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Martin Luthers eigenhändige „Hausrechnung“
mit Einträgen aus den Jahren 1535 bis 1542
Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden,
10024 Geheimer Rat (Geheimes Archiv), Loc. 8703/7.
In diesem als „Hausrechnung“ bekannten Dokument stellt Luther einige seiner Ausgaben
zusammen. Sie ist erstmals in einem zwischen 1702 und 1718 entstandenen Archivinventar
des Geheimen Archivs in Dresden nachweisbar. Beiliegende Abschriften aus dem 18.
Jahrhundert lassen darauf schließen, dass es ursprünglich zur Berechnung der vom
Reformator zu zahlenden Türkensteuer an den kurfürstlichen Hof in Torgau gesendet
worden war wurde. Vermutlich wurden sie dem Geheimen Archiv in Dresden beigefügt, als
man sich dort um 1723 aus historischem Interesse mit Luther befasste. Beim Einband der
„Hausrechnung“ handelt sich um die Reste eines mittelalterlichen Pergamentkodex. Durch
die Reformation überholte theologische und liturgische Handschriften wurden häufig als
Umschlagmaterial von Akten „recycelt“.
* * *
Hintergrund
Die eingeführte Bezeichnung als „Hausrechnung“ verdankt das Dokument seinem ersten
Herausgeber, dem verdienten Lutherforscher Johann Karl Seidemann. Seidemann war sich
zwar sicher, „daß wir kein bloßes Fragment vor uns haben“, dennoch aber ist der Charakter
der eigenhändigen Niederschrift Luthers eher notizenhaft. So fällt eine Zweckbestimmung
schwer. Da die „Hausrechnung“ Angaben aus den Jahren 1535 bis 1542 enthält, wird
vermutet, dass Luther die Aufstellung im Kontext der Abfassung seines Testaments vom 6.
Januar 1542 vornahm.
Konkrete Angaben macht die „Hausrechnung“ vor allem zum Immobilienbesitz Luthers.
Danach ist auch denkbar, dass sie im Zusammenhang mit einer Grund- und
Vermögenssteuerschatzung des Reformators entstand. Tatsächlich hatte Luther von Kurfürst
Johann Friedrich von Sachsen im Frühjahr 1542 das Angebot erhalten, von der Zahlung der
Türkensteuer befreit zu werden. Deren Höhe wurde nach dem Mobiliar- und
Immobiliarvermögen des Steuerpflichtigen veranschlagt, über das dieser selbst Rechenschaft
abzulegen hatte.
* * *

Edition
Martin Luther: Kritische Gesamtausgabe – Briefwechsel, Bd. 9, Weimar 1941,
Nr. 3699, Beilage IV, S. 579–585. Der vorliegende Abdruck bietet kleinere Korrekturen, die sich durch
den erneuten Abgleich mit der Vorlage ergaben.
[Bl. 3r]
Die Leute sind grob, Die Welt ist vndanckbar.
Darumb sollen nach meinem tod Mejn kethe oder meine kinder Dem Rat vnd stad (wo ein
Pharao auff keme, der von Joseph nichts wissen wollte) furhalten
Erstlich, das sie von mir haben ein grossen raüm auff der gassen fur meiner thur, Der des
klosters gewest ist, so weit als des Rymers Heuslin an dem thor heraus reicht vnd herauff bis
zu Ende Braunens haus,
[Bl. 3v]
Zum Andern, das sie den gantzen raüm dieses Hauses nach meinem tode Vnd
Braünen Hauses zuvor vnter das Bürgerrecht kriegt haben, Welchs alles vorhin gantz frey
gewest ist,
Zum dritten, das ich nu bey dreissig iaren prediger gewest, nichts von yhnen genomen zu
lohn vnd wenig geschenckt, als ettlich tausend zigel oder kalck, Vnd also von dem meinen
yhnen gedienet, offt ynn der pestilentz bey yhn blieben.“
Darumb sie sich hüten mugen fur Vndanckbarkeit, Oder sie werden wenig gluck haben.
Meine Hand
[Bl. 4r]
Ob nach meinem tode gefragt wurde, Wo des klosters hausgerete hin komen sey,
Sol man also Antworten:
Erstlich,
Das zinenen gefesse vnd kuchen gerete mit anderm hausrat haben mir die Visitatores
geschenckt. Aber es ist ym Anfang des Evangelij also zu wustet, das ich fur das obrige, mir
geschenkt, nicht hette xx fl geben wollen, Wolts auch dafur wol besser gezeugt haben, Ist
auch bis aüff diesen tag nicht auff gehoret wegzuschleiffen kannen, Schusseln, bratspies,
groppen vnd was yderman hat ergrappen konnen, das Meine mit zu.
[Bl. 4v]
Dofür mir ierlich abgebrochen vnd ynn den gemeinen kasten geschlagen sind ix
alt ß vnd was mehr einem prediger geburt. Hab also bis daher wol bey 15 iaren vmb Gottes
willen vnd vmbsonst gedienet der kirchen, Stad vnd vniversitet, mit predigen, lesen,
schreiben etc., Das mein auch wol zu gesetzt, Wir lassen genugen, das mir m. g. herr auch
vmbsonst aus gnaden, Ja vmb Gottes willen hat gegeben. Denn S. k. f. g. nicht ist Schuldig
gewest der kirchen vnd stad einen solchen kost auff yhren prediger zu wenden.
Das mus ich also rhumen vmb boser vndanckbar leute willen. Denn wie man mir dancken
wird nach meinem tode, sehe ich bey meinem leben wol, Da ettlichen leid ist, das sie nicht
haben, das mir Gott gegeben, vnd sie nichts dazu gegeben haben, Damit man solchen
bosen vndanckbarn leuten das maul stopffe vnd sie schamrot machen konne, Sonst haben

