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Materialien Bodenschutz
Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie
Zur Wetterwarte 11
01109 Dresden
Handlungsempfehlungen für die Um-
setzung des Bodenschutzrechtes in
Gebieten mit großflächig erhöhten
Schadstoffgehalten
Stand 04/2006

image
*)
Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie
Referat Bodenschutz
Zur Wetterwarte 11, 01109 Dresden
http://www.umwelt.sachsen.de/lfug
Handlungsempfehlungen für die Umsetzung des Boden-
schutzrechtes in Gebieten mit großflächig erhöhten Schad-
stoffgehalten
Stand 04/2006
Bearbeitet vom LfUG
*
auf der Grundlage von Werkverträgen mit:
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51429 Bergisch Gladbach
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Dr. Norbert Feldwisch
Dipl.-Ing. Ellen Egbert
IFUA-Projekt GmbH
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33729 Bielefeld
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Dr. Dietmar Barkowski
Dipl.-Ing. Michael Bleier
Dipl. Biol. Petra Günther

Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie
„Handlungsempfehlung für Gebiete mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten“
Seite I
Inhaltsverzeichnis
1
Einleitung und Zielsetzung......................................................................... 1
2
Ursachen für großflächig erhöhte Schadstoffgehalte ............................. 2
3
Untersuchungsablauf einer gebietsbezogenen Vorgehensweise .......... 3
4
Erfassung und Erkundung ......................................................................... 5
5
Ausweisungsziele und Vorteile einer gebietsbezogenen Vorgehens-
weise............................................................................................................. 6
6
Abgrenzung von Gebieten mit gebietsbezogenen Bodenschutzauf-
gaben............................................................................................................ 8
6.1
Vorbemerkungen............................................................................................8
6.2
Übertragen von Punktdaten auf die Fläche....................................................9
6.3
Abgrenzung nach Außen in den unbelasteten Bereich................................13
6.4
Abgrenzung nach Innen in Zonen unterschiedlicher Belastungshöhen .......14
6.5
Bodenschutzrechtliche Relevanz von Mess- und Schätzwerten..................15
6.6
Relevanz von Schadstoffgehalten in Pflanzen bei der bodenschutzrecht-
lichen Beurteilung des Wirkungspfades Boden-Nutzpflanze........................20
7
Orientierende Untersuchung.................................................................... 23
8
Untersuchung und Bewertung des Wirkungspfades Boden-Mensch
(Direktpfad)................................................................................................ 25
8.1
Differenzierung der Expositionsbedingungen...............................................28
8.2
Schadstoff- und nutzungsabhängige gebietsbezogene Beurteilungswerte..30
8.3
Abgleich der Schadstoffgehalte nach Schadstoffkarte mit gebietsbezogenen
Beurteilungswerten.......................................................................................31
8.4
Vertiefende Prüfung .....................................................................................32
9
Untersuchung und Bewertung des Wirkungspfades Boden-Pflanze... 33
9.1
Differenzierung der Expositionsbedingungen...............................................33
9.2
Schadstoffabhängige gebietsbezogene Beurteilungswerte .........................33
9.3
Abgleich der Schadstoffgehalte nach Schadstoffkarte mit gebietsbezogenen
Beurteilungswerten.......................................................................................33
9.4
Vertiefende Prüfung .....................................................................................34
10
Gebietsbezogene Umsetzung der Anforderungen des § 12 Abs. 10
BBodSchV.................................................................................................. 35
11
Grenzziehung bei der Festlegung von Gebieten mit erhöhten Schad-
stoffgehalten bzw. mit flächenhaften schädlichen Bodenverän-
derungen.................................................................................................... 38
12
Adressaten gebietsbezogener Maßnahmen ........................................... 39
13
Gebietsbezogene Maßnahmen zur Gefahrenabwehr............................. 41
13.1
Wirkungspfad Boden-Mensch......................................................................42

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„Handlungsempfehlung für Gebiete mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten“
Seite II
13.1.1
Nutzungskategorie Kinderspielflächen.........................................................45
13.1.2 Nutzungskategorie Wohngebiet...................................................................46
13.1.3 Nutzungskategorie Park- und Freizeitanlagen .............................................47
13.2
Wirkungspfad Boden-Nutzpflanze................................................................48
14
Gebietsausweisung....................................................................................51
15
Zitierte und weiterführende Literatur .......................................................53
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Ablaufschema der gebietsbezogenen Vorgehensweise.....................................4
Abbildung 2: Ableiten von homogenen Raumeinheiten als Grundlage für die Übertragung
von Punktdaten in die Fläche............................................................................11
Abbildung 3: Schematische Darstellung der Übertragung von Punktdaten auf die Fläche mit
Hilfe verschiedener Verfahren ..........................................................................12
Abbildung 4: Schematische Darstellung der Unterschiede zwischen der Aussagekraft mess-
punktbezogener Messwerte und flächenbezogenen Schätzwerten.................17
Abbildung 5: Fallunterscheidung der Unter- bzw. Überschreitung von Prüfwerten bei einsei-
tigen Konfidenzintervallen.................................................................................18
Abbildung 6: Gebietsbezogene Detailuntersuchung..............................................................27
Abbildung 7: Schema zur Differenzierung der Nutzungen nach BBodSchV in Subnutzungen
und Zuordnen von bewertungsrelevanten Prüf- und Maßnahmenwerten........29
Abbildung 8: Festlegen der Außengrenzen bei Gebieten mit bodenbezogenen Problemlagen
..........................................................................................................................39
Abbildung 9: Maßnahmen zur Gefahrenabwehr (Wirkungspfad Boden-Mensch und Boden-
Nutzpflanze) in Anlehnung an MÜLLER & DELSCHEN 2000 und MARSCH-
NER & JANNUSCH 2002 (Vergrößerung, siehe Anlage).................................44
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1:
Hinweise auf ein Gebiet mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten..............6
Tabelle 2:
Bodenschutzrechtliche Aussagemöglichkeiten auf der Basis von Schätzwerten
..........................................................................................................................16
Tabelle 3:
Faustzahlen für den Mindestprobenumfang bei der Erstellung von Schadstoff-
karten (UMEG 2002).........................................................................................23
Tabelle 4:
Konkrete Anhaltspunkte für Gefahren, erhebliche Nachteile und erhebliche Be-
lästigungen für die Wirkungspfade Boden-Mensch und Boden-Pflanze ..........24
Tabelle 5:
Auswahl von möglichen Maßnahmen zur Gefahrenabwehr bei Kinderspiel-
flächen...............................................................................................................45
Tabelle 6:
Auswahl von möglichen Maßnahmen zur Gefahrenabwehr in Wohngebieten.46
Tabelle 7:
Auswahl von möglichen Maßnahmen zur Gefahrenabwehr bei Park- und Frei-
zeitanlagen........................................................................................................47
Tabelle 8:
Auswahl von möglichen Maßnahmen zur Gefahrenabwehr bei Ackerbau und
Nutzgarten (verändert nach FELDWISCH & BARKOWSKI 2003) ...................49
Tabelle 9:
Auswahl von möglichen Maßnahmen zur Gefahrenabwehr bei Grünland (ver-
ändert nach FELDWISCH & BARKOWSKI 2003)............................................50

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„Handlungsempfehlung für Gebiete mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten“
Seite 1
1 Einleitung und Zielsetzung
Der Bodenschutzvollzug steht in Ge-
bieten mit flächenhaft auftretenden
schadstoffbedingten Beeinträchtigungen
der Bodenfunktionen - im Folgenden
auch als flächenhafte oder großflächige
(stoffliche Boden-) Belastungen bezeich-
net - vor einer großen Herausforderung.
Insbesondere in besiedelten Belas-
tungsgebieten sind die Anforderungen
des Bodenschutzrechtes an die Erfas-
sung, Bewertung und ggf. an die Gefah-
renabwehr auf einer großen Anzahl von
Grundstücken umzusetzen. Der Umfang
der dafür notwendigen Arbeiten macht
es den zuständigen Bodenschutzbehör-
den nahezu unmöglich, diese Aufgaben
grundstücksbezogen und mit Hilfe von
Einzelanordnungen umzusetzen, da auf
Grund der hohen Anzahl an betroffenen
Grundstücken und der zumeist kom-
plexen Wirkungspfadbetrachtungen der
finanzielle und personelle Aufwand zu
groß werden würde.
Stattdessen ist eine gebietsbezogene
Vorgehensweise sinnvoll, welche die er-
forderlichen Untersuchungs- und Bewer-
tungsschritte sowie die Ableitung und
Umsetzung von Bodenschutzmaßnah-
men so strukturiert, dass eine Vielzahl
räumlich zusammenhängender Grund-
stücke oder sogar ganze Gebiete bzw.
Verwaltungseinheiten (z.B. Gemeinde-
flächen, Landkreise) zusammen be-
trachtet werden können.
Die rechtlichen Grundlagen für eine ge-
bietsbezogene Vorgehensweise sind im
Bodenschutzrecht verankert, wobei im
Hinblick auf schadstoffbedingte Boden-
belastungen zwei verschiedene Gebiets-
kategorien differenziert werden können:
Gebiete mit erhöhten Schadstoffge-
halten nach § 12 Abs. 10 BBodSchV
Gebiete, in denen flächenhaft schäd-
liche Bodenveränderungen auf Grund
erhöhter Schadstoffgehalte auftreten
oder zu erwarten sind nach § 9
SächsABG
Dieser rechtliche Rahmen wird von den
vorliegenden Handlungsempfehlungen
mit bodenschutzfachlichen Hilfestel-
lungen ausgefüllt.
Das fachliche Konzept zur Erfüllung der
rechtlichen Anforderungen wird im Fol-
genden beschrieben. Anhand eines Ab-
laufschemas werden die wesentlichen
Arbeitsschritte
Erfassung und Abgrenzung von Ge-
bieten mit großflächig erhöhten
Schadstoffgehalten,
orientierenden Untersuchung und
Detailuntersuchung,
Ableitung angepasster Sanierungs-
bzw. Schutz- und Beschränkungs-
maßnahmen
beschrieben und die bodenschutzfach-
lichen und -rechtlichen Anforderungen
an diese Arbeitsschritte benannt. Dabei
beschränken sich diese Hinweise auf
die Nutzungskategorien Kinderspielflä-
chen, Wohngebiete sowie Park- und
Freizeitanlagen.
Die Hinweise dieser Handlungsempfeh-
lung beziehen sich nicht auf Altlasten
und altlastenverdächtige Flächen. Diese
sollen nach wie vor nach der für Sach-
sen vorgegebenen Altlastenmethodik
bearbeitet werden. Das bedeutet u. a.,
dass wegen Durchführung einer gebiets-
bezogenen orientierenden Unter-
suchung nicht auch die Untersuchungs-
pflicht für in dem Gebiet befindliche Alt-
lasten oder altlastenverdächtige Flächen
als abgeschlossen eingestuft werden
kann.

Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie
„Handlungsempfehlung für Gebiete mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten“
Seite 2
Ebenfalls nicht Gegenstand dieser
Handlungsempfehlung sind Regelungen
zu weiteren, z. B. nicht schadstoffbezo-
genen, gebietsbezogenen Maßnahmen
im Sinne von § 9 SächsABG.
2
Ursachen für großflächig erhöhte Schadstoff-
gehalte
Schadstoffgehalte im Boden sind als er-
höht anzusehen, wenn sie gemäß § 9
Abs. 1 BBodSchV die Besorgnis der
Entstehung einer schädlichen Bodenver-
änderung anzeigen, also die Vorsorge-
werte nach Anhang 2 Nr. 4 BBodSchV
überschreiten. Großflächig erhöht sind
Schadstoffgehalte, wenn eine diffuse
Stoffbelastung vorliegt und die flächen-
repräsentativen statistischen Kennzah-
len (z.B. Median) die Vorsorgewerte
überschreiten.
Wenn diese flächenrepräsentativen
Kennzahlen die Prüf- und Maßnahme-
werte überschreiten, liegen Anhalts-
punkte für das flächenhafte Auftreten
schädlicher Bodenveränderungen vor.
Großflächig erhöhte Schadstoffgehalte
bzw. flächenhaft auftretende schädliche
Bodenveränderungen können verschie-
dene natur- und siedlungsbedingte Ur-
sachen haben, die sich allerdings häufig
überlagern. Je nach Belastungsursache
sind spezifische Schadstoffspektren zu
beachten.
Je nach Ausgangsgestein können natur-
bedingt erhöhte Schwermetallgehalte im
Boden auftreten. Zum Beispiel treten Cr,
Cu und Ni bei basischen Gesteinen wie
Diabas deutlich hervor, wohingegen die-
se Elemente bei sandigen Sedimenten
des Tertiärs und Quartärs sowie bei
sauren Magmatiten extrem niedrige Ge-
halte aufweisen. Bei periglazialen Deck-
schichten bestimmt zudem das Verhält-
nis zwischen Festgesteinszersatz und
weiteren Komponenten (z.B. Löss) das
naturbedingte Schadstoffspektrum.
Ganz wesentlich werden die Schwer-
metallgehalte der Böden durch Verer-
zungen beeinflusst (insbesondere As,
Cd, Co, Cu, Pb, Zn). Die Auswirkungen
reichen durch geochemische Beeinflus-
sungen der Nebengesteine und durch
laterale Umlagerungsprozesse (Erosion)
z. T. weit über die Erzgänge hinaus (bis
mehrere Hundert Meter). In der Regel
sind die Bodengehalte in Gebieten mit
oberflächennahen Erzvorkommen zu-
sätzlich durch bergbauliche Gewinnung
und Verhüttungen der Erze erhöht, so
dass geogene und siedlungsbedingte
Ursachen nebeneinander stehen.
Die Bergbau- und Industriegeschichte
kann im Zusammenhang mit der damit
verbundenen Siedlungs- und Verkehrs-
tätigkeit zu siedlungsbedingt erhöhten
Schadstoffgehalten in Böden geführt ha-
ben. Neben räumlich begrenzten Boden-
belastungen, die einer spezifischen Be-
lastungsursache zugeordnet werden
können, wurden großflächig stoffliche
Bodenbeeinträchtigungen durch atmos-
phärische Immissionen, Staubabwe-
hungen von Halden oder Schwebstoff-
ablagerungen in Überschwemmungsge-
bieten / Auen verursacht. Zum Teil sind
großflächig erhöhte Schadstoffgehalte
auch auf die flächenhafte Ausbringung
technogener Substrate wie Schlacken
zurückzuführen.
Siedlungsbedingt werden vor allem fol-
gende Parameter angetroffen: As, Pb,
Cd, Cr, Cu, Hg, Ni, Zn, PAK. Dazu kom-
men je nach Emittenten weitere charak-
teristische Parameter.

Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie
„Handlungsempfehlung für Gebiete mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten“
Seite 3
Im Umfeld emittierender Anlagen (vor
allem in Hauptwindrichtung) sowie in
Gebieten mit sich überlagernden Immis-
sionsbereichen verschiedener Belas-
tungsursachen, aber auch in den Über-
schwemmungsgebieten unterhalb der
Einleitstellen solcher Anlagen finden
sich nicht unerhebliche Schadstoffkon-
zentrationen, die z. T. die Prüf- bzw.
Maßnahmenwerte der BBodSchV über-
schreiten.
Auch altlastverdächtige Flächen und Alt-
lasten können Ursache großflächig er-
höhten Schadstoffgehalten sein.
3
Untersuchungsablauf einer gebietsbezogenen Vor-
gehensweise
Das Bodenschutzrecht schreibt eine be-
stimmte Schrittfolge der Erfassung und
Bewertung schädlicher Bodenverän-
derungen auf Grund stofflicher Einwir-
kungen vor. Die damit verbundenen An-
forderungen sind auch in Gebieten mit
flächenhaft erhöhten Schadstoffgehalten
zu erfüllen.
Abbildung 1 zeigt die Hauptarbeitsschrit-
te bei der gebietsbezogenen Bearbei-
tung des Untersuchungsablaufs.
Ergeben sich bei der Erfassung von
stofflichen Bodenbelastungen Hinweise
für eine flächenhafte Überschreitung der
Vorsorgewerte oder gar Anhaltspunkte
für das flächenhafte Vorliegen von Ge-
fahren, erheblichen Nachteilen oder er-
heblichen Belästigungen für den Einzel-
nen oder die Allgemeinheit, dann em-
pfiehlt sich bei den weiteren Untersu-
chungsschritten eine gebietsbezogene
Vorgehensweise. Häufig können in Ge-
bieten mit erhöhten Schadstoffgehalten
flächenhaft auftretende schädliche Bo-
denveränderungen erst nach einer ori-
entierenden Untersuchung ausgeschlos-
sen werden.
Wenn in einem Gebiet flächenhaft Vor-
sorgewerte überschritten werden, aber
keine Anhaltspunkte für das flächenhaf-
te Auftreten von schädlichen Bodenver-
änderungen (Überschreitung von Prüf-
und Maßnahmewerten) vorliegen, ist
gemeinhin keine flächenbezogene Ge-
fahrenermittlung erforderlich. Die weite-
ren Untersuchungen dienen dann ledig-
lich zur Umsetzung von § 12 Abs. 10
BBodSchV. Hierbei ist § 9 Abs. 2 und 3
BBodSchV zu beachten.
Im Falle einer orientierenden Untersu-
chung sollten im Vorfeld die möglichen
Ausweisungsziele sowie die vorläufigen
Grenzen des Untersuchungsgebietes
festgelegt werden. Je nach Ergebnis der
gebietsbezogenen orientierenden Unter-
suchung werden Detailuntersuchungen
im Hinblick auf die bewertungsrele-
vanten Wirkungspfade sowie Untersu-
chungen und Bewertungen im Hinblick
auf die Umlagerung von belastetem Bo-
denmaterial durchgeführt.
Auf der Grundlage dieser Untersu-
chungs- und Bewertungsschritte für ein
gesamtes Gebiet kann die abschließ-
ende Gebietsabgrenzung nach außen
zum unbelasteten Bereich und nach
innen in Zonen unterschiedlicher Belas-
tungshöhe und -art erfolgen.
Vor der abschließenden Gebietsauswei-
sung ist zu klären, an wen die gebiets-
bezogenen Bodenschutzmaßnahmen
adressiert werden sollen sowie welche

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„Handlungsempfehlung für Gebiete mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten“
Seite 4
Maßnahmen für das Gebiet geeignet,
erforderlich und angemessen sind.
Abbildung 1: Ablaufschema der gebietsbezogenen Vorgehensweise
Die gebietsbezogenen Vollzugsaufga-
ben können je nach Sachverhalt ent-
weder in Form von Allgemeinverfü-
gungen oder Rechtsverordnungen um-
gesetzt werden. Öffentlichrechtliche Ver-
träge eignen sich eher für Einzelfalllö-
Erfassung und Erkundung
Kap. 4
Festlegen von
Ausweisungszielen
Kap. 5
Abgrenzen des
Untersuchungsgebietes
Kap. 6
Gebietsbezogene orientierende
Untersuchung
Kap. 7
Untersuchungen und Bewertun-
gen hinsichtlich der Bodenumla-
gerung
Kap. 10
Detailuntersuchungen hinsicht-
lich der relevanten Wirkungspfade
Kap. 8 + 9
Abschließende Gebiets-
abgrenzung
Kap. 11
Auswahl der Adressaten für
gebietsbezogene Maßnahmen
Kap. 12
Festlegen gebietsbezogener
Maßnahmen
Kap. 13
Gebietsausweisung
(Allgemeinverfügung oder Verordnung)
In Gebieten mit flächenhafter Überschreitung
der Vorsorgewerte unter Berücksichtigung
von § 9 Abs. 2 und 3
In Gebieten mit Anhaltspunkten
für das flächenhafte Auftreten von
schädlichen Bodenveränderungen

