotoptypen auf einer Fläche) erforderlich, so wurde
aus den Einzelergebnissen der Gesamtwert einer Fläche gutachterlich bestimmt. Sind in der Naturschutzfach-
lichen Stellungnahme faunistische Ziele genannt, wurde auch die Eignung der Maßnahmefläche als Lebens-
raum für diese Tiere bewertet. Beurteilt wurden die grob vereinfachten Kriterien Struktur und Vegetation im
Umfeld und auf der Fläche, die die Lebensraumansprüche der Arten abbilden. Auch dafür wurde speziell ein
Prüfbogen entwickelt.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 19
Bei der Gesamtbewertung kann es zum Abzug um eine oder auch mehrere Wertstufen kommen, wenn auf der
Fläche starke Beeinträchtigungen, z. B. durch Störungszeiger, auftreten (s. Tabelle 27 im Anhang). Die Ab-
wertung wird je nach Beeinträchtigung gutachterlich eingeschätzt.
Eine Übersicht zu allen Untersuchungsbestandteilen liefert Tabelle 5.
Tabelle 5: Untersuchungsbestandteile und Methoden der Grobuntersuchungen Grünland
Untersuchungs-
bestandteile
Methoden
Flächenparameter
Kontaktbiotope: an die Untersuchungsfläche angrenzende Biotope mit in 3 Stufen geschätztem Anteil an der
Außengrenze
Beeinträchtigungen und Gefährdungen: Erfassung für die gesamte Fläche
Biotop- und
FFH-Lebensraumtypen
Biotoptypen: gemäß Kartieranleitung zur selektiven Biotopkartierung in Sachsen (SBK) (Stand April 2009),
erweitert um die Kategorien „sonstige extensiv genutzte Frischwiese (potentiell) wertvoll“ (GYMpw/w) und
„sonstiges artenreiches Feuchtgrünland potentiell wertvoll“ (GFYpw), Schätzung der Flächenanteile an der
gesamten Untersuchungsfläche in Prozent
FFH-Lebensraumtypen: orientiert an der sächsischen Kartieranleitung, erweitert um FFH-LRT-
Entwicklungsflächen, Schätzung des Flächenumfangs.
Ist-Bewertung
Biotop-/und
FFH-Lebensraumtypen
Für jede abgrenzbare Einheit (deutlich als eigenständige LRT-, BT- oder Entwickungsfläche abgrenzbare
Teilfläche), Transekt, ca. 2 m breit und ca. 40 m lang (50 Schritte), Vermessung des Anfangs- und Endpunktes
mit GPS.
Anzahl und Verhältnis Positiv- und Negativarten: Artenlisten für GB, GM, GF (s. Anhang) mit Schätzung der
Häufigkeit. Als Zielvorgabe definierte Lebensraumtypen (LRT), die nicht über die Arten-Listen abbildbar sind,
wurden mit Hilfe des Kartier- und Bewertungsschlüssels für Offenland-LRT oder der Kartieranleitung der SBK
gutachterlich bewertet.
Strukturparameter: Mittlere Bestandeshöhe, Anzahl Stockwerke, Bestandesdichte, Anteil Gräser/Kräuter, Struk-
turvielfalt.
Ist-/Ziel-Bewertung
Biotop-/und
FFH-Lebensraumtypen
Einschätzung der Differenz des Ist-Zustands zum definierbaren Ziel-Zustand;
Ziel entsprechend der Hauptzielformulierung der Naturschutzfachlichen Stellungnahmen bzw., wenn dieses Ziel
nicht angemessen erschien, Neuformulierung eines Ziels, das innerhalb der nächsten 10 Jahre voraussichtlich
zu erreichen ist.
Erfassung der
Floristischen Zielarten
Wenn floristische Ziele in der Stellungnahme angegeben sind, Nachsuche auf der gesamten Untersuchungsflä-
che;
halbquantitative Erfassung der Individuenhäufigkeit oder der bedeckten Fläche.
Ist-/Ziel-Bewertung
Faunistische Ziele
Bewertung hinsichtlich der Eignung der Maßnahmefläche als Lebensraum, Beurteilung des Umfeldes und der
Maßnahmefläche durch Abgleich der für jede Art grob klassifiziert typischen Lebensraumansprüche (spezieller
Prüfbogen).
3.1.2
Ergebnisse und Diskussion
Im Rahmen der Grobuntersuchungen Grünland wurden von 2008 bis 2011 insgesamt 660 Grünlandflächen
erfasst (s. Tabelle 6). Die Flächen verteilen sich über ganz Sachsen. Die Häufungen von Untersuchungsflä-
chen z. B. im Vogtland, im Erzgebirge und in der Lausitz spiegeln die räumliche Verteilung aller beantragter
Flächen wider (vgl. Abbildung 3).

image
Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 20
Tabelle 6: Übersicht der in den Grobuntersuchungen Grünland begutachteten Flächen
(Maßnahmen, bei denen weitgehend alle der 2008 beantragten Flächen erfasst wurden, sind mit * gekennzeichnet)
Maßnahme
G2
G3a
G3b
G4*
G5
G6
G7a
G7b*
G9
Anzahl untersuchter Flächen
57
141
167
29
30
154
32
18
32
1
untersuchte Fläche (ha)
147
283
247
71
77
500
173
548
19
1
davon konnten nur 22 Flächen mit der Methode bewertet werden
Abbildung 3: Übersicht der in den Grobuntersuchungen Grünland kartierten Flächen
Biotop- und Lebensraumtypen
Bei allen Maßnahmen konnte ein hoher Anteil an Flächen mit gesetzlich geschützten und weiteren für den
Naturschutz wertvollen Grünlandbiotoptypen gemäß der Selektiven Biotopkartierung Sachsens (SBK) sowie
mit FFH-Lebensraumtypen festgestellt werden. Der über alle Maßnahmen hinweg insgesamt etwas niedrigere
Anteil an FFH-Lebensraumtypen im Vergleich zu den wertvollen Biotoptypen begründet sich damit, dass die
wertvollen Biotoptypen feuchter/nasser Standorte häufig keinem LRT zugeordnet werden können (siehe Ab-
bildung 4).
Die höchsten Flächenanteile bezogen auf die untersuchte Fläche (ha) an „Bergwiesen“ (GB) (31 %) und „Ma-
geren Frischwiesen“ (GMM) (22 %) werden mit der Maßnahme
Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Dün-
gungsverzicht – 15. Juli
(G3b) bewirtschaftet, gefolgt von den Maßnahmen
Naturschutzgerechte Wiesennut-
zung mit Düngungsverzicht – 15. Juni
(G3a) und
Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht
vor 1. Nutzung
(G2).
Die genannten Biotoptypen entsprechen den FFH-Lebensraumtypen „Berg-Mähwiesen“ (6520) bzw. „Flach-
land-Mähwiesen“ (6510). Bei allen Maßnahmen, außer bei den Maßnahmen G3b und
Hüteschafhaltung –
Heide
(G7b) nimmt der Biotoptyp „sonstige extensiv genutzte Frischwiese“ (GYM) den höchsten Anteil an den
wertvollen Biotoptypen ein. „Sonstige extensiv genutzte Frischwiesen“ werden in ihrer „wertvollen“ Ausprä-
gung zum FFH-Lebensraumtyp „Flachland-Mähwiesen“ (6510) gezählt.

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Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 21
Kritisch zu sehen ist der geringe Anteil des Biotoptyps „Magere Frischwisen“ (GMM) auf Flächen der Maß-
nahme
Naturschutzgerechte Wiesennutzung – Aushagerung
(G4), weil die Maßnahme für Flächen konzipiert
wurde, die durch Aushagerung in einen wertvollen Zustand überführt werden sollen. Die Bewertung des Ist-
Zustands (s. Abbildung 8) verdeutlicht zwar, dass ungefähr ein Viertel der Flächen bereits einen guten bis
befriedigenden Zustand vorweisen. Dennoch hat eine hohe Anzahl an Flächen der Maßnahme G4 noch Ent-
wicklungsbedarf. Zusätzlich wurde auf Flächen mit der Maßnahme
Anlage von Bracheflächen und Brache-
streifen im Grünland
(G9) ein hoher Anteil an wertvollen Biotoptypen feuchter Standorte nachgewiesen.
Erwartungsgemäß ist der häufigste FFH-Lebensraumtyp, der auf Flächen der Maßnahme
Hüteschafhaltung –
Heide
(G7b) festgestellt wurde, der LRT „Trockene Heiden“ (4030).
Abbildung 4: Anteil der wertvollen Grünland-Biotoptypenfläche (laut SBK) (links) sowie der FFH-
Lebensraumtypen (rechts) an der im Rahmen der Grobuntersuchungen kartierten Fläche
(Maßnahmen: G2 = Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht vor erster Nutzung, G3 = Naturschutzgerechte Wiesen-
nutzung mit Düngungsverzicht a) erste Nutzung frühestens ab 15. Juni, b) erste Nutzung frühestens ab 15. Juli, G4 = Naturschutzgerech-
te Wiesennutzung mit Düngungsverzicht – Aushagerung, G5 = Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht – Nutzungs-
pause, G6 = Naturschutzgerechte Beweidung mit später Erstnutzung, G7 = Naturschutzgerechte Beweidung Hutung mit Schafen und
Ziegen a) Hutung von Dauergrünlandflächen, b) Hutung von Heideflächen, G9 = Anlage von Bracheflächen und Brachestreifen auf Grün-
land.
LRT = FFH-Lebensraumtypen: 2330 = Binnendünen mit offenen Grasflächen, 4030 = Trockene Heiden, 6510 = Flachland-Mähwiesen,
6520 = Berg-Mähwiesen)
Ist-Bewertung
Der Ist-Zustand der Teilflächen wird vor allem anhand der Anzahl an Positiv- bzw. Negativarten, die im Tran-
sekt gefunden wurden, bewertet. Weil es für die Biotoptypengruppen „Frischwiese“ (GM), „Feuchtwiese“ (GF)
und „Bergwiese“ (GB) unterschiedliche Schwellenwerte für die Zuordnung zu den Bewertungsstufen gibt, sind
die Artenzahlen differenziert aufgeführt (s. Abbildung 5, Abbildung 6, Abbildung 7). Zur besseren Einordnung
der Ergebnisse sind in den Abbildungen jeweils die Schwellenwerte für die Einstufung bei der Bewertung in
Stufe 3 (mittel) bzw. 5 (sehr gut) als gepunktete Linie eingezeichnet (Bewertungsschemata s. auch Tabelle 29,
Tabelle 32 und Tabelle 34 im Anhang).
In allen drei Biotoptypengruppen weisen die Maßnahmen der
Naturschutzgerechten Wiesennutzung mit spä-
ter Erstnutzung
(G3a, G3b) im Mittel die höchste Anzahl an Positivarten auf.

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Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 22
Sowohl bei den mit Frischwiesen-Bogen als auch mit Bergwiesen-Bogen kartierten Transekten lassen sich
jeweils mind. 50 % der Transekte aufgrund der Positivartenzahl mit 3 (mittel) oder 4 (gut) bewerten.
Bei den mit Feuchtwiesen-Bogen kartierten Flächen konnten anhand der Positivartenzahl mehr als die Hälfte
der (Teil-)Flächen der Maßnahmen
Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit späterer Erstnutzung
(G3a, G3b)
und
Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht vor der 1. Nutzung
(G2) mit sehr gut einge-
stuft werden.
Flächen der Maßnahme
Hutung von Heiden
(G7b) wurden meist nach einem gesonderten Bogen analog des
Kartier- und Bewertungsschlüssels für den LRT „Trockene Heiden“ (4030) bewertet und können deshalb nicht
mit den anderen Maßnahmeflächen verglichen werden.
Abbildung 5: Anzahl Positivarten auf den in den Grobuntersuchungen Grünland mit dem Frischwie-
sen-Bogen kartierten Transekte
(obere Zahlenreihe = Anzahl ausgewertete Transekte; gepunktete Linien = Schwellenwerte für die Einstufung bei der Ist-Bewertung in
Stufe 3 (mittel, untere Linie) bzw. 5 (sehr gut, obere Linie), mit Darstellung des Tukey Test zur Prüfung der Signifikanz, nur vorhandene
Signifikanzen werden angezeigt, d.h. G2 unterscheidet sich signifikant (*) von G3a und G3b.)
(Maßnahmen: G2 = Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht vor erster Nutzung, G3 = Naturschutzgerechte Wiesen-
nutzung mit Düngungsverzicht a) erste Nutzung frühestens ab 15. Juni, b) erste Nutzung frühestens ab 15. Juli, G4 = Naturschutzgerech-
te Wiesennutzung mit Düngungsverzicht – Aushagerung, G5 = Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht – Nutzungs-
pause, G6 = Naturschutzgerechte Beweidung mit später Erstnutzung, G7 = Naturschutzgerechte Beweidung Hutung mit Schafen und
Ziegen a) Hutung von Dauergrünlandflächen, b) Hutung von Heideflächen, G9 = Anlage von Bracheflächen und Brachestreifen auf Grün-
land)

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Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 23
Abbildung 6: Anzahl Positivarten auf den in den Grobuntersuchungen Grünland mit dem Feuchtwie-
sen-Bogen kartierten Transekte
(obere Zahlenreihe = Anzahl ausgewertete Transekte; gepunktete Linien = Schwellenwerte für die Einstufung bei der Ist-Bewertung in
Stufe 3 (mittel, untere Linie) bzw. 5 (sehr gut, obere Linie)
(Maßnahmen: G2 = Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht vor erster Nutzung, G3 = Naturschutzgerechte Wiesen-
nutzung mit Düngungsverzicht a) erste Nutzung frühestens ab 15. Juni, b) erste Nutzung frühestens ab 15. Juli, G4 = Naturschutzgerech-
te Wiesennutzung mit Düngungsverzicht – Aushagerung, G5 = Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht – Nutzungs-
pause, G6 = Naturschutzgerechte Beweidung mit später Erstnutzung, G7 = Naturschutzgerechte Beweidung Hutung mit Schafen und
Ziegen a) Hutung von Dauergrünlandflächen, G9 = Anlage von Bracheflächen und Brachestreifen auf Grünland)
Abbildung 7: Anzahl Positivarten auf den in den Grobuntersuchungen Grünland mit dem Bergwiesen-
Bogen kartierten Transekte
(obere Zahlenreihe = Anzahl ausgewertete Transekte; gepunktete Linien = Schwellenwerte für die Einstufung bei der Ist-Bewertung in
Stufe 3 (mittel, untere Linie) bzw. 5 (sehr gut, obere Linie), mit Darstellung des Tukey Test zur Prüfung der Signifikanz, nur vorhandene
Signifikanzen werden angezeigt, d.h. G3b unterscheidet sich signifikant (*) von G6
(Maßnahmen: G2 = Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht vor erster Nutzung, G3 = Naturschutzgerechte Wiesen-
nutzung mit Düngungsverzicht a) erste Nutzung frühestens ab 15. Juni, b) erste Nutzung frühestens ab 15. Juli, G4 = Naturschutzgerech-
te Wiesennutzung mit Düngungsverzicht – Aushagerung, G5 = Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht – Nutzungs-
pause, G6 = Naturschutzgerechte Beweidung mit später Erstnutzung, G7 = Naturschutzgerechte Beweidung Hutung mit Schafen und
Ziegen a) Hutung von Dauergrünlandflächen, G9 = Anlage von Bracheflächen und Brachestreifen auf Grünland)

image
Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 24
Die Ist-Bewertung der Teilflächen ergibt unter Berücksichtigung weiterer Parameter (vgl. 3.1.1) dann folgen-
des Bild: Den höchsten Anteil (26 %) an Flächen mit hervorragender oder sehr guter Ist-Bewertung hat die
Maßnahme G3b, gefolgt von der Maßnahme G3a mit 19 %. Bei den anderen Maßnahmen liegt der Wert zwi-
schen 7 und 12 %. Die meisten Flächen wurden bei allen Maßnahmen mit gut bis mittelmäßig bewertet.
Bei der Maßnahme
Anlage von Bracheflächen und Brachestreifen im Grünland
(G9) ist eine Einschätzung
nach dem üblichen Grobbewertungsverfahren schwierig, weil die Maßnahme in erster Linie auf die Schaffung
von Rückzugsräumen für nutzungsempfindliche Tier- und Pflanzenarten abzielt. Die Festlegung eines Bio-
toptyps als Zielzustand ist deshalb nicht immer möglich bzw. sinnvoll.
Abbildung 8: Verteilung der Stufen der Ist-Bewertung bei den Grobuntersuchungen Grünland über alle
untersuchten (Teil-)Flächen einer Maßnahme
(Zahlen in den Balken = Gesamtanteil der Flächen mit jeweiliger Bewertungsstufe)
(Maßnahmen: G2 = Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht vor erster Nutzung, G3 = Naturschutzgerechte Wiesen-
nutzung mit Düngungsverzicht a) erste Nutzung frühestens ab 15. Juni, b) erste Nutzung frühestens ab 15. Juli, G4 = Naturschutzgerech-
te Wiesennutzung mit Düngungsverzicht – Aushagerung, G5 = Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht – Nutzungs-
pause, G6 = Naturschutzgerechte Beweidung mit später Erstnutzung, G7 = Naturschutzgerechte Beweidung Hutung mit Schafen und
Ziegen a) Hutung von Dauergrünlandflächen, b) Hutung von Heideflächen, G9 = Anlage von Bracheflächen und Brachestreifen auf Grün-
land)
Beeinträchtigungen
In die Gesamtbewertung fließt die gutachterliche Einschätzung der Beeinträchtigungen ein, die auf der Unter-
suchungsfläche zu erkennen waren bzw. von außen auf diese einwirkten. Je nach Ausmaß der Beeinträchti-
gungen erfolgte eine Herabstufung des Bewertungsergebnisses (Ist-Bewertung).
Die häufigste auf den Flächen der Grobuntersuchungen festgestellte Beeinträchtigung ist das Auftreten von
Nährstoff- und sonstigen Störungszeigern (siehe Tabelle 7). Diese stehen als „Zeiger“ für Beeinträchtigungen
wie zum Beispiel Eutrophierung oder Verdichtung und können gleichzeitig konkurrenzschwächere, natur-
schutzfachlich erwünschte Arten verdrängen. Die höchsten Anteile an Nährstoffzeigern wurden für die bewei-
deten Flächen der Maßnahmen G6 und G7a ermittelt. Aber auch bei den Maßnahmen
Naturschutzgerechte
Wiesennutzung mit Düngungsverzicht – Aushagerung
(G4)
, Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Dün-

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 25
gungsverzicht – Nutzungspause
(G5) und
Anlage von Bracheflächen und Brachestreifen im Grünland
(G9)
sind die Anteile der beeinträchtigten Flächen relativ hoch.
Vergrasung und/oder Verfilzung des Grünlandbestandes wurden in höherem Maße nicht nur bei der Maß-
nahme G9 festgestellt, wo es als Folge der Brache zu erwarten war, sondern auch bei den Maßnahmen
G3a/b, G6 und G7a/b. Zwei Drittel der G3-, G6- und G7-Flächen mit der Angabe „Beeinträchtigung durch Ver-
grasung und/oder Verfilzung“ weisen gemäß gutachterlicher Einschätzung weitere „allgemeine Pflegedefizite“
auf, d. h. die Bewirtschaftung wurde allem Anschein nach zwar maßnahmekonform durchgeführt, vermag aber
einer Vergrasung oder Verfilzung dennoch nicht ausreichend entgegenzuwirken. Gründe dafür könnten zum
einen ein zu später Mahdtermin für Flächen auf ertragreichen Standorten, vor allem im Flachland, sein, zum
anderen auch eine (zu späte) Beweidung mit einem zu geringen Viehbesatz ohne Nachmähen, sodass ein
großer Weiderest stehen bleibt. Einem geringen Teil der vergrasenden/verfilzenden Flächen wird hingegen
tatsächlich ein Defizit in der Maßnahmeumsetzung bzw. eine Nutzungsauflassung/Brachlegung bescheinigt.
Zudem wurde bei einigen Flächen ein negativer Einfluss von Nährstoffeinträgen vermutet.
Dabei ist aber auch zu beachten, dass insbesondere bei Flächen mit faunistischen Zielstellungen ein gewisser
Anteil an Störungszeigern oder Gehölzaufwuchs beispielsweise als Sing- und Sitzwarten oder Nektarpflanzen
durchaus gewünscht ist.
Tabelle 7: Übersicht der häufigsten Beeinträchtigungen auf untersuchten Maßnahmeflächen der Grob-
untersuchungen Grünland mit Flächenanteilen in %
(Mehrfachnennungen pro Maßnahmefläche möglich, dargestellt sind Beeinträchtigungen mit einem Anteil > 20 % sowie der Anteil der
Flächen je Maßnahme, bei denen aufgrund von Beeinträchtigungen eine Abwertung in der Gesamtbewertung erfolgte)
(Maßnahmen: G2 = Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht vor erster Nutzung, G3 = Naturschutzgerechte Wiesen-
nutzung mit Düngungsverzicht a) erste Nutzung frühestens ab 15. Juni, b) erste Nutzung frühestens ab 15. Juli, G4 = Naturschutzgerech-
te Wiesennutzung mit Düngungsverzicht – Aushagerung, G5 = Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht – Nutzungs-
pause, G6 = Naturschutzgerechte Beweidung mit später Erstnutzung, G7 = Naturschutzgerechte Beweidung Hutung mit Schafen und
Ziegen a) Hutung von Dauergrünlandflächen, b) Hutung von Heideflächen, G9 = Anlage von Bracheflächen und Brachestreifen auf Grün-
land)
Beeinträchtigung
G2
G3a
G3b
G4
G5
G6
G7a
G7b
G9
Nährstoffzeiger
49
38
37
51
50
56
72
51
sonstige Störungszeiger
30
31
33
44
43
50
37
26
48
Vergrasung/Verfilzung
20
25
30
20
30
allgemeine Pflegedefizite
27
20
Verbuschung/Gehölzaufwuchs
20
37
21
Bodenverdichtung Befahrung
20
Anteil Flächen mit Abwertung
25
17
24
7
27
31
22
0
30
Gesamtbewertung
In die Gesamtbewertung einer Fläche fließen die einzelnen Ist-Bewertungen der Teilflächen, die Beeinträchti-
gungen und ggf. Bewertungen der Faunaziele ein. Wie schon in der Ist-Bewertung nehmen bei allen Maß-
nahmen die Flächen mit einer mäßigen oder deutlichen Differenz zum Zielzustand den größten Anteil ein
(Abbildung 9). Dies macht deutlich, dass ein Großteil der Flächen noch Entwicklungspotenzial besitzt. Die
Bewertung von über 50 % der Flächen mit deutlicher oder großer Differenz zum Zielzustand ist durch das

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Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 26
Fehlen von wertgebenden Arten (Positivarten) für den jeweiligen Biotoptyp bzw. LRT begründet (vgl. Abbil-
dung 5 bis Abbildung 7). In vielen Fällen kann als ein wesentlicher Grund eine frühere intensive Nutzung ver-
mutet werden.
Den mit rund 20 % höchsten Anteil an Flächen mit geringer oder keiner Differenz zum Zielzustand haben die
beiden Maßnahmen der
Naturschutzgerechten Wiesennutzung mit später Erstnutzung
(G3a und b), welche
auch von allen Maßnahmen der naturschutzgerechten Grünlandbewirtschaftung den größten Flächenumfang
einnehmen.
Bei der Maßnahme
Anlage von Bracheflächen und Brachestreifen im Grünland
(G9) ist eine Einschätzung
aufgrund der Intention der Maßnahme nach dem üblichen Grobbewertungsverfahren schwierig (s. o.). Es ist
jedoch anzunehmen, dass diese Maßnahme für die beiden in den Naturschutzfachlichen Stellungnahmen
meistgenannten Ziel-Vogelarten Braunkehlchen (
Saxicola rubetra
) und Wachtelkönig (
Crex crex
) einen wichti-
gen Beitrag zum Erhalt und zur Entwicklung geeigneter Lebensräume leistet.
Abbildung 9: Gesamtbewertung der im Rahmen der Grobuntersuchungen begutachteten Flächen
(Zahlen in den Balken = Gesamtanteil der Flächen mit jeweiliger Bewertungsstufe)
(Maßnahmen: G2 = Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht vor erster Nutzung, G3 = Naturschutzgerechte Wiesen-
nutzung mit Düngungsverzicht a) erste Nutzung frühestens ab 15. Juni, b) erste Nutzung frühestens ab 15. Juli, G4 = Naturschutzgerech-
te Wiesennutzung mit Düngungsverzicht – Aushagerung, G5 = Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht – Nutzungs-
pause, G6 = Naturschutzgerechte Beweidung mit später Erstnutzung, G7 = Naturschutzgerechte Beweidung Hutung mit Schafen und
Ziegen a) Hutung von Dauergrünlandflächen, b) Hutung von Heideflächen, G9 = Anlage von Bracheflächen und Brachestreifen auf Grün-
land)
3.2 Acker
3.2.1
Methode
Durch die Grobuntersuchungen soll bewertet werden, ob und in welchem Maße durch ausgewählte Förder-
maßnahmen ein Lebensraum für Ackerwildkrautarten bereitgestellt wird. Dabei wurden nur diejenigen Maß-
nahmen betrachtet, die aufgrund ihrer Bewirtschaftungsvorgaben einen positiven Effekt auf die Ackerwild-
krautflora erwarten lassen. Zunächst wurden nur die Maßnahmen
Anlage von Bracheflächen und Brachestrei-

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Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 27
fen mit Selbstbegrünung
(A3a) sowie
Naturschutzgerechte Ackerbewirtschaftung
(A4) untersucht. 2010 wurde
die Maßnahme
Anlage von Bracheflächen und Brachestreifen mit Selbstbegrünung mit Rotationsansatz
(A3d)
als neue Fördermaßnahme eingeführt und deshalb 2011 mit in die Grobuntersuchungen Acker aufgenommen.
Abbildung 10: Maßnahmefläche
Anlage von Bracheflächen und Brachestreifen mit Selbstbegrünung
(A3a) in der Bergbaufolgelandschaft bei Hoyerswerda
Foto: U.Stolzenburg, Archiv Naturschutz LfULG
Bei der Grobuntersuchung Acker erfolgte im Unterschied zur Grobuntersuchung Grünland neben der Erfas-
sung der Artenzahl vorausgewählter charakteristischer Arten der Ackerflora nur eine Einschätzung der Häufig-
keit der Positivarten am Gesamtbestand und des Häufigkeitsverhältnises Positiv- zu Negativarten. Positivarten
sind hierbei Pflanzenarten, die charakteristisch für Ackerbiozönosen sind und die sich aufgrund von stetigem
Vorkommen und Bestimmbarkeit innerhalb der gesamten Vegetationsperiode als Indikatorarten eignen. Die
Bewertung des Pflanzenbestands der Fläche erfolgte ebenfalls mit Hilfe der Transektmethode (s. 3.1.1).
Daneben wurden ausschließlich Biotoptypen kartiert, weil es auf Ackerflächen keine FFH-Lebensraumtypen
gibt. Flächen mit Vorkommen des Biotoptyps „Extensiv genutzter wildkrautreicher Acker“ (UA) wurden, soweit
möglich, in den Untertypen „Sandacker“ (UAS), „Basenarmer Löß- und Lehmacker“ (UAA), „Basenreicher
Löß- und Lehmacker“ (UAR) und „Acker auf skelettreichem Silikatverwitterungsboden des Berglandes“ (UAB)
erfasst. Für die Erfassungen wurde eine eigene Artenliste entwickelt (s. Tabelle 36 im Anhang). Eine Über-
sicht zu allen Untersuchungsbestandteilen der Grobuntersuchungen Acker liefert Tabelle 8. Sind in der Natur-
schutzfachlichen Stellungnahme faunistische Ziele genannt, wurde analog zum Grünland auch die Eignung
der Maßnahmefläche als Lebensraum für diese Tiere bewertet. In die Gesamtbewertung der Fläche fließen
alle Teilflächenbewertungen, die Beeinträchtigungen und ggf. die Bewertungen der Faunaziele ein.
Die Ersterfassung erfolgte 2009 bis 2011. Es wurden alle Maßnahmeflächen in Sachsen aufgesucht und,
wenn möglich, erfasst. Kartiert wurden nur diejenigen Maßnahmeflächen, auf denen entsprechende Acker-
wildkräuter der genannten Artenlisten in erfassenswertem Umfang anzutreffen waren. Bei der Maßnahme

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Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 28
Naturschutzgerechte Ackerbewirtschaftung mit Einschränkung von Pflanzenschutzmitteln und Vorgaben zu
angebauten Kulturen
(A4) betraf das im Wesentlichen nur solche mit bei der jeweiligen Begehung aktuellem
Getreideanbau, weil viele der zu erfassenden Arten nur im Zusammenhang mit Getreideanbau vorkommen.
Tabelle 8: Untersuchungsbestandteile und Methoden der Grobuntersuchungen Acker
Untersuchungs-
bestandteile
Methoden
Flächenparameter
Kontaktbiotope: an die Untersuchungsfläche angrenzende Biotope mit Anteil an der Außengrenze.
Beeinträchtigungen und Gefährdungen: Erfassung für die gesamte Fläche.
Biotoptypen
Biotoptypen: gemäß Kartieranleitung zur selektiven Biotopkartierung in Sachsen (SBK) (Stand April 2009) Kartie-
rung der Biotoptypen „Extensiv genutzter wildkrautreicher Acker“ (UA), „Sandacker“ (UAS), „Basenarmer Löß-
und Lehmacker“ (UAA), „Basenreicher Löß- und Lehmacker“ (UAR), „Acker auf skelettreichem Silikatverwitte-
rungsboden des Berglandes“ (UAB); Schätzung der Flächenanteile an der gesamten Untersuchungsfläche in
Prozent.
Ist-Bewertung
Biotoptypen
Für jede abgrenzbare Einheit (deutlich als eigenständiger BT abgrenzbare Teilfläche) mittels Transektbegehung,
ca. 2 m breit und ca. 40 m lang (50 Schritte), Vermessung des Anfangs- und Endpunktes mit GPS.
Anzahl Verhältnis Positiv- und Negativarten: Artenlisten für UA (s. Anhang) mit Schätzung der Häufigkeit.
Ist-/Ziel-Bewertung
Biotoptypen
Einschätzung der Differenz des Ist-Zustands zum definierbaren Ziel-Zustand;
Ziel entsprechend der Hauptzielformulierung der Naturschutzfachlichen Stellungnahmen, bzw. wenn dieses Ziel
nicht angemessen erschien, Neuformulierung eines Ziels, das innerhalb der nächsten 5 Jahre voraussichtlich zu
erreichen ist.
Erfassung der
floristischen Zielarten
Wenn floristische Ziele in der Stellungnahme angegeben sind, Nachsuche auf der gesamten Untersuchungsflä-
che,
halbquantitative Erfassung der Individuenhäufigkeit oder der bedeckten Fläche.
Ist-/Ziel-Bewertung
faunistische Ziele
Bewertung hinsichtlich der Eignung der Maßnahmefläche als Lebensraum, Beurteilung des Umfeldes und der
Maßnahmefläche durch Abgleich der für jede Art grob klassifiziert typischen Lebensraumansprüche (spezieller
Prüfbogen).
Abbildung 11: Mitarbeiter des LfULG bei der Kartierung im Rahmen der Grobuntersuchungen
Foto: M.Mathaj, Archiv Naturschutz LfULG

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Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 29
3.2.2
Ergebnisse und Diskussion
Im Rahmen der Grobuntersuchungen Acker wurden von 2009 bis 2011 insgesamt 518 Ackerflächen gesichtet
und davon 271 Flächen kartiert (s. Tabelle 9). Die Flächen verteilen sich über ganz Sachsen (s. Abbildung
12). Auf den Flächen mit der Maßnahme A3a konnten bei einem hohen Anteil der Flächen zum Zeitpunkt der
Begehung keine ausreichenden Ackerwildkrautvorkommen festgestellt werden, um eine Erfassung vornehmen
zu können.
Tabelle 9: Übersicht der in den Grobuntersuchungen Acker gesichteten und kartierten Flächen
Maßnahme
A3a
A3d
A4
Anzahl gesichtete Flächen
263
63
192
gesichtete Fläche (ha)
433
144
717
Anzahl kartierte Flächen
68
51
152
kartierte Fläche (ha)
174
112
634
Abbildung 12: Übersicht der in den Grobuntersuchungen Acker gesichteten Flächen (links) und kar-
tierten Flächen (rechts)
Biotoptypen
Ein Großteil der untersuchten Flächen zeigte mäßige bis deutliche Abweichungen zwischen dem in den Na-
turschutzfachlichen Stellungnahmen zum Förderbegehren formulierten Zielzustand „Extensiv genutzter wild-
krautreicher Acker“ und dem zum Zeitpunkt der Erfassung angetroffenen Ist-Zustand.
34 % der erfassten Fläche der Maßnahme Anlage von Bracheflächen und Brachestreifen mit Selbstbegrünung
(A3a) und 35 % der erfassten Fläche der Maßnahme Anlage von Bracheflächen und Brachestreifen mit
Selbstbegrünung mit Rotationsansatz (A3d) konnten auf Grundlage des Arteninventars nur undifferenziert als
„Extensiv genutzter wildkrautreicher Acker“ (UA) kartiert werden (Abbildung 13). Deutlich höher mit 63 % der
kartierten Fläche ist der Anteil an „Extensiv genutztem wildkrautreichem Acker“ bei der Maßnahme Natur-
schutzgerechte Ackerbewirtschaftung (A4). An Untertypen konnten auf der erfassten A3a-Gesamtfläche als
„basenarmer Löß- und Lehmacker“ (UAA) mit einem Anteil von 46 % und als „Sandacker“ (UAS) mit 18 %
kartiert werden. Auf der A3d-Gesamtfläche wurden dieselben Untertypen mit 45 % (UAA) und 18 % (UAS)
erfasst. Bei der Maßnahme A4 wurden 30 % der Gesamtfläche als „basenarmer Löß- und Lehmacker“ (UAA)

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Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 30
und einige wenige Hektar als „Acker auf skelettreichem Silikatverwitterungsboden des Berglandes“ (UAB)
oder „basenreicher Acker“ (UAR) kartiert. Andere Biotoptypen als die vorgenannten wurden bei allen Maß-
nahmen in Einzelfällen festgestellt, die Mehrzahl bei Maßnahme A3a mit einem Anteil von 1,8 % der erfassten
Fläche.
Abbildung 13: Flächenanteile der Biotoptypen in ha an der in den Grobuntersuchungen erfassten
Ackerfläche
(Maßnahmen: A3a: Anlage von Bracheflächen und Brachestreifen mit Selbstbegrünung, A3d: Bracheflächen und Brachestreifen mit
Selbstbegrünung mit Rotationsansatz, A4: Naturschutzgerechte Ackerbewirtschaftung mit Einschränkung von Pflanzenschutzmitteln und
Vorgaben zu angebauten Kulturen. Biotope: UA: Extensiv genutzter wildkrautreicher Acker, UAA: basenarmer Löß- und Lehmacker, UAB:
Acker auf skelettreichem Silikatverwitterungsboden des Berglandes, UAR: basenreicher Acker, UAS: Sandacker)
Ist-Bewertung
Bei den Transektbegehungen konnten die meisten kennzeichnenden Ackerwildkrautarten (Positivarten) für
extensiv genutzte wildkrautreiche Äcker wie auch die meisten seltenen bzw. gefährdeten Ackerwildkrautarten
bei der Maßnahme
Naturschutzgerechte Ackerbewirtschaftung mit Vorgaben zum Anbau von Getreide
(A4)
erfasst werden. Gemäß den bisher vorliegenden Ergebnissen scheinen die mehrjährige Brachlegung mit
Selbstbegrünung und Umbruch alle zwei Jahre (Maßnahme A3a) sowie die naturschutzgerechte Ackerbewirt-
schaftung (A4) gegenüber den Brachen mit Selbstbegrünung und mit jährlichem Umbruch (A3a) Ackerwild-
kräutern die besseren Existenzbedingungen zu bieten.
Es wurden insgesamt auf allen Transekten zwischen 0 und 18 Positivarten nachgewiesen. Nach dem Einstu-
fungsverfahren der Grobuntersuchungen waren mindestens 5 Positivarten zu erfassen, um für die Bewertung
der Artenzahl den Wert 3 (von 6) zu erreichen, 9 Arten für den Wert 4 (siehe Tabelle 37 im Anhang). Diese
Wertstufen werden in Abbildung 14 durch die beiden punktierten Linien gekennzeichnet.

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Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 31
Abbildung 14: Anzahl der kartierten Positivarten in den Grobuntersuchungen Acker
(obere Zahlenreihe = Anzahl ausgewertete Transekte; gepunktete Linien = Schwellenwerte für die Einstufung bei der Ist-Bewertung in
Stufe 3 (untere Linie) bzw. 5 (obere Linie); mit Darstellung des Tukey-Tests zur Prüfung der Signifikanz, nur vorhandene Signifikanzen
werden angezeigt, d. h. A3d unterscheidet sich höchst (***) signifikant von A4; A3a unterscheidet sich signifikant (*) von A4)
(Maßnahmen: A3a: Anlage von Bracheflächen und Brachestreifen mit Selbstbegrünung, A3d: Bracheflächen und Brachestreifen mit
Selbstbegrünung mit Rotationsansatz, A4: Naturschutzgerechte Ackerbewirtschaftung mit Einschränkung von Pflanzenschutzmitteln und
Vorgaben zu angebauten Kulturen)
Die Präsenz der in den Transekten der A4-Flächen erfassten Positivarten lag gegenüber den Flächen mit den
Maßnahmen A3a bzw. A3d statistisch signifikant bzw. höchst signifikant höher. Im Mittel konnten auf 50 % der
kartierten A4-Flächen 7 Positivarten erfasst werden, hingegen auf 50 % der A3a-Flächen 6, auf 50 % der A3d-
Flächen 5 Arten. Auf 75 % der Transekte der A4-Flächen konnten mindestens 5 Positivarten festgestellt wer-
den, während bei den A3d-Flächen auf der Hälfte der untersuchten Flächen maximal 5 Positivarten festzustel-
len waren, bei den A3a-Flächen auf einem Viertel maximal 5 Positivarten. Die im Diagramm abgebildete höhe-
re Wertungsstufe mit Nachweis von mindestens 9 Positivarten erreichten ein Viertel der Flächen der Natur-
schutzgerechten Ackerbewirtschaftung (A4), bei den A3a- und A3d-Flächen sind dies deutlich weniger. Dem-
entsprechend schneiden die betrachteten A4-Maßnahmeflächen in der Bewertung des Ist-Zustandes insge-
samt etwas besser ab als die beiden Brache-Maßnahmen A3a und A3d. Der Unterschied zwischen Brache mit
Umbruch alle zwei Jahre (A3a) und Naturschutzgerechter Ackerbewirtschaftung (A4) ist jedoch marginal,
deutlicher unterscheiden sich die Bewertungsergebnisse zwischen Brache mit jährlichem Umbruch (A3d) und
Maßnahme A4.