mir das mehrer teil bürger vnd der vniversitet alle thugent vnd ehre erzeigent, Des ich yhn
hertzlich dancke vnd Gott sie wol belohnen wird.
[Bl. 5r]
Züm andern,
Der kirchen schmück vnd gerete, wie wol auch viel vnd das beste daüon komen war, Hab ich
zuletzt die besten Cafeln, so fur handen gewest, verkaufft, nicht viel uber funffzig gulden
dafur kriegt, Damit ich die Nonnen vnd Munche (Diebe vnd Schelcke mit unter) gekleidet,
gespeiset vnd versorget, mit solchem grossen nutz, das ich das meine vnd 100 fl, so mir M.
g. h. Hertzog Hans zus haushaltung schenkt, gar weidlich habe zu gesetzt.
[Bl. 5v]
Darumb sol man hierin niemand nichts zu oder nach rechnen. Sonderlich meiner
kethen nicht. Sie hat nichts davon, denn den grossesten Schaden. Was sie aber itzt hat, das
hat sie selbs gezeuget neben mir. Wird daruber yemand einen zanck gegen sie fur nemen,
der wirds nicht thun als ein from man, Sondern als ein Heintz von Wolffenbuttel, Vnd Gott
wird wol yhn zu finden wissen, Amen.
Meine hand
[Bl. 6r]
Der Rat hat mir ettlich mal stein vnd kalck gelihen.
Als ich nu offt vmb rechnung gebeten vnd zu bezalen erbotten, haben sie es ymer sagen
lassen, Es durffe keiner rechnung, bis das der Burgermeister Herr Krappe vnd der Stad
Schreiber Urban mir mundlich angezeigt, Es sollt alles schlecht sein. So hab ich auch dazu
mal vnd wil hie mit freundlich gedanck haben.
Wo sie es aber mit der zeit vergessen vnd bezalung fordern wurden, So mus Mein kethe
oder kinder herhalten vnd meinen Danck wider zü sich nemen. Hec autem 1542. Post et alia
mutuo dedit.
[Bl. 6v]
Anno 1536.
Halff ich Greger Tyschen sein Heüflin keüffen vmb hundert gülden.
Die erste angifft gab ich fur yhn, Nemlich 40 fl, der selbigen xx von meinem solde, vnd xx
von Moritz geborget, Die ich yhm desselben iars widergab.
Mit den andern xx weiset ich Gregor Tyscher an den gemeinen kasten, dem ich xx fl
schuldig war vnd damit bezalet habe, Die andern xx solt er mir abarbeiten.
Folgende fl hernach hat Moritz fur mich dargestreckt, Nemlich
xx fl anno 1538
x fl anno 1539
x fl anno 1540
x fl anno 1541
x fl anno 1542 ich selbs
50.
Die haben sie mir geschenckt, Moritz cum sotiis.
[Bl. 7r]
Gebawet ym hause:
130. Braw haüs

Braw gerete
20
Stall
pferde
kue
Sew
5
Thorbuden
Badstublin mit Wanne
Stande doneben
Fesslin
130 Der grosse keller, sampt dem schaden
50
Der Newe keller vnd brechelohn
100 Die ober stube vnd kamer
40
Die unter stube
20
Die Treppe zwey mal
5
Mühm Lehn stüblin mit kamern, Schorsten
5
Craffts Stüblin
5
Johannes Stublin
5
Platon Stublin
400 Garten am Hause vnd brun vnd
100 Gedielet breter
10
Der wein keller
130 Das Dach
400 Das new haus
250 Braunen haus geflickt 70 fl kaufft vnd Greger
leicht gerechent
[Bl. 7v]
17. 44.
Gekaüfft
Garte Claus Wildenhawers
900 fl mit haus vnd allem gebew, brun, zaün, saffran vnd ander unkost
20. fl Wolffs garten
90. fl Hufe
100 fl pferd, geschirr, Viehe
100 fl Linwat, flachs