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„Handlungsempfehlung für Gebiete mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten“
Seite 5
sungen. Auch zur Durchführung einer
gebietsbezogenen Rechtsverordnung
kommen öffentlichrechtliche Verträge
mit einzelnen Pflichtigen in Frage.
Die in Abbildung 1 aufgeführten Arbeits-
schritte sind Gegenstand dieser Hand-
lungsempfehlung. Dazu werden die bo-
denschutzrechtlichen und -fachlichen
Grundlagen mit konkreten Hinweisen
auf eine gebietsbezogene Vorgehens-
weise bei stofflichen Einwirkungen zur
Unterstützung der zuständigen Behör-
den bei der Umsetzung der Vollzugsauf-
gaben vermittelt. Auf Grund der Kom-
plexität der Aufgaben kann die Hand-
lungsempfehlung jedoch keine umfas-
sende und abschließende Anleitung dar-
stellen.
4 Erfassung und Erkundung
Im Rahmen des Umweltmessnetzes des
Freistaates Sachsen wurden die vorlie-
genden Daten zu organischen und anor-
ganischen Schadstoffen in Böden lan-
desweit ausgewertet. Mit Hilfe eines ge-
zielt angelegten Bodenmessprogramms
konnten flächendeckend für Sachsen
die Arsen- und Schwermetallbelas-
tungen der Böden im Maßstab der bo-
denkundlichen Übersichtskarte (BÜK
400) dargestellt und beurteilt werden.
Für ausgewählte Belastungsgebiete wie
zum Beispiel:
Ehrenfriedersdorf,
Freiberg – Brand-Erbisdorf – Hals-
brücke,
Schneeberg – Schwarzenberg – Jo-
hanngeorgenstadt,
Dippoldiswalde – Altenberg sowie in
Auengebieten (insbesondere des
Muldesystems)
ist die Messstellendichte deutlich grö-
ßer, so dass Abschätzungen der Schad-
stoffgehalte in Böden auf der Ebene
mittelmaßstäbiger Karten möglich sind.
Die Daten des Bodenmessprogramms
sind im FIS BODEN des LfUG doku-
mentiert. Auswertekarten finden sich im
Bodenatlas des Freistaates Sachsen –
Teil 3 (RANK et al. 1998). Auf der Ebe-
ne der Landkreise und insbesondere der
Gemeinden kann die vorgenannte Da-
tenbasis durch weitere regionale oder
lokale Messergebnisse ergänzt werden;
zum Teil werden diese Daten bereits in
einer Datenbank beim LfUG geführt und
können dort von den zuständigen Bo-
denschutzbehörden abgerufen werden.
Ergänzend zur Erfassung der vorliegen-
den Daten zur stofflichen Bodenbelas-
tung sind historische Schadstoffquellen
zu erkunden.
Liegen nach Abschluss der Erfassung
und Erkundung Hinweise vor, die auf ein
Gebiet mit großflächig erhöhten Schad-
stoffgehalten (Überschreitung von Vor-
sorgewerten) deuten, kann die zustän-
dige Bodenschutzbehörde Maßnahmen
zur Umsetzung von § 12 Abs. 10
BBodSchV ergreifen. Bei Anhalts-
punkten für flächenhaftes Vorliegen
schädlicher Bodenveränderung (Über-
schreitung von Prüf- und Maßnahme-
werten) soll von der zuständigen Boden-
schutzbehörde eine gebietsbezogene
orientierende Untersuchung durchge-
führt werden. Einen Überblick über mög-
liche Hinweise auf ein Gebiet mit groß-
flächig erhöhten Schadstoffgehalten ver-
mittelt Tabelle 1.
Bevor die orientierende Untersuchung
(vgl. Kap. 7) sachgerecht geplant und
durchgeführt werden kann, sind sowohl
die Untersuchungsziele (vgl. Kap. 5) als

Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie
„Handlungsempfehlung für Gebiete mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten“
Seite 6
auch der Untersuchungsraum (vgl. Kap. 6) festzulegen.
Tabelle 1:
Hinweise auf ein Gebiet mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten
Lage in einem
- Überschwemmungsgebiet
- Polder
- Rieselfeld
- Immissionsgebiet (Nähe zu emittierenden Betrieben, Randbereiche von
großen Siedlungen, Bergbaugebiete)
Böden aus Auensedimenten (auch ohne aktuellen Überschwemmungseinfluss)
Böden auf geologischen Schichten mit naturbedingt hohen Schadstoffgehalten
Böden im Bereich von Vererzungen
Böden mit starker Versauerung (z.B. Immissionslagen der Kammlagen, Standorte mit
Waldschäden)
Güllehochlastflächen
Böden, die umfangreich mit Abfallstoffen wie Klärschlamm beaufschlagt wurden
Böden im (historischen) Einwirkungsbereich von Staubverwehungen oder von austreten-
dem belasteten Wasser (z.B. von Halden, Altablagerungen)
Flächenhaft erhöhte Schadstoffgehalte in Böden oder Nahrungs- und Futterpflanzen
5
Ausweisungsziele und Vorteile einer gebietsbe-
zogenen Vorgehensweise
Vor dem Hintergrund der umfassenden
Vollzugsaufgaben in Gebieten mit groß-
flächig erhöhten Schadstoffgehalten bie-
tet sich ein Untersuchungskonzept an,
welches
den notwendigen Aufwand mindert,
als tolerabel anzusehende Unsicher-
heiten definiert,
somit im Hinblick auf die weiteren
Schritte ausreichend belastbare Er-
gebnisse auch für nicht untersuchte
Grundstücke liefert und
auf diese Weise die Umsetzbarkeit und
Vollzugssicherheit gewährleistet.
Die in Kapitel 1 genannten Gebietskate-
gorien sind insbesondere für die Umset-
zung folgender Vollzugsaufgaben be-
deutend:
Ermitteln und Abgrenzen von Ge-
bieten mit naturbedingt oder groß-
flächig siedlungsbedingt erhöhten
Schadstoffgehalten im Hinblick auf
§ 4 Abs. 8, § 9 Abs. 2 und 3 sowie
§ 11 Abs. 2 BBodSchV;
Ermitteln und Abgrenzen von Ge-
bieten mit erhöhten Schadstoffgehal-
ten zur Umsetzung der Ausnahmere-
geln nach § 12 Abs. 10 BBodSchV;
Erfassen und Abgrenzen von Gebie-
ten mit flächenhaft auftretenden oder
zu erwartenden schädlichen Boden-
veränderungen, um im Sinne des
§ 21 Abs. 3 BBodSchG bzw. § 9

Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie
„Handlungsempfehlung für Gebiete mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten“
Seite 7
SächsABG gebietsbezogene Maß-
nahmen ergreifen zu können;
Die gebietsbezogenen Aussagen des
Bodenschutzes können darüber hin-
aus als Abwägungs- und Kennzeich-
nungsgrundlage für besonders belas-
tete Böden nach § 1a Abs. 2, § 5 und
§ 9 BauGB im Rahmen der Bauleit-
planung genutzt werden.
Aus bodenschutzfachlicher und verwal-
tungspraktischer Sicht kann eine ge-
bietsbezogene Vorgehensweise aus
nachstehenden Gründen vorteilhaft sein:
Eine über Einzelgrundstücke hinaus-
gehende Vorgehensweise löst eine
große Anzahl von Einzelanord-
nungen durch gebietsbezogene Re-
gelungen ab. Damit gehen verwal-
tungspraktische Vereinfachungen bei
der Erfassung, Bewertung und der
Ableitung erforderlicher, geeigneter
und angemessener Bodenschutz-
maßnahmen einher.
Durch die gebietsbezogene Umset-
zung sind die erforderlichen Boden-
schutzmaßnahmen den betroffenen
Grundstückseigentümern, den Inha-
bern der tatsächlichen Gewalt und
der Öffentlichkeit besser vermittelbar.
Keiner fühlt sich willkürlich herausge-
griffen, sondern kann die Gleichbe-
handlung mit Nachbarn unmittelbar
erkennen.
Ein weiterer Vorteil des gebietsbezo-
genen Bodenschutzes ist die Be-
trachtung eines Gebietes im Gesamt-
zusammenhang. Durch die Betrach-
tung eines Belastungsgebietes ist ei-
ne nachvollziehbare Prioritätenset-
zung und eine effektivere Maßnah-
menabstufung möglich. Eine Verzet-
telung in eine große Anzahl von Ein-
zelproblemen wird vermieden.
Darüber hinaus können der insge-
samt notwendige Untersuchungsauf-
wand und die damit verbundenen
Kosten gesenkt werden. Denn durch
die räumlich repräsentative und wir-
kungspfadbezogene Untersuchung
der stofflichen Bodenbelastungen in
einem großflächigen Belastungsge-
biet können aufwändige Untersu-
chungen auf jeder Einzelfläche ein-
gespart werden. Dieser Aspekt bietet
Einsparpotenziale sowohl bei der ori-
entierenden Untersuchung als auch
bei der Detailuntersuchung, kommt
also sowohl der nach § 9 Abs. 1
BBodSchG zuständigen Boden-
schutzbehörde als auch den Pflich-
tigen nach § 9 Abs. 2 BBodSchG zu-
gute und befördert damit die Akzep-
tanz von Bodenplanungsgebieten.
Ferner eröffnet eine gebietsbezogene
Vorgehensweise auch Vereinfach-
ungen in der Überwachung der ange-
ordneten Maßnahmen, da die Maß-
nahmen entweder im ganzen Gebiet
oder in abgegrenzten Teilgebieten
gelten. Somit kann eine einzelfallbe-
zogene Recherche der jeweils er-
gangenen Anordnungen im Vorfeld
einer stichprobenartigen Überwa-
chung entfallen.
Der gebietsbezogene Bodenschutz
trägt durch die klare Strukturierung
der notwendigen Bodenschutzmaß-
nahmen auch zur Planungs- und
Rechtssicherheit bei, was insbeson-
dere der Siedlungsentwicklung Vor-
teile verschafft.

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„Handlungsempfehlung für Gebiete mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten“
Seite 8
6
Abgrenzung von Gebieten mit gebietsbezogenen
Bodenschutzaufgaben
6.1 Vorbemerkungen
Die Abgrenzung des Untersuchungsge-
bietes sowie die kartografische Darstel-
lung der Schadstoffgehalte im Boden bis
hin zur Ausweisung eines Bodenplan-
ungsgebietes bzw. eines Gebietes nach
§ 12 Abs. 10 BBodSchV stellen einen
iterativen Arbeitsprozess dar. Im ersten
Durchgang wird das Untersuchungsge-
biet anhand der im Erfassungsschritt zu-
sammengetragenen Daten in groben
Zügen abgegrenzt. Diese erste Festle-
gung des Untersuchungsgebietes muss
im weiteren Untersuchungsablauf eine
sichere Abgrenzung des belasteten Ge-
bietes nach außen vom unbelasteten
Bereich ermöglichen.
Insofern dürfen die Grenzen am Anfang
nicht zu eng gezogen werden, um zu
vermeiden, dass während des weiteren
Untersuchungsablaufs die Gebietsbe-
trachtung auf einen größeren Flächen-
umfang ausgedehnt werden muss.
Liegen nach der Erfassung bereits um-
fängliche Ergebnisse zur stofflichen Bo-
denbelastung vor, dann können Arbeits-
karten der geschätzten Schadstoff-
gehalte erstellt werden. Diese Arbeits-
karten sind im Untersuchungsablauf
nach der Recherche weiterer Boden-
daten und nach ergänzend durchge-
führten neuen Bodenbeprobungen suk-
zessive fortzuschreiben, bis nach Ab-
schluss der orientierenden Untersu-
chung und der Detailuntersuchung quali-
fizierte Schadstoffkarten vorliegen, auf
deren Basis eine hinreichend genaue
Gebietsabgrenzung nach außen vom
unbelasteten Bereich und nach innen in
Teilgebiete unterschiedlicher Belas-
tungshöhe und/oder Belastungsart mög-
lich ist.
Die Schadstoffkarten sind für alle bewer-
tungsrelevante Schadstoffe zu erstellen.
Dabei können sowohl für die Gesamtge-
halte nach Königswasseraufschluss als
auch Karten für die verfügbaren Schad-
stoffgehalte angefertigt werden.
Bei der Abgrenzung von Untersuch-
ungsgebieten mit erhöhten Schadstoff-
gehalten sind zwei Gebietskategorien zu
differenzieren:
1. In Gebieten mit großflächigen Über-
schreitungen der Vorsorgewerte
kann auf der Grundlage des § 12
Abs. 10 BBodSchV der Umgang mit
belastetem Bodenaushub geregelt
werden. Dazu existiert eine Voll-
zugshilfe der LABO, die alle wesent-
lichen Anforderungen beschreibt
(vgl. Kap. 10). Auf Grundlage dieser
Vollzugshilfe wurden vom SMUL
entsprechende Hinweise an die Bo-
denschutzbehörden erlassen (vgl.
SMUL 2003a). Allgemeine Hinweise
zu den Anforderungen des § 12
BBodSchV hat das Sächsische Lan-
desamt für Umwelt und Geologie in
einem Merkblatt übersichtlich zu-
sammengestellt (vgl. LfUG 2001).
Die Anforderungen an den Umgang
mit belastetem Bodenmaterial kön-
nen in solchen Gebieten entweder
über Allgemeinverfügungen oder
durch Ausweisung von Bodenpla-
nungsgebieten festgelegt werden.
2. Gebiete mit großflächigen Über-
schreitungen von Prüfwerten oder
sonstigen gebietsbezogenen Beur-

Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie
„Handlungsempfehlung für Gebiete mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten“
Seite 9
teilungswerten (vgl. Kap. 8.2) kön-
nen auf der Grundlage des § 9
SächsABG als Bodenplanungsge-
biete ausgewiesen werden.
Das methodische Gerüst zur Abgren-
zung von Gebieten beider Belastungs-
kategorien ist grundsätzlich gleich; auch
werden die Arbeitskarten und abschlies-
sende Kartenwerke mit gleicher Metho-
dik erstellt. Sie basieren lediglich auf
einer unterschiedlich umfänglichen Da-
tenbasis und auf unterschiedlichen Be-
wertungsschritten. Aus diesen Gründen
können die methodischen Aspekte der
Gebietsabgrenzung und der Erstellung
der Schadstoffkarten für die Untersu-
chungsschritte zusammen beschrieben
werden. Diese methodischen Anfor-
derungen werden in den nachstehenden
Kapiteln zum weiteren Untersuchungs-
ablauf vorausgesetzt.
6.2 Übertragen von Punktdaten auf die Fläche
In Gebieten mit erhöhten Schadstoffge-
halten ist eine grundstücksbezogene
Messung der Schadstoffgehalte nicht
mehr durchführbar. Die Vielzahl der Ein-
zelflächen würde eine zu hohe personel-
le und finanzielle Belastung verursa-
chen. Aus diesem Grund müssen sich
die Untersuchungs- und Bewertungs-
schritte auf Punktmessungen stützen,
deren Ergebnisse nach klaren Regeln in
die nicht beprobte Fläche übertragen
werden.
Das Übertragen von Punktdaten auf die
Fläche ist an methodische Anforde-
rungen gebunden, um systematische
Fehler zu vermeiden und damit eine ver-
gleichsweise aussagekräftige Schätzung
auch für Grundstücke ohne Messwerte
zu gewährleisten. Die methodischen An-
forderungen sind u. a. in UW Umwelt-
wirtschaft GmbH (2002) näher beschrie-
ben. Darüber hinaus liegen weitere pra-
xisbezogene Abhandlungen aus Nord-
rhein-Westfalen (vgl. LUA NRW 2001)
und vom UBA (vgl. UMEG 2002) vor.
Darin wird dargelegt, dass auch an die
Datengrundlagen selbst (Messwerte) in
qualitativer Sicht Anforderungen zu stel-
len sind, insbesondere im Hinblick auf
eine einheitliche Probenahme und Ana-
lytik. Der ständige Ausschuss „Informa-
tionsgrundlagen“ der Länderarbeitsge-
meinschaft Boden (LABO) hat in einem
Ad-hoc Unterausschuss "Flächenhafte
Darstellung punktbezogener Daten über
Stoffgehalte in Böden" Empfehlungen
für die Anwendung von Auswerteverfah-
ren zur flächenhaften Darstellung der
stofflichen Belastung von Böden erarbei-
tet, die unter folgender Internetadresse
dokumentiert sind:
http://www.lua.nrw.de/index.htm?boden/
adhoc-ua/adhoc-ua-index.htm
Insofern werden in der vorliegenden
Handlungsempfehlung nur die wesent-
lichen Arbeitsschritte beschrieben. De-
taillierte methodische Aspekte sind den
genannten und anderen Quellen zu ent-
nehmen.
Als Voraussetzung für die Übertragung
von Punktdaten auf die Fläche muss
zwischen den Stoffgehalten an den
Messpunkten ein räumlicher Zusam-
menhang bestehen. Mit anderen Wor-
ten, die Stoffgehalte dürfen nicht zufällig
im Raum verteilt sein. Der räumliche Zu-
sammenhang von Messpunkten kann
mit geostatistischen Verfahren geprüft
werden. Mit Hilfe einer Raumanalyse,
die mögliche Einflussfaktoren auf den
Schadstoffgehalt der Böden im Untersu-
chungsgebiet in ihrer räumlichen Ver-
breitung erfasst, kann eine erste Kon-

Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie
„Handlungsempfehlung für Gebiete mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten“
Seite 10
zeptkarte erstellt werden, die verschie-
dene Raumeinheiten differenziert.
Dabei zeichnen sich Raumeinheiten
durch einheitliche Belastungsursachen
und Standortexpositionen aus, mithin ist
eine einheitliche Schadstoffsituation in-
nerhalb einer Raumeinheit zu erwarten.
Diese erste Einschätzung muss im Wei-
teren überprüft werden. Dazu wird die
Konzeptkarte mit dem Ziel fortgeschrie-
ben, dass am Ende die wesentlichen
Einflussfaktoren für den Untersuchungs-
raum ermittelt worden sind, auf deren
Grundlage dann homogene Raumein-
heiten abgeleitet werden können. Homo-
gene Raumeinheiten sind im Hinblick
auf die flächenhaft anzutreffende
Schadstoffsituation einheitliche Gebiete.
Für die Abgrenzung von homogenen
Raumeinheiten ist u. a. zu berücksich-
tigen, dass die Schadstoffgehalte zu-
meist mit zunehmender Entfernung von
Emissionsquellen abnehmen und oft von
der Hauptwindrichtung geprägt sind.
Oft ist der Einfluss von Überschwem-
mungen auf den Schadstoffbestand sehr
stark ausgeprägt, so sind Böden in Ü-
berschwemmungsgebieten in der Regel
höher belastet als Böden außerhalb von
Überschwemmungsgebieten. Nicht zu-
letzt prägt der Schwermetallgehalt des
Ausgangssubstrats der Bodenbildung
den Schadstoffgehalt und das Schad-
stoffspektrum von Böden.
Weiterhin unterscheiden sich die Schad-
stoffgehalte in Böden unterschiedlicher
Nutzung bei ansonsten gleichen Rand-
bedingungen; in der Regel nehmen die
Schadstoffgehalte von Waldböden über
Grünlandböden bis hin zu Ackerböden
ab. Waldböden sind durchschnittlich hö-
her belastet als landwirtschaftlich ge-
nutzte Böden, weil Baumbestände auf
Grund ihrer großen Oberfläche Schad-
stoffe im größeren Umfang aus der Luft
„auskämmen“ als landwirtschaftliche Ve-
getationsbestände. Parallel eingetrage-
ne Säuren können bei starkem Absinken
des pH-Wertes im Boden zu einer Ver-
lagerung von Schwermetallen, insbe-
sondere von Cadmium und Zink in tiefer
gelegene Bodenhorizonte führen. Die-
ses kann im Extremfall bedeuten, dass
in Waldböden geringere Konzentratio-
nen angetroffen werden, als in Acker-
oder Grünlandböden. Ackerböden sind
zumeist geringer belastet als Grünland-
böden, weil die krumentiefe Bodenbear-
beitung eine Verdünnung der Schad-
stoffe auf eine Bodentiefe bis ca. 30 cm
bedingt, während bei Grünlandböden
die Schadstoffe sich vorwiegend im o-
bersten humosen Bodenhorizont von
rund 10 cm Mächtigkeit anreichern.
Die vorgenannten nutzungsbedingten
Unterschiede sind insbesondere zwi-
schen Waldböden und landwirtschaftlich
genutzten Böden ausgeprägt. Die Unter-
schiede zwischen Acker- und Grünland-
böden treten dagegen oftmals zurück.
Bei der Bildung von homogenen Raum-
einheiten sind die Nutzungseinflüsse zu
berücksichtigen. Auf jeden Fall sind
Waldflächen gegen landwirtschaftlich
genutzte Flächen abzugrenzen. Eine
Differenzierung zwischen Grünland- und
Ackerflächen ist nur dann vorzusehen,
wenn anhand der Bodendaten bewer-
tungsrelevante Unterschiede im Niveau
der Schadstoffgehalte festgestellt wer-
den können.
Dazu können statistische Kennwerte wie
Median sowie 10. und 90. Perzentil ver-
gleichend herangezogen werden, die je-
weils für Acker- und Grünlandproben ge-
trennt zu berechnen sind. In den Ver-
gleich dürfen nur Probendaten mit sonst
gleichen Randbedingungen einbezogen
werden, da ansonsten eine Trennung
zwischen Nutzungseinflüssen und an-
deren Einflüssen (z.B. Überschwem-