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Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 32
Abbildung 15: Verteilung der Stufen der Ist-Bewertung der Grobuntersuchungen Acker über alle un-
tersuchten Flächen einer Maßnahme
(Maßnahmen: A3a: Anlage von Bracheflächen und Brachestreifen mit Selbstbegrünung, A3d: Bracheflächen und Brachestreifen mit
Selbstbegrünung mit Rotationsansatz, A4: Naturschutzgerechte Ackerbewirtschaftung mit Einschränkung von Pflanzenschutzmitteln und
Vorgaben zu angebauten Kulturen)
Pflanzenarten der Roten Liste Sachsens konnten in den Transekten der Grobuntersuchungen auf 59 (22 %)
der 271 kartierten Flächen nachgewiesen werden. Auf 19 % der untersuchten A4-Flächen, 22 % der unter-
suchten A3a-Flächen und 29 % der untersuchten A3d-Flächen konnten seltene bzw. gefährdete Arten festge-
stellt werden. Mehr als eine Rote-Liste-Art pro Schlag waren insgesamt nur auf 8 Flächen nachzuweisen und
dabei maximal 5. Die untersuchten Flächen der Maßnahme A4 beherbergten dabei insgesamt mit 15 nachge-
wiesenen Arten eine deutlich höhere Anzahl an gefährdeten bzw. seltenen Ackerwildkrautarten. Gut ein Drittel
(7) der insgesamt 18 festgestellten Rote-Liste-Arten wurden nur auf A4-Maßnahmeflächen nachgewiesen.
Abbildung 16: Echter Frauenspiegel (
Legousia speculum veneris
), eine auch auf Förderflächen in
Sachsen wiederentdeckte Art
Foto: M. Deussen, Archiv Naturschutz LfULG

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 33
Unter den kartierten RLS-Pflanzenarten befanden sich die in Sachsen als ausgestorben geltende Korn-Rade
(
Agrostemma githago
, RLS 0) und Echter Frauenspiegel (
Legousia speculum veneris, RLS 0
), die vom Aus-
sterben bedrohten Arten (RLS 1) Sommer-Adonisröschen (
Adonis aestivalis
) und Acker-Hahnenfuß (
Ra-
nunculus arvensis
) und weitere acht stark gefährdete und sieben gefährdete Pflanzenarten (siehe Tabelle 38
im Anhang). Von diesen war das Acker-Filzkraut (
Filago arvensis
, RLS 3), das vor allem auf den leichten
Sandböden der Oberlausitz noch relativ verbreitet anzutreffen ist, am häufigsten. Insgesamt konnte die Art auf
29 Flächen erfasst werden, anteilmäßig vor allem auf Flächen der beiden Brache-Maßnahmen, d. h. auf
17,6 % der A3a- und auf 23,5 % der A3d-Flächen. Korn-Rade (
Agrostemma githago
) und Glänzender Ehren-
preis (
Veronica polita
, RLS 3) als nächsthäufig nachgewiesene Arten konnten auf jeweils 5 Flächen festge-
stellt werden. Die Maßnahme
naturschutzgerechte Ackerbewirtschaftung
(A4) wies mit 15 Arten gegenüber
den beiden Brache-Maßnahmen A3a mit 5 Arten und A3d mit 4 Arten deutlich mehr gefährdete bzw. seltene
Arten auf.
Beeinträchtigungen
Auf 79 % der untersuchten A4-Flächen, 50 % der untersuchten A3a-Flächen und 63 % der untersuchten A3d-
Flächen waren keine Beeinträchtigungen feststellbar. Auf einigen Flächen bestanden jedoch trotz maßnahme-
konformer Bewirtschaftung Pflegedefizite, v. a. durch ungenügende Bodenbearbeitung. Ein Symptom dafür ist
die Vergrasung und Verfilzung vieler Bestände, welche insbesondere bei den A3a-Flächen auf gut einem Vier-
tel der untersuchten Schläge relevant waren.
Nennenswerte Vorkommen von Störungszeigern, deren Auftreten als Beeinträchtigung des Maßnahmeziels
gewertet wurde, gab es vor allem auf Untersuchungsflächen der Maßnahme A3d (s. Tabelle 10). Ein Problem
für zahlreiche Ackerbrachen ist eine Befahrung und damit einhergehende Bodenverdichtung sowie direkte
Schädigung von Vegetation, weil die Flächen oft nicht als Naturschutzmaßnahmeflächen erkannt oder respek-
tiert, sondern als Fahrwege genutzt werden.
Tabelle 10: Übersicht der häufigsten Beeinträchtigungen auf untersuchten Maßnahmeflächen der
Grobuntersuchungen Acker mit Flächenanteilen in %
(Mehrfachnennungen pro Maßnahmefläche möglich, dargestellt sind Beeinträchtigungen mit einem Anteil > 10 % sowie der Anteil der
Flächen je Maßnahme, bei denen aufgrund von Beeinträchtigungen eine Abwertung in der Gesamtbewertung erfolgte)
(Maßnahmen: A3a: Anlage von Bracheflächen und Brachestreifen mit Selbstbegrünung, A3d: Bracheflächen und Brachestreifen mit
Selbstbegrünung mit Rotationsansatz, A4: Naturschutzgerechte Ackerbewirtschaftung mit Einschränkung von Pflanzenschutzmitteln und
Vorgaben zu angebauten Kulturen)
Beeinträchtigung
A3a
A3d
A4
Bodenverdichtung/Befahrung
10
19
1
direkte Schädigung von Vegetation
3
12
0
sonst. Störungszeiger (incl. Ruderalisierungszeiger)
10
21
7
Vergrasung/Verfilzung
28
0
11
Anteil Flächen mit Abwertung
30
27
14

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Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 34
Abbildung 17: Beeinträchtigung durch Bodenverdichtung/Befahrung und direkte Schädigung von Ve-
getation auf einer Untersuchungsfläche (A3a) im Grobmonitoring Acker
Foto: M. Deussen, Archiv Naturschutz LfULG
Gesamtbewertung
In die Gesamtbewertung einer Fläche fließen die Bewertungen des zum Zeitpunkt der Begehung angetroffe-
nen Biotopzustandes (Ist-Bewertung) sowie ggf. festgestellte Beeinträchtigungen ein. Sind in der Naturschutz-
fachlichen Stellungnahme zudem bestimmte Arten (im Wesentlichen höhere Pflanzen und Tiere) als Ziele der
Maßnahme benannt, wurde auch die Eignung der Maßnahmefläche als Lebensraum für diese Arten einge-
schätzt. Diese drei Einschätzungen wurden dann gutachterlich zur Gesamtbewertung aggregiert.
Bei allen drei Maßnahmen nehmen die Flächen mit einer mittleren bis guten Gesamtbewertung in Bezug auf
den Zielzustand den größten Anteil ein (A3a = 58 %, A3d = 67 %, A4 = 61 %). Einen sehr guten bis hervorra-
genden Zielzustand erreichen je nach Maßnahme nur maximal drei bis sechs Prozent der erfassten Flächen.
Der Anteil der im Zielerreichungsgrad als unzureichend oder schlecht eingestuften Flächen beträgt bei allen
drei Maßnahmen jeweils etwa ein Drittel (A3a = 38 %, A3d = 30 %, A4 = 33 %) (s. Abbildung 18).

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Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 35
Abbildung 18: Gesamtbewertung der im Rahmen der Grobuntersuchungen Acker begutachteten Flä-
chen
(Zahlen in den Balken = Gesamtanteil der Flächen mit jeweiliger Bewertungsstufe)
(Maßnahmen: A3a: Anlage von Bracheflächen und Brachestreifen mit Selbstbegrünung, A3d: Bracheflächen und Brachestreifen mit
Selbstbegrünung mit Rotationsansatz, A4: Naturschutzgerechte Ackerbewirtschaftung mit Einschränkung von Pflanzenschutzmitteln und
Vorgaben zu angebauten Kulturen)
Der Bewertung „unzureichender“ oder „schlechter“ Zielzustand liegen verschiedene Ursachen zu Grunde,
häufig fehlt eine ausreichende Anzahl wertgebender Arten (Positivarten). Daneben wurde auf 30 % der unter-
suchten A3a-Maßnahmeflächen, 27 % der A3d-Flächen und 14 % der A4-Flächen die Gesamtbewertung der
Fläche aufgrund von starken Beeinträchtigungen abgewertet (s. Tabelle 10). In der Reihenfolge ihrer Häufig-
keit betrifft das Vergrasung/Verfilzung, Störungszeiger (in der Regel Ruderalisierungszeiger), Bodenverdich-
tung/Befahrung sowie trotz vorgabenkonformer Maßnahmeumsetzung bestehende allgemeine Pflegedefizite.
Bei einzelnen Flächen mit Einschätzung „unzureichender“ oder „schlechter“ Zielzustand bedingte auch eine
zum Zeitpunkt der Begehung gutachterlich bewertete mangelnde oder fehlende Lebensraumeignung der
Maßnahmefläche für die genannten Zielarten eine Herabstufung in der Gesamtbewertung. Umgekehrt beding-
ten aber in manchen Fällen die Einschätzungen hinsichtlich der Erreichbarkeit der Artenziele auch höhere
Gesamtbewertungen als die reinen Biotopbewertungen. Die Lebensraumeignung für die jeweiligen als Zielar-
ten benannten Pflanzen- und Tierarten wurde also gegenüber der angetroffenen Biotopausprägung als hö-
herwertig eingeschätzt.
Gemäß der bisher vorliegenden Ergebnisse scheinen Ackerwildkräuter bei mehrjähriger Brachlegung mit
Selbstbegrünung und Umbruch alle zwei Jahre (Maßnahme A3a) und bei naturschutzgerechter Ackerbewirt-
schaftung (A4) die besseren Existenzbedingungen zu finden als bei Brachen mit Selbstbegrünung und jährli-
chem Umbruch (A3d). Ein Grund könnte sein, dass die Maßnahme A3d jährlich rotierend angewendet werden
kann. Bei der in der Regel sich anschließenden intensiveren Bewirtschaftung können sich Ackerwildkräuter
nicht dauerhaft etablieren.
Dazu widersprüchlich erscheint jedoch der bei den beiden Brachevarianten (A3a, A3d) gegenüber der natur-
schutzgerechten Ackerbewirtschaftung (A4) deutlich höhere Anteil an festgestellten Untertypen des Biotoptyps

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Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 36
„Extensiv genutzter wildkrautreicher Acker“ (UA). Die Maßnahme A4 kommt sachsenweit in einer regional
ausgewogeneren Verteilung zur Anwendung.
Abbildung 19: Extensiv genutzter wildkrautreicher Acker mit Feld-Rittersporn (
Consolida regalis
)
Foto: M. Deussen, Archiv Naturschutz LfULG
Die Bracheflächen (A3a, A3d) sind hingegen hauptsächlich in den Pleistozängebieten Nord- und vor allem
Nordostsachsens zu finden, also auf ackerbaulich weniger günstigen Standorten. Unter den heutigen Bewirt-
schaftungsbedingungen bieten diese Regionen insgesamt noch die besseren standörtlichen Voraussetzungen
für die Ausprägung einer reichhaltigeren Ackerwildkrautflora. Entsprechend sind in den Grobuntersuchungen
„Sandäcker“ (UAS) bei Maßnahme A4 nicht anzutreffen gewesen, während für „basenreiche Äcker“ (UAR) nur
eine Förderung nach Maßnahme A4, aber nicht nach A3 festzustellen war. Offensichtlich werden von den
Antragstellern nur Böden mit gewisser Ertragserwartung für die Maßnahme A4 ausgewählt, weil dort ein Feld-
fruchtanbau erfolgt, während für die Brachlegung insgesamt eher basenarme und sandige Böden ausgewählt
werden.
Eine weitergehende Erkenntnis aus den Geländebegehungen zur Begutachtung der Förderflächen war, dass
ein nennenswerter Anteil der Maßnahmeflächen
Anlage von Brachflächen und Brachstreifen mit Selbstbegrü-
nung
(A3a) linear entlang von Gewässern lagen und Gewässerbiotope oder Gewässerarten als Zielbiotoptyp
bzw. Zielart hatten. Hier ist fraglich, ob die Maßnahme auf Grund der anzunehmenden Nährstoffmobilisation
durch den Umbruch, der alle zwei Jahre vorgeschrieben ist, geeignet ist.

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Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 37
4 Detailuntersuchungen Grünland
4.1 Methode
Durch die Detailuntersuchungen sollen vertiefte Aussagen zur Wirksamkeit der häufig nachgefragten Maß-
nahmen getroffen werden. Dazu zählen die Maßnahmen
Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungs-
verzicht und erster Nutzung ab 15. Juni
(G3a) bzw.
ab 15. Juli
(G3b),
Naturschutzgerechte Beweidung mit
später Erstnutzung
(G6) und
Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht vor erster Nutzung
(G2). Außerdem werden Flächen ohne Förderung (I) und Flächen der Maßnahmen
Extensive Grünlandwirt-
schaft
(G1a
Weide
, G1b
Wiese
) als Vergleichsflächen herangezogen.
Die Flächen der Maßnahme
Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht vor erster Nutzung
(G2) wurden erst 2010 in die Detailuntersuchungen aufgenommen, weil zwischenzeitlich der Antragsumfang
dieser Maßnahme deutlich gestiegen war und somit ihre genauere Betrachtung in einer repräsentativen Stich-
probe erforderlich wurde. Eine Übersicht über die Lage der Untersuchungsflächen in Sachsen zeigt Abbildung
20.
Abbildung 20: Übersicht der in den Detailuntersuchungen Grünland kartierten Flächen
Schwerpunktzielstellung des EPLR für die Maßnahmen der naturschutzgerechten Grünlandbewirtschaftung ist
der Erhalt von wertvollen Biotop- und FFH-Lebensraumtypen. Bei den Maßnahmen G3a, G3b und auch G2
betrifft dies vor allem artenreiche (magere) Frischwiesen und insbesondere auch Bergwiesen. Mit der Maß-
nahme G6 sollen vor allem artenreiche magere Weiden erhalten werden. Entsprechend wurde auf den Unter-
suchungsflächen zunächst eine Kartierung durchgeführt, um das Vorhandensein von wertvollen Biotop- und
FFH-Lebensraumtypen nachzuprüfen. Wenn FFH-Lebensraumtypen vorhanden waren, wurde ihr Erhaltungs-
zustand entsprechend des Kartier- und Bewertungsschlüssels für Offenland-Lebensraumtypen (LfULG 2009)
bewertet. Um die Vegetationsbestände genauer zu charakterisieren und zu dokumentieren, wurden zwei Ve-
getationsaufnahmen pro Fläche aufgenommen. Vegetationsaufnahme A sollte dabei im repräsentativen Be-
reich der Fläche, möglichst innerhalb eines wertvollen Biotoptyps liegen, Vegetationsaufnahme B in einem
Übergangsbereich, sofern vorhanden.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 38
Neben den Vegetationsaufnahmen wurden auch alle Pflanzenarten der Roten Liste Sachsens und Deutsch-
lands halbquantitativ mit Hilfe von Häufigkeitsklassen erfasst. Auf größeren Maßnahmenflächen über 1 ha
wurde ein etwa 1 ha großer repräsentativer Ausschnitt abgetrennt, in dem diese Untersuchung stattfand.
Außerdem wurden in den Detailuntersuchungen stellvertretend für auf extensiv genutztem Grünland lebende
Tierarten Heuschrecken und Tagfalter/Widderchen erfasst. Auch dafür wurde bei Flächen über 1 ha ein reprä-
sentativer Bereich für die Untersuchungen ausgewählt, der sich möglichst mit der Untersuchungsfläche für die
Rote Liste Arten-Flora (RLS) deckt. Die Faunaerfassung erfolgte halbquantitativ nach standardisierten Metho-
den (Sichtbeobachtung, Verhören, Kescherfang) mit 6 Begehungen à einer Stunde pro Hektar. Weil das Auf-
treten dieser Tierartengruppen jährlichen Schwankungen z. B. aufgrund der Witterung unterliegt, wurde auf
jeder Maßnahmenfläche in zwei aufeinanderfolgenden Jahren kartiert und beide Jahre zusammen ausgewer-
tet. Diese Erfassungen erfolgten innerhalb festgelegter Zeiträume, um zwischen allen Untersuchungsjahren
und bei Einsatz mehrerer Erfasser (fünf Teilregionen in Sachsen und wechselnde Auftragnehmer) eine ver-
gleichbare Vorgehensweise zu ermöglichen. In die Auswertung fließen nur Beobachtungen von Imagines ein,
die nach der standartisierten Methode erzielt wurden. Nach Fortpflanzungsstadien wurde nicht gesucht.
Eine
Übersicht zu allen Untersuchungsbestandteilen der Detailuntersuchungen liefert Tabelle 11.
Tabelle 11: Untersuchungsbestandteile und Methoden der Detailuntersuchungen Grünland
Untersuchungs-
bestandteile
Methoden
Standardparameter
Kontaktbiotope: an die Fläche angrenzende Biotope mit Anteil an der Außengrenze (kategorisiert)
Tatsächliche Bewirtschaftung der Fläche: während der Kartiersaison erkennbare Nutzung der Fläche
Blühaspekt: bei den faunistischen Kartierungen Erfassung des Blühaspektes
Biotop- und
FFH-Lebensraumtypen
Biotoptypen: Erfassung auf der Gesamtfläche gemäß Kartieranleitung zur Biotopkartierung in Sachsen (Stand
April 2009), erweitert um die Kategorie der potenziell wertvollen Biotope
FFH-Lebensraumtypen (LRT): Ermittlung auf der Gesamtfläche entsprechend des sächsischen Kartier- und
Bewertungsschlüssels für Offenland-Lebensraumtypen, erweitert um die Kategorie LRT-Entwicklungsfläche
Gutachterliche Bewertung entsprechend der Bewertungsschlüssel für Offenland-Lebensraumtypen für die
Kriterien Lebensraumtypische Strukturen, Lebensraumtypisches Arteninventar, Beeinträchtigungen sowie
Gesamtbewertung des Erhaltungszustandes in den Kategorien A (hervorragend), B (gut) und C (mittel bis
schlecht)
Flora
Kartierung der Gesamtfläche bzw. bei Flächen, die deutlich über 1 ha hinausgehen, in einem 1 ha großen,
repräsentativen Ausschnitt
Halbquantitative Erfassung der Arten der Roten Liste Sachsens und in Sachsen vorkommende Arten der Roten
Liste der Bundesrepublik Deutschland, die durch die Rote Liste Sachsens nicht erfasst werden
Vegetationsaufnahmen
Zwei Vegetationsaufnahmen von 25 m² je Untersuchungsfläche, Vegetationsaufnahme A im repräsentativen
Bereich, Vegetationsaufnahme B im Übergangsbereich
Erfassung der Arten mit Deckungen entsprechend der um 2m, 2a und 2b erweiterten Braun-Blanquet-Skala
und Blühstatus (vierstufig)
Benennung der Vegetationseinheiten nach BÖHNERT et al. (2001)
Heuschrecken
Erfassung über Verhören, Sichtbeobachtung und Kescherfang auf der Gesamtfläche bzw. bei Flächen > 1 ha
auf einem 1 ha großen Ausschnitt
6 Begehungen à 1 h auf ca. 1 ha UF (2 x Mitte Mai bis Ende Juni sowie 4 x Anfang August bis Mitte Septem-
ber) unter Beachtung verschiedener Aktivitätszeiten und unter Berücksichtigung phänologischer Gesichtspunk-
te (angepasst an die Höhenlage) und der Bewirtschaftungstermine sowie bei geeigneten Witterungsbedingun-
gen
Arten mit Häufigkeitsklassen gemäß vorgegebener Kategorien

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Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 39
Untersuchungs-
bestandteile
Methoden
Tagfalter/Widderchen
Erfassung über Sichtbeobachtung und Kescherfang auf der Gesamtfläche bzw. bei Flächen > 1 ha auf einem
1 ha großen Ausschnitt
6 Begehungen á 1 h auf ca. 1 ha UF (je 1 x Mitte April/Mitte Mai und 5 x Ende Mai bis Mitte September) unter
Berücksichtigung phänologischer Aspekte und der Bewirtschaftungstermine bei geeigneter Witterung
Arten mit Häufigkeitsklassen gemäß vorgegebener Kategorien
4.2 Ergebnisse und Diskussion
Biotop- und Lebensraumtypen
Abbildung 21: Anteil der wertvollen Biotoptypen (gemäß Biotoptypenschlüssel der Selektiven Biotop-
kartierung) bzw. der FFH-Lebensraumtypen an den Untersuchungsflächen der Detailuntersuchungen
Grünland
(I - ungeförderte Vergleichsfläche, G1a - Extensive Grünlandwirtschaft Weide, G1b - Extensive Grünlandwirtschaft Wiese, G2 - Natur-
schutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht vor erster Nutzung, G3a - Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsver-
zicht und erster Nutzung ab 15. Juni, G3b - Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht und erster Nutzung ab 15. Juli,
G6 - Naturschutzgerechte Beweidung mit später Erstnutzung)
Die Auswertung der Biotop- und Lebensraumtypenkartierung ergab, dass bei den Maßnahmen G3a/b und G6
insgesamt die höchsten Anteile an gesetzlich geschützten und weiteren wertvollen Grünlandbiotoptypen sowie
an FFH-Lebensraumtypen in Bezug auf die untersuchte Fläche festgestellt wurden. Die Anteile an wertvollen
Biotoptypen auf den Flächen der Maßnahmen G2 und G1a/b liegen deutlich darunter, aber noch über den
Anteilen, die auf den intensiv genutzten Vergleichsflächen festgestellt wurden (vgl. Abbildung 21). Bei der
Maßnahme G3b ist der Anteil an „Bergwiesen“ (GB) mit 30 % am höchsten, bei der Maßnahme G3a liegt die-
ser bei 20 %. Mit 40 % ist der Anteil an „Mageren Frischwiesen“ (GMM) bei der Maßnahme G6 besonders
hoch, bei der Maßnahme G3a und G3b trifft dieser Biotoptyp auf jeweils ein Viertel (26 bzw. 23 %) der Fläche
zu. Diese beiden Biotoptypen entsprechen gleichzeitig den FFH-Lebensraumtypen „Berg-Mähwiesen“ (6520)
bzw. „Flachland-Mähwiesen“ (6510). Der Biotoptyp „sonstige extensiv genutzte Frischwiese“ (GYM) nimmt
einen Anteil von 40 % an den Flächen der Maßnahme G1b ein, bei G3a beträgt dieser Anteil 30 % und bei G6
32 %. „Sonstige extensiv genutzte Frischwiesen“ werden zum FFH-Lebensraumtyp „Flachland-Mähwiesen“
(6510) gezählt. Der hohe Anteil an nicht weiter differenzierten wertvollen Biotoptypen („Sonstige“) bei der

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Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 40
Maßnahme G1a setzt sich neben „Nasswiesen“ (GFS) vor allem aus „Magerweiden frischer Standorte“
(GMW) und „sonstigen extensiv genutzten Weiden frischer Standorte“ (GYW) zusammen. Als weiterer FFH-
Lebensraumtyp neben „Flachland-Mähwiesen“ und „Berg-Mähwiesen“ wurde auf Flächen der Maßnahme G6
der LRT „Kalk-Trockenrasen“ (6210) nachgewiesen („Sonstige“).
Vegetation
Auf jeder der untersuchten Flächen wurden zwei Vegetationsaufnahmen durchgeführt. Dabei lagen die Ge-
samtartenzahlen beider Vegetationsaufnahmen bei allen Förderflächen im Mittel bei 20 Arten. Signifikant un-
terscheiden sich nur die Flächen mit extensiver Mahd (G1b) von den naturschutzgerecht genutzten Wiesen
mit später Schnittnutzung (G3b). Besonders deutlich ist jedoch der Unterschied der Förderflächen zu den nicht
geförderten Vergleichsflächen, deren Artenzahlen mit im Mittel 14 Arten höchst signifikant niedriger sind (sie-
he Abbildung 22). Die Schwankungsbreite der Artenzahlen zeigt, dass es bei allen Maßnahmen sowohl arten-
reichere als auch artenärmere Bestände gibt. Entscheidend für die naturschutzfachliche Wertigkeit der Flä-
chen ist jedoch vor allem die Zusammensetzung der Pflanzenbestände.
Abbildung 22: Artenzahlen der im Rahmen der Detailuntersuchungen Grünland durchgeführten Vege-
tationsaufnahmen
(mit Darstellung des Tukey-Tests zur Prüfung der Signifikanz, nur vorhandene Signifikanzen werden angezeigt, d. h. I unterscheidet sich
höchst (***)/hoch (**) signifikant von allen Maßnahmeflächen; G3b unterscheidet sich signifikant (*) von G1b)
(I - ungeförderte Vergleichsfläche, G1a - Extensive Grünlandwirtschaft Weide, G1b - Extensive Grünlandwirtschaft Wiese, G2 - Natur-
schutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht vor erster Nutzung, G3a - Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsver-
zicht und erster Nutzung ab 15. Juni, G3b - Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht und erster Nutzung ab 15. Juli,
G6 - Naturschutzgerechte Beweidung mit später Erstnutzung)
Die Verteilung der Nährstoffzeigerwerte nach ELLENBERG et. al. (1992) zeigt für die Vegetationsaufnahmen,
dass die Magerkeits- und Aushagerungszeiger auf Flächen der Maßnahme G3b einen Anteil von 55 % der
kartierten Flächen einnehmen, während es bei den nicht geförderten Flächen nur 21 % sind. Diese Werte
liegen bei den anderen Maßnahmen zwischen 36 % (bei G1a) und 29 % (bei G2). Umgekehrt verhält es sich
mit den Stickstoffzeigern, welche bei den Maßnahmeflächen ohne Förderung einen Anteil von im Mittel 13 %
der vorkommenden Arten haben, bei den Flächen der Maßnahme G3b jedoch nur 4 % (vgl. Abbildung 23).

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Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 41
Abbildung 23: Verteilung der Arten mit Nährstoffzeigerwerten nach ELLENBERG in den im Rahmen der
Detailuntersuchungen durchgeführten Vegetationsaufnahmen
(I - ungeförderte Vergleichsfläche, G1a - Extensive Grünlandwirtschaft Weide, G1b - Extensive Grünlandwirtschaft Wiese, G2 - Natur-
schutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht vor erster Nutzung, G3a - Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsver-
zicht und erster Nutzung ab 15. Juni, G3b - Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht und erster Nutzung ab 15. Juli,
G6 - Naturschutzgerechte Beweidung mit später Erstnutzung)
Pflanzenarten der Roten Liste Sachsens (RLS), u. a. Kleiner Klappertopf (
Rhinanthus minor
), Moorklee (
Trifo-
lium spadiceum
), Busch-Nelke (
Dianthus seguieri
), Bach-Nelkenwurz (
Geum rivale
) und Teufelsabbiss (
Succi-
sa pratensis
), wurden auf über 80 % der Flächen mit der Maßnahme G3b gefunden, bei der Maßnahme G3a
waren es 42 % und bei G6 27 % der untersuchten Flächen. Damit unterscheiden sich die Flächen mit den
genannten Maßnahmen von den extensiv bewirtschafteten Flächen, besonders aber von den Intensivflächen
(siehe Abbildung 24). Unter den extensiv beweideten Flächen (G1a) befindet sich eine Fläche mit sechs und
eine mit zwei Rote-Liste-Arten, u. a. Zittergras (
Briza media
), Berg-Platterbse (
Lathyrus linifolius
), Kleiner
Klappertopf (
Rhinanthus minor
), Kleiner Baldrian (
Valeriana dioica
). Dagegen konnten nur auf 12 % der Flä-
chen der Maßnahme G2 RLS-Pflanzenarten (Kleiner Klappertopf (
Rhinanthus minor
), Perücken-Flockenblume
(
Centaurea pseudophrygia
) nachgewiesen werden. Dies entspricht dem Wert der extensiv bewirtschafteten
Wiesen (G1b), hier wurden Zittergras (
Briza media
) und Kleiner Klappertopf (
Rhinanthus minor
) nachgewie-
sen.
Magerkeitszeiger

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Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 42
Abbildung 24: Anteil der Untersuchungsflächen der Detailuntersuchungen Grünland mit Funden von
RLS-Pflanzenarten
(I - ungeförderte Vergleichsfläche, G1a - Extensive Grünlandwirtschaft Weide, G1b - Extensive Grünlandwirtschaft Wiese, G2 - Natur-
schutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht vor erster Nutzung, G3a - Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsver-
zicht und erster Nutzung ab 15. Juni, G3b - Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht und erster Nutzung ab 15. Juli,
G6 - Naturschutzgerechte Beweidung mit später Erstnutzung)
Fauna
Die faunistischen Untersuchungen (Tagfalter, Widderchen und Heuschrecken) zur Ersterfassung erfolgten in
den Jahren 2008 bis 2011. Die Flächen der Maßnahmen G1a/b, G3a/b und G6 wurden im Jahr 2008 und im
Jahr 2009 erfasst, die intensiv genutzten Vergleichsflächen (I) in gleicher Weise in den beiden Jahren 2009
und 2010. Die Erfassungen zur Maßnahme G2 erfolgten 2010 und 2011. Im Folgenden werden die Ergebnis-
se dieser repräsentativen Grünlanduntersuchungen jeweils als Summe beider Erfassungsjahre dargestellt
(s. auch Kap. 4.1). Zur Auswertung kommen vorerst Artenzahlen und Gefährdungsstatus. Weitergehende
Auswertungen (Ökologie und regionale Verbreitung der Arten) sind nach Auswertung der Ergebnisse der Wie-
derholungserfassungen ab 2014 vorgesehen.
Im Mittel konnten auf den mit der Maßnahme G3b bewirtschafteten Flächen die höchsten Artenzahlen an Tag-
faltern und Heuschrecken nachgewiesen werden (s. Abbildung 25). Widderchennachweise gelangen insge-
samt verhältnismäßig wenige, sodass keine vergleichbare Darstellung wie bei den Tagfaltern und Heuschre-
cken gewählt wurde (s. u.).
Bei den Tagfaltern hebt sich die Maßnahme G3b signifikant von den Maßnahmen der extensiven Grünland-
bewirtschaftung G1 und G2 ab. Insgesamt weisen die Untersuchungen für Tagfalter auf den naturschutzge-
recht bewirtschafteten Flächen, mit Ausnahme der G2-Flächen, gegenüber der Extensivnutzung (G1) im Mittel
höhere Artenzahlen auf. Gegenüber den Intensivnutzungsflächen liegen für die Maßnahmen G6, G3a und
G3b in der genannten Reihenfolge sogar signifikant bis höchst signifikant höhere Nachweiszahlen vor.
Zu beachten ist, dass die Tagfalter auf den Flächen in der Regel als Nahrungsgäste zu betrachten sind, weil
die ausgewachsenen Tiere (adulte Imagines) das dortige Nektarangebot nutzen. Allein aus diesen Nachwei-
sen lassen sich zwar i. d. R. keine gesicherten Aussagen zur Eignung der Flächen als Reproduktionshabitat

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Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 43
treffen, dennoch leisten blütenreiche Wiesen und Weiden als Teillebensraum einen unverzichtbaren Beitrag
zur Überlebensfähigkeit der Arten und ihrer Populationen.
Für die Ergebnisse der Heuschreckenerfassungen sind keine vergleichbar signifikanten Unterschiede erkenn-
bar. Der einzige signifikante Unterschied liegt für die Maßnahme G3b gegenüber den Intensivnutzungsflächen
vor. Alle anderen Ergebnisse für Heuschrecken nähern sich mehr oder weniger so weit an, dass eine signifi-
kante Differenzierung bzgl. der nachgewiesenen Artenzahlen nicht erkennbar ist.
Abbildung 25: Summe der Artenzahlen Tagfalter (links) und Heuschrecken (rechts)
für G1a, G1b, G3a, G3b, G6 aus 2008/09, für die Intensivnutzungsflächen (I) aus 2009/10 und für G2 aus 2010/11 (mit Darstellung des
Tukey Tests zur Prüfung der Signifikanz; nur vorhandene Signifikanzen werden angezeigt, d. h. bei den Tagfaltern unterscheiden sich die
Artenzahlen der G1-Maßnahmen (extensive Grünlandbewirtschaftung) und der Maßnahme G2 signifikant (*) von den Artenzahlen der
Maßnahme G3b und die Maßnahmen G6, G3a und G3b in der genannten Reihenfolge signifikant (*) bis höchst signifikant (***) von den
Intensivnutzungsflächen (I); bei den Artenzahlen der Heuschrecken unterscheidet sich die Maßnahme G3b hoch signifikant (**) von den I-
Flächen.)
(I - ungeförderte Vergleichsfläche, G1a - Extensive Grünlandwirtschaft Weide, G1b - Extensive Grünlandwirtschaft Wiese, G2 - Natur-
schutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht vor erster Nutzung, G3a - Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsver-
zicht und erster Nutzung ab 15. Juni, G3b - Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht und erster Nutzung ab 15. Juli,
G6 - Naturschutzgerechte Beweidung mit später Erstnutzung)
Widderchennachweise werden in Abbildung 27 dargestellt. Generell können Widderchen als Zeiger einer nied-
rigen Nutzungsintensität angesehen werden. Auf den Intensivnutzungsflächen (I) konnten im Rahmen dieser
repräsentativen Grünlanduntersuchungen überhaupt keine Widderchennachweise erzielt werden. Die beiden
naturschutzgerechten Mahdvarianten mit den späten Erstnutzungsterminen (G3a/b) heben sich sowohl bezüg-
lich des Anteils der untersuchten Flächen mit Widderchenvorkommen als auch der dort angetroffenen Arten-
zahlen deutlich von allen weiteren Maßnahmen ab. 36 % (G3a) bzw. 73 % (G3b) dieser Untersuchungsflä-
chen beherbergten Widderchenvorkommen, wohingegen maximal auf 21 % der Extensivnutzungsflächen
(G1a/b) und den Flächen der beiden anderen Naturschutzmaßnahmen (G2, G6) Widderchenarten angetroffen
wurden. Auf den Flächen mit Naturschutzgerechter Beweidung (G6) konnten jedoch bis zu vier Widderchen-
Arten pro Untersuchungsfläche nachgewiesen werden, gegenüber maximal zwei Arten pro Fläche bei den
extensiv bewirtschafteten Flächen (G1).