[300 Sind noch zu bezalen an Braunen haus]
[Bl. 8r]
Nota
Wunderliche rechnung gehalten zwischen Doc. Martin vnd Kethen
Anno 1535
1536
Das waren zwey halb iar
90
fl beiden pfarrher zu Rokit vnd Dobrun fur getreide, da sie weg zogen,
90
fl fur die hufen
20
fl fur Linwat
30
fl fur schwein
28
fl Mume Lehne gen Bernaw
29
fl C Kockeritz fur ochsen
10
fl Valt Mollerstet bezalet
10
fl geleidsman bezalet
8
taler M Philip bezalet
40
fl fur Greger Tisscher
26
Universitet bezalet
389 fl.
Rat: Wo kompt dis geld her? Solt das nicht stincken vnd schuld machen?
praeter alia victualia.
[Bl. 8v]
In hoc mundo Solus Maritus est Vir & Heros,
Sola Vxor est Mulier & Herois.
Caeteri & Caeterae sunt peppen, tantum suos ventres alendo,
Et vt casus aliquando fert, furentes potius quam heroibus similes.
Igitur
Maritus Audiat et Audeat istud psal. 26. Expecta dominum, viriliter age, Confortetur Cor
tuum & sustine dominum.
Nam Oeconomia Est Altrix politiae & Ecclesię. Cato dicit Agricolas esse fortissimos viros.
[Bl. 9r]
Es gehort gar viel ynn ein haus,
Wiltu es aber rechen aus,
So mus noch viel mehr gehn heraus.
Des nim ein Exempel mein haus.

Gib geld
korn
kraut
Saltz
gersten, hopffen
kol
holtz
hauer
Moren
kolen
hew
ruben
Stroe
Weitzen
Zippel
fisch durr
Mehl
Mon
fisch grun
Wein
petersilien
Fleisch ynn Schernn
bier
karbey
Brod
Erbeis
kumel
Semel
hanff, flachs
Ochsen
Nagel
grutz
Schwein
hocken
graupen
gense
Eisenkram
Reis
huner
Honig
hirsen
Endten
Talck
zücker
Vogel
garn
Würtz
tauben
wachs
saffran
Eyer
öle
Obs
butter
[Bl. 9v]
Gib geld
Fleischer zu Schlachten
Topffer
Bettlern
Schuster
Muller
Dieben
Schneider
Tisscher
Breüten, Hochzeit
Kursner
Linweber
gevatter,
Buttiger
gurtler
Geschenck
Schmid grob
Beütler
Gastung
Schmid klein
Apoteker
Buchfurern
Balbirer
Artzt
Buchbindern
Bader
preceptor
Jarmarck
Glaser
Maurern
S Niclas
Messerschmid
Zimerleuten
knechten
Seyler
Taglonern
Megden

Riemer
Zigel
Jungfern
Satler
kalck
Knaben
Tuchmacher
Dachzigel
Hirten
Gewandschneider
Bawholtz
Sewschneider
Tuchscherer
Latten
Brawer
Bret
[Bl. 10r]
Gib geld
Linwat
Becken
gabbeln
Wette
kessel
grabscheit
feddern
pfannen
Fass lere
zinen kannen
schauffeln
Haus fesser, gelten
Schussel
Schupen
Eymer
Teller
Mulden
Brawgerete
Leuchter
Radbarn
Geschirr, wagen
Grobe stuck;
Hochzeit machen
Son
Tochter
Freundin
seyden ecum suis
Kremer Sammet
Wurtz
[Bl. 11r]
Ich armer man so halt ich haus:
Wo ich mein gelt sol geben aus,
Da durfft ichs wol an sieben ort,
Vnd fehlet mir allweg hie vnd dort.
Thu, wie dein Vater hat gethan:
Wo der wolt einen pfennig han,
Da fand er drey ym beütel bar,
Damit bezalet er alles gar,
kein heller wolt er schuldig sein,
So hielt der haüs vnd lebet fein.

Thu, wie dein Vater hat gethan:
Wo der solt einen pfennig han,
Da Must er borgen drey dazu,
Bleib ymer schuldig Rock vnd Schu.
Das heist denn haüsgehalten auch,
Das ym haüfe bleibt kein feur noch raüch.
[Bl. 11v]
Zum besten tünget der mist das feld,
Der von des Herren fussen felt.
Das pferd wol fein gefuttert wird,
Wo yhm sein herr die augen gibt.
Der frawen augen kochen wol,
Wol mehr, denn magd, knecht, feur vnd koln.