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„Handlungsempfehlung für Gebiete mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten“
Seite 11
mung) nicht gewährleistet werden kann.
Einer nutzungsübergreifenden Interpola-
tion der Stoffgehalte sollte ein statisti-
scher Test vorangehen, der erhebliche
nutzungsbedingte Unterschiede aus-
schließt. Nach einem so erfolgten Zu-
sammenschluss sollten die Teilflächen
mit ihrer jeweiligen Nutzung attributiert
bleiben, da die Teilflächen bei der nach-
folgenden Beurteilung und ggf. Zuwei-
sung von Maßnahmen wieder nutzungs-
spezifisch und damit getrennt zu be-
trachten sind.
Die vorgefundenen räumlichen Gesetz-
mäßigkeiten sind zu beschreiben und
bei der Übertragung von Punktdaten auf
die Fläche zu berücksichtigen. Zur
räumlichen Abgrenzung und Beschrei-
bung der Gesetzmäßigkeiten werden mit
Hilfe der für den Betrachtungsraum we-
sentlichen Einflussgrößen auf die
Schadstoffgehalte homogene Raumein-
heiten gebildet. Der Ablauf zur Bildung
von homogenen Raumeinheiten wird in
Abbildung 2 exemplarisch verdeutlicht.
Abbildung 2: Ableiten von homogenen Raumeinheiten als Grundlage für die Übertra-
gung von Punktdaten in die Fläche
1. Grundlagenkarte der Landnutzung
3. Grundlagenkarte der Geologie/Pedologie
2. Grundlagenkarte der Überschwemmungsgebiete
4. Ergebniskarte der homogenen
Raumeinheiten

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Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie
„Handlungsempfehlung für Gebiete mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten“
Seite 12
Anhand der Karten zur Nutzung, zum
Überschwemmungseinfluss und zur
Geologie / Pedologie werden im Bei-
spiel vier voneinander abgrenzbare
Raumeinheiten gebildet. Neben den
im Beispiel dargestellten Faktoren
können auch andere relevante Ein-
flussgrößen herangezogen werden.
Die Bildung von Raumeinheiten zielt
darauf ab, Flächeneinheiten mit unter-
schiedlichen Einflüssen auf den
Schadstoffgehalt im Boden gegenein-
ander abzugrenzen.
Die Beschreibung der räumlichen Ge-
setzmäßigkeiten ermöglicht es, mit
verschiedenen Verfahren Punktdaten
auf die Fläche zu übertragen (Abbil-
dung 3). So können zum Beispiel sta-
tistische Kennwerte zu Schadstoff-
gehalten in Böden, die für eine homo-
gene Raumeinheit anhand von Mess-
werten zu berechnen sind, auf Flä-
chen der gleichen homogenen Raum-
einheit übertragen werden (Abbil-
dung 3, schematischer Karten-
ausschnitt oben rechts).
Abbildung 3: Schematische Darstellung der Übertragung von Punktdaten auf die Flä-
che mit Hilfe verschiedener Verfahren
Schadstoffbelastung (Messpunkte)
gering
mittel
hoch
Raumeinheit
Raumeinheit 1
Raumeinheit 2
Raumeinheit 3
Raumeinheit 4
Punktmessungen
innerhalb der
homogenen Raumeinheiten (Abb. 2)
Interpolation
nach Effekt-
bereinigung über die Grenzen
der Raumeinheiten hinweg
Übertragung
auf die Fläche
Übertragen von Kennwerten
(wie z.B. Median) auf gleiche Raum-
einheiten

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„Handlungsempfehlung für Gebiete mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten“
Seite 13
Die Ergebnisse der Punktmessungen
können aber auch durch räumliche Inter-
polation auf den Raum übertragen wer-
den. Dieses Verfahren ermöglicht eine
stärkere räumliche Auflösung der ge-
schätzten Stoffgehalte, setzt aber be-
stimmte statistische Anforderungen an
die Datenstruktur und -aufbereitung vor-
aus, die unbedingt eingehalten werden
müssen, um Schätzfehler zu mini-
mieren. So ist beispielsweise vor der
räumlichen Interpolation zu entscheiden,
ob die Messwerte effektbereinigt werden
sollen, das heißt, ob die Einflüsse der
Landnutzung,
Überschwemmung,
geogenen Ausgangsgehalte,
Substrate und
weiterer Einflussgrößen
mit Hilfe statistischer Verfahren aus den
Datensätzen herausgerechnet werden
sollen.
Mit einem derart bereinigten Datensatz
sind dann Interpolationen über die Gren-
zen von Raumeinheiten möglich (Abbil-
dung 3, schematischer Kartenausschnitt
unten rechts). Jedoch ist bei der Interpo-
lation über die Grenzen von Raumein-
heiten zu prüfen, ob Teilgebiete mit be-
sonderen Effekten, wie z.B. eng um-
grenzte Flächen im unmittelbaren Nah-
bereich von Emittenten oder Über-
schwemmungsgebiete, aus der flächen-
haften Interpolation ausgegliedert wer-
den, um die Einflüsse auf den Schad-
stoffgehalt der Böden besser gegenein-
ander abgrenzen zu können.
Wird keine Effektbereinigung durchge-
führt, dann ist nur eine Interpolation in-
nerhalb von homogenen Raumeinheiten
möglich. Die Ergebnisse für alle Raum-
einheiten sind anschließend in einem
Geografischen Informationssystem zu-
sammenzuspielen, um eine flächen-
deckende Schadstoffkarte für das unter-
suchte Gebiet zu erhalten.
6.3
Abgrenzung nach Außen in den unbelasteten Bereich
Zwischen belastetem und unbelastetem
Bereich muss anhand des Belastungs-
niveaus eine Grenze gezogen werden.
Die Abgrenzung nach außen verläuft bei
den zwei in Kapitel 1 genannten Ge-
bietskategorien auf unterschiedlichen
Isolinien der geschätzten Schadstoffge-
halte.
Nach dem relevanten Bewertungsmaß-
stab wie Vorsorgewert, Prüf- und Maß-
nahmenwert oder gebietsbezogener Be-
urteilungswert können die Isolinien
durch Wahl der Klassengrenzen so ge-
setzt werden, dass Über- oder Unter-
schreitungen des relevanten Bewer-
tungsmaßstabes visualisiert werden.
In Gebieten, die durch großflächige Ü-
berschreitungen der Vorsorgewerte cha-
rakterisiert sind, kann eine Gebietsab-
grenzung nach § 12 Abs. 10 BBodSchV
anhand der Isolinien der Vorsorgewerte
nach BBodSchV vorgenommen werden.
Überschreiten mehrere Schadstoffe die
Vorsorgewerte, dann ist durch Ver-
schneiden der Karten der geschätzten
Stoffgehalte die Außengrenze fest-
zulegen. Dabei ist die Gebietsgrenze zu-
meist an die äußerste Grenze zu legen,
die sich durch die Verbindung der Iso-
linien aller Vorsorgewerteüberschrei-
tungen ergibt.
Zur vorläufigen Gebietsabgrenzung bei
der Ausweisung eines Bodenplanungs-
gebietes nach § 9 SächsABG können in
einem Zwischenschritt die Prüf- und
Maßnahmenwerte herangezogen wer-
den.

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„Handlungsempfehlung für Gebiete mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten“
Seite 14
Welche Prüf- und Maßnahmenwerte für
die Gebietsabgrenzung ausgewählt wer-
den sollen, hängt in erster Linie von den
planungsrechtlich zulässigen Nutzungen
im Gebiet, aber auch von den vorge-
sehenen Regelungen ab.
Einfache Prüfwertüberschreitungen zei-
gen nur einen Gefahrenverdacht an. Im
Rahmen der übergreifenden Detailunter-
suchung können gebietsbezogene Beur-
teilungswerte aus den bewertungsrele-
vanten Prüfwerten insbesondere in Ver-
bindung mit gebietsbezogenen Daten
zur Schadstoffverfügbarkeit ermittelt
werden (vgl. Kap. 8.2 und 9.2).
Anhand dieser Vorgehensweise ist für
Gebiete mit großflächig erhöhten Schad-
stoffbelastungen eine abschließende
gebietsbezogene Gefahrenbeurteilung
möglich. Insofern bietet es sich an, bei
der Gebietsabgrenzung auf die Isolinien
der gebietsbezogenen Beurteilungswer-
te zurückzugreifen, die einen anderen
Verlauf haben als die Isolinien der Prüf-
werte nach BBodSchV.
Die exakte Grenzziehung nach Ab-
schluss der gebietsbezogenen Detail-
untersuchung erfolgt nach den Vor-
gaben des Kapitels 10.
6.4
Abgrenzung nach Innen in Zonen unterschiedlicher Be-
lastungshöhen
Gebiete mit großflächig erhöhten Schad-
stoffgehalten sind nicht vollständig ho-
mogen. Zumeist sind räumliche Belas-
tungsgradienten zu beobachten, das
heißt es liegen Zonen unterschiedlicher
Belastungshöhe vor. Des Weiteren kann
das Schadstoffspektrum innerhalb eines
Gebietes differieren. Aus diesen Grün-
den kann eine Aufteilung eines Gebietes
in Zonen unterschiedlicher Belastung
sinnvoll und erforderlich sein. Wichtige
Informationen für die innere Dif-
ferenzierung sind die homogenen
Raumeinheiten sowie die Schätzwerte-
karten. Zur Klassifizierung der Schätzer-
gebnisse bieten sich die wirkungspfad-
und nutzungsspezifischen Prüf- und
Maßnahmenwerte der BBodSchV sowie
ggf. weitere gebietsbezogene Beurtei-
lungswerte an (vgl. Kap. 6.5, 8.2 und
9.2).
Im Siedlungsgebiet wird dabei auf die
Werte für den Wirkungspfad Boden-
Mensch zurückgegriffen. Ergänzend
können in Wohngebieten die Werte für
den Wirkungspfad Boden-Nutzpflanze
(Ackerbau, Nutzgarten) herangezogen
werden, um den Schadstofftransfer in
Nutzpflanzen zur menschlichen Ernäh-
rung zu berücksichtigen.
In Gebieten mit landwirtschaftlicher Flä-
chennutzung sind hauptsächlich die
Prüf- und Maßnahmenwerte für den Wir-
kungspfad Boden-Nutzpflanze nach An-
hang 2 Nr. 2 der BBodSchV sowie ggf.
weitere vorliegende Beurteilungswerte
(siehe Kap. 9.2) zu verwenden. Bei
landwirtschaftlichen Flächen im Sied-
lungsrandbereichen, für die Nutzungs-
umwidmungen konkret geplant oder
wahrscheinlich sind, sollen zusätzlich
auch die Werte für den Direktpfad zur
Innendifferenzierung herangezogen
werden.
Als weitere Informationsquelle kann auf
Altlastenkataster zurückgegriffen wer-
den. Altlastenflächen sind aus der Flä-
chenkulisse der gebietsbezogenen Un-
tersuchungen und Bewertungen auszu-
schneiden. Für diese Flächen sind i.d.R.
keine gebietsbezogenen Aussagen
möglich, stattdessen sind sie im Rah-
men der Sächsischen Altlastenmethodik
zu untersuchen und zu bewerten.

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„Handlungsempfehlung für Gebiete mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten“
Seite 15
6.5
Bodenschutzrechtliche Relevanz von Mess- und Schätz-
werten
Karten über die flächenhafte Verteilung
von Schadstoffgehalten im Boden ba-
sieren auf Messungen an Punkten, de-
ren Ergebnisse anhand von statistischen
und geostatistischen Regeln auf die
Fläche übertragen werden. Diese Vor-
gehensweise ist bei großflächigen ge-
bietsbezogenen Regelungen aus Grün-
den der Verhältnismäßigkeit vertretbar.
Die Übertragung von Punktdaten in die
Fläche ist fachlich vertretbar, wenn be-
stimmte methodische Voraussetzungen
erfüllt sind (vgl. Kap. 6.2).
Beim Vollzug des Bodenschutzrechtes
und insbesondere bei der Anordnung
von Sanierungsmaßnahmen oder
Schutz- und Beschränkungsmaßnah-
men stellt sich die Frage nach der
Rechtssicherheit, wenn diese anhand
von Schadstoffkarten begründet werden,
die durch Interpolation von Punktdaten
erarbeitetet wurden.
Messwerte erlauben eine unmittelbare
Beurteilung der stofflichen Bodenbelas-
tung für den Ort der Probenahme.
Interpolierte Schätzwerte bedürfen im-
mer einer zusätzlichen geostatistischen
Qualifizierung, um anhand der Schätz-
güte die Wahrscheinlichkeit der Über-
schreitung von Beurteilungswerten ein-
ordnen zu können.
Im Einzelnen sind die Aussagemöglich-
keiten auf der Basis von interpolierten
Schätzwerten in Tabelle 2 aufgeführt.
Die bodenschutzrechtliche Relevanz
von interpolierten Schätzwerten muss
vor allem bei der gebietsbezogenen De-
tailuntersuchung berücksichtigt werden.
Bei der Bewertung der Schadstoffkarten
sind nicht die absoluten geschätzten
Schadstoffgehalte ausreichend, um ei-
nen Gefahrenverdacht zu verwerfen
oder zu bestätigen. Vielmehr muss bei
der Gefahrenbeurteilung die Schätzgüte
der Schadstoffkarte bekannt sein. Es
muss sichergestellt sein, dass Prüf-
oder Maßnahmenwerte bzw. gebietsbe-
zogene Beurteilungswerte mit einer de-
finierten Wahrscheinlichkeit über-
schritten werden.
Die unterschiedliche Aussagekraft von
punktbezogenen Messwerten und flä-
chenbezogenen Schätzwerten wird in
Abbildung 4 noch einmal schematisch
dargestellt. Betrachtet wird ein Aus-
schnitt aus einem größeren Untersu-
chungsgebiet mit zwei Messpunkten. Im
weiteren Untersuchungsgebiet sind wei-
tere Messstellen, die auf das Interpola-
tionsergebnis des betrachteten Raum-
ausschnittes einwirken; um die prinzi-
piellen Unterschiede zwischen Mess-
und Schätzwerten im Hinblick auf deren
Aussagekraft zu verdeutlichen, reicht je-
doch die Betrachtung des Raumaus-
schnittes.
Um für die Flächen eine bodenschutz-
rechtliche Bewertung vornehmen zu
können, werden die Ergebnisse der
Punktmessungen mit geeigneten Ver-
fahren auf die Fläche übertragen (vgl.
Kap. 6.2); im Beispiel wird das Ergebnis
einer räumlichen Interpolation darge-
stellt. Diese Karte der geschätzten Stoff-
gehalte vermittelt einen Eindruck über
die räumliche Verteilung der stofflichen
Bodenbelastung.
Die Schätzung weist jedoch Schätzfeh-
ler auf, welche die Aussagekraft der
Karte „Geschätzte Stoffgehalte“ ein-
schränkt. Mit Hilfe der Schätzfehler kann
man die Aussagesicherheit der Schät-
zung beschreiben.

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Seite 16
Tabelle 2:
Bodenschutzrechtliche Aussagemöglichkeiten auf der Basis von
Schätzwerten
Bodendaten Aussagemöglichkeit Rechtlicher Bezug
Schätzwerte > Vorsorgewerte
in Verbindung mit einer stati-
stischen oder geostatistischen
Bewertung
Beim Auf- und Einbringen von
Materialien Untersuchung im
Rahmen der Umsetzung von
§ 12 BBodSchV; bei flächen-
haften Überschreitungen der
Vorsorgewerte ggf. Befreiung
von Untersuchungspflichten
§ 12 Abs. 3 und ggf.
§ 12 Abs. 10 BBodSchV
Schätzwerte > Prüf-/ Maß-
nahmenwerte ohne geostatis-
tische Bewertung
Anhaltspunkte
Orientierende Untersuchung
§ 9 Abs. 1 Satz 1
BBodSchG i.V.m.
§ 3 Abs. 3 BBodSchV
Schätzwerte > Prüfwerte in
Verbindung mit einer stati-
stischen oder geostatistischen
Bewertung (Schätzfehler)
Konkrete Anhaltspunkte
Detailuntersuchung:
Gebietsbezogenes Beurteilen der
Gefahren
§§ 8 Abs. 1 Nr. 1 und 2
sowie 9 Abs. 1 Sätze 1-
3 BBodSchG i.V.m. § 3
Abs. 4 BBodSchV
Schätzwerte > gebietsbezo-
gene Beurteilungswerte
(= Prüfwerte korrigiert um Ver-
fügbarkeit)* oder > Maß-
nahmenwerte in Verbindung
mit einer zusätzlichen boden-
schutzfachlichen Qualifizierung
der Schätzwerte wie z.B. einer
geostatistischen Bewertung
In der Regel unmittelbares Ab-
leiten von Sanierungs- bzw.
Schutz- und Beschränkungs-
maßnahmen
§ 10 Abs. 1 BBodSchG
i.V.m.
§ 4 Abs. 4 BBodSchV
* Zur Ableitung gebietsbezogener Beurteilungswerte vgl. Kap. 8.2 und 9.2
Im Beispiel wird auf der Grundlage der
geschätzten Stoffgehalte und der dazu-
gehörigen Schätzfehler (nicht darge-
stellt) die Überschreitungswahrschein-
lichkeit für den bewertungsrelevanten
Prüfwert visualisiert (vgl. Karte der Über-
schreitungswahrscheinlichkeit). Dazu
wird zwischen Überschreitungswahr-
scheinlichkeiten von 50, 75, 90 und
95 % differenziert (Zur Methodik ver-
gleiche Ausführungen weiter unten).
Diese Darstellungsweise macht es mög-
lich, auch für die Flächen zwischen den
Messpunkten zu ermitteln, ob hier der
bewertungsrelevante Prüfwert mit sehr
großer Wahrscheinlichkeit überschritten
wird. In diesem Fall erhalten Schätz-
werte die gleiche bodenschutzrechtliche
Relevanz wie Messwerte.
Als Konvention wird vorgeschlagen, die
90 %-Überschreitungswahrscheinlichkeit
als statistische Anforderung an Schätz-
werte zu definieren.
Im Ergebnis können Gebiete mit einer
90 %igen Wahrscheinlichkeit der Über-
schreitung von Beurteilungswerten hin-
sichtlich der Vollzugsaufgaben den
Punkten mit Messwerten gleichgesetzt
werden, ohne dass für jedes Grundstück
in diesem Gebiet ein Messwert vorliegen
muss.