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Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 44
Abbildung 26: Widderchen (Zygaena spec.) auf einer Untersuchungsfläche
Foto: M. Deussen, Archiv Naturschutz LfULG
Abbildung 27: Prozentualer Anteil der Flächen mit Artnachweisen von Widderchen
Für G1a, G1b, G3a, G3b, G6 aus 2008/09, für die intensiv genutzten Vergleichsflächen (I) aus 2009/10 und für G2 aus 2010/11, bezogen
auf die Gesamtzahl der Untersuchungsflächen je Maßnahme
(I - ungeförderte Vergleichsfläche, G1a - Extensive Grünlandwirtschaft Weide, G1b - Extensive Grünlandwirtschaft Wiese, G2 - Natur-
schutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht vor erster Nutzung, G3a - Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsver-
zicht und erster Nutzung ab 15. Juni, G3b - Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht und erster Nutzung ab 15. Juli,
G6 - Naturschutzgerechte Beweidung mit später Erstnutzung)

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Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 45
Arten der Roten Liste Sachsens konnten für Tagfalter und Heuschrecken über alle Untersuchungsjahre auf
einer größeren Anzahl von naturschutzgerecht bewirtschafteten G3a- und G3b- sowie G6-Maßnahmeflächen
erfasst werden als auf den Flächen mit extensiver Bewirtschaftung (G1) (s. Abbildung 29). Besonders deutlich
wird der Unterschied bei den Tagfaltern. Auf den naturschutzgerecht bewirtschafteten Flächen der Maßnah-
men G3a, G3b und G6 konnten jeweils auf mehr als der Hälfte der Flächen (52 % bis 93 %) gefährdete bzw.
seltene Tagfalterarten nachgewiesen werden und zwar mit bis zu elf Arten je Fläche (G3b). Auch der Anteil
der Maßnahmeflächen mit
Naturschutzgerechter Mahd mit Düngeverzicht vor der ersten Nutzung
(G2) mit
Nachweisen seltener bzw. gefährdeter Arten liegt höher (36 %) als der bei den Extensivbewirtschaftungsflä-
chen (G1). Zwar wurden auch auf letzteren bis zu zehn RL-Arten erfasst (G1a-Flächen), jedoch auf einem
insgesamt deutlich geringeren Anteil der Maßnahmeflächen (24 bis 30 %). Sowohl der Vergleich zwischen der
extensiven (G1a) und der naturschutzgerechten (G6) Beweidungs-Maßnahme als auch zwischen der extensi-
ven (G1b) und den naturschutzgerechten (G3a, b) Mahd-Maßnahmen zeigt, dass auf den Naturschutzflächen
tendenziell jeweils höhere RL-Artenzahlen nachgewiesen werden.
Die beiden insgesamt am häufigsten erfassten und in der Roten Liste der Tagfalter Sachsens als gefährdet
oder selten geführten Arten waren Großer Perlmutterfalter (
Argynnis aglaja
, RLS 3) auf 49 Schlägen (25 %
der Untersuchungsflächen) und Lilagold-Feuerfalter (
Lycaena hippothoe
, RLS 2) auf 39 Schlägen (20 %).
Lilagold-Feuerfalter wurden schwerpunktmäßig auf Naturschutzförderflächen (33 Flächen) und unter diesen
vorrangig auf G3b-Schlägen (19 Flächen) erfasst. Weitere relativ häufige RLS-Tagfalterarten, die zudem
ebenfalls überwiegend auf Naturschutzförderflächen angetroffen wurden, waren Rundaugen-Mohrenfalter
(
Erebia medusa
, RL 2, 14 % der Nachweisflächen), Dukaten-Feuerfalter (
Lycaena virgaureae
, RL 3, 14 % der
Nachweisflächen) und Wachtelweizen-Scheckenfalter (
Melitaea athalia
, RL 2, 11 %).
Abbildung 28: Dukaten-Feuerfalter (
Lycaena virgaureae
)
Foto: M. Deussen, Archiv LfULG

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Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 46
Die Erfassungsergebnisse für die RLS-Arten der Heuschrecken bestätigen die für die Tagfalter vorliegende
Tendenz nicht in gleichem Umfang (s. Abbildung 29). Zwar kann wiederum insbesondere der Maßnahme G3b
der höchste Beitrag zur Erhaltung gefährdeter bzw. seltener Arten zugesprochen werden, jedoch wurde auch
auf einer nennenswerten Anzahl von Extensivflächen (G1a/b) eine im Vergleich hohe Anzahl (bis zu drei Arten
pro Fläche) von Rote-Liste-Heuschreckenarten nachgewiesen. Der Anteil der G2-Flächen mit Nachweisen von
Rote-Liste-Heuschreckenarten entspricht sogar dem Anteil der intensiv genutzten Vergleichsflächen. Bemer-
kenswerterweise wurden auf einer verhältnismäßig hohen Anzahl der Vergleichsflächen ohne Förderung ge-
fährdete bzw. seltene Tagfalter- und Heuschreckenarten angetroffen. Folgende Rote-Liste-Arten der Heu-
schrecken wurden mit Nennung in abnehmender Reihenfolge nach Vorkommenhäufigkeiten auf den Untersu-
chungsflächen angetroffen: Feldgrille (
Gryllus campestris
, RLS 3, 12 % der Untersuchungsflächen), Sumpf-
grashüpfer (
Chorthippus montanus
, RLS 3, 11 %), Plumpschrecke (
Isophya kraussii
, RLS 2, 8 %) und War-
zenbeißer (
Decticus verrucivorus
, RL 2, 7 %), vereinzelt zudem Zweipunkt-Dornschrecke (
Tetrix bipunctata
,
RL 2, 1 %) und Rote Keulenschrecke (
Gomphocerippus rufus
, RL 3, 0,5 %). Dabei zeigten nur Plumpschre-
cken (
Isophya kraussii
) und Warzenbeißer (
Decticus verrucivorus
) Vorkommensschwerpunkte, und zwar bei
den Naturschutzmaßnahmen G3a und b.
Abbildung 29: Prozentualer Anteil der Flächen mit RLS-Artenzahlen Tagfalter (links) und Heuschre-
cken (rechts)
für G1a, G1b, G3a, G3b, G6 aus 2008/09, für intensiv genutzte Vergleichflächen (I) aus 2009/10 und für G2 aus 2010/11 bezogen auf die
Gesamtzahl der Untersuchungsflächen je Maßnahme
(I - ungeförderte Vergleichsfläche, G1a - Extensive Grünlandwirtschaft Weide, G1b - Extensive Grünlandwirtschaft Wiese, G2 - Natur-
schutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht vor erster Nutzung, G3a - Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsver-
zicht und erster Nutzung ab 15. Juni, G3b - Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht und erster Nutzung ab 15. Juli,
G6 - Naturschutzgerechte Beweidung mit später Erstnutzung)
In der Roten Liste Sachsens als selten bzw. gefährdet geführte Widderchen konnten insgesamt nur auf drei
untersuchten Schlägen und zwar ausschließlich auf naturschutzgerecht bewirtschafteten Flächen nachgewie-
sen werden (G3a: Ungeringeltes Kronwicken-Widderchen -
Zygaena angelicae
, RLS 1, G6: Veränderliches
Widderchen -
Zygaena ephialtes
, RLS 1, Beilfleck-Widderchen -
Zygaena loti
, RLS 3) (s. Abbildung 30). Auf
naturschutzgerecht bewirtschafteten Weiden (G6) konnten auf jeweils einem Schlag eine bzw. zwei Rote-
Liste-Widderchenarten erfasst werden.

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Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 47
Abbildung 30: Prozentualer Anteil der Flächen mit Rote-Liste-Artenzahlen Widderchen
für G1a, G1b, G3a, G3b, G6 aus 2008/09, für intensiv genutzte Vergleichflächen (I) aus 2009/10 und für G2 aus 2010/11 bezogen auf die
Gesamtzahl der Untersuchungsflächen je Maßnahme
(I - ungeförderte Vergleichsfläche, G1a - Extensive Grünlandwirtschaft Weide, G1b - Extensive Grünlandwirtschaft Wiese, G2 - Natur-
schutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht vor erster Nutzung, G3a - Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsver-
zicht und erster Nutzung ab 15. Juni, G3b - Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht und erster Nutzung ab 15. Juli,
G6 - Naturschutzgerechte Beweidung mit später Erstnutzung)
Gesamtbewertung
Die Ergebnisse der Detailuntersuchungen verdeutlichen, dass die Maßnahmen der
naturschutzgerechten
Grünlandnutzung mit Düngungsverzicht
(G3a/b) und der
naturschutzgerechten Beweidung
(G6) auf Flächen
mit der vergleichsweise höchsten naturschutzfachlichen Wertigkeit zur Anwendung kommen. In besonderem
Maße trifft dies für die Flächen der Maßnahme G3b zu. Die Flächen der Maßnahme
Naturschutzgerechte
Wiesennutzung mit Düngungsverzicht vor erster Nutzung
(G2) scheinen bisher keine vergleichbare hohe Be-
deutung für die Artenvielfalt und den Artenschutz entwickelt zu haben. Insgesamt bestätigt insbesondere der
Vergleich zu den intensiv genutzten Untersuchungsflächen die hohe Bedeutung der angepassten natur-
schutzgerechten Bewirtschaftung. Aber auch die Flächen der
Extensiven Grünlandbewirtschaftung
(G1a/b)
unterscheiden sich deutlich von den intensiv genutzten Vergleichsflächen. Neben artenarmen, relativ intensiv
genutzten Flächen befinden sich strukturreiche bzw. magere, artenreiche Flächen unter den G1a/b-Flächen.
Bei einigen dieser Flächen handelt es sich um Schläge, die in der letzten Förderperiode bereits durch das
Programm „Naturschutz und Erhalt der Kulturlandschaft (NAK)“ gefördert wurden, weiterhin ähnlich der natur-
schutzgerechten Grünlandbewirtschaftung bewirtschaftet werden und dementsprechend noch über viefältigere
Biotop- und Artvorkommen verfügen.

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Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 48
5 Einzelfallstudien
5.1 Grünland
Um Aussagen zu denjenigen Maßnahmen und spezifischen Zielstellungen zu ermöglichen, die durch die
Grob- und Detailuntersuchungen nicht bzw. nicht ausreichend eingeschätzt werden können, wurden Einzel-
fallstudien zu folgenden Grünlandmaßnahmen durchgeführt:
Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Nutzungspause
(G5) – Untersuchung der Eignung der Maßnah-
meflächen als Lebensraum für den Hellen und Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling (
Phengaris teleius et
P. nausithous
) sowie Untersuchung der Vegetation
Hutung mit Schafen und Ziegen (Dauergrünlandflächen)
(G7a) – Untersuchung der Vegetation
Hutung mit Schafen und Ziegen (Heideflächen)
(G7b) – Untersuchung der Eignung der Maßnahmeflächen
als Lebensraum für Tagfalter und Heuschrecken sowie Untersuchung der Vegetation
Anlage von Bracheflächen und Brachestreifen im Grünland
(G9) – Untersuchung der Vegetation
In Abbildung 31 ist die räumliche Verbreitung der Untersuchungsflächen dargestellt.
Abbildung 31: Übersicht der in den Einzelfallstudien Grünland kartierten Flächen
G5: Maßnahme Naturschutzgerechte Wiesennutzung– Nutzungspause (G5) - Wiesenknopf-Ameisenbläulinge und Vegetation;
G7a: Maßnahme Hutung mit Schafen und Ziegen (Dauergrünlandflächen) (G7a) -Vegetation;
G7b: Maßnahme Hutung mit Schafen und Ziegen (Heideflächen) (G7b) -Tagfalter, Heuschrecken und Vegetation;
G9: Maßnahme Anlage von Bracheflächen und Brachestreifen im Grünland (G9) - Vegetation
5.1.1
Maßnahme
Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Nutzungspause
(G5) - Wiesenknopf-
Ameisenbläulinge und Vegetation
Maßnahmeziele, Flächenauswahl und Methode
Einen besonderen Schwerpunkt der Maßnahme
Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht –
Nutzungspause
(G5) stellt laut EPLR (SMUL 2009) der Schutz der gemäß FFH-Richtlinie zu erhaltenden Tag-
falterarten (Heller und Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling) dar. Durch die Vorgabe der Nutzungspause

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Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 49
zwischen dem 10. Juni und dem 15. September soll den Arten die Möglichkeit gegeben werden, in diesem
Zeitraum ihren Entwicklungszyklus abzuschließen. Durch den Verzicht auf Stickstoffdüngung soll darüber
hinaus das für die Lebensräume dieser Arten charakteristische floristische Arteninventar sichergestellt wer-
den.
Entsprechend gibt es in den Naturschutzfachlichen Stellungnahmen zu den Förderanträgen der Maßnahme
eine häufige Nennung (knapp 30 % der Flächen) der FFH-Anhang II-Art Dunkler Wiesenknopf-
Ameisenbläuling (
Phengaris nausithous
). Zweimal wurde zudem der Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling
(
Phengaris teleius
) genannt. Vom Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläuling sind in Sachsen nur noch wenige
Verbreitungsgebiete und Vorkommen bekannt. Daher wurde eine Einzelfallstudie zur Überprüfung der Wirk-
samkeit der Maßnahme für diese Zielart in Auftrag gegeben (FISCHER & EIGNER 2010). Vorkommen des aktuell
in Sachsen selteneren Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläulings (
Phengaris teleius
) sowie Biotop- und FFH-
Lebensraumtypen und besondere Pflanzenarten waren gleichzeitig zu kartieren, um ebenfalls die Eignung der
Maßnahme zu deren Erhalt zu überprüfen. Die Auswahl der Untersuchungsflächen orientiert sich daher neben
der Nennung der Wiesenknopf-Ameisenbläulinge als Zielarten soweit möglich auch an der gleichzeitigen
Nennung des FFH-Lebensraumtyps Flachland-Mähwiese als Ziel-LRT.
Abbildung 32: Wiesenknopfvorkommen auf einer Untersuchungsfläche
Foto: U. Glinka, Archiv Naturschutz LfULG
Bei dieser Maßnahme besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass nach entsprechender Naturschutzberatung
solche Flächen in die Förderung aufgenommen werden, die als Vorkommensflächen von Wiesenknopf-
Ameisenbläulingen durch das FFH-Artmonitoring bereits bekannt sind. Daher konnte eine Anzahl Flächen in
die Untersuchungen integriert werden, auf denen bereits im FFH-Artmonitoring 2004/05 Vorkommen doku-
mentiert wurden. Für diese Flächen sollte im Vergleich der gewonnenen Untersuchungsergebnisse zu den
Ergebnissen des FFH-Artmonitorings eine Trendaussage über die Entwicklung der Bläulingsbestände ermög-
licht werden.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 50
Die Untersuchungen erfolgten in den Jahren 2009 und 2010 auf 32 Förderflächen der Maßnahme (G5). Sie
bilden als Ersterfassung die Grundlage für die in den Jahren 2012 und 2013 durchgeführten Wiederholungs-
untersuchungen
2
. Untersucht wurden die in Tabelle 12 aufgeführten Parameter, die eine beispielhafte Über-
sicht über die Lage der Untersuchungskomponenten auf einer Untersuchungsfläche geben (Abbildung 33).
Tabelle 12: Untersuchungsbestandteile und Methoden der Einzelfallstudie G5 - Wiesenknopf-
Ameisenbläulinge und Vegetation
Untersuchungs-
bestandteil
Methoden
Standardparameter
Standortgegebenheiten
Direkte Umgebungssituation
Innere Strukturiertheit der Flächen
Biotop- und FFH-
Lebensraumtypen
Biotoptypen: Erfassung auf der Gesamtfläche gemäß Kartieranleitung zur Biotopkartierung in Sachsen (Stand
April 2009), erweitert um die potenziell wertvollen Biotope
FFH-Lebensraumtypen (LRT): Ermittlung auf der Gesamtfläche entsprechend des sächsischen Kartier- und
Bewertungsschlüssels für Offenland-Lebensraumtypen, erweitert um die LRT-Entwicklungsflächen. Gutachterli-
che Bewertung entsprechend der Bewertungsschlüssel für Offenland-Lebensraumtypen für die Kriterien Le-
bensraumtypische Strukturen, Lebensraumtypisches Arteninventar, Beeinträchtigungen sowie Gesamtbewer-
tung des Erhaltungszustandes in den Kategorien A (hervorragend), B (gut) und C (mittel bis schlecht)
Flora
Kartierung der Gesamtfläche bzw. bei Flächen von mehr als 2 bis 3 ha in einem 1 ha großen, repräsentativen
Ausschnitt
Halbquantitative Erfassung der Arten der Roten Listen Sachsens und Deutschlands
Vegetationsaufnahmen
1-2 Vegetationsaufnahmen von 25 m² je Untersuchungsfläche, Vegetationsaufnahme A im repräsentativen
Bereich, Vegetationsaufnahme B im Übergangsbereich
Erfassung der Arten mit Deckungen entsprechend der um 2m, 2a und 2b erweiterten Braun-Blanquet-Skala und
Blühstatus (vierstufig)*
Benennung der Vegetationseinheiten nach BÖHNERT et al. (2001)
Wiesenknopf-
Ameisenbläulinge
(
Phengaris nausithous,
M. teleius
)**
Vorabklärung: Sind Vorkommen von
Sanguisorba officinalis
als Wirtspflanze der Wiesenknopf-
Ameisenbläulinge vorhanden?
Habitatqualität: Anzahl besiedelter Teilflächen mit >30 blühenden
Sanguisorba officinalis
-Individuen bzw. Clus-
tern pro ha
Erfassung der Wiesenknopf-Ameisenbläulinge über Sichtbeobachtungen;
3 Begehungen zum Flugmaximum (ca. Mitte Juli bis Mitte August);
Zählen der Individuen;
Transektbegehungen der Teilflächen mit blühendem
Sanguisorba officinalis
in Linien von 10-15 m Abstand,
Erfassung der Anfangs- und Endpunkte der Transekte mit GPS;
auf Flächen mit Transekten, die im Rahmen des FFH-Artmonitoring angelegt wurden, Wiederholungserfassung
auf diesen Transekten
* 2m: Deckung ≤ 5 %, Individuenzahl/Triebe > 50; 2a: Deckung > 5 und ≤ 12,5 %, Individuenzahl/Triebe beliebig; 2b: Deckung >12,5 und
≤ 25 %, Individuenzahl/Triebe beliebig. Blühstatus: 0: Nicht blühend; 1: Beginn der Blütezeit; 2: Vollblüte; 3: Ende der Blütezeit.
** Die methodischen Vorgaben zur Bläulings- und Wiesenknopf-Erfassung orientieren sich am Entwurf zum bundeseinheitlichen FFH-
Artmonitoring, Stand Frühjahr 2009
2
Bei Redaktionsschluss lag noch keine Auswertung der Wiederholungsuntersuchungen vor.

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Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 51
Abbildung 33: Untersuchungskomponenten der Einzelfallstudie G5
GIS-Abbildung mit Förderfläche (gelbe Linie), eingezeichnetem Wiesenknopf-Vorkommen (orange Schraffur), Transekt (weiße Linie) und
Lage der Vegetationsaufnahmen (weiße Punkte)
Herausgeber: Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
Geobasisdaten: © 2014, Staatsbetrieb Geobasisinformation und Vermessung Sachsen (GeoSN)
Ergebnisse und Diskussion – Bestandessituation der Wiesenknopf-Ameisenbläulinge
Zur Ersterfassung in den Jahren 2009 und 2010 wurden 32 Flächen untersucht. Bei den Transektbegehungen
konnte dabei auf 26 Flächen ein Vorkommen des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings dokumentiert wer-
den, außerdem auf einer Fläche zusätzlich ein Vorkommen des Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläulings. Auf
zwei Flächen gelangen nur 2009 Nachweise, auf drei nur 2010. Auf vier Flächen konnte keine der beiden Ar-
ten nachgewiesen werden. Alle im Folgenden besprochenen Bläulingsnachweise beziehen sich, soweit nicht
anders angegeben, auf den Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling.
Die Erfassungsergebnisse werden im Folgenden gegliedert nach Untersuchungsflächen, auf denen bisher
kein FFH-Artmonitoring durchgeführt wurde (9 Flächen) und Untersuchungsflächen, die 2009/10 im FFH-
Artmonitoring enthalten sind (23 Flächen). Eine Vergleichbarkeit der aktuellen Erfassungsergebnisse zum
FFH-Artmonitoring 2004/05 ist jedoch nur bedingt möglich, weil die damals eingerichteten Monitoringflächen
und Transekte mehrfach anders als die aktuellen Förderflächen abgegrenzt waren. Insofern können zu Be-
standsveränderungen nur gutachterliche Einschätzungen vorgenommen werden.

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Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 52
Abbildung 34: Heller und Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling (
Phengaris teleius, P. nausithous
)
Fotos: U. Glinka, R. Settele, Archiv Naturschutz LfULG
Die Mehrzahl der neun Untersuchungsflächen, auf denen bisher kein FFH-Artmonitoring durchgeführt wurde,
weist nach gutachterlicher Einschätzung eine gute bis sehr gute Eignung als Habitatfläche auf. Für vier der
Flächen mit Bläulings-Nachweisen verweist der Auftragnehmer explizit darauf, dass bisher keine Vorkommen
für die ansonsten in Sachsen relativ gut erforschten Ameisenbläulingsarten (vgl. REINHARDT et al. 2007) be-
kannt waren. Bei einem dieser bisher nicht bekannten Vorkommen wurde sogar die höchste Individuenzahl
innerhalb der gesamten Studie ermittelt. Die Anzahl der dort nachgewiesenen Individuen hat sich von 2009
auf 2010 von 70 auf 151 Exemplare mehr als verdoppelt. Auf drei dieser Flächen kommt zusätzlich der Beibe-
haltung der naturschutzkonformen Bewirtschaftungsweise eine besondere Bedeutung zu, weil es bislang kei-
ne Kenntnisse von weiteren Vorkommen im Umfeld dieser Flächen gibt und der Erhalt dieser Bestände eine
hohe lokale bzw. regionale Bedeutung hat.
Mehrere Flächen weisen trotz guter Habitatqualität geringe Nachweiszahlen auf. Als Ursachen werden zeit-
weise hohe Grundwasserstände oder die Lage in Überschwemmungsgebieten von Flussauen mit der Folge
einer Beeinträchtigung der Wirtsameisen angenommen.
Auf zwei Flächen konnten 2009/10 keine Falter nachgewiesen werden, obwohl dort vorher bereits eine Popu-
lation bekannt war. Zu dieser ungünstigen Situation tragen schlechte Habitatqualitäten (fehlende bzw. relativ
wenige
Sanguisorba
-Pflanzen) sowie mangelhafte Umsetzung der Fördermaßnahmevorgaben bei (verspäte-
ter erster Schnitt zur Hauptfalterflugzeit, somit keine blühenden Wiesenknopf-Pflanzen vorhanden).
20 der 23 im FFH-Artmonitoring befindlichen Flächen wiesen 2009/10 Ameisenbläulings-Vorkommen auf. Für
14 dieser Förderflächen ist nach gutachterlicher Einschätzung die Habitatqualität bzw. die Populationssituation
gut bis sehr gut und wird damit dem Zielzustand gerecht. Den Einschätzungen der Gutachter zufolge haben

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 53
sich auf diesen Flächen gegenüber den Ergebnissen des FFH-Artmonitorings 2004/05 offensichtlich keine
wesentlichen Veränderungen ergeben. Auch auf den Flächen mit geringer Individuendichte sind über viele
Jahre konstante Vorkommen des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings bekannt. Bemerkenswert ist im
Vergleich der Erfassungsjahre 2009 und 2010, dass die überwiegende Mehrzahl der gut eingestuften Flächen
deutliche, um ein Vielfaches erhöhte Individuenzuwächse aufweist. Allerdings können diese Entwicklungen
nicht ausschließlich der Wirkung der Fördermaßnahmen zugeordnet werden, weil im Jahr 2010 in der gesam-
ten westsächsischen Region und auch im benachbarten Thüringen wesentlich mehr Falter als im Vorjahr
nachgewiesen werden konnten, stellenweise wurden Falter auf lange verwaisten Wiesen angetroffen.
Eine Verringerung der Anzahl nachgewiesener Individuen war nur bei einem der bisher als gut eingeschätzten
Bestände zu verzeichnen. Bei weiteren vier Flächen im FFH-Artmonitoring konnten 2009 trotz guter Habitat-
qualität keine Nachweise erzielt werden, 2010 gelangen davon erneut auf zwei Flächen keine Nachweise.
Gründe für die fehlenden Falternachweise waren nicht offensichtlich. Auf diesen Flächen waren auch in der
Vergangenheit nur sehr sporadisch und dann auch nur einzelne Falter festgestellt worden, weiterhin ist in den
betreffenden Gebieten die Falterdichte eher gering. Damit hat sich die Situation für die Falter auf diesen För-
derflächen im Grunde nicht verändert. Eine bemerkenswerte Ausnahme stellt die Beobachtung von 50 Indivi-
duen auf einer bis einschließlich 2009 länger nicht besiedelten Fläche dar. Während der vorangegangenen
fünf Jahre konnten dort nach Aussage des im dortigen Gebiet mit den Vorkommen vertrauten Gutachters nie
Falter beobachtet werden. Im Erfassungsjahr 2010 hingegen wurden sogar Eiablagen beobachtet.
Für sechs der auch bereits im FFH-Artmonitoring 2004/05 untersuchten Förderflächen wird die Habitatqualität
bzw. der Zustand der Populationssituation erneut als schlecht eingeschätzt. Auf einzelnen Flächen wirken sich
intensive Wiesenbewirtschaftungen bzw. ungeeignete Nutzung in der Vergangenheit sowie im Erfassungsjahr
2009 eine nicht maßnahmekonforme, verspätete erste Schnittnutzung zur Hauptflugzeit der Bläulinge auf die
Habitatqualität aus. Als weitere Beeinträchtigungen werden Nährstoffeinträge aus benachbarten Ackerflächen,
eine ungünstige oder fehlende Flächenbewirtschaftung unmittelbar angrenzender, wertvoller Habitatflächen
sowie eine teilweise Befahrung der Flächen vermutet. Außerdem korrelieren die geringen Falterdichten auf
einigen Flächen mit sehr geringen Wiesenknopf-Dichten. Mit nur geringen Falterzahlen bzw. (jahrweise) feh-
lenden Nachweisen hat sich die Situation für den Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling auf diesen Flächen
gegenüber den Erfassungen in der Vergangenheit trotz Fördermaßnahme bislang im Wesentlichen nicht ge-
ändert.
Es wird daraus deutlich, dass für einzelne Flächen die Wirksamkeit der Fördermaßnahme auf die Habitateig-
nung gutachterlich nicht abschließend beurteilt werden konnte. Hier sollen die Ergebnisse der Wiederholungs-
erfassungen in 2012/13 weitere Aussagen liefern, die bisher noch nicht entsprechend ausgewertet werden
konnten.
Zusammenfassend kann bisher eingeschätzt werden, dass fast drei Viertel der in der Einzelfallstudie exempla-
risch untersuchten Flächen eine gute Habitatqualität bzw. einen guten Populationszustand aufweisen. Nur für
eine Fläche wird gegenüber dem FFH-Artmonitoring 2004/05 eine wesentliche Bestandsverschlechterung
eingeschätzt. Insgesamt kann ein hoher Wirkungsgrad der Maßnahme hinsichtlich der Sicherung der Lebens-
raumansprüche der Arten und der Erhaltung bestehender Wirtspflanzen- und Faltervorkommen bescheinigt
werden. Insofern scheint die Maßnahme in hohem Grade ihrer im EPLR formulierten Zielstellungen „Schutz
der gemäß FFH-Richtlinie zu erhaltenden Tagfalterarten (Heller und Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling)“
gerecht zu werden.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 54
Es bleibt jedoch abzuwarten, ob die Maßnahme in einem Umfang angenommen und wirksam wird, der zur
Verbesserung der Situation der Wiesenknopf-Ameisenbläulinge beitragen kann. Dies wäre zumindest dann
der Fall, wenn damit kleine Populationen gestärkt werden oder geeignete Habitate ohne aktuelle Nachweise
(wieder-)besiedelt werden könnten. Für Flächen mit ehemals intensiver Bewirtschaftung kann dies mit gewis-
ser Wahrscheinlichkeit angenommen werden, wenn die Flächen innerhalb eines Metapopulationverbundes
liegen. Immerhin zeigen alle Flächen, denen bisher ein guter Habitat- und Populationszustand attestiert wur-
de, eine 2010 zum Teil sehr deutliche Erhöhung der Individuenzahlen, auch wenn dies vermutlich zu einem
guten Teil auf den 2010 festgestellten allgemeinen positiven Trend der Populationsentwicklungen zurückzu-
führen ist. Dennoch zeigt dies die Potenziale zum Erhalt und zur Stärkung der Vorkommen der Ameisenbläu-
linge auf. Eine maßnahmekonforme Bewirtschaftung dürfte auf längere Sicht zeigen, auf welchen Standorten
schwer beeinflussbare Faktoren, wie z. B. hohe Grundwasserstände, für die geringe Größe von Beständen
verantwortlich sind. Auch andere Einflüsse, wie Einträge aus benachbarten Intensivnutzungsflächen oder Zer-
splitterung sowie Schwächung der Metapopulationsstrukturen auf benachbarten Habitatflächen können nicht
allein über die Anwendung der Fördermaßnahme vermindert oder ausgeschlossen werden. Aktuell besteht ein
weiteres Problem darin, dass viele bekannte Vorkommensflächen keiner Förderung unterliegen und anderer-
seits die Maßnahme G5 auf Flächen ohne Bezug zu Faltervorkommen gefördert wird. Hier besteht insbeson-
dere für den europaweit zu schützenden Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläuling, der sich in Sachsen in
schlechtem Erhaltungszustand befindet, hoher Lenkungsbedarf auf die wenigen noch vorhandenen tatsächli-
chen Vorkommen.
Ergebnisse und Diskussion – Biotoptypen/Lebensraumtypen und Flora
Auf 38 % der Untersuchungsflächen wurden Arten der Roten Listen Sachsens und Deutschlands kartiert. Da-
bei finden sich auf den meisten Flächen eine oder zwei Arten, auf je einer Fläche wurden drei, sechs und
18 Rote-Liste-Arten nachgewiesen. Letztgenannte Fläche wurde gleichzeitig als artenreiche Brenndolden-
Auenwiese kartiert. Auf insgesamt 26 der 32 Untersuchungsflächen wurde der FFH-Lebensraumtyp (LRT)
„Flachland-Mähwiese“ (6510) festgestellt. Einige der Flächen wurden aufgrund eines unterschiedlichen Zu-
stands des Lebensraumtyps noch in Teilflächen geteilt, sodass 30 (Teil-)Flächen mit LRT 6510 bewertet wur-
den.
Die Eignung der Maßnahme
Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht – Nutzungspause
(G5) für den Erhalt bzw. die Entwicklung des FFH-Lebensraumtyps „Flachland-Mähwiese“ (6510) wird positiv
eingeschätzt. Die Bewertung ergab auf 21 % der Flächen einen hervorragenden Zustand, auf 75 % der Teil-
flächen einen guten Erhaltungszustand, und auf 4 % (eine Fläche) einen mittleren bis schlechten Zustand.
Nach dem Frühschnitt konnte ein sehr guter Blütenaspekt im Sommer beobachtet werden. Durch die Lichtstel-
lung konnten niedrigwachsende Kräuter und Rosettenpflanzen in ihrer Entwicklung gefördert werden. Die
Maßnahmegestaltung zu Beginn der Förderperiode bis zur Modifikation ab 2010 ließ noch offen, ob der erste
Schnitt im Frühjahr oder Herbst durchgeführt werden musste. Unterbleibt auf wuchskräftigen Standorten je-
doch der erste frühe Schnitt, ist zu befürchten, dass der Pflanzenbestand vergrast und lichtliebende wertbe-
stimmende Kräuter ausgedunkelt und zurückgedrängt werden. Nach der Modifikation der Maßnahme ist nun
eine zweischürige Mahd vorgeschrieben, zuvor beantragte Flächen haben jedoch Bestandsschutz.
Auf drei der untersuchten Flächen in Nordwestsachsen wurde der FFH-Lebensraumtyp „Brenndolden-
Auenwiesen“ (6440) kartiert. Dieser Lebensraumtyp umfasst Grünlandgesellschaften auf wechselnassen bis
wechselfeuchten, sommertrockenen Auenstandorten. Auf allen drei Flächen wurde als größte Gefährdungsur-
sache die nur noch eingeschränkte Überflutungsdynamik genannt, weshalb der Lebensraumtyp „Brenndolden-
Auenwiesen“ (6440) auf die feuchteren Senken beschränkt bleibt. Auf den trockeneren Bereichen tendieren
die Vegetationsbestände zum FFH-Lebensraumtyp „Flachland-Mähwiesen“ (6510). Weil auf den Wiesen na-

image
Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 55
turschutzfachlich besonders wertvolle Pflanzenarten vorkommen, sollte dem Erhalt des FFH-Lebensraumtyps
„Brenndolden-Auenwiesen“ (6440) oberste Priorität eingeräumt werden. Inwieweit die Maßnahme (G5) dazu
geeignet ist, diesen FFH-Lebensraumtyp zu erhalten, kann erst nach Auswertung der Ergebnisse der Wieder-
holungsuntersuchungen genauer beurteilt werden. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass die Maßnahme
sich positiv auf den Erhaltungszustand auswirkt. Zum einen ist es auch bei diesem FFH-Lebensraumtyp güns-
tig, dass eine Abschöpfung von Biomasse auf den meist wüchsigen Auen-Standorten durch die frühe erste
Mahd stattfindet. Ein früher erster Schnitt zum Zeitpunkt des Ähren-/Rispenschiebens der Obergräser wird von
den meisten charakteristischen Pflanzenarten gut vertragen. Die Hauptblüte der Bestände liegt dann im Hoch-
sommer. Jedoch kann auch der Fall eintreten, dass Flächen mit hohem Grundwasserstand aufgrund ihrer
schlechten Befahrbarkeit bis zum 10. Juni nicht gemäht werden können. Bei einer dauerhaft späten und jähr-
lich einschürigen Mahd ist dann ein Ausbreiten von hochwüchsigen Gräsern wie Rohr-Glanzgras (
Phalaris
arundinacea
) oder Quecke (
Elymus repens
) zu befürchten. Dies war der Grund für die Anpassung der Maß-
nahme. Auch in der Literatur wird eine zweischürige Mahd der Wiesen als geeignete Maßnahme genannt (vgl.
BURKART et al. 2004; TISCHEW et al. 2010).
5.1.2
Maßnahme
Hutung mit Schafen und Ziegen (Dauergrünlandflächen)
(G7a) –Vegetation
Maßnahmeziele, Flächenauswahl und Methode
Mit der Maßnahme
Hutung mit Schafen und Ziegen (Dauergrünlandflächen)
(G7a) sollen laut EPLR vor allem
die biologische Vielfalt artenreicher, magerer Hutungen und Weiden mit ihren typischen Pflanzen- und Tierar-
ten erhalten werden (SMUL 2009). Ziel der Untersuchung war es demnach, die Auswirkungen einer Hutung
mit Schafen und ggf. Ziegen auf die Vegetationszusammensetzung der Förderflächen festzustellen. Die 29
Untersuchungsflächen verteilen sich in den Regionen Vogtland, West-Sachsen (Dreieck Eilenburg, Leisnig,
Ketzerbachtal) und Bergbaufolgelandschaft bei Hoyerswerda. Es wurden Flächen ausgewählt, für die in den
Naturschutzfachlichen Stellungnahmen die Zielstellungen „Sand- und Silikatmagerrasen“ (RS) oder „Trocken-
und Halbtrockenrasen“ (RH) genannt wurden. Weil in den einzelflächenbezogenen Zielstellungen weiterhin
„Grünland frischer Standorte“ (GM) sehr häufig genannt wird, stellen Flächen mit dieser Zielstellung den zwei-
ten Schwerpunkt für die Auswahl dar.
Abbildung 35: Blick auf eine G7a-Fläche
Foto: K. Landgraf, Archiv Naturschutz LfULG

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 56
Die Untersuchungen erfolgten im Jahr 2010 auf 23 Förderflächen der Maßnahme
Naturschutzgerechte Be-
weidung – Hutung mit Schafen und Ziegen auf Dauergrünlandflächen
(G7a). Außerdem wurden als Ver-
gleichsflächen zwei Flächen der Maßnahme
Extensive Grünlandwirtschaft – Weide
(G1a), drei Flächen der
Maßnahme
Naturschutzgerechte Beweidung mit später Erstnutzung
(G6) und eine Fläche ohne Förderung (I)
untersucht. Die Flächen der Maßnahme G1a und G6 wurden hinzugezogen, um Vergleichsflächen für die
G7a-Flächen mit dem Ziel „Sand- und Silikatmagerrasen“ (RS) bzw. „Trocken- und Halbtrockenrasen“ (RH) zu
haben (SÄNGER 2010; RICHTER & LANDGRAF 2010; KRÜGER et al. 2010). Außerdem dienen die in den Detailun-
tersuchungen kartierten 33 Flächen der Maßnahme
Naturschutzgerechte Beweidung mit später Erstnutzung
(G6) als Vergleichsflächen für die Flächen mit der Zielstellung „Grünland frischer Standorte“ (GM) bzw. für die
Zielstellung „Trockenrasen“. Auf sechs Flächen (5 Flächen mit Maßnahme G7a und 1 Vergleichsfläche ohne
Förderung) wurden die Vegetationsaufnahmen der NAK-Einzelfallstudie Hüteschafhaltung (Dauergrünland)
(SCHLUMPRECHT et al. 2002) wiederholt. Bei den anderen Flächen stellen die hier vorgestellten Untersuchun-
gen die Ersterfassung dar. Dort fanden 2013 Wiederholungsuntersuchungen statt
3
.
Bei den Untersuchungen wurden die in Tabelle 13 aufgeführten Methoden angewendet.
Tabelle 13: Untersuchungsbestandteile und Methoden der Einzelfallstudie Hutung Dauergrünland
Untersuchungs-
bestandteil
Methoden
Standardparameter
Kontaktbiotope: an die Fläche angrenzende Biotope mit Anteil an der Außengrenze (kategorisiert)
Tatsächliche Bewirtschaftung der Fläche: Während der Kartiersaison erkennbare Nutzung der Fläche
Biotop- und FFH-
Lebensraumtypen
Biotoptypen: Erfassung auf der Gesamtfläche gemäß Kartieranleitung zur Biotopkartierung in Sachsen (Stand
April 2009), erweitert um die potentiell wertvollen Biotope.
FFH-Lebensraumtypen (LRT): Ermittlung auf der Gesamtfläche entsprechend des sächsischen Kartier- und
Bewertungsschlüssels für Offenland-Lebensraumtypen, erweitert um die LRT-Entwicklungsflächen. Gutachterli-
che Bewertung entsprechend der Bewertungsschlüssel für Offenland-Lebensraumtypen für die Kriterien Le-
bensraumtypische Strukturen, Lebensraumtypisches Arteninventar, Beeinträchtigungen sowie Gesamtbewer-
tung des Erhaltungszustandes in den Kategorien A (hervorragend), B (gut) und C (mittel bis schlecht).
Flora
Kartierung der Gesamtfläche bzw. bei Flächen von mehr als 2 bis 3 ha in einem 1 ha großen, repräsentativen
Ausschnitt
Halbquantitative Erfassung der Arten der Roten Listen Sachsens und Deutschlands
Vegetationsaufnah-
men
2 Vegetationsaufnahmen von 25 qm je Untersuchungsfläche, Vegetationsaufnahme A im repräsentativen Be-
reich, Vegetationsaufnahme B im Übergangsbereich
Erfassung der Arten mit Deckungen entsprechend der um 2m, 2a und 2b erweiterten Braun-Blanquet-Skala
Benennung der Vegetationseinheiten nach BÖHNERT et al. (2001)
Ergebnisse und Diskussion
Weil die Flächen im NSG Großer Weidenteich bereits 2002 und 2006 untersucht wurden und somit Aussagen
zur Entwicklung dieser Flächen möglich sind, werden sie auch vertieft ausgewertet (s. u.).
Erwartungsgemäß ist die Gesamtartenzahl der Vegetationsaufnahmen, abhängig vom Biotoptyp, unterschied-
lich hoch. Die höchsten Artenzahlen finden sich im Mittel mit 32 Arten auf den „Trocken- und Halbtrockenra-
sen“ (RH) der gehuteten Flächen (in 50 % der Aufnahmen bewegen sich die Arten in der Spanne von 28 bis
39). Auf den Flächen mit der Maßnahme G6 liegen die Artenzahlen mit 27 bzw. 30 etwas darunter. Entspre-
3
Bei Redaktionsschluss lag noch keine Auswertung der Wiederholungsuntersuchungen vor.