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Seite 17
Im Bereich zwischen einer 50- und
90 %igen
Überschreitungswahrschein-
lichkeit sind die Schätzwerte nicht aus-
reichend sicher genug, um auf dieser
Basis unmittelbar Anordnungen begrün-
den zu können. Innerhalb dieser Flä-
chen sind ggf. die Schätzfehler durch
weitere Untersuchungen zu reduzieren,
um zu einer abschließenden Gefahren-
beurteilung zu kommen. Ferner bieten
sich für solche Flächen Maßnahmen mit
empfehlendem Charakter an.
Abbildung 4: Schematische Darstellung der Unterschiede zwischen der Aussagekraft
messpunktbezogener Messwerte und flächenbezogenen Schätzwerten
(Hinweis: Dargestellt sind jeweils Kartenausschnitte, das heißt, außerhalb des
Ausschnittes befinden sich weitere Messpunkte, die zur Interpolation als
Stützstellen herangezogen wurden.)
Methodische Grundlagen zur Berücksichtigung der Aussageunsicherheiten
und Schätzfehler bei der Bewertung von Schadstoffkarten
Jede Übertragung von Messwerten auf
unbeprobte Flächen ist mit einer Unsi-
cherheit verbunden, unabhängig von der
dafür gewählten Methode. Bei der Be-
wertung der Schadstoffkarten z. B. an-
hand eines Prüfwertes muss diese Aus-
sageunsicherheit berücksichtigt werden.
Zur Kennzeichnung der Schätzgüte bie-
tet sich die Ausweisung eines Vertrau-
ensbereichs oder Konfidenzintervalls
> 2
Prüfwert
> 1,66
Prüfwert bis 2
Prüfwert
> 1,33
Prüfwert bis 1,66
Prüfwert
> Prüfwert bis 1,33
Prüfwert
< Prüfwert
> 95 %
> 90 %
> 75 %
> 50 %
< 50 %
1. Karte der Stoffgehalte an den Messpunkten
2. Karte der flächendeckend geschätzten Stoffgehalte
(Interpolierte Stoffgehalte)
3. Karte der Überschreitungswahrschein-
lichkeit für einen Prüfwert (Grundlage:
Karte der interpolierten Stoffgehalte
und zugehörige Schätzvarianzen)
Messpunkte
Grundstücke
> 2
Prüfwert
< Prüfwert

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„Handlungsempfehlung für Gebiete mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten“
Seite 18
(Abb. 5) an, innerhalb dessen der wahre
Wert mit einer vorgegebenen statis-
tischen Sicherheit liegt. Voraussetzung
für die Berechnung von Konfidenzinter-
vallen ist das Vorliegen von normalver-
teilten Messwerten. Weicht die Werte-
verteilung signifikant von der Normalver-
teilung ab, kann vor der Bildung des
Konfidenzintervalls durch eine Trans-
formation (in der Regel Logarithmierung)
versucht werden, eine Normalverteilung
zu erzielen.
Abbildung 5: Fallunterscheidung der Unter- bzw. Überschreitung von Prüfwerten bei
einseitigen Konfidenzintervallen
Durch die Berechnung von einseitigen
Konfidenzintervallen können auf diese
Weise Bereiche ausgewiesen werden, in
denen ein bestimmter Wert, z. B. ein
Prüfwert mit einer vorgegebenen Irr-
tumswahrscheinlichkeit (Signifikanzni-
veau
α)
bzw. Aussagesicherheit (1-α),
über- oder unterschritten wird (Abb. 5).
Werden statistische Kenndaten (z. B.
Median) auf alle Flächen einer homoge-
nen Raumeinheit ohne Interpolation
übertragen (vgl. Kap. 6.2), so ist für jede
Raumeinheit und jedes betrachtete E-
lement ein Konfidenzintervall zu berech-

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Seite 19
nen. Die Anzahl der zur Berechnung des
mittleren Stoffgehaltes herangezogenen
Messwerte geht in die Berechnung des
Konfidenzintervalls zweimal ein: zum
einen bei der Berechnung des Standard-
fehlers, zum anderen in den Multiplikati-
onsfaktor
u
n
;1-α
. Dieser Faktor beträgt
z. B. bei einer Irrtumswahrscheinlichkeit
von 10 % für sehr große Anzahlen
(n>1000) 1,28 und steigt mit abneh-
mendem n langsam an, auf 1,38 für
n=10 und 2,13 für n=5. Damit wird deut-
lich, dass gerade bei geringen Mess-
wertanzahlen in einer Raumeinheit
durch eine Erhöhung der Messpunkte
eine erhebliche Verkleinerung des Kon-
fidenzintervalls erzielt werden kann.
Dieser Zusammenhang ist auch als Ar-
gument dafür zu werten, das Untersu-
chungsgebiet nur in die unbedingt erfor-
derliche Anzahl an Raumeinheiten zu
untergliedern.
Bei der Anwendung der einseitigen Kon-
fidenzintervalle können grundsätzlich
drei Beurteilungsfälle auftreten (Abb. 5):
Fall 1:
Prüfwertunterschreitung
mit einer Aus-
sagesicherheit größer als 1-α.
Fall 2:
Prüfwertüberschreitung
mit einer Aus-
sagesicherheit größer als 1-α.
Fall 3:
Die Aussagesicherheit ist kleiner als
1-α. In diesem Fall ist keine Aussage
möglich.
Die drei dargestellten Fälle zeichnen
sich durch unterschiedliche Relevanz für
den gebietsbezogenen Bodenschutz
aus. Die Fälle 1 und 2 ermöglichen eine
abschließende Gefahrenbeurteilung und
können damit als Grundlagen für ge-
bietsbezogene Maßnahmen herange-
zogen werden. Dahingegen ist im Fall 3
keine gesicherte Aussage möglich, so
dass eine Nachqualifizierung der Daten-
grundlage notwendig ist, um gebietsbe-
zogene Bewertungen durchführen zu
können.
Wird bei der Kartenerstellung ein geo-
statistisches Interpolationsverfahren
(z.B. Kriging) eingesetzt, sind Schätzun-
gen für Rasterzellen angegeben, für die
keine Messwerte vorliegen. Bei der In-
terpolation wird für jede Rasterzelle ein
Schätzwert für ihren mittleren Gehalt
(
C
B
) berechnet. Auch dieser Schätzwert
ist mit einem Fehler behaftet. Zugleich
kann beim so genannten Block-Kriging
(erläuternde Hinweise z. B. unter
http://www.lua.nrw.de/index.htm?boden/
adhoc-ua/adhoc-ua-index.htm
) über die
Krigingvarianz ebenfalls für jede Zelle
ein Konfidenzintervall berechnet wer-
den. Dieses Konfidenzintervall ist nicht
nur von den Messwerten und vom Stich-
probenumfang abhängig, sondern auch
vom Semivariogramm und damit von der
räumlichen Verteilung der Probenahme-
punkte. Die Beurteilung einer Über- oder
Unterschreitung eines Beurteilungswer-
tes kann analog zu den vorgenannten
drei Fallgestaltungen vorgenommen
werden.
Schwieriger wird die Beurteilung, wenn
die Interpolation nach einer Effektberei-
nigung erfolgte. Zum einen muss die
Grenze des Konfidenzintervalls zu-
nächst als Relativzahl erfasst und nach
der Rückrechnung durch die Korrektur-
faktoren wieder als absolute Zahl ange-
geben werden. Zum anderen geht in das
Konfidenzintervall nur die statistische
Unsicherheit bei der Interpolation ein,
nicht aber der ebenfalls zu berücksichti-
gende Fehler des Korrekturfaktors. Die-
ser kann gegebenfalls analog berechnet
werden; der relative Fehler des Mittel-
wertes aus der Interpolation und aus der
Korrekturfaktorbildung addieren sich

Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie
„Handlungsempfehlung für Gebiete mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten“
Seite 20
dann zum relativen Fehler des Gesamt-
schätzwertes (Beispiel: Interpolations-
fehler nach Effektbereinigung 3,5 % und
Fehler des Korrekturfaktors 4,5 % erge-
ben einen Gesamtfehler von 8 %).
6.6
Relevanz von Schadstoffgehalten in Pflanzen bei der bo-
denschutzrechtlichen Beurteilung des Wirkungspfades
Boden-Nutzpflanze
Bei der Untersuchung und Bewertung
des Wirkungspfades Boden-Nutzpflanze
stellt sich die Frage, ob die Gefahrenbe-
urteilung allein auf der Grundlage von
Bodenuntersuchungen erfolgen kann
oder ob zwingend Pflanzenuntersuch-
ungen mit einbezogen werden müssen.
Dazu ist es hilfreich, sich die Ableitungs-
grundsätze der bodenbezogenen Prüf-
und Maßnahmenwerte zu vergegenwär-
tigen.
Ausgangspunkt für die Ableitung von
Prüf- und Maßnahmenwerten zum Wir-
kungspfad Boden-Nutzpflanze war die
Reinhaltung von Nahrungs- und Futter-
pflanzen. Wie in der Bekanntmachung
über Methoden und Maßstäbe für die
Ableitung der Prüf- und Maßnahmen-
werte dargelegt, wurden als pflanzenbe-
zogener Bewertungsmaßstab unter an-
derem die doppelten ZEBS-Werte her-
angezogen (vgl. Kap. 3.1 der Ablei-
tungsmaßstäbe
1
). Sie galten bisher ü-
berwiegend als lebensmittelrechtliche
Eingriffsschwelle und wurden als Kon-
vention für „höchstzulässige“ Schad-
stoffkonzentrationen in Nahrungspflan-
zen heran gezogen. Diese Werte wur-
den am 16.03.2001 durch die EU-
KontaminantenVO zur Festsetzung der
Höchstgehalte für bestimmte Kontami-
nanten in Lebensmitteln rechtlich ver-
bindlich abgelöst.
1
Bekanntmachung über Methoden und Maßstäbe für
die Ableitung der Prüf- und Maßnahmenwerte nach
der Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung
(BBodSchV) v. 18. Juni 1999, Bundesanzeiger v.
28.08.1999, Jg. 51, Nr. 161a
Auch für Futterpflanzen hat sich zwi-
schenzeitlich die Beurteilungsgrundlage
geändert. Die Richtlinie 2002/32/EG des
Europäischen Parlaments und des Ra-
tes vom 07.05.2002 (Abl. Nr. 140) über
unerwünschte Stoffe in der Tierernäh-
rung gibt zulässige Schadstoff-Höchst-
gehalte in zur Tierernährung bestimmten
Erzeugnissen vor und untersagt dass
Verdünnen von Futtermittelerzeugnis-
sen, die diese Gehalte überschreiten.
Die Vorgaben dieser Richtlinie wurden
mit der 24. Verordnung zur Änderung
der Futtermittelverordnung vom
09.12.2003 in nationales Recht umge-
setzt.
Als Datenbasis der Prüf- und Maßnah-
menwerte wurde die so genannte
TRANSFER-Datenbank verwendet, in
der Datenpaare aus Boden- und Pflan-
zenuntersuchungen eingestellt sind
(KNOCHE et al. 1999). Mit Hilfe von Re-
gressionsberechnungen wurde der sta-
tistische Zusammenhang zwischen Bo-
den- und Pflanzengehalten ermittelt. An-
schließend wurden die Bodengehalte
berechnet, ab denen die zulässigen
Pflanzengehalte mit definierten Wahr-
scheinlichkeiten überschritten werden.
Die Ableitungsgrundsätze sind wie folgt
definiert: Im Sinne eines „realistic worst
case“ (= ungünstiger Fall) wird dann von
einem konkreten Anhaltspunkt für das
Vorliegen einer schädlichen Bodenver-
änderung (= Prüfwert) ausgegangen,
wenn die Wahrscheinlichkeit, dass der
zulässige Höchstgehalt in einer empfind-

Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie
„Handlungsempfehlung für Gebiete mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten“
Seite 21
lichen Pflanzenart überschritten würde,
> 50 % beträgt. Von der Regelvermu-
tung des Vorliegens einer schädlichen
Bodenveränderung (= Maßnahmenwert)
wird ausgegangen, wenn mit einer
Wahrscheinlichkeit von >> 50 % (i.d.R.
80 %) eine Überschreitung des höchst
zulässigen Pflanzenwertes zu erwarten
ist und
der durch Regressionsgleichung
beschriebene statistische Zusammen-
hang zwischen Boden- und Pflanzenge-
halten als „ausreichend eng“ angesehen
wird.
Die Bedeutung von Pflanzenuntersuch-
ungen im Rahmen der bodenschutz-
rechtlichen Beurteilung wird stark durch
die zum Teil eingeschränkte Aussage-
kraft von Einzeluntersuchungen geprägt.
So ist zu bedenken, dass die Schad-
stoffkonzentrationen in den Pflanzen in
Abhängigkeit von:
Jahreszeit,
Witterung,
Entwicklungsstadium der Pflanze,
Pflanzenart und
Pflanzensorte
sehr stark schwanken. Daraus ergibt
sich in der Regel die Notwendigkeit,
dass mehrjährige und umfangreiche
Messprogramme aufgelegt werden müs-
sen, um repräsentative Ergebnisse zur
Belastung der bewertungsrelevanten
Nutzpflanzen vorlegen zu können.
Vor diesem Hintergrund helfen bei der
bodenschutzrechtlichen Beurteilung ein-
zelne Pflanzenuntersuchungen nicht we-
sentlich weiter; auch diese Untersuch-
ungen müssen die Anforderungen an
Repräsentativität belegbar erfüllen. Um
die Aussagekraft der Pflanzenunter-
suchungen einschätzen zu können, sind
Informationen zu den oben vorgenann-
ten Einflussfaktoren auf den Schadstoff-
transfer vom Boden in Nutzpflanzen zu
dokumentieren. Des Weiteren muss die
Flächenrepräsentanz der Pflanzenunter-
suchungen gegeben sein. Von wesent-
licher Bedeutung ist auch die Offenle-
gung der Probenahmemethoden. Bei
der Gewinnung von Futtermittelproben
muss die Verschmutzung des Pflanzen-
gutes durch Bodenanhang praxisgerecht
berücksichtigt werden; so ist ein Wa-
schen von Futtermittelproben vor der
Schadstoffanalytik zu unterlassen, um
realistische Schadstoffgehalte des von
den Nutztieren aufgenommen Futters zu
erhalten.
Zur Frage der Funktion von Pflanzenun-
tersuchungen im Rahmen der boden-
schutzrechtlichen Beurteilung ergeben
sich im Hinblick auf das Schutzgut „Le-
bensmittel“ folgende Differenzierungen
(siehe auch SMUL, 2003b):
Bei
Maßnahmenwert - Überschrei-
tungen benötigt die Bodenschutzbe-
hörde keine Pflanzenuntersuchungen
für die Feststellung einer schädlichen
Bodenveränderung. Allerdings hat
der Pflichtige die Möglichkeit, durch
Vorlage der Ergebnisse repräsenta-
tiver Pflanzenuntersuchungen mit
Unterschreitungen der Höchstwerte
der EU-KontaminantenVO die Regel-
vermutung einer schädlichen Boden-
veränderung zu widerlegen.
Bei Überschreitungen von Prüfwerten
im Boden und eines Pflanzenwertes
liegt i.d.R. eine schädliche Bodenver-
änderung vor, wenn die Schadstoffe
durch Einwirkungen im Boden freige-
setzt wurden.
Liegt zunächst (nur) ein Pflanzenwert
vor (beispielsweise aus der Lebens-
mittelüberwachung von einem Direkt-
vermarkter), der die Höchstwerte der
Kontaminantenverordnung über-
schreitet, ist stets eine Boden-
untersuchung zur Feststellung einer

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„Handlungsempfehlung für Gebiete mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten“
Seite 22
schädlichen Bodenveränderung er-
forderlich. Damit kann die Über-/ Un-
terschreitung von Prüf- oder Maßnah-
mewerten festgestellt werden und
gleichzeitig die Kausalität Lebensmit-
telqualität / Bodenfunktionsbeein-
trächtigung beurteilt werden.
Bei Überschreitungen von Prüfwerten
im Boden und Unterschreitungen von
Pflanzenwerten aus repräsentativen
Pflanzenuntersuchungen ist i.d.R. der
Gefahrenverdacht insoweit ausge-
räumt. Liegen Ergebnisse aus reprä-
sentativen Pflanzenuntersuchungen
nicht vor, ist weiterhin von konkreten
Anhaltspunkten auszugehen.
Unterschreitungen von Prüfwerten im
Boden und Überschreitungen von
Pflanzenwerten aus repräsentativen
Pflanzenuntersuchungen (wider-
sprüchliche Verdachtsmerkmale)
können im Einzelfall zur Feststellung
einer schädlichen Bodenveränderung
führen, weil § 4 Abs. 2 Satz 1
BBodSchV den Gefahrenverdacht
nur „insoweit“ (d.h. bezogen auf den
jeweiligen Prüfwert) ausschließt. Au-
ßerdem gebietet die Grundsatz-Re-
gelung des § 4 Abs. 1 BBodSchV,
dass die Ergebnisse der orientieren-
den Untersuchungen nach der
BBodSchV unter Beachtung der Ge-
gebenheiten des Einzelfalles zu be-
werten sind. Bei entsprechenden
Fallgestaltungen oder auf Grund
neuer Erkenntnisse ist zu prüfen, ob
eine Anwendung der Prüfwerte der
BBodSchV bei der konkreten Sach-
lage zu einer sachgerechten Bewer-
tung führt. Dies beinhaltet auch die
Berücksichtigung der geltenden le-
bensmittelrechtlichen Maßstäbe.
Durch die Ablösung der ZEBS-Werte,
die Grundlage der derzeit geltenden
Prüf- und Maßnahmenwerte der
BBodSchV waren, durch die verbind-
lichen Höchstgehalte der EU-Kontami-
nantenVO und die Änderungen in der
Futtermittelverordnung sind für Blei
deutlich niedriger Höchstgehalte in der
EU-KontaminantenVO festgelegt wor-
den, als die seinerzeit herangezogenen
ZEBS-Werte. Daher ist damit zu rech-
nen, dass auch bei Konzentrationen im
Boden unterhalb des Prüfwertes für Blei
insbesondere Überschreitungen der
lebensmittelrechtlichen Höchstgehalte in
Möhren auftreten können. Dieses könn-
te dann im Einzelfall auch die Feststel-
lung einer schädlichen Bodenverände-
rung begründen.
Hinsichtlich der unterschiedlichen gärt-
nerischen Nutzungsarten (Erwerbsgar-
tenbau, Klein-/Nutz- und Hausgärten) ist
der Maßnahmenwert für Cadmium ein-
heitlich, nur die Maßnahmenkonzepte
unterscheiden sich je nach Nutzungs-
kategorie (Ackerbau / Erwerbsgemüse-
bau oder privater Nutzgarten). Auch die
Prüfwerte sind für alle Nutzungsarten
gleich, hier unterscheidet sich aber ne-
ben den Maßnahmenkonzepten auch
schon bewertungsseitig die weitere
Sachverhaltsermittlung. Während die
lebensmittelrechtlichen Maßstäbe nach
der Verordnung (EG) Nr. 466/2001 für
den Privatgartenbereich zur Orientie-
rung herangezogen werden können,
sind sie bei Marktfruchtbau und Er-
werbsgartenbau generell als materieller
Maßstab heranzuziehen. Darüber hin-
aus kann für Privatgärten eine toxikolo-
gische Beurteilung (z.B. unter Berück-
sichtigung von Gartengröße, Produkti-
onsmenge, Anbauspektrum, Verzehrs-
anteil) vorgenommen werden, die der
abschließenden Feststellung einer
schädlichen Bodenveränderung bzw.
der Aufstellung von Maßnahmenkonzep-
ten zugrunde gelegt wird.

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Seite 23
7
Orientierende Untersuchung
Die orientierende Untersuchung zielt auf
die Erhärtung oder Verwerfung des Ge-
fahrenverdachtes ab. Dabei sind die An-
haltspunkte anhand der Bedingungen
des Einzelfalls zu beurteilen. Im Rah-
men der orientierenden Untersuchung
sind Recherchen zur Nutzungsgeschich-
te, zu Emissionsquellen, zu Analyseda-
ten und sonstigen relevanten Einfluss-
größen auf die stoffliche Bodenbelas-
tung durchzuführen (vgl. auch Tabel-
le 1).
Gegebenenfalls sind bei nicht ausrei-
chender Datenlage, die anhand statis-
tischer und geostatistischer Verfahren
beurteilt werden kann, Nachbepro-
bungen zur Verdichtung der Messpunkte
und zur Herstellung einer ausreichenden
räumlichen
Repräsentanz / Verteilung
der Messpunkte durchzuführen. Tabel-
le 3 vermittelt Faustzahlen für Mindest-
probenumfänge in Abhängigkeit von der
Flächennutzung, anhand derer die Da-
tenlage in Untersuchungsgebieten beur-
teilt werden kann. Entscheidend für den
tatsächlich notwendigen Probenumfang
ist die geostatistisch ermittelte Aussage-
kraft der aus vorliegenden Messwerten
geschätzten Stoffgehalte (Schätzgüte).
Statistische Auswertungen der Boden-
daten sowie eine Fortschreibung der
kartografischen Darstellungen der
Schadstoffverteilung runden die orien-
tierende Untersuchung ab.
Tabelle 3:
Faustzahlen für den Mindestprobenumfang bei der Erstellung von
Schadstoffkarten (UMEG 2002)
Flächennutzung bzw. Objekte
Mindestprobenumfang
Spiel-, Park- und Freizeitanlagen
10 % der Spiel-, Park- und Freizeitanlagen
Wohngebiete 4 Probennahmestellen/km
2
Kleingärten
10 % der Kleingartenanlagen und mindestens
3 Probennahmestellen je Anlage
Industrie- und Gewerbegrundstücke 4 Probennahmestellen/km
2
Landwirtschaftsflächen 1 Probennahmestelle/km
2
Gartenbauflächen 4 Probennahmestellen/km
2
Forstflächen 0,1 Probennahmestelle/km
2
Geogene Besonderheiten
3 Bodenprofile je Einheit
Überschwemmungsgebiete
1 Probennahmestelle je 5 km Auenabschnitt bzw.
gezielt nach bedeutenden Einleitern; Heterogenität
innerhalb der Aue, insbesondere hinsichtlich Über-
schwemmungshäufigkeit und zwischen Senken- und
Rückenlagen, unbedingt zu berücksichtigen
Flächen mit Materialauftrag
1 Probennahmestelle je Fläche

Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie
„Handlungsempfehlung für Gebiete mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten“
Seite 24
Wurde der Gefahrenverdacht erhärtet
und liegen somit konkrete Anhaltspunkte
vor (vgl. Tabelle 4), dann ist zu überprü-
fen, ob die von der schädlichen Boden-
veränderung ausgehenden Gefahren,
erheblichen Nachteile oder erheblichen
Belästigungen nach Feststellung der zu-
ständigen Behörde mit einfachen Mitteln
abgewehrt oder sonst beseitigt werden
können (§ 3 Abs. 5 Satz 2 BBodSchV).
Damit zielt der Gesetzgeber auf die Ver-
hältnismäßigkeit der Mittel ab: Wenn die
vermuteten Gefahren leicht abzuwehren
sind, dann kann auf die verhältnismäßig
teure Detailuntersuchung verzichtet wer-
den.
Gibt es einfache Mittel, dann sind sie zu
ergreifen und von einer Detailuntersu-
chung kann abgesehen werden.
Anstelle der Durchführung einfacher Mit-
tel im Einzelfall kann die zuständige
Bodenschutzbehörde auch die Auswei-
sung eines Bodenplanungsgebietes vor-
nehmen.
Tabelle 4:
Konkrete Anhaltspunkte für Gefahren, erhebliche Nachteile und erheb-
liche Belästigungen für die Wirkungspfade Boden-Mensch und Boden-
Pflanze
Konkrete Anhaltspunkte
Geostatistisch gesicherte Prüfwertüberschreitungen nach BBodSchV
Geostatistisch gesicherte Überschreitung von lebensmittel- oder futtermittelrechtlichen
Grenzwerten, die auf Bodenbelastungen zurückzuführen ist
Geostatistisch gesicherte Überschreitungen anderer Beurteilungswerte, die den Anfor-
derungen der Bekanntmachung über Methoden und Maßstäbe für die Ableitung der Prüf-
und Maßnahmenwerte nach BBodSchV genügen. Beispiel:
Überschreitung von bodenbezogenen Beurteilungswerten für bisher in der BBodSchV
nicht geregelte Stoffe, die anhand von Qualitätsanforderungen an Futter- und Nahrungs-
pflanzen abgeleitet werden können.
Folgende Ergebnisse der orientierenden Untersuchung sind zu differenzieren:
Fall 1:
Die geschätzten Schadstoffgehalte in Böden (Schadstoffkarten) überschreiten
flä-
chenhaft
die Prüf- oder Maßnahmenwerte der BBodSchV. Die Umsetzung ein-
facher Maßnahmen im Sinne von § 3 Abs. 5 Satz 2 BBodSchV zur hinreichend si-
cheren Gefahrenabwehr im gesamten Untersuchungsgebiet ist in der Regel nicht
möglich. Aus diesem Grund sind entsprechend der bewertungsrelevanten Wir-
kungspfade darauf ausgerichtete gebietsbezogene Detailuntersuchungen vorzu-
nehmen. Da die Bewertungsschritte bei der Betrachtung der Wirkungspfade Boden-
Mensch und Boden-Nutzpflanze von einander abweichen, werden sie nachfolgend
in getrennten Kapiteln ausgeführt (vgl. Kap. 8 und 9).