image
Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 57
chend der Bodenverhältnisse und der klimatischen Bedingungen sind Trocken- und Halbtrockenrasen in
Sachsen sehr selten und meist nur kleinflächig ausgebildet. Halbtrockenrasen sind nach der Roten Liste
Sachsens von vollständiger Vernichtung bedroht und zählen nach § 26 SächsNatSchG zu den besonders
geschützten Biotopen. Wie auch die Untersuchungen zeigen, zählen sie zu den artenreichen Pflanzengesell-
schaften mit überdurchschnittlich vielen seltenen und gefährdeten Arten (s. Abbildung 36).
Bei dem ebenfalls nach § 26 SächsNatSchG geschützten Biotoptyp „Sand- und Silikatmagerrasen“ (RS) han-
delt es sich meist um artenarme Gesellschaften, was auch die Artenzahl der untersuchten Fläche widerspie-
gelt. Dort liegt das Mittel der Artenzahlen bei 14, wobei sich 50 % der Aufnahmen in der Spanne von 13 bis
18 Arten bewegen. Hier liegen die Erfassungen sowohl bei den Flächen der Maßnahme G6 als auch bei G1a
über den Artenzahlen der gehuteten Flächen.
Im mittleren Bereich liegen die Artenzahlen des extensiven Grünlands, wobei unter diese Gruppe vor allem
Flächen mit den Biotoptypen „magere Frischwiese“ (GMM) und „sonstige extensiv genutzte Frischwiese“
(GYM) gefasst sind, aber auch einige wenige Flächen mit dem Biotoptyp „sonstiges artenreiches Feuchtgrün-
land“ (GFY). In 50 % der Aufnahmen liegt die Spanne der Arten hier zwischen 17 und 27, das Mittel beträgt
21 Arten. Die Anzahl der Arten der Flächen mit der Maßnahme G6, die im Rahmen der Detailuntersuchungen
erfasst wurden, liegen etwas unter denen der Maßnahme G7a. Das Mittel liegt dort bei 19 Arten, bei 50% der
Aufnahmen reicht die Spanne von 16 bis 22 Arten (s. Abbildung 36).
Ein Vergleich von Flächen, auf denen der Biotoptyp „Sand- und Silikatmagerrasen“ (RS) bzw. „Trocken- und
Halbtrockenrasen“ (RH) festgestellt wurde und die durch die Maßnahme G6 bewirtschaftet werden, ist auf-
grund der geringen Flächenzahl (je 1 Fläche) nicht sinnvoll.
Abbildung 36: Anzahl Arten der Vegetationsaufnahmen der Einzelfallstudie Hutung Dauergrünland
sowie der Detailuntersuchungen Grünland
G7a: Hutung mit Schafen und Ziegen von Dauergrünlandflächen; G6: Naturschutzgerechte Beweidung mit später Erstnutzung; G1a:
Extensive Grünlandwirtschaft – Weide
Artenzahl

image
Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 58
Während auf den Flächen mit extensiv genutzem magerem Grünland bei allen Maßnahmen vergleichsweise
wenige (1-3) Rote-Liste-Arten nachgewiesen werden konnten, wurden auf fast allen (1 Ausnahme) gehuteten
Flächen (G7a) mit „Sand- und Silikatmagerrasen“ (RS) zwischen einer und vier Rote-Liste-Arten gefunden,
obwohl dort die Gesamtartenzahl geringer ist. Überdurchschnittlich viele Rote-Liste-Arten (bis zu 14) wurden
auf den gehuteten Flächen mit „Trocken- und Halbtrockenrasen“ (RH) festgestellt, wobei sich darunter mit
Bologneser Glockenblume (
Campanula bononiensis
), Wiesen-Kuhschelle (
Pulsatilla pratensis
) und Violetter
Königskerze (
Verbascum phoeniceum
) auch drei in Sachsen vom Aussterben bedrohte Arten befinden, die
dieser besonders angepassten Bewirtschaftung bedürfen.
Von den naturschutzgerecht (G6) und extensiv (G1a) beweideten Flächen wurde jeweils nur auf einer Fläche
„Sand- und Silikatmagerasen“ festgestellt, wobei davon nur die extensiv beweidete Fläche eine Rote-Liste-Art
aufwies. Auf der Fläche mit der Maßnahme G6 auf Trocken- und Halbtrockenrasen konnten sechs Rote-Liste-
Arten gefunden werden (u. a. auch Violette Königskerze (
Verbascum phoeniceum
)) (vgl. Abbildung 37).
Abbildung 37: Anteil der Rote-Liste-Arten der Einzelfallstudie Hutung Dauergrünland sowie der Detail-
untersuchungen Grünland
mit Angabe der Anzahl der untersuchten Flächen
G7a: Hutung mit Schafen und Ziegen von Dauergrünlandflächen; G6: Naturschutzgerechte Beweidung mit später Erstnutzung; G1a:
Extensive Grünlandwirtschaft – Weide
Entscheidend für den Erfolg der Maßnahme sind vor allem auf den mageren Standorten eine auf die Zie-
le/Zielarten abgestimmte Durchführung der Beweidung sowie ein ausreichender Umgebungsschutz. So muss
durch eine geeignete Weideführung auf eine ausreichende Abschöpfung des Aufwuchses, besonders auch an
schwer zugänglichen Bereichen wie Steilhängen, geachtet werden, um eine Verbuschung und Verbrachung
zu verhindern. Ein zu später Beweidungszeitpunkt kann die Ursache für das Aufkommen von Störungszeigern
wie Landreitgras (
Calamagrostis epigejos
) sein.
Sowohl für die Halbtrockenrasen als auch für die Sand- und Silikatmagerrasen zählen die Aufgabe oder eine
Intensivierung der Nutzung zu den Hauptgefährdungsursachen. Hier kann durch die Förderung der Hüte-
schafhaltung eine ansonsten wenig rentable Nutzung der Flächen attraktiver gestaltet und so eine Nutzungs-

image
Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 59
auflassung verhindert werden. Besonders auf großen Flächen mit (sehr) geringem Aufwuchs kann bei einer
Bewirtschaftung durch die Maßnahme G7a relativ flexibel auf die Aufwuchsmengen reagiert werden. Dies
betrifft vor allem die Flächen in der Bergbaufolgelandschaft bei Hoyerswerda.
Auf wüchsigeren Standorten scheint die Hüteschafhaltung weniger erfolgreich, weil die Tiere den gesamten
Aufwuchs kaum verwerten können und deshalb den Bestand eher niedertreten als beweiden. Hier werden aus
den Wiederholungserfassungen erste Aussagen zu Tendenzen zur Entwicklung des Pflanzenbestands erwar-
tet.
Ergebnisse der Wiederholungsuntersuchung der NAK-Einzelfallstudie Hüteschafhaltung
Ein Teil der Einzelfallstudie umfasst Wiederholungsuntersuchungen von Vegetationsaufnahmen im NSG und
FFH-Gebiet „Großer Weidenteich“. Dort waren in den Jahren 2002 und 2006 im Rahmen der Einzelfallstudie
„Hüteschafhaltung“ der Begleituntersuchungen zum Programm NAK auf vier entsprechend bewirtschafteten
Flächen und auf zwei Vergleichsflächen ohne Förderung jeweils zwei Dauerbeobachtungsflächen angelegt
worden. Eine der beiden Vergleichsflächen wird mittlerweile ebenfalls in der Maßnahme gefördert (Fläche
M[V]).
Die Artenzahl je Vegetationsaufnahme stieg auf den durchgängig gehuteten Flächen von im Mittel 25 Arten im
Jahr 2002 auf 39 Arten im Jahr 2010. Auf der intensiv genutzten, aktuell noch bestehenden Vergleichsfläche
nahm im gleichen Zeitraum die Artenzahl von 15 auf 18 Arten zu. Die Artenzahlen der zweiten Vergleichsflä-
chen lagen bei den ersten beiden Durchgängen im Mittel bei 17 Arten, nach Beginn der Förderung mit der
Maßnahme
Naturschutzgerechte Beweidung – Hutung mit Schafen und Ziegen von Dauergrünlandflächen
(G7a) erhöhten sie sich auf 23 Arten (s. Abbildung 38).
Abbildung 38: Entwicklung der Artenzahlen pro Vegetationsaufnahme im NSG Großer Weidenteich
M: Flächen der Maßnahme
Naturschutzgerechte Beweidung – Hutung mit Schafen und Ziegen von Dauergrünlandflächen
(G7a); V:
Vergleichsfläche ohne Förderung; M (V) – frühere Vergleichsfläche, jetzt in der Förderung
Im NSG und FFH-Gebiet „Großer Weidenteich“ ist die dort vorhandene Vogtländische Diabasmagerweide zu
erhalten und zu entwickeln. Diese gehört zum FFH-Lebensraumtyp „Kalk-Trockenrasen – Submediterrane
Artenzahl

image
Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 60
Halbtrockenrasen“ (6210). Dabei handelt es sich um eine Magerweide, die traditionell extensiv von Schafen
beweidet wird und im wärmebegünstigten mittelvogtländischen Kuppenland über kalkarmen, aber basenrei-
chen flach- bis tiefgründigen Böden auftritt. Im Managementplan (MaP) für das FFH-Gebiet wird eingeschätzt,
dass „die bezeichnenden Arten der Diabasmagerweide im Gebiet auch das Potenzial [haben], sich – und da-
mit die LRT-Fläche – bei extensiver und regelmäßiger Schafhutung auszubreiten“ (BÖHNERT et al. 2010).
Eine Auswertung der Vegetationsaufnahmen zeigt, dass 2010 auf fast allen (1 Ausnahme) untersuchten Di-
abasmagerweiden- (Entwicklungs-) Flächen im Vergleich zu 2002 mindestens eine lebensraumtypische Pflan-
zenart mehr gefunden wurde und stützt damit die o. g. Aussage des MaP. Auf den einzelnen Flächen wurden
lebensraumtypische Arten in einer Spanne von 0 bis 12 festgestellt (s. Abbildung 39). Dazu zählen nur Arten
des Grundarteninventars, wie z. B. Kleine Bibernelle (Pimpinella
saxifraga
), Zypressenwolfsmilch (
Euphorbia
cyparissias
), Hornklee (
Lotus corniculatus
), Knolliger Hahnenfuß (
Ranunculus bulbosus
), Gewöhnliches
Kreuzblümchen (
Polygala vulgaris
), Zierliches Labkraut (
Galium pumilum
) und Quendel (
Thymus pulegioides
).
Abbildung 39: Entwicklung der für den FFH-Lebensraumtyp „Kalk-Trockenrasen“ (LRT 6210) typi-
schen Arten pro Vegetationsaufnahme (A und B) im NSG Großer Weidenteich
M: Flächen der Maßnahme Naturschutzgerechte Beweidung – Hutung mit Schafen und Ziegen von Dauergrünlandflächen (G7a); V:
Vergleichsflächen ohne Förderung; M (V) – frühere Vergleichsfläche, jetzt in der Förderung; Auf der intensiv genutzten Vergleichsfläche
(V) und der Vegetationsaufnahme B der aktuell geförderten, früheren Vergleichsfläche (M(V)) konnten keine typischen Arten des LRT
6210 festgestellt werden, weshalb sie nicht abgebildet werden.
Ein ähnliches Bild bietet die Auswertung der Vegetationsaufnahmen hinsichtlich der für den FFH-
Lebensraumtyp „Flachland-Mähwiesen“ (6510) typischen Arten. Diese Arten haben zwischen 2002 und 2010
im Mittel um 4 Arten zugenommen, auf einer Fläche sogar um 11 Arten. Hinzugekommen sind auf den Flä-
chen z. B. Wilde Möhre (
Daucus carota
), Wiesenhafer (
Helictotrichon pubescens
), Wiesen-Witwenblume
(
Knautia arvensis
), Wiesen-Bocksbart (
Tragopogon pratensis
) und Kleiner Klee (
Trifolium dubium
). Auch auf
der intensiv genutzten Vergleichsfläche haben die lebensraumtypischen Arten im Vergleichszeitraum leicht
zugenommen, weil nur in geringen Mengen bzw. nicht gedüngt wird und die Fläche somit auch aufgrund der
häufigen Schnittnutzung ausmagert. Jedoch liegen die Artenzahlen deutlich unter denen der Förderflächen
und es handelt sich bei den hinzugekommenen Arten auch um Gräser wie Knaulgras (
Dactylis glomerata
),

image
Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 61
Rotes Straußgras (
Agrostis capillaris
), Wiesen-Rispengras (
Poa pratensis
) und Wiesen-Pippau (
Crepis bien-
nis
) (vgl. Abbildung 40).
Auch in Pflanzenbeständen können jahresbedingte Schwankungen auftreten, vor allem wenn sich der Pflan-
zenbestand nach Änderung der Bewirtschaftung noch in der Entwicklung befindet. So wurden zum Beispiel
auf einigen Flächen der Einzelfallstudie im zweiten Erfassungsdurchgang weniger Arten festgestellt als zu
Beginn der Untersuchungen. Bei der Wiederholungserfassung 2010 haben die Artenzahlen dann wieder zu-
genommen.
Abbildung 40: Entwicklung der für den FFH-Lebensraumtyp „Flachland-Mähwiesen“ (LRT 6510) typi-
schen Arten pro Vegetationsaufnahme (A und B) im NSG Großer Weidenteich
M: Flächen der Maßnahme Naturschutzgerechte
Beweidung – Hutung mit Schafen und Ziegen von Dauergrünlandflächen
(G7a); V:
Vergleichsfläche ohne Förderung; M (V) – frühere Vergleichsfläche, jetzt in der Förderung
5.1.3
Maßnahme
Hutung mit Schafen und Ziegen (Heideflächen)
(G7b) –Tagfalter, Heuschrecken
und Vegetation
Maßnahmeziele, Flächenauswahl und Methode
Mit der Maßnahme
Hutung mit Schafen und Ziegen (Heideflächen)
(G7b) soll laut EPLR vor allem die biologi-
sche Vielfalt artenreicher, magerer Hutungen und Weiden mit ihren typischen Pflanzen- und Tierarten erhalten
werden. Einen besonderen Schwerpunkt stellt die Nutzung von FFH-Lebensraumtypen, u. a. trockene Heiden,
Binnendünen mit Sandheiden und Binnendünen mit offenen Grasflächen dar. Darüber hinaus sollen mit dieser
Maßnahme die Lebensräume verschiedener zu schützender Arten einschließlich Arten gemäß Anhang I der
Vogelschutzrichtlinie (z. B. Heidelerche, Brachpieper, Ziegenmelker) gesichert werden (SMUL 2009).
Im Naturschutzgebiet „Gohrischheide und Elbniederterrassen bei Zeithain“ kommt die Maßnahme in großem
Umfang zur Anwendung, weshalb hier Flächen für die Untersuchungen ausgewählt wurden. Dabei wurden im
Jahr 2010 Untersuchungen auf Flächen wiederholt (BUDER et al. 2010), die bereits im Rahmen der natur-
schutzfachlichen Begleitung für das Programm NAK durchgeführt wurden (WEIGEL et al. 2004). Ziel der Unter-
suchungen ist die Beurteilung der Wirkung der Schafhutung auf Sandheideflächen im Vergleich zu ungehute-
ten, d. h. brachliegenden Flächen.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 62
Im Rahmen der NAK-Begleitung wurden auf jeweils 4 gehuteten Flächen und 2 nicht gehuteten Vergleichsflä-
chen in den Jahren 2002 und 2004 Untersuchungen durchgeführt. Diese Dauerflächen wurden 2010 erneut
mit erfasst und ergänzt, sodass insgesamt 5 gehutete Förderflächen und 3 nicht gehutete Vergleichsflächen
untersucht wurden.
Neben der Kartierung der Vegetation wurden auch Heuschrecken sowie Tagfalter und Widderchen halbquan-
titativ erfasst. Die einzelnen Untersuchungsbestandteile sind in Tabelle 14 aufgeführt.
Tabelle 14: Untersuchungsbestandteile und Methoden der Einzelfallstudien Hüteschafhaltung (NAK)
und
Hutung mit Schafen und Ziegen - Hutung von Heideflächen
(G7b) (RL AuW/2007)
Untersuchungs-
bestandteile
Methoden
Biotop- und FFH-
Lebensraumtypen
Biotoptypen: gemäß Kartieranleitung zur Biotopkartierung in Sachsen (LfUG 1998 /2003), Schätzung der
Flächenanteile an der gesamten Untersuchungsfläche in Prozent (nur 2002, 2004);
FFH-Lebensraumtypen (LRT): Ermittlung auf der Gesamtfläche entsprechend des sächsischen Kartier- und
Bewertungsschlüssels für Offenland-Lebensraumtypen, erweitert um die LRT-Entwicklungsflächen. Gut-
achterliche Bewertung entsprechend der Bewertungsschlüssel für Offenland-Lebensraumtypen für die
Kriterien Lebensraumtypische Strukturen, Lebensraumtypisches Arteninventar, Beeinträchtigungen sowie
Gesamtbewertung des Erhaltungszustandes in den Kategorien A (hervorragend), B (gut) und C (mittel bis
schlecht).
Flora
halbquantitative Erfassung der Arten der Roten Listen Sachsens und Deutschlands auf der gesamten
Untersuchungsfläche;
mindestens zwei Begehungen (2010 nur eine Begehung);
Kartierung auf Artebene, Angabe von Subspezies im Falle indikatorischer Relevanz.
Vegetation
Einrichtung von Dauerflächen (ca. 50 qm, mittels GPS eingemessen, mit Erdmagneten markiert);
Erfassung der Arten mit Deckungen entsprechend der um 2m, 2a und 2b erweiterten Braun-Blanquet-
Skala; Benennung der Vegetationseinheiten nach BÖHNERT et al. (2001).
Heuschrecken
Erfassung über Verhören, Sichtbeobachtung und Kescherfang auf der Gesamtfläche;
2002, 2004: 4 Begehungen (1 x Frühjahr, 3 x Spätsommer im Abstand von ca. 14 Tagen);
2010: 6 Begehungen à1 h auf ca. 1 ha UF (2 x Mitte Mai bis Ende Juni sowie 4 x Anfang August bis Mitte
September) unter Beachtung verschiedener Aktivitätszeiten und der Bewirtschaftungstermine sowie bei
geeigneten Witterungsbedingungen
Häufigkeitsschätzung der Arten nach vorgegebenen Abundanzklassen
Tagfalter/Widderchen
Erfassung über Sichtbeobachtung und Kescherfang auf der Gesamtfläche;
6 Begehungen à1 h auf ca. 1 ha UF (je 1 x Mitte April/Mitte Mai und 5 x Ende Mai bis Mitte September)
unter Berücksichtigung phänologischer Aspekte und der Bewirtschaftungstermine bei geeigneter Witterung;
Häufigkeitsschätzung der Arten nach vorgegebenen Abundanzklassen.
Ergebnisse und Diskussion - Vegetation und Flora
Durch die Wiederholungsuntersuchungen können Aussagen über die Auswirkungen der Schafbeweidung über
einen längeren Zeitraum getroffen werden. Ein Zeitreihenvergleich ist für alle gehuteten Flächen, jedoch nur
auf einer der Vergleichsflächen möglich (die zweite sowohl 2002/2004 als auch 2010 erfasste Vergleichsflä-
che wurde 2010 ebenfalls beweidet). Alle Analysen der Entwicklung der ungenutzten Vergleichsfläche im Ver-
gleich zu den Maßnahmeflächen unterliegen deshalb der Einschränkung, dass Ergebnisse von nur einer Un-
tersuchungsfläche keine Verallgemeinerung zulassen.

image
Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 63
Im NSG und FFH-Gebiet „Gohrischheide und Elbniederterrassen bei Zeithain“ stellt der FFH-Lebensraumtyp
„Trockene Heiden“ (4030), der dem Biotoptyp „Trockene Sandheiden“ (HZS) entspricht, den Lebensraumtyp
mit der größten Flächenausdehnung dar (RANA 2006). Ein Schwerpunkt der Bewirtschaftungsziele ist deshalb
der Erhalt und die Entwicklung dieses Lebensraumtyps. Der Vergleich des Anteils des LRT „Trockene Heiden“
(4030) an den Untersuchungsflächen ergab, dass dieser sich auf fast allen (1 Ausnahme) beweideten Flächen
zwischen 2002 und 2010 entweder halten oder vergrößern konnte. Zwischen den einzelnen Flächen ist die
Verbreitung dieses LRT sehr unterschiedlich, sodass keine verallgemeinerbaren Aussagen möglich sind. Auf
der bereits 2002 unbeweideten Vergleichsfläche nahm dagegen der Flächenanteil des LRT „Trockene Heiden“
(4030) um 25 % ab (s. Abbildung 41). Der Zeitreihenvergleich der weiteren Biotoptypen auf den Flächen zeigt,
dass die „Ruderalen Landreitgrasfluren“ (LRT), die 2002 auf der ungenutzten Vergleichsfläche nicht vorka-
men, dort nun ein Viertel der Fläche einnehmen. Auf einer gehuteten Fläche konnte ihr Anteil von 95 % auf
50 % zurückgedrängt werden, auf den weiteren Maßnahmeflächen nahmen sie dagegen leicht zu.
Vorwaldstadien wurden nur bei einer der neu aufgenommenen Vergleichsfläche in größerem Ausmaß festge-
stellt (vgl. Abbildung 41). In der Regel werden auf den Förderflächen größere Gehölze manuell entfernt, die
Beweidung bewirkt nur ein Unterdrücken neu aufwachsender Gehölze.
Abbildung 41: Entwicklung der Biotoptypenanteile auf den Untersuchungsflächen der Einzelfallstudie
Hutung (Heideflächen)
M: Flächen der Maßnahme
Naturschutzgerechte Beweidung – Hutung mit Schafen und Ziegen von Heideflächen
(G7b); V: Vergleichsflä-
chen ohne Förderung; M (V) – frühere Vergleichsfläche, jetzt in der Förderung
Insgesamt befinden sich auf allen Untersuchungsflächen die Vorkommen des LRT „Trockene Heiden“ (4030)
in gutem Erhaltungszustand (B). Die lebensraumtypischen Strukturen sind sehr gut (A) bis gut (B) ausgeprägt.
Lebensraumtypische Arten finden sich auf allen untersuchten Flächen in hoher Zahl, jedoch fehlen selte-
ne/besondere Arten, weshalb die Flächen nur mit „B“ bewertet werden konnten. Sehr unterschiedlich wurde
der Erhaltungszustand der Flächen hinsichtlich der Beeinträchtigung eingeschätzt (vgl. Tabelle 15).

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 64
Tabelle 15: Bewertung der 2010 erfassten LRT Trockene Heiden (LRT 4030) auf den 1 ha großen Maß-
nahmeflächen (M) und Vergleichsflächen (V) der Einzelfallstudie Hutung (Heideflächen)
A: hervorragender Erhaltungszustand, B: guter Erhaltungszustand, C: Erhaltungszustand mittel bis schlecht
Nummer Referenzfläche
V1
V2
V3
M1
M2
M3
M4
M5(V)
Anteil LRT an der Referenzfläche [%]
70
100
60
50
40
80
100
50
Bewertung lebensraumtypische Strukturen
B
B
B
B
B
B
B
A
Bewertung lebensraumtypische Arten
B
B
B
B
B
B
B
B
Beeinträchtigungen
C
B
B
A
B
A
A
B
Erhaltungszustand
B
B
B
B
B
B
B
B
Die häufigste Beeinträchtigung der Untersuchungsflächen ist ein vermehrtes Auftreten von Landreitgras
(
Calamagrostis epigejos
). Im Rahmen der Einzelfallstudie wurde festgestellt, dass die Schafe die Bestände
von abgestorbenem Heidekraut meiden und demzufolge in diesen Bereichen auch das Landreitgras nicht
mehr verbeißen (BUDER et al. 2010). Insofern kann auch von einem vermehrten Auftreten von Landreitgras im
Zusammenhang mit überalterten Heidebeständen auf den beweideten Flächen ausgegangen werden. Auf den
nicht beweideten Flächen ist außerdem ein stärkerer Gehölzaufwuchs als Gefährdung des LRT „Trockene
Heiden“ zu sehen, langfristig würde eine Entwicklung zu Wald den LRT verdrängen.
Auf fast allen beweideten Flächen (1 Ausnahme) haben die Artenzahlen der Vegetationsaufnahmen im Ver-
gleich von 2002 zu 2010 zugenommen. Dabei ist die Entwicklung auf den einzelnen Untersuchungsflächen
unterschiedlich. Während sich die Artenzahl auf den Maßnahmeflächen erhöht, teilweise sogar verdoppelt hat,
nahm dagegen im gleichen Zeitraum die Artenzahl der seit 2002 ungenutzten Vergleichsfläche um vier Arten
ab. Im Vergleich von gehuteten Flächen und nicht beweideten Vergleichsflächen lässt sich jedoch feststellen,
dass auf den gehuteten Flächen im Mittel vier Arten mehr in den Vegetationsaufnahmen 2010 kartiert wurden
(s. Abbildung 42).

image
Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 65
Abbildung 42: Entwicklung der Artenzahlen pro Vegetationsaufnahme (50 m²) von 2002 bis 2010 auf
den Untersuchungsflächen der Einzelfallstudie Hutung Heideflächen
M: Flächen der Maßnahme
Naturschutzgerechte Beweidung – Hutung mit Schafen und Ziegen von Heideflächen
(G7b); V: Vergleichsflä-
chen ohne Förderung; M (V) – frühere NAK -Vergleichsfläche, aktuell in AuW-Förderung
In den Vegetationsaufnahmen konnte auf allen Flächen, auch auf der ungenutzten Vergleichsfläche, eine Zu-
nahme der für den FFH-Lebensraumtyp „Trockene Heiden“ (4030) typischen Arten festgestellt werden. Auf
allen Flächen kommen beständig das Heidekraut (
Calluna vulgaris
) und die Draht-Schmiele (
Deschampsia
flexuosa
) vor. Außerdem sind Rot-Straußgras (
Agrostis capillaris
), Borstgras (
Nardus stricta
), Kleines Ha-
bichtskraut (
Hieracium pilosella
) und Gewöhnliches Ferkelkraut (
Hypochaeris radicata
) in fast allen Vegetati-
onsaufnahmen stetig. Während jedoch auf der ungenutzten Vergleichsfläche nur eine Zunahme von zwei typi-
schen Arten festgestellt werden konnte, sind bei fast allen Maßnahmeflächen (1 Ausnahme) mindestens vier
(max. 6) Arten hinzugekommen (u. a. Haar-Schafschwingel [
Festuca filiformis]
, Gewöhnliches Habichtskraut
[
Hieracium lachenalii]
, Frühlings-Spark [
Spergula morisonii]
, Bauernsenf [
Teesdalia nudicaulis]
).

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Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 66
Abbildung 43: Entwicklung der Anzahl der für den FFH-Lebensraum „Trockene Heiden“ typischen
Arten (ohne Kryptogamen) pro Vegetationsaufnahme (50 m²) von 2002 bis 2010 auf den Untersu-
chungsflächen der Einzelfallstudie Hutung Heideflächen
M: Flächen der Maßnahme
Naturschutzgerechte Beweidung – Hutung mit Schafen und Ziegen von Heideflächen
(G7b); V: Vergleichsflä-
chen ohne Förderung; M (V) – frühere Vergleichsfläche, jetzt in der Förderung
Das Vorkommen der Rote-Liste-Arten der Pflanzen hat sich im Verlauf der Untersuchungsjahre verändert.
Zwei Arten der Roten Liste Sachsen, Kategorie 3, konnten 2010 nicht mehr bestätigt werden. 2002 und 2004
wurde auf M4 die Zweizeilige Segge (
Carex disticha
) und auf M5(V) Purgier-Lein (
Linum catharticum
) festge-
stellt. Dafür gelang mit dem Heide-Günsel (
Ajuga genevensis
) der Nachweis einer neuen Rote Liste Art (RLS,
Kategorie 3) auf der Fläche M5(V). Bei den Arten der Vorwarnliste hat sich auf den Maßnahmeflächen im Mit-
tel die Anzahl von zwei auf vier erhöht, auf den ungenutzten Vergleichsflächen wurde im Mittel nur eine Art
festgestellt. Arten der Vorwarnliste, die 2010 festgestellt wurden, sind Frühe Haferschmiele (
Aira praecox
),
Kleines Filzkraut (
Filago minima
), Kleiner Vogelfuß (
Ornithopus perpusillus
), Triften-Knäuel (
Scleranthus poly-
carpos
), Bauernsenf (
Teesdalia nudicaulis
) und Mäuseschwanz-Federschwingel (
Vulpia myurus
).
Ergebnisse und Diskussion – Fauna
Die Zahl der insgesamt auf den Untersuchungsflächen nachgewiesenen Arten hat sich bei den Tagfaltern
über die Jahre von 12 Arten (2002) über 21 Arten (2004) auf 28 Arten (2010) erhöht. Die Entwicklung der Ar-
tenzahlen auf den einzelnen Untersuchungsflächen ist dagegen sehr unterschiedlich verlaufen (s. Abbildung
44). Die Zahl der insgesamt erfassten Heuschreckenarten ist von 20 Arten (2002 und 2004) auf 17 Arten zu-
rückgegangen (2010), (s. Abbildung 45). Bei der Zahl der angetroffenen Rote-Liste-Arten (Tagfalter und Heu-
schrecken) besteht eine steigende Tendenz (s. Tabelle 16).

image
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Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 67
Abbildung 44: Entwicklung der Tagfalter-Artenzahlen von 2002, 2004 und 2010 auf den Untersu-
chungsflächen der Einzelfallstudie Hutung Heideflächen
M: Flächen der Maßnahme
Naturschutzgerechte Beweidung – Hutung mit Schafen und Ziegen von Heideflächen
(G7b); V: Vergleichsflä-
chen ohne Förderung; M (V) – frühere Vergleichsfläche, jetzt in der Förderung
Abbildung 45: Entwicklung der Heuschrecken-Artenzahlen von 2002, 2004 und 2010 auf den Untersu-
chungsflächen der Einzelfallstudie Hutung Heideflächen
M: Flächen der Maßnahme
Naturschutzgerechte Beweidung – Hutung mit Schafen und Ziegen von Heideflächen
(G7b); V: Vergleichsflä-
chen ohne Förderung; M (V) – frühere Vergleichsfläche, jetzt in der Förderung

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 68
Tabelle 16: Anzahl Rote-Liste-Arten Tagfalter und Heuschrecken 2002, 2004 und 2010 auf den Unter-
suchungsflächen der Einzelfallstudie Hutung Heideflächen
Anzahl RL-Arten
Tagfalter
Anzahl RL-Arten
Heuschrecken
2002
2
4
2004
2
4
2010
5
5
2002, 2004, 2010 gesamt
5
5
Bei Betrachtung der Lebensraumansprüche der nachgewiesenen Arten lassen sich folgende Tendenzen er-
kennen:
Durchgängig konstant auf allen Hutungsflächen und mit zunehmenden Individuenzahlen wurden als typische
Tagfalterart nicht zu trockener Sandmagerrasen das Kleine Wiesenvögelchen (
Coenonympha pamphilus
) und
als hervorzuhebende Heide-Charakterart der Geißklee-Bläuling (
Plebeius argus
) erfasst. Die Raupennah-
rungspflanze des Geißklee-Bläulings ist Heidekraut. Erstmals 2010 konnte als weitere Heide-Charakterart das
Heide-Grünwidderchen (
Rhagades pruni
) auf drei Untersuchungsflächen nachgewiesen werden, dessen Rau-
pen sich ebenfalls von Heidekraut ernähren. Der Eisenfarbige Samtfalter (
Hipparchia statilinus
), eine landes-
und bundesweit vom Aussterben bedrohte Art, war für das Gebiet zwar bekannt, konnte aber erstmals 2010
auf einer Untersuchungsfläche erfasst werden. Sein Vorkommen ist an den Übergangsbereich zwischen Kie-
fernwald und Rohbodenoffenland gebunden (RHEINHARDT et al. 2007). Weiterhin konnten zwar auf den Unter-
suchungsflächen auch einzelne Arten mit Vorkommen auf Rohbodenflächen sehr frühen Sukzessionsstadi-
ums, Silbergrasfluren, Magerrasen und offene Sandheiden erstmals beobachtet werden, wie Komma-
Dickkopffalter (
Hesperia comma
), daneben sind von 2002 bis 2010 jedoch auch rückläufige Nachweise für
Arten der Silbergras-Sandmagerrasen, Pionierrasen und jungen Brachen zu verzeichnen, wie Kleiner Sonnen-
röschen-Bläuling (
Polyommatus agestis
), Schwarzkolbiger Braun-Dickkopffalter (
Thymelicus lineola
) und
Braunkolbiger Braun-Dickkopffalter (
T. sylvestris
). Gründe dafür können in der Sukzession der Rohböden und
Pionierfluren des ehemaligen Truppenübungsplatzes zu dichteren und hochwüchsigeren Beständen vermutet
werden, weil auch die Anzahl und/oder die Deckung der lichtliebenden Arten der erfassten Flora abgenommen
hat.
Auch bei den erfassten Heuschrecken wird erkennbar, dass sich von 2002 zu 2010 Arten trockener Heiden
auf den Untersuchungsflächen neu angesiedelt haben bzw. die nachgewiesenen Individuenzahlen gestiegen
sind, wie Warzenbeißer (
Decticus verrucivorus
), Feldgrille (
Gryllus campestris
), Gefleckte Keulschrecke
(
Myrmeleotettix maculatus
), Blauflügelige Ödlandschrecke (
Oedipoda caerulescens
), Westliche Beißschrecke
(
Platycleis albopunctata
) und Kleiner Heidegrashüpfer (
Stenobothrus stigmaticus
). Zunehmend treten auch
Charakterarten für Dünen-, Mager- und Trockenrasen wie Verkannter Grashüpfer (
Chorthippus mollis
), Rotlei-
biger Grashüpfer (
Omocestus haemorrhoidalis
) und Gemeine Sichelschrecke (
Phaneroptera falcata
) auf so-
wie auch Arten, die von einer Auflassung oder Nutzungseinschränkung begünstigt werden, weil sie langgrasi-
ge Bereiche (u. a. Landreitgras-Bestände) bevorzugen, wie Langflügelige Schwertschrecke (
Conocephalus
fuscus
) und Kleine Goldschrecke (
Euthystira brachyptera
). Daneben befinden sich typische Magerrasenarten
im Rückgang. Das betrifft sowohl ihre Präsenz auf den Untersuchungsflächen als auch ihre Individuenzahlen.
Dazu zählen die - häufig miteinander vergesellschafteten – Arten Heidegrashüpfer (
Stenobothrus lineatus
),
Nachtigall-Grashüpfer (
Chorthippus biguttulus
) und Gemeiner Grashüpfer (
Chorthippus parallelus
). Der Nach-
tigall-Grashüpfer (
C. biguttulus
) gilt als Pionierstandort-Besiedler, der mit zunehmendem Aufwuchs ver-