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„Handlungsempfehlung für Gebiete mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten“
Seite 25
Fall 2:
Die geschätzten Schadstoffgehalte in Böden (Schadstoffkarten) überschreiten
nicht
flächenhaft
die Prüf- oder Maßnahmenwerte der BBodSchV. Insofern ist keine ge-
bietsbezogene Vorgehensweise zu wählen, sondern mit Hilfe von einzelfallbezo-
genen Detailuntersuchungen die weitere Sachverhaltsermittlung zu betreiben; zuvor
ist zu überprüfen, ob mit Hilfe einfacher Mittel eine hinreichende Gefahrenabwehr
gewährleistet werden kann. Die mit der einzelfallbezogenen Detailuntersuchung ver-
bundenen Anforderungen entsprechen dem bekannten Regeluntersuchungsablauf
und werden deshalb in dieser Handlungsempfehlung nicht gesondert beschrieben.
Fall 3:
Die geschätzten Schadstoffgehalte in Böden (Schadstoffkarten) überschreiten
flä-
chenhaft
die Vorsorgewerte, jedoch
nicht flächenhaft
die Prüf- oder Maßnahmen-
werte der BBodSchV. Damit ist der Gefahrenverdacht für das flächenhafte Vorliegen
von schädlichen Bodenveränderungen ausgeräumt; ggf. identifizierte Teilbereiche
mit Prüf- oder Maßnahmenwertüberschreitungen sind wie Fall 2 zu bearbeiten. Das
Untersuchungsgebiet kann jedoch auf Grund der flächenhaften Überschreitungen
der Vorsorgewerte gemäß § 12 Abs. 10 BBodSchV festgelegt werden. Dazu bietet
sich die Vorgehensweise an, welche in Kapitel 10 beschrieben wird.
8
Untersuchung und Bewertung des Wirkungspfades
Boden-Mensch (Direktpfad)
Liegen konkrete Anhaltspunkte für flä-
chenhaft schädliche Bodenverän-
derungen in einem Gebiet vor (z.B.
durch geostatistisch gesicherte Prüf-
wertüberschreitung im Gebiet) und sind
keine einfachen Maßnahmen umsetz-
bar, kann eine gebietsbezogene Detail-
untersuchung durchgeführt werden.
Die methodischen Anforderungen an die
gebietsbezogene weitere Sachverhalts-
ermittlung werden im Folgenden näher
ausgeführt, wobei im Ansatz das Ziel
verfolgt wird, auf Grund von flächen-
übergreifend gültigen Erkenntnissen und
Zusammenhängen eine Vielzahl von
Einzelfallprüfungen mit entsprechend
aufwändigen Untersuchungen auf jedem
Grundstück zu vermeiden. Stattdessen
sollen die einzelnen Flächen (Grund-
stücke, Parzellen) anhand von flächen-
unabhängigen Kriterien maßnahmenbe-
zogenen Kategorien zugeordnet wer-
den.
Bei festgestellter Prüfwertüberschreitung
erfolgt in der Regel die schutzgutbezo-
gene Ermittlung der Verfügbarkeit der
Schadstoffe, um den Gefahrenverdacht
zu bestätigen oder auszuräumen. Auch
dieser Schritt kann flächenübergreifend
durchgeführt werden, sofern auf Grund
kategorisierbarer Belastungsursachen
Zusammenhänge zwischen Belastung
und Verfügbarkeit erkennbar sind.
Eine darüber hinaus mögliche Berück-
sichtigung der Expositionsbedingungen
ist flächenübergreifend durch eine Kate-
gorisierung von Subnutzungen möglich,
die innerhalb einer Nutzungsart (z.B.
Parkanlage) verschiedene Nutzungsin-
tensitäten differenziert (z.B. Kinderspiel-
bereich, Rasen und Rabatten, Gehölze;
vgl. Kap. 8.1).

Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie
„Handlungsempfehlung für Gebiete mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten“
Seite 26
Um den hier verfolgten Ansatz weiterer
Sachverhaltsermittlungen umsetzen zu
können, sind zwei Voraussetzungen zu
betrachten:
I. Die Ermittlung der Prüfwertüberschrei-
tung erfolgt anhand der Schadstoff-
karte. Aus der Schadstoffkarte müs-
sen die geschätzten Stoffgehalte
der
in den nach BBodSchV je nach Nut-
zung zu betrachtenden Horizonten zu
entnehmen sein. Es müssen nach
Nutzung differenziert flächenhafte
Vergleiche mit den Prüfwerten der
BBodSchV sowie weiteren zu definie-
renden Beurteilungswerten möglich
sein. Bereiche einheitlicher Belas-
tungsursachen müssen zu entnehmen
und mit den Stoffgehalten zu ver-
schneiden sein. Die Expositionsbedin-
gungen werden durch eine differen-
zierte Beachtung von Subnutzungen
bei der Auswahl des jeweils anzu-
nehmenden Prüf- und Beurteilungs-
wertes berücksichtigt (vgl. Kap. 8.1).
II. Sofern über die Ableitungsmethodik
der Prüf- und Maßnahmenwerte hin-
aus Aspekte der Schadstoffverfüg-
barkeit (resorptionsverfügbarer Anteil)
der in den Bereichen großflächiger
Bodenverunreinigungen relevanten
Schadstoffe berücksichtigt werden
soll, wird diese einzelflächenübergrei-
fend erhoben (übergreifende Detailun-
tersuchung) oder aus für das Gebiet
vorliegenden bzw. anwendbaren Un-
tersuchungsergebnissen über-
nommen. Die so gewonnenen Daten
sind einer statistischen Auswertung zu
unterziehen. Diese liefert letztlich
schadstoff- und nutzungsabhängige
gebietsbezogene Beurteilungswerte,
die der weitergehenden Bewertung
dienen. Dabei wird unter Beachtung
vorgegebener Aussagewahrschein-
lichkeiten bzw. Aussagesicherheiten in
unterschiedliche Fallgestaltungen dif-
ferenziert, die im Anschluss spezi-
fischer zu prüfen oder abschließend
zu beurteilen sind.
Das Ergebnis der Gefahrenbeurteilung
wird dann anhand der Überschreitung
der Beurteilungswerte (vgl. Kap. 8.2) in
vier Gruppen unterteilt:
1. Kein Gefahrenverdacht liegt vor,
wenn die Bodenschadstoff-
gehalte BW
5
unterschreiten.
2. Der Gefahrenverdacht ist als
nicht ausgeräumt anzusehen,
wenn BW
5
überschritten, aber
BW
50
unterschritten wird.
3. Ein hinreichender Gefahrenver-
dacht liegt vor, wenn BW
50
über-
schritten und BW
95
unterschritten
wird.
4. Der Gefahrenverdacht ist ab-
schließend bestätigt, wenn BW
95
überschritten wird.
Je nach Ergebnis der Gefahrenbeur-
teilung sind unterschiedliche Maßnah-
men der Gefahrenabwehr zu ergreifen.
Während im Fall, dass kein Gefahren-
verdacht weiterhin besteht, keine Maß-
nahmen der Gefahrenabwehr notwendig
sind, können bei den anderen Fallge-
staltungen Maßnahmen der Stufe 1 oder
2 anzeigt sein (Differenzierung der Maß-
nahmen der Stufe 1 und 2 vgl.
Kap. 13.1, bes. Tab. 5 bis 9).
Der skizzierte methodische Ansatz ist in
Abbildung 6 als Ablaufschema zusam-
mengefasst.

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„Handlungsempfehlung für Gebiete mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten“
Seite 27
Abbildung 6: Gebietsbezogene Detailuntersuchung
zu beurteilende Grundstücke:
nein
keine weitere Prüfung
in diesem Kontext
im Bereich von
Gebieten mit großflä-
chiger Prüfwertüber-
schreitung?
Kein
Gefahrenverdacht
Hinreichender
Gefahrenverdacht
Beurteilungswert
BW
5
>
Beurteilungswert
BW
95
>
Beurteilungswert
BW
5
Beurteilungswert
BW
50
Abgleich
geschätzter Gehalt
Beurteilungswerte
Gefahrenverdacht
nicht
ausgeräumt
einfache Maßnahmen
umsetzbar ?
ja
Umsetzung
einfacher Maßnah-
men
nein
Ableitung schadstoff-
und nutzungsabhängiger gebietsbezogener
Beurteilungswerte BW
5
BW
50
BW
95
>
Beurteilungswert
BW
50
Beurteilungswert
BW
95
Gefahrenverdacht
abschließend bestä-
tigt
Einzelfall-
prüfung
Untersuchung
im Einzelfall
nach Maßgabe der Expositionsbedin-
gungen entsprechend den aktuellen
Nutzungsverhältnissen
Keine
Maßnahmen der
Gefahrenabwehr
Maßnahmen
der Gefahrenab-
wehr
Stufe 1
Maßnahmen
der Gefahrenab-
wehr
Stufe 2
ja

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„Handlungsempfehlung für Gebiete mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten“
Seite 28
8.1 Differenzierung der Expositionsbedingungen
Bei der Gefahrenbeurteilung des Wir-
kungspfades Boden-Mensch unterschei-
det die BBodSchV zwischen vier Nut-
zungskategorien, denen bestimmte Ex-
positionsbedingungen zugeordnet sind.
Die Nutzungskategorien fassen zum Teil
sehr heterogene Nutzungsformen zu-
sammen, die sich hinsichtlich der Expo-
sition deutlich unterscheiden lassen.
Vor diesem Hintergrund sind Subnut-
zungen bei der Gefahrenbeurteilung zu
berücksichtigen. Entsprechend der Ü-
berlegungen des Landesumweltamtes
Nordrhein-Westfalen (LUA NRW 2000)
ist z. B. in Wohngebieten zu beachten,
dass die differenzierten Nutzungsformen
und -intensitäten anhand der Pauschal-
annahmen der BBodSchV nur unzurei-
chend abgebildet werden. Insbesondere
in Hausgärten mit Kinderspielflächen un-
terscheiden sich die Expositionsbe-
dingungen deutlich von denen in Vorgär-
ten (Ziergärten) oder Abstandsgrün zwi-
schen Wohnblöcken. Um dies zu be-
rücksichtigen, kann pragmatisch in fol-
gende Fallgestaltungen differenziert
werden (vgl. LUA NRW 2000; verein-
facht):
Wohngärten: Heranziehen der Prüf-
werte für das Wohngartenszenario
und für Kinderspielflächen,
Nutz- und Kleingärten: Heranziehen
der Prüfwerte für den Wirkungspfad
Boden-Nutzpflanze und der Prüfwer-
te für Wohngebiete. Im Falle einer
dem Gartenbau oder Ackerbau ähnli-
chen Nutzung kann die Betrachtung
des Direktpfades entfallen,
Übrige Hausgärten: Heranziehen der
Prüfwerte für Wohngebiete.
Ähnliche Überlegungen können für die
Nutzungskategorien „Kinderspielplatz“
und „Park- und Freizeitanlage“ ange-
stellt werden. Die mögliche Berück-
sichtigung von Subnutzungen und deren
besondere Expositionsbedingungen sind
in Abbildung 7 zusammengefasst.

Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie
„Handlungsempfehlung für Gebiete mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten“
Seite 29
Abbildung 7: Schema zur Differenzierung der Nutzungen nach BBodSchV in Subnut-
zungen und Zuordnen von bewertungsrelevanten Prüf- und Maßnahmen-
werten
Kinderspielflächen
Wohngebiete
Park- und Freizeitanlagen
Nutzung nach BBodSchV
Subnutzungen
Bewertungsrelevante Werte
1)
übrige Spielflächen
Sandkasten
2)
Umfeld
Prüfwerte für Kinderspielflä-
chen
Sandkästen unterliegen nicht
dem Bodenschutzrecht
siehe „Wohngebiete“ und
„Park- und Freizeitanlagen“
übrige Haus-/Vorgärten
Wohngärten
3)
Nutz-/Kleingärten
4)
Prüfwerte für Wohngebiete
Prüfwerte für Kinderspielflä-
chen bzw. Wohngartensze-
narium sowie die Prüf-
/Maßnahmenwerte für den
Wirkungspfad Boden-
Nutzpflanze
Prüf-/Maßnahmenwerte für
den Wirkungspfad Boden-
Nutzpflanze und Prüfwerte
für Wohngebiete
Abstandsgrün
Prüfwerte für Park- und Frei-
zeitanlagen
Rasenflächen / Blumen-
beete
Kinderspielbereiche
Gebüsche / Gehölze
Prüfwerte für Park- und
Freizeitanlagen
siehe „Kinderspielflächen“
Prüfwerte für Park- und Frei-
zeitanlagen
1)
In Ergänzung der Prüf- und Maßnahmenwerte der BBodSchV sind gebietsbezogene Beurteilungswerte her-
anzuziehen, um bei der Gefahrenbeurteilung die bewertungsrelevanten Gegebenheiten des Gebietes zu
berücksichtigen.
2)
Hinweise und Empfehlungen der Gesundheitsverwaltung berücksichtigen.
3)
Haus- und Kleingärten, die sowohl als Aufenthaltsbereiche für Kinder als auch für den Anbau von Nah-
rungspflanzen genutzt werden.
4)
Bei Kleingärten ohne Nutzpflanzenanbau ist eine Einstufung wie „übrige Haus-/Vorgärten“ vorzunehmen;
im Falle einer dem Gartenbau oder Ackerbau ähnlichen Nutzung kann die Betrachtung des Direktpfades
entfallen

Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie
„Handlungsempfehlung für Gebiete mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten“
Seite 30
8.2 Schadstoff- und nutzungsabhängige gebietsbezogene Be-
urteilungswerte
Letztlich bedient sich die übergreifende
Detailuntersuchung der Begründung und
Ableitung stoff- und nutzungsbezogener
zusätzlicher Beurteilungswerte für be-
stimmte Schadstoffe für den Direktpfad,
in die statistische Kennwerte der Re-
sorptionsverfügbarkeit eingehen. Hierzu
ist eine repräsentative Stichprobe jedes
Gebietes mit einheitlicher Belastungsur-
sache auf Gesamtgehalte und resorp-
tionsverfügbare Anteile der relevanten
Schadstoffe zu untersuchen und statis-
tisch auszuwerten.
Bei der Ermittlung der Resorptionsver-
fügbarkeit wird mit Hilfe spezieller Ana-
lyseverfahren die Aufnahme von Schad-
stoffen im Magen-Darm-Trakt simuliert.
Die Methode befindet sich zurzeit noch
in der Erprobung. Im Rahmen eines For-
schungsvorhabens des Umweltbundes-
amtes (UBA 1999) konnte jedoch ge-
zeigt werden, dass die Methodik für ein
physiologienahes Elutionsverfahren zur
Ermittlung der Resorptionsverfügbarkeit
im Laborversuch mittlerweile weit fortge-
schritten ist. Seit Juli 2004 liegt die
DIN 19738 dazu vor.
Als statistische Kenndaten werden das
5. Perzentil, der Median (50. Perzentil)
sowie das 95. Perzentil der Verteilung
der ermittelten Verfügbarkeiten zur Ver-
wendung vorgeschlagen.
Für jeden in Frage kommenden Schad-
stoff und jeden nutzungsabhängigen
bzw. subnutzungsabhängigen Prüfwert
können nach diesem Vorgehen die Be-
urteilungswerte (BW
5
für das 5. Perzen-
til, BW
50
für den Median und BW
95
für
das 95. Perzentil der jeweils vorliegen-
den Verfügbarkeitsspanne) ermittelt
nach Kap. 6.5 auf die Fläche übertragen
und im Weiteren verwendet werden.
Die Ableitung von gebietsbezogenen
Beurteilungswerten nach der vorgestell-
ten Methodik ist für bestimmte Schad-
stoffe möglich, die in Sachsen flächen-
haft erhöhte Gehalte aufweisen, ins-
besondere für Arsen und das Schwer-
metall Cadmium. Dies begründet sich
darin, dass für den Wirkungspfad Bo-
den-Mensch im Hinblick auf die Prüf-
wertableitung für Arsen und Schwerme-
talle im Regelfall die orale Aufnahme
bewertungsrelevant ist. Jedoch wurden
die Bleiprüfwerte für den Direktpfad aus
epidemiologischen Erkenntnissen abge-
leitet. Daher kann der Prüfwert für Blei
nicht ohne weiteres über die Resorpti-
onsverfügbarkeit modifiziert werden.
Beim Chrom-Prüfwert wurde die inhala-
tive Aufnahme von Cr
VI
zu Grunde ge-
legt, wenngleich der Prüfwert für Cr
gesamt
gilt
2
. Auch bei Nickel ist die inhalative
Aufnahme nicht zu vernachlässigen.
Aus diesem Grund sind bei der Ablei-
tung gebietsbezogener Beurteilungs-
werte für flächenhafte Chrom- und Ni-
ckelbelastungen zusätzlich Kriterien zur
Differenzierung der inhalativen Aufnah-
me zu berücksichtigen.
Für organische Schadstoffe ist die vor-
gestellte Methodik nicht generell geeig-
net, weil neben der oralen Aufnahme
häufig auch die dermale Aufnahme be-
wertungsrelevant sein kann.
2
Bei der Ableitung des Prüfwertes für Chrom wurde
regelhaft angenommen, dass 10 % des Cr
gesamt
als
Cr
VI
vorliegen. Untersuchungen aus Nordrhein-
Westfalen zeigen, dass Böden, die nicht explizit mit
Cr
VI
belastet sind, Cr
VI
-Anteile von weit unter 0,5 %
aufweisen (Kim et al. 2002). Daher ist bei Über-
schreitung des Prüfwertes für Chrom auch eine Un-
tersuchung im Hinblick auf die enthaltenen Mengen
an Cr
VI
nach DIN 19734 im Rahmen der Detailunter-
suchung in Betracht zu ziehen.

Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie
„Handlungsempfehlung für Gebiete mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten“
Seite 31
Beispiel:
Ein Schadstoff sei bei Vorliegen einer speziellen Belastungsursache auf
Grund der entsprechenden Untersuchung einer repräsentativen Anzahl Proben zu
10 % bis 50 % resorptionsverfügbar (5. Perzentil bzw. 95. Perzentil der angenom-
menen Verteilung); der Median dieser Verteilung liege bei 25 %. Der Prüfwert be-
trage 100 mg/kg.
Aus dem Verhältnis von Prüfwert und den Perzentilen der Verfügbarkeit ergeben
sich neue, an die Fallgestaltung angepasste Beurteilungswerte. Je geringer die Ver-
fügbarkeit eines Stoffes ist, desto höher kann (wie das Beispiel zeigt) die Prüfwert-
überschreitung sein, ohne dass dieser Beurteilungswert überschritten wird:
Resorptionsverfügbarer Anteil (RV)
Prüfwert (P)
gebietsbezogener Beurteilungs-
wert (P/RV)
5.Perzentil
10 % (0,1)
BW
95
1.000 mg/kg
Median
25 % (0,25)
BW
50
400 mg/kg
95.Perzentil
50 % (0,5)
100 mg/kg
BW
5
200 mg/kg
Bei einer 50 %igen Resorptionsverfügbarkeit (95. Perzentil) des Beispiels ergibt sich
bei einem Prüfwert von 100 mg/kg ein Beurteilungswert BW
5
von 200 mg/kg. Der
Prüfwert (Gesamtgehalt) kann somit bis zum Zweifachen überschritten werden, oh-
ne dass mit einer 95 %igen Wahrscheinlichkeit der verfügbare Anteil den Prüfwert
überschreitet.
Bei einer hier angenommenen unteren Resorptionsverfügbarkeit (5. Perzentil) von
10 % ergibt sich ein Beurteilungswert BW
95
von 1.000 mg/kg. Ab einer Prüfwert-
überschreitung um somit mehr als das Zehnfache überschreitet der verfügbare An-
teil den Prüfwert mit einer 95 %igen Wahrscheinlichkeit.
Liegt die Prüfwertüberschreitung zwischen diesen beiden Extremen, ist keine ein-
deutige Entscheidung möglich. Eine weitere Differenzierung erfolgt mit Hilfe des
Medians der Verteilung. Bei einem angenommenen Median der Verfügbarkeitsver-
teilung von 25 % ist der Beurteilungswert BW
50
400 mg/kg. Bei Überschreitung die-
ses sich aus dem Median ergebenden Beurteilungswertes ist eine Überschreitung
des Prüfwertes durch den verfügbaren Anteil wahrscheinlich, bei einer Unterschrei-
tung hingegen unwahrscheinlich.
8.3 Abgleich der Schadstoffgehalte nach Schadstoffkarte mit
gebietsbezogenen Beurteilungswerten
Gemäß dem in Abbildung 6 dargestell-
ten Ablaufschema besteht der nächste
Schritt der Detailuntersuchung darin,
einen Abgleich des nach Schadstoffkar-
te für die Fläche anzunehmenden
Schadstoffgehalts im Boden mit dem im
Rahmen der übergeordneten Detailun-
tersuchung ermittelten gebietsbezo-
genen Beurteilungswert vorzunehmen
(vgl. dort
).

Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie
„Handlungsempfehlung für Gebiete mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten“
Seite 32
Dadurch wird eine Unterscheidung in 4
Kategorien möglich (vgl.
in Abbil-
dung 6):
Für das zu betrachtende Grundstück
kann gelten:
Es besteht kein Verdacht auf schäd-
liche Bodenveränderungen (kein Ge-
fahrenverdacht). Maßnahmen zur
Gefahrenabwehr sind nicht erforder-
lich.
Der Gefahrenverdacht kann weder
ausgeschlossen noch hinreichend
bestätigt werden. Wenn nicht ein-
fache Maßnahmen (Stufe 1) der Ge-
fahrenabwehr ergriffen werden sol-
len, ist eine für diese Fläche weiter-
gehende Prüfung zur abschließenden
Gefahrenbeurteilung erforderlich.
Das flächenhafte Auftreten von
schädlichen Bodenveränderungen
kann als hinreichend wahrscheinlich
angesehen werden. Es sollen nut-
zungsbezogene Maßnahmen zur Ge-
fahrenabwehr ergriffen werden. Nach
Maßgabe der Expositionsbeding-
ungen bei aktuellen Nutzungsverhält-
nissen sind Maßnahmen der Stufe 1
oder 2 erforderlich.
Der Gefahrenverdacht ist abschlies-
send bestätigt. Es sind i. d. R. Maß-
nahmen der Gefahrenabwehr in der
Stufe 2 erforderlich. Ob Maßnahmen
der Stufe 1 doch ausreichen, kann
durch eine Einzelfallprüfung ermittelt
werden.
8.4 Vertiefende Prüfung
Ziel im vorliegenden Zusammenhang ist
es, das Ausmaß notwendiger Einzelfall-
prüfungen so gering wie möglich zu hal-
ten. Wenn eine vertiefende Prüfung not-
wendig wird, kann differenziert werden
in:
Untersuchungen am Donator (boden-
und stoffbezogene Prüfungen, z.B.
Bestimmung bestimmter Bindungs-
formen),
Untersuchungen zur Transmission
(Abschätzung des Stoffübergangs
vom Donator zum Akzeptor; hier: ein-
zelfallbezogene Expositionsabschät-
zungen) und
Untersuchungen am Akzeptor
(schutzgutbezogene Prüfungen; hier:
Biomonitoring).
Die im Einzelfall anzuwendenden Mög-
lichkeiten und in Abhängigkeit von der
konkreten Fallgestaltung sachgerechten
Prüfschritte sind im Merkblatt 22 des
Landesumweltamtes NRW aufgeführt
und können auch hier Anwendung fin-
den.
Die sächsische Altlastenmethodik ist zu
beachten.

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„Handlungsempfehlung für Gebiete mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten“
Seite 33
9
Untersuchung und Bewertung des Wirkungspfades
Boden-Pflanze
9.1 Differenzierung der Expositionsbedingungen
Beim Wirkungspfad Boden-Nutzpflanze
sind die Bedingungen für den Schad-
stofftransfer Boden-Nutzpflanze mit Hilfe
der wesentlichen Einflussfaktoren wie
den Schadstoffgehalten der Böden und
deren Pflanzenverfügbarkeit abzuschät-
zen.
Dabei sind Teilwirkungspfade zu be-
trachten und maßnahmenseitig nach
Möglichkeit zu berücksichtigen, die je
nach Expositionsbedingungen und
Schadstoffeigenschaften eine unter-
schiedliche Relevanz haben können:
Systemischer Pfad: Schadstoffauf-
nahme erfolgt über die Wurzeln
Luftpfad: Flüchtige Schadstoffe ge-
langen in die bodennahe Luft und
werden über die Pflanzenoberfläche
bzw. über die Spaltöffnungen aufge-
nommen.
Verschmutzungspfad: Verschmut-
zungen des Erntegutes durch Boden-
anhang bestimmen den Schadstoff-
gehalt. Dieser Pfad hat besondere
Relevanz bei Futtermitteln, da sie im
Regelfall ungewaschen verwendet
werden.
9.2 Schadstoffabhängige gebietsbezogene Beurteilungswerte
Im Rahmen der gebietsbezogenen De-
tailuntersuchung für den Pfad Boden-
Pflanze ist die tatsächliche Gefährdung
durch den Übergang von Schadstoffen
aus dem Boden in Nahrungsmittel und
Futterpflanzen letztendlich abzuschät-
zen. In der Regel ist es sinnvoll und not-
wendig gebietsspezifisch die Beziehung
zwischen den Schadstoffgehalten im
durchwurzelten Boden und den Schad-
stoffgehalten in der Pflanze heranzuzie-
hen. Aus den Ergebnissen dieses Ver-
gleiches können kritische Gesamtge-
halte abgeleitet werden, bei deren Über-
schreitung mit hoher Wahrscheinlichkeit
mit einer Überschreitung der lebensmit-
tel- sowie der futtermittelrechtlichen
Höchstgehalte zu rechnen ist (vgl. LfL
2003).
9.3 Abgleich der Schadstoffgehalte nach Schadstoffkarte mit
gebietsbezogenen Beurteilungswerten
Für den zu betrachtenden Einzelfall
kann wie in der Bewertung des Direkt-
pfades gelten:
Es besteht kein Verdacht auf schäd-
liche Bodenveränderungen (kein Ge-
fahrenverdacht). Maßnahmen zur
Gefahrenabwehr sind nicht erforder-
lich.
Der Gefahrenverdacht kann weder
ausgeschlossen, noch hinreichend
bestätigt werden. Wenn nicht ein-
fache Maßnahmen (Stufe 1) der Ge-

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„Handlungsempfehlung für Gebiete mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten“
Seite 34
fahrenabwehr ergriffen werden sol-
len, ist für diese Fläche eine weiter-
gehende Prüfung zur abschließenden
Gefahrenbeurteilung erforderlich.
Das flächenhafte Auftreten schäd-
licher Bodenveränderungen kann als
hinreichend wahrscheinlich angese-
hen werden. Es sollen nutzungsbezo-
gene Maßnahmen zur Gefahrenab-
wehr ergriffen werden. Nach Maß-
gabe der Expositionsbedingungen
bei aktuellen Nutzungsverhältnissen
sind Maßnahmen der Stufe 1 oder 2
erforderlich.
Der Gefahrenverdacht ist abschließ-
end bestätigt. Es sind i. d. R. Maß-
nahmen der Gefahrenabwehr in der
Stufe 2 erforderlich. Ob Maßnahmen
der Stufe 1 ausreichen, kann durch
eine Einzelfallprüfung ermittelt wer-
den.
9.4 Vertiefende Prüfung
Sofern eine vertiefende Prüfung nach
festgestellter Prüfwertüberschreitung
notwendig wird, ist wiederum zu dif-
ferenzieren in:
Untersuchungen am Donator (boden-
und stoffbezogene Prüfungen, z.B.
Bestimmung bestimmter Bindungs-
formen),
Untersuchungen zur Transmission
(Abschätzung des Stoffübergangs
vom Donator zum Akzeptor; hier:
Transferabschätzungen) und
Untersuchungen am Akzeptor
(schutzgutbezogene Prüfungen; hier:
Pflanzenuntersuchungen).
Die im Einzelfall anzuwendenden Mög-
lichkeiten und in Abhängigkeit von der
konkreten Fallgestaltung sachgerechten
Prüfschritte sind im Merkblatt 22 des
Landesumweltamtes NRW aufgeführt
und können auch hier Anwendung fin-
den. Weitere Hilfestellungen bietet die
Arbeitshilfe des Landesumweltamtes
Brandenburg zum Wirkungspfad Boden-
Pflanze-Tier (LUA BB 2003).

Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie
„Handlungsempfehlung für Gebiete mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten“
Seite 35
10
Gebietsbezogene Umsetzung der Anforderungen
des § 12 Abs. 10 BBodSchV
Die Untersuchungen können ergeben,
dass im betrachteten Untersuchungsge-
biet flächenhaft Überschreitungen der
Vorsorgewerte oder auch flächenhaft
schädliche Bodenveränderungen auftre-
ten oder zu erwarten sind, die eine ge-
bietsbezogene Umsetzung von Maßnah-
men des Bodenschutzes sinnvoll macht
(vgl. Kap. 7). In beiden Fällen sind die
Anforderungen nach § 12 Abs. 10
BBodSchV an die Verlagerung von Bo-
denmaterial im abgegrenzten Belas-
tungsgebiet zu erfüllen.
Die gebietsbezogene Umsetzung der
Anforderungen an die Umlagerung von
Bodenmaterial kann in Abhängigkeit von
der Belastungssituation auf zwei Wegen
erfolgen (vgl. Kap. 6.1):
1. Bei flächenhaften Überschreitungen
der Vorsorgewerte können die An-
forderungen an die Bodenum-
lagerung auch ohne Rechtsverord-
nung nach § 9 SächsABG gebiets-
bezogen umgesetzt werden. Dazu
bieten sich Allgemeinverfügungen
auf der Grundlage des § 12 Abs. 10
BBodSchV an. Es existiert hierzu ei-
ne Vollzugshilfe von Seiten der LA-
BO, die alle wesentlichen Anforde-
rungen beschreibt. Auf Grundlage
dieser Vollzugshilfe wurden seitens
SMUL entsprechende Hinweise an
die Bodenschutzbehörden erlassen
(SMUL 2003a). Allgemeine Hinweise
zu den Anforderungen des § 12
BBodSchV hat das Sächsische Lan-
desamt für Umwelt und Geologie in
einem Merkblatt übersichtlicht zu-
sammengestellt (LfUG 2001).
2. Beim Vorliegen flächenhafter schäd-
licher Bodenveränderungen können
die Anforderungen an die Bodenum-
lagerung bevorzugt zusammen mit
den sonstigen gebietsbezogenen
Regelungen in Form von Rechtsver-
ordnungen zu Bodenplanungsgebie-
ten umgesetzt werden. Grundlage
für die Umsetzung bildet in diesem
Fall § 9 SächsABG. In einem ersten
Schritt kann auch bei einer Gebiets-
ausweisung nach § 9 SächsABG
vorerst nur der Umgang mit belaste-
tem Bodenmaterial geregelt werden.
Weitere Regelungen können zeitlich
versetzt folgen.
Um die Ausnahmeregelungen des § 12
Abs. 10 BBodSchV in Anspruch nehmen
zu können, sollte
in jedem Fall eine Ge-
bietsausweisung in Form eines Boden-
planungsgebietes oder einer Allgemein-
verfügung geprüft werden. Zwar ist
grundsätzlich die Inanspruchnahme der
Ausnahmeregelung auch ohne behörd-
liche Gebietsausweisung möglich, da
Satz 2 des benannten Absatzes nur eine
Kann-Bestimmung enthält. Jedoch wird
in nicht ausgewiesenen Gebieten mit er-
höhten Schadstoffgehalten im Regelfall
vom Pflichtigen die Vorlage repräsenta-
tiver Bodenuntersuchungsergebnisse
nach § 12 Abs. 3 BBodSchV zu ver-
langen sein, wenn die zuständige Bo-
denschutzbehörde Fehlentscheidungen
vermeiden möchte.
Zu den wesentlichen materiellen Anfor-
derungen an das Auf- und Einbringen
von Bodenmaterial auf oder in Böden
zählen hier insbesondere:
Verschlechterungsverbot: Die Schad-
stoffsituation sowie die Bodenfunk-
tionen nach § 2 Abs. 2 Nr. 1 und
Nr. 3 Buchstaben b + c BBodSchG

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„Handlungsempfehlung für Gebiete mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten“
Seite 36
dürfen durch das auf- bzw. einge-
brachte Bodenmaterial nicht ver-
schlechtert werden.
Qualitätsanforderungen: Die Eigen-
schaften des Bodenmaterials müssen
für die Ansprüche der Zielnutzung am
Ort der Aufbringung geeignet sein.
Es gilt der Grundsatz „Gleiches zu
Gleichem“ (siehe DIN 19731), von
dem nur begründet abgewichen wer-
den soll.
Die bodenschutzrechtlichen und -fach-
lichen Anforderungen sind entsprechend
den Ausführungen der Hinweise zum
Vollzug von § 12 BBodSchV (SMUL
2003a) zu beachten.
Bei Verlagerungen von Bodenmaterial
innerhalb von ausgewiesenen Gebieten
mit erhöhten Schadstoffgehalten bzw.
mit schädlichen Bodenveränderungen
kann im Regelfall von der Untersu-
chungserfordernis im Sinne des § 12
Abs. 3 BBodSchV abgesehen werden,
wenn nachstehende Vorgaben eingehal-
ten werden.
Die Abgrenzung des Gebietes erfolgt
entsprechend den methodischen Vor-
gaben der Kapitel 6 und 11. Dazu
sind gebietstypische Schadstoffbe-
lastungen der Böden nach Belas-
tungshöhe und -art zu ermitteln; in
der Regel ist die Schadstoffsituation
mit Hilfe gebietsspezifischer Median-
werte und 90. Perzentilwerte zu be-
schreiben. Genügen die vorliegenden
Bodendaten nicht den statistischen
und geostatistischen Anforderungen,
dann sind Nachbeprobungen vorzu-
nehmen, um ein flächenrepräsenta-
tives Messnetz zu garantieren.
Im Falle eines vergleichsweise homo-
genen flächenhaft belasteten Gebie-
tes können gebietstypische Schad-
stoffbelastungen für das ganze Ge-
biet einheitlich definiert werden. Bei
räumlich heterogener Belastungssi-
tuation sind Teilgebiete abzugrenzen
und dafür die typischen Belastungs-
parameter anzugeben.
Das Auf- und Einbringen von gebiets-
typisch belastetem Bodenmaterial auf
oder in Böden innerhalb des ausge-
wiesenen Gebietes ist nur innerhalb
der jeweiligen Teilgebiete selbst zu-
lässig. Zulässig ist auch eine Verla-
gerung von Bodenmaterial aus ge-
ringer belasteten Teilgebieten in hö-
her belastete Teilgebiete.
Eine Zufuhr von belastetem Boden-
material von außerhalb des ausge-
wiesenen Gebietes ohne Untersu-
chungen nach § 12 Abs. 3
BBodSchV ist nicht zulässig, das
heißt die Ausnahmeregelungen gel-
ten in diesem Fall nicht. Von der Be-
schränkung können ggf. Bodenumla-
gerungen ausgenommen werden, die
aus unmittelbar benachbarten, amt-
lich festgelegten Gebieten mit erhöh-
ten Schadstoffgehalten stammen,
wobei das Verschlechterungsverbot
einzuhalten ist.
Flächen innerhalb des Gebietes mit
erhöhten Schadstoffgehalten, die
keine gebietstypischen Belastungen
aufweisen, sind vom Geltungsbereich
der gebietsbezogenen Regelungen
auszunehmen. Sie sind in Kartenwer-
ken zu kennzeichnen. Dazu gehören
insbesondere
o Flächen mit bekannten oder ver-
muteten spezifischen, das heißt
nicht naturbedingten oder großflä-
chig siedlungsbedingten Belas-
tungen, mithin schädlichen Boden-
veränderungen oder Altlasten so-
wie Verdachtsflächen oder altlast-
verdächtige Flächen,
o Flächen ohne erhöhte Schadstoff-
gehalte oder

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„Handlungsempfehlung für Gebiete mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten“
Seite 37
o Flächen gemäß § 12 Abs. 8
BBodSchV.
Die Umlagerung von Bodenmaterial
mit Prüfwertüberschreitungen sollte
grundsätzlich für sensible Nutzungen
wie Kinderspielflächen, Wohngebiete
und Acker- oder Grünlandflächen
ausgeschlossen werden.
Weiterhin ist in den gebietsbezo-
genen Regelungen die Umlagerung
von Bodenmaterial generell für die
folgenden Fälle auszuschließen:
o Bodenmaterial, bei dessen Aus-
hub sich Anhaltspunkte auf stoff-
liche Bodenbelastungen ergeben,
die über die gebietstypischen Be-
lastungen hinausgehen.
o Bodenmaterial mit Beimengungen
wie insbesondere Bauschutt, A-
schen oder organische Fremd-
stoffe.
Diese beiden letztgenannten Punkte
sind insofern von Bedeutung, als der
Pflichtige auch bei einer gebietsbezo-
genen Regelung der Ausnahmen von
den Untersuchungspflichten und einer
grundsätzlichen Genehmigung der Bo-
denumlagerung dafür Sorge zutragen
hat, dass das Verschlechterungsverbot
eingehalten wird. Selbstverständlich
sind bei der Aufbringung von Materialien
in jedem Fall - auch in Gebieten, in de-
nen flächenhafte schädliche Bodenver-
änderungen vorliegen - die Pflichten zur
Gefahrenabwehr zu beachten. Das
heißt, das Material, dessen Schadstoff-
gehalte die Prüfwerte überschreiten,
darf im selben Gebiet nur aufgebracht
werden, wenn am Ort der Aufbringung
die Pflichten zur Gefahrenabwehr einge-
halten werden.
Dies kann i.d.R. nur dann sichergestellt
werden, wenn zuvor im Rahmen einer
gebietsbezogenen Detailuntersuchung
eine Gefährdungsabschätzung z.B. an-
hand gebietstypischer Beurteilungswerte
vorgenommen wird oder worden ist.