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 69
schwindet. Der Heidegrashüpfer (
Stenobothrus lineatus
) wird bei verbrachungsbedingtem Rückgang kurzrasi-
ger, lückig bewachsener Bereiche oder bei einer durch starke Beweidung niedrig gehaltenen Krautschicht
zurückgedrängt. Bei den Saum- und Gehölz bewohnenden Arten sind die Rückgangs- bzw. Ausbreitungsten-
denzen etwas unklar. Einerseits kommt das Grüne Heupferd (
Tettigonia viridissima
) nur noch auf den zwei
Brachen mit den höchsten Gehölzanteilen vor und nicht mehr auf den fünf gehuteten Schlägen. Andererseits
hat sich die Gemeine Sichelschrecke (
Phaneroptera falcata
) seit 2002 auf den Brachen vermehrt, siedelte sich
aber zeitgleich auch auf drei Huteschlägen neu an.
In der Summe der Zunahmen an Art-Nachweisen und Individuenzahlen der erfassten Tagfalter, Widderchen
und Heuschrecken spiegelt sich die hohe Lebensraumeignung der Maßnahmeflächen für zahlreiche Wert
gebende Arten mit ausgeprägter Bindung an Rohbodenflächen, Sandmager-, Trocken- und Halbtrockenrasen
sowie insbesondere für Heide-Charakterarten wider. Für das Überleben dieser Arten ist eine Offenhaltung der
Standorte essentiell. Andererseits dokumentieren die Veränderungen im Artenspektrum und die Populations-
entwicklungen auch auf einigen Untersuchungsflächen sukzessionsbedingte Verschlechterungen für bestimm-
te anspruchsvollere und gefährdete Arten, während bspw. Landreitgras bzw. allgemein Langgras besiedelnde
Heuschreckenarten zunehmen.
Die Untersuchungsflächen befinden sich seit Beginn der Schafbeweidung 1996 in einem anhaltenden Ent-
wicklungsprozess. Zum Erhalt der für Pionier- und Sandmagerrasen typischen Tier- und Pflanzenarten bedarf
es biotop- bzw. teilflächenspezifischer Anpassungen im Beweidungsregime (mehr oder weniger intensive Be-
weidung, einerseits zur Erhaltung kurzrasig, lückig bewachsener Bereiche, andererseits zur Erhaltung von
Strukturelementen). Zum Erhalt der trockenen Heiden sind zum Teil über die Maßnahme Naturschutzgerechte
Beweidung - Hutung mit Schafen und Ziegen - Hutung von Heideflächen (G7b) hinausgehende Maßnahmen
wie Gehölzentnahme und z. B. kontrolliertes Brennen bei Überalterung der Heidebestände notwendig.
5.1.4
Maßnahme Anlage von Bracheflächen und Brachestreifen im Grünland (G9) – Vegetation
Maßnahmeziele, Flächenauswahl und Methode
Mit der Maßnahme
Anlage von Bracheflächen und Brachestreifen im Grünland
(G9) sollen laut EPLR an ge-
nutzte Grünlandbereiche angrenzende Brachen als Rückzugsräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten
erhalten bzw. geschaffen werden. Besondere Schwerpunkte stellen die Sicherung von Vorkommen verschie-
dener bedrohter Insektenarten (z. B. Abbiss-Scheckenfalter) und in Wiesen brütender Vogelarten (z. B. Wach-
telkönig) sowie der Erhalt des FFH-Lebensraumtyps Feuchte Hochstaudenfluren dar. Darüber hinaus können
die Brachen Pufferzonen zu angrenzenden wertvollen Bereichen darstellen.
Für die Einzelfallstudie wurden im Jahr 2010 Flächen im Osterzgebirge in der Nähe von Altenberg, Geising
und Fürstenau sowie in Sayda untersucht (BÖHNERT & FELBRICH 2010).
Es wurden insgesamt 14 Flächen erfasst, wobei es sich um 10 Förderflächen der Maßnahme Anlage von Bra-
cheflächen und Brachestreifen im Grünland (G9) und vier ungenutzte Vergleichsflächen handelt. Die Auswahl
der Flächen erfolgte in Hinblick auf die Zielstellung des EPLR „Erhalt des FFH-Lebensraumtyps „Feuchte
Hochstaudenfluren“ (6430)“. Außerdem wurden Flächen gewählt, in denen in der Naturschutzfachlichen Stel-
lungnahme als Zielbiotoptyp „Nasswiese“ (GFS) genannt wird, weil in den Untersuchungsgebieten viele Maß-
nahmeflächen mit diesen Zielstellungen liegen. Die Vergleichsflächen wurden bis 2008 im Rahmen des Natur-
schutzgroßprojektes „Bergwiesen im Osterzgebirge“ gepflegt und liegen seitdem brach.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 70
Im Rahmen der Untersuchungen wurden die Vegetation und Flora der Flächen erfasst und bewertet. Neben
der Biotop- und FFH-Lebensraumtypenerfassung, den Vegetationsaufnahmen und der Kartierung der Rote-
Liste-Arten wurden auf jeder Fläche zusätzlich die vorhandenen Vegetationseinheiten untersucht. Dadurch
konnte das Vegetationsmosaik der Flächen genauer abgebildet werden, als dies nur mit einer Biotopkartie-
rung der Fall ist. Alle Untersuchungsbestandteile sind in Tabelle 17 aufgeführt.
Tabelle 17: Untersuchungsbestandteile und Methoden der Einzelfallstudie Bracheflächen im Grünland
(G9) – Flora, Vegetation
Untersuchungs-
bestandteile
Methoden
Standardparameter
Kontaktbiotope: an die Fläche angrenzende Biotope mit Anteil an der Außengrenze (kategorisiert)
Tatsächliche Bewirtschaftung der Fläche: Während der Kartiersaison erkennbare Nutzung der Fläche
Flächengeschichte: Befragung der Antragsteller zur Bewirtschaftungsweise der letzten Jahre
Biotop- und FFH-
Lebensraumtypen
Biotoptypen: Erfassung auf der Gesamtfläche gemäß Kartieranleitung zur Biotopkartierung in Sachsen
(Stand April 2009), erweitert um die potentiell wertvollen Biotope
FFH-Lebensraumtypen (LRT): Ermittlung auf der Gesamtfläche entsprechend des sächsischen Kartier- und
Bewertungsschlüssels für Offenland-Lebensraumtypen, erweitert um die LRT-Entwicklungsflächen. Gut-
achterliche Bewertung entsprechend der Bewertungsschlüssel für Offenland-Lebensraumtypen für die
Kriterien Lebensraumtypische Strukturen, Lebensraumtypisches Arteninventar, Beeinträchtigungen sowie
Gesamtbewertung des Erhaltungszustandes in den Kategorien A (hervorragend), B (gut) und C (mittel bis
schlecht)
Vegetationseinheiten
Kartierung der Vegetationseinheiten nach BÖHNERT et al. (2001) ggf. mit standortbedingten Ausprägungen
ca. im Maßstab 1:1.000 auf der Gesamtfläche
Flora
Kartierung der Gesamtfläche bzw. bei Flächen von mehr als 2 bis 3 ha in einem 1 ha großen, repräsentati-
ven Ausschnitt
Halbquantitative Erfassung der Arten der Roten Listen Sachsens und Deutschlands
Vegetationsaufnahmen
Zwei Vegetationsaufnahmen von 25 qm je Untersuchungsfläche, Vegetationsaufnahme A im repräsentati-
ven Bereich, Vegetationsaufnahme B im Übergangsbereich
Erfassung der Arten mit Deckungen entsprechend der um 2m, 2a und 2b erweiterten Braun-Blanquet-Skala
und Blühstatus (vierstufig)
Benennung der Vegetationseinheiten nach BÖHNERT et al. (2001)
Ergebnisse und Diskussion
Weil 2010 die Ersterfassung stattfand, sind erste Aussagen zur Entwicklung der Maßnahmeflächen im zeitli-
chen Vergleich erst nach Auswertung der Wiederholungsuntersuchungen von 2013 möglich. Auch ein Ver-
gleich mit den ungenutzten Flächen ist noch nicht sinnvoll, weil diese bis 2008 ebenfalls gepflegt wurden (vgl.
Tabelle 18).
Tabelle 18: Übersicht zur letzten Nutzung zum Zeitpunkt der Untersuchungen der Flächen der Einzel-
fallstudie Bracheflächen im Grünland (G9)
Anzahl der Flächen mit der letzten Nutzung
2008
2009
Maßnahmeflächen
8
2
Vergleichsflächen
4

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 71
Die meisten der untersuchten Flächen zeichnen sich durch eine Vielfalt von Strukturen und Pflanzengesell-
schaften aus. Zum Teil befinden sich die Flächen in großen Grünlandschlägen oder sind von Ackerland um-
geben, sodass durch die Nutzungspause insbesondere in der Zeit der Bewirtschaftung der umliegenden Flä-
chen wertvolle Rückzugsräume für Tiere geschaffen werden. Einige Flächen stellen Pufferflächen zu angren-
zenden Fließgewässern dar.
Auf den 10 untersuchten Flächen, die durch die Maßnahme G9 gefördert wurden, konnten eine Vielzahl von
Biotoptypen festgestellt werden. Wie anhand der Auswahl der Flächen zu vermuten war, nimmt der Biotoptyp
„Nasswiese“ (GFS) mit 35 % den größten Flächenanteil ein. Der Biotoptyp „Bergwiese“ (GB) wurde auf 19 %
der Fläche kartiert. Als weitere Biotoptypen feuchter bis nasser Standorte kommen „Staudenfluren feuchter
Standorte“ (LF, LFS, LFU) auf 11 %, „Binsen-, Waldsimsen- und Schachtelhalmsumpf“ (MB) auf 9 % und
„Großseggenried nährstoffreicher Standorte“ (MGR) auf 3 % der Flächen vor. Daneben findet sich eine Viel-
zahl weiterer, kleinflächiger Biotoptypen. Insgesamt wurden auf 89 % der Fläche wertvolle Biotoptypen kar-
tiert. FFH-Lebensraumtypen kommen mit den LRT „Berg-Mähwiesen“ (6520) und LRT „Feuchte Hochstauden-
fluren“ (6430) auf insgesamt 27 % der Fläche vor. Die Gesamtbewertung ergab für jede Lebensraumtyp-
Fläche den Erhaltungszustand „B“ (gut).
Auf den vier Vergleichsflächen ohne Nutzung sind die Biotoptypen etwas anders verteilt. Auf den bis 2008
gepflegten Flächen nehmen „Nasswiesen“ (GFS) nur einen Anteil von 9 % der Fläche ein. Am stärksten ver-
treten sind die Biotoptypen „Bergwiese“ (GB), entspricht FFH-LRT „Berg-Mähwiese“ (6520), mit 51 % und
„Binsen-, Waldsimsen- und Schachtelhalmsumpf“ (MB) mit 22 %. Auf 13 % der Fläche wurde der Biotoptyp
„sonstiges artenreiches Feuchtgrünland“ (GFY) bestimmt. In geringer Ausdehnung kommen die Biotoptypen
„Kleinseggenried basenarmer Standorte“ (MKA) und „Sonstiges extensiv genutztes frisches Grünland“ (GYY)
auf 3 % der Fläche vor. Insgesamt wurden auf so gut wie der gesamten Fläche wertvolle Biotoptypen kartiert
(s. Abbildung 46). Erst die Auswertung der Wiederholungsuntersuchung wird zeigen, ob der Anteil an wertvol-
len Biotopen auf den Flächen ohne jegliche Nutzung gehalten werden konnte.

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image
Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 72
Abbildung 46: Anteil der nachgewiesenen Biotoptypen und FFH-Lebensraumtypen in der Einzelfall-
studie Bracheflächen im Grünland (G9) auf den geförderten Flächen (links) und den Vergleichsflächen
(V, rechts) (% sowie Anzahl der Teilflächen)
(Weiß: kein Biotoptyp gemäß Biotoptypenschlüssel der selektiven Biotopkartierung Sachsens (kein BT); hellgrün: wertvoller Biotoptyp
gemäß Biotoptypenschlüssel der selektiven Biotopkartierung Sachsens; dunkelgrün: nach § 26 SächsNatSchG geschützer Biotoptyp
GB = Bergwiese (pw = potentiell wertvoll), GYM = sonstige extensiv genutzte Frischwiese, GYY = sonstiges extensiv genutztes frisches
Grünland, LF = Staudenflur feuchter Standorte, sonstige BT = sonstige Biotoptypen, GFS = Nasswiese, LFS = Hochstaudenflur sumpfiger
Standorte, MB = Binsen-, Waldsimsen-, und Schachtelhalmsumpf, MGR = Großseggenried nährstoffreicher Standorte, MKA = Kleinseg-
genried basenarmer Standorte, sonstige BT § = sonstige geschützte Biotoptypen, 6520 = FFH-Lebensraumtyp Berg-Mähwiese, 6430 =
FFH-Lebensraumtyp Feuchte Hochstaudenfluren)
In den Vegetationsaufnahmen der Maßnahmeflächen konnten im Mittel 19 Arten pro Fläche erfasst werden,
wobei für 50 % der Daten eine Spanne von 15 bis 21 Arten festgestellt wurde. Die Artenzahlen der Vergleichs-
flächen liegen mit im Mittel 20 Arten etwas darüber (für 50 % der Daten liegt die Spanne zwischen 13 und 28
Arten).
Auf sieben Förderflächen bzw. der ca. 1 ha großen, repräsentativen Ausschnitte wurden zwischen 1 bis 4
Pflanzenarten der Roten Listen Sachsens und Deutschlands kartiert.
Auf den Vergleichsflächen wurden auf einer Fläche keine Arten, auf den anderen Flächen zwischen 2 und 6
Arten erfasst. Die prozentuale Verteilung der Flächen mit mindestens einer Rote-Liste-Art ist sowohl auf den
geförderten als auch auf den ungenutzten Vergleichsflächen mit 70 bzw. 75 % der Flächen nahezu gleich.
Auch die Arten sind ähnlich. So kommen zum Beispiel Bach-Quellkraut (
Montia fontana
), Moor-Klee (
Trifolium
spadiceum
), Schmalblättriges Wollgras (
Eriophorum angustifolium
), Perücken-Flockenblume (
Centaurea
pseudophrygia
) und Kleiner Klappertopf (
Rhinanthus minor
) vor.
Im Ergebnis der Einzelfallstudie wird die Maßnahme G9 besonders für Nasswiesen und Staudenfluren als
geeignet angesehen, weil durch die Mahd in zweijährigem Abstand auf diesen Flächen eine Verbuschung und
Verdrängung wertvoller Arten verhindert werden kann. Kritischer wird diese Maßnahme für Bergwiesen gese-
hen, weil lichtbedürftige Arten der Bergwiesen verdrängt werden und sich stattdessen Dominanzbestände
durchsetzungsfähiger Pflanzenarten bilden könnten. Dies betrifft noch stärker die Vergleichsflächen, auf de-

image
Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 73
nen überhaupt keine Mahd stattfindet. Besonders, wenn auf Flächen bereits verstärkt Intensivierungszeiger
auftreten, wird eine jährliche Mahd als günstiger angesehen.
Wenn die Flächen aufgrund bestehender Nässe nicht oder sehr schwer gemäht werden können, steigt die
Gefahr der Verbuschung und der Ausbreitung von Brachezeigern allerdings ebenfalls.
Im Mittelpunkt der Untersuchung standen die Auswirkungen der Maßnahme auf die Vegetationszusammen-
setzung. Aufgrund bekannter anderer Untersuchungsergebnisse ist jedoch davon auszugehen, dass vor allem
arten- und strukturreiche Bestände einen wichtigen Lebens- und Rückzugsraum für Tiere bieten.
5.2 Acker
Um Aussagen zu denjenigen Maßnahmen und spezifischen Zielstellungen zu ermöglichen, die durch die
Grobuntersuchungen nicht bzw. nicht ausreichend eingeschätzt werden können, wurden Einzelfallstudien zu
folgenden Ackermaßnahmen durchgeführt:
Bearbeitungspause im Frühjahr
(A2) – Untersuchung zur Eignung der Maßnahme als Lebensraum für Vögel
Anlage von Bracheflächen auf Ackerland – Selbstbegrünung
(A3a) – Untersuchung der Eignung der Maß-
nahmeflächen als Lebensraum für Laufkäfer sowie Untersuchung der Vegetation
Anlage von Bracheflächen auf Ackerland mit Einsaat kräuterreicher Ansaatmischungen
(A3b) – Untersu-
chung der Vegetation sowie der Kontaktbiotope
Naturschutzgerechte Ackerbewirtschaftung
(A4) – Untersuchung der Eignung der Maßnahmeflächen als
Lebensraum für das Rebhuhn
Naturschutzgerechte Ackerbewirtschaftung
(A4) – Untersuchung der Eignung der Maßnahmeflächen als
Lebensraum für Laufkäfer sowie Untersuchung der Vegetation
In Abbildung 47 ist die räumliche Lage der Untersuchungsflächen dargestellt.
Abbildung 47: Übersicht über die Lage der in den Einzelfallstudien Acker kartierten Flächen in Sach-
sen
(Laufkäfer, Vegetation)

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 74
5.2.1
Maßnahme
Bearbeitungspause im Frühjahr
(A2) – Avifauna
Maßnahmeziele, Flächenauswahl und Methode
Die Maßnahme
Bearbeitungspause im Frühjahr
(A2) zielt laut EPLR auf den Schutz von seltenen und gefähr-
deten Tierarten ab, die ohne die Bearbeitungspause von Verletzungen oder direkter Tötung durch Ackerbau-
geräte oder schädliche Pflanzenschutz- und Düngemittel (z. B. durch Verätzungen) bedroht sind. Hierdurch
sollten insbesondere Amphibien, die bei ihren frühjährlichen Wanderungen von den Überwinterungsplätzen zu
den Fortpflanzungsgewässern regelmäßig Ackerflächen überqueren, profitieren können (SMUL 2009). Bei der
Betrachtung der Naturschutzfachlichen Stellungnahmen zu den Förderanträgen der Maßnahme
Bearbei-
tungspause im Frühjahr
(A2) zeigt sich jedoch, dass ein hoher Anteil mit avifaunistischen Zielstellungen ver-
sehen wurde und die Maßnahme somit überwiegend als Beitrag zum Vogelartenschutz in der Feldflur genutzt
wird. Nur 22 % der 2011 zur Förderung beantragten Flächen dienen laut naturschutzfachlicher Stellungnah-
men dem Schutz von Amphibien, während 75 % auf Vogelschutz abzielen. In diesem Zusammenhang wird
eine Reihe typischer Vogelarten der Feldflur genannt, die selten bzw. gefährdet sind und für die eine internati-
onale Schutzverantwortung besteht. Vor diesem Hintergrund wurde eine Einzelfallstudie zur Wirksamkeit der
Maßnahme A2 konkret für solche Vogelarten beauftragt (BÜCHNER & BIELE 2009).
Die Untersuchung erfolgte 2009 auf Flächen nördlich von Niederseifersdorf im Landkreis Görlitz. Herausgear-
beitet werden sollten Unterschiede hinsichtlich der Flächeninanspruchnahme durch Vögel bei einer natur-
schutzgerechten Bewirtschaftung sowie bei einer Bewirtschaftung ohne Förderung. Im Untersuchungsgebiet
sind regelmäßig die seltenen und gefährdeten, typischen Vogelarten der Feldflur Grauammer, Heidelerche,
Rebhuhn und Neuntöter als Zielarten benannt worden, zudem wurden hier in der Vergangenheit zahlreiche
Nachweise für diese Arten dokumentiert. Diese Arten repräsentieren zugleich die Feldvogelarten mit den häu-
figsten Nennungen als Zielarten dieser Maßnahme.
Insgesamt sind im Untersuchungsgebiet ca. 16,25 ha (sieben Schläge) naturschutzgerecht genutzte Maß-
nahmeflächen und ca. 218,75 ha Vergleichsäcker (15 Schläge) ohne Maßnahmen nach RL AuW/2007 unter-
sucht worden. Zu erfassen waren alle Brutvogelarten der Agrarlandschaft und Nahrungsgäste. Wertgebende
Arten an den Rändern des Untersuchungsgebietes sollten ebenfalls erfasst werden. Die sieben Begehungen
erfolgten im Zeitraum vom 29. März bis 10. Juli 2009 jeweils in den frühen Morgenstunden und zusätzlich bei
zwei Abendbegehungen. Zur Erfassung von Grauammer und Heidelerche erfolgten zwei Zusatzbegehungen.
Für alle angetroffenen Brutvogelarten wurden für das Erfassungsjahr zusammenfassende Kartendarstellungen
der Reviere mit Angaben zu sicheren, wahrscheinlichen und möglichen Bruten erstellt.
Alle Untersuchungsbestandteile sind in Tabelle 19 aufgeführt.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 75
Tabelle 19: Untersuchungsbestandteile und Methoden der Einzelfallstudie
Bearbeitungspause im
Frühjahr
(A2) – Avifauna
Untersuchungs-
bestandteile
Methoden
Avifauna
flächendeckende Revierkartierung aller Vogelarten gemäß allgemeinen Standards mit punktgenauer
Kartierung aller Kontakte auf den zu untersuchenden Schlägen (insbesondere auch Beobachtung von
Nahrungserwerb, auch außerhalb eines Bruthabitats bzw. ermittelten Revieres, auch Gastvögel usw.) im
Zeitraum vom 29. März bis 10. Juli 2009 jeweils in den frühen Morgenstunden und zusätzlich bei zwei
Abendbegehungen.
für alle angetroffenen Brutvogelarten zusammenfassende Kartendarstellungen der Reviere mit Angaben
zu sicheren, wahrscheinlichen und möglichen Bruten (Statusangaben und Nachweisziffern gemäß Me-
thodik der Brutvogelkartierung in Sachsen nach STEFFENS et al. 1998).
zwei zusätzliche Begehungen zu Zielarten der Maßnahme (Grauammer und Heidelerche) während der
Hauptbrutzeit auf Grundlage der ermittelten Papierreviere zur gezielten Beobachtung aller Verhaltens-
merkmale auf den Ackerschlägen im ermittelten Brutrevier bzw. im direkten Umfeld des Reviers
Landwirtschaftliche Kulturen
Angaben zu den landwirtschaftlichen Kulturen auf den Untersuchungsflächen
Bewirtschaftungsmaßnahmen
Angaben zu beobachteten, identifizierbaren Bewirtschaftungsmaßnahmen (Bodenbearbeitung, Dün-
gung, Ausbringung Pflanzenschutzmittel, Ernte usw.) auf den Untersuchungsflächen
Ergebnisse und Diskussion
In der Einzelfallstudie
Bearbeitungspause im Frühjahr
(A2) (BÜCHNER & BIELE 2009) wurden im Untersu-
chungsgebiet acht Brutvogelarten nachgewiesen. Die höchste Siedlungsdichte erreichte dabei die Feldlerche
(1,62 BP/10 ha). Die Zielart Heidelerche erreichte eine Brutdichte von 0,13 BP/10 ha, die Zielarten Grauam-
mer und Neuntöter von 0,22 BP/10 ha. Zur Zielart Rebhuhn gelangen keine Nachweise. 41 Vogelarten waren
als Nahrungsgäste auf den Flächen anzutreffen. Bezüglich einer Bevorzugung der Maßnahmeflächen durch
Gastvögel kann keine Aussage getroffen werden, weil dafür zu wenige Beobachtungen vorlagen.
Auf dem überwiegenden Teil der Vergleichsflächen wurden Wintergetreide und -raps, Silomais oder Ackergras
angebaut, während die Maßnahmeflächen ausschließlich mit Ackergras bestellt waren.
Im Einzelnen wiesen die Wintergetreideschläge drei- bis fünfmal so viele Feldlerchenreviere auf wie die mit
Mais, Raps oder Ackergras bestellten Schläge. Die Rapsschläge wurden nur bis zum Beginn des Blüten-
schiebens von Feldlerchen genutzt, mit Bestandsschluss waren die Flächen unattraktiv. Wesentliches Ergeb-
nis der Untersuchung war somit, dass die Nutzung der Felder durch Vögel in erster Linie von den Feldkulturar-
ten, auch angrenzender Flächen, und weniger von der Maßnahmedurchführung abhing. Auch zwischen den
Ackergrasschlägen mit und ohne Maßnahme war kein belastbarer Vergleich bezüglich der Nutzung durch
Vögel möglich, weil alle unabhängig von einer Förderung im selben Turnus genutzt wurden. Insofern lässt die
Untersuchung keine vergleichende Aussage zur Wirksamkeit der Maßnahme zu.
Maßgebliche Strukturen für Arten wie Braunkehlchen, Grauammer, Kiebitz, Neuntöter und Ortolan sind Sing-
warten, Sonderstrukturen wie Nassstellen oder Nistplätze in Gehölzen. Diese Habitatrequisiten waren im Un-
tersuchungsgebiet auf bzw. an verschiedenen landwirtschaftlichen Kulturen vorhanden. Die Habitateignung
der Untersuchungsflächen für die Zielart Heidelerche ist schwierig zu bewerten (die Untersuchungsmethode
gab keine Nestsuche vor). Ein grundsätzliches Schutzerfordernis für die Heidelerche ist der Erhalt magerer
Grassäume zwischen Kiefernwäldern und Feldflur (LfUG & LfL 2007). Dieser Teillebensraum existierte im

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 76
Untersuchungsgebiet an einigen Stellen. Die anhand der Beobachtungen singender Männchen gefundenen
Revierschwerpunkte an Gehölzrändern weisen Übereinstimmungen mit dieser Aussage auf. Jedoch hängt das
Vorhandensein solcher magerer Grassäume nicht von der Maßnahme A2 ab. Die Besiedlung von Ackerschlä-
gen durch Rebhühner hängt demgegenüber zu einem guten Teil von der Kulturart und der konkreten Bewirt-
schaftungsform ab. Die relative botanische Artenarmut und Homogenität aller Ackerschläge im Untersu-
chungsgebiet einschließlich der mit Ackergras bestandenen Förderflächen, das Fehlen von artenreichen
Ackerrainen oder ähnlichen Saumstrukturen sowie niedriger, schütterer Vegetation und offener Bereiche dürf-
ten für die Abwesenheit des Rebhuhnes mitverantwortlich sein.
In der Einzelfallstudie wurde deutlich, dass eine Nutzungspause im Frühjahr an sich keinen direkten Einfluss
auf bodenbrütende Vögel oder Nahrungsgäste hatte. Die Lebensraumeignung landwirtschaftlicher Nutzflächen
war vielmehr von der jeweils angebauten Kulturart sowie angrenzenden Landschaftselementen und Strukturen
wie entsprechenden Sing- und Sitzwarten oder Saumstrukturen abhängig. Die Vorgabe zum Ausschluss sämt-
licher Bewirtschaftungsmaßnahmen im Zeitraum vom 1. März bis 30. April kann eine Attraktivität für bodenbrü-
tende Vogelarten entwickeln, die sich bei Wiederaufnahme der Bewirtschaftung ab dem 1. Mai gegenteilig
auswirken und zu Verlusten führen kann (ökologische Falle). Deshalb wären spätere Mahdtermine insbeson-
dere für Grauammer und Braunkehlchen notwendig.
Eine Auswertung der Förderdaten zeigt, dass auf den Maßnahmeschlägen insgesamt seit 2007 zwar zuneh-
mend Wintergetreide (Wintergerste, -roggen, -triticale, -weizen) angebaut wird, jedoch in jedem der Untersu-
chungsjahre jeweils ca. drei Viertel der Maßnahmeschläge mit Feldfutter (überwiegend „Kleegras“, „Acker-
gras“ und „sonstige Hauptfutterpflanzen“) bestellt wurden. Folglich basiert auch die überwiegende Zahl der
zwei- bis dreijährigen Fruchtfolgen ausschließlich auf Feldfutter. Weil Feldfutterbestände nur eine sehr einge-
schränkte Lebensraumeignung für Vogelarten der Feldflur (v. a. bei steigendem Grasanteil) (LfUG & LfL 2007)
besitzen, kann dieser Maßnahme im Hinblick auf Zielvogelarten der Feldflur keine Wirksamkeit bescheinigt
werden.
5.2.2
Maßnahme Anlage von Bracheflächen auf Ackerland – Selbstbegrünung (A3a) – Vegetation
und Laufkäfer
Maßnahmeziele, Flächenauswahl und Methode
Mit den unterschiedlichen Ausgestaltungsmöglichkeiten der Brachen sollen laut EPLR vielfältige Lebensraum-
strukturen und Nahrungsangebote für verschiedenste seltene und gefährdete Arten der Ackerlandschaft ge-
schaffen werden. Eine Selbstbegrünung begünstigt auf Grund der zumindest zeitweise lückigen Vegetation
bspw. die Ansiedlung bodenbrütender Vogelarten wie etwa der Heidelerche. Stark gefährdete Arten wie z. B.
das Rebhuhn profitieren neben dem verbesserten Nahrungsangebot auch vom verbesserten Angebot an De-
ckung in der Agrarlandschaft (SMUL 2009).
Im Jahr 2009 wurden in drei Untersuchungsräumen Flächen der Maßnahme
Anlage von Bracheflächen auf
Ackerland – Selbstbegrünung
(A3a) und zum Vergleich konventionell bewirtschaftete Ackerflächen hinsichtli-
che ihres Biotop- und Arteninventars betrachtet, um die Wirksamkeit der Maßnahme einzuschätzen. Unter-
sucht wurden Biotoptypen, Flora, Vegetation und Laufkäfer (Carabiden) (KLAUSNITZER & GEBERT 2009).
Jeweils drei Untersuchungspaare lagen südlich Thiendorf sowie je zwei in Zabeltitz östlich Strauch im Land-
kreis Meißen und je drei im Landkreis Mittelsachsen in einem Untersuchungsraum um Burgstädt. Die Maß-
nahmeflächen bei Zabeltitz und Thiendorf sind Brachen auf ehemaligen NAK-Stilllegungsflächen, in die vor
Stilllegung Ansaatmischung eingebracht wurde. In Folge dessen wird deren Vegetation auch 2009 noch von

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Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 77
Gräsern dominiert. Die zwei Maßnahmeflächen bei Zabeltitz wiesen eine gleichmäßig geschlossene Grasnar-
be auf. Die drei Maßnahmeflächen bei Thiendorf zeigten Tendenzen zur Ruderalisierung. Auch die Maßnah-
meschläge in Burgstädt waren bereits ältere Brachen auf ehemaligen Ackerflächen, deren Vegetationsbe-
stand durch Selbstbegrünung entstanden ist.
Abbildung 48: Maßnahmefläche
Anlage von Bracheflächen auf Ackerland – Selbstbegrünung
(A3a)
Foto: R.Goldberg, Archiv Naturschutz LfULG
Zur Erfassung der Biotoptypen erfolgte für alle Untersuchungsflächen eine Prüfung auf Kartierwürdigkeit nach
der Kartieranleitung zur Aktualisierung der selektiven Biotopkartierung (LfUG 2008) unter Einbeziehung der
Arbeitsmaterialien zur FFH-Managementplanung (LfULG 2009). Auf jeder Fläche wurde die floristische Art-
ausstattung in zwei Durchgängen (Juni und Juli) entlang von drei Transekten (50 m) aufgenommen. Außer-
dem wurde in einem repräsentativen Bereich eine Vegetationsaufnahme pro Fläche (25 m
2
) angefertigt. Die
Maßnahmeflächen und Vergleichsflächen, für die Acker-Wachtelweizen (
Melampyrum arvense
) als Zielart
benannt wurde, wurden intensiv und vollständig nach Vorkommen dieser Art abgesucht. Die Laufkäfererfas-
sung erfolgte je Untersuchungsfläche mit einer Fallengruppe von drei Bodenfallen in einem Linientransekt.
Dabei gab es sieben Leerungstermine, verteilt auf eine Frühjahrs- und eine Spätsommer-Erfassungsperiode
(Ende April bis Ende Juni, Ende August bis Mitte Oktober) und mit einem Fangzeitraum der Fallen von jeweils
14 Tagen. Fallenausfälle waren tolerierbar gering (6 %).
Alle Untersuchungsbestandteile sind in Tabelle 20 aufgeführt.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 78
Tabelle 20: Untersuchungsbestandteile und Methoden der Einzelfallstudie
Anlage von Bracheflächen
auf Ackerland – Selbstbegrünung
(A3a) – Vegetation und Laufkäfer
Untersuchungs-
bestandteile
Methoden
Standard-
parameter
Prägnante und charakterisierende Beschreibung der Fläche zu Standortgegebenheiten, direkter Umgebungssitu-
ation (u. a. Kontaktbiotope), innere Strukturiertheit der Flächen, Beeinträchtigungen und Gefährdungen
Kontaktbiotope: an die Fläche angrenzende Biotope mit Anteil an der Außengrenze (kategorisiert)
Tatsächliche Bewirtschaftung der Fläche: Während der Kartiersaison erkennbare Nutzung der Fläche,
Art und Weise der Umsetzung der Maßnahme.
Flächengeschichte: Befragung der Antragsteller zur Bewirtschaftungsweise der letzten Jahre
Biotoptypen
Biotoptypen: Erfassung auf der Gesamtfläche gemäß Kartieranleitung zur Biotopkartierung in Sachsen (Stand
April 2009), erweitert um die potenziell wertvollen Biotope, Angabe des prozentualen Flächenanteils
Flora
3 Transekte je Untersuchungsfläche auf repräsentativen Ausschnitten mit normierten Größen und Abständen:
halbquantitative Erfassung höherer Pflanzen mittels Schätzskala (Häufigkeitsklassen)
Vegetationsauf-
nahmen
1 Vegetationsaufnahme im repräsentativen Bereich der Untersuchungsfläche von 25 m² je Untersuchungsfläche,
Erfassung der Arten mit Deckungen entsprechend der um 2m, 2a und 2b erweiterten Braun-Blanquet-Skala,
Benennung der Vegetationseinheiten nach BÖHNERT et al. (2001)
Laufkäfer
je Untersuchungsfläche eine Fallengruppe mit 3 Bodenfallen, je Linientransekt (Flora-Erfassung) mittig 1 Boden-
falle, Mitte/Ende April bis Mitte/Ende Juni (4 Fallenleerungen) sowie Ende August bis Anfang Oktober (3 Fallen-
leerungen), Fangzeitraum jeweils 14 Tage
Ergebnisse und Diskussion
Auf keiner der Untersuchungsflächen konnte ein (potenziell) wertvoller Biotop- bzw. FFH-Lebensraumtyp kar-
tiert werden.
Die Vegetation der Maßnahmeflächen (Brachen) war der Klasse Molinio-Arrhenatheretea (Wirtschaftsgrün-
land) bzw. Agropyretea repentis (ruderale Pionierrasen) zuzuordnen. Es dominierten Wiesenarten. Die Vege-
tation der Vergleichsflächen (Äcker) war der Klasse Stellarietea mediae (Ackerwildkrautfluren) zuzuordnen
und wies einige typische Ackerarten auf. Bei den Artenzahlen zeigte sich kein konsistentes Bild. Die Vegetati-
onsbedeckung war in den Brachen höher als in den Ackerflächen. An gefährdeten Arten wurde einmal Glän-
zender Ehrenpreis (
Veronica polita
) (RLS 3) auf einem Vergleichsacker nachgewiesen, dreimal (davon einmal
auf einer Maßnahmefläche) wurde Gewöhnlicher Ackerfrauenmantel (
Aphanes arvensis
), eine Art der Vor-
warnliste, gefunden. Auf den Brachen zählte nur ein Viertel bis ein Drittel der Arten zu den Therophyten, hin-
gegen 40 bis 50 % zu den Hemikryptophyten. Darin kam die Verstaudung deutlich zum Ausdruck, während
die i. d. R. einjährigen Ackerarten nur einen geringen Anteil einnahmen. Auf den Ackerflächen gehörten hin-
gegen zwei Drittel der Arten zu den Therophyten und nur 10 bis 20 % zu den Hemikryptophyten. Die mittlere
Stickstoffzahl war auf den Ackerflächen tendenziell höher als auf den Bracheflächen, die mittlere Lichtzahl
hingegen auf den Bracheflächen höher.
Die Transektkartierungen der Flora zeigten, dass die stillgelegten Flächen eine Tendenz zur Ruderalisierung
aufwiesen und Obergräser dominierten. Die Gesamtartenzahlen waren auf den Brachen im Vergleich zum
Acker etwas höher oder gleich, lokal war massives Auftreten von Stumpfblättrigem Ampfer (
Rumex obtusifoli-
us
), Ackerkratzdistel (
Cirsium arvense
) und Quecke (
Elymus repens
) zu beobachten. Allerdings beherbergten
die Brachen nur halb so viele Ackerarten wie die intensiv genutzten Vergleichsflächen. Bei den Transektkartie-
rungen wurden vier in Sachsen bzw. Deutschland gefährdete Pflanzenarten nachgewiesen (s. Tabelle 21).

image
Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 79
Tabelle 21: Gefährdete Arten aus den Transektkartierungen
Art
Fundort
Gefährdungskategorie
(RL)
Bezug
Literatur
Sherardia arvensis
Ackerröte
1 Brache
2 (stark gefährdet)
Sachsen
SCHULZ (1999)
Veronica polita
Glänzender Ehrenpreis
2 Äcker
3 (gefährdet)
Sachsen
SCHULZ (1999)
Helichrysum arenarium
Sand-Strohblume
1 Brache
3 (gefährdet)
Deutschland
LUDWIG & SCHNITTLER (1996)
Aphanes arvensis
Gewöhnlicher
Acker-
frauenmantel
3 Äcker, 3 Brachen
V (Vorwarnliste)
Sachsen
SCHULZ (1999)
Abbildung 49: Ackerröte (
Sherardia arvensis)
Foto: M. Deussen, Archiv Naturschutz LfULG
Besonders die auf den Bracheflächen vorkommenden Ackerarten Ackerröte und Ackerfrauenmantel lassen
ein gewisses Potenzial dieser Flächen zur Entwicklung eines extensiven Ackers vermuten. Allerdings konnte
Ackerröte nur vereinzelt und mit geringen Individuenzahlen angetroffen werden. Ackerfrauenmantel wurde auf
den untersuchten Maßnahmeflächen mit höheren Individuenzahlen nachgewiesen, auch außerhalb der Tran-
sekte. Beide Arten wurden nur an Störstellen (geöffnete Vegetationsdecke mit Rohboden durch z. B. Amei-
sennester oder Wild) nachgewiesen. Acker-Wachtelweizen (
Melampyrum arvense
), der für drei Förderflächen
als Zielart angegeben wurde, konnte nicht gefunden werden.
Im Ergebnis der Laufkäfererfassungen auf den A3a-Maßnahmeflächen (Brachen) war festzustellen, dass un-
terrepräsentativ wenige, für Ackerflächen typische Arten nachgewiesen werden konnten. In der Regel beher-
bergten die konventionell bewirtschafteten Vergleichsäcker in allen drei Untersuchungsregionen mehr Arten

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 80
und wiesen zudem höhere Individuenzahlen auf. Keine prägnanten Unterschiede wiesen die Förderflächen zu
den Vergleichsflächen hinsichtlich der Nachweise an Lebensraum untypischen Arten auf (s. Tabelle 22).
Tabelle 22: Erfassungs- und Bewertungsergebnisse der Laufkäferuntersuchungen der Einzelfallstudie
zur Maßnahme A3a
M: A3a-Maßnahmefläche (Brache), V: konventionell bewirtschaftete Vergleichsfläche (Acker)
Zabeltitz
Thiendorf
Burgstädt
V1
M1
V2
M2
V3
M3
M4
M5
V4
V5
V6
M6
V7
M7
V8
M8
Artenzahl gesamt
34
20
36
34
38
23
21
12
23
24
26
15
21
15
28
25
Individuen gesamt
3522
394
3463 1313 1067
555
402
138
1318
649
816
219
439
296
610
372
Lebensraumtypische
ungefährdete Arten
27
17
34
30
37
18
18
12
16
20
26
14
19
14
23
20
Lebensraumtypische
gefährdete Arten
2
1
2
2
1
0
0
0
1
0
0
0
1
1
1
0
Lebensraumtypische
seltene und gefährdete
Arten
2
2
5
2
3
1
1
0
1
0
0
1
1
2
1
1
Lebensraumuntypische
Arten
2
1
0
2
4
3
3
0
0
2
5
4
6
4
4
5
Betrachtet man nur die seltenen und gefährdeten Laufkäfer-Arten auf den Maßnahmeflächen, so ist der natur-
schutzfachliche Wert gering einzuschätzen. Hinsichtlich absoluter Arten- und Individuenzahlen waren die För-
derflächen bei Burgstädt durchschnittlich ausgestattet. Der Anteil der Ackerarten war jedoch sehr gering. Auf
diesen gut mit Nährstoffen und Wasser versorgten Standorten kam es bei der stattfindenden Selbstbegrünung
zu einer raschen Dominanz von Gräsern und Hochstauden. Für die Flächen bei Zabeltitz und Thiendorf kann
als Ursache die Ansaatbegrünung angesehen werden. Möglicherweise spielte das regelmäßige Mulchen in
der Vergangenheit auch eine Rolle. Vor Abschluss der Geländearbeiten der Einzelfallstudie (Anfang Oktober
2009) erfolgte auf den Flächen im Raum Zabeltitz und Thiendorf der gemäß Förderrichtlinie AuW/2007 alle
zwei Jahre im Verpflichtungszeitraum durchzuführende Umbruch. Hierzu wurde die Scheibenegge eingesetzt.
Dieser erfolgte jedoch so, dass auf den Flächen nur etwa 5–30 % Rohboden sichtbar geworden sind. Die
Grasnarbe war besonders auf zwei Flächen nur aufgerissen und nicht gewendet.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass für die Carabidenfauna keine signifikante Bedeutung der natur-
schutzgerechten Bewirtschaftung auf den untersuchten selbstbegrünten Ackerbrachen zu erkennen war. Es
konnte keine gemäß dem Ziel der Maßnahme erwartete Artenausstattung dokumentiert werden, was in erster
Linie auf den ungenügenden Umbruch zurückzuführen ist. Ein Umbruch, welcher tatsächlich flächig Rohböden
schafft, würde sich als Initial zur „Wiederbelebung“ der Laufkäferpopulationen förderlich auswirken. Die Cara-
bidenfauna könnte dann auf den Flächen mit Selbstbegrünung höhere Arten- und Individuenzahlen aufweisen
als auf den Äckern, weil Pionierstadien im Allgemeinen höhere Artenzahlen und Individuendichten aufweisen
als langjährige Strukturen. Die höchste Artenaktivitätsabundanz bei den Laufkäfern wird in den ersten beiden
Jahren nach Umbruch erreicht (GEBERT 2007, 2008). Danach sinken die Zahlen in Abhängigkeit der Boden-
klasse kontinuierlich bis zum Erreichen stabiler Zustände ab. Ausschlaggebender Faktor ist neben weiteren
Einflussgrößen der durch die Verfilzung hervorgerufene Raumwiderstand. Selbstbegrünte Flächen sind deut-
lich strukturreicher als angesäte, bei denen eine homogene strukturarme Ausprägung entsteht.
Mit diesen Erkenntnissen konnte die Notwendigkeit eines optimalen, den Zielen der Maßnahme bzw. auf der
jeweiligen Fläche entsprechenden, rohbodenschaffenden Umbruchs verdeutlicht werden. Im Sinne der Ent-

image
Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 81
wicklung einer artenreichen Ackerwildkrautflora ist deshalb mit einem Umbruch ein fast vollständiges, jedoch
flaches Wenden des Bodens zu erreichen. Ziel ist dabei, die bestehende Pflanzendecke überwiegend in den
Boden einzuarbeiten, um so den gewünschten Ackerwildkräutern einen Konkurrenzvorsprung und somit ihre
Reproduktion zu ermöglichen sowie für Tierarten der Rohboden-Pionierstadien wie Laufkäfern Lebensraum zu
schaffen.
Abbildung 50: Maßnahmefläche
Anlage von Bracheflächen auf Ackerland – Selbstbegrünung
(A3a) als
Beispiel für mangelnden Umbruch
Foto: U. Klausnitzer, Archiv Naturschutz LfULG
5.2.3
Maßnahme
Anlage von Bracheflächen auf Ackerland mit Einsaat kräuterreicher Ansaatmi-
schungen
(A3b) – Vegetation und Kontaktbiotope
Maßnahmeziele, Flächenauswahl und Methode
Mit der Einzelfallstudie sollte die Wirksamkeit der Maßnahme
Anlage von Bracheflächen und Brachestreifen
auf Ackerland mit Einsaat kräuterreicher Ansaatmischungen
(A3b) in Hinblick auf die Biodoversität untersucht
werden. Als Vergleichsflächen wurden Flächen der Maßnahme
Anlage von Grünstreifen auf dem Ackerland
(S5) und
Umwandlung von Ackerland in Dauergrünland
(G10) hinzugezogen.
Ziel der Maßnahme A3b ist laut EPLR die Schaffung von vielfältigen Lebensraumstrukturen und Nahrungsan-
geboten für verschiedene seltene und gefährdete Arten der Ackerlandschaft. Ziel der Anlage von Grünstreifen
auf dem Ackerland (S5) ist der Schutz von Böden und Gewässern vor Bodenabtrag, der Schutz der Gewässer
vor Nährstoff- und Pflanzenschutzmitteleinträgen sowie der Erhalt von Lebensraum für Pflanzenarten und
Tierarten. Die Maßnahme G10 soll ebenfalls dem Gewässer-, Boden-, Klima- und Naturschutz sowie dem
vorbeugenden Hochwasserschutz dienen, indem erosionsgefährdete Flächen begrünt und Stoffeinträge in
Gewässer und geschütze Biotope gemindert werden und durch die Anlage von Dauergrünland auf bisherigen
Ackerflächen längerfristig Bodenkohlenstoff akkumuliert werden kann (SMUL 2009).

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 82
Bei allen drei Maßnahmen soll durch Einsaat ein grünlandähnlicher Bestand geschaffen werden. Sie unter-
scheiden sich jedoch in den Vorgaben zu den Ansaatmischungen und zur Bewirtschaftung. Bei der Maßnah-
me A3b besteht die Vorgabe zur Verwendung einer „kräuterreichen Ansaatmischung“, für die Maßnahme S5
ist die Ansaat von Kleegras oder Ackergras vorgeschrieben und für die Maßnahme G10 wird keine konkrete
Mischung vorgegeben. In den Bewirtschaftungsvorgaben unterscheiden sich die drei Maßnahmen zum einen
in der Beschränkung von Dünger und Pflanzenschutzmitteln, zum anderen in der Art und der Häufigkeit der
Bewirtschaftung. Bei Maßnahme A3b ist die Ausbringung von Dünger und Pflanzenschutzmitteln verboten, es
muss mindestens alle 2 Jahre gemäht werden und die Nutzung des Aufwuchses ist untersagt. Bei Maßnahme
S5 ist mindestens einmal in der Vegetationsperiode zu mähen oder zu mulchen. Bei der Maßnahme G10 dür-
fen keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel ausgebracht werden und die Flächen sind mindestens
einmal in der Vegetationsperiode zu mähen, wobei die Nutzung des Aufwuchses (ggf. auch durch Beweidung
oder energetische Nutzung) zwingend notwendig ist.
Als eine zusätzliche Variante der Maßnahme A3b wurden Flächen untersucht, die mit gebietsheimischem
Saatgut eingesät wurden. Unter gebietsheimischem Saatgut wird Saatgut wild lebender Arten in der jeweiligen
regionaltypischen Ausprägung verstanden, dessen ursprüngliches Vermehrungsmaterial aus derselben geo-
grafischen Gegend stammt, in der es wieder ausgebracht wird. Diese Pflanzen sind besonders gut an die
regionalen Standortverhältnisse angepasst. Hierdurch wird ein Beitrag zur Erhaltung der genetischen Vielfalt
und biologischen Diversität geleistet. Die Verwendung von gebietsheimischem Saatgut ist keine Vorschrift
gemäß der Richtlinie AuW/2007, sie wird jedoch aus Sicht des Naturschutzes empfohlen. Ausgesät wurde die
Blühmischung „Sächsische Ackerbrache“, die in Zusammenarbeit vom Deutschen Verband für Landschafts-
pflege in Sachsen (DVL) mit dem LfULG entwickelt wurde. Die Mischung enthält überwiegend mehrjährige
Gräser und Kräuter, zusätzlich ein- bis zweijährige Pflanzenarten. Die verwendeten Mischungen sind in Tabel-
le 40 im Anhang aufgelistet.
2011 wurden im Rahmen der Erfassungen vor Ort je Maßnahme auf 10 Flächen Vegetationsaufnahmen von
je 25 m² nach der erweiterten Skala von Braun-Blanquet kartiert sowie Beeinträchtigungen und angrenzende
Biotope (Kontaktbiotope) erfasst. Mit den Flächen der Variante „Maßnahme A3b mit gebietsheimischem Saat-
gut“ (9 Flächen) umfasst dieser Teil der Einzelfallstudie insgesamt 39 Untersuchungsflächen in den Landkrei-
sen Meißen, Bautzen und Görlitz.
Der zweite Teil der Einzelfallstudie bestand in einer GIS-Auswertung verschiedener Fachgrundlagen hinsicht-
lich der angrenzenden Kontaktbiotoptypen. Es sollte so aufgezeigt werden, ob die Maßnahme dort umgesetzt
wird, wo eine Zielerreichung hinsichtlich Biotop- und Gewässerschutz wahrscheinlich ist. Dafür wurden pro
Maßnahme je 10 % der 2010 beantragten Flächen in ein er sachsenweiten Zufallsstichprobe ausgewählt. Das
waren 45 Flächen der Maßnahme A3b, 86 Flächen der Maßnahme S5 und 126 Flächen der Maßnahme G10.
Fachgrundlagen waren die Biotoptypen- und Landnutzungskartierung (BTLNK), die selektive Biotopkartierung
(SBK2) sowie Luftbild und Topografische Karte (TK 10). Aufgrund der verschiedenen sich ergänzenden Layer
war eine direkte Verschneidung der Förderflächen mit den Biotoptypen nicht möglich. Stattdessen wurden die
jeweiligen Kontaktbiotope mit der entsprechenden Kategorie von Hand in eine Datenbank eingegeben. Zu-
sätzlich wurde erfasst, ob es sich bei der Förderfläche um streifenförmige Flächen handelt, und wenn ja, ob
diese mindestens 6 m breit sind. Die Mindestbreite von 6 m ist eine Vorgabe der Förderrichtlinie für die Maß-
nahme S5.
Alle Untersuchungsbestandteile sind in Tabelle 23 aufgeführt.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 83
Tabelle 23: Untersuchungsbestandteile und Methoden der Einzelfallstudie Anlage von Bracheflächen
auf Ackerland mit Einsaat kräuterreicher Ansaatmischungen (A3b) – Vegetation und Kontaktbiotope
Untersuchungs-
bestandteile
Methoden
Vegetations-
aufnahme
eine Vegetationsaufnahme von 25 m² je Untersuchungsfläche (je Maßnahme 10 Flächen);
Erfassung der Pflanzenarten mit Deckungen entsprechend der um 2m, 2a und 2b erweiterten Braun-Blanquet-
Skala.
Kontaktbiotoptypen
GIS-Auswertung mit Hilfe der Biotoptypen- und Landnutzungskartierung (BTLNK), der selektiven Biotopkartierung
(SBK2) sowie des Luftbilds und der Topografischen Karte (TK 10)
Ergebnisse und Diskussion
Bei den 10 untersuchten Flächen der Maßnahme
Anlage von Bracheflächen und Brachestreifen auf Ackerland
mit Einsaat kräuterreicher Ansaatmischungen
(A3b) handelte es sich um sehr unterschiedliche Flächen. Die
Artenzahl der Vegetationsaufnahmen lag im Mittel bei 14 Arten. Sechs Flächen waren lang und schmal und
lagen zwischen einem Acker und einem Bach bzw. Graben. Nur eine der Flächen wurde neu mit einer Acker-
grasmischung eingesät, eine weitere Fläche war von Brennnessel (
Urtica dioica
) und Trespen (
Bromus steri-
lis, B. inermis
) dominiert. Die anderen Flächen hatten einen relativ hohen Grasbestand, u. a. Glatthafer (
Arr-
henatherum elatius
), Quecke (
Elymus repens
), Gewöhnliches Rispengras (
Poa trivialis
), mit einzelnen ver-
schiedenen Kräutern. Die vier anderen rechteckigen Flächen lagen zwischen anderen Brache- und Grünland-
flächen. Diese Flächen wurden schon im Vorläuferprogramm NAK als Zwischenstruktur gefördert und liegen
deshalb schon länger brach. Anhand des Pflanzenbestands war allerdings nicht ersichtlich, dass es sich um
ehemalige Ackerflächen handelt, ein Unterschied zu langjährigen Grünlandbrachen war nicht offensichtlich.
Zwei der Flächen wurden zweimal jährlich gemulcht und hatten eine Tendenz zu Sandmagerrasen mit Berg-
Sandglöckchen (
Jasione montana
) und Kleinem Vogelfuß (
Ornithopus perpusillus
). Die beiden anderen Flä-
chen wurden seltener gemulcht und waren entsprechend verfilzt. Hier wuchsen als Verbrachungszeiger
Brombeeren, Land-Reitgras
(Calamagrostis epigejos
) und erste Gehölze wie Schlehe.
Die mit gebietsheimischem Saatgut eingesäten 9 Untersuchungsflächen der Maßnahme A3b waren ebenfalls
sehr unterschiedlich ausgeprägt. Nur eine Fläche war streifenförmig und lag als Pufferstreifen zwischen einem
Acker und einem Gehölzstreifen. Die Flächen wurden im Frühjahr oder Herbst 2010 eingesät. Auf sechs der
Flächen erfolgte die Einsaat in eine Schwarzbrache. Das Saatgut für zwei Flächen wurde jedoch mit anderem
Saatgut (Ackergras, „Wildwiesenmischung“) vermischt, sodass dort die Auswertung des Anwuchserfolgs der
gebietsheimischen Saatgutmischung erschwert wurde.
Drei der Flächen waren vor Einsaat bereits mit mehrjährigen Arten bewachsen, sodass nur eine Nachsaat mit
gebietsheimischem Saatgut erfolgte. Der Erfolg der Saatgutmischung ist hier kaum nachzuweisen. Zum einen
können sich durch die Konkurrenz der vorhandenen Pflanzen nur wenige der ausgesäten Pflanzen etablieren.
Zum anderen kamen die ausgesäten Arten teilweise bereits auf den Flächen vor, sodass bei Keimlingen nicht
nachzuweisen war, ob es sich um Samen des vorhandenen Samenvorrats im Boden oder um neu eingesäte
Samen handelte.
Für die alleinige Verwendung des gebietsheimischen Saatguts in Schwarzbrache konnte zum Zeitpunkt der
Ersterfassung, d. h. ein Jahr nach der Aussaat, ein Erfolg der Aussaat festgestellt werden. Alle Bestände hat-
ten sich gut entwickelt, fast alle Arten waren gekeimt, je nach Entwicklungsverhalten blühten bereits einige
mehrjährige Arten. Nach der Aussaat im Frühjahr wurden alle Flächen im Herbst gemulcht. In allen Vegetati-
onsaufnahmen konnten folgende Arten, sofern in der Saatgutmischung vorhanden, nachgewiesen werden:

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 84
Schafgarbe (
Achillea millefolium
), Wilde Möhre (
Daucus carota
), Wiesenlabkraut (
Galium album
), Magarite
(
Leucanthemum ircutianum
), Spitzwegerich (
Plantago lanceolata
), Rainfarn (
Tanacetum vulgare
) und Weiße
Lichtnelke (
Silene latifolia ssp. latifolia
). Dagegen wurden Wiesenkerbel (
Anthriscus sylvestris
), Wegwarte
(
Cichorium intybus
) und Wiesenbärenklau (
Heracleum sphondylium
) in keiner Vegetationsaufnahme nachge-
wiesen. Neben den ausgesäten Arten kamen auf allen Flächen weitere (einjährige) Arten vor, die jedoch auf
den untersuchten Flächen die Entwicklung der Aussaat nur gering beeinträchtigten.
Die mittlere Artenzahl lag mit 26 Arten auf den Flächen, die mit gebietsheimischem Saatgut eingesät wurden,
hoch signifikant über den anderen Maßnahmen. Grund dafür war jedoch zum Teil der hohe Anteil an einjähri-
gen Arten. Dieser wird wahrscheinlich in den Folgejahren in dem Maße zurückgehen, wie sich die ausdauern-
den Arten etablieren. Um Aussagen zur Entwicklung des Artenreichtums treffen zu können, müssen deshalb
die Ergebnisse der Wiederholungserfassung abgewartet werden.
Die Maßnahme
Anlage von Grünstreifen auf dem Ackerland
(S5) zählt zu den stoffeintragsminimierenden
Maßnahmen. Hauptziel ist die Schaffung von Pufferstreifen zwischen Ackerflächen und wertvollen Biotopen,
v. a. Gewässern. Entsprechend waren neun der untersuchten Flächen streifenförmig und lagen zwischen ei-
nem Acker und einem Graben/Bach. Nur eine Fläche war eher rechteckig und grenzte an Brachflächen und
Grünland. Neun Flächen wurden zu Beginn der Maßnahme, wie in der Richtlinie AuW/2007 vorgegeben, mit
Kleegras oder Ackergras neu eingesät und waren von Weidelgras (
Lolium multiflorum, L. perenne
) bzw. von
Knaulgras (
Dactylis glomerata
) dominiert. Eine Fläche diente schon länger als Ackerrandstreifen. Ihr Bestand
war von hochwüchsigen Gräsern wie Wiesenfuchsschwanz (
Alopecurus pratensis
), Gewöhnlichem Rispen-
gras (
Poa trivialis
) und Knaulgras dominiert. Je 25 m² Vegetationsaufnahme wurden im Mittel 12 Arten nach-
gewiesen. Neben den Arten der Aussaatmischung kamen vereinzelt einjährige Ackerarten vor, außerdem
wanderten teilweise von den Gewässerrändern Arten ein. Die meisten Flächen wurden das erste Mal An-
fang/Mitte Juni gemäht oder gemulcht, nur bei zwei der untersuchten Flächen erfolgte keine Nutzung vor Be-
erntung des angrenzenden Feldes.
Die Flächen mit der Maßnahme
Umwandlung von Ackerland in Dauergrünland
(G10) waren ebenfalls sehr
unterschiedlich. Alle waren rechteckig bis quadratisch und in der Landschaft zwischen Grünlandflächen, Acker
und Wald eingebettet. Sechs Flächen wurden mit einer Ackergrasmischung neu angesät. Davon waren jedoch
nur vier Flächen als Ansaatgrünland mit einer Dominanz von Knaulgras/Weidelgras (
Dactylis glomera-
ta/Lolium spec.
) zu bezeichnen. Zwei Flächen wurden zwar neu angesät, aufgrund des trockenen Standortes
und des Samenpotenzials im Boden kamen dort aber bereits einige Arten des mageren Grünlands vor, z. B.
Kleines Habichtskraut (
Hieracium pilosella
), Kleiner Sauerampfer (
Rumex acetosella
), Berg-Sandglöckchen
(
Jasione montana
), Sand-Strohblume (
Helichrysum arenarium
). Im Mittel wurden je 25 m² Vegetationsauf-
nahme 12 Arten nachgewiesen. Alle Flächen wurden genutzt, je nach Bedarf als Viehfutter (Silage, Heu), als
Weide und auch zur Belieferung einer Biogasanlage.
Die GIS-Auswertung der angrenzenden Biotop- und Landnutzungstypen laut BTLNK ergab, dass sowohl bei
der Maßnahme A3b als auch bei der Maßnahme S5 der Landnutzungstyp Acker die häufigste angrenzende
Kategorie darstellt. Bei den Flächen der Maßnahme G10 steht an erster Stelle der Landnutzungstyp Grünland
bei 79 % aller Flächen (s. Abbildung 51).

image
Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 85
Abbildung 51: Verteilung der angrenzenden Biotop- und Landnutzungstypen laut BTLNK
(A3b - Anlage von Bracheflächen und Brachestreifen auf Ackerland mit Einsaat kräuterreicher Ansaatmischungen, G10 - Umwandlung
von Ackerland in Dauergrünland, S5 - Anlage von Grünstreifen auf dem Ackerland)
Die Betrachtung der angrenzenden wertvollen Biotoptypen aus der selektiven Biotopkartierung, 2. Durchgang
(1996–2001) ergab, dass an 38 % der Maßnahmeflächen A3b wertvolle Biotoptypen und an 27 % nach § 26
SächsNatSchG geschützte Biotope liegen. Bei Flächen der Maßnahme S5 sind dies bei 21 % wertvolle Bio-
toptypen und bei 15 % nach § 26 geschützte Biotope. Am geringsten sind die Anteile bei Flächen der Maß-
nahme G10, hier grenzen an 18 % der Flächen wertvolle Biotoptypen und an 14 % nach § 26 geschützte Bio-
tope an. Überwiegend handelt es sich bei den Maßnahmen A3b und S5 um angrenzende Gewässerbiotope
gefolgt von Wald und bei A3b-Flächen auch von Feldgehölzen/Steinrücken. An 16 % der Flächen mit der
Maßnahme G10 grenzen Feldgehölze/Steinrücken. An zweiter Stelle stehen hier Grünlandbiotope frischer bis
feuchter Standorte (vgl. Abbildung 52).
Es ist kaum möglich, nur durch die GIS-Auswertung auf die Auswirkungen der Bewirtschaftung der Maßnah-
meflächen auf die angrenzenden wertvollen Biotope zu schließen. Vor allem bei punktuell angrenzenden Bio-
toptypen, die oberhalb der Flächen liegen, dürften in Hinblick auf den Stoffeintrag keine Auswirkungen zu er-
warten sein. Die Förderflächen tragen jedoch (in unterschiedlichem Maße) zur Bildung von Biotopkomplexen
(z. B. Waldrand und Saum) und einer vielfältigeren Landschaft bei.

image
Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 86
Abbildung 52: Verteilung der angrenzenden Biotoptypen aus der selektiven Biotopkartierung
(A3b - Anlage von Bracheflächen und Brachestreifen auf Ackerland mit Einsaat kräuterreicher Ansaatmischungen, G10 - Umwandlung
von Ackerland in Dauergrünland, S5 - Anlage von Grünstreifen auf dem Ackerland)
5.2.4
Maßnahme
Naturschutzgerechte Ackerbewirtschaftung
(A4) – Rebhuhn
Maßnahmeziele, Flächenauswahl und Methode
Mit der Maßnahme
Naturschutzgerechte Ackerbewirtschaftung
(A4) werden über die Vorgaben zur Fruchtfol-
ge und den Ausschluss bestimmter Kulturarten typische Niststandorte für Vogelarten der Feldflur zur Verfü-
gung gestellt. Von den mit bestimmten Kulturen verbundenen speziellen Standortbedingungen profitiert
gleichzeitig eine entsprechend angepasste Ackerwildkrautvegetation. Durch die überwinternde Stoppel kön-
nen sich spät entwickelnde Ackerwildkrautarten ihren Entwicklungszyklus abschließen. Durch die Vermeidung
des frühzeitigen Einarbeitens von Ernterückständen werden längerfristig Erntereste auf den Flächen belassen,
die z. B. dem Hamster als Nahrungsgrundlage dienen. Der Ausschluss von Pestiziden, die Einschränkungen
zur Düngung und die Vermeidung mechanischer Ackerwildkrautbekämpfung tragen z. B. durch die Verhinde-
rung direkter Schädigungen und die Sicherstellung des Nahrungsangebotes zur Verbesserung der Lebensbe-
dingungen für die Artengemeinschaften der Feldflur bei (SMUL 2009).
Im Vogelschutzgebiet (SPA) „Bergbaufolgelandschaft bei Hoyerswerda“ nördlich der Gemeinde Elsterheide
wurde 2010 ein Gebiet im Offenland mit der Größe von ca. 1.200 ha auf Vorkommen von Rebhühnern unter-
sucht, da diese dort auf einer Vielzahl von Förderflächen als Hauptzielart genannt wurden (STOLZENBURG et al.
2010). Neben zahlreichen Schlägen mit der Maßnahme A4 befanden sich dort hauptsächlich Schläge mit den
Maßnahmen
Naturschutzgerechte Beweidung - Hutung mit Schafen und Ziegen
(G7a) und
Anlage von Bra-
cheflächen und Brachestreifen auf Ackerland - Selbstbegrünung
(A3a). Gleichzeitig sollte eine Einschätzung
zur Lebensraumeignung des Untersuchungsraumes für Rebhühner getroffen werden.
In der Zeit der Paarbildung der Rebhühner Ende März/Anfang April erfolgte an zwei Terminen die Zählung
rufender Männchen. Die Flächen wurden in der Dämmerung etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang bis eine
Stunde nach Sonnenuntergang von wechselnden Standorten aus kontrolliert, wobei Klangattrappen zum Ein-
satz kamen. Die Auswahl geeigneter Standorte der Klangattrappen fand an Hand der Vegetations- und Struk-
turausprägungen sowie der Art der Bewirtschaftung und der räumlichen Lage statt. Als Ergänzung zur Früh-

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 87
jahrskartierung wurde am 28.4.2010 eine Begehung des gesamten Untersuchungsgebietes und angrenzender
Strukturen wie Hecken zur grundsätzlichen Beurteilung der Eignung der Flächen für das Rebhuhn durchge-
führt. Auch dabei kamen Klangattrappen wie oben beschrieben zum Einsatz.
Am 25.06., 30.07. und 20.08.2010 fanden Kontrollen zur Zählung von Familienverbänden in den ersten beiden
Stunden nach Sonnenaufgang statt. Die Erfassungen wurden in Form eines systematischen Abgehens des
Untersuchungsgebietes und angrenzender Strukturen vorgenommen, wobei bevorzugt entlang von Wegen
erfasst wurde. Ergänzend fanden „Querfeldeinbegehungen“ statt, wenn sich geeignete Deckungsstrukturen im
Zentrum der Untersuchungsflächen befanden. Bei nicht genau lokalisierbaren Rufern fand eine Nachsuche in
der Fläche statt.
Alle Untersuchungsbestandteile sind in Tabelle 24 aufgeführt.
Tabelle 24: Untersuchungsbestandteile und Methoden der Einzelfallstudie Naturschutzgerechte
Ackerbewirtschaftung (A4) – Rebhuhn
Untersuchungs-
bestandteile
Methoden
Rebhuhn
Flächendeckende Zählung rufender Männchen an zwei Terminen bis etwa 10. April im Abstand von mindes-
tens sieben Tagen;
Kartierung von rufenden Hähnen ohne Einsatz einer Klangattrappe ca. eine Stunde vor Sonnenuntergang bis
ca. eine Stunde nach Sonnenuntergang;
Kartierung von rufenden Hähnen unter Einsatz einer Klangattrappe in der Abenddämmerung
Flächendeckende Zählung von Familienverbänden an drei Terminen (1.: 16.-30. Juni; 2.: 1.-31. Juli; 3.:
1.-31. August) innerhalb der ersten beiden Stunden nach Sonnenaufgang
Punktgenaue Kartierung aller Rebhuhnkontakte im Untersuchungsgebiet (insbesondere auch Beobachtung
von Nahrungserwerb)
Einschätzung der Eig-
nung des Unter-
suchungsgebiets als
Rebhuhnlebensraum
an den Lebensraumansprüchen des Rebhuhns orientierte Abgrenzung von Flächeneinheiten, Flächencharak-
terisierung durch grobe Einstufung als Biotoptyp mit Angaben zur Nutzung und Nutzungsintensität
Ergebnisse und Diskussion
Die naturschutzgerechte Ackerbewirtschaftung, insbesondere in Verbindung mit der räumlichen Nähe zu
selbstbegrünten, streifenförmigen Ackerbrachen, schafft zwar günstige Nahrungsbedingungen für Rebhühner,
insgesamt wurde aber die aktuelle Lebensraumausprägung des Gebiets für das Rebhuhn als nicht optimal
eingeschätzt. Hinsichtlich der Habitatausstattung in Form von Deckungsstrukturen zeichneten sich nur wenige
Teilbereiche mit guter Eignung ab. Auch wurden kaum vorrangig besiedelte Flächen oder Flächenkomplexe
festgestellt. Nachweise gelangen stets dort, wo verschiedene Nutzungsformen aneinandergrenzten und die
Vegetationsausstattung mit Gehölzen vielfältig strukturiert war. Großflächige Rohbodenstandorte und step-
penartige Trockenbiotope auf magersten Standorten sowie große Ackerschläge eignen sich nur wenig für das
Rebhuhn. Hier sind vorwiegend fehlende Rückzugsräume als Ursache für das Fehlen des Rebhuhns zu ver-
muten. Die festgestellte Revierdichte lag im Gebiet mit maximal ca. 0,5 BP/100 ha weit unter Vorkommens-
konzentrationen in günstigen Gebieten von 3-5 BP/100 ha. Dennoch ist anzunehmen, dass die naturschutzge-
rechte Ackerbewirtschaftung und der Wechsel von Brache-, Acker- und Grünlandflächen lokal zur Erhaltung
der Art beitragen. Ein Beleg war jedoch aufgrund der geringen Nachweisdichte nicht möglich.

image
Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 88
Eine weitere Ursache für die geringe Anzahl nachgewiesener Rebhühner könnte in der Erfassungsmethodik
liegen. Erfolgskontrollen anderenorts zeigten, dass Nachweise von Rebhühnern im Hoch- und Spätsommer
mitunter erst nach zahlreichen Beobachtungsgängen gelangen und häufig selbst Kartiergänge bei gut geeig-
neten Witterungsbedingungen keinen Nachweiserfolg brachten. Insbesondere stellt sich der Nachweis an-
scheinend auch in weitläufigen Vorkommensgebieten mit sehr dünner Besiedlung als schwierig dar. Hier ist
die Wahrscheinlichkeit, Rebhühner auf einer Fläche anzutreffen, sehr gering und möglicherweise höher zu
bewerten als der Einfluss der Flächenbeschaffenheit und damit die Wirksamkeit der Maßnahme. Deshalb
können die im Rahmen dieser Untersuchung durchgeführten drei Kontrollgänge im Sommer als unzureichend
eingeschätzt werden.
Die Lebensraumeignung für Rebhühner lässt sich in vielen Gebieten der heutigen Agrarlandschaft mit flä-
chenhaften, naturschutzorientierten Maßnahmen allein nicht beeinflussen. Weil Rebhühner zum Überleben
reich gegliederte Ackerlandschaften benötigen, bedarf es zur Erhaltung und Stärkung der Vorkommen der
Abstimmung eines ganzen Maßnahmebündels wie z. B. der zusätzlichen Etablierung niedriger, deckungsrei-
cher Gehölzstrukturen und einer kleinräumigeren Nutzung. Eine Honorierung geeigneter, in räumlichem Zu-
sammenhang stehender, kombinierter Fördertatbestände sollte deshalb in zukünftigen Förderprogrammen
angestrebt werden. Daneben müsste die Ausgestaltung der Bewirtschaftung der Flächen deutlich stärker ge-
lenkt werden, insbesondere bezogen auf die jährliche Kulturartenvielfalt in einem örtlich begrenzten Land-
schaftsausschnitt und auf die Größe der Schläge.
5.2.5
Maßnahme
Naturschutzgerechte Ackerbewirtschaftung
(A4) – Vegetation und Laufkäfer
Flächenauswahl und Methode
Im Gebiet der nördlichen Oberlausitz zwischen Röhrsdorf bei Königsbrück (Landkreis Bautzen) und Groß-
Krauscha (Landkreis Görlitz) wurden sechs naturschutzgerecht bewirtschaftete Ackerflächen sowie sechs
konventionell bewirtschaftete Vergleichsschläge untersucht. Es wurden jeweils die Vegetation und die Laufkä-
fer erfasst. Ziel der Untersuchungen war, zu ermitteln, ob zwischen Maßnahmeflächen und konventionell be-
wirtschafteten Vergleichsflächen Unterschiede im Arteninventar festzustellen waren, die sich einer spezifi-
schen Wirksamkeit der Maßnahme zuordnen lassen. Die Erfassungen erfolgten im Jahr 2010 (GEBERT &
KLAUSNITZER 2010).
Abbildung 53: Maßnahmefläche
Naturschutzgerechte Ackerbewirtschaftung
(A4)
Foto: M. Deussen, Archiv Naturschutz LfULG

image
Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 89
Auf jeder Untersuchungsfläche wurde die Vegetation im späten Frühjahr (Mitte bis Ende Mai) auf einer 25 m²
großen Fläche aufgenommen. Die Lage der Vegetationsaufnahmen wurde immer direkt angrenzend an den
Erfassungsbereich für die Laufkäfer gewählt. Laufkäfer wurden pro Fläche in einer Fallengruppe mit fünf in
Reihe angeordneten Bodenfallen erfasst. Dabei gab es sieben Leerungstermine, verteilt auf eine Frühjahrs-
und eine Spätsommer-Erfassungsperiode (Ende April bis Ende Juni, Ende August bis Mitte Oktober) mit ei-
nem Fangzeitraum der Fallen von jeweils 14 Tagen. Alle Untersuchungsbestandteile sind in Tabelle 25 aufge-
führt.
Tabelle 25: Untersuchungsbestandteile und Methoden der Einzelfallstudie
Naturschutzgerechte
Ackerbewirtschaftung
(A4) – Vegetation und Laufkäfer
Untersuchungs-
bestandteile
Methoden
Standard-
parameter
Standortgegebenheiten, Umgebungssituation, innere Strukturiertheit der Flächen, Kontaktbiotope, tatsächliche
Bewirtschaftung, Art und Weise der Umsetzung der Maßnahme, Flächen-Historie (Ergebnisse der Befragungen),
Beeinträchtigungen und Gefährdungen.
Laufkäfer
fünf Bodenfallen je Untersuchungsfläche im Transekt im Abstand von 10 m mit einem Mindestabstand zum Feld-
rand von 10 m (bei schmaleren Schlägen mittig). Standzeit der Fallen: Mitte/Ende April bis Mitte/Ende Juni (4 Fal-
lenleerungen) und Ende August bis Mitte Oktober (3 Fallenleerungen). Fangzeitraum jeweils 14 Tage
Vegetations-
aufnahmen
eine Vegetationsaufnahme von 25 m² je Untersuchungsfläche direkt angrenzend an das Laufkäfertransekt
Erfassung der Pflanzenarten mit Deckungen entsprechend der um 2m, 2a und 2b erweiterten Braun-Blanquet-
Skala
Ergebnisse und Diskussion
Auf den Maßnahmeflächen kamen im Mittel 20 Arten und damit fast doppelt so viele wie auf den Vergleichs-
flächen vor. Sowohl Artenzahl als auch Shannon-Diversitäts-Index der Vegetationsaufnahmen sind auf den
Maßnahmeflächen deutlich höher als auf den Vergleichsflächen (siehe Abbildung 54). Der deutliche Ausreißer
in der Artenzahl bei den Vergleichsflächen betrifft eine Fläche, die auch nur vergleichsweise extensiv genutzt
und nicht mit Pflanzenschutzmitteln behandelt wurde. Auf ihr wurde im Untersuchungsjahr Ackergras ange-
baut. Auch eine zweite artenreichere Vergleichsfläche wurde witterungsbedingt nicht mit Pflanzenschutzmit-
teln behandelt. Diese beiden Vergleichsflächen ähneln daher bezüglich der Artenzusammensetzung den
Maßnahmeflächen.
Abbildung 54: Vergleich von Artenzahl und Shannon-Diversitäts-Index der Vegetationsaufnahmen für
die untersuchten Maßnahme-Flächen (A4) und konventionell genutzten Vergleichs-Flächen (V)

image
Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 90
Die Maßnahmeflächen unterscheiden sich auch bezüglich der Artenzusammensetzung von den Vergleichsflä-
chen. Auf den Maßnahmeflächen waren zahlreiche Ackerwildkräuter deutlich häufiger als auf den Vergleichs-
flächen (z. B. Rauhaarige Wicke -
Vicia hirsuta
, Acker-Vergissmeinnicht -
Myosotis arvensis
, Feld-Ehrenpreis -
Veronica arvensis
, Acker-Schmalwand -
Arabidopsis thaliana
). Einige Arten wie Acker-Filzkraut (
Filago arven-
sis
) und Sand-Vergissmeinnicht (
Myosotis stricta
) kamen ausschließlich auf Maßnahmeflächen vor. Es gibt
aber auch floristische Überschneidungen, die sich im Ordinationsdiagramm widerspiegeln (siehe Abbildung
55). Mit etwa gleicher Häufigkeit in Maßnahme- und Vergleichsflächen kamen v. a. häufige, nitrophile Acker-
wildkrautarten vor (Gemeine Quecke
- Elymus repens
, Gemeiner Windhalm -
Apera spica-venti
, Geruchlose
Kamille -
Tripleurospermum perforatum
).
Abbildung 55: Visualisierung der Ähnlichkeiten zwischen den Vegetationsaufnahmen
Ordinationsdiagramm nonmetric multidimensional scaling, je enger die Aufnahmepunkte zusammen liegen, umso mehr ähneln sie sich in
ihrer floristischen Zusammensetzung
A4: Naturschutzgerechte Ackerbewirtschaftung, V: Vergleichsflächen
Bei den Laufkäfererfassungen gab es einige Fallenausfälle, wodurch die Auswertbarkeit und Aussagekraft der
Ergebnisse beeinflusst wird. In der Summe aller Erfassungen fielen 10 % der Fallen aus. Zudem fanden die
Erfassungen unter extremen Witterungsverhältnissen (ca. 300 % der durchschnittlichen Niederschlagssum-
men) statt, sodass teils erhebliche Verzerrungen von Ergebnissen entstanden sind. Mit Hinweis auf diese
Einschränkung ist eine Bewertung der Ergebnisse aufgrund des relativ gleichen Verteilungsverhältnisses der
Beeinträchtigungen bei konventionell und bei naturschutzgerecht bewirtschafteten Flächen aber dennoch
möglich.
Die erfassten Gesamtarten- und Individuenzahlen je Untersuchungsfläche variierten sehr. Auf den untersuch-
ten Maßnahmeflächen konnte im Vergleich zu den konventionell bewirtschafteten Flächen insgesamt keine
höhere Aktivitätsdichte von Laufkäfern nachgewiesen werden (Abbildung 56).

image
image
image
Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 91
Abbildung 56: Arten- und Individuenzahlen an Laufkäfern je Untersuchungsfläche
grün: Maßnahmeflächen, beige: Vergleichsflächen; UF 6: Ausfall 2. Leerung, UF 7: Ausfall 6. Leerung, UF 9 + 12: Ausfall 1. + 2. Leerung,
UF 10: Ausfall 7. Leerung
Abbildung 57: Konventionell bewirtschaftete Vergleichsfläche mit Wintergetreide
Foto: U. Klausnitzer, Archiv Naturschutz LfULG
Ein durchgehender Vergleich aller Flächen ist auch wegen der sich unterscheidenden Bodenverhältnisse und
der Intensität der Bewirtschaftung problematisch. Das vorhandene Artenspektrum auf den Untersuchungsflä-
chen resultierte aus den örtlichen Gegebenheiten, die vor allem durch Feuchtigkeit, Temperatur, Bodenart und
nicht zuletzt von den angrenzenden Lebensräumen bestimmt werden. Verschiedene Arten wurden zudem
unterschiedlich stark von der Maßnahme beeinflusst. Es ist auch nicht auszuschließen, dass die Anwesenheit
der Arten und Individuen durch Überlagerungen mit Randeffekten (Waldnähe, Grünland, Brachestreifen) oder
die Witterungsextreme beeinflusst war. Die mit Abstand häufigsten (eudominanten) Arten auf allen Flächen
waren insgesamt gesehen typische Ackerbewohner (Kupferfarbener Buntgrabläufer -
Poecilus cupreus,
Ge-
meiner Grabläufer -
Pterostichus melanarius
).