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Seite 38
11
Grenzziehung bei der Festlegung von Gebieten mit
erhöhten Schadstoffgehalten bzw. mit flächen-
haften schädlichen Bodenveränderungen
Nach Abschluss der gebietsbezogenen
orientierenden Untersuchung und Detail-
untersuchung sowie der Bestätigung,
dass
flächenhafte Vorsorgewertüberschrei-
tungen oder
flächenhaft auftretende schädliche
Bodenveränderungen
vorliegen, soll die endgültige Abgren-
zung des Gebietes nach außen erfol-
gen. Auf der Grundlage der Ergebnisse
der Detailuntersuchungen werden ab-
schließende Schadstoffkarten erstellt,
deren geostatistische Aussagesicherheit
eine hinreichende Gefahrenbestätigung
gewährleisten. Methodisch sind dabei
die Hinweise des Kapitels 6 zu berück-
sichtigen.
Anhand der abschließenden Schadstoff-
karten und darauf aufbauender Aus-
wertekarten werden die Grenzen des
Gebietes festgelegt. Die Grenzzie-
hungen müssen in der freien Landschaft
leicht erkennbar sein. Dies macht den
räumlichen Gültigkeitsbereich für ge-
bietsbezogene Sanierungs- sowie
Schutz- und Beschränkungsmaßnah-
men gegenüber den betroffenen Grund-
stückseigentümern oder den Inhabern
der tatsächlichen Gewalt transparenter.
Ferner wird der Vollzug und insbeson-
dere die Kontrolle der gebietsbezogenen
Maßnahmen durch die zuständige Bo-
denschutzbehörde erleichtert.
Ist also die Außengrenze des Gebietes
mit flächenhaft erhöhten Schadstoffge-
halten bzw. mit flächenhaft auftretenden
schädlichen Bodenveränderungen auf
Grund der erstellten Schadstoffkarten
bekannt, dann wird im zweiten Schritt
die Grenze des Bodenplanungsgebietes
an markante Geländegrenzen gelegt.
Solchen Geländegrenzen können bei-
spielsweise
Wege / Straßen,
Bö-
schungen oder Nutzungsgrenzen sein.
Es ist darauf zu achten, dass nur ver-
gleichsweise „stabile“ Grenzen herange-
zogen werden.
So eignen sich Grenzen zwischen A-
ckerschlägen oder zwischen Acker- und
Grünlandflächen nicht oder nur bedingt,
da durch Bewirtschaftungsänderungen
diese Grenzen schnell verloren gehen
können.
Bei der Grenzziehung können im Inter-
esse der eindeutigen Außengrenzen so-
wohl Ausdehnungen über die eigentliche
Belastungsfläche hinaus als auch Rück-
verlegungen an markante Grenzen not-
wendig sein (vgl. Abbildung 8).
In gleicher Weise ist auch eine Abgren-
zung zwischen Teilgebieten vorzuneh-
men.

image
image
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„Handlungsempfehlung für Gebiete mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten“
Seite 39
1. Ermitteln der Grenze des
Belastungsgebietes
Die Außengrenze des Belastungs-
gebietes wird nach der flächenhaf-
ten Schätzung der Schadstoffge-
halte an die Klassengrenze des
gebietsbezogenen Beurteilungs-
wertes gelegt.
Der gebietsbezogene Beurtei-
lungswert orientiert sich an den
Gegebenheiten des Einzelfalles.
Im einfachsten Fall ist es ein Prüf-
oder Maßnahmenwert. Im Falle
der übergreifenden Detailuntersu-
chung können auch um die Ver-
fügbarkeit korrigierte Prüfwerte
herangezogen werden.
2. Ermitteln der Grenze des
Bodenplanungsgebietes
Die Außengrenze des Belastungs-
gebietes verläuft zumeist mitten
durch Grundstücke oder mitten
durch die Feldflur.
Um die Grenzen eines Bodenpla-
nungsgebietes der Öffentlichkeit
nachvollziehbar zu machen und
um Vollzugsprobleme bei der
Durchschneidung von Grund-
stücken zu vermeiden, wird die
Grenze des Bodenplanungsgebie-
tes an markante Geländegrenzen
gelegt. Im Beispiel geschieht dies
durch die Ausdehnung des Bo-
denplanungsgebietes bis zu
Böschungskante bzw. die Rückverlegung der Grenze an den Verkehrsweg. Die Grenze des Boden-
planungsgebietes ist in eine Karte geeigneten Maßstabs durch eine Linie eindeutig zu kennzeichnen.
Abbildung 8: Festlegen der Außengrenzen bei Gebieten mit bodenbezogenen Prob-
lemlagen
12
Adressaten gebietsbezogener Maßnahmen
Das Bodenschutzrecht ermöglicht den
Rückgriff auf einen oft großen Kreis von
Pflichtigen bzw. Verantwortlichen.
Die Auswahl der in Anspruch zu neh-
menden Pflichtigen durch die zuständige
Bodenschutzbehörde ist eine Ermes-
sensentscheidung. Im Grundsatz kön-
nen alle Verpflichteten herangezogen
werden.
Besteht, wie meist, die Auswahl zwi-
schen mehreren Verantwortlichen, so
sind auch im Bodenschutzrecht prin-
zipiell die allgemeinen ermessensleiten-
den Grundsätze für die Entscheidung
bei der Auswahl zwischen mehreren
Verantwortlichen anzuwenden. Im Er-
gebnis ist jede Auswahl eines Adres-
saten unter mehreren Verantwortlichen
zulässig, wenn sie im Rahmen des Er-
messensspielraums liegt. In der Recht-
sprechung und im juristischen Schrifttum
wurden für die Ermessensauswahl inso-
weit unter anderem die folgenden Kri-
terien erarbeitet:
Nähe des Verantwortlichen zur Ge-
fahr,
Beherrschbarkeit der Gefahr durch
den Verantwortlichen,
Verantwortlichkeit für die zeitlich letz-
te, unmittelbare Ursache,
Belastungsgebiet
Gebietsanpassung an markante
Geländegrenzen
Grenze des Bodenplanungsge-
bietes
Belastungsgebiet

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„Handlungsempfehlung für Gebiete mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten“
Seite 40
Maß des Verursachungsbeitrags,
Beweisbarkeit des Verursachungs-
beitrags,
Zumutbarkeit der geforderten Maß-
nahmen (auch im Vergleich zu an-
deren Verantwortlichen),
finanzielle Leistungsfähigkeit des
Verantwortlichen (da eine hohe Leis-
tungsfähigkeit eher erwarten lässt,
dass die Pflicht auch wirklich effektiv
erfüllt wird),
Effektivität der Gefahrenabwehr.
Gerade in Gebieten mit flächenhaften
Belastungen besteht die Möglichkeit,
Fallgruppen zu bilden. Dadurch wird es
ermöglicht, Einzelfälle und potenzielle
Pflichtige gleich zu behandeln, die sich
im Hinblick auf das angestrebte Regel-
ungsziel im Wesentlichen gleichen.
Für die Ermessensauswahl, wer die ge-
eigneten, erforderlichen und angemes-
senen Maßnahmen umsetzen muss,
sind insbesondere die Effektivität der
Rechtsverwirklichung sowie die Nähe
zur Gefahr entscheidend. Angesichts
dieser leitenden Kriterien kann es bei
der Auswahl des Verantwortlichen ent-
scheidend sein, ob die durchzuführen-
den Bodenschutzmaßnahmen überwie-
gend auf die dauerhafte Verbesserung
oder Wiederherstellung bestimmter Bo-
deneigenschaften oder auf die Hand-
lungen auf Böden bzw. Nutzungen von
Böden abzielen; mit anderen Worten,
der Charakter der Maßnahme kann Hin-
weise auf den Adressaten geben. Als
Hilfestellung können drei praxisrelevante
Maßnahmengruppen unterschieden
werden:
1. Die dauerhafte Veränderung von
Bodeneigenschaften wird lediglich
durch vergleichsweise aufwändige
Sanierungsmaßnahmen, z.B. De-
kontaminationsmaßnahmen, Boden-
austausch oder Bodenüberdeckung,
erreicht. Für die Verantwortlichkeit
bei Sanierungsmaßnahmen gilt die
ausführliche Spezialregelung des
§ 4 Abs. 3 bis 6 BBodSchG. Dies
wird in den meisten Fällen zur Inan-
spruchnahme des Grundstücks-
eigentümers führen, jedoch können
auch andere Verantwortliche in Be-
tracht kommen.
2. Anders liegt der Fall insoweit, wenn
die Bodenschutzmaßnahmen auf die
Steuerung von Handlungen auf Bö-
den oder die Nutzung von Böden ab-
zielen. Derartige Maßnahmen, die
im Bodenschutzrecht als Schutz-
und Beschränkungsmaßnahmen be-
zeichnet werden, richten sich oft an
den Inhaber der tatsächlichen Ge-
walt, also denjenigen, der Böden
nutzt bzw. bewirtschaftet (z.B. Land-
wirt, Gärtner), oder denjenigen, der
Handlungen auf Böden vornimmt.
Auch Schutzmaßnahmen, die den
Schadstoffübergang vom Boden
zum Schutzgut vermindern sollen,
beispielsweise die Anlage einer
dauerhaften Vegetationsdecke so-
wie die Steuerung der Verfügbarkeit
der Schadstoffe, werden sich häufig
an den Inhaber der tatsächlichen
Gewalt richten.
Die über das Düngemittelrecht hin-
aus gehende Zugabe von Sorbentien
wie Eisen- und Manganoxiden zur
Steuerung der Verfügbarkeit von
Schwermetallen fällt nach landwirt-
schaftlicher Rechtspraxis in der Re-
gel nicht in die Bewirtschaftungsrech-
te des Pächters bzw. des Inhabers
der tatsächlichen Gewalt. Dies ergibt
sich etwa aus in vielen Musterpacht-
verträgen enthaltenen Regelungen
zur Klärschlamm- oder Bioabfallaus-
bringung, wonach letztere vom
Grundstückseigentümer (Verpächter)
dem Pächter genehmigt werden

Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie
„Handlungsempfehlung für Gebiete mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten“
Seite 41
muss (vgl. hierzu OLG Köln, AgrarR
1991, 323 f.; OLG Celle, AgrarR
1997, 259-260). Vor diesem Hinter-
grund sind entsprechende Festle-
gungen in Verordnungen zu Boden-
planungsgebieten an den Grund-
stückseigentümer zu adressieren.
Dies kann auch in der Form erfolgen,
dass vom Inhaber der tatsächlichen
Gewalt die Durchführung einer Maß-
nahme und vom Eigentümer die Dul-
dung dieser Maßnahme gefordert
wird.
Grundsätzlich bleiben zivilrechtliche Re-
gelungen des internen Ausgleichs inner-
halb des Kreises der Pflichtigen durch
die Adressierung unberührt.
Bei der Auswahl des Adressaten sind
auch Fragen des finanziellen Ausgleichs
zu berücksichtigen. Nach § 10 Abs. 2
BBodSchG ist nach Maßgabe des Lan-
desrechts bei der Beschränkung der
land- und forstwirtschaftlichen Boden-
nutzung sowie der Bewirtschaftung von
Böden für die nach zumutbaren innerbe-
trieblichen Anpassungen verbliebenen
wirtschaftlichen Nachteile ein Ausgleich
zu gewähren, wenn 1. die Pflichtigen
nicht Verursacher der schädlichen Bo-
denveränderungen sind und 2. die Nut-
zungsbeschränkungen andernfalls zu
einer über die damit verbundene allge-
meine Belastung erhebliche hinausge-
hende besondere Härte darstellen wür-
de.
13
Gebietsbezogene Maßnahmen zur Gefahrenabwehr
Die notwendigen gebietsbezogenen
Maßnahmen können nicht von der zu-
ständigen Bodenschutzbehörde allein
abgeleitet und durchgesetzt werden. Da-
zu bedarf es einer intensiven Abstim-
mung mit anderen betroffenen Behörden
insbesondere aus den Bereichen Ge-
sundheits- bzw. Verbraucherschutz, Ge-
wässerschutz, Land- und Forstwirt-
schaft, Abfallwirtschaft und Bauleitpla-
nung.
Besondere Bedeutung kommt der Rege-
lung von Nachweis-, Anzeige- und In-
formationspflichten der Verpflichteten
sowie Kontrollpflichten und Datenerhe-
bungen der zuständigen Behörden zu.
Dies ist nicht weiter Gegenstand der
vorliegenden Handlungsempfehlungen
und bedarf daher gesonderter Betrach-
tung.
Auch ist zu empfehlen, die Öffentlichkeit
frühzeitig in den Entscheidungsprozess
für eine gebietsbezogene Vorgehens-
weise einzubeziehen. Nur so lassen sich
eine breite Akzeptanz und eine zuver-
lässige Umsetzung der gebietsbezo-
genen Maßnahmen sicherstellen.
Beim Vorliegen von schädlichen Boden-
veränderungen und der Feststellung
einer Gefahrensituation sind in einem
angemessenen Zeitrahmen Maßnah-
men zur Gefahrenabwehr zu ergreifen,
wobei entweder Sanierungsmaßnahmen
oder aber Schutz- und Beschränkungs-
maßnahmen in Frage kommen. Im
Grundsatz beinhaltet § 4 Abs. 3
BBodSchG die Verpflichtung, dass die
Gefahrenabwehr in erster Linie mit Hilfe
von Sanierungsmaßnahmen zu bewerk-
stelligen ist. Erst wenn Sanierungsmaß-
nahmen nicht möglich oder aber unzu-
mutbar sind, können stattdessen
Schutz- und Beschränkungsmaßnah-
men ergriffen werden.
Im Falle des gebietsbezogenen Boden-
schutzes stellt sich die Frage, ob Sa-
nierungsmaßnahmen großflächig durch-
geführt werden können. In der Regel

Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie
„Handlungsempfehlung für Gebiete mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten“
Seite 42
werden auf Grund der deutlich höheren
Kosten und des deutlich höheren tech-
nischen Aufwands Sanierungsmaßnah-
men bei flächenhaften schädlichen Bo-
denveränderungen nicht verhältnismä-
ßig sein. Stattdessen wird der Schwer-
punkt möglicher Maßnahmen sicher im
Bereich der Schutz- und Beschrän-
kungsmaßnahmen liegen. Zur Umset-
zung der notwendigen Bodenschutz-
maßnahmen sollte den Pflichtigen eine
angemessene Frist eingeräumt werden.
Dies erscheint gerechtfertigt, weil im
Regelfall keine akuten sondern chro-
nische Gefahren von flächenhaften
schädlichen Bodenveränderungen aus-
gehen, die keine unmittelbare Umset-
zung zwingend erforderlich machen.
An dieser Stelle ist hervorzuheben, dass
vor bzw. mit der Anordnung von Maß-
nahmen der Gefahrenabwehr auch be-
trachtet werden sollte, ob erneute
Schadstoffimmissionen nicht zu wei-
teren schädlichen Bodenveränderungen
führen.
Im Falle von Sicherungsmaßnahmen
oder Schutz- und Beschränkungsmaß-
nahmen, die zur Abwehr von Gefahren
über den Wirkungspfad Boden-Nutz-
pflanze angeordnet werden, wird es in
der Regel angemessen sein, die Umset-
zung für die Vegetationsperiode vorzu-
schreiben, die dem Zeitpunkt des In-
Kraft-Tretens der Anordnung unmittelbar
folgt.
In den folgenden Unterkapiteln werden
geeignete gebietsbezogene Maßnah-
men für die Wirkungspfade Boden-
Mensch und Boden-Nutzpflanze aufge-
führt. Dabei werden Hinweise gegeben,
wie angemessene Maßnahmen bei un-
terschiedlicher Gefahrenlage ausge-
wählt werden können.
13.1
Wirkungspfad Boden-Mensch
Hat die gebietsbezogene Detailunter-
suchung bestätigt, dass flächenhaft
schädliche Bodenveränderungen vorlie-
gen, dann sind geeignete, erforderliche
und angemessene Maßnahmen auszu-
wählen.
Zu differenzieren sind Sanierungsmaß-
nahmen sowie Schutz- und Beschränk-
ungsmaßnahmen. Sanierungsmaßnah-
men wiederum können sowohl eine De-
kontamination (Beseitigung oder Ver-
minderung der Schadstoffe) als auch
eine Sicherung (Verhinderung der Aus-
breitung der vor Ort verbleibenden
Schadstoffe) zum Inhalt haben, wobei in
jedem Fall sicher zu stellen ist, dass der
Ausschluss einer Gefahr für die Schutz-
güter dauerhaft gewährleistet werden
kann. Schutz- und Be-
schränkungsmaßnahmen hingegen se-
hen i.d.R. keine technischen Eingriffe in
den Boden zur Abwehr von Gefahren
ausgehend von schädlichen Bodenver-
änderungen vor. Vielmehr wird durch
Anpassung der Nutzung und/oder der
Bewirtschaftung, die wiederum Einfluss
auf die Mobilität und Verfügbarkeit der
Schadstoffe haben, das Ausmaß der
Gefahr auf ein akzeptables Maß be-
grenzt.
Im Einzelfall ist die Zuordnung einer
Maßnahme in eine der hier beschrie-
benen Kategorien nicht immer eindeutig.
Insbesondere betrifft dies die Differen-
zierung in Sicherungs- oder Schutz- und
Beschränkungsmaßnahmen. In Anleh-
nung an MÜLLER & DELSCHEN (2000)
wird diesbezüglich das Kriterium der
zeitlichen Wirksamkeit der vorzusehen-
den Maßnahme mit hinzugezogen. So
hat danach eine Sicherungsmaßnahme
dauerhaft / lang bis mittelfristig
(Betrach-

Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie
„Handlungsempfehlung für Gebiete mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten“
Seite 43
tungszeitraum mindestens > 10-20 Jah-
re) den Ausschluss einer Gefahr zu ge-
währleisten, während eine vergleichbare
Maßnahme mit lediglich relativ kurzfris-
tiger Wirksamkeit (< 5 Jahre) als
Schutz- und Beschränkungsmaßnahme
zu bezeichnen wäre, die bei Erforder-
lichkeit gegebenenfalls auch mehrfach
bzw. dauerhaft zur Anwendung zu brin-
gen ist.
In Abhängigkeit von der jeweilig favori-
sierten Vorgehensweise betreffen die
Maßnahmen entweder den belasteten
Boden (Donator), setzen am Ausmaß
des Übergangs von Schadstoffen aus
dem Boden in das Schutzgut an (Trans-
fer) oder betreffen das Schutzgut selbst
(Akzeptor). In Abbildung 9 sind die ent-
sprechenden Ansatzpunkte durch die
Kürzel D, T und A den jeweiligen Maß-
nahmen zugeordnet. Um die Zusam-
menhänge und Zuordnungen zu ver-
deutlichen, ist hier der Wirkungspfad
Boden-Pflanze, dem ansonsten das
Kapitel 13.2 gewidmet ist, mit darge-
stellt.
Die nachstehenden Ausführungen sollen
die in diesem Zusammenhang in Frage
kommenden Maßnahmen näher erläu-
tern, ohne dem Anspruch auf Vollstän-
digkeit genügen zu wollen. Aus Gründen
der besseren Handhabbarkeit in der
Praxis wird dabei eine nach Nutzungs-
kategorien differenzierende Gliederung
gewählt, auch wenn dies inhaltliche Wie-
derholungen zur Folge hat, weil bestim-
mte Maßnahmen nutzungsübergreifend
Anwendung finden können und somit
mehrfach genannt werden müssen. Bei
der Ermittlung eines etwaigen Maßnah-
menbedarfs sind charakteristische Sub-
nutzungen zu berücksichtigen

Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie
„Handlungsempfehlung für Gebiete mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten“
Seite 44
Anweisung zur küchen
technischen Auf- und
Zubereitung
Verzehrsempfehlungen
und -einschränkungen
Handlungs- und
Nutzungsempfehlungen
Information der Ver-
braucher
…..
Maßnahmen zum
Verbraucherschutz
A
T/A
T/A
pH-Wert-Optimierung
Zugabe schwer zersetz-
barer organischer Sub-
stanzen, Fe/Mn-Oxide,
Tonminerale, Ionen-
austauscher als
Sorptionsträger
(kurzfristig wirksam)
Zusatz und Vermehrung
von Mikroorganismen
(Bildung von Sorptions-
trägern, Verminderung
der Schadstoffverfüg-
barkeit, Abbau orga-
nischer Stoffe)
(kurzfristig wirksam)
…..
Veränderungen der
Bodeneigenschaften
T
T
T/D
Bodenversiegelung
(kurzfristig wirksam)
Bodenbedeckung durch
geschlossene dichte
Pflanzendecke
(kurzfristig wirksam)
Anbau von Nahrungs-
pflanzen, deren Schad-
stoffgehalte im Verar-
beitungsprozess stark
abnehmen
Umstellen auf boden-
fern wachsende Früchte
Umwandlung von Nah-
rungspflanzenanbau
auf Zierpflanzen, ggf.
Futterpflanzen oder
nachw. Rohstoffe
Verbot kleingärt-
nerischer Nutzung
Nutzungsänderung
…..
Nutzungsanpassung
T
T
T
T
T
T
bzw. nicht zumutbar
Einschränkung des An-
baus mäßig bis stark
schadstoffanreichern-
der Nahrungspflanzen
und -sorten
Anbau von Nahrungs-
pflanzenarten und
-sorten mit geringem
Schadstoffanreiche-
rungspotential
Schutzmaßnahmen
gegen Verschmutzung
(Lochmatten, Mulch, ..)
Unterglas- bzw. -folien-
anbau zum Schutz vor
Verschmutzung
Beregnung nicht be-
festigter Flächen zur
Vermeidung von Ab-
wehungen
…..
Schutz- und Beschränkungsmaßnahmen
(insbesondere auf Wirkungspfad Boden-Nutzpflanze)
Bewirtschaftungsanpassung
T
T
T
D
D
sofern Sanierung nicht möglich
keine Gefahr besteht
Bodenüberdeckung
Bodenversieglung
(dauerhaft wirksam)
Phytostabilisierung
Bodenbedeckung durch
geschlossene dichte
Pflanzendecke
(dauerhaft wirksam)
Zusatz schwer zersetz-
barer Substanzen, Ton-
minerale, Fe/Mn-Oxide,
Ionenaustauscher als
Sorptionsträger
(dauerhaft wirksam)
Zusatz und Vermehrung
von Mikroorganismen
(Bildung von Sorptions-
trägern, Verminderung
Schadstoffverfügbarkeit
,
Abbau von organischen
Stoffen
(dauerhaft wirksam)
…..
im allgemeinen
sofern gewährleistet ist, dass nach der
Sanierung dauerhaft
Sicherungsmaßnahmen
D
T
T
T
T
T/D
Nachweis schädlicher Bodenveränderungen durch
-
Überschreitung Maßnahmenwerte nach BBodSchV
-
Bestätigung eines Gefahrenverdachts durch weiter-
gehende Sachverhaltsermittlungen
e Eignung gesichert
Bodenaustausch
Verlagerung von
Schadstoffen in
tiefere Schichten
Phytoextraktion
Elektrokinetische
Sanierung
…..
Donator (belasteter Boden)
Transfer (Übergangsverhalten)
Akzeptor (Mensch bzw. Pflanze)
=
=
=
Sanierungsmaßnahmen
(insbesondere in Bezug auf Wirkungspfad Boden-Mensch)
sofern technisch und wirtschaftlich durch-
führbar und praktisch
Dekontaminationsmaßnahmen
(ohne ex-situ-Maßnahmen)
D
D
D
D
D
T
A
Abbildung 9: Maßnahmen zur Gefahrenabwehr (Wirkungspfad Boden-Mensch und
Boden-Nutzpflanze) in Anlehnung an MÜLLER & DELSCHEN 2000 und
MARSCHNER & JANNUSCH 2002