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 92
Eine Wirksamkeit der Maßnahme auf einzelne Arten bzw. Artengruppen der Laufkäfer war dennoch erkenn-
bar. Die phytophagen, meist samenfressenden Arten, besonders die sehr häufig nachgewiesenen Arten der
Gattungen
Amara
und
Harpalus
, profitierten am deutlichsten von den aufkommenden Ackerwildkräutern auf-
grund des Verzichts auf Pflanzenschutzmittel. Hier erweisen sich die Maßnahmeflächen als die mit den höchs-
ten Individuenzahlen. Dabei scheinen sich wiederum die Flächen als besonders geeignet zu erweisen, die
gepflügt oder gescheibt wurden, weil bei in Folge relativ licht stehenden Kulturpflanzen keine Dominanz von
Ackerbeikräutern und -gräsern entstand. Im Gegensatz dazu waren Flächen mit fehlender wendender Boden-
bearbeitung sehr mit dicht schließenden Gräsern und Kräutern bestanden. In dessen Folge kann es zu einer
für Laufkäferarten extensiver Äcker ungünstigen Bestandsinnenklima- bzw. -strukturentwicklung kommen.
Begünstigt wird dies vermutlich durch das reine Mulchen des Getreideaufwuchses. Daher sollte statt des rei-
nen Mulchens der Förderflächen anderen oder zusätzlichen Bewirtschaftungsgängen der Vorzug gegeben
werden, wie bspw. einer wendenden Bodenbearbeitung. Grundsätzlich ist ein Abfahren des Mähguts aus na-
turschutzfachlicher Sicht zu bevorzugen.
Auf den konventionell bewirtschafteten Flächen mit geringer oder fehlender Ackerwildkrautschicht waren er-
wartungsgemäß Rohbodenbesiedler wie Acker-Glanzflachläufer (
Agonum muelleri)
, Sechspunktiger Putzläu-
fer (
Agonum sexpunctatum)
oder Buntfarbener Putzläufer (
Anchomenus dorsalis)
häufiger.
Als wesentlich für die Bewertung der Erfassungsergebnisse werden auch der tatsächliche Einsatz und die
aufgebrachte Menge an Pflanzenschutzmitteln auf den konventionell bewirtschafteten Flächen eingeschätzt.
Dabei sind die konventionell bewirtschafteten Vergleichsflächen UF6 und UF10, auf denen keine Pflanzen-
schutzmittel zum Einsatz kamen, eigentlich als naturschutzgerecht bewirtschaftete Flächen zu betrachten und
erbrachten noch eine relativ hohe Anzahl an Arten. Auf der Vergleichsfläche UF2 wurde mit 53 Spezies die
höchste Artenzahl nachgewiesen und bei der Individuenzahl immer noch ein durchschnittlicher Wert erreicht,
obwohl hier Pflanzenschutzmittel zum Einsatz kamen. Beim Vergleich mit den benachbarten Flächen UF3 und
UF4 mit vergleichbaren Bodenverhältnissen, Feuchtigkeit und ähnlicher Bewirtschaftung kam es jedoch zu
abweichenden Ergebnissen. Je nach Dosierung der Pflanzenschutzmittel konnten vermutlich auf den Ver-
gleichsflächen entsprechend graduell Segetalfluren, Algenrasen und Pilzkulturen aufkommen, die mittelbar als
Nahrungsgrundlage für verschiedene Organismengruppen dienen (Collembola, Crustacea, Mollusca) und sich
somit auch auf den Laufkäferbestand auswirken.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 93
6 Zusammenfassung
Die Maßnahmen der
naturschutzgerechten Grünlandbewirtschaftung und Pflege
(G2-G9) sowie der n
atur-
schutzgerechten Bewirtschaftung und Gestaltung von Ackerflächen
(A1-A4) sollen einen Beitrag zur Erhaltung
der biologischen Vielfalt im Freistaat Sachsen leisten, indem mit der angepassten naturschutzgerechten Be-
wirtschaftung von Nutzflächen Gefährdungsursachen von Arten und Biotopen entgegengewirkt wird (SMUL
2009). Die Maßnahmen zielen in erster Linie auf die Wahrung und Wiederherstellung eines günstigen Erhal-
tungszustandes der Lebensraumtypen und Arten von gemeinschaftlichem Interesse und die Sicherung weite-
rer schutzbedürftiger Arten und Biotope ab. Das gilt insbesondere für
Lebensraumtypen der FFH-Richtlinie Anhang I und weitere im Freistaat Sachsen besonders schutzbedürfti-
ge Biotope,
Arten der FFH-Richtlinie Anhänge II und IV und Arten der Vogelschutz-Richtlinie Anhang I sowie weitere im
Freistaat Sachsen besonders schutzbedürftige Arten und
die Sicherstellung der Kohärenz von Natura 2000-Gebieten einschließlich der Umsetzung des landesweiten
Biotopverbundes.
In diesem Rahmen sind die Einzelmaßnahmen der naturschutzgerechten Grünlandbewirtschaftung mit ihren
spezifischen Zuwendungsvoraussetzungen auf unterschiedliche Ansprüche verschiedener FFH-Lebensraum-
und Biotoptypen sowie schutzbedürftiger Arten ausgerichtet. Die Wirksamkeit dieser Maßnahmen soll mit den
beschriebenen Begleituntersuchungen ermittelt werden.
Für alle zwischen 2008 und 2011 durchgeführten Untersuchungen liegen die Ergebnisse vor. In diesem Be-
richt werden erste Einschätzungen und Annahmen zur Wirksamkeit der Maßnahmen getroffen und mögliche
Einflussfaktoren diskutiert.
6.1 Grünland
Aus den Grob- und Detailuntersuchungen sowie aus den verschiedenen Einzelfallstudien für die einzelnen
Maßnahmen der naturschutzgerechten Grünlandbewirtschaftung ist bereits jetzt erkennbar, dass die Förder-
maßnahmen auf geeigneten Flächen zur Anwendung kommen. Zu den einzelnen Maßnahmen werden im
Folgenden die bisherigen Erkenntnisse zusammenfassend dargestellt.
Die Flächen der Maßnahme
Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht vor erster Nutzung
(G2) sind hinsichtlich ihres naturschutzfachlichen Wertes, z. B. in Bezug auf den Anteil wertvoller Grünlandbio-
tope oder den Anteil an Magerkeits- und Stickstoffzeigern in den Vegetationsaufnahmen, positiver als die För-
derflächen der
extensiven Grünlandnutzung
(G1) einzuschätzen. Bei der Maßnahme G2 finden sich neben
artenarmen auch artenreiche magere Flächen. Die Artenzahlen der Vegetationsaufnahmen nähern sich denen
der Maßnahme
Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht und erster Nutzung ab 15. Juni
(G3a) an.
Für den Erhalt und die Entwicklung von Bergwiesen sowie Feucht- und Nasswiesen sind die Maßnahmen
Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht und später erster Nutzung
(G3a, G3b) geeignet.
Auf 80 % der untersuchten Fläche beider Maßnahmen konnte ein wertvoller Biotoptyp/FFH-Lebensraumtyp
festgestellt werden. Dabei wurden die Biotoptypen „magere Frischwiese“ (GMM) und „Bergwiese“ (GB) auf

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 94
einem Drittel der untersuchten G3a- und der Hälfte der G3b-Flächen erfasst. Daneben verdeutlichen die Er-
fassungsergebnisse für die Artengruppen Tagfalter, Widderchen und Heuschrecken den positiven Beitrag der
Maßnahmeflächen zur Erhaltung der faunistischen Biodiversität auf Wiesen. Insbesondere der Maßnahme
G3b kommt im Vergleich aller untersuchten Maßnahmen der naturschutzgerechten Grünlandbewirtschaftung
die höchste Bedeutung zu.
Um auf Grund von Düngung und Intensivnutzung verarmte, aber noch mäßig artenreiche Frischwiesen in eine
naturschutzgerechte Nutzung zu überführen, ist die Maßnahme
Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit
Düngungsverzicht – Aushagerung
(G4) konzipiert worden. Besonders bei dieser Maßnahme sind die Ergeb-
nisse weiterer Untersuchungen abzuwarten, um Aussagen treffen zu können, ob eine Förderperiode ausrei-
chend ist, um das Grünland durch eine dreimalige jährliche Nutzung auszuhagern. Auf 10 % der Flächen
kommt bereits der Biotoptyp „Magere Frischwiese“ (GMM) vor. Auf diesen Flächen erscheint eine weitere
Aushagerung nicht zielführend, weil zu starker Nährstoffentzug sogar zu einer Verringerung der Artenzahl
führen könnte.
Die Maßnahme Naturschutzgerechte
Wiesennutzung mit Düngungsverzicht – Nutzungspause
(G5) scheint in
hohem Grade dazu geeignet, die auf den Maßnahmeflächen nachgewiesenen Vorkommen der beiden in der
EU über die FFH-Richtlinie geschützten Tagfalterarten Heller und Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling
(
Phengaris nausithous
et
teleius
) zu erhalten. Außerdem ist die Maßnahme durch den Verzicht auf Stickstoff-
düngung grundsätzlich dazu geeignet, das für die Lebensräume der Zielarten charakteristische floristische
Arteninventar zu sichern, jedoch weisen zwei Drittel der untersuchten Flächen eine deutliche bis große Diffe-
renz zum Zielzustand auf. Inwieweit die Maßnahme dazu geeignet ist, diese Lebensräume zu entwickeln,
kann jedoch zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beurteilt werden. Für die Flächen mit einem Vorkommen der
FFH-Lebensraumtypen „Flachland-Mähwiesen“ (6510) und „Brenndolden-Auenwiesen“ (6440) ist anhand der
vorliegenden Ergebnisse von einer positiven Wirkung der Maßnahme auf den Erhaltungszustand auszugehen.
Seggen- und binsenreiche Feuchtweiden und Flutrasen sowie Magerweiden einschließlich der gemäß FFH-
Richtlinie zu erhaltenden Borstgrasrasen stellen die besonderen Schwerpunkte für die Maßnahme
Natur-
schutzgerechte Beweidung mit später Erstnutzung
(G6) dar. Diese Biotoptypen wurden jedoch nur in sehr
geringem Umfang auf den untersuchten Flächen vorgefunden. Inwieweit die Maßnahme G6 darüber hinaus
geeignet ist, die häufiger nachgewiesenen FFH-Lebensraumtypen „Flachland-Mähwiesen“ (6510) und „Berg-
Mähwiesen“ (6520) zu erhalten, kann jedoch zum jetztigen Zeitpunkt noch nicht beurteilt werden. Auch wenn
für diese LRT grundsätzlich eine Schnittnutzung optimal ist, kann die Maßnahme G6 in Einzelfällen an schwer
mähbaren Hangflächen zur Erhaltung eines guten Zustands der LRT durchaus geeignet sein, ein Brachfallen
zu verhindern. Die Erfassungsergebnisse für die Artengruppen Tagfalter, Widderchen und Heuschrecken ver-
deutlichen im Vergleich zu den intensiv genutzten Vergleichsflächen und den Extensivweiden (G1a) den posi-
tiven Beitrag der Maßnahmeflächen zur Erhaltung der faunistischen Biodiversität auf Weiden.
Artenreiche magere Hutungen und Weiden bilden den Schwerpunkt der Maßnahme
Hutung mit Schafen und
Ziegen – Hutung von Dauergrünlandflächen
(G7a). Diese nehmen jedoch nur einen geringen Anteil an den
Maßnahmeflächen ein. Am häufigsten wurde der Biotoptyp „sonstige extensiv genutzte Frischwiese“ (GYM),
z. T potenziell wertvoll, nachgewiesen, der sich zu einer „Magerweide frischer Standorte“ (GMW) entwickeln
kann. Insgesamt wurde auf 54 % der im Rahmen der Grobuntersuchungen begutachteten Flächen ein wert-
voller Biotoptyp festgestellt. In einer Einzelfallstudie konnten auf Flächen mit artenreichen mageren Weiden
eine hohe Anzahl an Pflanzenarten der Roten Listen Sachsen und Deutschlands gefunden werden. Außerdem
nahm auf Dauerquadraten seit der Erstuntersuchung 2002 (NAK-Begleituntersuchungen) die Artenzahl, ins-
besondere auch der für den FFH-Lebensraumtyp „Kalk-Trockenrasen“ (6210) typischen Arten, zu. Hier ist die

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 95
Hutung als historische Nutzungsform unbedingt beizubehalten. Das Vorkommen von Nährstoffzeigern auf
72 % der bei den Grobuntersuchungen begutachteten Flächen ist jedoch als kritisch anzusehen, weil dies
dem Erhalt magerer Hutungen entgegensteht. Erst im weiteren Verlauf wird sich zeigen, ob die Maßnahme
G7a dazu geeignet ist, die Nährstoffzeiger zurückzudrängen.
Die im Rahmen der Grobuntersuchungen erfassten Flächen der Maßnahme
Hutung mit Schafen und Ziegen
von Heideflächen
(G7b) konnten überwiegend dem FFH-Lebensraumtyp –„Trockene Heiden“ (4030) zugeord-
net werden und entsprechen damit der Hauptzielstellung der Maßnahme. Daneben wurden weitere wertvolle
Biotoptypen und Lebensraumtypen kartiert. Die Einzelfallstudie Hüteschafhaltung hat gezeigt, dass die Maß-
nahme zum Erhalt der Heideflächen sowie weiterer Mager- und Trockenlebensräume und ihrer lebensraumty-
pischen Pflanzenarten und einer daran angepassten Heuschrecken-, Tagfalter- und Widderchenfauna gut
geeignet ist. Auf den beweideten Flächen wurde im Zeitraum zwischen 2002 und 2010 eine Zunahme an
Pflanzenarten, insbesondere auch an lebensraumtypischen Arten festgestellt. Bei dieser Maßnahme stehen
auch faunistische Ziele wie Raubwürger (
Lanius excubitor
), Heidelerche (
Lullula arborea
) und Kleiner Hei-
degrashüpfer (
Stenobothrus stigmaticus
) im Vordergrund, weitere, spezifisch an Heiden und Magerbiotope
angepasste typische Arten konnten ebenfalls in nennenswerter Anzahl festgestellt werden. Durch die Bewei-
dung können zum einen Bereiche mit offener/lückiger Vegetation erhalten bzw. geschaffen werden, zum an-
deren soll ein gewisser Grad an Verbuschung als Lebensraumbestandteil bestimmter Zielarten erhalten blei-
ben. Zum Erhalt der Pionier- und Sandmagerrasen und trockenen Heiden bedarf es jedoch weitergehender
Maßnahmen, wie Gehölzentnahmen und ggf. kontrolliertes Brennen, um der Überalterung der Heidebestände
zu begegnen.
Die Bewertung von Flächen der Maßnahme
Anlage von Bracheflächen und Brachestreifen im Grünland
(G9)
erfolgte im Rahmen der Grobuntersuchungen und einer Einzelfallstudie im Jahr 2010. Die Maßnahme wird
besonders für Nasswiesen und Staudenfluren als geeignet angesehen, weil durch die Mahd in zweijährigem
Abstand eine Verbuschung und Verdrängung wertvoller Arten verhindert werden kann. Grundsätzlich ist die
Maßnahme auch für die Schaffung von Rückzugsräumen bspw. für Braunkehlchen (
Saxicola rubetra
), Wach-
telkönig (
Crex crex
) oder Wiesenknopf-Ameisenbläulinge (
Phengaris nausithous
et
teleius
) besonders geeig-
net.
6.2 Acker
Der Erhalt des in Sachsen in großen Teilen von vollständiger Vernichtung bedrohten Biotoptyps „Extensiv
genutzter wildkrautreicher Acker“ besitzt eine hohe Dringlichkeit. Bislang können die Maßnahmen der natur-
schutzgerechten Ackerbewirtschaftung jedoch die gewünschte Wirkung – wie auch schon beim Vorgänger-
programm Naturschutz und Erhalt der Kulturlandschaft (NAK) – nicht entfalten. Die Antragsfläche für die Maß-
nahmen belief sich im Jahr 2012 auf nur etwa 0,6 % der sächsischen Ackerfläche. Für die beiden ganzjährig
wirksamen Maßnahmen
Naturschutzgerechte Ackerbewirtschaftung mit Einschränkung von Pflanzenschutz-
mitteln und Vorgaben zu angebauten Kulturen
(A4) und
Anlage von Bracheflächen und Brachestreifen auf
Ackerland
(A3) zusammen beträgt der Anteil nur weniger als 0,4 %.
Um Aussagen zur Qualität der Wirksamkeit der jeweiligen Fördermaßnahmen auf Ackerflächen zu gewinnen,
wurden verschiedene Untersuchungsansätze gewählt. Bei den Ersterfassungen im Rahmen der Grobuntersu-
chungen Acker wurden von 2009 bis 2011 sachsenweit auf 271 Ackerflächen ausgewählte Ackerwildkrautvor-
kommen kartiert. Ergänzend fanden exemplarisch durchgeführte Einzelfallstudien statt. Die Ergebnisse sind
im Folgenden maßnahmebezogen zusammengefasst.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 96
Zur Maßnahme
Überwinternde Stoppel
(A1) wurden auf Grund des sehr geringen Anwendungsumfangs keine
Untersuchungen durchgeführt. Generell sind jedoch positive Effekte von Stoppelflächen insbesondere auf die
faunistische Diversität in Agrarlandschaften durch verschiedene wissenschaftliche Studien nachgewiesen.
Die Maßnahme
Bearbeitungspause im Frühjahr
(A2) wurde zum Schutz wandernder Amphibien konzipiert. In
der tatsächlichen Anwendung wurde der Maßnahme eine hohe Bedeutung für den Vogelschutz zugespro-
chen, weil eine erhebliche Anzahl entsprechender Zielsetzungen in den Naturschutzfachlichen Stellungnah-
men benannt war. In einer Einzelfallstudie zur exemplarischen Untersuchung der tatsächlichen Eignung für
Vögel wurde deutlich, dass im untersuchten Gebiet die Nutzungspause im Frühjahr an sich keinen direkten
Einfluss auf bodenbrütende Vögel oder Nahrungsgäste hatte. Die Lebensraumeignung der landwirtschaftli-
chen Nutzflächen war vielmehr von der jeweils angebauten Kulturart sowie angrenzenden Landschaftsele-
menten und Strukturen wie Sing- und Sitzwarten oder Saumstrukturen abhängig. Gemäß den Untersuchungs-
ergebnissen hatte die Maßnahme allenfalls indirekten positiven Einfluss auf Brutvogelvorkommen und kann
sich bei wieder aufgenommener Bewirtschaftung nach der Nutzungspause und zur Brutzeit der Feldvögel
auch nachteilig auswirken. Alle untersuchten Förderflächen wurden im Jahr der Erfassungen mit Feldfutter
bestellt. In den Jahren 2007 bis 2010 erfolgte eine überwiegende Nutzung zum Feldfutterbau auf ca. drei Vier-
tel aller beantragten Maßnahmeflächen. Weil Feldfutterbestände in der Regel jedoch nur eine eingeschränkte
Lebensraumeignung für Vogelarten der Feldflur ausweisen, wird die Maßnahme A2 hinsichtlich eines Beitra-
ges zum Schutz von Vogelarten der Feldflur kaum wirksam.
Die Ergebnisse der Grobuntersuchungen dokumentieren, dass auf zwei Drittel der Fläche in der Maßnahme
Anlage von Bracheflächen auf Ackerland – Selbstbegrünung
(A3a) der in Sachsen von vollständiger Vernich-
tung bedrohte Biotoptyp „Extensiv genutzter wildkrautreicher Acker“ gefördert wird. Flächen mit geringen Diffe-
renzen zum Zielzustand „Extensiv genutzter wildkrautreicher Acker“ bilden jedoch die Ausnahme. Sehr gute
bis hervorragende Zielerreichungsgrade finden sich nur für wenige Prozent der untersuchten Schläge. Als
unzureichend oder schlecht eingestuft sind deutlich mehr als ein Drittel der Flächen. Die Ackerwildkrautbe-
stände, das zeigt sich anhand der Anzahl der aufgefundenen Positivarten in den Untersuchungstransekten,
sind meist floristisch verarmt. Zudem konnten vergleichsweise wenig Rote-Liste-Pflanzen nachgewiesen wer-
den. Häufige Pflegedefizite sind die Vergrasung und Verfilzung vieler Bestände, welche auf gut einem Viertel
der untersuchten A3a-Schläge relevant waren. Problematisch aufgrund des regelmäßig vorgeschriebenen
Umbruchs sind die Maßnahmeflächen, die eine Pufferfunktion für angrenzende Biotope erfüllen sollen. Die
Notwendigkeit eines rohbodenschaffenden Umbruchs ist ein wesentliches Fazit aus einer Einzelfallstudie, in
der beispielhaft A3a-Maßnahmeflächen untersucht wurden. Die Flächen wiesen eine Tendenz zur Ruderalisie-
rung auf, wenige Rote-Liste-Ackerpflanzen konnten nur an Störstellen nachgewiesen werden und für die un-
tersuchte Laufkäferfauna war keine besondere Bedeutung der Brachen zu erkennen. Ausschlaggebender
Faktor war neben weiteren Einflussgrößen die Verfilzung. Ein flächig Rohboden schaffender Umbruch könnte
sich im Sinne der Entwicklung sowohl einer artenreichen Ackerwildkrautflora als auch Laufkäferfauna förder-
lich auswirken. Ebenso sollte eine Einsaat vor Maßnahmebeginn ausgeschlossen werden, um dichtwüchsige
Grasnarben zu verhindern.
Anlagen von Bracheflächen und Brachestreifen mit Einsaat kräuterreicher Ansaatmischungen
(A3b) wiesen je
nach Art und Alter der Einsaat sehr unterschiedliche Vegetationsbestände auf, dazu zählte zum Teil eine rela-
tiv hohe Vergrasung, zum Teil erschienen sie auf Grund langjähriger Brachlegungen wie Grünlandbrachen,
einzelne Flächen tendierten zu Sandmagerrasen. Bei Aussaat von gebietsheimischem Saatgut in Schwarz-
brache lag die mittlere Pflanzenartenzahl in Vegetationsaufnahmen hoch signifikant über den anderen Varian-
ten. Anhand einer GIS-Auswertung zu angrenzenden Biotop- und Landnutzungstypen (BTLNK) war es nur
ansatzweise möglich, auf die Auswirkungen der Bewirtschaftung der Maßnahmeflächen auf angrenzende

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 97
Biotope zu schließen. Grundsätzlich tragen die Förderflächen jedoch vielfach durch ihre angrenzende Lage
insbesondere an Gewässer- und Gehölzbiotope zur Bildung von Biotopkomplexen und einer dadurch vielfälti-
geren Landschafts- und Lebensraumstruktur bei.
Die Maßnahme
Anlage von Bracheflächen und Brachestreifen mit Selbstbegrünung mit Rotationsansatz
(A3d)
weisen im Vergleich zu A3a- und A4-Flächen bzgl. Ackerwildkrautvorkommen deutlich schlechtere Erfas-
sungsergebnisse auf. Es konnten im Durchschnitt weniger Positivarten und weniger Rote-Liste-Arten erfasst
werden. Sehr gute bis hervorragende Zielerreichungsgrade erlangen nur wenige der A3d-Untersuchungs-
flächen, der Anteil der als unzureichend oder schlecht eingestuften Flächen beläuft sich auf annähernd ein
Drittel. Vor allem bei dieser Maßnahme gab es eine nennenswerte Anzahl Flächen mit Vorkommen von Stö-
rungszeigern, deren Auftreten als Beeinträchtigung des Maßnahmeziels gewertet wurde.
Der überwiegende Teil der Maßnahmeflächen
Naturschutzgerechte Ackerbewirtschaftung mit Einschränkung
von Pflanzenschutzmitteln und Vorgaben zu angebauten Kulturen
(A4) konnte in den Grobuntersuchungen
nur undifferenziert als Biotoptyp „Extensiv genutzter wildkrautreicher Acker“ (UA) angesprochen werden. Die
Präsenz der in den Transekten erfassten Positivarten liegt gegenüber den Maßnahmen A3a und A3b aber
signifikant höher. Weiterhin beherbergen die untersuchten Flächen in einem Drittel der Fälle mindestens eine
Rote-Liste-Art. Dennoch sind sie ansonsten oft floristisch verarmt und weisen zum Großteil eine mäßige bis
deutliche Abweichung vom erwünschten Zielzustand „Extensiv genutzter wildkrautreicher Acker“ auf. Sehr
gute bis hervorragende Zielerreichungsgrade erlangen auch bei dieser Maßnahme nur wenige Prozent der
erfassten Flächen. Der Anteil der im Zielerreichungsgrad als unzureichend oder schlecht eingestuften Flächen
beläuft sich auf ein Drittel.
Hinsichtlich der exemplarisch untersuchten Eignung von A4-Maßnahmeflächen als Lebensraum für das Reb-
huhn in einer Bergbaufolgelandschaft wurde die Lebensraumausprägung des Untersuchungsgebietes insge-
samt als nicht optimal eingeschätzt. Als Ursache wurden vorwiegend fehlende Rückzugsräume für das Reb-
huhn vermutet. Die naturschutzgerechte Ackerbewirtschaftung (A4) insbesondere in Verbindung mit der räum-
lichen Nähe zu selbst begrünten streifenförmigen Ackerbrachen (A3) schafft zwar günstige Nahrungsbedin-
gungen für Rebhühner. Die Lebensraumeignung für Rebhühner lässt sich aber vermutlich in vielen Gebieten
der heutigen Agrarlandschaft allein mit flächenhaften, naturschutzorientierten Maßnahmen der RL AuW/2007
nicht beeinflussen, weil Rebhühner zum Überleben reich gegliederte Ackerlandschaften benötigen. Zur Erhal-
tung und Stärkung der Vorkommen bedarf es der Abstimmung eines ganzen Maßnahmebündels.
Beim exemplarischen Vergleich von A4-Maßnahmeflächen und Flächen ohne Agrarumweltförderung wiesen
die Förderflächen eine deutlich höhere Pflanzenartenzahl insbesondere an Ackerwildkräutern und eine größe-
re Diversität auf. Laufkäferuntersuchungen ließen aufgrund von einigen Fallenausfällen und extremen Witte-
rungsverhältnissen nur eine bedingte Bewertung zu. Im Vergleich zu den konventionell bewirtschafteten Flä-
chen konnte keine höhere Aktivitätsdichte nachgewiesen werden. Die phytophagen, meist samenfressenden
Arten profitieren aufgrund des Verzichts auf Pflanzenschutzmittel am deutlichsten von den aufkommenden
Ackerwildkräutern. Fehlende wendende Bodenbearbeitung bewirkt sehr dicht schließende Gräser- und Kräu-
terbestände mit für Laufkäfer extensiver Äcker ungünstiger Bestandsinnenklima- bzw. -strukturentwicklung.
Wertvolle Segetalarten und -gesellschaften sind in Sachsen sehr selten und befinden sich weiter in Rückgang.
Alle extensiv genutzten Äcker sind in Sachsen von vollständiger Vernichtung bedroht oder sehr selten (BUDER
& UHLEMANN 2010). Dies spiegelt sich entsprechend in den Roten Listen der Farn- und Samenpflanzen, Bio-
toptypen und Pflanzengesellschaften in sehr hohen Gefährdungsgraden wider. Die meisten kennzeichnenden
Ackerwildkrautarten für extensiv genutzte wildkrautreiche Äcker (hier konkret die methodisch festgelegten