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„Handlungsempfehlung für Gebiete mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten“
Seite 45
13.1.1 Nutzungskategorie Kinderspielflächen
Die im Folgenden genannten Maßnah-
men gelten für die außerhalb des eigent-
lichen Sandkastenbereiches befind-
lichen und bei Kinderspielaktivitäten
stark frequentierten Flächen. Das wei-
tere Umfeld ist nach den Vorgaben für
Park- und Freizeitanlagen zu bewerten
(vgl. Kap. 8).
Tabelle 5:
Auswahl von möglichen Maßnahmen zur Gefahrenabwehr bei Kinder-
spielflächen
Maßnahmenebene einfache Maßnahmen
Stufe1
weitere Maßnahmen
Stufe 2
Schutz- und
Beschränkungsmaßnahmen
Nutzungsanpassung
Maßnahmen Verbraucher-
schutz
Bodenbedeckung
durch
dichte Vegetation (Rasen)
als Übergangslösung
Information
und Kommu-
nikation
Nutzungsänderung
in eine
weniger sensible Nutzung
Sanierungsmaßnahmen
Sicherungsmaßnahmen
Dekontaminationsmaß-
nahmen
Bodenbedeckung
durch
geschlossene dichte, lang-
lebige Vegetation (boden-
deckende Gehölze)
Bodenversiegelung
durch fach-
gerechte Pflasterung oder Plat-
tierung offener Bereiche
Bodenüberdeckung
durch Auf-
trag von qualitätsgesichertem
Bodenmaterial in hinreichender
Mächtigkeit (i. d. R. 35 cm) und
Einbau Trennelement
Bodenaustausch
der oberen
Bodenschicht in ausreichender
Mächtigkeit (i. d. R. 35 cm)
durch Entsorgung des beste-
henden Bodens und Ersatz
durch qualitativ geeignetes
neues Bodenmaterial und Ein-
bau Trennelement

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„Handlungsempfehlung für Gebiete mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten“
Seite 46
13.1.2 Nutzungskategorie Wohngebiet
Die im Folgenden genannten Maßnah-
men gelten für wohnbaulich genutzte
Flächen. Hinsichtlich der Subnutzungen
sind unterschiedliche Expositionsbe-
dingungen zu beachten (vgl. Kap. 8.1).
Tabelle 6:
Auswahl von möglichen Maßnahmen zur Gefahrenabwehr in Wohnge-
bieten
Maßnahmenebene einfache Maßnahmen
Stufe 1
weitere Maßnahmen
Stufe 2
Schutz- und
Beschränkungsmaßnahmen
Nutzungsanpassung
Maßnahmen Verbraucher-
schutz
Bodenbedeckung
durch
geschlossene Vegetation
(Rasen) als Übergangs-
lösung
Handlungs- und Nutzungs-
empfehlungen zur Min-
derung möglicher Expo-
sitionen
Nutzungsänderung
in eine
weniger sensible Nutzung (nur
im Ausnahmefall möglich)
Handlungs- und Nutzungsein-
schränkungen zur Minderung
möglicher Expositionen (Auf-
lagen)
Sanierungsmaßnahmen
Sicherungsmaßnahmen
Dekontaminationsmaß-
nahmen
Bodenbedeckung
durch
geschlossene dichte, lang-
lebige Vegetation (boden-
deckende Gehölze)
Bodenversiegelung
durch fach-
gerechte Pflasterung oder Plat-
tierung offener Bereiche (nur
im Ausnahmefall möglich)
Bodenüberdeckung
durch Auf-
trag von qualitätsgesichertem
Bodenmaterial; Einbau Trenn-
element
Bodenaustausch
in hinrei-
chender Mächtigkeit in Abhän-
gigkeit von den Sanierungs-
zielen, durch Entsorgung des
bestehenden Bodens und Er-
satz durch qualitativ geeigne-
tes neues Bodenmaterial und
Einbau Trennelement

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„Handlungsempfehlung für Gebiete mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten“
Seite 47
13.1.3 Nutzungskategorie Park- und Freizeitanlagen
Auf Grund der eher als gering einzu-
schätzenden Expositionsmöglichkeiten
bei dieser Nutzungskategorie ist erst bei
höheren Schadstoffgehalten im Boden
eine Gefahr über den Direktpfad zu be-
sorgen.
Zudem ist es zweckmäßig, bei der Nut-
zungskategorie Park- und Freizeitanlage
spezifische Subnutzungen zu unter-
scheiden (vgl. Kap. 8.1).
Insofern gelten die folgenden Aus-
führungen im Wesentlichen für frei zu-
gängliche und im üblichen Rahmen ge-
nutzte Rasenflächen, Rabatten und Zier-
beete.
Tabelle 7:
Auswahl von möglichen Maßnahmen zur Gefahrenabwehr bei Park- und
Freizeitanlagen
Maßnahmenebene einfache Maßnahmen
Stufe 1
weitere Maßnahmen
Stufe 2
Schutz- und
Beschränkungsmaßnahmen
Nutzungsanpassung
Maßnahmen Verbraucher-
schutz
Bodenbedeckung
durch
dichte Vegetation (Rasen)
als Übergangslösung
Information
und Kommu-
nikation
Nutzungsänderung
in eine
weniger sensible Nutzung
(wohl nur im Ausnahmefall
möglich)
Sanierungsmaßnahmen
Sicherungsmaßnahmen
Dekontaminationsmaß-
nahmen
Bodenbedeckung
durch
geschlossene dichte, lang-
lebige Vegetation (boden-
bedeckende Gehölze)
Bodenversiegelung
durch fach-
gerechte Pflasterung oder
Plattierung offener Bereiche
(nur im Ausnahmefall möglich)
Bodenüberdeckung
durch Auf-
trag von qualitätsgesichertem
Bodenmaterial in hinreichender
Mächtigkeit und Einbau Trenn-
element
Bodenaustausch
der oberen
Bodenschicht in hinreichender
Mächtigkeit durch Entsorgung
des bestehenden Bodens und
Ersatz durch qualitativ geeig-
netes neues Bodenmaterial
und Einbau Trennelement

Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie
„Handlungsempfehlung für Gebiete mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten“
Seite 48
13.2 Wirkungspfad Boden-Nutzpflanze
Während im vorigen Kapitel in Bezug
auf den Wirkungspfad Boden-Mensch
nach Nutzungskategorien differenzie-
rende Möglichkeiten zur Gefahrenab-
wehr skizziert sind, soll im Folgenden
analog im Hinblick auf den Wirkungs-
pfad Boden-Pflanze verfahren werden.
Die folgende Auflistung soll die im Kon-
text des Wirkungspfades Boden-Nutz-
pflanze in Frage kommenden Maßnah-
men in Kürze näher vorstellen, wobei
kein Anspruch auf Vollständigkeit erho-
ben wird.
Maßnahmen der Gefahrenabwehr für
den Pfad Boden-Pflanze müssen sich
an den lebens- und futtermittelrecht-
lichen Anforderungen orientieren. Denn
über den Pfad Boden-Nutzpflanze geht
eine Gefahr für Mensch und Nutztier in
der Regel nur über kontaminierte Le-
bens- und Futtermittel (einschließlich
Weideaufwuchs) aus. Bodenschutz-
rechtliche Anordnungen sind i.d.R.
- auch bei flächenhaftem Überschreiten
der Maßnahmewerte - dann nicht erfor-
derlich, wenn die Anforderungen nach
dem Lebens- und Futtermittelrecht si-
cher erfüllt werden.
Es ist daher notwendig und sinnvoll, die
Maßnahmen der Bodenschutzbehörde
mit den Maßnahmen der jeweils zustän-
digen Behörden im lebens- und futter-
mittelrechtlichen Bereich abzustimmen.
Insbesondere ist zu prüfen, ob die erfor-
derliche Gefahrenabwehr schon alleine
auf Grund der lebensmittel- und futter-
mittelrechtlich vorgeschriebenen Eigen-
kontrollen der betroffenen Landwirte in
Verbindung mit der Überwachung durch
die Lebens- und Futtermittelbehörden
erreicht werden kann. Bei Maßnahmen
auf landwirtschaftlich genutzten Flächen
sollte bereits im Vorfeld die landwirt-
schafltiche Fachbehörde beteiligt wer-
den; spätestens über die zu ergreifen-
den Schutz- und Beschränkungsmaß-
nahmen ist Einvernehmen zu erzielen
(§ 5 BBodSchV Abs. 5). Zur Erfüllung
der erforderlichen Aufzeichungspflicht
können u.a. Schlagkarteien dienen.
Die Anordnung von Maßnahmen der
Gefahrenabwehr sollte dem Pflichtigen
Handlungsoptionen offen lassen. Im
Rahmen der Gefahrenabwehr kann es
notwendig sein, bestimmte Nutzungen
oder den Anbau bestimmter Fruchtarten
zu untersagen. In der Regel werden
aber verschiedene Alternativen zur Ge-
fahrenabwehr bestehen (vgl. Tabelle 8
und 9) zwischen denen der Pflichtige
dann in Abstimmung mit den beteiligten
Behörden eigenverantwortlich wählen
kann. Der Erfolg von Maßnahmen sollte
regelmäßig überprüft werden. Falls die
ergriffenen Maßnahmen die Gefahren
nicht hinreichend abwehren, sind im
Sinne einer Handlungskaskade weiter-
gehende Maßnahmen zu prüfen und
umzusetzen.
Weitere fachliche Hilfestellungen zur
Maßnahmenableitung beim Wirkungs-
pfad Boden-Nutzpflanze bieten Berichte
aus Brandenburg (LUA BB 2003) und
von der LABO (2005) sowie die Hinwei-
se und Empfehlungen der Sächsischen
Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL,
2006) und des Landesumweltamtes
NRW (LUA 2006).

Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie
„Handlungsempfehlung für Gebiete mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten“
Seite 49
Tabelle 8:
Auswahl von möglichen Maßnahmen zur Gefahrenabwehr bei Ackerbau
und Nutzgarten (verändert nach FELDWISCH & BARKOWSKI 2003)
Maßnahmenebene einfache Maßnahmen
Stufe 1
weitere Maßnahmen
Stufe 2
Schutz- und
Beschränkungsmaßnahmen
Bewirtschaftungs- und Nut-
zungsanpassung
Veränderung der Boden-
eigenschaften
Anbau
von bodenfern wach-
senden Früchten zur Ver-
minderung der Verschmut-
zungsgefahr** (Empfehlung)
Umstellen
von Nutzpflanzen-
anbau auf Zierpflanzen (Em-
pfehlung)
Umstellen von Nahrungs-
pflanzenanbau auf nach-
wachsende Rohstoffe oder
ggf. Futtermittel (Empfeh-
lung)
Einschränkung
des Anbaus
mäßig bis stark schadstoff-
anreichernder Nahrungs-
pflanzenarten und -sorten
(Empfehlung)
Anbau
von Nahrungspflan-
zenarten und -sorten mit
geringem Schadstoffanrei-
cherungspotenzial
Schutz- und Bewirtschaf-
tungsmaßnahmen gegen
Verschmutzung, z.B. Mul-
chen; verschmutzungsarme
Nutzpflanzenernte** (Emp-
fehlung)
optimale pH- Wert-
Einstellung
Zugabe
von Humus, Ton
oder anderen Sorptionsträ-
gern
Einschränkung
des Anbaus
mäßig bis stark schadstoff-
anreichernder Nahrungs-
pflanzenarten und -sorten
(Anordnung)
Verbot
bestimmter Nutzun-
gen, z. B. der kleingärtner-
ischen Nutzung
Verbot des Anbaus bestimm-
ter Fruchtarten (Anordnung)

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Maßnahmenebene einfache Maßnahmen
Stufe 1
weitere Maßnahmen
Stufe 2
Maßnahmen Verbraucher-
schutz
Handlungs- und Nutzungs-
empfehlungen
zur Mini-
mierung möglicher Ex-
positionen, Anweisungen zur
küchentechnischen Zube-
reitung, Verzehrsempfeh-
lungen
Handlungs- und Nutzungs-
einschränkungen zur Mini-
mierung möglicher Expositi-
onen
Sanierungsmaßnahmen
Sicherungsmaßnahmen
Dekontaminationsmaß-
nahmen
Bodenüberdeckung
durch
Auftrag von qualitätsge-
sichertem Boden (min-
destens 0,6 m); Einbau
Trennelement
Anlage von Hochbeeten
Bodenaustausch
(i.d.R.: 0,6
m) durch Entsorgung des
bestehenden Bodens und
Ersatz durch qualitativ ge-
eigneten neuen Boden; Ein-
bau Trennelement
*) siehe auch LfL 2003
**) siehe auch LABO (2005)
Tabelle 9:
Auswahl von möglichen Maßnahmen zur Gefahrenabwehr bei Grünland*
(verändert nach FELDWISCH & BARKOWSKI 2003)
Maßnahmenebene einfache Maßnahmen
Stufe 1
weitere Maßnahmen
Stufe 2
Schutz- und
Beschränkungsmaßnahmen
Bewirtschaftungsan-
passung
Anpassen der Erntetech-
nik, um Verunreinigungen
des Erntegutes mit Boden-
material zu reduzieren
(kein zu tiefer Schnitt etc.)
Vermeiden
von Grasnar-
benschäden durch:
- Beweidung nur bei aus-
reichendem Aufwuchs
- nicht zu hohen Viehbe-
satz
- kurze Beweidungszeiten
bei nasser Witterung
Wiesen- statt Weidenutzung
keine Dauerbeweidung,
ggf.
Zukauf betriebsfremder unbe-
lasteter Futtermittel
Ausgrenzen/Abzäunen
von
Senken in Überschwemmungs-
gebieten
Nutzungsänderung
oder -auf-
gabe

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Maßnahmenebene einfache Maßnahmen
Stufe 1
weitere Maßnahmen
Stufe 2
Veränderung der Boden-
eigenschaften
Anpassen des Erntezeit-
punktes: keine Ernte un-
mittelbar nach aktuellen
(Staub-)Immissions- oder
Überschwemmungsereig-
nissen, sondern nach
Niederschlägen oder Be-
regnungen, welche eine
ausreichende Reinigung
der Pflanzenoberfläche
gewährleisten; ggf. Ver-
werfen des Aufwuchses
Vermeiden der (erhöhten)
Freisetzung der Schad-
stoffe durch Mineralisa-
tionsschübe: Verbot des
Grünlandumbruchs und
Gebot der umbruchslosen
Grünlanderneuerung
Verringern der Pflanzen-
verfügbarkeit der Schwer-
metalle durch Überprüfen
und ggf. Erhöhen des pH-
Wertes (wegen beson-
derer Relevanz des Ver-
schmutzungspfades nur
eingeschränkt wirksam)
Sanierungsmaßnahmen
siehe Tabelle 8
siehe Tabelle 8
*) siehe auch LABO (2005)
14 Gebietsausweisung
Auf der Grundlage der gebietsbezo-
genen Untersuchungs- und Bewertungs-
schritte können je nach Sachverhalt auf
zwei Wegen Gebietsfestlegungen erfol-
gen:
1. Im Falle von Gebieten mit flächen-
haften Überschreitungen der Vorsor-
gewerte können die Regelungen zur
Umlagerung von Bodenmaterial auf
der Grundlage einer Allgemeinverfü-
gung gebietsbezogen umgesetzt
werden.
2. Im Falle von Gebieten mit flächen-
haft schädlichen Bodenveränder-
ungen können Bodenplanungsgebie-
te mit Hilfe von Rechtsverordnungen
ausgewiesen werden. In der Rechts-
verordnung sind die gebietsbezo-
genen Bodenschutzmaßnahmen
festzusetzen. Rechtsgrundlage für

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Seite 52
die Ausweisung von Bodenplan-
ungsgebieten ist § 9 SächsABG. Als
Regelungsgegenstände kommen so-
wohl Maßnahmen der Gefahrenab-
wehr als auch der Umgang mit be-
lastetem Bodenmaterial in Frage.
In den gebietsbezogenen Regelungen
§ 9 SächsABG sollten neben den Ge-
und Verboten u. a. auch Ausnahmetat-
bestände aufgeführt werden:
Erbringen der Grundstückseigen-
tümer oder der Inhaber der tatsäch-
lichen Gewalt im Einzelfall gegenüber
der zuständigen Bodenschutzbehör-
de den Nachweis, dass auf dem kon-
kreten Grundstück keine schädlichen
Bodenveränderungen vorliegen,
dann entfällt für diese Personen die
Pflichtigkeit.
Des Weiteren gelten die Regelungen
nicht, wenn im Einzelfall gegenüber
der zuständigen Bodenschutzbehör-
de der Nachweis erbracht wird, dass
auf dem konkreten Grundstück durch
eine bereits sachgerecht durchge-
führte Sanierung keine schädliche
Bodenveränderung mehr vorliegt.
Die Regelungen finden auch keine
Anwendung, wenn die zuständige
Bodenschutzbehörde auf Grund
punktueller oder auf einzelne Grund-
stücke beschränkter schädlicher Bo-
denveränderungen einzelfallbezo-
gene Maßnahmen zur Gefahrenab-
wehr verlangt.
Für die Untersuchungspflichten sollte in
den gebietsbezogenen Regelungen ins-
besondere Folgendes aufgenommen
werden:
Im ausgewiesenen Gebiet sind - Alt-
lasten und altlastenverdächtige Flä-
chen ausgenommen - weitergehende
Untersuchungen zur Gefährdungsab-
schätzung nach § 9 Abs. 2
BBodSchG durch den Pflichtigen in
der Regel nicht erforderlich.
Ferner sind bei der Verlagerung von
Bodenmaterial innerhalb des ausge-
wiesenen Gebietes bzw. von ausge-
wiesenen Teilgebieten in der Regel
keine Untersuchungen im Sinne des
§ 12 Abs. 3 BBodSchV erforderlich,
wenn die Anforderungen des Kapi-
tels 10 eingehalten werden.
Fristen zur Umsetzung der Boden-
schutzmaßnahmen sollten in Abhängig-
keit vom Maßnahmencharakter festge-
legt werden. Bei angeordneten Dekonta-
minationsmaßnahmen sollten bei beste-
henden Nutzungen angemessene Fris-
ten eingeräumt werden. Ein zeitlicher
Spielraum erscheint gerechtfertigt, da in
großflächigen Belastungsgebieten zu-
meist keine akuten Gefahren, sondern
Gefahren auf Grund chronischer Einwir-
kungen abzuwehren sind.
Im Falle von Nutzungswechseln sollten
notwendige Sanierungsmaßnahmen je-
doch vor der Innutzungsnahme eingefor-
dert werden.
Bei Schutz- und Beschränkungsmaß-
nahmen sowie bei Sicherungsmaßnah-
men sollte im Regelfall eine Umsetzung
innerhalb der Vegetationsperiode gefor-
dert werden, die dem In-Kraft-Treten der
gebietsbezogenen Regelung unmittelbar
folgt. Diese zeitliche Befristung erscheint
gerechtfertigt, weil Schutz- und Be-
schränkungsmaßnahmen sowie Si-
cherungsmaßnahmen in den meisten
Fällen vergleichsweise leicht und ohne
große technische Vorarbeiten umgesetzt
werden können.
Die gebietsbezogenen Regelungen
nach § 9 SächsABG können auch Ord-
nungswidrigkeiten definieren und die
Höhe des Bußgeldes im Rahmen von
§ 17 Abs. 2 SächsABG für die verschie-
dene Tatbestände festlegen.

Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie
„Handlungsempfehlung für Gebiete mit großflächig erhöhten Schadstoffgehalten“
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