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 98
sogenannten Positivarten) wie auch die meisten seltenen bzw. gefährdeten Ackerwildkrautarten konnten bei
der Maßnahme
Naturschutzgerechte Ackerbewirtschaftung mit Einschränkung von Pflanzenschutzmitteln und
Vorgaben zu angebauten Kulturen
(A4) erfasst werden. Daneben scheinen die mehrjährige Brachlegung mit
Selbstbegrünung und Umbruch alle zwei Jahre (Maßnahme A3a) gegenüber den Brachen mit Selbstbegrü-
nung und mit jährlichem Umbruch (A3d) Ackerwildkräutern die besseren Existenzbedingungen zu bieten.
Selbst die meisten der mit Agrarumwelmaßnahmen geförderten Äcker weisen aber schon keine bemerkens-
werten Ackerwildkrautvorkommen mehr auf. Ein Problem für zahlreiche Ackerbrachen ist eine – oft offensicht-
lich regelmäßige – Befahrung und damit einhergehende Bodenverdichtung und direkte Schädigung von Vege-
tation, weil die Flächen nicht als Naturschutzmaßnahmeflächen erkannt oder respektiert, sondern als Fahrweg
genutzt werden.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 99
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LfUG. Unveröffentlicht. Dresden.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 102
8 Anhang
Tabelle 26: Spezifische Zuwendungsvoraussetzungen der betrachteten Maßnahmen
Auszug aus der Richtlinie des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft zur Förderung von flächenbezogenen
Agrarumweltmaßnahmen und der ökologischen Waldmehrung im Freistaat Sachsen (Förderrichtlinie Agrarumweltmaßnahmen und
Waldmehrung – RL AuW/2007) Fassung gültig ab: 01.01.2013
Spezifische Zuwendungsvoraussetzungen Maßnahmen G 1, G 2, G 3, G 4, G 5, G 6, G 7 und G 9 – Extensive Grünlandwirtschaft
und Naturschutzgerechte Grünlandbewirtschaftung und Pflege und G 10 – Umwandlung von Ackerland in Dauergrünland:
a) Darstellung der Lage der beantragten Schläge in digitaler Form.
b) Nutzung der geförderten Flächen ohne Grünlandumbruch.
c) Keine Reliefmelioration.
d) Keine Ablagerung von Materialien jeglicher Art, außer der zwischenzeitlichen Lagerung von Schnittgut einschließlich Silageballen und
Heuballen auf den einbezogenen Flächen.
e) Kein Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel im Sinne der Verordnung (EG) Nr. 834/2007.
f) Verzicht auf die Neuanlage oder Wiederherstellung nicht funktionsfähiger Be- und Entwässerungssysteme, es sei denn, es liegt eine
Gestattung nach Naturschutz- oder anderen Rechtsvorschriften vor.
g) Vorlage der Naturschutzfachlichen Stellungnahme der zuständigen Naturschutzfachbehörde über die Förderwürdigkeit der beantragten
Maßnahmen und Flächen (außer bei Maßnahme G 1 und G 10).
Maßnahme G 1 – Extensive Grünlandwirtschaft:
a) (aufgehoben)
b) Die Maßnahme kann auf dem gesamten Grünland des Betriebes durchgeführt werden.
c) Verzicht auf den Einsatz chemisch-synthetischer N-Düngemittel im Sinne der Verordnung (EG) Nr. 834/2007.
d) Die Maßnahme kann nur gefördert werden, wenn die jährlich ausgebrachte Wirtschaftsdüngermenge in Höhe des Anfalls von 1,4
GVE/ha und der Viehbesatz von 1,4 RGV/ha Hauptfutterfläche des Betriebes nicht überschritten werden.
e) Ordnungsgemäße Beräumung des Schnittgutes.
f) Durchführung von Bestandsverbesserungsmaßnahmen auf dem Grünland im Freistaat Sachsen ohne Umbruch. Ausnahmen können
vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) zugelassen werden.
g) Bei Neu- und Nachsaaten Verwendung der Sächsischen Qualitätssaatmischungen nach den Empfehlungen des LfULG.
h) Kein Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel im Sinne der Verordnung (EG) Nr. 834/2007. Abweichend davon kann das
LfULG die Bekämpfung großblättriger Ampferarten und der Neophyten: Riesenbärenklau, Drüsiges Springkraut, Japan-Knöterich, Sacha-
lin-Knöterich mit chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln durch Einzelpflanzenbehandlung im Einzelfall zulassen.
aa) Extensive Weide
aaa) Mindestbesatzstärke von 0,3 RGV/ha auf der für diese Maßnahme beantragten Grünlandfläche.
bbb) Nutzung der Fläche als Mähweide und Weide.
bb) Extensive Wiese
aaa) Nachweide ab 15. August möglich.
bbb) Futterwirtschaftliche oder energetische Nutzung des Aufwuchses einschließlich Kompostierung.
Maßnahme G 2 – Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht vor erster Nutzung:
a) Mindestens eine Mähnutzung pro Jahr.
b) Ordnungsgemäße Beräumung des Mähgutes.
c) Keine N-Düngung vor der ersten Nutzung.
d) Erste Nutzung frühestens ab 15. Juni.
e) Abschluss der ersten Nutzung einschließlich ordnungsgemäßer Beräumung des Mähgutes bis spätestens 31. Juli.
f) Nach- und Übersaaten nur nach fachlicher Bewertung der zuständigen Naturschutzfachbehörde und Zustimmung der Bewilligungsbe-
hörde.
g) Beweidung nur in Form einer Nachbeweidung ab frühestens 1. August.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 103
Maßnahme G 3 – Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht:
a) Mindestens zwei Mähnutzungen pro Jahr
4
bei Nachbeweidung frühestens ab 1. August nach Buchstabe f Doppelbuchst. aa und min-
destens eine Mähnutzung pro Jahr bei Nachbeweidung frühestens ab 1. September nach Buchstabe f Doppelbuchst. bb.
b) Ordnungsgemäße Beräumung des Mähgutes.
c) Keine N-Düngung.
d) Einhaltung des Zeitraumes für die erste Nutzung:
aa) Erste Nutzung frühestens ab 15. Juni. Abschluss der ersten Nutzung einschließlich ordnungsgemäßer Beräumung des Mähgutes bis
31. Juli.
bb) Erste Nutzung frühestens ab 15. Juli. Abschluss der ersten Nutzung einschließlich ordnungsgemäßer Beräumung des Mähgutes bis
spätestens 31. Oktober.
e) Nach- und Übersaaten nur nach fachlicher Bewertung der zuständigen Naturschutzfachbehörde und Zustimmung der Bewilligungsbe-
hörde.
f) Beweidung nur in Form einer Nachbeweidung:
aa) Bei erster Nutzung frühestens ab 15. Juni, Nachbeweidung frühestens ab 1. August.
bb) Bei erster Nutzung frühestens ab 15. Juli, Nachbeweidung frühestens ab 1. September.
Maßnahme G 4 – Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht – Aushagerung:
a) Dreimalige Schnittnutzung pro Jahr mit jeweiliger ordnungsgemäßer Beräumung des Mähgutes.
b) Keine N-Düngung.
c) Erste Nutzung im ersten, dritten, fünften und siebenten Verpflichtungsjahr, frühestens ab dem 1. Juni.
d) Abschluss der ersten Nutzung einschließlich ordnungsgemäßer Beräumung des Mähgutes in diesen Jahren bis spätestens 1. Juli.
e) Nach- und Übersaaten nur nach fachlicher Bewertung der zuständigen Naturschutzfachbehörde und Zustimmung der Bewilligungsbe-
hörde.
f) Beweidung nur in Form einer Nachbeweidung ab frühestens 1. September.
Maßnahme G 5 – Naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht – Nutzungspause:
a) Mindestens zwei Mähnutzungen pro Jahr
5
.
b) Ordnungsgemäße Beräumung des Mähgutes.
c) Keine N-Düngung.
d) Abschluss der ersten Nutzung (Mähnutzung) einschließlich ordnungsgemäßer Beräumung des Mähgutes bis spätestens 10. Juni.
e) Zweite Nutzung frühestens ab 15. September.
f) Kein Eggen. Walzen und Abschleppen nur nach Zustimmung der zuständigen Naturschutzfachbehörde.
g) Nach- und Übersaaten nur nach fachlicher Bewertung der zuständigen Naturschutzfachbehörde und Zustimmung der Bewilligungsbe-
hörde.
Maßnahme G 6 – Naturschutzgerechte Beweidung mit später Erstnutzung:
a) Mindestens eine Weidenutzung pro Jahr.
b) Keine zusätzliche N-Düngung.
c) Keine Zufütterung auf der Förderfläche (ausgenommen Mineralstoffe).
d) Nach- und Übersaaten nur nach fachlicher Bewertung der zuständigen Naturschutzfachbehörde und Zustimmung der Bewilligungsbe-
hörde.
e) Einhaltung eines durchschnittlichen Viehbesatzes von mindestens 0,3 RGV/ha des geförderten Weideschlages für die definierte Wei-
deperiode.
f) Erste Nutzung frühestens ab 1. Juni.
g) Vorlage und Einhaltung eines jährlichen Weideplanes (ausschließlich per Antrags-CD), der von der zuständigen Naturschutzfachbe-
hörde bestätigt ist.
h) Maßnahme wird ab einer Mindestgröße des Einzelschlages von 0,3 ha gefördert.
Maßnahme G 7 – Naturschutzgerechte Beweidung – Hutung mit Schafen und Ziegen:
a) Keine zusätzliche N-Düngung.
b) Keine Zufütterung auf der Förderfläche (ausgenommen Mineralstoffe)
c) Vorlage und Einhaltung eines jährlichen Weideplanes (ausschließlich per Antrags-CD), der von der zuständigen Naturschutzfachbe-
hörde bestätigt ist.
4
Ursprüngliche Fassung gültig bis zum 30.9.2009: Mindestens eine Mähnutzung pro Jahr.
5
Ursprüngliche Fassung gültig bis zum 30.9.2009: Mindestens eine Mähnutzung pro Jahr.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 104
d) Pferchung nur auf den im Weideplan definierten Flächen.
e) Hutung der Flächen mit Schafen und/oder Ziegen.
Maßnahme G 9 – Anlage von Bracheflächen und Brachestreifen im Grünland:
a) Mindestbreite der Brachestreifen drei Meter.
b) Keine Düngung.
c) Pflegeschnitt (Mahd mit ordnungsgemäßer Beräumung) zwischen dem 15. August und dem 15. November mindestens alle zwei Jahre
im Verpflichtungszeitraum, beginnend im ersten oder im zweiten Verpflichtungsjahr gemäß Festlegung der zuständigen Naturschutzfach-
behörde.
d) Maßnahme wird nur im Zusammenhang mit unmittelbar angrenzenden genutzten Grünlandbereichen (keine aus der Erzeugung ge-
nommenen Flächen) innerhalb eines Feldblocks gefördert.
e) Maßnahme wird ab einer Mindestgröße von 0,1 ha bis maximal 2 ha des Einzelschlages gefördert.
Maßnahme G 10 – Umwandlung von Ackerland in Dauergrünland:
a) Zustimmung des Grundstückseigentümers bei Pachtflächen,
b) Die Maßnahme kann auf der gesamten Ackerfläche des Betriebes durchgeführt werden.
c) Die umzuwandelnde Ackerfläche ist durch eine gezielte Ansaat/Nachsaat zu begrünen.
d) Ein Umbruch der geförderten Grünlandflächen ist verboten.
e) Der Umfang der Dauergrünlandfläche des Betriebes insgesamt darf außer in Fällen des Besitzerwechsels, der mehrjährigen Stilllegung
oder der Erstaufforstung derselben nicht verringert werden.
f) Die geförderten Flächen sind mindestens einmal während der Vegetationsperiode zu mähen oder zu beweiden.
g) Das Schnittgut ist landwirtschaftlich (einschließlich energetische Nutzung) zu verwerten (Mulchverbot).
Spezifische Zuwendungsvoraussetzungen Maßnahmen nach A – Naturschutzgerechte Bewirtschaftung und Gestaltung von
Ackerflächen:
a) Darstellung der Lage des Schlages in digitaler Form.
b) Keine Reliefmelioration.
c) Keine Ablagerung von Materialien jeglicher Art auf den einbezogenen Flächen.
d) Vorlage der Naturschutzfachlichen Stellungnahme der zuständigen Naturschutzfachbehörde über die Förderwürdigkeit der beantragten
Maßnahmen und Flächen.
Maßnahme A 1 – Überwinternde Stoppel:
a) In jedem Jahr ist mindestens eine fachlich geeignete Fläche mit dieser Maßnahme zu bewirtschaften.
b) Anbau von Getreide, Mais, Sonnenblumen oder Leguminosen.
c) Stehenlassen der Stoppeln oder Ernterückstände nach der Ernte bis zum 15. Februar des Folgejahres.
d) In der Zeit zwischen der Ernte und dem 15. Februar des Folgejahres keine Stoppelbearbeitung, kein Einsatz von Dünger und Pflanzen-
schutzmitteln sowie keine mechanische Unkrautbekämpfung.
Maßnahme A 2 – Bearbeitungspause im Frühjahr:
Keine Bearbeitung (Bodenbearbeitung, Düngung, Ausbringung Pflanzenschutzmittel und Wachstumsregulatoren, mechanische Unkraut-
bekämpfung) zwischen dem 1. März und dem 30. April.
Maßnahme A 3 – Anlage von Bracheflächen und Brachestreifen auf Ackerland:
a) Verzicht auf Dünger und Pflanzenschutzmittel.
b) Keine Nutzung des Aufwuchses.
c) Anlage und Pflege der Fläche nach einer der folgenden Varianten gemäß Festlegung der zuständigen Naturschutzfachbehörde:
aa) Selbstbegrünung mit Umbruch der Brachefläche alle zwei Jahre im Verpflichtungszeitraum zwischen 15. September und
15. Februar.
bb) Einsaat kräuterreicher Ansaatmischungen in unterschiedlichen Mischungs- und Mengenverhältnissen. Pflegeschnitt min-
destens alle zwei Jahre im Verpflichtungszeitraum.
cc) Ansaatmischungen folgender Kulturarten in unterschiedlichen Mengenverhältnissen: Ackerbohne, Buchweizen, Erbse,
Klee, Kulturmalve, Lein, Lupine, Luzerne, Markstammkohl, Ölrettich, Phacelia, Raps, Saatwicke, Senf, Sonnenblume, Getrei-
de- sowie Gräserarten und ausgewählte krautige Wildpflanzen. Pflegeschnitt mindestens alle zwei Jahre im Verpflichtungs-
zeitraum.
dd) Selbstbegrünung mit jährlicher Grundbodenbearbeitung der Brachefläche zwischen 15. September und 15. Februar ent-
sprechend der Festlegung der Naturschutzfachbehörde auf jährlich mindestens einer fachlich geeigneten Fläche.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 105
d) Maßnahme wird nur bis zu einer Flächengröße von maximal 5 ha des Einzelschlages gefördert.
Maßnahme A 4 – Naturschutzgerechte Ackerbewirtschaftung mit Einschränkung von Pflanzenschutzmitteln und Vorgaben zu
angebauten Kulturen:
a) Dreimal in 5 oder 6 Jahren oder viermal in 7 Jahren Getreideanbau.
b) Kein Anbau von Mais, Raps, Sonnenblumen.
c) Keine Untersaaten.
d) Ausschließliche Verwendung organischer Wirtschaftsdünger (Rinder-/Schweinegülle/Stallmist) maximal im zweiten und vierten und
sechsten Verpflichtungsjahr.
e) Stoppelbearbeitung frühestens ab dem 15. September.
f) Kein Einsatz von Herbiziden, Rodentiziden, Insektiziden und Wachstumsregulatoren.
g) Mechanische Ackerwildkrautbekämpfung bei Anbau von Getreide nur nach fachlicher Bewertung der zuständigen Naturschutzfachbe-
hörde und Zustimmung der Bewilligungsbehörde.
Maßnahme S 5 – Anlage von Grünstreifen auf Ackerland:
a) Darstellung der Lage der beantragten Schläge in digitaler Form,
b) Anlage von Grünstreifen auf Ackerflächen des Betriebes mit einer Breite von mindestens 6 m und höchstens 50 m,
c) Anlage und Pflege mit Ansaatmischungen folgender Kulturarten: Kleegras, Ackergras,
d) Entstandene Bestandslücken sind dur Maßnahme S 5 – Anlage von Grünstreifen auf Ackerland:
a) Darstellung der Lage der beantragten Schläge in digitaler Form,
b) Anlage von Grünstreifen auf Ackerflächen des Betriebes mit einer Breite von mindestens 6 m und höchstens 50 m,
c) Anlage und Pflege mit Ansaatmischungen folgender Kulturarten: Kleegras, Ackergras,
d) Entstandene Bestandslücken sind durch Nachsaat zu schließen.
e) Verzicht auf Dünger- und Pflanzenschutzmittel,
f) Die geförderten Flächen sind mindestens einmal während der Vegetationsperiode zu mähen oder zu mulchen.
g) Die Maßnahme ist nur bis zu einer Flächengröße von maximal 5 ha des Einzelschlages förderfähig.
h) Der Umfang der Dauergrünlandfläche des Betriebes insgesamt darf außer in Fällen des Besitzerwechsels, der mehrjährigen Stilllegung
oder der Erstaufforstung derselben nicht verringert werden.ch Nachsaat zu schließen.
e) Verzicht auf Dünger- und Pflanzenschutzmittel,
f) Die geförderten Flächen sind mindestens einmal während der Vegetationsperiode zu mähen oder zu mulchen.
g) Die Maßnahme ist nur bis zu einer Flächengröße von maximal 5 ha des Einzelschlages förderfähig.
h) Der Umfang der Dauergrünlandfläche des Betriebes insgesamt darf außer in Fällen des Besitzerwechsels, der mehrjährigen Stilllegung
oder der Erstaufforstung derselben nicht verringert werden.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 106
Tabelle 27: Kategorien der erfassten Beeinträchtigungen bei den Grobuntersuchungen
Kategorie
Kürzel
Beeinträchtigung
Bewirtschaftung
A1
Devastierung (direkter Flächenverlust durch Nutzungsänderung)
A2
Defizite in der Maßnahmeumsetzung (Pflegerückstand, Maßnahmeumsetzung unzureichend)
A3
Bewirtschaftungsintensität
A4
Beweidung
A5
Aufforstung
Boden und Wasser
B1
Abbau/Materialentnahme
B2
Erosion/Bodenabtrag (punktuell, linienförmig)
B3
Erosion/Bodenabtrag (flächig)
B4
Eintrag anderer Stoffe/anorganische Fremdstoffe, einschließlich zur Wegebefestigung
B5
Eintrag anderer Stoffe/organische Ablagerungen
B6
Eintrag anderer Stoffe/Müllablagerung
B7
Eintrag anderer Stoffe/Bodenauftrag, -aufschüttung (anthropogen)
B8
Eintrag anderer Stoffe/Bodenauftrag (Sedimenteintrag aus umliegenden Flächen)
B9
Nährstoffeintrag (N, P; Eutrophierung)
B10
Schadstoffeintrag (Öl, PAK, Ruß, Stäube, PSM, Salze)
B11
Störungen des Oberbodens/Bodenverwundung
B12
Bodenverdichtung/Trittbelastung
B13
Bodenverdichtung/Befahrung
B14
Vernässung/Grundwasseranhebung
B15
Grundwasserabsenkung
B16
Entwässerung
B17
Gewässerverrohrung /-verlegung /-begradigung /-verbau /Uferbefestigung
Vegetation
C1
direkte Schädigung von Vegetation
C2
Nutzungsauflassung/Brache
C3
Pflegedefizite allgemein (Maßnahmekonform, aber Pflege dennoch nicht ausreichend)
C4
Verbuschung/Gehölzaufwuchs
C5
Vergrasung/Verfilzung
Störungszeiger
D1
Nährstoffzeiger
D2
Neophyten/Neozoen
D3
sonst. Störzeiger (incl. Ruderalisierungszeiger)

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 107
Kategorie
Kürzel
Beeinträchtigung
Sonstiges
E1
Begängnis, Frequentierung
E2
Beschattung
E3
Zerschneidung
weitere
F

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 108
Tabelle 28: Artenliste für die Erfassung von extensiv genutztem Grünland frischer Standorte (GM)
Art - wissenschaftlich
Art - deutsch
Kennzeichnend für Biotoptyp
Positivarten
Achillea millefolium
Gewöhnliche Schafgarbe
GMM, GMS
Agrostis capillaris
Rot-Straußgras
GMM, GMW, GMS
Alchemilla vulgaris
agg.
Artengruppe Gewöhnlicher Frauenmantel
GMM, GMS
Anthoxanthum odoratum
Gewöhnliches Ruchgras
GMM, GMW, GMS
Armeria maritima
Gewöhnliche Grasnelke
GMM, GMW, GMS
Arrhenatherum elatius
Glatthafer
GMM, GMS
Bistorta officinalis
Schlangen-Wiesenknöterich
GMM, GMS
Briza media
Gewöhnliches Zittergras
GMM, GMS
Campanula patula
Wiesen-Glockenblume
GMM, GMS
Campanula rotundifolia
Rundblättrige Glockenblume
GMM, GMS
Centaurea jacea
Wiesen-Flockenblume
GMM, GMS
Cerastium holosteoides
Gewöhnliches Hornkraut
GMM, GMS
Cirsium oleraceum
Kohl-Kratzdistel
GMM
Crepis biennis
Wiesen-Pippau
GMM
Cynosurus cristatus
Wiesen-Kammgras
GMM, GMW, GMS
Daucus carota
Wilde Möhre
GMM, GMS
Dianthus deltoides
Heide-Nelke
GMM, GMW, GMS
Festuca rubra
Rot-Schwingel
GMM, GMW, GMS
Galium verum
Echtes Labkraut
GMM,GMW
Geranium pratense
Wiesen-Storchschnabel
GMM
Geum rivale
Bach-Nelkenwurz
GMM
Hieracium pilosella
Kleines Habichtskraut
GMM, GMW, GMS
Holcus lanatus
Wolliges Honiggras
GMM, GMS
Hypochaeris radicata
Gewöhnliches Ferkelkraut
GMM, GMW, GMS
Knautia arvensis
Acker-Witwenblume
GMM, GMS
Leontodon autumnalis
Herbst-Löwenzahn
GMW
Leontodon hispidus
Rauher Löwenzahn
GMM, GMW, GMS
Leucanthemum vulgare
agg.
Artengruppe Wiesen-Margerite
GMM, GMS
Lotus corniculatus
Gewöhnlicher Hornklee
GMM, GMS

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 109
Art - wissenschaftlich
Art - deutsch
Kennzeichnend für Biotoptyp
Luzula campestris
agg.
Gewöhnliche Hainsimse
GMM, GMW, GMS
Nardus stricta
Borstgras
GMW, GMS
Pastinaca sativa
Pastinak
GMM
Phleum pratense
Wiesen-Lieschgras
GMW
Pimpinella saxifraga
Kleine Bibernelle
GMM, GMW, GMS
Plantago lanceolata
Spitz-Wegerich
GMM, GMW, GMS
Polygala vulgaris
Gewöhnliches Kreuzblümchen
GMW, GMS
Potentilla erecta
Blutwurz
GMW, GMS
Ranunculus acris
Scharfer Hahnenfuß
GMM, GMW, GMS
Ranunculus bulbosus
Knolliger Hahnenfuß
GMM, GMW, GMS
Rhinanthus minor
Kleiner Klappertopf
GMM, GMW, GMS
Rumex acetosa
Wiesen-Sauerampfer
GMM, GMS
Rumex acetosella
Kleiner Sauerampfer
GMM, GMS
Salvia pratensis
Wiesen-Salbei
GMM
Sanguisorba minor
Kleiner Wiesenknopf
GMM, GMS
Sanguisorba officinalis
Großer Wiesenknopf
GMM, GMS
Saxifraga granulata
Körnchen-Steinbrech
GMM, GMW, GMS
Silene flos-cuculi
Kuckucks-Lichtnelke
GMM, GMS
Stellaria graminea
Gras-Sternmiere
GMM, GMW, GMS
Thymus pulegioides
Gewöhnlicher Thymian
GMM, GMS
Trifolium pratense
Rot-Klee
GMM, GMS
Trisetum flavescens
Wiesen-Goldhafer
GMM, GMW, GMS
Veronica chamaedrys
Gamander-Ehrenpreis
GMM, GMW, GMS
Fakultative Arten
Ajuga reptans
Kriechender Günsel
GYM
Bellis perennis
Gänseblümchen
GYM
Festuca pratensis
Wiesen-Schwingel
GYM
Galium mollugo agg.
Artengruppe Wiesen-Labkraut
GYM
Lathyrus pratensis
Wiesen-Platterbse
GYM
Lysimachia nummularia
Pfennig-Gilbweiderich
GYM
Prunella vulgaris
Gewöhnliche Braunelle
GYM

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 110
Art - wissenschaftlich
Art - deutsch
Kennzeichnend für Biotoptyp
Tragopogon pratensis
Wiesen-Bocksbart
GYM
Vicia cracca
Vogel-Wicke
GYM
Vicia sepium
Zaun-Wicke
Übergangsarten
Alopecurus pratensis
Wiesen-Fuchsschwanzgras
Dactylis glomerata
Wiesen-Knäuelgras
Heracleum sphondylium
Wiesen-Bärenklau
Lolium perenne
Deutsches Weidelgras
Taraxacum
sect. Ruderalia
Artengruppe Gewöhnlicher Löwenzahn
Trifolium repens
Weiß-Klee
Negativarten
Calamagrostis epigejos
Land-Reitgras
Cirsium arvense
Acker-Kratzdistel
Gehölze (incl.Rubus)
Gehölze
Holcus mollis
Weiches Honiggras
Lupinus polyphyllus
Vielblättrige Lupine
Pteridium aquilinum
Adlerfarn
Rumex obtusifolius
Stumpfblättriger Ampfer
Solidago can.
et
gigant.
Goldrute spec.
Tanacetum vulgare
Rainfarn-Wucherblume
Urtica dioica
Große Brennnessel

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 111
Tabelle 29: Bewertungsschema Ist-Zustand für die Erfassung von extensiv genutztem Grünland fri-
scher Standorte (GM)
Schwellenwert Artenzahl GM
ab 20
15-19
12-14
7-11
5-6
0-4
Anzahl Positivarten
Verhältnis zu Negativarten
Gesamtbewertung Artenzahl
6
5
4
3
2
1
Häufigkeit der Positivarten
am Gesamtbestand
Häufigkeit Positivarten
hoch
Häufigkeit Positivarten
mittel
Häufigkeit Positivarten
gering
Häufigkeitsverhältnis
Positiv- zu Negativarten
Negativarten
fehlend bis sehr selten
Häufigkeit Negativarten
mäßig hoch
Häufigkeit Negativarten
hoch
Gesamtbewertung Häufigkeit
Sehr gut
Mittelmäßig
Schlecht
Mittlere Bestandeshöhe
Niedrig
Mäßig hoch
Hoch
Anzahl Stockwerke
2-3
2
1 (-2)
Bestandesdichte
Locker
Mäßig locker
Dicht
Anteil Gräser/Kräuter
Kräuter häufig
wenig Hochstauden,
grasarm
Kräuter mäßig häufig
mäßig grasreich
Grasreich,
Dominanzen,
Kräuter selten
Strukturvielfalt (Wechsel von versch. Ausbildungsformen)
Reich
Mäßig reich
Arm
Gesamtbewertung Struktur
Sehr gut
Mittelmäßig
Schlecht
Gesamtbewertung Ist-Zustand
6
5
4
3
2
1
Tabelle 30: Übertragungsschema bei Zielstellung sonstiges extensiv genutztes Grünland frischer
Standorte (GY)
GY
-potenziell
wertvoll -
Gesamtbewertung Ist-Zustand
2
2
(1-)2
1
1
1
Artenzahl
5-6
4-5
3-4
2-3
1-2
0
Übertragung auf Ist/Ziel-Bewertung
6
5
4
3
2
1
6510/
GY
- wertvoll -
Gesamtbewertung Ist-Zustand
5 (6)
4
3
2
1+
1-
Artenzahl
ab 16
13-15
11-12
6-10
4-5
0-3
Übertragung auf Ist/Ziel-Bewertung
6
5
4
3
2
1

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 112
Tabelle 31: Artenliste für die Erfassung von Bergwiesen (GB)
Art - wissenschaftlich
Art - deutsch
Kennzeichnend für Biotoptyp
Positivart
Achillea millefolium
Gewöhnliche Schafgarbe
GB
Agrostis capillaris
Rot-Straußgras
GB
Alchemilla vulgaris
agg.
Artengruppe Gewöhnlicher Frauenmantel
GB
Anthoxanthum odoratum
Gewöhnliches Ruchgras
GB
Arnica montana
Arnika
GB
Bistorta officinalis
Schlangen-Wiesenknöterich
GB
Briza media
Gewöhnliches Zittergras
GB
Campanula patula
Wiesen-Glockenblume
GB
Campanula rotundifolia
Rundblättrige Glockenblume
GB
Centaurea pseudophrygia
Perücken-Flockenblume
GB
Cirsium heterophyllum
Verschiedenblättrige Kratzdistel
GB
Crepis mollis
Weichhaariger Pippau
GB
Dactylorhiza majalis
Breitblättriges Knabenkraut
GB
Festuca rubra
Rot-Schwingel
GB
Galium saxatile
Harzer Labkraut
GB
Geranium sylvaticum
Wald-Storchschnabel
GB
Hieracium pilosella
Kleines Habichtskraut
GB
Holcus lanatus
Wolliges Honiggras
GB
Hypericum maculatum
Kanten-Hartheu
GB
Knautia arvensis
Acker-Witwenblume
GB
Lathyrus linifolius
Berg-Platterbse
GB
Leontodon hispidus
Rauher Löwenzahn
GB
Leucanthemum vulgare
agg.
Artengruppe Wiesen-Margerite
GB
Luzula campestris
agg.
Artengruppe Gewöhnliche Hainsimse
GB
Meum athamanticum
Bärwurz
GB
Nardus stricta
Borstgras
GB
Plantago lanceolata
Schwarze Teufelskralle
GB
Phyteuma nigrum
Ährige Teufelskralle
GB
Phyteuma spicatum
Spitz-Wegerich
GB

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 113
Art - wissenschaftlich
Art - deutsch
Kennzeichnend für Biotoptyp
Polygala vulgaris
Gewöhnliches Kreuzblümchen
GB
Potentilla erecta
Blutwurz
GB
Ranunculus acris
Scharfer Hahnenfuß
GB
Rhinanthus minor
Kleiner Klappertopf
GB
Rumex acetosa
Wiesen-Sauerampfer
GB
Silene flos-cuculi
Kuckucks-Lichtnelke
GB
Thymus pulegioides
Gewöhnlicher Thymian
GB
Trifolium pratense
Rot-Klee
GB
Trisetum flavescens
Wiesen-Goldhafer
GB
Veronica officinalis
Echter Ehrenpreis
GB
Übergangsart
Poa chaixii
Wald-Rispengras
GB
Negativarten
Alopecurus pratensis
Wiesen-Fuchsschwanzgras
Anthriscus sylvestris
Wiesen-Kerbel
Cirsium palustre
Sumpf-Kratzdistel
Heracleum mantegazzianum
Riesen-Bärenklau
Holcus mollis
Weiches Honiggras
Lupinus polyphyllus
Vielblättrige Lupine
Pteridium aquilinum
Adlerfarn
Urtica dioica
Große Brennnessel
Gehölze
Gehölze

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 114
Tabelle 32: Bewertungsschema Ist-Zustand für die Erfassung von Bergwiesen (GB)
Schwellenwert Artenzahl GB
ab 19
17-18
14-16
8-13
5-7
0-4
Anzahl Positivarten
Verhältnis zu Negativarten
Gesamtbewertung Artenzahl
6
5
4
3
2
1
Häufigkeit der Positivarten
am Gesamtbestand
Häufigkeit Positivarten
hoch
Häufigkeit Positivarten
mittel
Häufigkeit Positivarten
gering
Häufigkeitsverhältnis
Positiv- zu Negativarten
Negativarten
fehlend bis sehr selten
Häufigkeit Negativarten
mäßig hoch
Häufigkeit Negativarten
hoch
Gesamtbewertung Häufigkeit
Sehr gut
Mittelmäßig
Schlecht
Mittlere Bestandeshöhe
Niedrig
Mäßig hoch
Hoch
Anzahl Stockwerke
2-3
2
1 (-2)
Bestandesdichte
Locker
Mäßig locker
Dicht
Anteil Gräser/Kräuter
Kräuter häufig
wenig Hochstauden,
grasarm
Kräuter mäßig häufig
mäßig grasreich
Grasreich,
Dominanzen,
Kräuter selten
Strukturvielfalt (Wechsel von versch. Ausbildungsformen)
Reich
Mäßig reich
Arm
Gesamtbewertung Struktur
Sehr gut
Mittelmäßig
Schlecht
Gesamtbewertung Ist-Zustand
6
5
4
3
2
1

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 115
Tabelle 33: Artenliste für die Erfassung von Feuchtgrünland (GF)
Art - wissenschaftlich
Art - deutsch
Kennzeichnend für Biotoptyp
Positivarten
Achillea ptarmica
Sumpf-Schafgarbe
GFS
Allium angulosum
Kantiger Lauch
GFA
Alopecurus geniculatus
Knick-Fuchsschwanzgras
GFF
Angelica sylvestris
Wald-Engelwurz
GFS
Anthoxanthum odoratum
Gewöhnliches Ruchgras
GFS
Betonica officinalis
Heil-Ziest
GFA
Bistorta officinalis
Schlangen-Wiesenknöterich
GFS
Caltha palustris
Sumpf-Dotterblume
GFS
Carex
div. spec.
Carex spec.
GFS
Cirsium oleraceum
Kohl-Kratzdistel
GFS
Cnidium dubium
Brenndolde
GFA
Crepis paludosa
Sumpf-Pippau
GFS
Cynosurus cristatus
Wiesen-Kammgras
GFF
Dactylorhiza majalis
Breitblättriges Knabenkraut
GFS
Filipendula vulgaris
Kleines Mädesüß
GFA
Galium boreale
Nordisches Labkraut
GFA
Galium palustre
Sumpf-Labkraut
GFS
Galium uliginosum
Moor-Labkraut
GFS
Galium verum
agg.
Artengruppe Echtes Labkraut
GFA
Geum rivale
Bach-Nelkenwurz
GFS
Holcus lanatus
Wolliges Honiggras
GFS
Inula britannica
Wiesen-Alant
GFF
Inula salicina
Weidenblättriger Alant
GFA
Juncus filiformis
Faden-Binse
GFS
Lotus pedunculatus
Sumpf-Hornklee
GFS
Molinia caerulea
Gewöhnliches Pfeifengras
GFS
Myosotis scorpioides
agg.
Artengruppe Sumpf-Vegissmeinnicht
GFS
Peucedanum officinale
Echter Haarstrang
GFA
Potentilla anserina
Gänse-Fingerkraut
GFF

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 116
Art - wissenschaftlich
Art - deutsch
Kennzeichnend für Biotoptyp
Potentilla reptans
Kriechendes Fingerkraut
GFF
Pseudolysimachion longifolium
Langblättriger Blauweiderich
GFA
Ranunculus acris
Scharfer Hahnenfuß
GFS
Rumex acetosa
Wiesen-Sauerampfer
GFS
Sanguisorba officinalis
Großer Wiesenknopf
GFS
Serratula tinctoria
Färber-Scharte
GFA
Silaum silaus
Wiesen-Silau
GFA
Silene flos-cuculi
Kuckucks-Lichtnelke
GFS
Succisa pratensis
Gewöhnlicher Teufelsabbiss
GFS
Valeriana dioica
Kleiner Baldrian
GFS
Viola palustris
Sumpf-Veilchen
GFS
Übergangsarten
Deschampsia cespitosa
Rasen-Schmiele
Filipendula ulmaria
Großes Mädesüß
Juncus acutiflorus
Spitzblütige Binse
Juncus effusus
Flatter-Binse
Scirpus sylvaticus
Wald-Simse
Negativarten
Cirsium arvense
Acker-Kratzdistel
Impatiens glandulifera
Drüsiges Springkraut
Petasites hybridus
Gewöhnliche Pestwurz
Phalaris arundinacea
Rohr-Glanzgras
Phragmites australis
Gewöhnliches Schilf
Reynoutria
spec.
Riesenknöterich
Rubus
spec.
Brombeeren
Rudbeckia laciniata
Schlitzbättriger Sonnenhut
Urtica dioica
Große Brennnessel
Gehölze
Gehölze

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 117
Tabelle 34: Bewertungsschema Ist-Zustand für die Erfassung von Feuchtgrünland (GF)
Schwellenwert Artenzahl GF
ab 11
8-10
6-7
5
3-4
0-2
Anzahl Positivarten
Verhältnis zu Negativarten
Gesamtbewertung Artenzahl
6
5
4
3
2
1
Häufigkeit der Positivarten
am Gesamtbestand
Häufigkeit Positivarten
hoch
Häufigkeit Positivarten
mittel
Häufigkeit Positivarten
gering
Häufigkeitsverhältnis
Positiv- zu Negativarten
Negativarten
fehlend bis sehr selten
Häufigkeit Negativarten
mäßig hoch
Häufigkeit Negativarten
hoch
Gesamtbewertung Häufigkeit
Sehr gut
Mittelmäßig
Schlecht
Mittlere Bestandeshöhe
Niedrig
Mäßig hoch
Hoch
Anzahl Stockwerke
2-3
2
1 (-2)
Bestandesdichte
Locker
Mäßig locker
Dicht
Anteil Gräser/Kräuter
Kräuter häufig
wenig Hochstauden,
grasarm
Kräuter mäßig häufig
mäßig grasreich
Grasreich,
Dominanzen,
Kräuter selten
Strukturvielfalt (Wechsel von versch. Ausbildungsformen)
Reich
Mäßig reich
Arm
Gesamtbewertung Struktur
Sehr gut
Mittelmäßig
Schlecht
Gesamtbewertung Ist-Zustand
6
5
4
3
2
1
Tabelle 35: Übertragungsschema bei Zielstellung GFY
GFY
Gesamtbewertung Ist-Zustand
3+
3-
2+
2-
1+
1-
Artenzahl
5-6
4-5
3-4
2-3
1-2
0
Übertragung auf Ist/Ziel-Bewertung
6
5
4
3
2
1

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 118
Tabelle 36: Artenliste für die Erfassung von Äckern (UA)
Art - wissenschaftlich
Art - deutsch
Kennzeichnend für Biotoptyp
Positivarten
Aethusa cynapium
Hundspetersilie
UA
Alchemilla vulgaris agg.
Artengruppe Gewöhnlicher Frauenmantel
UAB
Anagallis arvensis
Acker- Gauchheil
UA
Anchusa arvensis
Acker-Krummhals
UAA
Anthemis arvensis
Acker-Hundskamille
UAA
Anthemis cotula
Stinkende Hundskamille
UAA
Anthoxanthum aristatum
Grannen-Ruchgras
UAS
Aphanes arvensis
Gewöhnlicher Ackerfrauenmantel
UAA
Aphanes inexspectata
Kleinfrüchtiger Ackerfrauenmantel
UAS
Arabidopsis thaliana
Acker-Schmalwand
UAA
Arnoseris minima
Lämmersalat
UAS
Centaurea cyanus
Kornblume
UAA
Chaenorhinum minus
Kleiner Orant
UAR
Consolida regalis
Feld-Rittersporn
UAR
Digitaria ischaemum
Faden-Fingerhirse
UAS
Digitaria sanguinalis
Blutrote Fingerhirse
UAA
Euphorbia exigua
Kleine Wolfsmilch
UAR
Euphorbia helioscopia
Sonnen-Wolfsmilch
UAR
Fumaria officinalis
Gewöhnlicher Erdrauch
UAR
Fumaria rostellata
Geschnäbelter Erdrauch
UAB
Fumaria vaillantii
Blasser Erdrauch
UAR
Galeopsis bifida
Kleinblütiger Hohlzahn
UAB
Galeopsis pubescens
Weichhaariger Hohlzahn
UAB
Galeopsis tetrahit
Gewöhnlicher Hohlzahn
UAB
Geranium dissectum
Schlitzblättriger Storchschnabel
UAR
Holcus mollis
Weiches Honiggras
UAB
Hypochaeris glabra
Kahles Ferkelkraut
UAS
Lamium amplexicaule
Stängelumfassende Taubnessel
UA
Lamium purpureum
Purpurrote Taubnessel
UA

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 119
Art - wissenschaftlich
Art - deutsch
Kennzeichnend für Biotoptyp
Lapsana communis
Rainkohl
UAA
Lathyrus tuberosus
Knollen-Platterbse
UAR
Lithospermum arvense
Acker-Steinsame
UAR
Matricaria recutita
Echte Kamille
UAA
Myosotis arvensis
Acker-Vergissmeinnicht
UA
Neslia paniculata
Finkensame
UAR
Ornithopus perpusillus
Kleiner Vogelfuß
UAS
Papaver argemone
Sand-Mohn
UAA
Papaver dubium
Saat-Mohn
UAA
Papaver rhoeas
Klatsch-Mohn
UAR
Raphanus raphanistrum
Hederich
UAA
Rumex acetosella
Kleiner Sauerampfer
UAS
Scleranthus annuus
Einjähriger Knäuel
UAA
Sherardia arvensis
Ackerröte
UAR
Silene noctiflora
Acker-Lichtnelke
UAR
Spergula arvensis
Acker-Spark
UAA
Teesdalia nudicaulis
Bauernsenf
UAS
Valerianella dentata
Gezähntes Rapünzchen
UAR
Valerianella locusta
Gewöhnliches Rapünzchen
UAA
Veronica agrestis
Acker-Ehrenpreis
UAA
Veronica arvensis
Feld-Ehrenpreis
UA
Veronica polita
Glänzender Ehrenpreis
UAR
Veronica triphyllos
Dreiteiliger Ehrenpreis
UAA
Vicia angustifolia
Schmalblättrige Wicke
UAA
Vicia hirsuta
Rauhhaarige Wicke
UAA
Vicia tetrasperma
Viersamige Wicke
UAA
Viola arvensis
Acker-Stiefmütterchen
UA
Viola tricolor
Wildes Stiefmütterchen
UAB
Negativarten
Amaranthus retroflexus
Zurückgekrümmter Fuchsschwanz
Apera spica-venti
Acker-Windhalm

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 120
Art - wissenschaftlich
Art - deutsch
Kennzeichnend für Biotoptyp
Chenopodium album
Weißer Gänsefuß
Cirsium arvense
Acker-Kratzdistel
Echinochloa crus-galli
Gewöhnliche Hühnerhirse
Elymus repens
Gewöhnliche Quecke
Galium aparine
Kletten-Labkraut
Stellaria media
Vogel-Sternmiere
Tripleurospermum perforatum
Geruchlose Kamille
Tabelle 37: Bewertungsschema Ist-Zustand für die Erfassung von Äckern
Schwellenwert Artenzahl UA
mind. 9
mind. 5
Anzahl Positivarten
Verhältnis zu Negativarten
Gesamtbewertung Artenzahl
6
5
4
3
2
1
Häufigkeit der Positivarten
am Gesamtbestand
Häufigkeit Positivarten
hoch
Häufigkeit Positivarten
mittel
Häufigkeit Positivarten
gering
Häufigkeitsverhältnis
Positiv- zu Negativarten
Negativarten
fehlend bis sehr selten
Häufigkeit Negativarten
mäßig hoch
Häufigkeit Negativarten
hoch
Gesamtbewertung Häufigkeit
Sehr gut
Mittelmäßig
Schlecht
Gesamtbewertung Ist-Zustand
6
5
4
3
2
1

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 121
Tabelle 38: Prozent-Anteil der untersuchten Flächen je Maßnahme, auf denen in den Transekten der
Grobuntersuchungen Acker Rote-Liste-Pflanzenarten erfasst wurden
(Maßnahmen: A3a: Anlage von Brachflächen und Brachstreifen mit Selbstbegrünung, A3d: Brachflächen und Brachstreifen mit Selbstbe-
grünung mit Rotationsansatz, A4: Naturschutzgerechte Ackerbewirtschaftung mit Einschränkung von Pflanzenschutzmitteln und Vorgaben
zu angebauten Kulturen)
Artname deutsch
Artname
wissenschaftlich
RL Sachsen
A3a
A3d
A4
Anzahl
Schläge
mit Nachweis
Sommer-Adonisröschen
Adonis aestivalis
1
0,7
1
Korn-Rade
Agrostemma githago
0
3,3
5
Stinkende Hundskamille
Anthemis cotula
2
1,5
3,9
3
Gewöhnlicher Ackerfrauenmantel
Aphanes inexspectata
2
3,9
0,7
3
Gewöhnlicher Feldrittersporn
Consolida regalis
3
1,3
2
Kleine Wolfsmilch
Euphorbia exigua
2
2
3
Acker-Filzkraut
Filago arvensis
3
17,6
23,5
3,3
29
Knollen-Platterbse
Lathyrus tuberosus
3
0,7
1
Acker-Löwenmaul
Misopates orontium
2
0,7
1
Finkensame
Neslia paniculata
2
2,6
4
Frühlings-Zahntrost
Odontites vernus
3
2,9
1,3
4
Sprossende Felsennelke
Petrorhagia prolifera
2
2,9
2
Acker-Hahnenfuß
Ranunculus arvensis
1
0,7
1
Rauer Hahnenfuß
Ranunculus sardous
2
0,7
1
Acker-Lichtnelke
Silene noctiflora
2
3,9
1,3
4
Gezähnter Feldsalat
Valerianella dentata
3
1,3
2
Acker-Ehrenpreis
Veronica agrestis
3
1,5
1
Glänzender Ehrenpreis
Veronica polita
3
3,3
5
Anzahl nachgewiesener Arten
5
4
15
18

Schriftenreihe des LfULG, Heft 27/2014 | 122
Tabelle 39: Einzelfallstudie G5 - Ameisenbläulings-Nachweise je Untersuchungsfläche mit Einschät-
zungen zum Populationszustand, zur Habitateignung und zu Veränderungen gegenüber den Ergebnis-
sen des FFH-Artmonitorings 2004/05
Unter-
suchungs-
flächen
Kennzeichnung
Artnachweise
max. festgestellte
Individuenzahl je
Untersuchungsfläche
Einschätzung
Populations-
zustand
Einschätzung
(ausreichende)
Habitateignung
Unter-
suchungs-
flächen im
FFH-
Artmonitor.
2004/05
Einschätzung
Bestands-
veränderung
gegenüber
FFH-
Artmonitoring